on Unge n, Rode ich
A icle
Die S uk u de ussischen Gesellscha zu An ang des 20.
Jah hunde s
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: on Unge n, Rode ich (1956) : Die S uk u de ussischen Gesellscha zu An ang
des 20. Jah hunde s, Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha , ISSN
1619-6244, Duncke & Humblo , Be lin, Vol. 76, Iss. 2, pp. 41-69,
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169] 41
Die S uk u de ussischen Gesellscha
zu An ang des 20. Jah hunde s
Von
Rode ich on Unge n-S e nbe g- Ki chza en
Inhal s e zeichnis : Vo beme kung S. 41 — 1. Baue n und Indus ie-
a bei e S. 42 — 2. Die Handwe ke S. 47 — 3. Die Kau mannscha S. 49 —
4. Die Geis lichkei S. 54 — 5. Die Beam enscha S. 56 — 6. Die In elligenzia
5. 58 — 7. De Adel S. 63
Die Bedeu ung, die eine bes imm en Gesellscha sschich als wi -
kende K a in einem e olu ionä en Umb uch, wie ihn Rußland
1917/20 e leb ha , zukomm , kann nu ich ig beu eil we den, wenn
zu o ih Gewich inne halb de gesellscha lichen S uk u es ges ell
wi d, sowohl in quan i a i e Hinsich wie auch in bezug au die geis i-
gen Po enzen, die de be e enden Schich eignen, de Abweh - ode
Ang i sk ä e, die on ih ausgehen inne halb des sozialen Spannungs-
eldes. Hie zu beda es eine Kenn nis de gesellscha lichen S uk u ,
ih e Zusammense zung nach S änden, Be u en und Klassen.
Vo auszuschicken is : die olgenden E mi lungen und Be ach un-
gen beziehen sich in ollem Um ang au das eigen liche Rußland, d. h.
au das Volk und den S aa , die das g oße e hnische und kul u elle
Ke ngebie , e wa das al e Moskowi ische Reich o Pe e des G oßen
E obe ungen bilde e. In den Randgebie en: in de Uk aine, in Polen,
Li auen, Le land und Es land, in Ku land, im Kaukasus, in den zen-
alasia ischen Gebie en bes anden Ve häl nisse, die in manche Be-
ziehung on den g oß ussischen g und e schieden wa en. Alle diesç
Lände sind om g oß ussischen Mach zen um aus e obe , ein e leib
und angegliede wo den; sie haben eine wesen lich ande e Geschich e
als das Moskowi ische Reich, on dem aus sie abe alle meh ode weni-
ge ussi izie wo den sind und dessen Schicksal sie im Lau de le z-
en und 250 Jah en ge eil haben. Die le z en Ein e leibungen: de
Kaukasus und die mi elasia ischen Gebie e sind alle dings e s Ende
de 60e bzw. in den 70e Jah en des o igen Jah hunde s e olg .
Die S uk u des ussischen ancien égime wies zu An ang des
20. Jah hunde s noch ein s ändisches Gep äge au , das wohl be ei s in
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42 Rode ich on Unge n-S e nbe g [170
e heblichem G ade au gelocke wa , abe in ech liche Hinsich im
wesen lichen noch o bes and und seh iel Eigena en im Ve gleich
zu den damaligen sozialen Ve häl nissen in Wes eu opa au wies.
Die g oße Meh hei de Einwohne scha , die sog. „obywa eli", ge-
hö e ih em S and nach in de Haup sache en wede zu de Baue n-
scha (k es ians wo), ode zu den Kleinbü ge n (mes schâns wo) ode
zu de Kau mannscha (kupe sches wo).
1. Baue n und Indus iea bei e
Wenn wi uns die gesellscha liche Schich ung des ussischen ancien
égime in Fo m eine Py amide o s ellen, so wi d e sich lich, daß die
b ei ausladende Basis und das gesam e Mi els ück aus Baue n
bes and, daß Al ußland ein ausgesp ochenes Baue n olk da s ell e, ein
Land, in dem die Baue n schä zungsweise 80 bis 82 °/o de Gesam -
be ölke ung bilde en, au denen de gesam e soziale Übe bau uh e1.
Das is nich so au zu assen, daß alle diese Baue n a sächlich Acke bau
und Viehzuch be ieben, ielmeh lieg diese Schä zung die s ändische
Zugehö igkei zug unde. E wa 80% de Be ölke ung wa en ih em
„Paß66 nach Baue n, d. h. sie wa en bei eine bäue lichen Gemeinde, in
de sie beheima e wa en, „angesch ieben". Ih s ändige Wohno
konn e seh wohl ein ganz ande e sein und ih e egelmäßig ausgeüb e,
die Exis enzg undlage bildende Tä igkei , b auch e mi de Landwi -
scha nich s gemein zu haben. Le z e es a au einen e heblichen Teil
de indus iellen A bei e scha zu. De An eil de Indus iea bei e
und -a bei e innen, die dem Baue ns and angehö en, ha um die le z e
Jah hunde wende schä zungsweise 92 Vo be agen, un e schiedlich
nach den einzelnen Gebie en und Indus iezweigen. In de Flußschi -
ah , un e den Fo s a bei e n, im T anspo wesen, un e den unge*
le n en Baua bei e n, in den Ziegeleien mag de An eil de Baue n
97
*Vo
und meh e eich haben, in de Me allindus ie dagegen nu
82°/o. Im Pe e sbu ge Indus iebezi k is e ge inge gewesen als in
den zen alen Gou e nemen s2. De Res ek u ie e sich aus eine
1 Diesen 80 bis 82 ®/o bäue liche Be ölke ung lieg olgende Schä zung zug unde:
De An eil de Kau leu e und Händle is angese z mi 10%, de
Geis lichkei , de wel lichen und klös e lichen, mi 3 ®/o, de Beam en
gleich alls mi 3°/o, de Handwe ke mi 1 bis 2 0/o und de An eil des
e blichen Adels mi 1 °/o. Das mach insgesam 18 bis 19 D/o nich zu
Baue nscha gehö enden Be ölke ung. Diese Be echnung lieg sowohl die be-
u liche Be ä igung wie die s ändische Zugehö igkei zug unde. In Einzel ällen
e gib sich un e meidlich eine Doppelzählung bei de Schä zung. So kann z. B.
eine Pe son sowohl dem e blichen Adel wie de Beam enscha zugezähl we den.
Die sogenann e In elligenz bilde e wede einen S and noch einen Be u ;
sie en s amm e aus den e schiedens en Be ölke ungsk eisen und is dahe als
eine besonde e G uppe bei de Schä zung nich angese z .
2 Hie zu R. . Unge n-S e nbe g, „Die wi scha liche und ech liche
Lage de S . Pe e sbu ge A bei e scha ", Diss. 1909.
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S uk u de ussischen Gesellscha zu An ang des 20. Jah hunde s 43
Reihe ande e S ände wie: Kleinbü ge , Handwe ke , Solda en (sog.
Solda enkinde ), Adlige usw.
Demnach bes and eine enge soziale Ve bundenhei
zwischen den Baue n und de Indus iea bei e -
scha , eine E scheinung, die in wi scha liche und poli ische
Hinsich seh bedeu sam wa und auch da in zum Ausd uck kam, daß
ein wesen liche Teil diese A bei e -Baue n •— e wa 66%, Besi ze
on Gemeindeland wa , d. h. sie besaßen in de Feldgemeinscha ih e
Do gemeinde Landan eile, die ihnen zu zei lich unbesch änk en Nu -
zung gehö en und bei Abwesenhei on Familienangehö igen: Ehe-
auen, Kinde n, G oßel e n, Ve wand en ode Knech en bebau wu -
den, b achlagen ode an Do genossen e pach e wa en. Neben diesem
Gemeindeland kam noch gepach e es Land und p i a e Eigenbesi z
hinzu, wenn die amilialen K ä e und das lebende und o e In en a
aus eich en, um es zu bewi scha en.
