Das kognitive Anforderungsniveau von Ausbildungsberufen: Eine empirische Untersuchung für 226 duale und schulische Ausbildungsberufe
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Full text
Friedrich, Anett; Rohrbach-Schmidt, Daniela; Sander, Nicolas Research Report Das kognitive Anforderungsniveau von Ausbildungsberufen: Eine empirische Untersuchung für 226 duale und schulische Ausbildungsberufe Wissenschaftliche Diskussionspapiere, No. 243 Provided in Cooperation with: Federal Institute for Vocational Education and Training (BIBB), Bonn Suggested Citation: Friedrich, Anett; Rohrbach-Schmidt, Daniela; Sander, Nicolas (2023) : Das kognitive Anforderungsniveau von Ausbildungsberufen: Eine empirische Untersuchung für 226 duale und schulische Ausbildungsberufe, Wissenschaftliche Diskussionspapiere, No. 243, ISBN 978-3-96208-369-4, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Bonn, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0035-1032-8 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/270850 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/
Das kognitive Anforderungsniveau von Ausbildungsberufen Eine empirische Untersuchung für 226 duale und schulische Ausbildungsberufe Anett Friedrich | Daniela Rohrbach-Schmidt | Nicolas Sander WISSENSCHAFTLICHE DISKUSSIONSPAPIERE
WISSENSCHAFTLICHE DISKUSSIONSPAPIERE Heft 243 Anett Friedrich | Daniela Rohrbach-Schmidt | Nicolas Sander Das kognitive Anforderungsniveau von Ausbildungsberufen Eine empirische Untersuchung für 226 duale und schulische Ausbildungsberufe
Die WISSENSCHAFTLICHEN DISKUSSIONSPAPIERE des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) werden durch den Präsidenten herausgegeben. Sie erscheinen als Namensbeiträge ihrer Verfasser und geben deren Meinung und nicht unbedingt die des Herausgebers wieder. Sie sind urheberrechtlich geschützt. Ihre Veröffentlichung dient der Diskussion mit der Fachöffentlichkeit. Impressum 1. Auflage 2023 Herausgeber: Bundesinstitut für Berufsbildung Robert-Schuman-Platz 3 53175 Bonn Internet: www.bibb.de Publikationsmanagement: Stabsstelle „Publikationen und wissenschaftliche Informationsdienste“ E-Mail: [email protected] www.bibb.de/veroeffentlichungen Herstellung und Vertrieb: Verlag Barbara Budrich Stauffenbergstraße 7 51379 Leverkusen Internet: www.budrich.de E-Mail: [email protected] Lizenzierung: Der Inhalt dieses Werkes steht unter einer Creative-Commons-Lizenz (Lizenztyp: Namensnennung – Keine kommerzielle Nutzung – Keine Bearbeitung – 4.0 International). Weitere Informationen zu Creative Commons und Open Access finden Sie unter www.bibb.de/oa. ISBN 978-3-8474-2890-9 (Print) ISBN 978-3-96208-369-4 (Open Access) urn:nbn:de:0035-1032-8 Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar. Gedruckt auf PEFC-zertifiziertem Papier Zitiervorschlag: Friedrich, Anett; Rohrbach-Schmidt, Daniela; Sander, Nicolas: Das kognitive Anforderungsniveau von Ausbildungsberufen. Eine empirische Untersuchung für 226 duale und schulische Ausbildungsberufe. Bonn 2023
Inhaltsverzeichnis WDP 243 5 Inhaltsverzeichnis Abkürzungsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 1 Einleitung .................................................. 9 2 Konzeptspezifikation: zur vertikalen Dimension von Berufen ........... 11 3 Mögliche Operationalisierungen des Anforderungsniveaus . . . . . . . . . . . . . 13 4 Das kognitive Anforderungsniveau – der Indikator des Berufspsychologischen Services der Bundesagentur für Arbeit........... 16 4.1 Grundlagen und Konstruktion ..................................... 16 4.2 Kritische Diskussion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 5 Datenbasis und Variablen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21 5.1 Datenbasis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21 5.2 Berücksichtigte Ausbildungsberufe.................................. 21 5.3 Variablen ................................................... 22 6 Empirische Auswertungen zum Anforderungsniveau von 226 Ausbildungsberufen ....................................... 26 6.1 Verteilung des Anforderungsniveaus über die Ausbildungsberufe............. 26 6.2 Konstruktvalidierung ........................................... 28 6.3 Kriteriumsvalidierung........................................... 32 7 Zusammenfassung und Diskussion ............................... 35 Danksagung...................................................... 37 Literaturverzeichnis ................................................ 38 Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44 A1 Kurzbeschreibung der Datengrundlagen und jeweiligen Variablen ............ 44 A1.1 Das Datensystem Auszubildende des Bundesinstituts für Berufsbildung (DAZUBI) auf Basis der Berufsbildungsstatistik der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44 A1.2 Die Datenbank Tarifliche Ausbildungsvergütungen ....................... 44 A1.3 Das Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45 A1.4 BIBB-Erhebung zum Berufsprestige von Berufen in Deutschland . . . . . . . . . . . . . 45 A1.5 Fachserie 11 Bildung und Kultur, Reihe 2 Berufliche Schulen ............... 46 A1.6 BERUFENET . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46 A1.7 Die Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit ........................ 47 A2 Liste aller ausgewählten dualen und schulischen Berufe . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48 A3 Berufsstrukturelle Merkmale der 226 Ausbildungsberufe im Datensatz ......... 53 Abstract ......................................................... 57
6WDP 243 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis Abbildungs- und Tabellenverzeichnis Abbildungen Abbildung 1: Anforderungsniveau für duale und schulische Ausbildungsberufe (in %) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27 Abbildung 2: Anforderungsniveau für Ausbildungsberufe im Bereich produktionsbezogene, primäre und sekundäre Dienstleistungsberufe (in %) ................................................ 28 Abbildung 3: Bivariate Korrelationen zwischen Anforderungsniveau und schulischen Vorbildungsanteilen (in %).................................. 31 Abbildung 4: Anforderungsniveau nach schulischen Zugangsvoraussetzungen (nur Schulberufe) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32 Abbildung A1: Berufe nach Berufshauptfeldern .............................. 56 Tabellen Tabelle 1: Deskriptive Statistiken zum Anforderungsniveau und den Konstrukt- und Kriteriumsvariablen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24 Tabelle 2: Univariate Statistiken für das Anforderungsniveau (alle Berufe) ........... 26 Tabelle 3: Anforderungsniveau nach Ausbildungsdauer........................ 29 Tabelle 4: Bivariate Korrelationen zwischen Anforderungsniveau und Ausbildungsvergütung, zu erwartendem Entgelt und Berufsprestige des Ausbildungsberufs .......................................... 34 Tabelle A1: Auswahlberufe inklusive Klassifikation der Berufe (KldB) 2010 ........... 48 Tabelle A2: Strukturmodell und Zuständigkeitsbereich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53 Tabelle A3: Jahr der (Neu-)Ordnung, Neuabschlüsse/Anfänger/-innen . . . . . . . . . . . . . . 54 Tabelle A4: Produktions- und Dienstleistungsberufe im Datensatz ................. 55
Abkürzungsverzeichnis WDP 243 7 Abkürzungsverzeichnis BA Bundesagentur für Arbeit BBiG Berufsbildungsgesetz BIBB Bundesinstitut für Berufsbildung BPS Berufspsychologischer Service BWT Berufswahltest DAZUBI Datensystem Auszubildende des Bundesinstituts für Berufsbildung GES-Berufe Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialberufe HwO Handwerksordnung ISCED International Standard Classification of Education KldB Klassifikation der Berufe
1 Einleitung WDP 243 9 1 Einleitung In Deutschland kommt der beruflichen Bildung eine zentrale Rolle für individuelle Qualifizierungs- und Erwerbsverläufe sowie die Fachkräftesicherung des Arbeitsmarktes zu. Eine berufliche Ausbildung stellt für eine erfolgreiche Integration im berufsstrukturierten Arbeitsmarkt in Deutschland eine „conditio sine qua non“ dar. Ein fehlender beruflicher Abschluss führt nicht nur zu geringen Löhnen (vgl. u.a. Friedrich/Horn 2018), sondern zieht auch Marginalisierungs- und Exklusionsrisiken auf dem Arbeitsmarkt nach sich (vgl. Giesecke/Ebner/ Oberschachtsiek 2019). Entscheidend für die Chancen am Arbeitsmarkt ist zudem, in welchem Beruf der Abschluss gemacht wurde (vgl. Hall 2021; Hillmert 2010; Konietzka 1999). In einer beruflichen Ausbildung werden Fachwissen und methodische Kompetenzen vermittelt, die für die spätere Tätigkeit als Fachkraft und weitere Qualifizierungswege wichtige Grundlagen liefern (vgl. Severing 2014, S. 7). Ausbildungsberufe zeichnen sich dabei durch eine große Heterogenität der Anforderungen aus: Auszubildende verschiedener Ausbildungsberufe erwerben erstens berufsfachlich (horizontal) unterschiedliche Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten und zweitens kognitive Kompetenzen1 auf unterschiedlichem (vertikalen) Niveau. Während die horizontale Differenzierung berufsfachlicher Unterschiede zwischen Ausbildungsberufen mit der Klassifikation der Berufe 2010 (KldB 2010) empirisch gut untersuchbar ist, lassen sich Unterschiede im Anforderungsniveau für Ausbildungsberufe bislang empirisch weniger gut abbilden; in der KldB 2010 weisen nahezu alle Ausbildungsberufe das Anforderungsniveau 2 („fachlich ausgerichtete Tätigkeiten“) auf. Ersatzweise wird oft auf die schulischen Vorbildungsanteile zurückgegriffen (vgl. z. B. Baethge 2010; Kroll/Lohmüller/ Ulrich 2016; Hall 2021). Ausbildungsberufe, die an berufsbildenden Schulen ausgebildet werden (sogenannte „Schulberufe“ oder „schulische“ Berufsausbildungen2), werden aufgrund kaum verfügbarer Datengrundlagen meist nicht mitbetrachtet. Bislang ist für Deutschland daher wenig untersucht, wie sich duale und schulische Ausbildungsberufe hinsichtlich ihres kognitiven Anforderungsniveaus unterscheiden und welche Zusammenhänge das Anforderungsniveau mit anderen Ausbildungsberufsmerkmalen aufweist. Die Publikation setzt an dieser Lücke an und untersucht einen bislang in der quantitativen empirischen (Berufs-)Bildungs- und Arbeitsmarktforschung nicht genutzten Indikator des Berufspsychologischen Services (BPS) der Bundesagentur für Arbeit (BA) für das kognitive Anforderungsniveau von Ausbildungsberufen. Die für die Untersuchung genutzte Datengrundlage umfasst 226 vollqualifizierende duale und schulische Ausbildungsberufe. Die Publikation präsentiert Ergebnisse zur Verteilung des Anforderungsniveaus sowie erste Analysen zur Validität des Indikators. Die Überprüfung der Validität ist wichtig, um dazu einzuschätzen, inwieweit der Indikator das Niveau der kognitiven Anforderungen in den Ausbildungsberufen tatsächlich empirisch gut abbildet. Dazu wird untersucht, ob das Anforderungsniveau mit an- 1 Ausbildungsberufe unterscheiden sich nicht nur in ihren kognitiven (oder hier synonym intellektuellen) Anforderungen, sondern auch beispielsweise hinsichtlich ihrer sozialen, kommunikativen und technischen Anforderungen. Diese Anforderungen werden hier jedoch nicht betrachtet. 2 Die Bezeichnungen für diese Ausbildungsberufe sind vielfältig. Im Folgenden wird aus Gründen der einfacheren Darstellung auch der Begriff „schulische Ausbildungsberufe“ oder „Schulberufe“ verwendet. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass diese Bezeichnung nicht für solche Berufe treffend ist, die wie die dualen Berufe nach Berufsbildungsgesetz/Handwerksordnung eine duale Struktur aus theoretischem und praktischem Unterricht sowie einer praktischen Ausbildung aufweisen (z.B. Gesundheits- und Krankenpfleger/-in, Erzieher/-in; vgl. Zöller 2018).
