China - ein schwieriger Partner für die deutsche Wirtschaft: Chancen und Herausforderungen der Restrukturierung globaler Wertschöpfungsketten
Abstract
EconStor is a publication server for scholarly economic literature, provided as a non-commercial public service by the ZBW.
Full text
Musitz, Lia Working Paper China - ein schwieriger Partner für die deutsche Wirtschaft: Chancen und Herausforderungen der Restrukturierung globaler Wertschöpfungsketten Working Paper Forschungsförderung, No. 357 Provided in Cooperation with: The Hans Böckler Foundation Suggested Citation: Musitz, Lia (2024) : China - ein schwieriger Partner für die deutsche Wirtschaft: Chancen und Herausforderungen der Restrukturierung globaler Wertschöpfungsketten, Working Paper Forschungsförderung, No. 357, Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/307599 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
Auf einen Blick De-Risking oder Decoupling? Oder weder noch? Der Umgang mit der Abhängigkeit der deutschen Industrie von China ist Gegenstand vieler Debatten und Strategiepapiere. Die Literaturstudie trägt zentrale Erkenntnisse über den Aufstieg des Landes zur geopolitischen Wirtschaftsmacht, seine Industrieund Wirtschaftsstrategie und über die wechselseitigen Abhängigkeiten und Verflechtungen der deutschen und der chinesischen Volkswirtschaft zusammen. Eine überraschende Erkenntnis: In zentralen Bereichen ist China abhängiger von Deutschland als umgekehrt. Gleichzeitig stellt das Spannungsfeld zwischen einem autoritären, undemokratischen politischen System und sozio-ökonomischen Zielen, die denen im Westen vergleichbar sind, die internationale Gewerkschaftsbewegung im Umgang mit China vor eine Herausforderung.
Lia Musitz ist Doktorandin im Fachbereich Wirtschaftssoziologie an der GoetheUniversität Frankfurt und Alumna der Hans-Böckler-Stiftung. Sie forschte und lehrte am In-East der Universität Duisburg-Essen und studierte Sinologie und Theater-, Filmund Medienwissenschaft in Wien und Wuhan. © 2024 by Hans-Böckler-Stiftung Georg-Glock-Straße 18, 40474 Düsseldorf www.boeckler.de „China – ein schwieriger Partner für die deutsche Wirtschaft“ von Lia Musitz ist lizenziert unter Creative Commons Attribution 4.0 (BY). Diese Lizenz erlaubt unter Voraussetzung der Namensnennung des Urhebers die Bearbeitung, Vervielfältigung und Verbreitung des Materials in jedem Format oder Medium für beliebige Zwecke, auch kommerziell. (Lizenztext: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/de/legalcode) Die Bedingungen der Creative-Commons-Lizenz gelten nur für Originalmaterial. Die Wiederverwendung von Material aus anderen Quellen (gekennzeichnet mit Quellenangabe) wie z. B. von Schaubildern, Abbildungen, Fotos und Textauszügen erfordert ggf. weitere Nutzungsgenehmigungen durch den jeweiligen Rechteinhaber. ISSN 2509-2359
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 3 Inhalt Zusammenfassung ................................................................................. 7 1. Einleitung ......................................................................................... 12 1.1 Chinas Aufstieg zur geopolitischen Wirtschaftsmacht ................ 13 1.2 Wirtschaftliche Abhängigkeiten von China werden als gesamtgesellschaftliches Risiko erfahren ........................................ 17 1.3 Spannungsfeld ........................................................................... 18 1.4 Fragestellung und Ziele dieser Studie ........................................ 18 2. Chinas dominante Rolle in globalen Wertschöpfungsketten ............. 20 2.1 Innenpolitischer und außenpolitischer Wandel ........................... 20 2.2 Die EU und Deutschland reagieren mit einer neuen China-Strategie ................................................................................ 23 2.3 Chancen und Herausforderungen für die Gewerkschaftsbewegung ................................................................. 29 3. Entwicklung der chinesischen Wirtschaft im Spiegel der Liberalisierung des Welthandels ...................................................... 32 3.1 Chinas komparativer Kostenvorteil ............................................. 32 3.2 Die Kehrseite der Produktionsverlagerung nach China .............. 33 3.3 Die sozialistische Marktwirtschaft ............................................... 35 3.4 Die Rolle des Gesamtchinesischen Gewerkschaftsbunds .......... 39 3.5 Chinas Industrieund Wirtschaftspolitik: In Richtung autonomer Technologiespitze ....................................... 43 4. Wirtschaftsbeziehungen in Zahlen: Wie groß sind die Abhängigkeiten der EU, Deutschlands und Chinas? ........................ 47 4.1 Exportabhängigkeit von Chinas Wirtschaft sinkt, aber sein stabiles Wachstum erfordert weiterhin Außenhandel ........ 47 4.2 Wirtschaftliche Abhängigkeiten zwischen der EU, Deutschland und China.................................................................... 51 4.3 Eine Inputund Wertschöpfungsperspektive verrät mehr über Wirtschaftsbeziehungen in globalen Wertschöpfungsketten ............ 54 4.4 Chinas Bedeutung als Zulieferer von Vorleistungen und als Absatzmarkt für die EU und Deutschland ........................................ 57
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 4 4.5 Wie kritisch sind ADI nach und aus China für den Wirtschaftsraum Europa? ................................................................ 76 4.6 Entwicklung der ausländischen Direktinvestitionen in China ...... 79 4.7 Chinesische Direktinvestitionen in Deutschland und der EU ...... 96 5. Diskussion der Ergebnisse: Herausforderungen und Synergien für Gewerkschaften bei der Restrukturierung globaler Wertschöpfungsketten ...................................................... 109 Literatur .............................................................................................. 118 Anhang: ADI chinesischer Firmen in Deutschland (2007–2023) ......... 142
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 5 Abbildungen Abbildung 1: Güterhandel der Welt ....................................................... 12 Abbildung 2: Bruttoinlandsprodukt im Vergleich ................................... 14 Abbildung 3: Bruttoinlandsprodukt im Vergleich ................................... 14 Abbildung 4: Anteile Exporte der Welt .................................................. 15 Abbildung 5: Wichtigste EU-Handelspartner im Export und Import 2023 ................................................................... 16 Abbildung 6: Wichtigste Zulieferer kritischer Rohstoffe der EU ............. 25 Abbildung 7: Vergleich BIP pro Kopf 2022 ............................................ 48 Abbildung 8: Anteil Exporte am BIP ...................................................... 48 Abbildung 9: Wertschöpfungsanteil Manufaktur am BIP 2022 .............. 49 Abbildung 10: Anteil Konsumausgaben am BIP ................................... 50 Abbildung 11: Deutschlands wichtigste Außenhandelspartner 2022 ..... 52 Abbildung 12: Chinas wichtigste Außenhandelspartner 2022 ............... 54 Abbildung 13: Exporte und Importe von Gütern und Dienstleistungen 2021 ............................................ 55 Abbildung 14: Anteil Export am Welthandel .......................................... 56 Abbildung 15: Wichtigste deutsche Handelswaren im Export ............... 63 Abbildung 16: Die 15 abhängigsten Wirtschaftsbranchen von chinesischen Importen .............................................................. 65 Abbildung 17: Anteil direkter Vorleistungen von und für China der verarbeitenden deutschen Wirtschaftsbranchen am gesamten Ausland ........................................................................................... 66 Abbildung 18: Anteil Chinas an direkten Importen und Exporten von Vorleistungen der gesamten inländischen Wertschöpfung einzelner deutscher Sektoren .......................................................... 68 Abbildung 19: Entwicklung Nettozuflüsse von ADI in China .................. 81 Abbildung 20: Anteil weltweiter ADI-Zuflüsse ....................................... 82 Abbildung 21: Wichtigste ausländische Direktinvestoren Chinas 2021 .................................................................................... 84 Abbildung 22: Bedeutung deutscher ADI für China im europäischen Vergleich ............................................................... 85
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 6 Abbildung 23: Entwicklung deutscher ADI in China als Direktinvestitionsbestand und Transaktionswert .............................. 87 Abbildung 24: Top-Ten-Ziele deutscher Nettodirektinvestitionen .......... 88 Abbildung 25: Vergleich wichtigster Kenngrößen von deutschen Tochterunternehmen in China, den USA und der EU 2021 .............. 90 Abbildung 26: Stand deutscher Direktinvestitionen in China nach Wirtschaftssektoren 2021 ................................................................ 92 Abbildung 27: Stand deutscher Direktinvestitionen in China im verarbeitenden Gewerbe 2021 ......................................................... 92 Abbildung 28: Anteile Chinas Wirtschaftssektoren an den deutschen ADI und im Vergleich zu den USA und der EU 2021 ...... 93 Abbildung 29: Sektorale Entwicklung von ADI in China ........................ 95 Abbildung 30: Entwicklung chinesischer ADI ........................................ 98 Abbildung 31: Top-Ten-Zielländer Chinas nach Direktinvestitionsbestand im Ausland .................................... 103 Abbildung 32: Chinesische Direktinvestitionsbestände im Ausland nach Wirtschaftssektoren ............................................................... 106 Tabellen Tabelle 1: Kenngrößen deutscher Unternehmen in China .................... 90 Tabelle 2: Anteil Hochtechnologie an gesamten ADI ............................ 95 Tabelle 3: ADI chinesischer Firmen in Deutschland (2007–2023) ....... 142
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 7 Zusammenfassung Im vergangenen Jahrzehnt sind zwei gegenläufige Entwicklungen in der globalen Wirtschaft zu beobachten. Einerseits verzeichnete der globale Handel infolge von wirtschaftspolitischer Liberalisierung der Märkte weltweit einen enormen Anstieg. Andererseits nahmen protektionistische Maßnahmen gegen unfaire Marktpraktiken und wirtschaftliche Konkurrenz auch im globalen Norden zu. Zentraler Ausgangspunkt für diese gegenläufigen globalen Handelsstrategien ist die schrittweise Verlagerung von Wertschöpfungsketten zugunsten des autoritären Chinas. Sie führte zu einer konzentrierten Wirtschaftsverflechtung vieler Länder mit der Volksrepublik (VR) und stärkte Chinas wirtschaftlichen und geopolitischen Einfluss in der Welt. Nach den USA löste diese Entwicklung auch in der EU und in Deutschland politische Debatten über den Umgang mit der wachsenden ostasiatischen Wirtschaftsmacht im Hinblick auf zwei Schlüsselbereiche aus. Erstens Chinas besondere Staat-Markt-Beziehung, die durch eine starke Dominanz von Staatsunternehmen und staatliche Lenkung geprägt ist, stößt bei politischen Entscheidungsträgern in westlichen Gesellschaften auf Skepsis. Insbesondere die Möglichkeit Chinas, seine Rolle als wichtiger Lieferant von Vorleistungen und Endprodukten als politisches Druckmittel zu nutzen, verursacht Unbehagen. Zweitens verzeichnen Chinas wirtschaftsund industriepolitische Strategien, wie „Made in China 2025“, großen Erfolg. Insbesondere im Bereich zukunftsweisender grüner Technologien führten sie zu einer globalen Marktführerschaft. Dies setzt die Wettbewerbsfähigkeit der etablierten Technologieanführer in den USA und in Deutschland unter Druck. Die „Belt and Road“-Initiative hat China zum größten bilateralen Kreditgeber der Welt gemacht, vor allem für andere Entwicklungsländer. Infolgedessen hat der außenpolitische Einfluss der Volksrepublik global zugenommen und konkurriert mit den USA und der EU um den Zugang zu kritischen Rohstoffen, die für eine grüne Transformation in den drei größten Volkswirtschaften der Welt benötigt werden. Vor diesem Hintergrund haben in den letzten Jahren die EU und Deutschland gemeinsam mit den USA Schritte unternommen, um ihre wirtschaftlichen Abhängigkeiten von China zu verringern, indem sie Lieferanten diversifizieren und Industrien zurückverlagern. Für Gewerkschaften eröffnet die Re-Strukturierung der Wirtschaft Chancen, den politischen Fokus wieder stärker auf Arbeitnehmer:innen-Interessen zu richten. Gleichzeitig könnte sich eine Entflechtung von Chinas Wirtschaft negativ auf Arbeitsplätze in der EU und Deutschland auswirken.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 8 Dies wirft die Fragen auf, wie stark die EU und Deutschland tatsächlich von China abhängig sind und welche wirtschaftlichen Konsequenzen eine schrittweise Ablösung von China für ihre Volkswirtschaften hätte. Die vorliegende Untersuchung beleuchtet die volkswirtschaftlichen Abhängigkeiten, Chancen und Spannungsfelder im Kontext der politischen Neugestaltung globaler Wertschöpfungsketten zwischen der EU, Deutschland und China. In den letzten Jahren haben sich einige Studien diesem Thema gewidmet. Diese Literaturstudie gibt einen Überblick über die Ergebnisse, zieht Daten von internationalen Organisationen, der EU, Deutschland und China heran, um sie zu bewerten, und leistet eine bislang vernachlässigte Kontextualisierung der Debatten auch vor dem Hintergrund von Chinas sozio-ökonomischen Entwicklungszielen. Dazu führt sie die Leserin / den Leser in Chinas wirtschaftspolitisches System ein, behandelt seine viel diskutierten Subventionsmechanismen, beleuchtet die Rolle der chinesischen Gewerkschaft und diskutiert Herausforderungen und mögliche Synergien internationaler Gewerkschaften. Die Analyse zeigt, dass die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen diesen Akteuren komplex sind. Tatsächlich greifen Industrien und der Endhandel der EU und Deutschlands weiterhin stark auf chinesische Importe zurück, während China seinen heimischen Bedarf an Vorleistungen und Endprodukten zunehmend durch Inlandsleistungen deckt. Hier muss auch die Gründung deutscher Fertigungsstätten in China berücksichtigt werden, die für den lokalen und globalen Markt produzieren. Dies hat negative Auswirkungen auf das deutsche Produktionsund Exportvolumen nach China und in die Welt. Eine Inputund Wertschöpfungsperspektive, die direkte und indirekte Leistungen zur Herstellung und dem Vertrieb von Produkten und Dienstleistungen einbezieht, zeigt jedoch, dass die EU noch immer mehr vom Handel mit China profitiert als umgekehrt. Insbesondere bei importierten Vorleistungen für die Produktion ist China volkswirtschaftlich abhängiger von der EU als umgekehrt. Deutschlands gesamte Volkswirtschaft ist aus einer Inputund Wertschöpfungsperspektive betrachtet jedoch stärker auf China angewiesen als umgekehrt. Allerdings spielt China für den deutschen Konsum bei der Versorgung mit einfachen Konsumgütern eine weitaus wichtigere Rolle als bei Vorleistungen für die deutsche Industrie. In einigen deutschen Wirtschaftsbereichen hat China auch bei Vorprodukten eine wichtige Bedeutung, insbesondere in der Automobilindustrie und im Maschinenbau, die zu Deutschlands umsatzstärksten und größten Exportbranchen zählen. Wird die Wertschöpfung aus exportierten Vorleistungen dieser deutschen Branchen nach China mit den von ihnen aus der
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 15 20 Prozent ihrer Waren in die USA, gefolgt vom Vereinigten Königreich mit 13 Prozent. China liegt an dritter Stelle mit 9 Prozent der gesamten EU-Exporte. Die Volkswirtschaften der EU, der Vereinigten Staaten und Chinas sind in Bezug auf Angebot und Nachfrage eng miteinander verflochten. Abbildung 4: Anteile Exporte der Welt (in Prozent) Quelle: Eurostat 2023 (Datenstand von September 2023), eigene Darstellung Für große multinationale Unternehmen und Konsument:innen weltweit sind globale Produktionsnetzwerke von Vorteil, da sie von niedrigeren Produktionskosten und Produktpreisen profitieren. Allerdings hat die Verlagerung der Produktion in Regionen mit günstigen Arbeitskosten den Druck auf Lohnkosten weltweit erhöht und zu einer erheblichen Ungleichheit bei der ökonomischen Teilhabe geführt. Kleinerer Unternehmen ohne Möglichkeit kostengünstiger Produktionsauslagerung sind gegenüber multinationalen Konzernen kaum wettbewerbsfähig. Produzierende Subunternehmen im Auftrag von internationalen Lead Firms stehen miteinander unter starkem Wettbewerbsdruck den günstigsten Preis anbieten zu können. Dieser Druck auf Produktionskosten wird durch niedrigen Arbeitslohn wiederum an Arbeitnehmer:innen weitergegeben. Die Verhandlungsmacht konzentrierte sich dadurch zunehmend bei multinationalen Konzernen und führte zu einem immer geringeren Anteil von Arbeitnehmer:innen an ihrem Profit (Barrientos/Gereffi/Rossi 2011; Herr et al. 2020). 0 5 10 15 20 25 Extra-EU China (ohne Hong Kong) Vereinigte Staaten
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 16 Abbildung 5: Wichtigste EU-Handelspartner im Export und Import 2023 Quelle: Eurostat 2024, ext_st_eu27_2020sitc und Comext DS-018995, eigene Darstellung Trotz des mit sozialer Ungleichheit steigenden Konfliktpotentials zwischen unterschiedlichen Interessensgruppen innerhalb von und zwischen nationalen Gesellschaften, galt die gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeit Vereinigte Staaten 19,7 % Vereinigtes Königreich 13,1 % China 8,8 % Schweiz 7,4 % Türkei 4,4 % Andere 46,7 % Export China 20,8 % Vereinigte Staaten 11,9 % Vereinigtes Königreich 7,3 % Norwegen 5,4 % Andere 47,8 % Import
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 17 durch extensive Wirtschaftsverflechtung zwischen Ländern lange als Garant für friedliche Lösungen von internationalen Spannungen. Diese politische Haltung hat in den letzten Jahren eine grundlegende Veränderung erfahren. 1.2 Wirtschaftliche Abhängigkeiten von China werden als gesamtgesellschaftliches Risiko erfahren Während der Corona-Pandemie führten chinesische Lieferengpässe von Rohstoffen, Vorleistungen und Endprodukten global zu Produktionsausfällen und einem Mangel an teilweise kritischen Konsumgütern wie Schutzmasken und Medikamenten. Dies hatte auch Auswirkungen auf die deutsche Industrie (vgl. Maihold/Mühlhofer 2021). Zusätzlich setzte der EU der russische Angriffskrieg in der Ukraine zu. Der darauffolgende Rückgang russischer Gasund Öllieferungen in die EU drohte mit folgenreichen Energieverknappungen und führte zu erheblichen Preissteigerungen. Dies verdeutlichte ihre Verletzlichkeit durch einseitige materielle Abhängigkeit von Drittstaaten. China bezieht zum russischen Angriffskrieg international keine Stellung und steht im Verdacht, Russland gegen westliche Wirtschaftssanktionen Auswege zu bieten. Gleichzeitig setzt Chinas technologischer Fortschritt und globale Marktführerschaft bei Solarpaneelen und Elektromobilität (IEA 2022, Schade/Haug/Berthold 2022, S. 4) die Wettbewerbsfähigkeit der EU und der Vereinigten Staaten unter Druck. Die beiden etablierten Wirtschaftsgiganten sehen sich von Chinas staatlichem Einfluss auf globale Wertschöpfungsketten übervorteilt und ergreifen politische Schutzmaßnahmen. Extensive wirtschaftliche Verflechtungen mit China werden im globalen Norden gegenwärtig als unsichere wirtschaftspolitische Abhängigkeiten wahrgenommen. Vor diesem Hintergrund lässt sich im letzten Jahrzehnt weltweite eine Zunahme von Unilateralismus und wirtschaftlichem Protektionismus beobachten (Miroudot/Nordström 2020). Länder richten offen und verstärkt ihre wirtschaftspolitischen Entscheidungen an ihren nationalen Interessen aus und ergreifen Maßnahmen, um ihre inländischen Märkte und Industrien vor ausländischer Konkurrenz zu schützen.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 18 1.3 Spannungsfeld China ist ein autoritärer Staat, der bei Gefährdung seiner politischen Elite zu Repression greift. Gleichzeitig ging seine wirtschaftliche Entwicklung auf Kosten denkbar schlechter Arbeitsbedingungen und der Umwelt – für die Produktion westlicher Vorleistungen und Waren. Große Unternehmen und Konsument:innen des globalen Nordens profitierten davon. Gemessen an seiner Wirtschaftsleistung pro Kopf ist China weiterhin ein Entwicklungsland, das, historisch einzigartig, durch seine große Bevölkerung und als Fabrik der Welt wirtschaftsund geopolitische Macht erlangt hat. Es nutzt sie strategisch, um in die Reihen von entwickelten Ländern aufzusteigen. Die wirtschaftsund industriepolitischen Maßnahmen Chinas zielen, wie wir sehen werden, darauf ab, mit dem Aufsteigen in globalen Wertschöpfungsketten auch die sozio-ökonomische Situation der arbeitenden chinesischen Bevölkerung und die lokalen Umweltbedingungen zu verbessern. Damit sichert die politische Elite auch die Legitimität des politischen Systems ab. Strategische wirtschaftspolitische Schutzmaßnahmen der EU, Deutschlands und der Vereinigten Staaten, inklusive staatlicher Investitionen in die lokale Wirtschaft und Reshoring – der Rückverlagerung von Industrien –, können sich mit geeigneten Regularien positiv auf heimische Arbeitende und Klimabelastung und auf die Einhaltung von Menschenrechten im internationalen Handel des globalen Nordens mit dem globalen Süden auswirken. Tendenzen, Maßnahmen zur Durchsetzung nationaler polit-ökonomischer Interessen gegenüber China durch ethische Werte und sicherheitspolitische Erwägungen zu rechtfertigen, laufen jedoch Gefahr, diese international unglaubwürdig zu machen und globale Konflikte anzutreiben (vgl. Brophy 2021; Tooze 2023). 1.4 Fragestellung und Ziele dieser Studie Die zentrale Frage, die diese Literaturstudie beantwortet, betrifft die wirtschaftlichen Abhängigkeiten zwischen der EU, Deutschland und China. Besonderes Augenmerk liegt auf den gegenseitigen wirtschaftlichen Abhängigkeiten in Bezug auf Vorleistungen, Absatzmärkte und ausländische Direktinvestitionen. Der folgende Abschnitt identifiziert die Risiken und politischen Maßnahmen, mit denen die EU und Deutschland auf Chinas wachsenden wirt-
