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Die duale Berufsausbildung im Handwerk: Immer mehr junge Menschen bleiben ihrem erlernten Beruf treu

Hell, Stefan,Roth, Duncan,Seibert, Holger,Wydra-Somaggio, Gabriele

Abstract

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Full text

Hell, Stefan; Roth, Duncan; Seibert, Holger; Wydra-Somaggio, Gabriele Research Report Die duale Berufsausbildung im Handwerk: Immer mehr junge Menschen bleiben ihrem erlernten Beruf treu IAB-Kurzbericht, No. 18/2024 Provided in Cooperation with: Institute for Employment Research (IAB) Suggested Citation: Hell, Stefan; Roth, Duncan; Seibert, Holger; Wydra-Somaggio, Gabriele (2024) : Die duale Berufsausbildung im Handwerk: Immer mehr junge Menschen bleiben ihrem erlernten Beruf treu, IAB-Kurzbericht, No. 18/2024, Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung (IAB), Nürnberg, https://doi.org/10.48720/IAB.KB.2418 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/302912 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. 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Der Übergang von Ausbildung in Beschäft igung ist während der Covid-19-Pandemie somit nicht mit längeren Unterbrechungen in Form von Arbeitslosigkeit einhergegangen. ●Gleichzeitig verbleiben die Absolvent*innen der Abschluss kohorte 2020 häufiger und länger in ihrem Ausbildungsbetrieb und -beruf, als dies bei den beiden früheren Kohorten der Fall war. ●Absolven*tinnen, die zwölf Monate nach ihrer Ausbildung weiter in einem Handwerksberuf arbeiten, weisen häufiger bessere Abschlussnoten auf als diejenigen, die anschließend nicht mehr in einem Handwerksberuf tätig sind. 18 | 2024 Vielen Betrieben in Deutschland fällt es aktuell schwer, ihren Fachkräftebedarf zu decken. Zur Sicherung dieser Bedarfe spielt die duale Berufsausbildung eine zentrale Rolle. Doch selbst wenn ein Betrieb ausbildet, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass die Absolvent*innen in ihrem Ausbildungsbetrieb oder -beruf verbleiben. Dieser Kurzbericht widmet sich der Entwicklung der Ausbildung im Handwerk sowie der Betriebsund Berufstreue von Absolvent*innen in diesem Bereich. Der Fachkräftemangel wird in Deutschland immer spürbarer – und er wird sich aufgrund des Eintritts der BabyboomerGeneration in den Ruhestand wie auch der niedrigen Geburtenraten in absehbarerer Zeit weiter verstärken (Fitzenberger 2023). Neben der Zuwanderung nach Deutschland (Gerber/Winters 2024) stellt die betriebliche Berufsausbildung eine zentrale Strategie zur Bewältigung des Fachkräftemangels dar, deren konkrete Umsetzung die Unternehmen in Deutschland weitgehend selbst gestalten können. Ausbildung trägt jedoch nur dann zur Deckung des Fachkräftebedarfs im ausbildenden Betrieb bei, wenn die Absolvent*innen anschließend weiterhin im Ausbildungsbetrieb arbeiten. Dies ist nicht gesichert, da sich zum einen der Ausbildungsbetrieb gegen eine Übernahme entscheiden kann und zum anderen die Absolvent*innnen ein Übernahmeangebot nicht immer annehmen, beispielsweise wenn andere Betriebe ein attraktives Angebot unterbreiten. Verlässt eine ausgebildete Person den Ausbildungsbetrieb und wechselt in eiDie duale Berufsausbildung im Handwerk Immer mehr junge Menschen bleiben ihrem erlernten Beruf treu von Stefan Hell, Duncan Roth, Holger Seibert und Gabriele Wydra-Somaggio nen anderen Betrieb, muss dies allerdings nicht bedeuten, dass sie ihren Ausbildungsberuf oder den Wirtschaftsbereich verlässt. Im Handwerk ist der Fachkräftemangel besonders auf Fachkraftebene mit einer Berufsausbildung stark ausgeprägt (Schirner et al. 2021). Handwerksberufe mit besonders hohen Fachkräfteengpässen finden sich den Angaben der Bundesagentur für Arbeit zufolge (BA 2024) etwa im Bereich der Tiefbauberufe, im Bereich Sanitär, Heizung und Klimatechnik oder bei den Berufen in der Fleischverarbeitung. Zugleich ist das Handwerk durch eine außerordentlich starke Ausbildungsleistung gekennzeichnet (Böhme et al. 2023). Der Anteil der Auszubildenden im Handwerk ist mehr als doppelt so hoch wie in der Gesamtwirtschaft. Im Folgenden wird die Entwicklung der dualen Ausbildung im Handwerk analysiert. Hierfür nutzen wir einen neuen Datensatz, der Informationen zur Gesamtheit aller Auszubildenden aus ausgewählten Handwerkskammern umfasst und diese mit administrativen Daten zur Beschäftigung verbindet (vgl. Infobox 1). Konkret gehen wir vier Fragestellungen nach: ●Wie viele Personen werden im Handwerk ausgebildet und wie hat sich die Zusammensetzung dieser Personen im Zeitverlauf verändert? ●Wie verläuft der Übergang von der Ausbildung in Beschäftigung? ●Wie häufig verbleiben Absolvent*innen in ihrem Ausbildungsbetrieb und Ausbildungsberuf beziehungsweise in einem Handwerksberuf? ●Welche Absolvent*innen verlassen das Handwerk und wo gehen sie hin? Die Zahl der Ausbildungsabsolvent*innen im Handwerk ist rückläufig Immer weniger junge Menschen haben in den zurückliegenden Jahren eine Ausbildung in den hier betrachteten 13 Handwerkskammerbezirken abgeschlossen (vgl. Abbildung A1). Lag die Zahl der Absolvent*innen im Jahr 2014 bei etwa 34.800, waren es im Jahr 2020 noch rund 31.500, was einem Rückgang um etwa 10 Prozent entspricht. Während die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungen zwischen 2014 und 2018 durchgehend rück läufig war, ist sie bis 2020 wieder gestiegen. 1) Ausbildungsabsolvent*innen der Betriebe, die den folgenden 13 ausgewählten Handwerkskammerbezirken zugehören: Berlin, Dresden, Düsseldorf, Hannover, Koblenz, Mittelfranken, München/Oberbayern, Münster, Niederbayern/Oberpfalz, Oberfranken, Oldenburg, Unterfranken und Schwaben. Quelle: Ausbildungspanel Handwerk, eigene Berechnungen. © IAB Anzahl und Entwicklung der jährlichen Ausbildungsabsolvent*innen im Handwerk1) Abschlusskohorten 2014 bis 2020 A1 34.800 33.700 32.200 31.600 31.100 31.300 31.500 100 97 92 91 89 90 90 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 Ausbildungsabsolvent*innen Entwicklung (Index: 2014=100) Das Ausbildungspanel Handwerk Die Auswertungen basieren auf dem Ausbildungspanel Handwerk. Dieser einmalige Datensatz kombiniert Informationen aus verschiedenen Handwerkskammern mit Informationen der Integrierten Erwerbsbiografien (IEB) des IAB. Das Panel umfasst aktuell den Zeitraum zwischen 2004 und 2020. Es enthält Informationen zu ungefähr einer Million Personen, die in diesem Zeitraum ihre Ausbildung begonnen haben. Ein Vorteil des Datensatzes ist, dass sich erstmalig alle Personen identifizieren lassen, die eine Ausbildung in einem den Handwerkskammern zugehörigen Betrieb erfolgreich abgeschlossen haben, und sich ihre Erwerbsverläufe anschließend weiterverfolgen lassen. Zudem liegen detaillierte Informationen zur Ausbildung selbst sowie zum Ausbildungsverlauf vor. So sind in den Kammerdaten der vertragliche Ausbildungsbeginn, das vertragliche und das tatsächliche Ausbildungsende (Prüfungstag), das Datum einer vorzeitigen Vertragslösung, der Ausbildungsberuf, der Prüfungserfolg sowie die Anzahl der Prüfungsversuche und der Schulabschluss erfasst. Schließlich beinhalten die Kammerdaten auch die Art der Ausbildung (geförderte gegenüber nicht geförderter Ausbildung oder Umschulung). Aus den IEB werden diese Informationen um tagesgenaue Angaben zum weiteren Erwerbsverlauf ergänzt, wie Zeiten von Beschäftigung und Arbeitslosigkeit sowie Teilnahmen an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik. Darüber hinaus sind unter anderem Informationen zum Entgelt und ausgeübten Beruf vorhanden. Ergänzt werden die beiden Datenquellen um betriebliche Merkmale aus dem IAB-Betriebshistorikpanel, etwa die Größe des Ausbildungsbetriebs und des aktuellen Beschäftigungsbetriebs. Für unsere Untersuchung betrachten wir alle Personen, die zwischen 2014 und 2020 eine Ausbildung in einem Betrieb erfolgreich abgeschlossen haben, der einer der folgenden 13 von insgesamt 53 Handwerkskammern in Deutschland angehört: Berlin, Dresden, Düsseldorf, Hannover, Koblenz, Mittelfranken, München/Oberbayern, Münster, Niederbayern/Oberpfalz, Oberfranken, Oldenburg, Unterfranken und Schwaben. Die Abschlüsse sind jeweils zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember eines Jahres erfolgt. 