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IAB-Prognose 2025: Zwischen Schwächephase und Investitionsimpulsen

Gartner, Hermann,Hellwagner, Timon,Hummel, Markus,Hutter, Christian,Lochner, Benjamin,Wanger, Susanne,Weber, Enzo,Zika, Gerd

Abstract

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Gartner, Hermann et al. Research Report IAB-Prognose 2025: Zwischen Schwächephase und Investitionsimpulsen IAB-Kurzbericht, No. 3/2025 Provided in Cooperation with: Institute for Employment Research (IAB) Suggested Citation: Gartner, Hermann et al. (2025) : IAB-Prognose 2025: Zwischen Schwächephase und Investitionsimpulsen, IAB-Kurzbericht, No. 3/2025, Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung (IAB), Nürnberg, https://doi.org/10.48720/IAB.KB.2503 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/315974 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. 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Die geplanten Fiskalpakete werden die Konjunktur aber beleben, wenngleich erst gegen Ende dieses Jahres. Das Bruttoinlandsprodukt wird im Jahr 2025 um 0,2 Prozent steigen. ●Der Arbeitsmarkt wird durch die schwache Konjunktur und die Transformationskrise beeinträchtigt. Eine wirtschaftliche Belebung wird die Entwicklung allerdings verbessern. ●Im Jahresdurchschnitt sinkt die Zahl der Erwerbstätigen 2025 leicht um 40.000 Personen, die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung steigt jedoch um 60.000 Personen. Die Zahl der Arbeitslosen nimmt um 140.000 zu. ●Die meisten zusätzlichen Stellen wird es im Bereich Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit geben. Für das Produzierende Gewerbe ohne Baugewerbe erwarten wir im Prognosezeitraum einen Rückgang der Beschäftigtenzahl. ●Das Erwerbspersonenpotenzial wächst in diesem Jahr nur noch um rund 50.000 Personen. Die demografische Alterung wird in den kommenden Jahren einem weiteren Anstieg immer mehr entgegenstehen. ●Nach Rückgängen in den Vorjahren steigt die Arbeitszeit je Erwerbstätigen im laufenden Jahr um 0,2 Prozent. 3 | 2025 Die deutsche Wirtschaft und der Arbeitsmarkt stecken seit drei Jahren in einer Schwächephase fest. Mit Fiskalpaketen in erheblichem Umfang wird es aber eine konjunkturelle Belebung geben. Der Kurzbericht gibt einen Ausblick auf die Entwicklung im Jahr 2025. Chancen auf ein Ende der Schwächephase Die deutsche Wirtschaft befindet sich seit Längerem in einer Schwächephase, die auch als Rezession gedeutet wird. Nachdem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2023 um 0,3 Prozent zurückging, schrumpfte es 2024 um weitere 0,2 Prozent. Im ersten Quartal 2024 gab es noch optimistischere Signale und das BIP wuchs. Im Jahresverlauf setzte sich jedoch das konjunkturelle Auf und Ab des Vorjahres fort, sodass das Jahr im vierten Quartal wieder mit einem Rückgang endete. Insbesondere die Industrie ist durch Umbrüche stark belastet. Für dieses Jahr erwarten wir aber eine beginnende Erholung und – nicht zuletzt unterstützt durch das geplante Finanzpaket des Bundes – ein Wachstum von 0,2 Prozent. Das außenwirtschaftliche Umfeld hat sich im Vorjahr verbessert, im vierten Quartal war die Dynamik jedoch zum Teil schwächer als im Vorquartal. In den USA ging das Wachstum im letzten Quartal 2024 auf 0,6 Prozent zurück. Die Einschätzung der aktuellen Lage bleibt dort gut, die Erwartungen haben sich aber verschlechtert. Die Zollpolitik der US-Regierung und zunehmende Inflations sorgen trüben die Stimmung ein. Die Wirtschaft Chinas hat im vierten Quartal nochmal zugelegt und ist um 1,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Trotz Unsicherheiten über künftige Handelskonflikte haben sich für China zuletzt die konjunkturellen Lage einschätzungen und die ErwarIAB-Prognose 2025 Zwischen Schwächephase und Investitionsimpulsen von Hermann Gartner, Timon Hellwagner, Markus Hummel, Christian Hutter, Benjamin Lochner, Susanne