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 19 schaftspolitischen Einfluss und ihre Konkurrenz für die heimische Wirtschaft reagieren. Im zweiten Kapitel geht diese Studie der Frage nach, wie es zu diesen Interdependenzen gekommen ist, indem sie die globalen wirtschaftlichen Entwicklungen mit dem Aufstieg Chinas zusammenführen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Chinas wirtschaftspolitischem System, seinen industriepolitischen Maßnahmen und der Rolle der chinesischen Gewerkschaften. Dies ermöglicht, mögliche soziale und wirtschaftliche Entwicklungen in China und deren Auswirkungen auf die EU und Deutschland besser zu verstehen. Der dritte Teil der Studie vertieft die Analyse der gegenseitigen Abhängigkeiten zwischen China, der EU und Deutschland hinsichtlich Vorleistungen, Absatzmärkten und direkten Auslandsinvestitionen anhand konkreter Zahlen. Abschließend werden die Ergebnisse der Studie zusammengefasst und aus einer Gewerkschaftsperspektive diskutiert. Ziel ist es, einen umfassenden Überblick über die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen diesen Akteuren zu vermitteln und fundierte Informationen bereitzustellen, um strategische Maßnahmen zur Stärkung der Interessen der Arbeitnehmer:innen in sich wandelnden globalen Wertschöpfungsketten zu entwickeln.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 20 2. Chinas dominante Rolle in globalen Wertschöpfungsketten Die heimische Produktion und Endnachfrage vieler Länder inkludieren heute internationale Wertschöpfungsketten, die sie mit Rohstoffen, Vorprodukten, Zwischenleistungen und Endprodukten von verschiedenen Zulieferern aus aller Welt versorgen. China spielt dabei global eine zentrale Rolle. Das Kapital, das dadurch nach China fließt, und die Angewiesenheit anderer Staaten auf die chinesische Produktion verleihen dem autoritären Einparteienstaat wirtschaftspolitische Macht. Vor diesem Hintergrund stellen die EU und die Vereinigten Staaten ihre primäre Versorgung durch den Zulieferer China kritisch infrage (vgl. Kucik 2022; Maihold/Mühlhofer 2021). Im Folgenden werden die inneren und äußeren Veränderungen Chinas, die diese Diskussion und politische Gegenmaßnahmen antreiben, angerissen. Das Kapitel zu Chinas Wirtschaftsund Industriepolitik gibt einen vertieften Überblick über Chinas polit-ökonomische Strategien. 2.1 Innenpolitischer und außenpolitischer Wandel Innenpolitisch strebt China seit 2011 an, seine Wirtschaft unabhängiger von Exporten zu machen und sich stärker auf den nationalen Binnenmarkt zu konzentrieren, wie im zwölften Fünf-Jahres-Plan für nationale wirtschaftliche und soziale Entwicklung 1 (Fünf-Jahres-Plan 2011, Kapitel I und Kapitel XII) festgelegt. Ein Rückgang chinesischer Lieferungen könnte erhebliche Auswirkungen auf die Versorgung in der EU und den USA haben, insbesondere in Bereichen, in denen die heimischen Produktionskapazitäten begrenzt oder nicht mehr existent sind. Chinas industriepolitische Strategien der letzten Jahre zielen darauf ab, die Produktqualität zu steigern und Innovationen voranzutreiben, um in Zukunft eine führende Rolle in den globalen Wertschöpfungsketten einzunehmen. Besondere Aufmerksamkeit gilt hierbei grünen Technologien, die im Zentrum staatlicher Förderungen stehen (vgl. Stiftung Arbeit und Umwelt der IGBCE 2022, S. 4–6). Erste Erfolge zeigen sich bereits in Chinas glo1 Die im Chinesischen sogenannten „Fünf-Jahres-Pläne zur nationalen Wirtschaftsund Gesellschaftsentwicklung“ (国民经济和社会发展第十三个五年规划纲要) werden im Folgenden mit „Fünf-Jahres-Plan“ abgekürzt. Im Literaturverzeichnis sind sie unter dieser Abkürzung mit jeweils nachgestellter Nummerierung zu finden.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 21 baler Marktführerschaft im Bereich der Photovoltaik (vgl. Internationale Energie Agentur 2022) und in seinem Vorsprung bei der Batterieentwicklung (vgl. Schade/Haug/Berthold 2022, S. 41) und der Elektroauto-Produktion (vgl. Galgóczi 2019, S. 12). Auf der außenpolitischen Ebene beansprucht China mit seinem wirtschaftlichen Aufstieg eine stärkere Stimme in der internationalen Wirtschaftsordnung (vgl. Noesselt 2014). Der Einparteienstaat strebt an, die grundlegende internationale Welthandelsordnung beizubehalten, aber die dominante Rolle der USA als „Systemmacher“ zu verringern (vgl. Deng 2022, S. 66). In diesem Zusammenhang verfolgt China seit 2013 die außenwirtschaftspolitische Strategie der „Neuen Seidenstraße“ bzw. der „Belt-andRoad-Initiative“ (BRI) (一带一路). Wirtschaftsbeziehungen werden dabei durch den Ausbau von Handelsrouten und -infrastrukturen mit alten und neuen internationalen Partnern vertieft (vgl. Zentralregierung der VR China 2018). Im Rahmen dieser Initiative gewährt China Investitionen und Entwicklungshilfe für Bauprojekte durch bilaterale Kreditvergaben ohne politische Bedingungen wie Mindeststandards für rechtsstaatliche oder demokratische Regierungsformen. Hierbei sichert sich das Land Zugang zu wichtigen, knappen Rohstoffen, die auch für die grüne Transformation in der EU und den Vereinigten Staaten von zentraler Bedeutung sind (vgl. Carry/Godehardt/Müller 2023, S. 2; Raza/Grohs 2022; Tröster/Küblböck/ Grumiller 2017). 2.1.1 Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und China Chinas Wirtschaftsaufstieg wird in den Vereinigten Staaten seit einigen Jahren unter dem Szenario der „Thukydides-Falle“ diskutiert. Es geht davon aus, dass die Herausforderung einer etablierten durch eine aufstrebende Macht zu kriegerischen Auseinandersetzungen führt (Allison 2017). Vor diesem Hintergrund werden ungleiche Bedingungen der Handelsbeziehung mit China problematisiert. Davon zeugen insgesamt 49 Beschwerden, die wegen unfairer Marktzugangsbedingungen gegen China seit seinem Beitritt im Jahre 2001 bei der Welthandelsorganisation (WTO) eingingen. Mit großer Mehrzahl haben sie die Vereinigten Staaten eingebracht, in den letzten Jahren auch vermehrt die EU. Sie fordern die Aufhebung unfairer Importzölle, Exportbeschränkungen von Rohstoffen, Steuerbegünstigungen und finanzieller
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 22 Unterstützungen und Preisdumping zum Schutz Chinas heimischer, teils staatseigener Unternehmen (WTO o. J.). Die US-Regierung nahm unter der Präsidentschaft von Donald Trump die negative Handelsbilanz mit China zum Anlass, umfassende Beschränkungen für den Handel und Investitionen mit China einzuführen und finanzielle Sicherheitsgarantien zu reduzieren. Gegenmaßnahmen aus Peking führten zu einem „Handelskrieg“ zwischen den beiden Ländern. Aufgrund der Bedeutung der chinesischen Manufaktur und des Absatzmarktes für die Vereinigten Staaten würde ein schnelles „Decoupling“, also ein gesamtheitliches Loslösen von Chinas Wirtschaft, Amerikas Konsument:innen und Unternehmen selbst hart treffen. Unter Präsident Biden setzt die USA zwar die Reduzierung ihres Außenhandels mit China fort, begrenzt ihre wirtschaftliche Trennung aber offiziell auf Produkte, die ein nationales Sicherheitsrisiko darstellen (vgl. Kucik 2022; Sayers/Kanapathy 2022). Exporte von Technologien und Gütern nach China werden beschränkt, bei denen der amerikanische Staat einen zivilen und gleichzeitig militärischen, sogenannten „doppelten Verwendungszweck“ („dual use“) annimmt. Diese Maßnahmen zum Schutz der nationalen Sicherheitsinteressen Amerikas haben direkte Auswirkungen auf Chinas Wirtschaftspläne, technologisch mit Industriestaaten aufzuholen. Unter dem Label von „doppeltem Verwendungszweck“ rechtfertigt die amerikanische Regierung auch die strategischen Beschränkungen von Exporten und Importen von Leistungen, bei denen amerikanische und chinesische Industrien in globaler Konkurrenz miteinander stehen (vgl. Macias/Tausche 2021). Von diesen Schutzmaßnahmen insbesondere betroffen ist der chinesischen Technologieriese Huawei, der in der 5G-Technologie eine globale Führungsrolle spielt, und die gesamte Lieferkette für Mikrochips (vgl. Tooze 2023). Da 90 Prozent der fortschrittlichsten Mikrochips weltweit von der Firma TSMC in Taiwan hergestellt werden (siehe Economist 2023), verschärft ein Lieferstopp für China den bestehenden Konflikt zwischen den beiden Regionen. Um dem zu entgehen, eröffnete TSMC kürzlich eine Chip-Fabrik in Arizona. Betroffen von den Beschränkungen sind auch amerikanische Universitäten. Ihnen wurden Kooperationen mit führenden chinesischen Forschungsinstitutionen untersagt (vgl.Tooze 2023). Damit Amerika seine führende Wirtschaftsposition bewahrt, verabschiedete die US-Regierung 2022 zusätzlich ein „Inflationsbekämpfungsgesetz“, das Schutzmaßnahmen für die heimische Industrie vor internationaler Konkurrenz und massive Subventionen zu ihrer grünen Transformation vorsieht. Die Vereinigten Staaten verfolgen eine „Made in America“-Industriepolitik, die wirtschaftliche Lokalisierungsanreize setzt und entsprechende Anforderungen stellt. Das setzt nicht nur China unter
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 23 Druck, sondern insbesondere die EU, Fortschritte in der heimischen ökologischen Technologieentwicklung nicht an den Standort der USA zu verlieren (vgl. Scheinert 2023). 2.2 Die EU und Deutschland reagieren mit einer neuen China-Strategie Die EU sieht sich vor der Herausforderung, ihre Wettbewerbsfähigkeit und Sicherheit inmitten von geopolitischen Spannungen und wirtschaftspolitischen Protektionismus der beiden größten Volkswirtschaften zu wahren (siehe Maull/Stanzel/Thimm 2023). Zusätzlich führte Chinas neue gewonnene wirtschaftspolitische Macht in den letzten Jahren zu Interessenskonflikten mit der EU. Die neutrale Haltung der Volksrepublik gegenüber Russlands Angriffskrieg und die Fortsetzung der Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern schwächt die Wirksamkeit der Wirtschaftssanktionen der EU. Auf die Eröffnung einer Botschaft Taiwans in Litauen reagierte die chinesische Regierung vorübergehend mit einem inoffiziellen Importboykott von litauischen Gütern. Damit setzte China die autonome politische Handlungsfähigkeit eines EU-Mitgliedsstaats unter Druck. Berichte von Menschenrechtsverletzungen und Zwangsarbeit in Xinjiang warfen die Frage auf, ob Importe aus China mit sozialen Normen und Werten der EU vereinbar sind. Chinas Kontrolle über Rohstoffe, die für die EU bei ihrer grünen Transformation von entscheidender Bedeutung sind, setzten der wirtschaftlichen Autonomie der EU Grenzen. 2.2.1 Partner, Wettbewerber, systemischer Rivale Die EU reagiert in ihrer Mitteilung „EU-China – Strategische Perspektive“ von 2019 mit einer Neu-Ausrichtung ihrer Beziehungen zu China (vgl. Europäische Kommission 2019). Seither manövriert sie ihre Interaktionen mit dem Einparteienstaat entlang der Triade „Partner“, „Konkurrent“, „Systemrivale“ (Europäische Kommission 2019, insbesondere Einleitung). China ist insbesondere beim globalen Multilateralismus und im gemeinsamen Kampf gegen den Klimawandel internationaler Kooperationspartner. Es ist wichtiger Handelspartner mit zugleich ungleichen Marktbedingungen für die EU und wirtschaftlicher Konkurrent bei globaler Technologieführerschaft. Als Vertreter „alternativer Governancemodelle“, die
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 24 die etablierte Weltordnung verunsichern, ist es systempolitischer Rivale (vgl. ebd.). In kritischen Bereichen zielt die EU auf Reduzierung der wirtschaftlichen und politischen Verflechtungen, um ihre autonome Handlungsfähigkeit zu stärken. Sie will damit auch Chinas Einsatz seiner Wirtschaftsmacht als politisches Zwangsmittel zuvorkommen. Bisher erweisen sich jedoch chinesische Wirtschaftssanktionen überwiegend als leere Drohungen (Szczepański 2022; Adachi/Brown/Zenglein 2022). 2.2.2 De-Risking der chinesischen Außenhandelsbeziehungen Die EU erkennt ebenso wie die USA, dass ein schnelles „Decoupling“ von der chinesischen Wirtschaft europäische Unternehmen, Konsument:innen und Arbeitnehmer:innen in Exportbranchen hart treffen könnte. In vielen Bereichen, wie bei Medizinprodukten, erachtet die EU ein Reshoring als unökonomisch, da die Profite zu gering wären, um Unternehmen zur lokalen Produktion anzureizen (vgl. Bayerlein 2023). Daher setzt die EU auf „De-Risking“ (Europäischer Rat 2023). Das bedeutet, dass sie Maßnahmen ergreift, um kritische wirtschaftliche Abhängigkeiten und Verwundbarkeiten durch chinesische Lieferketten sukzessive zu minimieren, indem sie den Bezug wichtiger Produkte und Ressourcen durch mehrere Zuliefernde diversifiziert. Eine bedeutende Neuerung besteht darin, dass die EU politische Konvergenz zu einem zentralen Kriterium für das Vertrauen in Zuliefernde und die Versorgungssicherheit gemacht hat. In Anlehnung an die Vereinigten Staaten verfolgt die EU bei der Diversifizierung ihrer importierten Vorleistungen und Endprodukte eine Strategie, die als „Friendshoring“ bezeichnet wird. Dies bedeutet, dass globale Wertschöpfungsketten, die für den globalen Norden relevant sind, in Handelsblöcke mit gleichgesinnten Drittstaaten umstrukturiert werden sollen, die nach amerikanischem Verständnis offene Märkte haben und demokratische Werte teilen. Auf diese Weise erhalten globale Wertschöpfungsketten eine geopolitische Dimension, was wiederum die Aufspaltung in zwei Handelsblöcken zur Folge hätte (vgl. Maihold 2022, S. 2). Die Reduzierung wirtschaftlicher Abhängigkeiten von China betrifft insbesondere den Import von kritischen Rohstoffen, die am Anfang globaler Wertschöpfungsketten stehen. China ist Hauptlieferant vieler dieser Rohstoffe für die Welt, wie in Abbildung 6 dargestellt ist. Neben seinem Rohstoffreichtum machte der Aufbau weitreichender Industrieanlagen und
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 31 Durch die Unterstützung internationaler Ausbildungsprojekte und Begleitung chinesischer Investitionen in lokale Fertigungsstätten können sie den Transfer grüner Technologien fördern und gleichzeitig die Arbeitsbedingungen positiv beeinflussen. Dafür benötigen sie jedoch ausreichende Verhandlungsmacht: Internationale Kooperationen, auch bedingt mit China, könnten die gemeinsamen Interessen der Arbeitnehmer:innen weltweit stärken. Letztlich agieren Gewerkschaften als die weltweit größte demokratische Organisation und Friedensbewegung. Ihr internationales Engagement für einen sozial gerechteren Marktwettbewerb könnte dazu beitragen, aktuelle geopolitische Spannungen zu mildern.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 32 3. Entwicklung der chinesischen Wirtschaft im Spiegel der Liberalisierung des Welthandels Als China im Jahr 1978 seine Industrie im Zuge der Reform und Öffnungspolitik für den globalen Markt öffnete, führten externe wie systemimmanente Faktoren in den USA und Europa zur Stagnation ihrer Wirtschaft (vgl. Koch 2003, S 50 f.; Piore/Sabel 1989, S. 185). Die Ölpreise erhöhten, wie heute die Energiepreise, die Produktionskosten, die an die Endkund:innen weitergegeben wurden und zur Inflation führten. Gleichzeitig waren Massenabsatzmärkte für wirtschaftlich bedeutsame Großindustrien in der westlichen Welt gesättigt. Viele Verbraucher:innen der industrialisierten Gesellschaften besaßen bereits einen Fernseher, einen Kühlschrank oder ein Auto. Es kam zu Überproduktionen, die keine Nachfrage fand. Der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa war gemeistert. Staatliche Infrastrukturprojekte, die national zur Beschäftigung und Aufträge für Unternehmen beitrugen, kamen an ihr Ende. In der Folge sahen sich Konsument:innen mit Inflation und viele Arbeitnehmer:innen mit Jobverlusten konfrontiert. Weltweit setzten sich Gewerkschaften für Lohnerhöhungen ein, um der Inflation entgegenzuwirken, und forderten Arbeitsplatzgarantien. Sie konnten sich jedoch nicht gegen eine neue neoliberal ausgerichtete politische Agenda durchsetzen, die als „Reagonomics“ und „Thatcherismus“ in vielen Ländern Einzug fand. Die Gewerkschaften wurden insbesondere im Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten stark geschwächt und haben an internationalen Einfluss eingebüßt. Es folgte eine globale Liberalisierung des internationalen Handels und Kapitalverkehrs, die mit der Gründung der WTO im Jahre 1995 institutionell verstetigt wurden. Gleichzeitig kam es zu technologischen Innovationen in der Logistik (Container) und in der Kommunikation (Herr et al. 2020, S. 4; Klein/Pettis 2021, S. 23–27). 3.1 Chinas komparativer Kostenvorteil Diese Faktoren ermöglichten multinationalen Unternehmen, wie oben erwähnt, die Kosten für arbeitsintensive Produktion durch ihre Veroder Auslagerung in Niedriglohnländer zu senken und sich auf die Teile des Arbeitsprozesses zu spezialisieren, der die höchste Wertschöpfung generiert.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 33 China bot als eines der ärmsten und bevölkerungsreichsten Länder der Welt niedrige Lohnkosten, eine große Zahl an Arbeitskräften, geringe Arbeitsrechte und Umweltauflagen und einen verhältnismäßig hohen Industrialisierungsgrad. Dieser komparative Kostenvorteil zog zunächst arbeitsund lohnintensive Produktion von Vorleistungen und Konsumgüter nach China (vgl. Wemheuer 2019, S. 114 f.). Auch in der EU produzierte Zwischenprodukte werden bis heute zur finalen Montage nach China exportiert. Unternehmen in Kernindustrien auch in Deutschland verfolgten die Strategie, Teile ihrer Fertigung am unteren Ende der Wertschöpfungskette nach China auszulagern. Spezialisierte Arbeitsprozesse wie Forschung und Entwicklung (F&E), die zur Produktqualität und höheren Wertschöpfung beitragen, behielten sie im Inland (Fulda 2020, S. 1–3). Wie das Beispiel der deutschen Autoindustrie zeigt, konnte sich das Model heimischer Innovationsfähigkeit orientiert an Produktion für den Export lange global erfolgreich gegen Konkurrenz durchsetzen, stößt heute aber auf Grenzen. Die nach China verlagerten Arbeitsplätze trugen wesentlich dazu bei knapp 800 Millionen Chines:innen aus der absoluten Armut zu helfen. Damit gehen drei Viertel der weltweiten Armutsreduktion seit den 1980 auf China zurück (Weltbank / Zentrum für Entwicklungsforschung des Staatsrats der VR China 2022, S. ix). In Industrieländern profitieren führende multinationale Unternehmen von höheren Gewinnen, Konsument:innen von niedrigen Preisen und qualifizierte Arbeitnehmer:innen von Jobs mit höheren Löhnen und geringeren Unfallrisikos. 3.2 Die Kehrseite der Produktionsverlagerung nach China Die Abwanderung von weniger qualifizierten Arbeitsplätzen in der Industrie ins kostengünstigere Ausland senkte aber auch die Nachfrage in Deutschland nach weniger qualifizierten Arbeitskräften. Ohne wirtschaftspolitische Maßnahmen wie flächendeckende Tarifverträge, Stärkung der gewerkschaftlichen Organisation oder angemessene Mindestlöhne, stieg der Druck auf Löhne und ein Niedriglohnsektor bildete sich heraus (Herr et al. 2020, S. 20). 2020 ging der Anteil von Arbeitenden im Niedriglohnsektor auf 20 Prozent zurück. Das ist immer noch jede:r fünfte Arbeitnehmer:in und liegt fünf Prozent über dem EU-Durchschnitt (Kalina/Weinkopf 2023, S. 5). Auch in China waren die Kehrseite des komparativen Kostenvorteils denkbar schlechte Bedingungen für Arbeitende (Chan 2001) und ein ho-
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 34 her Preis für die Umwelt (Economy 2010), der sich nun durch den Klimawandel auch weltweit bemerkbar macht. Seit Mitte der 2000er Jahre kam es zu größeren und gewaltsamen Aufständen von chinesischen Arbeitnehmer:innen gegen mangelnde Arbeitssicherheit und Arbeitsrechte (vgl. Egger et al. 2013; Friedman 2014). Auch Bauern und Bäuerinnen organisierten sich und schreckten nicht vor Gewalt zurück, um die Verseuchung ihrer Nutzböden durch umliegende Industrien zu unterbinden. Sie bekamen Rückhalt von Chinas neuer Mittelschicht in den Städten, die regelmäßig gegen Luftverschmutzung durch Industrieemissionen auf die Straße gingen (vgl. Steinhardt/Wu 2016; Deng/Yang 2013; Lang/Xu 2013). Gleichzeitig wirkte sich die globale Finanzkrise in den Jahren 2007 bis 2009 negativ auf die Nachfrage nach chinesischen Exporten aus und stellte die langfristige Stabilität von Chinas exportgetriebenem Wirtschaftsmodell zusätzlich infrage. Dies führte dazu, dass Chinas politische Führung einige Jahre vor den USA und der EU wirtschaftliche und sozialpolitische Strategien entwickelte, um die Abhängigkeit des Landes von ausländischer Nachfrage und umweltbelastender Industrie zu verringern. Damit reagierte China auf sowohl externe als auch interne Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund entwickelten sich asymmetrische Handelsbilanzen zwischen China und westlichen Ländern. Zwischen 1995 und 2008 stiegen die chinesischen Importe aus den USA, Deutschland und vor allem der EU kontinuierlich an, brachen jedoch während der Finanzkrise dramatisch ein. Danach nahmen sie allmählich wieder zu, erreichten jedoch bis heute nicht das Niveau vor der Krise. Während China seinen Exportanteil für westliche Länder kaum steigerte, importierte es immer weniger von ihnen (Matthes 2022, S. 6). Die Volkswirtschaften der EU und Deutschlands scheinen zunehmend von chinesischen Vorprodukten und Endprodukten abhängiger zu sein als umgekehrt. Gleichzeitig führte die Produktionsauslagerung nach China unter industriepolitischer Förderung auch dazu, dass China über technologisches Industriewissen verfügt, das mittlerweile global konkurrenzfähig ist. Auch deutsche Unternehmen eröffnen heute Produktionsstandorte in China nicht mehr primär aufgrund der geringen Arbeitskosten. Die Anbindung an Spitzenforschung und Entwicklung (F&E) und das enorme Absatzpotenzial Chinas ziehen westliche Investitionen und Produktionsstätten an (vgl. Zenglein 2020, S. 9; Fulda 2020, S. 4). Daher nimmt China eine immer mächtigere Rolle in globalen Wertschöpfungsketten ein und droht die dominante Position der USA, der EU und Deutschlands an ihrem oberen Ende zu schwächen.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 35 Bevor diese Arbeit sich näher mit Chinas industriebezogenen Maßnahmen und seiner wirtschaftlichen Verflechtung mit der EU und Deutschland befassen wird, stellt sie das wirtschaftspolitische System Chinas vor. Chinas besondere institutionelle Struktur hat Einfluss darauf, wie China seine Außenhandelsund Binnenwirtschaft entwickelt. Dies ermöglicht es auch, abzuschätzen, in welchen Bereichen Kooperationen mit China den wirtschaftspolitischen Zielen und den moralischen und politischen Werten der EU und der Gewerkschaften entsprechen können, und wo Forderungen, die die Grundlagen des chinesischen Systems betreffen, unrealistisch sind. 3.3 Die sozialistische Marktwirtschaft Drei entscheidende Elemente charakterisieren das chinesische Wirtschaftssystem. Erstens ist die besondere Beziehung zwischen Staat und Markt in China zu beachten. Zweitens ist diese Beziehung traditionell die Quelle der „Performance-Legitimität“ in Chinas politischem System. Drittens resultiert daraus eine zentrale Rolle der Wirtschaftsplanung als staatliches Instrument zur Steuerung der sozio-ökonomischen Entwicklung in der chinesischen Gesellschaft. Zum Schluss betrachten wir die Rolle der Gewerkschaft in Chinas Staat-Marktbeziehung. 3.3.1 Chinas Staat-Markt-Beziehung Yongnian Zheng und Yanjie Huang (2018) bezeichnen Chinas partikuläre Staat-Markt-Beziehung als „Markt im Staat“. In Abgrenzung zu westlichen Marktwirtschaften, in denen der Staat dem Prinzip des Marktes folgt, gewährleistet der chinesische Staat institutionell, dass der Markt auf politische Prinzipien ausgerichtet ist. In diesem Sinne ist der Markt nicht als Antithese zum chinesischen Staat zu verstehen. Auch in China gewährleisten heute Privateigentum und private Unternehmen, dass Ressourcen durch Marktmechanismen verteilt werden. Während jedoch sozialpolitische Ziele wie etwa in Deutschland durch Exklusion etwa des Bildungsund Gesundheitssystems vom Markt staatlich organisiert werden, sind diese Bereiche seit Chinas Reform und Öffnung 1978 größtenteils privatisiert. Im Gegensatz dazu agiert der chinesische Staat als Marktakteur, um widersprüchliche soziale, politische und wirtschaftliche Interessen auszubalancieren. Mit staatseigenen Unternehmen in strategisch wichtigen Sektoren, wie der Schwerindustrie, der Energieversorgung, Infrastruktur, Telekommuni-
