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Gesellschaftsstruktur und Finanzierung des wirtschaftlichen Fortschrittes in Entwicklungsländern Typologische Bemerkungen

Abstract

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Gesellschaftsstruktur und Finanzierung des wirtschaftlichen Fortschrittes in Entwicklungsländern Typologische Bemerkungen

Author: Köllner, Lutz
Publisher: Berlin: Duncker & Humblot
Year: 1964
DOI: 10.3790/schm.84.4.403
Source: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/291055/1/schm.084.4.403.pdf
Köllne , Lu z
A icle
Gesellscha ss uk u und Finanzie ung des
wi scha lichen Fo sch i es in En wicklungslände n
Typologische Beme kungen
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: Köllne , Lu z (1964) : Gesellscha ss uk u und Finanzie ung des wi scha lichen
Fo sch i es in En wicklungslände n Typologische Beme kungen, Schmolle s Jah buch ü
Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha , ISSN 1619-6244, Duncke & Humblo , Be lin, Vol.
84, Iss. 4, pp. 403-417,
h ps://doi.o g/10.3790/schm.84.4.403
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/291055
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Gesellscha ss uk u und Finanzie ung des
wi scha lichen Fo sch i es in En wicklungslände n
Typologische Beme kungen
Von Lu z Köllne , Müns e
I.
Un e dem Ein luß de Keynessdien Wi scha sleh e ha die
Theo ie des olkswi scha lichen Spa p ozesses ein neues, wenn auch
zum Teil bedenklich schema isie es P o il gewonnen, und man kann
sich gewiß kein dankba e es Objek ü die Analyse des Spa ens und
In es ie ens o s ellen als eben die En wicklungsländle , übe de en
De ini ion wi an diese S eile nich s wei e aus üh en möch en. F ei-
lich soll e man dabei nich unbedach und mi allzu g oßem Op imis-
mus e sehen o gehen. Ex de ini ione s ehen die En wicklungslände
noch am An ange ih e wi scha lichen En al ung, was na u gemäß
den Analy ike wie den Theo e ike eiz , weil in s a u nascendi
manche olkswi scha liche Vo gang scheinba ein ache und sich -
ba e , ielleich auch unkomplizie e aussieh . Eine 'Ge ah eilich
bes eh da in, daß man, da es keine aus eichenden s a is ischen Un e -
lagen gib und die En wicklungslände noch wei gehend in den e s en
Abschni en ih e Indus ialisie ung ode Mechanisie ung ih e Ag a -
ökonomie s ehen, schnell in die Bezi ke his o ischie Spekula ionen
ge ä . Diese Ge ah is um so g öße , als die o malen Ins umen e
de mak oökonomischen Spa - und In es i ions heo ie in Ve bindung
mi dem spezi ischen Gleichgewich sgedanken de mode nen Ökonomie
in ih e Bedeu ung ü die Analyse leich übe schä z we den. Man
mag da in le z e Spu en de Auseinande se zung übe die lange und
e eg e Diskussion übe den Keynesianismus sehen ode nich ; es
s eh , daß eine nu o male ökonomische Be ach ung des olkswi -
scha lichen Spa o ganges (hie imme im wei es en Wo sinne e -
s anden) nich aus eich , um die a sächlichen Ve häl nisse in den En -
wicklungslände n in eine den Ökonomen be iedigenden Weise zu
du chleuch en.
Fo malis ische Theo e ike neigen dazu, his o ische und soziologische
Ta sachen, o allem wenn sie imponde abil e scheinen, izu un e -
schä zen. Ausschließlich his o isch und soziologisch denkende und emp-
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indende Ökonomen e kennen hingegen die mach ollen Ins umen e
de Analyse, die uns die ökonomische Theo ie lie e , um allgemeine
Zusammenhänge des olkswi scha ichen K eislau es da zus ellen.
