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Digitalisierung der Arbeitswelt: Durch künstliche Intelligenz sind inzwischen auch viele Expertentätigkeiten ersetzbar

Kuhn, Sarah,Seibert, Holger

Abstract

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Full text

Kuhn, Sarah; Seibert, Holger Research Report Digitalisierung der Arbeitswelt: Durch künstliche Intelligenz sind inzwischen auch viele Expertentätigkeiten ersetzbar IAB-Regional. IAB Berlin-Brandenburg, No. 1/2025 Provided in Cooperation with: Institute for Employment Research (IAB) Suggested Citation: Kuhn, Sarah; Seibert, Holger (2025) : Digitalisierung der Arbeitswelt: Durch künstliche Intelligenz sind inzwischen auch viele Expertentätigkeiten ersetzbar, IAB-Regional. IAB Berlin-Brandenburg, No. 1/2025, Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung (IAB), Nürnberg, https://doi.org/10.48720/IAB.REBB.2501 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/315973 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. 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IAB-Regional erscheint in loser Folge in Zusammenarbeit mit der jeweiligen Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit und wendet sich an Wissenschaft und Praxis. IAB-Regional Berlin-Brandenburg 1|2025 3 Inhaltsverzeichnis Zusammenfassung ................................................................................................................... 4 1 Jüngste Digitalisierungstrends und Technologien .............................................................. 5 2 Potenzielle Auswirkungen der Digitalisierung für den deutschen Arbeitsmarkt .................. 8 3 Potenzielle Auswirkungen der fortschreitenden Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt Berlin-Brandenburg .......................................................................................................... 12 3.1 Substituierbarkeitspotenziale nach Anforderungsniveau und Berufssegmenten .......... 12 3.2 Betroffenheit der Beschäftigten in Berlin und Brandenburg vom Substituierbarkeitspotenzial der Berufe ........................................................................... 15 3.3 Regionale Unterschiede auf der Kreisebene ..................................................................... 18 3.4 Substituierbarkeitspotenzial und Geschlecht .................................................................. 20 3.5 Beschäftigungsentwicklung in Abhängigkeit vom Substituierbarkeitspotenzial der Berufe ................................................................................................................................. 22 4 Fazit ................................................................................................................................. 24 Literatur ................................................................................................................................. 25 Anhang ................................................................................................................................... 28 IAB-Regional Berlin-Brandenburg 1|2025 4 Zusammenfassung Durch neue digitale Technologien verändert sich der deutsche Arbeitsmarkt. Dies gilt besonders für das Ausmaß, in dem Berufe aktuell potenziell durch den Einsatz von Computern oder computergesteuerten Maschinen ersetzbar sind, dem so genannten Substituierbarkeitspotenzial. Es beschreibt, welcher Anteil an Tätigkeiten in einem Beruf schon heute durch den Einsatz moderner Technologien ersetzt werden könnte. Nach wie vor ist zwar das Substituierbarkeitspotenzial bei den Helfer*innenund Fachkraftberufen am höchsten. Am stärksten gestiegen ist das Potenzial jedoch bei den Expert*innenberufen (u. a. durch generative Künstliche Intelligenz). Besonders bei den ITund naturwissenschaftlichen Dienstleistungsberufen sind hohe Zuwachsraten zwischen 2019 und 2022 zu verzeichnen. Der vorliegende Beitrag fokussiert sich auf den Arbeitsmarkt in Brandenburg und Berlin. Wichtig zu betonen ist, dass es hier um Potenziale technischer Ersetzbarkeit geht. Ob und inwiefern die technischen Möglichkeiten auch tatsächlich umgesetzt werden, steht nicht fest. Es kann Gründe geben, die gegen eine tatsächliche Substituierung sprechen, beispielsweise weil eine Umstellung zu komplex wäre oder ethische Bedenken dem entgegenstehen. Unstrittig ist jedoch, dass auf der einen Seite einige Tätigkeiten durch die Digitalisierung wegfallen bzw. automatisiert werden, andererseits aber auch neue Tätigkeiten und Berufe entstehen. Daher kann ein hohes Substituierungspotenzial als Indikator für einen Wandel der Arbeitswelt gesehen werden. Keywords Anforderungsniveau, Berufe, Beschäftigung, Digitalisierung, generative KI, Substituierbarkeitspotenzial Danksagung Wir bedanken uns herzlich bei Jeanette Carstensen, Uwe Sujata, Martin Wrobel und Birgit Fritzsche für die Unterstützung bei der Erstellung dieses Berichts. IAB-Regional Berlin-Brandenburg 1|2025 5 1 Jüngste Digitalisierungstrends und Technologien Die weitreichende Verfügbarkeit von generativer Künstlicher Intelligenz verspricht neue und bessere Lösungen für die Arbeitswelt. Damit einher geht eine Veränderung des Ausmaßes, in dem aktuell von Menschen ausgeführte Tätigkeiten zu einem bestimmten Zeitpunkt durch computergesteuerte Maschinen, Algorithmen oder sonstige technische Möglichkeiten übernommen werden könnten – dem so genannten Substituierbarkeitspotenzial1 (Dengler/Matthes 2015; siehe Anhang). Das Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung (IAB) analysiert seit mehreren Jahren die Berufswelt mit ihren verschiedenen Tätigkeiten mit Blick auf deren potenzielle Ersetzbarkeit durch digitale Technik (Dengler/Matthes 2015; 2018; 2021 sowie Grienberger/Matthes/Paulus 2024). Nicht jede Tätigkeit ist in gleichem Maße von dieser potenziellen Ersetzbarkeit betroffen: Ein besonders hohes Substituierbarkeitspotenzial wird bei manuellen und kognitiven Routinetätigkeiten gesehen, also Arbeitsabläufen, die sich regelmäßig wiederholen. Komplexen Nicht-Routine-Tätigkeiten wird zwar ein niedrigeres Substituierbarkeitspotenzial zugeschrieben, allerdings können auch diese zunehmend digital ergänzt oder ersetzt werden. Eine Analyse dieser Zusammenhänge ist von entscheidender Bedeutung für die Ausrichtung von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, denn Forschungsergebnisse zeigen, dass die Beschäftigungsentwicklung in Berufen mit hohem Ersetzungspotenzial geringer ausfällt als in solchen mit niedrigem (Dengler et al. 2020). Zugleich ziehen betriebliche Investitionen in Digitalisierung in der Regel auch betriebliche Weiterbildungsaktivitäten nach sich (Janssen et al. 2018). In der Vergangenheit war aber zu beobachten, dass sich Beschäftigte in Berufen mit hohem Substituierbarkeitspotenzial seltener weiterbilden, obwohl gerade ihre Tätigkeiten unter einem höheren Veränderungsdruck stehen (Heß/Janssen/Leber 