on Unge n, Rode ich
A icle
Die F au de eu opäischen Gegenwa
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: on Unge n, Rode ich (1960) : Die F au de eu opäischen Gegenwa , Schmolle s
Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha , ISSN 1619-6244, Duncke & Humblo ,
Be lin, Vol. 80, Iss. 3, pp. 25-37,
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281] 25
Die F au de eu opäischen Gegenwa
Von
Rode ich on Unge n-S e nbe g- Ki chza en
Die F au des eu opäischen Kul u k eises s eh gegenwä ig un-
e kennba im Zeichen de Ve männlichung und eine en -
sp echenden Geis eshal ung. Diese Eind uck d äng sich ge adezu au ,
i doch die Ve männlichung schon äuße lich in E scheinung. Nie-
mals zu o haben F auen des eu opäischen Kul u k eises und as
jeden Al e s so iel Hosen ge agen, sich das Haa so männlich zu-
ges u z , und zwa unabhängig on de Wi e ung und e waige spo -
liche Be ä igung. Niemals so iel alle o s ge auch , sich in eine Duns -
wolke on Rauch gehüll . Diese Mode, y annisch wie jede Mode, is
nich zu ällig en s anden: sie en sp ich dem Ve langen de mode nen,
de „ o sch i lichen" F auen, die Gleichbe ech igung mi dem Mann
auch im Äuße en zu be onen, eine Gleichbe ech igung, die sie be-
kann lich im Be u sleben und in de Poli ik e lang haben.
Wenden wi uns je z de Be u s ä igkei de F au zu. Hie äll
o allem in die Augen, daß, je höhe die be u liche Quali ika ion und
S ellung und je e an wo liche und exponie e sie is , um so ge-
inge die Zahl de anzu e enden F auen wi d. In üh enden S el-
lungen de Indus ie, de Ve wal ung, des Jus izwesens und de Po-
li ik usw. gib es au allend wenig F auen. E s in den nachgeo dne en
A bei sbe eichen, als aus üh ende Hil sk a , nimm die F au an Zahl
an eilsmäßig schnell zu.
Wi lassen nun eine S a is ik olgen, die Au schluß gib übe den
Um ang de weiblichen E we bs ä igkei in de Bundes epublik (in
Millionen ohne Be lin).
Be ölke ung E we b s p e
s )
o n e n
Insgesam Männe F auen Insgesam Männe F auen
1957 50,5 23,7 26,8 25,3 16,0 9,3
1950 47,7 22,4 25,3 22,1 14,1 7,9
Von je 100 Pe sonen wa en 1957 e we bs ä ig on de männlichen
Be ölke ung 68, on de weiblichen 35 Pe sonen. 1950, 63 männliche
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26 Rode ich on Unge n-S e nbe g [282
und 31 weibliche. Mi hin ha in de Zei on 1950 bis 1957 die Zahl
de in i gendeine Weise e we bs ä igen F auen an eilmäßig on
31 .H. au 35 .H. zugenommen, ode in absolu en Zahlen on
7,9 Mill. au 9,3 Mill. Von diesen 9,3 Mill. F auen wa en im Jah e
1950 und 2,8 Mill. e hei a e 1, ha en also neben ih em „Be u "
noch as alle einen Haushal und einen Ehemann zu e so gen sowie
g öß en eils auch Kinde zu be euen. Le z e e we den alle dings
heu zu age on den e we bs ä igen F auen meis in einen Kinde -
ga en abgelie e , wenn sie nich sich au de S aße he um eiben
ode on eine G oßmu e ode Nachba in no dü ig übe wach
we den. Solche Kinde gä en bes ehen heu e nich nu in den S äd en,
sonde n neue dings in zunehmende Zahl auch in Dö e n, besonde s
in solchen, die im Einzugsgebie eine G oßs ad liegen.
Daß die e we bs ä igen F auen in au ge ück en, lei enden S ellun-
gen isel en anzu e en sind, lieg gewiß o allem da an, daß ein
g oße Teil on ihnen als Ehe auen en wede ganz aus dem Be u s-
leben ausgeschieden ode nu halb äglich e we bs ä ig is . Die un-
selbs ändige, nachgeo dne e A bei , die de wei aus g öß e Teil de
F auen ausüb , be ech ig im G unde ga nich , den Ausd uck „Be u "
au diese Tä igkei anzuwenden, wenn man diesen Te minus in seine
u sp ünglichen Bedeu ung on „ oca io" e s eh . Es handel sich
doch in den meis en Fällen lediglich um die No wendigkei ode den
D ang, Geld zu e dienen, unabhängig da on, ob das Einkommen des
Ehemanns ü eine o süblich angemessene Lebenshal ung aus eich
und ob zu de be e enden Tä igkei eine Be u ung ode ga Neigung
bes eh ode übe haup gegeben sein kann nach de A de A bei
(am Fließband, an sons igen A bei en bei de Bedienung on Ma-
schinen und Appa a en).