16 WDP 243 4 Das kognitive Anforderungsniveau – der Indikator des Berufspsychologischen Services 4 Das kognitive Anforderungsniveau – der Indikator des Berufspsychologischen Services der Bundesagentur für Arbeit 4.1 Grundlagen und Konstruktion Der Berufspsychologische Service (BPS) der Bundesagentur für Arbeit (BA) unterstützt bundesweit als Fachdienst die Beratungs- und Vermittlungsfachkräfte bei der beruflichen Eignungsfeststellung. Berufsbezogene Anforderungsniveaus helfen dabei, ratsuchende Kundinnen und Kunden bei der Suche von passenden beruflichen Erstausbildungen zu unterstützen.4 Berufliche Erstausbildungen umfassen dabei duale Ausbildungsberufe, Berufe, die an beruflichen Schulen (landes- oder bundesrechtlich geregelt oder trägerbasiert) ausgebildet werden, sowie die Ausbildung für Soldatinnen und Soldaten und für Beamtinnen und Beamte. Passende Berufe sind dabei solche, die mit den individuellen Interessen und Neigungen der Ausbildungsinteressierten kompatibel sind und gleichzeitig kognitiv weder übernoch unterfordern. Für die Beurteilung der Passung individueller kognitiver Fähigkeiten zu Berufen ist die Kenntnis von berufsbezogenen Anforderungen, insbesondere des kognitiven Anforderungsniveaus wesentlich. Das Anforderungsniveau wird dabei verstanden als das Niveau der kognitiven Fähigkeiten, das zum erfolgreichen Erlernen und Ausüben eines Berufs benötigt wird. Die Bedeutung kognitiver Fähigkeiten bzw. der allgemeinen Intelligenz für beruflichen Erfolg zeigen zahlreiche Einzelstudien und Metaanalysen auf Basis von mehreren Millionen Untersuchungsteilnehmerinnen und -teilnehmern (vgl. Schmidt/Hunter 1998; 2004). Das ausbildungsberufsbezogene Anforderungsniveau ist im BPS im Wesentlichen als das mittlere allgemeine intellektuelle Leistungsvermögen von Personen definiert, die den jeweiligen Ausbildungsberuf erfolgreich erlernt haben. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass diese Personen den Anforderungen des jeweiligen Berufs gerecht werden. Das berufsbezogene Anforderungsniveau des BPS basiert auf drei Datenquellen: erstens, und überwiegend, auf einer Messung der kognitiven Fähigkeiten von Personen, die den jeweiligen Ausbildungsberuf erfolgreich erlernt haben (ermittelt in einer Nachbefragung), zweitens den schulischen Vorbildungsanteilen in dualen Ausbildungsberufen und drittens auf Einschätzungen von berufskundlichen Expertinnen und Experten. Die drei Datenquellen sowie die Synthese des berufsbezogenen Anforderungsniveaus werden nachfolgend beschrieben. Messung der kognitiven Fähigkeiten mit dem Berufswahltest und Nachbefragung Die wesentliche Datengrundlage für die Generierung des Anforderungsniveaus ist das im jeweiligen Ausbildungsberuf mittlere allgemeine intellektuelle Leistungsvermögen von Personen, die diesen Beruf erfolgreich erlernt haben. Hierfür hat der BPS zwischen 2015 und 2019 im Rahmen einer Nachbefragung insgesamt 149.957 Personen (74.283 weiblich und 75.674 männlich) kontaktiert, die zwischen 2006 und 2010 im BPS einen Berufswahltest (BWT) absolviert haben. 4 Das berufsbezogene Anforderungsniveau ist öffentlich auch einsehbar auf den Seiten von BERUFENET in verbalisierter Form (Beispiel siehe Bäcker/-in, URL: https://berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet/faces/ index?path=null/suchergebnisse/kurzbeschreibung/faehigkeiten&dkz=3626&such=B%C3%A4cker, Stand: 16.08.2022).
4.1 Grundlagen und Konstruktion WDP 243 17 Bei dem BWT handelt es sich um eine Testserie zur Messung der kognitiven Fähigkeiten. Zur Anwendung kommen dabei u.a. jeweils mindestens zwei Tests mit figural-räumlichem, numerischem (rechnerisch) und verbalem (sprachlichem) Aufgabenmaterial5. Die Verwendung von Tests mit unterschiedlichem Aufgabenmaterial gewährleistet dabei, dass sich die Testwerte zu einem validen Indikator für die allgemeine Intelligenz („G“) bzw. das allgemeine intellektuelle Leistungsvermögen zusammenfassen lassen.6 Die in der Nachbefragung kontaktierten Personen waren zum Zeitpunkt der Durchführung des BWT mehrheitlich zwischen 14 und 17 Jahren alt. Zum Zeitpunkt der Nachbefragung, sieben bis neun Jahre nach der Testung, wurde davon ausgegangen, dass eine berufliche Erstausbildung durchlaufen wurde und mehrere Jahre Berufserfahrung vorlagen. An der Nachbefragung, deren wesentliches Ziel in der Ermittlung des erlernten Ausbildungsberufs der ehemaligen BWT-Teilnehmer und -Teilnehmerinnen lag, nahmen 35.006 Personen teil (23,3% der kontaktierten Personen).7 Für die Generierung der Berufsmittelwerte wurden nur Personen betrachtet, die eine Berufsausbildung erfolgreich abgeschlossen haben und deren Ausbildungsberuf nach wie vor existiert oder einem aktuellen Ausbildungsberuf zugeordnet werden konnte. Ausgeschlossen wurden Personen, die keine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben oder die sich im Anschluss an eine berufliche Erstausbildung beruflich höherqualifiziert haben (z.B. einen Studien- oder Fortbildungsabschluss erworben haben). Damit reduzierte sich die Anzahl auf 24.896 verwertbare Fälle aus 325 Berufen. Maximal war der Rücklauf im Beruf Kaufmann/-frau – Büromanagement mit 2.064 verwertbaren Fällen. Insgesamt wiesen 97 Berufe mehr als 50 verwertbare Fälle auf. Auf Basis der verwertbaren Fälle wurde das Anforderungsniveau als Mittelwert des allgemeinen intellektuellen Leistungsvermögens je Beruf ermittelt. Dem Anforderungsniveau liegt damit die (gesamte) berufsspezifische Verteilung des intellektuellen Leistungsvermögens von Ausbildungsabsolventinnen und -absolventen zugrunde. Es stellt insofern kein Mindestniveau dar, als die kognitiven Anforderungen des Berufs bei geringeren kognitiven Fähigkeiten der an dem Ausbildungsberuf interessierten Personen etwa durch Fleiß, Anstrengungsbereitschaft oder durch geeignete pädagogische Förderung erfüllt werden können (vgl. Klinck/Seidl 2021). Die Fähigkeitsniveaus basieren auf der Verteilung der Testwerte von Ausbildungsabsolventinnen und -absolventen der Nachbefragung, die in eine Normwertskala, die Stanine- 5 Es werden die Verarbeitungskapazität räumlich“ („KF“), numerisch („KN“) und verbal („KV“) nach dem Intelligenzstrukturmodell von Jäger 1984 erhoben. 6 Ein maßgebliches Alleinstellungsmerkmal des BWT ist dabei auch die Verfügbarkeit berufsbezogener Normen. Mit berufsbezogenen Normen ist es möglich, Testwerte (Schätzung von G, KF, KN und KV) von Personen mit Testwerten von Angehörigen verschiedener Berufe zu vergleichen (vgl. Klinck 2002) und somit die Eignungsbeurteilung im Hinblick auf die kognitiven Fähigkeiten zu unterstützen. 7 Die Daten aus der Nachbefragung wiesen kleine, aber bedeutsame Selektivitätseffekte auf: Personen, die auf die Kontaktaufnahme reagiert haben, zeigen leicht höhere Testwerte als Personen, die in der Befragung nicht erreicht wurden. Bei Berufen mit geringen Testwerten fällt zusätzlich auf, dass die Verteilung der allgemeinbildenden Schulabschlüsse leicht zugunsten höherer Abschlüsse verzerrt ist, als das die Verteilung der Schulabschlüsse nach DESTATIS (Fachserie 11 Bildung und Kultur, Reihe 3 Berufliche Bildung 2019) für diese Berufe nahelegt. Weiterhin sind besonders Personen mit höheren allgemeinbildenden Schulabschlüssen in Berufen mit höheren Testwerten unterrepräsentiert. Daher wurden die berufsspezifischen Testwerteverteilungen anhand der Vorbildungsverteilung nach DESTATIS gewichtet. Das errechnete gewichtete Mittel je Beruf ist demnach für die Verteilung der schulischen Vorbildung in dem jeweiligen Beruf repräsentativ. Selektivitäten beim Zugang zum BWT zeigen sich Untersuchungen des BPS zufolge nicht für Schüler/-innen mit Haupt- und Realschulabschluss. Bei Personen mit Hochschul-/Fachhochschulreife ist es unbekannt, jedoch anzunehmen. Eine dezidierte Korrektur ist aufgrund mangelnder Kriterien nicht möglich, aber der Anteil der Personen mit Hochschul-/Fachhochschulreife in Berufen wird berücksichtigt.