Wanger, Enzo Weber und Gerd Zika tungen für die nächsten Monate verbessert. Im Euroraum gab es nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent. Die Stimmungsindikatoren haben sich jedoch verbessert, unter anderem weil weiter sinkende Zinsen erwartet werden. Der deutsche Außenhandel ist nach wie vor schwach. Die langsame Erholung der Weltwirtschaft hat das Exportgeschäft bislang nicht beleben können. Die Exporte gingen 2024 um 1,1 Prozent zurück, die Importe nahmen dagegen um 0,2 Prozent zu. Die Exporterwartungen haben sich im Februar 2025 zwar etwas aufgehellt, liegen aber weiter im negativen Bereich. Das spiegelt sich auch in der Produktion im Produzierenden Gewerbe wider: Sie nimmt seit etwa zwei Jahren ab, hat sich in den letzten Monaten aber stabilisiert. Zusätzliche Unsicherheiten gibt es derzeit aufgrund möglicher Handelskonflikte zwischen den USA und der EU. Handelszölle würden in Deutschland vor allem Industrien treffen, die ohnehin bereits unter Druck stehen. Die Entwicklung des Außenhandels wird auch davon abhängen, wie stark sich die Absatzmärkte mit Handelskonflikten verändern, wie sich die Stellung Chinas im Welthandel wandelt und wie schnell sich die deutschen Exporteure an diese Veränderungen anpassen können. Die Investitionen blieben 2024 ebenfalls hinter dem Vorjahresniveau zurück: Die Bauinvestitionen sanken um 3,3 Prozent, die Investitionen in Ausrüstungen um 5,5 Prozent. Bei den Investitionen sind aber generell auch strukturelle Herausforderungen sichtbar: Dekarbonisierung, Digitalisierung und demografischer Wandel üben Anpassungsdruck auf die Unternehmen aus, aber teilweise noch hohe Finanzierungskosten, vergleichsweise hohe Energiekosten und die Unsicherheit über die Fortsetzung der Transformationsund Klimapolitik haben die Investitionen beeinträchtigt. Im Schlussquartal 2024 haben die Investitionen wieder zugelegt, wozu vor allem die Bauinvestitionen beigetragen haben. Die Bautätigkeit wurde durch geringere Kreditzinsen belebt. Die Baugenehmigungen haben zum Jahresende zugenommen und das Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe hat sich im Februar wieder etwas verbessert. Der Konsum ist 2024 gewachsen, aber nicht stark genug, um die sinkenden Investitionen und den geringeren Außenbeitrag auszugleichen. Die privaten Konsumausgaben sind um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, der Staatskonsum um 3,5 Prozent. Die Inflationsrate ging im vergangenen Jahr weiter zurück. Insbesondere die Entwicklung der Nahrungsmittelund Energiepreise dämpfte den Preisanstieg. Dienstleistungen verteuerten sich dagegen stärker, auch wegen Zweitrundeneffekten der Lohnsteigerungen. Zwar liegen die Reallöhne weiter unter dem Niveau von 2019, im vergangenen Jahr sind sie aber gestiegen und haben so auch die Kaufkraft verbessert. Die höhere Verunsicherung am Arbeitsmarkt dämpft allerdings die Konsumlaune. So ist die Sparneigung weiter hoch. Die vom Konsum erhofften stärkeren Impulse blieben aus, sodass die Schwächephase noch andauerte. Auch im Februar 2025 hat sich das Konsumklima erneut verschlechtert. Dieses Jahr prognostizieren wir wieder einen Anstieg des BIP in Deutschland: Wir erwarten, dass sich der deutsche Außenbeitrag im Jahresverlauf 2025 zwar verbessert, er dürfte aber auch wegen der unsicheren Handelspolitik noch wenig von der weltwirtschaftlichen Dynamik profitieren. Die Investitionen werden im Jahresverlauf steigen – sie werden auch durch zuletzt sinkende Zinsen angeregt. Fiskalpolitisch dämpfend wirken der Wegfall der Inflationsausgleichsprämien und die höheren Beitragssätze der Krankenund Pflegeversicherung. Die geplanten Finanzpakete für Infrastruktur und Sicherheit stützen aber die Konjunkturerwartungen und senken die Unsicherheit, sodass Unternehmen bereits entsprechende Investitionsund Personalentscheidungen treffen. Wir nehmen an, dass erste Ausgaben aus den Finanzpaketen noch dieses Jahr