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Zentralbanken, Kreditwirtschaft und Politik in den 1970er und 1980er Jahren

Author: Ahrens, Ralf,Gehlen, Boris
Publisher: Stuttgart: Franz Steiner Verlag
Year: 2024
DOI: 10.25162/vswg-2024-0008
Source: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/301984/1/VSWG_2024_3_267-276_Einleitung.pdf
Ah ens, Ral ; Gehlen, Bo is
A icle
Zen albanken, K edi wi scha und Poli ik in den 1970e
und 1980e Jah en
Vie eljah sch i ü Sozial- und Wi scha sgeschich e (VSWG)
P o ided in Coope a ion wi h:
F anz S eine Ve lag, S u ga
Sugges ed Ci a ion: Ah ens, Ral ; Gehlen, Bo is (2024) : Zen albanken, K edi wi scha und Poli ik in
den 1970e und 1980e Jah en, Vie eljah sch i ü Sozial- und Wi scha sgeschich e (VSWG), ISSN
2365-2136, F anz S eine Ve lag, S u ga , Vol. 111, Iss. 3, pp. 267-276,
h ps://doi.o g/10.25162/ swg-2024-0008
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/301984
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einlei ung
Vie eljah sch i ü Sozial- und Wi scha sgeschich e 111, 2024/3, 267–276
DOI 10.25162/ swg-2024-0008 (CC-BY 4.0)
Ral Ah ens/ Bo is Gehlen
Zen albanken, K edi wi scha und Poli ik
in den 1970e und 1980e Jah en
Zen albanken haben Konjunk u . Neben de einschlägigen ökonomischen Fo schung
übe Vo ausse zungen und Wi kungen ih es geldpoli ischen Handelns, die sei Lan-
gem – und nich zule z on ih en eigenen olkswi scha lichen Ab eilungen ode
hauseigenen Fo schungsins i u en – be ieben wi d, is sei einigen Jah en ein e -
s ä k es sozialwissenscha liches und his o isches In e esse an diesen seh speziellen
O ganisa ionen es zus ellen. Die 2007 einse zende in e na ionale Finanzk ise und die
bald da au olgenden „Eu ok isen“, schließlich die ku z is igen inanziellen Folgen de
Co id-Pandemie mach en nich nu die K isenan älligkei des jah zehn elang exo bi-
an gewachsenen in e na ionalen Finanzsys ems deu lich.1 Die Bewäl igung de K isen
zeig e zugleich, dass die g oßen wes lichen Zen albanken in solchen Ausnahmesi u-
a ionen un e zich ba e Feue weh en wa en, die höchs lexibel mi jene geldpoli i-
schen Selbs besch änkung au die In la ionskon olle umgehen konn en, die sich sei
den 1970e Jah en sukzessi e zu in e na ionalen No m en wickel ha e. Sie ungie en
nich nu als lende s o las eso , als die Re inanzie ungsmä k e de Geschä sbanken
ein o en, sonde n dehn en ih e Manda e bis an die G enzen– und nach Ansich man-
che Beobach e :innen da übe hinaus– du ch eine ex ensi e O enma k poli ik mi -
els Anleihekäu en (quan i a i e easing) aus, um die Konjunk u zu s abilisie en und die
Wel wi scha au Wachs umsku s zu b ingen. De Poli ikwissenscha le Joscha Wull-
webe ha diese En wicklung au einen angeblich neua igen „Zen albankkapi alismus“
zugespi z , weil ganze Volkswi scha en nu noch du ch diese Ins i u ionen am Lau en
gehal en wü den.2
Sei Ku zem ha nun die Rückkeh de In la ion, die eine om US-ame ikanischen
Fede al Rese e Sys em und de Eu opäischen Zen albank lange be iebene Poli ik des
leich en Geldes scheinba egel ech übe hol e, die Pe spek i en e neu e ände . Mi
dem „s ä ks en In la ionsschub sei den 1970e Jah en“ is soga ein neue liches In e es-
se am mone a is ischen Ins umen a ium de Geldmengens eue ung e bunden, das
in eine ku zen Hochphase in den 1980e Jah en schnell die E wa ungen en äusch
1 Vgl. Tooze (2018).
2 Vgl. Wullwebe (2021). Im Anschluss an Wullwebe wi d je z auch in F ied ich Lenge s Kapi alismusge-
schich e de „ungeheu e Mach gewinn de Zen albanken“ beschwo en; Lenge (2023), S.515.