5 Prozent aller Absolvent*innen, die im Ausbildungspanel Handwerk erfasst sind, schließen zwei oder mehrere Ausbildungen erfolgreich ab. In unserer Analyse verwenden wir die Information zur letzten bestandenen Prüfung. Zur Darstellung der zeitlichen Entwicklungen vergleichen wir insbesondere die Absolvent*innen der Jahrgänge 2014, 2017 und 2020. Durch Berücksichtigung der Abschlusskohorte 2020 lässt sich zudem feststellen, ob es zu Beginn der Covid-19-Pandemie zu Veränderungen im Ausbildungsgeschehen im Handwerk gekommen ist. 1 2IAB-Kurzbericht 18|2024 Etwa 50 Prozent aller Ausbildungen im Handwerk entfallen auf fünf Berufsgruppen Tabelle T2 (auf Seite 4) stellt für alle Absolvent*innen die zehn der insgesamt 144 Berufsgruppen (auf der Ebene der Klassifikation der Berufe 2010) dar, die im Zeitraum von 2014 bis 2020 in den hier betrachteten Handwerksbetrieben am häufigsten erlernt wurden. Knapp drei Viertel aller abgeschlossenen Ausbildungen entfallen auf diese Top-10-Berufsgruppen, wobei die fünf am stärksten vertretenen Berufe etwa die Hälfte aller Abschlüsse ausmachen. Es dominieren die Bereiche Fahrzeug-, Luft-, Raumfahrtund Schiffbautechnik (19 %), gefolgt Vergleicht man die Entwicklung im Handwerk mit der in der Berufsausbildung insgesamt, die Leber et al. (2023) auf Basis des IAB-Betriebs panels nachzeichnen, zeigt sich zunächst ein ähnlicher Verlauf: Rückgänge in der Zahl der Ab schlüsse, gefolgt von einem vorübergehenden Anstieg. Deutlich wird jedoch auch, dass die Rückgänge im Handwerk höher ausfallen, die vorüber gehende Erholung dagegen schwächer. Sank beispielsweise die Zahl der Abschlüsse im Handwerk zwischen 2014 und 2017 um etwa 9 Prozent (vgl. Abbildung A1), betrug der Rückgang in der Berufsausbildung insgesamt im gleichen Zeitraum etwa 4 Prozent (Leber et al. 2023). Ein Blick auf die Zusammensetzung der Ausbildungsabsolvent*innen im Handwerk (vgl. Tabelle T1) zeigt, dass es sich größtenteils um Männer handelt, deren Anteil zwischen 2014 und 2020 auf knapp 79 Prozent gestiegen ist. Mit einem Anteil von über 90 Prozent besitzen zudem die meisten Absolvent*innen die deutsche Staatsbürgerschaft. Dieser Anteil verringerte sich zwischen 2017 und 2020. Das dürfte mit einer gesteigerten Ausbildungsaufnahme durch geflüchtete Personen in Verbindung stehen (Brücker et al. 2023). Deren Anteil ist im selben Zeitraum von 0,5 auf 3 Prozent angewachsen, was zu ihrer Integra tion in den Arbeitsmarkt und hier in das Handwerk beiträgt. Gleichzeitig zeigt sich seit 2014 eine stetige Veränderung in Richtung eines höheren schulischen Abschlusses. So ist der Anteil der Absolvent*innen mit Hauptschulabschluss zwischen 2014 und 2020 um etwa 12 Prozentpunkte gesunken. Demgegenüber stehen etwa gleichgroße Zuwächse bei Personen mit mittlerer Reife und mit Abitur. Zugleich ist im Vergleich der Kohorten zwischen 2014 und 2020 eine kontinuierliche Verbesserung der Abschlussnoten in der Berufsausbildung zu erkennen. Bei den ausbildenden Betrieben sind dagegen im Zeitverlauf nur kleinere Veränderungen zu verzeichnen: Weiterhin wurde etwa die Hälfte aller Absolvent*innen in sehr kleinen Betrieben (bis 9 Beschäftigte) ausgebildet, ein Viertel in Betrieben mit 10 bis 49 Beschäftigten und ein weiteres Viertel in größeren Betrieben mit 50 oder mehr Beschäftigten. 1) Ausbildungsabsolvent*innen der Betriebe, die den folgenden 13 ausgewählten Handwerkskammerbezirken zugehören: Berlin, Dresden, Düsseldorf, Hannover, Koblenz, Mittelfranken, München/Oberbayern, Münster, Niederbayern/Oberpfalz, Oberfranken, Oldenburg, Unterfranken und Schwaben. 2) Die Top-8-Asylherkunftsländer sind: Eritrea, Nigeria, Somalia, Afghanistan, Irak, Iran, Pakistan und Syrien. Abweichungen zu hundert Prozent aufgrund von Rundungen. Quelle: Ausbildungspanel Handwerk, eigene Berechnungen. © IAB Merkmale zur Person und zum Ausbildungsbetrieb der Ausbildungsabsolvent*innen im Handwerk1) Abschlusskohorten 2014, 2017 und 2020, Anteile in % T1 Abschlusskohorte 2014 2017 2020 Geschlecht Männer 75,5 76,8 78,7 Frauen 24,5 23,2 21,3 Nationalität Deutschland 94,4 94,1 90,8 Türkei 1,9 1,7 1,3 Top-8-Asylherkunftsländer2) 0,2 0,5 3,0 Sonstige 3,4 3,7 4,9 Schulabschluss Ohne Abschluss 1,8 1,7 2,0 Hauptschulabschluss 47,2 42,0 35,2 Mittlere Reife 38,2 41,0 43,0 Abitur 10,2 13,5 16,4 Sonstiger Abschluss 2,7 1,8 3,4 Abschlussnote der Ausbildung Sehr gut 0,9 1,2 1,3 Gut 13,5 15,5 16,8 Befriedigend 43,4 42,3 42,6 Ausreichend 42,2 41,1 39,3 Größe des Ausbildungsbetriebs Bis 9 Beschäftigte 51,7 50,3 49,4 10 bis 49 Beschäftigte 24,9 26,0 26,6 50 bis 249 Beschäftigte 13,0 13,2 13,4 250 und mehr Beschäftigte 10,5 10,5 10,6 Art des Ausbildungsberufs Kein Handwerksberuf gemäß Handwerksordnung 15,1 14,0 12,5 Handwerksberuf gemäß Handwerksordnung 84,9 86,0 87,5 3IAB-Kurzbericht 18|2024 von Klempnerei, Sanitär, Heizung und Klimatechnik (9 %), Energietechnik (rund 9 %) sowie Holzbeund -verarbeitung (7 %). Der Bereich Körperpflege folgt an fünfter Stelle (rund 6 %). Dabei hat sich die Rangfolge der Ausbildungsberufe über die Abschlusskohorten hinweg nicht verändert. Die berufsspezifischen Frauenanteile veranschaulichen, dass in den meisten Handwerksberufen eine starke Geschlechtersegregation vorherrscht. 