Manche Au o en, die sich mi den F agen de olkswi scha lichen
Spa bildung in akapi alis ischen Räumen be assen, können sich nu
schwe on »gewissen heo e ischen Fo mal-Übe legungen lösen, ode
sie sind niu langsam be ei anzue kennen, daß es sich bei ih en
Me hoden iel ach um o male Denkp ozesse handel . Ande e Ve -
asse wiede um e kennen, daß ein gewisse heo e ische Fo ma-
lismus no wendig is , wenn man übe den Be eich de Einzels udie
und des „ ield esea ch" hinaus zu gene ellen E gebnissen kom-
men möch e. Man soll e auch nich übe sehen, daß die o male
mak oökonomische K eislau - und Wachs ums heo ie inne halb ih e
Agg ega e mi e schiedenen, meis unausgesp ochenen sozialen und
soziologischen P ämissen a bei e , die ü die al en Indus ielände
im allgemeinen zu e en mögen (abe selbs do nich imme , wie
die Diskussion übe die Keynessdie S agna ions hese kla he aus-
s ell e), die abe ü die jungen Indus ielände in Übe see unzu e -
end, ungenügend ode alsch sind. Auch die o male mak oökono-
mische Theo ie bleib eine Theo ie de Gesellscha und des gesell-
scha lichen Handelns. Ge ade sie implizie ja ein bes imm es soziales
Massen e hal en de Spa e , de Konsumen en, de In es o en ode
de Banken und des S aa es, wobei sie as une kann den Ma x sehen
Beg i de „En emdung", de den eigen lichen Mi elpunk seine
K i ik de bü ge lichen Ökonomie da s ell , au g ei und s ändig mi
gespal enen Pe sonen a bei e , die einmal als K edi nehme , dann als
K edi gebe , als Konsumen en und als P oduzen en au e en. In de
on ih en Ve e e n als o mal, allgemein e bindlich und we ei
emp ohlenen ökonomischen Theo ie sind wei meh ideologische und
gesellscha sphilosophischc Vo s ellungen und Beg i e e bo gen, als
gemeinhin angenommen wi d.
Audi die Keynessdie Wi scha sleh e und die aus ih en wickel en
heo e ischen Vo s ellungen und We kzeuge blieb eine Theo ie des
Kapi alismus, gleichwie sie sich bei einigen Au o en als zei los und
gesellscha sungebunden geben mag. Sie se z bei jedem Subjek wei -
gehend kapi alis isches Denken o aus. Bei den Spa e n eine Zins-
o ien ie ung, bei den Schuldne n eine Ren abili ä s o s ellung, bei
den Gläubige n Übe legungen zu Liquidi ä und beim S aa eine
gewisse soiziale Rechenha igkei , die man neue dings du ch eine
Theo ie de sozialen Kos en zu e assen sich bemüh . Zwei ellos bilde
die mode ne na ionalökonomische mak oökonomische Theo ie, sowei
sie au den Ein luß on Keynes und ande e K eißlau heo e ike
zu ückzu üh en is , das bi&he geeigne s e Ins umen de allgemeinen
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Gesellscha ss uk u und Finanzie ung in En wicklungslände n 405
Analyse des olkswi scha lichen Spa p ozesses. Dennoch soll e man
nich übe sehen, daß ih e Anwendung bei den En wicklungslände n
au gewisse Schwie igkei en s öß , die le z lich in de mangelnden
kapi alis ischen Wi scha sgesinnung diese Regionen beg ünde
liegen.
Ve binde man die o male Theo ie des olkswi scha lichen Spa -
p ozesses nich mi gewissen, on Land zu Land wechselnden ypischen
gesellscha lichen E scheinungen wie Massen e hal en, Regie ungs-
sys em ode He scha s o m so bleib iman no wendig inne halb
eine ausschließlich o malen Be ach ung, die ü wi scha spoli ische
Emp ehlungen nu seh beding geeigne is . Sie ha eigen lich nu
den We , den in den En wicklungslände n Ve an wo lichen zu zei-
gen, wo au es ankomm , wenn das Sys em be ei s unk ionie en
wü de. Eine Zusammenschau on o malen heo e ischen Übe legungen
mi ypologisch gedach en gesellscha lichen Vo gängen und Si ua io-
nen üh hingegen wesen lich wei e . Eine de a ige Synopsis, mi
e schiedenen heo e ischen We kzeugen und Requisi en e ziel , be-
si z den unschä zba en Vo eil de Komplemen a i ä mi e höh e
Einsich und e ie en E gebnissen. Die g oßen Na ionalökonomen
wie Ka l Ma x ode Joseph Schumpe e haben den olkswi scha -
lichen Spa p ozeß auch niemals nu o mal, sonde n imme auch als
gesellscha liches E eignis gesehen, und ge ade diese Sich de Dinge
e danken ih e Theo ien eine wei e Ve b ei ung, ein langes Leben
und eine übe egionale Bedeu ung.