18 WDP 243 4 Das kognitive Anforderungsniveau – der Indikator des Berufspsychologischen Services Skala8 transponiert wurde (MW = 5, SD = 2).9 Die Anforderungsniveauvariable weist für die Ausbildungsberufe fünf Skalenwerte von 3 bis 7 auf. Diesen fünf Skalenwerten werden im BERUFENET auch Bezeichnungen zugeordnet. Diese sind: (3) „leicht unterdurchschnittlich“, (4) „knapp unterdurchschnittlich“, (5) „durchschnittlich“, (6) „gut durchschnittlich“ und (7) „leicht überdurchschnittlich“. Berufsbezogene Verteilung nach schulischer Vorbildung Da die Nachbefragung nicht für alle Ausbildungsberufe eine belastbare Datengrundlage lieferte, wurde zusätzlich bei dualen Ausbildungsberufen nach BBiG/HwO10 mit 50 oder weniger verwertbaren Fällen in der Nachbefragung die schulische Vorbildung von Auszubildenden mit neu abgeschlossenem (und angetretenem) Ausbildungsvertrag (Fachserie 11 Bildung und Kultur, Reihe 3 Berufliche Bildung 2019) hinzugezogen. Dies geschah in zwei Schritten: Im ersten Schritt wurde der Zusammenhang zwischen den schulischen Vorbildungsanteilen und dem Anforderungsniveau für Berufe mit mehr als 50 verwertbaren Fällen aus der Nachbefragung ermittelt. Dafür wurden die Vorbildungsinformationen anhand von Ridge-Regressionen so kalibriert, dass diese das Anforderungsniveau bestmöglich vorhersagen können.11 Neben den einfachen Anteilen (Anteile ohne/mit Hauptschulabschluss/Realschulabschluss/Hochschul-/ Fachhochschulreife) wurde dabei das bedingte allgemeine intellektuelle Leistungsvermögen in Abhängigkeit des Anteils der Personen mit Hochschul-/Fachhochschulreife zusätzlich in die Regression aufgenommen. Dies erfolgte, da sich zeigte, dass bei hohem Anteil dieser Gruppe auch diejenigen mit niedrigeren allgemeinbildenden Schulabschlüssen höhere Testwerte aufwiesen, als aufgrund des jeweiligen allgemeinbildenden Schulabschlusses zu erwarten gewesen wäre. Der so kalibrierte Vorbildungsindex erreichte eine Varianzaufklärung von R2 = 0,87 bei den Berufen, bei denen aufgrund der Datenlage ein Fähigkeitsniveau ermittelt werden konnte. Im zweiten Schritt wurde der Vorbildungsindex dann dazu verwendet, das Anforderungsniveau für duale Berufe mit 50 oder weniger verwertbaren Fällen aus der Nachbefragung zu bestimmen. Einschätzungen von Berufsexpertinnen und -experten Insbesondere, wenn die empirische Grundlage zur Schätzung des Fähigkeitsniveaus eines Berufs fehlt, sind Ausbildungsordnungen, Tätigkeitsbeschreibungen aus dem BERUFENET und berufskundliches Wissen von Expertinnen und Experten wesentliche Grundlage der Zuordnung von Berufen zu Fähigkeitsniveaus. Hierzu besteht im BPS ein Gremium von Expertinnen 8 Die Stanine-Skala hat immer einen Wertebereich von eins bis neun und einen Mittelwert von fünf sowie eine Standardabweichung von zwei. Für keinen der vom BPS untersuchten Ausbildungsberuf erfolgte eine Einstufung mit den Werten 1, 2, 8 und 9. 9 Im Vergleich zur ermittelten Verteilung des allgemeinen intellektuellen Leistungsvermögens bei einer repräsentativen Gruppe von „Interessierten an beruflicher Erstausbildung“ (gebildet auf Basis einer Stichprobe von ca. 150.000 Personen im Alter von 14 bis 24 Jahren zwischen 2017 und 2019, vgl. Sengewald u.a. 2022) ist die Streuung bei den Berufsvertreterinnen und -vertretern um knapp 20 Prozent eingeschränkt. Die Spreizung der Anforderungsstufen ist daher stärker akzentuiert, als es in der Grundgesamtheit der Interessierten an beruflicher Erstausbildung der Fall ist. Für den Vergleich von Fähigkeitsniveaus zwischen Berufen ist diese Reduktion der Streuung jedoch nicht relevant. 10 Da die Bildungsberichterstattung in Deutschland die Schulberufe nicht vollständig umfasst, wurde die Berechnung des Vorbildungsindex nur für Berufe des dualen Systems vorgenommen. 11 Dieses Regressionsverfahren liefert auch bei Multikollinearität der Prädiktoren zuverlässige Ergebnisse (vgl. Tibshirani 1996; Gruber 2020). Im Gegensatz zu anderen infrage kommenden Methoden (lineare Regression, Random Forest, Lasso-Regression) waren der mittlere Bias (Differenz aus modellbasiertem G und tatsächlichem G) sowie dessen Varianz im Kriterium minimal. Overfitting wurde durch Kreuzvalidierungen vermieden.
4.2 Kritische Diskussion WDP 243 19 und Experten aus sechs Personen mit langjähriger Erfahrung in der Berufseignungsdiagnostik und vertieften berufskundlichen Kenntnissen aller Ausbildungsberufe. Diese Expertinnen und Experten pflegen kontinuierlich psychologisch relevante Klassifikationsmerkmale und deren Zuordnung zu Berufen und ordneten im Zuge der hier berichteten Entwicklungsarbeiten konsensual Berufe Fähigkeitsniveaus zu, für die nur eine unzureichende Datengrundlage sowohl aus der Nachbefragung als auch im Hinblick auf schulische Vorbildungsdaten vorhanden war. Gleichzeitig stellte dieses Gremium sicher, dass alle datengetriebenen Zuordnungen von Berufen zu Fähigkeitsniveaus kohärent erfolgten. Dabei wurden auch die bekannten Probleme von Vorbildungsdaten (z.B. Abhängigkeit von Angebot und Nachfrage) bei der Urteilsbildung berücksichtigt. Die finale Einstufung des kognitiven Anforderungsniveaus erfolgte also auf verschiedenen Datenquellen: (1) Messung kognitive Fähigkeiten/Nachbefragung (und ggf. Einschätzungen von Expertinnen und Experten); (2) Messung kognitive Fähigkeiten/Nachbefragung und schulische Vorbildung (und ggf. Einschätzungen von Expertinnen und Experten); (3) schulische Vorbildung und Einschätzungen von Expertinnen und Experten oder (4) reine Einschätzungen von Expertinnen und Experten. Lagen für einen Beruf mehrere und voneinander abweichende Werte aus den verschiedenen Datenquellen vor, war die Einschätzung der Berufsexpertinnen und -experten für die finale Festlegung des Anforderungsniveaus ausschlaggebend. 4.2 Kritische Diskussion In Kapitel 2 wurde das kognitive Anforderungsniveau als Merkmal von Berufen definiert, welches die Komplexität der beruflichen Inhalte widerspiegelt und damit das Niveau der kognitiven Fähigkeiten, die zum erfolgreichen Erlernen und Ausüben eines Berufs benötigt werden. Der BPS-Indikator operationalisiert das Anforderungsniveau von Ausbildungsberufen als mittleres allgemeines intellektuelles Leistungsvermögen von Personen, die den Ausbildungsberuf erlernt haben. Durch die Aggregation des Leistungsvermögens dieser Personen auf die Berufsebene können die Berufseigenschaften prinzipiell gut abgebildet werden (im Sinne einer analytischen Variable bei Hox 2002, S. 2–3). Kritisch zu beurteilen ist, dass der Indikator auch durch Angebots- und Nachfrageprozesse beim Zugang zum Ausbildungsberuf beeinflusst sein könnte, denn die Verteilungen des kognitiven Leistungsvermögens der Ausbildungsabsolventinnen und -absolventen stellen ebenfalls „realisierte“ Verteilungen dar. Anders als bei der schulischen Vorbildung handelt es sich bei dem kognitiven Leistungsvermögen jedoch um ein nicht direkt beobachtbares und nicht leicht veränderbares Merkmal; der Einfluss von regionalen oder zeitlichen Unterschieden in der Ausbildungsmarktlage und der Nachfrage nach Ausbildungsstellen könnte daher geringer sein. Zudem wird die Auswahl der Personen, deren kognitives Leistungsvermögen in die Berechnung der Berufsmittelwerte eingeht, auf diejenigen beschränkt, die den Beruf erlernt haben. Ausgeschlossen wurden also u.a. diejenigen, die die Ausbildung nicht abgeschlossen haben. Vor dem Hintergrund der eingeschränkten Validität der Vorbildungsanteile zur Operationalisierung des Anforderungsniveaus ist zudem kritisch zu beurteilen, dass bei dualen Ausbildungsberufen mit geringerem Rücklauf in der Nachbefragung das BPS-Anforderungsniveau mithilfe der Vorbildungsanteile geschätzt wurde. Dies erfolgte aber unter Nutzung der Informationen zum Zusammenhang zwischen berufsbezogenen Vorbildungsanteilen und dem mittleren Leistungsvermögen von Ausbildungsabsolventinnen und -absolventen. Bei den dualen Berufen, bei denen im BPS-Indikator die schulische Vorbildung berücksichtigt wurde, erfolgte die Einstufung zudem auch immer unter Einbeziehung der Urteile von Expertinnen bzw. Experten. Gegenüber der Operationalisierung des Anforderungsniveaus allein anhand der schulischen Vorbildung hat der BPS-Indikator den Vorteil, dass er auch für die Schulberufe vorliegt.
