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Über die Idee als gestaltende Kraft des Gemeinschaftslebens

Abstract

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Über die Idee als gestaltende Kraft des Gemeinschaftslebens

Author: Mitscherlich, Waldemar
Publisher: Berlin: Duncker & Humblot
Year: 1952
DOI: 10.3790/schm.72.1.25
Source: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/290742/1/schm.072.1.025.pdf
Mi sche lich, Waldema
A icle
Übe die Idee als ges al ende K a des
Gemeinscha slebens
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: Mi sche lich, Waldema (1952) : Übe die Idee als ges al ende K a des
Gemeinscha slebens, Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha ,
ISSN 1619-6244, Duncke & Humblo , Be lin, Vol. 72, Iss. 1, pp. 25-55,
h ps://doi.o g/10.3790/schm.72.1.25
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/290742
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25] 25
Übe die Idee als ges al ende K a
des Gemeinscha slebens
Von
Waldema Mi sche lich-Ra ensbu g
Inhal s e zeichnis: 1. Die Wel des Menschens e was Na u gegebenes und Mensch-
ges al e es S. 25 — 2. Die Gemeinscha ein Teil de menschges al e en Wel S. 26 —
3. De Gemeinscha En s ehungsg ünde S. 27 — 4. Die Idee als Ausd uck de im-
ma e iellen und ma e iellen Lebense o de nisse de Gemeinscha S. 28 — 5. Zei -
gebundene und zei eie Ideen S. 28 — 6. Die Idee als e was om Menschen Fo -
de ndes und ihm Gewäh endes S. 30 — 7. Die Schöp e und die T äge de Idee
S. 32 — 8. Die ges al ende K a de Idee nachgewiesen an de „Idee des Eigen-
ech es" a) im eligiösen Leben S. 35 — b) in de Sphä e des geis igen Lebens S. 40 —
c) im S aa sleben S. 45 — d) im Wi scha sleben S. 49.
Be assen wi uns mi de ges al enden K a de Idee, so besch än-
ken sich die E ö e ungen nu au diejenigen Ideen, die sich au das
Gemeinscha sleben beziehen. Auße ach bleib dahe die ges al ende
K a de jenigen Ideen, die au das indi iduelle Leben des Menschen
Bezug nehmen.
Um unse e Au gabe ge ech zu we den, haben wi zwei Wel en zu
un e scheiden: eine na u gegebene und eine menschges al e e Wel .
Jede diese Wel en weis ü sich eigene und mi ande en e wand e
Züge au . Diese sind in jedem einzelnen Fall in ganz e schiedene
S ä ke und in ganz e schiedenem Um ang e e en. Eine de ielen
Eigenscha en de na u gegebenen Wel bes eh z. B. da in, au sich
selbs zu be uhen, in sich selbs abzulau en, also menschlichem Willen
nich un e wo en, abe ebenso wenig seinem Ve s ände, noch seine
Ta k a en sp ossen zu sein. Wohl kann de Mensch Teile diese Wel
ü sich nu zb ingend e we en, ohne abe dami ih Wesen zu be-
üh en ode ga zu ände n.
Diese Wel s eh diejenige gegenübe , die ih en U sp ung im
Gegensa z hie zu dem Wi ken des Menschen e dank . Sie is om
Menschen eils bewuß , eils unbewuß he o geb ach , is e was on
ihm E zeug es, on ihm Ges al e es. Ih e En s ehung is au menschliche
Ta k a , sein Denken, seine T iebe und Leidenscha en, sein Fühlen
und Wollen zu ückzu üh en.
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26 Waldema Mi sche lich [26
Diese menschges al e e Wel ze äll wiede in zwei Teile, und zwa
in einen Teil, de sich mi demjenigen de Wel abgib , de seine Bau-
s eine nich unmi elba de Ma e ie en nimm ; sie is geis ig seelische
Na u , is also nich ma e iegebunden. Ih en U sp ung lei e sie on
de schöp e ischen K a des Einzel-Indi iduums ab. Diese Teil de
Wel is also eine Schöp ung de Einzel-Indi iduen und nich eine solche
de Gemeinscha . Was da ges al e is , e üg übe kein eigenes Leben,
is auch nich aus eigenem Wachs um he o gegangen, kenn auch
keinen Zus and eine Ve ände ung aus sich he aus. Goe hes Faus bleib
Goe hes Faus . Zu diese Wel gehö en z. B. die We ke de Philosophie,
de Dich -, Bild- und Tonkuns . Besi z diese Wel ih en We ken nach
auch kein Eigenleben, so gehen on ih doch s ä ke e ode schwäche e
Wi kungen, s ahlende K ä e aus, die dadu ch den An eiz zu Ges al-
ungen mannig ache A geben.
Diesem einen Teil, nämlich de menschges al e en Wel s eh ein
zwei e gegenübe , de seinen U sp ung de schöp e ischen Tä igkei
menschliche „Gemeinscha " e dank . Die Gemeinscha en sind also
am We ke und nich Einzel-Indi iduen, die ü sich s ehen. Diese Teil
de menschges al e en Wel is s ä ke ma e iegebunden als de zue s
genann e Teil. Ihm gehö en z. B. an die S aa s-, Gesellscha s- und Wi -
scha sgebilde, abe nich die Ge üge1 im S aa , in de Gesellscha und
de Wi scha .
Die Gebilde e danken ih Dasein na ü lichem Wachs um. Es sind
also keine Gemeinscha sge üge, de en En s ehung au bewuß es und
plan olles Wi ken de Menschen zu ückzu üh en is . Die Gebilde e -
ügen übe Eigenleben, in das de Mensch nu insowei einzug ei en e -
mag, als dadu ch Wesen und Eigena des Gebildes nich bed oh we -
den. Das ha zu Folge, daß ein Gebilde sich nich beliebig o men und
ges al en läß . Wäh end de zue s genann e Teil de menschges al e en
Wel sich meh au den denkenden und ühlenden, au den geis igen
Menschen s ü z , bau sich de zwei e Teil s ä ke au den handelnden
Menschen au .
Zwischen na u gegebene und menschges al e e Wel bes eh keine
scha e T ennung. Übe all e en wi e bindende Fäden an, übe all
sind sie mi einande und müssen sie mi einande e bunden sein, weil
de Schöp e de menschges al e en Wel selbs ein Teil de seins-
gegebenen Wel is , ih zugehö ig is . Alles, was in ihm leb , web und
wi k , is de na u gegebenen Wel einbeschlossen, bilde mi ih ein
Alleins.
Nachdem wi uns übe die na u gegebene und menschges al e e
Wel ausgesp ochen und die Gemeinscha als Teil de menschges al-
1 Siehe hie übe des Ve asse s „Vom Wesen und Au bau .de Gemeinscha " in
de „Zei sch i ü die gesam e S aa swissenscha " 1952.
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27] Übe die Idee als ges al ende K a des Gemeinscha slebens 27
e en e kann haben, gehen wi einen Sch i wei e und s ellen die
F age nach den „En s ehungs-G ünden" de Gemeinscha .
Das Gemeinscha sleben g ünde sich un e Be ücksich igung seine
geis ig-seelischen und kö pe lichen Gegebenhei le z en Endes au das
Wal en des Geschlech s iebes mi all seinen Tönungen. E is es, de
die Menschen beide lei Geschlech s au G und e wand e Eigena zu-
sammen üh und sie zu einem Gemeinscha sleben kü ze e ode län-
ge e Daue e anlaß . E b ing Zuneigung mi sich, die sich in mannig-
ache Weise äuße und bis zu Menschenliebe au s eig . Das e leich e
und ö de ein Zusammenleben. Abe de Geschlech s ieb mi all
seinen Nebenäuße ungen is es nich allein, de ein Gemeinscha sleben
he bei üh . Bedeu ungs oll is auch de „Geselligkei s ieb", de die
Menschen zu Ve einigungen bun es e A d äng . Neben diesen wä e
noch de „E hal ungs ieb" zu nennen: das S eben, nich nu sich, son-
de n auch in gemessenem Um ang die ihm Zugehö igen und das, was die
Menschen gescha en haben, zu e hal en. Bei dem E hal ungs ieb is
meis die No das eibende Elemen , das zum Zusammenschluß d äng .
