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Kein Richtiges Leben im Falschen? Die Grenzen der Verkehrswende unter herrschenden Bedingungen

Author: Knie, Andreas
Publisher: Wiesbaden: Springer VS,Wiesbaden: Springer VS
Year: 2025
DOI: 10.1007/978-3-658-37804-2_3-1
Source: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/310972/1/Full-text-chapter-Knie-Kein-richtiges-Leben.pdf
Knie, And eas
Book Pa — Published Ve sion
Kein Rich iges Leben im Falschen? Die G enzen de
Ve keh swende un e he schenden Bedingungen
P o ided in Coope a ion wi h:
WZB Be lin Social Science Cen e
Sugges ed Ci a ion: Knie, And eas (2025) : Kein Rich iges Leben im Falschen? Die G enzen de
Ve keh swende un e he schenden Bedingungen, In: Canzle , Wee Haus, Juliane Knie, And eas
Ruh o , Lisa (Ed.): Handbuch Mobili ä und Gesellscha , ISBN 978-3-658-37804-2, Sp inge VS,
Wiesbaden, pp. 1-12,
h ps://doi.o g/10.1007/978-3-658-37804-2_3-1
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/310972
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Kein Rich iges Leben im Falschen? Die
G enzen de Ve keh swende un e
he schenden Bedingungen
And eas Knie
Zusammen assung
Mode ne Gesellscha en sind bewegungsin ensi , die wi scha lichen Ve ei-
lungsspiel äume we den du ch eine sys ema ische Absenkung des Wide s andes
des Raumes ealisie . Im Mi elpunk s eh dabei die Ve keh sin as uk u ü
den Pe sonen- und Gü e e keh . Wäh end in den Sek o en Indus ie, Landwi -
scha und p i a e Haushal e eine Reduk ion de T eibhausgase auch un e den
he schenden Bedingungen du ch den Einsa z on echnischen Inno a ionen
möglich wu de, is dies beim Ve keh –abgesehen on den E ek en de Co o-
na-Pandemie –bislang nich gelungen. Die Sozialwissenscha en haben e pass ,
die Bedeu ung des Au os ü die Gesellscha sbildung und ih e ökonomische und
soziale S abilisie ung aus eichend deu lich zu machen und s ehen deshalb je z
un e Zugzwang, no ma i e Ansä ze in de Klimapoli ik ins Machba e zu übe -
se zen und die F age zu bean wo en, was inne halb de bes ehenden G und-
o dnung an Ve ände ungen basale Funk ionselemen e übe haup möglich is .
Bislang sind die Ve suche eine „Ve keh swende“noch nich wi klich gelungen.
Die en scheidenden F agen, wo und un e welchen Ums änden sich Re o men
übe haup ealisie en lassen und welche Rolle dabei auch die Sozialwissenscha -
en selbs spielen, sind e s noch zu bean wo en.
Schlu
¨sselwo
¨ e
Au o und Gesellscha sbildung · Ve keh sin as uk u · Raumwide s and · Rolle
de Sozialwissenscha en · Klimapoli ik · Ve keh swende
A. Knie (*)
Wissenscha szen um Be lin ü Sozial o schung (WZB), Be lin, Deu schland
E-Mail: [email p o ec ed]
© De /die He ausgebe bzw. de /die Au o (en) 2024
W. Canzle e al. (H sg.), Handbuch Mobili ä und Gesellscha ,
h ps://doi.o g/10.1007/978-3-658-37804-2_3-1
1
1 Mobili a
¨ und Mode ne in de T ans o ma ion
Mi dem Pa ise Klimaschu zabkommen sind 2015 e s mals ölke ech lich e -
bindlich Fes legungen zu Reduk ion de T eibhausgase e einba wo den, denen
sich auch Deu schland angeschlossen ha . Das in Folge diese En scheidung on de
Bundes egie ung beschlossene Klimaschu zgese z wu de om höchs en deu schen
Ge ich in einem U eil om Ap il 2021 k i isie , weil die do es geleg en Reduk-
ionsziele zu wenig ambi ionie wa en. Das Bundes e assungsge ich mahn e an,
dass übe die A und Weise de Ziele eichung je z noch in F eihei nachgedach
und gehandel we den kann. Diese Op ion läu abe schon in wenigen Jah en aus
und dann können die G und ech e bei de Bekämp ung des Klimawandels du ch die
e o de lichen d as ischen Maßnahmen nich meh ga an ie we den. Das Bundes-
e assungsge ich ha kla ges ell , dass es die Au gabe de gewähl en O gane is , die
G und ech e zu schü zen und die Klimaka as ophe abzuwenden. Diese Ziele zu
e d ängen, zu e wässe n ode zu e zöge n, is g undgese zwid ig. Ih e Umse -
zung wi d abe in demok a ischen S aa s o men nu im Ein e nehmen mi de
Gesellscha und den on de bes ehenden Gesellscha so dnung legi imie en Mi -
eln unk ionie en.