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al ah ens/ bo is gehlen268
ha e und dahe wei gehend om unmi elba en in la ion a ge ing e d äng wo den
wa .3 Zugleich wächs o enba das In e esse an den Ve eilungswi kungen on In la ion
bzw. gene ell on– expansi e ode es ik i e – Geldpoli ik. Diese okussie p imä
au die Mak oebene, wi k abe in un e schiedlichem Maße auch au In es i ions- und
Konsumen scheidungen on Un e nehmen und Haushal en. Die „soziale Funk ion ei-
ne gesunden und s abilen Wäh ung“ gehö zwa zu den man aa ig kommunizie en
P ämissen (bundesdeu sche ) No enbanke ,4 doch gemeinhin sind Zen albanken den
S aa sbü ge n bzw. den un e schiedlich s a k be o enen Be ölke ungsschich en ga
keine Rechenscha schuldig.5 Die schwache demok a ische Legi ima ion on No en-
banken is gewiss insbesonde e aus poli ikwissenscha liche bzw. demok a ie heo e i-
sche Pe spek i e ein diskussionswü diges Phänomen. De Ve weis au en sp echende
De izi e unabhängige Zen albanken bekomm alle dings ge adezu e schwö ungs he-
o e ische Anklänge, wenn behaup e wi d, de en zunehmende Besch änkung au die
In la ionsbekämp ung sei den 1970e Jah en habe da au geziel , „das Geld au neua i-
ge Weise o sä zlich zu en poli isie en“, indem „das Gespens de In la ion mi Gewal
e scheuch wu de“.6 Zweis ellige In la ions a en mögen nich wenigen Menschen ge-
spens isch e scheinen– die da aus esul ie enden Kau k a e lus e sind seh eal und
bisweilen exis enzbed ohend.
Du chaus unabhängig on diesen Konjunk u en is auch in de his o ischen Fo -
schung das In e esse an Zen albanken gewachsen, mi denen sich lange Zei nu wenige
Spezialis :innen beschä ig en.7 Neben einem um ang eichen, 2018 begonnenen Fo -
schungsp ojek zu Geschich e de Deu schen Reichsbank und de Deu schen Bundes-
bank on den 1920e bis 1960e Jah en8 belegen die in den le z en Jah en e ö en lich en
Disse a ionen on Simon Mee und Clemens K auss9, dass sich hie wi scha s- und
zei his o ische Zugänge e binden lassen. Mi Leon Wanslebens kü zlich o geleg e so-
ziologische S udie übe den „Au s ieg de Zen albanken“ sei den 1970e Jah en10 deu-
en sich soga in e disziplinä e Pe spek i en an, gehö en doch Ausmaß und Fo mwandel
ih e (geld-)poli ischen Mach zu den g oßen Themen de his o ischen Analyse.11
Die Bei äge dieses Themenhe s bie en Einblicke in die ak uellen his o ischen
Fo schungs ends. Sie nehmen Zen albanken als eigens ändigen Gegens and e ns ,
machen abe zugleich in un e schiedliche Weise ih e Bedeu ung als Schni s elle on
Poli ik und (Finanz-)Wi scha deu lich. Sie okussie en au de G undlage a chi a-
3 Schnabel (2023, Zi a ); gl. den Bei ag on Ral Ah ens in diesem He .
4 Vocke (1956), S.80.
5 Vgl. aus un e schiedlichen Pe spek i en e wa Kokol/Mülle /Saa (2023); Monne (2024).
6 Eich (2023), S.236.
7 Vgl. das um ang eiche Sammelwe k übe „Fün zig Jah e Deu sche Ma k“, in dem nu d ei de 15 Bei äge
on (Wi scha s-)His o ike n s ammen: Deu sche Bundesbank (Hg.) (1998).
8 Vgl. die P ojek skizze on B ech ken/Ri schl (2018); als e s e Publika ionen Gehlen (2021), Ma x (2023),
B ech ken/Loose (Hg.) (2024).
