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Deutschlands Beschäftigte wünschen sich kürzere Arbeitszeiten

Author: Behringer, Jan,van Treeck, Till,Westrich, Zarah
Publisher: Duisburg: Universität Duisburg-Essen, Institut für Sozioökonomie (ifso)
Year: 2025
Source: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/315189/1/1921188723.pdf
Beh inge , Jan; an T eeck, Till; Wes ich, Za ah
Resea ch Repo
Deu schlands Beschä ig e wünschen sich kü ze e
A bei szei en
i so expe ise, No. 29
P o ided in Coope a ion wi h:
Uni e si y o Duisbu g-Essen, Ins i u e o Socioeconomics (i so)
Sugges ed Ci a ion: Beh inge , Jan; an T eeck, Till; Wes ich, Za ah (2025) : Deu schlands
Beschä ig e wünschen sich kü ze e A bei szei en, i so expe ise, No. 29, Uni e si ä Duisbu g-
Essen, Ins i u ü Sozioökonomie (i so), Duisbu g
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/315189
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uni-due.de/soziooekonomie/expe ise
Jan Beh inge
Till an T eeck
Za ah Wes ich
Deu schlands Beschä ig e
wünschen sich
kü ze e A bei szei en
2025 no.29i so expe ise
1
Deu schlands Beschä ig e wünschen sich
kü ze e A bei szei en
Jan Beh inge
Ins i u ü Mak oökonomie und Konjunk u o schung (IMK) in de Hans-Böckle -S i ung
Till an T eeck
Ins i u ü Sozioökonomie, Uni e si ä Duisbu g-Essen
Za ah Wes ich
Max-Planck-Ins i u ü Gesellscha s o schung, Köln; Ins i u ü Sozioökonomie, Uni e si ä Duisbu g-
Essen
Mä z 2025
Das Wich igs e in Kü ze
• In de ö en lichen Deba e in Deu schland wu den in den e gangenen Jah en – so zule z auch im
Bundes agswahlkamp 2025 – kon o e se Posi ionen zum Thema A bei szei disku ie . Dabei wu -
den sowohl kü ze e A bei szei en (z.B. 4-Tage-Woche) als auch länge e A bei szei en (z.B. S eue -
eihei on Übe s undenzuschlägen) ge o de sowie inno a i e Ideen zu kollek i en A bei szei -
ges al ung (z.B. soziale Diens zei ) p äsen ie .
• Aus indi idualis ische Sich sind A bei szei wünsche P i a angelegenhei de Indi iduen, die
g undsä zlich o de F age s ehen, ob sie ein höhe es Einkommen und wenige F eizei ode meh
F eizei und ein ge inge es Einkommen be o zugen. Angesich s de s eigenden P oduk i i ä p o
gea bei e e S unde und s eigende eale S undenlöhne wä e eine zunehmende F eizei nach age
und eine gesellscha liche A bei szei e kü zung (abnehmende A bei szei p o Kop de Be ölke-
ung) aus heo e ische und aus his o ische Sich naheliegend.
• Aus eine gesellscha lichen Pe spek i e könn e es wünschenswe sein, dass die Menschen meh
ode wenige a bei en, als es ih en selbs o mulie en Wünschen en sp ich . G ünde ü kollek i e
Meh a bei könn en de in e na ionale S ando we bewe b ode ein mögliche Beda an gesell-
scha liche Meh a bei zu Bewäl igung de ökologischen T ans o ma ion sein. G ünde ü
2
kollek i e A bei szei e kü zung könn en die E möglichung on Geschlech e ge ech igkei , die Fö -
de ung ökologisch nachhal ige Lebenss ile und die Ve meidung on Übe bie ungswe bewe ben
zwischen Beschä ig en in de Konku enz um Ka ie epe spek i en sein. Ve bindliche kollek i e A -
bei szei egelungen (e wa du ch Ta i e äge ode Gese ze) können dann zu besse en E gebnissen
ü die Indi iduen üh en als indi iduelle A bei szei en scheidungen.
• Gesam wi scha lich is das A bei s olumen p o Kop de Be ölke ung sei de Wiede e einigung
o 30 Jah en in e wa kons an , es gab also keine gesellscha liche A bei szei e kü zung. Die E -
we bs ä igkei is um e wa 7 Millionen Pe sonen ges iegen, o allem au g und de ges iegenen
E we bs ä igkei bei F auen, die häu ig mi ku zen Wochena bei szei en a bei en, und insgesam
au g und de Zunahme de ge ing ügigen Beschä igung. En sp echend is die jäh liche A bei szei
p o e we bs ä ige Pe son gesunken.
• Wenn bezahl e und unbezahl e A bei zusammen be ach e we den, a bei en F auen e wa so
lange wie Männe . F auen und Männe haben dahe ähnlich iel F eizei .
• Sowohl Männe als auch F auen wü den im Du chschni ge ne ih e E we bsa bei e kü zen und
da ü au Einkommen e zich en. De Wunsch nach kü ze en A bei szei en is bei Männe n im
Du chschni s ä ke ausgep äg als bei F auen. Das bedeu e , dass Ve diens nach eile on F auen
gegenübe Männe n sinken wü den, wenn die A bei szei wünsche ealisie wü den.
• Wäh end An ang de 1990e Jah e noch Pe sonen mi nied igen S undenlöhnen länge bezahl ge-
a bei e haben als Pe sonen mi hohen S undenlöhnen, weisen heu e Beschä ig e mi hohen S un-
denlöhnen länge e A bei szei en au als Pe sonen mi nied igen S undenlöhnen. Diese En wicklung
ha zum Ans ieg de Lohn- und Einkommensungleichhei beige agen. Bei Besse e dienenden is
de Wunsch nach kü ze en A bei szei en im Du chschni s ä ke ausgep äg als bei Ge ing e die-
nenden. Das bedeu e , dass die Ve diens ungleichhei sinken wü de, wenn die indi iduellen A -
bei szei wünsche ealisie wü den.