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 36 kation und dem Bankenwesen, nimmt der Staat als dominanter Marktakteur Einfluss auf Ressourcenverteilung und Preisentwicklung für Industrie und Haushalte. Private Unternehmen agieren auch in diesen Wirtschaftsbereichen. Die günstigen Angebote der Staatsunternehmen üben aber im Wettbewerb Druck aus, dass private Anbieter ihre Preise niedrig halten, um Konsument:innen zu finden. Zweitens sind Geldund Finanzmärkte in China streng reguliert und erlauben dem Staat Kontrolle über Kapitalflüsse. Drittens: Hat ein privates Unternehmen eine gewisse Marktmacht erlangt, setzt die Regierung strategisch das Instrument der Kooptation ein, indem sie das Unternehmensmanagement in die Partei oder die parteinahen Wirtschaftsinteressenverbände wie die All-China Industrieund Handelskammer integriert. Dies zielt nicht nur darauf ab, unternehmerische Entscheidungen an politischen Zielen zu orientieren, sondern ermöglicht es auch, dass Unternehmensinteressen politische Zielsetzungen beeinflussen können. Michel Aglietta und Guo Bai (2013) und Isabella Weber (2021) stellen heraus, dass diese Staat-Markt-Beziehung eine lange Tradition hat. Im imperialen wie modernen China wird der Markt als ein Werkzeug des Staates gesehen, um eine sozio-ökonomisch effiziente und gerechte Gesellschaftsordnung zu garantieren. Dieses Verständnis spiegelt sich auch im letzten, dem 14. Fünf-Jahres-Plan (2021, Kapitel 1 / Abschnitt 2 / Artikel 2) wider, in dem die wirtschaftliche „Entwicklung [als] die Grundlage und der Schlüssel zur Bewältigung aller Herausforderungen in unserem Land“, bezeichnet wird. 3.3.2 Staatliche Subventionsmechanismen Dieses institutionelle Gefüge der chinesischen Staat-Markt-Beziehung manifestiert sich auch in Chinas vielfach kritisierten Subventionsmechanismen. Die staatliche Dominanz im Bankenwesen erlaubt, strategisch wichtige Unternehmen durch vergünstigte Kredite zu fördern. Wie auch in Deutschland ist diese Form der Unternehmensförderung die meist verbreitetste in China. Eine Besonderheit ist allerdings, dass staatseigene im Unterschied zu privaten Unternehmen die Fristen für ihre Zahlungspflichten hinausschieben können und ihnen dadurch ein Wettbewerbsvorteil zukommt. Neben den weltweit verbreiteten Subventionsformen wie direkter finanzieller Unterstützung, staatlichen Investitionsfonds für strategische Wirtschaftssektoren, die in China in besonders hohem Umfang praktiziert wer-
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 37 den, und Steuererleichterungen kommt auch die unterwertige Landverpachtung als ein bedeutender Faktor ins Spiel. In China ist sämtliches Land im Besitz des Staates oder lokaler Behörden. Jedes Unternehmen muss daher von öffentlichen Stellen Nutzungsrechte für den Boden erwerben. Die in individuellen Verträgen festgelegten Preise eröffnen die Möglichkeit, durch gezielte unterbewertete Landverpachtung Unternehmen in strategischen Wirtschaftsbereichen oder einheimischen Unternehmen gegenüber ausländischen Konkurrenten einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen (vbw 2023, S. 2–4). 3.3.3 Die Performance-Legitimität des Einparteienstaats Die besondere chinesische Staats-Markt-Beziehung hängt eng mit der sogenannten „Performance-Legitimität“ des politischen Systems zusammen (vgl. Zhao 2009, S. 418). Dem Einparteienstaat gelang nach seinen Wirtschaftsreformen erfolgreich, nicht mehr an ideologischen oder wertebasierten Verpflichtungen, sondern an ihren tatsächlichen Leistungen bei der Erreichung von konkreten Zielen gemessen zu werden (vgl. ebd.; Zhu 2011, S. 124). Er griff dabei auf Traditionen aus Chinas Kaiserreichszeiten zurück, in dem die Fähigkeit, ökonomische und moralische Fortschritte voranzutreiben, die Autonomie des Staates gegenüber anderen Akteuren und Institutionen rechtfertigte (vgl. Yang/Zhao 2014, S. 65). Das autonome Handeln des Staates erlaubt ihm, Institutionen flexibel neu zu gestalten und neue Politiken festzulegen, um rasch wirtschaftlichen Problemen zu begegnen. Andererseits setzt Legitimität aufgrund von erfolgreichen Leistungen den Staat unter Druck, seine Macht bedacht einzusetzen, um wahrnehmbar wirtschaftliche und soziale Bedingungen zu verbessern (ebd.). Denn gelingt ihm das nicht, sind Bürger:innen traditionell durch das Mandat des Himmels (天命) berechtigt, zu rebellieren und die illegitimen Machthaber zu stürzen und selbst die politische Führung zu übernehmen. Daraus resultiert sowohl eine chinesische Kultur des oft auch gewaltsamen Aufstands von zivilen Gruppen als auch eine politische Elite, die gleichzeitig versucht Dissens mit Integration in politischen Zielen und Maßnahmen zu begegnen und mit Staatsgewalt zu unterdrücken. Auch Manfred Elfströms (2021) historische Analyse von Arbeiter:innenaufständen in China zeigt, dass ihre Forderungen in politische Maßnahmen übersetzt werden, während die Regierung sie gleichzeitig zu unterdrücken sucht.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 38 Im Mittelpunkt der Bewertung der Regierung durch ihre Bürger:innen steht auch heute die Verbesserung ihrer materiellen Lebensbedingungen. Wobei Steigerung des allgemeinen Wohlstands in China als Zeichen für moralisches Handeln der Regierenden gilt. Eine Umfrage unter chinesischen Bürger:innen von Chu Yun-han aus dem Jahr 2013 (S. 7 und 18) zeigt, dass Moral, die Wahrnehmung der politischen Elite Chinas als wohlwollend und verantwortungsbewusst gegenüber den Regierten, der entscheidende Faktor für diffuse Regimeunterstützung ist. Am zweitwichtigsten ist die politische Leistung bei der wirtschaftlichen Entwicklung. Je positiver die Befragten die nationale Wirtschaft bewerteten, desto eher schrieben sie der politischen Elite moralisches Handeln zu. Heute ist der Fünf-Jahres-Plan das zentrale politische Gestaltungsinstrument des chinesischen Einparteienstaats, um negative wirtschaftliche Auswirkungen früh zu erkennen, in sie einzugreifen und die Wirtschaft langfristig an sozialpolitischen Zielen zu orientieren. 3.3.4 Fünf-Jahres-Plan Der Fünf-Jahres-Plan für Chinas wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung ist in Verbindung mit staatseigenen Unternehmen ein zentrales Instrument innerhalb des Einparteienstaates. In den Anfängen der VR China ersetzte dieser Plan den Marktmechanismus durch vorgegebene Produktionsquoten und eine zentrale Materialzuteilung. Doch nach dem Jahr 1978 fand unter der neu gegründeten Nationalen Entwicklungsund Reformkommission ein bedeutender Wandel statt. Der Plan entwickelte sich von einem Werkzeug der Planwirtschaft zu einem maßgeblichen Gestaltungsinstrument für die Transformation hin zu einer marktorientierten Wirtschaftsstruktur. Diese Anpassung zielte darauf ab, dezentrale Marktmechanismen von Angebot und Nachfrage zu fördern, aber zugleich in Einklang mit übergeordneten sozio-ökonomischen Zielen zu bringen (Heilmann/Melton 2013, S. 581 f.). Klare Ziele von oben, Spielraum für Maßnahmen von unten Heutzutage erfüllt der Fünf-Jahres-Plan die Aufgabe, mittelund langfristige makrostrukturelle wirtschaftliche und soziale Ziele zu formulieren, die als Leitlinien dienen, an denen sich sowohl Regierungsals auch Marktakteure orientieren (vgl. Wu 2016, S. 16–18). In diesem Rahmen werden grobe Maßnahmen zur Erreichung der gesetzten Ziele skizziert und Re-
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 39 gierungsakteure bestimmt, die mit der konkreten Umsetzung betraut werden. In einem zweiten Schritt verfassen die verantwortlichen Beamten auf lokaler Ebene ihre eigenen Fünf-Jahres-Pläne, in denen sie festlegen, wie sie die übergeordneten Ziele unter Berücksichtigung der spezifischen sozio-ökonomischen Gegebenheiten vor Ort umsetzen möchten. Diese Pläne werden zur Überprüfung an die Staatliche Entwicklungsund Reformkommission zurückgegeben, welche daraufhin individuelle Vereinbarungen mit den lokalen Regierungen trifft, um konkrete zu erreichende indikative Ziele festzulegen. Die Festlegung dieser Indikatoren kann je nach regionalen Gegebenheiten variieren. Beispielsweise können wohlhabendere Provinzen höhere Reduktionsziele für CO2-Emissionen in der Industrie erhalten, während ärmere Regionen flexiblere Ziele haben. Dadurch können sie etwas Zeit gewinnen, soziale Auswirkungen wie Jobverluste des Übergangs zur grünen industriellen Transformation durch Umschulungen abzufedern. Zusätzlich ermöglichen die Fünf-Jahres-Pläne den lokalen Regierungen, neue Modelle und Maßnahmen auszuprobieren, wie es beispielsweise in Chinas Sonderwirtschaftszonen der Fall ist. Sind diese lokal erprobten Modelle erfolgreich, wird eine Umsetzung auf nationaler Ebene erarbeitet. Der Fünf-Jahres-Plan fungiert somit auch als zentraler politischer Prozess zur Sammlung von Informationen über die tatsächlichen lokalen sozio-ökonomischen Gegebenheiten und über Instrumente, die positive Auswirkungen haben könnten. Auf dieser Grundlage werden neue Politiken entwickelt und der nächste Fünf-Jahres-Plan formuliert. Auf diese Weise ermöglicht der Fünf-Jahres-Plan eine koordinierte und abgestimmte wirtschaftliche Entwicklung in einem sehr diversen und großen Land. Er spielt eine entscheidende Rolle bei der staatlichen Lenkung und Steuerung der chinesischen Wirtschaft und stellt sicher, dass zentrale politische Vorgaben dezentral mit den praktischen Gegebenheiten vor Ort in Einklang gebracht werden (vgl. Heilmann/Melton 2013, S. 581). 3.4 Die Rolle des Gesamtchinesischen Gewerkschaftsbunds Der „Gesamtchinesische Gewerkschaftsbund“ (GCGB) wurde im Mai 1925 mit dem Ziel gegründet, die Interessen der Arbeiter:innen im ganzen Land zu vereinen und zu vertreten. Insbesondere wollte er als Gegengewicht fungieren zu nationalistischen Gewerkschaften, die Versuche unternahmen, eine landesweite Streikwelle zu unterdrücken. Die Kommunisti-
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 40 sche Partei Chinas (KPCh), die sich kurz zuvor etablierte, spielte eine bedeutende Rolle bei der Entstehung des GCGB (vgl. Friedman 2014, S. 30–33). 3.4.1 Gemeinsame Evolution der Kommunistischen Partei und des Gesamtchinesischen Gewerkschaftsbunds Diese historische Verbindung zwischen dem GCGB und der KPCh prägte ihre gemeinsame Entwicklung. Beide waren tief in der chinesischen Arbeiterbewegung verwurzelt. Sie teilten das gemeinsame Ziel, die nationale Autonomie Chinas zu stärken und sich vom westlichen Imperialismus zu befreien. Gleichzeitig bekämpften sie die systematische Benachteiligung chinesischer Arbeitender im Vergleich zu ausländischen, da die meisten Industrien in der Hand von westlichen Kolonialmächten waren. Die politische Verfolgung beider Organisationen mit aller Härte durch die nationalistische GuomindangPartei unter Tschiang Kai-Schek stärkte ihre Bindung. Nach der Gründung der VR China etablierte sich der GCGB als die alleinige legitime Gewerkschaftsorganisation und wurde zu einer quasistaatlichen Institution. In dieser Zeit wurde kein Unterschied zwischen den Interessen des Staates und den der Arbeiter:innen gemacht. Der GCGB fungierte als Propagandainstrument in den staatlichen und gemeindeeigenen Betrieben, um die Arbeitnehmenden für politische Ziele zu mobilisieren (vgl. Friedman 2014, S. 38). Dennoch garantierte die Verfassung von 1975 ein Streikrecht, das heute nicht mehr in Kraft ist (vgl. Vierter Nationaler Volkskongress 1975, Artikel 28; Fünfter Nationaler Volkskongress 1982). 3.4.2 Annäherung an eine klassische Interessenvertretung von Arbeiter:innen Nach der marktorientierten Transformation der chinesischen Wirtschaft und dem schrittweisen Abbau sozialer Absicherungen durch den Arbeitsplatz übernahm die Gewerkschaft vermehrt die Rolle einer rechtlichen und betrieblichen Vertretung der Arbeitnehmer:innen-Interessen. In den 1990er Jahren verabschiedete die Regierung nach und nach Gesetze für die Gewerkschaftsorganisation sowie Arbeitsverträge und regelte Arbeitsbedingungen. Der GCGB wurde formal zu einer klassischen Interessenvertretung der Arbeiter:innen.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 47 4. Wirtschaftsbeziehungen in Zahlen: Wie groß sind die Abhängigkeiten der EU, Deutschlands und Chinas? Die kommenden Abschnitte betrachten die volkswirtschaftlichen und sektoralen Verflechtungen der EU und Deutschlands mit China bei Vorleistungen der Industrie, Konsum, als Absatzmarkt und ausländischen Direktinvestitionen (ADI). Wie abhängig sind gesamtwirtschaftlich die EU und Deutschland von chinesischen Importen wie Exporten und umgekehrt? Wie realistisch ist Chinas Unabhängigkeit von Ausund Einfuhren? Welche Wirtschaftsbereiche sind besonders von chinesischen Vorleistungen, Produkten und chinesischer Nachfrage abhängig? Welche könnten substituiert werden, um eine größere Unabhängigkeit von Chinas Wirtschaft zu erreichen? 4.1 Exportabhängigkeit von Chinas Wirtschaft sinkt, aber sein stabiles Wachstum erfordert weiterhin Außenhandel Das Land der Mitte verzeichnet kaufkraftbereinigt das größte Bruttoinlandsprodukt (s. Abbildung 2) der Welt. Zugleich ist Chinas Bevölkerung mit 1,4 Milliarden Menschen beinahe doppelt so groß wie die der USA und der EU gemeinsam. Gemessen an seinem BIP pro Kopf, ist China nach wie vor ein Entwicklungsland. 2022 betrug es gerade ein Viertel des Deutschlands und weniger als ein Sechstel des der Vereinigten Staaten (vgl. Abbildung 7). Chinas Regierung ist weiterhin mit der Herausforderung konfrontiert, ein diverses Land mit sehr ungleichen Einkommen und regional ungleicher Wirtschaftsleistung zu entwickeln. China ist paradoxerweise zugleich einer der kapital-stärksten und geopolitisch mächtigsten Volkswirtschaften und ein sich entwickelndes Schwellenland. Seine Strategie, den Binnenkonsum zu stärken, um seine Wirtschaftsleistung unabhängiger vom Niedriglohnsektor in der einfachen, quantitativen Produktion für den Export zu machen, hat nur mäßigen Erfolg. Der Anteil des Exportvolumens an Chinas Wirtschaftsleistung ist in den letzten 16 Jahren zwar stark gesunken, obwohl sein Exportvolumen sukzessive zugenommen hat. Dennoch schwächelt Chinas Anteil von Konsumausgaben an seiner Wirtschaftsleistung nach wie vor.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 48 Abbildung 7: Vergleich BIP pro Kopf in US-Dollar 2022 Quelle: Weltbank DataBank o. J. c (Datenstand von September 2023), eigene Darstellung Abbildung 8: Anteil Exporte am BIP in Prozent Quelle: Weltbank DataBank o. J. d (Datenstand von September 2023), eigene Darstellung Abbildung 8 zeigt: Chinas Exportanteil an seinem BIP ist von seinem Höhepunkt im Jahr 2006 von 36 Prozent 2022 auf 21 Prozent zurückgegangen. Die EU und Deutschland verzeichnen abgesehen von Einbrüchen in 76.399 48.432 37.150 12.720 Vereinigte Staaten Deutschland EU China 0 10 20 30 40 50 60 1975 1977 1979 1981 1983 1985 1987 1989 1991 1993 1995 1997 1999 2001 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 EU Deustchland China
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 49 den Jahren der globalen Finanzkrise und während der Corona-Pandemie einen gegenläufigen Trend. 2006 betrug der Exportanteil am BIP für die EU und Deutschland jeweils 40 und 41 Prozent. 2022 ist er in der EU auf 60 Prozent und in Deutschland auf 50 Prozent gestiegen und damit fast drei Mal so hoch wie in China. Europa wie Deutschland ist bei seiner gesamtgesellschaftlichen Wirtschaftsleistung abhängiger von Exportwertschöpfung als China. Wir werden untenstehend Exporte und Importe zwischen den Volkswirtschaften im Detail analysieren. China bleibt zugleich die „Werkbank der Welt.“ Der Wertschöpfungsanteil von Chinas Manufaktur an der nationalen Wirtschaftsleistung ist 2022 mit 28 Prozent fast doppelt so hoch wie der Weltdurchschnitt von 16 Prozent (vgl. Abbildung 9). Er hat aber im Vergleich zu 2007 abgenommen. Auch in Deutschland hat der Anteil der Manufaktur am BIP in den letzten Jahren leicht abgenommen. 2022 ist er mit 19 Prozent dennoch nach wie vor überdurchschnittlich hoch, aber weit unter dem Chinas. Die EU und die Vereinigten Staaten liegen mit jeweils 15 Prozent und 11 Prozent unter dem weltweiten Durchschnitt. Abbildung 9: Wertschöpfungsanteil Manufaktur am BIP 2022 in Prozent Quelle: Weltbank DataBank o. J. e (Datenstand von September 2023), eigene Darstellung Chinas Konsum ist im Vergleich zu Industriestaaten weiterhin niedrig (vgl. Abbildung 10). Der Anteil von Konsumausgaben am BIP ist in China bis um ein Drittel geringer als in den Vereinigten Staaten und Deutschland. Im Jahr 2000 lag er noch bei 64 Prozent. 2008 erreicht er mit unter 50 Prozent seinen niedrigsten Wert und fällt nach Jahren mit einem leichten Auf0 5 10 15 20 25 30 35 2000 2005 2010 2015 2020 2021 2022 Welt China EU Deutschland Vereinigte Staaten
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 50 schwung 2021 wieder auf 54 Prozent zurück. Solange China nicht auf Konsum als dominanten Wirtschaftstreiber zurückgreifen kann, wird eine weitere Abnahme der Exportwertschöpfung Chinas Wirtschaft hart treffen. Eine Studie von Jürgen Matthes (2022a, S. 19) zeigt, dass der Anteil des chinesischen Warenhandels mit den westlichen Handelspartnern EU, USA, Japan, Südkorea, Kanada, Australien und Neuseeland zwischen 2000 und 2021 bereits um etwa 15 Prozent abgenommen hat. Seit 2013 hat sich der Anteil des Warenhandels Chinas mit dem Westen stabilisiert und keinen weiteren Rückgang erfahren. Das deutet daraufhin, dass China seine Außenhandelsbeziehungen mit dem Westen nicht weiter reduzieren will. Abbildung 10: Anteil Konsumausgaben am BIP in Prozent Quelle: Weltbank DataBank o. J. f (Datenstand von September 2023), eigene Darstellung Eine wirtschaftliche Abhängigkeit der EU mit China betrifft beide Seiten. Trotz technologischen Fortschritts und Marktführerschaft bei manchen Produkten sichern Exporte, Importe, Investment und Expertise aus dem Ausland weiterhin die wirtschaftliche Stabilität der Werkbank der Welt. Insbesondere im Hinblick auf Chinas Regimelegitimität durch seine sozioökonomische wirtschaftliche Performance ist nicht davon auszugehen, dass China einen harten Abkopplungskurs fahren wird. Allerdings fassen akademische und mediale Diskurse in China die neuen Strategien des Westens als bewusste „Ent-Sinisierung“ (去中国化) (siehe u. a. Wang 2022 und vgl. Cheng 2023) ihrer Handelsbeziehungen auf, um seine Konkurrenz und seinen Aufstieg in die Reihen der entwi0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 1975 1977 1979 1981 1983 1985 1987 1989 1991 1993 1995 1997 1999 2001 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 Deutschland China USA
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 51 ckelten Länder zu verhindern. Das wird Bestrebungen, seine Wirtschaft mehr am Inland zu orientieren, verstärken. Die wirtschaftliche Abhängigkeit zwischen der EU, Deutschland und China wird in den folgenden Abschnitten anhand konkreter Zahlen genauer beleuchtet 4.2 Wirtschaftliche Abhängigkeiten zwischen der EU, Deutschland und China Für die EU ist China der wichtigste Handelspartner im Import von Gütern. Als Absatzmarkt für EU-Exporte von Gütern spielt China, hinter den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich, eine wichtige, aber nicht dominante Rolle (vgl. Abbildung 5). Für Deutschland ist 2022 China zum siebten Mal der wichtigste Handelspartner, vor den Vereinigten Staaten und den Niederlanden (Statistisches Bundesamt 2023a). Der Gesamtwert aller deutschen Importe und Exporte betrug 2022 rund drei Billionen Euro (Statistisches Bundesamt 2023b). Davon fielen auf das Land der Mitte 299 Milliarden Euro oder rund zehn Prozent des gesamten deutschen Außenhandels. 4.2.1 Deutschlands Exportabsatz in China ist vergleichsweise hoch, aber europäische Handelspartner bleiben zentral Der chinesische Handelspartner ist für Deutschland im Import wichtiger als im Export (vgl. Abbildung 11). So übertraf im vergangenen Jahr der Wert der deutschen Importe aus China den der deutschen Exporte nach China um 85 Milliarden Euro. Mit einem Wert von 192 Milliarden Euro oder 13 Prozent kommen die meisten deutschen Importe aus China. Zweitund drittwichtigste Einfuhrländer für Deutschland sind mit 8 Prozent (120 Milliarden Euro) die Niederlande und mit 6 Prozent (93 Milliarden Euro) die Vereinigten Staaten. Die USA sind mit 10 Prozent (156 Milliarden Euro) Anteil am gesamten deutschen Exportwert Deutschlands wichtigster Absatzmarkt, gefolgt von Frankreich und den Niederlanden mit 7 Prozent (116 bzw. 111 Milliarden Euro). China ist mit 107 Milliarden Euro der viertgrößte Absatzmarkt für deutsche Produkte (Statistisches Bundesamt 2023c).