9 Vgl. Mee (2019); K auss (2022).
10 Vgl. Wansleben (2023).
11 Vgl. Single on (2011), S.15, de Zen albanken im his o ischen Längsschni als „ e y powe ul en i ies,
occupying s a egic e i o y ‘be ween go e nmen s and banks’“ analysie .
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269Zen albanken, K edi wi scha und Poli ik in den 1970e und 1980e Jah en
lische Quellen, die meis noch nich lange de Fo schung zugänglich sind, die 1970e
und 1980e Jah e, die ü den Finanzsek o e kennba eine Phase besonde s dynami-
schen Wandels und schon deshalb keineswegs eine Phase des „bo ing cen al banking“
da s ell en, wie Wullwebe annimm .12 Diese I um mag auch de Rede on de „G ea
Mode a ion“ geschulde sein, die Ben Be nanke, de Vo si zende des Fede al Rese e
Boa d, im Jah 2004 populä mach e. Gemein wa die Beobach ung, dass sei Mi e
de 1980e Jah e in den USA und ande en wes lichen Indus ielände n ein ela i s a-
biles, mode a es Wachs um mi nied igen In la ions a en einhe ging, nachdem man
im o angehenden Jah zehn die eskalie enden P eiss eige ungen eils mi d as ischen
Maßnahmen („Volcke -Schock“) bekämp ha e. Nunmeh schien ein gewisse G und-
konsens da übe zu bes ehen, dass Zen albanken am bes en be a en seien, eine be e-
chenba e und an mi el is ige P eiss abili ä o ien ie e Geldpoli ik zu be eiben, s a
sich ü ku z is ige Konjunk u poli ik in Diens nehmen zu lassen.13
Die alleinige Fokussie ung au solche geldpoli ischen Pa adigmen g ei jedoch o
allem angesich s de disposi i en Möglichkei en on Zen albanken, Finanzmä k e zu
s uk u ie en und das Ve hal en on Finanzma k ak eu en zu beein lussen, zu ku z.
Teils explizi , eils implizi nahmen sie die Funk ion de Bankenau sich wah und s an-
den en sp echend im engen Aus ausch mi den K edi ins i u en ih es Ein lussbe eichs.
In de jungen Bundes epublik beispielsweise ha e sich ähnlich wie in F ank eich ein
ko po a is ische Konsens e ablie . In o mellen G emien und du ch in o mellen Aus-
ausch s imm en sich K edi ins i u e, Zen albank und Minis e ien z. B. übe die K edi -
und die Emissionspoli ik ab, dami die Geldpoli ik nich du ch En wicklungen an den
K edi - und Kapi almä k en kon e ka ie wu de, wobei in F ank eich de K edi e so -
gung, in de Bundes epublik de P eiss abili ä jeweils höhe es Gewich beigemessen
wu de. Die geldpoli isch mo i ie e Mode a ion on Zielkon lik en un e Einschluss
de Ma k ak eu e unk ionie e jedoch o nehmlich im Wiede au baukonsens bzw. un-
e den Bedingungen des B e on Woods-Sys ems. Sie e odie e sei den 1960e Jah en
auch un e dem Eind uck eine zunehmenden In e na ionalisie ung allmählich, blieb
abe als Maßs ab de Ak eu e zunächs auch in den 1970e Jah en noch e hal en.14
Doch die Risiken nahmen in den Finanzmä k en sei den 1970e Jah en zu und e -
ände en die Wah nehmungen und Handlungsmaximen de Ak eu e– so auch in de
Bundes epublik. Die p i a en Geschä s- und G oßbanken wie auch die (zu) asch ex-
pandie enden Landesbanken sahen sich do mi neua igen He aus o de ungen kon-
on ie und dazu e anlass , ih e Geschä smodelle an den hä e en We bewe b im
na ionalen und in e na ionalen Rahmen anzupassen.15 Dies wiede um e s ä k e den
12 Wullwebe (2021), S.36 und 255, de da ü älschlich au einen A ikel Paul K ugmans (2009) e weis , in
dem es a sächlich da um geh , nach de Finanzk ise ab 2007 das p i a e Bankgeschä du ch eine Rück-
keh zum T ennbankensys em wiede „langweilig“ zu machen.
