Yalçın, Se ha ; Huben hal, Na alie; Die e ich, Juliane
Resea ch Repo
A bei s elde de Ankun : Mig an ische Pe spek i en au
A bei in Gas onomie, Reinigung und P lege
S udy de Hans-Böckle -S i ung, No. 487
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The Hans Böckle Founda ion
Sugges ed Ci a ion: Yalçın, Se ha ; Huben hal, Na alie; Die e ich, Juliane (2024) : A bei s elde de
Ankun : Mig an ische Pe spek i en au A bei in Gas onomie, Reinigung und P lege, S udy de
Hans-Böckle -S i ung, No. 487, ISBN 978-3-86593-404-8, Hans-Böckle -S i ung, Düsseldo
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STUDY
S udy 487 · Janua 2024
ARBEITSFELDER
DER ANKUNFT
Mig an ische Pe spek i en au A bei in Gas onomie,
Reinigung und P lege
Se ha Yalçın, Na alie Huben hal und Juliane Die e ich
Diese Band e schein als 487. Band de Reihe S udy de Hans-Böckle -
S i ung. Die Reihe S udy üh mi o lau ende Zählung die Buch eihe
„edi ion Hans-Böckle -S i ung“ in elek onische Fo m wei e .
S udy 487 · Janua 2024
ARBEITSFELDER
DER ANKUNFT
Mig an ische Pe spek i en au A bei in Gas onomie,
Reinigung und P lege
Se ha Yalçın, Na alie Huben hal und Juliane Die e ich
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© 2024 by Hans-Böckle -S i ung
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Lek o a : Wissenscha slek o a Zimme mann, lek o a -zimme mann.de
ISBN: 978-3-86593-404-8
5
INHALT
Zusammen assung 9
1 Einlei ung 12
2 Soziale Rep äsen a ionen als heo e isches Konzep 18
2.1. En s ehung, S uk u und Funk ionen soziale
Rep äsen a ionen 18
2.2 Me hodische Ansä ze zu E o schung soziale
Rep äsen a ionen 22
3 Me hodisches Ve ah en 24
3.1 Da ene hebung mi els lei adenges ü z e In e iews 24
3.2 Ges al ung des Feldzugangs 26
3.3 Be ag e Pe sonen 29
3.4 Da enauswe ung 32
4 A bei s eld Gas onomie 34
4.1 B anchenspezi ische Rahmenda en: A bei s eld Gas o-
nomie im G und iss 34
4.2 Einblicke in das A bei s eld Gas onomie aus Sich de
Schlüsselpe sonen 40
4.3 Vo s ellungen zu Deu schland: A bei s eld Gas onomie 52
4.4 Soziale Rep äsen a ionen mig ie e Beschä ig e zu
A bei in de Gas onomie 57
5 A bei s eld Reinigung 82
5.1 B anchenspezi ische Rahmenda en: A bei s eld Reini-
gung im G und iss 82
5.2 Einblicke in das A bei s eld Reinigung aus Sich de
Schlüssel pe sonen 90
6
A bei s elde de Ankun
5.3 Vo s ellungen zu Deu schland: A bei s eld Reinigung 101
5.4 Soziale Rep äsen a ionen mig ie e Beschä ig e zu
A bei in de Reinigung 107
6 A bei s eld P lege 130
6.1 B anchenspezi ische Rahmenda en: A bei s eld P lege
im G und iss 130
6.2 Einblicke in das A bei s eld P lege aus Sich de
Schlüsselpe sonen 144
6.3 Vo s ellungen zu Deu schland: A bei s eld P lege 156
6.4 Soziale Rep äsen a ionen mig ie e Beschä ig e zu
A bei in de P lege 162
7 B anchen e gleich: Soziale Rep äsen a ionen on
Ankun sa bei und ih e Va ia ionen 183
7.1 Ankun sa bei als O des Eins iegs 183
7.2 Ankun sa bei als O des Ums iegs 189
7.3 Ankun sa bei als O des Auss iegs 192
7.4 Ankun sa bei als O des Bleibens 194
7.5 Ankun sa bei als O des Au s iegs 198
8 Fazi 201
Anhang 206
Li e a u 218
Au o innen und Au o en 231
7
Inhal
Abbildungs e zeichnis
Abbildung1: Soziale Rep äsen a ionen zwischen Subjek
und Wel 19
Abbildung2: A bei s eld Gas onomie: Vo s ellungen zum
He kun sland und zu Deu schland 54
Abbildung3: A bei s eld Gas onomie: Vo s ellungen zu A bei
im He kun sland und in Deu schland 56
Abbildung4: Hin e g und des Ein i s in die Gas onomiea bei 59
Abbildung5: Gas onomie als O des Eins iegs 61
Abbildung6: Gas onomie als O des Eins iegs: Tä igkei s-
bezogene Elemen e des A bei s elds 65
Abbildung7: Gas onomie als O des Ums iegs 71
Abbildung8: Gas onomie als O des Au s iegs 81
Abbildung9: A bei s eld Reinigung: Vo s ellungen zum
He kun sland und zu Deu schland 102
Abbildung10: A bei s eld Reinigung: Vo s ellungen zu A bei
im He kun sland und in Deu schland 106
Abbildung11: Hin e g und des Ein i s in die Reinigungsa bei 109
Abbildung12: Reinigung als O des Eins iegs 112
Abbildung13: Reinigung als O des Eins iegs: Tä igkei s-
bezogene Elemen e des A bei s elds 117
Abbildung14: Reinigung als O des Ums iegs und Auss iegs 128
Abbildung15: A bei s eld P lege: Vo s ellungen zum He kun s-
land und zu Deu schland 158
Abbildung16: A bei s eld P lege: Vo s ellungen zu A bei im
He kun sland und in Deu schland 161
Abbildung17: Hin e g und des Ein i s in die be u liche
P legea bei 164
Abbildung18: P lege als O des Eins iegs: Zugang zum
A bei s eld 166
8
A bei s elde de Ankun
Abbildung19: P lege als O des Eins iegs: Tä igkei sbezogene
Elemen e des A bei s elds 169
Abbildung20: P lege als O des Ums iegs 174
Abbildung21: P lege als O des Bleibens ohne p legebe u liche
Iden i ika ion 178
Abbildung22: P lege als O des Bleibens mi p legebe u liche
Iden i ika ion 181
Abbildung23: Gesam übe sich übe die iden i izie en sozialen
Rep äsen a ionen 184
Anhang
Anhang 1: Be ag e Schlüsselpe sonen 206
Anhang2: Be ag e mig an ische Beschä ig e: Soziodemo-
g a ische Da en, Mig a ionsda en und
Beschä igungssi ua ion 208
Anhang3: Be ag e mig an ische Beschä ig e: Da en zu
Bildung, Ausbildung, Be u se ah ung, Quali izie ung und
Ane kennung 212
15
1 Einlei ung
Die lei enden F ages ellungen lau en: Wie e leben und wie deu en mig-
ie e Beschä ig e ih en Ein i in die Ankun sa bei in Deu schland? Wel-
che S uk u en de Ankun sa bei e leich e n es den Mig ie en, in diesem
Be eich A bei zu inden und zu behal en? Welche S uk u en e leben sie als
hinde lich im Sinne eine mobili y ap? Zudem in e essie uns aus be u spä-
dagogische Pe spek i e, welche Kompe enzen Zugewande e in A bei s el-
de n de Ankun e we ben und welche subjek i en Pe spek i en sie hin-
sich lich eine Quali izie ung besi zen.
Das E kenn nisin e esse am kompe enzbezogenen An- und gg . Wei e -
kommen im E we bsleben e o de eine Un e suchungspe spek i e au „Au-
genhöhe“ (Schmolke 2010, S. 239), um einem kul u de izi o ien ie en Bias
en gegenzuwi ken. So geh es uns nich da um, unse e eigenen Übe zeugun-
gen zu gesellscha lichem und be u lichem E olg ex an e als Analyseka ego-
ien anzulegen. Vielmeh in e essie en uns neben den Kompe enzübe zeu-
gungen on Mig ie en auch de en gu e G ünde ü den Ve bleib in Fo men
de Ankun sa bei .
Von einem ie e en Ve s ändnis de Kompe enzübe zeugungen und de
subjek i wah genommenen A bei ssi ua ionen on Mig ie en in Ankun s-
a bei e ho en wi uns Au schluss übe Möglichkei en de beda so ien ie -
en Be a ung und Ges al ung passende Bildungsmaßnahmen. E kenn nisse
zu Hal ungen gegenübe und Kenn nissen on gewe kscha liche In e es-
sen e e ung können Anhal spunk e ü eine s ä ke e In eg a ion on Mig-
ie en in Gewe kscha en bie en (zu Posi ionie ung deu sche Gewe k-
scha en zum Thema Mig a ion Schmi e -Heisle 2006).
Fo schungsdesign
Ausgehend on diesem Fo schungsin e esse en wickel en wi ein quali a i es
Fo schungsdesign, das aus d ei me hodischen Ve ah en bes eh : Neben eine
jeweils explo a i en B anchenanalyse de A bei s elde Gas onomie, Reini-
gung und P lege üh en wi Expe :innen-In e iews mi Schlüsselpe sonen
diese B anchen du ch. Den Schwe punk de Da ene hebung bilde en lei a-
denges ü z e In e iews mi zugewande en Beschä ig en de d ei B anchen.
Sowei es möglich wa , wu de das Ve ah en eine mul ilingualen Da en-
e hebung angewand und In e iews in deu sche , englische , ü kische und
a abische Sp ache du chge üh , um bei de Da ene hebung de Di e si ä
und de Sp achen iel al – zumindes eilweise– ge ech zu we den und die-
jenigen Pe sonen, die die deu sche Sp ache nich ode nich gu behe schen
ode sich in eine ande en Sp ache besse ausd ücken, be ücksich igen zu
können.
16
A bei s elde de Ankun
Die Samplebildung e olg e au de Basis bes ehende Ne zwe ke de Fo -
schenden und mi els di ek e Ansp ache mögliche In e iewpa ne :innen
im jeweiligen Feld. Vo diesem Hin e g und bilde en wi eine Gelegenhei s-
s ichp obe im Schneeball-Sys em, de en En s ehung du ch die pandemiebe-
ding en Kon ak besch änkungen im Fo schungszei aum zwa e schwe ,
abe nich e hinde wu de. So üh en wi im A bei s eld Gas onomie ins-
gesam 17 In e iews, da on zehn mi Beschä ig en und sieben mi Schlüs-
selpe sonen. Im A bei s eld Reinigung üh en wi insgesam 16 In e iews,
da on zwöl mi Beschä ig en und ie mi Schlüsselpe sonen. Im A bei s-
eld P lege wu den insgesam 13 In e iews ge üh , da on zehn mi Beschä -
ig en und d ei mi Schlüsselpe sonen.
Zu Auswe ung de In e iews mi den Beschä ig en e s ell en wi ange-
lehn an Wi zel und Rei e (2012) Fallbesch eibungen mi Fallda s ellung
und Fallanalyse. Zu Fallanalyse nu z en wi zudem ein Mapping-Ve ah en
(nach Cla ke 2005), um si ua i e Zusammenhänge und Dynamiken in den
Schilde ungen de Be ag en besse au schließen zu können. Nach eine je-
weils e ikalen Einzel allanalyse in e p e ie en wi unse e E gebnisse ho i-
zon al all e gleichend. Hie zu en wickel en wi einen Analyse ahmen au
de Basis ka ego iale Annahmen zu E we bsa bei nach P ies (2010).
Inhal liche Au bau
Im olgenden Kapi el (Kapi el2) gehen wi zunächs nähe au die En s e-
hung, die S uk u , die Funk ion und die me hodischen Po enziale des im
Fo schungsp ojek g undlegenden Konzep s de sozialen Rep äsen a ionen
ein. Im Anschluss (Kapi el3) p äzisie en wi unse o schungss a egisches
Vo gehen, das in de Du ch üh ung und Analyse lei adenges ü z e In e -
iews sowohl mi Schlüsselpe sonen als auch mi mig an ischen Beschä ig-
en aus den A bei s elde n Gas onomie, Reinigung und P lege bes eh . Da-
bei gehen wi auch au Chancen und G enzen des Feldzugangs und die
Besonde hei en bei In e iews mi mig ie en In e iewpa ne :innen ein.
In den da au olgenden Kapi eln s ellen wi unse e Analysee gebnisse en -
lang de d ei A bei s elde Gas onomie
(Kapi el 4)
, Reinigung
(Kapi el 5)
und P lege
(Kapi el6)
o , indem wi jeweils die B anchenspezi ik hinsich lich
mig an ische A bei besch eiben, be o die Pe spek i en on be ag en
Schlüsselpe sonen aus dem jeweiligen mig an isch gep äg en A bei sbe eichen
o ges ell we den. Den Haup eil de E gebnisda s ellung bilden jeweils die
subjek i en Deu ungen de mig an ischen Beschä ig en, de en Vo s ellungen
übe das A bei en in Deu schland und de en soziale Rep äsen a ionen on An-
kun sa bei in den jeweiligen A bei s elde n au geschlüssel wi d.
17
1 Einlei ung
Dabei zeigen sich in den e schiedenen A bei s elde n au schluss eiche
Einblicke in die mig an ische Pe spek i e au die A bei swel in Deu schland
und die jeweils indi iduelle Beschä igungssi ua ion, die wi en lang on Ka-
ego ien wie Eins ieg, Ums ieg, Au s ieg, Bleiben ode Auss ieg in Kapi el7
disku ie en. Im le z en Abschni (Kapi el8) lei en wi aus unse en E gebnis-
sen Handlungsbeda e au e schiedenen Ebenen de In eg a ion und Teilha-
be im Feld de E we bsa bei ab und we en wei e üh ende F agen au .
18
2 SOZIALE REPRÄSENTATIONEN ALS
THEORETISCHES KONZEPT
Das Fo schungsin e esse diese S udie bes eh da in, die subjek i en Vo s el-
lungen, Gedanken und Ideen mig ie e Beschä ig e zu Ankun sa bei ex-
plo a i zu e assen, ohne dabei die jeweiligen e we bsbiog a ischen und mi-
g a ionsspezi ischen Kon ex e aus dem Blick zu e lie en. Hie ü wi d au
das heo e ische Konzep de sozialen Rep äsen a ion (Mosco ici 1988, 2001,
1961/2008) zu ückgeg i en, weil die mi diesem Konzep e olgende Ve -
sch änkung on Subjek und Wel iel e sp echend is .
Abe auch die de sozialen Rep äsen a ion zugesch iebene S uk u und
ih e Funk ionen sind ge ade ü das Fo schungsin e esse ele an : Du ch
soziale Rep äsen a ionen können nich nu besch eibende E kenn nisse zu
subjek i en Deu ungen de Ankun sa bei gewonnen we den, sonde n auch
da übe , wie diese s uk u ie und o ganisie sind. Demen sp echend
können diese Deu ungen nich nu Besch eibungen des A bei s elds beein-
lussen, sonde n auch O ien ie ung e möglichen und gg . Handlungen an-
weisen.
Mi dem Rückg i au das Konzep de sozialen Rep äsen a ion kann sys-
ema isch ein undie es Ve s ändnis de subjek i en Deu ungen on An-
kun sa bei en wickel und he ausgea bei e we den, was die Be ag en übe
Ankun sa bei wissen, ob und wa um sie ein spezi isches Wissen und eine
spezi ische Denkweise da übe besi zen und kommunizie en sowie ob und
wa um sich diese spezi ischen Wissens o men und Denkweisen oneinande
un e scheiden.
2.1. En s ehung, S uk u und Funk ionen soziale Rep äsen a-
ionen
Soziale Rep äsen a ionen können als „media o s“ (Mosco ici 2001, S. 61)
bzw. als „b idge“ (Mosco ici 1988, S. 219) be ach e we den, die dazu bei a-
gen, ein Ve s ändnis on de konk e en Wel zu en wickeln. Sie e mi eln
zwischen Subjek und Wel und bilden einen „space in-be ween“ (Baue /Gas-
kell 1999, S. 167), de Subjek e (als T äge de sozialen Rep äsen a ionen),
Objek e (wie z. B. konk e e Dinge ode eine abs ak e Idee) und Handlungen
mi einande e knüp (Baue /Gaskell 1999) (Abbildung1).
19
2 Soziale Rep äsen a ionen als heo e isches Konzep
Soziale Rep äsen a ionen können als „sui gene is ‚ heo ies‘ o ‚collec i e scien-
ces‘ o be used o he in e p e a ion and shaping o he eal“ (Mosco ici
1961/2008, S. 10; He o hebung im O iginal) be ach e we den. Sie sind um
einen bes imm en Glaubenske n he um o ganisie und ähneln Theo ien,
„which o de a ound a heme […] a se ies o p oposi ions which enable hings
o pe sons o be classi ied, hei cha ac e s desc ibed, hei eelings and ac ions
o be explained“ (Mosco ici 2001, S. 152; siehe auch Flick 1998a, S. 19–20).
2.1.1 En s ehung soziale Rep äsen a ionen
Den Ausgangspunk bei de En s ehung soziale Rep äsen a ionen bilde das
Bedü nis, das Unbekann e, das F emde, das Ungewohn e in Ve au es bzw.
Bekann es zu e wandeln. Dadu ch wi d e was– wo on zu o in den Vo -
s ellungen kein Beg i exis ie e– beg ei ba und dami auch e s ändlich
und konk e gemach (Mosco ici 2001, 1961/2008, 2011). Ve mi el es Wis-
sen, E leb es und eigene E ah ungen spielen in diesem Zusammenhang eine
wich ige Rolle, weil soziale Rep äsen a ionen Teil des kollek i en Gedäch -
nisses sind und au übe mi el em Wissen und e inne lich en Ansich en ba-
sie en (Mosco ici 2011; Walmsley 2004).
Abe auch das Bedü nis, P oblemlösungss a egien zu en wickeln, sozia-
len Reak ionen eine Fo m zu geben und ein Modell ü Ve hal ensweisen zu
Abbildung1
Soziale Rep äsen a ionen zwischen Subjek und Wel
Quelle: eigene Da s ellung
Subjek Wel
soziale
Rep äsen a ionen
20
A bei s elde de Ankun
Ve ügung zu haben, bilden ausgep äg e G ünde ü die Bildung und dami
ü die En s ehung soziale Rep äsen a ionen (Mosco ici 1961/2008).
Diese En s ehungshin e g und ha auch ü die o liegende S udie eine
hohe Rele anz. Wenn angenommen wi d, dass Ankun sa bei ü Mig ie e
nach ih e Ankun in Deu schland e was Neues da s ell , wo on sie ein Ve -
s ändnis en wickeln sollen, s ell sich die F age, welche sozialen Rep äsen a i-
onen Mig ie e zu Ankun sa bei en wickeln, welche Ideen und Bilde sie
besi zen und welche Klassi ika ionen sie ollziehen.
Auch die F age, welche Rolle die En s ehung bes imm e soziale Rep ä-
sen a ionen ü Vo s ellungen, O ien ie ungen, Handlungen ode Aspi a io-
nen in Ankun sa bei spiel , deu e au diese Rele anz hin. Schließlich is
diese En s ehungshin e g und auch deshalb on Bedeu ung, weil explizi
danach ge ag we den kann, ob z. B. e mi el es Wissen und neu gesammel-
e bzw. zu ückliegende E ah ungen o ode nach de Mig a ion eine Rolle
bei de En s ehung bes imm e soziale Rep äsen a ionen spielen.
2.1.2 S uk u soziale Rep äsen a ionen
Aus s uk u elle Pe spek i e besi zen soziale Rep äsen a ionen einen be-
s imm en Glaubenske n, anhand dessen Konzep e und Bilde mi einande
e knüp und Thema a de inie we den (Mosco ici 2001, 2011). Die da au
basie enden G und o s ellungen haben eine Schlüssel unk ion bei den je-
weiligen In e p e a ionen und de inie en die „in e io s“ und die „ex e io s“
des jeweiligen Objek s de sozialen Rep äsen a ion, d. h. das, was dem jewei-
ligen Objek de sozialen Rep äsen a ion inne lich und äuße lich is (Mosco i-
ci 2001, S. 177).
Mi dem P ozess de Ve anke ung we den dabei die Objek e de sozialen
Rep äsen a ion benann , klassi izie und e klä . Mi dem P ozess de Objek-
i ie ung/Ve gegens ändlichung we den die Objek e de sozialen Rep äsen a i-
on in mi Realien ange eiche en Bilde n, Modellen und Me aphe n e ge-
gens ändlich und so auch die Di e enz zwischen de Rep äsen a ion selbs
und dem, was ep äsen ie wi d, übe b ück (Mosco ici 1988, 2001,
1961/2008, 2011).
Diese heo e ische G undlegung de s uk u ellen Dimension soziale Re-
p äsen a ionen is on Bedeu ung ü die o liegende S udie. Hie au basie end
kann he ausgea bei e we den, ob und welchen Glaubenske n mig ie e Be-
schä ig e hinsich lich Ankun sa bei besi zen und welche subjek i en G und-
o s ellungen bei de Deu ung de Ankun sa bei dami einhe gehen. Was
21
2 Soziale Rep äsen a ionen als heo e isches Konzep
wi d als de Ankun sa bei inne lich und äuße lich be ach e und welche Ele-
men e we den Ankun sa bei zugesch ieben ode auch abgesp ochen?
Die besch iebene heo e ische G undlegung de s uk u ellen Dimension
soziale Rep äsen a ionen e möglich dami auch, danach zu agen, wie mi-
g ie e Beschä ig e aus subjek i e Pe spek i e Ankun sa bei benennen,
klassi izie en ode Ve hal ensweisen o wegnehmen und du ch welche Bil-
de , Me aphe n, Symbole ode Modelle die Deu ungen on Ankun sa bei
in e was Konk e es e wandel we den.
2.1.3 Funk ionen soziale Rep äsen a ionen
Aus unk ionale Pe spek i e e üllen soziale Rep äsen a ionen eine Reihe
wich ige Funk ionen. Zue s zu nennen is die Wissens unk ion, da soziale
Rep äsen a ionen „a pa icula modali y o knowledge“ (Mosco ici 1961/2008,
S. xxx; He o hebung im O iginal) da s ellen. Du ch die Wissens unk ion ei-
ne sozialen Rep äsen a ion we den Menschen in die Lage e se z , die Reali-
ä zu e s ehen und zu e klä en. We den Objek e, Pe sonen und E eignisse
benann und eine bes imm en Ka ego ie zugeo dne , e se z dies Men-
schen zugleich in die Lage, Wissen on ihnen zu e langen. Eben du ch diese
Wissens unk ion s ellen soziale Rep äsen a ionen „a ype o eali y“ (Mosco-
ici 2001, S. 23) da .
Gleichwohl handel es sich um ein Wissen, das im Ve häl nis zu eigenen
E ah ungen, Ideen, We en, Vo s ellungen und In e essen s eh und E geb-
nis on In e ak ion und Kommunika ion is (Du een 2001). Mi eine sozia-
len Rep äsen a ion we den die Objek e ode Phänomene, die den Gegen-
s and de sozialen Rep äsen a ion bilden, selek i ep oduzie (Mosco ici
1961/2008). Eine soziale Rep äsen a ion, so Mosco ici (1961/2008, S. 15–16),
„ e-p esen s a being o quali y o consciousness, o in o he wo ds p esen s
hem again and makes hem eal, e en hough hey a e no he e and may no
exis s. […] Rep esen ing a hing o a s a e does no jus mean eduplica ing i ,
epea ing i o ep oducing i ; i means econs uc ing i , e ouching i and al-
e ing i s ex .“
Übe die Wissens unk ion hinaus e üllen soziale Rep äsen a ionen abe
auch eine Iden i ä s unk ion und agen dami zu En wicklung und zum E -
hal bes imm e Iden i ä en bei. Du ch soziale Rep äsen a ionen we den In-
di iduen und soziale G uppen in einem sozialen Feld e o e und die En -
wicklung eine sozialen Iden i ä e möglich (Mosco ici 2001).
22
A bei s elde de Ankun
Übe dies e üllen sie eine O ien ie ungs unk ion, indem sie P ak iken an-
lei en. Sie können die Mo i a ionsbasis de Indi iduen beein lussen und die
P axis de Indi iduen s uk u ie en (Mosco ici 1961/2008; Schü zeichel
2018). In diesem Zusammenhang bilde „p epa a ion o ac ion“ (Mosco ici
1961/2008, S. 9) einen wich igen Aspek soziale Rep äsen a ionen, die dami
auch als „p oduce o beha iou s and ela ions wi h he en i onmen “ (Mosco-
ici 1961/2008, S. 10; He o hebung im O iginal) umsch ieben we den könn-
en.
Schließlich e üllen soziale Rep äsen a ionen inso e n eine Rech e i-
gungs unk ion, als sie eingenommene Posi ionen und Ve hal ensweisen im
Nachhinein legi imie en und auch die G undlage ü eine Rech e igung
z. B. soziale Di e enzen zwischen G uppen zu Ve ügung s ellen (Walms-
ley 2004).
Neben dem En s ehungshin e g und und de heo e ischen G undle-
gung de s uk u ellen Dimension soziale Rep äsen a ionen sind auch de en
besch iebene Funk ionen on Bedeu ung ü die o liegende S udie. Vo die-
sem Hin e g und kann nämlich explizi he ausgea bei e we den, welche
Wissens unk ion eine bes imm en sozialen Rep äsen a ion on Ankun sa -
bei immanen is und welche spezi ische Iden i ä s-, O ien ie ungs- und
Rech e igungs unk ion mi diese sozialen Rep äsen a ion einhe geh .
2.2 Me hodische Ansä ze zu E o schung soziale Rep äsen a-
ionen
Die Fo schung zu sozialen Rep äsen a ionen und die dabei angewand en me-
hodischen Ve ah en sind b ei ge äche . Den e s en um assenden Ansa z
zu E ablie ung des Konzep s de sozialen Rep äsen a ion bilde die S udie
on Mosco ici (1961/2008), in de die Sich weise de anzösischen Gesell-
scha au Psychoanalyse analysie wi d. Wie sich die Psychoanalyse in de
b ei e en Gesellscha und bei den un e schiedlichen sozialen G uppen aus-
b ei e und welche Bilde sich mi welchen Funk ionen en wickeln, bilden
die Ke n agen diese e s en S udie zu sozialen Rep äsen a ion. Mosco ici
(1961/2008) kombinie e da in quali a i e und quan i a i e Ansä ze, wie z. B.
Um agen, In e iews und die Inhal sanalyse on Dokumen en.
Diesem e s en Ansa z olg e die S udie on He zlich (1973) zu Deu un-
gen on K ankhei , in de un e schiedliche soziale Rep äsen a ionen on
K ankhei – K ankhei als Des uk ion, K ankhei als Be eiung und K ank-
hei als Au gabe– o ges ell we den, die ganz ande s s uk u ie sind. Die
23
2 Soziale Rep äsen a ionen als heo e isches Konzep
E gebnisse diese S udie basie en au In e iews mi Pe sonen aus un e -
schiedlichen sozialen Schich en.
Mi un e schiedlichen me hodischen Ve ah en ealisie e S udien zu so-
zialen Rep äsen a ionen wu den im Lau de Zei zunehmend publizie .
Me hodisch zeichnen sie sich du ch eine Viel al quali a i e und quan i a i-
e Ve ah en aus (siehe hie zu Baue /Gaskell 1999; Flick 1998b; Flick/Fos e
2008; Lo Monaco e al. 2017; Wagne e al. 1999). Vo diesem Hin e g und
wi d bei de Fo schung zu sozialen Rep äsen a ionen auch on einem „me-
hodological poly heism“ (Du een 2001, S. 15) gesp ochen. Das olgende Ka-
pi el3 leg aus üh lich da , welches me hodische Ve ah en de o liegenden
S udie zug unde lieg .
24
3 METHODISCHES VERFAHREN
Das me hodische Ve ah en o liegende S udie is ein D eiklang aus B an-
chenanalyse sowie Expe :innen-In e iews mi Schlüsselpe sonen und In e -
iews mi mig ie en Beschä ig en in den jeweiligen A bei s elde n. Die ex-
plo a i e B anchenanalyse dien eine e s en Annähe ung an die ausgewähl en
A bei s elde , um die Kon igu a ionen des jeweiligen Felds he auszua bei en,
und zwa mi Blick au s uk u elle Rahmenda en, die Beschä igung und die
Rolle on Quali izie ung sowie die spezi ische Dimension de Beschä igung
mig ie e Beschä ig e .
Die Einbeziehung de Sich weisen on Schlüsselpe sonen als Expe :innen
dien e de wei e en Ausdi e enzie ung de Besch eibungen des A bei s elds
un e Be ücksich igung on Pe sonen in Be ieben, Ins i u ionen und/ode
O ganisa ionen, die eine wich ige Rolle im A bei s eld spielen. Rele anz
als Expe :innen kann Schlüsselpe sonen au g und ih es echnischen sowie
P ozess- und Kon ex wissens, abe auch au g und ih es Deu ungswissens zu-
gesch ieben we den (Bogne /Li ig/Menz 2018). In e iews mi Schlüssel-
pe sonen, die b anchenspezi ische Kenn nisse besi zen, lie e n zusä zliche
quali a i e Elemen e, die das A bei s eld besch eiben und den Blickwinkel
zielge ich e auswei en.
Da de Schwe punk diese S udie insbesonde e au den subjek i en
Pe spek i en, Deu ungen und E ah ungen mig ie e Beschä ig e in den
A bei s elde n Gas onomie, Reinigung und P lege lieg , wu de das me hodi-
sche Ve ah en um In e iews mi mig ie en Beschä ig en in den en sp e chen-
den A bei s elde n e wei e . De zu diesem Zweck gewähl e Ansa z (Kapi-
el3.1) und die da au au bauende Ges al ung des Feldzugangs (Kapi el3.2)
sowie die ü die S udie be ag en Pe sonen (Kapi el3.3) und die Da enaus-
we ung (Kapi el3.4) we den im Folgenden nähe besch ieben.
3.1 Da ene hebung mi els lei adenges ü z e In e iews
Da die o liegende S udie au g und ih e spezi ischen Fokussie ung au sub-
jek i e Deu ungen explo a i en Cha ak e ha , wu de au einen quali a i en
Ansa z zu ückgeg i en, du ch den empi ische Da en übe das menschliche
Denken, E leben und Ve hal en gewonnen we den können (Dö ing/Bo z
2016; Kleemann/K ähnke/Ma uschek 2013; Wi zel/Rei e 2012). Zu Da en-
31
3 Me hodisches Ve ah en
De g oße Teil de Be ag en ha keine Schulbildung in Deu schland absol-
ie . Viele gaben abe an, einen Sp achku s besuch zu haben. Zwei Be ag e
aus dem A bei s eld P lege äuße en, pa allel zu ih e Beschä igung einen
Ane kennungsquali izie ungsleh gang zu besuchen.
Eine o male Ausbildung in ih em He kun sland haben nu neun de Be-
ag en absol ie , wobei die Ausbildung im Be eich P lege den g öß en An-
eil an den angegebenen Ausbildungsbe u en au weis . Un e Be ücksich i-
gung in o male Ausbildungen abe geben zusä zlich sechs de Be ag en an,
einen Be u e le n zu haben. Diese angele n en Be u e sind bei den Be ag-
en aus den A bei s elde n Gas onomie und Reinigung anzu e en. De g o-
ße Teil de Be ag en ha in Deu schland keine Ausbildung absol ie . Nu
d ei de Be ag en wa en zum Zei punk de Da ene hebung in einem Aus-
bildungs e häl nis.
De G oß eil de Be ag en b ing Be u se ah ungen aus dem He kun s-
land mi . Au allend is , dass o allem Pe sonen mi eine Ausbildung und
en sp echenden be u lichen E ah ungen in de P lege im He kun sland in
Deu schland e suchen, im Be eich de p lege ischen Ve so gung an ih e
Kenn nisse anzuknüp en. Zum Teil gil das auch ü einige Be ag e, die be-
u liche E ah ungen mi dem A bei s eld de Gas onomie aus dem He -
kun sland haben und auch in Deu schland in diesem Sek o beschä ig
sind. Be ag e Pe sonen aus dem A bei s eld Reinigung hingegen haben zu-
meis aus dem He kun sland ande e be u liche E ah ung mi geb ach als
aus dem A bei s eld Reinigung.