Die Li e a u zu de F age nach den Zusammenhängen zwischen
dem olkswi scha lichen Spa p ozeß und de Gesellscha ss uk u
in ypologisch gedach en En wicklungs egionen is seh ¡ge ing; iele
Na ionalökonomen be ach en gesellscha liche Ta sachen gleichsam als
Res g ößen ode als no wendige, abe doch läs ige Anhänge . Viele
Soziologen wiede um scheinen g undlegende Einsich en de o malen
mak oökonomischen Spa heo ie nich zu kennen. Auch diese Aus-
üh ungen können nich meh sein als ein Diskussionsbei ag und ein
An ang. Empi isches Ma e ial is aus e läßlichen Quellen nu seh
wenig o handen, e gleichba is es nu in einigen Fällen, obwohl
ode ge ade weil es wissenscha lich b auchba e Un e suchungen übe
den olkswi scha lichen Spa p ozeß in En wicklungsgebie en bishe
nu on wenigen Au o en gib , die jeweils ü ein bes imm es Land
ode eine bes imm e Si ua ion in einem bes imm en Lande zum Teil
alle dings seh b auchba e und e läßliche Angaben lie e n. Die Un e -
suchungen in e na ionale Ins i u ionen, wie o allem de Ve ein en
Na ionen, sind wenige b auchba und zu e lässig, als man im e s en
Augenblick anzunehmen be ei is . Die No wendigkei , iele E geb-
nisse in wenigen Rub iken zusammen assen zu müssen, üh dazu,
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daß die E geibnisse aus e schiedenen s a is ischen Enque en in e -
schiedenen En wicklungs egionen un e gleichba sind, o allem, wenn
man in Einzelhei en zu gehen wünsch . Vielleich kann diese Skizze
einige Au o en an egen, hie au gewo enen F agen beispielha in
einigen Lände n und Lände g uppen wei e nachzugehen. Wi wissen
heu e, wie sich die olkswi scha liche Finanzie ung de eu opäischen
Indus ialisie ung im o igen Jah hunde abgespiel ha . Wie iel
soziale Schäden und wi scha liche S ö ungen und Reibungs e lus e
hä en e mieden we den können, wenn man den beginnenden P ozeß
schon in seinen An ängen hä e übe schauen können! Audi aus diesem
G unde is es wich ig, sich mi den Zusammenhängen zwischen Gesell-
scha ss uk u und olkswi scha liche Finanzie ung eines wachsen-
den Indus ie- und Ag a sys ems zu beschä igen. Die Theo ie kann
auch hie mindes ens ein Tableau de Möglichkei en bie en, die in
gewissen G enzen auch gesellscha spoli isch s eue ba und manipu-
lie ba sind.
II.
Die F age nach Um ang und Ve lau des olkswi scha lichen Spa -
p ozesses kann man in umgekeh e Rich ung auch s ellen als die
F age nach den Möglichkei en und den G enzen des Konsum e zich es
ausgewähl e Be ölke ungsg uppen. Dabei soll e man das Ve hal en
diese G uppen als neben on de ökonomischen auch als on de
gesellscha lichen S uk u und om Regie ungssys em abhängig an-
sehen. In besch änk e em Um ange wi k das Ve hal en de Be ölke-
ung und ih e einzelnen Teile auch wiede um au Gesellscha und
He scha ssys em zu ück. Na ü lich handel es sich bei de Vo s ellung
des Konsum e zich es um einen dynamischen Beg i , und man soll e
dahe besse on einem ela i en Konsum e zich sp echen. Gemein
is in den meis en Fällen ein Meh an Ve b auch, das bei ge inge e
In es i ion und/ode ge inge e Aus uh un e sons gleichen Um-
s änden möglich wä e. Jedoch gib es einige En wicklungslände , die
au einem so ie en allgemeinen wi scha lichen Ni eau s ehen, daß
auch ein absolu e Konsum e zich denkba is . Diese Si ua ion is
besonde s schwie ig, weil sie in den meis en Fällen gleichbedeu end
is mi einem Un e sch ei en des Exis enzminimums, was au die Daue
mi einem Ab all in de Volksgesundhei , einem Ans ieg de Todes-
älle und einem ungeklä en Ve häl nis zu kün igen Be ölke ungs-
zuwachs a e bezahl we den muß. Diese P eis is ü die „Finanzie-
ung" des wi scha lichen Fo sch i es nach mo alischen und e hi-
schen Gesich spunk en gewiß izu hoch. Dennoch soll e man nich übe -
sehen, daß e schiedene Lände in adikalen Phasen ih e En wick-
lungs- und Indus ialisie ungspoli ik un e dik a o ischen Regie ungen
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Gesellscha ss uk u und Finanzie ung in En wicklungslände n 407
du chaus be ei wa en, diesen Weg zei weise zu besch ei en. Man
denke e wa an die Hunge snö e in de Uk aine zu Beginn de d eißi-
ge Jah e unse es Jah hunde s, die als eine unmi elba e Folge de
e s en sowje ischen Fün -Jah espläne und de damaligen igo osen
wi scha spoli ischen Expe imen e in de Sowje -Union ein a en und
die ungezähl e Todesop e o de en.