13 Vgl. die Skizze on Eich/Tooze (2016).
14 Vgl. ü F ank eich um assend Monne (2018); exempla isch ü die Bundes epublik Gehlen (2022),
S.356–363.
15 Vgl. Nü zenadel (2023), Bäh (2022), S.311–317: Die Landesbanken wa en sei Ende de 1960e und in
den ühen 1970e Jah en du ch Fusionen zu k edi wi scha lichen Schwe gewich en gewo den. Ih e Bi-
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D uck au die Bundesbank, ih e lange zöge liche Hal ung bei de Ein üh ung neue Fi-
nanzp oduk e– z. B. Ze obonds ode Wäh ungsswaps– au zugeben, die an ande en
Finanzplä zen wie London ode Luxembu g längs Einzug gehal en ha en.16 Eine ein
na ionale Geld- und Wäh ungspoli ik wa in den 1970e und 1980e Jah en angesich s
sich globalisie ende Geld-, K edi - und Kapi almä k e kaum noch möglich, zumal sich
mi Luxembu g längs ein Finanzpla z e ablie ha e, de auße halb des unmi elba en
Ein lussbe eichs de g oßen No enbanken z. B. de Bundes epublik ode F ank eichs
lag. Doch als EWG-Mi glied bo Luxembu g dieselbe ins i u ionelle S abili ä wie die
Nachba lände – bei nied ige en T ansak ionskos en.17
De Eu opäisie ungs- und Globalisie ungsschub sei den 1970e Jah en wa übe aus
ielges al ig. Die (zunächs noch zöge liche) In e na ionalisie ung eu opäische Ban-
ken, die Zunahme on Di ek in es i ionen und Kapi almobili ä , die o allem on den
USA ausgehende Kapi alma k libe alisie ung und na ionale Re-Regulie ungen, Ve än-
de ungen de in e na ionalen Finanzs öme, neue Finanzp oduk e, Schuldenk isen in
La einame ika und Os eu opa, eu opäische Ansä ze zu Scha ung eines gemeinsamen
Finanzma k s und schließlich die wachsende Bedeu ung des Finanzsek o s als na io-
nale S ando ak o – all diese ineinande g ei enden Phänomene e ände en die na-
ionalen und in e na ionalen Handlungskon ex e on Zen albanken, K edi ins i u en
und Regie ungen g undlegend.18 Das (endgül ige) Ende des Wäh ungssys ems on
B e on Woods 1973 ma kie e den Au ak zu eine komplizie en Neuo dnung de in-
e na ionalen Wäh ungskoope a ion, die in Eu opa zwa übe die „Wäh ungsschlange“
zum Eu opäischen Wechselku ssys em üh e,19 abe G oßb i annien bzw. das P und
S e ling in eine Sonde olle beließ. Zwei g oße Wäh ungsk isen Mi e de 1970e und
An ang de 1990e Jah e zeig en d as isch die dami e bundenen Unwägba kei en und
Vola ili ä en.20 De Bei ag on Juliane Clegg analysie ü die Zei zwischen beiden
K isen die ielschich igen poli ischen Diskussionen um die b i ische Wäh ungspoli ik,
die nich nu in sich wide sp üchlich wa en, sonde n on ein wäh ungspoli ischen Pa-
adigmen nachge ade unbelas e zu sein schienen. Die Bank o England wa – en gegen
manch s a ke Thesen übe den Ein luss on Zen albanken– in den 1970e und 1980e
Jah en ehe Objek denn Ak eu diese Deba en.
Nich nu beim b i ischen P und zeig en sich die P obleme nunmeh loa ende
Wäh ungen und des Bedeu ungsgewinns de De isenmä k e. De iskan e De isenhan-
del de Kölne He s a -Bank o enba e eind ücklich die In o ma ions- und Regulie-
ungslücken bei g enzübe sch ei enden Wäh ungs ansak ionen.21 Ih Zusammenb uch
lanzsummen lagen eils au dem Ni eau de G oßbanken. Namen lich die Hessische Landesbank und die
Wes LB ge ie en in den 1970e Jah en in eine K ise, weil sie die Risiken ih e Immobilien- und De isen-
geschä e un e schä z ha en.