Die be u lichen E ah ungen de Be ag en in Deu schland sind g öß en-
eils au dasjenige A bei s eld besch änk , in dem sie auch zum Zei punk de
Da ene hebung beschä ig wa en. Es is jedoch zu e wähnen, dass einige de
Be ag en abwechselnd in den A bei s elde n Gas onomie, Reinigung und
P lege beschä ig wa en. Dahe b ach en sie en sp echend zu ih en be u li-
chen E ah ungen auch E lebnisse und E ah ungen mi , die Übe gänge z. B.
om A bei s eld Gas onomie zum A bei s eld Reinigung, om A bei s eld
P lege zum A bei s eld Reinigung ode om A bei s eld Reinigung zum A -
bei s eld P lege um assen.
Schließlich sei ange üh , dass de g oße Teil de Be ag en keine be u liche
Quali izie ung du chlau en ha . Auch gib de g oße Teil de Be ag en an, dass
bei ihnen keine Ane kennungs e ah en ü Abschlüsse ode Ze i ika e du ch-
ge üh wu den ode we den. Die meis en de wenigen Angaben zu Ane ken-
nungs e ah en wu den on den Be ag en im A bei s eld P lege gemach .
K i isch anzume ken is , dass sich o allem im A bei s eld Gas onomie
au g und des schwie igen Feldzugangs eine spezi ische Zusammense zung
32
A bei s elde de Ankun
de G uppe de Be ag en e geben ha , die Limi ie ungen ü das Fo schungs-
o haben mi sich b ing . So sind die Be ag en z. B. eine beg enz en Anzahl
on Milieus zuzuo dnen ( o allem ü kisches, ku disches ode a abisches
Milieu). Asia ische, abe auch südeu opäische Be iebe blieben wei es ge-
hend unbe ücksich ig .
Wah scheinlich au g und de dominan en Rolle de Schneeballme hode
im Feld konn e nu eine beg enz e Va ia ion de in de jeweiligen B anche
Be ag en e ziel we den. So s ammen z. B. die Be ag en aus dem A bei s eld
Gas onomie nich nu aus einigen wenigen Milieus, sonde n sind auch as
ausschließlich männlich. Ein um assende Zugang zu weiblichen Beschä ig-
en konn e nich e eich we den, sodass die Zusammense zung de Be ag-
en zumindes im A bei s eld Gas onomie aus Gende -Pe spek i e als einge-
sch änk gel en muss.
3.4 Da enauswe ung
Nach de Da ene hebung wu den die In e iews ansk ibie . Dabei wu de
da au geach e , dass die An o de ungen eines „wissenscha lichen T ansk ip-
es“ (Fuß/Ka bach 2014, S. 17–18, 61) e üll sind und die T ansk ip e wich i-
ge/p ägnan e Me kmale des Gesp ächs e lau s be ücksich igen, die ü die
Auswe ung on Bedeu ung sein können (B üsemeis e 2008; Küs e s 2006).
Um o z des Ansp uchs de Lesba kei die Eigenhei en des indi iduellen
Ausd ucks zu be ücksich igen, wu de eine „leich e Glä ung“ (Fuß/Ka bach
2014, S. 40) du chge üh .
In den T ansk ip en wu den pe sonenbezogene Angaben anonymisie .
Auch die Namen de be ag en Pe sonen, die in de Au s ellung de Be ag-
en (Anhang1, Anhang2, Anhang3) und in den olgenden Kapi eln au ge-
üh we den, sind anonymisie . Den Teilnehme :innen wu den basie end
au ih en Angaben zum He kun sland/ zu He kun s egion und/ode au -
g und de on ihnen kommunizie en e hnischen Zugehö igkei ypische
Aliase zugewiesen.
Bei de Da enauswe ung wu de au die on Wi zel (2000) sowie Wi zel
und Rei e (2012) o geschlagene Auswe ungsme hode de allo ien ie en
Vo gehensweise mi einem da an anschließenden Fall e gleich zu „E a bei-
ung allübe g ei ende zen ale Themen“ (Wi zel 2000, S. 8) zu ückgeg i -
en. Fü In e iews mi Schlüsselpe sonen und mig ie en Beschä ig en wu -
den Fallbesch eibungen e s ell , die eine Fallda s ellung und eine Fallanalyse
en hiel en.
33
3 Me hodisches Ve ah en
Bei den Fallbesch eibungen wu den un e ande em auch zen ale Ka e-
go ien de E we bs egulie ung nach P ies (2010) und die on den Be ag en
als wich ig e ach e en Ressou cen im Sinne de Kapi also en nach Bou dieu
(1983) be ücksich ig . Diese Ka ego ien wu den aus dem Da enma e ial he-
aus und dami au g und de subjek i en Besch eibungen de Be ag en
du ch neue Un e ka ego ien e gänz bzw. ausdi e enzie .
Da de Schwe punk de o liegenden S udie au den subjek i en Deu-
ungen mig ie e Beschä ig e lieg , wu den die Da en de be ag en mig-
ie en Beschä ig en zusä zlich mi Rückg i au die Si ua ionsanalyse
( Cla ke 2005) ausgewe e , um ein besse es Ve s ändnis on diesen Deu un-
gen zu en wickeln. Ein wesen liches Me kmal de Si ua ionsanalyse is de
Rückg i au ein Mapping-Ve ah en. Diesbezüglich we den d ei Mapping-
Ve ah en ü die Auswe ung de Da en o geschlagen: Si ua ionsmaps, So-
ziale-Wel en-/A enenmaps und Posi ionsmaps (Cla ke 2005, 2009).
Fü die o liegende S udie wu den die In e iews mi mig ie en Beschä -
ig en zusä zlich du ch die E s ellung on Si ua ionsmaps ausgewe e , um die
Elemen e und de en Zusammenhang he auszua bei en, die bei jedem Einzel-
all ü die subjek i en Deu ungen on Bedeu ung und Rele anz sind (siehe
hie zu Cla ke 2005, 2009; Cla ke/F iese/Washbu n 2015). Zu diesem Zweck
and sowohl eine o ene Codie ung als auch de Rückg i au die be ei s e -
wähn en Fallbesch eibungen s a . Die au diese Weise du chge üh e Aus-
we ung esul ie e in de E s ellung on Mappings ü jeden Einzel all. Die-
ses Vo gehen ug wesen lich dazu bei, die sozialen Rep äsen a ionen in den
jeweiligen A bei s elde n zu iden i izie en.
Insgesam wu den die Da en de be ag en mig ie en Beschä ig en an-
gelehn an Wi zel und Rei e (2012) e ikal und ho izon al ausgewe e : in ei-
nem e s en Sch i anhand de e wähn en Fallbesch eibungen und de Si ua-
ionsanalyse e ikal, also allbezogen, in einem zwei en Sch i ho izon al,
also allübe g ei end. Dabei wu den alle Einzel älle mi einande e glichen,
um bes imm e Mus e , abe auch Un e schiede und Gemeinsamkei en zwi-
schen den einzelnen Fällen zu iden i izie en. En sp echend dem hie be-
sch iebenen me hodischen Ve ah en we den in den olgenden Kapi eln die
E gebnisse zu den jeweiligen A bei s elde n da ges ell .
34
4 ARBEITSFELD GASTRONOMIE
In diesem Kapi el we den die E gebnisse zum A bei s eld Gas onomie o -
ges ell . In einem e s en Sch i inde eine Annähe ung an das A bei s eld
aus s uk u elle Pe spek i e s a , indem die b anchenspezi ischen Rahmen-
da en zum Gas gewe be besp ochen we den (Kapi el 4.1.). Diese Sch i
dien de E assung bes imm e s uk u elle und ü diese S udie ele an e
Me kmale, um ein e s es Ve s ändnis des A bei s elds zu en wickeln.
In einem zwei en Sch i wi d die Pe spek i e on Schlüsselpe sonen in
den Fokus ge ück
(Kapi el4.2.)
. Basie end au den du chge üh en In e iews
wi d das A bei s eld wei e au geschlüssel und die b anchenspezi ischen Rah-
menda en um die Pe spek i e on Schlüsselpe sonen e ie und e wei e .
Die wei e en Kapi el haben die mig an isch-subjek i e Pe spek i e de
be ag en Mi g an :in nen zu ih e Beschä igung im A bei s eld de Gas ono-
mie und dami ih e sozialen Rep äsen a ionen on Gas onomiea bei zum
Gegens and. Fü eine e s e Annähe ung an die sozialen Rep äsen a ionen
we den die Vo s ellungen de be ag en Mi g an :in nen zu Deu schland und
zu A bei in Deu schland ange issen (Kapi el4.3.), um dann aus üh liche ih-
en Ein i in das A bei s eld Gas onomie und ih e Deu ungen de Gas o-
nomiea bei anhand un e schiedliche soziale Rep äsen a ionen da zus el-
len (Kapi el4.4.).
4.1 B anchenspezi ische Rahmenda en: A bei s eld Gas ono-
mie im G und iss
Im Folgenden wi d ein ku ze Übe blick übe die b anchenspezi ischen Rah-
menda en des Gas gewe bes gegeben (Kapi el4.1.1), um insbesonde e die ü
die S udie ele an e s uk u elle Bescha enhei dieses A bei s elds da zus el-
len. Anschließend we den die Beschä igung im Gas gewe be (Kapi el4.1.2),
die Themen elde Quali izie ung (Kapi el4.1.3) und die Beschä igung on
Mi g an :in nen im A bei s eld besp ochen (Kapi el4.1.4). Das Gas gewe be
wi d dabei als Gesam b anche be ach e , da iele Da enquellen und S udien
nich du chweg eindeu ig zwischen den Teilbe eichen des Gas gewe bes un-
e scheiden. Imme dann, wenn die Da enquellen und S udien eine di e en-
zie e Sich au das A bei s eld Gas onomie e möglichen, inde diese auch
Be ücksich igung.
35
4 A bei s eld Gas onomie
4.1.1 S uk u elle Rahmen des A bei s elds Gas onomie
Das Gas gewe be gehö zu den wich igs en B anchen im Be eich Diens leis-
ungen. Im Jah 2020 gab es in de B anche meh als 213.000 Un e nehmen
mi einem Umsa z on as 62 Millia den Eu o (S a is isches Bundesam
2022a). Inne halb de B anche bilden Un e nehmen im Be eich Gas ono-
mie mi as 80P ozen nich nu den g öß en An eil an Un e nehmen. Auch
de G oß eil des Umsa zes, as 70P ozen , en äll au sie (S a is isches Bun-
desam 2022a; siehe auch Dehoga o.J.a, o.J.b).
Die B anche e zeichne e abe in den le z en Jah en einen Rückgang.
Noch 2017 gab es im Gas gewe be as 235.000 Un e nehmen mi einem Um-
sa z on as 93 Millia den Eu o (S a is isches Bundesam 2019a). Diese
Rückgang is o allem au die Co ona-Pandemie und die einge üh en Ein-
dämmungs- und Schu zmaßnahmen zu ückzu üh en, on denen das Gas ge-
we be seh s a k be o en wa (S a is isches Bundesam 2021). Ve meh
s a indende Videokon e enzen und de Rückgang an Diens - und Geschä s-
eisen wi k en sich nach eilig au die B anche aus (Wol e e al. 2021). Die
Co ona-Pandemie wi d au g und de Umsa z e lus e und Be iebsschließun-
gen auch als die „g öß e K ise de Nachk iegszei “ bezeichne (Dehoga 2020a;
siehe auch Dehoga 2021, 2020b, 2022b).
Insgesam dominie en bei den Un e nehmen im Gas gewe be kleinbe-
iebliche S uk u en. Mi e wa 80P ozen machen mi els ändische Un e -
nehmen den G oß eil de Un e nehmen aus. Meh als 50P ozen de Be ie-
be beschä igen eine bis ün Pe sonen (Dehoga 2018a; siehe auch IW Consul
2017; Maack e al. 2013). Ein wei e es kennzeichnendes Me kmal de B an-
che is eine besonde e Fluk ua ion in den Be iebsg ündungen und Be iebs-
au gaben (Dehoga 2018a; G une /F eybe g/Euchne 2016; Mojescik 2022;
Schlo e-Sau e /He e -Eschweile /Kelle 2018; S a is isches Bundesam 2019a).
4.1.2 Beschä igung im A bei s eld Gas onomie
Das Gas gewe be is eine beschä igungsin ensi e B anche (Bee heide e al.
2018; Dehoga 2018a; G une /F eybe g/Euchne 2016). Von e wa eine Milli-
on 1991 s ieg die Zahl de Beschä ig en in de B anche au e wa zwei Millio-
nen in 2021 (Dehoga 2022a; S a is isches Bundesam 2019a). Fas 75P ozen
de Beschä ig en im Gas gewe be sind im Be eich Gas onomie ä ig (S a is-
isches Bundesam 2019a; siehe auch Bundesagen u ü A bei 2022a), wobei
F auen mi einem An eil on meh als 62P ozen den G oß eil de Beschä -
36
A bei s elde de Ankun
ig en in de Gas onomie ausmachen (Bundesagen u ü A bei 2022a; sie-
he auch Dehoga 2018a; Guhlemann 2011, Goedicke/Bee heide 2018; Maack
e al. 2013; Mojescik 2022; S a is isches Bundesam 2017).
Mi de Co ona-Pandemie eduzie e sich die Anzahl de Beschä ig en
(S a is isches Bundesam 2022b; siehe auch Dehoga 2022b), sodass sich ne-
ben Ku za bei und Beu laubung auch die A bei slosigkei in olge on Kün-
digungen zu einem wich igen Me kmal de Beschä igung im Gas gewe be
en wickel e (Dehoga 2020a, 2020b; Wilkesmann/Wilkesmann 2020).
Pe sonalmangel und Pe sonal luk ua ion im A bei s eld Gas o-
nomie
Pe sonalmangel und Pe sonal luk ua ion bilden die e s en wich igen Aspek-
e hinsich lich de Beschä igung im Gas gewe be. Insbesonde e de Mangel
an geeigne en Fachk ä en und die Pe sonalbindung bilden wich ige He aus-
o de ungen ü die Be iebe (DIHK 2018; HNA 2017; IW Consul 2017;
Maack e al. 2013). Die jäh liche Abwande ung aus de B anche is hoch und
de Ve bleib ku z (Goedicke/Bee heide 2018; G une /F eybe g/Euchne
2016; Maack e al. 2013; Schlo e-Sau e /He e -Eschweile /Kelle 2018).
Ein „s a ke A bei sk ä ezus om mi ku ze Ve weildaue und eine g o-
ße Anzahl an Pe sonen, die die B anche wiede e lassen“ (Guhlemann 2011,
S. 18), bilden zen ale Me kmale des A bei s elds. Insgesam sind Be u s e -
läu e und Ka ie ewege im Gas gewe be gekennzeichne „du ch Wechsel in-
ne halb de B anche sowie hohe Ra en on Wechseln in Nich e we bs ä ig-
kei , A bei slosigkei ode ande e B anchen […]. Zudem sind Be iebswechsel
in einigen Lau bahnen de B anche ein e ablie e Weg de Quali izie ung
und Ka ie een wicklung“ (Goedicke/Bee heide 2018, S. 16).
Beschä igungs e häl nisse, En lohnung und A bei sbedingungen
im A bei s eld Gas onomie
Gekennzeichne is die Beschä igungssi ua ion im Gas gewe be o allem
du ch a ypische Beschä igungs e häl nisse wie z. B. be is e e Beschä igung,
Teilzei beschä igung und ge ing ügige Beschä igung (Bundesagen u ü
A bei 2022a; G une /F eybe g/Euchne 2016; Schlo e-Sau e /He e -Esch-
weile /Kelle 2018; S a is isches Bundesam 2017, 2019a, 2021). Auch wi d
das Gas gewe be als B anche „mi einem e höh en Risiko ü Schwa za bei
und illegale Beschä igung“ (Maack e al. 2013, S. 103) besch ieben.
Das Gas gewe be wi d als „die B anche mi dem höchs en Nied iglohn-
an eil“ (S a is isches Bundesam 2017, S. 10) bezeichne . De B u olohn mi
14,54Eu o gehö zu den nied igs en un e allen B anchen, wobei de B u o-
37
4 A bei s eld Gas onomie
lohn in de Gas onomie mi 13,76Eu o soga un e dem Du chschni de
Löhne im Gas gewe be lieg (S a is isches Bundesam 2019a, 2021). Hinzu
komm , dass die Löhne de weiblichen Beschä ig en e wa um 17P ozen ge in-
ge aus allen als die de männlichen Beschä ig en (Bundesagen u ü A bei
2018). Folgen de ge ingen Löhne sind das Risiko on Al e sa mu und die No -
wendigkei de Au s ockung mi e gänzenden Leis ungen (Maack e al. 2013).
Die B anche zeichne sich du ch schwie ige A bei sbedingungen aus. Dazu
gehö en eine hohe A bei sbelas ung, en g enz e A bei szei en, z. B. an Wochen-
enden und/ode abends und nach s, und Übe s unden (Goedicke/Bee heide
2018; Guhlemann 2011; K üge /Guhlemann 2018; Mojescik 2022; Schlo e-Sau -
e /He e -Eschweile /Kelle 2018). Zudem wi d in diesem Zusammenhang au
eine ausgep äg e Agg ession bei de A bei , zum Teil auch au sexuelle Beläs i-
gung weibliche Beschä ig e hingewiesen (K üge /Guhlemann 2018).
In e essen e e ung im A bei s eld Gas onomie
Die In e essen e e ung ü Beschä ig e bilde kein ausgep äg es Me kmal
des A bei s elds. De gewe kscha liche O ganisa ionsg ad und die Ta i bin-
dung bewegen sich au einem nied igen Ni eau (Goedicke/Bee heide 2018;
Maack e al. 2013). Viele Be iebe sind nich Mi glied eines A bei gebe e -
bands. Die s a ke Pe sonal luk ua ion und be is e e Beschä igungs e häl -
nisse bilden wich ige Hinde nisse bei de O ganisie ung de Beschä ig en
(Maack e al. 2013). Schließlich s ellen kleinbe iebliche S uk u en eine g o-
ße He aus o de ung da , weil es in „de Döne bude und in de Eckkneipe
[…] keine gewe kscha liche T adi ion [gib ]“ (Michaela Rosenbe ge , ehe-
malige Vo si zende de Gewe kscha NGG, zi . n. F ese 2015).
Insgesam lieg in de B anche de An eil de Be iebe ohne Ta i bindung
bei unge äh 80P ozen und de An eil de Be iebe mi Be iebs a bei nu
zwei P ozen (IAB 2022; S a is isches Bundesam 2019a, 2021). Die Anzahl
de Gewe kscha smi gliede de ü die B anche zus ändigen Gewe kscha
NGG nahm in den le z en Jah zehn en as kon inuie lich ab und ging on
u sp ünglich e was meh als 260.000 Mi gliede n 1994 au e wa 190.000 Mi -
gliede 2021 zu ück (DGB 2022).
4.1.3 Quali izie ung im A bei s eld Gas onomie
Im Gas gewe be bes eh die Möglichkei , eine Ausbildung in un e schiedli-
chen Be u en zu absol ie en. Mi de Ein üh ung eine neuen Ausbildungs-
o dnung im Augus 2022 soll en die Ausbildungen im Gas gewe be mode -
38
A bei s elde de Ankun
nisie we den (Bundesins i u ü Be u sbildung 2022; Spiegel 2022). Zum
einen wu den die Ausbildungsbe u e neu bezeichne und inhal lich neu au -
ges ell .3 Auch wu de de neue Be u „Fachk a Küche“ gescha en, de „sich
o allem an p ak isch begab e Jugendliche [ ich e ], die Köche und Köchin-
nen kün ig bei de Zube ei ung on Speisen und Ge ich en un e s ü zen“
(Bundesins i u ü Be u sbildung 2022). Dadu ch sollen insbesonde e „Ju-
gendliche mi Sp achde izi en“ (Spiegel 2022) an eine Ausbildung im Gas ge-
we be he ange üh we den.
Den Hin e g und diese Ums uk u ie ung bilden un e ande em de
g oße Pe sonalmangel an Fachk ä en und die Absich , die B anche a ak i-
e zu machen (Bundesins i u ü Be u sbildung 2022; Spiegel 2022). Die
Anzahl de Auszubildenden im Gas gewe be nimm sei Langem ab, Ausbil-
dungsplä ze bleiben häu ig unbese z und bes ehende Ausbildungen we den
o abgeb ochen (Bee heide e al. 2018; G une /F eybe g/Euchne 2016; Guh-
lemann 2011; Lebe /Schwengle 2021; Maack e al. 2013; Mojescik 2022;
Schlo e-Sau e /He e -Eschweile /Kelle 2018). Die Anzahl de Ausbildungs-
e äge ha sich on 107.041 im Jah 2007 au 41.479 im Jah 2021 eduzie
(Dehoga 2018b, 2018d; 2022b; DIHK 2021). Ve s ä k wu de diese Tendenz
mi de Co ona-Pandemie (S a is isches Bundesam 2022b).
En sp echend nied ig is das Quali ika ionsni eau de Beschä ig en. Die
Beschä igung on Pe sonen ohne be u liche Ausbildung bilde ein ausge-
p äg es Me kmal de B anche (Goedicke/Bee heide 2018; Maack e al. 2013).
Mi 27P ozen is de An eil de Beschä ig en ohne be u liche Quali ika io-
nen im Ve gleich zu Gesam wi scha (11P ozen ) deu lich höhe (Schlo e-
Sau e /He e -Eschweile /Kelle 2018; Maack e al. 2013; S a is isches Bun-
desam 2017; IW Consul 2017). Fehlende Be u sze i ika e, o male
Abschlüsse ode Be u squali ika ionen bilden kein Hinde nis ü die Au nah-
me eine Beschä igung und „können leich du ch den Nachweis p ak ische
Be u se ah ung und du ch ‚lea ning on he job‘ kompensie we den“ (Goe-
dicke/Bee heide 2018, S. 29).
Dami s ell das Gas gewe be ein A bei s eld o allem ü Pe sonen ohne
achliche und ane kann e Be u sabschüsse ode Be u se ah ung da . Insbe-
3 Die Ausbildungsbe u e „Res au an achmann/- au“, „Fachmann/- au ü Sys emgas onomie“,
„Fachk a im Gas gewe be“ und „Ho el achmann/- au“ heißen nun „Fachleu e ü Res au an s und Ve -
ans al ungsgas onomie“, „Fachleu e ü Sys emgas onomie“, „Fachk a ü Gas onomie“ und „Ho el-
achleu e“. De Be u „Ho elkau mann/- au“ wu de umbenann in „Kau mann/- au ü Ho elmanage-
men “, um den Schwe punk au den kau männischen Be eich zu se zen (Bundesins i u ü Be u sbil-
dung 2022).
39
4 A bei s eld Gas onomie
sonde e Pe sonen, die „be u s achliche und be iebliche Schließungsp ozesse
in ande en B anchen“ e ah en haben, s ellen ein „A bei sk ä epo enzial“
ü das Gas gewe be da , weil sie „ande swo au Res ik ionen und Eins ieg-
ba ie en e en“ (Goedicke/Bee heide 2018, S. 33). Hinzu komm , dass auch
Wei e bildungsangebo e und be u liche Quali izie ung im Gas gewe be ehe
unüblich sind und sich o allem an Füh ungsk ä e ich en (Maack e al.
2013).
Insgesam sch eiben B anchen e e e :innen no wendigen Kompe en-
zen, Kenn nissen und Fähigkei en ü die Beschä igung zwa einen hohen
S ellenwe zu, be onen abe auch, „dass die o male Quali ika ion nich ganz
so wich ig is , sonde n auch Menschen eine Beschä igungschance inden, die
keinen ode keinen spezi ischen Be u sabschluss haben ode als Que eins ei-
ge mi o di e sen Bildungsbiog a ien einen A bei spla z suchen“ (IW Con-
sul 2017, S. 44).
4.1.4 Beschä igung on Mi g an :in nen im A bei s eld Gas o-
nomie
Au g und des ela i hohen An eils on Mi g an :in nen an den Beschä ig en
wi d das Gas gewe be auch als „die in e na ionals e B anche in Deu schland“
(IW Consul 2017, S. 60) bezeichne . Auch wenn es keine exak en Angaben
zum An eil de Mi g an :in nen gib , wi d da on ausgegangen, dass 25 bis
40P ozen de im Gas gewe be ä igen Pe sonen keine deu sche S aa sange-
hö igkei besi zen (Bundesagen u ü A bei 2019, 2022a; Dehoga 2017,
2018a; Mojescik 2022; Schlo e-Sau e /He e -Eschweile /Kelle 2018). 2021
ha en nach Angaben des Dach e bands meh als 35P ozen de sozial e si-
che ungsp lich ig Beschä ig en keine deu sche S aa sangehö igkei , wobei
diese An eil in de Gesam wi scha iel nied ige , nämlich bei 14P ozen
lag (Dehoga 2022a).
Fü die Be iebe im Gas gewe be bilden die Mi g an :in nen eine G uppe,
au die o allem au g und des Pe sonalmangels zu ückgeg i en wi d (Bee -
heide e al. 2018; G une /F eybe g/Euchne 2016).
Ge o de wi d, die Anwe bung on Pe sonal aus dem Ausland zu e -
leich e n. Zwa bezieh sich dies o allem au eine Ve ein achung und E -
leich e ung de Ane kennungs e ah en hinsich lich be u liche Quali ika i-
onen, es wi d abe auch da au hingewiesen, dass die „duale Ausbildung, wie
wi sie in Deu schland haben, […] in e na ional die Ausnahme“ sei und iele
Be iebe sich be ei e klä en wü den, „auch quali izie e A bei sk ä e, die kei-
40
A bei s elde de Ankun
nen Abschluss o weisen können, de eine deu schen Abschlussp ü ung
gleichwe ig is , einse zen können und wollen“ (Dehoga 2022b, S. 32).
Auch Ge lüch e e we den als po enzielle Beschä ig e ü das Gas gewe -
be be ach e , diese wü den z. B. du ch eine Ausbildung (Dehoga 2018c; De-
hoga 2022b) ode du ch nied igschwellige P ojek e on de „Chance Gas o“
(F ank u e Neue P esse 2017) p o i ie en.
Fü iele Mi g an :in nen selbs , insbesonde e ü diejenigen mi ehlen-
dem und/ode nich ane kann em Be u sabschluss bilde das Gas gewe be
ein a ak i es A bei s eld. Es bie e – o z de Risiken, die z. B. mi ehlen-
den Sp achkenn nissen und ehlenden ech lichen Kenn nissen einhe gehen
(Maack e al. 2013) – einen „niede schwelligen Eins ieg“ (Mojescik 2022,
S. 38) und dami „eine gu e Möglichkei zum Ein i in den deu schen A -
bei sma k “ (IW Consul 2017, S. 60). Insbesonde e ü Mi g an :in nen wi d
eine Beschä igung im Gas gewe be auch die Funk ion eine „B ücke in den
Be u “ (Schlo e-Sau e /He e -Eschweile /Kelle 2018, S. 74) zugesch ieben.
Wich ig es zuhal en is , dass insbesonde e bei de En wicklung de Gas -
onomie die Mig a ionsbewegungen eine wich ige Rolle gespiel haben. So
nahm in Deu schland on den 1960e -Jah en bis in die 1980e -Jah e hinein
pa allel zu den Mig a ionsbewegungen auch die Anzahl mig an ische Gas -
onomiebe iebe imme meh zu (Aca 2011; Möh ing 2011, 2012; Wagne
2015). „F emdes Essen“ (Möh ing 2012) und die mig an ische Ausges al ung
de Gas onomie wu de zu einem zen alen Me kmal des Gas gewe bes. Mi-
g an ische Be iebe nehmen mi le weile einen wich igen Pla z inne halb des
Gas gewe bes ein (Dehoga 2018a; IW Consul 2017; Leich /We ne 2013)
und spielen auch hinsich lich de Beschä igung on Mi g an :in nen eine we-
sen liche Rolle (Aca 2011; Möh ing 2011, 2012).
4.2 Einblicke in das A bei s eld Gas onomie aus Sich de
Schlüsselpe sonen
Die b anchenspezi ischen Rahmenda en bie en zwa e s e und wich ige Ein-
blicke in das A bei s eld, sollen abe im Folgenden un e Einbeziehung de
Pe spek i e on Schlüsselpe sonen wei e ausdi e enzie we den, um das
A bei s eld Gas onomie wei e au zuschlüsseln und dadu ch ein besse es
Ve s ändnis om A bei s eld zu en wickeln. Nach de Da s ellung des Wegs
de Selbs s ändigkei in de mig an ischen Gas onomie
(Kapi el 4.2.1)
we den im Folgenden nacheinande die Themen elde Beschä igung
(Kapi el 4.2.2)
, Rek u ie ung
(Kapi el 4.2.3)
, Hie a chie und Au s ieg
47
4 A bei s eld Gas onomie
In e essen e e ung de Beschä ig en im A bei s eld Gas o-
nomie
In keinem de Gas onomiebe iebe de be ag en Be iebsinhabenden is ein
Be iebs a ode eine Ta i bindung o handen. Es kann somi on eine ob-
jek i en Abwesenhei eine In e essen e e ung de Beschä ig en gesp ochen we -
den. Die Be iebsinhabenden bilden die einzigen Ansp echpe sonen ü die
Beschä ig en.
Es we den o allem pe sönliche Beziehungen und in o male Absp achen als
be o zug besch ieben: „Nein, wi haben ein gu es Ve häl nis [mi den Be-
schä ig en]. Und wi b auchen übe haup nich so was [Be iebs a , Ge-
we kscha ] zu machen“ (Ba zan, Be iebsinhabe , Pos.58). P obleme und
Kon lik e we den als du ch „zwischenmenschliche Beziehungen“ lösba o -
ges ell : „Also, wi sind ehe eine seh , ja, wie gesag , ja, e suchen, das im-
me so au die zwischenmenschliche Beziehung hinzuk iegen“ (Kos as, Be-
iebsinhabe , Pos.108). Eine In e essen e e ung wi d nich als no wendig
e ach e , denn „wenn du na ü lich da Ve auen zu deinem Vo gese z en has
und da das au gebau , dann b auche ich ja die, dann b auche ich Be iebs a
ja nich “ (Eugen, Dehoga, Pos.56):
„[E]in A bei e , de a bei en möch e, ein Be iebsinhabe , de jemanden be-
schä igen möch e, (länge e Pause) so jemanden zu inden, is (länge e Pause)
nich ein ach. […] Jede A bei gebe möch e, dass e sich mi seinen Beschä -
ig en e s ändigen kann, also hie in de Gas onomie. Und wenn sie sich e -
s ändigen können, dann en s eh auch die G undlage ü eine Zusammena -
bei . Deshalb gib es, glaube ich, keinen Beda , (un .) gib es auch keinen Be-
da an Gewe kscha en“ (Mehme , Be iebsinhabe , Pos.108).
Auch wi d besch ieben, dass eine In e essen e e ung ielen Mi g an :in nen
unbekann is , dass also iele Mi g an :in nen „übe haup ga nich wissen,
was eine Gewe kscha is “ (Klaus, Gewe kscha , NGG, Pos.101), und diese
Ins i u ion auch aus ih em He kun sland nich kennen. Es wi d dami auch
eine subjek i e Abwesenhei eine In e essen e e ung in den Vo s ellungen de
Mi g an :in nen besch ieben.
Die Gas onomie zeichne sich du ch „Einzelkämp e “ (Klaus, Gewe k-
scha , NGG, Pos.97) aus, die sich, wenn sie diese übe haup kennen, on de
Möglichkei eine In e essen e e ung dis anzie en: E s ens, weil es sich o
allem um Familienbe iebe mi geschlossenen Kul u en handele, denen ein
„ amiliä e Hin e g und“ zugesch ieben wi d und die auch ü ein „Dankba -
kei sge ühl“ ode „Dazugehö igkei sge ühl“ so gen (Klaus, Gewe kscha ,
NGG, Pos.25, 23).