In den heu igen En wicklungs egionen in de Wel , wei gehend also
an den Randzonen de wel wi scha lichen Indus ieke ne, geh es
da um, den absolu en und meh noch den ela i en Konsum e zich
un e jeweiligen Bedinglinigen zu minimalisie en. Mi ande en Wo en:
Es geh da um, den Zuwachs im du chschni lichen Lebenss anda d au
denjenigen Um ang zu beg enzen, de e o de lich is , um ohne Ge-
ah ü die inne e soziale, poli ische und wi scha s- wie en wick-
lungspoli ische S abili ä das ausgewähl e und geplan e P og amm
wi scha liche En al ung eines Landes zu ealisie en. Na ü lich is
dies nu eine un e e schiedenen gedanklichen Ansä zen zu Be-
wäl igung unse es P oblems.
Wi kennen die An wo en de o malen Theo ie au unse G und-
p oblem. Sie lau en un e den angegebenen Bedingungen und de
gleichzei igen Fo de ung nach Minimalisie ung des ela i en Konsum-
e zich es: 1. In es i ionen on hohe olkswi scha liche P oduk i-
i ä , 2. Ausnn zung möglichs iele und schnelle Komplemen a i-
ä s o eile beim Au bau de In a- und In es i ionss uk u und
3. Be o zugung on In es i ionen mi ela i ku zen P oduk ions-
umwegen.
Die le z e de d ei genann en Emp ehlungen is inso e n miß e -
s ändlich, als man dazu neigen könn e, sie als unabdingba ode als
zei lich unbeg enz gül ig anzusehen. Selbs e s ändlich können mi
zunehmende allgemeine wi scha liche En wicklung und mi einem
Zuwachs zum allgemeinen du chschni lichen Lebenss anda d auch die
P odnk ionsumwege länge we den. Ja, eine de a ige Ve länge ung
is cha ak e is isch ü den kapi alis isch-indus iellen P ozeß, weil e
ein Ausd uck ü die Be ei scha eine Gesellscha zum Wa en und
zum ela i en Ve zich sein kann, ohne daß wi mi diese Fo mulie-
ung äl e e Zins- und Kapi al heo ien ech e igen wollen. Abe es
bes eh ohne Zwei el ein Zusammenhang zwischen dem S and de
wi scha lichen En wicklung sowie dem Ni eau des allgemeinen du ch-
schni lichen Lebenss anda ds und den Umwegen e wa in de echni-
schen E p obung neue Ve ah en. Man denke nu an die Rake en-
echnik ode die As onau ik, die in ühe en Jah zehn en aus öko-
nomischen G ünden und aus G ünden de gesellscha lichen Ve an -
wo ung bei jah elangen Expe imen ie p og ammen nich möglich
wa en.
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408 Lu z Köllne
Daß Maßnahmen de inne en Wi scha s- und En wicklungspoli ik
abges imm we den müssen mi Maßnahmen de Außenwi scha s-
poli ik, um un e gegebenen Ums änden ein Gleichgewich zu e hal en,
is selbs e s ändlich. So gil auch ii unse e Übe legungen, daß die
d ei g undlegenden Maßnahmen zu Minimalisie ung des ela i en
Konsum e zich es (Ve zich au e zeh ba en Realeinkommenszu-
wachs) nachhal ig nich ges ö we den dü en du ch Sonde en wick-
lungen in de Zahlungsbilanz, die die In es i ions ä igkei , das Spa en
und den Ve b auch unmi elba und/ode übe kü ze e ode länge e
Mul iplika o - und Akzele a o p ozesse beein lussen.