getätigt werden und ab der zweiten Jahreshälfte zunehmend zu wirtschaftlichen Aktivitäten führen, insbesondere im Rüstungsund Baubereich. Wir gehen auch davon aus, dass eine Senkung der Stromsteuer und der Netzentgelte noch dieses Jahr umgesetzt wird. Die Konsumnachfrage dürfte sich im Jahresverlauf etwas beleben. Für 2025 prognostizieren wir eine Zunahme der Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent (Prognoseintervall ±0,7 Prozentpunkte; Kalendereffekt –0,12 Prozentpunkte). Die Entwicklung seit 2018 und die Prognosewerte sind in Abbildung A1 (Seite 3) dargestellt und in Tabelle T1 (Seite 4) zusammengefasst. 2IAB-Kurzbericht 3|2025 Entwicklungstendenzen von Bruttoinlandsprodukt (BIP) und Arbeitsmarkt in Deutschland 2018 bis 2025 BIP in Mrd. Euro (preis-, saisonund kalenderbereinigte Quartalswerte) Erwerbstätige und Arbeitslose in 1.000 (saisonbereinigte Monatswerte) A1 Veränderung der Ursprungswerte gegenüber Vorjahr Ist-Entwicklung Modellprognose Prognoseintervall Jahresdurchschnitte Erwerbstätige ArbeitsloseBIP + / – % 1) Prüfaktivitäten zum Arbeitsvermittlungsstatus von Arbeitslosengeld-II-Berechtigten wirkten sich im zweiten Quartal 2019 erhöhend auf die Arbeitslosenzahlen aus. Anmerkung zu den Prognoseintervallen: Zu jedem Zeitpunkt wird der realisierte Wert mit einer Wahrscheinlichkeit von 2/3 innerhalb des Bandes liegen. Also wird beispielsweise die Erwerbstätigkeit im Juni 2025 mit einer Wahrscheinlichkeit von 2/3 zwischen 45,92 Mio. und 46,14 Mio. Personen liegen. Quelle: Destatis, Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Berechnungen des IAB; Stand März 2025. © IAB 2024 20252018 2019 2020 2021 20232022 III III IV III III IV III III IV III III IV III III IV III III IV III III IV III III IV 2024 20252018 2019 2020 2021 20232022 Jan. Apr. Juli Okt. Jan. Apr. Juli Okt. Jan. Apr. Juli Okt. Jan. Apr. Juli Okt. Jan. Apr. Juli Okt. Jan. Apr. Juli Okt. Jan. Apr. Juli Okt. Jan. Apr. Juli Okt. 3.200 3.000 2.800 2.600 2.400 2.000 2.200 880 860 900 920 930 940 800 810 820 910 890 870 830 840 850 3.200 3.000 2.800 2.600 2.400 2.000 2.200 46.400 46.200 47.000 46.800 47.200 44.000 44.200 44.400 44.600 44.800 45.000 45.200 45.400 45.600 45.800 46.000 2024 20252018 2019 2020 2021 20232022 46.400 46.200 46.800 47.000 47.200 44.000 44.200 44.400 44.600 44.800 45.000 45.200 45.400 45.600 45.800 46.000 Erwerbstätige BIP + 0,2 % – 0,2 %+ 1,1 % + 1,0 % –4,1 % +3,7% + 1,4 % – 0,3 % Arbeitslose1) 46.60046.600 880 860 900 920 930 940 800 810 820 910 890 870 830 840 850 - 3IAB-Kurzbericht 3|2025 Wirtschaftsprognosen weisen grundsätzlich Unsicherheiten auf, die durch Prognoseintervalle verdeutlicht werden. So ist aktuell noch unklar, wie sich mögliche Zollkonflikte entwickeln. Auch wenn die Finanzpakete beschlossen werden, bleibt unsicher, wie sie durch die kommende Bundesregierung ausgestaltet werden, wie schnell sie umgesetzt werden und wie schnell sie wirken. Erwartete fiskalpolitische Impulse können sich also weiter verzögern. Eine Eskalation der Handelsstreitigkeiten mit den USA stellt für Deutschland aufgrund der starken außenwirtschaftlichen Verflechtung ebenfalls ein Abwärtsrisiko dar. In einer solchen Situation wäre ein Ergebnis im unteren Band denkbar. Ohne die Finanzpakete wäre für das Gesamtjahr 2025 sogar ein weiterer Rückgang des BIP zu erwarten. Aufwärtschancen bestehen, wenn sich Handelskonflikte schneller klären als derzeit erwartet oder wenn die fiskalischen Impulse ihre Wirkung sehr schnell entfalten und zum Beispiel auch die Konsumnachfrage stärker beleben, sodass eine Entwicklung im oberen Band ebenfalls möglich ist. 1) Das Erwerbspersonenpotenzial setzt sich zusammen aus Erwerbstätigen, Erwerbslosen nach ILO und Stiller Reserve (inkl. arbeitsuchender Nichterwerbspersonen). Abweichungen zu den Summen kommen durch Rundung zustande. Aktualisierung der Zeitreihen ab 1991 aufgrund der VGR-Generalrevision 2024. Quelle: Destatis, Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Berechnungen des IAB; Stand März 2025. © IAB Entwicklung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt 2018 bis 2025 T1 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 Prognose 2025 A. Die Nachfrage nach Arbeitskräften Bruttoinlandsprodukt preisbereinigt Veränderung gegenüber Vorjahr in % + 1,1 + 1,0 – 4,1 + 3,7 + 1,4 – 0,3 – 0,2 + 0,2 Stundenproduktivität Veränderung gegenüber Vorjahr in % + 0,3 + 0,7 + 0,9 + 1,3 + 0,1 – 0,6 – 0,1 0,0 Arbeitsvolumen Veränderung gegenüber Vorjahr in % + 0,8 + 0,3 – 4,9 + 2,4 + 1,2 + 0,4 – 0,1 + 0,2 Durchschnittliche Jahresarbeitszeit Veränderung gegenüber Vorjahr in % – 0,5 – 0,6 – 4,3 + 2,2 – 0,1 – 0,4 – 0,3 + 0,2 Erwerbstätige Veränderung gegenüber Vorjahr in % + 1,3 + 0,9 – 0,7 + 0,2 + 1,4 + 0,7 + 0,2 – 0,1 Veränderung gegenüber Vorjahr in 1.000 + 588 + 413 – 325 + 87 + 622 + 336 + 71 – 39 Jahresdurchschnitte in 1.000 44.878 45.291 44.966 45.053 45.675 46.011 46.082 46.043 davon: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in 1.000 32.964 33.518 33.579 33.897 34.507 34.790 34.932 34.993 Veränderung gegenüber Vorjahr in 1.000 + 730 + 554 + 61 + 318 + 610 + 283 + 142 + 61 Veränderung gegenüber Vorjahr in % + 2,3 + 1,7 + 0,2 + 0,9 + 1,8 + 0,8 + 0,4 + 0,2 B. Das Angebot an Arbeitskräften Erwerbspersonenpotenzial1) Jahresdurchschnitte in 1.000 47.324 47.551 47.496 47.597 47.995 48.397 48.657 48.708 Veränderung gegenüber Vorjahr in 1.000 + 351 + 227 – 55 + 102 + 397 + 402 + 261 + 50 C. Die Arbeitsmarktbilanz Arbeitslose Jahresdurchschnitte in 1.000 2.340 2.267 2.695 2.613 2.418 2.609 2.787 2.922 Veränderung gegenüber Vorjahr in 1.000 – 193 – 73 + 429 – 82 – 195 + 191 + 178 + 135 Arbeitslosenquoten (in % aller zivilen Erwerbspersonen) 5,2 5,0 5,9 5,7 5,3 5,7 6,0 6,3 davon: SGB III in 1.000 802 827 1.137 999 808 875 980 1.044 Veränderung gegenüber Vorjahr in 1.000 – 54 + 25 + 310 – 138 – 191 + 66 + 105 + 64 SGB II in 1.000 1.538 1.440 1.559 1.615 1.610 1.734 1.807 1.878 Veränderung gegenüber Vorjahr in 1.000 – 139 – 98 + 119 + 56 – 5 + 124 + 73 + 71 Anteil SGB II in % 65,7 63,5 57,8 61,8 66,6 66,5 64,8 64,3 Veränderung gegenüber Vorjahr in %-Punkten – 0,5 – 2,2 – 5,7 + 4,0 + 4,8 – 0,1 – 1,6 – 0,6 Stille Reserve Jahresdurchschnitte in 1.000 1.079 980 979 1.008 977 1.051 1.062 1.123 Veränderung gegenüber Vorjahr in 1.000 – 95 – 99 – 1 + 30 – 32 + 74 + 12 + 61 davon: Stille Reserve im engeren Sinn 276 196 307 370 320 315 367 493 Veränderung gegenüber Vorjahr in 1.000 – 55 – 80 + 111 + 63 – 51 – 4 + 52 + 126 Stille Reserve in Maßnahmen 803 784 672 638 657 735 695 630 Veränderung gegenüber Vorjahr in 1.000 – 40 – 19 – 112 – 34 + 19 + 78 – 40 – 65 4IAB-Kurzbericht 3|2025 Konjunktur und Transformation treffen den Arbeitsmarkt Der zähe Wirtschaftsabschwung hat die Arbeitsmarktentwicklung gedämpft. Die Arbeitslosigkeit nimmt seit Mitte 2022 zu, die Beschäftigung steigt nur noch schwach. Gemessen an der negativen Konjunktur hält sie sich insgesamt dennoch vergleichsweise gut. In der Tat reagiert die Erwerbstätigkeit in Deutschland seit der Weltfinanzkrise im Jahr 2009 wesentlich robuster auf konjunkturelle Schwankungen als in den Zeiten davor (Klinger/Weber 2020). Angesichts von Arbeitskräfteknappheit versuchen viele Betriebe, ihre Beschäftigten selbst in konjunkturellen Schwächephasen zu halten. Seit dem Frühjahr 2022 flachte die Beschäftigungsentwicklung immer weiter ab. Dies lässt sich durch den langanhaltenden Wirtschaftsabschwung nach Beginn der Energiekrise erklären. Im Sommer 2024 war die Erwerbstätigkeit saisonbereinigt sogar gesunken und entwickelte sich damit schwächer, als es die Konjunktur erwarten ließ (Hutter/Weber 2024). Dies ist insbesondere der Transformationskrise der Industrie geschuldet. Tatsächlich haben nach Einschätzung der Arbeitsagenturen zunehmend strukturelle Ursachen für die Arbeitsmarktentwicklung an