Ku z, Rudi
A icle
Demok a ie ohne Wachs um und Kul u des Wandels
Wi scha sdiens
Sugges ed Ci a ion: Ku z, Rudi (2024) : Demok a ie ohne Wachs um und Kul u des Wandels,
Wi scha sdiens , ISSN 1613-978X, Sciendo, Wa saw, Vol. 104, Iss. 9, pp. 626-630,
h ps://doi.o g/10.2478/wd-2024-0162
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/306451
S anda d-Nu zungsbedingungen:
Die Dokumen e au EconS o dü en zu eigenen wissenscha lichen
Zwecken und zum P i a geb auch gespeiche und kopie we den.
Sie dü en die Dokumen e nich ü ö en liche ode komme zielle
Zwecke e iel äl igen, ö en lich auss ellen, ö en lich zugänglich
machen, e eiben ode ande wei ig nu zen.
So e n die Ve asse die Dokumen e un e Open-Con en -Lizenzen
(insbesonde e CC-Lizenzen) zu Ve ügung ges ell haben soll en,
gel en abweichend on diesen Nu zungsbedingungen die in de do
genann en Lizenz gewäh en Nu zungs ech e.
Te ms o use:
Documen s in EconS o may be sa ed and copied o you pe sonal
and schola ly pu poses.
You a e no o copy documen s o public o comme cial pu poses, o
exhibi he documen s publicly, o make hem publicly a ailable on he
in e ne , o o dis ibu e o o he wise use he documen s in public.
I he documen s ha e been made a ailable unde an Open Con en
Licence (especially C ea i e Commons Licences), you may exe cise
u he usage igh s as speci ied in he indica ed licence.
h ps://c ea i ecommons.o g/licenses/by/4.0/
Wi scha sdiens 2024 | 9
626
Analysen Wi scha swachs um DOI: 10.2478/wd-2024-0162
JEL: H1, O44, Q01
Wi scha sdiens , 2024, 104(9), 626-630
© De /die Au o :in 2024. Open Access: Diese A ikel wi d un e de
C ea i e Commons Namensnennung 4.0 In e na ional Lizenz e ö -
en lich (c ea i ecommons.o g/licenses/by/4.0/deed.de).
Open Access wi d du ch die ZBW – Leibniz-In o ma ionszen um
Wi scha ge ö de .
Rudi Ku z
Demok a ie ohne Wachs um und Kul u des
Wandels
Die Demok a ie in Deu schland s eh o eine Bewäh ungsp obe. K i ik und Radikalisie ung
wachsen, Akzep anz und Un e s ü zung schwinden. Das ha iele U sachen – nich zule z
ökonomische. Die Wachs umsschwäche wi d zu einem P oblem de „T ag ähigkei “.
Du ch eine Übe las ung on Wi scha und Gesellscha sind Wi scha so dnung und
Demok a ie ge äh de . Auswege können nu ge unden we den, wenn in d ei Be eichen
deu liche Ve ände ungen o genommen we den: Bei de Diagnose müssen Wo s -Case-
Szena ien einbezogen we den. Die Analyse muss sich s ä ke au F agen de Ve eilung
und Ge ech igkei konzen ie en. De Suchho izon ü Lösungen muss in Rich ung de
soziokul u ellen Po enziale e wei e we den, mi eine Ve lage ung des Schwe punk s on de
echnischen zu sozialen Inno a ion. Die T ans o ma ion zu nachhal igen En wicklung kann
nu gelingen, wenn sie als kul u elle T ans o ma ion e s anden wi d.
Die Demok a ie in Deu schland is he ausge o de wie
sel en zu o in de Geschich e sei dem Niede gang
de Weima e Republik. Es muss mi eine anhal enden
Wachs umsschwäche ge echne we den. Diese Diagnose
is wei gehend uns i ig. Die The apie dagegen is um-
s i en. Sie könn e schme zha sein. Das hö de „sick
man o Eu ope“ (Economis , 2023) nich ge n – und Ha-
beck, Lindne e al. kommunizie en es nich ge n.