Am engs en wa die Ve bundenhei mi de Baue nscha bei den-
jenigen A bei e -Baue n und Bäue innen, die meh ode wenige egel-
mäßig zwischen dem Do und de auße landwi scha lichen E we bs-
s ä e in de S ad , hin und he , in e schieden langen Zei abs änden,
pendel en, z. B. e wa zweimal im Jah zu den Felda bei en heimkeh -
en ode nu gelegen lich, in länge en Zei abs änden, im heima lichen
Do e schienen3.
Die U sache diese Pendelwande ung, die im Zuge de allmählich,
o sch ei enden Di e enzie ung inne halb de Baue nscha an In en-
si ä abnahm, lag da in, daß de Landbesi z bei zunehmende Be öl-
ke ungs e meh ung de Baue n amilie keine aus eichende Exis enz-
g undlage bo und die ge inge E ags ähigkei de meis seh ex en-
si bebau en Landpa zellen (S ei en) iele Baue n zwang, auße land-
wi scha lichen E we b zu suchen, so e n nich du ch Zupach
on Land aus dem Bes and des G oßg undbesi zes eine E wei e ung
de landwi scha lichen G undlage e möglich wu de, was abe bei de
3 In den südlichen ländlichen Gebie en wa de An eil de egelmäßig zu den
landwi scha lichen A bei en Heimkeh enden e heblich g öße als in den aus-
gesp ochenen Indus iebezi ken. So e eich e zum Beispiel nach A. W. Po-
g o s h e w : „Bes immung de zahlenmäßigen G öße und de Zusammense zung
de A bei e scha in Rußland" ( ussisch) 1906 (zi ie bei S. M.Schwa z ^A -
bei e klasse und A bei e poli ik in de Sowje union", S. 13), im Bezi k Wo onesch
diese P ozen sa z 76,3, im Kiewschen 57,5, im Cha kowschen 51,2, wäh end e
ü Pe e sbu g nu mi 10,8 angegeben wi d. Je nach dem Indus iezweig wa
die egelmäßige Abwande ung ins Do seh e schieden in ensi . Nach de gleichen
Quelle be ug sie in de Me all e a bei ung nu 11,1 de gesam en Belegscha ,
wäh end sie in de Nah ungs- und Genußmi elindus ie 65,4% e eich e. Nach
eine Un e suchung im Jah e 1898 in de g oßen Moskaue Tex il ab ik on Emil
Zindel keh en zu den Felda bei en ins Do zu ück, um einen eigenen landwi -
scha lichen Be ieb zu be euen, 11,9% de 1417 männlichen A bei e , 61,4 %
ließen ih en landwi scha lichen Be ieb du ch Angehö ige bewi scha en, und
nu 10,8% wa en in diesem Tex ilwe k ohne jede Ve bindung mi dem Do .
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44 Rode ich on Unge n-S e nbe g [172
ökonomisch schwachen S ellung de Klein- und Mi elbaue n und den
hohen Pach zinsen ode de hohen Belas ung mi „Aba bei " au den
Gu slände eien, nu in ela i sel enen Fällen einen Ausweg aus dem
Engpaß de Landno bo , zumal die Klein- und Mi elbaue n on den
G oßbaue n, den „Kulaki", den „Fäus en", bei dem We bewe b um
Pach land meis e d äng wu den, und sie mi ih em ge ingen Be-
iebskapi al und mangelha em In en a obend ein ga nich in de
Lage wa en, du ch Zupach ih e Acke läche genügend zu e wei e n4.
Die Ag a age bilde e die g oße C ux de ussischen Innen-
poli ik. Sie bes and, poli isch gesehen, in einem unübe b ückba en
An agonismus zwischen de g oßen Meh hei de landhung igen Baue n
und dem G oßg undbesi z, ein Gegensa z, de le z en Endes da aus
he o ging, daß nach ussische olks ümliche Übe zeugung nu de
be ech ig wa , Land zu besi zen, de den G und und Boden, die „Mu -
e E de" eigenhändig beacke e, um sich und seine Familie die Nah-
ung zu bescha en. Es is on Belang, sich zu e gegenwä igen, daß
wi es hie mi eine Glaubensübe zeugung, nich mi
ju is ischen ode wi scha lichen E wägungen zu un haben. De Be-
g i des P i a eigen ums an G und und Boden, wie e sich un e dem
Ein luß des ömischen Rech s in Wes eu opa allmählich he ausgebilde
ha , wu de on de g oßen Meh hei des ussischen Baue n olkes au
das En schiedens e abgelehn .
In ag a echnische Hinsich e uh die Ag a age eine wei e e
Ve schä ung du ch die ag onomischen Fo sch i as unmöglich
machende kommunis ische Feldgemeinscha mi ih e Gemengelage
de einzelnen Äcke (S ei en) und dem seh p imi i en S and de Be-
bauungsme hoden. Dadu ch wu de ein D ang in die Wei e s a in die
Tie e ausgelös , ein S eben, das sich in s ändig wachsendem Land-
mangel äuße e. Die Ex ensi ä , mi de die Landwi scha g öß en-
eils be ieben wu de, üh e u. a. dazu, daß in olge des Raubbaues
schwe e Miße n en, bei ungüns ige Wi e ung (Mangel an Niede -
schlägen!) as jedes Jah , in meh ode wenige zahl eichen Gebie en,
schwe e Hunge snö e auslös en, denen zu s eue n bei dem wenig en -
wickel en Ve keh sne z g oße Schwie igkei en be ei e e5. In olge die-
se hie nu ku z angedeu e en Zus ände e gaben sich ü die g oße
Meh hei de Baue n übe aus schwie ige Lebens e häl nisse, die mi
Hil e eine Ag a e o m in wes eu opäischem, indi idualis ischem Geis ,
4 Hie zu B ie des Moskaue Pa eikomi ees de Sozialdemok a ie om Sep em-
be 1905 in: W. Lenin, Ausgewähl e We ke, Bd. I, S. 536.
5 In e essan is ein Ve gleich diese Zus ände mi denen in F ank eich o
de Re olu ion on 1789; die Übe eins immung is appie end. Siehe bei
H. T a i n e , Les O igines d. 1. F ance Con empo aine, L'ancien egime, besonde s
Li e 5. Chap. I und III.
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S uk u de ussischen Gesellscha zu An ang des 20. Jah hunde s 45
wie sie die S olypische Re o m de Jah e 1906/1914 in Ang i genom-
men ha , kaum besei ig we den konn en.
Daß de Landmangel in de Haup sache eine Folge de seh in en-
si en na ü lichen Be ölke ungs e meh ung wa , geh aus olgenden
s a is ischen Angaben he o : Um die le z e Jah hunde wende be ug
die Gebu enhäu igkei in Rußland (ohne Polen, Finnland und Kauka-
sus) in 50 Gou e nemen s noch und 48, je 1000 Einwohne be echne .