Bedeutung gewonnen, und betroffen sind vor allem kleinere Betriebe (Hutter/Weber 2025). Für den jahrelangen Beschäftigungsaufschwung waren Faktoren wie ein steigendes Arbeitskräfteangebot, eine höhere Matchingeffizienz und eine höhere Bereitschaft Stellen zu schaffen relevant, die neben der Konjunktur den Arbeitsmarkt beeinflussten (Hutter et al. 2022). Mehrere dieser arbeitsmarktspezifischen Faktoren haben sich zuletzt abgeschwächt. So steigt das Erwerbspersonenpotenzial zwar noch, aber schwächer, und die negativen demografischen Effekte nehmen weiter zu. Auch wenn im Bestand noch vergleichsweise viele Stellen offen sind, ist die Intensität der Stellenschaffung niedrig, die Unternehmen melden historisch wenige neue Stellen. Zudem haben sich die Jobchancen von Arbeitslosen nicht wieder erholt, nachdem sie mit Pandemiebeginn 2020 und im Jahr 2022 eingeknickt waren. Entsprechend liegt die Langzeitarbeitslosigkeit deutlich über dem Vor-Corona-Niveau, hier zeigen sich Verfestigungstendenzen. Dies spiegelt sich vor allem in der Arbeitslosigkeit von Geringqualifizierten, die ebenfalls deutlich über dem Stand von 2019 liegt. Der Mismatch auf dem Arbeitsmarkt zwischen den Qualifikationsniveaus und den Anforderungsniveaus der Stellen hat seit Corona zugenommen. Das Entlassungsrisiko ist im langjährigen Vergleich noch immer niedrig, zum Beispiel auch geringer als vor der Corona-Krise. Über den Wirtschaftsabschwung hinweg hat sich die Zahl der Beschäftigten, die arbeitslos werden, aber klar erhöht. Die Beschäftigungsentwicklung war zweigeteilt: einerseits schrumpfende Branchen wie Industrie, Bau und Zeitarbeit, andererseits wachsende Branchen wie Pflege, Gesundheit und Erziehung. Aufgrund dieser ausgleichenden positiven Effekte, der grundsätzlichen Robustheit der Arbeitsmarktentwicklung und der erwarteten Stabilisierung der Konjunktur gehen wir davon aus, dass die Erwerbstätigkeit wieder an einen schwachen Aufwärtstrend anknüpfen kann (vgl. Abbildung A1). Das IAB-Arbeitsmarktbarometer deutet kurzfristig auf Stagnation der Beschäftigung hin und lässt weitere Zunahmen der Arbeitslosigkeit erwarten. Wenn im zweiten Halbjahr die Konjunktur anzieht, wären wieder erste Rückgänge zu erwarten. Für den Jahresdurchschnitt 2025 rechnen wir aufgrund der niedrigen Ausgangsposition damit, dass die Zahl der Erwerbstätigen um 40.000 Personen zurückgehen wird (Prognoseintervall ±100.000). Die Zahl der Arbeitslosen wird um 140.000 Personen steigen (Prognoseintervall ±70.000). Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wächst nur noch schwach Im Jahr 2024 waren 34,93 Millionen Personen beziehungsweise 76 Prozent der Erwerbstätigen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die schlechte Wirtschaftsentwicklung hinterlässt aktuell deutliche Spuren: Die regelmäßig kräftigen Zuwächse des vergangenen Jahrzehnts werden nicht mehr erreicht. Für dieses Jahr prognostizieren wir ein vergleichsweise schwaches Plus von 60.000 auf 34,99 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Dennoch wird damit ein neuer Höchst5IAB-Kurzbericht 3|2025 stand erreicht. Der Anstieg beruht allein auf der sozialversicherungspflichtigen Teilzeitbeschäftigung, wohingegen die Zahl der sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten sinkt. 4,87 Millionen Personen beziehungsweise fast 11 Prozent der Erwerbstätigen gehörten 2024 zur Gruppe der marginal Beschäftigten1. Tendenziell ist nach dem Ende der Corona-Krise die Zahl der Beschäftigten hier leicht gestiegen. Allerdings gibt es nun wieder Anzeichen, dass diese Erwerbsform an den jahrelang sinkenden Vor-Corona-Trend anknüpft. Wir erwarten für 2025 einen Rückgang um 40.000 auf 4,83 Millionen marginal Beschäftigte. Mit 3,77 Millionen Personen waren im Jahr 2024 gut 8 Prozent der Erwerbstätigen Selbstständige oder mithelfende Familienangehörige. Ihre Zahl ist seit 13 Jahren rückläufig. Der Trend dürfte zum Teil demografisch