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Universalbanken – Erfahrungen und mögliche Lehren

Abstract

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Universalbanken – Erfahrungen und mögliche Lehren

Author: Timmermann, Vincenz
Publisher: Berlin: Duncker & Humblot
Year: 1991
DOI: 10.3790/ccm.24.1.73
Source: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/293192/1/ccm.24.1.073.pdf
Timme mann, Vincenz
A icle
Uni e salbanken – E ah ungen und mögliche Leh en
K edi und Kapi al
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: Timme mann, Vincenz (1991) : Uni e salbanken – E ah ungen und mögliche
Leh en, K edi und Kapi al, ISSN 0023-4591, Duncke & Humblo , Be lin, Vol. 24, Iss. 1, pp. 73-84,
h ps://doi.o g/10.3790/ccm.24.1.73
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/293192
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Uni e salbanken —
E ah ungen und mögliche Leh en
Von Vincenz Timme mann, Hambu g
De Au bau eines leis ungs ähigen Geld- und K edi sys ems is ü alle
Lände ein wich ige Bei ag zu wi scha lichen En wicklung; denn ein
leis ungs ähiges Geld- und K edi sys em mobilisie zusä zliche inländische
E spa nisse und lei e die mobilisie en in es ie ba en Fonds in e izien e e
Ve wendungen.
Übe die Rolle und die Bedeu ung de Geld- und K edi ins i u e gib es in
de wi scha s heo e ischen und in de wi scha shis o ischen Li e a u
iele wich ige Bei äge1. In de o liegenden A bei konzen ie e ich mich
au einen Aspek diese Diskussion, nämlich au die F age, ob das Uni e -
salbankensys em Modellcha ak e haben könn e, wenn heu e ein Land
da an geh , sein Geld- und K edi sys em neu zu ges al en. Dabei gehe ich
olgende maßen o : Zunächs s elle ich das Uni e salbankensys em da
und die E ah ungen, die man dami in de Ve gangenhei gemach ha . Aus
naheliegenden G ünden besch änke ich mich au das deu sche Uni e sal-
bankensys em, an dem sich meines E ach ens die Vo züge und auch die P o-
bleme dieses Sys ems exempla isch da s ellen lassen. Dann gehe ich im
zwei en Abschni den A gumen en nach, die in de neue en Li e a u ge-
gen das Uni e salbankensys em o geb ach we den. Im d i en Abschni
schließlich e suche ich die F age zu bean wo en, ob das Uni e salbanken-
sys em nach allem, was wi da übe wissen, auch un e den Bedingungen
de mi el- und os eu opäischen Lände , die heu e zu wei eichenden Re o -
men ih es Geld- und K edi sys ems be ei sind, einen posi i en Bei ag lei-
s en könn e.
1 Bei äge wi scha s heo e ische A s ammen on Joseph A. Schumpe e
(„Theo ie de wi scha lichen En wicklung", 5. Au l., Be lin 1952, S. 105 ., 140 .)
sowie o allem on John G. Gu ley und Edwa d S. Shaw („Money in a Theo y o
Finance", Washing on 1960); Bei äge wi scha shis o ische A s ammen on Alex-
ande Ge schenk on („Economic Backwa dness in His o ical Pe spec i e", Cam-
b idge 1962, S. 5 .) und o allem on Rondo Came on e al. („Banking in he Ea ly
S ages o Indus ializa ion", New Yo k 1967; „Banking and Economic De elopmen ",
New Yo k 1972).
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74 Vincenz Timme mann
I.
Zunächs eine ku ze De ini ion: Eine Uni e salbank is ein K edi ins i u ,
das „alle Bankgeschä e mi Ausnahme de No enausgabe und de P and-
b ie emission" be eib 2. Uni e salbanken sind also - ande s als die Banken
im sogenann en T ennbanksys em - nich du ch Spezialisie ung gekenn-
zeichne als Deposi enbanken ode als K edi banken ode als Ins i u e lang-
is ige Finanzie ung, sonde n Uni e salbanken sind au allen Gebie en
de Geld-, K edi - und Kapi al e so gung ä ig: Sie be eiben das Einlagen-
geschä und das K edi geschä alle F is en, das G ündungs- und das
Emissionsgeschä , den Geldhandel und den E ek enhandel.