Die El e n z. B. kämp en um die Exis enz ih e B u , Gemeinscha s-
g uppen um ih e Exis enz. Zu diese A Gemeinscha sbildung d äng
auch das S eben, den Nah ungsspiel aum sich zu e hal en und ihn zu
e wei e n.
Diese e schiedenen En s ehungsg ünde de Gemeinscha bedingen
jeweils ein ande es Gep äge. Je höhe die Kul u is , um so mannig-
ache sind die Gemeinscha sg uppen, die ih e sei s je nach Ve wand -
scha sich zu um assenden Gemeinscha en zusammenschließen, um
gemeinsamen Zielen zu dienen. Je höhe de Kul u s and is , um so
s ä ke d äng kö pe liches und seelisches E leben zum Aus ausch und
lie e dami wei e e Fäden zu Gemeinscha sbildung.
Dami wä en die bedeu ends en En s ehungsg ünde de Gemein-
scha au gezeig . Die Fak o en, die die Gemeinscha en e zeugen, be-
inden sich in pe manen e Ak ion und b ingen wiede und wiede neue
Gemeinscha en he o . Audi die en s andenen Gemeinscha en selbs
kennen keinen Zus and de Ruhe, de Unbeweg hei . Was sie auszeich-
ne , is s e e Ve ände ung, s e e Un uhe, kein Sich-gleich-bleiben, wede
als Ganzes noch in seinen Teilen.
Man wi d sich agen, was is — on den En s ehungsu sachen ab-
gesehen — das die Gemeinscha bewegende Elemen , was sind die
K ä e, die sich in den Diens de Gemeinscha s ellen, was o m , was
ges al e sie? Das T eibende sind die Lebensäuße ungen, und diese
wiede we den du ch die ma e iellen und imma e iellen Bedü nisse
und E o de nisse de Gemeinscha bes imm . Denn das Leben s ell
imme wiede neue P obleme und d äng zu de en Lösung. Welchen
Ausd uck inden diese? Sie inden ihn in den au e enden Ideen, die
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28 Waldema Mi sche lich [28
abe nich die unwich igen Bedü nisse und E o de nisse ep äsen-
ie en, sonde n nu die das Leben bes immenden, wäh end das Un e -
geo dne e ohne Be ücksich igung bleib . D inglichkei spiel eine maß-
gebliche Rolle.
Das E gebnis is , daß die geis ig-seelischen und ma e iellen E o -
de nisse des Lebens die Bedeu ung haben, die Rolle des E egens, des
An eizens besonde s ü die En s ehung soziale Ideen zu spielen. Ih e
En s ehung e danken sie dahe nich so seh einem Ausklügeln, sie is
ielmeh in de Sphä e des Unbewuß en zu suchen und au meh ode
minde dump Emp undenes zu ückzu üh en. Abe ü die S ä ke,
K a und Wuch sind nich nu die E o de nisse ausschlaggebend, son-
de n auch die jeweilige Begabung de hie in Be ach kommenden
Menschen. Deshalb ag es sich, ob zu de in F age kommenden Zei
auch Menschen mi de e o de lichen Begabung und in gebo enem Um-
ang zu Ve ügung s ehen. Nu bejahenden alls is dami zu echnen,
daß Ideen in de benö ig en In ensi ä en s ehen. Die E o de nisse des
Lebens bleiben die K a quellen de Ideen. Ve siegen die E o de -
nisse, dann e do auch die lebenspendende K a de Idee. Die Wi -
kungsdaue is dahe an die E o de nisse gebunden.
Da diese E o de nisse eils e gängliche , eils bleibende Na u
sind, haben wi „zei gebundene" und „zei eie" Ideen zu un e schei-
den. Von den „zei eien" Ideen wä e auszusagen, daß sie de Niede -
schlag on E o de nissen sind, die bleibende Na u sind, dahe nich s
Ve gängliches an sich haben. Sie s ellen deshalb ein ü die Menschen
un e lie ba es Gu da . Zwei sich bedingende Fak o en, die wesen lich
sich gleich bleiben, liegen o . Einmal is es de Mensch in seine We-
sensa , und dann sind es die auße ihm liegenden Ums ände, in unse-
em Fall die ü das menschliche Leben bleibenden E o de nisse. Zu
diese A Idee gehö z. B. de Indi idualismus, de alle die E o de -
nisse umschließ , die e üll sein müssen, um den Menschen als Einzel-
wesen in seine „indi iduellen" Eigena zu e hal en. Dazu gehö abe
auch de Uni e salismus, d. h. alle E o de nisse, die e üll sein müssen,
um den Menschen als Gemeinwesen in seine „indi iduellen" Eigena zu
e hal en. Die Idee des Uni e salismus und ih Wal en is Vo bedingung
ü jedes Zusammenleben de Menschen.
Wenn auch die „zei eien" Ideen un e ände lich sind, so e hal en
sie doch in den e schiedenen Kul u pe ioden e schieden s a ke Wi -
kungsmöglichkei und Ausp ägung. Ich e inne e an die S ellung des In-
di idualismus und Uni e salismus im Mi elal e , im 18. und 19. Jah -
hunde und in de Gegenwa .
Übe die „zei gebundenen" Ideen wä e zu sagen, daß auch ü sie
de eine Fak o „Mensch" eine im g oßen und ganzen gleichbleibende
G öße bleib , wäh end die ausmachenden E o de nisse des Lebens
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29] Übe die Idee als ges al ende K a des Gemeinscha slebens 29
nich daue nde Na u sind. Sie en sp echen eine momen an gegebenen
Lage und haben diese zu dienen. Es kommen dahe „Ansp üche" und
„Ve p lich ungen" zu Gel ung, die nu ü eine bes imm e Kul u -
pe iode eine Zei no wendigkei da s ellen. Wechsel die Si ua ion e -
heblich ode wi d die Lage ga eine öllig ande e, so e lie die Idee an
K a und Bedeu ung. Sie ha ih e Exis enzbedingung e lo en. Als
solche zei gebundenen Ideen wä en zu nennen: die Idee des Libe alis-
mus, die Idee de Sou e äni ä , die Idee ökonomische Gebundenhei
und ande e meh .
Zei eien und zei gebundenen Ideen gemeinsam is , daß sich zu
ihnen Glaube, Fana ismus und all die Leidenscha en des Menschen ge-
sellen, die den Ideen o die Reinhei nehmen. Die Ideen sind dann mi
Schlacken beha e , e gehen sich in Übe eibungen, Einsei igkei en,
Unduldsamkei en. Je s ä ke das E o de nis in eine Zei au i , je
meh die In e essen de Menschen be üh we den, um so s ä ke we den
auch die K ä e und T iebe des Menschen eingese z , um sie eine Ve -
wi klichung zuzu üh en, ja e en uell eine solche zu e zwingen. S oß-
k a und Schwung e danken die Ideen also zumeis den Leidenscha -
en des Menschen, die du ch die E o de nisse und ih e D inglichkei
in Bewegung gese z we den. Du ch sie wi d abe auch bei denjenigen
o ein he ige Wide s and e zeug , die diesen E o de nissen en -
gegens ehen, de en In e essen meh ode minde emp indlich geschädig
we den. Das u o einen Kamp he o , de in nied igs e Weise aus-
ge och en wi d. Die Geschich e lie e nu allzu iele Beispiele. Was wi
in den Seins-Vo gängen, in de Na u imme wiede begegnen, is Maß-
losigkei ; sie wi d auch in de menschges al e en Wel als Schöp ung
eines seins-einbeschlossenen Wesens o ge unden; auch hie in die Ein-
hei alles Seins kündend.