2019). In regelmäßigen Abständen nimmt das IAB eine Aktualisierung der Einschätzung des Substituierbarkeitspotenzials von Berufen vor, um der stetigen technischen Entwicklung Rechnung zu tragen. Der vorliegende Bericht bezieht sich auf die Einschätzung der Substituierbarkeitspotenziale der Tätigkeiten für Ende 2022 (Grienberger/Matthes/Paulus 2024). Damit kann die Entwicklung des Substituierbarkeitspotenzials inzwischen über vier Zeitpunkte hinweg betrachtet werden: 2013, 2016, 2019 und 2022. Die aktuellen Werte zum Substituierbarkeitspotenzial von Tätigkeiten werden im so genannten Job-Futuromaten des IAB im Internet veröffentlicht (IAB 2024) und geben Auskunft darüber, in welchem Ausmaß digitale Technologien jeden einzelnen der ca. 4.600 im BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit (BA) erfassten Berufe verändern könnten (siehe Anhang). Technologischer Wandel ist sehr dynamisch. Zwischen 2017 und 2019 sind z. B. technologische Möglichkeiten, wie die Blockchain-Technologie (Werttransfer ohne dritte Instanz), realitätsnahe virtuelle Realität und Gamification, die Digital-Twins-Technologie (Simulation von Produkt, 1 Das Substituierbarkeitspotenzial ist somit ein berufsspezifisches Maß für den möglichen Einsatz von Computern oder Maschinen zum Ersatz oder zur Unterstützung von Beschäftigten. Daher führt die jeweilige Anzahl der Beschäftigten in einem Beruf zu einem unterschiedlich starken Einfluss einer weitergehenden Digitalisierung in verschiedenen Regionen. Eine ausführliche Beschreibung bzgl. der Daten und des Substituierbarkeitspotenzials ist im Anhang (Seite 28) zu finden. IAB-Regional Berlin-Brandenburg 1|2025 6 Prozess und Service), das sogenannte Algorithmic Decision Making (Automatisiertes Entscheidungsverfahren) sowie die Weiterentwicklung von 3D-Druckverfahren (Dengler/Matthes 2021) marktreif geworden. Mittlerweile sind weitere und neuere Technologien hinzugekommen und von zunehmender Relevanz für die Arbeitswelt und die Substituierbarkeitspotenziale. Erwähnenswert ist hier vor allem die generative Künstliche Intelligenz (KI). Konventionelle KI kann mit Hilfe von Algorithmen unstrukturierte Daten (zum Beispiel Texte, Bilder, Videos, Töne) so erfassen, dass sie analysiert und daraus Konsequenzen abgeleitet werden können. Dank einer enormen Steigerung der Rechenleistung kann generative KI große Mengen digital verfügbarer Daten mithilfe möglichst permanent trainierter Algorithmen sammeln, verarbeiten (in strukturierte Daten umwandeln), analysieren und interpretieren. Infolgedessen kann generative KI nun auch Inhalte produzieren, z. B. programmieren, Texte schreiben, Fragen beantworten, Geschichten erfinden oder Bilder und Videos erstellen (vgl. Grienberger/Matthes/Paulus 2024). In den letzten Jahren haben sich Wissenschaftler*innen vermehrt mit der Frage beschäftigt, welche Auswirkungen (generative) KI auf Arbeitsmärkte hat. David Autor (MIT, Department of Economics) kommt in einem Interview zu dem Schluss, dass KI sowohl Tätigkeiten ersetzen als auch Fachwissen ergänzen wird (Winters/Latner 2025). Es komme seiner Ansicht nach nicht darauf an, wie viele Tätigkeiten ersetzt werden können, sondern um welche es sich dabei handelt. Wenn KI besonders die komplexen Tätigkeiten eines Berufes ersetzt, dann geht die Notwendigkeit von Fachwissen zur Ausübung dieses Berufs zurück. Es können mehr Menschen diesen Beruf ausüben, aber die Vergütung werde voraussichtlich sinken, da der Einstieg in den Beruf erleichtert würde. Würden dagegen hauptsächlich einfache Aufgaben eines Berufes automatisiert, so würde spezifisches Fachwissen umso wichtiger werden, um diesen Beruf ausüben zu können. Weniger Menschen würden daher den Beruf ausüben können und deren Entlohnung würde voraussichtlich steigen, da es sich dann um einen Expert*innenberuf handelt, bei dem die Tätigkeiten automatisiert würden, die vormals ohne spezifisches Fachwissen ausgeübt werden konnten. Diese Ausführungen zeigen, dass nicht nur beachtet werden sollte, wie stark ein Beruf mit KI in Kontakt kommt bzw. ihr „ausgesetzt“ ist, sondern auch welche Tätigkeiten davon betroffen sind (Winters/Latner 2025). Im EU-Durchschnitt nutzten 2023 etwas mehr als 8 Prozent der Unternehmen Künstliche Intelligenz − dies zeigt die Auswertung der aktuellen Eurostat-Daten zur KI-Anwendung in Unternehmen der Europäischen Union. Die KI-Nutzung in der EU hat dabei in den letzten Jahren kaum zugenommen: Im Jahr 2021 lag der EU-Durchschnitt bei rund 7,5 Prozent; 2020 bei rund 7 Prozent (Falck/Kerkhof/Wölfl 2024a). Die Verbreitung von KI unterscheidet sich dabei zwischen EU-Ländern und Branchen erheblich und ist abhängig von der Größe des Unternehmens. Deutschland liegt mit einem Anteil von ca. 12 Prozent an Unternehmen, die mindestens eine KITechnologie nutzen, auf Rang sieben im Vergleich der 27 EU-Mitgliedsstaaten und Norwegen. Die Verbreitung von KI konzentriert sich sowohl in Deutschland als auch im europäischen Vergleich auf wenige Branchen. Spitzenreiter sind dabei der Informationsund Kommunikationssektor ‒ also IKT-Dienstleistungen und die Computer-, elektronische und optische Industrie ‒ sowie die unternehmensnahen Dienstleistungen wie etwa Marketing, Unternehmensberatungen, technische Dienstleistungen oder private Forschung und Entwicklung. Zudem sind es hauptsächlich große Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten, die 2023 angaben, IAB-Regional Berlin-Brandenburg 1|2025 7 mindestens eine Art von KI-Technologie oder KI-Anwendung zu verwenden (Falck/Kerkhof/Wölfl 2024a). Unternehmen, die 2023 darüber nachdachten KI zu nutzen, aber mit der Umsetzung noch zögerten, gaben hauptsächlich hohe Kosten und mangelnde Expertise als Hindernis an. Außerdem spielt die Sorge bezüglich des Datenschutzes oder der Datenverfügbarkeit sowie die Unsicherheit hinsichtlich möglicher rechtlicher Konsequenzen eine bedeutende Rolle. Was die KI-Technologien angeht, so werden vor allem Text Mining und KI-basierte Prozessautomatisierung eingesetzt, und dies hauptsächlich in den Bereichen Marketing, Produktion und IT-Sicherheit. Die KI wird dabei meistens eingekauft; besonders kleinere und jüngere Unternehmen sehen sich selten in der Lage, KI Anwendungen selbst zu entwickeln (Falck/Kerkhof/Wölfl 2024b). Wie man an den skizzierten Anwendungsbereichen generativer KI erkennen kann, wirkt sich diese besonders stark auf komplexere Tätigkeiten aus. Während 2013 das Substituierbarkeitspotenzial noch weitaus stärker im Bereich der wenig komplexen Routinetätigkeiten gesehen wurde (Dengler/Matthes 2015), wurden aber bereits 2016 die Potenziale selbstlernender Computerprogramme für die Optimierung und Automatisierung verschiedenster Wertschöpfungsprozesse thematisiert (Dengler/Matthes 2018), wie zum Beispiel Wareneingangskontrolle, Montageprüfung, Prüfung von Anträgen oder Echtzeitprognosen. 