Selbs im Du chschni de Jah e 1911/13 e eich e sie noch 43,8 je
1000, so daß, ungeach e eine S e blichkei on 28,6 je 1000 Einwoh-
ne , sich ein du chschni liche Gebu enübe schuß on 20,0 e gab, wo-
gegen z. B. in Deu schland, das damals auch noch eine hohe na ü liche
Be ölke ungs e meh ung au wies, die Gebu enhäu igkei 34,7, die
S e blichkei 19,9 und de Gebu enübe schuß also nu 14,8 je 1000
Einwohne be agen ha . In F ank eich wa en die en sp echenden Zi -
e n: 21,4 bzw. 19,6, so daß nu noch ein Gebu enübe schuß on 1,8
je 1000 Einwohne zu e zeichnen wa 6. Diesen hohen ussischen na ü -
lichen Be ölke ungszuwachs konn e, wie gesag , die Landwi scha
nich un e b ingen. Es en s and ein Be ölke ungsd uck, de nu zu
einem seh ge ingen Teil du ch Abwande ung nach Sibi ien und die
mi elasia ischen Gebie e, wo es an landwi scha lich leich zugäng-
lichem Acke land be ei s mangel e und die Nomaden ölke (Kalmüken
u. a.) g oße Land lächen ü sich beansp uch en, en spann we den
konn e. In olgedessen d äng e die he anwachsende männliche und
weibliche übe schüssige Landbe ölke ung in die S äd e, in die Indus ie
o allem, und e meh e das Angebo on ungele n en A bei sk ä en
on Jah zu Jah . Hie mi is das Ve häl nis zwischen de Baue n-
scha und den Indus iea bei e n ku z gekennzeichne . Ohne Kenn nis
de ag a ischen Zus ände is die Lage und die poli ische Bedeu ung
de Baue n und de Indus iea bei e scha nich beg ei lich.
Anschließend noch eine E wägung übe die zahlenmäßige G öße
de Indus iea bei e scha . Da es keine eigen liche Be-
u ss a is ik in Rußland gab, is man au Schä zungen angewiesen.
Diese e geben ziemlich übe eins immend, daß in den Indus iebe ie-
ben und im Be gbau 1914, ku z o Ausb uch des K ieges, und 3 Mil-
lionen A bei e , Männe und F auen, beschä ig wa en. Diese Zi e
en häl nich die Eisenbahne , die sons igen T anspo a bei e , die
Fo s a bei e und die A bei e in de Flußschi ah , de en Gesam -
zahl gleich alls mindes ens 3 Millionen e eich ha . Insgesam wi d die
Zahl de in Indus ie und Handel im Lohn e häl nis beschä ig en
Pe sonen au 9 Millionen geschä z . Bei eine Be ölke ung on und
6R. . Unge n-S e nbe g, „Die U sachen des Gebu en ückgangs im
eu opäischen Kul u k eis", 1932, Kap. „Sexualsi en und Gebu enhäu igkei in
Rußland".
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46 Rode ich on Unge n-S e nbe g [174
150 Millionen mach e das abe nu Vi7 aus. Die e wähn en 3 Millionen
Indus iea bei e wa en in und 30 000 Be ieben ä ig, so daß au
einen Be ieb und 100 männliche und weibliche A bei e kamen, was
einen ech hohen G ad be iebliche Konzen a ion e kennen läß 7.
Es sei jedoch nochmals he o gehoben, daß selbs diese und 3 Millio-
nen nich als P ole a ie angesp ochen we den dü en, weil sie iel ach
Beziehungen zu Landwi scha au ech e hiel en.
T o zdem wa die wi scha liche und ech liche Lage de Indus ie-
a bei e , wie im einzelnen hie nich nachgewiesen we den kann, in
höchs em G ade unsiche und unbe iedigend. Diese Zus and e gab
sich aus olgenden Ums änden:
1. Aus dem Übe angebo on ungele n en ode
nu mangelha angele n en A bei sk ä en, als
Resul a eines seh g oßen Be ölke ungs eich ums au dem Lande,
de in de Landwi scha keine aus eichende Be ä igung and. In E -
mangelung eine s aa lichen ode kommunalen A bei s e mi lung (es
gab hie und da A bei sbö sen, on denen abe kaum Geb auch ge-
mach wu de) und jegliche Vo - und Fü so ge, wie sie heu zu age im
Be eich de A bei säm e geüb wi d, ging de A bei ssuchende au s
ge a ewohl ode au G und on unsiche en Nach ich en in die S ad .
Gelang es ihm nich , A bei zu inden, so wu de e nu zu leich ein
Lands eiche , de on de Polizei au geg i en und „pe E appe" in
sein Heima do be ö de wu de, d. h. e bekam au dem Bahnho
eine Fah e laubnis eingehändig , was ihn na ü lich nich hinde e, an
de nächs en S a ion auszus eigen und pe pedes in die S ad zu ück-
zukeh en. Von den weiblichen Zugewande en, den s ellenlos umhe -
i enden Jugendlichen, e ielen nich wenige de P os i u ion.
2. Das Übe angebo on A bei sk ä en wi k e
d ückend au die Löhne, in E mangelung eine gewe k-
scha lichen O ganisa ion, die bis zum Ve einsgese z on 1906 e bo en
wa . In olgedessen sahen sich die A bei e in de Regel ganz de Will-
kü de Un e nehme p eisgegeben, zumal le z e e on de Regie ung
nich da an gehinde wu den, sich zu In e essengemeinscha en zu-
sammenzuschließen. Im Ve gleich zu den ungele n en, A bei e n wa
indessen die Lage de Facha bei e , d. h. de jenigen, die eine gewe b-
liche Schulung du chgemach ha en, ode eine langjäh ige P axis be-
saßen, seh iel besse . Meis e und Vo a bei e wa en a und wu den
gu bezahl . Das Handwe k wa wenig en wickel und an Gewe be-
schulen ehl e es as olls ändig. Ein e hebliche Teil de quali izie en
A bei sk ä e kam aus dem Ausland und wu de hoch en lohn .
7 Hie zu M-Flo insky, „The End o he Russian Empi e" 1931, S. 154.
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S uk u de ussischen Gesellscha zu An ang des 20. Jah hunde s 47
3. Fe ne wi k e lohnsenkend de Ums and, daß ein Teil de A bei-
e und A bei e innen die Fab ika bei als eine o übe -
gehende Beschä igung bzw. als einen Zuschuß e diens zu
einem allzu dü igen Einkommen aus de Landwi scha be ach e en
und sich un e Ums änden mi einem Minimum begnüg en, nu um
nich mi lee en Händen heimzukeh en.
4. Schließlich wa die A bei sleis ung des ussischen
A bei e -Baue n ypische weise mangelha . E wa un-
zu e lässig, nachlässig und undisziplinie , so daß die Un e nehme und
auch die Meis e nich mi Un ech sagen konn en: De ge inge Lohn
en sp ich de schlech en Leis ung. Aus p imi i en ländlichen Ve häl -
nissen in eine mechanisie e Fab ik e se z , konn en E ode Sie sich
nu schwe anpassen, zumal ih Bildungsni eau nied ig wa . So wa en
in de Pe e sbu ge Baumwollindus ie 31,5 °/o alle A bei sk ä e An-
alphabe en, in de chemischen Indus ie 32,9 °/o, in de Me allindus ie
26,l '°/o8. In den sons igen Indus iebezi ken wa zwei ellos de An eil
de Analphabe en noch höhe .
2. Die Handwe ke
Die nächs höhe e soziale Schich bilde en die Handwe ke .
Diese wa en seh spä lich e e en. In de Ta wa die Zahl de Hand-
we ke im wes eu opäischen Sinne, d. h. wa en die kleinbe ieblichen
P oduzen en, die selbs ändig und selbs be eilig mi einigen Gesellen
und Leh lingen E zeugnisse he s ell en und e ieben, ge ing. Ruß-
land ha eine s äd ische handwe kliche Wi scha spe iode mi ih em
Ko po a ionswesen und demen sp echenden S äd ewesen nich gekann .
So s ell e be ei s H. S o ch9 un e ande em es : „Man kann dahe
im Inne en Rußlands sel en ein Bedü nis bey Handwe ke n bes ellen,
sonde n muß es in den Buden und Kau läden suchen — in diesen
Buden inde man abe auch alles, was nu Bedü nis genann we den
kann, und man kau daselbs um ein D i el wohl eile als bey Hand-
we ke n, die Bes ellung annehmen10.64 Und wohe kamen die Wa en
in den Buden? Aus de Hausindus ie, on den Kus a i, die au ge-
nossenscha liche Basis a bei e en.