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 52 Abbildung 11: Deutschlands wichtigste Außenhandelspartner (2022) Quelle: Statistisches Bundesamt 2023c (Datenstand von September 2023); eigene Berechnung und Darstellung Im europäischen Vergleich ist Deutschland das Land mit dem größten Ausfuhrvolumen nach China. Seine Exporte in das Land der Mitte sind vergleichbar mit dem in die Vereinigten Staaten (siehe Matthes 2020, Vereinigte Staaten 9,9 % Frankreich 7,4% Niederlande 7% China 6,8% Polen 5,7 % Andere 63,2% Exporte China 12,8% Niederlande 8% Vereinigte Staaten 6,2% Polen 5,2% Italien 4,8% Andere 63% Importe
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 53 S. 33). Dennoch ist es Europa, das die dominante Rolle für den deutschen Außenhandel spielt. Werden die Handelsbeziehungen mit den EU-Mitgliedstaaten gemeinsam betrachtet, fallen 44 Prozent der Wertschöpfung deutscher Importe und 39 Prozent der internationalen Nachfrage nach deutschen Produkten auf sie. Dahinter kommt das „übrige Europa“ – das Vereinigte Königreich, die Schweiz, Norwegen und die Türkei. Auf sie fallen 13 Prozent Wertschöpfung bei ausländischen Vorund Endleistungen und 12 Prozent auf dem internationalen deutschen Absatz. Erst dahinter folgen die Vereinigten Staaten und die VR China (siehe Baur/Flach 2022, S. 58). 4.2.2 Für China sind die EU und Deutschland im internationalen Vergleich wichtigere Importals Export-Partner Chinas gesamter Außenhandel betrug im Jahre 2022 rund sechs Billionen US-Dollar (Allgemeine Zollverwaltung der VR China 2022). Gemessen am gesamten Handelsvolumen ist für China die EU, nach dem ASEANStaatenbund, der zweitwichtigste Außenhandelspartner (vgl. Abbildung 12). Die Vereinigten Staaten sind bei chinesischen Exporten die dominante Abnehmerin, noch vor ASEAN. Die EU ist der drittwichtigste Export-Partner für China. Erheblich sind die unterschiedlichen Anteile an Chinas Exporten der drei Volkswirtschaften jedoch nicht. In Prozenten ausgedrückt, tragen die Vereinigten Staaten 16,2 Prozent, ASEAN 15,8 Prozent und die EU 15,6 Prozent zu Chinas internationalem Absatz bei. Hinter ASEAN mit 15,0 Prozent ist die EU mit 10,5 Prozent der zweitwichtigste Handelspartner im Import für China. Auf sie folgen Taiwan, Südkorea und Japan. Deutschland zählt zu den Top Ten der chinesischen nationalen Außenhandelspartner. Es ist daher für Chinas Außenhandel wichtig, spielt aber keine dominante Rolle. Obwohl China mehr Waren nach Deutschland exportiert als importiert, ist das Land im Verhältnis zu anderen Staaten für den chinesischen Import etwas bedeutsamer als für den Export. Werden ASEAN und die EU exkludiert, liegt Deutschland mit 3,2 Prozent an allen chinesischen Ausfuhren und 4,1 Prozent an den gesamten Importen auf dem jeweils sechsten und fünften Rang von Chinas Handelspartnern. Gemessen an traditionellen Handelsstatistiken, profitiert China durch Exporte mehr von der EU und Deutschland als umgekehrt. Diese KostenNutzenrechnung ändert sich jedoch, sobald nicht nur bilaterale Handelsbeziehungen zwischen zwei Partnern, sondern auch der ganze Waren-
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 54 und Dienstleistungsverkehr weltweit einbezogen wird, der in die lokale Weiterverarbeitung und den Verkauf eines Endprodukts eingeht. Abbildung 12: Chinas wichtigste Außenhandelspartner 2022 (in Milliarden US-Dollar) Quelle: Allgemeine Zollverwaltung der VR China 2022; eigene Berechnung und Darstellung 4.3 Eine Inputund Wertschöpfungsperspektive verrät mehr über Wirtschaftsbeziehungen in globalen Wertschöpfungsketten Die traditionellen Handelsstatistiken weisen zwei wesentliche Limitationen auf, wenn es darum geht, die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Ländern in globalen Wertschöpfungsketten zu bewerten. Erstens vernachlässigen sie Exund Importe von Dienstleistungen. Entwickelte Länder lagerten viele einfache Fertigungsprozesse aus, während sie Dienstleistungen mit hoher Wertschöpfung wie Produktdesign im Inland behielten. Diese tragen erheblich zu der globalen Wertschöpfung in diesen Ländern bei. Tatsächlich zeigt sich, dass die EU, wenn Dienstleistungen in das Exportvolumen einbezogen werden, mehr als doppelt so viel global expor0 100 200 300 400 500 600 700 Exporte Importe
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 55 tiert wie China (vgl. Abbildung 13). Ebenso verhält es sich, wenn der IntraHandel zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten der EU in die Außenhandelsstatistiken einberechnet wird, was den Exportanteil der EU an der Welt auf 29 Prozent steigert, verglichen mit Chinas Anteil von über 14 Prozent (vgl. Abbildung 14). Abbildung 13: Exporte und Importe von Gütern und Dienstleistungen 2021 (in Billionen US-Dollar) Quelle: Weltbank DataBank o. J. g (Datenstand von September 2023), eigene Darstellung Zweitens beruhen herkömmliche Handelsbilanzen ausschließlich auf Daten bilateraler Handelsbeziehungen und nehmen an, dass ein Land ein Produkt herstellt, das ein anderes als Endprodukt importiert. Diese Annahme erfasst jedoch nur etwa 30 Prozent des heutigen weltweiten Handels mit Gütern und Dienstleistungen, da rund 70 Prozent des globalen Handelsverkehrs in komplexen globalen Wertschöpfungsketten stattfinden (vgl. OECD o. J.). Beispielsweise bleiben in bilateralen Außenhandelsstatistiken die indirekt involvierten Staaten unberücksichtigt, wenn Rohstoffe, ihre Verarbeitung oder verschiedene Vorprodukte für ein importiertes Endprodukt viele Länder durchlaufen. Angenommen, ein tschechisches Unternehmen verkauft ein Produkt an Deutschland, das jedoch aus chinesischen Rohstoffen und Vorleistungen hergestellt wurde. In diesem Fall wird China in der Handelsbeziehung zwischen Tschechien und Deutschland nicht erfasst. 0 5 10 15 20 25 30 Welt EU China Deutschland Exporte Importe
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 56 Die Produktion und der Konsum in Deutschland wären in diesem Fall stärker von chinesischen Vorleistungen und Endprodukten abhängig, als die Außenhandelsstatistik zeigt. Abbildung 14: Anteil Export am Welthandel in Prozent Quelle: UNCTADstat 2023 (Datenstand von September 2023), eigene Darstellung Um ein umfassenderes Bild globaler Wertschöpfungsketten zu erstellen, das auch indirekte Handelsströme inkludiert, stellt die OECD „Trade in Value-Added“-Daten (TIVA-Daten) bereit. Sie ermitteln den Anteil, der beim Verkaufspreis eines Gutes in einem Land auf ausländische Wertschöpfung zurückgeht. Die TIVA-Daten basieren wiederum auf InterCountry-Input-Output-Tabellen. Diese messen die Art und Menge von Inputs, die zur Herstellung eines Produkts oder zur Erbringung einer Dienstleistung in einem Land von anderen Ländern bezogen werden. Input-Output-Tabellen sind ein volkswirtschaftliches Analyseinstrument nationaler und globaler Produktionsstrukturen. Sie zeigen, wie verschiedene Sektoren einer Volkswirtschaft miteinander verzahnt sind, indem die Inputfaktoren registriert werden, die sie voneinander beziehen, um ihre Produktion zu realisieren. Input-Output-Tabellen messen damit die Art und Menge von Vorleistungen, die in der Herstellung eines Endprodukts oder einer Dienstleistung für den Konsum enthalten sind. Die Inter-Country-Input-Output-Tabellen der OECD sind eine umfassende Datenbank, die Informationen über 0 5 10 15 20 25 30 35 40 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 EU mit Intra-Handel Deutschland China Vereinigte Staaten
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 63 Abbildung 15: Wichtigste deutsche Handelswaren im Export (in Milliarden Euro) Quelle: Statistisches Bundesamt 2023e (Datenstand von September 2023), eigene Darstellung Zwei aktuelle Studien, nämlich eine von Alexander Sandkamp et al. (2023) und eine von Berthold Busch, Jürgen Matthes und Samina Sultan (2023), untersuchen die deutschen Wirtschaftszweige mit der größten Abhängigkeit von chinesischen Importen und Exporten. Erstere stützt sich auf die Inter-Country-Input-Output-Tabellen und TIVA-Daten der OECD für das Jahr 2018 und betrachtet sowohl direkte als auch indirekte Wertschöpfung deutscher Importe aus China im Zusammenhang mit Konsum und Produktion (Sandkamp et al. 2023). Busch, Matthes und Sultan nutzen die Inter-Country-Input-Output-Tabellen „Figaro“ von Eurostat für das Jahr 2020. Ihre Analyse konzentriert sich auf direkt importierte Vorleistungen im verarbeitenden Gewerbe und bezieht zusätzlich deutsche Vorleistungen im Export mit ein (Busch/ Matthes/Sultan 2023). Basierend auf ihren Erkenntnissen identifiziert diese Studie im Folgenden die 15 deutschen Wirtschaftszweige mit der größten Abhängigkeit von chinesischen Importen und Exporten. Abhängigkeit von chinesischen Importen am höchsten im deutschen Konsum von Textilien und Computern Abbildung 16 veranschaulicht den chinesischen Anteil an der gesamten Wertschöpfung, den diese 15 deutschen Wirtschaftszweige im heimi050 100 150 200 250 300 Kraftwagen u. -teile Maschinen Chemische Erzeugnisse Datenverarbeitungsgeräte Pharmazeutische Erzeugnisse etc. Elektrische Ausrüstungen Metalle Nahrungsu. Futtermittel Gummiu. Kunststoffwaren Metallerzeugnisse
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 64 schen Konsum und bei Vorleistungen generieren. Ein erster Blick auf die Abbildung zeigt, dass chinesische Importe in erheblichem Maße in die deutsche Endnachfrage fließen, in der deutschen Produktion sind sie geringer. Besonders deutlich ist dies im Endverbraucherhandel mit Textilien, Computern (elektrische und optische Datenverarbeitungsgeräte und Erzeugnisse) und elektrischer Ausrüstung. Hier entfallen jeweils 26, 23 bzw. 12 Prozent der gesamten Wertschöpfung auf chinesische Endprodukte. Die chinesischen Vorleistungen für die deutsche Produktion in diesen Branchen sind vergleichsweise gering, mit 7 Prozent im Computerbereich und jeweils 5 Prozent in der Textilindustrie und bei elektrischer Ausrüstung. Aus der Perspektive des deutschen Anteils an der heimischen Wertschöpfung zeigt sich eine umgekehrte Dynamik. Insbesondere erzielt die deutsche Industrie höhere Wertschöpfung aus Exporten für die chinesische Weiterverarbeitung als aus Endprodukten für den chinesischen Konsum. Wenn wir uns auf direkte chinesische und deutsche Vorleistungen im verarbeitenden Gewerbe der beiden Volkswirtschaften fokussieren, verschiebt sich das Ranking der abhängigsten deutschen Wirtschaftszweige leicht. Umsatzstärkste Branchen der deutschen Industrie sind abhängiger vom Export nach, denn Import von Vorleistungen aus China Abbildung 17 vergleicht die Wertschöpfung bei deutschen Importen aus und Exporten nach China, gemessen als Anteil aller ausländischen Vorleistungen. Diese Darstellung ermöglicht eine grobe Einschätzung des Ersatzes durch alternative Lieferanten und Abnehmer. Abbildung 18 veranschaulicht die Bedeutung von Importen aus und Exporten nach China für die gesamte inländische Wertschöpfung der jeweiligen deutschen Branche.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 65 Abbildung 16: Die 15 abhängigsten Wirtschaftsbranchen von chinesischen Importen (Anteil Wertschöpfung an der heimischen Wirtschaft in Prozent) Quelle: Sandkamp et al. 2023, S. 15, eigene Darstellung Ein grober Überblick verdeutlicht, dass in vielen Wirtschaftszweigen, in denen die deutsche Industrie erhebliche Vorleistungen aus China importiert, sie sogar mehr exportiert. Diese wechselseitige Belieferung innerhalb derselben Wirtschaftsbranche ist ein charakteristisches Merkmal der deutsch-chinesischen Handelsbeziehungen. Deutschland kommt hier do0 5 10 15 20 25 30 Textilien Datenverarbeitungsgeräte Elektr. Ausrüstungen Möbel u. sonstiges Sonstige Fahrzeuge Wassertransport Maschinenbau Metallerzeugnisse Chemische Erzeugnisse Glas, Keramik etc. Kraftwagen u. -teile Land u. Pipelinetransport Holz u. Flechtwaren ITu. Informationsdienste Metalle Endnachfrage (direkt und indirekt) Endnachfrage (direkt) Vorleistung Produktion (direkt und indirekt) Vorleistung Produktion (direkt)
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 66 minant die Rolle zu, Chinas Fertigungsindustrie mit Maschinen zu beliefern (vgl. Hauschild et al. 2015, S. 23). Abbildung 17: Anteil direkter Vorleistungen von und für China der verarbeitenden deutschen Wirtschaftsbranchen am gesamten Ausland (Wertschöpfung in Prozent ohne Endverbrauch) Quelle: Busch/Matthes/Sultan 2023, eigene Darstellung Deutsche Industriesektoren mit technologisch anspruchsvollen Vorprodukten schöpfen dadurch hohe Werte aus der Versorgung der chinesischen Produktion. Im Gegenzug bleibt China für die deutsche Manufaktur weiterhin im Import arbeitsintensiver und weniger komplexer Vorleistungen wichtig. Während Textilien beim deutschen Konsum eine große Rolle spielen, führt die deutsche Computerindustrie (Datenverarbeitungsgeräte) das 0 5 10 15 20 25 30 35 40 Datenverarbeitungsgeräte Elektische Ausrüstungen Textilien Reparatur/Installationen v. Maschinen … Möbel u. sonst. Erzeignisse Maschinenbau Holz u. Flechtwaren Glas, Keramik etc. Kraftwagen und Kraftwagenteile Metallerzeugnisse Gummi-u. Kunstwaren Druckerzeugnisse Chemische Erzeugnisse Metallerzeugung Papier und Pappe Nahrung, Getränke, Tabak Pharmazeutische Erzeugnisse Kokereiu. Mineralölverarbeitung chin. Anteil deutscher Vorleistungsimporte aus dem Ausland chin. Anteil deutscher Vorleistungsexporte ins Ausland
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 67 Ranking der abhängigsten deutschen verarbeitenden Industrien im Handel mit China an. Mit über 34 Prozent aller Ausfuhren im Vergleich zu 19 Prozent aller Einfuhren von Vorleistungen ist China für die deutsche Computerindustrie ein bedeutenderer Exportals Importpartner. Dies zeigt sich auch in einem hohen Anteil von 23 Prozent an Wertschöpfung, den die gesamte heimische deutsche Computerindustrie durch Exporte von Vorleistungen nach China generiert. Dieselbe Dynamik findet sich auch in Deutschlands umsatzund exportstarken Industrien der elektrischen Ausrüstung, des Maschinenbaus und der Automobilindustrie, die in der Rangfolge folgen. Mit jeweils über einem Fünftel der Exporte von Vorleistungen nach China übersteigen diese Wirtschaftszweige Importe von chinesischen Vorprodukten. Der einzelne Anteil an der gesamten inländischen Wertschöpfung dieser Wirtschaftssektoren liegt zwischen über 8 Prozent in der Automobilindustrie und über 11 Prozent bei elektrischer Ausrüstung. Zwar zeigt eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung (Grimm/Pfaff 2022, S. 6), dass der Input von ausländischen Vorleistungen allgemein für die Autoindustrie am deutschen Standort zugenommen hat, während China mehr auf heimische zurückgreift. Die deutsche Autoindustrie allein exportiert aber nach wie vor mehr als das Dreifache an Vorleistungen nach China, als sie importiert. Zum Rückgang deutscher Exporte nach China in der Autoindustrie ist wichtig anzumerken, dass insbesondere die deutsche Automobilund Maschinenbauindustrie in China stark mit eigenen Produktionsstandorten vertreten ist. Hierbei fehlen jedoch Handelsdaten darüber, wie viel chinesische Importe und Exporte auf den Intra-Handel zwischen heimischen und ausländischen Produktionsstandorten zurückgehen. Zusätzlich zu kostengünstigen Zwischenund Endprodukten für den deutschen Markt bedienen deutsche Niederlassungen vor Ort die Besonderheiten des chinesischen Marktes besser. Sowohl die Abnahme deutscher Exporte für Chinas Konsum als auch eine stärkere Unabhängigkeit der chinesischen Industrie in den letzten Jahren geht teils auf die lokale Produktion für den lokalen Absatz zurück. Diese Entwicklung mag die Gewinne deutscher Industrieunternehmen steigern und ist auch ressourcenund umweltschonender. Sie hat jedoch Auswirkungen auf Arbeitsplätze in Deutschland, insbesondere wenn kostengünstigere Produkte auf den deutschen Markt re-importiert werden. Es soll daher im Folgenden ein genauerer Blick auf die Bedeutung chinesischer Nachfrage und chinesischer Produktionsstandorte für die deutsche Automobilindustrie und den Maschinenbau geworfen werden.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 68 Abbildung 18: Anteil Chinas an direkten Importen und Exporten von Vorleistungen der gesamten inländischen Wertschöpfung einzelner deutscher Sektoren (in Prozent) Quelle: Busch/Matthes/Sultan 2023, eigene Darstellung Allgemein übersteigen chinesische Vorleistungsimporte nur in den Wirtschaftssektoren Textilien und Reparatur/Installation von Maschinen die deutschen Exporte in diesen Bereichen. Der heimische Wertschöpfungsanteil, der in diesen Branchen auf China entfällt, ist mit 5 Prozent bzw. 3 Prozent im Vergleich zu den großen deutschen Exportindustrien gering. Können die wichtigsten chinesischen Vorprodukte für die deutsche Produktion und den Konsum ersetzt werden? Der Handel der wichtigsten Waren zwischen Deutschland und China ist eng mit gemeinsamen Wertschöpfungsketten verwoben, wie bereits zu0 5 10 15 20 25 Datenverarbeitungsgeräte Elektische Ausrüstungen Textilien Reparatur/Installationen v. Maschinen … Möbel u. sonst. Erzeignisse Maschinenbau Holz u. Flechtwaren Glas, Keramik etc. Kraftwagen und Kraftwagenteile Metallerzeugnisse Gummi-u. Kunstwaren Druckerzeugnisse Chemische Erzeugnisse Metallerzeugung Papier und Pappe Nahrung, Getränke, Tabak Pharmazeutische Erzeugnisse Kokereiu. Mineralölverarbeitung Vorleistungsimporte aus China für deutsche Sektoren Deutsche Vorleistungsexporte für chinesische Sektoren
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 69 vor erwähnt wurde. Deutschland leistet vor allem Vorleistungsexporte zur chinesischen Produktion eines Guts, das es dann wiederum als Endprodukt importiert. Da beide Länder in erster Linie unterschiedliche Produktionsstufen zur Herstellung einer Ware beitragen, haben Importreduzierungen Deutschlands direkte Auswirkungen auf sein Exportvolumen. Eine geringere Nachfrage in Deutschland nach diesen Produkten bedeutet auch einen geringeren Bedarf an deutschen Vorleistungen zur Herstellung dieser Produkte in China. Somit zeigt sich, dass die deutsche Industrie weniger von Vorprodukten aus China abhängig ist als vielmehr vom Absatz dieser in Chinas Fertigungsprozessen. Die Suche nach neuen Absatzmärkten für beispielsweise 34 Prozent der Exporte der deutschen Computerindustrie außerhalb Chinas wäre eine erhebliche Herausforderung. Dies ist insbesondere deshalb der Fall, da China mittlerweile als dominanter weltweiter Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten fungiert. In anderen Ländern besteht daher bislang weniger Bedarf. Ebenso gestaltet es sich schwierig, Ersatz für das Importvolumen von chinesischen Datenverarbeitungsgeräten für den deutschen Konsum zu finden. Im Jahr 2021 bezog Deutschland im Bereich der Computerindustrie technische Geräte wie Laptops (über 80 Prozent), Computereinheiten (über 70 Prozent) und Mobiltelefone (beinahe 70 Prozent) hauptsächlich aus China. Das Land ist bei der Produktinnovation als auch Fertigung in diesen Produktsparten global konkurrenzlos (Stiftung Arbeit und Umwelt der IG BCE 2020, S. 16). Der Importanteil Deutschlands liegt hierbei etwas höher als Chinas gesamter globaler Exportanteil (siehe Sandkamp et al. 2023, S. 7–11). Taiwan spielt zwar in diesen Bereichen auf dem globalen Absatzmarkt eine kleinere, aber dennoch nicht unbedeutende Rolle, als dies bisher von den Importen in Deutschland genutzt wird. Eine verstärkte Diversifizierung der Zulieferung dieser Produkte durch Taiwan wäre denkbar. Allerdings stellt der drohende militärische Konflikt zwischen Taiwan und dem Festlandchina die Frage in den Raum, ob dadurch das Versorgungsrisiko tatsächlich minimiert werden kann (vgl. ebd.). Die Abhängigkeit der deutschen Endnachfrage von chinesischen Textilprodukten könnte leicht reduziert werden. Es gestaltet sich einfacher, neue Lieferanten für arbeitsintensive, weniger komplexe Fertigungsprozesse wie die Textilindustrie zu finden als für technologisch anspruchsvollere Produkte. Der Wegfall deutscher Vorleistungen von Maschinen, auch in der Textilindustrie, würde sich wiederum stark auf Chinas eigene Produktionskapazitäten auswirken (vgl. Hauschild et al. 2015, S. 23).