88 Prozent der Absolvent*innen, die einen Ausbildungsberuf in der Körperpflege (beispielsweise Friseurberuf) abschließen, sind Frauen. Diese Berufsgruppe ist damit einer der wenigen Handwerksbereiche, der von Frauen dominiert wird. Darüber hinaus zeigt sich, dass Handwerksbetriebe auch in Berufen ausbilden, bei denen es sich, wie bei den Verkaufsberufen, nicht um klassische Handwerksberufe handelt. Zunehmend mehr Absolvent*innen sind direkt nach Beendigung der Ausbildung sozialversicherungspflichtig beschäftigt Den Übergang aus der Ausbildung in den Arbeitsmarkt stellen wir in Abbildung A2 als Anteile von Absolvent*innen nach Arbeitsmarkt status zu zwei Zeitpunkten dar. Es zeigt sich, dass die Aufnahme einer sozialversicherungspflich tigen Beschäftigung im Anschluss an die Ausbildung immer häufiger gelingt: Lag der Anteil der Personen, die 2014 einen Monat nach Ausbildungsende sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren, bei rund 70 Prozent, ist dieser für die Absolvent*innen des Jahres 2020 auf 77 Prozent gestiegen. Dem Anstieg im Anteil der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung steht primär ein Rückgang des Anteils der arbeitslosen Absolvent*innen gegenüber: Er sank von knapp 19 Prozent im Jahr 2014 auf rund 14 Prozent im Jahr 2020. Im weiteren Erwerbsverlauf finden sich wieder Unter schiede zwischen den drei Abschlusskohorten, doch sind diese vor allem zwischen den Abschlusskohorten 2017 und 2020 weniger stark ausgeprägt als direkt nach Ausbildungsende. So übten zwölf Monate nach Ausbildungsende 79 beziehungsweise 78 Prozent der Absolvent*innen der Abschlusskohorten 2017 und 2020 eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aus, während der entsprechende Anteil für die Abschlussko horte 1) Ausbildungsabsolvent*innen der Betriebe, die den folgenden 13 ausgewählten Handwerkskammerbezirken zugehören: Berlin, Dresden, Düsseldorf, Hannover, Koblenz, Mittelfranken, München/Oberbayern, Münster, Niederbayern/Oberpfalz, Oberfranken, Oldenburg, Unterfranken und Schwaben. 2) Handwerksberuf gemäß Handwerksordnung. Quelle: Ausbildungspanel Handwerk, eigene Berechnungen. © IAB Die zehn Ausbildungsberufsgruppen der am häufigsten erlernten Berufe der Ausbildungsabsolvent*innen im Handwerk1) Abschlusskohorten 2014 bis 2020, Anteile in % T2 Kennziffer nach KldB 2010 Top-10-Ausbildungsberufsgruppen Anteil aller Absolvent*innen Anteil der Frauen Handwerksberuf2) 252 Fahrzeug-, Luft-, Raumfahrtund Schiffbautechnik 19,2 3,1 ja 342 Klempnerei, Sanitär, Heizung und Klimatechnik 9,0 1,3 ja 262 Energietechnik 8,8 2,0 ja 223 Holzbeund -verarbeitung 7,0 12,3 ja 823 Körperpflege 5,9 88,3 ja 321 Hochbau 5,0 1,2 ja 623 Verkauf von Lebensmitteln 4,9 87,1 nein 244 Metallbau und Schweißtechnik 4,7 1,7 ja 825 Medizin-, Orthopädieund Rehatechnik 4,5 65,0 ja 332 Maler, Stuckateurarbeiten, Bauwerksabdichtungen, Bautenschutz 4,2 16,0 ja Summe 73,2 1) Ausbildungsabsolvent*innen der Betriebe, die den folgenden 13 ausgewählten Handwerkskammerbezirken zugehören: Berlin, Dresden, Düsseldorf, Hannover, Koblenz, Mittelfranken, München/Oberbayern, Münster, Niederbayern/Oberpfalz, Oberfranken, Oldenburg, Unterfranken und Schwaben. Quelle: Ausbildungspanel Handwerk, eigene Berechnungen. © IAB Entwicklung des Arbeitsmarktstatus der Ausbildungsabsolvent*innen im Handwerk1) einen Monat und zwölf Monate nach Ausbildungsende Abschlusskohorten 2014, 2017 und 2020, Anteile in % 70,2 18,8 6,1 74,7 14,9 5,8 77,0 13,5 5,0 75,8 6,2 11,5 79,0 3,8 11,0 78,2 4,7 12,0 A2 ohne Information in Arbeitslosigkeit in Maßnahme in Ausbildung in geringfügiger Beschäftigung in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung 2014 2017 2020 2014 2017 2020 1. Monat 12. Monat 4IAB-Kurzbericht 18|2024 2014 bei rund 76 Prozent lag. Beim niedrigeren Beschäftigungsanteil des Jahrgangs 2020 gegenüber dem Jahrgang 2017 handelt es sich womöglich um eine Folge der Covid-19-Pandemie. Die zu konstatierende Verbesserung beim Übergang der Absolvent*innen des Handwerks in sozial versicherungspflichtige Beschäftigung dürfte mit der positiven Entwicklung des Arbeitsmarkts in den Jahren vor Pandemiebeginn zusammenhängen, als eine Vielzahl neuer Stellen geschaffen wurde (zur Entwicklung der offenen Stellen siehe Bossler et al. 2020). Auffällig ist, dass