2019 standen die Potenziale von automatisierten Datenanalysen oder Simulationen (Dengler/Matthes 2021) im Vordergrund, beispielweise die Konsequenzen alternativer Konstruktions-, Produktionsoder Finanzierungs-Szenarien und damit letztlich vollständig autonome Entscheidungen von Maschinen und Systemen. Dementsprechend kommen zunehmend Tätigkeiten unter Digitalisierungsdruck, die man in der Vergangenheit als wenig digitalisierbar eingestuft hat. Der Einsatz von KI hat demnach ein hohes Potenzial den Arbeitsmarkt zu verändern. Einerseits könnten sich bestehende Berufe und Tätigkeitsbereiche verändern, da Aufgaben, die zuvor manuell ausgeführt werden mussten, substituiert werden könnten. Beispiele für Berufe, die potenziell bereits komplett durch KI ersetzt werden könnten, sind: Synchronsprecher*innen, Übersetzer*innen, Mediengestalter*innen, CAD-Fachkräfte im Bau oder Konstrukteur*innen. Bei Programmierer*innen hat sich das Substituierbarkeitspotenzial durch Lowund No-Coding erhöht, indem mittlerweile KI-gestützte Softwareentwicklungstools zur Verfügung stehen, die nur noch geringe oder sogar gar keine Programmierkenntnisse erfordern (Grienberger/Matthes/Paulus 2024). Hier besteht die Möglichkeit eines Verdrängungseffekts, bei dem computergesteuerte Maschinen Aufgaben übernehmen, die zuvor von Menschen ausgeführt wurden. Andererseits können auch gänzlich neue Berufe mit neuen Kernkompetenzen entstehen. Ein Beispiel hierfür ist der ‚Prompt Engineer‘, von dem erwartet wird, kreativ und effizient mit Eingaben für generative KI-Modelle wie ChatGPT umgehen zu können (Demary/Mertens 2023). Die Nachfrage nach KI-Kompetenzen hat in Deutschland in den letzten Jahren zugenommen (Büchel/Engler/Mertens 2023) und variiert regional erheblich (Büchel/Mertens 2022). Die Dynamik dieser Veränderungen ist im Vergleich zu anderen Berufsbildern sehr hoch. Insgesamt herrscht aber noch große Unsicherheit bezüglich der Auswirkungen von KI auf die Arbeitswelt. Die einschlägige Literatur stellt unterschiedliche Szenarien dar, einige Wissenschaftler*innen befürchten, dass der Einsatz von KI zu einem massiven Stellenabbau führen könnte (Arntz/Blesse/Dörrenberg 2022). Andere gehen jedoch IAB-Regional Berlin-Brandenburg 1|2025 8 davon aus, dass durch den Einsatz von KI die Produktivität steigt und somit auch die Gesamtnachfrage und Beschäftigung (Rammer/Fernández/Czarnitzki 2022). Die öffentliche Diskussion ist aktuell stark geprägt von Spekulationen, daher ist es umso wichtiger, sich wissenschaftlich mit Fragen der Entwicklungsperspektiven von KI auf dem Arbeitsmarkt zu beschäftigen und die Entwicklung weiterhin empirisch zu beobachten. Nachfolgend stellen wir analog zu Grienberger/Matthes/Paulus (2024) die zentralen Befunde für Deutschland vor und richten anschließend den Fokus auf die Region Berlin-Brandenburg. 2 Potenzielle Auswirkungen der Digitalisierung für den deutschen Arbeitsmarkt Um eine grundsätzliche Beurteilung der Trends in der Substituierbarkeit sowie einen Vergleich für die Untersuchungen in den folgenden Kapiteln zu ermöglichen, werden nachfolgend die zentralen Analysen und Einschätzungen von Grienberger/Matthes/Paulus (2024) für Deutschland dargestellt. Zunächst sind in Abbildung 1 die deutschlandweiten Substituierbarkeitspotenziale für die einzelnen Anforderungsniveaus für die Jahre 2013 bis 2022 veranschaulicht. Dabei fällt auf, dass das höchste Substituierbarkeitspotenzial 2022 bei den Fachkrafttätigkeiten liegt. In den Jahren zuvor wiesen die Helfer*innentätigkeiten noch das höchste Substituierbarkeitspotenzial auf. Im Vergleich dazu liegt die potenzielle Ersetzbarkeit in allen Jahren bei den Spezialist*innen und Expert*innen deutlich unter der der Helfer*innenund Fachkrafttätigkeiten. Von zentraler Bedeutung sind aktuell der Zuwachs von +5,1 Prozentpunkten bei den Spezialist*innentätigkeiten und besonders der Zuwachs von +9,7 Prozentpunkten bei den Expert*innentätigkeiten gegenüber 2019. Da diese Zuwächse deutlich höher als im Bereich der Helfer*innenund Fachkrafttätigkeiten ausfallen, wird sichtbar, dass die Ersetzbarkeit mittlerweile zunehmend die komplexeren Tätigkeiten von (hoch-)qualifizierten Beschäftigten betrifft. IAB-Regional Berlin-Brandenburg 1|2025 15 3.2 Betroffenheit der Beschäftigten in Berlin und Brandenburg vom Substituierbarkeitspotenzial der Berufe Einen Überblick über die Gesamtbetroffenheit der Beschäftigten in Berlin und Brandenburg ermöglicht Tabelle 1. Es ist dargestellt, wie viele Beschäftigte ein niedriges (bis 30 %), mittleres (über 30 bis 70 %) bzw. hohes (über 70 %) Substituierbarkeitspotenzial aufweisen. Demnach arbeiten in Berlin von den 1,66 Millionen Beschäftigten2 im Dezember 2022 26,8 Prozent (446.000 Beschäftigte) in Berufen mit einem hohen Substituierbarkeitspotenzial (über 70 %), in Brandenburg liegt der Anteil mit 33,6 Prozent (194.000) an den 875.000 Beschäftigten höher. Kein Unterschied ist bei den Berufen mit niedrigem Substituierbarkeitspotenzial zu erkennen, hierauf entfallen in Berlin 24,6 Prozent (409.000 Beschäftigte) und in Brandenburg 24,5 Prozent (214.000 Beschäftigte). Im Jahr 2013, als das Substituierbarkeitspotenzial noch niedriger eingestuft wurde, betrug der Anteil der Beschäftigten in Berufen mit niedrigem Substituierbarkeitspotenzial in Berlin noch über 50 Prozent (622.000 Beschäftigte), in Berufen mit hohem Substituierbarkeitspotenzial hingegen nur gut 8 Prozent (103.000 Beschäftigte). Eine vergleichbare Entwicklung für die Berufe mit hohem Substituierbarkeitspotenzial ist auch in Brandenburg erkennbar, wobei der Anstieg dort stärker ausfällt als in Berlin. Tabelle 1: Betroffenheit der Beschäftigten vom Substituierbarkeitspotenzial der Berufe Sozialversicherungspflichtig (Sv) Beschäftigte, 2013, 2016, 2019 und 2022, jeweils 31. Dezember, Berlin und Brandenburg Substituierbarkeitspotenzial der Berufe Berlin Brandenburg 2013 2016 2019 2022 2013 2016 2019 2022 Anzahl der Sv-Beschäftigten in 1.000 Niedrig (0 bis 30%) 622 526 515 409 348 263 249 214 Mittel (über 30 bis 70%) 510 659 685 808 325 371 351 367 Hoch (über 70%) 103 203 350 446 92 180 250 294 Gesamt 1.234 1.388 1.550 1.663 766 815 850 875 Anteil der Sv-Beschäftigten in Prozent Niedrig (0 bis 30%) 50,4 37,9 33,2 24,6 45,4 32,3 29,3 24,5 Mittel (über 30 bis 70%) 41,3 47,5 44,2 48,6 42,5 45,6 41,3 41,9 Hoch (über 70%) 8,3 14,6 22,6 26,8 12,1 22,1 29,5 33,6 Gesamt 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 Hinweis: Nur Sv-Beschäftigte mit gültigen Angaben zur ausgeübten Tätigkeit und zum Substituierbarkeitspotenzial. Damit ergeben sich geringfügige Abweichungen zur Gesamtzahl der Sv-Beschäftigten. Diese beträgt, inklusive fehlender Berufsund/oder Substituierbarkeitsangaben, im Dezember 2022 in Berlin 1.672.000 und in Brandenburg 884.000 (jeweils gerundet auf 1.000). Quelle: Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB Um in diesem Zusammenhang einen besseren Einblick in die Berufsstrukturen, ihre Substituierbarkeitspotenziale sowie die jeweilige zahlenmäßige Bedeutung für die Arbeitsmärkte Berlin und Brandenburg zu ermöglichen, sind nachfolgend in Tabelle 2 die am häufigsten ausgeübten Berufe mit einem hohen Substituierbarkeitspotenzial dargestellt (über 70 %). 