Sei ielen Jah en e such auch die Soziologie An wo en au diese He aus-
o de ungen zu finden. Die Analysen zeigen zwa eine hohe Sensibili ä gegenübe
den No wendigkei en eine T ans o ma ion, bislang sind abe a sächlich nu wenig
Ve ände ungen in den Lebenswel en zu e kennen (UBA 2023). Mode ne Gesell-
scha en mi ih en aumg ei enden und a bei s eiligen Wohls andsmodellen e a-
gen sich o enkundig nu schwe mi klimapoli ischen Reduk ionszielen, selbs
dann, wenn sie om obe s en Ge ich ge o de we den. T o z sich ba e Ve schie-
bungen in den We ep ä e enzen und Handlungsmus e n beispielsweise in den
Be eichen Gesundhei und E näh ung sind Einspa ungen bei den T eibhausgasemis-
sionen bishe o wiegend du ch echnische Ve besse ungen e eich wo den. Vo
allen Dingen im Sek o Ve keh bleiben die Emissionen wei e hoch (Ago a Ve -
keh swende 2023). Es schein , dass ein Ke n de Mode ne aus einem nu seh schwe
ans o mie ba en „Disposi i “an ge onnenen E ah ungen und E wa ungen mi
eine wachs umso ien ie en Wi scha sweise bes eh . Diese Ke n schein nich nu
e ände ungs esis en zu sein, e wi d auch im globalen Maßs ab du chgese z
(Mande scheid 2023). Denn diese Ve eilungs äume we den nich nu au Kos en
de na ü lichen Lebensg undlagen, sonde n gegenübe dem „Res de Wel “ e -
eidig (Lessenich 2016). Die poli isch he ges ell e Absiche ung des e keh sin en-
si en Wohls andsmodells insbesonde e gegenübe dem Globalen Süden is abe
auch nich ü alle in den wes lichen Gesellscha en on gleiche Rele anz. Die
CO
2
-Emissionen en wickeln sich seh asymme isch: die Menge de ausges oßenen
T eibhausgase e läu en lang de Wohls andslinie, je höhe Ve mögen und Ein-
kommen, umso g öße de Auss oß on T eibhausgasen. Klimaschu z is dahe auch
imme eine F age de sozialen Ge ech igkei (Henkel e al. 2023).
Die zen ale F age ü die E eichung de in e na ional e einba en Ziele is also:
wie wandlungs ähig sind mode ne Demok a ien und können diese auch im Modus
de Nachhal igkei mi allen ih en Ga an ien de indi iduellen F eihei und des
2 A. Knie
ma e iellen Wohls andes und de sozialen Ge ech igkei unk ionie en? Im Mi el-
punk s eh die Ve keh sin as uk u , wo echnische Inno a ionen nich wie es in
ande en Sek o en g ei en. T o z alle E fizienzgewinne bleib de CO
2
-Auss oß
wei e hin hoch. Wa um sind so wenig Ve ände ungen in den Rou inen e kennba ?