Wo in lieg nun die U sache de ge ingen F auenzahl in üh enden
S ellungen? Die hie zu geeigne en sind doch nich e wa allesam in
de Ehe au gegangen? Vielmeh lieg diese Ta sache wohl im Wesen
de F au beg ünde , in ih em Mangel an ak i is ischem Willen zu
Lei ung, zum T agen on geis ig-seelisch belas ende Ve an wo ung.
Die F au is ypische weise nich geneig , ih en „Mann zu s ehen",
sie beha , selbs da, wo ih hie zu Gelegenhei gebo en wi d, liebe
in eine nachgeo dne en Tä igkei , ih em za e besai e en Wesen en -
sp echend in solchen S ellungen, wo sie on de allzu auhen Wi k-
lichkei des E we bslebens wenige be üh wi d. Fü dieses Ve hal en
is u. a. bezeichnend, daß in de Sowje union, wo sei 43 Jah en jede
ech liche ode soziale Sch anke in bezug au weibliche E we bs ä ig-
kei adikal besei ig is , in üh enden Posi ionen F auen doch sel en
he o e en; es gib auch in de Sowje union keine weiblichen Flug-
1 S a is . Jah b. de Bundes ep. 1959 S. 33*, 1954 S. 25* u. 117.
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283] Die F au de eu opäischen Gegenwa 27
zeug üh e , keine Schi skapi äne, keine O ches e di igen en, keine
weiblichen Lei e g oße Indus iebe iebe, keine Ope a eu e usw.
Nun is es siche öllig abwegig, in diesem Unwillen zu Füh ung
ein Zeichen on In e io i ä zu sehen. Die e wähn e Ta sache deu e
abe hin au die g undlegende Eigena igkei und Ande sa igkei
de F au im Ve gleich zum Mann, die nich zu espek ie en ein g oße
psychologische Fehle is , de abe heu e o begangen wi d, zumal
iele F auen in de e wähn en Ta sache einen Mangel ih es Ge-
schlech s sehen, eine Folge unzu eichende E ziehung und Ausbildung,
und sich bemühen, diesen angeblichen Mangel zu beheben, d. h. also
au eine e s ä k e Ve männlichung de F au hind ängen.
Welches sind nun die Folgen des geschilde en Zus andes? Diese
Folgen machen sich gel end e s ens im Be eich des Gesundhei szu-
s andes de F auen, zumal dann, wenn sie on de doppel en Be-
las ung E we bs ä igkei und Haushal schwe bed ück we den, und
zwei ens im Be eich de Ehe und Familie.
Von den äuße lich in E scheinung e enden Folgen de Ve männ-
lichung wa be ei s die Rede. Abe iel belang eiche sind die inne en,
die cha ak e lichen Folgen. Die ins E we bsleben eingespann e, he -
umges oßene F au zeig , e glichen mi dem F auen yp de Zei o
de Indus ialisie ung, als de Sog de Indus ie und de G oßs ad
noch nich zahl eiche weibliche A bei sk ä e e g i en ha e, — heu e
eine iel g öße e cha ak e liche Selbs ändigkei , ein nüch e nes U eil
und eine auße häusliche Geschä s üch igkei , ku z, sie is ih em ganzen
Wesen nach e männlich , nich sel en bis zu Zwi e ha igkei . Diese
Wesenswandlung kann na ü lich nich ohne Ein luß au ih Ve hal en
zum Mann, also o allem im ganzen Be eich de Liebe sein, und somi
au die Ehe- und Familien e häl nisse.