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 70 4.4.7 Die Bedeutung chinesischer Nachfrage am Fall der deutschen Automobilindustrie 2022 verkaufte die deutsche Automobilindustrie, wie oben erwähnt, Kraftwagen und Kraftwagenteile im Wert von 246 Milliarden Euro ins Ausland (vgl. Abbildung 14). 77 Prozent der produzierten Pkw waren für den Export bestimmt, ein Anstieg um einen Prozentpunkt im Vergleich zum Vorjahr (VDA 2022, S. 71). Sie ist damit wiederholt Deutschlands größter Exporteur. Die Abhängigkeit der deutschen Automobilindustrie von internationalen Märkten spiegelt sich auch in ihrer Umsatzverteilung wider. Im Jahr 2021 entfielen 56 Prozent auf den Inlandsmarkt und 46 Prozent auf den Auslandsmarkt. Der Anteil des Umsatzes auf dem Binnenmarkt ist in den letzten Jahren massiv gesunken, während der ausländische wächst, allein im Jahr 2021 um 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei der heimischen Autozuliefer-Industrie ist der Umsatz aus ausländischem Absatz noch höher. 51 Prozent stammen aus dem Inland und 49 Prozent aus dem Ausland. Auch hier wachsen die Einnahmen aus ausländischen Absatzmärkten schneller als aus dem inländischen Vertrieb (VDA 2022, S. 72). 2021 wurden 3,1 Millionen Fahrzeuge in Deutschland produziert, über 12,5 Millionen im Ausland (VDA 2023). Die Industrie produzierte damit mittlerweile mehr als drei Viertel ihrer Pkw im Ausland. China spielt sowohl in der ausländischen Produktion wie im Absatz deutscher Pkw eine entscheidende Rolle. Mit einem Anteil von 45 Prozent der Auslandsfertigung fungiert es als größter ausländischer Produktionsstandort für die Automobilbranche (siehe VDA 2022, S. 68 f.). Der chinesische Produktionsstandort wird von der deutschen Automobilindustrie als Export-Hub für seine internationalen Geschäfte aufgebaut (vgl. Sebastian 2022). Dennoch ging die deutsche Pkw-Produktion in China im Jahre 2021 um 11 Prozent auf rund 4,4 Millionen Einheiten zurück, in Europa um 2 Prozent auf abgerundet 3 Millionen (siehe VDA 2022, S. 68). Gleichzeitig ist China der größte Absatzmarkt für Pkw. Knapp 30 Prozent aller Autos weltweit werden in China verkauft, Tendenz steigend (siehe VDA 2022, S. 53). Mit 4,3 Millionen verkauften deutschen Autos 2021 geht ein Fünftel des gesamten chinesischen Marktanteils auf deutsche Automobilhersteller zurück. 2020 betrug er aber noch knapp ein Viertel. Im Vergleich dazu wurden in Deutschland 2022 1,8 Millionen Pkw heimischer Marken verkauft (siehe VDA o. J. a). Recherchen, wie hoch der chinesische Anteil am gesamten nationalen und internationalen Absatz der deutschen Autoindustrie ist, verliefen ergebnislos.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 71 Nicht nur die Produktionskapazitätseinbußen infolge der Pandemiemaßnahmen, sondern auch die steigende Nachfrage nach elektrobetriebenen Fahrzeugen führten zu einem Rückgang der deutschen Anteile am chinesischen Automarkt. Nur 6,5 Prozent der gesamten verkauften E-Autos, Tendenz fallend, stammen von deutschen Automobilherstellern (siehe VDA 2022, S. 53). Die deutsche Automobilindustrie stieg spät in die Entwicklung und Fertigung von E-Autos ein. Chinas heimische Batteriehersteller für Autos investierten hingegen auch motiviert durch staatliche Förderungen frühzeitig in F&E. Zusätzlich haben die deutschen Hersteller verabsäumt, die chinesische Nachfrage nach smarten, also technisch mit individuellen Präferenzen hochgradig vernetzten Autos der jungen Generation zu bedenken. Tesla und chinesische Automarken bedienen die Vorlieben der lokalen Kunden treffsicherer (vgl. Sebastian 2022). Heute dominiert China die globalen Wertschöpfungsketten im E-Automobilsektor. Das gelang ihm auch durch seine Lokalisierungsstrategie, ausländische Unternehmen in Schlüsselsektoren der „Made in China 2025“-Industriepolitik im Inland zu halten. Unter dem Motto einer „autonomen und kontrollierbaren Fertigungsindustrie“ (制造业自主可控) sucht die Politik, industrielle Wertschöpfungsketten gesamtheitlich im Binnenland zu etablieren und unabhängiger vom Druck auf niedrige Arbeitskosten und Politik des Auslands zu machen. Gleichzeitig stärkt sie damit die staatliche Einflusssphäre auf die Entwicklung der heimischen Industrie (vgl. Jungbluth et al. 2023, S. 34 f.). China lockt mit einer staatlich geförderten Innovationsumgebung und den fortschrittlichsten elektrischen Autobatterieherstellern auch deutsche Direktinvestitionen in der Automobilindustrie an. Gleichzeitig erhöhen Chinas Fortschritte in der Elektromobilität den Wettbewerbsdruck auf deutsche Hersteller. Der chinesische Auto-Marktanteil seiner heimischen EAuto-Produzierenden ist in den letzten Jahren massiv gestiegen. Die starke Marktposition deutscher Automobilhersteller erfährt dadurch eine sukzessive Schwächung. Deutsche Unternehmen geraten unter Druck, mit den chinesischen Herstellern im E-Auto-Sektor national wie global mitzuhalten (Sebastian 2022, Jungbluth et al. 2023, S. 31–33). Gleichzeitig profitieren auch deutsche Hersteller von staatlichen Subventionen und Technologietransfers durch Kooperationen mit chinesischen Unternehmen bei F&E. Mit der Elektromobilität hat sich die Richtung des Wissensaustausches umgedreht. Im untenstehenden Kapitel zu ausländischen Direktinvestitionen wird ein genauerer Blick auf die Rolle Chinas für die deutsche Automobilindustrie geworfen.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 72 Vor-Ort-Produktion reduziert Herstellung für Exporte aus Deutschland: Deutsche Arbeitsplätze gehen zurück Der Trend der deutschen Vor-Ort Produktion im Ausland wirkt sich negativ auf deutsche Exporte aus. Die deutsche Vor-Ort-Fertigung beliefert lokale ausländische Märkte mittlerweile mit vier Mal mehr Fahrzeugen als aus Deutschland exportiert werden (VDA 2022, S. 70). Europa ist zwar weiterhin der größte Absatzmarkt für deutsche Exporte, hat aber allein 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent auf 1,3 Millionen Pkw eingebüßt. Die zweitgrößte Exportregion Asien verzeichnete insgesamt im selben Vergleichszeitraum mit 587.000 Fahrzeugen ein leichtes Plus von einem Prozent. Unter den asiatischen Ländern stieg der Export nach China mit sechs Prozent Plus am stärksten an. Im drittgrößten Absatzmarkt auf dem Kontinent Amerika verzeichnete die deutsche Automobilindustrie mit Exporten von 378.000 Pkw ein Plus von drei Prozent. Allerdings sank sie in den Vereinigten Staaten um ein Prozent. Aufgrund der Vor-Ort-Produktion in den USA nahmen die deutschen Exporte in die Vereinigten Staaten verglichen mit 2015 um mehr als die Hälfte ab. Die Verlagerung der Produktion ins Ausland beeinflusst nicht nur die Exporte, sondern auch die Beschäftigungszahlen in der deutschen Automobilindustrie. Mitte des Jahres 2021 waren rund drei Prozent weniger Arbeitnehmer:innen in der Zulieferindustrie beschäftigt als 2020 (VDA 2022, S. 127). Im Vergleich zum Rekordjahr 2018 hat die Zahl der Arbeitsplätze 2022 im deutschen Automobilsektor insgesamt um beinahe 59.600 abgenommen (VDA o. J. b). Die deutschen Automobilzulieferer verzeichneten zwar 2021 einen Umsatz von rund 80 Milliarden Euro, ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bauten aber allein im Jahre 2022 17.000 Stellen ab (ebd.). Der VDA bezieht diesen Beschäftigungsrückgang auf Veränderungen hin zu mehr elektrobetriebenen Fahrzeugen und auf zu hohe Arbeitskosten in Deutschland (VDA 2022, S. 68 und S. 75). Über 90 Prozent der in China verkauften deutschen Autos werden allerdings schon heute „local for local“ produziert. Am chinesischen Absatzmarkt hängen also direkt mehr chinesische als deutsche Arbeitsplätze (Dittmer 2022). Wie viele kostengünstiger in China hergestellte deutsche Automarken auf dem deutschen und globalen Markt importiert werden, darüber gibt es keine offiziellen Zahlen. Produziert die deutsche Automobilindustrie als größte nationale Exportbranche aber seine Ausfuhrwaren weiterhin und zunehmend im Ausland, nimmt die deutsche Industriebasis keinen Anteil an Produktionssteigerungen.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 79 können dazu beitragen, Arbeitsplätze zu schaffen, Wissen und Technologien zu übertragen, lokale Wirtschaften zu stärken und den internationalen Handel zu vergrößern. (vgl. Deutsche Bundesbank 2023, S. 125; Weltbank, o. J.) 4.6 Entwicklung der ausländischen Direktinvestitionen in China Der Zufluss von ADI wird in China bis heute strategisch in Wirtschaftsbereiche gelenkt, die die nationalen wirtschaftsund sozialpolitischen Ziele fördern. Mit Kategorien, in denen Auslandsinvestitionen entweder gefördert, erlaubt, eingeschränkt oder verboten sind (Nationale Planungskommission / Nationale Wirtschaftshandelskommission / Nationales Außenhandelsbüro der VR China 1995; Staatsrat 2002, Verordnung Nr. 346), steuert die Regierung Fremdkapital vor allem in den Transfer neuer Technologien und zur Entwicklung Chinas wirtschaftlich abgehängter zentraler und westlicher Regionen. Beschränkt sind sie u. a. in Industrien, in denen staatliche Unternehmen dominieren, und verboten bei Gefährdung der nationalen Sicherheit und Umwelt sowie in Fällen knapper Bodenschätze. Die Nationale Entwicklungsund Reformkommission als auch andere relevante Abteilungen des Staatsrates veröffentlichen regelmäßig ein Update der Negativund Förderliste für Auslandsinvestitionen, um sie an gegenwärtigen Wirtschaftsstrategien auszurichten. Bei westlichen Regierungen und Unternehmen führen Auflagen für Technologietransfers, der schwache Schutz von geistigen Eigentumsrechten und die geopolitischen Spannungen mittlerweile zu Unsicherheiten, ob die Nachteile, in China zu investieren, die Vorteile überwiegen (siehe Kapitel 1 und 2; vgl. Jungbluth et al. 2023, S. 32). China reagiert mit Aufweichungen der Beschränkungen von Auslandsinvestitionen und einer Stärkung ihres Rechtsschutzes. Gleichbehandlung von ausländischen und inländischen Investoren (Nationaler Volkskongress 2019) ist gesetzlich mittlerweile auch bei der öffentlichen Beschaffung verankert (Staatsrat 2019, Verordnung Nr. 723). Gleichzeitig werden die Verbote und Beschränkungen für Auslandsinvestitionen zurückgeschraubt. Zwischen 2017 und 2021 wurden die Sektoren, für die sie gelten, mehr als halbiert. Insbesondere ausländische Investoren im Automobilsektor konnten von Lockerungen profitieren (siehe Jungbluth et al. 2023, S. 33) China bewegt sich auf Forderungen der EU zu, ausländische Unternehmen insbesondere im öffentlichen Beschaffungssektor gleichzustel-
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 80 len. Damit hofft das Land, weiterhin Investitionen ausländischer Unternehmen anzulocken, die ihr Know-how auch bei der Schulung der chinesischen Zuliefernden und Ausbildung von Fachkräften einsetzen (vgl. ebd.; Wübbeke 2015). Während China seinen Markt formell für ausländische Investoren öffnet, werden Marktbeschränkungen durch die Hintertür wieder eingeführt. Unternehmen, deren Leistungen wenig zu Chinas wirtschaftsund sozialpolitischen Zielen beitragen, finden es zunehmend schwer, rasch Marktlizenzen zu erhalten (siehe Jungbluth et al. 2023, S. 33). Lenkung ausländischer Direktinvestitionen in die Entwicklung von chinesischen Schlüsseltechnologien Die oben erwähnte „Bringing In“-Strategie Chinas lenkt bewusst ausländische Direktinvestitionen in wirtschaftspolitische Ziele. In Verbindung mit der „Made in China 2025“-Strategie zielt sie darauf ab, kurzund mittelfristig finanzielle Mittel ins Land zu ziehen und dort zu halten. Dies soll die nationale Entwicklung von intelligenten Fertigungssystemen und industriellen Innovationen in Schlüsselbereichen wie Informationstechnologien, Werkzeugmaschinen, Robotik, erneuerbaren Energien und alternativen Antrieben für Fahrzeuge vorantreiben. China sucht, ausländische, kapitalstarke Unternehmen mit technologischer Produktions-Expertise anzuziehen und im Inland zu halten, um den Fortschritt seiner eigenen Industrien zu fördern. Dabei setzt die Regierung auf etablierte staatliche Subventionsmaßnahmen (siehe Kapitel 3). Sie gewährt Steuerabschreibungen bis zu 100 Prozent und individuelle Mietminderungen für Investitionen in F&E. Lokalregierungen locken mit Zuschüssen von bis zu 30 Prozent für Kapital, das in die F&E von Schlüsseltechnologien fließt (siehe Jungbluth et al. 2023, S. 31–32). Langfristig will China durch diese Strategie stärker auf inländische Produktion setzen und mit technologisch fortschrittlichen, qualitativen Produkten den Aufstieg in globalen Wertschöpfungsketten schaffen. Damit könnte das Wirtschaftsmodell Chinas unabhängiger von Importen und Exporten werden und seinen Binnenkonsum als Hauptantrieb für das Wirtschaftswachstum stärken. Wie in der EU und den USA würde Chinas Wirtschaft damit unabhängiger von anderen Volkswirtschaften und geopolitischen Spannungen sein. Wie groß ist die Attraktivität Chinas für ADI? Die nachstehende Analyse beleuchtet die zeitliche Entwicklung von ausländischen Kapitalzuflüssen im Zeitraum von 1979 bis 2022 (Abbildung 19) im internationalen Vergleich (Abbildung 20). 1979 zieht die Öffnung von Chinas Märkten für die Welt nur 80.000 US-Dollar aus dem Ausland an. Während der 1990er Jahre und insbe-
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 81 sondere nach Chinas Beitritt zur WTO kam es zu einem auffälligen Anstieg, der jedoch seit der Finanzkrise von Rückschlägen begleitet war. Im Jahr 2021 erreichten die ADI mit 344 Milliarden US-Dollar einen Gipfelpunkt, der auf ein Erholungsjahr nach dem Ausbruch der ersten CoronaWelle zurückzuführen ist. Hingegen sanken die Investitionen im Jahr 2022 wieder auf 180 Milliarden US-Dollar. Im internationalen Vergleich (Abbildung 20) zeigt sich, dass Chinas Anteil an den weltweiten Nettozuflüssen von ADI 3 im Zeitraum von 2000 bis 2013 von 3 auf 13 Prozent deutlich anstieg. Seit 2015 jedoch ist eine hohe Schwankungsbreite zu beobachten. Abbildung 19: Entwicklung Nettozuflüsse von ADI in China (in US-Dollar) Quelle: Weltbank DataBank o. J. h (Datenstand von September 2023), eigene Darstellung 3 Der Nettozufluss gibt die Differenz zwischen allen eingehenden und ausgehenden ausländischen Kapitalinvestitionen in einem Land an. Minuswerte zeigen Jahre an, in denen mehr inländisches Kapital ins Ausland abgeflossen als ausländisches in das Inland eingegangen ist. 0 50 100 150 200 250 300 350 400 1979 1981 1983 1985 1987 1989 1991 1993 1995 1997 1999 2001 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 Milliarden
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 82 Abbildung 20: Anteil weltweiter ADI-Zuflüsse Quelle: Weltbank DataBank o. J. h (Datenstand von September 2023), eigene Darstellung und Berechnung Den Höchststand erreichte China im Jahr 2018 mit einem Anteil von 25 Prozent. Im Gegensatz dazu bewegte sich Indien, ebenfalls ein aufstrebendes Schwellenland, während dieser Zeit zwischen bescheidenen jährlichen ADI-Anteilen von null bis fünf Prozent. China ragt im globalen Kontext als attraktiver Standort für ausländische Investitionen weit über andere Entwicklungsökonomien heraus. Zwar fließen in die EU, abgesehen vom Einbruchsjahr 2018, mehr ADI als nach China und im Großteil der Vergleichsjahre als in die USA. Wird allerdings rein die nationale Ebene betrachtet, nimmt China hinter den USA den zweiten Rang ein. Zwischen 2021 und 2022 konnte es den Abstand zu den Vereinigten Staaten sogar verringern. In den Top Twenty der weltweiten ADI-Zielländer finden sich in der EU die Mitgliedstaaten Schweden auf dem neunten und Frankreich auf dem zehnten Platz. Auch Spanien, Polen und Italien finden sich auf der Liste. Deutschland ist nicht dabei (UNCTAD 2023b, S. 5). Der Anteil der EU als Zielort für ADI ist allgemein höher als Chinas. Dennoch halbierte sich der Nettozufluss in die EU in den vergangenen zwei Jahrzehnten nahezu. Während er im Jahr 2000 noch 40 Prozent der weltweiten ADI ausmachte, reduzierte sich dieser Anteil bis 2022 auf 22 Prozent. -10% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 China EU Vereinigte Staaaten Deutschland Indien
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 83 Auch die Vereinigten Staaten vermochten in den meisten Jahren weltweit mehr ADI anzuziehen als China. Doch im Zeitverlauf ließ ihre Attraktivität für ADI nach. Lag der Anteil im Jahr 2000 bei 22 Prozent, näherte sich erst das Jahr 2019 mit 19 Prozent wieder diesem Wert an. Deutschland hingegen verzeichnete einen markanten Rückgang als Ziel für ADI. Von 16 Prozent der globalen Nettozuflüsse im Jahr 2000 rutschte es auf zwei Prozent im Jahr 2004. Abgesehen von den starken Jahren 2018 und 2020 bewegte sich der jährliche Anteil zwischen ein und fünf Prozent und lag somit unterhalb der chinesischen Werte und näherte sich denen Indiens an. Deutschland ist im Vergleich zu China und den USA ein weniger attraktiver Standort für ausländische Direktinvestitionen. Internationaler Vergleich der wichtigsten ausländischen Direktinvestoren für China: Deutschland ist größter Investor Europas, aber nicht zentral Abbildung 21 zeigt die 15 wichtigsten ausländischen Direktinvestoren für China nach Investitionsvolumen und nationalem Ursprung, die im Jahr 2021 realisiert wurden. Insgesamt verzeichnet das Nationale Statistikbüro der VR China 181 Milliarden US-Dollar. Davon flossen 77 Prozent aus Hongkong nach China. Mit beträchtlichem Abstand folgt der regionale Partner Singapur, wobei die asiatischen Nachbarn allgemein zu den bedeutendsten Investoren zählen. Korea und Japan belegen die Ränge vier und fünf. Chinas Top 15 an ausländischen Investoren inkludiert auch die chinesische Region Macao und Taiwan. Den dritten Platz nimmt die Steueroase der amerikanischen Jungferninseln ein, die zu den führenden ausländischen Kapitalgebern für China gehört. Sie investieren sogar mehr als die Vereinigten Staaten, die im Jahr 2021 lediglich 1,4 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen für China beisteuerten. Hinter dem großen Anteil Hongkongs verbirgt sich größtenteils ein Kapitalfluss aus dem chinesischen Festland. Chinesische Unternehmen leiten Gelder nach Hongkong, um sie als ausländische Direktinvestitionen zurückfließen zu lassen. Dadurch können sie von den finanziellen Vorteilen profitieren, die die chinesische Regierung ausländischen Investoren gewährt. Dies verzerrt die Bedeutung der anderen Auslandsinvestoren, die bei der Interpretation der Daten zu bedenken ist.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 84 Abbildung 21: Wichtigste ausländische Direktinvestoren Chinas 2021 Quelle: Nationales Statistikbüro der VR China o. J. a (Datenstand von September 2023), eigene Darstellung und Berechnung Weltweit war Deutschland 2021 gemessen an seinen Finanzabflüssen der drittgrößte ausländische Direktinvestor der Welt, hinter den USA und China (vgl. UNCTAD 2023b, S. 7). Für das Land der Mitte spielt Deutschland als Investor eine vergleichsweise geringere Rolle. Mit einem Investitionsvolumen im selben Jahr von 1,7 Milliarden US-Dollar oder einem Gesamtanteil von weniger als einem Prozent liegt Deutschland auf Rang neun. Sein Anteil am gesamten Investitionsbestand des Auslands ist jedoch im Verhältnis zu anderen europäischen Staaten wichtiger (vgl. Abbildung 22). Mit Ausnahme der Jahre 2017, 2019 und 2020 investierte Deutschland in den letzten zehn Jahren jeweils mehr als die Niederlande. Es übertraf jährlich das Vereinigte Königreich und Frankreich. An seinem Höhepunkt 2018 waren es sogar knapp drei Prozent, die deutsche Direktinvestitionen zu Chinas ausländischen Kapitalflüssen beitrugen. Im Zehnjahresdurchschnitt sind es jährlich 1,4 Prozent. Bei den Niederlanden sind es durchschnittlich mit 1,0, dem Vereinigten Königreich mit 0,7 und Frankreich mit 0,6 Prozent weniger. 72,8 % 5,7% 2,9% 2,2% 2,2% 1,4% 1,4% 1,2% 0,9% 0,7% 0,6% 0,5% 0,5% 0,4% 0,4% 050 100 150 Hongkong Singapur Amerikanische Jungferninseln Korea Japan Vereinigte Staaten Kaimaninseln Macao Deutschland Vereinigtes Königreich Niederlande Taiwan Mauritius Schweiz Frankreich
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 85 Abbildung 22: Bedeutung deutscher ADI für China im europäischen Vergleich Quelle: UNCTAD 2023b, S. 7, eigene Darstellung und Berechnung Mit Blick auf die ADI der EU in China ist hervorzuheben, dass sie sich auf hohe Summen weniger großer Unternehmen in fünf Wirtschaftssektoren aus den eben genannten Mitgliedstaaten konzentrieren. Das sind allen voran die Automobil-, Lebensmittel-, Pharma-, Chemie-, und Konsumwarenindustrie (Kratz/Barkin/Dudley 2022) – also gleichzeitig diejenigen Industrien, die die wichtigsten Waren im Handel zwischen Deutschland und China produzieren. Zusammenfassend ist Deutschland der größte ausländische Direktinvestor der EU und Europas in China. Es ist mit großen kapitalstarken Unternehmen mit lokalen Produktionsstätten und technisch führender Expertise in der Fertigungsindustrie der ideale ausländische Kapitalgeber für Chinas industriepolitische Strategien. Daher spielen die Investitionen aus Deutschland für Chinas Wirtschaftspolitik eine bedeutsame, jedoch im globalen Vergleich für das Land eine nachrangige Rolle. China ist eines der Top-Zielländer für deutsche Direktinvestitionen, jedoch weit hinter den USA Die deutsche Bundesbank gibt zwei Werte an, um ADI aus Deutschland über einen Zeitraum und in Zielländern zu vergleichen. Der erste, der „Direktinvestitionsbestand“, gibt Aufschluss über den gesamten Bestand der durch direkte Auslandsinvestitionen erworbenen Vermögenswerte in einem Land zu einem bestimmten Zeitpunkt. Er gibt daher die gesamten 0,0% 0,5% 1,0% 1,5% 2,0% 2,5% 3,0% 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 Deutschland Niederlande Vereinigtes Königreich Frankreich
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 86 ausländischen Vermögenswerte an, die im Laufe der Jahre durch Direktinvestitionen generiert wurden, und lässt vergleichen, ob diese in einem bestimmten Jahr zuoder abgenommen haben. Wird die Entwicklung der mittelbaren und unmittelbaren 4 deutschen Direktinvestitionsbestände an chinesischen Unternehmen in den letzten Jahren betrachtet, zeigt sich ein kontinuierlich starker Anstieg (Deutsche Bundesbank 2023, S. 56). 2010 waren es rund 30 Milliarden Euro an Vermögensbeständen, die auf deutsche Direktinvestitionen in China zurückgehen, 2021 rund 110 Milliarden Euro. Das sind beinahe viermal so viel (vgl. Abbildung 23.) Ein etwas anderes Bild zeigt sich, wenn ausschließlich die getätigten Kapitalflüsse von ADI, die innerhalb eines Jahres von Deutschland nach China fließen, gemessen werden. Im Unterschied zu einem über Zeit akkumulierten Vermögenswert, der zu einem bestimmten Zeitpunkt gemessen wird, geht es hier um die tatsächliche Kapitalsumme, die während eines Jahres in China investiert wurde. Der jährliche sogenannte „Transaktionswert“ von ADI aus Deutschland nach China ist daher wesentlich geringer. 4 Bei mittelbaren Direktinvestitionen handelt es sich um Kapitalbeteiligungen, die Teil von Finanzinstrumenten sind oder über Dritte gehalten werden, z. B. Aktien bei einem Unternehmen über eine Bank. Mittelbare Direktinvestoren haben keinen direkten Einfluss auf die Unternehmenstätigkeit.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 87 Abbildung 23: Entwicklung deutscher ADI in China als Direktinvestitionsbestand und Transaktionswert (in Milliarden Euro) Quelle: Deutsche Bundesbank 2023, S. 56 und S. 10 (Datenstand von September 2023), eigene Darstellung Er verzeichnet eine Volatilität, jedoch auch eine steigende Tendenz. 2010 lag der Transaktionswert deutscher Direktinvestitionen in China bei rund fünf Milliarden Euro, 2021 bei rund zehn Milliarden Euro. Im Jahr 2022 erreichten die jährlichen deutschen Direktinvestitionen in China mit 11,5 Milliarden Euro ihren Rekordwert (Deutsche Bundesbank 2023, S. 10). 5 Mit dem Transaktionswert lassen sich die jährlichen internationalen Finanzströme in den Blick nehmen. Im Unterschied dazu stellen Direktinvestitionsbestände den gesamten Bestand ausländischen Vermögens durch Direktinvestitionen zu einem bestimmten Zeitpunkt dar. Sie zeigen 5 Das Nationale Statistikbüro der VR China und die OECD (2023, S. 126) verzeichnen wesentlich geringere Transaktionswerte für deutsche ADI in China als die deutsche Bundesbank. Dies hängt einerseits damit zusammen, dass Länder Investitionen unterschiedlichen Jahren zuschreiben und China ausschließlich die umgesetzten Kapitalflüsse pro Jahr in Betracht zieht, daher die in Verträgen vereinbarten aus der Berechnung ausschließt. 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65 70 75 80 85 90 95 100 105 110 115 120 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 Direktinvestitionsbestand Transaktionswerte