2 Nur Beschäftigte mit gültigen Angaben zur ausgeübten Tätigkeit und zum Substituierbarkeitspotenzial. Damit sind geringe Abweichungen zur Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Berlin und Brandenburg möglich. IAB-Regional Berlin-Brandenburg 1|2025 16 Demnach haben Büround Sekretariatssowie Lagerwirtschaftsberufe bzw. kaufmännische und -technische und Betriebswirtschaftsberufe in Berlin und Brandenburg die zahlenmäßig größte Bedeutung unter den Berufen mit einem hohen Substituierbarkeitspotenzial. Dies hängt in erster Linie damit zusammen, dass viele Tätigkeiten in diesen Berufen tendenziell als repetitiv bzw. Routinetätigkeiten eingestuft werden, womit sie potenziell von Computern und Maschinen erledigt werden könnten. Die eingangs erwähnte Entwicklung, dass zunehmend mehr komplexe und anspruchsvolle Tätigkeiten substituiert werden können und entsprechend in der Kategorie ,,hoch“ (Substituierbarkeitspotenzial über 70 %) auftauchen, spiegelt sich bereits in dieser Tabelle wider: Bei den numerisch dominierenden Berufen mit hohem Substituierbarkeitspotenzial handelt es sich in Berlin und Brandenburg nicht nur um Helfer*innenberufe, sondern mehrheitlich um Fachkraftund zum Teil um Spezialist*innenberufe. Tabelle 2: Top 10 Berufe mit hohem Substituierbarkeitspotenzial Sozialversicherungspflichtig (Sv) Beschäftigte, 31. Dezember 2022, Berlin und Brandenburg Berufe mit hohem Substituierbarkeitspotenzial (über 70 %) (Klassifikation der Berufe 2010, 5-Steller) Sv-Beschäftigte Dezember 2022 Berlin Büro-, Sekretariatskräfte (o.S.) - Fachkraft (71402) 92.900 Kaufmännisch, techn. Betriebswirtschaft (o.S.) - Fachkraft (71302) 48.600 Lagerwirtschaft - Helfer (51311) 20.400 Büro-, Sekretariatskräfte (o.S.) - Helfer (71401) 20.100 Buchhaltung - Spezialist (72213) 16.400 Bankkaufleute - Fachkraft (72112) 13.500 Lagerwirtschaft - Fachkraft (51312) 11.700 Kraftfahrzeugtechnik - Fachkraft (25212) 9.400 Informationsund Telekommunikationstechnik - Fachkraft (26312) 7.100 Bauelektrik - Fachkraft (26212) 6.200 Brandenburg Büro-, Sekretariatskräfte (o.S.) - Fachkraft (71402) 34.800 Lagerwirtschaft - Helfer (51311) 32.300 Kaufmännisch, techn. Betriebswirtschaft (o.S.) - Fachkraft (71302) 22.100 Kraftfahrzeugtechnik - Fachkraft (25212) 16.300 Lagerwirtschaft - Fachkraft (51312) 12.400 Buchhaltung - Spezialist (72213) 6.800 Metallbau - Fachkraft (24412) 6.700 Bauelektrik - Fachkraft (26212) 6.200 Bankkaufleute - Fachkraft (72112) 5.500 Büro-, Sekretariatskräfte (o.S.) - Helfer (71401) 5.000 Anmerkung: o. S. = ohne Spezialisierung. Sv-Beschäftigte gerundet auf 100. Quelle: Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB IAB-Regional Berlin-Brandenburg 1|2025 17 Als Pendant zu Tabelle 2 sind nachfolgend in Tabelle 3 die häufigsten Berufe in Berlin und Brandenburg dargestellt, die ein niedriges Substituierbarkeitspotenzial (bis 30 %) aufweisen. Hier finden sich primär Sozialund Gesundheitsberufe wie Krankenpflege, Kinderbetreuung oder Lehrtätigkeiten, daneben aber auch Helfer*innentätigkeiten auf dem Bau. Seit der Ersteinschätzung von Dengler/Matthes (2015) weisen Berufe niedrige Substituierbarkeitspotenziale auf, wenn technische Lösungen Tätigkeiten in diesen Berufen nicht oder nur in einem deutlich geringeren Umfang ersetzen können. Dies ist insbesondere auf den vielfach interaktiven sowie kognitiven Charakter dieser zumeist Nicht-Routine-Tätigkeiten zurückzuführen. Insbesondere Expert*innentätigkeiten sind mit einem hohen Komplexitätsgrad verbunden, was die Einführung technischer Lösungen aufwändig macht. Es gibt aber auch Helfer*innenberufe mit höheren Nicht-Routine-Anteilen: Die Arbeit von Krankenund Altenpflegehelfer*innen ist beispielsweise sehr interaktiv. Gerade in Berlin sind vergleichsweise viele Expert*innen unter den zehn häufigsten Berufen mit einem niedrigen Substituierbarkeitspotenzial vertreten, was auf die ausgeprägte Hochschulund Forschungslandschaft sowie den Sitz von Firmenzentralen und Ministerien in der Bundeshauptstadt zurückzuführen ist. Hier kann es durch die weitere Verbreitung von Künstlicher Intelligenz jedoch in Zukunft möglicherweise zu Veränderungen kommen. Oben wurde gezeigt, dass die größten Zuwächse beim Substituierbarkeitspotenzial inzwischen bei den Expert*innenberufen zu verzeichnen sind, was sich aber vor allem auf jene Berufe mit einer besonderen Technikbzw. Datenintensität bezieht, die in Tabelle 3 aber kaum vertreten sind. IAB-Regional Berlin-Brandenburg 1|2025 18 Tabelle 3: Top 10 Berufe mit niedrigem Substituierbarkeitspotenzial Sozialversicherungspflichtig (Sv) Beschäftigte, 31. Dezember 2022, Berlin und Brandenburg Berufe mit niedrigem Substituierbarkeitspotenzial (0 bis 30 %) (Klassifikation der Berufe 2010, 5-Steller) Sv-Beschäftigte Dezember 2022 Berlin Kinderbetreuung, -erziehung - Fachkraft (83112) 34.400 Gesundheits-, Krankenpflege (o.S.) - Fachkraft (81302) 31.800 Hochschullehre und -forschung - Experte (84304) 20.500 Kinderbetreuung, -erziehung - Spezialist (83113) 18.900 Sozialarbeit, Sozialpädagogik - Experte (83124) 17.300 Lehrkräfte in der Sekundarstufe - Experte (84124) 16.300 Altenpflege (o.S.) - Helfer (82101) 14.100 Unternehmensberatung - Experte (71324) 13.300 Gesundheits-, Krankenpflege (o.S.) - Helfer (81301) 11.500 Hochbau (o.S.) - Helfer (32101) 11.400 Brandenburg Kinderbetreuung, -erziehung - Fachkraft (83112) 22.000 Gesundheits-, Krankenpflege (o.S.) - Fachkraft (81302) 20.900 Altenpflege (o.S.) - Helfer (82101) 12.900 Kinderbetreuung, -erziehung - Spezialist (83113) 8.000 Altenpflege (o.S.) - Fachkraft (82102) 7.800 Sozialarbeit, Sozialpädagogik - Experte (83124) 7.400 Gesundheits-, Krankenpflege (o.S.) - Helfer (81301) 7.300 Hochschullehre und -forschung - Experte (84304) 7.000 Hochbau (o.S.) - Helfer (32101) 5.300 Physiotherapie - Spezialist (81713) 5.000 Anmerkung: o. S. = ohne Spezialisierung. Sv-Beschäftigte gerundet auf 100. Quelle: Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB 3.3 Regionale Unterschiede auf der Kreisebene Zusätzlich zu einer Analyse der Anforderungsniveaus und Berufssegmente in den Bundesländern bietet sich eine detaillierte regionale Betrachtung an, um Unterschiede in der potenziellen Betroffenheit der Arbeitsplätze vor Ort zu identifizieren. Daher werfen wir im Folgenden einen Blick auf die Landkreise und kreisfreien Städte und beschreiben die Betroffenheit der dortigen Beschäftigten vom Substituierbarkeitspotenzial im Jahr 2022. Hierfür betrachten wir sowohl den kreisspezifischen Anteil der Beschäftigten in Berufen mit einem hohen (über 70 %) als auch den in Berufen mit einem niedrigen (unter 30 %) Substituierbarkeitspotenzial. Abbildung 6 verdeutlicht, dass es gerade in der Betroffenheit durch ein hohes Substituierbarkeitspotenzial in der Region Berlin-Brandenburg erhebliche regionale Unterschiede gibt. So variieren diese Anteile zwischen 25,6 Prozent in Frankfurt (Oder) und 47,6 Prozent im Landkreis Teltow-Fläming. Hingegen liegen die Anteile der Beschäftigten in Berufen mit niedrigem Substituierbarkeitspotenzial deutlich dichter beieinander – zwischen 15,7 Prozent im Landkreis Teltow-Fläming und 29,6 Prozent in Barnim. In diesem Zusammenhang fällt besonders der IAB-Regional Berlin-Brandenburg 1|2025 19 Landkreis Teltow-Fläming mit einer vergleichsweise hohen Substituierbarkeit auf. TeltowFläming weist unter den betrachteten Landkreisen die höchsten Beschäftigungsanteile in den fertigungstechnischen Berufen sowie den Verkehrsund Logistikberufen auf (vgl. Anhang, Tabelle A 2), die mit hohen Substituierbarkeitspotenzialen einhergehen (siehe Abbildung 5). Barnim als Landkreis mit vergleichsweise niedrigem Substituierbarkeitspotenzialen dagegen weist einen überdurchschnittlich hohen Beschäftigungsanteil in den medizinischen und nicht-medizinischen Gesundheitsberufen sowie einen ebenfalls vergleichsweise hohen Anteil in den sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufen auf (vgl. Anhang, Tabelle A 2). Gleiches gilt für Berlin, denn die Hauptstadt hat besonders hohe Beschäftigtenanteile in den sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufen (vgl. Anhang, Tabelle A 2). Abbildung 6: Regionale Betroffenheit der Beschäftigten vom Substituierbarkeitspotenzial der Berufe Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, Anteil an Beschäftigten in Berufen mit hohem und mit niedrigem Substituierbarkeitspotenzial, in Prozent, 31. Dezember 2022, Berlin und Brandenburger Kreise Abkürzungen: B = Berlin, BRB = Brandenburg an der Havel, CB = Cottbus, FF = Frankfurt (Oder), P = Potsdam, BAR = Barnim, LDS = Dahme-Spreewald, EE = Elbe-Elster, HVL = Havelland, MOL = Märkisch-Oderland, OHV = Oberhavel, OSL = OberspreewaldLausitz, LOS = Oder-Spree, OPR = Ostprignitz-Ruppin, PM = Potsdam-Mittelmark, PR = Prignitz. SPN = Spree-Neiße, TF = TeltowFläming, UM = Uckermark. Quelle: Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB Ein besonders hoher Anstieg bei den Beschäftigten mit hohem Substituierbarkeitspotenzial ist im Landkreis Oder-Spree zu verzeichnen (+12,8 Prozentpunkte im Vergleich zu 2019, vgl. Abbildung 6 in Jost/Seibert 2021). Dies dürfte auf die Zunahme der Fertigungsberufe im Zusammenhang mit der Tesla-Ansiedlung im Landkreis zurückzuführen sein. Werden Brandenburg und Berlin mit Gesamtdeutschland verglichen, so zeigt sich, dass in beiden Bundesländern der Anteil der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse mit einem hohen Substituierbarkeitspotenzial (über 70 Prozent) geringer ist als im Bund (Deutschland: 37,9 %, Berlin: 26,8 %, Brandenburg: 33,6 %). Betrachtet man die Kreisebene in Brandenburg, so liegen dort die Kreise Havelland, Oder-Spree und Teltow-Fläming über dem bundesdeutschen Schnitt, alle anderen Kreise darunter. IAB-Regional Berlin-Brandenburg 1|2025 20 3.4 Substituierbarkeitspotenzial und Geschlecht Neben der genaueren regionalen Betrachtung, lohnt sich auch ein geschlechtsspezifischer Blick auf Substituierbarkeitspotenziale, da Frauen und Männer sich in den von ihnen ausgeübten Berufen unterscheiden. Tabelle 4 zeigt diese Werte für Männer und Frauen innerhalb der oben besprochenen Berufssegmente für Berlin und Brandenburg. Dabei wird deutlich, dass Frauen in Berlin und Brandenburg, über alle Berufssegmente hinweg betrachtet, im Durchschnitt ein niedrigeres Substituierbarkeitspotenzial aufweisen als Männer. In Brandenburg beträgt der Abstand sogar 7,8 Prozentpunkte (Frauen: 48,3 vs. Männer: 56,1 %), während die Substituierbarkeitspotenziale in Berlin deutlich dichter beieinanderliegen (Frauen: 48,5 % vs. Männer: 51,3 %). Diese grundsätzlichen Unterschiede in der Substituierbarkeit der Tätigkeiten zwischen den Geschlechtern resultieren dabei aus einer unterschiedlichen Verteilung der Berufe von Männern und Frauen innerhalb der Berufssegmente. So arbeiten Frauen innerhalb der Land-, Forstund Gartenbauberufe sowie Fertigungsberufe häufiger in Berufen mit niedrigerem Substituierbarkeitspotenzial. Ferner fällt der Frauenanteil in den Gesundheitsberufen sowie den sozialen und kulturellen Berufen deutlich höher aus, die grundsätzlich ein niedriges Automatisierungsrisiko aufweisen. Für Brandenburg ergibt sich eine ähnliche Beobachtung im Hinblick auf die Verteilung in den Berufen, da Frauen in den gleichen Berufssegmenten niedrigere Substituierbarkeitspotenziale aufweisen als Männer. Ferner kommt hier noch hinzu, dass Frauen in den Lebensmittelund Gastgewerbeberufen niedrigere Substituierbarkeitspotenziale zu verzeichnen haben, die durch Unterschiede in der geschlechtsspezifischen Berufsverteilung innerhalb der Berufssegmente entstehen. Aus diesen Beobachtungen ergeben sich Fragen nach potenzieller geschlechtsspezifischer Ungleichheit. Dies bezieht sich zum Beispiel auf die Arbeitsbelastung. Digitale Technologien können häufiger physisch anstrengende, hauptsächlich von Männern ausgeübte Tätigkeiten ersetzen, seltener psychosozial anstrengende, hauptsächlich von Frauen ausgeübte Tätigkeiten (Dengler/Tisch 2020). Die Verbreitung digitaler Technologien geht vor diesem Hintergrund mit einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen in männlich-dominierten Berufen einher, aber nicht im gleichen Maße in weiblich-dominierten Berufen (Dengler/Tisch 2020: 440). Daher stellt sich die Frage, ob die soziale Ungleichheit zwischen Männern und Frauen im Zuge der digitalen Transformation zunehmen könnte. Die fortschreitende Digitalisierung kann aber auch Anlass sein, Geschlechterverhältnisse neu zu verhandeln und bestehende Machtverhältnisse und Rollenzuschreibungen zu hinterfragen (Dengler/Matthes 2020). IAB-Regional Berlin-Brandenburg 1|2025 21 Tabelle 4: Substituierbarkeitspotenzial und Beschäftigte nach Geschlecht Sozialversicherungspflichtig (Sv) Beschäftigte, Anteil der Tätigkeiten, die schon heute potenziell von Computern erledigt werden könnten, in Prozent; Anzahl an Beschäftigten nach Geschlecht und deren Frauenanteil in Prozent, 31. Dezember 2022, Berlin und Brandenburg Berufssegmente (Klassifikation der Berufe 2010) Substituierbarkeitspotenzial, 2022, in Prozent Sv-Beschäftigte Dezember 2022 Männer Frauen Männer Frauen Frauenanteil in Prozent Berlin Land-, Forstund Gartenbauberufe 47,8 39,1 8.600 4.600 35,0 Fertigungsberufe 84,3 79,2 33.000 13.700 29,3 Fertigungstechnische Berufe 72,1 71,2 97.300 18.400 15,9 Bauund Ausbauberufe 44,2 56,3 82.400 10.800 11,6 Lebensmittelund Gastgewerbeberufe 44,5 43,1 50.500 47.500 48,5 Medizinische u. nicht-medizinische Gesundheitsberufe 20,9 27,3 41.200 130.700 