So e n Handwe k bes and, wa en seine Ve e e zu einem e heb-
lichen Teil Auslände 11. Die za ische Regie ung ha sich be ei s im
8R. . Unge n - S e nbe g, „Übe die wi scha liche und ech liche
Lage de S . Pe e sbu ge A bei e scha ", Be line Disse a ion 1909.
9 „His o isch-s a is isches Gemälde des ussischen Reichs am Ende des
XVIII. Jah hunde s" 1799.
10 Zi ie bei M. Tugan = Ba anowski, Geschich e de ussischen Fa-
b ik, S. 6.
11 Die Handwe ke und Kau leu e soll en sich, nach ausländischem Mus e , au
G und des pe inischen P i ilegs om Jah e 1721 und dem Ka ha inas II. om
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48 Rode ich on Unge n-S e nbe g [176
16. Jah hunde bemüh , ü die He s ellung on Rüs ungsgegens än-
den in e s e Linie ausländische Handwe ke he anzuziehen und in
besonde en S ad bezi ken anzusiedeln. So sind im 16. Jah hunde bei-
spielsweise bei den k iege ischen Ein ällen in die Gebie e des Deu -
schen O dens aus Li land deu sche und wohl auch le ische und es -
nische Handwe ke in be äch liche Zahl nach Rußland zwangsweise
umgesiedel wo den12, eine Poli ik, die Pe e de G oße und Ka ha-
ina II. o gese z haben.
Bezeichnend ü den g oßen An eil on Auslände n bzw. on Pe -
sonen nich ussische Abs ammung im Handwe kswesen wa , daß o
dem 1. Wel k ieg in den Haup - und G oßs äd en quali izie e E zeug-
nisse wie He en- und Damenga de obe, eines Schuhwe k, Schmuck-
sachen, eine Bäcke ei, Uh en usw. wei aus o wiegend in We ks ä en
(A elie s) he ges ell wu den, die on Auslände n: Deu schen, Schwei-
ze n, F anzosen, Tschechen, Juden geg ünde und gelei e wu den,
wogegen den ussischen Handwe ke n bloß die An e igung nach
Maßen und Anweisungen in Heima bei übe lassen wu de.
Die Dinge des äglichen Geb auchs de bäue lichen und klein-
bü ge lichen Einwohne scha wu den nu in seh ge ingem Um ang
on Handwe ke n he ges ell . Sie s amm en g öß en eils aus de ge-
nossenscha lich be iebenen Hausindus ie. Es gab auch noch
ku z o dem e s en Wel k ieg zahl eiche g oße Dö e , de en Be-
wohne bes imm e E zeugnisse, wie: hölze nes Geb auchsgeschi ,
Kleineisenwa en, Filzs ie el, Spi zen usw. au genossenscha liche
Basis p oduzie en. Alle dings wu de diese P oduk ionsweise lang-
sam e d äng , abe nich on selbs ändigen Handwe ke n, sonde n
on G oßbe ieben, die billige e zeugen konn en als die Haus-
indus iellen, die Kus a i. Le z e e ge ie en auße dem in s eigendem
Maß in Abhängigkei on Ve lege n, die den ma k mäßigen Absa z
behe sch en, den Hausindus iellen Rohs o e lie e en und sich au
diese Weise zwischen den P oduzen en und den Ve b auche ein-
d äng en, ganz wie das in Wes eu opa in de ühkapi alis ischen
Pe iode geschehen is . T o zdem behaup e e sich die genossenscha -
liche P oduk ion und die genossenscha liche Fo m z. B. im T ans-
po wesen in Rußland noch bis zum e s en Wel k ieg in seh iel
Jah e 1785 in Gilden ein agen. Das ha e jedoch lediglich eine adminis a i =
iskalische, keine ko po a i e Bedeu ung. In die e s e bzw. zwei e de d ei Gilden
(le z e e wu de 1863 abgescha ) wu den die Gewe be eibenden nach de Höhe
de« Be iebskapi als einge agen. Die Ein agung wa nich obliga o isch und
eigen lich nu on In e esse ü diejenigen Juden, die als Kau leu e e s e Gilde,
ih em Wohnsi z nach, nich an das jüdische Siedlungs ayon gebunden wa en. Gemäß
dem P i ileg on 1785 gehö en die Handwe ke mi sam den Kleinhändle n und
kleinen Hausbesi ze n zu dem S ande de Kleinbü ge (mesch scháne).
12 Nach R. Wi amm, Bal ische Geschich e, S. 106.
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183] S uk u de ussischen Gesellscha zu An ang des 20. Jah hunde s 55
Im bes en Fall ließen die K eise de Bildung dem „Bá iuschka"
(„Vä e chen"), so ede e man den P ies e an, eine eundlich-
i onische Behandlung zu eil we den. Es ehl e abe auch nich an
zo igen Lieddien, in denen de Pope und die Popadijá (seine F au)
schwe e unglimp wu den. De P ies e wu de, wie gesag , om
S aa mise abel besolde und wa dahe , um zu exis ie en, da au an-
gewiesen, ü seine Diens e Bezahlung zu e langen, wozu wiede um
die Baue n nich be ei wa en. Dieses Feilschen schade e na ü lich
dem Ansehen de Geis lichkei . Seh geschade ha ih em Ansehen
auch die Abhängigkei , in die sie nach Au hebung des Pa ia chia
du ch Pe e den G oßen (1700), on de Regie ung ge a en wa . Die
Ki che wa dadu ch quasi eine s aa liche Ins i u ion, ein We kzeug
de Regie ungspoli ik gewo den, de P ies e ein Tschinownik in de
Su ane. Zwa wa diese Abhängigkei nich ganz einsei ig, denn die
za ische Regie ung sah sich ih e sei s e anlaß , den mach poli ischen
Bes ebungen de hohen Geis lichkei ande en Ki chen gegenübe , o
allem de ka holischen, zu will ah en, weil die Regie ung da au be-
dach sein muß e, die hohe Geis lichkei , in de en Händen die P lege
de heok a ischen Idee lag, nich zu e s immen. De Za wa nich ,
wie häu ig behaup e wu de, de Summus episcopus de o hodoxen
Ki che. Nach A . 64 des G undgese zes wa e obe s e Beschü ze
de Ki che und Bewah e de O hodoxie (blius i elj p awosláwija).
In de „Gesellscha " wa ein ussische P ies e seh sel en anzu-
e en, allen alls aus Anlaß on ausnahmsweise im Hause o ge-
nommenen go esdiens lichen Handlungen. De gewöhnliche ,, Pope"
(diese Bezeichnung en sp ich dem deu schen Wo „P a e") gal nich
als salon ähig. Diese langhaa ige Mann in de Su ane, de so o einen
be emdlichen Ge uch mi b ach e, gal in de Pe e sbu ge Gesell-
scha nich als e wünsch . Gewiß gab es Ausnahmen on diese g auen,
une eulichen All äglichkei , Ges al en, wie sie N. Leskow in seinem
Roman „Die Kle isei" schilde . Eine Ausnahme bilde e e ne die
hohe Geis lichkei , besonde s die aus den geis lichen Akademien he -
o gegangene, sowie Ges al en wie die S á zy, diese heiligen und weisen
Beich ä e , die absei s om Ri ual de Ki che Seelso ge ieben, abe
nu au einen besch änk en K eis on Menschen, die zu ihnen kamen,
um ih e Sünden und seelischen Nö e zu beich en, Ra und Anlei ung
zu e bi en, Ein luß ha en. In den le z en Jah en o Ausb uch des
e s en Wel k ieges ha e u. a. Johann on K ons ad diese Bedeu ung
gehab .