zu erklären sein, die Selbstständigkeit scheint aber generell an Attraktivität einzubüßen. Zudem sind sowohl die Einschätzungen der Geschäftslage als auch die Geschäftserwartungen für Selbstständige aktuell nicht gut. Für den Jahresschnitt 2025 erwarten wir einen weiteren Rückgang um 60.000 auf 3,71 Millionen Personen. Damit wird der tiefste Stand seit 32 Jahren erreicht. Knapp 5 Prozent der Erwerbstätigen waren im Jahr 2024 Beamtinnen oder Beamte. Seit dem Tiefstand von 2016 steigt ihre Zahl wieder langsam an. Wir gehen davon aus, dass die neue Bundesregierung sowohl der inneren als auch der äußeren Sicherheit noch höhere Priorität beimessen wird. Dadurch ist mit einem Stellenaufbau im Bereich der Verteidigung und des Grenzschutzes zu rechnen, auch wenn unsicher ist, wieviel davon noch im laufenden Jahr beschäftigungswirksam wird. Für den Jahresdurchschnitt 2025 prognostizieren wir einen Zuwachs um 10.000 Beamtinnen und Beamte. Der Strukturwandel schreitet voran Die Arbeitsplatzentwicklung über die Wirtschaftsbereiche ist heterogen. So baut einerseits vor allem das Produzierende Gewerbe Beschäftigung ab, andererseits baut weiterhin hauptsächlich der Bereich Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit massiv Beschäftigung auf (vgl. Tabelle T2). Die wirtschaftlichen Umbrüche infolge der Energiewende in Verbindung mit einem schwächeren Außenhandel führen seit Mitte 2023 im Produzierenden Gewerbe ohne Baugewerbe zu einer sinkenden Beschäftigung. Wir rechnen mit einem 1 Ausschließlich geringfügig entlohnte Beschäftigte, ausschließlich kurzfristig Beschäftigte und Beschäftigte in Arbeitsgelegenheiten (sog. 1-Euro-Jobs) werden in der Erwerbstätigenrechnung der VGR unter den marginal Beschäftigten zusammengefasst. Die Zeitreihe wurde im Zuge der VGR-Generalrevision 2024 aktualisiert (Wanger et al. 2024). Quelle: Destatis, eigene Berechnungen; Stand März 2025. © IAB Zahl der Beschäftigten nach Wirtschaftsbereichen 2020 bis 2025 Jahresdurchschnittlicher Bestand 2020; Veränderungen gegenüber dem Vorjahr absolut und in Prozent T2 2020 2021 2022 2023 2024 Prognose 2025 Bestand Differenz zum Vorjahr Differenz zum Vorjahr Differenz zum Vorjahr Differenz zum Vorjahr Differenz zum Vorjahr in 1.000 in 1.000 in % in 1.000 in % in 1.000 in % in 1.000 in % in 1.000 in % Landund Forstwirtschaft, Fischerei 358 0 0,07 1 0,35 – 5 – 1,39 – 1 – 0,28 0 – 0,14 Produzierendes Gewerbe ohne Baugewerbe 7.937 – 99 – 1,25 28 0,36 39 0,49 – 46 – 0,58 – 93 – 1,19 Baugewerbe 2.124 35 1,66 32 1,49 17 0,75 – 21 – 0,95 – 3 – 0,14 Handel, Verkehr, Gastgewerbe 9.184 – 99 – 1,08 175 1,93 75 0,81 21 0,23 – 14 – 0,15 Information und Kommunikation 1.267 44 3,47 83 6,37 47 3,33 6 0,44 0 0,02 Erbringung von Finanzund Versicherungsleistungen 960 – 2 – 0,18 – 11 – 1,12 1 0,11 14 1,51 11 1,13 Grundstücksund Wohnungswesen 427 2 0,41 12 2,80 5 1,19 – 1 – 0,22 – 6 – 1,28 Unternehmensdienstleister 5.254 53 1,00 135 2,55 63 1,15 – 36 – 0,66 – 42 – 0,77 Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit 10.811 263 2,44 186 1,68 103 0,92 188 1,65 180 1,55 Sonstige Dienstleister 2.604 – 22 – 0,86 37 1,44 38 1,43 21 0,78 – 10 – 0,36 Gesamt 40.927 174 0,43 680 1,65 382 0,91 145 0,34 22 0,05 6IAB-Kurzbericht 3|2025 Seit 2015 erzielte der Bereich Information und Kommunikation die prozentual höchsten Beschäftigungsgewinne. Seit Beginn des Jahres 2023 wächst dieser Bereich jedoch nur mehr moderat. Offensichtlich schreitet nun auch hier die Automation, beispielsweise durch Künstliche Intelligenz, voran und dominiert den Trend, Produktionsund Dienstleistungsprozesse noch mehr zu vernetzen und zu digitalisieren. Zudem ist dieser Bereich von Fachkräfteengpässen gekennzeichnet. Daher erwarten wir für 2025 nur eine Stagnation der Beschäftigung. Rückgang der SGB-III-Arbeitslosigkeit im vierten Quartal Arbeitslose werden in Deutschland entweder im System der Arbeitslosenversicherung nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) III oder in der Grundsicherung nach dem SGB II erfasst. Das Versicherungssystem umfasst vor allem Personen, die ihre Beschäftigung erst kürzlich verloren haben; sie sind im Durchschnitt formal besser qualifiziert als SGB-II-Arbeitslose und finden leichter eine neue Stelle. Arbeitslose im SGB-III-Bereich stehen dem Arbeitsmarkt näher, weshalb sich konjunkturelle Schwankungen in der Arbeitslosenversicherung stärker und schneller auswirken. Die SGB-III-Arbeitslosigkeit wird im Jahresdurchschnitt 2025 voraussichtlich rund 1,04 Millionen Personen umfassen und damit etwa 60.000 mehr als im Vorjahr (vgl. Tabelle T1). Nach den vergangenen Anstiegen startet die SGB-III-Arbeitslosigkeit von einem vergleichsweisen hohen Wert ins Jahr 2025 und steigt zunächst weiter. Mit der Konjunkturbelebung sinkt sie dann jedoch im vierten Quartal, sodass sie zum Ende des Jahres unter dem Jahresdurchschnitt 2025 liegt. Wenn sich in einer wirtschaftlichen Schwächephase Arbeitslosigkeit verfestigt, schlägt sich das vor allem im Bereich der Grundsicherung nieder. Das beeinflusst auch den Verlauf der SGB-II-Arbeitslosigkeit: Sie steigt 2025 im Jahresdurchschnitt um 70.000 gegenüber dem Vorjahr auf 1,88 Millionen Personen. Auch hier resultiert die Zunahme im Jahresvergleich vor allem aus einem statistischen Überhang, mit dem die Arbeitslosigkeit in diesem Rechtskreis in das Jahr gestartet ist. Im Jahweiteren Rückgang in Höhe von 90.000 Personen im Prognosejahr 2025, auch wenn dieser im Jahresverlauf abflacht. Die Entwicklung bei den Unternehmensdienstleistern hängt eng mit der im Produzierenden Gewerbe zusammen. Für dieses Jahr erwarten wir daher hier ebenfalls einen Beschäftigungsrückgang, der mit –40.000 Personen ähnlich hoch ausfällt wie im vergangenen Jahr. Obwohl im Baugewerbe seit Mitte 2023 Beschäftigung abgebaut wurde, rechnen wir im Jahresverlauf 2025 mit einem Beschäftigungsanstieg. Dies liegt daran, dass zuletzt zum einen die Baugenehmigungen gestiegen sind und zum anderen weiterhin eine hohe Nachfrage nach Wohnraum besteht. Außerdem dürfte das geplante Sondervermögen zur Modernisierung der Infrastruktur sowie die immer noch zu bewältigende Energiewende den Baubedarf steigen lassen. Wegen des statistischen Unterhangs ergibt sich für die Beschäftigungsentwicklung im Jahresdurchschnitt dennoch nur eine rote Null. Die beiden von der Corona-Krise stark betroffenen Wirtschaftsbereiche Handel, Verkehr, Gastgewerbe sowie die Sonstigen Dienstleister befanden sich zuletzt noch in einem Aufholprozess. Dieser scheint nun weitgehend abgeschlossen zu sein. Seit Mitte 2024 sinkt in beiden Bereichen die Beschäftigung aufgrund der Konsumschwäche wieder moderat. Auch in diesem Jahr rechnen wir daher mit weiteren leichten Beschäftigungsrückgängen (jeweils –10.000 Personen). Mit einem Zuwachs von +180.000 Personen entfällt der gesamtwirtschaftliche Beschäftigungszuwachs fast vollständig auf den Wirtschaftsbereich Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit – was hauptsächlich an einem steigenden Betreuungsbedarf infolge der Alterung der Gesellschaft liegt und am Ausbau der Kindertagesbetreuung. Die Finanzund Versicherungsbranche baute im Zuge der Digitalisierung und aufgrund von Konsolidierungsmaßnahmen im Bankensektor seit 2015 fast durchweg Beschäftigung ab. Seit Ende 2023 ist dieser Trend erst einmal gestoppt und die Beschäftigtenzahlen steigen wieder. Für 2025 rechnen wir mit einer weiteren moderaten Zunahme um +10.000. 