Au noch eins mag schon hie hingewiesen we den: es is die Schwie-
igkei , die bes eh , eine Idee als solche zu e kennen. Diese lieg auße
dem schon E wähn en in de Ta sache de s e en Ve ände ung de -
jenigen Objek e, aus denen die Idee he o gegangen is . Bei den zei -
gebundenen Ideen haben wi es nich mi wesen lich gleich bleibenden
E scheinungen zu un, wie die Na u z. B. sie da bie e , sonde n die En -
s ehungsu sachen sind eine o lau enden Ve ände ung un e wo en,
weil die E o de nisse asche ode langsame ande e we den. Das gil
nich nu ü das Ganze, sonde n auch ü die Teile. Um diese Schwie-
igkei He zu we den, die Idee als Idee in ih e Wi ksamkei zu e -
kennen, schlagen wi den Weg ein und un, „als ob" die Objek e, aus
denen die Idee he o gegangen is , sich gleich bleiben, un e ände lich
wä en. Au diese G undlage können wi unse e E kenn nissuche au -
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30 Waldema Mi sche lich [30
bauen, weil wenigs ens bis zu einem gewissen G ade o liegende Ve -
ände ungen als belanglos angesehen we den können2.
Die Sozialideen e kann en wi als geis igen Ausd uck on E o de -
nissen. Dami haben wi uns losgelös on de Ideenleh e P
1
a o s und
Hegels und ih en Anhänge n. Diese e e en die Meinung, daß das
„objek i " Seiende, das „wah ha " Seiende nu die Ideen wä en; daß
das, was uns in de konk e en Wel en gegen i und on uns als Wi k-
lichkei angesp ochen wi d, abe nich s ande es da s elle als E schei-
nungs o m de Idee. Wi? abe können nich ane kennen, daß die Idee
dem konk e en Leben übe geo dne sei, daß sie das Un e gängliche, das
Wesen de Dinge da bie e. Wäh end die Idee ü P
1
a o und seine
Anhänge das P imä e, das on allem We den Unabhängige is , is uns
die soziale Idee das aus dem Leben mi seinen E o de nissen He o -
gegangene, ih e geis ig e Ausd uck; sie mach den Gene alnenne
aus, in dem iele mi einande e wand e S ebungen zu eine Einhei
zusammengeschlossen we den. Die Idee s ell sich uns als e was Ve -
ein ach es, Ve einig es und Ve einhei lich es, als eine Syn hese aus
Vielem da . Sie sind E o de nisse, die nach einem geis igen Ausd uck
d ängen.
Die Ideen schicken sich an, die Wel gemäß den au e enden E -
o de nissen zu ges al en. Ob es geling ode nich , häng einmal on
den Indi iduen ab, ob diese die benö ig en Anlagen in dem no wendigen
Ausmaße und S ä ke besi zen ode nich ; dann abe auch on den
Gemeinscha sgebilden und ih en Fähigkei en. Res los lassen sich die
Fo de ungen de Idee nich e üllen; da ü en häl sie ein zu hohes Maß
on manche lei Übe spannungen. Fü die Sozialidee bes eh auch keine
Möglichkei , sie ausschließlich nach dem Willen des Menschen zu ge-
s al en, und zwa deshalb nich , weil die Idee an die E o de nisse,
denen sie zu dienen ha , gebunden und aus ihnen he ausgewachsen is .
Die E o de nisse ma e ielle und imma e ielle Na u e zeugen
Fo de ungen mannig achs e A , die sich nach zwei Rich ungen gel end
machen. Es sind Fo de ungen, die das Indi iduum, und solche, die die
Gemeinscha angehen; dabei dü en wede de Gemeinscha die In-
e essen des Indi iduums, noch dem Indi iduum die Belange de Ge-
meinscha geop e we den. Es gehö zu dem Schwie igs en, hie den
ich igen Weg zu inden; denn dank menschliche Unzulänglichkei wi d
hie gegen imme wiede gesündig . Da um gil es, die Ve ehlungen
nich zu wei zu eiben, dami nich den indi iduellen, beziehungsweise
den In e essen de Gemeinscha emp indliche Schaden zuge üg , ih e
Exis enz nich bed oh wi d.
2 Aus üh liches hie übe siehe des Ve asse s „Vom Wesen und Bau de Gemein-
scha " in de „Zei sch i ü die gesam e S aa swissenscha 44, Tübingen 1952.
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31] Übe die Idee als ges al ende K a des Gemeinscha slebens 31
Diese zwie ache Fo de ung en häl e s ens: Ansp üche de Einzel-
wesen an die Gemeinscha und zwei ens: Ve p lich ungen de Indi-
iduen de Gemeinscha gegenübe und umgekeh . Einmal is also de
Mensch de „beansp uchende", das ande e Mal de „beansp uch e" Teil.
Au dieses Doppelspiel, au dieses Nehmen und Geben bau sich das
Gemeinscha sleben des Menschen au . Jede Sozialidee en häl da on
meh ode wenige . Au de en E üllung is die kul u elle Exis enz des
Menschen angewiesen. Nu wenn dies gewah bleib , kann de Mensch
sich als Kul u mensch behaup en. Mi ih e P eisgabe wü de auch die
Kul u des Menschen un e gehen, allmählich e nich e we den. Des-
halb is dies Zwie ache e was Unabdingba es.
Die hohe Bedeu ung dieses Zwie achen bes eh abe da in, daß sie
K ä e auslös und so zu ges al enden P inzipien in de menschges al-
e en Wel wi d. Die u g ündigen, undamen alen Ansp üche sind abe
nich om Menschen he o geb ach , sonde n s ehen übe dem Men-
schen, sind seine Na u zugehö ig. De Mensch besi z on U an ang
keine Kenn nis on ihnen. E s nach und nach gelangen sie in des
Menschen Bewuß sein und we den in ih em ollen Seinsbe eich e -
kann .
Neben diesen Ansp üchen des Indi iduums an die Gemeinscha sind
die „Ve p lich ungen" des Indi iduums gegenübe de Gemeinscha
he o zuheben. Wi wissen schon, es sind diejenigen Fo de ungen, die
die menschges al e e Wel an den Menschen s ell . Von de E üllung
diese undamen alen Fo de ung häng das Bes ehen de Wel ab. Es
sind dies also auch Fo de ungen unabdingba e A „an" den Menschen.
Fü die menschges al e e Wel sind es Exis enz o de ungen. Kein So-
zial», kein Wi scha sleben, kein poli isches, geis iges ode eligiöses
Leben, ku z gesag , kein Kul u leben is möglich, wenn die u g ündigen
Ve p lich ungen auße ach bleiben. Je meh dies e kann wi d und
eine annähe nde Ve wi klichung inde , um so höhe , eine und kom-
plizie e kann das Kul u leben we den; e s dadu ch wi d ein Un e -
g und gescha en, au dem höhe e Kul u en e ich e we den können.
Es bilden sich Rich linien zu e enden Ve hal ens.
Wo die Wel de „Ansp üche" und die de „Ve p lich ung" beginn ,
wo sie au hö , da ü lassen sich keine scha en G enzen angeben; auch
da lau en die G enzen o ineinande übe . Ein scha es Abs ecken de
G enzen läß sich auch hie nich e möglichen. Dabei is noch zu be ück-
sich igen, daß zu e schiedenen Zei en, bei e schiedenen Menschen und
e schiedenen Kul u en, manchmal soga in e schiedenen Räumen die
G enzziehung eine ande e is .
Beschauen wi die Wel de Ideen nach de S ä ke des Zusammen-
hangs de Ideen, so können wi ie e lei A en auseinande hal en.
