Diekmann, And eas
Book Re iew — Published Ve sion
[Rezension] T agödie de globalen Allmende. Wa um die
Diagnose ich ig, die The apie abe alsch is !
KZ SS Kölne Zei sch i ü Soziologie und Sozialpsychologie
P o ided in Coope a ion wi h:
Sp inge Na u e
Sugges ed Ci a ion: Diekmann, And eas (2025) : [Rezension] T agödie de globalen Allmende.
Wa um die Diagnose ich ig, die The apie abe alsch is !, KZ SS Kölne Zei sch i ü Soziologie und
Sozialpsychologie, ISSN 1861-891X, Sp inge Fachmedien Wiesbaden GmbH, Wiesbaden, Vol. 77,
Iss. 1, pp. 107-114,
h ps://doi.o g/10.1007/s11577-025-00994-2
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REZENSIONSFORUM
h ps://doi.o g/10.1007/s11577-025-00994-2
Köln Z Soziol (2025) 77:107–114
T agödie de globalen Allmende. Wa um die Diagnose
ich ig, die The apie abe alsch is !
And eas Diekmann
Angenommen: 5. Mä z 2025 / Online publizie : 3. Ap il 2025
© The Au ho (s) 2025
Becke , Jens: Ve kau e Zukun . Wa um de Kamp gegen den Klimawandel zu
schei e n d oh . Be lin: Suh kamp 2024. 238 Sei en. ISBN: 978-3-518-58809-3.
P eis: C28,–.
„Fo he pas h ee cen u ies, he e ec s o humans on he global en i onmen ha e
escala ed“ lau e de e s e Sa z des be ühm en A ikels on Paul J. C u zen übe
das „An h opozän“ (C u zen 2002). De Klimawissenscha le C u zen wa Mi en -
decke des Mechanismus, de zu Ausdünnung de s a osphä ischen Ozonschich
üh , und ha den Beg i des An h opozäns gep äg . Ande e Geowissenscha le ha-
ben die Wende zum An h opozän spä e angese z mi dem Beginn „de g oßen Be-
schleunigung“, wie die Pe iode des eno men Wachs ums ossilen Ene gie e b auchs,
de Massenmo o isie ung und des Wi scha swachs ums in de Nachk iegszei ge-
nann wi d. Die Klimae ek e de „g oßen Beschleunigung“ sind heu e unübe sehba .
Die Na u wissenscha en haben übe den menschengemach en Klimawandel au ge-
klä , die Ingenieu wissenscha en s ellen Technologien zum Auss ieg aus ossile
Ene gie zu Ve ügung. Da de Klimawandel on Menschen gemach is , sind nun
die Sozialwissenscha en ge ag . Ode wie es Jens Becke im einlei enden Kapi el
o mulie : „Dass die a sächlich ge o enen Maßnahmen so wei hin e dem, was
e o de lich wä e, zu ückbleiben, mach den Klimawandel zu einem o allem an
die Sozialwissenscha en zu ad essie enden P oblem“. Da an anschließend olg so-
gleich die Lei hese des Buchs: „Wa um sind Gesellscha en nich in de Lage, dem
Klimawandel Einhal zu gebie en“ (S. 11)?
A. Diekmann
Ins i u ü Soziologie, Geis eswissenscha liches Zen um, Uni e si ä Leipzig
Bee ho ens aße 15, 04107 Leipzig, Deu schland
E-Mail: and [email protected]
K
108 A. Diekmann
Eine e s e An wo des Au o s lau e , dass de Klimawandel ein besonde s ha es,
nämlich „ ückisches“ P oblem sei. Dagegen wa die Ausdünnung de Ozonschich
ein „zahmes“ P oblem (S. 20). Fü FCKW und ähnliche S o e, die die Ozonschich
ze s ö en, konn en asch E sa zs o e ge unden we den.
Ta sächlich is es e was e wickel e und dahe du chaus ins uk i , die Lösung
des Ozonp oblems mi de Klimak ise zu e gleichen. Ich beziehe mich dazu au
die au schluss eiche Analyse on Suns ein (2007). I onische weise wu de, im Un-
e schied zum T eibhause ek , die Ausdünnung de Ozonschich e s o wenigen
Jah zehn en en deck , danach abe asch gehandel . Zwischen de En deckung de
U sachen und dem Abschluss eines wel wei en Abkommens 1987, dem P o okoll
on Mon eal, lagen nu wenige Jah e. 187 Lände haben das Abkommen un e zeich-
ne , das FCKW und ähnliche Subs anzen e bie e , die die Ozonschich schädigen.