76,1 Soziale und kulturelle Dienstleistungsberufe 16,8 12,7 65.500 132.200 66,9 Handelsberufe 62,6 65,3 65.600 77.700 54,2 Berufe in Unternehmensführung und -organisation 58,8 68,9 114.200 166.900 59,4 Unternehmensbezogene Dienstleistungsberufe 57,0 62,8 88.200 144.300 62,1 ITund naturwissenschaftliche Dienstleistungsberufe 45,6 48,2 67.900 23.300 25,6 Sicherheitsberufe 45,0 44,4 23.800 6.600 21,8 Verkehrsund Logistikberufe 50,8 61,4 92.000 16.300 15,1 Reinigungsberufe 42,1 45,5 16.700 22.800 57,7 Insgesamt 51,3 48,5 846.900 815.900 49,1 Brandenburg Land-, Forstund Gartenbauberufe 55,0 47,7 16.400 6.800 29,3 Fertigungsberufe 86,7 85,0 41.300 7.000 14,6 Fertigungstechnische Berufe 74,4 75,3 80.000 10.100 11,2 Bauund Ausbauberufe 40,1 54,0 64.100 3.900 5,8 Lebensmittelund Gastgewerbeberufe 50,1 44,7 18.500 23.200 55,7 Medizinische u. nicht-medizinische Gesundheitsberufe 16,3 24,1 19.900 86.200 81,2 Soziale und kulturelle Dienstleistungsberufe 13,8 11,1 23.000 66.100 74,2 Handelsberufe 64,3 66,8 27.200 51.700 65,5 Berufe in Unternehmensführung und -organisation 59,3 73,3 29.200 63.400 68,4 Unternehmensbezogene Dienstleistungsberufe 62,5 69,3 19.500 52.200 72,8 ITund naturwissenschaftliche Dienstleistungsberufe 54,6 56,7 14.600 5.900 28,8 Sicherheitsberufe 41,9 43,1 8.300 2.500 23,0 Verkehrsund Logistikberufe 56,0 67,2 87.300 23.900 21,5 Reinigungsberufe 42,6 44,9 7.300 15.700 68,2 Insgesamt 56,1 48,3 456.600 418.700 47,8 Legende: Hellgrün: Substituierbarkeitspotenzial fällt in der Region für Frauen mindestens 5 Prozentpunkte niedriger aus als für Männer Rot: Substituierbarkeitspotenzial fällt in der Region für Frauen mindestens 5 Prozentpunkte höher aus als für Männer. Grün: Berufssegment wird in der Region mehrheitlich (über 70 %) von Frauen ausgeübt. Blau: Berufssegment wird in der Region mehrheitlich (über 70 %) von Männern ausgeübt. Hinweis: Nur Sv-Beschäftigte mit gültigen Angaben zur ausgeübten Tätigkeit und zum Substituierbarkeitspotenzial. Damit ergeben sich geringfügige Abweichungen zur Gesamtzahl der Sv-Beschäftigten. Diese beträgt inklusive fehlender Berufsund/oder Substituierbarkeitsangaben) im Dezember 2022 in Berlin bei Männern 852.200 und bei Frauen 819.800, in Brandenburg bei Männern 461.600 und bei Frauen 422.100 (jeweils gerundet auf 100). Quelle: Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB IAB-Regional Berlin-Brandenburg 1|2025 22 3.5 Beschäftigungsentwicklung in Abhängigkeit vom Substituierbarkeitspotenzial der Berufe Im Anschluss an die vorgestellten deskriptiven Analysen stellt sich die Frage, ob und welche Zusammenhänge zwischen der Beschäftigungsentwicklung und der Betroffenheit der Beschäftigten von Substituierbarkeitspotenzialen vorliegen. Dies ist insofern relevant, da das vorliegende Konzept der Substituierbarkeitspotenziale nach Dengler/Matthes (2015, 2018, 2021) die technologischen Möglichkeiten zum jeweils aktuellen Zeitraum berücksichtigt und sich nicht auf Prognosen oder potenzielle zukünftige Lösungen bezieht, die großer Unsicherheit unterliegen würden. Außerdem werden Substituierbarkeitspotenziale nicht immer und auch nicht sofort realisiert, z. B. weil der Automatisierung ethische oder rechtliche Hürden entgegenstehen oder menschliche Arbeit wirtschaftlicher, flexibler oder sogar von besserer Qualität sein kann. Es muss auch berücksichtigt werden, dass die Beschäftigungsentwicklung von weiteren Faktoren wie Verschiebungen in der Wirtschaftsstruktur beeinflusst werden kann. Allerdings konnten Grienberger et al. (2020) zeigen, dass sich Substituierbarkeitspotenziale auch nach Berücksichtigung einer sich über die Zeit verändernden Arbeitsnachfrage als robuster Erklärungsfaktor für die Beschäftigungsentwicklung erweisen. Um Zusammenhänge zwischen dem Substituierbarkeitspotenzial und der Beschäftigungsentwicklung abbilden zu können, orientieren wir uns an Dengler et al. (2020) und betrachten den Zusammenhang zwischen der Beschäftigungsentwicklung und dem Substituierbarkeitspotenzial von Berufen. Gleichwohl weichen wir bei unserem Vorgehen etwas von Dengler et al. (2020) ab und teilen die gesamte Beschäftigungsentwicklung in die in Kapitel 3.2 dargestellten Kategorien von Berufen mit einem niedrigen (bis 30 %), mittleren (über 30 bis 70 %) und hohen Substituierbarkeitspotenzial (über 70 %) entsprechend der Einschätzung für das Jahr 2022 ein. Die Ergebnisse hierfür sind nachfolgend in Abbildung 7 für Berlin und Brandenburg dargestellt. Dabei ist zu beachten, dass diese Analyse keine kausale Interpretation zulässt. IAB-Regional Berlin-Brandenburg 1|2025 23 Abbildung 7: Beschäftigungsentwicklung nach der Höhe des Substituierbarkeitspotenzials (2022) Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, 2013–2023, jeweils 31. Dezember, Berlin und Brandenburg Hinweis: Das zugrunde gelegte Substituierbarkeitspotenzial bezieht sich auf das Jahr 2022. Quelle: Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB Beginnend mit Berlin auf der linken Seite der Abbildung 7 zeigt sich, dass die Zahl der Beschäftigten in Berufen mit einem hohen Substituierbarkeitspotenzial (bezogen auf das Jahr 2022) seit 2013 um 15,3 Prozent gewachsen ist. Diese Gruppe der Beschäftigten erzielte damit den geringsten Beschäftigungszuwachs in Berlin. Für Beschäftigte im mittleren Substituierbarkeitssegment, die die größte Gruppe darstellen, ist mit 44,5 Prozent ein deutlich höheres Wachstum zwischen 2013 und 2023 zu sehen. Dieses Wachstum ist von 2019 zu 2020 coronabedingt abgeflacht, seither jedoch weiter angestiegen. Die Gruppe der Beschäftigten in Berufen mit einem niedrigen Substituierbarkeitspotenzial erzielt mit 45,5 Prozent den stärksten Beschäftigungsaufbau in Berlin. Auch hier ist im Coronajahr 2020 ein Rückgang des Wachstums zu erkennen, dieser ist jedoch deutlich geringer als bei den Beschäftigten der mittleren Betroffenheitskategorie. Für Brandenburg ergibt sich in Bezug auf die Unterschiede beim Wachstum der verschiedenen Betroffenheitsgruppen ein vergleichbares Bild, wenn auch auf einem anderen Niveau. Demnach fällt die Gruppe der Beschäftigten in Berufen mit einem hohen Substituierbarkeitspotenzial in Relation betrachtet größer aus, was auf den stärker industriell geprägten Charakter der Brandenburger Wirtschaft gegenüber Berlin zurückzuführen ist. Es zeigt sich aber, dass auch in Brandenburg Beschäftigte in Berufen mit einem hohen Substituierbarkeitspotenzial das geringste Beschäftigungswachstum (+9,0 %) aufweisen. Das Beschäftigungswachstum in den Berufen mit niedrigem Substituierbarkeitspotenzial fällt auch hier am höchsten aus (+25,4 %). Beschäftigte in Berufen mit mittlerem Substituierbarkeitspotenzial haben zwischen 2013 und 2023 um 12,6 Prozent zugelegt. 