An Handlungsemp ehlungen ü Wege aus de Wachs-
umsschwäche mangel es nich .1 P ak ische E olge sind
1 Vgl. z. B. G imm e al. (2024) basie end au SVR (2023), Ku z (2022,
2023), Bo inge (2024), SPD-Pa ei o s and (2024), P ojek g uppe Ge-
meinscha sdiagnose (2024).
bislang nich zu e zeichnen. Das wi d eine sei s e sa-
genden (Wi scha s-)Poli ike :innen angelas e , ande e -
sei s inzwischen abe auch in zunehmendem Maße als
„Sys em e sagen“ in e p e ie und ich e sich gegen
die ma k wi scha liche O dnung bzw. die Demok a ie
insgesam .2 Dabei is die Auseinande se zung nich nu
du ch zunehmende „Ge eiz hei “ (Pö ksen, 2018), son-
de n auch du ch demok a ie eindliche Radikalisie ung
gep äg . Dahe sind Wege aus de Wachs umsschwäche
„sys em ele an “.3
Das Wachs um de Einkommen und des B u oinlands-
p oduk s (BIP) wa sei den Wi scha swunde jah en eine
agende Säule de gesellscha lichen S abili ä und de
Demok a ie in Deu schland. Was abe , wenn diese Säule
wegb ich ? Könn e dann das ganze Gebäude ins Wan-
ken ge a en? Noch is die Ho nung g oß, dass Deu sch-
land bald die Rückkeh au den Wachs umsp ad gelingen
wi d. Was abe , wenn nich ? Das soll im Folgenden in
d ei Sch i en disku ie we den: Wie is de a sächliche
Zus and de (b öckelnden) Säule „Wachs um“? Welche
Wi kung ha ih e Schwäche au die S abili ä des gesell-
scha lichen Gebäudes? Welche S ü zen könn en die
Säule e se zen ode zumindes en las en?
2 In eine „Abs iegsgesellscha “ (Nach wey, 2016) schein die „Demo-
k a iedämme ung“ (Selk, 2023) nich meh ausgeschlossen.
3 Nich nu in Deu schland, sonde n auch im globalen Maßs ab wi d
2024 zu einem „big es o he heal h o he democ a ic sys ems:
Polls in 70 coun ies wi h some 4 billion people” (Economis , 2024, S.
51).
P o . D . Rudi Ku z leh e Volkswi scha sleh e
an de Hochschule P o zheim und is Sp eche des
A bei sk eises Wi scha und Finanzen im Bund ü
Umwel und Na u schu z Deu schland (BUND).
ZBW – Leibniz-In o ma ionszen um Wi scha 627
Analysen Wi scha swachs um
Die Wachs umsschwäche wi d b ei e in e p e ie und
analysie als in de o he schenden BIP-zen ie en Be-
ach ungsweise. Ge ag we den muss nach dem „Wohl-
s and ü alle“ (E ha d, 1957) – und es müssen dabei die
„neuen“ ökologischen Nebenbedingungen beach e we -
den. Die Übe sch ei ung de ökologischen Belas ungs-
g enzen wi d sich in wenige Ne o-Einkommen und we-
nige Konsum niede schlagen – so ode so: du ch meh
Vo so ge-In es i ion zu Ve hinde ung on Schädigung
ode abe bei Un ä igkei du ch höhe e Schadenskos en
– wobei die Ve meidungskos en egelmäßig ge inge sind
als die Schadenskos en ( gl. z. B. S e n, 2006).
Wachs umsschwäche: b öckelnde Maue n?
Die Analyse de Bes immungs ak o en des Wi scha s-
wachs ums zeig , dass eine ein ache E klä ung und U -
sachen he apie nich möglich is . Es b öckel an allen En-
den.4 Alle P oduk ions ak o en, die das Po enzialwachs-
um bes immen, weisen signi ikan e Schwächen au ( gl.
dazu Ku z, 2023; SVR, 2023; G imm e al., 2024).