Beim Klimap oblem is es genau umgekeh . De T eibhause ek is sei zwei Jah -
hunde en, sei den Be echnungen des anzösischen Ma hema ike s Cha les Fou ie ,
bekann . Schä zungen de G ößeno dnung des Ein lusses on CO2au das Ausmaß
de E de wä mung wu den be ei s on dem schwedischen Chemike S an e A he-
nius um 1900 de Akademie de Wissenscha en in S ockholm o geleg . Dagegen
sind o z alle E kenn nisse, e eine e Messungen und Modelle de Klimawis-
senscha en sowie o z alle Wel klimakon e enzen die globalen Emissionen on
T eibhausgasen, insbesonde e CO2, bis heu e anges iegen.
Beim Ozonp oblem ging die Ini ia i e on den USA aus, die Eu opäe wa en
ehe zöge lich. Die ame ikanische Umwel behö de ha e e mi el , dass allein ü
die USA die Kos en de du ch e höh e UV-Eins ahlung e meh en Hau k ebs älle
die Kos en ü E sa zs o e bei wei em übe wogen. Du ch die Be eiligung ande e
Lände konn en die Kos en de K isenbewäl igung noch e minde we den, En -
wicklungslände e hiel en Ausgleichszahlungen. Ande s als im Falle de Klimak ise
gab es kein g a ie endes „T i b e ah e -P oblem“ (Suns ein 2007). Ein g oßes
Land wie die USA ha e be ei s ein Eigenin e esse an eine Lösung. Im Sinne de
Theo ie on Mancu Olson zu „Logik kollek i en Handelns“ (Olson 1965) wa en
die Ve einig en S aa en ein „p i ilegie e Ak eu “, de be ei is , ein Kollek i gu
schon im Eigenin e esse he zus ellen (Diekmann 2024, S. 74). In diesem Sinne wa
die Ausdünnung de Ozonschich a sächlich ein „zahmes P oblem“. Wie zahm ode
ückisch ein soziales Dilemma ode Kollek i gu p oblem is , so könn e man es o -
mulie en, häng wesen lich on de S uk u des Dilemmas ab. Zusä zlich ha e das
Mon eal-P o okoll abe auch eine seh s a ke, posi i e Wi kung au die Ve minde-
ung on T eibhausgasen. Die Lösung des zahmen P oblems ha e pa adoxe weise
die Nebenwi kung, das ückische P oblem des Klimawandels ein S ück wei zu lin-
de n. Denn FCKW und ähnliche Subs anzen sind s a ke T eibhausgase. Velde s e al.
(2007) be ich en dazu: „The clima e p o ec ion al eady achie ed by he Mon eal
P o ocol alone is a la ge han he educ ion a ge o he i s commi men pe iod
o he Kyo o P o ocol.“
Wa um is die E de wä mung ein „ ückisches P oblem“ und wa um is es so
schwe lösba , sodass Gesellscha en schei e n, den Klimawandel un e Kon ol-
le zu b ingen? E was nebulös is Becke s De ini ion eines ückischen P oblems:
„Tückische P obleme sind so bescha en, dass es ü sie keine ein ach benennba e
Lösung gib ...“ und wei e : „De Klimawandel is nich zahm, sonde n cha ak e-
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T agödie de globalen Allmende. Wa um die Diagnose ich ig, die The apie abe alsch is ! 109
isie du ch komplexe In e dependenzen und Dilemma a au zahl eichen Ebenen,
die keine Mas e lösung zulassen“ (S. 20). Man muss dem Au o zugu ehal en, dass
diese zunächs ech abs ak e De ini ion in den olgenden Aus üh ungen genaue
konk e isie wi d und die Tücken des P oblems an zahl eichen, gu eche chie en
Beispielen und Falls udien illus ie we den.