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 Tausende Niedrig (bis 30%) Mittel (über 30 bis 70%) Hoch (über 70%) +48,3% +20,9% +8,8% 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 in Tausend Berlin +45,5% +44,5% +15,3% 0 50 100 150 200 250 300 350 400 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 in Tausend Brandenburg +25,4% +12,6% +9,0% IAB-Regional Berlin-Brandenburg 1|2025 24 4 Fazit Der vorliegende Bericht knüpft an die drei vorhergehenden Analysen zum Substituierbarkeitspotenzial der Berufe in Berlin und Brandenburg an (Bogai et al. 2017; Seibert/Jost/Wiethölter 2019; Jost/Seibert 2021). Im Vordergrund der Analyse steht die Entwicklung und das Ausmaß des Substituierbarkeitspotenzials im Jahr 2022. Besonders auffällig ist, dass von der Verfügbarkeit neuer digitaler Technologien, die zwischen 2020 und 2022 marktreif wurden, besonders Hochqualifizierte betroffen sind. Es zeigt sich, dass technische Lösungen zunehmend komplexere Tätigkeiten betreffen und sich nicht mehr, wie in der Vergangenheit, hauptsächlich auf Tätigkeiten mit einem hohen Routineanteil beschränken. Das Substituierbarkeitspotenzial in den Helfer*innenund Fachkraftberufen ist zwar nach wie vor am höchsten, neu ist aber, dass die Zuwachsraten in den Expert*innenberufen (u. a. durch generative Künstliche Intelligenz) nun am höchsten sind. Das Substituierbarkeitspotenzial stieg im Zeitraum 2019 bis 2022 umso stärker, je höher das Anforderungsniveau war. Die regionale Auswertung zeigt, dass obwohl Berlin und Brandenburg vergleichsweise niedrige Substituierbarkeitspotenziale im Vergleich zum Bund aufweisen, es dennoch Regionen gibt, in denen viele Beschäftigte in Berufen arbeiten, die eine hohe potenzielle Ersetzbarkeit aufweisen. Eine Auswertung der detaillierten Berufe für Berlin und Brandenburg zeigt, dass hiervon primär Beschäftigte in den Fertigungsund fertigungstechnischen Berufen, der Lagerwirtschaft, dem Handel sowie Büround Sekretariatsberufe betroffen sind. Es muss jedoch beachtet werden, dass Beschäftigte in Berufen mit hohem Substituierbarkeitspotenzial nicht automatisch ersetzt werden, sobald entsprechende Technologien vorliegen. Eine tatsächliche Substitution menschlicher Arbeit ist von vielen Faktoren, wie etwa juristischen, ethisch-moralischen Hürden und nicht zuletzt finanziellen Aspekten mit Blick auf Investitionskosten und Rentabilitätsaussichten abhängig. Vielmehr ist davon auszugehen, dass sich die Tätigkeiten in Berufen mit hohem Substituierbarkeitspotenzial schneller ändern werden als in Berufen mit niedrigem Substituierbarkeitspotenzial. Dies macht eine kontinuierliche Weiterbildung über die Erwerbsbiographie hinweg unabdingbar. Außerdem bleibt offen, ob Fachkräfteengpässe durch den Einsatz von KI und anderen neuen technologischen Entwicklungen gemildert werden können. Bisher gibt es kaum Berufe, die vollständig durch KI substituiert werden könnten. Ein Beispiel hierfür wäre Synchronsprecher*in, ein Beruf, der heute schon zu 100 Prozent durch KI ersetzt werden könnte (Grienberger/Matthes/Paulus 2024: 5). Wie Grienberger/Matthes/Paulus (2024) betonen, ist die Substitution von Tätigkeiten das Ergebnis von Aushandlungsprozessen und nicht durch Technologie vorgegeben. Neue Technologien werden den Menschen eher unterstützen als ihn zu ersetzen, was mit einer sich verändernden Berufsstruktur einher geht. Gezielte Weiterbildung und berufliche Neuorientierung werden daher zunehmend an Bedeutung gewinnen. IAB-Regional Berlin-Brandenburg 1|2025 31 Tabelle A 2: Beschäftigte nach Berufssegmenten und Regionen Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, 31. Dezember 2022, Deutschland, Berlin und Brandenburger Kreise, Anzahl und Anteile in Prozent Region Sv-Beschäftigte, Dezember 2022 Land-, Forstund Gartenbauberufe Fertigungsberufe Fertigungstechnische Berufe Bauund Ausbauberufe Lebensmittelund Gastgewerbeberufe Medizinische u. nicht-medizinische Gesundheitsberufe Soziale und kulturelle Dienstleistungsberufe Handelsberufe Berufe in Unternehmensführung und -organisation Unternehmensbezogene Dienstleistungsberufe ITund naturwissenschaftliche Dienstleistungsberufe Sicherheitsberufe Verkehrsund Logistikberufe Reinigungsberufe Berlin, Stadt 1.666.500 0,8 2,8 7,0 5,6 5,9 10,4 11,9 8,6 16,9 14,0 5,5 1,8 6,5 2,4 Land Brandenburg 878.000 2,7 5,5 10,3 7,8 4,8 12,1 10,1 9,0 10,6 8,2 2,4 1,2 12,7 2,6 Brandenburg an der Havel, Stadt 30.100 1,2 8,1 11,8 5,0 3,1 17,0 10,2 8,4 8,1 12,5 1,9 1,1 8,4 3,2 Cottbus, Stadt 48.300 0,8 3,1 9,1 5,6 3,3 14,7 12,2 8,5 11,9 14,5 2,4 2,1 9,0 2,9 Frankfurt (Oder), Stadt 28.300 1,1 2,2 6,0 6,8 5,1 13,8 12,3 6,4 10,9 17,6 1,9 1,8 10,3 3,8 Potsdam, Stadt 87.600 1,6 1,9 4,2 4,5 5,3 11,7 15,5 7,5 16,0 16,2 5,2 2,0 6,1 2,3 Barnim 52.600 2,4 5,5 7,3 9,0 5,8 16,4 11,5 10,7 10,1 6,3 1,4 0,9 10,0 2,7 Dahme-Spreewald 64.200 2,4 4,6 9,6 7,9 6,2 10,0 7,6 10,6 9,2 6,2 2,1 1,7 19,7 2,2 Elbe-Elster 32.100 4,5 9,3 11,0 8,8 4,5 13,1 8,0 9,9 9,7 6,1 1,4 1,5 9,9 2,5 Havelland 46.300 3,4 5,8 9,0 7,5 4,1 10,6 9,7 10,8 11,6 4,4 1,9 0,5 18,8 1,7 Märkisch-Oderland 53.500 3,5 4,3 8,3 9,8 4,0 12,7 10,8 9,7 10,2 6,4 1,6 1,3 14,8 2,6 Oberhavel 60.200 2,0 5,6 11,0 8,6 3,8 12,3 10,3 9,4 12,1 5,1 3,0 0,8 13,0 2,9 Oberspreewald-Lausitz 39.300 2,3 6,9 12,3 9,6 4,6 10,1 9,5 8,4 9,0 6,5 3,2 1,1 12,6 3,8 Oder-Spree 65.400 2,2 8,5 19,8 8,2 3,9 12,0 9,2 8,0 9,1 4,5 1,3 1,0 10,6 1,8 Ostprignitz-Ruppin 35.400 5,4 7,2 8,2 7,8 6,5 15,7 11,5 8,8 8,0 8,2 1,1 0,9 7,8 3,0 Potsdam-Mittelmark 63.600 4,0 4,3 8,8 9,1 5,8 10,3 9,1 9,0 10,1 8,1 2,9 1,1 14,7 2,7 Prignitz 27.000 4,0 7,3 10,6 7,9 7,3 13,8 10,1 8,3 8,9 7,0 1,6 0,9 9,1 3,3 Spree-Neiße 35.500 2,9 9,5 14,4 11,7 5,4 10,8 7,3 9,1 8,2 5,2 1,8 1,1 9,6 2,8 Teltow-Fläming 69.400 2,3 5,7 14,7 6,1 3,7 6,8 6,3 9,0 11,1 5,2 1,8 0,9 24,0 2,5 Uckermark 39.100 4,7 5,7 10,0 9,2 4,5 14,4 9,8 8,4 8,2 8,2 3,2 1,2 10,3 2,3 Deutschland 34.526.900 1,4 6,6 11,8 6,1 4,7 11,0 8,8 9,3 12,9 9,5 4,5 1,1 9,8 2,5 Hinweis: Die Spalte „Sv-Beschäftigte Dezember 2022“ enthält nur Beschäftigte mit gültigen Berufsangaben. Damit ergeben sich geringfügige Abweichungen zur Gesamtzahl der Sv-Beschäftigten in Berlin und Brandenburg. Diese beträgt inklusive fehlender Berufsangaben im Dezember 2022 in Berlin 1.672.000, in Brandenburg 883.700 und deutschlandweit 34.705.200 (jeweils gerundet auf 100). Quelle: Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit IAB; eigene Berechnungen. © IAB IAB-Regional Berlin-Brandenburg 1|2025 32 Tabelle A 3: Top 10 Expert*innenberufe in Berlin und Brandenburg Sozialversicherungspflichtig (Sv) Beschäftigte, 31. Dezember 2022, Berlin und Brandenburg, Anzahl und Anteile in Prozent Berufsgattung (Klassifizierung der Berufe 2010) Sv-Beschäftigte Dezember 2022 Anteil an allen Experten in Prozent Berlin 43414 Softwareentwicklung - Experte 22.900 6,5 84304 Hochschullehre und -forschung - Experte 20.500 5,8 71104 Geschäftsführer und Vorstände - Experte 18.500 5,2 83124 Sozialarbeit, Sozialpädagogik - Experte 17.300 4,9 84124 Lehrkräfte in der Sekundarstufe - Experte 16.300 4,6 71324 Unternehmensberatung - Experte 