Das beginn beim p opduzie enden Kapi al (Maschinen,
Anlagen, Gebäude) – sowohl im P i a sek o als auch im
S aa ssek o (ö en liche In as uk u ). In de ökologischen
T ans o ma ion we den g oße Teile o zei ig en we e ,
om Kohlek a we k übe Gebäude bis hin zum Fuh pa k
(s anded asse s). Wenn das nich du ch massi e In es i i-
onen ausgeglichen wi d, sch ump de Kapi als ock. Von
zen ale Bedeu ung is de Fak o A bei (Humankapi al)
in de olkswi scha lichen P oduk ions unk ion. Uns i -
ig is , dass das A bei sk ä epo enzial sch ump , al e ,
quali a i abnimm und eine Disk epanz bes eh , da die
Quali ä nich zum P o il de A bei sk ä enach age pass
(Fachk ä emangel). Dahe is (Fachk ä e-)Zuwande ung
ein Teil de S anda dlösung (zumeis ohne Beach ung
de In eg a ionskos en). Umso wich ige is de posi i e
Wachs umsbei ag du ch P oduk i i ä szuwächse. Du ch
echnischen Fo sch i (P ozessinno a ionen) kann das
P oduk ionspo enzial auch dann wachsen, wenn die Fak-
o einsa zmengen s agnie en ode sch ump en. Alle dings
schwächeln auch die P oduk i i ä szuwächse und we den
die U sachen da ü in ensi disku ie . Nachdem „die Di-
gi alisie ung“ wenig messba e E ek e ha e, ich en sich
nun die Ho nungen au einen P oduk i i ä sschub du ch
Küns liche In elligenz (KI).
Wenige Beach ung inde und (s a is isch) schwe zu as-
sen is de Wachs umsbei ag, den das Na u kapi al, das
Sozialkapi al und die Ins i u ionen leis en. Das Na u ka-
4 Schumpe e (1942) analysie den Ve allsp ozess des Kapi alismus
un e den Kapi elübe sch i en „B öckelnde Maue n“, „Wachsende
Feindseligkei “ und „Ze se zung“.
pi al konn e lange Zei als gegeben und kons an o aus-
gese z we den, e lang abe nach dem Übe sch ei en
ökologische Belas ungsg enzen pe manen „E hal ungs-
in es i ionen“ (Repa a u , Adap a ion, in e na ionale Kom-
pensa ionszahlungen) – ode es nimm ab. Das gil ü die
Klimas abili ä , ü die Ökosys emleis ungen, ü die S o -
s öme. Unbes i en is auch die Bedeu ung des Sozial-
kapi als, des sozialen F iedens, des Zusammenhal s, des
s aa sbü ge lichen Engagemen s. Bed oh is diese zen-
ale Baus ein des Volks e mögens und de Wi scha s-
leis ung sowohl du ch die Fluch ins P i a e als auch du ch
zunehmende Kon lik e und Radikalisie ung, die a ionale
Lösungen im Disku s e schwe en. Schließlich sind Ins i u i-
onen ein uns i ig bedeu same Teil des Volks e mögens.
Wie wi die poli ische Willensbildung, unse e Rech so d-
nung und die s aa liche Ve wal ung o ganisie en, is ein
wesen liche Fak o ü P oduk ion und Wohlbe inden. Be-
klag we den (zunehmende) Ine izienz, Bü ok a isie ung
und in e essenpoli ische Ve einnahmung (cap u ing). Auch
diese Ve mögenswe schein dahe im Ve all zu sein.
Als anekdo ische E idenz is ieles on dem, was hie
au ge üh wu de, du chaus im ö en lichen Bewuss -
sein. In Summe sch ump en Quan i ä und Quali ä de
Fak o en, die das P oduk ionspo enzial und zugleich das
Volks e mögen bilden. Dahe s eh hin e de Wachs ums-
schwäche ein Sch ump en des Volks e mögens. Wie je-
de schwäbische Haus au weiß, olg dem Schwinden de
Subs anz das Sch ump en de E äge, d. h. des Einkom-
mens. In Deu schland dominie abe die Ve weige ung de
un e meidba en Schluss olge ung: Wenn das Ve mögen
sch ump , sch ump en auch die Einkommen und dami
die Konsummöglichkei en. Solange nich massi (wei übe
die Absch eibungen hinaus) in es ie wi d, muss mi an-
hal ende Wachs umsschwäche ge echne we den.
Inzwischen kommen auch die einschlägigen wissenscha -
lichen Be a ungsg emien in ih en Lang is analysen zu
dem E gebnis, dass die jäh liche BIP-Wachs ums a e in
Deu schland deu lich un e 1 % liegen wi d:5 mi el is ig
bis Ende de 2020e Jah e bei 0,4 % p. a., 0,5 % p. a. in den
2030e Jah en und dann bis 2070 eine leich e Zunahme au
0,7 % p. a.6 Die Wachs ums a e in den 2020e Jah en wü -
de demnach nu noch ein D i el de Wachs ums a e des
o igen Jah zehn s be agen.