16 Vgl. F anke (1998), S.287–293.
17 Vgl. Koppe (2023).
18 Vgl. Al amu a (2017).
19 Vgl. James (2012), Mou lon-D uol (2012).
20 Vgl. Schenk (2010).
21 Vgl. Mou lon-D uol (2015).
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271Zen albanken, K edi wi scha und Poli ik in den 1970e und 1980e Jah en
1974 bilde e nich on unge äh den Au ak zu eine e s ä k en No enbankkoope a ion
und eine Reo ganisa ion de Bankenau sich , ü die de Basle Ausschuss ü Banken-
au sich bei de Bank ü In e na ionalen Zahlungsausgleich (BIZ) als maßgebliches,
jedoch nich einziges Koo dina ionsg emium gescha en wu de. Sei dem bes imm e
auch in de Finanzma k egulie ung Viels immigkei das Geschehen: Neben na ionale
Gese zgebung in ensi ie en sich au eu opäische Ebene die Bes ebungen zu Ha mo-
nisie ung des Banken ech s, die abe ih e sei s den Vo schlägen des Basle Ausschusses
hin e he hink en.22 Dabei ück e mi de Eigenkapi alquo e allmählich eine Kennzahl
als Regulie ungsins umen in den Vo de g und, de en Bemessungsg undlage die Spe-
zi ika b i ische ode ame ikanische Banken ehe abbilde e als e wa die de bundes-
deu schen und hie o allem de ö en lich- ech lichen K edi ins i u e.
De Fo mwandel on No enbanken und Wäh ungspoli ik sei den 1970e Jah en be-
glei e e, beding e und e s ä k e inanz- und k edi wi scha liche En wicklungen, die
mi Schlagwo en wie „Ve ma k lichung“, „Finanzialisie ung“ ode „Finanzma k kapi-
alismus“ zwa poin ie , abe doch un e komplex umsch ieben we den. Diese P ozesse
e ände en jedoch zwei ellos Handlungsop ionen na ionale Wi scha s- und Finanz-
poli ik, die ih e noch wenige Jah e zu o als zukun sweisend e ach e en keynesiani-
schen Ges al ungsmöglichkei en wei gehend e lo .23 S a dessen ück en Konzep e de
De egulie ung und zugleich de S ä kung na ionale Finanzplä ze und Kapi almä k-
e– auch du ch neue Finanzp oduk e und Handels echniken– in den Vo de g und.
Dies üh e wiede um zu Re-Regulie ungen, bei denen besonde s die Scha ung eines
gemeinsamen Kapi alma k s im Rahmen de Eu opäischen Gemeinscha mi be ück-
sich ig we den muss e.24
Die Suche nach „neuen“ Ma k egeln olg e dabei keinem poli ischen Mas e plan,
sonde n sie e gaben sich le z lich aus eine Vielzahl on Einzelen scheidungen. Die zu-
nehmende In e na ionalisie ung des Bankgeschä s und de Finanzmä k e, abe auch
die du ch Handel und Indus ie induzie e „Globalisie ung“ on Gelds ömen– e wa in
Fo m de „Pe o-Dolla s“ ode de e meh en Nu zung on O sho e-Finanzplä zen–
e liehen dabei eine sei s de in e na ionalen Koope a ion on Zen albanken und
ande en, eils auch neue en Finanzma k ak eu en wie In es men onds zunehmend
Gewich . Ande e sei s en zog abe die Libe alisie ung de Finanzmä k e na ionalen Ak-
eu en einen Teil ih e In e en ionsmach bzw. e lage e diese au in e na ionale Ins-
anzen (z. B. IWF, OECD, BIZ) ode in Fo m on „bes -p ac ice“-S anda disie ungen in
die Mä k e selbs . Dies wi k e na u gemäß au das Ve hal en na ionale Zen albanken
zu ück, e s ä k e die wechselsei ige Rezep ion, womöglich auch die Angleichung na-