48
A bei s elde de Ankun
Zwei ens schein die Dis anzie ung auch au de Mach posi ion de Be-
iebsinhabenden und de Abhängigkei de Beschä ig en zu g ünden. Die-
se Mach - und Abhängigkei szusammenhang wi d on manchen Be iebs-
inhabenden auch explizi zum Ausd uck geb ach , wenn sie z. B. den
Beschä ig en mi eilen, „dass es wäh end de A bei keinen S ei geben soll,
egal was passie : ‚Wenn es S ei gib , egal ob ih im Rech ode Un ech
seid, we de ih gekündig ‘“ (Fa uk, Be iebsinhabe , Pos.143).
Ein wich ige Aspek in diesem Kon ex is die Bedeu ung, die Mi-
g an :in nen eine A bei hinsich lich eines gesiche en Au en hal s in
Deu schland zusch eiben, wonach also „A bei “ zumeis als de „einzige He-
bel“ (Klaus, Gewe kscha , NGG, Pos. 25, 23) ü einen Au en hal in
Deu schland be ach e wi d. Indem dami Mi g an :in nen A bei als zen al
ü den Au en hal in Deu schland deu en, wü den sie sich auch on eine In-
e essen e e ung dis anzie en, weil sie ih e Wei e beschä igung siche n
möch en, was wiede um en scheidend dazu üh e, dass Gewe kscha en
„do nich Fuß assen“ (Klaus, Gewe kscha , NGG, Pos.105) können.
4.2.4 Hie a chie und Au s ieg im A bei s eld Gas onomie
Hie a chie im A bei s eld Gas onomie: „mili ä ische Disziplin“,
subjek i e Abg enzung und Hil eleis ung
Bei de Hie a chie in de Gas onomie beinhal en die Besch eibungen de
Be iebsinhabenden auch die Gäs :innen, sodass on eine d eiglied igen Hie -
a chisie ung in de Gas onomie gesp ochen we den kann (Gäs :innen, Be-
iebsinhabende, Beschä ig e), in de en Rahmen „de Gas […] de King
[is ]“ (Kos as, Be iebsinhabe , Pos.88). Den Beschä ig en wi d die Funk ion
zugesch ieben, die Zu iedenhei de Gäs :innen ins Zen um de Beschä i-
gung zu se zen und die eigenen In e essen und den eigenen S andpunk den
Wünschen und E wa ungen de Gäs :innen un e zuo dnen: „jede muss a -
bei en, so, wie es sich gehö , dami auch unse e Gäs e zu ieden sind“ (Kos-
as, Be iebsinhabe , Pos.60).
Die Be iebsinhabenden posi ionie en sich dabei kla als A bei ge be :in-
nen und dami auch als Ansp echpe sonen de Beschä ig en. Die eigene
„Rolle als A bei gebe “ und „Che “ wi d en sp echend in den Vo de g und
ge ück und die Posi ionie ung in de Hie a chie im Be ieb besch ieben:
„Wenn das Geschä losgeh , dann is de Che de Che und die ande en sind
die A bei e “ (Fa uk, Be iebsinhabe , Pos.152, 113). Zum Teil wi d bei de
be ieblichen O ganisa ion und den A bei sabläu en au eine e ablie e „mili-
49
4 A bei s eld Gas onomie
ä ische Disziplin“ (Fa uk, Be iebsinhabe , Pos.66) hingewiesen ode das ei-
gene Vo gehen als „e was dik a o isch“ (Mehme , Be iebsinhabe , Pos.19)
bezeichne .
Nich nu Eh lichkei und die Einhal ung de O dnung im Be ieb wi d
on den Beschä ig en e wa e . Auch die E wa ung, sich mi den jeweiligen
A bei sabläu en im Be ieb e au zu machen, mo i ie zu sein, Einsa z zu
b ingen, die A bei sau gaben en sp echend auszu üh en und mi den be-
ieblichen Ressou cen so gsam umzugehen inde E wähnung: „Also, es is
ja nich nu Kuschelku s hie , sonde n wi e wa en schon A bei “ (Eugen,
Dehoga, Pos.26).
Die Hie a chie im Be ieb wi d abe auch du ch eine au Quali ika ionen
beg ünde e Dis anzie ung on den Beschä ig en beg ünde . So we den den Be-
schä ig en ehlende Quali ika ionen und Kenn nisse zugesch ieben und da-
mi zugleich de eigene Quali ika ionss a us in den Vo de g und ge ück . Als
„Lei e “ des Gas onomiebe iebs besch eiben sich die Be iebsinhabenden
„besse “ (Ba zan, Be iebsinhabe , Pos.117) als die Beschä ig en ode e glei-
chen sich mi Pe sonen mi „Abi u “, wohingegen die Beschä ig en als
„G undschüle “ (Azad, Be iebsinhabe , Pos.10) bezeichne we den.
Zugleich besch eiben die Be iebsinhabenden abe aus de eigenen Posi-
ionie ung in de Hie a chie auch eine Hil eleis ung ü die Beschä ig en, de-
nen eine Beschä igungsmöglichkei , „eine Gelegenhei “ (Azad, Be iebsinha-
be , Pos. 46, 48) gegeben wo den sei. Dadu ch wü den die Beschä ig en
einen Be u e le nen: „[E]s gab iele Beschä ig e, die ich angele n habe. Wi
haben […] Menschen, die ga nich s on de Gas onomie e s ehen […], zu
Köchen gemach “ (Mehme , Be iebsinhabe , Pos.94). Diese Hil eleis ung
wi d auch de posi i e E ek ü die Wei e beschä igung bei ande en Gas o-
nomiebe ieben zugesch ieben: „egal wohin e [de Beschä ig e] geh , […]
wenn e dann sag , e habe hie gea bei e […], dann kann e do als Koch
bleiben“ (Fa uk, Be iebsinhabe , Pos.66, 111).
Au s ieg im A bei s eld Gas onomie: In o male Au s ieg und
Selbs s ändigkei
Ein Au s ieg in de Gas onomie wi d zwa an bes imm en Tä igkei sdi e-
enzie ungen im Gas onomiebe ieb es gemach und on manchen Be-
iebsinhabenden auch als möglich besch ieben, so z. B. zum „G illmeis e “
(Fa uk, Be iebsinhabe , Pos. 76) ode im Rahmen eine „Ve an wo ung
übe die Bes ellungen, übe z. B. Feie lichkei en“ (Kos as, Be iebsinhabe ,
Pos. 80). Es handel sich abe bei den o ges ell en Au s iegsmöglichkei en
g undsä zlich um in o male Au s iegsmöglichkei en.
50
A bei s elde de Ankun
Fo male, inhal lich de inie e K i e ien ü den Au s ieg exis ie en nich .
Vielmeh sind die subjek i en Vo s ellungen de Be iebsinhabenden o an-
gig. Auch wenn ü einen Au s ieg Kenn nisse und Kompe enzen e wähn
we den, sind diese imme beglei e on wei e en subjek i en, nich kla de i-
nie en und no ma i en K i e ien, sodass die Beschä ig en ü einen mögli-
chen Au s ieg z. B. „eh lich“ sein ode die A bei „o den lich“ (Fa uk, Be-
iebsinhabe , Pos.74, 76) machen soll en ode neben de Einb ingung neue
„Ideen“ zum be ieblichen Ablau auch „komple e[n] Einsa z“ (Kos as, Be-
iebsinhabe , Pos.80) zeigen soll en. De als möglich besch iebene Au s ieg
un e lieg keine o malen Ze i izie ung. En scheidend is die subjek i e
Sich de Be iebsinhabenden.
Auch wenn Be iebsinhabende in o male Au s iegsmöglichkei en e wäh-
nen, so sind doch ehlende Au s iegsmöglichkei en au g und de kleinbe iebli-
chen S uk u en iel ausgep äg e . Da es sich z. B. um „kein supe g oßes Be-
ieb“ (Kos as, Be iebsinhabe , Pos.80) handele, wü den höhe e Posi ionen
au g und de Abwesenhei eine ausdi e enzie en Au eilung on Zus än-
digkei sbe eichen und mangels meh e e Füh ungsebenen nich exis ie en.
Au s iegsmöglichkei en gebe es dahe „seh sel en, as ga nich […], also es
gib auch keinen Be eich, wo es möglich sein soll e au zus eigen“ (Mehme ,
Be iebsinhabe , Pos.85, 83).
Im Gegensa z hie zu wi d abe die Selbs s ändigkei als Au s iegsmöglich-
kei e wähn : „In de Gas onomie gib es eigen lich so was wie Au s ieg
nich , man kann seinen eigenen Be ieb au machen und do mi eine be-
s imm en Kapazi ä a bei en und ü sich selbs so gen“ (Azad, Be iebsinha-
be , Pos.68). Auch wenn diese Weg als isikobeha e be ach e wi d, wi d
e , o allem wenn ande wei ige be u liche Quali ika ionen ehlen, au g und
de ela i en nied igen Vo ausse zungen als eine Möglichkei des Au s iegs
o ges ell :
„Und es gab ja ühe diesen al en Sp uch […]: ‚We nich s wi d, wi d Wi ,
we ga nich s wi d, wi d Bahnho swi und is ihm ga nich s gelungen,
mach e in Ve siche ungen.‘ (Lachen) Den e appe ich imme wiede , das mi
dem, we nich s wi d, wi d Wi . Abe auch da is ja die Chance, dass ich,
wenn ich eine zwei e, d i e ode wie iel e Chance haben will und ich mich
im Gas gewe be ummeln will, is ja das, welche Vo ausse zungen ich haben
muss als Un e nehme , ela i nied ig“ (Klaus, Gewe kscha , NGG, Pos.67).
Wäh end o male Au s iegsmöglichkei en o allem au g und kleinbe iebli-
che S uk u en als nich gegeben besch ieben we den, zeichnen sich in o -
male Au s iegsmöglichkei en, o allem abe de Weg in die Selbs ändigkei
als eine Au s iegsmöglichkei ab.
51
4 A bei s eld Gas onomie
4.2.5 Rele anz on Quali izie ung im A bei s eld Gas onomie
Rele anz p ak isch-in o malen Le nens im A bei s eld Gas o-
nomie
Das A bei s eld Gas onomie besch eiben die Be iebsinhabenden du chaus
als ein be u liches Feld, bei dem, zumindes ü bes imm e Tä igkei en, wie
z. B. die de Köch:innen, auch Quali ika ionen no wendig seien, die sich au
die O ganisa ion und Koo dina ion de Zube ei ung und des Se ices on
Ge ich en, abe auch au Kenn nisse de be ieblichen Abläu e beziehen. Es
is abe nich eine o male Quali ika ion, sonde n ielmeh die Rele anz p ak-
isch-in o male E le nung des Be u s, au die We geleg wi d.
Da „man […] nich au Diplome [schau ]“ (Mehme , Be iebsinhabe ,
Pos. 17), wi d de Aneignung ins i u ionalisie en, explizi en Wissens im
Rahmen eine Ausbildung wenige Rele anz zugesch ieben. Vo allem die
P axis wi d als ele an besch ieben und nich so seh das „S ück Papie “
(Azad, Be iebsinhabe , Pos.74). „Be u “, so die Vo s ellung, „is nich nu
zu Schule gehen“ (Azad, Be iebsinhabe , Pos.74), da manche Inhal e „nu
in de P axis […], nich in de Theo ie“ (Mehme , Be iebsinhabe , Pos.128)
zu e le nen seien.
Theo ie e mi el es Wissen wi d dami in den Besch eibungen in den
Hin e g und und die P axise ah ung in den Vo de g und ge ück . Das Fach-
wissen, dem zwa die Bedeu ung nich g undsä zlich abgesp ochen wi d,
wi d de P axise ah ung un e geo dne bzw. als de P axise ah ung imma-
nen besch ieben. „Bei de A bei le nen. S ück ü S ück“ wi d als zen ales
Mi el be ach e :
„Und ich sage Ihnen eh lich, das, was in den Schulen gezeig wi d, is nich die
absolu e Gas onomie. Das is ein Fachwissen, abe is nich die absolu e Gas o-
nomie. Denn die häng nämlich ganz woande s. Also, die häng eh lich gesag
meh an dem komple en pe sönlichen Einsa z, an die F eundlichkei , an die
O dnung. Da an lieg die Gas onomie, und nich , dass man weiß, wie man
zum Beispiel nu eine Se ie e al e , wie man on ech s se ie ode on
links, wo man das Glas pack . Na ü lich muss man es wissen. Abe das is ehe
die achliche Kompe enz, abe nich die menschliche Kompe enz. […] Das is
meine, sage ich je z mal, meine Fes s ellung, weil ich wei übe 40 Jah e diese
A bei mache. Ha das wi klich nich mi achlichen Kenn nissen zu un, son-
de n meh mi den menschlichen zu un“ (Kos as, Be iebsinhabe , Pos.90, 88).
Fo male Ausbildung s. „p i a e Ausbildung“
Die Be iebsinhabenden besch eiben in den on ihnen ge üh en Gas ono-
miebe ieben auch eine ehlende Möglichkei de o malen Ausbildung. Zwa
52
A bei s elde de Ankun
wi d e wähn , dass eine o male Ausbildung on den Beschä ig en nich e -
wünsch sei. Abe auch die Be iebsinhabenden äuße n nich den Wunsch
auszubilden, „weil es da so iele F agen gib , hol das, b ing das, da ü habe
ich keine Zei . […] Bei ihm s ehen bleiben und sagen, das Messe muss du so
hal en, da ü habe ich nich so iel Zei “ (Azad, Be iebsinhabe , Pos.56).
Die Möglichkei , „jemanden anzule nen“ (Mehme , Be iebsinhabe ,
Pos.136) wi d als be o zug besch ieben. Vo diesem Hin e g und wi d de
eigene Be ieb dann du chaus auch als „sowas wie eine Ausbildungss ä e“
(Azad, Be iebsinhabe , Pos.48) bezeichne , die eine quasi p i a e Ausbildung
e mögliche: Eine Pe son z. B. bei de man „ om Gesich , om Ve hal en,
on de A bei sweise“ e kenne, dass sie „a bei swillig und le nwillig is […],
b ingen wi die A bei bei, […] es is so e was wie eine Ausbildung, abe eine
p i a e Ausbildung, man kann ihm kein Ze i ika auss ellen“ (Fa uk, Be-
iebsinhabe , Pos.111).
De eigene S a us wi d dann einem Ausbilde gleichgese z : „[J]ede Mig-
an , de bei mi gea bei e ha , ha e keinen Be u , sie ingen bei null an. Die
g öß e Las lag dabei bei mi , ich muss e sie lei en, ihnen sagen, dass sie keine
Fehle machen sollen, ich habe sie imme ausgebilde “ (Azad, Be iebsinha-
be , Pos.48). Diese Sich weise spiegel gewisse maßen auch die be ei s da ge-
s ell e P ä e enz des p ak isch-in o malen E le nens on A bei , die insbeson-
de e ü das A bei s eld Gas onomie als ele an besch ieben wi d. Auch
wi d o diesem Hin e g und eine o male Ausbildung ü eine Beschä igung
„nich zu eine Vo ausse zung gemach “ (Azad, Be iebsinhabe , Pos.70).
Auße dem wi d in diesem Zusammenhang besch ieben, dass au g und
de kleinbe ieblichen S uk u en und de pe sönlich e ablie en O ganisa i-
on und A bei släu e im Be ieb ande wei ige be u liche E ah ungen und
Kenn nisse de Beschä ig en aus ande en Gas onomiebe ieben nich im-
me umse zba sind. Dami we den unabhängig on ih en be ei s o hande-
nen Quali ika ionen, Kenn nissen und be u lichen E ah ungen alle neu ein-
ges ell en Beschä ig en als „Neuling“, „An änge “ (Fa uk, Be iebsinhabe ,
Pos.68) ode als „Eins eige “ (Azad, Be iebsinhabe , Pos.10) besch ieben,
die dann Sch i ü Sch i in die be iebliche O ganisa ion und die be ieb-
lichen Abläu e einge üh we den und die A bei in de P axis e le nen.
4.3 Vo s ellungen zu Deu schland: A bei s eld Gas onomie
Wie abe deu en mig an ische Beschä ig e ih e A bei in de Gas onomie?
Be o die sozialen Rep äsen a ionen de be ag en Mi g an :in nen on Gas -
53
4 A bei s eld Gas onomie
onomiea bei da ges ell we den, sollen zunächs de en Vo s ellungen zu
Deu schland (Kapi el4.3.1) und zu A bei in Deu schland (Kapi el4.3.2) an-
ge issen we den. Dies dien nich nu eine b ei e angeleg en Be ach ung
de subjek i en Pe spek i e de be ag en Mi g an :in nen, sonde n e kenn
auch an, dass die sozialen Rep äsen a ionen in diese Vo s ellungen eingebe -
e sind.
4.3.1 Vo s ellungen de mig ie en Beschä ig en im A bei s eld
Gas onomie zu Deu schland
Ih e He kun slände besch eiben die be ag en Mi g an :in nen mi Hinweis
au die schlech e poli ische Si ua ion (K ieg, Bü ge k ieg, Un e d ückung,
Disk iminie ung, poli ische Ve olgung), die Abwesenhei on Rech ss aa -
lichkei , die schlech e Wi scha slage und das schlech e Bildungssys em. Pe -
spek i losigkei und ehlende bzw. beg enz e Möglichkei en bilden dami ei-
nen zen alen Teil de Besch eibungen de He kun slände :
„Ich woll e eigen lich imme on Se bien gehen, weil ich dach e, manch ande-
e Lände geben meh Möglichkei en und genau ü Deu schland habe ich so
was gehö , deswegen ich woll e ge ne hie kommen, weil alle ande en Leu e,
die ich kenne, die sind in Deu schland, die haben mi auch gesag , dass ich
könn e hie iel meh machen als in Se bien“ (Ka a ina, w., Se bien, Pos.10).
Deu schland wi d als Land besch ieben, das sich du ch Siche hei , Rech s-
s aa lichkei , soziale Siche ung, Gleichbehandlung und Chancengleichhei
sowie du ch Chancen ü die olgende Gene a ion in Fo m on Bildung und
Ausbildung auszeichne : „Auch wenn man [in Deu schland] keine Uni e si-
ä besuchen kann, e häl man abe eine be u liche Ausbildung, hie kann
man einen Be u haben“ (Kemal, m., Tü kei, Pos.176).
Zwa besch eiben die be ag en Mig an :innen auch He aus o de ungen
des Ankommens in Deu schland, so z. B. den unsiche en Au en hal ss a us,
die schwie ige Wohnungs-, A bei s- und Ausbildungspla zsuche und Disk i-
minie ungse ah ungen. Abe Deu schland wi d dennoch als ein „g oßes
Land“ (Kemal, m., Tü kei, Pos.133), als „my d eam coun y“ (Osa o, m., Ni-
ge ia, Pos.234, 236) bezeichne und mi „T äume[n]“, „Ho nungen“ (Ke-
mal, m., Tü kei, Pos.192, 70) und dami mi „Zukun “ (Fa is, m., Sy ien,
Pos.128; Kemal, m., Tü kei, Pos.31), „Möglichkei en“ (Ka a ina, w., Se bien,
Pos.10) und „Pe spek i [en]“ (Alejand o, m., Mexiko, Pos.55) in Ve bin-
dung geb ach .
54
Abbildung2
A bei s eld Gas onomie: Vo s ellungen zum He kun sland und zu Deu schland
Quelle: eigene Da s ellung
!schlech e poli ische Si ua ion:
K ieg/Bü ge k ieg, Un e d ückung,
Disk iminie ung, poli ische Ve olgung
!Abwesenhei on Rech ss aa lichkei
!schlech e Wi scha slage
!schlech es Bildungssys em
!Siche hei
!Rech ss aa lichkei
!soziale Siche ung
!Gleichbehandlung und Chancen-
gleichhei
!Chancen ü die olgende Gene a ion
!„g oßes Land“, „T äume“,
„Ho nungen“, „Zukun “,
!„Möglichkei en“, „Pe spek i en“
He aus o de ungen:
!unsiche e Au en hal ss a us
!schwie ige Wohnungssuche
!schwie ige A bei s-und
Ausbildungspla zsuche
!Disk iminie ungse ah ungen
55
4 A bei s eld Gas onomie
4.3.2 Vo s ellungen de mig ie en Beschä ig en im A bei s eld
Gas onomie zu A bei in Deu schland
Die A bei swel s ell ü die be ag en Mi g an :in nen kein unbekann es Feld
da . Sie besch eiben un e schiedliche A bei se ah ungen und weisen au Un-
e schiede zwischen de A bei im He kun sland und in Deu schland hin. De
A bei im He kun sland wi d eine in o male A bei skul u zugesch ieben.
Neben de in o mellen Beschä igung be i dies auch den Ums and, dass bei
de Au nahme eine Beschä igung keine o malen An o de ungen, Quali ika-
ionen und Bewe bungsp ozesse no wendig seien: „in Sy ien, also ein ach im-
me agen: ‚B auchen Sie Mi a bei e ?‘. Keine Bewe bung, kein sowas […].
Ein ach hingehen: ‚Hallo, b auchen Sie Mi a bei e , ich habe da und do gea -
bei e .‘ Man e zähl , was man gea bei e ha “ (Fa is, m., Sy ien, Pos.222).
Fe ne we den de A bei swel im He kun sland ehlende Rech e Be-
schä ig e , nied ige Löhne und ein ehlendes Sys em soziale Siche ung zu-
gesch ieben. Schließlich we den die hohe Rele anz des p axis- und e ah-
ungsbasie en E le nens on (nich akademischen) Be u en und dami die
Ausübung o allem angele n e Be u en besch ieben: „In handwe klichen
Be u en und ein achen Be u en […] kann man ein ach a bei en, ohne sich
ich ig zu bewe ben ode übe haup i gendwelche Quali ika ionen zu haben,
bei uns gab es nich so ich ige Ze i ika e“ (Malik, m., Sy ien, Pos.9).
Im Ve gleich zum He kun sland wi d die A bei in Deu schland als „bes-
se “ (Osa o, m., Nige ia, Pos.122) und „supe “ besch ieben (Ahme , m., Tü -
kei, Pos.204). De A bei in Deu schland wi d zunächs eine o male A bei s-
kul u zugesch ieben. Dies beinhal e sowohl o male Bewe bungs- und
Eins ellungsp ozesse als auch die o male Beschä igung als o he schendes
A bei s e häl nis. Auße dem we den de A bei swel in Deu schland auch
Rech sansp üche on Beschä ig en a es ie :
„Ich kann so sagen, a bei en in Deu schland is ganz no mal a bei en. A bei-
en in Deu schland is das so, man ha Rech . A bei e ha Rech . Zum Beispiel
ach S unden a bei en, halbe S unde Pause machen und de es e Lohn ode
so. U laub, Sams ag, alles has du Rech . Dann is eine no male A bei “ (Ma-
in, m., A ghanis an, Pos.87).
Auch wi d A bei in Deu schland mi hohen Löhnen, Disziplin und O d-
nung und schließlich mi einem höhe en o malen be u lichen Quali ika i-
onsni eau in Ve bindung geb ach . Dies be i die Vo s ellung, dass A bei
und das E le nen eines Be u s in Deu schland mi o male Ausbildung und
Quali izie ung einhe gehen und Be u e spezi izie und en wickel sind:
Abbildung2
A bei s eld Gas onomie: Vo s ellungen zum He kun sland und zu Deu schland
Quelle: eigene Da s ellung
56
Abbildung3
A bei s eld Gas onomie: Vo s ellungen zu A bei im He kun sland und in Deu schland
Quelle: eigene Da s ellung
!in o male A bei skul u
! ehlende Rech e
!nied ige Löhne
! ehlende soziale Siche ung
!p axis-und e ah ungsbasie es
E le nen on nich akademischen
Be u en
! o male A bei skul u
!Rech sansp üche
!hohe Löhne
!soziale Siche ung
!Disziplin und O dnung
!hohes o males be u liches
Quali ika ionsni eau
!„gu “, „besse “, „supe “
He aus o de ungen:
!wenige „Spaß“
!wenige „ eundlich“
!wenige „ elaxed“
!bü ok a isch
! o male P ozesse als
Hinde nis
!„halbe Ankun “
63
4 A bei s eld Gas onomie
Falls übe haup Kompe enze we b genann wi d, bezieh e sich ehe au
den E we b on Sp achkenn nissen ode Sozialkompe enzen, die insbeson-
de e ü den Umgang mi den Gäs :innen als zen ales Elemen besch ieben
we den.
Auch die ehlende An o de ung eine o malen Ausbildung ü den Zugang
zu und ü die Du ch üh ung de A bei in de Gas onomie bilde ein zen-
ales Elemen . G öß en eils sind Möglichkei en eine o malen Ausbildung
in de Gas onomie en wede unbekann ode we den nich als eine Op ion
be ach e . Die Vo s ellung de Gas onomiea bei als p axis- und e ah ungs-
basie e A bei läss eine o male Ausbildung in de Gas onomie als „Aus-
nahme“ (Ali, m., Tü kei, Pos.66) e scheinen, de en Rele anz ü den Zugang
zu und ü die Du ch üh ung de Gas onomiea bei hin e ag wi d: „Ich
weiß nich , was mach man eigen lich spä e mi de Ausbildung, was ande s
is , als was wi je z machen, weiß ich nich “ (Ka a ina, w., Se bien, Pos.148).
Ein wei e es Elemen , das in diese sozialen Rep äsen a ion besch ieben
wi d, sind die in de ak uellen Beschä igung ehlenden Au s iegsmöglichkei en
mangels Tä igkei sdi e enzie ungen im Be ieb, weil z. B. „mein Che , is
be ei s sein Res au an . Es gib nich meh hoch“ (Alejand o, m., Mexiko,
Pos.163):
„Also mein Che nenn mich imme , weil ich bin am längs en da als die ande-
en, und e sag imme , dass ich bin Geschä s üh e in, abe e sag das nu so
Spaß, weil das is eigen lich nich so, ich mache genau dasselbe wie meine Kol-
legen ode die neuen Kollegen, die kommen. Also gib es nich . En wede sind
wi Mi a bei e ode e da. Da gib es nich e was in de Mi e, wo man au s ei-
gen könn e eigen lich“ (Ka a ina, w., Se bien, Pos.154).
Falls übe haup Au s iegsmöglichkei en als gegeben be ach e we den, dann
wi d ein solche Au s ieg ehe bei g öße en Res au an s mi Tä igkei sdi e-
enzie ungen e o e ode als ü die Ve wand en de A bei gebe :innen
möglich be ach e , die z. B. in eine in o malen Lei ungs unk ion als die
„ ech e Hand“ ungie en (Malik, m., Sy ien, Pos.11, 58):
„Nu wenn iele A b-, zum Beispiel do , wo es 20, 30 Beschä ig e gib , kann
sich so e was aus de No wendigkei he aus e geben und dann übe nimm
en wede de Diens äl es e die Au gabe ode de jenige, de dem Che am
nächs en s eh , de ein Ve wand e on ihm is . Abe das ha […] nich s mi
Au s ieg ode S a us zu un. In diesem Sek o is ein Au s ieg nich wi klich
möglich“ (Ali, m. Tü kei, Pos.114).
Nu in sel enen Fällen wi d ein Au s ieg auch du ch eine o male Ausbil-
dung ode du ch be u liche Ze i ika e als e wi klichba gedeu e .
64
A bei s elde de Ankun
Schließlich bilden kla e Hie a chien und die ehlende In e essen e e ung
de Beschä ig en Elemen e de sozialen Rep äsen a ion de Gas onomiea bei
als O des Eins iegs. Die A bei gebe :innen we den als die einzigen An-
sp echpe sonen und dami eine objek i e Abwesenhei eine In e essen e -
e ung de Beschä ig en besch ieben. Hinzu komm , dass iele de be ag-
en Mi g an :in nen eine In e essen e e ung nich kennen, sodass sich auch
die subjek i e Abwesenhei eine In e essen e e ung in den Vo s ellungen
abzeichne .
Eine Besonde hei bei de Hie a chie bilde die Besch eibung eines Ein-
ge angenseins in de Hie a chisie ung en lang de Ebenen Gäs :innen–Be-
schä ig e–A bei gebe :innen und de Belas ungen, die dies mi sich b ing .
Hie emp inden sich manche de Be ag en au de un e s en Ebene de Hie-
a chie. Sie besch eiben ein Ge ühl de Beobach ung und Kon olle du ch
die Gäs :innen, abe auch die No wendigkei , sich de en Wünschen und E -
wa ungen un e zuo dnen und zu ih e Zu iedenhei zu a bei en:
„Weil manche Kunden, die sind ganz böse. Die sind nich ne […]. Wi ha en
paa Kunden, die woll en nu , wie kann ich sagen? Die wa en ich ig böse. Und
muss auch mi diesen Kunden ne sein. Die eden böse, abe du muss ne
sein. Is ich ig schwe . […] Deswegen muss du lachen und is ich ig schwe .
Muss du ein gu e Schauspiele sein“ (Ma in, m., A ghanis an, Pos.31, 35).
Dies wi d auch deshalb als wich ig besch ieben, weil es aus Sich de Beschä -
ig en gil , Beschwe den zu e meiden, die zu einem zusä zlichen Kon lik
mi den A bei gebe :innen üh en könn en. Schließlich sei „es ü den Che
imme zue s wich ig, dem Kunden gegenübe gu dazus ehen“ (Ali, m., Tü -
kei, Pos.122). Aus diese Pe spek i e wi d die Gas onomiea bei bisweilen
mi einem „Ne enk ieg“ (Ali, m., Tü kei, Pos. 104) gleichgese z , sodass
man „ech iel Geduld ü diese A bei “ (Malik, m., Sy ien, Pos.65) b auche.
Insgesam wi d dami in de sozialen Rep äsen a ion de Gas onomiea -
bei als O des Eins iegs die Beschä igung besch ieben als gekennzeichne
du ch ein ache A bei sau gaben mi ehlenden Kompe enzan o de ungen,
ein ache und schnell zu e le nende Tä igkei en, beg enz en Kompe enze -
we b und ehlende An o de ungen eine o malen Ausbildung sowie du ch
ehlende Au s iegsmöglichkei en und kla e Hie a chien und mangelnde In-
e essen e e ung de Beschä ig en (Abbildung6).
In de sozialen Rep äsen a ion on Gas onomiea bei als O des Ein-
s iegs wi d die Gas onomie anhand de ih zugesch iebenen Elemen e als
ein A bei s eld o ges ell , das einen ein achen und schnellen Eins ieg in die
A bei swel e möglich . Übe einen Eins ieg hinaus e knüp en die be ag en
65
Abbildung6
Gas onomie als O des Eins iegs: Tä igkei sbezogene Elemen e des A bei s elds
Quelle: eigene Da s ellung
E we bse wa ungen
E we bsk isen
soziale Teilhabe
A bei als No wendigkei
Gas onomiea bei als O des Eins iegs
!u bane Seg ega ion des Gas onomiema k s
mi mig an ischen Be ieben
!g oße Pe sonalbeda
!hohe Pe sonal luk ua ion
!mig an isches A bei s eld
!in o mal übe soziale Kon ak e
! ehlende Eins iegsan o de ungen
Zugang: ein ach und schnell
Gas onomiea bei als O des Eins iegs
! ehlende An o de ungen hinsich lich
Quali ika ionen und Kompe enzen
!ein aches und schnelles E le nen on Tä igkei en
! ehlende An o de ungen eine o malen Ausbildung
! ehlende Au s iegsmöglichkei en
!kla e Hie a chie mi ehlende In e essen e e ung
66
A bei s elde de Ankun
Mi g an :in nen mi ih e Beschä igung in de Gas onomie abe auch kon-
k e e be u liche Aspi a ionen. Je nachdem, wo in diese Aspi a ionen bes e-
hen und ob sie au eine Beschä igung in ode auße halb de Gas onomie
ausge ich e sind, en al e sich die soziale Rep äsen a ion in zwei jeweils an-
de s s uk u ie e soziale Rep äsen a ionen.
Diese können anlehnend an Figa i und Skogen (2011) als kon ligie ende
soziale Rep äsen a ionen bezeichne we den, da in ihnen au g und de eige-
nen E we bsbiog a ie, be ei s gesammel e be u liche E ah ungen in ode
auße halb de Gas onomie und de jeweiligen subjek i en be u lichen Aspi-
a ionen un e schiedliche, sich zum Teil e heblich wide sp echende Elemen-
e in den Vo de g und ge ück und die Gas onomiea bei au ganz un e -
schiedliche Weise gedeu e wi d, nämlich en wede als ein nich be u liche
O des Ums iegs ode als ein be u liche O des Au s iegs.
