Zur Steuerung des Zinsänderungsrisikos in Kreditinstituten
Abstract
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Full text
Wondrak, Bernhard Article Zur Steuerung des Zinsänderungsrisikos in Kreditinstituten Kredit und Kapital Provided in Cooperation with: Duncker & Humblot, Berlin Suggested Citation: Wondrak, Bernhard (1986) : Zur Steuerung des Zinsänderungsrisikos in Kreditinstituten, Kredit und Kapital, ISSN 0023-4591, Duncker & Humblot, Berlin, Vol. 19, Iss. 3, pp. 401-416, https://doi.org/10.3790/ccm.19.3.401 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/293063 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
Zur Steuerung des Zinsänderungsrisikos in Kreditinstituten Von Bernhard Wondrak, Frankfurt* I. Problemstellung Wachsende Zinsfluktuationen auf den internationalen Geldund Kreditmärkten haben dazu geführt, daß sich die Kreditinstitute in den letzten Jahren einem verstärkten Zinsänderungsrisiko ausgesetzt sahen. Seit Ende der siebziger Jahre wird den Zinsänderungsrisiken der Banken in der Finanzierungstheorie und der Finanzierungspraxis verstärkt Beachtung geschenkt. Dennoch besteht bislang kein einheitlich anerkanntes Konzept zur Quantifizierung, Beurteilung und Steuerung von Zinsänderungsrisiken. Die in der Theorie entwickelten Ansätze zur Beurteilung und Begrenzung der Zinsänderungsrisiken werden von den Bankpraktikern in der Regel mit dem Hinweis auf die realitätsfernen Prämissen der Modelle abgelehnt, während die in der Praxis durchgeführten Zinsänderungsrechnungen wegen mangelnder theoretischer Fundierung oder zu spezieller Ausrichtung der Rechenwerke keine allgemeine Akzeptanz finden können. In jüngster Zeit sind die theoretischen Ansätze vergleichend dargestellt und auf ihre praktische Anwendbarkeit hin untersucht worden1. Die Untersuchungen stellen insbesondere auf die Kompatibilität der vorgeschlagenen Verfahren mit den Kalkulationsschemata und Planungsrechnungen der Bankpraxis ab. Im Ergebnis werden die theoretisch motivierten Ansätze abgelehnt. Der vorliegende Beitrag will die Kritik dadurch relativieren, daß die Kritikpunkte einzeln aufgegriffen und den Grundlagen und Ergebnissen der Theorie gegenübergestellt werden. Die Anforderungen an ein Instrument zur Beurteilung des Zinsänderungsrisikos einer Bank lassen sich kurz charakterisieren: Das gesamte Zinsänderungsrisiko, dem sich eine Bank an einem Stichtag gegenübersieht, * Dr. Bernhard Wondrak ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem von Prof. Dr. Bernd Rudolph, Frankfurt am Main, durchgeführten Forschungsprojekt über spezielle Verfahren zur Immunisierung von Wertpapierportefeuilles gegen Zinsänderungsrisiken. Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. 1 Vgl. Rolfes (1985) und (1985 b) und Kugler (1985). OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.19.3.401 | Generated on 2023-01-16 12:53:17
402 Bernhard Wondrak soll in möglichst kompakter Form anhand einer einzigen Zielgröße quantifiziert werden. Ausgehend von der am Stichtag geltenden Zinsstruktur soll durch die Abschätzung der Veränderung einer Zielgröße die Reduktion oder das Anwachsen der Risikoposition der Bank bei alternativen Zinsscenarien ersichtlich gemacht werden. Der Einfluß des prognostizierten Kundenneugeschäfts sowie des möglichen Eigengeschäfts auf die Zinsänderungsrisiken sollen berücksichtigt werden. Schließlich muß sich eine Zinsänderungsrechnung in die übergeordneten Kalkulationsund Planungssysteme einer Bank integrieren lassen. Als Zielgröße zur Quantifizierung des Zinsänderungsrisikos verwenden die theoretischen Ansätze, wozu auch die Duration-Analyse zählt, in der Regel den Marktwert (Kapitalwert, Reinvermögen) des Eigenkapitals der Kreditinstitute. Demgegenüber messen die eher praktisch orientierten Konzepte den Einfluß des Zinsänderungsrisikos am Zinsüberschuß bzw. an der Bruttozinsspanne. Die