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 88 daher gesamtwirtschaftliche Verflechtungen zweier Länder an. Wir ziehen daher Direktinvestitionsbestände heran, um im internationalen Vergleich Chinas Bedeutung als Zielland von deutschen Direktinvestitionen zu identifizieren. Abbildung 24: Top-Ten-Ziele deutscher Nettodirektinvestitionen (mittelbare und unmittelbare Bestandswerte in Milliarden Euro) Quelle: Deutsche Bundesbank 2023, S. 46 − 56, eigene Darstellung China ist verglichen mit anderen Ländern ein wichtiger Empfänger deutscher ADI (Abbildung 24). Im Vergleichszeitraum von 2010 bis 2021 zählte es konstant zur Top Ten deutscher Zielländer. Das Land der Mitte konnte seine Bedeutung für Deutschland stetig steigern. 2010 nahm es mit einem Anteil von knapp 3,5 Prozent an den gesamten deutschen Direktinvestitionsbeständen im Ausland den siebenten Rang ein. Nachdem der Brexit auch zu Rückgängen deutscher Direktinvestitionen im Verei0 100 200 300 400 500 600 700 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Vereinigte Staaten Luxemburg China Vereinigtes Königreich Frankreich Schweiz Italien Österreich Spanien Polen EU
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 95 Abbildung 29: Sektorale Entwicklung von ADI in China in Milliarden US-Dollar Quelle: Nationales Statistikbüro der VR China o. J. a (Datenstand von September 2023), eigene Darstellung Tabelle 2: Anteil Hochtechnologie an gesamten ADI Jahr sekundärer Sektor tertiärer Sektor 2017 7,3 % 19,1 % 2019 9,5 % 18,2 % 2020 6,9 % 21,7 % 2021 6,7 % 22,2 % Quelle: Handelsministerium der VR China 2022, S. 3; Handelsministerium der VR China 2021, S. 4; Handelsministerium der VR China 2020, S. 20; Handelsministerium der VR China 2018, S. 20 f. 0 10 20 30 40 50 60 2021202020192018201720102005 verarbeitendes Gewerbe Leasing und Dienstleistungen für Unternehmen Immobilienbranche wissenschaftl. Forschung und techn. Dienstleistungen Informationsindustrie (Dienstleistungen und Software) Großund Einzelhandel Verkehr und Logistik Finansektor Energiegewinnung (Strom, Gas, Wasser) Bergbau Baugewerbe
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 96 121 Milliarden US-Dollar oder knapp sieben Prozent aller ADI flossen 2021 in Hochtechnologien im sekundären Sektor. Verglichen mit dem Jahr 2019, sinkt das Kapitalvolumen und sein Anteil an gesamten ADI. Dienstleistungen im Bereich Hochtechnologie ziehen hingegen im Vergleichsjahr 2021 mit 401 Milliarden US-Dollar mehr als drei Mal so viel ausländisches Kapital auf sich. Auf ihn fallen beinahe ein Viertel der gesamten ADI in China. Ausländische Finanzierung von chinesischer Hochtechnologie in der Industrie nimmt damit hingegen den Regierungsplänen tendenziell ab, nicht zu (vgl. Handelsministerium der VR China 2022). Ob die chinesische Regierung erfolgreich ADI in Schlüsseltechnologien von erneuerbaren Energien lenken konnte, ist schwer abzuschätzen. Die Auslandsinvestitions-Statistiken des Handelsministerium subsumieren erneuerbare Energien unter dem Energiesektor. Dieser verzeichnet getrübten Erfolg. 2021 liegt sein Investitionsvolumen auf dem neunten Rang, hinter Chinas eingeschränktem Finanzsektor (siehe Abbildung 29). Im Vergleich zu 2010 verdreifacht sich das Volumen 2018 beinahe, geht dann aber wieder zurück. Starke Zuflüsse verzeichnen ADI im Sektor mit F&E (wissenschaftliche Forschung und technische Dienstleistungen). 2021 konnte er sich mit 23 Milliarden gegenüber 2017 mehr als verdreifachen. Hier zeigt die „Bringing In“-Strategie in Verbindung mit Chinas industriepolitischer Förderung von Innovation Erfolg. Der enorme Anstieg von ADI im Sektor Leasing und Dienstleistungen für Unternehmen, der im Begriff ist, das verarbeitende Gewerbe einzuholen, ist ein Indiz für einen erhöhten chinesischen Bedarf der Nutzung und Wartung von Software und Maschinen in der Digitalisierung seiner Fertigungsanlagen. Die damit verbundene Informationsindustrie wird nach einem starken Einbruch 2018 wieder verstärkt durch ADI finanziert. Im Gesamtblick hat der Einfluss ausländischen Kapitals auf die Finanzierung von Chinas Energiesektor und seiner Fertigungsindustrie, inklusive Hochtechnologien, nach einem Anstieg in den letzten Jahren wieder abgenommen. Bei ausländischen Direktinvestitionen in F&E zeigt Chinas Industrieund Anreizpolitik für Innovation hingegen große und kontinuierliche Erfolge. 4.7 Chinesische Direktinvestitionen in Deutschland und der EU Chinesische ADI in Europa und Deutschland lösen seit einigen Jahren Unbehagen aus. Kritische Stimmen sehen Chinas Investitionen als Ein-
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 97 fallstor für politische Einflussnahme einer stärker staatlich gelenkten Volkswirtschaft aus dem Ausland. Insbesondere Direktinvestitionen von Chinas staatseigenen Unternehmen erregen diesbezügliche Besorgnis. Diesen Befürchtungen zum Trotz sind, wie im Folgenden gezeigt wird, die Anzahl von chinesischen Unternehmen und das Volumen von chinesischen Investitionen in der EU gering. Der Anteil an Direktinvestitionen von privaten chinesischen Unternehmen ist gegenüber staatlichen stark gestiegen. Regulative Barrieren im europäischen Raum führen zu einem weiteren Rückgang chinesischer ADI. Auch wenig chinesisches Kapital fließt im Rahmen der „Neuen Seidenstraße“ in die EU. „Greenfield Investments“, wie die Errichtung einer Produktionsstätte in Deutschland durch den chinesischen Batteriehersteller CATL im Wert von knapp zwei Milliarden Euro (vgl. Zenglein 2020, S. 5), steigen aber anteilsmäßig stark an. 4.7.1 Entwicklung von ADI aus China Chinas Rolle als einer der wichtigsten Direktinvestoren der Welt ist jung. 2005 waren Chinas ADI-Flüsse noch vernachlässigbar (vgl. Felbermayr/ Goldbeck/Sandkamp 2019, S. 5). Mit Investitionen von insgesamt 12 Milliarden Euro weltweit nahm China im selben Jahr den siebzehnten Rang ein (siehe Handelsministerium der VR China 2022, S. 7). Mit einem Anstieg auf 179 Milliarden ist das Land 2021 hinter den USA weltweit zum zweitgrößten Direktinvestor aufgestiegen. 2022 fällt es knapp hinter Japan auf den dritten Rang zurück. Dicht gefolgt wird es im letzten Jahr 2023 von Deutschland, das den vierten Platz einnimmt. (vgl. UNCTAD 2023b, S. 7). Als junger Direktinvestor sind Chinas weltweite Investitionsbestände demgegenüber gering. 2020 kommen sie nur auf einen globalen Anteil von sechs Prozent (vgl. Molnar/Yan/Li 2021, S. 9). Laut Nationalem Statistikbüro der VR China stiegen die Direktinvestitionen im gesamten Ausland insbesondere zwischen 2013 und 2016 enorm an (Abbildung 30). Dieser Anstieg fällt zeitlich mit dem Beginn von Chinas BRI im Rahmen seiner „Going Global“-Strategie zusammen. Sie zielt darauf ab, eine engere wirtschaftliche Verbindung zwischen China, asiatischen Ländern, Europa und Afrika durch Infrastrukturprojekte entlang der „Neuen Seidenstraße“ herzustellen und Transportkosten zu reduzieren. Dabei sichert sich China Zugang zu Ressourcen zur heimischen Energieversorgung und Einfluss auf nationale Infrastrukturen im Ausland. Gleichzeitig half die Entsendung von chinesischen Arbeiter:innen für Bau-
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 98 projekte in andere Länder den Überschuss an Arbeitskräften am heimischen Arbeitsmarkt in China zu entspannen. Abbildung 30: Entwicklung chinesischer ADI in Milliarden US-Dollar Quelle: Nationales Statistikbüro der VR China o. J. b (Datenstand von September 2023), eigene Darstellung In den letzten Jahren haben ADI global wiederholt enorme Einbrüche erfahren (UNCTAD 2023c). Bereits 2017 werden starke Rückgänge deutlich. Die Pandemie und Russlands Invasion in der Ukraine in den folgenden Jahren führten zu weiteren Rückgängen bei Kapitalanlagen. Auch in China brachen 2017 Direktinvestitionen ins Ausland enorm ein. Seitdem können sie ihren Rekord im Jahr 2016 von einem Transaktionswert von 196 Milliarden US-Dollar nicht mehr erreichen. Infolge nahm 2018 auch das Investitionsvolumen Chinas BRI-Projekte ab. Jedoch nur um 12 Prozent, während es bei Nicht-BRI-Infrastrukturprojekten um 54 Prozent zurückging (siehe Felbermayr/Goldbeck/Sandkamp 2019, S. 5–8). Chinesische ADI gehen in der EU und Deutschland stark zurück Der globale Rückgang von Chinas Direktinvestitionsvolumen macht sich auch in der EU und Deutschland bemerkbar. 2021 gingen im Vergleich zu 2016 Chinas strategische nicht-finanzielle Direktinvestitionen (s. u.) in Europa um 83 Prozent auf 7,9 Milliarden Euro zurück (siehe Kratz et al. 0 500 1000 1500 2000 2500 3000 202120202019201820172016201520142013201220112010200920082007 Direktinvestitionsbestand Transaktionswert
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 99 2023, S. 5). Dennoch ist China für Deutschland im Jahre 2022 mit einem Transaktionswert von 3,4 Milliarden Euro der sechsgrößte Direktinvestor (vgl. Deutsche Bundesbank 2023, S. 23 f.). Umgekehrt ist Deutschland nur die neunt-größte für China (vgl. Abbildung 21). Die wichtigste, die Vereinigten Staaten, investierten aber mehr als vier Mal so viel (vgl. Deutsche Bundesbank 2023, S. 23 f.). Nichtfinanzielle Direktinvestitionen im Ausland beziehen sich auf Investitionen von Unternehmen oder Organisationen aus einem Land in ausländische Unternehmen, die nicht in erster Linie auf die Generierung von finanziellen Renditen (z. B. Aktienbeteiligung oder Anleihen) ausgerichtet sind. Diese Investitionen verfolgen stattdessen andere Ziele, wie den Zugang zu neuen Märkten, die Erweiterung von Geschäftstätigkeiten oder den Aufbau von Partnerschaften im Ausland. Typische Beispiele sind Investitionen in Forschung und Entwicklung, Technologieübertragung, Unternehmenskooperationen (Jointventures) oder die Schaffung von Produktionskapazitäten im Ausland, um regionale Märkte besser zu bedienen. Im Gegensatz zu finanziellen Direktinvestitionen, bei denen finanzielle Renditen im Vordergrund stehen, zielen nicht-finanzielle Direktinvestitionen auf langfristige strategische Vorteile ab. Die chinesischen Investitionszahlen der letzten Jahre könnten aber noch viel stärker gesunken sein. Der China Global Investment Tracker (CGIT) des American Enterprise Institutes registriert die Veröffentlichungen von internationalen Unternehmen, die Auslandsinvestitionen aus China erhalten. Bis 2019 zeigten sich nur sehr geringe Abweichungen zu den Ergebnissen von Chinas Statistikbehörden. Seit 2020 ist der Unterschied jedoch enorm. Während Chinas Nationales Statistikbüro für das Jahr 2021 ein Direktinvestitionsvolumen ins gesamte Ausland von 179 Milliarden US-Dollar angibt (siehe Abbildung 31), verzeichnet der CGIT nur 50 Milliarden (siehe Scissors 2023, S. 4). Scissors nimmt an, dass die Zahlen nach oben korrigiert werden, um Chinas wirtschaftspolitischen Bedeutungsverlust in den letzten Jahren aufgrund seiner strikten Coronamaßnahmen und Beschränkungen der westlichen Welt zu verbergen. Das erste Halbjahr 2023 verzeichnet allerdings wieder einen stärkeren Anstieg bei Chinas Investitionstätigkeiten. Die Gründe für den Rückgang chinesischer Direktinvestitionen im Ausland sind vielschichtig. Chinas „Going Out“-Strategie ließ einige chinesische Unternehmen zu große Risiken bei Kapitaleinlagen im Ausland eingehen, die zu hohen Verschuldungen führten. Gleichzeitig nutzten andere
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 100 die Gelegenheit, mit ausländische Direktinvestitionen Steuern zu hinterziehen oder Geldwäsche zu betreiben (vgl. Molnar/Yan/Li 2021, S. 6 f.). Die chinesische Regierung reagierte mit stärkerer Regulierung von Kapitalabflüssen ins Ausland und hemmte dadurch Chinas Wachstum von ADI. Chinas Investitionstätigkeit bei Unternehmensbeteiligungen, -zu-sammenschlüssen und -übernahmen fokussiert, wie wir sehen werden, auf entwickelte Länder in Nordamerika und Westeuropa. Handelskonflikte zwischen den USA, China und Europa führen zu einem unsicheren politischen Umfeld für Investitionen. Während die chinesische Regierung mit Restriktionen Wirtschaftsbereiche von wirtschaftspolitischem Einfluss des Auslands abschirmt, greift der Westen zu Maßnahmen erhöhter staatlicher Investitionsprüfung. Im Fall des staatlichen Unternehmens China General Nuclear Power Group setzte die USA zusätzlich Investitionsund Handelsverbotslisten ein. Die Regierung des Vereinigten Königreichs erzwang nachträglich die Rückabwicklung seiner Beteiligung in den Bau eines neuen Atomkraftwerks (Pickard 2022). Erhöhte Maßnahmen zur Überprüfung von chinesischen Investitionen in den USA und der EU reduzieren die globalen Anreize für chinesische Kapitalgebende (vgl. Pickard 2022, S. 6). Eine Studie von Kratz et al. (2023, S. 5 und S. 14) zeigt, dass mit einer starken Erhöhung der staatlich überprüften Fälle von Investitionen in Deutschland auch die chinesischen Direktinvestitionen massiv zurückgingen. Neben stärkerer inländischer und ausländischer Regulierung von Direktinvestitionen trägt auch Chinas endogene sozioökonomische Entwicklung zu einem Rückgang von Direktinvestitionen im Ausland bei. Der chinesische Leistungsbilanzüberschuss, der bisher Investitionen begünstigte, schrumpft seit 2015. Seine globalen Güterhandelsüberschüsse gehen zurück und das chinesische Defizit im Dienstleistungshandel steigt. Gleichzeitig altert Chinas Bevölkerung und ein Arbeitskräftemangel droht. Ausländische Projekte werden nicht mehr gebraucht, um Arbeitskräfteüberschüsse zu kompensieren. Chinas Inlandsverbrauch nimmt zu. Kapitalüberschüsse werden einerseits geringer und können andererseits erfolgsversprechend im Inland investiert werden. Diese Entwicklungen deuten auch in Zukunft auf weniger chinesisches Engagement im Ausland hin (vgl. Felbermayr/Goldbeck/Sandkamp 2019, S. 5–8).
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 101 4.7.2 Strukturen von Chinas Investitionen Zu den Besonderheiten bei Chinas Investitionen im Ausland zählt, dass ein großer Teil ihrer Kapitalflüsse in Bauprojekte im Rahmen der BRI fließt. 53 Prozent des gesamten chinesischen Investitionsvolumens zwischen 2014 und 2019 waren BRI-Projekte (siehe Felbermayr/Goldbeck/Sandkamp 2019, S. 8). Öffentliche Investitionsstatistiken des Landes unterscheiden daher zwischen auswärts-gewandten Direktinvestitionen und Bauprojekten. Dieser Unterschied ist wichtig. Direktinvestitionen beziehen sich auf Beteiligungen, Zusammenschlüsse mit und Übernahmen von ausländischen Unternehmen oder Projekten (Mergers & Acquisitions). Ziel ist hier, wie oben erklärt, heimisches Eigenkapital einzusetzen, um Einfluss auf Managemententscheidungen im Ausland zu nehmen oder von besseren Bedingungen am lokalen Markt zu profitieren. Im Unterschied dazu werden bei Infrastrukturprojekten vordergründig Kredite vergeben. Eine Beteiligung des chinesischen Managements ist nicht zwangsläufig erforderlich. Sind die Infrastrukturprojekte fertiggestellt, bleiben die Investoren auch nicht im Land. Können die Kreditnehmer ihre Schulden allerdings nicht bedienen, fallen sie in das Eigentum und damit unter die Kontrolle des Kreditgebers (vgl. Felbermayr/Goldbeck/Sandkamp 2019, S. 4). Da im Rahmen der BRI auch risikoreiche Kredite an Entwicklungsländer mit geringer Bonität vergeben werden, tritt dieser Fall öfters ein. Belt-and-Road-Initiative: Kleinere Investitionsbeträge in vielen Entwicklungsländern weltweit Die BRI-Projekte sind stark im Transport-, Energieund Telekommunikationssektor vertreten. In China sind diese von staatseigenen Unternehmen dominiert, die den Großteil der Darlehen im Ausland vergeben. Der chinesische Staat ist damit der wichtigste Investor in BRI-Projekten (vgl. Europäischer Rechnungshof 2020, S. 61–63). Bis 2019 hat China 207 Milliarden US-Dollar in BRI-Projekte investiert und Bauaufträge im Wert von 406 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Die Initiative hat einen besonders großen Einfluss auf Infrastrukturprojekte in den BRI-Ländern, die 66 Prozent aller Finanztransaktionen Chinas mit ihnen ausmachen (siehe Felbermayr/Goldbeck/Sandkamp 2019, S. 5–8). Chinas von staatlichen Unternehmen finanzierte Infrastrukturprojekte sind großteils in Entwicklungsund Schwellenländer in Asien und Afrika angesiedelt. Das große Volumen bei Baukontrakten chinesischer Investitionen geht auf kleinere Summen in mittlerweile 152 Ländern zurück (vgl.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 102 Belt and Road Portal 2023; Scissors 2019, S. 5). Nur fünf Prozent seines Bauprojektvolumens zwischen 2008 und 2018 fiel auf Europa (siehe Felbermayr/Goldbeck/Sandkamp 2019, S. 16). China ist damit zu dem wichtigsten ausländischen Kapitalgeber und Direktinvestor des globalen Südens aufgestiegen (vgl. Molnar/Yan/Li 2021, S. 16; Brautigam/Huang 2023, S. 2 und 22). Im Unterschied zu Chinas Infrastrukturprojekten werden seine Direktinvestitionen von privaten Unternehmen dominiert und zielen auf wohlhabende Länder in Nordamerika, Asien, Westeuropa und auf Australien ab. Im globalen Norden fließen sie in wenige, gezielte M&A oder Greenfield Investments mit hohen Summen (vgl. Scissors 2019, S. 5–8). Top-Ten-Zielländer für Chinas Direktinvestitionen Chinas Motivation, Direktinvestitionen im globalen Norden zu verankern, zeigt sich auch in den Top Ten seiner Zielländer. Nach chinesischen Direktinvestitionsbeständen im Ausland von 2021 listet das nationale Statistikbüro der VR China die chinesische Region Hong Kong auf Rang eins. Daneben zählen nur das wohlhabende Singapur und das rohstoff-reiche Indonesien jeweils auf Platz fünf und sieben zum asiatischen Raum. Hinter den Steueroasen der Britischen Jungfernund Kaimaninseln folgt Nordamerika mit den USA auf dem vierten und Kanada auf dem zehnten Rang. Europa ist jeweils mit 19 Milliarden und 17 Milliarden an chinesischen Direktinvestitionsbeständen mit dem Vereinigten Königreich auf Platz acht und mit Deutschland auf Platz neun vertreten (vgl. Abbildung 31). Wie bereits erwähnt, kommt der CGIT zu anderen Ergebnissen. Anhand des Datensatzes identifiziert Scissors die USA 2021 als wichtigstes Zielland für chinesische Direktinvestitionen noch vor Hong Kong. Die britischen Jungfernund Kaimaninseln erhalten zwar beträchtliche Kapitalflüsse aus China, diese werden aber auch in fast gleicher Höhe zurückgesendet, werden also nicht investiert. Nordamerika und Westeuropa sind folglich für Chinas Direktinvestitionen bedeutsamer als es offizielle Zahlen erscheinen lassen.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 103 Abbildung 31: Top-Ten-Zielländer Chinas nach Direktinvestitionsbestand im Ausland in Milliarden US-Dollar Quelle: Nationales Statistikbüro der VR China o. J. b (Datenstand von September 2023), eigene Darstellung Bis 2018 wenige chinesische Greenfield Investments im globalen Norden Greenfield-Investitionen, bei denen ausländische Unternehmen neue Geschäftseinheiten in einem Zielland gründen, sind ein aussagekräftiger Indikator für die Auswirkungen von ADI. Sie bieten für beide Seiten erhebliche Vorteile gegenüber Mergers and Acquisitions (M&A). Im Vergleich zu M&A führen Greenfield-Investitionen häufig zur Schaffung einer Vielzahl neuer Arbeitsplätze im Zielland und ermöglichen einen umfassenden Technologietransfer. Dies fördert die lokale Beschäftigung und steigert die Innovationskraft des Ziellandes. Zudem behält der ausländische Investor bei Greenfield-Investitionen die Kontrolle über die Unternehmensstruktur und verfolgt langfristige Ziele, während M&A oft kurzfristiger und finanziell orientiert sind. Insgesamt ermöglicht die Betrachtung des Anteils an Greenfield-Investitionen einen ganzheitlichen Blick auf den Mehrwert von ADI für ein Zielland. 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 1000 1100 1200 1300 1400 1500 202120202019201820172016201520142008 Hong Kong Britische Jungferninseln Kaimaninseln USA Singapur Australien Indonesien Vereinigtes Königreich Deutschland Kanada
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 104 Öffentliche chinesische Statistiken zu Direktinvestitionen unterscheiden nicht zwischen M&A und Greenfield-Investitionen. Sie geben auch keine Auskunft über die Investitionssumme der einzelnen Transaktionen. Zur Analyse werden deswegen im Folgenden mehrere Studien herangezogen, die auf private Datenbanken ausweichen. Molnar, Yan und Li (2021) weichen auf Daten von FDI Markets der Financial Times und von Dealogic aus. Die Studie von Felbermayr, Goldbeck und Sandkamp (2019) nutzt die Informationen des oben erwähnten CGIT. Kratz et al. (2023) beziehen sich auf Recherchen der Rhodium Group. Die unterschiedlichen Daten und Vergleichszeiträume führen zu kleineren Abweichungen bei den detaillierten Ergebnissen. Daher soll sich im Weiteren auf die größeren Entwicklungstrends konzentriert werden. Global gesehen, haben chinesische Greenfield-Investitionen im Vergleich zu Mergers and Acquisitions (M&A) bis 2018 eine untergeordnete Rolle gespielt (vgl. Molnar/Yan/Li 2021, S. 10 f.). Zwischen den Jahren 2005 und 2018 lag der durchschnittliche Anteil von Greenfield-Investitionen an Chinas gesamten ADI weltweit bei knapp einem Viertel. Dieser Anteil erreichte im Jahr 2014 seinen Höchstwert mit beinahe 40 Prozent, was auf eine starke Präsenz chinesischer Unternehmen bei der Gründung neuer Geschäftseinheiten hinweist. Im Gegensatz dazu fiel der Anteil auf seinen Tiefstwert im Jahr 2017, während einer Phase allgemeiner Rückgänge in den Investitionen, und erreichte nur noch 11 Prozent (siehe Felbermayr/Goldbeck/Sandkamp 2019, S. 9 f.). Die zwei verschiedenen Direktinvestitionsformen weisen auch eine unterschiedliche geografische Dimension der Zielländer auf. Chinas Greenfield-Investitionen zielten auf ressourcenreiche Staaten und inkludieren Entwicklungsund Schwellenländer. Chinas Top Ten im Jahr 2017 listet zwar die USA auf Platz eins. Das Vereinigte Königreich und Australien finden sich jeweils auf dem siebenten und zehnten Rang. Der Großteil der Zielländer von chinesischen Greenfield-Investitionen sind jedoch Entwicklungsund Schwellenländer. Auf Platz zwei bis sechs finden sich Indonesien, Indien, Russland, Malaysia und Ägypten. Pakistan und Brasilien nehmen jeweils den achten und neunten Rang ein. Bei chinesischen Investitionen für M&A spielen wohlhabende Länder die wichtigste Rolle. Die Top-Ten-Zielländer 2017 bei dieser Investitionsform inkludiert auf Platz sechs mit Brasilien nur ein einziges Schwellenland. Die USA zieht auch bei M&A die meisten chinesischen Auslandsinvestitionen auf sich, gefolgt von der chinesischen Region Hong Kong, dem Vereinigten Königreich, Australien und der Schweiz. Mit Singapur auf dem achten Rang findet sich nur ein einziger asiatischer Staat auf der Liste. Die EU ist mit den Mitgliedern Deutschland und Frankreich jeweils auf Platz neun und zehn vertreten (vgl. Molnar/Yan/Li 2021, S. 10 f.).