Die Theo ie des olkswi scha lichen Spa p ozesses gehö zwei el-
los zu denjenigen Be eichen de heu e üblichen na ionalökonomischen
Theo ie, die in den le z en 20 Jah en e hebliche Einsich en gewonnen
ha und die, wenigs ens in mak oökonomische Schau, keine eigen -
lichen Schwie igkei en ode im Ke n ungelös en F agen meh en häl .
Die E ah ungen mi den g oßen In la ionen in den Indus ielände n
nach den beiden Wel k iegen, die Repa a ionsdeba e, die A bei s-
bescha ungsmaßnahmen sowie eine e eine e Technik und Analy ik
des mone ä en Geschehens haben dazu gewiß an egend beige agen.
Eine jah elange Ve nachlässigung des mone ä en Denkens, die pa a-
doxe weise du ch die /Cey ces-Schule eingelei e wu de, da als wei -
hin übe wunden gel en, und an Hand de bekann en K eislau - und
en wicklungso ien ie en heo e ischen Schema a kenn man die Be-
dingungen, un e denen sich ein olkswi scha liche Spa p ozeß ab-
spiel ode abspielen soll. Ve häl nismäßig wenig abe weiß man übe
die Beziehungen zwischen dem Spa en in seinen e schiedenen Fo -
men und de Gesellscha ss uk u sowie dem Regie ungssys em.
Einige allgemeine Zusammenhänge sind na ü lich sei langem bekann .
So e wa, daß Dik a u en leich e Zwangsanleihen du chse zen können,
weil sie unmi elba die Ne ogeidlöhne beein lussen können. Mi
Rech wi d auch meis angenommen, daß ein Land mi einem b ei en
Mi els and übe ein e gleichsweise hohes und s abiles eiwilliges
Spa au kommen e üg . Und auch die Annahme, daß s aa liches Spa-
en und In es ie en in einem Lande mi ielen hohen Einkommen
leich e is als un e gegen eiligen Bedingungen, is allgemein an-
e kann , ja de a ige Annahmen we den o unausgesp ochen mi de
allgemeinen ökonomischen Theo ie e quick , was na ü lich im P inzip
unzulässig is , weil man dann, ü den Nich -Fachmann unsich ba ,
une laub o male Theo ie mi his o isch-soziologischen Ta sachen e -
binde . Die ganze heu e übliche, soziologisch unhal ba e und on ih en
Ve ech e n nich einmal so e kann e, nämlich u sp ünglich ma xi-
s ische Ein eilung de Wi scha ssubjek e in Un e nehme und Nich -
Un e nehme wi d on ielen Na ionalökonomien, die e s eck en
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Gesellscha ss uk u und Finanzie ung in En wicklungslände n 409
sozialis ischen Ideen nachhängen, e bunden z. B. mi de Vo s ellung,
daß die Un e nehme meh konsumie en als die Nich -Un e nehme .
Allein schon wi scha sgeschiich lich gesehen is dies na ü lich zunächs
eine willkü liche Annahme. Sie is e lauib , abe man soll e s e s da au
hinweisen, daß man bei diese allgemeingül ig klingenden sozialen
Di e enzie ung an ein bes imm es Phänomen sozialen Ve hal ens
denk . Gewisse Ve bindungen, so dü en wi es s ellen, bes ehen mi -
hin schon zwischen Spa heo ie und Soziologie, nu ü die En wick-
lungslände sind diese Zusammenhänge noch wei gehend unbekann
und kaum o mal du chdach .