Wa um s ell de mo o isie e Indi idual e keh mi einem Ma k an eil on s abilen
75 % imme noch den Löwenan eil bei den Ve keh sleis ungen (Nobis und Kuh-
nimho 2018)?
Wäh end die na u wissenscha lich- echnischen Disziplinen die ökologische Be-
d ohungslage eingehend analysie , dokumen ie und bewe e haben, u sich die
sozialwissenscha liche Nachhal igkei s- und T ans o ma ions o schung mi den
dami e bundenen F agen und P oblemlagen schwe (Block e al. 2018). Es ehl
ih schon die analy ische Kla hei eines T ans o ma ionsbeg i es. Im Kon ex de
Nachhal igkei sdiskussion bleib e imme noch ech age (B and 2016). Un e -
schieden wi d zwischen einem s a egischen und analy ischen Konzep de T ans-
o ma ion, was abe auße halb ein akademische Deba en bishe keine Rolle spiel .
Es bleib das ungelös e g undsä zliche Dilemma, eigen lich e bindliche Reduk i-
onsziele in eine eihei lichen demok a ischen O dnung aushandeln zu müssen.
Ansä ze zu eine Soziologie de Nachhal igkei e weisen bishe imme au all-
gemeine F agen zu gesellscha lichen En wicklungsdynamiken: „How do mode n
socie ies change wi h espec o hei basic ins i u ional o de and hei ela ionship
wi h na u e i hey a e guided by ce ain imagina ions o sus ainabili y?“(Adlo und
Neckel 2019, S. 1018). Die beg i fliche Unschä e i auch au die Nachhal ig-
kei s o schung selbs zu, da „Nachhal igkei sich au he e ogene Zielse zungen
bezieh und un e schiedliche gesellscha liche G uppen ‚Nachhal igkei ‘jeweils
ü sich definie en und in Ansp uch nehmen können. (...) Nachhal igkei d oh zu
einem ‚emp y signifie ‘zu we den, de zwa in iele lei Hinsich anschluss ähig is ,
abe als ‚Black Box‘zugleich in iel ache Weise s a egisch ge üll und konk e i-
sie we den kann“(Henkel e al. 2023, S. 15). Denn mögliche weise s eck hin e
diese noch ech unkla en Beg i flichkei eine A Un e einba kei . Vielleich lassen
sich mode ne Demok a ien in ih e ins i u ionellen Ve es igung und ih en e keh s-
p oduzie enden S uk u en ga nich e ände n. Diese He aus o de ung zeig sich in
de Mobili ä mi besonde e Schä e. De Ve keh eine Gesellscha is ein Indika-
o ih e S uk u und Kul u , gleichsam ein „Guckloch“, wie es S ephan Rammle
mi Rückg i au den Be line Soziologe Die e Claessens (1966) o mulie e
(Rammle 2001). Zwischen de Mode ne und de Mobili ä gib es eine wechselsei-
ige Be ö de ung und eine gemeinsame Indiens nahme: ohne eine g enzübe sch ei-
ende Mobilisie ung on Menschen und Wa ens öme is kein Wi scha swachs um
denkba und (scheinba ) keine soziale In eg a ion machba , die Mobili ä is sozu-
sagen „de Maschinen aum de Demok a ie“. Mi de Hin e legung eines heo-
e isch-konzep ionellen Zugangs eine gesellscha lichen T ans o ma ion könn e
sich abe ielleich doch eine Chance ü eine Soziologie de Nachhal igkei e ö -
nen, wenn mögliche Re o mko ido e ma kie und doch Hinweise au Ve ände un-
gen e kennba wü den.
Ve keh sin as uk u en wa en imme schon eine wich ige Vo ausse zung ü die
Gesellscha sbildungen, dabei ha kein ande es Ve keh smi el die wes liche Wel so
Kein Rich iges Leben im Falschen? Die G enzen de Ve keh swende... 3
ge o m wie das Au omobil (Canzle 2016). Hie zeig sich die Ambi alenz des
mode nen Lebens und das Ke np oblme eine Soziologie de Nachhal igkei wie in
einem B ennglas: eine sei s is das Au o ein „E mögliche “ ü das Leben in F eihei
und Wohls and, ande e sei s e en imme meh Dys unk ionali ä en zu Tage, sodass
mi seine uni e salen Ve b ei ung eine nachhal ige Lebensweise nich möglich is .