4.4.2 Gas onomie als nich be u liche O des Ums iegs
In de sozialen Rep äsen a ion on Gas onomiea bei als nich be u liche O
des Ums iegs ollziehen die be ag en Mi g an :in nen o dem Hin e g und ih-
e zumeis auße halb de Gas onomie e lau enden E we bsbiog a ie eine
be u liche Posi ionie ung auße halb de Gas onomie. Die Gas onomiea bei bil-
de in diesen Vo s ellungen einen O , de e lassen we den soll, einen O ,
an dem eine Beschä igung au genommen wu de, weil sich al e na i e Be-
schä igungsmöglichkei en, z. B. im eigenen Be u , eine Ausbildung ode ein
S udium, nich ealisie en ließen.
Die be u liche Aspi a ion is s a k au eine quali izie e Beschä igung,
eine Ausbildung, ein S udium ode eine Selbs s ändigkei auße halb de Gas-
onomie ausge ich e . Die „Leidenscha “ (Fa is, m., Sy ien, Pos.342) ü ei-
nen ande en Be u is e an wo lich da ü , „unge n in Gas onomie blei-
ben“ (Ka a ina, w., Se bien, Pos.148) zu wollen. Die Beschä igung in de
Gas onomie wi d als nich e wünsch e und auch nich beabsich ig e Be-
schä igung besch ieben, man sei „gezwungene maßen da gelande “ (Ali, m.,
Tü kei, Pos.42): „i was ne e on he agenda o wo k in a es au an “ (Lamin,
m., Gambia, Pos.5). Die A bei s elle keinen „Lieblingsjob“ ode „T aumjob“
(Ka a ina, w., Se bien, Pos.92, 30) da .
Die Beschä igung in de Gas onomie wi d als o übe gehende Phase be-
sch ieben, bis sich eine ande wei ige Beschä igungsmöglichkei e gib . Die
Gas onomiea bei wi d zwa als ein „Sch i in Deu schland, ja e was ü die
Zukun “ (Fa is., Sy ien, Pos.17) besch ieben, dem abe wei e e Sch i e ol-
67
4 A bei s eld Gas onomie
gen sollen, die zu „besse en S ellen“ (Ali, m., Tü kei, Pos.36) und einem „gu-
en A bei spla z“ üh en, da man „einen e ns en Job haben und nich im
Ca é a bei en“ (Ka a ina, w., Se bien, Pos.15, 215, 150) möch e.
Subjek i bes eh de Wunsch nach eine Ve schiebung de be u lichen
Posi ion weg on de Gas onomie, weil die Gas onomiea bei als eine no -
wendig hinzunehmende, abe o übe gehende Phase in de E we bsbiog a ie
gedeu e wi d. Aus diese Pe spek i e e geben sich schließlich spezi ische Ele-
men e de Gas onomiea bei , die den konk e en Inhal de sozialen Rep ä-
sen a ion de Gas onomiea bei als O des Ums iegs ausmachen.
Gas onomie als nich be u liches Feld
Ein zen ales Elemen diese sozialen Rep äsen a ion is die Vo s ellung, dass
das A bei s eld Gas onomie kein be u liches Feld und dami die Gas onomie-
a bei nich als Be u gedeu e wi d. En sp echend inde bei de Beschä i-
gung in de Gas onomie auch keine be u liche Iden i ika ion s a . Zwa wi d
aus eine subjek i en Pe spek i e We au Quali izie ung und Kompe enzen
geleg , diese abe nich dem Feld de Gas onomie zugesch ieben.
Einen s a ken Ausd uck de ehlenden be u lichen Iden i ika ion bilde
die spezi ische Besch eibung de A bei sbedingungen in de Gas onomie,
die un e ande em die subjek i wah genommene ehlende Iden i ika ion mi
dem Gas onomiebe ieb bezeug . So we den z. B. die A bei sbedingungen be-
sch ieben als gekennzeichne du ch einen lexiblen und uni e salisie en Ein-
sa z de Beschä ig en, wodu ch Planungsunsiche hei en en s ehen, weil sich
die A bei szei en je nach be ieblichem Beda imme wiede ände n kön-
nen.
Zudem wi d die Gas onomiea bei in den Vo s ellungen dami in Ve -
bindung geb ach , schnell und un e D uck a bei en zu müssen: „you ha e o
do hings as and as “ (Lamin, m., Gambia, Pos.6). Auch we den de Gas -
onomiea bei nied ige bzw. ungleiche En lohnung und unbezahl e Übe -
s unden zugesch ieben. Da übe hinaus we den (semi)in o melle Beschä -
igungs e häl nisse hema isie , wenngleich sie on den Beschä ig en mi -
un e selbs be o zug wü den:
„Viele Mi a bei e wollen auch selbs schwa za bei en, weil sie nich die nö i-
gen Papie e haben ode sich in diese Bü ok a ie nich auskennen. Viele […]
haben keine ich ige E laubnis, um mi Papie en zu a bei en. Sie benö igen
auch o mals d ingend Geld, dami sie ielleich ih e Familien in de Heima
inanziell un e s ü zen können. Die eigene Familie in de Heima b auch
auch Hil e“ (Malik, m., Sy ien, Pos.9, 108).
68
A bei s elde de Ankun
Es wi d abe auch besch ieben, dass (semi)in o melle Beschä igungs e häl -
nisse on den A bei gebe :innen ange a en ode ga au gezwungen we den:
„Also bei meinem Che is das ge ade so, dass e so was mach mi jedem Mi -
a bei e “ (Ka a ina, w., Se bien, Pos.203).
„Nachdem ich mi dem Tou is en isum hie he gekommen bin, habe ich e -
ah en, dass ich nich a bei en kann. […] es wa wie ein D ängen zu in o mel-
le Beschä igung, weiß du. […] e [de A bei gebe ] sp ach on illegal a bei-
en und das habe ich nich akzep ie . […] Möch e ich das so? Nein, möch e
ich nich . Le z endlich soll e bei meine Ve siche ung de Be ag be ücksich-
ig we den, den ich auch k iege, das wä e das No male. Das wi d abe einem
au gezwungen: ‚Wenn du so a bei en wills , kanns du a bei en, wenn nich ,
dann nich .‘ Es gib sowieso Co ona, bei allen Res au an s. Ich habe keine an-
de e Wahl, ich muss a bei en“ (Kemal, m., Tü kei, Pos.41, 39, 78).
Schließlich wi d aus eine geschlech e spezi ischen Pe spek i e die Gas ono-
mie auch als ein A bei s eld besch ieben, in dem o allem F auen sexis i-
schen P ak iken ausgese z sind und in dem weibliche Kö pe auch als Objek-
e de Kundengewinnung und dami de Gewinne zielung ungie en.
Exempla isch wi d on sexuellen Beläs igungen du ch Gäs e be ich e :
„Also gib iele Leu e, die denken, dass jedes Mädchen, die in einem Ca é a -
bei e , die is so (länge e Pause) eine F au, die jede kann haben ielleich so-
zusagen. […] Abe ja, das passie auch o , dass die Leu e kommen und sagen,
wie lange du a bei es und was machs du nach de A bei “ (Ka a ina, w., Se -
bien, Pos.152).
Subjek i e Dis anzie ung on den A bei gebe :innen
Neben de ehlenden Iden i ika ion mi de Gas onomiea bei und dem Gas-
onomiebe ieb is die subjek i e Dis anzie ung on den A bei gebe :innen ein
wei e es Elemen diese sozialen Rep äsen a ion. Die Beziehungen zwischen
Beschä ig en und A bei gebe :innen we den als du ch ungleiche Mach - und
Abhängigkei s e häl nisse gekennzeichne besch ieben. Die Besch eibung
de A bei gebe :innen in de höhe en Ebene de Hie a chie implizie zum ei-
nen ein Abhängigkei s e häl nis, weil die be ag en Mi g an :in nen au eine
Beschä igung angewiesen sind und dami da on abhängig sind, dass ihnen
die A bei gebe :innen eine Beschä igung anbie en.
Zum ande en e gib sich da aus auch ein Mach e häl nis, un e dessen
Bedingungen die Handlungsmöglichkei en im Falle eine Kon on a ion mi
den A bei gebe :innen als beg enz be ach e we den, weil die Be ag en
„keine ande e Wahl“ (Kemal, m., Tü kei, Pos.78) haben: „Some imes hey
a e chea ing you and you canno do any hing, hey say: ‚I you wan o wo k
69
4 A bei s eld Gas onomie
you can wo k, i no , you can go.‘“ (Lamin, m., Gambia, Pos.17). Dass also
„wi da au angewiesen sind, do zu a bei en“ (Kemal, m., Tü kei, Pos.78),
sch änk die Handlungsmöglichkei en in den subjek i en Vo s ellungen be-
äch lich ein. In ih en Beziehungen zu den A bei gebe :innen e suchen die
Beschä ig en, Kon lik e mi den A bei gebe :innen zu e meiden, um ih en
A bei spla z nich zu iskie en.
Die A bei sbeziehungen we den abe zum Teil auch als aus dem He -
kun sland wei e wi kende „ eudale Beziehungen“ besch ieben, in denen die
Beschä ig en eine „Be angenhei “ gegenübe den A bei gebe :innen emp in-
den:
„Es is so, im G unde we den hie eudale Beziehungen […] wei e ge üh .
Zum Beispiel is es bei ihnen so codie , dass die A abe die A abe ode die
Ku den die Ku den, die Tü ken die Tü ken un e s ü zen und sie in den jewei-
ligen Be ieben auch diese Menschen beschä igen. Abe es geh hie nich nu
da um zu hel en ode e was Gu es zu machen, sonde n es geh da übe hinaus
da um, auch die Kunden mi zube ücksich igen, die auch Tü ken, A abe ode
Ku den sind, das heiß , die Beschä ig en we den gewisse maßen auch zu die-
sem Zweck ausgenu z . Diejenigen au de ande en Sei e, die au g und de
Schwie igkei en dazu gezwungen sind, in diesem Sek o zu a bei en, emp in-
den ih en A bei gebe n gegenübe eine Be angenhei und sagen au g und de
eudalen Beziehungen nich s und können dami leich e ausgebeu e we den.
Ein A abe also beschä ig zwa einen A abe , abe nich aus Liebe zu de Na-
ionali ä , ganz im Gegen eil, weil e ihn meh ausbeu en kann, weil e ihm
wenige zahlen kann“ (Ali, m., Tü kei, Pos.46).
Weil eine Beschä igung in den Vo s ellungen einen bedeu enden Fak o da -
s ell – sie kann den Au en hal in Deu schland siche n und is mi E wa un-
gen e knüp –, he sch ein gewisse Angs zus and un e den be ag en Mi-
g an :in nen, aus dem he aus sie die Nach eile de Beschä igung in de
Gas onomie hinnehmen und sich den A bei gebe :innen un e o dnen, wo-
bei die Vo s ellung, dass man „keine sozialen Rech e“ habe und „di ek en -
lassen“ (Kemal, m., Tü kei, Pos.55) we den könne, eine wesen liche Rolle
spiel . Ausd uck diese Hinnahme und de Un e o dnung sind dann ein ge-
wisse Kommunika ions e zich als P oblem e meidungss a egie und eine
No malisie ung agg essi e Kon lik e und e bale E nied igung:
„Yeah, he wo s expe ience I ha e is ha , you know, ha is jus ha wha hey
some imes do, he e is no need o you o ge ang y, because you know i ’s
wo k, you unde s and. Some imes hey shou a you o (un .), you don’ need
o be ang y, because you know i ’s wo k. You need o, (länge e Pause), you un-
de s and. Any hing you see he e you jus need o be (un .) he e is no hing
make me ang y he e“ (Osa o, m., Nige ia, Pos.116).
70
A bei s elde de Ankun
Zum Teil d ück sich die subjek i e Dis anzie ung on den A bei gebe :innen
auch dadu ch aus, dass explizi eine Beschä igung bei mig an ischen A -
bei gebe :innen als nich gewünsch besch ieben und die „besse en S ellen“
aus diese Sich bei „deu schen A bei gebe [n]“ (Ali, m., Tü kei, Pos.36) e -
o e we den. Im Gegensa z zu mig an ischen A bei gebe :innen wi d deu -
schen A bei gebe :innen eine besse e En lohnung, abe auch ein ge ech e e
Umgang mi Beschä ig en a es ie :
„Ih A bei ssys em, ih Cha ak e , dass sie nich lügen, also geben einem das,
was einem auch zus eh . […] Wenn ich wi klich gu e Sp achkenn nisse hä e,
dann wü de ich siche lich bei einem Deu schen a bei en, weil, wi klich, sie
geben einem, was einem auch zus eh , Cen ü Cen . Das habe ich schon ö -
e s gehö und weiß es auch“ (Kemal, m., Tü kei, Pos.150, 152).
Gas onomie als Feld des Ums iegs
Bei de sozialen Rep äsen a ion de Gas onomiea bei als O des Ums iegs
wi d das A bei s eld o dem e we bsbiog a ischen Hin e g und als ein nich
be u liches Feld gedeu e . En sp echend sind die Besch eibungen gekenn-
zeichne du ch eine ehlende be u liche Iden i ika ion mi de Gas onomie-
a bei und mi dem Gas onomiebe ieb sowie du ch schwie ige A bei sbe-
dingungen und eine subjek i e Dis anzie ung on den A bei gebe :innen.
Die Handlungsmus e besch änken sich o dem Hin e g und des Angs zu-
s ands au die Hinnahme de Nach eile de Beschä igung und au eine Un-
e o dnung un e die A bei gebe :innen, beglei e on Kommunika ions e -
zich sowie No malisie ung agg essi e Kon lik e und e bale E nied igung.
Den Hin e g und diese Handlungsmus e bilde die subjek i e Vo s el-
lung, dass die Gas onomiea bei als O des Ums iegs einen möglichen
Sp ung in ein ande es, quali izie es A bei s eld auße halb de Gas onomie
mi besse en A bei sbedingungen e möglichen wi d. Deshalb we den im Ge-
genzug ü die Beschä igungsmöglichkei in de Gas onomie, die nich nu
mi inanziellen E wa ungen, sonde n auch mi de subjek i en Aspi a ion
eines Ums iegs e knüp is , Nach eile hingenommen.
Als wich ige Ressou cen, die einen solchen Ums ieg e möglichen, be-
sch eiben die be ag en Mi g an :in nen e s ens kul u elles/ins i u ionalisie es
Kapi al. So we den z. B. ehlende Sp achkenn nisse als eine Hü de ü den
Ums ieg in eine quali izie e Beschä igung, in eine Ausbildung ode in ein
S udium be ach e . Auch we den be u liche ode Bildungsze i ika e und
be u liche E ah ung als subs anzielle Ressou cen ü den Zugang zu quali i-
zie e Beschä igung ode zu Selbs s ändigkei be ach e .
71
4 A bei s eld Gas onomie
Abbildung7
Gas onomie als O des Ums iegs
Quelle: eigene Da s ellung
Gas onomiea bei als O des Ums iegs
Gas onomiea bei als O des Eins iegs
!Gas onomiea bei nich als Be u
! ehlende be u liche Iden i ika ion
! ehlende Iden i ika ion mi dem Gas onomiebe ieb
!schwie ige A bei sbedingungen
!subjek i e Dis anzie ung on den A bei gebe :innen
!kul u elles/ins i u ionalisie es Kapi al
!soziales Kapi al
!ökonomisches Kapi al
Ressou cen ü den Ums ieg
Gas onomie als nich be u liches Feld
Gas onomiea bei als O des Ums iegs
!quali izie e Beschä igung
!Ausbildung auße halb de Gas onomie
!Selbs s ändigkei auße halb de Gas onomie
Ums ieg
72
A bei s elde de Ankun
Zwei ens wi d soziales Kapi al inso e n als essenzielle Ressou ce besch ie-
ben, als z. B. die ich igen sozialen Kon ak e einen Ums ieg aus de Gas ono-
mie e möglichen könn en. D i ens schließlich wi d auch ökonomisches Kapi-
al als bedeu sam e ach e , wenn es sich bei den subjek i en Aspi a ionen o
allem um einen Ums ieg om A bei s eld Gas onomie in die Selbs s ändig-
kei in einem Feld auße halb de Gas onomie handel (Abbildung7).
4.4.3 Gas onomie als be u liche O des Au s iegs
Die soziale Rep äsen a ion de Gas onomiea bei als be u liche O des Au -
s iegs is dadu ch gekennzeichne , dass die Gas onomiea bei einen O da -
s ell , de nich e lassen we den, sonde n inne halb dessen eine Ve schiebung
de be u lichen Posi ionie ung s a inden soll. He o s echend sind in diesem
Zusammenhang Vo s ellungen eine Selbs s ändigkei in de Gas onomie
ode die Beschä igung in de Gas onomie in einem besse en Segmen . Die
gegenwä ige Beschä igung wi d als ein o übe gehende Zus and de Absi-
che ung und die Gas onomiea bei als eine o übe gehende Anke s elle be-
ach e .
Diese soziale Rep äsen a ion is o allem bei de G uppe de be ag en
Mi g an :in nen ele an , die E ah ungen mi de Selbs s ändigkei in de
Gas onomie besi zen ode be ei s übe be u liche E ah ungen im Rahmen
eine (quali izie en) Beschä igung und/ode Ausbildung in de Gas ono-
mie e ügen. Da hie die gegenwä ige abhängige Beschä igung als eine o-
übe gehende Phase übe wunden we den soll bzw. eine Beschä igung in ei-
nem besse en Segmen de Gas onomie und/ode die Selbs s ändigkei in
de Gas onomie die Aspi a ion bilde , wi d auch die Gas onomiea bei an-
de s gedeu e . Im Ve gleich zu sozialen Rep äsen a ion de Gas onomiea -
bei als O des Ums iegs zeichnen sich hie en sp echend ande e Elemen e
de Gas onomiea bei ab, die den konk e en Inhal de sozialen Rep äsen a-
ion ausmachen.
Gas onomie als be u liches Feld
Ein wich iges Elemen de sozialen Rep äsen a ion on Gas onomiea bei
als O des Au s iegs is die Besch eibung de Gas onomiea bei als ein Be u ,
de im Rahmen o male (z. B. S udium, Ausbildung) ode in o male Bil-
dung/Ausbildung ode eine Selbs s ändigkei e le n we den soll e. Im Ge-
gensa z zu Besch eibungen de Gas onomiea bei als ein ache A bei e -
scheinen hie insbesonde e bes imm e gas onomische Tä igkei en, die nich
79
4 A bei s eld Gas onomie
Die quali izie e Beschä igung in einem enommie en Gas onomiebe-
ieb, „in einem besse en, ins i u ionalisie en, in einem S e neho el“ (Ke-
mal, m., Tü kei, Pos.106) ode in einem Res au an mi „Michelin“ (Alejan-
d o, m., Mexiko, Pos.69, 71) e weis explizi au den subjek i en Wunsch
eines Ve bleibs im A bei s eld, abe eben in einem dem A bei s eld zuge-
sch iebenen Be eich, de sich dadu ch auszeichne , dass do die en sp echen-
den Quali izie ungen und E ah ungen zu Gel ung kommen. Fü diesen
Weg des Au s iegs we den kul u elles/ins i u ionalisie es Kapi al (z. B.Sp ach
-
kenn nisse, be u liche E ah ungen und Ze i ika e) als wich ig besch ieben:
„Je z wa e ich, dass de ganze P ozess [mi dem Asyl e ah en] zu Ende is ,
dami ich ü die Ane kennung de Ze i ika e einen An ag s ellen kann. Und
wenn ich die Ane kennung e hal e, habe ich dann den S a us eine quali izie -
en Fachk a . (Un .) muss ich zu de ü mich zus ändigen Auslände polizei
[mein die Auslände behö de] und sagen, dass ich einen Be u habe und dass
Deu schland meinen Be u ane kann ha , und bean agen, ob sie meinen S a-
us in eine Au en hal se laubnis ü Beschä ig e umwandeln. Das is ak uell
mein Ziel“ (Kemal, m., Tü kei, Pos.112).
Die Kon igu a ion de sozialen Rep äsen a ion on Gas onomiea bei als
O des Au s iegs häng zwei ens auch mi eine subjek i en Aspi a ion de
Selbs s ändigkei in de Gas onomie zusammen. So bie e hie in den Vo -
s ellungen die Gas onomie als ein A bei s eld die Möglichkei ode die
G undlage zu Übe windung de abhängigen Beschä igung du ch eine Selbs s än-
digkei – „eines de Haup ziele iele , die im Sek o beschä ig sind“ (Ali, m.,
Tü kei, Pos.112).
Aus diese Pe spek i e wi d die gegenwä ige Beschä igung als Sp ung-
b e bzw. als Ausgangsbasis ü die Selbs s ändigkei in de Gas onomie
und die Selbs s ändigkei selbs als eine Au s iegsmöglichkei gedeu e . Die
Beschä igung wi d en wede als Vo be ei ungsphase be ach e , um E ah-
ungen zu sammeln, ode als Übe gangsphase gedeu e , die so lange andau-
e , bis die Bedingungen eine Selbs s ändigkei gegeben sind.
De Au s ieg in die Selbs s ändigkei wi d dabei als ein ach besch ieben,
weil keine Quali ika ionen als no wendig e ach e und die Selbs s ändigkei
im Ve gleich zu ande en Op ionen wie z. B. eine Ausbildung als „besse “
au ge ass wi d: „Die [Ausbildung] b auch man doch nich . Du e ö nes ei-
nen Imbiss und das wa ’s. […] Wenn du selbs s ändig bis , is die Gas ono-
mie besse als eine Ausbildung“ (Ahme , m., Tü kei, Pos.73, 71). Auch wi d
diese Weg als ein ach besch ieben, da in Deu schland „die Gas onomie […]
nich in Kon oll [is ]“ (Alejand o, m., Mexiko, Pos.93) und dami die ech -
lichen E o de nisse eine Selbs s ändigkei als ela i ge ing gel en.
80
A bei s elde de Ankun
Zum einen wi d ü die o ges ell e Selbs s ändigkei ökonomisches Kapi-
al als no wendig be ach e : „Muss du genug Geld haben ü Res au an ode
muss mi jemand ande es, […] de Geld ha ode so, machen“ (Ma in, m., A -
ghanis an, Pos.71). Abe ü diesen Weg des Au s iegs we den auch Ausdaue
und Du chhal e e mögen sowie p ak ische Be u se ah ung als wich ige Res-
sou cen be ach e , weil „du hal mindes ens d ei, ie Jah e a bei en [muss ]“
(Ma in, m., A ghanis an, Pos.71), um E ah ungen zu sammeln:
„Ja, weil ich denke, ich inde, […] da b auchs du mindes ens zwei Jah e in zum
ich ig gu E ah ung nehmen. Mindes ens, weil wenn nich , dann is schwie-
ig. Kanns du nich deine ich ig Meinung machen und ü mich das wä e das,
ü mich das wä e mein e s es Ziel“ (Alejand o,., m., Mexiko, Pos.167).
Neben sozialem Kapi al– und hie insbesonde e die Bedeu ung soziale Kon-
ak e als G undlage de Kundengewinnung– wi d auch die Familie als wich-
ige Ressou ce ü die Selbs s ändigkei im A bei s eld Gas onomie besch ie-
ben und eine inne amiliä e Ressou censyne gie o ges ell : Wäh end z. B.
ein Teil de Familie das ü die Selbs s ändigkei in de Gas onomie nö ige
ökonomische Kapi al au b ing , we den on ande en Familienmi gliede n
be u liche E ah ungen aus dem A bei s eld Gas onomie als Ressou ce ein-
geb ach und so die G undlagen ü eine Selbs s ändigkei als gegeben gedeu-
e (Abbildung8).
Zugleich bie e in diese Deu ung das A bei s eld Gas onomie nich nu
die G undlage ü den Au s ieg in die Selbs s ändigkei , sonde n dami zu-
sammenhängend auch die Möglichkei des Eins iegs on Familienmi glie-
de n in die A bei swel :
„G und [ ü die Selbs s ändigkei ] is das, wi sind ein g oßes Familie. Wi
sind ach Pe sonen. […] Deswegen ich will e s mal mein eigene Res au an
haben, selbs s ändig sein. Dann mein ganze Familie, wi können in ein Res-
au an zusammena bei en. Und auch mi meinen El e n. Die e s ehen nich
gu Deu sch. Deswegen is schwe ü mein El e n, dass sie können beim
Deu sch a bei en ode i gendwo ande es. Deswegen will ich mein eigen Res-
au an haben. Dami mein El e n mi mi a bei en können. Ja“ (Ma in, m.,
A ghanis an, Pos.77).
In de sozialen Rep äsen a ion on Gas onomiea bei als O des Au s iegs
bilde die Vo s ellung, das A bei s eld Gas onomie du ch die eigene Selbs -
s ändigkei auch zu einem O des Eins iegs ü die Familienmi gliede zu
machen, denen ein sons ige Eins ieg in die A bei swel e weh bleib , ein
wich iges Elemen . In diese sozialen Rep äsen a ion is dami explizi auch
die Vo s ellung en hal en, du ch die eigene Selbs s ändigkei das A bei s eld
Gas onomie auch zu einem O des Eins iegs ü ande e zu machen.
81
4 A bei s eld Gas onomie
Abbildung8
Gas onomie als O des Au s iegs
Quelle: eigene Da s ellung
Gas onomiea bei als O des Au s iegs
Gas onomiea bei als O des Eins iegs
!Gas onomiea bei als Be u
!Iden i ika ion mi dem Be u
!Iden i ika ion mi dem Gas onomiebe ieb
!subjek i e Dis anzie ung on unquali izie en Beschä ig en
!subjek i e Posi ionie ung bei den A bei gebe :innen
!kul u elles/ins i u ionalisie es Kapi al
!soziales Kapi al
!ökonomisches Kapi al
!Beschä igung in einem besse en
Segmen de Gas onomie
!Selbs ändigkei in de Gas onomie
Gas onomie als be u liches Feld
Ressou cen ü den Au s ieg
Au s ieg
82
5 ARBEITSFELD REINIGUNG
In diesem Kapi el we den die E gebnisse zum A bei s eld Reinigung o ge-
s ell . In einem e s en Sch i inde eine Annähe ung an das A bei s eld aus
s uk u elle Pe spek i e s a , indem die b anchenspezi ischen Rahmenda-
en besp ochen we den (Kapi el5.1). Diese Sch i dien de E assung be-
s imm e s uk u elle und ü diese S udie ele an e Me kmale, um ein e s-
es Ve s ändnis des A bei s elds zu en wickeln.
In einem zwei en Sch i wi d die Pe spek i e on Schlüsselpe sonen in
den Fokus ge ück (Kapi el5.2). Basie end au den In e iews mi Be iebsin-
habenden, Pe sonen aus Ve bänden und Beschä ig en in Lei ungsposi ionen
we den de en Pe spek i en au das A bei s eld da ges ell und dami die
b anchenspezi ischen Rahmenda en um die Pe spek i e de Schlüsselpe so-
nen e ie und e wei e .
Die wei e en Kapi el haben die mig an isch-subjek i e Pe spek i e de
Be ag en zu ih e Beschä igung im A bei s eld Reinigung zum Gegens and.
Fü eine e s e Annähe ung an die sozialen Rep äsen a ionen we den die Vo -
s ellungen de on uns be ag en Mi g an :in nen zu Deu schland und zu A -
bei in Deu schland ange issen (Kapi el5.3), um dann aus üh liche ih en
Ein i in das A bei s eld Reinigung und ih e Deu ungen de Reinigungsa -
bei anhand un e schiedliche soziale Rep äsen a ionen da zus ellen (Kapi-
el5.4).
5.1 B anchenspezi ische Rahmenda en: A bei s eld Reinigung
im G und iss
Im Folgenden soll zunächs ein ku ze Übe blick übe die b anchenspezi i-
schen Rahmenda en des A bei s elds Reinigung gegeben we den, um insbe-
sonde e die ü die S udie ele an e s uk u elle Bescha enhei de B anche
da zus ellen. Nach eine ku zen Da s ellung de wi scha lichen Rahmenda-
en (Kapi el 5.1.1) we den neben de Beschä igung im A bei s eld Reini-
gung (Kapi el 5.1.2) auch die Themen elde Quali izie ung (Kapi el5.1.3)
und die Beschä igung on Mi g an :in nen (Kapi el5.1.4) besp ochen.4
4 Die olgenden Aus üh ungen beziehen sich in Teilen auch au die Diskussion des Reinigungsgewe -
bes bei Clemen und Yalçın (2021).
83
5 A bei s eld Reinigung
5.1.1 S uk u elle Rahmen des A bei s elds Reinigung
Die neue e Geschich e de Reinigungsb anche is gekennzeichne du ch De-
egulie ung, zunehmende Auslage ung de Reinigungs ä igkei en und eine
in ensi ie e We bewe bssi ua ion, was nachhal ige Auswi kungen au die
Un e nehmensen wicklung sowie die Beschä igungss uk u en und A bei s-
bedingungen in de B anche ha e (La zke 2018; Maye -Ahuja 2003; S aab
2014).
Mi dem P ozess de Auslage ung und De egulie ung des Gebäude eini-
ge -Handwe ks e olg e nach 2004 eine „G ündungswelle“ (G ömling o.J.,
S. 3). De Weg all on „Ma k ein i sba ie en“ (Schaade/Böhme/Ha en
2019, S. 18) wie z. B. die Meis e p lich mach e die Gebäude einigung zu ei-
nem zulassungs eien Handwe k. Dami en ielen Sch anken, die zu o die
G ündung on Un e nehmen egulie und beg enz ha en. Die Zunahme
de Ve gabe on Reinigungsau ägen an ex e ne Diens leis e :innen ging
einhe mi einem Ans ieg in de Anzahl de Reinigungsbe iebe. Gegenwä -
ig wi d ein G oß eil de Au äge an ex e ne Diens leis e :innen e geben
(Schaade/Böhme/Ha en 2019; S aab 2014; S a is isches Bundesam 2018b).
En sp echend is die We bewe bsin ensi ä in de B anche ges iegen.5
Nach Angaben des Zen al e bands des Deu schen Handwe ks (ZDH)
s ieg die Anzahl de Be iebe on e wa 6.000 im Jah 1998 zunächs au e wa
7.000 im Jah 2003 und e leb e einen s a ken Ans ieg zwischen 2004 (13.143
Be iebe) und 2021 (61.051 Be iebe) (ZDH 2021a). Auch de Umsa z in de
Gebäude einigung is on e wa el Millia den Eu o 2008 au meh als 19 Mil-
lia den Eu o 2019 gewachsen (ZDH 2021b).
De Umsa z is jedoch spezi isch e eil : Die B anche is zwa g öß en-
eils on kleinen Un e nehmen gep äg (80P ozen ), abe nu ein kleine An-
eil des Umsa zes (13P ozen ) wi d du ch sie e wi scha e (Emons/S ein-
haus 2020; Thomzik 2020). De Reinigungsma k wi d mi le weile on
eine „Hand oll B anchen iesen“ dominie (S aab 2014, S. 295; siehe auch
Emons/S einhaus 2020; Ka hmann 2017; Thomzik 2020).
Eine e s e, sich au die Du ch üh ung de Reinigungsleis ung beziehende
Konsequenz des We bewe bs is , dass sich mi un e P ozesse des s a egi-
schen Auslassens bes imm e Reinigungsleis ungen en wickeln, die schon im
5 Diese We bewe b e schä e sich auch dadu ch, dass zunehmend Un e nehmen aus ande en
B anchen, z. B. Bauun e nehmen, in den Reinigungsma k d äng en (Emons/S einhaus 2020). Abe auch
die Zunahme on Online-Pla o men zu Ve mi lung on Reinigungsk ä en (siehe Ge old e al. 2022;
G uszka e al. 2022) is ein Hinweis au e schä e en We bewe b.