Be o wi au die gegenwä igen Ehe e häl nisse eingehen, is
es e o de lich, au die Anschauungen hinzuweisen, die heu e bei de
Jugend beide lei Geschlech s he schen ( o he schen). Diese sind
g und e schieden on denen, die um die le z e Jah hunde wende be-
s anden haben. Die damals o he schende Au assung, es sei gebo en,
die e o ische Begeh lichkei bis zu Eheschließung au zus auen, wi d
heu e as nu noch in wenigen eligiös-ki chlich beein luß en K eisen
e e en und a sächlich be olg . Die We bung, de Fli , haben heu e
an Bedeu ung e lo en. Man i auch in de Liebe gewisse maßen ge-
schä smäßig, „umgehend" seh schnell in medias es. Die Ve männ-
lichung de F au ha dazu ge üh , daß sie heu e in de We bung um
den Mann un e gleichlich ak i e gewo den is als dazumal. Was
ühe nu om Mann ausging und de F au das Ans ands- und Scham-
ge ühl e bo en, wi d heu e auch on F auen un e nommen. Die
P üde ie is s a k im Schwinden beg i en, was sich auch da in äuße ,
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28 Rode ick on Unge n-S e nbe g [284
daß iele F auen dem Manne gegenübe ih e e o ischen Wünsche iel
deu liche e kennen lassen als ehedem, d. h. e wa um die Zei de
le z en Jah hunde wende. Man wi d abe wohl nich ehlgehen, wenn
man im Zusammenhang dami es s ell , daß die F au hie du ch ü
den Mann nich an Anziehungsk a , an Reiz und an S ä ke de In-
spi a ion gewonnen, sonde n im Gegen eil in diese ih e eigen lichen
Mach sphä e ehe Einbuße e li en ha . Welche Mann kann heu e,
beim Gedanken an ein junges Mädchen unse e Tage, sich noch zu
Ge ühlen au schwingen, denen Goe he im Jah e 1823, in seinem 74. Le-
bensjah , in Gedanken an die 19jäh ige Ul ike on Le ezow in olgen-
den Ve sen Ausd uck gegeben ha :
„In unse es Busens Reine wog ein S eben,
Sich einem Höhe n, Reine n, Unbekann en,
Aus Dankba kei eiwillig hinzugeben,
En ä selnd sich den ewig Ungenann en;
Wi heißens omm sein! Solche seligen Höhe
Fühl ich mich eilha , wenn ich o ih s ehe."
(Ma ienbade Elegie)
We wä e heu e noch ähig, seine Ge ühle mi olgenden S ophen
des on F anz Schube e on en „S ändchens" zu äuße n:
Leise lehen meine Liede
Du ch die Nach zu di ,
In den s illen Hain he niede
Liebchen komm zu mi
Viele Wo e de Liebessp ache ühe e Gene a ionen haben ü
die heu ige Jugend ih en u sp ünglichen Sinn so gu wie e lo en:
„Des Busens Sehnsuch ", „Liebesschme z" usw. Und welch eine Wel
on Leiden und F euden bedeu e en diese Wo e e gangenen Ge-
ne a ionen! An die S elle diese Ge ühls egungen is selbs im Liebes-
be eich wei gehend nüch e ne Sachlichkei ge e en.
Und eine wei e e „Ve allse scheinung" muß e zeichne we den:
de Ka alie s i b aus und die Dame, T äge in bes imm e gesell-
scha liche , adi ionelle Fo men und Ve hal ensweisen schwinde .
Welche Mann is heu e noch be ei , sein Leben und sein Ve mögen
ü eine F au zu op e n? Selbs in Unkos en s ü z sich eine F au
wegen de mode ne „Ka alie " nu sel en. Viel ach wi d noch de
Anschein gewah , als ob „e " die Unkos en eines Balles, eine Reise
usw. üge. Ta sächlich is nich sel en „sie" diejenige, die ü die
Unkos en ganz ode zum Teil au komm , wenn e ge ade „nich bei
Gelde is ".
Bei de Meh hei de heu igen jugendlichen, unge äh gleich-
al igen Männe und F auen üh eine andaue nde eundscha liche
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285] Die F au de eu opäischen Gegenwa 29
Begegnung meis in i gendeine Weise zu eine in imen Annähe ung
(Pe ing!), wei e zu einem sexuellen Ve keh mi gleichzei ige „Ve -
lobung", denn „ e lob " gil nu als „gep ob ".
Diese Ve lob en e keh is sei jehe in ielen bäue lichen K ei-
sen und in den K eisen des ehemaligen g oßs äd ischen P ole a ia s
üblich. O wu de und wi d eine Schwange scha on de Ve lob en
soga e s eb , bisweilen, wie es heiß , soga on ih e Mu e an-
ge a en, weil dadu ch „e " sich e anlaß ode ga gezwungen sieh ,,
„sie" zu ehelichen2. Das geschieh selbs au die Ge ah hin, daß „e "
sich o eine Ehe d ück , was alle dings meis als seh schmach oll
gil . Bei diesem Ve hal en des weiblichen Teils geh man on dem
Gedanken aus: ein üch iges junges Weib inde auch mi unehelichen
Kinde n einen, de sie zu hei a en be ei is .