Mi dem Au omobil und seine In as uk u ha sich diese Gesellscha en wickel
und auch e ände , sie ha sich äumlich ausgedehn und sozial wei di e enzie
(Knie 2023). Alle dings is de Au omobil e keh als eine de T eibe diese
Mode nisie ung mi le weile an seine G enzen gelang . E e b auch als Indi idual-
e keh zu iele Ressou cen, e schade dem Klima und unk ionie in den Bal-
lungs äumen au g und des hohen Raumbeda es und seine Masse o nich meh
(Ruh o 2019). Es schein also so, dass mode ne Gesellscha en wede mi , abe
auch nich ohne Au os unk ionie en.
Empi isch is das e keh liche Fundamen mode ne , demok a ische Gesell-
scha en pa adoxe weise in de Zei eine Dik a u en scheidend o angeb ach
wo den. So wu de ge ade ü Deu schland nach dem Zwei en Wel k ieg de Weg
de gesellscha lichen En wicklung geebne . Mi dem Au o als S anda d und als
e keh s echnische No m wu de die bundes epublikanische Gesellscha so einsei ig
fixie , dass sich diese Ve bindung nich ein ach lösen läss . Zumal das Au o auch
e keh s- und planungs ech lich en sp echend e anke is . Ob die S aßen e keh s-
o dnung, das Pe sonenbe ö de ungsgese z ode de Bundes e keh swegeplan: die
ech liche Codie ung des Raums und die A de Bewi scha ung seine Nu zung
e kö pe n die Fo sch i sideen de 1950e - und 1960e -Jah e, abe sie gel en bis
heu e (Knie 2023).
Die Nachk iegsgesellscha mi ih en damaligen gesellscha lichen Fo sch i s-
bilde n p i a e Klein amiliens uk u en mi s abilen S anda dbiog afien im Eigen-
heim is sozusagen e keh spoli isch einge o en. Sie bilden als „sozio- echnisches
Regime“(Geels 2002) wei e hin die Re e enz ü die gese zliche Basis, obwohl ih e
Lei bilde b üchig gewo den und ih e sozials uk u ellen G undlagen sich längs
e ände haben. Abe die in das Au omobil eingesch iebenen und e mi el en
We e scheinen imme noch s abil zu sein. Doch welche Auswi kungen ha dieses
Regime au die Gesellscha und wie lassen sich Al e na i en e ablie en, wenn die
e keh spoli ische und - ech liche G undaus ich ung o z alle Funk ionsp obleme
nach wie o au das Au o fixie is ? Bishe e e sich die Gesellscha mi de
Aussich au echnische Lösungen wie die Elek omobili ä , den Einsa z on Wasse -
s o ode den Be ieb du ch E-Fuels (Ago a Ve keh swende 2023). Au diese Weise
sollen zumindes die T eibhausgasemissionen au das no wendige Maß eduzie
we den.
2 Theo e isch-konzep ionelle Zuga
¨nge
Die sozialwissenscha liche Mobili ä s o schung ha die Einbe ung des Au os in
gesellscha liche S uk u en um assend besch ieben (Knie 1997; U y 2004; Man-
de scheid 2014). Aus echniksoziologische Sich e schein das p i a e Au o als eine
4 A. Knie

zen ale Ins i u ion de Nachk iegsmode ne (U y 2004) und ungie als T äge
iel äl ige kul u elle Bedeu ungszusch eibungen (Hö ning 1988), die ih e sei s
als P oduk eine poli ischen Fo mung des Au omobils e s anden we den können
(Pa e son und Iannelli 2008). Ähnlich wie in ande en Indus ielände n wa und is
auch in Deu schland das Au o Gegens and geziel e poli ische Fö de ung (En e -
nungspauschale, Diens wagenp i ileg, Dieselsub en ionie ung und ieles meh )
sowie indi ek e Fö de ung du ch die Scha ung p i ilegie e egula o ische Rah-
menbedingungen wie die Okkupie ung des ö en lichen Raums du ch den uhenden
und fließenden Au o e keh (Canzle e al. 2018).