84
A bei s elde de Ankun
Vo eld eingeplan we den und on denen angenommen wi d, dass sie om
Kunden wah scheinlich unbeme k bleiben we den. So spiel die Un e schei-
dung on „in e nen“ und „ex e nen“ Kalkula ionen de Reinigungsleis un-
gen, wobei die ü die Reinigung eingeplan e Zei bei de „ex e nen“ Kalku-
la ion nied ige angese z wi d, eine wich ige Rolle, um Au äge zu
akqui ie en (La zke 2018, S. 159–170).
Eine zwei e, sich au das Pe sonal beziehende Konsequenz des We be-
we bs is , dass die Möglichkei eine kos engüns igen und lexiblen Leis-
ungse b ingung in de Pe sonal lexibili ä und in de Reduzie ung de Pe -
sonalkos en gesehen wi d (S aab 2014). Als eine pe sonalin ensi e B anche
bilden die Pe sonalkos en den g öß en Kos enblock in de Reinigungsb an-
che (Emons/S einhaus 2020; S a is isches Bundesam 2019b; Thomzik 2020).
Be is ungen, um Fes ans ellungen zu e meiden sowie die Ve meidung on
Vollzei s ellen und de Rückg i au ge ing ügige und Teilzei -Beschä i-
gungs e häl nisse en s ehen so als S a egien zu Gewäh leis ung eine kos-
engüns igen Pe sonal lexibili ä (S aab 2014).
Eine besonde e He aus o de ung de jüngs en Ve gangenhei ü die Rei-
nigungsun e nehmen bilde e die Co ona-Pandemie. Neben den ges iegenen
Kos en ü Masken und Desin ek ionsmi el wu de au g und de pandemie-
beding en Besch änkungen und Schließungen on Umsa zeinbußen und
on einem Rückgang de Au äge zwischen 30 und 60P ozen be ich e
(Deu sche Handwe ks Zei ung 2020; Obe s 2021).
5.1.2 Beschä igung im A bei s eld Reinigung
Das Reinigungsgewe be gehö zu den beschä igungss ä ks en Sek o en
Deu schlands (S a is isches Bundesam 2018a, 2018b; Thomzik 2020). In den
Reinigungsbe u en sind as zwei Millionen Pe sonen beschä ig (Bundes-
agen u ü A bei 2022a).6 Mi einem An eil on e wa 60 bis 75P ozen ma-
chen F auen den G oß eil de Beschä ig en aus (Bundesagen u ü A bei
2022a).
Die Zusammense zung de Beschä ig en wi d o allem mi Blick au
d ei g oße G uppen da ges ell (S aab 2014, S. 296; Bahl 2018, S. 149–150):
6 Die Bundesagen u ü A bei (2022a) zähl zu den Reinigungsbe u en: Reinigungsbe u e ohne
Spezialisie ung, Reinigungsbe u e mi sons igen spezi ischen Tä igkei sangaben, Gebäude einigung, Glas-
und Fens e einigung, Tex il einigung, Maschinen- und Anlagen einigung, Fah zeug einigung und Au -
sich in de Reinigung (Au sich sk ä e).
85
5 A bei s eld Reinigung
Die e s e G uppe de „Deindus ialisie en“ se z sich aus ühe in de Indus-
ie Beschä ig en zusammen, die au Umwegen eine Beschä igung in de
Reinigung au genommen haben. Die G uppe de „Dequali izie en“ se z
sich haup sächlich aus Mi g an :in nen zusammen, die eine zumeis im He -
kun sland e wo bene (be u liche) Quali izie ung haben, die wegen de Ze -
i izie ungsau lagen in Deu schland nich ane kann wu de.
Die G uppe de „jungen Al e na i losen“ schließlich se z sich aus jungen
Menschen zusammen, denen au g und ih es nied igen Bildungsni eaus kei-
ne Al e na i e blieb, als eine Beschä igung in de Reinigung au zunehmen.
Vo allem die „Ze i ika ions eihei “ (Bahl 2018, S. 150) de B anche und die
dami zusammenhängende „hohe Akzep anz on ge ing quali izie en ode
ach emd ausgebilde en A bei sk ä en“ (La zke 2018, S. 156) e möglichen
diesen G uppen einen ela i ein achen Ein i in den A bei sma k .
Beschä igungs e häl nisse, En lohnung und A bei sbedingungen
im A bei s eld Reinigung
Gekennzeichne is das A bei s eld Reinigung du ch a ypische Beschä i-
gungs e häl nisse, o allem du ch ge ing ügige Beschä igung und Teilzei -
beschä igung (Emons/S einhaus 2017, 2020; Ka hmann 2017; Maye -Ahuja
2003; Riedel 2012; Schlese/Sch amm 2004; Schü mann 2013; S a is isches
Bundesam 2018b, 2019b). Ak uell gib es in den Reinigungsbe u en meh
als eine Million ge ing ügig Beschä ig e, was einem An eil on meh als
50P ozen en sp ich (Bundesagen u ü A bei 2022a).
Die a ypischen Beschä igungs e häl nisse, die das Fehlen on einem
„No mala bei s e häl nis“ (G imm 2016; Maye -Ahuja 2003, 2019) indizie-
en, sollen ü Un e nehmen die nö ige Flexibili ä gewäh leis en, üh en
abe du ch die ges iegene A bei s e dich ung in de Reinigung zugleich auch
häu ige zu unbezahl e Meh a bei (Emons/S einhaus 2020; Riedel 2012).
Die Löhne in de B anche sind in den le z en Jah en kon inuie lich ge-
s iegen. Mi dem 2019 in K a ge e enen allgemein e bindlichen Rahmen-
a i e ag, de lau A bei gebe sei e „an den Rand des Machba en“ (zi . n.
F ehne 2020) ging, wu den auch die S undenlöhne e höh . De B anchen-
mindes lohn (S and Dezembe 2022: 13Eu o) lieg mi le weile übe dem
allgemeinen gese zlichen Mindes lohn (S and Dezembe 2022: 12Eu o) (BIV
2022; F ehne 2022). Abe die B anche wi d au g und de ela i nied igen
Löhne wei e hin als Nied iglohnbe eich bezeichne (Ka hmann 2017; Schü -
mann 2013; S a is isches Bundesam 2018b).
Hinzu komm , dass die Beschä igung du ch kö pe liche Belas ung, das
Un e lau en a i liche S anda ds und A bei s e dich ung gekennzeichne is
86
A bei s elde de Ankun
(Emons/S einhaus 2017, 2020; Maye -Ahuja 2003, 2006; Schü mann 2013;
S aab 2014). Vo allem mi de zunehmenden A bei s e dich ung we den Be-
las ungsg enzen ausge eiz . Die Beschä ig en s ehen un e D uck, weil an al-
lende A bei en kaum in dem da ü o gegebenen zei lichen Rahmen e ledig
we den können (Bahl/S aab 2015; S aab 2014, 2015). Auch e ah en Reini-
gungs ä igkei en wenig Ane kennung und we den häu ig ge inggeschä z
(Bose 2019; Gu ié ez Rod íguez 2014; Simpson e al. 2012).
Fü die A bei sbedingungen bilde auch die ak uelle Co ona-Pandemie
eine zusä zliche He aus o de ung. Auch wenn die Beschä ig en zum Teil als
„Hygiene-Held*innen“ (IGBAU 2020d) besch ieben wu den, ha de Rück-
gang de Reinigungsau äge in olge de Pandemie dazu ge üh , dass sich
iele Beschä ig e in Ku za bei begeben muss en (Deu sche Handwe ks
Zei ung 2020) ode en lassen wu den (BIV 2020a, 2020b; IGBAU 2020a).
Besonde s aku wa die Si ua ion ge ing ügig Beschä ig e , die on de A -
bei slosen e siche ung und dami om Ku za bei e geld ausgeschlossen
und dami meh on Kündigungen ode F eis ellungen be o en wa en
(IGBAU 2020a, b).
Zudem wu de bei den Beschä ig en au g und de neuen Hygiene o -
sch i en ein e höh e A bei sau wand kons a ie (IGBAU 2020c), was o
dem Hin e g und de ohnehin exis ie enden A bei s e dich ung eine zusä z-
liche Belas ung da s ell . Die Beschä ig en sind angesich s de Pandemie
auch eine gesundhei lichen Ge äh dung ausgese z (IGBAU 2021). Lau ei-
ne Um age ühl en sich je nach Einsa zo 50 bis 70P ozen de Beschä ig-
en du ch die Schu zmaßnahmen am A bei spla z schlech ode übe haup
nich o eine Ans eckung mi dem Co ona i us geschü z (IGBAU 2021).
In e essen e e ung im A bei s eld Reinigung
In de Gebäude einigung we den sei 2003 ü das gesam e Bundesgebie Ta-
i e handlungen zen al du chge üh (Ka hmann 2017; Thomzik 2020).
Vo allem 2019 e lang e die B anche au g und de Ta i e handlungen und
de dami e bundenen Wa ns eiks ö en liche Au me ksamkei . T o z de
Mobilisie ung on Beschä ig en im Rahmen de Ta i e handlungen und
de e olg eichen medialen Au me ksamkei weisen die Schwie igkei en, die
die Gewe kscha bei de Mobilisie ung de Beschä ig en ha e (Heunemann
2019), das A bei s eld als „ein schwie iges Um eld ü die Gewe kscha “ (Ka-
hmann 2017, S. 15) aus, das sich du ch „mangelnde In e essen e e ung“
(Ga he e al. 2005, S. 181) auszeichne .
De gewe kscha liche O ganisa ionsg ad is „ex em nied ig“ (Emons/
S einhaus 2020, S. 10) und die Mi gliede zahlen de IGBAU gehen sei meh
87
5 A bei s eld Reinigung
als 25Jah en kon inuie lich zu ück– on e was meh als 600.000 im Jah
1996 au e was meh als 220.000 im Jah 2021 (DGB 2022).7
Hinzu komm , dass Beschä ig e au g und ehlende Sp achkenn nisse
ode aus Angs o P oblemen mi den A bei gebe :innen da au e zich en,
ü ih e Rech e einzus ehen, sich mi eine In e essen e e ung nich aus-
kennen ode sich gegenübe eine In e essen e e ung ehe dis anzie zei-
gen (Ga he e al. 2005; Riedel 2012). In de B anche a bei en „ iele Mig an-
en und F auen, die einen Kon lik mi ih en A bei gebe n scheuen. Zudem
is die O ganisa ion de A bei nehme schwie ig: Neben einigen g oßen Rei-
nigungs i men gib es auch iele kleine, in denen es meis keinen Be iebs a
gib “ (Heunemann 2019). Abe auch
„die hohe Fluk ua ion de A bei nehme /innen sowie mangelnde Au s iegs-
und Zukun spe spek i en des Be u es– ‚Pu zen‘ gil ielen als Übe gangsjob,
mi dem sie sich nich iden i izie en und in dem sie nich e bleiben wollen–
e inge n die Be ei scha de Beschä ig en, sich ü eine Ve besse ung de A -
bei sbedingungen in diese Tä igkei einzuse zen“ (Ga he e al. 2005, S. 169).
5.1.3 Quali izie ung im A bei s eld Reinigung
Die Geschich e des Gebäude einige -Handwe ks wi d zwa bis ins Mi elal e
zu ück e leg (Bundesins i u ü Be u sbildung 2019; Schü mann 2013).
Auch wu de das Be u s eld im Lau e des 20.Jah hunde s neuges al e und
zule z 2018 du ch die Ve o dnung übe die Be u sausbildung mode nisie
(Bundesins i u ü Be u sbildung 2019). T o zdem is das A bei s eld Reini-
gung du ch ein ge inges Quali ika ionsni eau gekennzeichne . A bei in de
Reinigung wi d zumeis als unquali izie e und unp oduk i e A bei be ach-
e , ü die keine Ausbildung ode besonde en Kompe enzen no wendig sind
(siehe Bose 2019; Gu ié ez Rod íguez 2014):
„Reinigen schein eine A bei zu sein, mi de sich alle auskennen, die also kei-
ne besonde en Expe ise beda . Ges ü z wi d diese Annahme du ch die im-
plizi e Ve bindung zu all äglichen und insbesonde e eminisie en Tä igkei-
en im ‚P i a aum‘ Haushal : Da on den meis en au die eine ode ande e
Weise ‚zu Hause‘ Reinigungsau gaben e ledig we den, wi d dem Reinigen in
7 Da die Mi gliede zahlen nich nach B anchen au geschlüssel sind, geh die genaue Anzahl de Mi -
gliede aus den angegebenen Da en nich he o . Auch sind bei diesen Da en bei ande en Gewe kscha en
(z. B. e .di ode EVG) o ganisie e Reinigungsk ä e nich be ücksich ig , weil sie z. B. in Be ieben be-
schä ig sind, die nich o de g ündig im Be eich Reinigung ak i sind.
88
A bei s elde de Ankun
ö en lichen Räumen häu ig eben alls eine P o essionali ä abgesp ochen“
(Bose 2019, S. 309).
Das A bei s eld is du ch einen nied igen Quali izie ungsg ad de Beschä ig-
en gekennzeichne . Viele de Beschä ig en sind o nied ig quali izie e ode
angele n e A bei sk ä e (Schü mann 2013; S a is isches Bundesam 2018a,
2018b). De An eil de Beschä ig en ohne be u lichen Ausbildungsabschluss
ode mi unbekann e Ausbildung lieg bei 52 bis 56P ozen (Bundesagen u
ü A bei 2022a).
Gleichzei ig is das A bei s eld du ch die nied ige und abnehmende An-
zahl Auszubildende gekennzeichne , die on einem Höchs s and mi 4.652
Auszubildenden im Jah 2006 au 1.803 im Jah 2021 zu ückging (ZDH
2022a). Bei den neu abgeschlossenen Ausbildungs e ägen, die sei länge e
Zei ückläu ig sind, handel es sich o allem um Auszubildende mi einem
nied igen ode ohne Schulabschluss (Thomzik 2020; ZDH 2022b, c). Auch
is bei de Ausbildung die Au lösungsquo e mi meh als 50P ozen hoch
(Emons/S einhaus 2017).
Fü den ge ingen Quali izie ungsg ad wi d zwa eine „mangelnde Ve -
ügba kei an ausbildungsin e essie en und ausbildungs ähigen Bewe be in-
nen und Bewe be n“ (Thomzik 2020, S. 8) kons a ie . Abe auch, dass sich
das In e esse de Un e nehmen „an Auszubildenden […] o nehmlich au
de en Nu zung als güns ige, zu e lässige A bei sk ä e“ (S aab 2014, S. 296)
ich e , schein sich nega i au Quali izie ungsabsich en auszuwi ken. Vo
allem die S anda disie ung de Reinigungsa bei , die endenziell zu eine Ab-
we ung de Reinigungsa bei üh , sodass keine spezi ischen Kompe en-
zen– und dami auch keine Ausbildung– ü die Ausübung on Reinigungs-
ä igkei en als no wendig e ach e we den, schein hie eine wesen liche
Rolle zu spielen (S aab 2014).
Dass Beschä ig e „kaum eine biog a ische Bindung zu einem spezi i-
schen A bei gebe “ (S aab 2014, S. 297) en wickeln, deu e au ein ehlendes
„Zugehö igkei sge ühl zum Be ieb“ (Ga he e al. 2005, S. 181) hin. Die
schwie igen A bei sbedingungen und die e leb en Dequali izie ungse ah-
ungen s ellen e hebliche Hinde nisse ü die En wicklung eine be u lichen
Iden i ä da (Bahl 2018). Viele Beschä ig e möch en eigen lich nich im A -
bei s eld Reinigung bleiben (La zke 2018) und e olgen nich das Ziel, sich
du ch eine Ausbildung zu quali izie en, weil sie „in ih en Tä igkei en und
den da ü no wendigen Kompe enzen keine p o essionellen Wissensbes än-
de“ (Bahl 2018, S. 152) sehen und en sp echend auch keinen „Be u ss olz“
(S aab 2014, S. 301–311) en wickeln.
95
5 A bei s eld Reinigung
en wede on dem Objek lei e ode on de Fi ma ausge üll “ (Ralph, Lan-
desinnung, Pos.83–84).
Beschä igungs e häl nisse und En lohnung im A bei s eld Rei-
nigung
De G oß eil de Beschä igung im A bei s eld Reinigung is nach Besch ei-
bungen de Schlüsselpe sonen du ch a ypische Beschä igungs e häl nisse ge-
kennzeichne . Nu ein kleine An eil de Beschä ig en wü de eine Vollzei -
s elle haben. Haup sächlich dominie en abe Teilzei beschä igung ode
ge ing ügige Beschä igung (Minijob). Vo allem die ge ing ügige Beschä i-
gung wi d on de Landesinnung p oblema isie , „weil wi da die G enze
haben“, was die Ve diens möglichkei en be i , bei de en Übe sch ei ung
die Beschä ig en „ oll e siche ungsp lich ig“ (Ralph, Landesinnung,
Pos.118–121, 126–127) we den. Dabei wi d o allem de zusä zliche Ve -
diens ohne Abzüge als ein wich ige Aspek de Beschä igung im Reini-
gungsgewe be besch ieben.
Hinsich lich de En lohnung wi d die Beschä igung als eine Möglichkei
besch ieben, zusä zlich zum Einkommen de Familie, hie insbesonde e zum
Einkommen des Ehemanns als Haup e diene , e was hinzuzu e dienen. Ge-
nann wi d eine Bezahlung nach Ta i . Es schein abe auch, dass es Beschä -
ig e gib , die du ch meh S unden auch meh e dienen möch en: „Meh
S unden, meh S unden, meh S unden, höhe B u o, höhe es Ne o“ (Tho-
mas, Be iebsinhabe , Pos.123, 50). Ein wei e e Hinweis da ü is auch, dass
„ iele“ sich „[schon] euen […], wenn ande e k ank sind, weil dann können
sie die Ve e ung […]. Das nehmen die ge ne mi “ (Thomas, Be iebsinha-
be , Pos.123).
In e essen e e ung de Beschä ig en im A bei s eld Reinigung
Keine de be ag en Schlüsselpe sonen besch eib das Vo handensein eine
In e essen e e ung. Die Be iebsinhabenden, zum Teil auch die Objek -
lei e :innen und Pe sonen in in o male Lei ungsposi ion sind die Ansp ech-
pe sonen ü die Beschä ig en. Lau Landesinnung gib es zwa in „den g ö-
ße en Be ieben […] Be iebs ä e“, die meis en Be iebe seien jedoch kleine ,
„da gib ’s keine Be iebs ä e“ (Ralph, Landesinnung, Pos.237–238).
In dem Be ieb eines be ag en Be iebsinhabenden bes eh wede eine In-
e essen e e ung noch eine Mi gliedscha bei einem A bei gebe e band:
„Ga nich s, b auchen wi alles nich “ (Thomas, Be iebsinhabe , Pos.203).
Auch weisen seine Besch eibungen inso e n au eine nega i e Eins ellung ge-
genübe eine In e essen e e ung de Beschä ig en hin, als e mi ih Kon-
96
A bei s elde de Ankun
lik e und limi ie e Handlungsmöglichkei en in Ve bindung b ing . Im Falle
eine „Kon on a ion mi ’ne F au“ z. B., die schlech ge einig und unen -
schuldig ge ehl habe, wä e es bei Vo handensein eines Be iebs a s „schwie-
ige “ und es gebe dann meh „S ess“, weshalb „Mi els ändle eigen lich kei-
nen Be iebs a [wollen]“ (Thomas, Be iebsinhabe , Pos.215).
Zum ande en we den auch die inanziellen Kos en eine F eis ellung on
Be iebs a smi gliede n e wähn , die dann in Kau genommen we den müss-
en, abe eigen lich als unnö ig und inanziell nich o eilha be ach e
we den: „kann ich ne , keine zwei ausend (un .) Eu o mona lich bezahlen
ü einen daue nd hin- und he läu “ (Thomas, Be iebsinhabe , Pos.215).
Zwa wi d on de Landesinnung be on , „wenig E ah ung“ (Ralph,
Landesinnung, Pos.253) mi dem Engagemen on Mi g an :in nen in In e es-
sen e e ungen zu haben. De be ag e Be iebsinhabe e i abe die Mei-
nung, dass auch die Beschä ig en nich an eine In e essen e e ung in e es-
sie seien, weil sie zu ieden mi ih e A bei seien: „Die sind zu ieden bei
uns, […] die wissen auch, dass es ihnen ne besse geh mi Be iebs a “ (Tho-
mas, Be iebsinhabe , Pos.209). Den be ag en mig an ischen Schlüsselpe -
sonen in in o malen Lei ungsposi ionen hingegen sind Ins i u ionen de In-
e essen e e ung de Beschä ig en unbekann .
5.2.3 Hie a chie und Au s ieg im A bei s eld Reinigung
Hie a chie im A bei s eld Reinigung: kla e Hie a chien und posi-
i e Selbs zusch eibungen
Im A bei s eld Reinigung besch eiben die be ag en Schlüsselpe sonen kla e
Hie a chien. En wede die Be iebsinhabenden ode die Objek lei e :innen
bzw. die Pe sonen in in o malen Lei ungs unk ionen sind die zen alen An-
sp echpe sonen ü die Beschä ig en, an de en Anweisungen sich die Be-
schä ig en o ien ie en soll en.
Einen wich igen Aspek im Kon ex de Hie a chie, de die eigene subjek-
i e Ve o ung au de höhe en Ebene de Hie a chie zum Ausd uck b ing ,
bilden die e wähn en Ka ego isie ungen de Beschä ig en, die eils on we-
nige we schä zenden Eins ellungen und Miss auen beglei e sind. Im Ge-
gensa z hie zu sind posi i e Selbs zusch eibungen de Schlüsselpe sonen zu
beobach en. De eigene Be ieb wi d z. B. als „solide“ und „sozial“ besch ie-
ben, de „im G unde genommen die Mi a bei e nich schikanie , ä ge
ode ausmobben will, so was gib ’s bei uns eigen lich ne “ (Thomas, Be-
iebsinhabe , Pos.105). Dass man „niemanden on oben he ab“ ode „an-
97
5 A bei s eld Reinigung
de s behandel “ (Cihan, in o male Vo a bei e , Pos.100, 34), is ein bedeu -
same Teil diese Selbs zusch eibungen.
Au s ieg im A bei s eld Reinigung: „seh gu e Au s iegschan-
cen“ s. „keine Chance“
Von de Landesinnung we den de Beschä igung im A bei s eld Reinigung
bes ehende Au s iegsmöglichkei en (Vo abei e :in, Objek lei e :in) zugesch ie-
ben. Auch wi d die Ausbildung als die „besse e Schiene“ (Ralph, Landesin-
nung, Pos.171) ü einen Au s ieg genann . Dagegen sehen die ande en be-
ag en Schlüsselpe sonen keine Au s iegsmöglichkei en: „Keine Chance. Is
imme dasselbe. […] Was soll ’ne Raump lege in machen? Die einig die
Räume. […] Ne meh und ne wenige “ (Thomas, Be iebsinhabe , Pos.121);
„Man kann nich au s eigen, so eine Möglichkei ha man nich . Also, ich
selbs habe so was noch nie beobach en können. Eine solche Aussich bes eh
nich “ (Hülya, in o male Lei ung, Pos.482–487).
Die mi den A bei sau gaben de Objek lei e :innen zusammenhängen-
den Tä igkei en we den mi Hinweis au Dokumen a ion, Ve wal ung, Ein-
sa zplanung und Ve e ungs- und U laubsplanung als „hochkomplex“ (Tho-
mas, Be iebsinhabe , Pos.121) ü die Beschä ig en besch ieben. Auch wi d
ü die Mi g an :in nen o diesem Hin e g und ein Au s ieg in eine solche Po-
si ion in Anbe ach des ihnen zugesch iebenen Bildungss ands als nich
möglich dekla ie : „[D]ie meis en sind on de Bildung he , ne alle, as alle
sind, die können diesen Job ga nich machen. Unscha ba “ (Thomas, Be-
iebsinhabe , Pos.123).
In o male Halbau s ieg
Die Besch eibungen de Schlüsselpe sonen deu en abe da au hin, dass–
alls übe haup ein Au s ieg im A bei s eld Reinigung möglich sein soll e– es
sich dann o allem um einen in o malen Halbau s ieg handel . In o mal is ein
solche Au s ieg zum einen, weil e zumeis in Familienbe ieben on Ve -
wand en s a inde , bei denen die Posi ion selbs , abe auch de en sp echen-
de A bei sum ang und auch die A bei szei en nich a bei s e aglich es -
gesch ieben bzw. abgesiche sind: „Das geh ganze, wi sind ja ’n Familien-
be ieb, geh in o mell“ (Thomas, Be iebsinhabe , Pos.123).
In o mal is ein solche Au s ieg zum ande en, weil ü ihn keine o mal
es geleg en K i e ien de inie sind. Zwa we den auch Kenn nisse, Fe ig-
kei en, E ah ung und Einsa z bei de A bei als wich ig besch ieben, diese
Cha ak e is ika sind abe nich o mal de inie . Vielmeh wi d das Ve au-
en ü einen Au s ieg zum Ke nk i e ium:
98
A bei s elde de Ankun
„Wie kann man au s eigen? Wie schon gesag , sagen wi mal, […] deine Fi ma
e au di oll und ganz, egal ob du dabei selbs gu einigen kanns ode
nich . Die sagen di dann: ‚Du kanns ielleich nich so gu selbs a bei en,
abe du kenns dich gu aus, dann kon ollie e du die ande en nu , guck, ob
sie die Objek e ich ig gepu z haben‘, zum Beispiel“ (Cihan, in o male Vo -
a bei e , Pos.76).
De besch iebene in o male Au s ieg kann in diesem Zusammenhang auch
als Halbau s ieg bezeichne we den, weil zumindes in den Fällen de on uns
be ag en Mi g an :in nen in Lei ungsposi ion de Au s ieg einen p ekä en
S a us da s ell . Zwa beinhal e die Beschä igung in de konk e en Posi ion
eine Lei ungs unk ion, diese is abe e aglich nich es geleg und abgesi-
che :
„Ja, das is ich ig, was die Posi ion be i , bin ich au ges iegen. Abe o iziell
ha das keine Gül igkei . […] Dami meine ich, wie soll ich sagen, die Posi ion
ha sich geände , auch die Bezahlung ha sich geände , abe de Name mei-
ne S elle ha sich nich geände “ (Hülya, Tü kei, Pos.478–479, 471–472).
T o z des p ekä en S a us wi d on diesen Be ag en nich nu de Wunsch
geäuße , wei e hin an diese in o malen Posi ion es zuhal en: „meine je zi-
ge Posi ion [is ] seh schön, ich möch e sie nich e lie en“ (Hülya, in o ma-
le Lei ung, Tü kei, Pos.328–329). Au g und ode auch o z des in o malen
Halbau s iegs wi d eine Reihe posi i e Selbs zusch eibungen o genom-
men. So wi d z. B. de eigene Einsa z ü die A bei in den Vo de g und ge-
ück und be on , „Tag und Nach “ und „meh als die ande en“ (Cihan, in-
o male Vo a bei e , Pos. 101) zu a bei en. De Be ieb wi d o diesem
Hin e g und als „wie mein Zuhause“ und die A bei gebe :innen als „F eun-
de“ ode „Familie“ (Hülya, in o male Lei e in, Pos.322, 324) bezeichne .
5.2.4 Rele anz on Quali izie ung im A bei s eld Reinigung
Fehlende Kompe enz- und Quali izie ungsan o de ungen
Au de einen Sei e we den on den Schlüsselpe sonen Kompe enzen als we-
sen lich besch ieben. Auch wü den die Reinigungsk ä e du ch eine meh -
jäh ige Beschä igung in de Reinigung du chaus e was le nen und wä en
dann „im G unde genommen […] p o essionelle Raump lege innen“ (Tho-
mas, Be iebsinhabe , Pos.137). Zugleich wi d abe auch angedeu e , dass es
sich bei de Reinigung um eine nich ansp uchs olle Beschä igung mi ein-
achen An o de ungen handel .
99
5 A bei s eld Reinigung
Als „das Haup wich igs e“ (Thomas, Be iebsinhabe , Pos.109) an de
äglichen A bei s ou ine wi d z. B. die schnelle und ko ek e Reinigung e -
wähn , ohne zu iel Reinigungsmi el zu e b auchen. Zusä zlich wi d ge-
nann , dass die „Lappen a bensys eme“ eingehal en we den müssen, de
„Reinigungsplan“ (Thomas, Be iebsinhabe , Pos. 109) nich e deck sei
und e schmu z we de. Auch müss en die Reinigungsk ä e au die ausge-
händig en Schlüssel au passen.
Die besch iebenen Tä igkei en e weisen au A bei sau gaben, die auch
ohne zu o e wo bene ode noch zu e we bende Kompe enzen und Quali i-
ka ionen du chge üh we den können. So we den auße den gese zlich o -
gesch iebenen Schulungen keine wei e en, die Tä igkei selbs be e enden
Quali izie ungsangebo e ode Fo bildungen und Wei e bildungen ü die
Beschä ig en e wähn .
Ausbildung im A bei s eld Reinigung: „Kein so populä e Be u “
Zwa we den on de Landesinnung Ausbildungsmöglichkei en und ein In-
e esse de Mi g an :in nen an eine Ausbildung e wähn , denn diese ühl en
sich im A bei s eld „wohl“ (Ralph, Landesinnung, Pos.212). Zugleich wi d
abe da au hingewiesen, dass eine Beschä igung als Reinigungsk a „kein
seh populä e Be u “ sei und Pe sonen sich nu um einen Ausbildungspla z
bewe ben, „wenn sie woande s nich s k iegen“ (Ralph, Landesinnung,
Pos.168–169). Inso e n spiele die Ausbildung „nich so eine g oße Rolle wie
bei einigen ande en Be u en“ (Ralph, Landesinnung, Pos.230). Auch sei die
Nach age nach eine Ausbildung zu ückgegangen und es gebe eine hohe
Abb uchquo e un e den Auszubildenden.
Insgesam deu en die Besch eibungen de Schlüsselpe sonen au ehlen-
de Ausbildungsmöglichkei en und Ausbildungsaspi a ionen hin. Ein e s e
en sp echende Hinweis is , dass Beschä ig e, abe auch Füh ungsk ä e „bei
uns o mals Que eins eige “ (Ralph, Landesinnung, Pos.231–232) seien. En -
sp echend wü den im A bei s eld iele ungele n e Beschä ig e a bei en. Da-
übe hinaus besch eiben manche auch eine mangelnde Be ei scha auszu-
bilden: „Und ich muss auch ganz eh lich sagen, […] die Zei und Komplexi ä
läss es eigen lich ga nich zu, dass ich jemanden ausbilde, kann ich ga
nich “ (Thomas, Be iebsinhabe , Pos.159).
Dabei wi d on dem be ag en Un e nehme den Beschä ig en auch ein
ehlende Wunsch nach Ausbildung a es ie . So seien sie nich nu au -
g und de nied igen Ausbildungs e gü ung und de dami e bundenen i-
nanziellen Nach eile, sonde n auch wegen des ihnen zugesch iebenen „Geis-
eszus ands“ und sozialen Sa us nich dazu in de Lage:
100
A bei s elde de Ankun
„Is auch Klien el, de da Geis eszus and ode de , de , de in ellek uelle Zu-
s and, ähm (zöge e was), […] die wollen ih e Ruhe haben, wollen ih e Reini-
gung machen, und bi e nich so iel denken, es u weh. (Mi dem Zeige in-
ge au den Kop zeigend) ‚Das s ich hie oben und das kann ich nich ma-
chen.‘ […] dass sie je z sagen, […] ‚ich mach bei Ihnen hie eine Ausbildung.‘
Nein. Noch nie o gekommen. (mi Be onung) Nein! De , de soziale Sp ung
is auch zu g oß. Das, das is zu wei weg. Und dann wiede in die Schule se -
zen zweimal die Woche, alles iel zu komplizie , das wollen die alles ga
nich “ (Thomas, Be iebsinhabe , Pos.169, 171).