Wie s a k e b ei e de Ve lob en e keh heu zu age is , geh
u.a. da aus he o , daß nach E mi elungen in de Bundes epublik
au 100 Eheschließungen bei 23,3 bis 32,7 B äu en Schwange scha
es ges ell wo den is . Die le z e e Zi e bezieh sich au Niede -
sachsen, die e s e e au Hambu g. In Niede sachsen e eich e de An-
eil de be ei s schwange en B äu e in den Gemeinden mi wenige
als 100 000 Einwohne n soga 34,3 .H.3. Die E mi elung is ganz
ein ach: weiß man das Gebu sda um des Kindes und das de Ehe-
schließung und echne dann zei lich on dem Gebu sda um 9 Mona e
zu ück, dann e weis sich, ob die Konzep ion o ode nach de Ehe-
schließung e olg is . Die angegebenen Zi e n we den wohl ü iele
Lände Mi el- und No deu opas Gel ung haben. Wenn und 34 .H.
de B äu e be ei s schwange in die Ehe e en, obwohl die ledigen
Paa e doch selbs e s ändlich meis seh da au bedach sind, eine
Schwange scha zu e meiden, so kann man sich unge äh o s ellen,
ein wie g oße P ozen sa z de Paa e o de Eheschließung be ei s
„gep ob " ha (80 bis 90 .H.?).
Sei dem M. P e os , 1894, seinen Roman „Les demi- ie ges" und
V. Ma gue i e seinen Roman „La Ga conne" e ö en lich haben,
wi d die Zahl de Halbjung e n und de Junggesellinnen zwei ellos
zugenommen haben en sp echend de zunehmend gelocke en Sexual-
mo al. Die sexuell emanzipie e Junggesellin, die zu ih em „F eund"
wei e keine lei seelische Bindungen ha , sonde n lediglich die Be-
iedigung ih e sexuellen Begeh lichkei e s eb , is heu e siche lich
iel häu ige anzu e en als zu An ang des Jah hunde s, soga in
sozial au ge ück en K eisen. Das „Ve häl nis" wa ehedem nich ba
eine gewissen He zlichkei und Daue ha igkei („ dem s e bend seine
2
Nähe es bei K. Ho s mann: Schwange scha und Eheschließung, Re e a
au dem Be ölke ungswiss. Kong eß, Wien 1959.
3 Siehe nähe es bei K. Ho s mann, a.a.O.
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30 Rode ich on Unge n-S e nbe g [286
Buhe einen goldenen Beche gab" [Faus ]), das ha sich heu e im
nega i en Sinne geände , i olisie . Un e kennba haben die Be-
ziehungen zwischen den Geschlech e n, im Ve gleich zu de Zei um
die le z e Jah hunde wende, seh an Feinhei und Za ge ühl ein-
gebüß . Wi leben eben heu e im Scha en eine nüch e nen, ge ühls-
a men Sachlichkei auch in Dingen de Liebe.