Du ch die dominan e S ellung in iel äl igen All agsp ak iken wi k das Au o
zugleich als „ins i u ionelle An eizs uk u “(Schulz-Schae e 2008) bzw. als
„Sk ip “(Ak ich 1992), das bes imm e Handlungsen wü e naheleg und zugleich
den da in objek i ie en Handlungszielen zu gesellscha lichen Hegemonie e hil .
Im Anschluss an Schü z und Luckmann (1994) läss sich die gesellscha liche
Ve anke ung des Au os als Ins i u ionalisie ungsp ozess deu en. Techniksoziolo-
gisch wi d Ins i u ionalisie ung e s anden als „Habi ualisie ung und Rou inisie ung
ypische Handlungsabläu e“, die dazu üh , „dass die be e ende Handlungsweise
mi aglose Selbs e s ändlichkei als das e o de liche, ich ige, angemessene
Handeln in den zugehö igen ypischen Si ua ionen gil und wah genommen wi d
und uns in diesem Sinne als objek i e Wi klichkei en gegen i “(Schulz-Schae e
und Ramme 2019, S. 63). Es is abe nich nu das Au o als A e ak , das hie
e handel wi d. Um diese Wi ksamkei und S abili ä ausüben zu können, is ein
en sp echende Funk ions aum no wendig, de egelbasie die Dominanz dieses
einen Ve keh smi el es sch eib . Ve keh läss sich in eine s engen Regelha igkei
als eine wei e e Fo m on Ins i u ionalisie ung besch eiben: nämlich als eine unhin-
e ag e, s uk u bildende und o dnende Selbs e s ändlichkei und zwa mi dem
Au o im Mi elpunk . Die gel enden S aßen e keh s egeln siche n bis heu e die
uneingesch änk e He scha des Au os im ö en lichen Raum ab. Rou inen we den
du ch Gese zesk a zusä zlich s abilisie und e möglichen dami ein in ui i es
Ve hal en. Als E gebnis diese Ins i u ionalisie ung kons i uie sich um das p i a e
Au omobil dami ein als selbs e s ändlich angenommenes Se on sozialen P ak i-
ken, die als G undlage ü eine e olg eiche Lebens üh ung in de mode nen Gesell-
scha gel en und dessen Geb auch dahe al e na i los e scheinen lassen (Canzle
und Knie 2019). Soziale We ezusch eibungen und In e p e a ionen bleiben in ech-
nischen A e ak en e hal en und ungie en so als Ins i u ionalisie ungs- und Legi i-
mie ungsins anzen. Dami unk ionie en die Ge ä e als ma e ielle T äge , die soziale
S uk u en s abilisie en und mi zusä zliche Wi kungs- und Bedeu ungsmach aus-
s a en. Umgekeh wi ken echnische A e ak e übe die in ihnen eingesch iebenen
Sk ip e als Mul iplika o en und S abilisa o en sozial dominan e In e p e a ionen au
die Nu zenden und dami au die Gesellscha zu ück. Das Ve häl nis zwischen
soziale Disposi ion und echnischem A e ak is also ein dialek isches, es is ein
sich gegensei ig beeinflussende und wechselsei ig s abilisie ende P ozess. Das
Au o is dami U sache und Folge gesellscha liche Di e enzie ung zugleich und
die in diesem Rahmen adie en Bedeu ungszusch eibungen e klä en einen Teil
seine A ak i i ä .
Kein Rich iges Leben im Falschen? Die G enzen de Ve keh swende... 5
Technikhis o isch be ach e s eh das Au o dami im Zen um eines „seamless
web“(Hughes 1983) on he e ogenen Komponen en, zu denen neben den ech-
nischen und in as uk u ellen Elemen en insbesonde e auch gesellscha liche Lei -
bilde , ö de liche egula o ische Rahmenbedingungen und au das Au omobil aus-
ge ich e e Subjek i ie ungs o men gehö en (Mande scheid 2014).