Veränderung des Reinvermögenswertes in dynamischen Verfahren spiegelt alle zukünftigen Auswirkungen einer Zinsänderung auf die Gesamtposition einer Bank wider. Statische Verfahren, die den Zinsüberschuß einer Periode kontrollieren, müssen um zusätzliche Rechnungen ergänzt werden (z. B. Wertverluste auf Festzinspositionen = Abschreibungen), um die Zinsänderungswirkungen der Folgeperioden berücksichtigen zu können. Im folgenden wird das Verfahren der Kontrolle der Zinsänderungsrisiken mit Hilfe der Duration-Analyse kurz skizziert, bevor die von den Verfechtern der statischen Verfahren zur Kontrolle von Zinsänderungsrisiken vorgebrachten Kritikpunkte an der dynamischen Duration-Analyse aufgegriffen werden. II. Die Kontrolle von Zinsänderungsrisiken mit Hilfe der Duration-Analyse Die Duration-Analyse wurde in den USA von Grove (1974), Toevs (1983), Kauf man (1985) und Bierwag (1985) und in Deutschland besonders von Rudolph (1979 und 1981) und Schmidt (1979 und 1981) zur Kontrolle von Zinsänderungsrisiken in Kreditinstituten vorgeschlagen. Als Duration bezeichnet man eine Kennzahl für die mittlere Bindungsdauer von Festzins Verpflichtungen2. Mit der Duration-Kennzahl als Indi2 Vgl. Macaulay (1938). OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.19.3.401 | Generated on 2023-01-16 12:53:17
Zur Steuerung des Zinsänderungsrisikos in Kreditinstituten 403 kator für die Zinsempfindlichkeit des Barwertes einer deterministischen Zahlungsreihe läßt sich die durch eine Zinssatzänderung bewirkte Barwertänderung der Zahlungsreihe leicht abschätzen. Bezeichnet man mit B den Barwert einer Einzahlungsreihe mit den Einzahlungen in Höhe von et, t = 1, . . . , T, beim einheitlichen Marktzins i: T (1) B= 2 et(l + i)~t, t = i so kann die Veränderung dieses Barwertes aufgrund einer Zinsänderung mit Hilfe der Duration-Kennzahl leicht abgeschätzt werden. Die Barwertänderung der Zahlungsreihe ergibt sich aus dB v (2) = - Z tMl + i)-'-1. di t = i Die Duration-Kennzahl ist ein mit den Barwerten der Einzahlungen gewichtetes Durchschnittsmaß für die Bindungsdauer der Zahlungsreihe und ist in der einfachsten Form wie folgt definiert: T 2 tet{ 1 + i)'1 t = i (3) D = — ' 2 e< (1 + i) ' t = 1 Durch Einsetzen von (3) in (2) erhält man für kleine Zinsänderungen Ai eine bequeme Schätzgröße für die Barwert änderung A B: 1 (4) AB = B - D - Ai. 1 + i Anwendung findet die Duration-Analyse bei der Planung und Beurteilung von Portefeuilles festverzinslicher Wertpapiere und in der Abschätzung von Zinsrisiken der Kreditinstitute. Betrachtet man das Reinvermögen einer Bank (E) als Differenz aus den Barwerten ihrer Aktiva (A) und ihrer Passiva ohne Eigenkapital (V), so zeigt die Reinvermögensänderung als Summe der Barwertänderungen der Aktiven und Passiven das Zinsänderungsrisiko der Bank auf3. Analog zu der in (4) beschriebenen Barwertänderungsschätzung einer Zahlungsreihe ermittelt man die Barwertänderungen der Aktiva und der Passiva einer Bank aus 3 Vgl. Rudolph (1979). OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.19.3.401 | Generated on 2023-01-16 12:53:17
404 Bernhard Wondrak 1 (5) AA = 1 + iA DA 'A - Ai (6) AV = 1 Dv-V-Ai. 1 + iv Die Reinvermögensänderung ergibt sich als Differenz der Aktivund Passivbarwertänderungen Die Differenz aus den gewichteten Duration-Werten der Aktivund der Passivseite (DA - DvV/A) wird in der amerikanischen Literatur als Duration-Gap bezeichnet4. Die Ausprägung dieser Differenz ist ein Indikator für die Zinsempfindlichkeit von Bankportfolios. Je höher der absolute Wert der Duration-Lücke ist, desto stärker wirken sich Zinsänderungen auf den Reinvermögenswert aus. Weist ein Bankportfolio eine positive DurationLücke aus, so besteht ein Zinsänderungsrisiko bei steigenden Marktzinsen, während die Bank von fallenden Marktzinsen profitiert. Ist die DurationLücke negativ, so besteht ein