20 WDP 243 4 Das kognitive Anforderungsniveau – der Indikator des Berufspsychologischen Services Die Messung des BPS basiert auf einer breiten und komplexen empirischen Grundlage für eine große Anzahl sowohl von dualen als auch schulischen Ausbildungsberufen und hebt den Indikator damit von bisherigen Messungen ab. Inwiefern der Indikator ausreichend differenzierungsfähig ist, also die Heterogenität der Ausbildungsberufe abbildet und sich als konstrukt- und kriteriumsvalide erweist, wird in den folgenden Abschnitten empirisch überprüft.
5 Datenbasis und Variablen WDP 243 21 5 Datenbasis und Variablen 5.1 Datenbasis Für die Auswertungen wurde ein Datensatz auf Ausbildungsberufsebene generiert. Der Datensatz enthält Angaben für 226 Ausbildungsberufe (siehe dazu Kapitel 5.2). Die einzelnen Merkmale im Datensatz wurden aus sieben verschiedenen Datenquellen zusammengestellt: dem Datensystem Auszubildende (DAZUBI) des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) auf Basis der Berufsbildungsstatistik der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, der Datenbank Tarifliche Ausbildungsvergütungen, dem Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe, der BIBB-Erhebung zum Berufsprestige von Berufen in Deutschland, der Fachserie 11 Bildung und Kultur, Reihe 2 Berufliche Schulen, BERUFENET und der Entgeltstatistik der BA (eine Kurzbeschreibung der Datensätze und welche Merkmale daraus entnommen wurden, befindet sich im Anhang A1). Die Daten des BPS enthalten Informationen zum Anforderungsniveau für 679 Berufe (Berufsbezeichnungen), darunter duale Berufe getrennt nach Fachrichtungen, Schulberufe aber auch Soldaten- und Beamtenberufe. Die Angaben zum Anforderungsniveau wurden dem Ausbildungsberufsdatensatz für 226 vollqualifizierende duale und schulische Ausbildungsberufe zugespielt. Das Zusammenspielen der einzelnen Datensätze erfolgte über die jeweiligen Berufsbezeichnungen, da diese in allen Datenquellen eindeutig identifizierbar sind12 (siehe auch Kapitel 5.2). 5.2 Berücksichtigte Ausbildungsberufe Die Analyseeinheiten der vorliegenden Arbeit sind vollqualifizierende Ausbildungsberufe, also Berufe, die zu einem Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf bzw. zu einem Berufsausbildungsabschluss führen. Für das duale System nach BBiG/HwO ist die Analyseeinheit ein Ausbildungsberuf, genauer die Berufsbezeichnung, wie sie in einer Ausbildungsordnung geführt wird. Der Ausbildungsberuf laut Berufsbezeichnung kann mehrere Fachrichtungen und Schwerpunkte umfassen, welche wiederum verschiedene KldB 2010-Codes aufweisen können (maßgeblich ist das Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe 2019). Im Datensatz werden die Angaben – sofern gegeben – je nach Datenquelle für die verschiedenen Fachrichtungen, Zuständigkeitsbereiche und KldB-Codes auf die Ebene der Ausbildungsberufe (Berufsbezeichnungen ohne bezeichnete Fachrichtung) aggregiert (im Detail dazu weiter unten und im Anhang A1). Für das Schulberufssystem sind Ausbildungsberufe die Ausbildungen in GES-Be- rufen, die in der Fachserie 11 Bildung und Kultur, Reihe 2 Berufliche Schulen von DESTATIS als Ausbildungsberufe aufgeführt werden. Vor dem Hintergrund des mit der Aufbereitung der Daten verbundenen hohen Aufwands konzentriert sich die empirische Untersuchung auf eine Auswahl von 226 stark besetzten Ausbildungsberufen. Diese Ausbildungsberufe decken insofern einen Großteil des Geschehens in der beruflichen Erstausbildung ab, als die meisten Auszubildenden in Deutschland sich auf vergleichsweise wenige Ausbildungsberufe konzentrieren. Dies gilt sowohl für die duale (vgl. 12 Der Code der 5-Steller der KldB 2010 ist als Indikator zum Zusammenspielen der Daten ungeeignet, da zum einen einige Ausbildungsberufe (für die verschiedenen Fachrichtungen) mehr als einen KldB-2010-5-Steller-Code aufweisen (z. B. Gärtner/-in) und zum anderen verschiedene Ausbildungsberufe den gleichen Code haben (z.B. Fahrradmonteur/-in, Kraftfahrzeugmechatroniker/-in und Zweiradmechatroniker/-in). Zudem gibt es Ausbildungsberufe, auf welche beide Fälle zutreffen (z.B. Kraftfahrzeugmechatroniker/-in).
22 WDP 243 5 Datenbasis und Variablen BIBB 2021, S. 127ff.) als auch die schulische Berufsausbildung (siehe etwa BIBB 2021, Kapitel A6.1.3). Die am stärksten besetzten Ausbildungsberufe bleiben über die Zeit relativ stabil (vgl. Protsch 2014; BIBB 2020). Von den 324 Ausbildungsberufen im dualen System (Stand 2019) werden die 202 Ausbildungsberufe ausgewählt, in denen 2019 mehr als 100 Auszubildende eine berufliche Ausbildung begonnen haben.13 Diese 202 dualen Berufe decken gemessen an den Neuanfängerinnen und Neuanfängern 486.596 Auszubildende (rund 96%) der insgesamt 505.449 Auszubildenden (DAZUBI) auf Basis der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder ab. Die Datengrundlagen für Berufe, die an berufsbildenden Schulen ausgebildet werden, sind wesentlich heterogener als bei den dualen Berufen, und es existiert keine vollständige Statistik auf Bundesebene (vgl. Zöller 2018, S. 18). Bei den Schulberufen wird daher eine Beschränkung auf die statistisch besser erfassbaren GES-Berufe vorgenommen.14 Die GES-Berufe machen mit rund 80 Prozent die meisten Schüler/-innen der Ausbildung an berufsbildenden Schulen aus (vgl. BIBB 2020, S. 176f.). Von allen GES-Berufen werden wiederum die 24 (davon zehn landes- und 14 bundesrechtlich geregelte) Ausbildungsberufe ausgewählt, die im Schuljahr 2019/2020 mehr als 1.000 Schülerinnen und Schüler umfassten.15 Diese 24 Berufe machen 170.433 (rund 81%) der 209.532 Schulanfänger/-innen in den GES-Berufen (Stand 2019) aus. Auch wenn also „nur“ 24 Schulberufe betrachtet werden, decken sie dennoch einen großen Teil des schulischen Ausbildungsgeschehens ab. Eine Liste aller dualen und schulischen Berufe befindet sich in Tabelle A1 im Anhang A2. Anhang A3 enthält eine Beschreibung der Berufe hinsichtlich zentraler (berufs-)struktureller Merkmale sowie z.T. einen Abgleich der Verteilungen gegenüber allen (dualen) Ausbildungsberufen. Unter ihnen sind vor allem Monoberufe, aber auch Berufe mit Fachrichtung und Schwerpunkt, zudem sind alle Zuständigkeitsbereiche vertreten. Es sind gemessen an ihrer Auszubildendenzahl „kleine“ und „große“ Berufe und frauen- bzw. männerdominierte Berufe darunter. Auch im Hinblick auf berufsfachliche, horizontale Unterschiede decken die ausgewählten Berufe alle Berufshauptfelder, also Produktions-, primäre und sekundäre Dienstleistungsberufe ab. 5.3 Variablen Die zentrale Variable im generierten Datensatz ist das kognitive Anforderungsniveau. Die Werte für die 226 Ausbildungsberufe im Datensatz entstammen der Datenbasis des BPS der BA (vgl. Kapitel 4). Wie oben beschrieben dienten dem BPS das mittlere intellektuelle Leistungsvermögen von Personen, die den Beruf erlernt haben, als zentrale Datengrundlage für den Indikator. Bei 151 der 226 Berufe entspricht die Einstufung auf der Skala dem anhand dieser Datengrundlage ermittelten Wert. In Berufe-Fällen, in denen diese Datengrundlage nicht 13 Als Datengrundlage diente das Datensystem Auszubildende des BIBB (DAZUBI) auf Basis der Berufsbildungsstatistik der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Zu beachten ist, dass die begonnenen Verträge im Berichtsjahr z.T. höhere Werte aufweisen als die Neuabschlüsse, da letztere nur Verträge zählen, die bis zum 31. Dezember nicht gelöst wurden (Definition der Neuabschlüsse ab Berichtsjahr 2007). 14 Die GES-Berufe werden zum überwiegenden Teil an den SchulendesGesundheitswesens ausgebildet. Die Ausbildungen an Berufsfachschulen (vor allem landesrechtliche Ausbildungen zu staatlich geprüften Assistenten und Assistentinnen) sind somit im Datensatz nicht so stark vertreten. 15 Als Datengrundlage diente die Fachserie 11 Bildung und Kultur, Reihe 2 Berufliche Schulen – Schuljahr 2019/2020 von DESTATIS.