Rückblickend gesehen wissen wi , daß das schnelle Wachs um de
englischen und de kon inen aleu opäischen Indus ie wi scha en
nich denkba gewesen wä e ohne einen un eiwilligen Konsum e zich
de Indus iea bei e on mindes ens zwei Gene a ionen. Dahinges ell
sei, ob die Lage de a bei enden Klassen übe all in Eu opa so be-
s ü zend gewesen is , wie es uns F ied ich Engels besch eib . Siche
dü e sein, daß neben dem un eiwilligen Konsum e zich de Indu-
s iea bei e auch de bü ge liche Mi els and und die Handwe ke ,
schon in olge gewisse s a ische ökonomische Ve hal ens- und Kon-
sumgewohnhei en, iele Jah zehn e hindu ch indi iduell so g äl ig
geplan e Selbs inanzie ung du ch üh en, zumal de Bankenappa a
sich in einzelnen Lände n e s langsam im Zuge des Wachs ums de
Wi scha an den Mi els and wand e. Die Finanzie ung du ch den
S aa , sei es du ch eigenes In es ie en ode übe inanzielle Sub en io-
nen, gehö zu den neue en E scheinungen de Finanzgeschich e, und
ge ade mi diese Me hode wollen die En wicklungslände beginnen,
obgleich sie häu ig nich einmal eine olle s aa liche Sou e äni ä be-
si zen, »um eine de a ige Poli ik be eiben «zu können. Ebenso wie
das Biankensys em is auch das Finanzwesen meis nu ungenügend
en wickel , so daß die Du chse zung manche wäh ungs- und iskal-
poli ische Maßnahmen schei e an mangelha en ode ehlenden
ins i u ionellen Möglichkei en. Abe nich hie on, sonde n ausschließ-
lich on den Beziehungen zwischen olkswi scha lichem Spa p ozeß
und Gesellscha so dnung soll die Rede sein, so daß wi s illschweigend
annehmen wollen, daß es keine übe mäßigen ins i u ionellen Hinde -
nisse bei de Du chse zung wi scha s-, wäh ungs- und en wicklungs-
poli ische Au gaben gib , obgleich na ü lich die ins i u ionelle Ma-
schine ie eben alls als abhängig on Gesellscha so dnung und Regie-
ungssy s em au ge aß we den kann, was wi hie abe bewuß e nach-
lässigen, um ande e Beziehungen deu liche he auss ellen zu können.
De eu opäische Indus ialisie ungsp ozeß e dank seine schnelle
Ausb ei ung und seine E olge zwei ellos auch de Ta sache, daß es
nach 1789 au dem Kon inen und nach dem Wechsel in den Besi z-
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410 Lu z Köllne
Ve häl nissen des G undeigen ums au de b i ischen Insel as imme
genügend soziale Schich en gab, die be ei und in de Lage wa en,
neue Funk ionen in de umb echenden Gesellscha zu übe nehmen.
(In Japan wa es nach den Reichs e o men in de zwei en Häl e des
o igen Jah hunde s ähnlich: De eilweise en schulde e Adel übe -
nahm schnell und a k ä ig die Lei ung g oße Indus ieun e nehmen,
wobei die ü japanische Ve häl nisse ypische enge .Sippenbindung
ein zusä zliche , posi i e Fak o gewesen sein wi d.) Ka l
Ma x
ha
diese Zusammenhänge zwei ellos im Ansa z ich ig gesehen, und um
so meh muß man es bedaue n, daß e diesen P ozeß, de in den
e s en Indus ialisie ungsabschni en in Eu opa zwei ellos mi einem
beme kenswe en ela i en Konsum e zich de a bei enden Massen
einhe ging, unglückliche weise mi seine philosophischen An i-Hegel-
Posi ion in Zusammenhang b ach e und das einmalige und zei lich
beg enz e soziale E eignis des Elends de neuen s andenen Klasse de
Indus iep ole a ie e knüp e mi eine ökonomischen (no wendi-
gen) Übe bewe ung de A bei , die bei
Ma x
le z lich auch nich öko-
nomisch, sonde n philosophisch beg ünde is .