Einmal diejenigen Ideen, die mi einande nu e wand scha lich e -
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32 Waldema Mi sche lich [32
bunden sind. Ih e Ve bundenhei is nich zwangsmäßig. Die zwei e
A zeichne sich dadu ch aus, daß de Zusammenhang kausale Na u
is ; eine Ve bundenhei lieg hie o , die sich bis zu eine Abhängigkei
s eige n kann. D i ens möch e ich den Zusammenhang eleologische
A an üh en. Diese Ve bundenhei is da au zu ückzu üh en, daß die
in F age kommenden Ideen nach meh ode minde gleichen Zielen
s eben, gleichen Zwecken dienen. Das üh zu meh ode minde
s a ke gegensei ige Rücksich nahme, Beein lussung und Abhängigkei .
Imme läu es da au hinaus, sich gegensei ig zu s ü zen und zu ö de n.
Die Ve bundenhei is hie in ims e , komplizie es e A . Als ie e
A wä en die Ideen zu nennen, die ohne Zusammenhang sind, ielmeh
de en Zusammenhang uns e schlossen bleib .
Wi dü en die Wel de Ideen nich in allen Teilen als e was schön
Geo dne es, Abgeg enz es, Ineinande g ei endes be ach en, in dem
Übe -, Un e - und Nebeno dnung he sch . Das is schon deshalb nich
de Fall, weil auch die Lebenssphä e des Menschen, de die Ideen en -
sp ingen und de en E o de nissen sie ge ech we den wollen, in ielem
eine solche O dnung e missen läß . Wi inden in ih iel Du chein-
ande -Gewü el es, und zwa deshalb, weil die E o de nisse ideelle
und ma e ielle A inne halb de e schiedenen Sphä en o ganz e -
schieden und nich sel en on en gegengese z en In e essen ge agen
sind. Das bewi k dann eine En gegense zung, eine Übe schneidung,
eine Übe lage ung de In e essen, was einen Kamp de sie e e en-
den Ideen mi sich b ing .
Übe blicken wi das, was bis je z gebo en wu de, so wä e zu sagen,
daß de Weg des We dens sich in olgende Weise abspiel : Zue s mel-
den sich die au e enden ideellen und ma e iellen E o de nisse. Von
ihnen geh de An eiz und Ans oß zu Schöp ung de Idee aus. Lieg die
Schöp ung o , geh die Idee dazu übe , Ein luß au die Ges al ung de
Gemeinscha zu nehmen.
Die Wel de Idee um aß d ei Schich en. Die e s e Schich se z sich
aus denjenigen Pe sonen zusammen, die die E zeuge , die Schöp e de
Idee sind. Es sind die Menschen, die die E o de nisse de Zei e ken-
nen und ihnen Ausd uck geben. Diese A on Menschen s eh geis ig
au sich selbs . Was an Ve anlagung on den Schöp e n e lang wi d,
ände sich jeweils mi dem Cha ak e de ideellen und ma e iellen E -
o de nisse de Zei . Was on ihnen als Idee gebo en wi d, is keines-
wegs ein Ding ockene , nüch e ne E kenn nis, sonde n e üg meis
übe ein a benp äch iges, geis iges Gewand und wi d on einem meh
ode minde s a ken Glauben ge agen. Is die Idee on wei agende
Bedeu ung, so läß sich imme wiede beobach en, daß man de Idee,
z. B. de Idee des Na u ech es eine me aphysische Beg ündung zu eil
we den läß ; dami wi d ein Glaubenselemen hinzuge üg . All das
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39] Übe die Idee als ges al ende K a des Gemeinscha slebens 39
de liche Wuch und K a da gebo en hä e: Es wa die „Idee des eli-
giösen Eigen ech es". Je s ä ke de D uck de Ki che wu de, um so
kla e und eine a die Fo de ung nach eigenem eligiösem Leben
zu age. Die Gebu ss unde diese Idee ha e geschlagen. Imme meh
Menschen emp anden die ki chlichen Leh en als zu eng, zu bed ückend,
hiel en sie ü nich meh e einba mi de unsp ünglichen Leh e
Ch is i. Diese gal es wiede he zus ellen. Es anden sich imme meh
Menschen, die diese Sehnsuch Ausd uck gaben und sich bemüh en, die
ch is liche Leh e wiede in ih e Reinhei he zus ellen. Die ges al enden
K ä e diese Idee melde en sich schon im 14. Jah hunde , Männe wie
Wicli (1328—1384), Lu he , Zwing Ii, Cal in, John Knox
und Re o ma o en aus England, Schweden und ande en Lände n dien en
ih . Schon nach Wicli wide sp ich die Leh e päps liche Obe he -
scha , de T anssubs an ia ion, de p ies e lichen Schlüsselgewal und
de No wendigkei de Oh enbeich e dem gö lichen Willen. Wicli o -
de e schon den Au bau eine na ionalen, on Rom unabhängigen Ki che.
Noch kla e komm die „Idee des eligiösen Eigen ech es" in de P o-
es a ion de E angelischen om 19. 4.1529 im zwei en Reichs ag zu
Speye zum Ausd uck. Do heiß es, daß übe all do , wo es um Go es
Eh e und de Seele Seligkei gehe, ein jegliche ü sich selbs o Go
s ehe und Rechenscha abzulegen habe. Mi alle Ene gie wand e man
sich gegen die eligiöse Behe schung des Einzelgewissens du ch die
Ki che. Man a ü unmi elba es Go e leben ohne Ve mi lung de
Ki che ein. De Englände Roge Williams (1604—1684) sp ich
on dem unan as ba en, na ü lichen Rech eines jeden Menschen, sich
„nach eigenem En schluß seine Religion zu wählen".
Eine Folgee scheinung de Wi kung de „Idee des eligiösen Eigen-
ech es" wa , daß Rom als alleinige Ve e e in ch is lichen Glaubens-
gu es und als ki chliche Ausd uck im ge manisch- omanischen Kul u -
k eis nich meh ane kann wi d. Die Alleinhe scha ha e Rom e -
lo en. An S elle eine Ki che e en wi nun iele Ki chen an; an S elle
eines Glaubensbekenn nisses bes ehen nun de en iele. Das gesam e
Ki chenwesen wu de du ch die Re o ma ion in he ige Bewegung e -
se z und in diese Jah hunde e lang e hal en. Auch in uhige en Zei en
wi k e sie sich als Saue eig aus. Was diese Bewegung eine besonde e
Bedeu ung gab, wa , daß sie — u sp ünglich eine ein heologische Be-
wegung — Ein luß au die Ges al ung des gesam en Kul u lebens ge-
wann. Das e zeug e eine g oße Kul u wende, die eilich ohne die Buch-
d ucke kuns kaum in dem Ausmaß zu age ge e en wä e.
Wa man im Mi elal e imme wiede an den einzelnen he ange-
gangen und ha e ihn e p lich e , ki chlichen An o de ungen und An-
sp üchen zu genügen und wa zu jene Zei also die eligiöse Gemein-
scha de „ o de nde", de „nehmende" und das Indi iduum de
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40 Waldema Mi sche lich [40
„gebende" Teil gewesen, so schlugen mi Au e en de „Idee des
eligiösen Eigen ech es" die Ve häl nisse in das ge ade En gegenge-
se z e um. Nun is das Indi iduum, wie schon he o gehoben, de o -
de nde und die eligiöse Gemeinscha de gebende Teil. Je z i de
Einzelmensch de eligiösen Gemeinscha gegenübe nich als de in
„Ansp uch genommene", sonde n als de „beansp uchende" Teil au .
Es ag sich nun, ob die Höchs auswi kung de „Idee des eligiösen
Eigen ech es" sich e möglichen läß . Die F age is zu e neinen und
zwa deshalb, weil nu wenige die hie zu benö ig e Ve anlagung be-
si zen und nu wenige das inne e Bedü nis au weisen, dem zu genügen.