Rele anz p ak isch-in o malen Le nens im A bei s eld Reinigung
Nich so seh die o male Ausbildung ode ande e o male Quali izie ungs-
maßnamen, sonde n die Rele anz des p ak isch-in o malen E le nens we -
den on den Schlüsselpe sonen explizie . Die A bei in de Reinigung wi d
als eine „ein ache Tä igkei “ besch ieben, die „selbs ein zehnjäh iges Kind
[le nen] könn e“ (Cihan, in o male Vo a bei e , Tü kei, Pos.64, 20). Es han-
dele sich um eine A bei , die ela i ein ach du ch Beobach ung gele n we -
den könne:
„Wie unk ionie das? Indem man, wenn man e was nich kann, es sich ein-
ach bei ande en abguck . Auch wenn ich e was nich weiß, […] dann gucke
ich ein ach, wie es die ande en machen. […] Man kann also iel oneinande
le nen. Man kann Wö e oneinande le nen, man kann A bei oneinande
le nen. […] Du muss ein ach au me ksam sein. Zunächs einmal muss du
die ande en A bei e beobach en. Was benu z e ü diesen Boden? Ode wo-
ü is das jeweilige Reinigungsmi el übe haup gu ?“ (Cihan, in o male Vo -
a bei e , Pos.22, 11).
Aus diese subjek i en Pe spek i e wi d auch keine No wendigkei ü eine
Ausbildung gesehen:
„Nein, das is nich no wendig. S a zu Schule zu gehen, a bei es du liebe
ganz no mal hie wei e , die Fi ma wi d dann eh beme ken, dass du deinen
Job gu machs , und di dann sagen: ‚Ab je z kon ollie s du nu noch die an-
de en.‘ Das komm dann au genau dasselbe hinaus. […] Wenn du in die Be-
u sschule gehs , wi s du da genau dasselbe le nen. De einzige Un e schied
is , dass es in de Schule sch i weise beigeb ach wi d. Au de A bei le ns
du abe alles au einmal“ (Cihan, in o male Vo a bei e , Pos.64).
Bei manchen be ag en mig an ischen Schlüsselpe sonen in Lei ungs unk i-
on scheinen das p ak ische E le nen de Tä igkei , die dami e wo bene Be-
u se ah ung und die eigene, wenngleich in o male Posi ion subjek i die
G undlage da ü zu bilden, dass sie sich soga selbs als „Ausbilde :innen“ be-
zeichnen:
101
5 A bei s eld Reinigung
„Ich gehö e auch zu den Ausbilde n. […] Ich b inge soga denjenigen, die
eine Ausbildung do machen, den Azubis, e was bei. Vom Ni eau he bin ich
so wei , abe ich habe hal nich s in de Hand. Es komm mal o , dass ich ge-
ag we de, ob ich eine Ausbildung gemach habe. Ich sage dann: ‚Nein.‘ Und
sie sagen: ‚Wie? Du has keine Ausbildung gemach ?‘. Habe ich nich gemach ,
abe ich kenne mich da aus“ (Hülya, in o male Lei ung, Pos. 496, 226–230).
5.3 Vo s ellungen zu Deu schland: A bei s eld Reinigung
Wie abe deu en mig an ische Beschä ig e ih e A bei in de Reinigung? Be-
o die sozialen Rep äsen a ionen de be ag en Mi g an :in nen on Reini-
gungsa bei da ges ell we den, sollen zunächs de en Vo s ellungen zu
Deu schland (Kapi el5.3.1) und zu A bei in Deu schland (Kapi el5.3.2) an-
ge issen we den. Dies dien nich nu eine b ei e angeleg en Be ach ung
de subjek i en Pe spek i e de be ag en Mi g an :in nen, sonde n e kenn
auch an, dass die sozialen Rep äsen a ionen in diese Vo s ellungen eingebe -
e sind.
5.3.1 Vo s ellungen de mig ie en Beschä ig en im A bei s eld
Reinigung zu Deu schland
Ih e He kun slände besch eiben die be ag en Mi g an :in nen mi Hinweis
au die schlech e poli ische Si ua ion, einige abe auch mi Hinweis au K ieg,
e hnisch- eligiöse Ve olgung und die Ze s ö ung de Lebensg undlage als
Folge des K iegs. Daneben hema isie en iele auch eine schlech e wi scha -
liche Si ua ion, insbesonde e A bei slosigkei , inanzielle P obleme und de
Zus and on „A mu “ (Issam, m., Tunesien, Pos.208), abe auch die Schwie-
igkei , eine Beschä igung im eigenen Be u zu inden.
Die Si ua ion in den He kun slände n wi d o diesem Hin e g und als
„eine Ka as ophe“ (Ma ija, w., K oa ien, Pos.138), als ein „g oßes P oblem“
(Jo ana, w., Bosnien und He zegowina, Pos.239) besch ieben. Das Bild, das
die be ag en Mi g an :in nen on ih en He kun slände n haben, zeichne
sich dami zumeis du ch Pe spek i losigkei , Ho nungslosigkei und eh-
lende bzw. beg enz e Möglichkei en aus.
Deu schland hingegen wi d on den Be ag en als ein Land besch ieben,
das „besse ü uns“ (Sadiq, m., I ak, Pos.249) is und das mi We schä zung
ode auch mi „Un e s ü zung“ (Aynu , w., Tü kei, Pos.15) in Ve bindung
geb ach wi d: „Es gib hie iele Möglichkei en, de S aa hil , e zahl die
102
A bei s elde de Ankun
Abbildung9
A bei s eld Reinigung: Vo s ellungen zum He kun sland und zu Deu schland
Quelle: eigene Da s ellung
!schlech e poli ische Si ua ion
!K ieg und K iegs olgen
!schlech e Wi scha slage
!schlech e A bei sma k si ua ion
!„Ka as ophe“
!„g oßes P oblem“
!Pe spek i losigkei , ehlende
Möglichkei en, Ho nungslosig-
kei
!We schä zung
!Un e s ü zung
!„ iele Möglichkei en“
!„A bei “
!„Zukun “,
!„Ho nung“
!„Chance“
!„besse ü uns“
He aus o de ungen:
!Abhängigkei on Ehemänne n
!schwie ige Wohnungssuche
!„halbe Ankun “
103
5 A bei s eld Reinigung
Kos en ü die Schule meines Kindes, den Kinde ga en, ü Essen, Fe nse-
hen“ (Fidan, w., Bulga ien, Pos.158).
Zumindes nach de Mig a ion besch eiben einige de be ag en Mi-
g an :in nen auch He aus o de ungen des Ankommens. Es we den z. B. Ab-
hängigkei en on Ehemänne n ode on de No wendigkei de Kinde e zie-
hung be ich e , au g und de e de Zugang zu Ausbildung, einem Be u und
zum A bei sma k nich möglich gewesen sei. Es wi d auch on de schwie i-
gen Wohnungssuche und de in diesem Punk ehlenden Un e s ü zung be-
ich e . Einige besch eiben auch den Zus and eine „halben Ankun “ (Saun-
de s 2013, S. 143), wonach die eigene Ankun und de wei e e Au en hal in
Deu schland als nich gesiche und inso e n noch du ch eine gewisse Ins a-
bili ä gekennzeichne be ach e we den, z. B. au g und des au en hal s ech -
lichen S a us ode des noch lau enden Asyl e ah ens.
Die „halbe Ankun “ is bei einigen auch beglei e on eine Angs um
den wei e en Au en hal in Deu schland. Dass man ein „ne e Mann“ sein
müsse und sich in „kein Schläge ei“ (Issam, m., Tunesien, Pos.200) e wicke-
le, wi d als die Vo ausse zung eines Au en hal s in Deu schland be ach e .
Bei ande en bilden de au en hal s ech liche S a us, lau ende und/ode abge-
lehn e Asyl e ah en und/ode die Duldung und de En zug de A bei se -
laubnis Ums ände, die zu Unsiche hei en übe den wei e en Au en hal in
Deu schland üh en.
5.3.2 Vo s ellungen de mig ie en Beschä ig en im A bei s eld
Reinigung zu A bei in Deu schland
Die A bei swel s ell ü die Be ag en kein unbekann es Feld da und sie be-
sch eiben di e se A bei se ah ungen. Wenn es abe konk e um die A bei s-
wel im He kun sland geh , wi d be on , dass g oße Un e schiede bes ün-
den. Die A bei im He kun sland sei „ganz ande s“ (Milena, w., Se bien,
Pos.108): „ he e is a big di e ence“ (Boahinmaa, w., A ika, Pos.226).
De A bei im He kun sland wi d eine in o male A bei skul u wie z. B.
Beschä igung „ohne Papie “ (Issam, m., Tunesien, Pos.190) und unsiche e
Beschä igungs e häl nisse zugesch ieben: „Du a bei es du (länge e Pause),
[…] i gendwie Che sag di , ge äll di nich ode keine Ahnung, Tschüss.
Das wa ’s. Du landen S aße“ (Issam, m., Tunesien, Pos.200). Handlungs-
möglichkei en we den in olge de Abhängigkei en on den A bei gebe :innen
und de Mach asymme ien zwischen Beschä ig en und A bei gebe :innen
als beg enz besch ieben. Bei Beschwe den wü den z. B. die A bei gebe :innen
104
A bei s elde de Ankun
sagen: „‚Wenn du ein P oblem has , wenn es di nich pass , geh, Ciao‘, das
wa ’s (lach )“ (Ma ija, w., K oa ien, Pos.168).
Da übe hinaus we den de A bei swel im He kun sland auch wei e e
nega i e Me kmale zugesch ieben. Dazu gehö en unge egel e A bei szei en,
nied ige Löhne und Ausnu zung. Einige Be ag e a ibuie en ih He kun s-
land auch mi ausgep äg e A bei slosigkei , da es „keine A bei [gib ]“
(Gülay, w., Bulga ien, Pos.78). In olge de A bei slosigkei und de Schwie-
igkei , eine Beschä igung im eigenen Be u au zunehmen, dass man z. B.
„nie ich ig als Ingenieu in gesehen“ (Asiye, w., Tü kei, Pos.81) wu de, wi d
auch on de ungewoll en No wendigkei be ich e , in be u s emden Fel-
de n zu a bei en:
„[I]ch habe keine A bei in meinem Be u ge unden, weil das Sys em is seh
schlech . In Bosnien-He zegowina habe ich als Ve käu e in gea bei e , die gan-
ze Zei . Und mi Uni e si ä .[…] Das is ein P oblem, wegen des Sys ems. Das
Sys em is ein g oßes P oblem. In meine Heima habe ich iele Bewe bungen
gesch ieben, abe keine An wo “ (Jo ana, w., Bosnien und He zegowina,
Pos.239, 25, 27).
Schließlich wi d dem He kun sland inso e n eine ehlende bzw. unzu ei-
chende soziale Siche ung zugesch ieben, als es z. B. „kein Jobcen e “ (Ma ija,
w., K oa ien, Pos.177) gebe und man „nix om S aa “ (Issam, m., Tunesien,
Pos.208) e hal e, was zu inanziellen P oblemen und zu eine Abhängigkei
on de Familie üh e.
Im Gegensa z zum He kun sland wi d Deu schland mi „ iele[n] Mög-
lichkei en“ (Jo ana, w., Bosnien und He zegowina, Pos.17, 43; Aynu , w.
Tü kei, Pos.15; Fidan, w., Bulga ien, Pos.158), „A bei “, eine „Zukun “,
„Ho nung“ und „Chance“ in Ve bindung geb ach : „Es gib keine A bei [in
Bulga ien], wie wills du dich um deine Kinde so gen, sie g oßziehen? Des-
wegen habe ich mich en schieden wegzugehen, meine Chance hie zu e su-
chen, und bin hie he gekommen“ (Gülay, w., Bulga ien, Pos. 78); „Mein
G und, dass ich nach Deu schland gekommen bin, is A bei . […] Ich glaube,
in Deu schland gib es iele Möglichkei en […]. Ich kann in Zukun iel
ho en“ (Jo ana, w., Bosnien und He zegowina, Pos.17, 119).
Im Ve gleich zum He kun sland wi d dami die A bei in Deu schland
als „besse “ (Ma ija, w., K oa ien, Pos.136) besch ieben und mi „Disziplin“,
„E ns ha igkei “ (Asiye, w., Tü kei, Pos.29, 105), „Regeln“ (Fidan, w., Bulga-
ien, Pos.152) und „Pünk lichkei “ (Nie a, w., Philippinnen, Pos.175) asso-
ziie . Daneben we den auch Möglichkei en eine Vollzei s elle ode eine
Fes ans ellung, abe auch ge egel e A bei szei en und höhe e und ech zei i-
111
5 A bei s eld Reinigung
Beziehungen zu den A bei gebe :innen in o mal an de Rek u ie ung on
Reinigungsk ä en be eilig sind.
Die Reinigung wi d dabei auch als ein A bei s eld besch ieben, bei dem
au g und de ehlenden Eins iegsan o de ungen ü die Au nahme eine Beschä i-
gung de Zugang ela i ein ach und schnell e olg . So wi d z. B. e wähn ,
dass ü den Zugang zu Reinigungsa bei keine o malen Bewe bungsp ozes-
se no wendig seien, sodass man sich „di ek geeinig “ (Asiye, w., Tü kei,
Pos.23) habe.
Eine o male Bewe bung wi d nu bei g öße en Fi men e wähn , abe
auch in diesen Fällen als „nich so maßgebend“ bzw. als „nu so was Symbo-
lisches“ (E dal, m., Tü kei, Pos.51) bezeichne . Hinzu komm , dass ü den
Zugang zu Reinigungsa bei auch keine (be u lichen) Kenn nisse ode
Nachweise o ausgese z we den und– alls übe haup – on nu eine ela-
i ku zen P obe- bzw. Eina bei ungszei , Le z e es o allem du ch
Kolleg:innen und/ode A bei gebe :innen, be ich e wi d.
Ein wich iges Elemen , das die be ag en Mi g an :in nen o dem Hin e -
g und ih es Zugangs de Reinigung als O des Eins iegs zusch eiben, bilde
die Besch eibung de mig an ischen Reinigungsbe iebe als Ankommens eld, also
de Eins ieg in die Reinigungsa bei bei Ve wand en ode bei Be iebsinha-
benden aus dem eigenen He kun sland, z. B. „bei einem k oa ischen Mann“
(Ma ija, w. K oa ien, Pos.33). In deu schen Reinigungsbe ieben ode Reini-
gungso en bei deu schen Fi men/Ins i u ionen e möglichen o allem mig-
an ische Ve mi lungspe sonen den Zugang zu Reinigungsa bei .
Ein wei e es Elemen , das die be ag en Mi g an :in nen de Reinigung als
O des Eins iegs zusch eiben, is de Pe sonalbeda : „Es gib imme Reini-
gungsjobs […]. Reinigungsa bei en gib es übe all und iel. Wenn ich heu e in
Wha sApp sch eiben wü de: ‚Ich bin au de Suche nach eine A bei ‘, die meis-
en wü den sich dann bei mi melden“ (Fidan, w., Bulga ien, Pos.212, 100).
Manche besch eiben, dass be ei s im Vo eld ode ku z nach de Mig a ion die
Reinigungsa bei om sozialen Um eld im He kun sland ode in Deu schland
als eine e s e Beschä igungsmöglichkei kommunizie wo den sei:
„Sie [die F eundin in Deu schland] ha so o gesag : ‚Komm, zum Beispiel
pu zen und spä e ielleich , wenn du bisschen Deu sch le ns , kanns du e -
was ande es suchen.‘ Abe sie ha zum Beispiel zu o auch so o gesag :
‚Komm pu zen!‘. […]
Meine Mu e ha noch o diesem An u [de F eundin], meh e e Jah e zu-
o gesag : ‚Geh nach Deu schland, […] weil du kanns zum Beispiel in
Deu schland d ei Mona e a bei en gehen in de Gas onomie ode pu zen‘“
(Ma ija, w., K oa ien, Pos.31, 87).
112
A bei s elde de Ankun
Ein le z es Elemen bilde die Besch eibung des A bei s elds Reinigung als
mig an isches A bei s eld. Deu schen we den Beschä igungsmöglichkei en un-
e besse en Bedingungen nachgesag . Man habe z. B. in de A bei swel
Deu sche nu als Meis e :innen ode Lei e :innen ange o en ode beobach-
e , dass sie un e wesen lich besse en Bedingungen a bei en. Dass den Deu -
schen sowohl in als auch auße halb de Reinigungsa bei Beschä igungs-
möglichkei en un e besse en Bedingungen zugesch ieben we den, geh
bisweilen mi eine ausgep äg en Disk iminie ungswah nehmung einhe :
Abbildung12
Reinigung als O des Eins iegs
Quelle: eigene Da s ellung
E we bse wa ungen
E we bsk isen
soziale Teilhabe
A bei als No wendigkei
Reinigungsa bei als O des Eins iegs
!mig an ische Reinigungsbe iebe als
Ankommens eld
!Pe sonalbeda
!mig an isches A bei s eld
!in o mal übe soziale Kon ak e
! ehlende Eins iegsan o de ungen
Zugang: ein ach und schnell
„The apie“
113
5 A bei s eld Reinigung
„Wi unse e Fi ma Reinigung, und gib nich bes imm e Au ag. Ich geh ein,
unse e Che in […] sag : ‚Geh da, da, da.‘ Abe mein Kollege Bas ian imme
gleiche Pla z. Was mach ? Mach Klimaanlage saube , is nix B ude , is, is bes-
e Be u . […] Habe ich einmal mi ihm gea bei e , […] hab ich gesag : ‚Bas i-
an, lass, lass mich hie .‘ ‚Ja, (un .) ich e such‘, e nich Che , abe geh kla
mi Che . Seine Wo e geh . Nimm nu , nu Deu sch also“ (Issam, m., Tune-
sien, Pos.144, 146).
Neben dem in o malen Zugang zum A bei s eld übe soziale Kon ak e und
den ehlenden Eins iegsan o de ungen ü die Au nahme eine Beschä i-
gung bilden die mig an ischen Be iebe als Ankommens eld, de Pe sonalbe-
da in de Reinigung und die Besch eibung des A bei s elds als mig an i-
sches A bei s eld demnach die e s en und zen alen Elemen e de sozialen
Rep äsen a ion on Reinigungsa bei als O des Eins iegs.
Elemen e de Beschä igung in de Reinigung
Bezüglich de sozialen Rep äsen a ion de Reinigungsa bei als O des Ein-
s iegs besch eiben die be ag en Mi g an :in nen die konk e e Tä igkei de
Reinigung als gekennzeichne du ch ein ache A bei sau gaben mi ehlenden
Quali ika ions- und Kompe enzan o de ungen. Zwa benennen einige das selbs -
s ändige A bei en bei de Du ch üh ung de Reinigungsa bei als bedeu en-
den Gesich spunk . Was mi Hinweis au selbs s ändiges A bei en wie eine
Au onomie bei de Du ch üh ung de Reinigungsau gaben anmu e , is abe
e s ens als eine ik i e bzw. auch beg enz e Au onomie au zu assen, weil die
Du ch üh ung de Reinigungsa bei nach einem es en Reinigungsplan und
zumeis mi en sp echende Zei ein eilung ü die einzelnen Reinigungs ä-
igkei en du chge üh wi d.
Zwei ens schein selbs s ändiges A bei en auch deshalb ein wich iges Ele-
men zu bilden, weil die be ag en Mi g an :in nen dami nich unbeding
Kompe enzen und eine Au onomie bei de Du ch üh ung de Reinigungsa -
bei e knüp en, sonde n selbs s ändiges A bei en in de oben angesp oche-
nen Weise auch einem En kommen de Kon olle gleichgese z wi d. Selbs -
s ändiges A bei en gil als Möglichkei , Reinigungsau gaben ohne die
konk e e Anwesenhei eine übe geo dne en Ins anz du chzu üh en, d. h.
ohne „dass dich […] die ganze Zei jemand beobach e und kon ollie ,
wäh end du a bei es “ (Gülay, w., Bulga ien, Pos.64).
Ein G oß eil de be ag en Mi g an :in nen weis explizi au ehlende
Quali ika ions- und Kompe enzan o de ungen und den ehlenden Kompe-
enze we b hin und besch eib die Reinigungsa bei als ein ache, unquali i-
zie e A bei , die im Lau eine ela i ku zen Eina bei ungszei e le n we -
114
A bei s elde de Ankun
den könne. In diesen Vo s ellungen i dami die Reinigungsa bei als eine
A bei au , ü die keine besonde en Kompe enzen no wendig seien: „Jede ,
de bei gu e Gesundhei is , kann diese A bei machen. […] (Lach ) Das is
nich s Schwie iges. […] Es geh ja nich da um, ein A om zu ze legen“ (Ay-
nu , w., Tü kei, Pos.121, 41, 59).
Falls übe haup on einem Kompe enze we b be ich e wi d, dann be-
zieh sich diese zumeis au leich zu e le nende, wenige komplexe Inhal e
wie z. B. die Techniken und Mi el de Wahl, mi denen bes imm e Gegen-
s ände, Objek e und Obe lächen ge einig we den müssen, ode auch die
Einhal ung des Fa bsys ems bei de Benu zung de Reinigungs üche . Nu in
Ausnahme ällen we den eine Teilnahme an Schulungen und de E we b on
Ze i ika en e wähn . Wenn übe haup de Wunsch an de Teilnahme an sol-
chen Schulungen und de E we b on Ze i ika en e wähn we den, dann
s ehen nich unbeding die dami e bundenen Kompe enzen, sonde n o
allem die Ausübung eine leich e en und höhe en lohn en Tä igkei im Vo -
de g und:
„Da gib es zum Beispiel welche, die diese Reinigungsmaschinen ü die Reini-
gung de Böden bedienen, die haben einen höhe en S undenlohn. Wenn wi
ach , zehn Eu o ach zig e dienen, dann e dienen sie el Eu o. […] Weil sie
die Maschine bedienen. […] Wenn sie es mi zeigen, dann le ne ich das, wa -
um soll ich das nich le nen“ (Aynu , w., Tü kei, Pos.93, 95, 97).
Bei den Besch eibungen ehlende Quali ika ions- und Kompe enzan o de-
ungen machen o allem die weiblichen Beschä ig en die p i a e Haushal s-
einigung zu eine Kompe enzg undlage ü die Reinigungs ä igkei . So deu e
sich in den Besch eibungen diese Be ag en eine Ve gleichba kei de Haus-
hal s einigung mi de Ausübung p o essionelle Reinigungs ä igkei an. Au
diese G undlage wi d die Reinigungsa bei als eine ein ache A bei o ge-
s ell , die sich nu hinsich lich de Quan i ä / des Um angs ode auch de Ge-
nauigkei on de p i a en Haushal s einigung un e scheide .
Diese subjek i he ges ell e Ve gleichba kei in den Vo s ellungen speis
sich spezi isch auch aus de sich selbs zugesch iebenen gesellscha lichen
Rolle als (Haus)F au:
„Ich bin le z endlich eine F au, ich weiß, wie man eine Wohnung saube häl ,
und das is genau dasselbe“ (Gülay, w., Bulga ien, Pos.54).
„Le z endlich is es Reinigung, (lachend) das, was wi zu Hause imme ma-
chen […]. Wie du zu Hause pu z , so muss du auch da pu zen […]. Man is
Haus au und da man einen dami nich zu eine Di ek o in mach , haben wi
im Reinigungsbe eich gea bei e (lach )“ (Aynu , w., Tü kei, Pos.37, 59, 25).
115
5 A bei s eld Reinigung
Dass in den subjek i en Vo s ellungen ü die Ausübung eine Reinigungsa -
bei keine be u lichen Kenn nisse und besonde en Fähigkei en und Kompe-
enzen e o de lich sind, g ünde explizi au de Wah nehmung, dass Reini-
gung zu Hause und als P o ession sich nich g undsä zlich un e scheiden, es
sich um eine Beschä igung handle, de en Behe schung o allem F auen zu-
gesch ieben we den und eben „wie zu Hause“ (Ma ija, w., K oa ien, Pos.85)
gepu z we den könne. Aus diese Pe spek i e wi d die Reinigungsa bei
s a k mi de Rep oduk ionsa bei inne halb de Familie e knüp und eine
Symbiose de gesellscha lich zugesch iebenen Rolle als (Haus)F au und als
Reinigungsk a o ges ell .
Schließlich is auch die ehlende An o de ung eine o malen Ausbildung ü
die Du ch üh ung de A bei in de Reinigung ein zen ales Elemen de so-
zialen Rep äsen a ion on Reinigungsa bei als O des Eins iegs. E s ens is
die Ausbildungsmöglichkei in de Reinigung einigen Be ag en übe haup
nich bekann : „Einen Be u im Reinigungsbe eich? Gib es so e was übe -
haup ? […] Gib es das übe haup im Reinigungsbe eich? Das weiß ich ga
nich . Da weiß ich nich s da on“ (Aynu , w., Tü kei, Pos.91, 93). In den Vo -
s ellungen exis ie dami die Reinigung nich als ein A bei s eld, das mi
Quali ika ionen und Kompe enzen in Ve bindung geb ach wi d, die du ch
eine Ausbildung e lang we den können.
Zwei ens is ü den G oß eil de Be ag en die Ausbildung im Be eich
Reinigung abe auch übe haup kein ele an es Thema ü die eigene E -
we bsbiog a ie, sodass die Möglichkei eine Ausbildung in de Reinigung in
den Vo s ellungen ausgeklamme wi d. D i ens schließlich hegen iele Be-
ag e die Vo s ellung, dass die Ausbildung ü die Ausübung on Reini-
gungs ä igkei en nich ele an und auch nich no wendig sei und dami
auch keine hin eichende G undlage ü die ich ige Ausübung de Reini-
gungs ä igkei bilden könne. Vielmeh we den aus diese subjek i en Pe s-
pek i e das mime ische Le nen und die eigenen konk e en E ah ungen in
de Reinigung in den Vo de g und ge ück .
Ein wei e es besch iebenes Elemen sind die in de ak uellen Beschä i-
gung ehlenden Au s iegsmöglichkei en. Ein G oß eil de Be ag en sieh keine
Au s iegsmöglichkei en: „No chance“ (Boahinmaa, w., A ika, Pos.399). Aus
diese subjek i en Pe spek i e wi d demnach keine Möglichkei ü einen
Au s ieg gesehen: „Wie soll e ich da au s eigen? Das einzige Au s eigen, was
da möglich is , is , sich au einen Hocke zu s ellen und nähe an die Decke
zu kommen (lach )“ (Asiye, w., Tü kei, Pos.77).
Au s iegsmöglichkei en we den nu bei g öße en Reinigungsbe ieben
als möglich ode als nu mi hil e eine Ausbildung ealisie ba be ach e . Ei-
116
A bei s elde de Ankun
nige machen die Möglichkei eines Au s iegs auch an pe sönlichem Einsa z
bei de A bei , am Ve auens e häl nis zu den A bei gebe :innen ode an
„Emp ehlungen“ es , ohne dass dabei o male K i e ien eine wesen liche
Rolle spielen wü den: „Also, man kann nu au Emp ehlung au s eigen.
Sons gib es keine P ü ung, an de man eilnimm , um au zus eigen. Wenn
de Che mi sag : ‚Du bis bei dem und dem gu , du könn es au s eigen‘,
dann wä e ein Au s ieg möglich“ (E dal, m., Tü kei, Pos.99).
In de sozialen Rep äsen a ion on Reinigungsa bei als O des Eins iegs
bilden auch kla e Hie a chien und die ehlende In e essen e e ung de Beschä -
ig en wich ige Elemen e. Von as allen Be ag en we den die A bei gebe :in-
nen– in Einzel ällen auch die Vo a bei e :innen bzw. die Objek lei e :innen–
als die einzigen Ansp echpe sonen e wähn und eine objek i e Abwesenhei
eine In e essen e e ung hema isie : „Ich weiß nich mal, wo ich sie
[Gewe kscha und Be iebs a ] inden wü de (lach )“ (Asiye, w., Tü kei,
Pos.139); „(Lachend) Es is nich so, dass ich nich da an [Gewe kscha smi -
gliedscha ] denke. Es gib doch niemanden, de mi sag , dass ich Mi glied
we den soll, niemand nimm mich do hin mi (lach )“ (Aynu , w., Tü kei,
Pos.135).
Einem G oß eil de be ag en Mi g an :in nen sind in diese Hinsich ins i-
u ionalisie e In e essen e e ungen zudem wede aus ih em He kun s-
land noch in Deu schland bekann , sodass auch on eine subjek i en Abwe-
senhei de In e essen e e ung in den Vo s ellungen gesp ochen we den
kann.
Falls eine In e essen e e ung den be ag en Mi g an :in nen bekann is ,
wi d eine subjek i e Dis anzie ung besch ieben. Vo allem Gewe kscha en
wi d o gewo en, nich die In e essen de Beschä ig en zu e e en, sich
nich genügend ü Lohne höhungen und ü Mi g an :in nen einzuse zen
und Mi g an :in nen au g und ih e ehlenden Sp achkenn nisse nich e ns
zu nehmen: „Und da wi nich so iel Deu schkenn nisse haben, wi d das
nich so e ns genommen. Man muss denen hin e he lau en, alles e klä en,
mi denen dahin gehen und so wei e “ (Aynu , w., Tü kei, Pos.137). Teil die-
se subjek i en Dis anzie ung is die subjek i e Ve o ung de Ins i u ionen
de In e essen e e ung nähe an de Geschä s üh ung bzw. nähe an den
A bei gebe :innen.
Abe auch Ängs e spielen bei diese Dis anzie ung eine wich ige Rolle,
weil de Kon ak zu Ins i u ionen de In e essen e e ung als eine mögliche
Quelle ü Kon lik e be ach e wi d, die es zu e meiden gil : „Und je z
auch mi diesem Be iebs a , ielleich wenn ich P obleme habe, ich habe
auch Angs , hie z. B. gehen, ich sage z. B. e was und dann spä e k iege ich
117
Abbildung13
Reinigung als O des Eins iegs: Tä igkei sbezogene Elemen e des A bei s elds
Quelle: eigene Da s ellung
E we bse wa ungen
E we bsk isen
soziale Teilhabe
A bei als No wendigkei
Reinigungsa bei als O des Eins iegs
!mig an ische Reinigungsbe iebe als
Ankommens eld
!Pe sonalbeda
!mig an isches A bei s eld
!in o mal übe soziale Kon ak e
! ehlende Eins iegsan o de ungen
Zugang: Ein ach und schnell
Reinigungsa bei als O des Eins iegs
! ehlende Quali ika ions-und Kompe enz-
an o de ungen
!p i a e Haushal s einigung als Kompe enzg undlage
! ehlende An o de ungen eine o malen Ausbildung
! ehlende bzw. in o male Au s iegsmöglichkei en
!kla e Hie a chie mi ehlende In e essen e e ung
„The apie“
118
A bei s elde de Ankun
ielleich P obleme mi den Kollegen ode mi dem Che “ (Ma ija, w., K oa-
ien, Pos.166). Hie schein die Selbs wah nehmung, „nich so iele deu sche
Rech e“ (Ma ija, w., K oa ien, Pos.166) zu kennen, abe auch bes ehende
Mach - und Abhängigkei s e häl nisse ein Hinde nis ü eine Annähe ung
an Ins i u ionen de In e essen e e ung da zus ellen.
Von manchen we den Ins i u ionen de In e essen e e ung abe auch
übe haup nich dem A bei s eld de Reinigung zugesch ieben, weil die Rei-
nigungsa bei nich als „ ich ige “ Job, sonde n als Übe gangsbeschä igung
be ach e wi d. Solche Ins i u ionen we den mi eine Beschä igung in ei-
nem deu schen Be ieb und/ode mi „so einem ich igen Job“ in Ve bin-
dung geb ach :
„Ich bin hie [in de Reinigung] zwa nich Mi glied [de Gewe kscha ], abe
wenn ich i gendwo so einen ich igen Job hä e, dann wü de ich na ü lich
auch bei e en. Weil ich ja je z nu so o übe gehende Sachen mache, habe
ich es bishe nich als no wendig e ach e “ (Asiye, w., Tü kei, Pos.141).
Nu e einzel be ich en die be ag en Mi g an :in nen on exis ie enden Ins-
i u ionen de In e essen e e ung, dann s e s in g öße en Be ieben. In die-
sen Fällen wi d die In e essen e e ung zumeis subjek i we geschä z , mi
Vo eilen ü die Beschä ig en in Ve bindung geb ach und als eine ins i u i-
onelle Gegenmach zu den A bei gebe :innen besch ieben.