• Eine im He bs 2024 du chge üh e ep äsen a i e Be agung bes ä ig , dass die Beschä ig en in
Deu schland kü ze e indi iduelle A bei szei en wünschen, o allem wenn ande e Beschä ig e
eben alls die A bei szei e kü zen. Die Zus immung zu 4-Tage-Woche (auch ohne ollen Lohnaus-
gleich) is du chweg seh hoch, insbesonde e bei F auen und jünge en Beschä ig en. Jünge e Be-
schä ig e be ü wo en die 4-Tage-Woche noch s ä ke , wenn sie au be iebliche Ebene ode
deu schlandwei einge üh wi d, s a nu als indi iduelle Wahlop ion. Die S eue eihei on Übe -
s undenzuschlägen inde ge inge e Zus immung. Junge Beschä ig e sind zwa in hohem Maße in-
di iduell zu Übe s unden be ei , sehen eine deu schlandwei e Übe s undenkul u abe skep ische .
Fü eine soziale Diens zei (einjäh ige gemeinnü zige Tä igkei in 30-S unden-Woche, unabhängig
om Al e ) he sch g undsä zlich O enhei un e den Beschä ig en. In e essan e weise is die Zu-
s immung zu eine ü alle Bü ge *innen e p lich enden sozialen Diens zei mi gu e Bezahlung
bei Besse e dienenden g öße als die Zus immung zu eine eiwilligen Va ian e.
3
1. Einlei ung
Das Thema A bei szei is in alle Munde, nich zule z im Bundes agswahlkamp 2025 s and es wei
oben au de P io i ä enlis e de Pa eien. Je nach S andpunk we den dabei kü ze e ode länge e A -
bei szei en ge o de . Die einen o de n eine 4-Tage-Woche (mi ode ohne ollen Lohnausgleich) mi
dem Ziel eine besse en Wo k-Li e-Balance ü die Beschä ig en. Ande e k i isie en die ungleiche Ve -
eilung on bezahl e und unbezahl e A bei zwischen Männe n und F auen. Eine ums i ene F age
is , ob diese Ungleichhei du ch kü ze e A bei szei en bei Männe n ode du ch e meh e E we bsa -
bei bei F auen ausgeglichen we den kann und soll e. Wiede ande e wünschen sich insgesam länge e
A bei szei en, u.a. du ch ein spä e es Ren enein i sal e und eine neue Übe s undenkul u in
Deu schland. Diese Maßnahmen seien no wendig, um dem Fachk ä emangel zu begegnen und um
den wi scha lichen Wohls and in Deu schland nich zu ge äh den. Aus Sich de A bei nehme *innen
hingegen kann a gumen ie we den, dass e s de Fachk ä emangel die Beschä ig en und die Ge-
we kscha en in eine Ve handlungsposi ion e se z , welche kü ze e A bei szei en ealis isch we den
lassen. E gänz wi d diese Deba e du ch inno a i e Vo schläge zu A bei szei ges al ung, e wa de
Vo schlag eine sozialen P lich zei , wie sie Bundesp äsiden F ank-Wal e S einmeie o einige Zei
in die ö en liche Deba e einb ach e. Hie du ch wü de die Zei , in de A bei nehme *innen dem p i-
a en Sek o als Beschä ig e zu Ve ügung s ehen, eduzie zuguns en on gemeinnü zigen Tä igkei-
en mi dem Ziel des besse en gesellscha lichen Zusammenhal s.
De o liegende Bei ag nimm die ak uelle A bei szei deba e in Deu schland zum Ausgangspunk .
Vo diesem Hin e g und wi d zunächs die F age disku ie , ob übe A bei szei en indi iduell ode ge-
sellscha lich en schieden we den soll e. Im empi ischen Teil de Expe ise we den zunächs gesam -
wi scha liche A bei szei en wicklungen sei de deu schen Wiede e einigung nachgezeichne . Da-
nach wi d die Ve eilung on a sächlichen und indi iduell gewünsch en A bei szei en de Beschä ig-
en zwischen Männe n und F auen und zwischen den e schiedenen Einkommensg uppen in den Blick
genommen. Schließlich we den die E gebnisse eine eigenen, ep äsen a i en Beschä ig enbe agung
o ges ell . Diese geben Au schluss da übe , inwie e n die Beschä ig en in Deu schland un e schied-
lichen Re o mop ionen in de A bei szei poli ik zus immen. Dabei wi d ü ak uell disku ie e a bei s-
zei poli ische Vo schläge (A bei szei e kü zung bzw. 4-Tage-Woche, Übe s unden, soziale Diens zei )
sys ema isch un e schieden zwischen indi iduellen Wahlmöglichkei en und kollek i en Regelungen,
die ü alle Beschä ig en gleiche maßen gel en wü den.
2. Soll en A bei szei en indi iduell en schieden ode gesellscha lich
e handel we den?
Eine ypische indi idualis ische Hal ung in de F age nach de angemessenen A bei szei bes eh da in,
die indi iduellen A bei szei wünsche de E we bs ä igen e ns zu nehmen und Hinde nisse zu ih e
Realisie ung abzubauen. We ein höhe es Einkommen e zielen will, soll e länge a bei en können,
muss abe da ü den „P eis“ eine kü ze en F eizei akzep ie en. We meh F eizei möch e, soll e kü -
ze a bei en dü en, muss abe mi wenige Einkommen zu ech kommen.
Eine wenige indi idualis ische Pe spek i e ag nach den gesellscha lich angemessenen A bei szei-
en. Es könn e sein, dass gesellscha lich „zu iel“ ode „zu wenig“ gea bei e wi d, wenn jede* E -
we bs ä ige indi iduell en scheide , wie iel e ode sie a bei e . So a gumen ie e de niede sächsi-
sche Minis e p äsiden S ephan Weil on de SPD: „Mich so g es, wenn zu iele Menschen meinen,

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ohne ode mi wenig A bei gu leben zu können. De S ellenwe on A bei is höhe , als iele on
uns das ak uell glauben. Wenn wi unse en hohen Wohls and bewah en wollen, we den wi gesam -
gesellscha lich auch wei e seh iel anpacken müssen.“
1
Ähnlich äuße e sich de CDU-Kanzle kandi-
da F ied ich Me z: „Mi eine Vie -Tage-Woche und Wo k-Li e-Balance we den wi den Wohls and
nich hal en.“
2
Die Beg ündung ü das Miss auen gegenübe indi iduellen A bei szei wünschen bleib abe häu ig
age. Wa um soll e Wohls and e lo en gehen, wenn den Wünschen de Menschen in de Abwägung
zwischen Einkommen und F eizei en sp ochen wi d? Ein mögliches A gumen is , dass Deu schland
als Wi scha ss ando gegenübe ande en Lände n zu ück äll und an wel poli ischem Ein luss e -
lie , wenn die ela i e Wi scha sk a hie zulande im Ve gleich zu ande en Wel egionen sink ( gl.