Fü die ganz e d ückende Meh hei auch de die Re o ma ion bejahen-
den Menschen gil , daß sie höchs ens bes eb sind, au Teilgebie en
eine eigene Ges al ung ih es eligiösen Lebens du chzuse zen. Die Meh -
hei gib sich dami zu ieden, das ih Gebo ene, das ih Zusagende
hinzunehmen. Diese Menschen gehö en also in diese Hinsich zu de
Ka ego ie de Hinnehmenden, de Mi gehe , de Mi läu e . Diesen s eh
eine ela i kleine Anzahl on Menschen gegenübe , die die T äge de
Idee, die ih e Vo kämp e sind. Ganz ge ing is die Zahl de jenigen, die
als E zeuge , als Schöp e de Idee und de ih zugehö igen Bewegung
bezeichne we den können. Zu diesen gehö en z. B. in unse em Fall
die Vo läu e : Wicli und Huß, die Haup e e e Lu he ,
Zwingli, Knox, Cal in und ande e.
Von eine bes imm en Kul u höhe ab machen diese elemen a en
E o de nisse einen bleibenden Bes and eil des Kul u lebens aus und
so lange das gil , bleib die Wi kung diese Idee meh ode minde
s a k in Gel ung, wi k sich ges al end aus. Ih e Beding hei nö ig , die
„Idee des eligiösen Eigen ech es" in die zei gebundenen Ideen einzu-
eihen. Fü die Gegenwa gil , daß diese Idee noch heu e als ges al-
ende K a inne halb unse e Kul u wi k . Sie bilde auch einen
Schu z o E s a ung des eligiösen Lebens, b ing eine Au locke ung
de ki chlichen Ins i u ionen mi sich. Sie selbs gib o daue nd im
Zusammenp all mi den Menschen und ih en Gebilden An iebe zu
Ges al ung neue Kul u äge , neuen eligiösen Lebens. Was die Idee
abe ans eb , übe sch ei e die Möglichkei olle Ve wi klichung,
s ell ein Ideal da und bie e als solches meh Rich linien ü Glauben
und Handeln de Menschen.
Nachdem es einmal au ki chlich- eligiösem Gebie de „Idee des
eligiösen Eigen ech es" gelungen wa , sich wenigs ens einige maßen
du chzuse zen und Roms Alleinhe scha zu b echen, wa dami auch
ü die ande en Gebie e des Gemeinscha slebens ein gu e Teil A bei
geleis e . Das gil na ü lich auch ü die Sphä e des geis igen Scha ens,
in de schon lange o Ausb uch de Re o ma ion die „Idee des geis igen
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41] Obe die Idee als ges al ende K a des Gemeinscha slebens 41
Eigen ech s" sich langsam Gel ung e scha . Nach und nach glück e es
ih , sich au diesem Gebie mach oll zu en al en. Die Vo bedingung,
die in den geis igen E o de nissen lag, wa gegeben, denn was das
Mi elal e an geis igen P oblemen ges ell ha e, wa im g oßen und
ganzen e schöp . Damals sah man die Au gabe da in, das menschliche
Denken in Einklang mi den ki chlichen Dogmen zu b ingen. In diesem
Bemühen e eich e man allmählich den Punk geis ige E schöp ung,
man begann sich im K eise zu d ehen. Fü das Gleiche and man einen
imme neuen Ausd uck und e lo sich in syllogis ischem Denken, das
imme un uch ba e wu de und dem suchenden Geis wenig Neues bo ,
das sich in eine imme eiche e Umwel e se z sah und sich mi ih
auseinande zuse zen ha e. De geis ige Mensch wu de imme meh zu
einem Indi iduum und als solches e ände e sich seine S ellung zu de
menschges al e en und na u gegebenen Wel . Je meh philosophie en-
des Denken sich ausdehn e, um so wenige genüg en die Fo men schola-
s ischen Denkens und um so meh wag e man sich da an, den Dogmen
de Ki che gegenübe sich k i isch zu e hal en. Da de Mensch imme
s ä ke des geis igen Eigen ech es bedu e, um sich in de e ände en
Umwel zu behaup en und ih ge ech zu we den, so wu de dieses
Eigen ech ü ihn zu eine beach enswe en S ü ze seines Lebens, und
e kam ohne dieses Rech nich meh aus. Man ging da an, de Wissen-
scha ein eigenes Gebie einzu äumen, was zu Folge ha e, daß man
genö ig wa , sich eilweise auße halb des Be eiches de ki chlichen
Leh e zu s ellen. Das ha e zu Folge, daß man sich in zunehmendem
Maße de He scha Roms en zog.
Diese Emanzipa ionsbewegung blieb auch nich ohne Ein luß au den
Menschen selbs . Das Ge ühl ü Selbs e an wo ung nahm zu, ja, ein
Ge ühl, seine eigenen Anlagen, übe haup seine K ä e zu en al en,
e wach e. Die Indi idualisie ung des Menschen a ein, die Sonde -
s ellung des Menschen zu allen kul u ellen F agen des Lebens mach e
sich beme kba . Es wa ein Vo gang, de sich ganz allmählich abspiel e,
ein plö zliche B uch mi de mi elal e lichen Wel a nich ein. Nich s
zeig e dies deu liche als die Leh e on de „zwei achen Wah hei ", eine
Leh e, die besag e, daß e was, das k a de Ve nun wah sein könne,
ü die Theologie nich wah sein b auche und umgekeh . Das E o -
de nis, das „Eigen ech des Denkens" zu Gel ung zu b ingen, e uh
du ch die K euzzüge einen s a ken An ieb. Sie wa en es, die die
ge manisch- omanischen Völke mi eine hochs ehenden, abe ihnen
emden geis igen und ma e iellen Kul u bekann mach en. Das b ach e
einen s a ken An eiz zum Ve gleichen, zum Denken, zu K i ik mi sich.
Neue geis ige Bedü nisse, eie Regungen des geis igen Lebens e hiel
man aus dem O ien ; auch de his o ische Ho izon wu de e heblich
e wei e . Von noch s ä ke e Bedeu ung wa das Bekann we den mi
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42 Waldema Mi sche lich [42
dem Gedankengu de An ike. Je z ha e sich die ch is liche mi de
al en Wel auseinande zuse zen. Das e gab eine Fülle on An egungen,
die eine imme s ä ke e Be onung des geis igen Eigen ech es e lang e
und eine allmähliche Umges al ung de kul u ellen Wel e zeug e. Das
e ö ne e neue Sich en, die das Denken de Menschen beun uhig e, ja
au wühl e.
Abe de Weg, den es zu besch ei en gal , wa nich ei. Es s ell en
sich dem o schenden Menschen nich nu Hemmungen en gegen, die in
de unzulänglichen Na u des Menschen zu suchen sind, sonde n es
wa en de Be ä igung menschlichen Geis es auch G enzen gese z , die
auße halb dieses Be eiches lagen. Übe all s ieß de o schende Geis
au Ta eln mi de Insch i : Das Besch ei en dieses Weges is e bo en,
und zwa wu de o wiegend de Zugang zu solchen Gebie en un e sag ,
die de ki chlichen ode poli ischen Sphä e angehö en. Diesen Ve -
bo s a eln ehl e es o nich an Be ech igung. Denn
we e moch e auch nu zu ahnen, wohin de Weg
üh e, welche z. B. eligiöse ode poli ische Be-
lange ge ah d ohend angeg i en wu den. Au de an-
de en Sei e bedu e die Suche nach E kenn nis eine ungehemm e
Be ä igung. Die Tä igkei de Na u o sche wä e z. B. lahm geleg
wo den, wenn sie sich ki chlichen Dogmen ode ga biblisdien Au s el-
lungen un e wo en hä e. Die dadu ch en s ehenden Auseinande -
se zungen e lie en schließlich zuguns en „de Idee des Eigen ech es".