Eine An wo au die F age, wie sich die Zahl de Au os eindämmen läss , is zwa
klimapoli isch d inglich, jedoch echniksoziologisch schwe zu geben: Die Kopp-
lung on F eihei und Wohls and an das echnische Sys em Au o is wei e hin eng
und in einem sozio- echnischen Regime s abilisie . Hie bei wi d wiede an die oben
angedeu e e doppel e He aus o de ung angeknüp : Inwiewei können hoch di e-
enzie e demok a ische Gesellscha en au neue T ans o ma ionsp ade einschwen-
ken? Wo lassen sich soziologisch undie Wege eine Ö nung und Neudefini ion ü
eine nachhal ige Ve keh spoli ik übe haup e kennen? Wie können Pa ne scha en
ode Allianzen de T ans o ma ion au gebau we den? Inwiewei is dies an die
Ve ügba kei ans o ma i en Wissen gebunden bzw. wie muss dieses Wissen
bescha en sein und wie kann es e zeug we den?
Die sozialwissenscha liche Mobili ä s o schung soll e hie an die in e diszipli-
nä en Fo schungen zu um assenden T ans o ma ionsp ozessen (Köhle e al. 2019)
anschließen, die un e such , un e welchen Bedingungen eine De-Ins i u ionalisie-
ung eines e ablie en sozio- echnischen Regimes wie de Au omobili ä möglich
we den kann (Geels 2012). De Beg i des „sozio- echnischen Regimes“basie
dabei au dem Meh ebenenmodell on T ans o ma ionen (MLP) (Geels 2002), das
als eine Heu is ik an de Schni s elle on Technikgeschich e, Techniksoziologie und
Inno a ions o schung en wickel wu de, um Ve ände ungsp ozesse sozio- ech-
nische A angemen s zu un e suchen. Im Fokus de da au au bauenden Fo schun-
gen s ehen die Beha ungsk ä e, die sozio- echnischen A angemen s ih e S abili ä
e leihen, sowie die Ums ände, un e denen T ans o ma ionsp ozesse möglich we -
den.
Das Zen um des Modells bilde die analy ische Un e scheidung on d ei Ebenen:
Regime, Nische und Landscha , die wechselsei ig au einande einwi ken (ebenda).
Die sozio- echnische „Landscha “bezeichne dabei den übe geo dne en Kon ex ,
inne halb dessen sich Regime- und Nischenak i i ä en abspielen. Um assende
Wandlungsp ozesse können sowohl on Nischeninno a ionen als auch on Ve -
schiebungen au de Ebene de sozio- echnischen Landscha bzw. einem Zusam-
menspiel on beiden ausgehen (Geels e al. 2016). Vo handene sozio- echnische
A angemen s e es igen sich demnach in Fo m on Regimen, die als ge eil es Se
on Regeln und In e p e a ionen e s anden we den können, an denen sich die
Sys emak eu e in ih em Handeln o ien ie en. Sozio- echnische Regime e hal en
ih e S abili ä und Legi imi ä du ch ih e Ve anke ung in ins i u ionellen Rahmen-
bedingungen, In e essens uk u en, Denk- und Ve hal ensmus e n, abe auch in
äumlichen S uk u en, ma e iellen In as uk u en und nich zule z in All agsp ak-
iken. Un e halb de Ebene des sozio- echnischen Regimes lieg die Ebene de
Nischen, in denen al e na i e A angemen s en wickel und ge es e we den. Von
diesen können Impulse ü eine Ve ände ung des dominan en Regimes ausgehen.
6 A. Knie
3 Hinweise au eine De-Ins i u ionalisie ung de
Au ogesellscha : Das Neue No mal?