In de Sowje union, dem am meis en un e en wickel en Land in
Eu opa zu Beginn des e s en Wel k ieges, wu den die b ei en Massen
o z ode ge ade in olge des Sieges de p ole a ischen Re olu ion
ma xis isch-bolschewis ische P ägung eben alls zu einem länge en
Konsum e zich gezwungen, de nu in wenigen Jah en o dem
zwei en Wel k iege und dann e s wiede in de Ä a
Malenkows
spü -
ba ü den einzelnen S aa sbü ge gelocke wu de. T o z alle öko-
nomische Philosophie muß en die Sowje s mi de Ta sache e ig-
we den, daß Spa en eine unabände liche Vo ausse zung ü eine Volks-
wi scha is , die zwa übe manche po en iellen Möglichkei en eine
indus iellen En wicklung e üg , die abe nich ein ach du ch eine
um assende Geldschöp ung und e wei e e Einkommensizi kula ion in
Gang gese z we den kann. Na ü lich spiel die Geldschöp ung eine
auße o den liche Rolle bei de Finanzie ung des wi scha lichen
Wachs ums, abe nach allem, w.as wi übe sie wissen, wi d man sagen
dü en, daß de au onome mone ä e Sek o in e s e Linie eine s imu-
lie ende, egulie ende und ausgleichende Funk ion im Rahmen de
gesam en Indus ie inanzie ung besi z und nich als die Haup quelle des
olkswi scha lichen Wohls andes angesehen we den da . Mögliche -
weise hä e die Geld- und K edi schöp ung zei weise den sowje ischen
Indus ialisie ungsp ozeß güns ige beein lussen können, als es a -
sächlich geschah, wenn nich das Geld und das mone ä e Denken
übe haup in den Augen de konsequen en Ma xis en eine ypisch
bü ge liche ideologische E scheinung wä e, die sie in ih em Sys em
de Wi scha splanung und ih e spezi ischen Fo m de Ve wi k-
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DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.84.4.403 | Gene a ed on 2023-04-04 11:35:07
Gesellscha ss uk u und Finanzie ung in En wicklungslände n 417
den und is abhängig om Wachs ums empo und on de Indus iali-
sie ungsphase, in de sich ein Land be inde .
Wäh end in den An angsphasen wi scha liche En wicklung e-
gie ungspoli ische Maßnahmen zm Begüns igung des einen wie des
ande en Weges e gleichsweise eibungslos du chse zba e scheinen,
ände sich das im Zuge de Indus ialisie ung. Wi scha liche En -
wicklung, e s anden auch als Au eilung des gesam en olkswi scha -
lichen Spa olumens au einzelne soziale Klassen, bedeu e s e s auch
eine gewisse S abilisie ung de einmal einge e enen sozialen O dnung,
eben weil Um ang und Fo m des Spa ens zugleich auch das Ausmaß
des Kloinsums einzelne G uppen bes imm en. Gleichgül ig, ob es sich
um konsiuim i eudige »de um im P inzip aske ische soziale Klassen
handel , die zu Finanzie ung des olkswi scha lichen In es i ions-
olumens eiwillig ode un eiwillig bei agen: Ände ungen in de
Zusammense zung de gesam wi scha lichen Spa quellen können mi
zunehmende wi scha liche (En al ung nu du ch e s ä k e s aa s-
pali ischie Eing i e e eich we den. Je s enge sich die Regie ungen
dabei an ih e u sp ünglichen En wicklungspläne hal en, um so meh
Mach müssen sie einse zen, um ih e Absich en zu e wi klichen. Da-
mi beein lussen sie s e s auch die soziale S abili ä im Lande. Au
Re olu ion bedach e Regie ungen we den ohne Zöge n diesen Weg
einschlagen, da ihnen die sozialen Kos en eines zei weise ode end-
gül ig e minde en olkswi scha lichen Spa au kommens in olge
gewal same Eing i e in die Sozials uk u ih es Landes nied ige
dünken we den als ein gleichmäßige e und e en uell auch schnelle e
wi scha liche Fo sch i , da sie sich jeden alls eine S ä kung ih e
Mach on ih em Vo gehen e sp echen. E olu ionä einges ell e Re-
gie ungen hingegen we den e suchen, die Wi kungen eine du ch
s aa liche Eing i e e wandel en Finanzie ungss uk u ü die Indu-
s ialisie ung zu e gleichen mi den Wi kungen, die diese Wandlun-
gen au die allgemeine soziale S abili ä des Landes und ih e eigene
Mach haben können. Diese Vo gang kann sich im Pa lamen ab-
spielen, e kann abe auch das E gebnis on Übe legungen eines
Füh ungs eams sein.
Gewiß we den die Gläubige g oße En wicklungsk edi e in Zukun
diese und ähnliche Zusammenhänge zwischen de S uk u des Spa -
au kommens, de gesellscha lichen O dnung und dem Regie ungs-
sys em, die im Zuge des wi scha lichen Wachs ums meh achen Ve -
ände ungen un e wo en sind, s ä ke beach en als bishe . Die ökono-
mische E izienz de En wicklungshil e is nich zule z auch on eine
so g äl igen Abschä zung und Be ücksich igung diese Zusammenhänge
abhängig.
27 Schmolle s Jah buch 84,4
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