Zinsänderungsrisiko bei fallenden Zinsen; steigende Marktzinsen führen zu Zinsgewinnen. Eine vollständige Immunisierung des Bankportfolios gegen Zinsänderungsrisiken wird nur erreicht, wenn das Bankportfolio so gestaltet ist, daß die Duration-Lücke gleich Null ist. Da Kreditinstitute in der Regel eine positive Fristentransformation betreiben, d.h. daß die durchschnittliche Bindungsdauer der Aktiva die der Passiva übersteigt, weist die Duration-Lücke normalerweise einen positiven Wert auf. Der Umfang des Zinsänderungsrisikos kann über die Höhe der Duration-Lücke kontrolliert werden. Mit den Verfahren der bedingten Immunisierung5 lassen sich durch die Steuerung der Duration-Lücke die Reinvermögensverluste aus Zinsänderungen auf einen vorab festgelegten Maximalbetrag begrenzen. Ein einfaches Beispiel verdeutlicht die Kontrolle der Zinsänderungsrisiken mit der Duration-Analyse. (7) AE = AA-AV 1 + iv A 4 Vgl. Bierwag und Kaufman (1985). s Vgl. im einzelnen Wondrak (1986), S. 85 - 163 und S. 193 - 231. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.19.3.401 | Generated on 2023-01-16 12:53:17
Zur Steuerung des Zinsänderungsrisikos in Kreditinstituten 405 Die Aktiven einer Bank bestehen aus 400 GE endfälligen mittelfristigen Krediten zu 8 v.H. mit einer Restlaufzeit von vier Jahren und aus 600 GE langfristigen Krediten zu 10 v. H. mit einer Restlaufzeit von acht Jahren und gleichmäßiger Ratentilgung. Als Fremdmittel verfügt die Bank über 500 GE Festgelder mit einem Jahr Laufzeit, die sie mit 6 v. H. verzinst. Weiterhin hat sie für 300 GE endfällige Schuldverschreibungen emittiert, für die sie 9 v. H. Zinsen zahlt. Die Schuldverschreibungen haben eine Restlaufzeit von 6 Jahren. Das Eigenkapital der Bank beträgt also (1000 - 800) = 200 GE. Die Positionen stehen mit ihren Barwerten in der Bilanz. Da die Abzinsung mit den jeweiligen Effektivzinssätzen erfolgt, entsprechen die Barwerte im Planungszeitpunkt den Nominalwerten. Bilanz mittelfristige Kredite 400 Festgeld 500 langfristige Kredite 600 Schuldverschreibungen 300 Eigenkapital 200 1000 1000 Die Bilanzpositionen weisen auf Effektivzinsbasis folgende DurationWerte auf: Mittelfristige Kredite: DMK = 3,5771 Langfristige Kredite: DLK = 3,6645 Festgeld (1 Jahr): DFG = 1,0000 Schuldverschreibungen: DSv = 4,8897 Die mit den Volumina gewichteten Duration-Werte der Aktivund Passivseite betragen 1 ( 3,5771 3,6645 \ Da 400 + 600 = 3,3237 1000 \ 1,08 1,1 / und 1 / 1,0000 4,8897 \ Dv = 500 + 300 = 2,2719 . 800 \ 1,06 1,09 / Rechnet man mit einer Zinserhöhung in Form einer Verschiebung der Zinskurve um zwei Prozentpunkte, so kann der Einfluß dieser Zinsänderung OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.19.3.401 | Generated on 2023-01-16 12:53:17
406 Bernhard Wondrak auf den Reinvermögenswert der Bank analog Gleichung (7) leicht abgeschätzt werden: AE = - (3,3237 - 0,8 • 2,2719) • 1000 • 0,02 « - 30 . Die Bilanz nach einer Zinserhöhung um zwei Prozentpunkte sieht wie folgt aus (bilanziert zu Barwerten): Bilanz mittelfristige Kredite 374,64 Festgeld 490,75 langfristige Kredite 562,10 Schuldverschreibungen 274,62 Eigenkapital 171,37 936,74 936,74 Der tatsächliche Rückgang des Reinvermögens nach einer hypothetischen Marktzinserhöhung um zwei Prozentpunkte beträgt also 28,63 GE (200 - 171,37) und liegt damit unter dem geschätzten Rückgang von 30 GE. Selbstverständlich kann diese Rechnung auch leicht bei Vorgabe der maximalen Reinvermögensänderung zu einer Steuerung des Festzinsgeschäfts herangezogen werden. III. Kritikpunkte an der Duration-Analyse Die wesentliche Kritik an der Duration-Analyse als Instrument zur Kontrolle von Zinsänderungsrisiken zielt auf die Prämissen der Duration-Analyse und führt zu dem Schluß, daß die vereinfachenden und damit realitätsfernen Annahmen die Duration-Analyse als ungeeignetes Instrument zur Beurteilung von Zinsänderungsrisiken