Das g undlegende Dilemma bes eh da in, dass die P ä en ion on Klimawandel
eine Allmende, ein Gemeinscha sgu is , seh iele Ak eu e in un e schiedlichem
G ade on de ossilen Wi scha sweise p o i ie en und die Ums ellungs- und Ve -
meidungskos en seh hoch sind, sodass „T i b e ah en“ lohnenswe e is , als zum
Gemeinscha sgu beizu agen. Hinzu kommen die P adabhängigkei en in einem
Wi scha ssys em, das bis heu e noch zu 70 bis 80% au ossile Ene gie be uh .
„Das indi iduell a ionale Handeln is nich in de Lage, das Gemeinscha sgu de
na ü lichen Lebensg undlagen o jenen Ze s ö ungen zu schü zen, die den Kli-
mawandel e zeugen“ (S. 45). Und: „Es ehl im wi scha lichen Handeln jegliche
Anlei ung du ch eine kollek i e Ra ionali ä , die dem indi iduellen Vo eilss eben
G enzen se zen wü de“ (S. 45).
Dieses E klä ungsmus e und die E o schung soziale Dilemmas ha üb igens
eine lange T adi ion in de Ra ional-Choice-Soziologie und Sozialpsychologie (z.B.
Lieb and und Messick 1996), ü die de Gegensa z zwischen indi iduelle und kol-
lek i e Ra ionali ä (Rapopo 1998) ge adezu pa adigma isch is . Auch Becke
e wende die Beg i e „soziales Dilemma“, „Allmendedilemma“ und „Kollek i -
gu p oblem“ im Sinne diese Fo schungs adi ion.
De A gumen a ions aden in de „ e kau en Zukun “ is nun olgende maßen.
Das Dilemma be i Wi scha , Poli ik und Bü ge (Konsum). Becke s „ein aches
Modell“ (S. 20, S. 36) bezieh sich au das Zusammenspiel diese d ei Be eiche. Da
die Na u keinen P eis ha , können Un e nehmen in de „kapi alis ischen Mode ne“
unges a Raubbau an den endlichen, na ü lichen Ressou cen be eiben. Das gil
besonde s ü einen no wendig au Wachs um ge imm en Kapi alismus.
Die kapi alis ische Mode ne beginn mi de Indus ialisie ung, de „Auswei ung
de Ma k s uk u en“ ange eiche du ch „kul u elle Komponen en des Indi idualis-
mus und des Fo sch i sglaubens“ (S. 25); wenn man so will mi dem Umbau on
„Basis“ und „Übe bau“ in Ma xsche Te minologie. Die his o ische Pe iode, die Paul
C u zen als „An h opozän“ bezeichne , is nich on unge äh zugleich „kapi alis i-
sche Mode ne“. Sie be uh bis heu e au ossile Ene gie, denn Wi scha sun e neh-
men haben kein In e esse an eine In e nalisie ung de ex e nen Kos en. Es komm
zu „Ma k e sagen“. So wi d zum Beispiel de Finanzmanage S e e Waygood mi
den Wo en zi ie : „De Klimawandel is das g öß e Ma k e sagen alle Zei en“
(S. 32). Ma k e sagen könn e in de Theo ie du ch s aa liche Regulie ung epa ie
we den. Nu ha de S aa wenig Mach , die e o de lichen Regulie ungen o zuneh-
men. „Die au poli ische Legi ima ion du ch Wahlen angewiesenen Poli ike haben
demnach An eize, on Regulie ungen zu In e nalisie ung de Kos en on Umwel -
schädigung abzusehen ...“ (S. 38). Zum Ma k e sagen gesell sich „S aa s e sagen“
(S. 36). Das wi d seh kla und konk e in Kap. 3 „Big Oil“ am Lobbyismus de os-
silen Indus ie, de Täuschung de Ö en lichkei und de Meh ung on Klimaskepsis
wide besse en Wissens du ch E dölkonze ne demons ie .