Die g oße Bedeu ung de Uni e salbanken ü die wi scha liche En -
wicklung Deu schlands läß sich meines E ach ens aus zwei Besonde hei en
e klä en, on denen ich glaube, daß sie - ge ade mi Blick au die gegenwä -
igen Re o mbes ebungen in den mi el- und os eu opäischen Lände n -
nachahmenswe sind:
- Die eine Besonde hei is die Gewäh ung unbesiche e pe sönliche K e-
di e.
- Die zwei e Besonde hei is die lang is ige In es i ions inanzie ung, bei
de G ündungsgeschä e, Emissionsgeschä e und Be eiligungsgeschä e
mi einande e knüp sind.
Diese beiden Speziali ä en, unbesiche e pe sönliche K edi e und lang i-
s ige In es i ions inanzie ung, haben die deu schen Banken als e s e in
besonde s e olg eiche Weise mi einande e bunden und wei e en wik-
kel .
Die An änge des unbesiche en pe sönlichen K edi s, diese au dem Kon-
inen so e olg eichen Bankenp ak ik, inden sich - wie die An änge so
manche inanziellen Inno a ion - in Scho land.
Diese Geschä sp ak ik is du ch zwei mi einande e knüp e Vo gänge
gekennzeichne : Es we den im Rahmen dieses Sys ems on den Banken
eine sei s unbesiche e pe sönliche K edi e gewäh . Im Gegenzug muß de
K edi nehme abe ande e sei s alle seine Geldgeschä e mi de k edi ge-
benden Bank - seine „Hausbank" - abwickeln. De K edi nehme e häl
auch ohne S ellung on Siche hei en K edi ; die Bank e häl die olle In o -
ma ion übe den Gang de Geschä e des K edi nehme s und übe seine
wi scha lichen Ak i i ä en.
2 H. E. Büschgen, Uni e salbanken ode spezialisie e Banken als O dnungsal e -
na i en ü das Bankgewe be de Bundes epublik Deu schland un e besonde e
Be ücksich igung de Sammlung und Ve wendung on Kapi al, Köln 1970, S. 7.
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Uni e salbanken — E ah ungen und mögliche Leh en 75
Adam Smi h be ich e im 2. Kapi el des 2. Buches seines „Weal h o
Na ions", daß die Banken in Scho land be ei s zu seine Zei K edi e ohne
dingliche Siche ung gewäh en3.
We ne Somba cha ak e isie diese K edi o m als „die Empo hebung
de Ve mögenslosen zu Un e nehme ä igkei , wodu ch die Zu älligkei en
de ühe en Zei , in de de en Ausübung an den Geldbesi z gebunden wa ,
besei ig wo den sind4."
Die zwei e Besonde hei des in Deu schland so e olg eichen Uni e sal-
bankensys ems is die lang is ige In es i ions inanzie ung. Dazu gehö
auch die G ündung on Un e nehmen, die Emission on We papie en und
soga die Be eiligung an einem Un e nehmen, sel en on o nhe ein mi
eine lang is igen Be eiligungsabsich , häu ige o übe gehend, solange
sich noch nich alle An eilswe e plazie en lassen.
Diese um assende A de In es i ions inanzie ung wu de au dem eu o-
päischen Kon inen - sowei wi das wissen können - e s mals in Belgien
p ak izie , on de 1822 geg ünde en „Socié é Géné ale de Belgique";
dieses Ins i u gil als die e s e eu opäische Geschä sbank dieses neuen
Typs, weil sie - üb igens be ei s als Ak ienbank ge üh - on An ang an
auch das E ek engeschä be ieb5. Das Liquidi ä sp oblem aus de F i-
s en ans o ma ion e such e diese Bank du ch die Ausgabe eigene Obliga-
ionen zu lösen, zu Fundie ung de auss ehenden K edi e und Un e neh-
mensbe eiligungen. Diese e s e Ve such und auch die nächs en Ve suche
mi solchen „C édi Mobilie -Banken" in F ank eich und in I alien schei e -
en da an, daß diese Banken sich zu lange ausschließlich au die in de
G ünde zei seh isiko eiche Wohnungsbau- und Indus ie inanzie ung
s ü z en und das Deposi engeschä öllig e nachlässig en.