in Kreditinstituten erscheinen lassen6. Im folgenden sollen die wesentlichen Kritikpunkte aufgegriffen, erläutert und aus dem Blickwinkel der Duration-Analyse beurteilt werden. Kritikpunkt (1): Die Annahme einer flachen Zinskurve verschleiert die realen Zinsänderungsrisiken bei einer Änderung der Zinsstruktur. Daran ändert auch die Berücksichtigung nicht flacher Zinsstrukturkurven nichts. In vielen Modellen zur Quantifizierung der Zinsänderungsrisiken mit Hilfe der Duration-Analyse wird in der Tat aus Gründen der einfacheren Ableitung und Darstellung mit einem einheitlichen, das heißt in allen Perio6 Vgl. Rolfes (1985b), S. 538 - 544 und Rolfes (1985), S. 115 - 126. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.19.3.401 | Generated on 2023-01-16 12:53:17
Zur Steuerung des Zinsänderungsrisikos in Kreditinstituten 407 den gleich hohen Marktzinsfuß gearbeitet. Die Verwendung von DurationKennzahlen, die aus nicht flachen Zinsstrukturkurven abgeleitet werden, bereitet jedoch keine prinzipiellen Probleme7. Darüber hinaus sind Duration-Maße formuliert worden, die eine höhere Schwankung kurzfristiger gegenüber den langfristigen Zinssätzen erfassen und damit den Übergang von einer normalen zu einer inversen Zinsstruktur bzw. vice versa berücksichtigen können8. Eine deterministische Zinsprognose ist zur Ermittlung der Risikoposition aufgrund solcher modifizierter Duration-Kennzahlen nicht erforderlich. Eine Schätzung des Typs des möglichen Zinsänderungsprozesses reicht zur Kontrolle aus. Kritikpunkt (2): Die Beschränkung auf eine einzige Zinsänderung im Planungszeitraum steht im Widerspruch zu den realiter ständigen Veränderungen des Zinsniveaus. Die in einem bestimmten Zeitpunkt t mit Hilfe der Duration-Analyse ermittelte Risikoposition eines Kreditinstitutes hat strenggenommen nur für diesen Zeitpunkt Gültigkeit. Jede Änderung der Zahlungsreihen (Zinszahlungen, Tilgungen und Einzahlungen) führt ebenso wie jede Zinsänderung auf eine veränderte Risikoposition, womit sich auch die DurationWerte der einzelnen Positionen ändern. Die Risikoposition muß also strenggenommen nach jeder Bewegung aus einer Zahlungsreihe bzw. nach jeder Zinsänderung neu ermittelt werden. Um größte Genauigkeit zu erreichen, müßte eine tägliche Rechnung erfolgen. Theoretisch ergeben sich dabei keine Probleme. Wohl aber müssen Kontrollrechnungen ebenso wie Anpassungsmaßnahmen in der Praxis keineswegs auf täglicher Basis durchgeführt werden, wenn dies mit zu hohen Kosten verbunden ist. Bei näherer Betrachtung erweist sich nämlich der Kritikpunkt einer mangelhaften Anpassung an rasche Datenänderungen als wenig gravierend. Die Risikoposition ändert sich zwar allein durch das Kundengeschäft täglich, sie kann aber z.B. auf dem Geldmarkt durch risikokompensierende Geschäfte wieder ausgeglichen werden. Kann ein herausgelegter Festzinskredit volumensund zinsbindungskongruent refinanziert werden, so entsteht lediglich aus dem periodischen Zinsüberschuß aus diesem Geschäft ein zusätzliches Zinsänderungsrisiko. Die normalen täglichen Fluktuationen des Marktzinses verändern die Risikoposition der Bank nur unwesentlich. Viele Zinssätze ändern sich zudem überhaupt nur in relativ großen zeitlichen Intervallen. In der Praxis 7 Vgl. beispielsweise Bierwag (1977) und Cooper (1977). 8 Vgl. Khang (1979). Einen Vergleich verschiedener Duration-Maße führen Bierwag, Kaufman und Toevs (1983) durch. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.19.3.401 | Generated on 2023-01-16 12:53:17