Alesina e al., 2006). In diesem po enziellen P oblem kollek i en Handelns könn e ein A gumen da ü
gesehen we den, dass die Menschen länge a bei en soll en, als sie selbs wollen: Jede* einzelne E -
we bs ä ige könn e zu ech meinen, dass seine/ih e indi iduelle A bei szei keinen nennenswe en
Ein luss au Deu schlands geopoli ischen Ein luss haben dü e. Abe wenn in Deu schland alle kü ze
a bei en, könn e ein na ionale Bedeu ungs e lus die Folge sein, den niemand wünsch . Au ähnliche
Weise könn e a gumen ie we den, dass die ökologische T ans o ma ion nu du ch gesellscha liche
Meh a bei e eich we den kann, und das hie zu kollek i es Handeln nö ig is . Diese ode ande e Be-
g ündungen ü die Missach ung de indi iduell geäuße en A bei szei wünsche soll en dann explizi
gemach und zum Gegens and de poli ischen Deba e we den.
Es könn e abe auch sein, dass die Menschen „zu lange“ a bei en, wenn übe A bei szei en nich kol-
lek i , das heiß poli isch e handel wi d. So a gumen ie e die SPD-Vo si zende Saskia Esken: „Pa iell
haben wi ü die O ganisa ion unse es eigenen Lebens doch keine Zei meh , weil wi zu iel a bei en.“
Bei eine 4-Tage-Woche bleibe „meh Zei , Dinge wiede selbs zu e ledigen, ü die man im Fün age-
S ess Un e s ü zung b auch “, Hausa bei e wa ode die Be euung on Kinde n.
3
Auch die Beg ündung ü die These „zu lange “ A bei szei en bleib o unkla . Eine mögliche A gumen-
a ion könn e sein, dass A bei nehme *innen ohne a i e agliche ode poli ische A bei szei ege-
lungen gegeneinande „um die We e“ a bei en und dabei unnö ig g oßen S ess au sich nehmen,
ohne dass am Ende jemand Vo eile da on ha . Denn Vo eile im We bewe b um den nächs en Ka i-
e esch i hängen nich on de absolu en A bei szei ab, abe mögliche weise da on, wie iel jemand
im Ve gleich zu Kolleg*innen a bei e . Und im Bie e we bewe b um Wohnungen in den eu e en
Wohn ie eln is nich die absolu e, sonde n die ela i e Kau k a ausschlaggebend, welche e höh
we den kann, wenn eine Familie länge a bei e als ande e. Wenn abe alle so denken, üh en „posi i-
onale Ex e nali ä en“ dazu, dass alle wenige F eizei haben, abe niemand einen Vo eil im We be-
we b um Ka ie echancen, Wohnungen und ande e, nich beliebig e meh ba e Gü e e eich (F ank,
1985; Beh inge e al., 2022). Diese Fo m de „ uinösen Konku enz“ könn e kollek i e Ve einba ungen
zu A bei szei e kü zung (z.B. a i lich ode gese zlich ge egel e No mala bei szei , e p lich ende so-
ziale Diens zei als Auszei om Konku enzkamp aus dem p i a en A bei sma k ) beg ünden.
Schließlich könn e aus G ünden de Ve eilungs- und Geschlech e ge ech igkei a gumen ie we den,
dass sowohl einzelne G uppen on E we bs ä igen „zu lange“ a bei en als auch ande e „zu ku z“ a -
bei en. Ein Beispiel ü zu lange A bei szei en sind besse e dienende Männe , die wegen lange be-
zahl e A bei szei wenig unbezahl e So gea bei leis en. Zu ku ze A bei szei en lassen sich hingegen
1
h ps://www.handelsbla .com/poli ik/deu schland/konjunk u -spd-minis e p aesiden -weil- u -menschen-
zu-meh -a bei -au /100102485.h ml
2
h ps://www.nd .de/nach ich en/mecklenbu g- o pomme n/Kanzle kandida -Me z-Vie -Tage-Woche-si-
che -Wohls and-nich ,bundes agswahlm 146.h ml
3
h ps:// o wae s.de/inland/4- age-woche-wie- ealis isch-is -das
5
bei ge ing ügig beschä ig en F auen inden, die iel unbezahl e So gea bei leis en und wegen ku ze
bezahl e A bei szei en ge inge S undenlöhne e hal en sowie sys ema ische Nach eile in de Ka ie e-
konku enz au dem A bei sma k haben.
Nach indi idualis ischen Ziel o s ellungen soll en Männe als auch F auen selbs en scheiden ode in
Paa beziehungen da übe e handeln können, wie lange sie bezahl und unbezahl a bei en. Doch in
de Reali ä sind Geschlech e no men ü die Au eilung on unbezahl e und bezahl e A bei zen al
(Hipp und Leuze, 2015; Hipp e al., 2017; Kümme ling und Pos els, 2020). Geschlech e no men können
A bei szei en und A bei szei wünsche du ch ih e In e nalisie ung sowie du ch G ünden des Kon o -
mismus beein lussen, um mögliche soziale Sank ionen (z.B. gesellscha liches S igma, Ge äh dung de
Paa beziehung) zu e meiden. No men und adap i e P ä e enzen (Wünsche, die sich unbewuss an
bes ehende Einsch änkungen anpassen) können demnach zu indi iduellen A bei szei wünschen üh-
en, die nich zu wei on den he schenden No men abweichen.