Es wä e indessen e ehl , anzunehmen, unse e Zei zeichne sich
du ch besonde s las e ha e F i oli ä au sexuellem Gebie e aus. Ein
Blick in die Kul u geschich e läß e kennen, daß schon im 14. Jah -
hunde (Boccacio! 1375) und anschließend wäh end de Re-
naissance, nachdem Sa ona olas Feldzug gegen den Schönhei skul und
die luxe ia, 1498, in Flo enz endgül ig zusammengeb ochen und
Sa ona ola, diese ana ische Exponen mi elal e lichen Geis es ge-
henk und e b ann wo den wa , eine sexuelle Libe inage um sich
geg i en ha und, un e de Losung „e laub is , was ge äll " zugleich
die P lege de kö pe lichen Wohlge älligkei , un e Anwendung on
Schönhei smi eln, die keineswegs eine E ungenscha de Gegenwa
sind, Schule gemach ha in ganz Eu opa, on den i alienischen S ad -
S aa en ausgehend. Wie dann im 18. Jah hunde , in F ank eich
wäh end de Regen scha und de Regie ung Ludwig XV. die Rokoko-
mo al, mi de Pa ole „Vi e la joie" mi Pa is (Ve sailles) als Mi el-
punk , sich die a s amandi zu höchs e Blü e en al e ha . In de Zei
des Di ec oi e (1796—1799) ha dann die zu ollem Selbs bewuß sein
und Reich um au ge ück e Bou geoisie Pa is wiede zum Mi elpunk
e o ische Zügellosigkei gemach , eine S ellung, die diese Wel me o-
pole des Amüsie be iebes zu Zei des zwei en Kaise eichs, in den
50e und 60e Jah en, wiede e neue , und die Koko e zei weilig
in de Kuns , Li e a u (E. Zolas: „Nana") und au dem Thea e eine
o de g ündige Rolle gespiel ha . Wenn man sich das e gegen-
wä ig , dann komm man zu dem Schluß, daß allen halben da, wo
sich ein „Wi scha swunde " e eigne , Reich um sich zusammenball ,
die sexuelle Genußsuch üppig ins K au schieß . Dies is auch heu e
in ielen Lände n Wes eu opas de Fall. .Abe , wie seine zei in Pa is,
so ha auch heu e die wei aus g öß e Meh hei de F auen mi diesem
Amüsie be ieb ga nich s gemein. In Pa is ek u ie sich das Ko-
ko en um nich nu aus F anzösinnen, sonde n aus Zugezogenen aus
allen E d eilen und Lände n.
Wie s a k die F ühehe, bei de „sie" das 20. und „e " das 25. Le-
bensjah noch nich e eich haben, zugenommen ha , geh schon da -
aus he o , daß nach eine schwedischen S a is ik, die kennzeichnend
is ü eu opäische Ve häl nisse, das du chschni liche Hei a sal e de
E s ehen schließenden Männe on 29,4 Jah en (1936/40) au 27,8
im Jah e 1957 gesunken is und das de F auen on 26,5 au 24,8.
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287] Die F au de eu opäischen Gegenwa 31
1948 wa en in Schweden nu 3,9 on 1000 E s ehen de Männe , bei
denen sie un e 19 Jah en al wa en; 1957 gehö en zu diese Ka e-
go ie be ei s 5,3 je 1000 E s ehen4.
Die Zunahme de F ühehen, die wi allen halben beobach en, be-
ein äch ig zwei ellos die S abili ä de Ehen, denn iele de allzu
jungen Paa e können ga nich beu eilen, ob sie mi einande die
e o de liche Ve bundenhei bewah en können, um ein Leben lang
alle Ve suchungen, En äuschungen und sons igen Fäh nisse, die
keinem Ehepaa e spa bleiben, zu übe s ehen ähig sind. Häu ig i
seh bald kla zu age, daß man sich ge äusch ha . Wenn dann be ei s
Kinde o handen sind, is eine Scheidung s e s eine schwie ige,
ne enau eibende Sache und ü die minde jäh igen Kinde ein seh
schlech e Lebensbeginn. T o zdem is die Scheidungshäu igkei de
Ehen on ge inge Daue e gleichsweise besonde s g oß. Hie zu äg
wesen lich bei, daß bei de heu e o he schenden eligiösen Indi e-
enz de Ehe die eligios-ki chliche Weihe e mangel .
T o zdem, ganz so abwegig is die F ühehe doch nich , denn ü
die jungen Männe is sie inso e n heilsam, als sie da on abhäl , mi
P os i uie en zu e keh en. Dies ha die güns ige Folge, daß die Ge-
schlech sk ankhei en in den le z en Jah zehn en seh zu ückgegangen
sind5, was in gesundhei liche , abe auch ge ade in mo alische Be-
ziehung hoch zu bewe en is . Jedoch wieg das nich die Nach eile
au , die ü die Kinde aus eine geschiedenen Ehe und auch ü die
F au e wachsen. Die geschiedene F au äg , auch wenn keine Kinde
da sind, in de Regel seelisch an den Folgen eine unglücklichen Ehe
und Scheidung schwe e als de Mann, obwohl heu zu age de Makel,
welche ehedem au eine Geschiedenen ge uh ha , längs nich in
ühe e Schwe e au ih las e , ja ga nich meh o handen is .