ionale Geld- und Kapi alma k poli iken und e ände e die A und Weise, wie die
K edi wi scha Ein luss nahm. In de Summe wandel en sich na ionale „Finanzs ile“
und kon e gie en endenziell auch.25
22 Vgl. Lü z (2002), S.184–188; Michie (2006).
23 Vgl. Schane zky (2007) und den Bei ag on Ch is ian Ma x in diesem Band.
24 Vgl. Rudolph (2022), S.123–145.
25 Vgl. am bundesdeu schen Beispiel Sa le /Ziegle (2023).
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al ah ens/ bo is gehlen272
Geldpoli ik, in e na ionale Wäh ungspoli ik, Finanzma k egulie ung und die Ve -
ände ung on Geschä smodellen de K edi wi scha wa en un e diesen Rahmenbe-
dingungen, das zeigen au un e schiedliche Weise alle Bei äge des He s, das E gebnis
on Aushandlungsp ozessen zwischen eine Vielzahl na ionale und in e na ionale ,
s aa liche und p i a e Ak eu e. Das gil nich nu ü Zen albanken und ande e O -
ganisa ionen als Kollek i ak eu e, sonde n auch ü einzelne Pe sonen. Zen albanken
e einen und e dich en– in his o isch seh un e schiedlichen Mischungs e häl nis-
sen – die Hin e g ünde e schiedene O ganisa ions ypen: Banken, Behö den und
Wissenscha . Wie e gleichende S udien gezeig haben, spielen ü die konk e e Poli ik
eine No enbank nich zule z die Vo - und Ausbildung des Pe sonals und die da aus
esul ie enden Ne zwe ke eine maßgebliche Rolle. Zen albanken mi eine enge en
Anbindung an die Poli ik, dies zeig auch de Bei ag on Juliane Clegg, we den bei-
spielsweise ehe als Ins umen s aa liche Wi scha s- und Finanzpoli ik genu z als
jene, de en Pe sonal sich s ä ke aus dem Bankwesen selbs ode aus den Wi scha s-
wissenscha en ek u ie .26
Dabei läss sich, dies demons ie en die Bei äge on F iede ike Sa le und Ma -
hias Kemme e , de Ein luss on Ak eu en aus den Geschä sbanken nich au bloße
Lobbyak i i ä en eduzie en. Na ü lich wa en diese Un e nehmen au ih e eigenen In-
e essen und die ih e Kapi algebe bedach . Abe gleichzei ig wa en sie auch an s abilen
Rahmenbedingungen des Wi scha ens in e essie . Im deu schen Fall bo übe dies die
Regulie ung des Kapi alma k s den in e na ional ak i en G oßbanken gewisse We be-
we bs o eile gegenübe ausländischen und kleine en inländischen We bewe be n, die
e s du ch die „Res libe alisie ung“ de 1980e Jah e au gehoben wu den. Ge ade diese
Ma k ö nung ließ jedoch zugleich die bishe ige ko po a is ische Abs immung du ch
„Gen lemen’s Ag eemen s“ e odie en, die lange das Ve häl nis zwischen den G oßban-
ken (sowie ih en ö en lich- ech lichen und genossenscha lichen We bewe be n) und
de Bundesbank üh ung gep äg und zugleich als Inno a ionshemmnis gewi k ha e.
Fü den deu schen Fall bes ä ig sich dami ein Be und, de sich au die Fo mel „ ee
ma ke s, mo e ules“27 zuspi zen läss : P i a isie ungen und Ma k libe alisie ungen e -
o de n egelmäßig neue Regulie ungskomplexe, um übe haup We bewe b zu e mög-
lichen. Gleichzei ig and abe auch au in e na ionale Ebene wei e hin ein in o melle
Aus ausch zwischen Geschä s- und Zen albanke n s a , de um die Scha ung eine
hin eichend s abilen Wäh ungso dnung k eis e.
Auch das Ve häl nis on Zen albanken und Regie ungen blieb on Spannungen
und Komp omisszwängen gep äg . T o z de o malen Unabhängigkei de Geldpoli ik
on s aa lichen Weisungen, die ü die Bundesbank– und, in ande e Weise, die ame i-
kanische Fed– sei ih e G ündung gal und in ande en Lände n spä e zum zen alen
K i e ium ü die „Mode ni ä “ eine Zen albank a ancie e,28 wa das Handeln on
Zen albanke :innen s e s in um assende e poli ische Zusammenhänge eingebunden.