Eine Ve keh swende –die ge ade im poli ischen Raum iel disku ie und eilweise
e ho wi d –e schein soziologisch gesehen nich ohne eine gesellscha liche De-
Ins iu ionalisie ung möglich, weil Regimek ä e imme s abilisie end wi ken. Nu
no ma i zu a gumen ie en, dass eine T ans o ma ion in Rich ung eine nachhal igen
Mobili ä d ingend no wendig sei, e äng nich in den sozialen P ak iken (Hesse
1995). Auch sind die ech lichen S uk u en gänzlich ande e. Dennoch gil es zu
un e suchen, wo E osionen des lange s abilen Au omobili ä smodells inne halb des
he schenden gesellscha lichen Sys ems zu e kennen sind und wo die p ägende
Bedeu ung dieses sozio- echnischen Regimes ab nimm . Wo gib es Al e na i en und
wo sind die oben benann en Nischen bzw. we den sie als e kennba e soziale
P ak iken be ei s geleb ? An wo en au diese F agen e lauben schließlich Aussagen
da übe , ob und gegebenen alls in welchem Um ang das Modell Au o eine gesell-
scha liche Ausdi e enzie ung noch o an eib ode ob die De-Ins i u ionalisie ung
be ei s so wei o angesch i en is , dass sie neue poli ische Op ionen e laub . Wie
könn e ein neues, dazu passendes „Sk ip “aussehen?
T o z de es en Ve anke ung des Au os in den gesellscha lichen S uk u en
zeigen sich sei einigen Jah en empi ische Phänomene de E osion des dominan en
Au omobili ä s egimes. Es gib Anzeichen da au , dass sich die Gesellscha zumin-
des eilweise be ei s so e ände ha , dass ih al es Ve keh s undamen nich meh
un e allen Ums änden nü zlich is und die al en Selbs e s ändlichkei en eine
unhin e ag en Au onu zung ohne wei e es gel en. In den g oßen S äd en deu e
sich an, dass die ehemals e ablie en Einsch eibungen und Ve es igungen an Selbs -
e s ändlichkei e lie en, weil das p i a e Au o sein Ve sp echen au g enzenlose
Mobili ä kaum noch einzulösen e mag. Es is schlich die s ändig s eigende Menge
de Au os, die den e ügba en Raum zus ellen und dami S äd e zu Res ik ionen
zwingen, um übe haup die Funk ions ähigkei des Ve keh s au ech e hal en zu
können.
Die zu A ak i i ä des Au os gehö ende Möglichkei , das Fah zeug übe all
abs ellen zu können, en pupp sich in allen g oßen Ballungs äumen als eine imme
g öße e Hypo hek. Die Nu zungskonku enzen zwischen dem uhenden Au o e -
keh und den ande en Ve keh s eilnehmenden e g öße n sich und üh en zu ge äh -
lichen Si ua ionen. Zudem ha sich du ch den E-Comme ce die Zahl de Zus ell ah -
zeuge e heblich e g öße , die den Pla zmangel im ö en liche S aßen aum noch
zusä zlich e schä en. Die übe iele Jah zehn en gewohn en Quali ä en des Au os
bei p i a en wie be uflichen Fah en sind du chgängig nich meh e ügba .