De Sach e s ändigen a zu Begu ach ung de gesam wi scha lichen En wicklung o mulie ein no -
ma i es Lei bild, wonach de Gende Ca e Gap (Männe leis en wenige unbezahl e So gea bei als
F auen) ausschließlich du ch Maßnahmen angegangen we den soll e, die – wie de Ausbau on Kin-
de be euungsangebo en – „die no wendige Zei ü Ca e-A bei in de Familie eduzie en. Dann könn-
en F auen in g öße em Um ang eine E we bs ä igkei nachgehen, Ka ie echancen besse wah neh-
men und ein höhe es Einkommen e zielen.“ (SVR, 2024, Zi. 345; gl. auch SVR, 2021, Zi e 290). Abe
auch ein ande es Lei bild mi dem Ziel de Geschlech e ge ech igkei is naheliegend: Insgesam kü -
ze e A bei szei en, und insbesonde e kü ze e A bei szei en on Männe n, könn en hel en, dass die
So gea bei in de Familie s essä me und zwischen F auen und Männe n ge ech e e eil wi d.
Du ch Maßnahmen, die kü ze e A bei szei en bei Männe n an eizen, wü den sich zugleich die Ka ie-
echancen on F auen e höhen.
Ein wei e e ü die A bei szei deba e ele an e Vo schlag is das Konzep de sozialen Diens zei :
Menschen im e we bs ähigen Al e bleiben eine Zei lang dem p i a en A bei sma k e n, weil sie
gemeinnü zige Tä igkei en ü eine einhei liche Ve gü ung zu einhei lichen A bei szei en du ch üh en.
Dadu ch wü de – zumindes ü die Zei des gemeinnü zigen Diens es – die Ungleichhei de S unden-
lohn- und A bei szei e eilung eduzie . Die soziale Diens zei wi d in e schiedenen Va ian en ( e -
p lich end, eiwillig, nu ü junge ode auch ü äl e e Menschen) disku ie . Die Weh beau ag e des
Deu schen Bundes ages e wa häl ein „ e p lich endes Gesellscha sjah “ ü F auen und Männe ü
sinn oll, das wahlweise en wede in de Bundesweh ode im sozialen ode ökologischen Be eich e -
b ach we den könn e. Auch mi diesem Modell is ein Ve s ändnis on A bei und A bei szei en e -
bunden, das übe indi iduelle Wünsche hinausgeh : „Ein solches Modell wü de jedem und jede Ein-
zelnen gu un, es wü de Ho izon e e wei e n, Pe spek i en ö nen und Ve an wo ung s ä ken. Es
wü de de Gesellscha nü zen, den Zusammenhal s ä ken und das Mi einande ö de n.“ (Deu sche
Bundes ag, 2024, S. 80)
Insgesam zeigen die o angehend da ges ell en Schlaglich e aus de ö en lichen Deba e, dass A -
bei szei en übe poli ische Lage hinweg nich als eine P i a sache de Indi iduen e s anden we den.
Vielmeh gehen mi e schiedenen a bei szei poli ischen Lei bilde n jeweils auch wi scha s- und ge-
sellscha spoli ische Ziele einhe , die in eine demok a ischen Gesellscha s e s poli isch zu e han-
deln sind.
6
3. Gesam wi scha liche Reali ä : Sei de Wiede e einigung keine
A bei szei e kü zung
Die Zahl de E we bs ä igen lag 2024 mi e wa 46 Millionen Pe sonen ebenso au dem höchs en Ni eau
sei de Wiede e einigung wie das gesam wi scha liche A bei s olumen mi und 61,5 Millia den
geleis e en A bei ss unden (Abbildung 1a). Wie in Abbildung 1b zu e kennen is , haben sich sei 1991
das eale B u oinlandsp oduk (BIP) p o geleis e e A bei ss unde (= eale S undenp oduk i i ä ) und
das eale BIP p o Kop de Be ölke ung im Gleichsch i en wickel . Mi ande en Wo en: De Ans ieg
de S undenp oduk i i ä wu de gesellscha lich p ak isch olls ändig ü die E höhung de We schöp-
ung, also de P oduk ion on Gü e n und Diens leis ungen, genu z , und ga nich zu Reduzie ung de
A bei szei .
Abbildung 1: En wicklung de gesam wi scha lichen P oduk i i ä und A bei szei , 1991-2024
Quelle: Eu opäische Kommission, Bick e al. (2019), eigene Be echnungen.
Die A bei szei p o Kop de Be ölke ung schwank e zwischen 1991 und 2024 nu leich zwischen 692
und 755 S unden jäh lich (Abbildung 1c). Wenn man das gesam e geleis e e A bei s olumen au die
Be ölke ung zwischen 15 und 64 Jah e bezieh , is die du chschni liche A bei szei sei Mi e de
7
2000e Jah e soga um meh als 100 S unden jäh lich ges iegen. Die A bei szei p o Kop de Be ölke-
ung blieb also in e wa kons an , obwohl de An eil de Be ölke ung, die sich nach übliche De ini ion
jeweils im e we bs ähigen Al e be and, s e ig sank. Alle dings wu de das nahezu kons an e A bei s-
olumen p o Kop de Be ölke ung on eine zunehmenden Zahl an E we bs ä igen e b ach , wäh end
die du chschni liche A bei szei de E we bs ä igen on 1550 S unden im Jah 1991 au 1340 S unden
im Jah 2024 sank (Abbildung 1c).
Diese En wicklung häng zum einen mi de s eigenden E we bsbe eiligung on F auen zusammen.
Wäh end zu Beginn de 1990e Jah e nu e wa 55 P ozen alle F auen zwischen 15 und 64 Jah e e -
we bs ä ig wa en, lag die E we bsbe eiligung im Jah 2019 bei e wa 73 P ozen (Abbildung 1d). Da
iele F auen, die ühe nich e we bs ä ig wa en, heu e in Teilzei und häu ig mi e gleichsweise ge-
inge wöchen liche S undenzahl a bei en, is die du chschni liche A bei szei p o e we bs ä ige
F au gesunken. Zum ande en ha die zunehmende Zahl an ge ing ügig Beschä ig en sei Mi e de
2000e Jah e bei Männe n und F auen sowohl zu eine höhe en E we bsbe eiligung als auch zu einem
Rückgang de A bei szei p o e we bs ä ige Pe son beige agen.