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 111 Dieses Spannungsfeld zwischen autoritärem, undemokratischem politischem System bei vergleichbaren sozio-ökonomischen Zielen stellt die internationale Gewerkschaftsbewegung vor eine Herausforderung im Umgang mit China. Die Entschärfung des Lohndrucks auf Chinas Arbeitnehmer:innen durch qualifizierte Jobs am oberen Ende der Wertschöpfungskette ist aus Gewerkschaftsperspektive zu begrüßen. Wirtschaftliche Konkurrenz durch chinesische Technologieführerschaft im Bereich Solarpaneelen und Elektromobilität könnte sich wiederum negativ auf Arbeitsplätze in Deutschland auswirken. China bleibt weiterhin bei einfachen Konsumgütern dominant Chinas Technologieführerschaft bleibt auf wenige grüne Produkte begrenzt. Seine Dominanz in globalen Wertschöpfungsketten beruht weiterhin auf Konsumgütern, insbesondere Datenverarbeitungsgeräte, mit geringem Mehrwert. China konnte sie in den letzten zwei Jahrzehnten weiter ausbauen (Stiftung Arbeit und Umwelt der IG BCE / Merics 2020, S. 30). Während Chinas Exportvolumen im letzten Jahrzehnt sich nur leicht steigerte, sank seine Nachfrage nach Importen der EU und Deutschlands stark. Damit nahm die Bedeutung Chinas für die Volkswirtschaft der EU und Deutschland zu, während ihre umgekehrt abnahm. Die EU profitiert (noch) mehr von den Handelsbeziehungen mit China als umgekehrt Eine Inputund Wertschöpfungsperspektive, die den gesamten Aufwand aller beteiligten Länder für die Herstellung eines Produkts, einer Dienstoder Vorleistung berücksichtigt, zeigt dennoch: werden Dienstleistungen in den internationalen Warenverkehr einbezogen, ist das globale Exportvolumen der EU beinahe doppelt so hoch wie das Chinas. Gesamtwirtschaftlich betrachtet hat die EU eine größere Bedeutung für China als umgekehrt. Im Jahr 2018 trug die EU 1,5 Prozent zu Chinas Vorleistungen in seiner Fertigungsindustrie bei, während 2,2 Prozent der chinesischen Endnachfrage auf die EU zurückgingen. Umgekehrt entfielen nur 1 Prozent der Vorleistungen für die Produktion und 2 Prozent für den Konsum der EU auf China. Chinas Produktion ist volkswirtschaftlich abhängiger von der EU als umgekehrt. China schöpft aus den Handelsbeziehungen mit Deutschland insgesamt einen größeren Wert als sein Handelspartner. Während China bei Vorleistungen für die deutsche Produktion ein Prozent und beim Konsum 2,7 Prozent zur heimischen Wertschöpfung beiträgt, gehen aus chinesischer Sicht nur 0,5 Prozent der industriellen Vorleistungen und 0,6 Prozent des Konsums auf deutsche Importe zurück. Chinas gesamtwirt-
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 112 schaftliche Bedeutung ist damit für den deutschen Endkonsum wesentlich wichtiger als für Vorprodukte in der deutschen Fertigung. Die herausragende Bedeutung Chinas im deutschen Konsum ist auch auf Deutschlands exportorientiertes Wirtschaftsmodell zurückzuführen, bei dem die führenden Unternehmen auf die Produktion für den Export spezialisiert sind. Ergänzend werden Konsumbedürfnisse nach Produkten mit geringerem Mehrwert durch Importe gedeckt. Der Rückgang Chinas Importe und Anstieg seiner Exporte nach Deutschland sind zum Teil auch auf Produktionsstätten der größten deutschen Unternehmen in China zurückzuführen, die vor Ort für den lokalen und auch zentral für den globalen Markt produzieren. Insgesamt tragen die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der EU, Deutschland und China jeweils nur in begrenztem Maße zur Gesamtleistung der jeweiligen Volkswirtschaft bei, wobei die Beiträge zwischen 0 und 3 Prozent variieren. Deutsch-chinesische Handelsbeziehungen: Komplexe gegenseitige Abhängigkeiten In einzelnen Wirtschaftssektoren sind chinesische Importe jedoch für Deutschland von größerer Bedeutung. In der deutschen Endnachfrage sind sie vor allem im Handel von Textilien, Datenverarbeitungsgeräten und elektrischer Ausrüstung wichtig. Chinesische Vorleistungen für die deutsche Produktion stechen bei Datenverarbeitungsgeräten, elektrischer Ausrüstung, im Maschinenbau und in der Automobilindustrie besonders hervor. Dennoch übertreffen die exportierten Vorleistungen der deutschen Industrie für die chinesische Fertigung in jedem dieser Wirtschaftsbereiche bei weitem die Importe aus China. Die Import-Export-Beziehung von Vorleistungen und Endprodukten in den gleichen Produktsparten ist charakteristisch für die deutsch-chinesische Handelsbeziehung. Dies hat Auswirkungen auf die heimische Wertschöpfung und die strategische Bedeutung der Handelsbeziehung für beide Seiten. Deutschland stellt in vielen Fällen die Maschinen zur chinesischen Fertigung von Produkten bereit, die wiederum für den deutschen Konsum aus China importiert werden. Eine Reduktion der deutschen Importe aus China würde unmittelbare Auswirkungen auf die chinesische Nachfrage nach deutschen Vorleistungen haben. Der Absatz in China ist ein Haupttreiber des Wachstums der umsatzstärksten deutschen Unternehmen, insbesondere in der Automobilindustrie und im Maschinenbau. Gleichzeitig könnten einige chinesische Konsumprodukte, deren Herstellung zwar arbeitsintensiv, aber verhältnismäßig einfach ist, durch andere Handelspartner ersetzt werden.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 113 Bei Datenverarbeitungsgeräten, wie Laptops und Smartphones, hat China jedoch sowohl bei der Produktinnovation als auch bei der Herstellung eine globale Dominanz erreicht, die nicht kurzfristig von anderen Ländern ersetzt werden kann. Umgekehrt würde eine Reduzierung der deutschen Exporte von Maschinen nach China direkte Auswirkungen auf dessen Produktionskapazitäten haben. Chinas Industriepolitik bringt Chancen für den Maschinenbau und Konkurrenz für die Automobilindustrie Deutschlands Obwohl China mittlerweile der größte Hersteller und Exporteur von Maschinenbauprodukten weltweit ist, geht ein nicht unerheblicher Teil seines Produktionsvolumens auf deutsche Beteiligungen und Niederlassungen zurück. Zusätzlich liegt der Schwerpunkt dieser Produkte auf dem Heimgebrauch und findet nur begrenzte industrielle Anwendung. Der deutsche Maschinenbau profitiert stark von der Bereitstellung komplexer Maschinen für die chinesische Fertigungsindustrie. Die industriepolitischen Maßnahmen zur Modernisierung der chinesischen Fertigung haben die Nachfrage nach deutschen Maschinen weiter erhöht. Auch für die deutsche Autoindustrie ist China ein wichtiger Motor seiner Wirtschaftsaktivitäten. Im Gegensatz zum deutschen Maschinenbau sieht sie sich jedoch zunehmend dem Wettbewerbsdruck durch Chinas führende Position bei der Elektromobilität ausgesetzt. Während niedrige Produktionskosten diese Branche einst nach China lockten, sind es heute die Integration in Chinas F&E im Bereich elektrischer Autobatterien und die hohe Nachfrage auf dem weltweit größten Markt für Pkw. Angesichts dieser Entwicklung steht insbesondere die deutsche Autoindustrie unter öffentlicher Kritik, kurzfristig von der Finanzierung des technologischen Fortschritts ihrer Konkurrenz zu profitieren, was langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Standorts beeinträchtigen könnte. Tatsächlich konnte die Studie zeigen, dass die chinesische Regierung in den letzten Jahren erfolgreich Anreize und Regulierungen implementiert hat, um ausländische Direktinvestitionen in Chinas F&E zu lenken. Gleichzeitig nahmen allgemein ausländische Kapitalflüsse, insbesondere im Hochtechnologiesektor und im Bereich erneuerbare Energien, in Chinas Industrie ab. Obwohl keine genauen Zahlen zu ausländischen Anteilen an Direktinvestitionen in chinesische F&E veröffentlicht werden, ist die Autoindustrie der größte deutsche Investor China. Auf nationaler Ebene ist Deutschland der größte Kapitalgeber Chinas in Europa. Im internationalen Vergleich spielt Deutschland für China eine wichtige, aber nicht zentrale Rolle bei ADI. Umgekehrt ist China für Deutschland als ausländischer Direktinves-
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 114 tor bedeutsamer. Es gehört neben Frankreich und Großbritannien zu den drei Ländern, auf die sich Chinas Investitionen in Europa konzentrieren. Chinas Direktinvestitionen in der EU und Deutschland gehen stark zurück, während Greenfield-Investitionen dominieren Befürchtungen, dass China durch Direktinvestitionen in den Bereichen Technologie, Finanzen und Versorgung in der EU und Deutschland politischen Einfluss nimmt, erweisen sich in der Empirie als wenig begründet. Abgesehen von einzelnen großen Deals in diesen Sektoren sind Chinas Direktinvestitionen im Laufe der Zeit am stärksten im Energiesektor und im Transportsektor, einschließlich der Automobilindustrie. Während Chinas Investitionen in Infrastruktur hauptsächlich auf Entwicklungsländer abzielten, richteten sie im globalen Norden, einschließlich der EU, ihr Augenmerk auf M&A. In den letzten Jahren nahmen chinesische Direktinvestitionen sowohl weltweit als auch in Europa erheblich ab. Im Vergleich dazu gewannen Greenfield-Investitionen an Bedeutung und sind mittlerweile die häufigste Form der chinesischen Kapitalinvestitionen in der EU. Treiber dieser Entwicklung ist insbesondere Chinas Elektrosektor seiner Automobilindustrie. Chinesische Unternehmen dieser Branche suchen verstärkt nach Möglichkeiten, lokale Produktionsstätten für den Absatz in der EU zu etablieren, wobei CATL, ein führender Entwickler und Produzent von Batterien für Elektroautos, zu den größten Investoren gehört. Die Handelsbeziehungen zwischen China und Deutschland sind durch ihre enge Verwobenheit von gegenseitigen Vorleistungen und Nachfrage komplex. Die Auswirkungen industriepolitischer Maßnahmen müssen daher für einzelne Sektoren bewertet werden. Während die deutsche Automobilindustrie mehr chinesische Konkurrenz erfährt, profitieren andere Sektoren wie der deutsche Maschinenbau von stärkerer Nachfrage aufgrund Chinas industriellem Upgrading. Globale gewerkschaftliche Synergien könnten Arbeitnehmer:innen weltweit schützen und fairen Wettbewerb fördern Die aktuelle Debatte über Strafzölle gegen einen stark staatlich subventionierten chinesischen E-Auto-Sektor zum Schutz der europäischen bzw. deutschen Automobilindustrie vernachlässigt: auch deutsche Unternehmen profitierten in ihrer Vor-Ort-Produktion in China von staatlichen Zuschüssen (vgl. Jungbluth et al. 2023, S. 31). Von den Strafzöllen sind, wie bereits oben erwähnt, auch deutsche Hersteller mit Produktionsstätten in China betroffen, die den deutschen E-Auto-Markt auch mit Importen aus China bedienen (vgl. VDA 2024).
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 115 Die Debatte um Marktverzerrungen der E-Auto-Industrie durch den chinesischen Staat sollte auch Maßnahmen der lokalen Klimapolitik erwägen. Die chinesische Regierung schaffte ökonomische und administrative Anreize, damit konventionelle Unternehmen sich sukzessive an grünen Produkten orientieren. Benzinmotoren sollen so langfristig zum Auslaufmodell werden (vgl. Thurbon et al. 2023, v. a. S. 125). Das hat negative Auswirkungen auf lokale wie ausländische Bezinautohersteller auf dem chinesischen Markt. Angesichts des aktuellen Booms grüner Technologien reduziert der chinesische Staat seine Subventionen für Elektromobilität und erneuerbare Energien bereits sukzessive (vgl. Sebastian 2022; Sandalow et al. 2022, S. 61). Was für die Gewinne deutscher Unternehmen in der Autoindustrie vorteilhaft ist, bedeutet nicht zwangsläufig einen Vorteil für den deutschen Standort. Arbeitsplätze, die in den letzten Jahren in Deutschland aufgrund deutscher Produktionsstätten in China und den USA verloren gingen, könnten möglicherweise durch chinesische Greenfield-Investitionen im Bereich Elektromobilität ausgeglichen werden. Dies könnte auch der EU durch chinesische Technologietransfers zugutekommen. Die Konkurrenz am deutschen Standort könnte, ähnlich wie in China, die inländischen Automobilhersteller dazu anregen, wieder verstärkt in F&E in Deutschland zu investieren. Strafzölle scheinen Unternehmen (noch) keine Anreize in diese Richtung zu geben. Der chinesische E-Autoproduzent BYD hat vor Kurzem bekanntgegeben, knapp eine Milliarde Euro in eine neue Produktionsstätte in der Türkei zu investieren (vgl. He 2024). Die Türkei ist Mitglied der EU-Zollunion. Ausländische Autohersteller auf ihrem Hoheitsgebiet sind damit von Zöllen für Importe in die EU ausgenommen. Zudem ist „der Markt“ im Bereich von grünen Technologien nicht das effizienteste Anreizsystem. Das United Nations Environment Programme (UNEP) hat bereits im Jahr 2003 festgestellt, dass es für die rasche Transformation zu einer klimaneutralen Wirtschaft, umfangreiche staatliche Investitionen und Subventionen bedarf. Diese treten in Konflikt mit Marktprinzipien. Die sozialen und ökonomischen Auswirkungen einer globalen Klimakrise rechtfertigen jedoch staatliche Interventionen. Drittens könnten die Preisvorteile chinesischer E-Autos weniger auf Subventionen als auf geringe Arbeitskosten zurückgehen. Während staatliche Unternehmen und solche mit ausländischer Beteiligung der Branche in China relativ gute Löhne zahlen, fallen private chinesische Produzierende mit unterdurchschnittlich schlechten Löhnen, wenig sozialer Absicherung und hoher Flexibilisierung der Arbeitszeiten auf. Bei Letzteren ist der Organisationsgrad des GCGB gering (vgl. Lüthje/Zhao/Wu 2023, S. 142 f.).
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 116 Sowohl das Lieferkettengesetz als auch internationale gewerkschaftliche Zusammenarbeit könnten unmittelbar gegen schlechte Arbeitsbedingungen wirken und dabei gleichzeitig unfairen Marktwettbewerb in der Autoindustrie der EU beschränken. Das Lieferkettengesetz könnte für China mit Blick auf seine sozio-ökonomischen Ziele und seine globale Wettbewerbsfähigkeit sogar von Vorteil sein. Steigende Löhne haben Chinas komparativen Kostenvorteil verringert. Multinationale und chinesische Unternehmen verlagern ihre Produktion sukzessive in Länder wie Vietnam und Bangladesch mit geringeren Arbeitskosten und Arbeitsrechten und mit wenig Umweltschutz (vgl. Tan 2023; LaRocco 2022). Können unter diesen menschenrechtsverletzenden Bedingungen Produkte nicht mehr in die EU eingeführt werden, kann China von seiner Verstärkung der Arbeitsrechte und des Umweltschutzes der letzten beiden Jahrzehnte profitieren. China reagiert mit weiterer Öffnung und Autonomiebestrebung seiner Wirtschaft Die chinesische Gewerkschaft schweigt zur Strategie der EU und Deutschlands. Diesbezügliche Recherchen brachten keine Ergebnisse. Xi Jinping sichert der EU zu, dass China kein Interesse habe, sein politisches System zu exportieren und friedliche Lösungen suche (Zentralregierung der VR China 2022). Er geht auf Forderungen der EU ein und bekräftigt die Absicht, die Wirtschaft weiter für ausländische Unternehmen zu öffnen. Eine breitere Debatte findet in China in akademischen Diskursen (vgl. Wang 2022 und vgl. Cheng 2023) unter dem Schlagwort „Ent-Sinisierung“ (去中国化) von globalen Wertschöpfungsketten statt. Dort werden die wirtschaftspolitischen Strategien der USA und der EU mit Blick auf China als Reaktion kapitalistischer Staaten auf stärkere wirtschaftliche Konkurrenz zwischen Nationen verstanden, die die neo-liberale Weltwirtschaftsordnung förderte. Die wertbasierte Gemeinschaft dieser Staaten richte sich gegen Chinas Ziel, seine Wettbewerbsfähigkeit von einem komparativen Kostenvorteil bei Produkten von geringem Mehrwert hin zu qualitativ und technologisch fortschrittlichen Produkten zu entwickeln. Bedroht fühlt sich China auch von Militärabkommen, die die USA und auch die EU in den letzten Jahren mit Nachbarländern rund um China abgeschlossen haben. Chinas Intellektuelle raten dazu, dass die chinesische Regierung zugleich den Binnenmarkt weiter für ausländische Unternehmen öffnet und die Autonomie der nationalen Wirtschaft fördert.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 117 Eine geopolitische Aufspaltung der Welt stößt auf Kritik Rückendeckung bekommt China von ungewöhnlicher Seite. Okonjo-Iweala (WTO 2022), die Direktorin der WTO, zeigt in einer Rede zwar Verständnis dafür, dass unfaire Marktpraktiken zu Konflikten zwischen Ländern führen. Sie äußert aber Bedenken an der Umgehung von Schlichtungsmaßnahm der WTO durch ein „friend-shoring“ der USA und der EU. Dieses zielt darauf ab, die globalen Wertschöpfungsketten neu zu organisieren, indem politisch kohärente Handelsblöcke geschaffen werden (Maihold 2022, S. 4). Das wäre eine Abkehr vom multilateralen System der Weltwirtschaftsordnung. Forderungen an Entwicklungsländer, sich beim Handel auf eine Seite zu schlagen, schmälern deren Chancen zur wirtschaftlichen Entwicklung. Tatsächlich sprechen sich Entwicklungsländer gegen ein solches „friend-shoring“ aus (vgl. Rajan 2022). Stattdessen schlägt Okonjo-Iweale vor, lokale Verlierer der Globalisierung durch soziale Absicherungen besser zu schützen und warnt davor, den Handel mit China zum „Sündenbock“ für nationale Herausforderungen zu machen. Die Liberalisierung des Warenverkehrs und der Kapitalflüsse in den letzten Jahrzehnten hat eine „Rückkehr sozialer Ungleichheit“ sowohl im globalen Norden als auch globalen Süden gefördert, die nur aus aristokratischen Zeiten bekannt ist (Savage 2021). Diese Entwicklung hat auch zur gesellschaftlichen Spaltung in entwickelten Ländern beigetragen und zu einem Vertrauensverlust in demokratische Systeme geführt. Der Europäische Gewerkschaftsbund (2022b) fordert eine stärkere „soziale Agenda“ in der „offenen, strategischen Autonomie“ der EU. Schließlich argumentiert auch der DGB, dass sozialer Zusammenhalt politischer Systemkonkurrenz keinen Boden bietet (Botsch 2019). Vor diesem Hintergrund muss die politische Diskussion um Verschiebungen von globalen Lieferketten zugunsten Chinas ein komplexes Spannungsfeld berücksichtigen, damit es die nationalen und die globalen Vorund Nachteile für Wirtschaft und Gesellschaft abschätzen kann.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 118 Literatur Alle im Folgenden genannten Webseiten wurden zuletzt am 19.9.2024 abgerufen, soweit nicht anders angegeben. Adachi, Aya / Brown, Alexander / Zenglein, Max (2022): Fasten your seatbelts: How to manage China’s economic coercion. 25.8.2022, Mercator Institute for China Studies, https://merics.org/en/report/fasten-your-seatbelts-how-managechinas-economic-coercion. AFL-CIO – American Federation of Labor and Congress of Industrial Organizations (2018): AFL-CIO and ETUC Support Fair Trade Practices, 15.6.2018, https://aflcio.org/2018/6/15/afl-cio-and-etuc-support-fair-tradepractices. Aglietta, Michel / Bai, Guo (2013): China’s Development. Capitalism and Empire. London: Routledge. Allgemeine Zollverwaltung der VR China (2022): Tabelle der Gesamtwerte der importierten und exportierten Waren nach wichtigen Ländern und Regionen (Werte in US-Dollar) (2022年12 月进出口商品主要国别(地区)总值表 (美元值), www.customs.gov.cn/customs/302249/zfxxgk/2799825/302274/ 302275/4794352/index.html. Allison, Graham (2017): Destined for war? Can America and China escape Thucydide’s Trap? Boston: Houghton Mifflin Harcourt. American Enterprise Institute (2023): China Global Investment Tracker [Datenstand von September 2023], www.aei.org/china-global-investment-tracker Ankenbrand, Hendrik / Preuss, Susanne (2017): IG Metall fordert Schutz vor China. In: Frankfurter Allgemeine, 31.3.2017, www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ttip-und-freihandel/angst-voruebernahmen-ig-metall-fordert-schutz-vor-china-14950183.html. Barrientos, Stephanie / Gereffi, Gary / Rossi, Arianna (2011): Economic and Social Upgrading in Global Production Networks: A New Paradigm for a Changing World. In: International Labour Review 150, H. 3–4, S. 319–340, http://dx.doi.org/10.1111/j.1564-913X.2011.00119.x. Baur, Andreas / Flach, Lisandra (2022): Deutsch-chinesische Handelsbeziehungen: Wie abhängig ist Deutschland vom Reich der Mitte? In: ifo Schnelldienst 75, H. 4, S. 56–65, www.ifo.de/DocDL/sd-2022-04-baur-flach-deutsch-chinesischehandelsbeziehungen_0.pdf.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 119 Bayerlein, Michael (2023): Knappe Arzneimittel: Diversifizierung der Lieferketten als oberstes Ziel. Stiftung Wissenschaft und Politik. Kurz gesagt, 15.5.2023, www.swp-berlin.org/publikation/knappe-arzneimitteldiversifizierung-der-lieferketten-als-oberstes-ziel. Belt and Road Portal (中国一带一路网) (2023): Liste der Länder, die mit China Kooperationsverträge für den Bau der „Belt and Road“ unterzeichnet haben (已同中国签订共建“一带一路”合作文件 的国家一览), http://web.archive.org/web/20230822023953/www.yidaiyilu.gov.cn/ p/77298.html. Bickelmann, Jonas (2019): Siemens, VW und BASF in Xinjiang: „Unternehmen müssen sich Chinas repressiver Politik widersetzen.“ In: Tagesspiegel, 23.8.2019, www.tagesspiegel.de/politik/unternehmen-mussen-sich-chinasrepressiver-politik-widersetzen-4658143.html. BMW Group (2023): BMW Opens New Shanghai R&D Center. China R&D Strategy Upgraded for Next-level Digital User Experiences. Pressemitteilung, 21.7. 2023, http://web.archive.org/web/20240618202058/www.press. bmwgroup.com/global/article/detail/T0425038EN/bmw-opens-newshanghai-r-d-center-china-r-d-strategy-upgraded-for-next-leveldigital-user-experiences?language=en. Botsch, Andreas (2019): China: Eine neue Systemkonkurrenz zwischen Ost und West. 19.9.2019, DGB, http://web.archive.org/web/20200926052804/www.dgb.de/themen/ ++co++be5b9e0c-d881-11e9-8d8b-52540088cada. Boyer, Robert (2011): The Chinese growth regime and the world economy. In: Boyer, Robert / Uemura, Hiroyasu / Isogai, Akinori (Hrsg.): Diversity and transformations of Asian capitalisms. London: Routledge, https://research.cbs.dk/en/publications/the-chinese-growth-regimeand-the-world-economy. Brautigam, Deborah / Huang, Yufan (2023): Integrating China into Multilateral Debt Relief: Progress and Problems in the G20 DSSI. China*Africa Research Initiative, Briefing Paper 9, https://static1.squarespace.com/static/5652847de4b033f56d2bdc2 9/t/64303cd252cc4045dafc811f/1680882899126/Briefing+Paper+9 +-+China+and+DSSI+-+April+2023+-+V5.pdf.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 120 Brophy, David (2021): Sanctions only escalate tensions. It’s time to tackle the Uyghurs’ plight differently. In: The Guardian, 5.4.2021, www.theguardian.com/commentisfree/2021/apr/05/sanctionsuyghurs-plight-china-policies. Bundesregierung (2023): China-Strategie der Bundesregierung, www.auswaertiges-amt.de/blob/2608578/ 810fdade376b1467f20bdb697b2acd58/china-strategie-data.pdf. Busch, Berthold / Matthes, Jürgen / Sultan, Samina (2023): Zur Abhängigkeit einzelner Industriezweige von China. IW-Report Nr. 5, www.iwkoeln.de/studien/berthold-busch-juergen-matthes-saminasultan-zur-abhaengigkeit-einzelner-industriezweige-vonchina.html. Carry, Inga / Godehardt, Nadine / Müller, Melanie (2023): Die Zukunft europäisch-chinesischer Rohstofflieferketten. Drei Szenarien für das Jahr 2030 – und was sich daraus ergibt, SWP-Aktuell 2023/A 15, www.swp-berlin.org/10.18449/2023A15/. Chan, Anita (2001): China’s Workers under Assault. The Exploitation of Labor in a Globalizing Economy. New York: ME Sharpe. Chen, Laurie / Zhang, Albee (2023): China suspends youth jobless data after record high readings. In: Reuters, 15.8.2023, www.reuters.com/world/china/china-stop-releasing-youth-joblessrate-data-aug-says-stats-bureau-2023-08-15/. Cheng, Xi (陈玺) (2023): Wie soll China auf das Update und die Entwicklung der EU-China Wirtschaftsstrategie reagieren? (中国当 如何应对欧盟对华经济战略的升级和演变). Chinas Informationsnetz zu handelspolitischen Maßnahmen des Handelsministeriums der VR China, cacs.mofcom.gov.cn/article/flfwpt/jyjdy/cgal/202307/177113.html. China Daily (2022): Mercedes-Benz strengthens local innovation with R&D Center Shanghai, 21.3.2022, www.chinadaily.com.cn/a/202203/21/ WS6237d58da310fd2b29e52253.html. China Daily (2023): Global carmakers accelerate R&D in China, 9.5.2023, https://global.chinadaily.com.cn/a/ 202305/09/WS6459eb45a310b6054fad1ee0.html. China Labour Bulletin (2023): Workers‘ rights and labour relations in China, 10.7.2023, https://clb.org.hk/en/content/ workers%E2%80%99-rights-and-labour-relations-china.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 127 Hauschild, Helmut / Jungbluth, Cora / Gerlach, Sally / Gramke, Kai / Limbers, Jan / Weiß, Johann (2015): China – Partner und Konkurrent. Eine Analyse der deutsch-chinesischen Handelsbeziehungen. Bertelsmann Stiftung, www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/ Publikationen/GrauePublikationen/Studie_DA_China-Partner-undKonkurrent_2015.pdf. He, Hongwen / Sun, Fengchun / Wang, Zhenpo / Lin, Cheng / Zhang, Chengning / Xiong, Rui / Deng, Junjun / Zhu, Xiaoqing / Xie, Peng / Zhang, Shuo / Wei, Zhongbao / Cao, Wanke / Zhai, Li (2022): China’s battery electric vehicles lead the world: achievements in technology system architecture and technological breakthroughs. In: Green Energy and Intelligent Transportation 1, H. 1, Artikel 22, https://doi.org/10.1016/j.geits.2022.100020. He, Laura (2024): Chinese EV giant BYD to build $1 billion plant in Turkey. In: CNN.com, 9.7.2024, https://edition.cnn.com/2024/07/09/business/china-ev-byd-turkeyplant-intl-hnk/index.html. Heberer, Thomas / Schmidt-Glintzer, Helwig (2023): Jenseits von Hass und Zorn – nach der erfolgreichen Kampagne gegen Terrorismus und Islamismus sollen sich nach dem Willen Pekings die Verhältnisse in Xinjiang wieder normalisieren. In: Neue Zürcher Zeitung, 11.9.2023, www.nzz.ch/meinung/xinjiang-china-kampf-gegen-terrorismusund-separatismus-ld.1753509. Heilmann, Sebastian / Melton, Oliver (2013): The Reinvention of Development Planning in China, 1993–2012. In: Modern China 39, H. 6, S. 580–628, www.jstor.org/stable/24574695. Heise Online (2018): Hightech-Übernahmen durch China: IG Metall fordert Gegenstrategie, 3.6.2018, www.heise.de/news/Hightech-Uebernahmen-durch-China-IGMetall-fordert-Gegenstrategie-4063837.html. Herr, Hansjörg / Teipen, Christina / Dünhaupt, Petra / Mehl, Fabian (2020): Wirtschaftliche Entwicklung und Arbeitsbedingungen in globalen Wertschöpfungsketten. Working Paper Forschungsförderung 175. Düsseldorf: Hans Böckler Stiftung, www.boeckler.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-007610.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 128 Heymann, Eric (2021): Zukunft des Automobilstandorts Deutschland. Detroit lässt grüßen. Deutsche Bank Research, www.dbresearch.de/PROD/RPS_DE-PROD/ PROD0000000000515751/Zukunft_des_Automobilstandorts_ Deutschland:_Detroi.pdf?undefined&realload=HgKsNnZudRpuqO guZLBagtY/1ZfIgWXwEIeDTQZSNNX0todXjBRK6S7KfhNSuWEd. ICCT – International Council on Clean Transportation / China EV100 (2020): Driving a green Future. A retrospective review of China’s Electric Vehicle Development and Outlook for the Future, https://theicct.org/wp-content/uploads/2021/06/China-green-futureev-jan2021.pdf. IEA – Internationale Energie Agentur (2022): Special Report on Solar PV Global Supply Chains. OECD Publishing, https://doi.org/10.1787/9e8b0121-en. IG Metall (2016): Chinas Maschinenund Anlagenbau. Entwicklungstrends und Herausforderungen für Deutschland, www.igmetall.de/download/20160921_16_09_20_Chinas_ Maschinen__und_Anlagenbau_ 6ba677b72aeccd2e1acac028bbbe94a61efac65a.pdf. IG Metall (2017): Wenn China nach Deutschland kommt, www.igmetall.de/politik-und-gesellschaft/wirtschaftspolitik/ industriepolitik/wenn-china-nach-deutschland-kommt. ILO – Internationale Arbeitsorganisation (2022): China ratifies the two ILO Fundamental Conventions on forced labour. Pressemitteilung, 12.8.2022, www.ilo.org/global/about-the-ilo/newsroom/news/ WCMS_853575/lang--en/index.htm. Internationaler Währungsfond (2021): People’s Republic of China: 2021 Article IV Consultation-Press Release; Staff Report; and Statement by the Executive Director for the People’s Republic of China, www.imf.org/en/Publications/CR/Issues/2022/01/26/ Peoples-Republic-of-China-2021-Article-IV-Consultation-PressRelease-Staff-Report-and-512248. ITUC – Internationaler Gewerkschaftsbund (2016): Scandal. Inside the global supply chains of 50 top companies. Frontlines Report 2016, www.ituc-csi.org/frontlines-report-2016-scandal. Jungbluth, Cora / Matthes, Jürgen / Beer, Sonja / Sebastian, Gregor / Zenglein, Max / Strack, Friedolin / Schaff, Ferdinand (2023): Gewinne deutscher Investoren in China – eine erste empirische Bestandsaufnahme, https://merics.org/sites/default/files/2023-04/ 20230419_FDI_Studie_2023_final.pdf.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 129 Kalina, Thorsten / Weinkopf, Claudia (2023): Niedriglohnbeschäftigung 2020. Rückgang des Anteils von Niedriglöhnen in den letzten Jahren. IAQ-Report 2/2023, https://doi.org/10.17185/duepublico/77382. Klein, Matthew C. / Pettis, Michael (2021): Trade wars are class wars. How rising inequality distorts the global economy and threatens international peace. New Haven: Yale University Press, https://doi.org/10.2307/j.ctv10sm96m. Koch, Max (2003): Arbeitsmärkte und Sozialstrukturen in Europa. Wege zum Postfordismus in den Niederlanden, Schweden, Spanien, Großbritannien und Deutschland. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag. Kratz, Agatha / Barkin, Noah / Dudley, Lauren (2022): The Chosen Few: A Fresh Look at European FDI in China. Rhodium Group, https://rhg.com/research/the-chosen-few/. Kratz, Agatha / Zenglein, Max / Sebastian, Gregor / Witze, Mark (2023): EV battery investments cushion drop to decade low: Chinese FDI in Europe 2022 Update, https://merics.org/en/report/ev-battery-investments-cushion-dropdecade-low-chinese-fdi-europe-2022-update. Kretschmer, Fabian (2021): Hongkong: Amnesty International schließt Büro. In: Frankfurter Rundschau, 25.10.2021, www.fr.de/politik/amnesty-international-schliesst-hongkongerbuero-91073706.html. Kucik, Jeffrey (2022): Can the United States really decouple from China? Probably not – but that doesn’t mean it won’t try. In: Foreign Policy, 11.1.2022, https://foreignpolicy.com/2022/01/11/us-china-economicdecoupling-trump-biden/. Lang, Graeme / Xu, Ying (2013): Anti-incinerator campaigns and the evolution of protest politics in China. In: Environmental Politics 22, H. 5, S. 832–848, https://doi.org/10.1080/09644016.2013.765684. LaRocco, Lori (2022): China, “factory of the world,“ is losing more of its manufacturing and export dominance, latest data shows. In: CNBC.com, 20.10.2022, www.cnbc.com/2022/10/20/china-factory-of-the-world-is-losing-itsmanufacturing-dominance.html#:~:text= The%20latest%20data%20in%20the%20CNBC%20Supply%20 Chain,minerals%2C%20and%20science%20and%20technology% 20are%20all%20declining.com).