13.300 3,8 71394 Führung - Unternehmensorganisation, -strategie 11.000 3,1 81404 Ärzte/Ärztinnen (o.S.) - Experte 9.800 2,8 31114 Architektur - Experte 8.800 2,5 27104 Techn. Forschung, Entwicklung (o.S.) - Experte 8.600 2,4 Brandenburg 83124 Sozialarbeit, Sozialpädagogik - Experte 7.400 7,6 84304 Hochschullehre und -forschung - Experte 7.000 7,1 71104 Geschäftsführer und Vorstände - Experte 5.900 6,0 71394 Führung - Unternehmensorganisation, -strategie 4.800 4,9 81404 Ärzte/Ärztinnen (o.S.) - Experte 3.400 3,4 84114 Lehrkräfte in der Primarstufe - Experte 3.300 3,3 84124 Lehrkräfte in der Sekundarstufe - Experte 3.100 3,2 62194 Führung - Verkauf 2.500 2,6 71524 Personaldienstleistung - Experte 2.100 2,1 27104 Techn. Forschung, Entwicklung (o.S.) - Experte 2.000 2,0 Hinweis: Die Spalte „Sv-Beschäftigte Dezember 2022“ enthält alle Beschäftigten, auch solche, zu denen keine Informationen zur ausgeübten Tätigkeit bzw. zum Substituierbarkeitspotenzial vorliegen. Sv-Beschäftigte gerundet auf 100. Quelle: Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit IAB; eigene Berechnungen. © IAB IAB-Regional Berlin-Brandenburg 1|2025 33 Tabelle A 4: Top 10 ITund naturwissenschaftliche Dienstleistungsberufe in Berlin und Brandenburg Sozialversicherungspflichtig (Sv) Beschäftigte, 31. Dezember 2022, Berlin und Brandenburg, Anzahl und Anteile in Prozent Berufsgattung (Klassifizierung der Berufe 2010) Sv-Beschäftigte Dezember 2022 Anteil an allen Beschäftigten im Berufssegment der ITund naturwiss. Dienstleistungsberufe in Prozent Berlin 43414 Softwareentwicklung - Experte 22.900 25,0 43224 IT-Anwendungsberatung - Experte 6.700 7,3 43343 IT-Systemadministration - Spezialist 6.000 6,6 43102 Informatik (o.S.) - Fachkraft 5.800 6,3 43223 IT-Anwendungsberatung - Spezialist 3.700 4,0 43103 Informatik (o.S.) - Spezialist 3.100 3,4 43104 Informatik (o.S.) - Experte 2.600 2,9 41322 Chemisch-techn. Laboratorium - Fachkraft 2.500 2,8 43153 Medieninformatik - Spezialist 2.500 2,7 43413 Softwareentwicklung - Spezialist 2.400 2,6 Brandenburg 41312 Chemieund Pharmatechnik - Fachkraft 2.100 10,0 43343 IT-Systemadministration - Spezialist 1.900 9,2 43414 Softwareentwicklung - Experte 1.800 8,8 41322 Chemisch-techn. Laboratorium - Fachkraft 1.300 6,3 43102 Informatik (o.S.) - Fachkraft 1.200 6,0 41311 Chemieund Pharmatechnik - Helfer 900 4,4 43224 IT-Anwendungsberatung - Experte 700 3,5 43103 Informatik (o.S.) - Spezialist 700 3,3 41212 Biologisch-techn. Laboratorium - Fachkraft 700 3,3 42124 Geologie - Experte 600 2,8 Hinweis: Die Spalte „Sv-Beschäftigte Dezember 2022“ enthält alle Beschäftigten, auch solche, zu denen keine Informationen zur ausgeübten Tätigkeit bzw. zum Substituierbarkeitspotenzial vorliegen. Sv-Beschäftigte gerundet auf 100. Quelle: Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit IAB; eigene Berechnungen. © IAB IAB-Regional Berlin-Brandenburg 1|2025 34 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Substituierbarkeitspotenzial nach Anforderungsniveau in Deutschland ..................... 9 Abbildung 2: Substituierbarkeitspotenzial nach Berufssegmenten in Deutschland ........................ 10 Abbildung 3: Betroffenheit der Beschäftigten vom Substituierbarkeitspotenzial der Berufe ......... 11 Abbildung 4: Substituierbarkeitspotenzial nach Anforderungsniveau in Berlin und Brandenburg .................................................................................................................. 13 Abbildung 5: Substituierbarkeitspotenzial nach Berufssegmenten in Berlin und Brandenburg ..... 14 Abbildung 6: Regionale Betroffenheit der Beschäftigten vom Substituierbarkeitspotenzial der Berufe ............................................................................................................................. 19 Abbildung 7: Beschäftigungsentwicklung nach der Höhe des Substituierbarkeitspotenzials (2022) ............................................................................................................................. 23 Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Betroffenheit der Beschäftigten vom Substituierbarkeitspotenzial der Berufe ......... 15 Tabelle 2: Top 10 Berufe mit hohem Substituierbarkeitspotenzial .............................................. 16 Tabelle 3: Top 10 Berufe mit niedrigem Substituierbarkeitspotenzial ........................................ 18 Tabelle 4: Substituierbarkeitspotenzial und Beschäftigte nach Geschlecht ............................... 21 Anhang Tabelle A 1: Beschäftigte nach Berufssegmenten und Anforderungsniveau .................................. 30 Tabelle A 2: Beschäftigte nach Berufssegmenten und Regionen .................................................... 31 Tabelle A 3: Top 10 Expert*innenberufe in Berlin und Brandenburg .............................................. 32 Tabelle A 4: Top 10 ITund naturwissenschaftliche Dienstleistungsberufe in Berlin und Brandenburg .................................................................................................................. 33 IAB-Regional Berlin-Brandenburg 1|2025 35 In der Reihe IAB-Regional Berlin-Brandenburg zuletzt erschienen Nummer Autoren Titel 01/2024 Holger Seibert Entwicklung am Ausbildungsmarkt Berlin-Brandenburg 01/2023 Britta Lüdeke, Holger Seibert, Doris Wiethölter Beschäftigungsdynamik, Branchenwechsel und Fachkräftebedarf im Gastgewerbe in Berlin und Brandenburg 02/2022 Britta Lüdeke, Holger Seibert, Doris Wiethölter Beschäftigungsverläufe und Branchenwechsel im Gastgewerbe vor und in der Corona-Krise in Berlin 01/2022 Jeanette Carstensen, Maximilian Thalheim, Doris Wiethölter Die Gesundheitswirtschaft in Berlin und Brandenburg: Eine Betrachtung des Arbeitsmarktes 03/2021 Oskar Jost, Holger Seibert Potenzielle Auswirkungen der fortschreitenden Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt in Berlin und Brandenburg Eine vollständige Liste aller Veröffentlichungen der Reihe „IAB-Regional Berlin-Brandenburg“ finden Sie unter: https://iab.de/publikationen/iab-publikationsreihen/iab-regional/iab-regional-berlinbrandenburg/ Eine vollständige Liste aller Veröffentlichungen der Reihe „IAB-Regional“ finden Sie unter: https://iab.de/publikationen/iab-publikationsreihen/iab-regional/ Impressum IAB-Regional  IAB Berlin-Brandenburg 1|2025 Veröffentlichungsdatum 19. März 2025 Herausgeber Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit Regensburger Straße 104 90478 Nürnberg Nutzungsrechte Diese Publikation ist unter folgender Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht: Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de Bezugsmöglichkeit https://doku.iab.de/regional/BB/2025/regional_bb_0125.pdf Website https:/iab.de ISSN 1861-1567 DOI 10.48720/IAB.REBB.2501 Rückfragen zum Inhalt Sarah Kuhn Telefon 030 555599-5916 E-Mail [email protected] Holger Seibert Telefon 030 555599-5914 E-Mail [email protected]