Insgesam wi d dami in de sozialen Rep äsen a ion de Reinigungsa -
bei als O des Eins iegs die Beschä igung besch ieben als gekennzeichne
du ch ein ache A bei sau gaben mi ehlenden Quali ika ions- und Kompe-
enzan o de ungen, was zumeis kon as ie end mi de p i a en Haushal s-
einigung beg ünde wi d. Auch we den dem A bei s eld ehlende An o de-
ungen eine o malen Ausbildung, ehlende Au s iegsmöglichkei en sowie
kla e Hie a chien und eine g öß en eils ehlende In e essen e e ung de
Beschä ig en a es ie .
5.4.2 Reinigung als nich be u liche O des Ums iegs und Aus-
s iegs
In de sozialen Rep äsen a ion on Reinigungsa bei als nich be u liche O
des Ums iegs und Auss iegs ollziehen die be ag en Mi g an :in nen en wede
o dem Hin e g und ih e auße halb de Reinigung e lau enden E we bs-
biog a ie eine be u liche Posi ionie ung auße halb de Reinigung und weisen
dami die Aspi a ion eines Ums iegs aus de Reinigung au ode e olgen die
Aspi a ion eines Auss iegs aus dem E we bsleben. Die Reinigungsa bei s ell
119
5 A bei s eld Reinigung
in diesen sozialen Rep äsen a ionen einen O da , de e lassen we den soll.
Sie bilde hie keine Wunscha bei , sonde n eine A bei , die man „leide “
(Ma ija, w., K oa ien, Pos.59; Issam, m., Tunesien, Pos.13) au genommen
habe.
En wede is dami in diese sozialen Rep äsen a ion die Aspi a ion in-
ensi au einen Ums ieg aus de Reinigungsa bei ausge ich e , sodass die
Reinigungsa bei nu „ o übe gehend“ (Asiye, w., Tü kei, Pos. 35) ausgeüb
we den soll. Subjek i bes eh de Wunsch nach eine Ve schiebung de be-
u lichen Posi ion weg on de Reinigungsa bei , die als eine in de E we bs-
biog a ie o übe gehende Phase de Beschä igung gedeu e wi d, weil ande -
wei ige Beschä igungsmöglichkei en, z. B. im eigenen Be u , eine Ausbildung
ode ein S udium sich nich ealisie en ließen.
Ode die Aspi a ion is au einen Auss ieg aus dem E we bsleben ausge-
ich e , sodass die gegenwä ig ausgeüb e Reinigungs ä igkei als die le z e
S a ion in de E we bsbiog a ie o ges ell wi d. Aus diesen Aspi a ionen des
Ums iegs und Auss iegs e geben sich schließlich spezi ische Elemen e de
Reinigungsa bei , die den konk e en Inhal de sozialen Rep äsen a ion de
Reinigungsa bei als O des Ums iegs und Auss iegs ausmachen.
Reinigung als nich be u liches Feld
Zen ales Elemen diese sozialen Rep äsen a ion is die Vo s ellung, dass das
A bei s eld Reinigung kein be u liches Feld und dami die Reinigungsa bei
nich als Be u gedeu e wi d. En sp echend inde im Rahmen de Beschä i-
gung in de Reinigung auch keine be u liche Iden i ika ion s a .
Die Be ag en legen du chaus We au Quali izie ung und Kompe enzen
und b ingen eine (ze i izie e) Ausbildung mi eine „gu e[n] Zukun “
(Nie a., w., Philippinnen, Pos. 244), mi „Chance“ (Issam., m., Tunesien,
Pos.239) in Ve bindung. Auch s ehen in den subjek i en Besch eibungen
Ausbildung und Be u ü quali izie e A bei mi ansp uchs ollen A bei s-
au gaben, ü Au s iegsmöglichkei en, ü S abili ä , Siche hei und Kon inu-
i ä in de Beschä igung und ü besse e Ve diens möglichkei en. Fü einige,
o allem F auen, spielen Ausbildung, S udium und Be u eine wesen liche
Rolle, insbesonde e die ( inanzielle) Unabhängigkei on Männe n be e -
end: „Abe eine F au muss einen Be u haben. So is das wi klich“ (Fidan,
w., Bulga ien, Pos.180).
De We abe , de eine Ausbildung zugesch ieben wi d, bezieh sich
nich au das A bei s eld Reinigung. Vielmeh we den die subjek i besch ie-
benen E ek e eine Ausbildung explizi auße halb dieses A bei s elds e o -
e und in diesem Kon ex eine Ausbildung soga de E ek un e s ell , dass
120
A bei s elde de Ankun
dadu ch in de Ve gangenhei eine Beschä igung in de Reinigung hä e e -
mieden we den können:
„Eigen lich be eue ich es au de einen Sei e auch, dass ich keine Ausbildung
gemach habe. Hä e ich doch nu einen Be u e le n . Das wä e besse gewe-
sen. Dann hä e ich wenigs ens einen ande en Be eich, in dem ich gea bei e
hä e. Ich hä e dann nich im Be eich Reinigung a bei en müssen“ (E dal, m.,
Tü kei, Pos.79).
Mi Ve weis au die je zige Beschä igung in de Reinigung wi d die Ausbil-
dung nich nu e ospek i , sonde n auch p ospek i als mögliche Ve mei-
dungsop ion de gegenwä igen Beschä igung besch ieben:
„Abe , wenn ich eine Ausbildung [in de P lege] mache, wi d de S unden-
lohn ande s sein. Zwei ens we de ich nich müde on de A bei . Ich we de
mein Au o haben, gehe Blu d uck messen, ich gebe Medikamen e, un e -
sch eibe Papie , das wa es. Also, ich mache dann keine Reinigungsa bei en“
(Fidan, w., Bulga ien, Pos.63).
Fe ne zeichne sich bei ielen ein seh ausgep äg e Hinweis au den eigenen
be u lichen S a us im e le n en Be u ab. So wi d z. B. We da au geleg , ein
„s udie e Mensch“ (Nie a, w., Philippinen, Pos.3) zu sein und einen e le n-
en Be u zu haben. Vo allem bei denjenigen Be ag en mi eine ( o malen
ode in o malen) be u lichen Bildung gehen die Vo s ellungen des be u li-
chen S a us mi eine hohen be u lichen Iden i ika ion mi dem e le n en Be u
und dahe mi Be u ss olz einhe :
„Ich bin on Be u Ökonomin, Rich ung Managemen . Ich habe ein Bache-
lo “ (Jo ana, w., Bosnien und He zegowina, Pos.19).
„Also ich bin eigen lich Schneide in. […] Ich ha e nu einen einzigen T aum:
Ich bin Schneide in und das is die A bei , die ich liebe. […] Da, wo wi woh-
nen, gib es nämlich keine Busse ode Ähnliches, zwei S unden am Tag bin ich
gelau en, jeden Tag, auch bei Regen und Schnee, nu um zu le nen“ (Gülay,
w., Bulga ien, Pos.52, 83, 89).
„Ich habe das [K z-Schlosse ] als Leh ling gele n und kenne mich dami seh
gu aus. […] Das wa mein Be u , den ich ge ne ausgeüb habe. Ich habe mi
diese A bei ange angen, als ich 15, 16 Jah e al wa , und mach e sie, bis ich
zum Mili ä diens gehen muss e. Danach habe ich wiede im gleichen Be eich
gea bei e , bis ich nach Deu schland kam. Es wa ein Be u , den ich ge ne aus-
geüb habe“ (E dal., m., Tü kei, Pos.83, 85).
Im Gegensa z zu hohen be u lichen Iden i ika ion mi dem e le n en Be u
wi d die Reinigungsa bei explizi nich als Wunscha bei besch ieben, son-
de n als „de schlimms e Be u “ (Aynu , w., Tü kei, Pos.141) bezeichne , den
127
5 A bei s eld Reinigung
Feld de (Aus)Bildung wah genommen. Abe auch Bildungs- und Be u sze -
i ika e sowie be u liche E ah ung, Kenn nisse und Fähigkei en we den als
bedeu ende Ressou cen ü den o ges ell en Ums ieg besch ieben.
Übe kul u elles/ins i u ionalisie es Kapi al hinaus wi d abe auch sozia-
les Kapi al als wich ige Ressou ce ü den Ums ieg e ach e , insbesonde e mi
Blick au die A bei ssuche, den Zugang zu quali izie e A bei ode die E ab-
lie ung eine Selbs s ändigkei . Schließlich gil auch ökonomisches Kapi al als
bedeu sam, wenn es sich o allem um einen Ums ieg in die Selbs s ändig-
kei in einem Feld auße halb de Reinigung handel .
Wäh end bei de Deu ung de Reinigungsa bei als O des Ums iegs eine
be u liche Posi ionie ung auße halb de Reinigung ollzogen wi d und die
be u lichen Aspi a ionen au Felde auße halb de Reinigung ausge ich e
sind, is in de Deu ung de Reinigungsa bei als O des Auss iegs die Aspi a-
ion da au ausge ich e , aus dem E we bsleben auszuscheiden. Ein Ums ieg
wi d au g und des als schon zu hoch wah genommenen Al e s, au g und de
ehlenden Sp achkenn nisse ode de ehlenden (Aus)Bildung, Bildungs- und
Be u sze i ika e als nich möglich besch ieben.
Besonde s die Aspi a ion, aus dem E we bsleben auszuscheiden und in
die Ren e einzu e en, dominie die Vo s ellungen. Reinigungsa bei wi d in
diesem Sinn als die le z e Phase de E we bsbiog a ie o dem Ausscheiden
aus dem E we bsleben gedeu e . Falls o diesem Ausscheiden ein mögliche
Ums ieg übe haup o ges ell wi d, we den o allem die A bei s elde Rei-
nigung, Gas onomie ode P lege ad essie .
Auch is es in diese Deu ung nich de Ankommenswille, de sich ab-
zeichne . Manche besch eiben explizi ein posi i es Bild on ih em He -
kun sland, dem Leben und de A bei do . Die He kun slände we den als
„schön“ (Nie a, w., Philippinen, Pos.214; Milena, w. Se bien, Pos.155, 213)
besch ieben und be on , dass es sich um „dein eigenes Um eld, deine eigene
Sp ache, deine eigene Heima , dein eigenes Land“ (E dal, m., Tü kei, Pos.91)
handle.
Auch die A bei im He kun sland wi d als „ein ache “ (Boahinmaa, w.,
A ika, Pos.236; Gülay, w., Bulga ien, Pos.135), „ uhige “ (Nie a, w., Philip-
pinnen, Pos.93, 107) und dami als „ iel besse “ (Nie a, w., Philippinnen,
Pos. 109) besch ieben und mi „F eude“ und „Spaß“ (E dal, m., Tü kei,
Pos.91) in Ve bindung geb ach .
Im Gegensa z zum Ankommenswillen bilden diese Vo s ellungen die
G undlage on Rückkeh wünschen „nach Hause“ (Nie a, w., Philippinen,
Pos.25): „A ime will come I will lea e, you know“ (Boahinmaa, w., A ika,
Pos.477). Die o ges ell e Rückkeh wi d o allem in eine Zei nach dem
128
Abbildung14
Reinigung als O des Ums iegs und Auss iegs
Quelle: eigene Da s ellung
Reinigungsa bei als O des Um-und Auss iegs
Reinigungsa bei als O des Eins iegs
!Reinigungsa bei nich als Be u
! ehlende be u liche Iden i ika ion
! ehlende Iden i ika ion mi dem Reinigungsbe ieb
!schwie ige A bei sbedingungen
!subjek i e Dis anzie ung on den A bei gebe :innen
!kul u elles/ins i u ionalisie es Kapi al
!soziales Kapi al
!ökonomisches Kapi al
Ressou cen ü den Ums ieg
Reinigung als nich be u liches Feld
!S udium/Ausbildung auße halb de Reinigung
!quali izie e Beschä igung auße halb de Reinigung
!Beschä igung im e le n en Be u
!Selbs s ändigkei im eigenen Be u
Ums iegAuss ieg
!Ren e
!Rückkeh
129
5 A bei s eld Reinigung
Ein i in die Ren e e leg und die Rückkeh wünsche beziehen sich nich
nu au die posi i en Besch eibungen des He kun slands, sonde n auch au
die an izipie e Ve schlech e ung de inanziellen Si ua ion au g und de zu
e wa enden nied igen Ren enbezüge in Deu schland: „Ich kann nich hie
[in Deu schland] leben mi mein wenig Ren e […], wie soll ich das leben
hie , alles wi d eue “ (Nie a, w., Philippinnen, Pos.25).
Alle dings sind diese Rückkeh wünsche beglei e on einem subjek i
wah genommenen Bleibezwang, weil z. B. das Ren enal e noch nich e -
eich wu de, de wei e e E hal de Ren e einen Au en hal in Deu schland
no wendig mach ode die eigenen Kinde in Deu schland leben bzw. e s
nach Deu schland mig ie en sollen, um hie zu a bei en.
130
6 ARBEITSFELD PFLEGE
Nach olgend we den die E gebnisse zum d i en un e such en Feld– dem
A bei s eld P lege– da ges ell . Wie auch bei den o gehend un e such en
B anchen we den die E kenn nisse en lang eines d eiglied igen Vo gehens
o ges ell : Im e s en Sch i inde eine Annähe ung aus s uk u elle Pe s-
pek i e s a , indem die b anchenspezi ischen Rahmenda en zum A bei s eld
P lege o ges ell we den. Dies dien dazu, ein e s es Ve s ändnis om Feld
zu en wickeln (Kapi el6.1).
In einem zwei en Sch i wi d die Pe spek i e on Schlüsselpe sonen au
das A bei s eld P lege besch ieben. Hie we den basie end au den du chge-
üh en In e iews mi den Schlüsselpe sonen die E gebnisse de o ange-
s ell en B anchenanalyse du ch die mig an ische Pe spek i e e wei e (Kapi-
el6.2). Im d i en Sch i bilde die mig an isch-subjek i e Pe spek i e de
be ag en Beschä ig en bzw. die Da s ellung de Deu ungen de be ag en
Mi g an :in nen in Bezug au P legea bei en lang de iden i izie en b an-
chenspezi ischen sozialen Rep äsen a ionen das E kenn nisin e esse (Kapi-
el6.3).
6.1 B anchenspezi ische Rahmenda en: A bei s eld P lege im
G und iss
Im Ve gleich zu den A bei s elde n Reinigung und Gas onomie is das A -
bei s eld P lege on eine besonde en Dynamik gep äg (siehe un e ande em
Fenchel 2012). Dabei s eh die He aus o de ung im Zen um, auch in nahen-
de Zukun die p lege ische Ve so gung de Be ölke ung siche zus ellen.
Das o liegende Kapi el dien de O ien ie ung im Feld und un e s ü z die
sch i weise Annähe ung an Besonde hei en und gegenwä ige En wicklun-
gen im A bei s eld de P lege.9 Gesonde hema isie we den gegenwä ige
s uk u elle En wicklungen (Kapi el6.1.1), Beschä igung im A bei s eld all-
gemein (Kapi el6.1.2), das Themen eld Quali izie ung (Kapi el6.1.3) und
die Beschä igung mig ie e be u lich P legende im Feld (Kapi el6.1.4).
9 Teile dieses Kapi els wu den be ei s im Rahmen de Disse a ion de Au o in D . Na alie Huben hal
e ö en lich (Huben hal 2021), sodass en sp echende inhal liche und sp achliche Übe schneidungen be-
s ehen.
131
6 A bei s eld P lege
6.1.1 S uk u elle Rahmen des A bei s elds P lege
Vo allem die Umwandlung de Al e spy amide zu einem Al e spilz e bild-
lich , dass das P legewesen in Deu schland on eine besonde en Dynamik be-
o en is und die demog a ische En wicklung de Gesellscha nich nu
du ch Übe al e ung, sonde n auch du ch „Un e jüngung“ (Leh 2013, S. 1)
gekennzeichne is (Giese 2011). Fü die P lege ha diese Dynamik eine be-
sonde e B isanz:
Eine e länge e Lebense wa ung, die Zunahme on Hochal igkei so-
wie on ch onischen und mul imo biden K ankhei szus änden in de Be öl-
ke ung und die dami e bundene s eigende Anzahl on Menschen mi dau-
e ha e Un e s ü zungs- bzw. P legebedü igkei bewi ken, dass P lege bzw.
de en Siche s ellung zu eine gesellscha lichen He aus o de ung e s en Ran-
ges gewo den is (siehe un e ande em Gö es/Seibe /S ie le 2016). Gleich-
zei ig so g de Rückgang amiliä e P lege ü einen Meh beda an p o essi-
onellen P legeleis ungen (un e ande em Habe mann/S agge 2015; Kuhlmey/
Win e 2000; S emlau/Ba els 2012).
Deu lich zeig sich de Fachk ä eengpass in den P legebe u en, wobei de
sei Langem p ognos izie e Fachk ä eno s and iele o s und in as allen
p lege ischen Be eichen be ei s einge e en is – und das, obwohl im Gesund-
hei swesen allgemein und in de P legeb anche im Speziellen gesam wi -
scha lich be ach e iel Pe sonal beschä ig is . En wicklungsp ognosen,
die den zukün igen Beda an P legepe sonal besch eiben, kommen übe ein-
s immend zu dem E gebnis, dass sich die Nach age nach Pe sonal in olge
de demog a ischen und gesellscha lichen Ve ände ungen noch be äch lich
e höhen wi d (Slo ala 2016; S emlau/Ba els 2012).
Die P ognosen des Fachk ä emangels in de einschlägigen Li e a u kom-
men gleichwohl zu un e schiedlichen Resul a en, was Schwe e und Auswi -
kungen be i , da „ e schiedene Ausschni e des P legea bei sma k es be ach-
e we den und un e schiedliche Da eng undlagen und P ognosemodelle (z. B.
zu Mo bidi ä sen wicklung) zum Einsa z kommen“ (Hämel/Schae e 2013,
S. 419). Den P ognosen des S a is ischen Bundesam s nach sollen bis 2025 be-
ei s und 152.000 Beschä ig e in de P lege ehlen (A en akis/Maie 2014). Zu-
sä zlich wi d bis 2050 mi einem Ans ieg an P legebedü igen on de zei 2,5
au 4,7 Millionen Menschen ge echne (Bonin/B aeseke/Ganse e 2015).
Gegenwä ige Pe sonalen wicklungen insbesonde e beding du ch die
Co ona-Pandemie sind in diesen Da en noch nich be ücksich ig . Hie
zeichne sich jedoch ein zusä zliches Ausscheiden on Pe sonal aus dem P le-
gewesen ab.
132
A bei s elde de Ankun
Genann e und e gleichba e S a is iken e deu lichen die D inglichkei ,
mi de in ak uellen Maßnahmen dem P lege achk ä emangel inzwischen
auch poli isch begegne wi d. P ominen es Beispiel ü ein solches P ojek is
die Konze ie e Ak ion P lege (KAP) (siehe Bundesminis e ium ü Gesund-
hei 2019), mi de en Hil e die Bundes egie ung un e ande em e such , die
Rahmen- und A bei sbedingungen in de P lege zu e besse n, um möglichs
iele Menschen ü eine Ausbildung in einem P legebe u zu gewinnen. Zu-
dem sollen P legende an ih e Tä igkei gebunden ode ü den Be u zu ück-
gewonnen we den (Bundesminis e ium ü Gesundhei 2019). Die KAP soll
wie auch ande e angelau ene Imagekampagnen da au abzielen, die A ak i-
i ä des Be u s elds zu s eige n.
Des Wei e en bes eh eine Kon o e se übe die Zugangs o ausse zun-
gen ü die P legeausbildung. Wäh end einige Vo s öße und P ojek e de Lo-
gik eine „Delega ion nach un en“ (Giese 2011, S. 131) olgen (Quali izie ung
Langzei a bei slose ode bislang nich Ausgebilde e ohne ode mi nied i-
gem Schulabschluss ü eine Beschä igung in de P lege), sehen ande e Vo -
s öße das An o de ungsp o il de P lege achpe sonen au dem akademischen
Bildungsni eau au gehoben (Giese 2011). In Kapi el6.1.3 wi d das Themen-
eld Quali izie ung wei e üh end be ach e . Vo ab jedoch lohn ein Blick
au die Beschä igungssi ua ion im A bei s eld (Kapi el6.1.2).
6.1.2 Beschä igung im A bei s eld P lege
Au g und de zu o besch iebenen En wicklungen lohn ein Blick au die
Diens leis enden und die Beschä ig en im A bei s eld P lege. Auch die A -
bei sbedingungen und die be iebliche In e essen e e ung inden nach ol-
gend E wähnung.
Diens leis ende des A bei s elds P lege
Das A bei s eld P lege is gekennzeichne du ch iele e schiedene Anbie ende,
die be u liche P lege leis en. Den Da en de P leges a is ik nach exis ie en
14.688 ambulan e P legediens e und 15.380 s a ionä e P legeein ich ungen,
die o allem de Langzei p lege zuzuo dnen sind (Bundesminis e ium ü
Gesundhei 2021b).
Wäh end de Ve so gungssek o de Langzei p lege und de ambulan en
Diens e zu den besonde s s a k wachsenden Diens leis ungsb anchen in
Deu schland gehö , is die Anzahl de K ankenhäuse (ö en liche, eige-
meinnü zige und p i a e K ankenhäuse ) endenziell ückläu ig. 2018 s an-
133
6 A bei s eld P lege
den in Deu schland 1.925 K ankenhäuse ü die Ve so gung on Pa ien :in-
nen zu Ve ügung (S a is isches Bundesam 2022c).
Beschä ig e und Beschä igungs e häl nisse im A bei s eld P lege
Auch s ell sich die F age nach de Anzahl de in den zu o e wähn en Ein-
ich ungen beschä ig en P legenden. Da ü lohn sich ein Blick in das Moni o-
ing de Bundessagen u ü A bei (2022b), das In o ma ionen zu A bei s-
ma k si ua ion de P lege zusammen äg und auswe e .
In den ambulan en Diens en und s a ionä en Ein ich ungen de Lang-
zei e so gung a bei en demnach und 780.000 Beschä ig e. Wei es gehend
übe nehmen diese Menschen Tä igkei en im Feld de Al enp lege. Dabei gib
es einen übe du chschni lich hohen An eil an Teilzei beschä ig en, de
2019 mi 71P ozen deu lich höhe lag als de Teilzei an eil de Gesam wi -
scha mi 29P ozen (S a is isches Bundesam 2020a).
Wei e üh end zeichne sich de T end ab, dass sich zunehmend Männe
ü eine P legeausbildung en scheiden. Zwa wi d de P legebe u nach wie
o übe wiegend on F auen ausgeüb – 75P ozen de An änge :innen in
de P legeausbildung wa en zule z weiblich– doch de Männe an eil e höh-
e sich in den le z en Jah en: Wäh end e 2009 noch bei 19P ozen lag, wa-
en es 2019 be ei s 25P ozen (S a is isches Bundesam 2020b).
A bei sbedingungen und En lohnung im A bei s eld P lege
Die A bei sbedingungen ü die Beschä ig en im A bei s eld P lege sind in de Li-
e a u um assend besch ieben. Un e ande em be assen sich Ro hgang, Mül-
le und P euß (2020) im Rahmen des jäh lich e scheinenden P lege epo s
mi den Belas ungen ü P legende und schluss olge n, dass P legende im
Ve gleich zu ande en Wi scha ssek o en eine e höh e Belas ung e leben. Die-
se en s ehe sowohl du ch die eilweise seh schwe e kö pe liche A bei als
auch du ch eno me psychische Belas ungen.
Diese Belas ungen üh en lau den Au o en soga dazu, dass be u lich
P legende, o allem in de Al enp lege, im Ve gleich zu Gesam gesellscha
insgesam einen schlech e en Gesundhei szus and au weisen:
„Sowohl Be agungse gebnisse als auch die Analysen de ambulan en Diagno-
sen, de AU-Zei en, de A zneimi el e o dnungen und de K ankenhausau -
en hal e zeigen eine höhe e Mo bidi ä de Al enp lege achk ä e bei musku-
loskele alen E k ankungen sowie bei psychischen S ö ungen und Ve hal ens-
s ö ungen“ (Ro hgang/Mülle /P euß 2020, S. 214).
Auch die NEXT-S udie(siehe Simon e al. 2005)– NEXT ü Nu ses Ea ly
Exi – besch eib die Be u ssi ua ion be u lich P legende . Die Au o :innen
134
A bei s elde de Ankun
a bei en he aus, dass P legende besonde en Belas ungen ausgese z sind. Vo
allem spiel hie Zei als Fak o eine g oße Rolle, da die an allenden Au ga-
ben– ge ade in Bezug au den Umgang mi Tod, Leid und K ankhei – dazu
üh en, dass mangelnde zei liche Ressou cen ü die P legebedü igen zu Ve -
ügung s ehen, was zu Übe las ung üh .
Zusä zlich we den mangelnde Ein luss bei de Aus üh ung de Tä igkei-
en und ehlende Möglichkei en zu pe sönlichen En wicklung besch ieben.
Auch b ingen kö pe liche Belas ungen du ch die A bei mi P legebedü i-
gen ( o allem im Al enp legebe eich) ode du ch lau e A bei splä ze sowie
e höh e In ek ionsge ah ( o allem in de In ensi e so gung) zusä zliche
S esso en mi sich (Simon e al. 2005).
Des Wei e en so gen die unüblichen A bei szei en, on denen die P legebe-
u e be o en sind, ü besonde e A bei sbedingungen, denn P legende sind
Tag und Nach im Einsa z, sowohl we k ags als auch am Wochenende und
an Feie agen (S a is isches Bundesam 2020b). Diese A bei szei en e en
au die e schiedenen P legese ings zu: Die s a ionä e Langzei - und Ku z-
zei e so gung, ambulan e Diens e und 24-S unden-A angemen s sind be-
o en.
Auch das Thema Lohn is p äsen , wenn die A bei sbedingungen de P le-
ge angesp ochen we den. Lau S a is ischem Bundesam (2020b) e dien en
im Jah 2019 P legende, die eine Ausbildung in de Gesundhei s- und K an-
kenp lege e olg eich abgeschlossen ha en und anschließend wei e im Be u
a bei e en, du chschni lich 3.502Eu o bei eine Vollzei beschä igung. Bei
ausgebilde en Al enp lege :innen lag de B u omona s e diens bei du ch-
schni lich 3.116 Eu o und dami un e dem Du chschni s e diens on
Fachk ä en in de Gesam wi scha on 3.327Eu o.
In e essen e e ung im A bei s eld P lege
Einen wei e en Aspek , den es bei Be ach ung on Beschä igung im A bei s-
eld P lege zu be ücksich igen gil , is die In e essen e e ung. Die en sp e-
chende G emienlandscha ges al e sich komplex; im G unde exis ie ü
die P lege jedoch ein D eiklang aus Ve bänden, Gewe kscha en und Kam-
me n. Jene Be eiche bes ehen nebeneinande und bedienen e schiedene
Au gaben bzw. besi zen e schiedene Ve e ungsmanda e.
Zusammen assend läss sich es hal en, dass Be u s e bände als eiwillige
Zusammenschlüsse ü die In e essen de Be u sangehö igen bezogen au
Fachlichkei , Rahmenbedingungen und die wei e e P o essionalisie ung ein-
e en. Als bekann es e Be u s e band Deu schlands is au Bundesebene de
Deu sche P lege a (DPR) zu nennen. Auch we den T äge e bände im ö -
135
6 A bei s eld P lege
en lichen Disku s häu ig als P lege e bände bezeichne (Deu sche Be u s-
e band ü P legebe u e 2022). An diese S elle sei jedoch da au e wiesen,
dass es sich bei T äge e bänden um A bei gebenden e bände handel , die
sich o de g ündig ü die In e essen de Be iebe und de en Inhabe :innen
einse zen, sodass sie im o liegenden Un e suchungskon ex nich ad essie
we den.
In Gewe kscha en sind ausschließlich A bei nehmende o ganisie . Die
A bei sschwe punk e liegen bei angemessenen A bei sbedingungen, A bei s-
ech , Rech sschu z und A bei ssiche hei und Ta i e ägen. Ande s als Ve -
bänden ode Kamme n oblieg Gewe kscha en das S eik ech , was ihnen
au poli ische Ebene ein s a kes Ins umen de Mi bes immung e scha
(Deu sche Be u s e band ü P legebe u e 2022). Die P lege wi d in Deu sch-
land o angig du ch die Gewe kscha e .di e e en ( e .di 2022).
Neben diesen Ins i u ionen exis ie en au Bundeslandebene einige soge-
nann e P legebe u ekamme n, die ü die Quali ä de p lege ischen Ve so -
gung des jeweiligen Bundeslands ein e en. Lau Deu schem Be u s e band
ü P legebe u e (2022) gehö zu den Au gaben eine P legekamme o al-
lem die Siche s ellung eine sachge ech en, p o essionellen P lege. Dahe ob-
liegen ih un e ande em die Be u sau sich (Übe wachung on S anda ds,
Wei e bildungen usw.), die Fö de ung des Be u ss ands du ch Be u sausbil-
dung und Fo bildung und die Übe wachung de Zulassung zum Be u . Da-
neben übe nimm sie die Regis ie ung alle Be u sangehö igen bzw. die
Füh ung eines Be u s egis e s. In diesem Zusammenhang wi d on „Selbs -
e wal ung“ (un e ande em Mau i z e al. 2015, S. 131) de P lege gesp o-
chen.
6.1.3 Quali izie ung im A bei s eld P lege
Die Quali izie ungslandscha im A bei s eld P lege in Deu schland wu de in
jüngs e Ve gangenhei du ch das neue P legebe u egese z (siehe Bundesmi-
nis e ium de Jus iz 2017), das zum 1. Janua 2020 in K a a , ein wei e es
Mal in Bewegung gese z . Die du ch das Gese z anges oßenen Re o men sol-
len eine zukun s ähige und hochwe ige P legeausbildung siche s ellen
(Bundesminis e ium ü Gesundhei 2021a).
Von den Neue ungen be o en sind alle d ei Quali izie ungsp ade –
nämlich die d eijäh ige Ausbildung, die mindes ens einjäh ige Assis enz-
ode Hel e :innenausbildung und das P leges udium–, die zu Ausübung be-
u liche P lege be ähigen.
136
A bei s elde de Ankun
D eijäh ige P legeausbildung
Bezogen au die d eijäh ige Be u sausbildung wu de du ch das P legebe u ege-
se z un e ande em de G unds ein ü die Zusammen üh ung de bis da o
ge enn en Ausbildungen de Gesundhei s- und K ankenp lege, de Gesund-
hei s- und Kinde k ankenp lege und de Al enp lege in Rich ung gene alis i-
sche Ausbildung geleg . Konk e bedeu e dies, dass die d ei dami e bun-
denen, bishe igen Be u sbilde zu einem neuen, uni e sellen Be u sbild
zusammenge ass we den und kün ig achliche Schwe punk e aus den bishe-
igen Be eichen zusammen un e ich e we den (Bundesagen u ü A bei
2022b).
Zusä zlich bes eh ü Auszubildende die Möglichkei – alls im Ausbil-
dungs e ag en sp echend e einba – ü das le z e D i el ih e Ausbil-
dung einen Ve ie ungseinsa z zu wählen. Sie können en scheiden, ob sie die
begonnene Ausbildung als P lege achpe son abschließen wollen ode – s a
die gene alis ische Ausbildung o zuse zen– einen gesonde en Abschluss in
de Al enp lege ode de Gesundhei s- und Kinde k ankenp lege e we ben
möch en (Bundesminis e ium ü Gesundhei 2021a).
Den Abschluss de d eijäh igen Ausbildung ma kie eine s aa liche P ü-
ung. Nach Du chlau en de Ausbildung und Bes ehen de P ü ung wi d den
An ags ellenden die E laubnis zu Füh ung de Be u sbezeichnung e eil
(Kälble/Pund 2016). Dies is bundeswei einhei lich ge egel . Die ko ek e
Be u sbezeichnung dieses Abschlusses lau e sei dem P lege ach au bzw.
P lege achmann (un e ande em Bundesagen u ü A bei 2022b).