Die Auswi kungen diese Idee e s eck en sich au zwei Gebie e
geis igen Lebens und zwa einmal au die schöp e isch-dich ende Tä ig-
kei des Geis es und dann au das S eben nach E kenn nis. Einmal
haben wi es mi Beg i sdich ungen, das ande e Mal mi exak e Fo -
schung zu un. De Cha ak e schöp e ischen Tuns is ak i e Na u und
de de E kenn nis suchenden Tä igkei passi e A . Die E klä ung
hie ü is ein ach. Bei de schöp e ischen Tä igkei b ing de Mensch
e was he o , was bislang noch nich bes and, de E kenn nis suchende
Geis s ell abe es , was schon bes eh ; die eine scha neue, die
ande e e kenn o handene Wel en. Dabei haben wi uns zu e inne n,
daß as alles, was menschliche Schöp ung seine Exis enz e dank ,
E kenn nismomen e in sich bi g und beinahe alles, was E gebnis e -
kennenden Denkens is , weis schöp e isch Ges al endes au .
Einiges aus de eichen und ielges al igen E n e, das du ch
das Wal en de „Idee des Eigen ech es des Geis es" im Gebie
des schöp e isch-dich enden Denkens und im Gebie des „e kennen-
nenden" Denkens en s anden is , sei hie in alle Kü ze ins Gedenken
geb ach . Zue s sei au das hingewiesen, was dem schöp e isch-dich en-
den Denken angehö . Hie wä e ein gu Teil de Philosophie namha
zu machen, sei es, daß sie sich au die Gesam wel anschauung e s eck ,
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43] Übe die Idee als ges al ende K a des Gemeinscha slebens 43
sei es, daß sie sich au die Na u ges al ung ode Gebie e de mensch-
ges al e en Wel bezieh . Als T äge na u philosophischen Denkens
seien ange üh : Ca danus, Telesius, Pa i ius, Campa-
nella und als mach olls e und wi kungs olls e Pe sönlichkei G i o -
dano B uno, de sein Denken mi dem Feue od zu bezahlen ha e.
Ihnen zu Sei e s ehen deu sche Na u philosophen, so z. B. Pa acel-
s u s , als bedeu ungs olls e , Bap is a an H e
1
m o n und J o -
achim Jungius. Was uns diese Männe bie en, sind zum g oßen Teil
g oßa ige phan asie olle Wel bilde . Was hä en abe diese Männe
mi ih en Gaben e moch , wenn nich die „Idee des Eigen ech es" ihnen
die Bahn ei gemach hä e?
Beg i sdich ungen in gewal igs em Ausmaß e danken wi dem
Ra ionalismus F ank eichs und de Niede lande, e e en z. B. on
Männe n wie Desca es, Spinoza und Maleb anche. Sie
we den on dem Gedanken de Vo he scha de Ve nun beseel .
Sie wa en de Übe zeugung, daß sich e mi els de Ve nun alle
Rä sel des Lebens lösen lassen. Kein wah es Wissen sei möglich, inso-
e n es nich in de Ve nun seinen U g und habe. Deshalb kann ü sie
die Wah hei niemals on den E ah ungswissenscha en au ge unden
we den, sonde n nu on den Ve nun wissenscha en. Fü den Ra io-
nalismus gab es deshalb nu eine Me hode und die wa deduk i e A .
Ih zu Sei e s eh die Ma hema ik als we olls e Hil swissenscha .
Eine zwei e g oße Bewegung, die un e dem Schu ze de „Idee des
Eigen ech es" en s anden is und au die die geis ige Ges al ung de
Gemeinscha de damaligen Zei on alle g öß em Ein luß wa , is die
Au klä ung, die in England, F ank eich und Deu schland eine jeweils
eigena ige No e e hal en ha . Sie is aus de g oßen Mannig al igkei
geis ige S ömungen he o gegangen und zu eine geis igen Einhei
gewo den. In de Au klä ung i uns in noch s ä ke em Ausmaß die
Be onung de Selbs he lichkei de Ve nun en gegen. Du ch sie e -
mein e man alle im geis igen, eligiösen, auch sozialen, poli ischen und
ökonomischen Leben au auchenden P obleme meis e n, das Wesen
alle Dinge e kennen und P inzipien ü Tun und Lassen au inden zu
können. Was im Plane lag, wa eine g andiose Umges al ung des eli-
giösen, geis igen und ma e iellen Lebens. Übe sich selbs e kann e die
Ve nun keine höhe e Ins anz, keinen Rich e an.
Niemals ha die Philosophie in de ge manisch- omanischen Wel
eine solch mach olle Posi ion eingenommen wie im 18. Jah hunde ,
dem Jah hunde de Au klä ung, niemals ha sie einen so s a ken Ein-
gang in solch b ei en Schich en ge unden. Und agen wi nach den
Männe n, die diese Bewegung e zeug und ge agen haben, so wä en
un e ande en zu nennen ü England: John Locke, Be keley
und H u m e, ü F ank eich: Mon esquieu, Vol ai e und
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44 Waldema Mi sche lich [44
Rousseau und ü Deu schland: Leibniz, Wol , Lessing,
und in einem gewissen Ausmaß auch Kan . Vo ausse zung und auch
ü ih e En al ung und ü Ih -sich-Auswi ken, Sich-Ausleben und ü
die Umges al ung de kul u ellen Wel wa die „Idee des Eigen ech es".
Wi wollen uns mi diesen Hinweisen begnügen und dazu übe gehen,
die Bedeu ung diese Idee ü das e kennende Denken he o zuheben.
Wi we den uns hie noch kü ze assen können. Da wä e in E inne ung
zu b ingen, daß die S ellung de Menschen zu den P oblemen und die
Rich ung de E kenn nissuche eine ganz ande e gewo den is . Wäh end
man im Mi elal e g undsä zlich deduk i , also Von einigen wenigen
e mein lich le z en E kenn nissen meis eligiöse Na u ausging und
auch in schöp e isch-dich endem Scha en ähnliche Wege ging und on
diesen le z en Vo ausse zungen aus die Wel e schloß, schlug man mi
Beginn de Neuzei ge ade den en gegengese z en Weg ein. Geschah das,
so muß e das dazu üh en, die o liegende Wel au assung zu e schü -
e n. Das konn e wiede um nu o sich gehen, wenn die „Idee des
Eigen ech es" Gel ung and und sich du chse z e. Au die Wide s ände,
die sich bei solchem Vo gehen eins ell en, wu de schon hingewiesen.
De bekämp e Fo schungsweg bes and da in, daß an S elle de Deduk-
ion die Induk ion in den Mi elpunk de Wissenssuche a . Je z geh
man dazu übe , au G und on E ah ung, gewonnen du ch sys ema-
ische Beobach ung und Expe imen , und un e Zuhil enahme on
Phan asie zu E kenn nissen zu gelangen. Au Deduk ion e zich e e
man nich , abe sie wi d meh zu Au s ellung o dnende P inzipien
und zu ma hema ischen Beg ündung e wand . De Weg diese A
Wissenssuche wa keineswegs ein ach. Um zu einem unge äh abschlie-
ßenden E gebnis zu gelangen, bedu e es de Bemühungen on Männe n,
die meh e en Jah hunde en angehö en. Wenn wi hie einige an üh en
wollen, die eine behe schende S ellung eingenommen haben, so wä en
als Vo läu e zu nennen: Nicolaus Cusanus, Ma ius, Nico-
lius, Ludo ico Vices; sie alle gehö en dem 15. Jah hunde an.
Als maßgebliche Ve e e wä en anzu üh en: Bacon, dem das Ve -
diens zu äll , als e s e eine Theo ie de induk i en Me hode au ge-
s ell zu haben und dami eine „g oße me hodologische Ta " ollb ach
zu haben. Neben Bacon wä en noch John Locke und H u m e zu
nennen. Abe Kan übe ag e sie alle mi seine E kenn nis heo ie.
Abschließend möch e ich au Dil hey,Windelband und R i c k e
hinweisen, denen das Ve diens zukomm , den Geis eswissenscha en
einen besonde en Pla z im Be eich de Wissenscha en mi eine eigenen
Me hode einge äum zu haben4.
4 Diese Rich ung gehö auch des Ve asse s We k an „K i ik am Wissen, Wesen
und G enzen des Wissens" 1952, als Manusk ip de Gö inge , Heidelbe ge und
F eibu ge Uni e si ä s-Biblio hek angehö ig.