5.3 Variablen WDP 243 23 ausreichend war, wurden zudem die schulischen Vorbildungsanteile im Beruf (duale Berufe) und/oder Experteneinschätzungen16 herangezogen (siehe auch Kapitel 4). Dies trifft für die Auswahl von hier berücksichtigten Berufen auf 75 Berufe zu, wobei nur in 52 Fällen die schulischen Vorbildungsanteile die Einstufung des Anforderungsniveaus bestimmen. Wie bereits beschrieben, wurde die Auswahl der 226 vollqualifizierenden dualen (202) und schulischen (24) Ausbildungsberufe extrahiert. Für duale Ausbildungsberufe mit Fachrichtungen wurde jeweils geprüft, ob sich das Anforderungsniveau der Fachrichtungen unterscheidet, was lediglich bei drei der 37 Berufe der Fall war. In diesen Fällen wurde das Anforderungsniveau derjenigen Fachrichtung(en) übernommen, die laut DAZUBI auf Basis der Berufsbildungsstatistik der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder 2019 mehr neue Vertragsabschlüsse aufwiesen. Die Variable „Anforderungsniveau“ hat im Datensatz der 226 Ausbildungsberufe einen Mittelwert von 4,9 (Minimum 3, Maximum 7, siehe Tabelle 1). Zu den weiteren Merkmalen im Datensatz gehören zunächst die Merkmale „Jahr der Ordnung“, „Struktur“ (Monoberufe, Berufe mit Fachrichtung, Berufe mit Schwerpunkt) und „Zuständigkeitsbereich der Ausbildungsberufe“ (nur 202 duale Berufe; Datenquelle: Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe), „Anzahl Neuabschlüsse“ (gesamt, nach Geschlecht; Datenquelle: DAZUBI, auf Basis der Berufsbildungsstatistik der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder 2019) bzw. „Schüler/-innen im 1. Schuljahrgang“ (Datenquelle: Fachserie 11 Bildung und Kultur, Reihe 2 Berufliche Schulen von DESTATIS, Tabelle 2.9, Schuljahr 2019/2020). Die Merkmale „Berufsoberfeld“ und „Berufshauptfeld“ (vgl. Tiemann 2018) wurden anhand der Berufskennziffer (KldB 2010) zugespielt (siehe für die Beschreibung der Ausbildungsberufe nach diesen Merkmalen den Anhang A3). Um die Konstruktvalidität der Anforderungsniveauvariable zu überprüfen, wurden darüber hinaus die Ausbildungsdauern und die Verteilung der schulischen Vorbildung bzw. die schulischen Voraussetzungen im Beruf in den Datensatz aufgenommen (vgl. Kapitel 2). Es ist anzunehmen, dass diese Variablen in gewissem Umfang auch die kognitive Komplexität der Ausbildungsberufe widerspiegeln (vgl. Kapitel 2). Die Ausbildungsdauern wurden aus dem Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe (duale Berufe) bzw. BERUFENET entnommen. Aus dem DAZUBI auf Basis der Berufsbildungsstatistik der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder wurden für die Berufe nach BBiG/HwO die Neuabschlüsse getrennt nach schulischer Vorbildung der Auszubildenden im Beruf zugespielt (Jahr 2019). Für die Schulberufe wurden die schulischen Voraussetzungen auf Basis der Informationen aus dem BERUFENET aufgenommen.17 16 Im Fall des Erziehers/der Erzieherin wurde, abweichend von der Einstufung anhand der Nachbefragungsdaten (BA-Daten) aufgrund der hohen Eingangsvoraussetzungen (Hochschul-/Fachhochschulreife oder Realschulabschluss plus abgeschlossene Berufsausbildung in einem verwandten Bereich), ein Skalenwert hochgestuft. 17 Diese Mindestvoraussetzungen sind nicht bundeseinheitlich, sondern können sich zwischen den Bundesländern unterscheiden.
24 WDP 243 5 Datenbasis und Variablen Tabelle1: Deskriptive Statistiken zum Anforderungsniveau und den Konstrukt- und Kriteriumsvariablen Anzahl* Anteil/ Mittelwert Min. Max. Kognitives Anforderungsniveau (dual und schulisch) 226 4,9 3 7 Ausbildungsdauer (dual und schulisch, in Jahren) 226 ≤2 21 9% - - 2,5 – 3 164 73% - - 3,5 18 41 18% - - Neuabschlüsse 2019 nach schulischer Vorbildung der Auszubildenden (dual) 19 Ohne Hauptschulabschluss 202 3% 0 21 Mit Hauptschulabschluss 202 23% 0 64 Mit Realschulabschluss 202 40% 3 65 Mit Hochschul-/Fachhochschulreife 202 31% 2 96 Voraussetzungen allgemeinbildender Schulabschluss (schulisch) 24 Kein oder Hauptschulabschluss 7 29% - - Realschulabschluss oder Hauptschulabschluss inklusive Abgeschlossene Ausbildung 13 54% - - Realschulabschluss oder Hochschul-/Fachhochschulreife 4 17% - - Tarifliche Ausbildungsvergütung, Mittel alle Jahre (dual) 203 956 20 599 1.235 Tarifliche Ausbildungsvergütung, 1. Ausbildungsjahr 21 (dual) 203 861 453 1.056 Zu erwartendes Entgelt (dual und schulisch) 225 3.082 1.666 4.990 Berufsprestige, nur gleiche Berufsbezeichnung (dual und schulisch) 88 5,69 4,21 7,76 Berufsprestige, inklusive ähnliche/verwandte Berufsbezeichnung (dual und schulisch) 137 5,59 3,41 7,76 Anm.: * Die Anzahl der Berufe-Fälle unterscheidet sich zwischen den Merkmalen, da nicht alle Merkmale für die 202 dualen und 24 schulischen Ausbildungsberufe vorliegen. Quellen: DAZUBI auf Basis der Berufsbildungsstatistik der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder; BERUFENET; Berufsprestige; Datenbank Tarifliche Ausbildungsvergütungen; Datenlieferung BPS; Entgeltstatistik der BA; Fachserie 11 Bildung und Kultur, Reihe 2 Berufliche Schulen von DESTATIS; Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe 18 Diese Gruppe enthält mit dem Erzieher/der Erzieherin einen Beruf mit vierjähriger Ausbildungsdauer. 19 Nicht ausgewiesen ist der Anteil der im Ausland erworbenen Abschlüsse, die nicht zugeordnet werden konnten (ca. 2%). 20 Im Durchschnitt über alle Ausbildungsberufe (gemittelt über alle Ausbildungsjahre) lag die tarifliche Ausbildungsvergütung im Jahr 2020 bei 963EUR pro Monat (vgl. Schönfeld/Wenzelmann 2021, S. 6). 21 Da die Ausbildungsvergütung über die Ausbildungsjahre steigen muss, fallen die Durchschnittswerte für 3,5-jährige Berufsausbildungen tendenziell höher aus. Die Vergütungen im ersten Ausbildungsjahr sind somit weniger abhängig von der Länge der Ausbildungen.
5.3 Variablen WDP 243 25 Darüber hinaus wird mit der Ausbildungsvergütung (nur duale Berufe), den Berufsentgelten und dem Berufsprestige eine erste Untersuchung der Kriteriumsvalidität der Anforderungsniveauvariablen durchgeführt (zu den Begründungen siehe Kapitel 6.3). Die Ausbildungsvergütung für die Berufe ist der BIBB-Datenbank „Tarifliche Ausbildungsvergütung“ (Stand 2020) und dem BERUFENET entnommen. Die Entgelte entstammen der Entgeltstatistik der BA. Das Berufsprestige wird der BIBB-Erhebung zum Ansehen von Berufen in Deutschland entnommen (vgl. Ebner/Rohrbach-Schmidt 2021). Für 88 bzw. 137 der 226 Ausbildungsberufe liegen Berufsprestigewerte aus dieser Erhebung vor (vgl. Tabelle 1).22 22 Relativ geringe Berufsprestigewerte unter den hier betrachteten Berufen haben Berufskraftfahrer/-in oder Straßenbauer/-in (mit Werten um 4); sehr hoch werden im Durchschnitt (mit Werten über 7) die Berufe Fachinformatiker/-in, Notfallsanitäter/-in („Rettungssanitäter/-in“) oder Hebamme/Entbindungshelfer bewertet.