Indessen muß nachd ücklich he o gehoben we den, daß diese iel-
ach mißach e e und de Wü de, die ihm in einem eligiös beschwing en
Volk hä e zus ehen müssen, en beh ende S and, daß die ussische
Geis lichkei das sch eckliche Ma y ium de Religions eindlichkei des
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56 Rode ich on Unge n-S e nbe g [184
Bolschewismus übe s anden ha . Sie ha die Höllen ah de Ve -
olgung und Mißhandlung heldenmü ig und op e be ei du chli en.
Die ussische Geis lichkei ha die Ki che, ges ü z au eine glaubens-
es e Gemeinde, un e sch ecklichen Op e n an Gu und Blu he -
übe ge e e in ein Ve häl nis zu de an i eligiösen Sowje egie ung,
das au einem Komp omiß, au de beide sei igen Ane kennung und
Duldung be uh . De in de Emig a ion lebende ussische Geleh e
N. S. Timaschew u eil abschließend in seine Abhandlung „Religion
in Russia 1941/50"17 wie olg : „Beide Sei en hassen das Komp omiß,
welches ihnen du ch die Ums ände au gezwungen wi d. Sie sehen abe
keinen Weg, dieses Ve häl nis zu ände n. Beide beha en, ho end,
daß die Zukun ü sie en scheiden wi d."
Zu An ang de Re olu ion on 1917/20 schienen Relig ion und Ki che
dem siche en Un e gang en gegenzugehen. Es is um deswillen be-
sonde s wich ig he o zuheben, daß im Be eich de an i eligiösen
P opaganda de ussische Kommunismus, bishe jeden alls, eine o en-
sich liche Niede lage e li en ha , eine Ta sache on wei agende Be-
deu ung.
5. Die Beam enscha
Al -Rußland wa ein bü ok a isch-zen alis isch egie e S aa ,
kein Rech ss aa , sonde n ein Polizeis aa , in welchem die Beam en-
scha , die schinowni sches wo, eine g oße Rolle spiel e. De gewöhn-
liche „Bewohne ", de obywa elj, muß e, wenn e nich seine sozialen
S ellung nach ode au G und seines Reich ums zu den Be o zug en
gehö e, sehen, wie e sich mi de Polizei gü lich und iedlich aus-
einande se z e, und nich den Ve dach e eg e, zu den poli isch Un-
zu e lässigen zu gehö en. Indus iea bei e und S uden en s anden
on o nhe ein un e diesem Ve dach und muß en o den Männe n
im „e bsg auen Man el", de Genda me ie, sich seh in Ach nehmen.
Im üb igen wu de die poli isch ha mlose Be ölke ung on de Bü o-
k a ie wenig beläs ig . Es wa im G unde nich schwie ig, mi de
O spolizei in ein zwischen Willkü und Wohlwollen gemisch es ge-
mü liches Ve häl nis zu gelangen. Di ek e S eue n bed ück en nu
die Baue n bis 1906; die sons igen S eue n wa en nich besonde s
spü ba , weil sie o wiegend au indi ek em Wege, du ch Ve b auchs-
s eue n und Zölle, eingezogen wu den.
Die Polizei wa as du chweg de Bes echung zugänglich, ja sie
e wa e e on allen Begü e en, die i gendwie au ih Wohlwollen
angewiesen wa en, „Geschenke", besonde s zu Neujah und zu Os e n.
Diese Bes echlichkei eich e in e schiedene Ges al ech hoch
17 The Sowje -Union, edi . by W. Gu ian,
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185] S uk u de ussischen Gesellscha zu An ang des 20. Jah hunde s 57
hinau in die Hie a chie de inne en Ve wal ung, Zus ände, die be-
kann lich on N. Gogolj in seinem „Re iso 66 in unübe e liche
Weise da ges ell und angep ange sind. Auch in de S eue inspek ion
wa das Übel de Bes echlichkei anzu e en, obwohl sel ene als bei
de Polizei. Meh ode wenige unbes echlich wa die Jus iz. Im
üb igen nahm die Ko up ion zu, je wei e die Regie ungso gane on
den zen alen Ins anzen en e n wa en. In den e nös lichen Gebie en
wa Willkü und Bes echlichkei iel häu ige anzu e en als e wa
in Pe e sbu g ode in Moskau. Im g oßen und ganzen wa abe die
ussische Regie ung ielleich doch besse als ih Ru . Manch ein
P o inziale, de in de Übe zeugung nach Pe e sbu g uh , e we de
schon den zus ändigen Beam en im Minis e ium aus indig machen und
ihm nach E ledigung seine Sache seine „Dankba kei 66 einhändigen,
muß e en äusch umkeh en, weil de Beam e sich als unzugänglich
e wiesen ha . Dagegen e uh manche jugendliche Ehe au, die ge-
kommen wa , um ü ih en Ga en einen besse en Pos en zu e ga e n,
daß die Be ei willigkei des maßgebenden He en im Minis e io nu
du ch P eisgabe gewisse „Vo u eile66 im Be eich des Liebeslebens
zu e langen is usw. Im üb igen „we lange leb , ha iel e ah en
in seinen Wande jah en66, u. a. auch, daß eine unbes echliche, leißige
und p lich eue Beam enscha eine ga sel ene E scheinung, keines-
wegs e was leich E eichba es und E hal ba es is .
Man muß sich auch gegenwä ig hal en, welch eine schwie ige Au -
gabe es wa im ussischen Riesen eich, un e iel ach seh p imi i en
Ve häl nissen, eine einige maßen geo dne e und zu e lässige Ve wal-
ung und Ge ich sba kei zu scha en und au ech zu e hal en. Nich
alle Rich e und Ve wal ungsbeam en wa en so, wie Tols oi sie in
seine „Au e s ehung66 schilde , und zwa du chaus nich wah hei s-
wid ig, abe in de Auswahl o eingenommen: p lich e gessen, aul,
lediglich au ih e Ka ie e bedach . Es gab, wenn auch wenige Beam e,
die, im Ve wal ungsdiens , sowohl in de Zen ale wie in de P o inz,
eine g oße A bei slas bewäl ig en, Ini ia i e en wickel en, beha -
lich au Besei igung on Mißs änden hinwi k en, selbs ändiges U eil
be ä ig en. Zum Teil wa die Ko up ion eine Folge und Beglei -
e scheinung de , besonde s in den un e en Rangs u en, öllig unzu-
eichenden Besoldung. Des Übels Ke n lag jedoch in de ge ingen
En wicklung des P lich ge ühls. An diesem Mangel schei e en in de
Regel auch alle Ve suche, ko umpie e Elemen e auszuschal en und
du ch besse e zu e se zen. Es ha e wenig Sinn, z. B. einen bes ech-
lichen Polizis en du ch einen zunächs gu beleumde en zu e se zen,
denn e ah ungsgemäß wi k e de Sog des Milieus au die Daue ze *
se zend auch au Menschen, die mi bes en Absich en in jünge en
Jah en begonnen ha en.
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58 Rode ich on Unge n-S e nbe g [186
Die un e e und mi le e Beam enscha in de P o inz, diese „Leu e
des 20. Da ums66 — am 20. jedes Mona s wu den die Gehäl e aus-
gezahl — is e e in ih e Meh hei ein ech kümme liches Dasein.
Wede die Ö en lichkei noch de Diens bo en geis ige An egungen.