Dagegen haben die g oßen deu schen Filialbanken, o allem die Be line
G oßbanken, on Beginn an ganz geziel auch die P lege des Deposi enge-
schä s be ieben; die g oßen deu schen Geschä sbanken ha en aus den
Schwie igkei en de belgischen, de anzösischen und de i alienischen
C édi Mobilie -Banken gele n . Du ch die G ündung on Bank ilialen und
Deposi enkassen in Be lin und ande en deu schen G oßs äd en wu de on
de Passi sei e he die Vo ausse zung ü ein is enmäßig di e enzie es
Ak i geschä gescha en: Das Eigenkapi al wu de meh und meh zu
3 A. Smi h, An Inqui y in o he Na u e and Causes o he Weal h o Na ions (1776),
h sg. on J. R. McCulloch, Edinbu gh 1846, S. 123 .
4 W. Somba , De mode ne Kapi alismus, 3. Band: Das Wi scha sleben im Zei -
al e des Hochkapi alismus (1902), 3. Au l., München 1928, S. 220.
5 Vgl. K. E. Bo n, Geld und Banken im 19. und 20. Jah hunde , S u ga 1977,
S. 102 . u. S. 171 .
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Rese e, de eigen liche Be iebs onds de Uni e salbanken wa en die soge-
nann en emden Gelde , also o allem Te min- und Spa einlagen.
Die En wicklung zu Uni e salbank wu de in Deu schland auch dadu ch
ge ö de , daß die deu schen P i a banken im 19. Jah hunde nu ganz e -
einzel noch das Rech zu No enausgabe besaßen. Die P i a banken wa en
abe on An ang an imme bes eb gewesen, alle Bankgeschä e ih e Kun-
den abzuwickeln. Da sie Bankno en nun kaum noch ausgeben du en, muß-
en sie ande e Wege zu Mone a isie ung und Finanzie ung inden. Das
üh e die deu schen Banken seh üh zum i alienischen Gi o-Sys em des
Mi elal e s zu ück, das zwischenzei lich nu noch an besonde s wich igen
Handelsplä zen, wie Ams e dam, London und Hambu g, p ak izie wu de6:
Wenn iele Händle und Kau leu e ein Gi okon o bei de selben Bank un e -
hiel en, ließen sich Teile ih e Fo de ungen und Ve bindlichkei en bankin-
e n e echnen; und wenn schließlich auch noch Banken beieinande Kon-
en un e hiel en, konn e nach A eines mode nen Clea ing-Ve ah ens de
in e ne Ve echnungs e keh soga noch in ensi ie we den; man b auch e
jeden alls ü den Geschä s e keh iel wenige Bankno en.
Diese Wiede en deckung des Gi o-Ve keh s und die inanzielle Inno a-
ion des Banken-Clea ings ha seh bald zu eine s a ken Auswei ung des
Kon oko en -Ve keh s ge üh , und die dami e bundene Zunahme des
Gi algeldes ha dann einen wich igen Bei ag zu Indus ialisie ung
Deu schlands geleis e .
Die Besonde hei en de deu schen Uni e salbanken sind also:
E s ens de unbesiche e pe sönliche K edi ; d.h. die Bank ich e ih en
Kunden ein lau endes Kon o ein und ges a e ihnen Übe ziehungen in
bes imm e , o he abgesp ochene Höhe; als Gegenleis ung ä ig de
Kunde da ü alle seine Bankgeschä e mi „seine " Hausbank.
Zwei ens die In es i ions inanzie ung, wenn nö ig mi eine di ek en
Be eiligung de Banken an besonde s isikobeha e en In es i ionen ih e
Kunden.
Alexande Ge schenk on mein , die P i a banken und spä e auch die
g oßen Ak ienbanken hä en in Deu schland du ch di ek es Mi wi ken eh-
lende Un e nehme und ehlendes P i a kapi al e se zen müssen7. Ta säch-
6 In Hambu g wa be ei s 1619 die Hambu ge Bank als e s e deu sche Gi o-Bank
geg ünde wo den. Vgl. dazu O. Vei , G und iß de Wäh ungspoli ik, 3. Au l., F ank-
u a.M. 1969, S. 467 .; Landeszen albank in de F eien und Hanses ad Hambu g
(H sg.), Die No enbank in Hambu g: Wie sie wu de, was sie wa und was sie is , Ham-
bu g 1981, S.
7
.
7 Vgl. A. Ge schenk on, Economic Backwa dness in His o ical Pe spec i e, Cam-
b idge 1962, S. 14 .