7IAB-Kurzbericht 3|2025 resverlauf steigt die SGB-II-Arbeitslosigkeit noch weiter, der Anstieg flacht jedoch zum Jahresende ab. Grund für die Abflachung ist die vorhergesagte Konjunkturbelebung, die sich mit zeitlicher Verzögerung auf die SGB-II-Arbeitslosigkeit auswirkt. Ein Grund für die steigende SGB-II-Arbeitslosigkeit ist auch der Rückgang der Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik. Der Einsatz dieser Maßnahmen wirkt sich auf die Entwicklung der Arbeitslosenzahl aus, da die Teilnehmenden nicht als arbeitslos gelten, sondern zur Stillen Reserve oder teils zu den Erwerbstätigen zählen. Im SGB-IIBereich ist der Rückgang der Maßnahmen deutlich sichtbar, wodurch vor allem die Arbeitslosigkeit in diesem Rechtskreis im statistischen Sinne weniger als bisher entlastet wird. Stille Reserve steigt Zur Stillen Reserve im engeren Sinn zählen insbesondere Personen, die im Moment nicht aktiv nach einer Arbeitsstelle suchen, aber bei besserer Arbeitsmarktlage oder unter geeigneteren persönlichen Umständen wie einer passenden Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen eine Arbeit aufnehmen würden. Für bereits entmutigte oder dem Arbeitsmarkt aus Altersgründen schon ferne Personen stellt sich die Situation zunehmend schwierig dar. Wir rechnen daher für das laufende Jahr mit einem Anstieg der Stillen Reserve im engeren Sinn um durchschnittlich 130.000 Personen. Die Stille Reserve in Maßnahmen umfasst Teilnehmende an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, die aber nicht – wie beispielsweise Beschäftigte mit Ein-Euro-Jobs oder im sozialen Arbeitsmarkt – erwerbstätig sind. Bei Maßnahmen zur Förderung der beruflichen Weiterbildung erwarten wir einen moderaten Anstieg im Prognosezeitraum, während Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung rückläufig sind. Die Zahl der Personen über 58 Jahre, die aufgrund des § 53a Abs. 2 SGB II nicht zu den registrierten Arbeitslosen zählen, weil sie seit mehr als einem Jahr kein Angebot auf dem ersten Arbeitsmarkt erhalten haben, sinkt kontinuierlich, da diese Sonderregelung zum Jahresende 2022 ausgelaufen ist. Auch die Teilnahme von Geflüchteten an Sprachund Integrationskursen ist im Prognosezeitraum leicht rückläufig. In der Summe gehen wir davon aus, dass die Stille Reserve in Maßnahmen im Jahresdurchschnitt 2025 um 70.000 abnimmt. Sie beträgt dann durchschnittlich 630.000 Personen. Somit steigt die gesamte Stille Reserve in diesem Jahr um 60.000 Personen, womit sie im Jahresdurchschnitt 2025 bei 1,12 Millionen liegt.2 Arbeitskräfteangebot wächst nur noch verhalten Das Erwerbspersonenpotenzial umfasst Erwerbstätige, Erwerbslose sowie die Stille Reserve. Seine Veränderung ergibt sich aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher Komponenten – des Wanderungseffekts, des Verhaltenseffekts und des demografischen Effekts –, deren Auswirkungen isoliert betrachtet werden können. Die bislang vorliegenden Daten zur Außenwanderung des vergangenen Jahres zeigen, dass die Nettozuwanderung gegenüber 2023 deutlich abgenommen, mit 400.000 bis 440.000 Personen aber im langjährigen Vergleich weiterhin auf einem hohen Niveau gelegen haben dürfte (Statistisches Bundesamt 2025). Für das laufende Jahr gehen wir von einer weiter rückläufigen Nettomigration im Umfang von 300.000 Personen aus. Infolgedessen erwarten wir, dass das Erwerbspersonenpotenzial 2025 migrationsbedingt um 230.000 Personen steigt. Darüber hinaus wächst das Arbeitskräfteangebot auch aufgrund kontinuierlich steigender Erwerbsbeteiligungsquoten, etwa bei Älteren. Für das Jahr 2025 erwarten wir aufgrund des Verhaltenseffekts ein Wachstum des Erwerbspersonenpotenzials um 260.000 Personen. Den Zunahmen durch Nettozuzüge und steigende Erwerbsbeteiligung wirken die Folgen des demografischen Wandels entgegen. Für 2025 erwarten wir einen demografisch bedingten Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials um 440.000 Personen. Das Zusammenspiel aller drei Komponenten lässt das Erwerbspersonenpotenzial dieses Jahr ein weiteres Mal wachsen, wenngleich nur noch ver2 Im Vergleich zum Statistischen Bundesamt (https://www.destatis. de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/05/PD24_192_13.html) verwendet das IAB einen enger gefassten Begriff der Stillen Reserve. 8IAB-Kurzbericht 3|2025