mit Beginn der Covid-19-Pandemie die günstige Entwicklung der Übergänge in Beschäftigung kaum gebremst wurde. Dies dürfte auch mit dem zunehmenden Fachkräfte mangel im Handwerk zusammenhängen (Malin/Köppen 2023), der zu mehr Beschäftigungsmöglichkeiten für Ausbildungsabsolvent*innen geführt hat. Absolvent*innen verbleiben immer häufiger in ihrem Ausbildungsbetrieb und im Ausbildungsberuf Für viele Betriebe stellt die Ausbildung einen wichtigen Weg dar, um den zukünftigen Fachkräftebedarf zu decken. Von daher ist es im betrieblichen Interesse, Absolvent*innen zu übernehmen und langfristig im Betrieb zu halten. Um die Entwicklung der Beschäftigung von Ausbildungsabsolvent*innen im Ausbildungsbetrieb zu untersuchen, berechnen wir für die Jahrgänge 2014, 2017 und 2020 den Anteil aller Absolvent*innen, die einen Monat beziehungsweise zwölf Monate nach Ausbildungsabschluss noch in ihrem Ausbildungsbetrieb beschäftigt sind. Abbildung A3 zeigt, dass dieser Anteil im Zeitverlauf gestiegen ist: Arbeiteten im ersten Monat nach Ausbildungsabschluss etwa 78 Prozent der Absolvent*innen der Jahrgänge 2014 und 2017 in ihrem Ausbildungsbetrieb, stieg dieser Anteil für den Jahrgang 2020 auf knapp 81 Prozent. Aufgrund von Betriebswechseln im Verlauf der Erwerbsbiografien, fallen diese Anteile nach zwölf Monaten in jedem Jahrgang niedriger aus. Mit 58 Prozent bleibt der Anteil der im Ausbildungsbetrieb beschäftigten Absolvent*innen 2020 jedoch weiterhin höher als bei den Jahrgängen 2014 und 2017. Die im Handwerk höhere Beschäftigung im Ausbildungsbetrieb während der Covid-19-Pandemie ist bedeutsam, da sich ein ähnliches Ergebnis für den Ausbildungsmarkt als Ganzes nicht findet. Beispielsweise zeigen Dummert und Umkehrer (2022) anhand von Daten des IAB-Betriebspanels, dass die Übernahmequote im Durchschnitt über alle Betriebe zwischen 2019 und 2020 gesunken ist. Leber et al. (2023) haben ebenfalls auf Grundlage des IAB-Betriebspanels festgestellt, dass die 1) Ausbildungsabsolvent*innen der Betriebe, die den folgenden 13 ausgewählten Handwerkskammerbezirken zugehören: Berlin, Dresden, Düsseldorf, Hannover, Koblenz, Mittelfranken, München/Oberbayern, Münster, Niederbayern/Oberpfalz, Oberfranken, Oldenburg, Unterfranken und Schwaben. Quelle: Ausbildungspanel Handwerk, eigene Berechnungen. © IAB Beschäftigung der Ausbildungsabsolvent*innen im Handwerk1) einen Monat und zwölf Monate nach Ausbildungsende Abschlusskohorten 2014, 2017 und 2020, Anteile an allen jeweils beschäftigten Absolvent*innen in % 78,0 52,4 85,5 75,4 93,9 86,1 77,5 53,9 85,6 75,3 94,0 86,7 80,6 58,2 87,2 78,5 94,7 88,4 1. Monat 12. Monat 1. Monat 12. Monat 1. Monat 12. Monat Verbleib im Ausbildungsbetrieb Verbleib im Ausbildungsberuf Verbleib in einem Handwerksberuf gemäß Handwerksordnung 2014 2017 2020 A3 5IAB-Kurzbericht 18|2024 Übernahme quote im Jahr 2020 unter dem Wert der Jahre 2019 und 2017 liegt. Vorstellbar ist, dass Betriebe, die normalerweise Absolvent*innen von Handwerksbetrieben abgeworben hätten, während der Pandemie weniger Arbeit nachgefragt oder Stellen mit weniger attraktiven Konditionen angeboten haben. Somit könnte sich den Ausbildungsbetrieben im Handwerk häufiger die Gelegenheit geboten haben, eigene Absolvent*innen zur Sicherung des Fachkräftebedarfs zu übernehmen und im Betrieb zu halten als in den Vorjahren. Ein Indiz für diese Vermutung liefern Auswertungen von Hell und Wydra-Somaggio (2023). Sie haben unter anderem untersucht, in welche Betriebe Absolvent*innen wechseln, die ihren Ausbildungsbetrieb verlassen. Sie belegen eine Verschiebung in der Größe der Zielbetriebe beim Vergleich der Jahrgänge 2014 und 2020. So haben im Jahrgang 2020 anteilig weniger Wechsel in mittelgroße (50 bis 249 Beschäftigte) oder große Betriebe (250 und mehr Beschäftigte) stattgefunden, insbesondere aus kleineren Betrieben heraus. Dass der Wechsel in größere Betriebe abgenommen hat, könnte darauf zurückzuführen sein, dass es gerade von größeren Betrieben, die in der Regel attraktivere Beschäftigungskonditionen bieten, angesichts der durch die Pandemie verursachten Unsicherheiten weniger Beschäftigungsangebote für Absolvent*innen aus kleineren Betriebe gab. Eine alternative Erklärung für die höhere Verbleibsquote in kleineren Betrieben wäre, dass die Handwerksbetriebe zwar wegen des Bewerber*innenrückgangs inzwischen seltener über Bedarf ausbilden als in der Vergangenheit, sich aber die Beschäftigungsaussichten