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lieh beglei e en die deu schen Uni e salbanken - wie man sag e - diese
Un e nehmen „ on de Wiege bis zu Bah e": Sie wi k en mi bei de G ün-
dung on Un e nehmen, sie en schieden mi bei E wei e ungen und g öße-
en Inno a ionen, bei Kapi ale höhungen, bei Zusammenschlüssen und
schließlich - wenn nö ig - auch noch bei de Liquida ion. So wu den die
Banken in Deu schland a sächlich - zumindes zu Beginn de Indus iali-
sie ung - eine wich ige Quelle ü Kapi al und Un e nehme leis ung. E s
spä e , als sich bei den Indus ieun e nehmen g öße e Gewinne eins ell en
und dadu ch Selbs inanzie ungen möglich wu den, wa die Indus ie weni-
ge au die Banken angewiesen.
Es wä e alle dings alsch, unse In e esse am deu schen Geld- und K edi -
sys em so ausschließlich, wie es häu ig geschieh , den g oßen Ak ienbanken
zuzuwenden und o allem ihnen die Ve diens e um die Finanzie ung de
wi scha lichen En wicklung in Deu schland zuzusch eiben8. Dami wü de
man den Ein luß de deu schen G oßbanken übe schä zen. Denn in
Deu schland bes anden be ei s iele Indus ieun e nehmen, be o es die
g oßen, wi klich leis ungs ähigen Ak ienbanken übe haup gab; diese wu -
den ja e s in de zwei en Häl e des 19. Jah hunde s geg ünde . Die g oßen
K edi - und Filialbanken konn en sich also e s gegen Ende des 19. Jah -
hunde s in wi klich beach lichem Um ang an de G ündung on Indus ie-
un e nehmen be eiligen, die kapi alin ensi e Neue ungen ein üh en, wie
die Be gwe ks- und Hü engesellscha en, die Röh enwe ke, die Eisenbahn-
und Teleg aphengesellscha en. De g oße Kapi albeda im Kohle- und
E zbe gbau, in de Elek izi ä swi scha , in de Eisen-, S ahl- und Me all-
indus ie übe s ieg dann alle dings die Möglichkei en de kleine en P i a -
banken. Wenn die kleine en K edi banken im indus iellen G ündungs- und
Emissionsgeschä gegenübe den g oßen Filial- und Ak ienbanken auch im
Nach eil wa en, im lau enden K edi geschä ha en sie deu liche Vo eile:
Die Kenn nis de lokalen Ve häl nisse und de lokalen Mä k e, dami auch
das Wissen um die Geschä slage ih e Kunden und de en K edi wü digkei ,
be ähig en ge ade auch kleine e Banken unbesiche e pe sönliche K edi e
einzu äumen ode abzulehnen.
Wie ein anzösische Jou nalis um 1900 diese Besonde hei des deu -
schen Bankwesens und ih e Bedeu ung ü die wi scha liche En wicklung
besch ieb, zeig ein Be ich , den e seine Zei ung nach F ank eich übe mi -
el e9. E habe in Ba men mi den Di ek o en zweie Banken, des „Ba me
8 Vo diese Fehleinschä zung wa n auch K. Bo cha d , Die Indus ielle Re olu-
ion in Deu schland, München 1972, S. 104 .
9 Jules Hu e , In Deu schland (1907), in: K. Hackenbe g (H sg.), Wuppe al o.J.,
S. 29 .
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78 Vincenz Timme mann
Bank e eins" und de „Be gisch-Mä kischen Bank", gesp ochen und diese
hä en ihm gesag , die Indus ie des Be gischen Landes e danke ih en Au -
schwung o allem „dem blind e auenden und nahezu sch ankenlosen
K edi , den die Banken den a k ä igen Indus iehe en e ö nen". In
F ank eich p leg en die Banken de Indus ie und dem Handel im allgemei-
nen keinen Blankok edi zu gewäh en. In Deu schland sei das eine ganz
landläu ige Si e. Wenn die Fähigkei und Redlichkei eines Geschä sman-
nes dem Bankie Ve auen ein löß en, könne e in Deu schland so iel Geld
bekommen, wie e b auche. Als Gegenleis ung be au en die Fi men selbs -
e s ändlich die k edi gebende Bank mi all ih en Geldgeschä en. Gegen
Zahlung on 1 ode ga nu
VA
P ozen übe Reichsbankdiskon könne jede
üch ige Fab ikan so iel Kapi al e hal en, wie e nö ig habe. K upp hä e
wohl zwanzigmal bank o gemach , wenn die Bankie s ihm nich ge eulich
zu Sei e ges anden hä en, und ebenso Thyssen. Wie hä e z.B. die bewun-
de nswü dige Chemikalien ab ik on F ied ich Baye in Elbe eld, die, on
einem kleinen Geschä smann geg ünde , je z in de Wel indus ie obenan
s eh , ohne die Un e s ü zung de Banken zu einem solchen En wicklungs-
s and gelangen können?