Abe , abgesehen on den F ühehen, die aus den ange üh en
G ünden besonde s agwü dig hinsich lich ih e S abili ä e scheinen,
ha das eheliche T eu e häl nis heu zu age seh an Fes igkei ein-
gebüß . Die Eheschließung wi d ech o nich meh , wie ehedem,
als ein ü das ganze Leben e p lich end geschlossene Bund ge-
we e . Nich ge ing is die Zahl de Ehen, die geschlossen we den mi
dem s illschweigenden Vo behal : wenn das eheliche Zusammenleben
sich nich nach Wunsch ges al en soll e, man schon Mi el und Wege
inden wi d, um zu eine Scheidung zu gelangen. Diese Au assung is
zwei ellos eine Folge des Rückgangs de Religiosi ä , abe doch auch
da au zu ückzu üh en, daß die F au heu e sich iel selbs ändige ühl
dem Manne gegenübe , o allem in wi scha liche Hinsich , da sie
als A bei sk a meis ims ande is , sich selbs au dem Lebensni eau
4 S a is . A sbok . Schweden 1959, S. 26/27.
5 Siehe hie übe Genaue es in meine Abhandlung in diesem Jah buch 1953, S. 74.
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32 Rode ich on Unge n-S e nbe g [288
zu hal en, welches ih en Ansp üchen meh ode wenige genügen kann
und auße dem eine zwei e, ja d i e Ehe du chaus e zielba is .
Gewiß wa ü den Ehemann de ehemalige Zus and, bei dem
„sie" es ü ih e P lich hiel , ihn bedingungslos zu umso gen und sich
ihm zu ügen, seh iel angenehme als de gegenwä ige „ e männ-
lich e" Zus and de Ehe au. F ag sich bloß, ob de gegenwä ig be-
s ehende ode anges eb e Zus and dem Wesen de F au, ih e na ü -
lichen Hil s- und P legebe ei scha und Au op e ungswilligkei sowie
ih em Anlehnungsbedü nis en sp ich , und ob die gep iesene Gleich-
be ech igung, die gese zlich in de Bundes epublik e anke is (Ge-
se z om 18. 6. 1957), sowie die ganze Ve nüch e ung und Ve sach-
lichung de ehelichen Beziehungen nich im G unde de ypischen,
nich in ellek ualis isch e bilde en F au, zumal in Deu schland, wide -
sp ich und ih unsympa hisch is , ob sie nich „ ihm" ganz ge ne die
Lei ung und En scheidung in Familienangelegenhei en übe läß und
sich in ih em aulichen Wi kungsbe eich wohl ühl . S eck in
diesem Gleichhei sbe ech igungss eben sowie in de gese zlichen Ab-
lehnung de ehemännlichen Le z en scheidung nich doch eine allzu-
wei gehende Reak ion gegen den ehemaligen Zus and de ölligen
Unmündigkei eine e hei a e en F au?
Zwei ellos „eheb uch " de Ehemann häu ige als die F au, eine
Ta sache, die gewöhnlich mi seine polygam ge ich e en Na u be-
g ünde wi d. Es un e lieg in de Ta keinem Zwei el, daß bei den
meis en Männe n die eheliche T eue nich eine na ü lich beg ünde e
Selbs e s ändlichkei is , sonde n eine bewuß e Hal ung, die ihm on
si lichen G undsä zen dik ie wi d. An Ve lei ungen zu ehelichen
Un eue ehl es nich , und seine polygame Na u eg ihn zum
Wechsel des Pa ne s in un e gleichlich höhe em G ade an, als das
bei de F au de Fall is . Aus diesem G unde is abe auch die eheliche
Un eue des Mannes s e s milde beu eil wo den als die de F au.
Selbs das bü ge liche Zei al e — om galan en des 17. und 18. Jah -
hunde s ganz zu schweigen —, welches in den le z en Jah hunde en
doch un e s a kem Ein luß des in sexuellen und ehelichen F agen
seh s engen und sinnen eindlichen Pu i anismus und Pie ismus ge-
s anden ha , ha die Neben au, die Mai esse, gedulde . Auch Lu he «
Ansich en übe die S enge de Einehe en sp echen nich einem s a en
Ehedogma und de sinnen eindlichen Au assung, wie sie sich in de
Folge in p o es an ischen K eisen he ausgebilde ha . Vo allem
we e e Lu he bekann lich gegen die „Nonne ey" und „Munche ey"
und das angebliche „keuschen".
Die F au wi d o e s du ch ih es Mannes eheb eche isches Ve -
hal en au die gla eisige Bahn eines Eheb uches ges oßen und dazu
e anlaß , auße de Ehe ein eundscha liches Ve häl nis mi einem
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.80.3.25 | Gene a ed on 2023-04-04 11:28:58