Angesiedel bleib die d eijäh ige P legeausbildung wei e hin an Be u s-
achschulen ü P lege und an K ankenhäuse n und P legeein ich ungen,
wenngleich sie nich die einzigen Le no e ü die Auszubildenden s ellen.
Die Ausbildung e olg im Wechsel zwischen Un e ich und P axiseinsa z
(Bundesins i u ü Be u sbildung 2020) ode in wei e en koope ie enden
Ein ich ungen, um das p ak ische Einsa zgebie zu e g öße n (Bundesagen-
u ü A bei 2022b).
Bezüglich des e o de lichen Schulabschlusses ü den Zugang in die
P legeausbildung eich in de Regel de e olg eiche Abschluss eine zehn-
jäh igen allgemeinen Schulbildung (Realschulabschluss ode z. B. auch ein
e wei e e Haup schulabschluss) ode als gleichwe ig ane kann e Abschlüs-
se. Absol en :innen eines egulä en Haup schulabschlusses nach neun Jah-
en Schule haben die Möglichkei , eine mindes ens einjäh ige Hel e :innen-
ode Assis enzausbildung in de P lege e olg eich abzuschließen und mi
diese Quali ika ion als zusä zliche Vo ausse zung die d eijäh ige Ausbildung
zu beginnen (Bundesins i u ü Be u sbildung 2020).
143
6 A bei s eld P lege
ßend in Deu schland eine au zwei Jah e e kü z e Al enp legeausbildung
absol ie en (Pe e s/B aeseke 2016).
Des Wei e en bes ehen zwischens aa liche Ve einba ungen ü eine o e-
ne Ve mi lungsabsp ache de GIZ mi Se bien, Bosnien und He zegowina
und den Philippinen. Diese Absp achen un e de Übe sch i T iple Win P le-
gek ä e haben zum Ziel, dass En sendelände , Emp änge lände und die zu-
gezogenen P legenden on de Mig a ion nach Deu schland p o i ie en.
Ähnliche Ve einba ungen wu den du ch das Bundesminis e ium ü Ge-
sundhei mi de Republik Koso o ge o en (Bonin/B aeske/Gansene 2015;
Deu sche Gesellscha ü In e na ionale Zusammena bei 2021).
Auch bie e das Fö de p og amm In eg a ion du ch Quali izie ung ü un-
e ande em P legepe sonen aus D i s aa en Quali izie ungsmaßnahmen
und Sp achun e ich an, um wesen liche Un e schiede zu deu schen Aus-
bildung auszugleichen, alls diese du ch eine Gleichwe igkei sp ü ung be-
scheinig we den. In diese Reihe s aa lich o ganisie e ode ge ö de e Maß-
nahmen eihen sich zusä zlich Ini ia i en einzelne T äge ein. Zu nennen is
hie ü beispielsweise die Ca e-T ans-Fai , eine Koope a ion deu sche Al en-
hil e äge mi einigen Regionen in Spanien (Klie 2017).
S a is iken zu Anzahl mig an ische P legende im A bei s eld
P lege
Bislang unbean wo e blieb die F age nach p ozen ualen Beschä igungsan-
eilen on Zugezogenen im A bei s eld P lege. Basie end au den S uk u da-
en des S a is ischen Bundesam s zeigen A en akis und Maie (2014) au , dass
in Deu schland 15P ozen de in den P legebe u en Beschä ig en eine eige-
ne Mig a ionse ah ung haben. De Ve gleich zwischen den Be u s elde n
Al enp lege und Gesundhei s- und K ankenp lege e deu lich einen ma -
kan höhe en An eil an Beschä ig en mi eigene Mig a ionse ah ung in de
Al enp lege (20P ozen ) als in de Gesundhei s- und K ankenp lege (13P o-
zen bei den Fachk ä en, 16P ozen bei den Hil sk ä en) (A en akis/Maie
2014; Bonin/B aeske/Gansene 2015).
Bei ausschließliche Be ücksich igung de G uppe de quali izie en Zu-
gewande en und de in de P lege sozial e siche ungsp lich ig beschä ig en
A bei smi g an :in nen ände sich das Bild deu lich. Wiede um gib es auch
hie inne halb de P legebe u e deu liche Un e schiede: Wäh end in de Al-
enp lege und Gesundhei s- und K ankenp legehil e jede el e S elle mi eine
übe eine im Ausland e wo bene Be u squali ika ion e ügenden P legepe -
son bese z is , wi d in de Gesundhei s- und K ankenp lege nu jede 16. S el-
le on A bei smig ie en ausge üll (A en akis/Maie 2014). Dahe läss sich
144
A bei s elde de Ankun
zusammen assen, dass die P legebe u e in Deu schland im Ve gleich zu
Gesam wi scha „nich in besonde em Maße on Zuwande ung p o i ie
haben“ (A en akis/Maie 2014, S. 175).
Fes zuhal en is jedoch auch, dass die Anzahl de aus dem Ausland s am-
menden P legenden sei Beginn de s a is ischen E assung in olge de e -
leich e en Zuwande ung in den deu schen A bei sma k s eig (Bonin/B a-
eske/Gansene 2015; Bundesins i u ü Be u sbildung/Bundesminis e ium
ü Bildung und Fo schung 2017; B aeseke/Bonin 2016; Slo ala 2016). Bis-
lang exis ie en hie zu kaum e lässliche Da en, die einen p äzisen Übe blick
übe die Anzahl de Mi a bei enden mi in e na ionalem Be u sabschluss ge-
ben. Da au weisen auch S agge (2016) und Habe mann und C ame (2012)
hin: Ohne eine einhei liche Regis ie ung alle in de P lege Beschä ig en
lasse sich keine belas ba e Angabe machen, we und mi welchem Ausbil-
dungsni eau in de P lege in Deu schland a bei e.
Einzig die am liche S a is ik zum Ane kennungsgese z des Bundes üh
alle Meldungen de zus ändigen S ellen de S a is ischen Landesäm e zu-
sammen und häl die sei 2012 au eine Be u sane kennung in den P lege-
be u en bezogene kon inuie liche Nach ages eige ung es (Bundesins i u
ü Be u sbildung/ Bundesminis e ium ü Bildung und Fo schung 2017;
Slo ala 2016). Fü das Be ich sjah 2016 wu de e ö en lich , dass die P lege
e s mals de eglemen ie e Be u mi den meis en Neuan ägen (7.080 An-
äge) wa (Bundesins i u ü Be u sbildung/ Bundesminis e ium ü Bil-
dung und Fo schung 2017). Im Jah 2012 wa en es zum Ve gleich noch 1.482
An äge au Ane kennung (Slo ala 2016).
Mi dem Abbau de Zuwande ungshemmnisse ü in e na ionale Fachk ä -
e (Bundesminis e ium ü Jus iz und Ve b auche schu z 2011) e ände en
sich auch die He kun slände de zugewande en P legenden: 2013 s amm e
ein G oß eil de Zugezogenen noch aus Lände n des Eu opäischen Wi scha s-
aums, inzwischen dominie en die D i s aa en un e den He kun slände n.
Ein G oß eil de An äge– und 60P ozen – wi d on Menschen ges ell , die
aus Bosnien und He zegowina, Se bien, Philippinen, Albanien und Rumänien
s ammen (Bundesminis e ium ü Bildung und Fo schung 2021).
6.2 Einblicke in das A bei s eld P lege aus Sich de
Schlüsselpe sonen
Die o anges ell en Rahmenda en bie en zwa einen e s en Einblick in das
A bei s eld P lege; du ch die In e iews mi den ü die S udie be ag en
145
6 A bei s eld P lege
Schlüsselpe sonen we den jene jedoch du ch eine mig an isch gep äg e Pe s-
pek i e e wei e . Zusammen mi den o anges ell en Rahmenda en e oll-
s ändigen die Pe spek i en de Schlüsselpe sonen dahe das Bild des A bei s-
elds und se zen einen hema ischen Schwe punk au das Themen eld
Mig a ion. Die d ei ü das A bei s eld P lege be ag en Schlüsselpe sonen
sind im Ausland gebo en, leben alle sei übe 25Jah en in Deu schland und
anden au un e schiedlichen Wegen in die P lege.
Au gebau is das o liegende Kapi el wie olg : Nacheinande we den
die Themen elde Beschä igung (Kapi el6.2.1), Rek u ie ung, Eins ellungs-
k i e ien und In e essen e e ung (Kapi el6.2.2), Hie a chie und Au s ieg
(Kapi el6.2.3) und Rele anz on Quali izie ung (Kapi el6.2.4) aus Pe spek i-
e de Schlüsselpe sonen aus dem A bei s eld P lege in den Mi elpunk ge-
s ell .
6.2.1 Beschä igung im A bei s eld P lege
Die d ei be ag en Schlüsselpe sonen Neil (Wohnbe eichslei e , Nige ia),
Hawi (Wohnbe eichslei e , E i ea) und Mioa a (P legepädagogin, Südos -
eu opa) haben du ch ih e eils seh e schiedenen Ka ie en im A bei s eld
P lege besonde e E ah ungen im Kon ex A bei gesammel (siehe auch An-
hang 1). Diese p ägen ih Bild on E we bsa bei in de P lege und den
anges ell en Beschä ig en im Feld.
P lege als mig an isches A bei s eld
Die P lege wi d on den be ag en Schlüsselpe sonen als ein a ak i es A -
bei s eld ü Mi g an :in nen besch ieben. Ge ade ü den Eins ieg in den A -
bei sma k in Deu schland bie e das Feld iele Möglichkei en. Auch ü Pe -
sonen ohne en sp echende (ane kann e) Quali ika ion sei es möglich, eine
Beschä igung zu inden. Den Schlüsselpe sonen nach bie e die P lege au -
g und des Pe sonalmangels allen Menschen, die „A me und Beine haben“
(Hawi, Wohnbe eichslei e ) die Möglichkei , A bei zu inden. Hil e we de
d ingend benö ig .
Diese Ums and sei un e Mi g an :in nen bekann , sodass be ei s Ne z-
we ke on Mig ie en bes ehen, die A bei in de P lege suchen ode be ei s
ge unden haben und beim Ein i in das Feld un e s ü zen (Kapi el6.2.2).
Zusä zlich wi d on den Schlüsselpe sonen die Rele anz e deu lich , allen
Hinzukommenden eine Chance zu geben und ihnen Zei einzu äumen, um
sich im A bei s eld P lege zu ech zu inden und sich zu en wickeln.
146
A bei s elde de Ankun
„F eue mich au diese, wenn jemand Neuan ang is , jede is un e schiedlich
und so ich e wa e nich , dass jemand komm , 100P ozen eingeh . Ich woll-
e ein ach, dass man e s mal, wenn man neu is in einem Pla z, […] e s mal
Leu e so kennenle nen, e such auch einzukommen. […] Man komm […]
ein und man e such so wei wie möglich, ja“ (Neil, Wohnbe eichslei e ,
Pos.102).
T o z o anges ell e Aus üh ung– die e s einmal zeig , dass die P lege aus
Sich de Schlüsselpe sonen be ei s als mig an isch e ablie es A bei s eld e -
schein und Hinzukommende zumindes eilweise bei ih em Eins ieg be-
glei e we den– scheinen mul ikul u elle Teams dennoch noch nich übe all
gegenwä ig zu sein, sodass Mi g an :in nen auch im A bei s eld P lege Rassis-
muse ah ungen machen. Mi g an :in nen wü de beispielsweise g undsä zlich
schlech e e A bei un e s ell und sie s änden un e g öße em D uck, sich zu
beweisen:
„So ja, wenn ich je z nich so lange je z in Deu schland ode auch, ja, ich bin
je z schon lange, […] ich habe mein PDL schon lange und alles und manch-
mal age ich mich […], wenn übe all gib es imme Scheiß ode bin ich be ei
je z , mich 100 und 70 Mal zu bes ä igen was ich kann, weil ich Auslände bin
[…]. Ich bin lange je z bei Deu schland“ (Neil, Wohnbe eichslei e , Pos.110).
Auch bes änden du ch ehlendes Ve auen in die Fähigkei en onsei en de
Füh ungsk ä e schlech e e Au s iegsmöglichkei en ü Mi g an :in nen. Zu-
sä zlich seien Rassismuse ah ungen– so be ich en die Schlüsselpe sonen–
im Kon ak mi zu P legenden möglich. Beispielsweise e wähn Neil (Wohn-
be eichslei e ) eine Si ua ion, in de eine Bewohne in wegen seine Hau a be
nich on ihm e so g we den woll e.
Folglich kann an diese S elle zusammenge ass we den, dass die be ag-
en Schlüsselpe sonen die P lege in Deu schland zwa als ein mig an isch e a-
blie es A bei s eld besch eiben, das sie au g und des niede schwellig gedeu-
e en Zugangs in die B anche und somi in den A bei sma k in Deu schland
als a ak i ü Mi g an :in nen deu en. Dennoch nimm das Thema Rassis-
mus in ih en Besch eibungen einen nich zu e nachlässigenden Raum ein.
Besonde e Zusch eibungen mig an ische Beschä ig e
Du ch die Be iebe bzw. de en Ve an wo liche we den en sp echende Hand-
lungse wa ungen an die Beschä ig en und somi auch an die mig ie en
P legenden ge ich e . In de Aus üh ung diese E wa ungen in Fo m on P le-
ge ä igkei en kann beispielsweise Hawi (Wohnbe eichslei e ) deu liche Un e -
schiede bezüglich de A bei sweisen de „Deu schen“ und de „Mig ie en“
ausmachen: Wäh end es ü die deu schen P legenden bedeu end sei, „alle Re-
147
6 A bei s eld P lege
geln“ einzuhal en, spiele dies bei den Mi g an :in nen wenige eine Rolle. Sie
wü den da ü abe im Ve gleich zu den Deu schen schnelle a bei en.
De Be ag e sp ich im In e iew zwa on „Regeln“, gemein sind in die-
sem Zusammenhang alle dings a bei s ech liche G undlagen bzw. das Bes e-
hen au diese und en sp echende Rück e siche ungen du ch ihn in seine
Funk ion als Wohnbe eichslei ung. Mi den Zusch eibungen de on ihm un-
e eil en Pe soneng uppen möch e de Be ag e jedoch keine We ung o -
nehmen, sonde n be onen, dass ü ihn ein bun es Team mi deu schen und
mig ie en P legepe sonen „am bes en“ sei (Hawi, Wohnbe eichslei e ).
Des Wei e en sch eiben die be ag en Schlüsselpe sonen Mi g an :in nen
Eigenscha en wie e s ä k e Empa hie, Flexibili ä , Gelassenhei und O enhei
zu. Die höhe e Empa hie wi d un e ande em da au zu ückge üh , dass die
Mi g an :in nen in den He kun slände n häu ig Leid e leben muss en, was sie
sensible ü das Leiden ande e mache:
„Ja, ich sage mal, Empa hie is , ich glaube, […] es gib keine Auslände hie , is
he gekommen ein ach […] on i gendwo, zu schön is . Jede ha i gendwas
agisch e leb ode ha auch ande e, in Nige ia is nich so alles, is nich so
s uk u ie wie hie in Deu schland“ (Neil, Wohnbe eichslei e , Pos.48).
Die Eigenscha Flexibili ä („Die sind meh mi lexibel“; Neil, Wohnbe-
eichslei e , Pos.42) wi d on den be ag en Schlüsselpe sonen o allem an
de Be ei scha zum Aushel en es gemach : Beschä ig e Mi g an :in nen wü -
den ehe einsp ingen, abe auch meh mi Kolleg:innen Diens e auschen.
Diese den Mi g an :in nen zugesch iebenen Ressou cen nu zen haup säch-
lich den eins ellenden Be ieben: En sp echend machen die be ag en Schlüs-
selpe sonen deu lich, dass eine Beschä igung on Mi g an :in nen Vo eile ü
die au nehmenden Ein ich ungen mi b inge. Als Vo eil wi d beispielsweise
genann , dass Mi g an :in nen s e s den „D ang“ hä en, alles ich ig zu ma-
chen, um sich zu „behaup en“ (Mioa a, P legepädagogin, Pos.70) und we -
geschä z zu we den. Dies sei bei ihnen au g und des Wunschs so ausgep äg ,
im Ankun sland an de A bei und im Team anzukommen: „Also ankom-
men in einem Team, ankommen in […] seine Tä igkei und de möch e die-
se We schä zung auch […] on allen ande en“ (Mioa a, P legepädagogin,
Pos.70).
Des Wei e en bes ehe ü Be iebe bezüglich de Eins ellung on Mi-
g an :in nen de Vo eil, dass iele Zugezogene Schwie igkei en dami hä en,
ih e Ve äge ich ig zu lesen und zu e s ehen. Zusä zlich seien Mi g an :in-
nen zu ückhal end, wenn es da um gehe, ü sich selbs einzus ehen. Dies sei
häu ig au sp achliche Schwie igkei en zu ückzu üh en. Diese „Zu ückhal-
148
A bei s elde de Ankun
ung“ (Mioa a, P legepädagogin, Pos.70) und die He aus o de ungen beim
Ve s ändnis de Ve äge deu en die Schlüsselpe sonen en sp echend als Vo -
eil ü die A bei gebe :innen, auch wenn aus diese P ak ik Nach eile ü die
beschä ig en Mi g an :in nen en s ehen:
„Viele kennen zum Beispiel A bei s e äge nich , also können A bei s e ä-
ge nich ich ig lesen, im Sinne on zu en schlüsseln, was do s eh . Und ie-
le A bei s e äge sind nich , also, ja, also können in age ges ell we den, sage
ich mal so. […] Und iele auen die sich nich , was zu sagen, wenn es um Be-
zahlung geh ode wenn Inakzep anz, weil sp achliche Schwie igkei en, weil
die zum Beispiel nich so gu eingea bei e wo den sind ode weil du ch die
Anpassungsquali izie ung, also das, was wi machen, nich genügend be eu
wo den sind ode , ne, es gib es un e schiedliche G ünde, wa um (un .) zu
Schwie igkei en kommen kann. Die auen sie sich nich , was zu sagen, weil
da auch, die b auchen eine Bezahlung. Meis ens is das Finanzielle im Fokus
und da on häng ielleich , ja, die ganze Exis enz. […] Abe die auen sie sich
nich zu sagen, das is zu wenig ode da ühle ich mich nich wohl. […] Und
das is ja abe heu e noch zu beobach en […]. Viele S a ionen me ken das und
kommen en gegen, abe ü iele A bei gebe , das is doch ein ideale A bei -
nehme , eine , de alles mach und nich und nich s sag “ (Mioa a, P legepäd-
agogin, Pos.70).
Zusä zlich besch eiben manche Schlüsselpe sonen mig ie e Beschä ig e als
gelassene und uhige im Ve gleich zu deu schen Beschä ig en und deu en
dies als Ressou ce on Mi g an :in nen im A bei s eld P lege.
He aus agende Einsa z mig an ische Beschä ig e
Ein „bun es Team“ (Hawi, Wohnbe eichslei e ) mi mig ie en und deu -
schen Mi a bei enden wi d on den be ag en Schlüsselpe sonen als ideale
Teamzusammense zung besch ieben, wenngleich sich Mig ie e lau den
Schlüsselpe sonen du ch ih en he aus agenden Einsa z auszeichnen. So we -
den die Mi g an :in nen als deu lich belas ba e als deu sche A bei nehmende
besch ieben. Dies gehe mi Ve lässlichkei und Loyali ä einhe : Beispielsweise
we de sich wenige da übe beschwe , wenn iel A bei an alle, und auch
seien sel ene die eigenen Rech e in Bezug au A bei (beispielsweise Min-
des bese zung eine Schich , Ruhezei en e c.) ein Thema. Auch dies b inge
aus Sich de Schlüsselpe sonen ü die Be iebe Vo eile mi sich.
In diesem Zusammenhang benenn Hawi (Wohnbe eichslei e ), dass un-
e den Zugezogenen beispielsweise wenige au Pe sonalschlüssel geach e
we de: E habe schon e leb , dass deu sche Beschä ig e K ankmeldungen
nu zen wü den, um ih e Unzu iedenhei gegenübe A bei sbedingungen
insbesonde e in Bezug au zu iel Ve an wo ung ü zu iele zu P legende
149
6 A bei s eld P lege
auszud ücken. Zugezogene hingegen ä en dies nich . Gene ell seien sie iel
sel ene k ankgemelde . Zudem wechsel en Mi g an :in nen sel ene den A -
bei spla z ode den Be u un e de Vo ausse zung, dass sie gu eingea bei e
und in die A bei sg uppe in eg ie we den.
6.2.2 Rek u ie ung, Eins ellungsk i e ien und In e essen e e-
ung im A bei s eld P lege
Es wu de be ei s deu lich, dass die be ag en Schlüsselpe sonen– auch ge-
p äg du ch ih e eigenen Biog a ien– Mi g an :in nen im A bei s eld P lege
besonde e Bedingungen in Bezug au E we bsa bei zusch eiben. Diese Be-
sonde hei en wi ken sich auch au die Rek u ie ungs- und Eins ellungsp ozesse
on Zugezogenen und das Thema de In e essen e e ung aus.
Rek u ie ung und Eins ellungsk i e ien im A bei s eld P lege
Die Schlüsselpe sonen besch eiben eine hohe Nach age bezüglich des Eins iegs
in das A bei s eld P lege eine sei s on Mi g an :in nen, die A bei in Deu sch-
land suchen, und ande e sei s on Be ieben, die Pe sonal an agen und ein-
s ellen möch en. Beispielsweise bes ehe eine hohe Nach age nach Anpas-
sungsquali izie ung sei ens de au nehmenden Be iebe: „[…] am liebs en
wollen die P legek ä e, also Kolleg:innen aus dem Ausland so o haben“
(Mioa a, P legepädagogin, Pos.62).
Hawi (Wohnbe eichslei e ) hingegen sei im Lau e de Zei eine Ansp ech-
pe son eine A Ne zwe k ü Mi g an :in nen gewo den, die zum G oß eil
ohne einschlägige Ausbildung Zugang zum A bei s eld P lege suchen. E be-
ich e on An u en ihm pe sönlich unbekann e Mi g an :in nen, die ihn
nach A bei bei seinem A bei gebe agen. In diesem Ne zwe k we de seine
Tele onnumme un e Mig ie en wei e gegeben, sodass de Be ag e An a-
gen diese A als zunehmend besch eib . E lach au die F age, wie ein sol-
ches Ne zwe k o zus ellen sei und an wo e , dass e dies selbs nich so ge-
nau wisse und es auch ge ne wissen wü de.
An änglich sei e jedoch nu on Menschen mi gleiche He kun wie e
selbs angesp ochen wo den, sei den e meh en Mig a ionsbewegungen
aus ande en Regionen ( o allem Sy ien und A ghanis an) habe sich dies e -
ände und e bekomme auch An agen on Menschen ande e He kun . E
e klä , dass eben bekann sei, dass e e suche, Mig ie e in die P legea bei
zu in eg ie en und dass du ch In o mie en au ihn ges oßen we de. So sei es
beispielsweise auch bezüglich des Fo schungsp ojek s geschehen.
150
A bei s elde de Ankun
Da sich diese Weg de Pe sonalgewinnung inzwischen ü das Un e neh-
men de Schlüsselpe son e ablie habe und on Un e nehmenssei e ge n ge-
sehen und un e s ü z we de, sei dem Be ag en soga die E a bei ung eines
Eina bei ungskonzep s ü Menschen aus dem Ausland au ge agen wu den.
Die F age, wa um de Be ag e sich so engagie e, Zugezogene ü sein Un e -
nehmen zu gewinnen und ihnen eine be u liche Pe spek i e zu e ö nen, be-
g ünde e mi seinem Glauben– e sei ka holisch-o hodox– und besch eib
in diesem Zusammenhang die Rele anz on „Nächs enliebe“ (Hawi, Wohn-
be eichslei e ).
Auch eine ande e Schlüsselpe son besch eib Pe sonalsuche und Rek u ie-
ung übe p i a e Kon ak e neben de Ausbildung im eigenen Be ieb als den
gewinnb ingends en Weg, um neue Mi a bei ende zu inden: „Und mi die-
sem Kon ak bin ich imme meh Leu e gekommen […]. Und auch wenn je-
mand kenn jemand auch und sagen ihm, […] wi suchen Mi a bei e . Also
ja, eine kenn die ande e […]. Dann hol man die Leu e“ (Neil, Wohnbe-
eichslei e , Pos.96).
Anzeigen in de Zei ung hingegen hal en die Schlüsselpe sonen nich ü
den ich igen Weg, um be u lich P legende ü die Ein ich ungen zu gewin-
nen: „In de Zei ung bekomm man gu keine gu e Fachk a “ (Neil, Wohn-
be eichslei e , Pos.98).
Wie bei Hawi (Wohnbe eichslei e ) zähl die Eina bei ung on neuen
Kolleg:innen auch zu Neils (Wohnbe eichslei e ) Au gabenbe eich. Dem Be-
ag en sei es wich ig, allen Hinzukommenden unabhängig ih e He kun
eine Chance zu geben und e gib an, ihnen e s einmal Zei einzu äumen,
um sich zu ech zu inden und zu en wickeln.
Dennoch me ken die Schlüsselpe sonen in den In e iews auch k i isch
an, dass die besch iebene O enhei gegenübe neuen Mi a bei enden aus
dem Ausland unabhängig ih e eils o handenen und eils nich o hande-
nen Quali ika ionen auch im Zusammenhang mi dem P legek ä emangel
be ach e we den muss und es in Bezug au Pe sonalsuche und gewinnung
eigen lich keine Auswahl zwischen e schiedenen Bewe bungen gebe (Hawi,
Wohnbe eichslei e ).
Neil (Wohnbe eichslei e ) hingegen be on , dass in seine a bei geben-
den Ein ich ung Que eins ieg ode Laienp lege nich möglich sei, sodass nu
Bewe bungen mi en sp echende Quali ika ion angenommen we den kön-
nen. Als Eins ellungsk i e ium sei dahe zwingend ein Ze i ika nö ig, ohne
das niemand in de P lege a bei en dü e: „[…] ohne das geh es dann auch
nich . Ohne das kann man nich “ (Neil, Wohnbe eichslei e , Pos.118). Dies
sei be ei s bei seine A bei ssuche so gewesen und gel e auch heu e noch ü
151
6 A bei s eld P lege
hinzukommende Mi a bei ende. En sp echend kann angenommen we den,
dass in un e schiedlichen Be ieben e schiedene Eins ellungsp ak iken
du chge üh und un e schiedliche K i e ien an die po enziell Eins eigenden
angeleg we den.
Diese Aus üh ungen sind in Bezug au das Themen eld Rek u ie ung
und Eins ellungsk i e ien deshalb au schluss eich, da sie zeigen, dass ganz
e schiedene Menschen mi un e schiedlichen Zugangs o ausse zungen in
das A bei s eld de P lege ein e en. Wäh end Mioa a (P legepädagogin) P le-
gende mi im Ausland e wo bene Be u squali ika ion beglei e , i o al-
lem Hawi (Wohnbe eichslei e ) o anging au Mi g an :in nen, die bislang
keine E ah ungen in de be u lichen P lege gesammel haben und dennoch
Zugang zum Feld suchen. Neil (Wohnbe eichslei e ) wiede um schein o -
angig au Mi g an :in nen zu e en, die be ei s e s e einschlägige Quali ika i-
onen e we ben konn en.
In e essen e e ung de Beschä ig en im A bei s eld P lege
Zwa sind G emien de be ieblichen Mi bes immung und In e essen e e-
ung wie beispielsweise Be iebs ä e und Gewe kscha en in de P lege nich
pe se abwesend. Dies bedeu e jedoch nich , dass sie in den Vo s ellungen
de Mi g an :in nen exis ie en. Die be ag en Schlüsselpe sonen besch eiben
zwa eine objek i e Anwesenhei on In e essen e e ung im Feld, diese hänge
jedoch s a k on den a bei gebenden Ein ich ungen ab. Beispielsweise seien
Be iebs ä e un e schiedlich ein luss eich und längs nich in allen O ganisa-
ionen e ügba .
Hawi (Wohnbe eichslei e ) z. B. besch eib den Be iebs a in seine Ein-
ich ung bzw. die Vo si zende als „Glücks all“ ge ade ü Anges ell e, die aus
dem Ausland s ammen, da es auch in ih e Familie Menschen mi Mig a i-
onsgeschich e gebe, sodass sie die In e essen on Beschä ig en sowohl aus
Deu schland als auch aus dem Ausland kenne, d. h. besonde e kul u elle
Kompe enzen mi b inge, die de Be ag e als seh wich ig ü die Posi ion e -
ach e . Gene ell heben die be ag en Schlüsselpe sonen die Rele anz on In-
e essen e e ung im Feld he o ; angeme k wi d jedoch auch, dass eine ei-
gene Gewe kscha zu In e essen e e ung ü das A bei s eld P lege
wünschenswe sei.
Des Wei e en kann aus Pe spek i e de be ag en Schlüsselpe sonen au -
g und on In o ma ionsde izi en on subjek i e Abwesenhei on In e essen e -
e ung in den Vo s ellungen de Mi g an :in nen in de P lege ausgegangen
we den. Die be ag en Schlüsselpe sonen un e s eichen, dass en sp echende
Ins i u ionen in den He kun slände n de in e na ionalen Teammi gliede
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A bei s elde de Ankun
in den sel ens en Fällen o handen und somi de en Funk ion und Nu zen
nu schwe lich e mi elba seien.
Mioa a (P legepädagogin) beispielsweise sieh sich in de Ve an wo ung,
das Thema Mi bes immung in ih en Un e ich zu in eg ie en, dami die
Mi g an :in nen o Ein i in die Be iebe zumindes schon da on gehö
haben, dass es Ansp echpe sonen ü be iebsbezogene F ages ellungen und
P obleme gib : „Wenn ich denen nich beib inge, nich sage, wohe sollen
die das wissen?“ (Mioa a, P legepädagogin, Pos.104).
Ohne Behandlung des Themas wisse die Meh hei de Zugezogenen
nich , dass A bei gebe :innen nich die einzigen Ansp echpe sonen sind,
wenn z. B. Ve äge nich e s anden we den. Nu du ch Au klä ung e ah-
en die Mi g an :in nen, dass es in Deu schland Handlungsal e na i en gib ,
alls sie sich nich ü sich selbs einse zen können. Dennoch wi d auch ein-
ge äum , dass iele Zugezogene wäh end des Ane kennungsleh gangs ande-
e P io i ä en se zen: „[…]die in e essie en sich nich in dem Momen , abe
es is gu zu wissen, dass so was gib es“ (Mioa a, P legepädagogin, Pos.104).
Falls es o z de Bemühungen Einzelne nich geling , die Funk ionen on
Mi bes immungsg emien zu e mi eln, dann schein sich die un e e Manage-
men ebene in de Ve an wo ung zu sehen, eine Ve mi lungs olle in Kon-
lik si ua ionen einzunehmen. Neil (Wohnbe eichslei ung, Pos.24) beispiels-
weise bezeichne sich selbs als „B ücke“ zwischen Mi a bei e :innen und
Füh ungsebene, „weil man is zwischen Lei ung oben und die Mi a bei e “.
Dennoch ehle in den P legebe ieben meh hei lich das Ve s ändnis ü
die Rele anz on In e essen e e ung ge ade bei Mig ie en. Dahe kann
gleichzei ig auch on objek i e Abwesenhei im Feld ü Zugezogene gesp o-
chen we den. Die Schlüsselpe sonen k i isie en in diesem Zusammenhang,
dass Mi g an :in nen in de Regel nich als gleichges ell e Kolleg:innen angese-
hen we den und die Möglichkei e hal en, das Be u s eld mi zuges al en:
„Ich glaube, […] es is noch nich angekommen bei iele Be iebe, die P lege,
Kollegen aus dem Ausland suchen wollen, dass die, dass diese Be u auch
mi ges al en können, dü en, müssen“ (Mioa a, Südos eu opa, Pos.66).
6.2.3 Hie a chie und Au s ieg im A bei s eld P lege
Eine wei e e on den be ag en Schlüsselpe sonen benann e Besonde hei ü
Zugezogene bei de E we bsa bei im A bei s eld P lege s ell das Themen-
eld Hie a chie und Au s ieg da . Die olgenden Aus üh ungen gewäh en
hie au einen Einblick.