Au de G undlage diese Analysen sind auch Wo s -Case-
Szena ien mi noch deu lich ge inge en Wachs ums a-
en möglich. Anhal ende S agna ion (Null-Wachs um)
5 In den 1970e Jah en lag die Wachs ums a e des P oduk ionspo en-
zials noch bei 3,3 % p. a. und in den 2010e Jah en bei 1,4 % p. a. ( gl.
G imm e al., 2024, S. 180).
6 Vgl. G imm e al. (2024), SVR (2023), We ding e al. (2024), BMF (2024),
P ojek g uppe Gemeinscha sdiagnose (2024).
Wi scha sdiens 2024 | 9
628
Analysen Wi scha swachs um
und Sch ump ung können nich ausgeschlossen we den.
Selbs wenn solche Szena ien keine hohe Wah scheinlich-
kei haben, müssen Wissenscha und o so gende Poli-
ik sich dami auseinande se zen und is eine Poli ik de
Wachs umsunabhängigkei zu emp ehlen. Die empi ischen
Be unde sind jeden alls nich geeigne , Zwei el am o ge-
se z en Wachs um zu ze s euen und Übe legungen zum
„Pos wachs um“ als Pessimismus ode ga De ä ismus ab-
zu un.
Wi kung de Wachs umsschwäche au die Gesellscha
Wie wü de sich ein deu liche B uch im Wachs ums end
auswi ken? Die ökonomischen Folgen wä en übe -
schauba . De „P ozess de schöp e ischen Ze s ö ung“
(Schumpe e ) wü de wei e ü Inno a ionsdynamik so -
gen, pe Saldo wü de dabei alle dings die F eise zung on
Fak o en übe wiegen. Die gesellscha lichen Folgen könn-
en dagegen d ama isch sein, weil Wachs um weg äll ,
welches sons Ve eilungskon lik e abmilde . Wäh end die
allgemeinen E wa ungen noch au Zuwächse on Einkom-
men und Konsum ausge ich e sind, we den sie mi eine
Reali ä kon on ie , die allgemeine Einsch änkungen und
Ve zich sleis ungen e zwing . Es en s eh eine E wa ungs-
lücke, die soziale Sp engs o is . Fü die en äusch en E -
wa ungen, die une üll en T äume und Ho nungen we den
dann Schuldige gesuch .
Wenn de (BIP-)Kuchen sch ump , komm es zu Ve -
schä ung on Ve eilungskon lik en au allen Ebenen, im
all äglichen Leben, im A bei skamp , bei de Bes eue ung,
Sub en ionen, Bü ok a ie- und Regulie ungslas en. Jede
Zusa zlas (z. B. du ch Au üs ung) kann nu du ch Ein-
g i e in Ve eilungsposi ionen inanzie we den, die als
Besi zs ände e s anden und e eidig we den. Dami in
de nich -wachsenden Wi scha eine ge ech e T ans o -
ma ion geling , müss e zumindes de Schu z de ulne-
ablen G uppen siche ges ell we den. Dazu müss en alle
ande en G uppen Besi zs ände au geben, z. B. e zwungen
du ch selek i e S eue e höhungen (Spi zens eue sa z,
E bscha ss eue ) und du ch Sub en ionskü zungen (Ag-
a diesel, Diens wagenp i ileg). Angesich s de Vielzahl
de Besi zs andswah e und de Ve o-Spiele e schein
das kaum o s ellba . Ehe wi d die T ans o ma ion aus-
geb ems und komm zum S ills and. Die Diskussion übe
den CO2-P eis und das Klimageld is dazu das einschlägi-
ge P axisbeispiel.
Zum sch ump enden Kuchen i nich nu in Deu schland
ein wei e es „sys em ele an es“ Ge ech igkei sp oblem
hinzu: Die nachlassende soziale Mobili ä e bau die Au -
s iegspe spek i e (soziale S a us, Einkommen) und s ell
die Ge ech igkei (Fai ness) de Wi scha s- und Gesell-
scha so dnung in age (P o ze und Summe ille, 2022).