26 Vgl. Adolph (2013).
27 Vogel (1996).
28 Vgl. Buchheim (1998); Mel ze (2003); James (2020); K auss (2022).
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273Zen albanken, K edi wi scha und Poli ik in den 1970e und 1980e Jah en
Dadu ch blieben o z eine e s ä k en O ien ie ung an P eisni eaus abili ä imme
auch konku ie ende, konjunk u - ode wäh ungspoli ische Zielse zungen au de Ta-
geso dnung. Selbs die Du chse zung de o malen Unabhängigkei de Deu schen
Bundesbank, dies zeig de Bei ag on Ch is ian Ma x, bedu e e hebliche Ans en-
gungen gegenübe den wi scha spoli ischen Ansp üchen, die 1967 im S abili ä s- und
Wachs umsgese z zum Ausd uck kamen. Um den P eis eine Abweh gese zlich e an-
ke e Mi sp ache ech e de Bundes egie ung („Zwei-Schlüssel-Theo ie“) e zich e e
man in F ank u soga au die E ablie ung zusä zliche geldpoli ische Ins umen e.
Am Beispiel de (geschei e en) K edi pla ondie ung zeig de Bei ag zugleich bei-
spielha , welche g oße Bedeu ung in de Zen albankgeschich e seh speziellen s eue-
ungs echnischen Ins umen en zukommen kann (was ih e Ve mi elba kei übe den
Expe :innenk eis hinaus nich eben e leich e ).
Demgegenübe demons ie Juliane Clegg, dass die Impulse zuguns en g öße e
Unabhängigkei keineswegs zwangsläu ig on de Zen albank ausgehen muss en. Viel-
meh en s and die Deba e um die S ellung de Bank o England aus de No wendigkei
meh ache wäh ungspoli ische Reo ien ie ungen sei den 1980e Jah en, bis 1997 die
En lassung in die maßgebliche geldpoli ische En scheidungskompe enz ausge echne
du ch eine (New) Labou -Regie ung an in e na ionale T ends anschloss. Doch ge ade
de b i ische Fall zeig auch, wie s a k no enbankpoli ische En scheidungen on übe ge-
o dne en F agen übe lage wu den, e lie en die Diskussionen um die Unabhängigkei
de Bank o England doch ga nich en lang wi scha swissenscha liche Denkschulen,
sonde n ielmeh en lang eu opapoli ische P ämissen (und Zwänge). In de Zusam-
menschau de Bei äge wi d somi deu lich, dass ins i u ionelle Wandel ebenso wie die
Du chse zung s abili ä spoli ische Ziele hochg adig on konk e en Ak eu skons ella i-
onen und eils on langen his o ischen En wicklungslinien abhing.
Auch im Fall eine ech lichen Unabhängigkei on de Regie ung und selbs nach
den In la ionse ah ungen de 1970e Jah e wa jedoch Geldpoli ik nich au onom in
dem Sinne, dass die Geldwe s abili ä in jede Si ua ion ü die Zen albanken obe s e
P io i ä besessen hä e. Die Füh ung de Deu schen Bundesbank e wa e künde e zwa
be ei s Ende 1974 o iziell einen Zielwe des Geldmengenwachs ums ü das kommende
Jah und wa dami Vo ei e in un e den wes lichen Zen albanken. Diese s eue ungs-
echnische Inno a ion schien einen heo e ischen Pa adigmenwechsel zu e lek ie en,
denn die O ien ie ung de konk e en zins- ode o enma k poli ischen Maßnahmen an
Zielwe en des Geldmengenwachs ums gehö e zum Ke np og amm des Mone a is-
mus. Gemäß eine Re o mulie ung de Quan i ä s heo ie des Geldes konn en Zen al-
banken du ch ein kon ollie es, möglichs s e iges Wachs um des on ihnen geschöp en
Geldes die Realwi scha hin eichend mi Zahlungsmi eln e so gen und gleichzei ig
In la ion e hinde n; Vo ausse zung wa , dass sie sich o allem bei de Ges al ung de
Lei zinsen nich ü konjunk u poli ische Maßnahmen ins umen alisie en ließen, die
meh ode wenige keynesianischem Gedankengu en sp angen. In de P axis sah sich
die Bundesbank abe wei e hin seh wohl in de konjunk u - und wäh ungspoli ischen
Mi e an wo ung ü die olkswi scha lichen En wicklungen. Ih e Geldpoli ik blieb
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dahe , wie schon in äl e en Publika ionen gezeig 29 und auch on den P o agonis en de
bundesdeu schen Zen albank wie Helmu Schlesinge und O ma Issing he o geho-
ben wu de, bei alle S abili ä so ien ie ung ausgesp ochen p agma isch.