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110 A. Diekmann
Ande s als beim Klassenkon lik zwischen Kapi al und A bei gib es keine ge-
genläu igen ma e iellen In e essen. Au Kos en de Zukun s ell sich eine In e es-
senkon e genz bei Wi scha , S aa und Bü ge n ein. So „... gib es wede in de
Wi scha noch beim S aa noch bei den Bü ge n ma e ielle An eize zu e ek i em
Klimaschu z. ... Die Na u selbs ha keine S imme in de Gese zgebung und sie
kann sich auch nich mi einem S eik beme kba machen“ (S. 38). Alle dings gib
es „ideelle In e essen“, Gegenbewegungen wie „F idays o Fu u e“ ode „Le z e
Gene a ion“. Wenn es um die Legi ima ion wi scha liche und s aa liche Hand-
lungen geh , sind „diese Bewegungen poli isch nich mach los“ (S. 39). Doch sind
die Maßnahmen zum Klimaschu z, mi denen au die P o es e in de poli ischen
A ena eagie wu de, „ iel zu zagha “, so Jens Becke s pessimis isches Fazi .
Ha näckig sind auch ande e globale P obleme wie Ungleichhei , A mu und
Un e e näh ung in En wicklungslände n. Beim Klimawandel komm abe noch ei-
ne wei e e Dimension hinzu, die „Tempo ali ä “ (S. 12). Es bleib nich genügend
Zei , um de E de wä mung noch mi den üblichen langwie igen Komp omissen
und P ozedu en de Poli ik sch i weise und in kleinen Dosie ungen zu begegnen,
selbs wenn die Klima olgekos en iel höhe aus allen als die Kos en de P ä en i-
on. „Weil sich die En scheidungsho izon e on Un e nehmen, Poli ik und Bü ge n
also an ku z is igen Oppo uni ä en o ien ie en, we den die zukün ig zu e wa en-
den nega i en Auswi kungen de Missach ung on Umwel schäden übe sehen ode
he un e gespiel “. Das „Gemeinscha sgu de na ü lichen Umwel “ bleib dadu ch
„eine ausbeu ba e Ressou ce, die am Ma k mi Gewinn e kau und dabei zugleich
ze s ö wi d. In diesem Sinne sp eche ich on , e kau e Zukun ‘“ (S. 13).
„Wi scha , Poli ik und Be ölke ung diskon ie en in ih e men alen Buch üh-
ung den zukün igen Schaden, sodass diese in de Gegenwa nich hin eichend
ins Gewich äll ...“ (S. 73), lau e das A gumen . Auch dami wi d eine Fo schungs-
ich ung angesp ochen, die sei langem das Ausmaß „subjek i e Diskon ie ung“ in
e schiedenen Be eichen, auch beim Umwel e hal en, empi isch analysie (z.B.
B ude e Enzle e al. 2014,2019). Dabei zeig sich, dass die men ale Abwe ung
on Zukun auch on Bildung und soziale Lage abhäng . Das ha Folgen ü
die je nach soziale Lage un e schiedlichen Kos enkalkula ionen im Kon lik zwi-
schen gegenwä igen In es i ionen und zukün igen E ägen, zum Beispiel bei de
Anscha ung eines neuen Heizungssys ems. Von „Heu e-Mo gen-Ungleichhei en“
sp echen Mau e al. (2023) e end in den „T igge punk en“. Was ü Konsumen en
gil , i umso meh au die Poli ik zu. Es kos e nich s, lang is ige Ziele zu Kli-
maneu ali ä zu e künden, wenn nich gleichzei ig die e o de lichen Maßnahmen
e g i en we den, um dem Ziel nähe zu kommen. Zwei ellos is die Skepsis be-
ech ig , die in de „ e kau en Zukun “ imme wiede zum Ausd uck komm , dass
auch nu die deu schen (65% Reduk ion on CO2-Äqui alen en bis 2030, Klima-
neu ali ä bis 2045) ode eu opäischen Klimaziele (55% CO2-Reduk ion bis 2030,
Klimaneu ali ä bis 2050) e eich we den.
Jens Becke e s eh es seh gu , die einzelnen Puzzle eile aus den e schiedenen
Fo schungsgebie en (Kollek i gü e und Ex e nali ä enp oblem, Soziale-Dilemma-
und Allmende o schung, subjek i e Diskon ie ung, P obleme poli ische Regulie-
ung usw.) zu einem Gesam bild zusammenzu ügen und e s ändlich zu e mi eln.