Das Gehal e laub e keine die all äglichs en Bedü nisse übe s eigen-
den Ausgaben, und kinde eiche Familien da b en buchs äblich. Un e
diesen Ve häl nissen wa die Ve suchung, sich illegale Einkün e zu
bescha en, na ü lich seh g oß. Rauchen, Tee inken, Ka enspielen
und ab und zu eine Gas e ei, ein ich iges Gelage, e üll en den mono-
onen All ag. Es gab auch me kwü dige Käuze un e diesen S aa s-
diene n, solche, die in eine Woche das ganze Gehal mi ih en gu en
F eunden e jubel en und d ei Wochen lang au Bo g leb en, alles
ins Leihhaus ugen, was i gend en beh lich wa und sich mi Schwa z-
b o und Tee e kös ig en ode bei gu mü igen Nachba n, an denen
es nich ehl e, he umschma o z en. Im Somme be iel manch einen
ein unwide s ehliche , nomadenha e Wande ungsd ang — e e -
schwand wochenlang ohne U laub ode e länge e ihn eigenmäch ig
um zwei bis d ei Wochen, wa nich au indba . Leich beg ei lich, daß
mi diese A Menschen eine solide Ve wal ung au ech zu e hal en
schwie ig wa .
6. Die In elligenzia
Eine sonde ba e Gesellscha sschich bilde e die In elligenz: Kein
S and, denn sie ek u ie en sich aus säm lichen S änden, diese Ve -
e e de Bildung. Sie kamen aus dem Adel, den K eisen de Kau -
mannscha und ausnahmsweise auch aus de Baue n- und A bei e -
scha . Sie wa en ge ing an Zahl, abe on wesen liche kul u elle
und poli ische Bedeu ung; besonde s als Wide s ands ak o gegen die
Willkü he scha de Regie ungso gane, denn aus ih en Reihen gingen
die opposi ionellen und e olu ionä en Elemen e he o . Es äll
schwe , ein gemeinsames Kennzeichen namha zu machen, das allen
In ellek uellen eigen gewesen wä e. Au die ussische In elligenz läß
sich wohl de Aussp uch Dos ojewskis: „unheimlich, wie geis ig un-
abhängig und ei de ussische Mensch is ", anwenden. F ei on jede
Belas ung du ch T adi ion, sch ankenlos ei und ungebunden in wel -
anschauliche Hinsich , unbelas e du ch ma e ielle Ziels ebigkei , bis
zu Ve ach ung jede A on Wohls and, ma e iellem Wohlleben und
Ichbezogenhei . Ein sogenann e „Schkü nik" (schkü a heiß Fell),,,
d. h. ein Mensch, de in eine Gemeinscha seine eigenen In e essen,
e olg , gal in K eisen de In elligenz als ein nich swü diges Subjek .
Bezeichnend ü ussisches Wesen is die Komp omißlosigkei in
wel anschaulichen F agen, die Abneigung gegen jede A on Kon o -
mismus. Das einmal als ich ig, als das „Heil" E kann e muß nach
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S uk u de ussischen Gesellscha zu An ang des 20. Jah hunde s 59
ussische si liche Übe zeugung olls ändig in die Wi klichkei , in die
Ta umgese z we den. Zwischen Wah hei und Wi klichkei da
keine Disk epanz bes ehen. Tole anz einem ande s gea e en S and-
punk gegenübe is nich ussische A . Auch gib es in wel anschau-
lichen F agen kein „eine sei s und ande e sei s64, keine S andpunk e,
sonde n nu einen, den einzig ich igen S andpunk . Einige Beispiele
sollen diese, dem Wes eu opäe schwe e s ändliche ussische Eigen-
a , e deu lichen. Von Lenin s amm de Aussp uch „mi Gegne n
disku ie man nich , man e nich e sie", und e ha demgemäß un-
bei ba gehandel . Die Ve nich ung poli ische Gegne , die Massen-
hin ich ungen de „Tscheka66 (Auße o den liche Kommission zu Be-
kämp ung de Gegen e olu ion und Spekula ion), die Ablehnung alle
Gnadengesuche, die im za ischen Rußland häu ig E olg ha en, das
alles is nu e s ändlich, wenn man da on ausgeh , daß alle Feinde
de kommunis ischen „Wah hei 66 e nich e we den muß en, eine
Übe zeugung, die selbs e s ändlich einen eligiösen Fana ismus, wie
e sich seine Zei u. a. in de Inquisi ion mani es ie ha , e kennen
läß . Die g auenha e B u ali ä , mi de die Kommunis en Hunde -
ausende, ja Millionen ih e Gegne wäh end de Re olu ion umge-
b ach haben, de sys ema ische Te o , se z bei den lei enden
Köp en, den kommunis ischen In ellek uellen, einen Glauben an die
Heiligkei ih e Sache o aus, die ein skep ische Wes eu opäe des
19. und 20. Jah hunde s ga nich meh au zub ingen ims ande is .
Viele In ellek uelle wa en gekennzeichne du ch diesen hohen G ad
on Besessenhei on eine bes imm en Idee, die ihnen als absolu e
Wah hei gal . Wie wei diese Komp omißlosigkei in si lichen F agen
gehen kann, zeig u. a. L. Tols ois Ansich , de zu olge die Sexuali ä
und die aus ih seine Meinung nach un e meidlich esul ie ende
Ei e such in de Ehe unbeding Unheil s i e — eine These, die e
in de „K eu ze -Sona e66 zu beweisen such und in einem e gänzenden
Kommen a zu diese No elle noch beg ünde . De Einwand, daß
lau e Josephsehen zum Auss e ben de Menschhei üh en wü den, ich
ihn nich im ge ings en an. Denn is einmal ein bes imm es si liches
Ve hal en als „wah 66 e kann , so b auch de Mensch sich übe dessen
Konsequenzen keine Gedanken zu machen. Is die Leh e „ ich e nich ,
au daß ih nich ge ich e we de 66 ein si liches Pos ula , so is alles
Ge ich swesen als ein Übel, als „Böses66 abzuscha en. In seinem
le z en Roman „Die Au e s ehung66 schilde Tols oi, wie de Fü s
Nechliüdow seinen gesam en G undbesi z den Baue n unen gel lich
übe läß und die zu Depo a ion nach Sibi ien wegen Raubmo des
e u eil e, on ihm seine Zei e üh e Ka ja zu ehelichen be ei
is , um sie beglei en zu können und seine Schuld zu sühnen. Diese
Umb uch in de Wel anschauung und Lebensweise des Nechliüdow
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60 Rode ich on Unge n-S e nbe g [188
is on de ausländischen K i ik, u. a. on Romain Roland, als eine
seh gewag e dich e ische E indung, de keine Reali ä en sp äche,
bewe e wo den. Vom S andpunk wes eu opäische Men ali ä wohl
e s ändlich, nich so in de ussischen Daseinssphä e. Ganz abge-
sehen da on, daß die Be ei scha , seine Schuld in de gekennzeich-
ne en Weise zu sühnen, einem a sächlich s a gehab en Vo gang en -
sp ich , und keine dich e ische E indung wa 18, is die Be ei scha ,
eine mo alische Übe zeugung in die Wi klichkei komp omißlos um-
zuse zen, ein ypisch ussische Wesenszug. So begeh de S uden
Raskolnikow in Dos ojewskjs Roman gleichen Namens einen Mo d,
weil e sich zu de Übe zeugung du chge ungen ha und on ih mono-
manisch besessen is , daß e ein Rech habe, die al e Wuche in umzu-
b ingen, sich ih e Schä ze anzueignen, um au diese Weise sich selbs
zu beweisen, daß e „keine zi e nde K ea u ", sonde n ein Mensch,
de zu Mach be u en is , da s ell . E will keine „Laus sein" und
auße dem seine Mu e und Schwes e ma e iell nich zu Las allen.