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 130 Liu, Yang (2014): China’s paradox: unemployment, and a lack of workers. World Economic Forum, 8.9.2014, www.weforum.org/agenda/2014/09/china-jobs-labour-marketunemployment/. Lüthje, Boy / Zhao, Wei / Wu, Danielle (2023): Low carbon – low wages? China as a market and manufacturing base of electromobility. In: Galgóczi, Béla (Hrsg.): On the way to electromobility – a green(er) but more unequal future? ETUI, S. 115–146, www.etui.org/publications/way-electromobility-greener-moreunequal-future. Macias, Amanda / Tausche, Kayla (2021): U. S. needs to work with Europe to slow China’s innovation rate, Raimando says. In: CNBC.com, 28.9.2021, www.cnbc.com/2021/09/28/us-needs-to-work-with-europe-to-slowchinas-innovation-rate-raimondo-says.html. Maihold, Günther (2022): Die neue Geopolitik der Lieferketten. „Friendshoring“ als Zielvorgabe für den Umbau von Lieferketten. SWPAktuell 45, www.swp-berlin.org/publikation/die-neue-geopolitik-derlieferketten. Maihold, Günther / Mühlhöfer, Fabian (2021): Instabile Lieferketten gefährden die Versorgungssicherheit. Handlungsoptionen für Unternehmen und Politik. SWP-Aktuell 80, www.swp-berlin.org/10.18449/2021A80/. Matthes, Jürgen (2020): Wie abhängig ist die deutsche Wirtschaft exportseitig von China? In: ifo Schnelldienst 73, H. 2, S. 32–38, www.iwkoeln.de/studien/juergen-matthes-wie-abhaengig-ist-diedeutsche-wirtschaft-exportseitig-von-china.html. Matthes, Jürgen (2022): Gegenseitige Abhängigkeit im Handel zwischen China, der EU und Deutschland. Eine empirische Faktensammlung. IW-Report 35, www.iwkoeln.de/studien/juergen-matthes-gegenseitigeabhaengigkeit-im-handel-zwischen-china-der-eu-unddeutschland.html. Maull, Hanns / Stanzel, Angela / Thimm, Johannes (2023): USA und China auf Kollisionskurs. Die Bedeutung der Innenpolitik für das bilaterale Verhältnis. SWP-Studie 2. Stiftung Wissenschaft und Politik: Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, www.swp-berlin.org/publications/products/studien/ 2023S02_USA_China.pdf.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 131 Miroudot, Sébastien / Nordström, Håkan (2020): Made in the World? Global Value Chains in the Midst of Rising Protectionism. In: Review of Industrial Organization 57, S. 195–222, https://doi.org/10.1007/s11151-020-09781-z. Molnar, Margit / Yan, Ting / Li, Yusha (2021): China’s outward direct investment and its impact on the domestic economy. OECD Economics Department Working Paper 1685. Paris: OECD Publishing, https://doi.org/10.1787/1b1eaa9d-en. Monopolkommission (2020): Wettbewerb 2020. XXIII. Hauptgutachten der Monopolkommission gemäß § 44 Abs. 1 Satz 1 GWB, www.monopolkommission.de/images/HG23/HGXXIII_Gesamt.pdf. Mortsiefer, Henrik (2023): China Strategie. Autobranche erwartet politische Rückendeckung. In: Tagesspiegel, 20.4.2023, https://background.tagesspiegel.de/mobilitaet/autobrancheerwartet-politische-rueckendeckung. Musitz, Julia (2023): Chinas Plan zur sozio-ökologischen Wende: Wie macht China Klimapolitik? In: AK Infobrief EU & International, H. 3, S. 2–9, https://wien.arbeiterkammer.at/interessenvertretung/eu/infobrief/ IB23_3_Artikel01_Chinas-Plan-zur-sozio-oekologischenWend.html. Musitz, Julia (2024a, im Erscheinen): Chinas grüne Technologieführerschaft. Wirtschaftspolitische Maßnahmen mit Erfolg. Studie im Auftrag der Arbeiterkammer Wien. Musitz, Julia (2024b): Chinas grüne Technologieführerschaft: Brauchen grüne Märkte den Staat? A&W blog, 29.7.2024, www.awblog.at/Wirtschaft/Chinas-grueneTechnologiefuehrerschaft. Nationale Planungskommission / Nationale Wirtschaftshandelskommission / Nationales Außenhandelsbüro der VR China (1995): Vorläufige Bestimmungen zur Lenkung von Auslandsinvestitionen (指导外商投资方向暂行规定). Bericht des Staatsrats der VR China (中华人民共和国国务院公报), S. 667– 670, www.gov.cn/gongbao/shuju/1995/gwyb199517.pdf.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 132 Nationaler Volkskongress der VR China (2019): Auslandsinvestitionsgesetz der VR China (中华人民共和国外商投 资法). Verabschiedet bei der 2. Sitzung des 3. Nationalen Volkskongresses. Netz des Nationalen Volkskongress der VR China, www.npc.gov.cn/zgrdw/npc/xinwen/2019-03/15/ content_2083532.htm. Nationales Statistikbüro der VR China (o. J. a): Nationale (regionale) Analyse der Summe von Auslandsdirektinvestitionen (按国别 (地 区) 分实际外商投资额) [Datenstand von September 2023], https://data.stats.gov.cn/easyquery.htm?cn=C01. Nationales Statistikbüro (o. J. b): Direktinvestitionen im Ausland nach Wirtschaftssektoren (按行业分对外直接投资存量) [Datenstand von September 2023], https://data.stats.gov.cn/easyquery.htm?cn=C01. Noesselt, Nele (2014): Chinas neue EU-Strategie: Aufbau einer strategischen Achse der Weltpolitik? GIGA Focus Global 4, www.giga-hamburg.de/de/publikationen/giga-focus/chinas-neueeu-strategie-aufbau-einer-strategischen-achse-der-weltpolitik. OECD – Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (2023): OECD International Direct Investment Statistics 2022. Paris: OECD Publishing, https://doi.org/10.1787/deedc307-en. OECD – Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (o. J.): Global Value Chains and Trade, http://web.archive.org/web/20240229225247/www.oecd.org/ trade/topics/global-value-chains-and-trade/. Pickard, Jim (2022): UK government to pay Chinese group £100mn to exit Sizewell C. In: Financial Times, 29.11.2022, www.ft.com/content/a9a34ea3-649f-4a47-a4c8-ee269e07eccc. Piore, Michael / Sabel, Charles (1985): Das Ende der Massenproduktion. Studie über die Requalifizierung der Arbeit und die Rückkehr der Ökonomie in die Gesellschaft. Berlin: Wagenbach. Ponte, Stefano / Gereffi, Gary / Raj-Reichert, Gale (2019): Introduction to the Handbook on Global Value Chains. In: Ponte, Stefano / Gereffi, Gary / Raj-Reichert, Gale (Hrsg.): Handbook on Global Value Chains. Cheltenham: Edward Elgar Publishing, S. 1–27, http://dx.doi.org/10.4337/9781788113779.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 133 Rajan, Raghuram (2022): Just say No to „Friend-Shoring.” Project Syndicate, www.project-syndicate.org/commentary/friend-shoring-highercosts-and-more-conflict-without-resilience-by-raghuram-rajan2022-06?barrier=accesspaylog. Raza, Werner / Grohs, Hannes (2022): Trade aspects of China’s presence in Latin America and the Caribbean. Briefing requested by the INTA committee of the European Parliament, www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/BRIE/2022/702572/ EXPO_BRI(2022)702572_EN.pdf. Reuters (2022): Mercedes-Benz opens new R&D centre in Shanghai, 18.3.2022, www.reuters.com/business/autos-transportation/mercedes-benzopens-new-rd-centre-shanghai-2022-03-18/. Rodrik, Dani (2014): Green industrial policy. In: Oxford Review of Economic Policy 30, H. 3, S. 469–491, https://academic.oup.com/oxrep/article-abstract/30/3/469/549542. Sandalow, David / Meidan, Michal / Andrews-Speed, Philip / Hove, Anders / Qiu, Sally Yue / Downie, Edmund (2022): Guide to Chinese Climate Policy 2022. The Oxford Institute for Energy Studies, https://chineseclimatepolicy.oxfordenergy.org/wp-content/ uploads/2022/11/Guide-to-Chinese-Climate-Policy-2022.pdf. Sandkamp, Alexander / Stamer, Vincent / Wendorff, Falk / Gans, Steffen (2023): Leere Regale made in China. Wenn China beim Handel mauert. Kiel Policy Brief 164, www.ifw-kiel.de/de/publikationen/leere-regale-made-in-chinawenn-china-beim-handel-mauert-25998/. Savage, Mike (2021): The return of inequality. Social change and the weight of the past. Cambridge: Harvard University Press. Sayers, Eric / Kanapathy, Ivan (2022): America Is Showering China With New Restrictions. In: Foreign Policy, 15.2.2022, https://foreignpolicy.com/2022/02/15/us-china-economic-financialdecoupling-controls-restrictions-sanctions/. Schade, Wolfgang / Haug, Ines / Berthold, Daniel (2022): The Future of the Automotive Sector: Emerging Battery Value Chains in Europe. ETUI Report 2022.02, www.etui.org/sites/default/files/2022-06/The%20future% 20of%20the%20automotive%20sector-Emerging%20battery%20 value%20chains%20in%20Europe_2022.pdf.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 134 Scheinert, Christian (2023): EU’s response to the US Inflation Reduction Act IRA. Briefing requested by the ECON Committee PE 740.087, www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/IDAN/2023/740087/ IPOL_IDA(2023)740087_EN.pdf. Scissors, Derek (2019): Chinese Investment: State-Owned Enterprises Stop Globalizing, for the Moment. American Enterprise Institute, www.aei.org/wp-content/uploads/2019/01/China-Tracker-January2019.pdf. Scissors, Derek (2023): China’s global Investment surges, finally. American Enterprise Institute, www.aei.org/wp-content/uploads/2023/07/Chinas-GlobalInvestment-Surges-Finally.pdf?x91208. Sebastian, Gregor (2022): The bumpy road ahead in China for Germany’s carmakers. 27.10.2022, Mercator Institute for China Studies, www.merics.org/de/studie/bumpy-road-ahead-china-germanyscarmakers. Staatsrat der VR China (2015): Nr. 28: Made in China 2025 (中国制造 2025). Internetportal der Zentralregierung der VR China, www.gov.cn/zhengce/content/2015-05/19/content_9784.htm. Staatsrat der VR China (2019): Verordnung Nr. 723. Anwendungsbestimmungen des Auslandsinvestitionsgesetzes (外 商投资法实施条例). Internetportal der Zentralregierung der VR China, www.gov.cn/zhengce/content/2019-12/31/content_5465449.htm. Staatsrat der VR China (2002): Verordnung Nr. 346. Bestimmungen zur Lenkung von Auslandsinvestitionen (指导外商投资方向规定). Internetportal der Zentralregierung der VR China, www.gov.cn/gongbao/content/2002/content_61969.htm. Statista (2023): Verteilung der Bruttowertschöpfung in Deutschland nach Wirtschaftszweigen im Jahr 2022 [Datenstand von September 2023], https://de.statista.com/statistik/daten/studie/252123/umfrage/ anteil-der-wirtschaftszweige-an-der-bruttowertschoepfung-indeutschland/. Statistisches Bundesamt (2023a): Die Volksrepublik China ist erneut Deutschlands wichtigster Handelspartner, http://web.archive.org/web/20230602194756/www.destatis.de/DE/ Themen/Wirtschaft/Aussenhandel/handelspartner-jahr.html.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 135 Statistisches Bundesamt (2023b): Außenhandel, http://web.archive.org/web/20231216230034/www.destatis.de/DE/ Themen/Wirtschaft/Konjunkturindikatoren/Lange-Reihen/ Aussenhandel/lrahl01a.html. Statistisches Bundesamt (2023c): Außenhandel. Rangfolge der Handelspartner im Außenhandel der Bundesrepublik Deutschland (vorläufige Ergebnisse) [Datenstand von September 2023], http://web.archive.org/web/20230505043658/www.destatis.de/DE/ Themen/Wirtschaft/Aussenhandel/Tabellen/ rangfolge-handelspartner.pdf?__blob=publicationFile. Statistisches Bundesamt (2023d): Beschäftigte und Umsatz der Betriebe im Verarbeitenden Gewerbe, www-genesis.destatis.de/genesis/ online?sequenz=tabelleErgebnis&selectionname=421110002&zeitscheiben=2&leerzeilen=false#abreadcrumb. Statistisches Bundesamt (2023e): Außenhandel. Die wichtigsten deutschen Handelswaren 2022 [Datenstand von September 2023], www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Aussenhandel/_Grafik/ _Interaktiv/handelswaren.html. Steinhardt, Christoph / Wu, Fengshi (2016): In the Name of the Public: Environmental Protest and the Changing Landscape of Popular Contention in China. In: The China Journal 75, S. 61–82, www.journals.uchicago.edu/doi/10.1086/684010. Stiftung Arbeit und Umwelt der IG BCE / Merics – Mercator Institute for China Studies (2020): Chinas Streben nach Dominanz in globalen Zulieferund Wertschöpfungsketten: Auswirkungen auf Europa, www.arbeit-umwelt.de/wp-content/uploads/ Studie_China_Wertschoepfungsketten_StAU.pdf. Stiftung Arbeit und Umwelt der IGBCE (2022): Chinas 14. Fünfjahresplan. Auswirkungen der Umweltund Industriepolitik auf die deutsche und europäische Industrie. Berlin, www.arbeit-umwelt.de/wp-content/uploads/Chinas_Umwelt-undIndustriepolitik_StiftungIGBCE.pdf. Swissmem/VDMA – Verband Deutscher Maschinenund Anlagenbau (2021): Markt China im Wandel. Wie bleibt der Maschinenbau im Wettbewerb erfolgreich?, www.sinoptic.ch/textes/eco/2021/20210713_Swissmem_ Synolitics_Etude-de.pdf.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 136 Szczepański, Marcin (2022): China’s economic coercion. Evolution, characteristics and countermeasures. European Parliamentary Research Service (EPRS), www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/BRIE/2022/738219/ EPRS_BRI(2022)738219_EN.pdf. Tagesschau (2023): Chip-Technologie. Die Niederlande beschränken Exporte nach China, 9.3.2023, www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/china-halbleiterexportbeschraenkungen-asml-niederlande-technologie-usachipindustrie-101.html. Tan, Huileng (2023): Even Chinese companies are moving supply chains out China to avoid geopolitical risks. In: Businesss Insider, 22.4.2023, www.businessinsider.com/chinese-supply-chains-movingcompanies-outside-mainland-2023-4. Thurbon, Elizabeth / Kim, Sung-Young / Tan, Hao / Matthews, John (2023): Developmental Environmentalism. State ambition and creative destruction in East Asia’s Green Energy Transition. Oxford (UK): Oxford University Press. Tooze, Adam (2023): America Has Dictated Its Economic Peace Terms to China. By refusing negotiation over China’s rise, the United States might be making conflict inevitable. In: Foreign Policy, 24.4.2023, https://foreignpolicy.com/2023/04/24/america-has-dictated-itseconomic-peace-terms-to-china/. Tröster, Bernhard / Küblböck, Karin / Grumiller, Jan (2017): EU’s and Chinese raw materials policies in Africa: converging trends? In: Kurswechsel 3, S. 69–78, www.beigewum.at/kurswechsel/jahresprogramm-2017/ kurswechseljahresprogramm-2017heft-32017neue-weichen-fuerdie-weltwirtschaft/. Tseng, Wanda / Zebregs, Harm (2002): Foreign Direct Investment in China: Some Lessons for Other Countries. IMF Policy Discussion Paper 02/3, www.imf.org/external/pubs/ft/pdp/2002/pdp03.pdf. UNCTAD – United Nations Conference on Trade and Development (2023a): Key Statistics and Trends in International Trade 2022. New York: United Nations Publications, unctad.org/system/files/official-document/ditctab2023d1_en.pdf.
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 143 Jahr Unternehmen Summe. (Mill. €) Anteil Beteiligung Partner Sektor Sub-Sektor Greenfield 2012 Shandong Heavy Industry 1.000 25 % Kion Immobilien Baugewerbe 2013 Sinoma 151 59 % Schmidt, Kranz & Co. Immobilien Baugewerbe 2013 China South Locomotive 430 ZF Friedrichshafen Transport Kraftfahrzeuge 2013 Aviation Industry Corp. (AVIC) 280 59 % KHD Immobilien Baugewerbe 2014 Goodbaby 108 100 % Columbus Holding Sonstige Konsum 2014 Fosun 151 19 % Deutsche Bank Finanz Banking 2014 Aviation Industry Corp. (AVIC) 688 100 % 3i Transport Kraftfahrzeuge 2014 Fosun 118 23 % Tom Tailor Sonstige Konsum 2014 State Administration of Foreign Exchange (SAFE) 677 HIH und RFR Immobilien Eigentum 2015 Ningbo Joyson 118 75 % Quin GmbH Transport Kraftfahrzeuge 2015 Anhui Zhongding 118 100 % Wegu Holding Transport Kraftfahrzeuge 2015 Fosun 247 100 % Hauck & Aufhaeuser Finanz Banking 2015 Midea 183 5 % Kuka Technologie 2015 China Investment Corporation (CIC) 634 15 % Tank & Rast Transport Kraftfahrzeuge 2015 Beijing Auto (BAIC) 516 Borgward Transport Kraftfahrzeuge
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 144 Jahr Unternehmen Summe. (Mill. €) Anteil Beteiligung Partner Sektor Sub-Sektor Greenfield 2016 China National Chemical (ChemChina) 1.075 100 % KraussMaffei Immobilien Baugewerbe 2016 Ningbo Joyson 215 100 % TechniSat Digital Transport Kraftfahrzeuge 2016 Beijing Enterprises (BEHL) 1.709 100 % EQT Energie Müllverbrennung 2016 Chengdu Techcent 237 Bilfinger Versorgung 2016 Midea 151 5 % Kuka Technologie 2016 Midea 161 3 % Kuka Technologie 2016 Three Gorges 1.656 80 % WindMW Energie Alternative 2016 Anhui Zhongding 161 100 % AMK Holding Transport Kraftfahrzeuge 2016 IDG Capital, MLS, Yiwu State-Owned Assets 473 Osram Sonstige Industrie 2016 Midea 5.031 82 % Kuka Technologie 2016 Shanghai Electric 237 100 % Deutsche Beteiligungs AG Transport Luftfahrt 2016 Shenyang Blue Silver 118 85 % Durr Ecoclean Sonstige Industrie 2016 Chongqing USUM 280 Scholz Holding Sonstige Industrie 2016 Dare Group 226 AlpInvest Partners Transport Kraftfahrzeuge 2016 Chengdu Techcent 366 60 % Alba Sonstige Industrie 2016 China Investment Corporation (CIC) 1.215 BGP Immobilien Eigentum 2016 Anhui Zhongding 215 100 % Bavaria Industries Transport Kraftfahrzeuge 2017 HNA 860 3 % Deutsche Bank Finanz Banking
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 145 Jahr Unternehmen Summe. (Mill. €) Anteil Beteiligung Partner Sektor Sub-Sektor Greenfield 2017 HNA 495 2 % Deutsche Bank Finanz Banking 2017 HNA 1.462 5 % Deutsche Bank Finanz Banking 2017 Zhengzhou Coal, Renaissance Capital 645 Robert Bosch Transport Kraftfahrzeuge 2017 Truking Group 118 75 % Romaco Gesundheit 2017 Beijing Zhonghuan 1.333 Transport Kraftfahrzeuge X 2017 Shandong Heavy Industry 1.527 18 % Kion Immobilien Baugewerbe 2017 China Communications Construction 473 Logistik 2017 Luxshare 828 ZF TRW Transport Kraftfahrzeuge 2017 Zhongwang 247 100 % Aluminiumwerk Metallherstellung Aluminium 2017 China Iron and Steel Research Institute 140 Cotesa Transport Luftfahrt 2018 Creat 1.236 90 % Biotest Gesundheit 2018 Zhejiang Geely 9.707 10 % Daimler Transport Kraftfahrzeuge 2018 Ningbo Jifeng 484 50 % Grammer Transport Kraftfahrzeuge 2018 Fosun 699 100 % Aton Sonstige Industrie 2018 Beijing Auto (BAIC) 763 Borgward Transport Kraftfahrzeuge 2018 Shanghai Municipal Government 290 100 % Chequers Capital Sonstige Textilien 2018 Contemporary Amperex Tech 301 100 % Transport Kraftfahrzeuge X
MUSITZ: CHINA – EIN SCHWIERIGER PARTNER FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT | 146 Jahr Unternehmen Summe. (Mill. €) Anteil Beteiligung Partner Sektor Sub-Sektor Greenfield 2018 Shanghai Giant Network 118 Wooga Unterhaltung 2019 Alibaba 108 100 % Artisans Technologie 2019 Beijing Auto (BAIC) 2.956 5 % Daimler Transport Kraftfahrzeuge 2019 China North Industries (Norinco) 140 Transport Kraftfahrzeuge 2019 Huazhu Hotels 839 100 % Deutsche Hospitality Tourismus 2020 Fosun 151 BioNTech Gesundheit 2020 Tencent 108 Lilium Transport Luftfahrt 2020 WuXi AppTec 194 Bayer Gesundheit 2021 China Mobile 108 Technologie Telecom 2021 Fosun 301 100 % Bankhaus Lampe Finanz Banking 2021 Tencent 118 4 % Gorillas Sonstige Konsum 2021 Midea 183 5 % Kuka Technologie 2021 Contemporary Amperex Tech 1.903 Transport Kraftfahrzeuge X 2022 China Grand 634 35 % Heidelberg Pharma Gesundheit 2022 Wallaby Medical 581 Phenox Gesundheit 2023 Svolt 2.247 Transport Kraftfahrzeuge X Quelle: American Enterprise Institute 2023, eigene Darstellung
ISSN 2509-2359