Die Diagnose i du chaus den Ke n, auch wenn man hie und da zu ande en
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T agödie de globalen Allmende. Wa um die Diagnose ich ig, die The apie abe alsch is ! 111
Akzen se zungen und Gewich ungen komm . Imme hin sind einige nich nu sym-
bolische Regulie ungen au den Weg geb ach wo den, wobei de EU eine zen ale
Rolle zukomm . Dazu zähl beispielsweise das „Ve b enne e bo “ (ode das Ve bo
ossile K a s o e in Neuwagen ab 2035), o allem abe de CO2-Ze i ika e-Han-
del, de übe die g oße Indus ie hinaus in wenigen Jah en (ab 2027) au Heiz- und
T eibs o e ausgewei e we den soll. Das g oße („Commi men “-)P oblem is alle -
dings auch hie , ob die Poli ik die Ve p lich ungen auch einlösen wi d angesich s
wachsende populis ische Gegenbewegungen. Eine Ins i u ion, eine Zen albank
ähnlich, die die Reduk ion on CO2-Emissionen unabhängig on agespoli ischen
Geschä en s eue , exis ie nun mal nich .
Wenn nun die zen ale These gil , dass „[d]ie Mach - und An eizs uk u en de
kapi alis ischen Mode ne und ih e S eue ungsmechanismen ... eine Lösung des glo-
balen P oblems namens Klimawandel“ blockie en (S. 12), s ell sich die F age, wel-
che Gegengi e den Klimawandel noch b emsen könn en. Eine Klimadik a u soll
es na ü lich nich sein: „Bei allen De izi en de Klimapoli ik ... gil doch, dass sich
die ... Klimak ise, wenn übe haup , dann nu in demok a ischen S aa en ziel üh end
bea bei en läss ...“ (S. 89). Is es die Abscha ung des Kapi alismus? Diese wi d als
u opisch, zu lang is ig und poli isch nich du chse zba e wo en – ebenso wie die
Ums ellung au eine Planwi scha nach dem Mus e b i ische K iegswi scha à la
Ul ike He mann („Das Ende des Kapi alismus“, He mann 2022). T o z alle K i ik
an de kapi alis ischen Mode ne bli z doch Sympa hie ü die Inno a ionsk a des
Kapi alismus au : „... ob die Folgen eines solchen Sys emwechsels a sächlich de
Umwel zugu ekämen, sei dahinges ell “. Denn dann „wü de man dami womög-
lich auch die Tü zu neuen Technologien zuschlagen ...“ (S. 138). Konsum e zich
(„Eine Massenbewegung, die zum Konsum e zich au u , gib es alle dings nich “
(S. 118)) ode „e hische Mä k e“ („De Ma k ü e hisch p oduzie e Kleidung e -
wa um ass nich meh als 0,4% des globalen Bekleidungsma k es“ (S. 131)) s ellen
auch keine ealis ischen Lösungen da ; und „Nudging“ is bezüglich des Klimawan-
dels ohnehin eine „Spiele ei“ (S. 134). Die Nega i lis e unwi ksame Maßnahmen
is lang. Alle dings: Man kann sich de Desillusionie ung in Bezug au diese Fo men
on Klimapoli ik im G oßen und Ganzen anschließen, wenn auch de Minde hei
Respek zu zollen is , die mi Ände ungen des Lebenss ils zumindes einen Bei ag
leis e , die Wel e was besse zu machen. Auch das Kapi el „Wohls and wel wei “
is eine lesenswe e Analyse des Ve sagens de Indus iena ionen.
Das heiß abe nich , o de Klimak ise kapi ulie en zu müssen. Man da skep-
isch sein, ob die Pa is-Ziele im ollen Um ang in de anges eue en Zei spanne
e eich we den. Abe , wie Becke sch eib , is ein „ge inge e T eibhausgasaus-
s oß ... du chaus ein ele an es E gebnis. De Ein i de Folgen des Klimawandels
könn e mögliche weise hinausgezöge we den, die Folgen könn en ge inge aus al-
len“ (S. 22). „Jedes zehn el G ad zähl “, lau e eine ähnliche De ise.