Die gesam wi scha liche Be ach ung kann einen e s en Bei ag leis en, um die Deba e zu Ange-
messenhei de A bei szei in Deu schland zu e sachlichen. So wa F ied ich Me z, de Kanzle kandi-
da de CDU/CSU, im Wahlkamp die F age au , ob die Bü ge *innen kün ig meh A bei ss unden leis-
en soll en: „Wenn wi sagen, es is ein S ück unse e Lebense üllung, ein S ück unse e Selbs e -
wi klichung, wi haben soga ielleich F eude an unse e A bei , dann können wi doch mal o u eils-
ei die F age s ellen: Wa um leis en wi heu e eigen lich mi 45 Millionen E we bs ä igen nich meh
A bei ss unden als o 30 Jah en? Da ha en wi sieben Millionen E we bs ä ige wenige .“
4
Es is zwa zu e end, dass das A bei s olumen p o Kop de Be ölke ung nich ges iegen is . Auch das
gesam e A bei s olumen is nu leich on 60,3 Millia den S unden 1991 au und 61,5 Millia den S un-
den 2024 ges iegen (nach einem Rückgang und e neu en Ans ieg um jeweils und 5 Millia den S unden
bis bzw. sei 2005). Es is auch ich ig, dass die Anzahl de E we bs ä igen on und 39 au und 46
Millionen ges iegen is . Alle dings is es i e üh end, hie aus zu schließen, dass bei un e ände e
„F eude an unse e A bei “ de Ans ieg de Zahl de Beschä ig en, welche übe wiegend aus dem An-
s ieg de F auene we bsbe eiligung esul ie e, zu eine höhe en Zahl an bezahl en A bei ss unden p o
Kop hä e üh en müssen. Denn diese Schluss olge ung wü de implizie en, dass F auen keinen Ein-
sch änkungen bei de E höhung ih e A bei szei un e liegen. Alle dings kann ein Ans ieg de bezahl en
A bei ss unden bei F auen nu du ch einen Rückgang de unbezahl en A bei ss unden on F auen
(Haushal , Kinde be euung, P lege on Angehö igen, Bildung usw.) ode eine Auswei ung de unbe-
zahl en zulas en de bezahl en A bei on Männe n ode du ch eine Ve kü zung de F eizei bei F auen
ode Männe n ausgeglichen we den.
Aus Sich de ökonomischen Theo ie is jedoch zu e wa en, dass die Menschen bei s eigende A bei s-
p oduk i i ä und s eigenden Reallöhnen nach und nach meh F eizei nach agen. Denn s eigende
eale S undenlöhne bedeu en zwa eine sei s, dass jede S unde F eizei einen g öße en ealen Ein-
kommens e lus bedeu e (Subs i u ionse ek de F eizei nach age). Zugleich kann abe bei s eigen-
den ealen S undenlöhnen ein gegebenes Realeinkommen mi imme wenige bezahl e A bei e -
eich we den (Einkommense ek de F eizei nach age). Lang is ig ha sich in de Wi scha sge-
schich e de Einkommense ek du chgese z : Lände mi höhe e A bei sp oduk i i ä leis en sich zu
einem gegebenem Zei punk meh F eizei als Lände mi ge inge e A bei sp oduk i i ä , und im
4
h ps://www. ocus.de/poli ik/deu schland/me z- o de -meh - espek - ue -besse e dienende-wi scha li-
che -e olg-gehoe -dazu_id_260351810.h ml
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wählen, ges ä k wi d, wenn A bei szei egelungen kollek i e einba und nich indi iduell e han-
del we den.
Eine naheliegende Re o mop ion mi dem Ziel, den Wunsch de Beschä ig en nach kü ze en A bei s-
zei en zu Du chse zung zu e hel en, is dahe – neben e ände en gese zlichen A bei szei egelun-
gen – die S ä kung de Ta i bindung ( gl. Beh ens/Schul en, 2023). Diese is in Deu schland sei den
1990e Jah en s a k gesunken. Wäh end Ende de 1990e Jah e noch und 80 P ozen de Beschä ig-
en mi Ta i e ag a bei e en, sind dies ak uell nu noch und 50 P ozen . Mi eine S ä kung de
Ta i bindung, e wa du ch die E leich e ung de Allgemein e bindliche klä ung, die Ein üh ung eines
Bundes a i euegese zes (Ve gabe ö en liche Au äge nu an a i gebundene Un e nehmen) und
die E schwe ung on Ta i luch könn e de Mindes lohn ich linie de Eu opäischen Union en sp o-
chen we den, die eine Zielma ke on 80 P ozen Ta i bindung in den Mi gliedslände n o sieh .
5.2 4-Tage-Woche: allsei s belieb , o allem bei F auen und bei jungen Menschen
In de Be agung wu de auch die Zus immung zu 4-Tage-Woche bzw. zu eine Reduzie ung de A -
bei szei um 20 P ozen e ag . Dabei wu den die Be ag en zu ällig in d ei G uppen au ge eil . De
e s en G uppe wu de die 4-Tage-Woche als indi iduelle Wahlop ion da ges ell . In eine zwei en
G uppe wu de die Zus immung zu eine 4-Tage-Woche ü alle Beschä ig en im Be ieb de Be ag en
e ag , und in eine d i en G uppe die Zus immung zu 4-Tage-Woche in ganz Deu schland. In allen
d ei Va ian en wu de da on ausgegangen, dass kein olle Lohnausgleich e olg , sonde n dass die
Gehäl e im Zuge de A bei szei e kü zung langsame s eigen als ohne A bei szei e kü zung.