Sowei de Be ich des anzösischen Jou nalis en, de als Zei zeuge die
Besonde hei en de deu schen Uni e salbanken eind ucks oll besch eib .
II.
Nach diese Skizze de his o ischen E ah ungen mi Uni e salbanken in
Deu schland, wie sie aus den S udien de Wi scha shis o ike , abe auch
aus Reisebe ich en, aus Biog aphien on Indus iepionie en10 und aus Jubi-
läumssch i en deu sche K edi ins i u e und Indus ieun e nehmen he -
o gehen, soll nun den A gumen en nachgegangen we den, die sich in de
neue en Li e a u gegen das deu sche Uni e salbankensys em inden.
Imme wiede ha man den deu schen Uni e salbanken o gewo en, sie
besäßen einen zu s a ken Ein luß au die Wi scha , wobei sich diese Ein-
luß aus meh e en Quellen speise: aus dem ganz no malen K edi geschä ,
aus den Indus iebe eiligungen, aus den Au sich s a smanda en und aus
dem Depo s imm ech . Die K i ike des deu schen Uni e salbankensys ems
lei en da aus In e essenkon lik e und eine Tendenz zu g öße e Ma k mach
und we bewe bsbesch änkendem Ve hal en de Banken ab.
10 Vgl. z.B. L. Be ge , De al e Ha ko . Ein wes älisches Lebens- und Zei bild,
Leipzig 1890.
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Uni e salbanken — E ah ungen und mögliche Leh en 79
Ein besonde es P oblem des deu schen Uni e salbankensys ems s ell in
de Ta - o allem ü ausländische Be ach e - die enge Ve bindung zwi-
schen den deu schen Banken und de Indus ie da . Als äuße es Zeichen
wi d häu ig au die g oße Zahl on Au sich s a ssi zen hingewiesen, die
Ve e e on Banken in Indus ieun e nehmen einnehmen.
Auße dem wi d on K i ike n des deu schen Uni e salbankensys ems häu-
ig ange üh , daß die Bildung g oße Konze ne und Ka elle in Deu schland
sowie die allgemeine Konzen a ion in de deu schen Indus ie on den Ban-
ken ge ö de wo den sei; die Banken hä en ih e Kunden zu Fusionen und
Zusammenschlüssen ged äng , weil sich dadu ch die Siche hei ih e K e-
di e e höh habe. Die Banken konn en nach Au assung diese K i ike ga
nich an besonde s in ensi en Konku enzbeziehungen zwischen ih en
Kunden in e essie sein. Gleichzei ig sei auch das In e esse de g oßen
Bankkunden dahin gegangen, g oße und leis ungs ähige Hausbanken zu
haben. So habe die Konzen a ion de Banken und de Indus ie beide sei i-
gem In e esse en sp ochen: Die Indus ie habe ü ih en g oßen Finanzbe-
da g oße Banken benö ig ; die Banken hä en zu Siche hei ih e G oß-
k edi e en sp echend g oße Un e nehmen geb auch 11.
De Vo wu , das deu sche Bankensys em habe o allem die Banken sel-
be begüns ig , indem es sie g oß und ein luß eich gemach habe, i
meines E ach ens so nich zu. Zwa is es auch in Deu schland zu g oßen
Banken gekommen und zu g oßen Un e nehmen. In Deu schland ha sich
abe im 19. und 20. Jah hunde eine e nün ige Mach balance zwischen
Banken und Indus ie en wickel . Zei weise ha en die Banken einen s ä ke-
en Ein luß au die Indus ie, zei weise abe auch die Indus ie au die Ban-
ken. So si zen schließlich ja nich nu Banken Ve e e in den Au sich s ä en
de Indus ieun e nehmen, sonde n auch zahl eiche Indus ie e e e in
den Au sich s ä en de Banken. De Ein luß de deu schen Banken wi d in
de ö en lichen Diskussion jeden alls s a k übe schä z . De Ein luß und
die ökonomische Mach de Banken is in Lände n mi spezialisie en Ban-
ken, in T ennbanksys emen wie in den USA, in Japan und in Schweden, iel
g öße . In Deu schland hiel en die 10 g öß en P i a banken 1988 wenige
als
1 %
des Nominalkapi als alle deu schen Ak iengesellscha en auße halb
11 In diesem Zusammenhang wi d da au au me ksam gemach , daß es du ch die
enge Ve bindung zwischen den g oßen Banken und de G oß-Indus ie zu eine
Be o zugung g oße Un e nehmen gegenübe kleine en gekommen sei. So z.B. on
H. Neubu ge und H. H. S okes, Ge man Banks and Ge man G ow h 1883-1913,An
Empi ical View, in: The Jou nal o Economic His o y, No. 34 (1974), S. 710 . Zwei el
gegenübe diese Posi ion beg ünden R. F emdling and R. Tilly, Ge man Banks, Ge -
man G ow h and Econome ic His o y, in: The Jou nal o Economic His o y, Vol. 36
(1976), S. 416 .