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45] Übe die Idee als ges al ende K a des Gemeinscha slebens 45
Dami e lassen wi die Sphä e des eligiösen und geis igen Lebens
und wenden uns de Sphä e des p ak ischen Tuns, dem Gebie de
S aa s- und Wi scha sgemeinscha zu und agen uns, inwiewei hie
die „Idee des Eigen ech es" als ges al ende K a au dieses Gemein-
scha slebens eingewi k ha .
Was ückschauend kla o unse en Augen lieg , bleib o dem
Blick des Zei genossen e schlossen. E sieh nich den Weg, sieh nich ,
wohin e üh , kenn noch wenige das Ziel, dem e zus eb . E s kom-
mende Gene a ionen gewinnen nach und nach in manche lei T übung
und Ve schlingungen ein Bewuß sein ü das, wohin das We den d äng .
Das D ängen geh sei Beginn de Neuzei dahin, den Einhei ss aa he -
o zub ingen. Das wa nu möglich, indem man al es Rech b ach und
an seine S elle neues Rech se z e. Ge ech e ig wa das dadu ch, daß
das neue Rech neu au e enden Bedü nissen en gegenkam, und dami
wa schon ein ge ühlsmäßig Boden gewonnen. Deshalb emp inden die
Menschen in e olu ionä en Zei en den B uch al en Rech es nich als
Un ech . Ihnen is das neue Rech zum „wah en" Rech gewo den und
dem al en Rech äumen sie keine Exis enzbe ech igung ein.
Wie e klä sich de Vo gang des allmählichen Au baus des mode -
nen S aa es, des Einhei ss aa es, da doch im wachen Bewuß sein kein
Plan o lag, de Rich ung gab? Die E klä ung inden wi in dem Um-
s and, daß alle We dens o gänge gleichsam ein Sieb
passie en. Das Sieb is die Idee. Sie is das auswäh-
lende, das ausscheidende, das bes immende P inzip.
Alles äll als un e wendba du ch das Sieb, was
den E o de nissen, No wendigkei en, Bedü nis-
sen de Zei nich en sp ich , abe alles, was ihnen
en sp ich , dien dem Au bau, in diesem Fall dem
S aa . Den Niede schlag inden wi in den s aa lichen Ins i u ionen.
De Au bau kann abe nu o sich gehen, wenn die Idee, die ihn
agen soll, einen seinen Bedü nissen en sp echenden Ausd uck ge-
unden ha . Fü den mode nen S aa sau bau wa das die Leh e on de
Sou e äni ä des S aa es, eine Leh e, de de Gedanke om Eigen ech
des S aa es zug unde lieg . Es gil nun, sich mi den Männe n bekann
zu machen, die on dem D ängen de Objek e und ih e Ve anlagung
dazu ge üh wu den, diese Leh e he o zub ingen. Die Sou e äni ä s-
leh e besag , daß de He sche — sei e Fü s ode Volk — keine Ge-
wal übe sich ane kenn als Go allein. Nach diese Leh e s ehe dem
S aa das Rech de Selbs bes immung zu; seine Unabhängigkei nach
innen und nach außen wi d be on . Was de He sche be iehl , sei
Go es Be ehl. De Be ehl gehe du ch den Mund des He sche s. Das
Rech des He sche s bes ehe da in, den K ieg zu e klä en und F ieden
zu schließen, Behö den zu e nennen und solche zu besei igen und den
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46 Waldema Mi sche lich [46
Bü ge n Gese ze zu geben. Alle Mach liege in seinen Händen, und we
sich gegen ihn s ell , de s elle sich gegen Go , ebellie e gegen Go .
Als ma kan e geis ige Ve e e des Sou e äni ä sgedankens seien
hie namha gemach : Macchia elli, de o wiegend des S aa es
Kamp gegen den poli ischen Cha ak e des ömischen Pon i ika es im
Auge ha . Eine geis ige e No e e hiel diese Leh e on B o d i n u s ,
dem das Ve diens zu äll , „mi dem Beg i de Sou e äni ä de Zei
das S ichwo ü die E assung und Du chse zung de we denden
neuen poli ischen Dinge und Fo mungen gegeben zu haben" (Hol-
s ein). Neben H o b b e s , de in adikals e Weise Folge ungen aus
diese Leh e gezogen ha , wä e noch Lu he zu nennen, de in seinen
Sch i en und Reden imme wiede den Selbs we des S aa es und seine
Unabhängigkei in allen wel lichen Dingen be on ha . „De Glaube
Lu he s an den Go esau ag de an sich selbs ändigen wel lichen
Äm e und Be u e" i uns imme wiede en gegen.
De Sou e äni ä sgedanke, ein Kind de „Idee des Eigen ech es",
e wies sich als die bes e und schä s e Wa e im Kamp um den Au -
und Ausbau des Einhei ss aa es. De Auswi kung diese Idee wollen wi
in alle Kü ze nachgehen und so auch die ges al ende K a de Idee
au die S aa sgemeinscha he o heben.
Das poli ische E o de nis jene Tage wa , an S elle des mi el-
al e lichen S aa es den „Einhei ss aa " zu se zen; dahin d äng e die
Zei . De mode ne S aa and seinen Ausd uck in de Ve einigung des
gesam en poli ischen, sozialen und kul u ellen Lebens seine Angehö i-
gen zu eine innigen Lebenseinhei . Da in bes and das maßgebliche E -
o de nis, on dem die kommenden Jah hunde e behe sch we den.
Um dieses zu e eichen, muß e dem S aa in e s e Linie Bewegungs-
eihei , F eihei des Handelns zukommen. Dies ließ sich abe nu be-
we ks elligen, wenn es gelang, sich on de Vo he scha de ömi-
schen Ki che zu be eien. Das glück e mi Hil e de Idee de Sou e äni-
ä , mi de man Sch i ü Sch i die Emanzipa ion des S aa es on
de ki chlichen Be o mundung du chse z e. In dem Augenblick, da
man das g undsä zlich e eich ha e, konn e man mi dem Au bau be-
ginnen. Leich wa das nich du chzu üh en, denn es bes eh ein sch o e
Gegensa z zwischen dem mode nen Einhei ss aa und dem S aa de
ge manisch- omanischen Völke des Mi elal e s, die in ih e Gesam hei
du ch das Ch is en um zu eine in ensi en Kul u gemeinscha e -
knüp wa en, die sie da o bewah e, in eine Anzahl kleine , sich imme
s ä ke on einande absonde nde Kul u einhei en zu ze allen.
De mi elal e liche ge manisch- omanische S aa wa ein ganz
locke zusammenge üg es He scha sgebie , das seinen U sp ung übe -
wiegend de E obe ung e dank e und o he schend nu du ch mili-
ä ische Mach zusammengehal en wu de.... Es gib kaum e was Unzu-
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DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.72.1.25 | Gene a ed on 2023-04-04 11:07:40
47] Übe die Idee als ges al ende K a des Gemeinscha slebens 47
e ende es, als den S aa des Mi elal e s in mode nem Sinne au zu-
assen und den Un e schied nu in eine ge inge en En wicklung zu
sehen. Das Bedü nis des Gegenwa smenschen, alles aus Bes andenem
en wicklungsmäßig abzulei en, ha seine Wu zeln in de En wicklungs-
idee mi ih e Neigung, alles au einen Nenne zu b ingen und als
Folgee scheinung aus schon Bes ehendem zu e klä en5. Das b ing abe
eine unzulässige Ve ein achung alles Geschehens mi sich, ein Vo gehen,
das in seinen E gebnissen on de Wi klichkei imme wiede Lügen
ges a wi d. De Gegensa z zwischen dem mi elal e lichen und dem
mode nen S aa is eils da in zu suchen, daß im mi elal e lichen S aa
die Dezen alisa ion o he sch , im mode nen S aa abe die Zen ali-
sa ion im Mi elpunk s eh . Fü beides lieg eine Zei no wendigkei o .