Abbildung 6 zeig den An eil de Be ag en, die den jeweiligen Fo men de A bei szei e kü zung oll
zus immen ode ehe zus immen, nach Geschlech (Abbildung 6a) und Al e (Abbildung 6b). Zunächs
äll au , dass die Zus immung zu 4-Tage-Woche übe alle G uppen und Umse zungsop ionen hinweg
g oß ode seh g oß is . Bei F auen is die Zus immung s ä ke als bei Männe n. Bei Männe n und jün-
ge en Be ag en (un e 40 Jah e) äll zudem au , dass die Zus immung zu be iebswei en 4-Tage-Wo-
che (und bei un e 30-jäh igen zu deu schlandwei en 4-Tage-Woche) e was g öße is als zu indi i-
duellen 4-Tage-Woche. Diese Be und pass gu zu den E gebnissen des in Abschni 5.1 besch iebenen
Expe imen s. Ge ade bei jungen (männlichen) Beschä ig en könn en kollek i e Beg enzungen de A -
bei szei au de be ieblichen Ebene das ka ie eo ien ie e „A bei en um die We e“ abmilde n. A -
bei szei egelungen, die ü alle gel en, können hie wie „Ab üs ungs e einba ungen“ wi ken: Wenn
alle im Be ieb wenige a bei en, e schlech e n sich die eigenen Ka ie epe spek i en nich , wenn
man selbs wenige a bei e .
Je äl e die Be ag en sind, des o schwäche wi d die Zus immung zu 4-Tage-Woche insbesonde e als
deu schlandwei es P ojek . Wäh end und 85 P ozen de un e 30-jäh igen eine deu schlandwei en
Ein üh ung de 4-Tage-Woche zus immen, sind dies bei den übe 60-jäh igen nu noch und 55 P o-
zen . Hingegen s immen auch bei den übe 60-jäh igen noch meh als 65 P ozen eine indi iduellen
A bei szei e kü zung zu. Bei allen Al e sg uppen übe 30 Jah e zeig sich ein ähnliches Bild: Indi idu-
elle A bei szei e kü zung wi d hie ehe be ü wo e als kollek i e. Eine mögliche E klä ung is , dass
äl e en Beschä ig en nich meh so iele Ka ie ewege o en s ehen wie jünge en und dahe das P ob-
lem on Übe bie ungswe bewe ben bei de A bei szei wenige aku is . En sp echend wenige p o-
i ie en äl e e Beschä ig e on kollek i en A bei szei beg enzungen. Eine Übe legung manche äl e e
Beschä ig e könn e auch sein, dass sie selbs ge ne die A bei szei e kü zen möch en, abe länge e
A bei szei en bei jünge en Beschä ig en gesam wi scha lich on Vo eil sind, e wa ü die Finanzie-
ung des Ren ensys ems. Zudem dü en sich Jünge e und Äl e e hinsich lich g undlegende soziale

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No men un e scheiden, e wa was die F auene we bs ä igkei und die Au eilung de unbezahl en A -
bei im Haushal angeh .
Dass eine deu schlandwei e A bei szei e kü zung (bei den äl e en Be ag en) wenige Zus immung
inde als eine indi iduelle, könn e auch au einen be ü ch e en Ve lus an in e na ionale We be-
we bs ähigkei ü den Wi scha ss ando Deu schland ode den e wa e en Beda an e meh em
Wi scha swachs um zu Bewäl igung de Klimak ise e bunden sein. So zeig Abbildung 6c, dass die
Zus immung zu eine A bei szei e kü zung (insbesonde e bei eine deu schlandwei en Umse zung)
bei denjenigen Be ag en deu lich schwäche aus äll , die den Wi scha ss ando Deu schland ak uell
s a k ge äh de sehen. Be ag e, die Wi scha swachs um ü nö ig hal en, um die Umwel schü zen
zu können, be ü wo en A bei szei e kü zung wenige s a k als Be ag e, die de Ansich sind, dass
Wachs um de Umwel schade . Dennoch bleib selbs bei diesen Be ag en die Zus immung zu eine
kollek i en A bei szei e kü zung mi deu lich übe 60 P ozen hoch.
Wie in Abbildung 6d zu sehen is , is die allgemeine Zus immung zu A bei szei e kü zung zwa bei
Anhänge *innen de CDU/CSU, SPD, G ünen und A D du chweg g oß. Bei Anhänge *innen de
CDU/CSU und de A D nimm die Zus immung jedoch s ä ke ab, wenn nach de 4-Tage-Woche als
deu schlandwei em P ojek s a als indi iduelle Wahlop ion ge ag wi d, als dies bei Anhänge *in-
nen on SPD und G ünen de Fall is . Auch hie kann e mu e we den, dass dies mi de s ä ke en
So ge um den Wi scha ss ando Deu schland und ge inge en So gen um die Umwel schäden on
Wi scha swachs um bei den Wähle *innen on CDU/CSU und A D zusammenhäng .
Abbildung 6: Zus immung zu 4-Tage-Woche nach Geschlech , Al e , wi scha spoli ischen Eins ellun-
gen und Pa eip ä e enz
Quelle: Online-Be agung, eigene Be echnungen.
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5.3 Übe s unden: belieb e bei Männe n als bei F auen
Die CDU/CSU wa b im Wahlkamp da ü , Übe s undenzuschläge ü Vollzei beschä ig e nich meh zu
bes eue n. Hie bei handel es sich nich no wendige weise um eine Maßnahme zu allgemeinen A -
bei szei e länge ung, sonde n ehe um eine Flexibilisie ung on A bei szei en mi de Möglichkei de
zei weisen Auswei ung de A bei szei . G undsä zlich könn e die S eue be eiung on Übe s unden
auch mi eine Ve kü zung de egulä en A bei szei , e wa im Rahmen eine 4-Tage-Woche, einhe ge-
hen.
In unse e Beschä ig enbe agung soll en sich die Be ag en o s ellen, Sie selbs könn en indi iduell
en scheiden, egelmäßig Übe s unden zu leis en, ohne au den zusä zlichen Ve diens S eue n zahlen
zu müssen. In eine zwei en Va ian e wu de nach de Zus immung zu e meh en Übe s unden in ganz
Deu schland ge ag (Abbildung 7).
Abbildung 7: Zus immung zu e meh en Übe s unden nach Geschlech , Al e , wi scha spoli ischen
Eins ellungen und Pa eip ä e enz
Quelle: Online-Be agung, eigene Be echnungen.
Männe sp echen sich ehe ü Übe s unden aus als F auen (Abbildung 7a), welche insbesonde e eine
deu schlandwei e Übe s undenkul u mi nu und 50 P ozen Zus immung skep ische sehen als Män-
ne mi übe 60 P ozen Zus immung. Hie lieg die Ve mu ung nahe, dass F auen be ü ch en könn en,
au g und on So gea bei selbs nich on s eue be ei en Übe s unden p o i ie en zu können ode
soga e meh e Übe s unden on Männe n du ch zusä zliche unbezahl e So gea bei „au angen“ zu
müssen.