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80 Vincenz Timme mann
des Bankensek o s. Dagegen hiel en beispielsweise die japanischen Banken
1988 übe 20% des gesam en Nominalkapi als de Ak iengesellscha en
Japans12. Auch in e na ional agen die deu schen Uni e salbanken keines-
wegs he aus: Die g öß e on ihnen, die Deu sche Bank, lieg im in e na io-
nalen Ve gleich deu lich hin e japanischen und ame ikanischen Banken
zu ück, e wa gleichau mi b i ischen und anzösischen Banken. Die Deu -
sche Bank nimm wel wei - gemessen an de Bilanzsumme - die 19. S elle
ein. Auch inne halb de Eu opäischen Wi scha sgemeinscha e üg die
Deu sche Bank mi einem Ma k an eil on 2% übe keine ma k behe -
schende Posi ion; sie lieg mi diesem An eil jedoch neben einigen anzösi-
schen Banken in de Spi zeng uppe. Das e deu lich gleichzei ig, daß de
Konzen a ionsp ozeß im Bankensek o e heblich ge inge is als in de
gewe blichen Indus ie; do besi zen z.B. FIAT und VW im Au omobilbe-
eich einen EG-Ma k an eil on je 15%.
Im Augus 1989 ha das I o-Ins i u in München 500 wes deu sche Un e -
nehmen übe die „Mach de deu schen Banken" be ag . Nu 18% de
Be ag en hiel en den Ein luß de Banken ü zu s a k. Übe wiegend wu de
die Be eiligung de Banken e e e in den Au sich s a sg emien de Indu-
s ieun e nehmen on den Be ag en beg üß , weil dadu ch eine sei s In o -
ma ionen und inanzielles Know-how zu Ve ügung s ünden, ande e sei s
ein kompe en es Gegengewich gegenübe ande en In e essen e e e n in
den Kon ollg emien o handen sei.
Auch da nich übe sehen we den, daß häu ig die Ve e e e schiedene
Banken nebeneinande in den Au sich sg emien g oße Un e nehmen si zen
und S imm ech e wah nehmen; de Ein luß einzelne Banken wi d dadu ch
zumindes eilweise neu alisie .
So e scheinen die Einwände gegen das Uni e salbankensys em insgesam
doch s a k übe ieben, abgesehen ielleich on Auswüchsen, die sich im
Lau e eine langen Wi kungszei ohne du chg ei ende gese zliche Regelun-
gen in einigen wes lichen Indus ielände n gebilde haben. Abe solche Aus-
wüchse, wie die unbesch änk e Wah nehmung des Depo s imm ech s und
de Au sich s a smanda e ode de übe iebene Be eiligungsbesi z einzel-
ne Banken, sind du ch en sp echende Gese ze egelba 13.
12 Zum Ein luß de japanischen Banken und zu de en besonde s engen Beziehun-
gen zu Indus ie gl. z.B. G. Con i, Al e na i e Financial Sys ems in Indus ial Eco-
nomies (1970 - 85), Pape P epa ed o he In e na ional Con e ence on „Finance and
En e p ise in a His o ical Pe spec i e" - in Te ni (28. 9. - 1.10. 89), Ms. S. 58 .
13 Vgl. dazu U. Immenga, Be eiligungen on Banken in ande en Wi scha sbe ei-
chen, 2. Au l., Baden-Baden 1978, S. 145 .
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/ccm.24.1.73 | Gene a ed on 2023-01-16 13:00:33