Leo Tols oi selbs ha , nachdem e sich zu eine A u ch is liche ,
kommunis isch-ana chis ische Wel anschauung du chge ungen ha , in
seine ganzen Lebensges al ung die Konsequenzen diese Läu e ung
adikal, ungeach e alle Leiden, die ihm aus diesem Anlaß on seine
F au und seinen Söhnen zu eil wu den, du chge üh : seinen G und-
besi z abges oßen, au Au o ech e e zich e , seine Bedü nisse au
ein Mindes maß eingesch änk , selbs gep lüg , gehandwe k , das Leben
eines Baue n ge üh , nich als Salonkommunis , dem man auch in
Wes eu opa begegne , sonde n aus si liche Übe zeugung, en sp echend
seine Leh e.
Schließlich noch ein Beispiel, das den eligiösen Fana ismus de
ussischen Re olu ionä e besonde s deu lich e kennen läß . Eine de
Haup e schwö e gegen das Leben Alexande s II. wa A. J. S c h e
1
-
j ä b o w. Ku z o de E mo dung des Za en (1. Mä z 1881) wu de
e e ha e , e lang e abe , o Ge ich gehö zu we den und s ell e
sich als den Haup schuldigen hin. Be ag , ob e Ch is sei, e klä e
Scheljabow u. a.: „Das Wesen des Ch is en ums e kenne ich an. Dieses
eigen liche Wesen des Ch is en ums is in den Mo i en meines si -
lichen Lebens on g oße Bedeu ung. Ich glaube an die Wah hei
und Ge ech igkei diese Leh e und bekenne mich eie lich zu dem
G undsa z, daß de Glaube ohne Ta en o und jede Ch is e p lich e
is , um die Wah hei und um das Rech de Schwachen und Un e -
d ück en zu kämp en und, wenn es sein muß, ü sie zu leiden. Da in
18 Siehe A. F. Koni, „Meine E inne ungen an L. Tols oi" in „Bal ische Mo-
na ssch i " 1911, Bd. 72. Russisch ungekü z in A. F. K o n i „Na schi- ejskom
pu i", Bd. II.
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S uk u de ussischen Gesellscha zu An ang des 20. Jah hunde s 61
bes eh mein Glaube." Vo seine Hin ich ung küß e Scheljabow das
K uzi ix19.
Es ließen sich aus de ussischen Re olu ionsgeschich e und de
P osadich ung noch iele Beispiele diese A an üh en. Komp omiß-
losigkei , Leidenswilligkei , Maßlosigkei , Wille zu Selbs läu e ung
du ch Leiden, on diese Geis eshal ung und on diesen Fähigkei en
muß man ausgehen, will man die ussische Re olu ion und übe haup
ussisches Wesen beg ei en. Kaum eine zwei e Umgangssp ache weis
meh Wo e au , die mi übe sinnlichen Vo s ellungen und si lichen
Ideen zusammenhängen wie: Go , Ch is us, Glaube, Sünde, K euz,
Reue, Op e , Wah hei , Ve gib (als Abschiedsg uß) usw. De ypische
Russe wa om Ch is en um iel s ä ke beein luß als de Wes -
eu opäe . E besaß eine eligiös beweg e, eine anima na u ali e
ch is iana, eine E scheinung, die on de ussischen P osadich ung ein-
hellig bezeug wi d und die geis esgeschich liche Fo schung bes ä ig .
De ussische Mensch neig dazu, k a seine Glaubenswilligkei jede
wel anschauliche Leh e, ganz gleich welchen Inhal s, on de e e -
g i en wi d, zu einem Glaubensbekenn nis zu s eige n, zu sublimie en
und ein Ei e e , ein eligiöse Fana ike zu we den, de , wie Tols oi
sag , „nu seine eigene Idee lieb , nich den Menschen, und de leich
zu einem Mö de aus Pedan e ie wi d46. Diese A sind die om wes -
eu opäischen K i izismus unbeschwe en ussischen e olu ionä en
Typen, die be ei s in den 60e Jah en au a en, Ges al en wie
Tka schow, Ne schäjew und Bakünin, als de en geis ige E ben Lenin,
T o zky, S alin, die Bolschewiki insgesam , diese Ta menschen on
i anische Sk upellosigkei , zu be ach en sind.
Wenn sich in Rußland in den Jah en 1917/20 eine poli ische und
soziale Umwälzung on nie dagewesene Tie en- und Fe nwi kung oll-
zogen ha , so lieg die E klä ung dieses Phänomens le z en Endes im
Glauben an die Heiligkei de Sache, mi dem o allem die üh enden
e olu ionä en In ellek uellen, das on ihnen als „wah " E kann e zu
e wi klichen en schlossen wa en. Ohne diese on de In elligenz ge-
agene, in ih e kö pe e sch ankenlose Op e be ei scha ü die
Idee, ih e Fähigkei , sie den A bei e - und Baue nmassen zu sugge-
ie en, und die Emp änglichkei de le z e en ü diese Geis es-
hal ung, hä e es nich zu de wel geschich lich so bedeu samen Um-»
wälzung kommen können. Die eno me Bedeu ung de ussischen e o-
lu ionä en In elligenz lieg in de Füh e olle, die sie in de Re olu ion
gespiel ha . S alin ha diese Rolle hoch und ich ig eingeschä z : „Das
P ole a ia wä e nich ims ande gewesen, sich an den eigenen Haa en
aus dem Sump zu ziehen, dazu bedu e es de In elligenz."
19 Nach G. We e , „De dialek ische Ma e ialismus", S. 70/71.
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62 Rode ich on Unge n-S e nbe g [190
Noch iel en schiedene äuße e sich übe die Bedeu ung de
In ellek uellen Lenin in seine 1902 e ö en lich en Abhandlung
„Was un?4420. „Die Geschich e alle Lände zeug da on, daß die
Klasse de A bei e du ch eigene K a es alle höchs ens zu einem Ge-
we kscha sbewuß sein b ingen kann. Das heiß zu de E kenn nis
on de No wendigkei , den A bei gebe zu bekämp en ode on de
Regie ung die eine ode die ande e gese zliche Ve ügung zuguns en
de A bei e zu e zwingen. Die sozialis ische Leh e hingegen is das
E zeugnis jene philosophischen, his o ischen und ökonomischen
Theo ien, die on Ve e e n de besi zenden Klassen, den In ellek-
uellen, en wickel wo den sind —. Nu e olu ionä e In ellek uelle,
d. h. Be u s e olu ionä e könn en die A bei e on dem Ein luß de
Bou geoisie be eien und sie zum Sozialismus bekeh en.44
Es wä e indessen e ehl anzunehmen, die ganze In elligenz sei
dem ancien égime und ih en ideologischen G undlagen eindlich ge-
sinn gewesen. Diese Meinung wi d o allem du ch Dos ojewski
wide leg , um nu dies eine Beispiel anzu üh en. Von ihm s amm de
Aussp uch: „Fü die Menschhei ha es niemals e was Une ägliches
gegeben als die F eihei , und de Mensch kenn keine g öße e So ge
als einen zu inden, dem e möglichs schnell dieses unselige Geschenk
übe geben könne, dami e on de Qual pe sönliche En scheidung
e lös sei21.44 Diese g oße Tie enpsychologe wa sei 1876, sei e sein
„Tagebuch eines Sch i s elle s44 he ausgab, ein seh ein luß eiche
Wo üh e des Pansla ismus, dem e eine g oße allmenschliche Sen-
dung zusch ieb: „An de Spi ze des e einig en Sla en ums wü de
Rußland de ganzen eu opäischen Menschhei und ih e Zi ilisa ion ein
neues gesundes und bishe in de Wel noch nich gehö es Wo sagen.44
Dos ojewski sp ich in seinem Tagebuch (Poli . Sch i en deu sch 1920)