Leide , und hie komme ich zu Schwäche des Buches, we den die on Becke
o geschlagenen Maßnahmen diesem Ziel kaum ge ech . Die S ä ke des Buchs lieg
in de Analyse, nich bei den Maßnahmen. Vo allem we den, wie leide on ielen
in de Soziologie, die wi ksams en Ins umen e abgekanzel . Die scha e Wa e de
CO2-Bep eisung, ob übe den Handel on Emissionsze i ika en (ETS) ode als di-
ek e CO2-Abgabe, wi d in de „ e kau en Zukun “ mi den üblichen, empi ische
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112 A. Diekmann
E idenz en beh enden A gumen en zu ückgewiesen. Dabei geh es doch mi de
CO2-Bep eisung ge ade um die In e nalisie ung de ielbeschwo enen Ex e nali ä-
en. Die Wi ksamkei de Lenkung du ch CO2-P eise läss sich, allen Unken u en
zum T o z, seh deu lich du ch S udien übe die P eiselas izi ä de Nach age bele-
gen (Labandei a e al. 2017). Kü zlich e schien in Science eine um ang eiche A bei
zu Wi ksamkei on Maßnahmen gegen den Klimawandel, an de auch das Po sdam-
Ins i u ü Klima olgen o schung be eilig wa . Die Fo schungsg uppe un e such e
1500 klimapoli ische Maßnahmen in 41 Lände n und il e e mi ökonome ischen
Me hoden und „machine lea ning“ 63 wi ksame Poli ikbündel he aus. Im E gebnis
zeig e sich, dass „in mos cases p icing is he complemen ha enables e ec i e
emission educ ions“ (S echemesse e al. 2024). Die S udie zi ie auch wiede Be-
lege ü das anschauliche Beispiel des b i ischen Kohleauss iegs. Als o und zehn
Jah en die P eise des Emissionshandels p o Tonne CO2im eins elligen Be eich la-
gen, ha G oßb i annien einen ela i ge ingen Mindes p eis on 20 C einge üh .
Diese Mindes p eis be ei s ha den B i en gehol en, in eine übe aschend ku zen
Zei spanne den Kohleauss ieg zu bewe ks elligen. Wenn Becke sch eib : „... o z
heh e Theo ie sind die E gebnisse des ETS in de P axis bescheiden“ (S. 146), is
das ein ach alsch. Im Ve gleich zu Si ua ion o zehn Jah en haben die P eise im
Emissionshandel s a k angezogen und lagen 2023 zei weilig soga im d eis elligen
Be eich. Wenn die Poli ik nich einknick , wi d man ab 2027 (wenn die na ionalen
Abgaben in das eu opäische Handelssys em in eg ie we den) mi ziemlich ho-
hen CO2-P eisen bei den Abgaben ü Wä me und Ve keh zu echnen haben. De
G oß eil de CO2-Emissionen in Eu opa wi d dann om ETS gedeck sein. Die Kli-
mae ek e we den um Zehne po enzen g öße sein als alle Maßnahmen zusammen,
die Jens Becke in Kap. 9, „Wie wei e “, au üh . Das soll nich heißen, dass seine
Vo schläge o wiegend zu Klimaadap a ion nich sinn oll sind; sie e se zen abe in
keine Weise das, was das ETS bewi k 1. Eine posi i e Neben olge des Emissions-
handels und de dadu ch deu lich e minde en Emissionen is zudem, dass sich die
Lu quali ä in Eu opa e heblich e besse ha (Basaglia e al. 2024).
E ns e zu nehmen is das Ge ech igkei sa gumen eine eg essi en Ve eilungs-
wi kung du ch CO2-Abgaben. Du ch Kompensa ionen, am ein achs en du ch ein
Klimageld nach dem Mus e de Schweize CO2-Abgaben, kann die eg essi e S eu-
e in eine p og essi e S eue übe üh we den. Anhand de s a k ech sschie en
CO2-Emissions e eilung läss sich zeigen, dass bei olls ändige Rückzahlung wei
meh als die Häl e de Be ölke ung, insbesonde e im un e en Einkommensbe eich,
om Klimageld p o i ie en wü de (B ude e Enzle und Diekmann 2019). Klima-
geld is Um e eilung on oben nach un en. Bei ulne ablen, du ch CO2-Abgaben
benach eilig en G uppen könn e man nachs eue n. Es b auch dazu „nu “ poli ischen
Ges al ungswillen. Na ü lich ich e es nich de CO2-P eis allein. Ausbau on In-
as uk u und in e na ionale Klimaabkommen sind ebenso wich ig. Die Locke ung
1Jens Becke se z da au , dass Maßnahmen de Klimap ä en ion („Mi iga ion“) in de Be ölke ung
wenige au Zus immung s oßen als Maßnahmen de „Adap a ion“, also de Milde ung on Klima olgen.