32 WDP 243 6 Empirische Auswertungen zum Anforderungsniveau von 226 Ausbildungsberufen Abbildung 4: Anforderungsniveau nach schulischen Zugangsvoraussetzungen (nur Schulberufe) Quelle: Datenlieferung BPS; BERUFENET Insgesamt kann anhand der hier betrachteten Zusammenhänge die Konstruktvalidität als zufriedenstellend beurteilt werden. 6.3 Kriteriumsvalidierung Im Folgenden wird mit der Kriteriumsvalidität überprüft, inwieweit das Anforderungsniveau mit anderen Außenkriterien empirisch in Zusammenhang steht. Zunächst ist anzunehmen, dass ein Zusammenhang zwischen dem Anforderungsniveau und der Höhe der Ausbildungsvergütung in dualen Ausbildungsberufen besteht. Die Ausbildungsvergütungen müssen von Betrieben gezahlt werden und angemessen sein (vgl. §17 BBiG). Für tarifgebundene Betriebe gelten tarifliche Vergütungssätze, die von nicht tarifgebundenen Betrieben um maximal 20 Prozent unterschritten28 werden dürfen (vgl. Schönfeld/Wenzelmann 2021). Die tarifliche Ausbildungsvergütung wird nicht für den einzelnen Beruf, sondern für Branchen in bestimmten Regionen oder einzelne Unternehmen festgelegt (ebd.). Dennoch sollten duale Ausbildungsberufe mit höherem Anforderungsniveau höhere Ausbildungsvergütungen aufweisen. Betriebe wollen für Ausbildungsberufe mit einem hohen Anforderungsniveau (aber auch hohen körperlichen Anforderungen) besonders fähige Auszubildende rekrutieren. Um für diese attraktiv zu sein, können sie in Tarifverhandlungen möglichst hohe Ausbildungs- und der (niedrigeren) Einstufung des Anforderungsniveaus ist näher erklärungsbedürftig. Allerdings scheint die Einordnung des Anforderungsniveaus plausibler als die der schulischen Voraussetzungen, da eher einfache Tätigkeiten vermittelt werden. 28 Allerdings darf die 2020 eingeführte Mindestausbildungsvergütung nicht unterschritten werden. MW= 3,86 MW= 5,31 MW= 5,25 Kein oder Hauptschulabschluss Real- oder Hauptschulabschluss inkl. Ausb. Realschulabschluss oder (Fach)hochschulreife Schulische Zugangsvoraussetzungen 3 4 5 6 Anforderungsniveau
6.3 Kriteriumsvalidierung WDP 243 33 vergütungen durchsetzen,29 was umso leichter ist, je höher die Entlohnung der Anforderungen im Erwerbsberuf ist (Ausbildungsvergütung und Löhne werden in den Tarifverhandlungen zusammen verhandelt). Es ist kein starker Zusammenhang zu erwarten, da kognitive und körperliche Anforderungen mit höheren tariflichen Vergütungen einhergehen und die tarifliche Vergütung in einigen Berufen sehr stark variiert. Tabelle 4 weist die empirischen Zusammenhänge zwischen dem Anforderungsniveau der Berufe und den Ausbildungsvergütungen (Mittelwert über alle Ausbildungsjahre) und den Vergütungen im ersten Ausbildungsjahr aus. Es zeigt sich für die 197 Ausbildungsberufe jeweils ein statistisch hochsignifikanter Zusammenhang. Mit Korrelationskoeffizienten von 0,28 und 0,23 sind die Zusammenhänge aber nicht besonders stark. Eine weitere Kriteriumsvariable stellt das zu erwartende Einkommen dar. Absolventinnen und Absolventen von Ausbildungsberufen mit einem höheren Anforderungsniveau sollten höhere Entgelterwartungen haben. In Berufen mit höherem Anforderungsniveau sollte das erworbene Humankapital höher sein, sodass die Produktivität der Fachkräfte höher ist oder zumindest von den Arbeitgebern und Arbeitgeberinnen als höher eingeschätzt wird (vgl. Becker 1964; Spence 1973); entsprechend sollten die Entgelte durchschnittlich umso höher sein, je höher das Anforderungsniveau der Berufe ist.30 Der empirische Zusammenhang zwischen zu erwartendem Entgelt und Anforderungsniveau ist im Datensatz mit 0,45 (vgl. Tabelle 4) mittelstark und statistisch signifikant. Abschließend wird als weitere Kriteriumsvariable das Berufsprestige herangezogen. Ausbildungsberufe mit einem höheren Anforderungsniveau sollten ein höheres Berufsprestige aufweisen, da die Bildungsanforderungen und die Komplexität der beruflichen Tätigkeiten wichtige Determinanten des Berufsprestiges sind (vgl. Ebner/Rohrbach-Schmidt 2021; Zhou 2005; Abrassart/Wolter 2020). Zwischen dem Anforderungsniveau der Berufe und ihrem Berufsprestige bestehen erwartungsgemäß mittelstarke, statistisch signifikante empirische Zusammenhänge für die betrachteten Ausbildungsberufe im Datensatz. Die Korrelationskoeffizienten betragen 0,50 bzw. 0,41 (vgl. Tabelle 4). 29 Beicht und Walden (2012, S. 346) zeigen, „dass die tarifrelevanten Betriebsmerkmale und damit also die tarifvertraglichen Vereinbarungen für die Höhe von Ausbildungsvergütungen eine herausragende Rolle spielen“. 30 Die Löhne auf berufsfachlichen Arbeitsmärkten sind auch von der fachbezogenen Angebots- und Nachfragesituation und weiteren berufsspezifischen Faktoren abhängig, die mit dem Anforderungsniveau der Berufe zusammenhängen könnten. Viele Ausbildungsberufe unterschieden sich etwa in der Geschlechterzusammensetzung und im Risiko einer unterwertigen Beschäftigung, sodass hierüber auch Lohnunterschiede zwischen Berufen vermittelt sind. Diese und weitere Gründe für Lohnunterschiede zwischen Berufen mit unterschiedlichem Anforderungsniveau müssen in weiteren Analysen vertiefend untersucht werden.
34 WDP 243 6 Empirische Auswertungen zum Anforderungsniveau von 226 Ausbildungsberufen Tabelle 4: Bivariate Korrelationen zwischen Anforderungsniveau und Ausbildungsvergütung, zu erwartendem Entgelt und Berufsprestige des Ausbildungsberufs Vergütung Vergütung 1. AJ Entgelt Berufsprestige 1 Berufsprestige 2 Anforderungsniveau der Ausbildungsberufe 0,23*** 0,28*** 0,45*** 0,50*** 0,41*** N197 197 225 88 137 Anm.: Vergütung: Ausbildungsvergütung der Berufe, Mittelwert alle Ausbildungsjahre; Vergütung 1. Ausbildungsjahr: Ausbildungsvergütung der Berufe im 1. Ausbildungsjahr; Entgelt: zu erwartendes Entgelt in den Berufen; Berufsprestige 1: Berufsprestige, nur gleiche Berufsbezeichnung; Berufsprestige 2: Berufsprestige, inklusive ähnliche/verwandte Berufsbezeichnung. *** p<=0,00. Quellen: Datenlieferung BPS; Datenbank Tarifliche Ausbildungsvergütungen; BERUFENET; Entgeltstatistik der BA; BIBB-Erhebung zum Berufsprestige von Berufen in Deutschland Insgesamt kann anhand der hier betrachteten Zusammenhänge auch die Kriteriumsvalidität als zufriedenstellend beurteilt werden.
7 Zusammenfassung und Diskussion WDP 243 35 7 Zusammenfassung und Diskussion Der Beitrag untersucht einen bislang in der quantitativ-empirischen (Berufs-)Bildungs- und Arbeitsmarktforschung nicht genutzten Indikator für das kognitive Anforderungsniveau von Ausbildungsberufen des BPS der BA. Dieser Indikator operationalisiert das Anforderungsniveau vor allem über das im jeweiligen Ausbildungsberuf mittlere allgemeine intellektuelle Leistungsvermögen von Personen, die diesen Beruf erfolgreich erlernt haben. Zusätzlich werden die berufsbedingten Vorbildungsanteile und Einschätzungen von Expertinnen und Experten herangezogen, um das Anforderungsniveau der Ausbildungsberufe empirisch zu bestimmen. Wie im Beitrag ausgeführt, kann die Operationalisierung durchaus kritisch diskutiert werden. Die Operationalisierung des BPS basiert aber auf einer breiten und komplexen empirischen Grundlage und stellt einen Indikator für duale und schulische Ausbildungsberufe bereit. Damit hebt sich der Indikator positiv von bisherigen Operationalisierungen des Anforderungsniveaus ab. Um den Indikator zu beschreiben und seine Konstrukt- und Kriteriumsvalidität zu untersuchen, wurde das Anforderungsmaß für den vorliegenden Beitrag in einen Datensatz auf Ausbildungsberufsebene mit 226 Ausbildungsberufen integriert. Die dabei berücksichtigten dualen und schulischen Berufe stellen die am stärksten besetzten Ausbildungsberufe zum aktuellen Zeitpunkt dar und decken das breite Spektrum der Ausbildungsberufe in Deutschland hinsichtlich struktureller Merkmale ab. Sie umfassen sowohl die Berufsbildung nach BBiG/ HwO (202 Berufe) als auch Ausbildungsberufe, die an berufsbildenden Schulen ausgebildet werden (24 GES-Berufe). Die Auswertungen belegen die Heterogenität im kognitiven Anforderungsniveau von Ausbildungsberufen. Die Berufe streuen über die fünf Niveaustufen im Anforderungsniveau. Die meisten Ausbildungsberufe liegen auf den Niveaustufen 4, 5, und 6, wenige Berufe weisen niedrigere (3) und höhere (7) Niveaus auf. Zwischen dualen und schulischen Ausbildungsberufen zeigen sich Unterschiede in der Verteilung des Anforderungsniveaus, ebenso wie zwischen den Produktions- und Dienstleistungsberufen. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass Berufe mit höherem Anforderungsniveau tendenziell längere Ausbildungsdauern gemäß den Ausbildungsordnungen aufweisen als Berufe mit niedrigerem Anforderungsniveau. Ebenso weisen sie größere Anteile von Auszubildenden mit höherer schulischer Vorbildung (duale Berufe) bzw. höheren Zugangsvoraussetzungen auf (Berufe, die an beruflichen Schulen ausgebildet werden). Ein höheres Anforderungsniveau des Ausbildungsberufs geht weiterhin empirisch mit höheren Ausbildungsvergütungen und späteren Lohnperspektiven einher. Ebenso ist das Prestige des Ausbildungsberufs tendenziell umso höher, je höher das Anforderungsniveau des Berufs ist. Die empirisch ermittelte Konstrukt- und Kriteriumsvalidität wird damit als zufriedenstellend beurteilt. Der BPS-Indikator stellt eine Form der Operationalisierung dar, andere Operationalisierungen können hinsichtlich der Einstufung der Ausbildungsberufe und ihrer Korrelate mit anderen Variablen ggf. auch zu anderen Ergebnissen kommen. Alternative Operationalisierungen könnten durch inhaltsanalytische Auswertungen von Ausbildungsordnungen oder durch Einstufungen von Berufsexpertinnen und -experten gewonnen werden. Derartige Alternativen liegen bislang aber für die Vielzahl der Ausbildungsberufe in Deutschland nicht vor. Die in diesem Beitrag vorgenommenen Validierungen des Indikators stellen einen ersten Schritt dar, um die Eignung des Indikators für die sozialwissenschaftliche Forschung zu beurteilen. Weitere inhaltlich motivierte Analysen mit dem Indikator sind notwendig, um sein Potenzial für die quantitativ-empirische (Berufs-)Bildungs- und Arbeitsmarktforschung zu ermitteln. Schließlich stellen die kognitiven Anforderungen der Berufe nur einen Ausschnitt von überfachlichen
36 WDP 243 7 Zusammenfassung und Diskussion Anforderungen der Berufe dar. Weitere wie etwa soziale Anforderungen werden hier nicht betrachtet. Die Untersuchung des kognitiven Anforderungsniveaus von Ausbildungsberufen stellt eine wichtige Forschungslücke dar. Die Betrachtung der Heterogenität von Ausbildungsberufen nicht nur in Hinblick auf horizontale, berufsfachliche Unterschiede, sondern auch hinsichtlich vertikaler Unterschiede im Komplexitätsgrad von Ausbildungsberufen ist für verschiedene forschungs-, praxis- und politikbezogene Fragestellungen bedeutsam. So könnte etwa Fragen nach beruflichen Aspirationen (vgl. Beicht/Walden 2015; Matthes 2019), sozialen Unterschieden in den Einmündungschancen (vgl. Buchholz u.a. 2012; Eberhard 2016) oder dem Ausbildungserfolg und Kompetenzerwerb in Berufen mit unterschiedlichem Anforderungsniveau nachgegangen werden. Auch sind Übergänge in den Arbeitsmarkt (vgl. Buchs/Müller/Buchmann 2015; Konietzka 1999), Berufserfolg (vgl. Grønning/Kriesi/Sacchi 2020; Friedrich/Hirtz 2021) und spätere Karrierechancen (vgl. Sander/Kriesi 2021; Hall 2020) in Abhängigkeit des Anforderungsniveaus für Deutschland bislang nicht untersucht. Für die Schweiz zeigt sich, dass spätere Höherqualifizierungs- und Einkommensperspektiven auch vom Niveau der erlernten Fähigkeiten im Ausbildungsberuf abhängen (vgl. Meyer/Sacchi 2020). Das Erlernen eines Ausbildungsberufs mit höherem Anforderungsniveau kann eine zweite Chance für den Kompetenzerwerb von Jugendlichen darstellen, die das Schulsystem mit eher geringen schulischen Leistungen verlassen haben. Forschungsergebnisse dazu, welche Faktoren dies insbesondere für benachteiligte Jugendliche mit hohem Potenzial begünstigen, können wichtige Hinweise zu geeigneten Unterstützungsmöglichkeiten für Politik und Praxis liefern.