Von s ä ks e Bedeu ung ü alles soziale, ökonomische und poli i-
sche Geschehen des Mi elal e s wa die Dezen alisa ion, d. h. die Ve -
eilung de e schiedens en Obliegenhei en au Ins anzen mi Eigen-
leben; ü den S aa bedeu e das: Au eilung de S aa sgewal . Is die
Dezen alisa ion ü das Mi elal e das Bes immende und die Vo aus-
se zung ü ein Wei e kommen im menschlichen Gemeinscha sleben,
so schlagen die Ve häl nisse ü einige Völke des ge manisch- omani-
schen Kul u k eises — so I aliens und Flande ns — schon im Spä -
mi elal e um. Sie schlagen deshalb um, weil au dem Wege de De-
zen alisa ion alles e eich wa , was zu jene Zei zu e eichen wa .
Ih Au gabenk eis wa e schöp . Es melde e sich in s eigendem Um-
ange die Ge ah , daß das Gemeinscha sleben bei wei e em dezen ali-
sie enden Ausbau einem Niede gang, eine Au lösung e äll . Was nun
die Zei au allen Gebie en s aa lichen Lebens o de e, wa : Zen ali-
sa ion. Das üh e dazu, daß alles das, was au Zen alisa ion hin-
d äng e und ih Vo schub leis e e, eine Fö de ung du ch die Zei -
ums ände e uh . Deshalb wu den all die K eise, die solchen Tendenzen
nachkamen, on E olg zu E olg ge agen. Und diese E olg mobili-
sie e imme neue K ä e.
Mi dem Augenblick, da die e einigenden, zen alisie enden K ä e
zum Du chb uch gelang en, wa die Ge ah de Au lösung des S aa es
übe wunden. Es gelang as übe all, die neben de S aa sgewal wi -
kenden und s ehenden Gewal en, z. B. die S ände, niede zu ingen. Die
Zen algewal — ob na ionalen ode e i o ialen Gep äges — un e -
wi den Adel mi Hil e de S äd e, um sich ein ande mal des Adels
zu bedienen, um de S äd e He zu we den. Beide we den schließlich
meh ode wenige es los de S aa sgewal un e - und eingeo dne .
5 Siehe K i isches hie übe in des Ve asse s „Wege zu E kenn nis de Gemein-
scha " in Jah büche ü Na ionalökonomie und S a is ik Bd. 163 He 3, S u ga
1951, S. 71 .
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48 Waldema Mi sche lich [48
Diese Vo gang ende e z. B. in F ank eich zu Zei Richelieus und in
B andenbu g zu Zei des G oßen Ku ü s en.
Mi dem Lehnss aa wi d das Lehnshee e nich e und zue s on
Söldne n und dann om s ehenden Hee abgelös . Man bilde e ein on
de Zen algewal absolu abhängiges Beam en um. Die Rech e igung
ü ein solches Handeln en nahm man de Sou e äni ä sidee.
Woll e man übe den mi elal e lichen S aa hinaus, so s anden
hie ü zwei Wege o en, die beide on dem his o ischen Geschehen ein-
geschlagen wu den. De e s e Weg üh e zum Miße olg, de zwei e
indi ek zum E olg. De e s e Weg bes and da in, daß de Ve such zu
Lösung on de Zen algewal ausging, also on oben nach un en ging.
De zwei e Weg abe üh e on un en nach oben.
Zue s mach e man also den Ve such zu Lösung on de Zen al-
gewal aus, und zwa de a , daß die Zen algewal im F ühmi elal e
sich anschick e, das ganze He scha sgebie e wal ungs echnisch zu
e obe n. Man ze leg e das Gebie in kleine e und g öße e Ve wal ungs-
einhei en. Als kleine Ve wal ungsbezi ke wä en die G a scha en zu
nennen. Abe auch ü diese bes anden noch keine hinlänglichen Ve -
wal ungso gane und keine sachlich o gebilde en Menschen, die in de
Lage gewesen wä en, die ihnen an e au e Au gabe zu iedens ellend
zu lösen. Die damals noch bes ehende Na u alwi scha s ell e sich
allen Ve suchen, die au g oßzügige e Behandlungsweise Ansp üche
machen muß en, hinde nd in den Weg. Imme wiede muß e man sich
an die al en p imi i en Fo men hal en. Rasch zeig e sich, daß die Zen-
algewal die Mach übe diese Bezi ke e lo . Es se z e in imme s ä -
ke em Um ang eine Ve selbs ändigung, eine Emanzipa ion on de
Zen algewal , eine Aushöhlung diese ein. Dabei is es gleichgül ig, ob
man F ank eich, England, Spanien, I alien ode Deu schland im Auge
ha . De Miße olg des e s en Weges üh e das Geschehen zum Be-
sch ei en des zwei en Weges, de abe nich bewuß on den Menschen
eingeschlagen wu de. Wie alles G öß e in de Geschich e is auch dieses
au ein dunkles Wal en, au eine in den Gegebenhei en liegende No -
wendigkei und Konsequenz zu ückzu üh en.
De zwei e Weg bes and da in, die Lösung de g oßen e o de -
lichen Au gabe nich so o in gewal igem Ausmaß zu suchen, sonde n
die Lösung zue s einmal in bescheidene em Rahmen kleine und klein-
s e Gemeinscha en zu ollb ingen. Hie gal es, O gane he o zu-
b ingen, die dann in e g öße em Maßs abe sich auch au das poli ische
Leben des S aa es übe agen ließen. In den kleinen und kleins en Ge-
meinscha en muß e das ausp obie und au einande abges ell we den.
Dazu wa abe zweie lei e o de lich. Einmal wa den sachlichen
E o de nissen nachzukommen und dann, was wohl nich wenige wich-
ig wa , muß e das sachlich Gebo ene auch menschliche Ve wendungs-
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55] Übe die Idee als ges al ende K a des Gemeinscha slebens 55
Lebensgebie e eins ell e. Bes imm wi d dies du ch die meh ode min-
de d inglich au e enden E o de nisse. Eine gegensei ige Beein lus-
sung und Be uch ung is es zus ellen.
Wei e wä e in E inne ung zu b ingen, daß in jedem Lebensgebie
die Idee eine ande e No e, einen ande en Ausd uck au weis , wobei die
Nuancie ung sich nach dem Cha ak e des Lebensgebie es ich e , in
dem die Idee wi k ; denn ih e Au gabe bes eh ja ge ade da in, diesem
Lebensgebie zu dienen. Fü jeden Ausd uck de „Idee des Eigen ech-
es" bes eh eine indi iduelle En al ungsmöglichkei . Je meh die be-
nö ig en E o de nisse ih e E üllung inden, um so meh e lie die
Idee an K a und e lisch allmählich, wenn nich de Idee du ch neue
E o de nisse neue K a s öme zuge üh we den.
Au die Ta sache, daß die „Idee des Eigen ech es" in ih en Wi -
kungen sich nich nu uch b ingend, sonde n auch ze s ö end zu be-
ä igen e mag, sei noch hingewiesen. Solche schädigenden Wi kungen
en s ehen z. B., wenn de Mensch in de Anwendung de Idee nich
Maß häl , nich in den gebo enen G enzen bleib . Dazu ehlen ihm o
die Fähigkei en. Das ha dann e wa ein schädigendes Zu iel zu Folge.
Ich e inne e an das Ve hal en des Absolu ismus den Angehö igen eines
S aa es gegenübe ode an die Wi kungen eines übe spann en öko-
nomischen Libe alismus. Dahe is die „Idee des Eigen ech es" an sich
wede au bauend noch schädigend ode ze s ö end. Ob das eine ode
ande e de Fall is , en scheide de Zweck, zu dem die Idee ges ell
wi d. Dami is wede ü noch gegen die ges al ende K a de Idee
e was gesag .
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