Ob das wi klich so is , wä e eine Un e suchung we . Dabei is auch nich zu e gessen, dass Mi iga ion und
Adap a ion o Hand in Hand gehen. G üne e S äd e gegen Hi zes ess zum Beispiel sind Maßnahmen, die
Klima olgen milde n und gleichzei ig CO2-Emissionen minde n. P oblema isch is abe , wenn die eichen
Lände die P io i ä in de Klimaanpassung sehen und die Klimap ä en ion nach angig behandeln.
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T agödie de globalen Allmende. Wa um die Diagnose ich ig, die The apie abe alsch is ! 113
de Schuldenb emse und ein Solida zuschlag bei hohen Einkommen, Ve mögen und
E bscha en wü den Ressou cen ü die d ingend no wendigen Zukun sin es i ionen
be ei s ellen.
Auch „g ünes Wachs um“ wi d als schöne Illusion zu ückgewiesen. Dagegen läss
sich einwenden: Es soll auch ga nich alles wachsen. Die Lenkung übe Emissions-
handel ode CO2-Abgaben ha den Vo eil, dass Wi scha s ä igkei en, die au os-
sile Ene gie basie en, sch ump en. Das is p ak isch wi ksame De-G ow h!Denn
eiwillige e hische Konsum e zich is leide , wie wi wissen, keine p ak ikable
Op ion. Die Nu zung egene a i e Ene gie wi d dagegen wachsen. Wa um sollen
auch Diens leis ungen, Bildung, Fo schung, Gesundhei , P legeleis ungen usw. nich
wachsen, solange sie nich übe mäßig Ressou cen e zeh en? Schade, dass eine de
e olg eichs en Wege zu eine – nennen wi es g ünen T ans o ma ion –inBausch
und Bogen e wo en wi d. Nu weil die Vo schläge on den ungelieb en Ökonomen
s ammen („De heilige G al“ de Ökonomie, S. 145)?
CO2-P eise können zudem einen E ek e s ä ken, de in de „ e kau en Zu-
kun “ nich zu Sp ache komm und meh als einen Funken Ho nung bedeu e : de
echnologische Fo sch i bei de e neue ba en Ene giep oduk ion. Wie bei de He -
s ellung on Compu e chips, sind die P eise, dem Moo eschen Gese z olgend, bei
de P oduk ion e neue ba e Ene gie massi gesunken. Die Kos en de E zeugung
eine Kilowa s unde S om aus Sola - und Windene gie liegen mi le weile un e
den Kos en ossile und Nuklea ene gie (Rose 2020). Die P ognosen lau en, dass
sich ein aus ökonomische Ve nun Sola s om wel wei du chse zen wi d; iel-
leich zu spä und womöglich zule z ge ade in A ika, weil die Kapi alkos en de
Ums ellung sich als Hemmschuh e weisen (Nijsse e al. 2023). Hie sind wi wiede
bei Kap. 5 übe „Wohls and wel wei “ und die Ve an wo ung de Indus iena ionen!
Jens Becke ha ein seh lesenswe es Buch übe die sys emisch e u sach e
Klimak ise und die s uk u ellen Hemmnisse bei ih e Bekämp ung gesch ieben. Es
is zudem gu lesba und in kla e Sp ache ohne übe lüssigen Ja gon gesch ieben
(was man on ielen soziologischen Essays nich behaup en kann). Es be eiche
die sozialwissenscha liche Deba e übe den Klimawandel und lie e we olle,
abe auch k i isch zu e lek ie ende Ans öße ü die wei e e Diskussion. De Au o
s ell dem Pa ien en schonungslos die Diagnose, sieh ü die The apie abe nu
unzu eichende Mi el o und e weige die wi ksamen. Was wi klich zu un is ,
um aus de Klimamise e he auszukommen, bean wo e das Buch leide nich !
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