408 Bernhard Wondrak wird es daher ausreichen, eine wöchentliche Kontrollrechnung durchzuführen. In Phasen mit größeren täglichen Zinsausschlägen kann die Kontrollfrequenz bis hin zu einer täglichen Kontrolle erhöht werden. Zinssätze mit größerer Volatilität bedingen in jedem Rechenwerk einen größeren Anpassungsbedarf. Mehrfache Zinsänderungen während des Betrachtungszeitraums müssen jedoch das Zinsänderungsrisiko einer Bank nicht erhöhen. Erfolgt nach jeder Zinsänderung eine Anpassung der Bilanzpositionen, so führen auch mehrfache Zinsänderungen zu keiner Verschlechterung der Risikoposition des Kreditinstituts9. Kritikpunkt (3): Für alle Einund Auszahlungen wird der gleiche Marktzins angenommen, Laufzeitund Bonitätseinflüsse werden vernachlässigt. Die Kapitalwertmodelle enthalten implizit unrealistische Wiederanlageprämissen. Bereits zum Kritikpunkt (1) wurde darauf hingewiesen, daß in DurationModellen auch nicht flache Zinsstrukturkurven berücksichtigt werden können. Ebenso ist es möglich, für die Aktivund Passivseite eines Bankportfolios unterschiedliche Zinskurven anzugeben. Darüber hinaus können sogar einzelne Geschäftsarten mit den für sie geltenden Zinsstrukturkurven bewertet werden, wenn sich die Notwendigkeit (z.B. wegen großer Bonitätsunterschiede) zu einer solch differenzierten Bewertung zeigt. Die Kritik an den unrealistischen Wiederanlageprämissen ist insoweit haltlos, als bei aufeinanderfolgenden Zinssatzänderungen die Wiederanlage zum jeweils geltenden Zins erfolgt, so daß die Anlagebedingungen realitätsentsprechend im Modell berücksichtigt sind. Unterliegen die einzelnen Geschäftsarten auf der Aktivund auf der Passivseite nicht einem einheitlichen Zinsänderungsprozeß, so kann eine detaillierte Analyse der Geschäftsarten erfolgen. Sind für k = 1, 2, . . ., K Aktivgeschäfte und für l = 1, 2, . . . , L Passivgeschäfte unterschiedliche Zinsänderungsprozesse anzunehmen, so muß für jede einzelne Geschäftsart die Barwertänderung bestimmt werden: Dyifc Dyi (8) AAk ; AiAk-Ak bzw. AVi= ; Aiyi'Vi. 1 + iAk 1 + ¿Vi Die Duration-Werte werden entsprechend dem für die Geschäftsart gültigen Zinsänderungstyp berechnet. Die Reinvermögensänderung ergibt sich als Summe aller Barwertänderungen der Geschäftsarten: 9 Vgl. im einzelnen Wondrak (1986), S. 64 - 76. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.19.3.401 | Generated on 2023-01-16 12:53:17
Zur Steuerung des Zinsänderungsrisikos in Kreditinstituten 415 aus unterschiedlichen (informellen) Zinsbindungsfristen können ohne Modellmodifikationen in der Duration-Analyse erfaßt werden. Entstehen variable Zinsänderungsrisiken durch unterschiedliche aktivische und passivische Zinselastizitäten, so kann diese spezielle Art des Zinsänderungsrisikos auch bei Anwendung der Duration-Analyse über den periodischen Zinsüberschuß bzw. die Eigenkapitalrendite kontrolliert werden. Mit der Kontrolle des Zinsüberschusses als Ergänzung zur Steuerung der Duration-Kennzahl wird die Gefahr eines negativen Zinssaldos in einer Folgeperiode bei einem insgesamt positiven Solvenzeffekt gebannt. Die Duration-Analyse, die auf detaillierte Zinsprognosen völlig verzichten kann, unterstützt insbesondere zahlungsstromorientierte Kalkulationsund Planungssysteme in Kreditinstituten. Summary On Control of the Risk of Interest-Rate Changes in Banks Up to now, no uniformly recognized concept exists for controlling the risks of interest-rate changes in banks. In banking practice, preference is given to those methods of controlling the risks of interest-rate changes that are oriented to cost and planning accounting, while the theoretically well-founded models (e. g. duration analysis) are rejected as a rule on account of too great complexity or premisses remote from reality. In this study it is shown that duration analysis can definitely be used for decisionoriented control of risks of interest-rate changes in banks. Following a brief description of the control of risks of interest-rate changes in banks with duration analysis, the most frequently advanced criticisms of this method are dealt with and relativized. Objections to the restrictive assumptions of the duration models, such as uniform market interest rate and one-time