Es e b ei e sich eine A mosphä e de „wachsenden
Feindseligkei “ (Schumpe e , 1942, S. 231), die sich auch
gegen das Sys em selbs ich e . Nich wenige s ellen die
eihei lich-demok a ische G undo dnung in age, wenn
sie ih e Besi zs ände ode Lebenspe spek i e bed oh
sehen. Mi de Ve zwei lung und Wu wächs die Be ei -
scha , alschen P ophe en und Ra en änge n zu ol-
gen, die abe nu eine wei e e Ve schlech e ung de La-
ge bewi ken. Zu Bed ohung de S ando quali ä du ch
Rech sex emismus und A D-E olge gib es zahl eiche
S a emen s üh ende Un e nehmens e e e :innen.
Es en s eh eine Abwä sspi ale in Rich ung Selbs ze -
s ö ung, aus de es kein En kommen meh gib . Wenn ein
sozio-ökonomische Kipppunk übe sch i en is und das
Abglei en in ein au o i ä es Regime begonnen ha , nu z
diese E kenn nis, nu zen spä e Einsich und Reue nich s
meh . So besch eib Bo cha d (1982) den Niede gang
und die Ze s ö ung de Weima e Demok a ie.
Ein Ve gleich mi diese Zei e schein heu e noch als D a-
ma isie ung. Dennoch is de Blick um ein Jah hunde
zu ück in die 1920e Jah e uch ba . Jensei s de E zäh-
lungen on den „Goldenen Zwanzige n“ wa das (auch) ein
Jah zehn de Wachs umsschwäche. Hinzu kam dann 1929
eine Mega-Konjunk u k ise (Wel wi scha sk ise), die die
Weima e Republik ollends zu Fall b ach e. Wie sind wi
heu e da au o be ei e , alls zu Wachs umsschwäche
noch eine Wel wi scha s-/Finanzma k k ise hinzu i ?
Die Demok a ie in Deu schland is in den Zangeng i on
äuße en und inne en Feinden ge a en. Die äuße en Fein-
de – Russland und China – bewi ken eine sei s ein Klima
de Ve unsiche ung, weil pe manen die wei e e Eskala-
ion d oh . Sie bewi ken ande e sei s den gleichzei igen
Ve lus de F iedensdi idende und iele Globalisie ungs-
o eile, die sich in konk e en Kos en und höhe en S aa s-
ausgaben niede schlagen. Dadu ch we den die Ne o-
einkommen on de Wachs umsschwäche noch s ä ke
be o en als die B u oeinkommen.
Die sys emze s ö ende Dynamik is e kennba nich nu
in Deu schland, sonde n in ielen Lände n, die bislang
als s abile Demok a ien gal en. Die Pa eien sind mi
diese Dynamik scheinba übe o de und eagie en zu-
meis hil los mi S e eo ypen und inhal slee en (G und-
sa z-)P og ammen, die on beliebig aus auschba en
Schlagwo en wimmeln. Poli ik besch änk sich au Ak-
ionismus und Mik omanagemen , in dem sie sich iel-
ach e hedde (Indus ies omp eis, Gebäudeene gie-
gese z). Sie manö ie zwischen in e essenpoli ischen
S oppsignalen und (Le n-)Blockaden au allen Sei en,
un ähig zum g oßen Wu , zum (o dnungspoli ischen) Be-
eiungsschlag.
ZBW – Leibniz-In o ma ionszen um Wi scha 629
Analysen Wi scha swachs um
S abilisie ende Fak o en und gesellscha liche
Resilienz
Ohne einen S aa , de in de g oßen T ans o ma ion du ch
kluge Regelse zung und T ans o ma ionsdesign O ien ie-
ung ü alle gib , s ell sich mi e höh e D inglichkei die
F age, wohe En las ung kommen könn e. Welche S ü -
zen könn en und müss en e s ä k we den, wenn nich
au Wachs um, meh Einkommen, meh Konsum gese z
we den kann – und wenn es de S aa nich allein scha -
en kann? Zwei Komponen en e scheinen un e zich ba :
Zunächs de un e s ell e Blick au die adikal e ände en
globalen Bedingungen, die auch das eiche Deu schland
nich ohne spü ba e Belas ungen bewäl igen kann. Die Di-
mensionen sind so gewal ig, dass jedes Ve sp echen eine
schme z eien The apie illuso isch is . Wi scha swunde -
glaube und „Wumms“-Vo s ellungen müssen ebenso ab-
geleg we den wie une üllba e Ve sp echen aus g ünem
Wachs um. Ge o de wä e da o allem die Au klä ungs-
unk ion de Wi scha swissenscha , die bislang zu seh
dem Wachs umspa adigma olg .