aufgrund der gleichzeitig steigenden Nachfrage nach Dienstleistungen aus dem Handwerk verbessern (Böhme et al. 2023). Zudem verlassen viele Ältere im Handwerk den Arbeitsmarkt, die ersetzt werden müssen. Auch mit Blick auf den Verbleib im Ausbildungsberuf zeigt sich eine zunehmende Kontinuität (vgl. Abbildung A3). Gemessen an allen beschäftigten Absolvent*innen des Jahrgangs waren einen Monat nach Ausbildungsende 2014 und 2017 jeweils etwa 86 Prozent in ihrem Ausbildungsberuf tätig. Mit 87 Prozent lag dieser Anteil unter den beschäftigten Absolvent*innen des Jahrgangs 2020 etwas höher. Nach zwölf Monaten fiel der Verbleib im Ausbildungsberuf unter den Absolvent*innen des Jahrgangs 2020 mit knapp 79 Prozent ebenfalls höher aus als in den vorherigen Jahrgängen mit 75 Prozent. Fast 90 Prozent der Absolvent*innen arbeiten nach einem Jahr weiterhin in einem Handwerksberuf Der Verbleib von Ausbildungsabsolvent*innen im Ausbildungsbetrieb ist für die Sicherung des Fachkräftebedarfs in den ausbildenden Betrieben von großer Bedeutung. Für das Handwerk insgesamt dürfte zudem die Frage relevant sein, ob die von Handwerksbetrieben ausgebildeten jungen Menschen weiter im Handwerk beschäftigt sind. Da uns keine deutschlandweiten Informationen dazu vorliegen, ob es sich bei einem Betrieb um einen Handwerksbetrieb handelt, grenzen wir in dieser Untersuchung den Verbleib im Handwerk danach ab, ob es sich beim ausgeübten Beruf um einen Handwerksberuf gemäß der Handwerksordnung (HwO) handelt (Haverkamp et al. 2019). Eine Einschränkung dieser Analyse besteht darin, dass die Beschäftigung in einem Handwerksberuf auch in einem Betrieb erfolgen kann, bei dem es sich nicht um einen Handwerksbetrieb handelt. Außerdem bilden Handwerksbetriebe in Berufen aus, bei denen es sich nicht um Handwerksberufe gemäß HwO handelt, beispielsweise Verkaufsberufe (vgl. Tabelle T2) oder Büround Sekretariatsberufe. Da wir den Verbleib in einem Handwerksberuf untersuchen wollen, beschränken wir uns auf Personen, die eine Ausbildung in einem Handwerksberuf gemäß HwO abgeschlossen haben. Der Anteil der Absolvent*innen mit abgeschlossener Ausbildung in einem Handwerksberuf betrug 2020 etwa 88 Prozent (vgl. Tabelle T1). Für diese Personen berechnen wir den Anteil derer, die nach einem Monat beziehungsweise nach zwölf Monaten weiterhin in einem Handwerks beruf tätig sind (vgl. Abbildung A3): Wiederum wird im Kohor tenvergleich deutlich, dass zunehmend mehr junge Menschen weiterhin in einem Handwerksberuf tätig sind. In Tabelle T3 (auf Seite 7) werden die Merkmale von Personen verglichen, die im Jahr 2020 in einem (den 13 Handwerkskammerbezirken zughörigen) Betrieb eine Ausbildung in einem Handwerksberuf abgeschlossen haben und nach zwölf Monaten entweder weiter in einem solchen Beruf tätig sind 6IAB-Kurzbericht 18|2024 tere 14 Prozent auf die Lagerwirtschaft, Post und Zustellung, Güterumschlag, während sich etwa („Verbleib“) oder nicht mehr in einem Handwerksberuf arbeiten („kein Verbleib“). Mit Blick auf die Abschlussnote zeigt sich, dass Personen mit der Note „sehr gut oder gut“ anteilig stärker unter denjenigen vertreten sind, die zwölf Monate nach Ausbildungsende in einem Handwerksberuf arbeiten: Dieser Anteil beträgt 17 Prozent, während er bei denjenigen, die nicht mehr in einem Handwerksberuf arbeiten, mit knapp 14 Prozent geringer ausfällt. Dass Personen mit besserer Abschlussnote häufiger in einem Handwerksberuf tätig sind, verdeutlicht auch die Verbleibsquote: 90 Prozent der Absolvent*innen mit der Abschlussnote „sehr gut oder gut“ arbeiten nach zwölf Monaten in einem Handwerksberuf, was über dem entsprechenden Wert für alle Absolvent*innen liegt (88 %). Umgekehrt verhält es sich bei Personen mit der Abschlussnote „ausreichend“, die anteilig häufiger unter denjenigen vertreten sind, die keinen Handwerksberuf mehr ausüben. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass es dem Handwerk gelingt, solche Personen zu halten, die während der Ausbildung bessere Leistungen zeigen. Der Befund ist bemerkenswert, da insbesondere Personen mit besseren Abschlussnoten für Betriebe aus anderen Wirtschaftsbereichen von Interesse sein dürften. Weniger eindeutig sind die Unterschiede beim Schulabschluss. Ein möglicher Grund ist, dass Betriebe zur Einschätzung der Absolvent*innen eher die Abschlussnote als den Schulabschluss heranziehen. Die Wahrscheinlichkeit für einen Verbleib in einem Handwerksberuf sinkt mit der Größe des Ausbildungsbetriebs. Während die Verbleibsquote für Personen, die ihre Ausbildung in einem kleinen (bis 9 Beschäftigte) oder mittleren (10 bis 49 Beschäftigte) Betrieb abgeschlossen haben, höher ist als im Durchschnitt aller Absolvent*innen, liegt sie im Fall von großen (50 bis 249 Beschäftigte) oder sehr großen (250 und mehr Beschäftigte) Betrieben unter dem Durchschnitt. Wenn Personen mit abgeschlossener Ausbildung in einem Handwerksberuf diesen nach zwölf Mona ten nicht mehr ausüben, stellt sich die Frage, in welchen Berufen sie anschließend tätig sind. Wie Tabelle T4 zeigt, entfällt knapp ein Viertel dieser Abgänge aus Handwerksberufen auf Berufe in der Maschinenbauund Betriebstechnik und wei1) Ausbildungsabsolvent*innen der Betriebe, die den folgenden 13 ausgewählten Handwerkskammerbezirken zugehören: Berlin, Dresden, Düsseldorf, Hannover, Koblenz, Mittelfranken, München/Oberbayern, Münster, Niederbayern/Oberpfalz, Oberfranken, Oldenburg, Unterfranken und Schwaben. 2) Handwerksberuf gemäß Handwerksordnung. Quelle: Ausbildungspanel Handwerk, eigene Berechnungen. © IAB Top 5 der Berufsgruppen, in denen die Ausbildungsabsolvent*innen1) eines Handwerksberufs2) arbeiten, die zwölf Monate nach Ausbildungsende nicht mehr in einem Handwerksberuf tätig sind Abschlusskohorte 2020, Anteile der Wechsel aus dem Handwerksberuf in die jeweilige Berufsgruppe in % T4 Maschinenbauund Betriebstechnik 24,7 Lagerwirtschaft, Post und Zustellung, Güterumschlag 14,0 Metallbearbeitung 6,8 Verkauf (ohne Produktspezialisierung) 6,5 Gebäudetechnik 4,3 Wechsel aus Handwerksberufe insgesamt 11,9 1) Ausbildungsabsolvent*innen der Betriebe, die den folgenden 13 ausgewählten Handwerkskammerbezirken zugehören: Berlin, Dresden, Düsseldorf, Hannover, Koblenz, Mittelfranken, München/Oberbayern, Münster, Niederbayern/Oberpfalz, Oberfranken, Oldenburg, Unterfranken und Schwaben. 2 Handwerksberuf gemäß Handwerksordnung. Quelle: Ausbildungspanel Handwerk, eigene Berechnungen. © IAB Merkmale zur Person und zum Ausbildungsbetrieb der Ausbildungsabsolvent*innen1) eines Handwerksberufs2) mit und ohne Berufsverbleib in einem Handwerksberuf2) zwölf Monate nach Ausbildungsende Abschlusskohorte 2020, Anteile in % T3 2020 2020 Verbleib Kein Verbleib Verbleibsquote Gesamt 88,4 Schulabschluss Ohne Abschluss 2,2 2,2 88,7 Hauptschulabschluss 37,3 39,5 87,8 Mittlere Reife 43,1 42,0 88,7 Abitur 13,8 13,1 88,9 Sonstiger Abschluss 3,6 3,2 89,4 Abschlussnote der Ausbildung Sehr gut oder gut 17,0 13,5 90,4 Befriedigend 43,2 39,2 89,2 Ausreichend 39,9 47,3 86,4 Größe des Ausbildungsbetriebs Bis 9 Beschäftigte 52,0 50,5 89,0 10 bis 49 Beschäftigte 26,8 24,6 89,5 50 bis 249 Beschäftigte 12,0 13,5 87,5 250 und mehr Beschäftigte 9,2 11,4 86,4 Berufsgruppe (nach abgeschlossener Ausbildung) Medizin-, Orthopädieund Rehatechnik 8,2 9,4 95,6 Hochbau 21,7 28,5 92,9 Klempnerei, Sanitär, Heizung und Klimatechnik 12,0 9,3 92,4 Energietechnik 4,2 6,7 90,8 Maler, Stuckateurarbeiten, Bauwerksabdichtungen, Bautenschutz 6,0 3,5 89,4 Holzbeund -verarbeitung 3,9 3,6 87,0 Körperpflege 5,1 1,8 86,1 Fahrzeug-, Luft-, Raumfahrtund Schiffbautechnik 11,9 7,5 85,3 Metallbau und Schweißtechnik 5,7 7,0 84,2 7IAB-Kurzbericht 18|2024 Impressum | IAB-Kurzbericht Nr. 18, 17.9.2024 | Herausgeber: Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit, 90327 Nürn berg | Redaktion: Martina Dorsch | Grafik & Gestaltung: Nicola Brendel | Foto: Wolfram Murr, Fotofabrik Nürnberg und privat | Druck: MKL Druck GmbH & Co. KG, Ostbevern | Rechte: Diese Publikation ist unter folgender Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht: Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de | IAB im Internet: www.iab.de. Dort finden Sie unter anderem diesen Kurzbericht zum kostenlosen Download | Kontakt: [email protected] | ISSN 0942-167X | DOI 10.48720/IAB.KB.2418 18 Prozent auf die Metallbearbeitung, den Verkauf und die Gebäudetechnik verteilen. Fazit Unsere Analysen zeigen, dass die Zahl der Ausbildungsabsolvent*innen in Handwerksbetrieben seit 2014 rückläufig ist. Die Chancen, nach Abschluss der Ausbildung in eine Beschäftigung einzumünden, haben sich für diese Absolvent*innen allerdings im Zeitverlauf verbessert. Die drei hier betrachteten Dimensionen umfassen den Verbleib im Ausbildungsbetrieb, den Verbleib im erlernten Beruf und schließlich – für die Untergruppe der Absolvent*innen von Handwerksberufen