Pa allel dazu haben sich auch die Ve keh sp ak iken e ände : die Konzen a ion
au ein einziges Ge ä e lie an Bedeu ung. Zunehmend we den un e schiedliche
Ve keh smi el genu z . Die äumlich und zei lich hohe Flexibili ä des Un e wegs-
seins zeig sich in unk ional geeigne e en echnischen Op ionen: Eine Kombina ion
aus Bussen, Bahnen, Räde n und Rolle n wi d ü einen ele an en Teil de S ad -
gesellscha gegenübe dem eigenen Au o die a ak i e e Al e na i e. Du ch digi ale
Pla o men schieb sich eine neue Obe fläche übe die Ve keh slandscha , sie
Kein Rich iges Leben im Falschen? Die G enzen de Ve keh swende... 7
e ände n Zugänge, e schieben die Rele anz des Besi zens zuguns en des Nu zens
und ände n We schöp ungske en. Die Plu alisie ung de Ve keh sop ionen und die
spon ane und si ua i e Zugänglichkei bie en eine hohe Pass ähigkei zu eine
Gesellscha , in de sich die Lebensphasen, A bei s- und Lebenss ile genauso wie
Familien- und Paa kons ella ionen ausdi e enzie en. Diese En wicklungen we den
du ch eine b ei e Aneignung digi ale Mobilge ä e im All ag noch e s ä k (Canzle
und Knie 2016). Techniksoziologisch o mulie , schein die du ch das mobile
In e ne beschleunig e gesellscha liche Ausdi e enzie ung in s äd ischen Milieus
übe das p i a e Au o –dem bishe igen ma e iellen T äge –hinausgewachsen zu
sein. Ablösungse scheinungen sind in allen Raum ypen e kennba . Jünge e Be unde
zeigen, dass die Zahl de zugelassenen K z nich meh ohne wei e es mi s eigenden
Einkommen ko elie , sonde n in S ad andlagen ielmeh als Zeichen eines wach-
senden A mu s isikos be ach e we den kann. Lebens o men auße halb s äd ische
Milieus, die nu um den P eis eine ex emen Au oabhängigkei zu ealisie en sind,
e lie en an A ak i i ä . Auch das kann zu De-Ins i u ionalisie ung des Regimes
üh en (Geo ge e al. 2025).
De bishe g öß e Einschni in die Selbs e s ändlichkei en mode ne Gesellscha
is siche lich de Umgang mi de Pandemie gewesen. Die F agili ä de globalen
Wi scha sk eisläu e zeig e sich gleichsam übe Nach . Wie s a k Wa en- und
Gü e s öme und Jus -in- ime-Lie e ke en wel wei mi einande e ne z , abe
dami auch ex em an ällig sind, wu de plö zlich deu lich. Das bishe so s abile
Regime e lo seine S abili ä und zwang zu hek ischen Ak i i ä en zu Siche s el-
lung on Redundanzen, um die Ve so gungssiche hei zu e hal en, e knüp mi
Fo de ungen nach eine nachhal igen Wi scha s o m mi eine deu lich höhe en
Resilienz. De Au bau on dezen ale en Ve so gungss uk u en, die in eine globa-
len Pe spek i e aus Kos engesich spunk en lange unmöglich schien, is sei dem au
de Tageso dnung und wi bel seine sei s die Lie e ke en du cheinande .
Wie we oll demok a ische G und ech e sind, wu de im Ringen um die ange-
messenen Abweh - und In e en ionss a egien wäh end de Pandemie p ak isch
äglich sich ba und imme wiede neu disku ie . Das Rech au Bewegungs eihei
wa dabei zen al. Das Modell de aumg ei enden a bei s eiligen au omobilen
Gesellscha s and plö zlich ganz g undsä zlich in F age. Die „Pendle gesellscha “
–eine zen ale Besch eibung des bishe igen sozio- echnischen Regimes – and nich
meh s a . E s mals nach dem zwei en Wel k ieg wa das Junk im on äumliche
und soziale Mobili ä in F age ges ell und muss sozusagen neu ausgesch ieben
we den.
Abe es zeig e sich auch, wie g oß die Flexibili ä s ese en mode ne Gesell-
scha en sind, mi Hil e digi ale Kommunika ions- und In o ma ionss uk u en in
ku ze Zei eine i uelle Mobili ä zu e ablie en. O s- und zei flexibles A bei en wa
möglich, Einkäu e, Besuche, kul u elle Ve ans al ungen wu den ins In e ne e -
schoben und dies mi Folgen, die wei übe die Pandemie hinaus eichen. Obwohl
p ak isch alle Res ik ionen nach de Pandemie au gehoben wu den, is das o s- und
zei flexible A bei en que du ch alles B anchen und Hie a chies u en als empi ische
sich - und messba e Ums and nich meh weg zu denken und be ei s als das „Neue
No mal“besch ieben (Geo ge und Knie 2023).
8 A. Knie