No wendig is zum zwei en das Nachdenken übe Wohl-
s and jensei s des Wi scha swachs ums, das auch im
Bundeswi scha sminis e ium (BMWK, 2024a) und bei
de OECD (2020) eingese z ha . In eichen Lände n wie
Deu schland soll e Wohls and ohne Wachs um möglich
sein. Dazu muss die sozio-kul u elle Eng üh ung au ge-
b ochen we den. Pe sui o Happiness, die Suchen nach
Zu iedenhei und Lebenssinn is aus naheliegenden Kom-
me zg ünden au die Wa enwel gelenk wo den – und da-
mi e bunden au die Disziplinie ung in de A bei swel ,
um das Einkommen zu e zielen, das den Zu i zu Wa en-
wel e scha . Das is Teil des gesellscha ss abilisie en-
den und -be iedenden Wohls ands ezep s. Dieses adie -
e Mus e (Hams e ad, T e mühle) muss die En wicklung
de Menschhei nich ü alle Zei p ägen. Das ha schon
Keynes (1930) den Enkelkinde n in Aussich ges ell : den
Übe gang zu eine 15-S unden-Woche inne halb eines
Jah hunde s. Da in lieg heu e eine Chance de T ans o -
ma ion, die eilich auch eine Zumu ung is , weil hie die Ei-
gen e an wo ung ge ag is , welche nich an Tech-Un e -
nehmen und den S aa delegie we den kann.7
Die Zäsu , du ch die wi in Deu schland je z gehen und
die global alle S aa en e ass ha , was jeweils spezi ische
An wo en e o de , is nich bloß ökonomische S uk-
u wandel. Die Zäsu geh wesen lich ie e . Ge o de is
und le z lich e zwungen we den wi d ein um assende kul-
7 Das ak uelle P axisbeispiel dazu lie e die Ca bon Managemen S a-
egie des BMWK, die Bü ge :innen und Un e nehmen on Ene gieein-
spa ungen e schonen will, indem au CCS als „Techno-Fix“ gese z
wi d: CO2-Abscheidung und Deponie ung un e de No dsee ( gl.
BMWK, 2024b).
u elle Wandel. De um ass eine sei s unse e Konsum-
gewohnhei en, die „impe iale Lebensweise“ (B and und
Wissen, 2017), die Ressou cen und Menschen im globalen
Maßs ab ausbeu e und die wi noch als selbs e s ändlich
e ach en. Dami e bunden is auch eine Ve ände ung on
A und Um ang de E we bs ä igkei . S a um Einkom-
mens- und Konsums eige ung wi d es um Su zienz und
Sinns i ung gehen. Wenn die E we bsa bei au eine 4-Ta-
ge-Woche eduzie wi d, en s eh F ei aum ü sinns i en-
des Tä igsein – bei ge inge em Einkommen und ge inge en
Konsumausgaben.8
Alles, was Menschen hel en kann, die Kom o zone zu
e lassen, das „Wenige “ anzunehmen und nachhal ige
Lebenss ile zu en wickeln, muss ges ä k we den (Su izi-
enzpoli ik, Schneidewind & Zah n , 2013). De Wandel zu
Nachhal igkei wi d nich allein du ch a ionale A gumen e
(In o ma ion, Wissen) und ökonomische An eize o ankom-
men. Noch imme un e schä z wi d die Bedeu ung on
sozio-kul u ellen Fak o en, on We en, Gewohnhei en und
Emo ionen, on Au me ksamkei , Ane kennung und Be ei-
ligung. Da in lieg die g oße Au gabe und Ve an wo ung
alle Ak eu e und Ins i u ionen, o allem im Bildungsbe-
eich und im Kul u sek o . Do muss das Po enzial ü den
Pe spek i wechsel angeleg und geheg we den. T ans-
o ma ion und Nachhal igkei bedeu e kul u ellen Wandel
(Schneidewind, 2018).