gemäß Handwerksordnung – den Verbleib in einem Handwerksberuf. Letzterer ist für das Handwerk deswegen von besonderem Interesse, da hier der Fachkräftebedarf besonders stark ausgeprägt ist. Alle drei Dimensionen zeigen im Vergleich der Abschlusskohorten 2014, 2017 und 2020 zunehmende Verbleibsquoten. Dies spricht dafür, dass sich die Einmündungschancen ins Berufsleben über die Zeit verbessert haben. Ein gelungener Berufseinstieg wiederum geht in der Regel mit einem stabileren Erwerbsverlauf und einem geringeren Risiko für spätere Arbeitslosigkeit einher. Hinsichtlich des Fachkräftebedarfs im Handwerk weisen unsere Ergebnisse auf zwei gegenläufige Entwicklungen hin. Einerseits ist die Zahl der Ausbildungsabsolvent*innen zwischen 2014 und 2020 um etwa 10 Prozent gesunken. Andererseits ist die Wahrscheinlichkeit, nach Ausbildungs ende im Ausbildungsberuf und -betrieb sowie in einem Handwerksberuf zu arbeiten, gestiegen. In welchem Umfang diese drei höheren Verbleibsquoten zur Sicherung von Fachkräftebedarfen beitragen, ist vor dem Hintergrund des Rückgangs der Absolvent*innenzahlen offen und bedarf weiterer Forschung. Außerdem muss beobachtet werden, ob sich der Anstieg der Verbleibsquoten in den Folgejahren nach 2020 fortsetzt oder ob sie 2020 möglicherweise nur deshalb so hoch war, weil die Nachfrage nach Arbeitskräften von Betrieben außerhalb des Handwerks pandemiebedingt nachgelassen hat. Literatur BA – Bundesagentur für Arbeit (2024): Tabellen: Fachkräfteengpassanalyse – Ergebnisse Bund (Jahreszahlen), Deutschland 2023. Böhme, Stefan; Carstensen, Jeannette; Harten, Uwe; Seibert, Holger; Wiethölter, Doris; Wydra-Somaggio, Gabriele (2023): Die regionale Bedeutung des Handwerks für Beschäftigung und Ausbildung. In: IAB-Forum, 14.6.2023. Bossler, Mario; Gürtzgen, Nicole; Kubis, Alexander; Küfner, Benjamin (2020): IAB-Stellenerhebung im ersten Quartal 2020: Mit dem Corona-Shutdown ging zuerst die Zahl der offenen Stellen zurück. IAB-Kurzbericht Nr. 12. Brücker, Herbert; Jaschke, Philipp; Kosyakova, Yuliya; Vallizadeh, Ehsan (2023): Entwicklung der Arbeitsmarktintegration seit Ankunft in Deutschland: Erwerbstätigkeit und Löhne von Geflüchteten steigen deutlich. IAB-Kurzbericht Nr. 13. Dummert, Sandra; Umkehrer, Matthias (2022): Auswirkungen der Covid-19-Pandemie nach dem ersten Lockdown 2020: Weniger Übernahmen nach einer betrieblichen Ausbildung. IAB-Kurzbericht Nr. 4. Fitzenberger, Bernd (2023): Darum gibt es trotz Rekordbeschäftigung einen Fachkräftemangel. Kommentar. In: Handelsblatt, 30.12.2023. Gerber, Max; Winters, Jutta (2024): Fachkräftesicherung als Herausforderung für die Betriebe. In: IAB-Forum, 2.2.2024. Haverkamp, Katarzyna; Wesling, Mirko; Seibert, Holger (2019): Zur Abgrenzung der Ausbildungsund Erwerbsberufe des Handwerks in der KldB 2010. FDZ-Methodenreport Nr. 3 (de), Nürnberg, 30 S. Hell, Stefan; Wydra-Somaggio, Gabriele (2023): Duale Ausbildung im Handwerk: Der Anteil der jungen Menschen, die nach der Ausbildung im Ausbildungsbetrieb bleibt, steigt. In: IAB-Forum, 14.9.2023. Klassifikation der Berufe 2010 (KldB 2010): Überarbeitete Fassung 2020, Band 1: Systematischer und alphabetischer Teil mit Erläuterungen. Leber, Ute; Roth, Duncan; Schwengler, Barbara (2023): Die betriebliche Ausbildung vor und während der CoronaKrise: Besetzungsprobleme nehmen zu, Anteil der Betriebe mit Ausbildungsberechtigung sinkt. IAB-Kurzbericht Nr. 3. Malin, Lydia; Köppen, Robert (2023): Fachkräftemangel und Ausbildung im Handwerk. KOFA Kompakt Nr. 5, Köln. Schirner, Sebastian; Hickmann, Helen; Malin, Lydia; Werner, Dirk (2021): Fachkräfteengpässe in Unternehmen – Fachkräftemangel und Nachwuchsqualifizierung im Handwerk, Studie im Rahmen des Projektes Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und in Zusammenarbeit mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks e.V. (ZDH), Köln. Stefan Hell ist Mitarbeiter im Regionalen Forschungsnetz des IAB, Regionaleinheit IAB Rheinland-Pfalz-Saarland. Stef[email protected] Dr. Duncan Roth ist Leiter der Nachwuchsforschungsgruppe „Berufe und Erwerbsverläufe” im IAB. [email protected] Dr. Holger Seibert ist Mitarbeiter im Regionalen Forschungsnetz des IAB, Regionaleinheit IAB BerlinBrandenburg. [email protected] Dr. Gabriele Wydra-Somaggio ist Mitarbeiterin im Regionalen Forschungsnetz des IAB, Regionaleinheit IAB Rheinland-Pfalz-Saarland. Gabriele.Wydra-Somaggio2@ iab.de 8IAB-Kurzbericht 18|2024