interest-rate change in the form of a shift in the flat market interest rate curve, have already been refuted in the literature by modified approaches. The present article shows that also the points of criticism based on the special field of application must likewise be relativized. Interest-rate differences which are not due to maturity differences can be allowed for adequately in an extended approach. Variable risks of interest-rate changes deriving from differing (informal) fixed-interest periods can be covered in duration analysis without modifying the model. If variable risks of interest-rate changes occur due to differing lending and borrowing interest-rate elasticities, this specific type of interest-rate risk can be controlled also when using duration analysis via the periodical interest surplus or the return on equity. With the control of the interest surplus in supplementation of control of the duration index, the danger of an interest deficit will be banished in a subsequent period with an overall positive solvency effect. Duration analysis, which can dispense with detailed interest-rate forecasts completely, assists in particular payment-flow-oriented cost and planning systems in banks. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.19.3.401 | Generated on 2023-01-16 12:53:17
416 Bernhard Wondrak Résumé Contrôle du risque de changement des taux d'intérêt dans les institutions de crédit Il n'existe jusqu'ici aucun concept reconnu uniformément pour contrôler et régler des risques de changement des taux d'intérêt dans les institutions de crédit. Dans la pratique bancaire, on donne la préférence aux procédés orientés vers les calculs de prix et les calculs de budgets, tandis que les modèles fondés théorétiquement (par exemple l'analyse de durée) sont en général rejetés car ils sont très complexes ou ont des prémisses irréelles. L'auteur de ce travail montre que l'analyse du durée peut être utilisée dans les institutions de crédit pour contrôler les risques de changement des taux d'intérêt. L'auteur présente tout d'abord brièvement le contrôle de risques de changement des taux d'intérêt dans les institutions de crédit avec l'analyse de durée. Puis, il prend les critiques les plus souvent citées de ces procédés et les relativise. Dans la littérature, des concepts modifiés ont déjà réfuté des objections aux hypothèses restrictives du modèle du durée, comme taux d'intérêt du marché uniforme et changement des taux d'intérêt unique sous forme d'un déplacement de la courbe des taux d'intérêt plane. Le présent exposé montre qu'il faut aussi relativiser les critiques se rapportant au domaine d'application spécial. Des différences de taux d'intérêt qui ne reposent pas sur des différences de terme, peuvent être considérées de façon adéquate dans un concept élargi. Des risques variables de changement des taux d'intérêt, provenant de différents termes d'intérêt fixés (informels), peuvent être compris dans l'analyse de durée, sans modifier le modèle. Si des risques de changement des taux d'intérêt variables surviennent suite à des élasticités de taux d'intérêt actives et passives différentes, cette sorte spéciale du risque de changement des taux d'intérêt peut aussi être contrôlée en utilisant l'analyse de durée, par le surplus d'intérêt périodique ou le rendement du capital propre. En contrôlant le surplus d'intérêt, comme complément du contrôle de l'indice de la durée, le danger d'un solde d'intérêt négatif dans une période suivante est supprimé, pour un effet de solvabilité en tout positif. L'analyse de durée, qui peut renoncer complètement à des pronostics d'intérêt détaillés, soutient surtout des systèmes de calculs et de budgets orientés vers les flux da paiement dans les institutions de crédit. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.19.3.401 | Generated on 2023-01-16 12:53:17