Alle Ak eu e im Kul u be eich haben eine wich ige gesell-
scha liche Funk ion. Sie können ak i zum Wandel bei-
agen, indem sie Angebo e machen, die hel en, Li e a u ,
Musik und bildende Kuns als Quellen des Wohls ands und
des Glücks zu e schließen. Kul u is „sys em ele an “ und
Teil de In es i ionen in die Zukun . Kul u kann on einem
Luxus zu einem zen alen gesellscha lichen S abilisa o ,
Impuls- und Pe spek i gebe we den. Sie kann auch Resi-
lienz s ä ken und ös end wi ken, wenn Ka as ophen sich
unau hal sam en al en. Wenn es dahe um neue P io i ä-
en in den ö en lichen Haushal en geh , um das Zuschnei-
den au die T ans o ma ionsau gabe, bes eh im Kul u sek-
o In es i ionsbeda – und manche Millia densub en ion
ü eine Chip- ode eine Ba e ie ab ik muss dahin e zu-
ücks ehen.
De Kul u sek o selbs is ge o de , sein Wi ken s ä ke im
Kon ex des gesellscha lichen Wandels zu e lek ie en und
Wege zu suchen, die aus dem o he schenden Nischen-
dasein he aus üh en. So müss en z. B. he kömmliche Kon-
ze o ma e au den P ü s and, e en uell kü ze e Abende
mi wenige S ücken und mi Mode a ion angebo en we -
8 Zum Na a i de „ ugali y“ gl. z. B. Shille (2019, S. 136) und das
Diskussionspapie des Sach e s ändigen a s ü Umwel agen SRU
(2024) zu „Su izienz als S a egie des Genug“.
Wi scha sdiens 2024 | 9
630
Analysen Wi scha swachs um
den. Nich zu übe sehen is , dass alle Be eiche on Kuns
und Kul u au zunehmend wid ige Ums ände e en, weil
sich eine sei s de We bewe b um die Au me ksamkei
du ch imme neue Medienangebo e e schä und weil
ande e sei s Kul u scha ende und ih e Ins i u ionen selbs
ins Fadenk euz de Radikalisie ung ge a en.
Fazi
Die Polyk isen haben das Po enzial auch eiche Lände wie
Deu schland zu übe o de n und in ih en G und es en zu
e schü e n. Wäh end die Ge ah wächs , is nich e kenn-
ba , dass das Re ende Sch i häl . Wege aus de Ge ah
und aus de „gelähm en Gesellscha “ (Epple , 1981, S. 99)
können nu ge unden und besch i en we den, wenn die
einsei ige Fixie ung au echnologische Lösungen übe -
wunden wi d. Technologie und E izienzs eige ung können
als Teil de T ans o ma ion Anpassungszei e scha en.
Le z lich geh es abe un e meidba um gesellscha liche
und kul u elle Inno a ion, um ein neues Wohls andsmodell.
Inspi a ion und Hil e kann dabei aus Quellen kommen, die
ein bislang zu wenig genu z es Po enzial be gen: Bilde ,
Na a i e, Musik. Sie können ge eil we den, können Men-
schen e binden und be iedend wi ken. Dem Schöp en
aus dem kul u ellen Reich um jensei s de ma e iellen Kon-
sumwel sind keine G enzen gese z .
Li e a u
BMF – Bundesminis e ium de Finanzen. (2024). T ag ähigkei sbe ich .
Sechs e Be ich zu T ag ähigkei de ö en lichen Finanzen.
BMWK – Bundesminis e ium ü Wi scha und Klimaschu z. (2024a).
Jah eswi scha sbe ich 2024: We bewe bs ähigkei nachhal ig s ä -
ken.
BMWK – Bundesminis e ium ü Wi scha und Klimaschu z. (2024b, 26.
Feb ua ). Eckpunk e de Bundes egie ung ü eine Ca bon Manage-
men -S a egie.
Bo inge , P. (2024). K anke Mann und dumme Mann. Wie die Ampelkoa-
li ion uns in die K ise spa . Blä e ü deu sche und in e na ionale Po-
li ik, 69(3), 87-93.
Bo cha d , K. (1982). Wi scha liche U sachen des Schei e ns de Wei-
ma e Republik. In K. Bo cha d (H sg.), Wachs um, K isen, Hand-
lungsspiel äume de Wi scha spoli ik. 183-205. Vandenhoeck & Ru-
p ech .
B and, U. & Wissen, M. (2017). Impe iale Lebensweise. Zu Ausbeu ung
on Mensch und Na u im globalen Kapi alismus. oekom.