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Wäh end die Zus immung zu eine deu schlandwei en Auswei ung on Übe s unden übe alle Al e s-
g uppe mi We en zwischen 52 und 63 P ozen ähnlich aus allen, äll bei jungen Be ag en un e 30
Jah en die g oße Disk epanz zwischen eine hohen indi iduellen Be ei scha zu Übe s unden und ei-
ne seh iel skep ische en Hal ung hinsich lich eine deu schlandwei en Übe s undenkul u au (Ab-
bildung 7b). Auch hie könn e eine e mu e e posi ionale Ex e nali ä die E klä ung bie en: Übe s un-
den können indi iduelle Be u spe spek i en in de Konku enz mi Mi bewe be *innen nu dann e -
besse n, wenn nich alle ande en eben alls ü Übe s unden zu Ve ügung s ehen.
Bei denjenigen Be ag en, die den Wi scha ss ando Deu schland ü ge äh de hal en, äll die Zu-
s immung zu e meh en deu schlandwei en Übe s unden e was s ä ke aus als bei denjenigen, die
ehe keine S ando ge äh dung sehen. We Wachs um ü nö ig häl , um die Umwel zu schü zen,
s imm deu schlandwei e meh en Übe s unden ehe zu als wachs umsk i ische Be ag e (Abbildung
7c). Die höchs e Zus immung ü e meh e Übe s unden inde sich bei Anhänge *innen de
CDU/CSU, wäh end die Wähle scha de G ünen e meh e Übe s unden meh hei lich ablehn (Ab-
bildung 7d).
5.4 Soziale Diens zei : Zus immung abhängig on de Ausges al ung
In Deu schland wi d sei einige Zei übe die Ein üh ung eine „sozialen Diens zei “ disku ie . Bundes-
p äsiden F ank-Wal e S einmeie b ach e den Vo schlag eine sozialen Diens zei ü junge Men-
schen im F ühjah 2022 in die ö en liche Deba e ein. Die CDU/CSU ha die Idee eine sozialen Diens -
zei in ih Wahlp og amm au genommen. Es exis ie en e schiedene Modelle, die sich in meh e en
De ails bezüglich Zei punk , Daue , Bezahlung sowie e p lich endem Cha ak e des sozialen Diens es
un e scheiden. Gemeinsam is allen Modellen, dass Menschen eine Zei lang gemeinnü zige A bei en
e ich en wü den, um einen Bei ag zum Zusammenhal de Gesellscha zu leis en. In diese Zei
könn en sie nich ih e indi iduelle be u liche Ka ie e e olgen, weswegen die soziale Diens zei un e
sons gleichen Ums änden eine Ve kü zung de A bei szei bedeu e , welche die Beschä ig en übe
ih Be u sleben hinweg au dem p i a en A bei sma k e b ingen.
In unse e Be agung wu den die Be ag en zu ällig eine on ie G uppen zugewiesen und jeweils zu
ih e Zus immung zu eine Va ian e de sozialen Diens zei be ag . In allen Va ian en wü de die soziale
Diens zei ein Jah daue n bei eine wöchen lichen A bei szei on 30 S unden. Das in unse e Be a-
gung un e s ell e Modell de sozialen Diens zei wä e also im Ve gleich zu ak uellen No mala bei szei
mi eine A bei szei e kü zung e bunden. In de e s en Va ian e wä e die soziale Diens zei eiwillig
und wü de mi 2000 Eu o b u o mona lich e gü e . In de zwei en Va ian e wä e sie eben alls ei-
willig bei eine Ve gü ung on 3500 Eu o b u o p o Mona . Die d i e und ie e Va ian e sehen eine
e p lich ende Diens zei o mi eine mona lichen Ve gü ung on 2000 Eu o b u o bzw. 3500 Eu o
b u o. Alle Be ag en wu den unabhängig on ih em Lebensal e ge ag , inwiewei sie zus immen
wü den, bis zu Ren e einmal eiwillig eine solche soziale Diens zei zu absol ie en bzw. dass eine
solche soziale Diens zei in Deu schland e p lich end einge üh wi d.
Die Analyse zu Zus immung gegenübe e schiedenen Va ian en de sozialen Diens zei in unse e
Be agung zeig ein di e enzie es Bild. Zunächs läss sich es hal en, dass Männe und F auen eine
sozialen Diens zei gegenübe g undsä zlich gleiche maßen au geschlossen zu sein scheinen, jedoch
mi e heblichen Un e schieden bei den jeweiligen Va ian en (Abbildung 8a). In e essan e weise zeigen
Männe ande s als F auen keine g öße e Ablehnung bzw. keine schwäche e Zus immung gegenübe
e p lich enden Va ian en im Ve gleich zu eiwilligen Op ionen. Ta sächlich wi d die e p lich ende
Va ian e bei ge inge e Bezahlung on Männe n soga wenige abgelehn als die eiwillige. F auen
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hingegen be o zugen deu lich die eiwilligen Va ian en. Eine naheliegende In e p e a ion dieses Un-
e schieds könn e da in liegen, dass F auen häu ig be ei s s ä ke in So ge-A bei en eingebunden sind
und dahe eine eiwillige, selbs bes imm e En scheidung be o zugen.
Zudem zeig sich, dass die soziale Diens zei kein s a k pola isie endes Thema zwischen den Anhänge-
innen e schiedene poli ische Pa eien da s ell . Eine e was g öße e Zus immung gib es bei o -
g ünen Wähle scha en im Ve gleich zu Anhänge *innen de CDU ode A D (Abbildung 8b).
Abbildung 8: Zus immung zu sozialen Diens zei nach Geschlech , Pa eip ä e enz und Einkommen
Quelle: Online-Be agung, eigene Be echnungen.