Danksagung WDP 243 37 Danksagung Für die Unterstützung bei der Aufbereitung und Auswertung der Daten des DAZUBI auf Basis der Berufsbildungsstatistik der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder möchten wir Alexandra Uhly danken. Darüber hinaus danken wir Gudrun Schönfeld für die Bereitstellung der Daten der Datenbank Tarifliche Ausbildungsvergütungen. Wertvolle Hinweise zu einer früheren Version des Manuskripts haben Anja Hall, Paula Protsch, Alexandra Uhly, Maria Zöller sowie Erik Sengewald gegeben.
38 WDP 243 Literaturverzeichnis Literaturverzeichnis Abrassart, Aurélien; Wolter, Stefan C.: Investigating the image deficit of vocational education and training: Occupational prestige ranking depending on the educational requirements and the skill content of occupations. In: Journal of European Social Policy 30 (2020) 2, S. 225–240 Anderson, Lorin; Krathwohl, David R.: A Taxonomy for Learning, Teaching, and Assessing. A Revision of Bloom’s Taxonomy of Educational Objectives. New York 2001 Autorengruppe Bildungsberichterstattung (Hrsg.): Bildung in Deutschland 2020. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Bildung in einer digitalisierten Welt. Bielefeld 2020 Autorengruppe Bildungsberichterstattung (Hrsg.): Bildung in Deutschland 2018. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Wirkungen und Erträgen von Bildung. Bielefeld 2018 Autorengruppe Bildungsberichterstattung (Hrsg.): Bildung in Deutschland 2016. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Bildung und Migration. Bielefeld 2016 Autorengruppe Bildungsberichterstattung (Hrsg.): Bildung in Deutschland 2014. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zur Bildung von Menschen mit Behinderungen. Bielefeld 2014 Baethge, Martin: Neue soziale Segmentationsmuster in der beruflichen Bildung. In: Krüger, Heinz-Hermann; Rabe-Kleberg, Ursula; Kramer, Rolf-Torsten; Budde, Jürgen (Hrsg.): Bildungsungleichheit revisited. Bildung und soziale Ungleichheit vom Kindergarten bis zur Hochschule. Wiesbaden 2010, S. 275–298 Beck, Ulrich; Brater, Michael; Daheim, Hansjürgen: Soziologie der Arbeit und der Berufe: Grundlagen, Problemfelder, Forschungsergebnisse. Reinbek bei Hamburg 1980 Becker, Gary S.: Human Capital: A Theoretical and Empirical Analysis with Special Reference to Education. New York 1964 Beicht, Ursula; Walden, Günter: Unterschiedliche Berufsinteressen als Einflussfaktor für die Einmündungschancen in betriebliche Ausbildung? Ein Vergleich zwischen männlichen und weiblichen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund. In: Journal for Labour Market Research 48 (2015) 4, S. 325–346 Beicht, Ursula; Walden, Günter: Ausbildungsvergütungen in Deutschland als Ausbildungsbeihilfe oder Arbeitsentgelt. In: WSI-Mitteilungen (2012) 5, S. 338–349 Bloom, Benjamin S.; Engelhart, Max D.; Furst, Edward J.; Hill, Walker H.; Krathwohl, David R.: Taxonomy of Educational Objectives. The Classification of Educational Goals. Handbook 1 Cognitive Domain. London 1956 Bohlinger, Sandra: Internationale Standardklassifikation im Bildungswesen. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis 41 (2012) 4, S. 16–19. URL: https://www.bwp-zeitschrift. de/dienst/veroeffentlichungen/de/bwp.php/de/bwp/show/6915 (Stand: 10.08.2022) Buchholz, Sandra; Imdorf, Christian; Hupka-Brunner, Sandra; Blossfeld, Hans-Peter: Sind leistungsschwache Jugendliche tatsächlich nicht ausbildungsfähig? Eine Längsschnittanalyse zur beruflichen Qualifizierung von Jugendlichen mit geringen kognitiven Kompeten-
Literaturverzeichnis WDP 243 39 zen im Nachbarland Schweiz. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 64 (2012) 4, S. 701–727 Buchs, Helen; Müller, Barbara; Buchmann, Marlis: Qualifikationsnachfrage und Arbeitsmarkteintritt in der Schweiz. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 67 (2015) 4, S. 709–736 Bundesagentur für Arbeit (Hrsg.): Klassifikation der Berufe 2010 – überarbeitete Fassung 2020. Band 1: Systematischer und alphabetischer Teil mit Erläuterungen. Nürnberg 2021 Bundesagentur für Arbeit (Hrsg.): Beschäftigungsstatistik: Sozialversicherungspflichtige Bruttoarbeitsentgelte. Bericht der Statistik der BA. Nürnberg 2010 Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) (Hrsg.): Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2021. Informationen und Analysen zur Entwicklung der beruflichen Bildung. Bonn 2021. URL: https://www.bibb.de/dokumente/pdf/bibb-datenreport-2021.pdf (Stand: 10.08.2022) Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) (Hrsg.): Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2020. Informationen und Analysen zur Entwicklung der beruflichen Bildung. Bonn 2020. URL: https://www.bibb.de/dokumente/pdf/bibb_datenreport_2020.pdf (Stand: 10.08.2022) Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) (Hrsg.): Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe 2019. Bonn 2019. URL: https://www.bibb.de/dienst/veroeffentlichungen/ de/publication/show/10575 (Stand: 07.09.2022) Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) (Hrsg.): Ausbildungsordnungen und wie sie entstehen. 8.Aufl. Bonn 2017. URL: https://www.bibb.de/dienst/veroeffentlichungen/de/ publication/show/8269 (Stand: 10.08.2022) Conein, Stephanie; Hackel, Monika; Bretschneider, Markus: Kontinuität und Wandlungsfähigkeit dualer Berufsbilder – der Beitrag der Ordnungsarbeit. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis 50 (2021) 1, S. 53–57. URL: https://www.bwp-zeitschrift.de/dienst/ veroeffentlichungen/de/bwp.php/de/bwp/show/17004 (Stand: 10.08.2022) Eberhard, Verena: Der Übergang im Überblick – Von den Herausforderungen eines marktgesteuerten Ausbildungszugangs. In: Sozialer Fortschritt 65 (2016) 9-10, S. 211–217 Ebner, Christian; Rohrbach-Schmidt, Daniela: Das gesellschaftliche Ansehen von Berufen – Konstruktion einer neuen beruflichen Ansehensskala und empirische Befunde für Deutschland. In: Zeitschrift für Soziologie 50 (2021) 6, S. 349–372 Frank, Irmgard: Umsetzung des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) – Konsequenzen für die Gestaltung von Aus- und Fortbildungsberufen und das Prüfungswesen. In: Severing, Eckart; Weiss, Reinhold (Hrsg.): Weiterentwicklung von Berufen – Herausforderungen für die Berufsbildungsforschung. Bielefeld 2014, S. 31–56. URL: https://www.bibb.de/ dienst/veroeffentlichungen/de/publication/show/7242 (Stand: 10.08.2022) Friedrich, Anett; Hirtz, Sandra: Same educational level, same wage returns? An analysis over time and across occupations in Germany. In: Journal of Education and Work 34 (2021) 5-6, S. 632–648 Friedrich, Anett; Horn, Sandra: Qualifikatorische Bildungsrenditen in verschiedenen Datenquellen. Bonn 2018. URL: https://www.bibb.de/dienst/veroeffentlichungen/de/publication/show/9568 (Stand: 10.08.2022)