u. a. da on, daß die Russen allein „T äge de Ch is enidee44 seien und
sich be u en ühlen müß en, die „B ude scha de Völke 44 zu e -
wi klichen. Als Na ionalis e weis sich Dos ojewski an ielen S ellen
seine Sch i en, wenn e übe Polen, Deu sche ode Juden sp ich ,
die e s e s mi eine gewissen Abneigung, ja mi g oße Ge ing-
schä zung behandel . Dos ojewski wa Pa eigänge des za ischen Ab-
solu ismus, obwohl diese Absolu ismus ihn, wegen seine pe sön-
lichen Be eiligung an einem e olu ionä en Zi kel seine zei zum Tode
e u eil , dann au sadis ische Weise „begnadig 44 und zu ie Jah en
Zuch haus in Sibi ien e u eil ha . Diese bes ialische Behandlung
ha abe Dos ojewskis poli isches C edo in keine Weise beein luß ,
denn die Wah hei is , nach ussische Au assung, e was on pe sön-
20 Ausgewähl e We ke Band I, S. 199 .
21 Aus „Die B üde Ka amosow" (Absdin. de G oßinquisi o ).
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S uk u de ussischen Gesellscha zu An ang des 20. Jah hunde s 63
lichem Schicksal öllig Unabhängiges. Eine ähnliche posi i e S ellung
gegenübe dem Za ismus haben as alle Slawophilen wie Chomjakow,
Ki ejewski, K. und I. Aksäkow, J. Samä in u. a. eingenommen, obwohl
sie sich die Unabhängigkei de K i ik gegenübe de za ischen Re-
gie ung s e s o behiel en.
Schließlich sei noch als ein E klä ungsg und des Radikalis-
mus, mi dem de ypische Russe und de In ellek uelle ins-
besonde e, wel anschauliche, poli ische Ideen zu e e en s e s ge-
neig is , da au hingewiesen, daß diese ausgesp ochen jugendliche
Wesenszug zum Teil wohl au den jugendlichen Al e sau -
bau des ussischen Volkes zu ückzu üh en is . In olge de
hohen Gebu enhäu igkei und de hohen S e blichkei ( ela i en Ku z-
lebigkei ) wa en und sind auch heu e noch die jungen Al e sjah gänge
an eilsmäßig in Rußland seh iel s ä ke zahlenmäßig bese z als in
Wes eu opa. Es kann abe nich zwei elha sein, daß in eine mensch-
lichen Gemeinscha , in de an eilsmäßig die jugendlichen Jah gänge
übe wiegen, leidenscha liche En husiasmus, Ta end ang und Op e -
und Einsa zbe ei scha ü Ideale und neue Bes ebungen, daß alle
Eigenscha en des jugendlichen Menschen s ä ke zu Gel ung kom-
men als in eine Gemeinscha mi „ e g eisendem" Al e sau bau,
d. h. einem solchen, bei dem die Quo e de übe 60jäh igen g oß is ,
de Menschen, die zu Resigna ion und Bedenklichkei neigen und
bei denen das Ruhebedü nis sich gel end mach . Diese psycho-
physisch beding e Zus and, de sich unabhängig om ölkischen Tempe-
amen du chse z , bewi k , daß Völke mi jugendlichem Al e sau -
bau meh S u m und D ang in sich agen und o enba en, als sozial-
biologisch al e Völke . Die Russen gehö en jeden alls zu den sozial-
biologisch jugendlichen Völke n de eu asischen Lebenssphä e.
7. De Adel
Die poli isch und sozial he schende Klasse bilde e de e bliche
Adel, die dwo iänje (wö lich die Hö linge). E bes and aus d ei ih e
He kun nach e schiedenen Teilen: dem Landadel, d. h. den-
jenigen Geschlech e n, die im Besi z on Gü e n wa en, dem
Diens adel, de sein Adelsp i ileg de E langung eines be-
s imm en Ranges in de Beam en- ode Mili ä hie a chie e dank e
ode de Ve leihung hohe O den und ü den die ländliche Abs am-
mung und G oßg undbesi z nich cha ak e is isch wa en. Auße dem
e olg en Nobili ie ungen, als Belohnung ü i gendwelche
Ve diens e. De Zahl nach übe wog de Diens adel wei aus.
Abgesehen on dem Adel ussische P o enienz s ell e de
uk ainische, de polnische, de deu sch-bal ische, de kaukasische und
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64 Rode ich on Unge n-S e nbe g [192
de a a ische Adel eine be äch liche Zahl on Ve e e n des ge-
sam en ussländischen Adels.
De Adel gal als e s e S and, als S ü ze^ des Th ones. E hiel
as alle hohen Beam enpos en bese z , spiel e eine bedeu ende Rolle
in de ö lichen Selbs e wal ung, so e n eine solche in 43 on
50 Gou e nemen s des eu opäischen Rußlands (ohne Pinnland und
Polen) bes and. Fe ne üb e de Adel du ch die 1889 einge üh e
Ins i u ion de Landhaup leu e (sémskije na schâlniki), die dem o s-
angesessenen Adel en nommen wu den, ein Au sich s- und ein S a -
ech übe die bäue lichen Selbs e wal ungso gane aus. De Vo -
si zende de Adelsko po a ion wa in jedem Gou e nemen und in
jedem K eis eine seh ein luß eiche Pe sönlichkei , mi de sich die
Regie ungs e e e einschließlich de Gou e neu e gu s ellen
muß en, denn de Adel besaß meis seh gu e Ve bindungen in Pe e s-
bu g.
Nu ausnahmsweise ü Au gaben, die eine bes imm e Spezial-
bildung ode Begabung e o de en, wie z. B. die Ve wal ung de Fi-
nanzen ode des Ve keh swesens, wu den Pe sonen aus ande en S än-
den zu Minis e n e nann bzw. aus de P axis unmi elba be u en.
De Adel genoß auch noch um die le z e Jah hunde wende einige
ech liche P i ilegien. So konn e e seinen G undbesi z bei de Adels-
ag a bank hypo heka isch zu besonde s güns igen Bedingungen be-
leihen; ein Vo zug, on dem e auch ausgiebig Geb auch zu machen
p leg e. Fe ne wa ihm ges a e , seine Söhne und Töch e in In-
s i u en un e zub ingen, in denen die e s e en sozusagen au de
Schnellbleiche, schnelle , abe auch dü ige als in den höhe en Schu-
len und Uni e si ä en, ü die Beam enka ie e he angebilde wu den
(Kaise liches Alexande -Lyzeum, Kaise liche Rech sschule in Pe e s-
bu g). Fü die Töch e aus e blichem Adel gab es in Pe e sbu g d ei
exklusi e Bildungsmöglichkei en in In e na en. Das bekann es e In-
s i u diese A wa das Smolna-Ins i u . Un e den Absol en en de
beiden genann en Ins i u e ü Adelssöhne bes and ein ko po a i e ,
adi ionelle Zusammenschluß, de seh geeigne wa , die Beam en-
ka ie e und die gesellscha lichen Beziehungen zu ö de n. Eine
gleiche p i ilegie e S ellung au mili ä ische Ebene besaßen die Zög-
linge des Pagenko ps. Aus diesen E ziehungsans al en sind eine Reihe
on bedeu enden Ve e e n und p ominen en Geis e n des ancien
égime he o gegangen: A. S. Puschkin (Alexande -Lyzeum), K. Pobe-
donöszew und de g öß e ussische Komponis Pe e Tschaikowski
(beide Rech sschüle ). Pobedonôszew (ges . 1907) wa Leh e zweie
Za en (Alexande III. und Nikolai II.), Ve e e (Obe p oku eu ) des
Za en im Heiligen Synod, wäh end de Jah e 1881—1905 die wei aus
ein luß eichs e Pe sönlichkei im Za en eich. E wa in de genann en
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