Economis . (2023, 17. Augus ). Is Ge many once again he sick man o
Eu ope? The Economis .
Economis . (2024, 11. Feb ua ). 2024 is a gian es o ne es o democ a-
cy. The Economis .
Epple , E. (1981). Wege aus de Ge ah . Rowohl .
E ha d, L. (1957). Wohls and ü alle. ECON.
G imm, V., T. K oege & Ochsne , C. (2024). Wege aus de Wachs ums-
schwäche. Wi scha sdiens , 104(3), 180-186.
Keynes, J. M. (1930, 1963). Economic Possibili ies o Ou G andchild en.
In Essays in Pe suasion. 358-373. W. W. No on.
Ku z, R. (2022, 25. Mai). Lindne -Papie : Mi Angebo spoli ik zu ück in die
Zukun ? Mak onom.
Ku z, R. (2023). Wachs umsunabhängigkei : T ans o ma ion und Wohl-
s and e neue n – ohne Wachs um. Wi scha sdiens , 103(7), 445-449.
Nach wey, O. (2016). Die Abs iegsgesellscha . Übe das Au begeh en in
de eg essi en Mode ne. Suh kamp.
OECD. (2020). Beyond G ow h. Towa ds a New Economic App oach.
Pö ksen, B. (2018). Die g oße Ge eiz hei : Wege aus de kollek i en E e-
gung. Ca l Hanse .
P ojek g uppe Gemeinscha sdiagnose. (2024). Deu sche Wi scha
k änkel – Re o m de Schuldenb emse kein Allheilmi el.
P o ze , E. & Summe ille, P. (2022). Reclaiming Populism: How Economic
Fai ness Can Win Back Disenchan ed Vo e s. Poli y Books.
Schneidewind, U. (2018). Die G oße T ans o ma ion. Eine Ein üh ung in die
Kuns gesellscha lichen Wandels. Fische .
Schneidewind, U. & Zah n , A. (2013). Dami gu es Leben ein ache wi d.
Pe spek i en eine Su izienzpoli ik. oekom.
Schumpe e , J. A. (1975). Kapi alismus, Sozialismus und Demok a ie. (S.
P eiswe k, Übe s.; 4. Au l.). F ancke.
Selk, V. (2023). Demok a iedämme ung. Eine K i ik de Demok a ie heo ie.
Suh kamp.
Shille , R. J. (2019). Na a i e Economics: How S o ies Go Vi al and D i e
Majo Economic E en s. P ince on Uni e si y P ess.
SPD-Pa ei o s and. (2024, 16. Mä z). Eine s a ke Wi scha ü alle. Eck-
punk e eine sozialdemok a ischen Angebo spoli ik.
SRU – Sach e s ändigen a ü Umwel agen. (2024). Su izienz als „S a-
egie des Genug“: Eine Einladung zu Diskussion.
S e n, N. (2006). The Economics o Clima e Change. The S e n Re iew.
G an ham Ins i u e.
SVR – Sach e s ändigen a zu Begu ach ung de gesam wi scha li-
chen En wicklung. (2023). Wachs umsschwäche übe winden – in die
Zukun in es ie en [Jah esgu ach en 2023/24].
We ding, M., B. Läpple & Schi ne , S. (2024). Modell echnungen ü den
Sechs en T ag ähigkei sbe ich des BMF. FiFo-Ins i u .
Ti le: Democ acy Wi hou G ow h and Cul u e o T ans o ma ion
Abs ac : Democ acy in Ge many is being challenged like ne e be o e in his o y. C i icism and adicalisa ion a e g owing, while ac-
cep ance and suppo a e dwindling. The e a e many easons o his – no leas economic ones. “G ow h weakness” is u ning in o a
p oblem o iscal sus ainabili y. Economic and poli ical sys ems a e endange ed by o e bu dening. Ways ou o his dange can only be
ound i signi ican changes can be made in h ee a eas: wo s -case scena ios mus be included; analysis mus go beyond adi ional
supply-side policies and ocus mo e on ques ions o dis ibu ion and jus ice; he sea ch ho izon o solu ions mus be expanded in he
di ec ion o socio-cul u al po en ials, wi h a shi in ocus om echnical o social inno a ion. The ans o ma ion o sus ainable de elop-
men mus be unde s ood as a cul u al ans o ma ion; his is he only way i will succeed.