Wie de Bei ag on Ral Ah ens zeig , spiel en dabei auch keynesianische T adi i-
onsbes ände eine Rolle. De genaue e Blick au die geldpoli ische P axis mach deu -
lich, dass die g oßen heo e ischen Pa adigmen hie nich „angewand “ wu den, son-
de n Zen albanken de O wa en, an dem ih e Kon on a ion ode Ve mi lung mi
na ional spezi ischen S uk u en de Geld- und K edi mä k e s a and, die wiede um
nich losgelös on den poli ischen Sys emen exis ie en. Das gal zumal ü den iel-
beschwo enen Au s ieg des Mone a ismus, de zumindes in seine s ik en Aus o mu-
lie ung eines Ka l B unne den P axis es nie bes and und bald in neuen Theo iesyn-
hesen au ging.30 Die his o ische Beschä igung mi Zen albanken kann inso e n auch
dazu bei agen, den bisweilen di usen Be und „neolibe ale “ Ideen und o allem ih-
e zunehmenden poli ischen Umse zung sei den 1970e Jah en auszudi e enzie en.
Zugleich is die Auseinande se zung mi de mone a is ischen P axis inso e n eiz oll,
als ge ade in diese Denkschule (abe auch bei de Ve kündung on In la ionszielen,
die iel ach an die S elle on Geldmengenzielen a en) dem Managemen on E wa -
ungen und en sp echenden Kommunika ionsleis ungen eine zen ale Rolle zukomm .
Nimm man diese Dimension e ns und e s eh Zen albankgeschich e inso e n als
Kommunika ionsgeschich e, so lassen sich dami ielleich wei e e in e disziplinä e
Anschlüsse he s ellen.31
Zen albanken wa en (und sind) eben nich nu ü das Geschehen au den Geld-
mä k en on zen ale Bedeu ung. Ih e iel äl ige ins i u ionelle Einbe ung sp ich ü
eine s ä ke e Ve zahnung ih e his o ischen E o schung mi ang enzenden Felde n.
Das gil neben de Bankengeschich e beispielsweise ü die de zei eben alls lo ie ende
S eue - und Ve schuldungsgeschich e,32 und gewiss ü die mode ne Ve wal ungs- und
Poli ikgeschich e in na ionale wie in e - und ansna ionale Hinsich . Dies e o de
eilich auch eine s ä ke in e na ionale und in e na ional- e gleichende Pe spek i e,
als sie dieses Themenhe – mi ielen deu schen und wenigen b i ischen Ak eu en– zu
leis en ims ande is . Abe die Übe zeugung, dass eine e wei e e Pe spek i e au die
Zen albankgeschich e auch zu einem besse en und sachge ech e en his o ischen Ve -
s ändnis de ik ions eichen 1970e und 1980e Jah e bei agen kann, wa An eiz genug,
dieses Un e angen mi dem o liegenden Themenhe zumindes anzugehen.
29 Vgl. die einschlägigen, du chweg on Ökonomen e ass en Bei äge in: Deu sche Bundesbank (Hg.)
(1998).
30 Vgl. Good iend (2007); Skidelsky (2019), S.171–201.
31 An egend zu diesem Themen eld sind die e hnog a ischen S udien on Holmes (2014) zu den pe o ma-
i en Quali ä en on Zen albankkommunika ion, die sich auch au die da ü konzipie en ökonome i-
schen A bei en e s ecken.
32 Vgl. jüngs Logemann/Middendo /Rischbie e (Hg.) (2023) mi einem einschlägigen Bei ag on Leon
Wansleben.
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