Die Bezahlung spiel eine zen ale Rolle ü die Zus immung zu sozialen Diens zei . Modelle mi de
schlech e en Bezahlung e ah en eine b ei e Ablehnung, wäh end Va ian en mi besse e Bezahlung
meh hei lich be ü wo e we den. Ein besonde s spannendes E gebnis zeig sich hie im Zusammen-
hang mi dem eigenen A bei seinkommen (Abbildung 8c) bzw. Haushal seinkommen (Abbildung 8d).
Je höhe das eigene Einkommen, des o ge inge is die Zus immung zu sozialen Diens zei im Allge-
meinen. Au ällig is jedoch, dass die e p lich ende Va ian e in den obe en Einkommensg uppen a -
ak i e is als die eiwillige. Wäh end die eiwillige, besse bezahl e Va ian e besonde s in den un-
e en Einkommensg uppen hohe Zus immung e äh , wi d sie in den obe en Einkommensg uppen
g öß en eils abgelehn . Die e p lich ende, besse bezahl e Va ian e hingegen e ziel in allen Einkom-
mensg uppen eine ähnlich hohe Zus immung. Eine E klä ung könn e sein, dass die Un e b echung de
be u lichen Lau bahn alle gleiche maßen be e en wü de und somi nich als unge ech wah genom-
men we den wü de. Es müss en dann auch keine Nach eile gegenübe ande en be ü ch e we den,
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die sich nich an gemeinnü zigen Tä igkei en be eiligen, sonde n ausschließlich ih e indi iduelle Ka i-
e e e olgen. T o z de Ta sache, dass die eiwillige, besse bezahl e Va ian e insgesam die höchs e
Zus immung e häl , könn e dahe de e p lich ende Cha ak e de sozialen Diens zei on en schei-
dende Bedeu ung sein, um die Un e s ü zung auch de (männlichen) Besse e dienenden zu gewin-
nen.
6 Fazi : b ei e gesellscha liche Deba e e o de lich
Die Beschä ig en in Deu schland möch en nach eigenen Angaben wenige Zei in bezahl e E we bs-
a bei e b ingen, auch wenn dami en sp echend ge inge e Einkommen e bunden sind. Da de
Wunsch nach kü ze en A bei szei en bei Männe n s ä ke ausgep äg is als bei F auen und bei Bes-
se e dienenden s ä ke als bei Ge ing e dienenden, wü de die Ve wi klichung de indi iduellen A -
bei szei wünsche sowohl die Ve diens ungleichhei (allgemein und zwischen Männe n und F auen) e-
duzie en.
Auch wenn iel da ü sp ich , indi iduelle A bei szei wünsche zunächs einmal e ns zu nehmen, gib
es gu G ünde da ü , die Deba e um die angemessene A bei szei au gesellscha liche und poli ische
Ebene zu üh en. Wie unse e Beschä ig enbe agung zeig , hängen indi iduelle A bei szei wünsche
nich zule z on den A bei szei en ande e ab, und dieselben A bei szei en scheidungen, die aus indi-
iduelle Sich ich ig sein mögen – wie lange A bei szei en ode Übe s unden mi dem Ziel, Vo eile
im Ka ie ewe bewe b zu e zielen –, können wenig ziel üh end sein, wenn sich alle Beschä ig en au
be iebliche Ebene ode deu schlandwei ähnlich e hal en. Im Gegenzug könn en ande e A bei s-
zei modelle – wie die Be eiligung an eine sozialen Diens zei – o allem dann a ak i sein, wenn alle
sich da an be eiligen müssen.
Unse e Be agung zeig , dass iele Beschä ig e in Deu schland kü ze e A bei szei en be o zugen –
insbesonde e, wenn auch ih e Kolleginnen und Kollegen ih e S unden eduzie en. Dies deu e da au
hin, dass eine indi iduell gewünsch e A bei szei e kü zung leich e du ch kollek i e Ta i e äge o-
de gese zliche A bei szei egelungen als du ch indi iduelle Ve handlungen zwischen A bei gebe *in
und A bei nehme *in e eichba is .
Die Idee de 4-Tage-Woche bzw. eine um 20 P ozen e kü z en A bei szei e eu sich g oße
Belieb hei , selbs wenn sie nich mi ollem Lohnausgleich e bunden is . Besonde s F auen und jün-
ge e Beschä ig e s ehen diesem Modell posi i gegenübe . Jünge e A bei nehme *innen un e s ü zen
die Ein üh ung soga noch s ä ke , wenn sie nich nu indi iduell wählba is , sonde n au be iebliche
ode na ionale Ebene umgese z wi d.
Die Idee, Übe s undenzuschläge s eue ei zu s ellen, s öß eben alls au Zus immung, die jedoch
schwäche aus äll als bei de 4-Tage-Woche. Wäh end insbesonde e iele junge Beschä ig e be ei
sind, Übe s unden zu leis en, sehen sie – ebenso wie F auen – eine gene elle Übe s undenkul u in
Deu schland k i ische .
Gegenübe eine sozialen Diens zei zeigen sich die Beschä ig en g undsä zlich o en. Au ällig is , dass
Besse e dienende eine e p lich ende soziale Diens zei mi angemessene Bezahlung soga ehe be-
ü wo en als eine eiwillige Va ian e.
Bei allen gesellscha lichen Re o mdeba en e gib sich die Schwie igkei , dass die Bü ge *innen sich
o s ellen müssen, wie eine ande e Wel aussehen könn e, je nachdem, welche Re o mop ionen

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e olg we den. Dies gil in besonde em Maße auch ü die A bei szei deba e. Indi iduelle A bei s-
zei en scheidungen einzelne Beschä ig e haben nu einen zu e nachlässigenden gesam gesell-
scha lichen Ein luss, und in de be ieblichen P axis s oßen indi iduelle A bei szei wünsche egelmä-
ßig au den Wide s and on A bei gebe *innen ode Kolleg*innen. Dahe is es ein wich ige Pe spek-
i wechsel, wenn nich nu ge ag wi d, wie jede* einzelne a bei en möch e, sonde n auch, welche
Vo - und Nach eile dami e bunden sind, wenn sich gesellscha liche A bei szei en e ände n. Denn
diese haben wie wenige ande e ökonomische En scheidungen Ein luss da au , wie Menschen un e -
schiedlichen Al e s, Geschlech s und Einkommens mi einande leben.
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