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48 WDP 243 Anhang A2 Liste aller ausgewählten dualen und schulischen Berufe Tabelle A1: Auswahlberufe inklusive Klassifikation der Berufe (KldB) 2010 Berufsbezeichnung KldB 2010 – 5-Steller Ausbildungsberufe nach BBiG/HwO Anlagenmechaniker/-in 34212 Anlagenmechaniker/-in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik 34342 Augenoptiker/-in 82522 Ausbaufacharbeiter/-in 33302 Automatenfachmann/-fachfrau 61142 Automobilkaufmann/-kauffrau 62272 Bankkaufmann/-kauffrau 72112 Baugeräteführer/-in 52522 Baustoffprüfer/-in 41432 Bauten- und Objektbeschichter/-in 33212 Bauzeichner/-in 27212 Berufskraftfahrer/-in 52122 Bestattungsfachkraft 82402 Beton- und Stahlbetonbauer/-in 32112 Binnenschiffer/-in 52422 Biologielaborant/-in 41212 Bodenleger/-in 33102 Bootsbauer/-in 33322 Brauer/-in und Mälzer/-in 29112 Buchhändler/-in 62512 Bäcker/-in 29222 Chemielaborant/-in 41322 Chemikant/-in 41312 Dachdecker/-in 32142 Drogist/-in 62412 Eisenbahner/-in im Betriebsdienst 51522 Elektroanlagenmonteur/-in 26252 Elektroniker/-in für Automatisierungstechnik 26122 Elektroniker/-in für Betriebstechnik 26252 Elektroniker/-in für Gebäude- und Infrastruktursysteme 26212 Elektroniker/-in für Geräte und Systeme 26302 Elektroniker/-in für Informations- und Systemtechnik 26312 Elektroniker/-in für Maschinen und Antriebstechnik 26222 Fachangestellte/-r für Arbeitsmarktdienstleistungen 73212 Fachangestellte/-r für Bäderbetriebe 53142 Fachangestellte/-r für Medien- und Informationsdienste 73312 Fachinformatiker/-in 43412 Fachkraft Agrarservice 11102 Fachkraft für Abwassertechnik 34312
A2 Liste aller ausgewählten dualen und schulischen Berufe WDP 243 49 Berufsbezeichnung KldB 2010 – 5-Steller Fachkraft für Hafenlogistik 51332 Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft 34332 Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen 51322 Fachkraft für Lagerlogistik 51312 Fachkraft für Lebensmitteltechnik 29202 Fachkraft für Metalltechnik 24412 Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice 22342 Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice 34312 Fachkraft für Schutz und Sicherheit 53112 Fachkraft für Veranstaltungstechnik 94512 Fachkraft für Wasserversorgungstechnik 34312 Fachkraft im Fahrbetrieb 52132 Fachkraft im Gastgewerbe 63302 Fachlagerist/-in 51312 Fachmann/Fachfrau für Systemgastronomie 63312 Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk 62312 Fahrradmonteur/-in 25252 Fahrzeuglackierer/-in 22212 Feinoptiker/-in 21362 Feinwerkmechaniker/-in 24512 Fertigungsmechaniker/-in 25112 Fleischer/-in 29232 Fliesen-, Platten- und Mosaikleger/-in 33112 Florist/-in 12202 Fluggerätmechaniker/-in 25232 Forstwirt/-in 11712 Fotograf/-in 23322 Friseur/-in 82312 Gebäudereiniger/-in 54112 Geomatiker/-in 31222 Gerüstbauer/-in 32162 Gestalter/-in für visuelles Marketing 93222 Gießereimechaniker/-in 24132 Glaser/-in 33342 Gleisbauer/-in 32232 Goldschmied/-in 93522 Gärtner/-in 12122 Hauswirtschafter/-in 83212 Hochbaufacharbeiter/-in 32102 Holzbearbeitungsmechaniker/-in 22302 Holzmechaniker/-in 22342 Hotelfachmann/-fachfrau 63222 Hotelkaufmann/-kauffrau 63212 Hörakustiker/-in 82532
50 WDP 243 Anhang Berufsbezeichnung KldB 2010 – 5-Steller Immobilienkaufmann/-kauffrau 61312 Industrieelektriker/-in 26252 Industriekaufmann/-kauffrau 71302 Industriemechaniker/-in 25102 Informations- und Telekommunikationssystem-Elektroniker/-in 26312 Informations- und Telekommunikationssystem-Kaufmann/-Kauffrau 43232 Informationselektroniker/-in 26312 Justizfachangestellte/-r 73252 Kanalbauer/-in 32252 Karosserie-undFahrzeugbaumechaniker/-in 25212 Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement 71402 Kaufmann/Kauffrau für Dialogmarketing 92122 Kaufmann/Kauffrau für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen 51662 Kaufmann/Kauffrau für Marketingkommunikation 92112 Kaufmann/Kauffrau für Spedition und Logistikdienstleistung 51622 Kaufmann/Kauffrau für Tourismus und Freizeit 63112 Kaufmann/Kauffrau für Verkehrsservice 51412 Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzen 72132 Kaufmann/Kauffrau für audiovisuelle Medien 92302 Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce 61282 Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel 62102 Kaufmann/Kauffrau im Gesundheitswesen 73222 Kaufmann/Kauffrau im Groß- und Außenhandel 61212 Klempner/-in 34202 Koch/Köchin 29302 Konditor/-in 29222 Konstruktionsmechaniker/-in 24412 Kosmetiker/-in 82322 Kraftfahrzeugmechatroniker/-in 25252 Lacklaborant/-in 22222 Land- und Baumaschinenmechatroniker/-in 25222 Landwirt/-in 11102 Maler/-in und Lackierer/-in 33212 Maschinen- und Anlagenführer/-in 25122 Mathematisch-technische/-r Softwareentwickler/-in 43412 Maurer/-in 32122 Maßschneider/-in 28222 Mechaniker/-in für Reifen- und Vulkanisationstechnik 22112 Mechatroniker/-in 26112 Mechatroniker/-in für Kältetechnik 34232 Mediengestalter/-in Bild und Ton 94532 Mediengestalter/-in Digital und Print 61122 Medienkaufmann/-kauffrau Digital und Print 92302 Medientechnologe/-technologin Druck 23412
A2 Liste aller ausgewählten dualen und schulischen Berufe WDP 243 51 Berufsbezeichnung KldB 2010 – 5-Steller Medientechnologe/-technologin Druckverarbeitung 23422 Medientechnologe/-technologin Siebdruck 23412 Medizinische/-r Fachangestellte/-r 81102 Metallbauer/-in 24412 Mikrotechnologe/-technologin 26322 Milchtechnologe/-technologin 29252 Milchwirtschaftliche/-r Laborant/-in 41212 Notarfachangestellte/-r 73112 Oberflächenbeschichter/-in 24302 Orthopädieschuhmacher/-in 28332 Orthopädietechnik-Mechaniker/-in 82512 Packmitteltechnologe/-technologin 23122 Papiertechnologe/-technologin 23112 Parkettleger/-in 33132 Patentanwaltsfachangestellte/-r 73112 Personaldienstleistungskaufmann/-kauffrau 71522 Pferdewirt/-in 11322 Pharmakant/-in 41312 Pharmazeutisch-kaufmännische/-r Angestellte/-r 62412 Physiklaborant/-in 41412 Produktionsfachkraft Chemie 41312 Produktionsmechaniker/-in Textil 28102 Raumausstatter/-in 93232 Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte/-r 73112 Rechtsanwaltsfachangestellte/-r 73112 Restaurantfachmann/-fachfrau 63302 Rohrleitungsbauer/-in 34322 Rollladen- und Sonnenschutzmechatroniker/-in 33352 Sattler/-in 28322 Schifffahrtskaufmann/-kauffrau 51652 Schilder- und Lichtreklamehersteller/-in 93542 Schornsteinfeger/-in 42212 Servicefachkraft für Dialogmarketing 92122 Servicekraft für Schutz und Sicherheit 53112 Sozialversicherungsfachangestellte/-r 73212 Sport- und Fitnesskaufmann/-kauffrau 63122 Stanz- und Umformmechaniker/-in 24212 Steinmetz/-in und Steinbildhauer/-in 93312 Steuerfachangestellte/-r 72302 Straßenbauer/-in 32222 Straßenwärter/-in 51212 Stuckateur/-in 33222 Süßwarentechnologe/-technologin 29262 Technische/-r Modellbauer/-in 27232
52 WDP 243 Anhang Berufsbezeichnung KldB 2010 – 5-Steller Technische/-r Produktdesigner/-in 27212 Technische/-r Systemplaner/-in 27212 Textil- und Modenäher/-in 28222 Tiefbaufacharbeiter/-in 32202 Tiermedizinische/-r Fachangestellte/-r 81142 Tierpfleger/-in 11582 Tierwirt/-in 11222 Tischler/-in 22342 Tourismuskaufmann/-kauffrau 63112 Trockenbaumonteur/-in 33302 Veranstaltungskaufmann/-kauffrau 63402 Verfahrensmechaniker/-in Glastechnik 21312 Verfahrensmechaniker/-in für Beschichtungstechnik 24302 Verfahrensmechaniker/-in für Kunststoff- und Kautschuktechnik 22102 Verfahrensmechaniker/-in in der Steine- und Erdenindustrie 21222 Verfahrenstechnologe/-technologin Metall 24112 Verfahrenstechnologe/-technologin Mühlen- und Getreidewirtschaft 29212 Verkäufer/-in 62102 Vermessungstechniker/-in 31212 Verwaltungsfachangestellte/-r 73202 Wasserbauer/-in 32262 Werkfeuerwehrmann/Werkfeuerwehrfrau 53132 Werkstoffprüfer/-in 41422 Werkzeugmechaniker/-in 24522 Winzer/-in 11602 Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer/-in 33312 Zahnmedizinische/-r Fachangestellte/-r 81112 Zahntechniker/-in 82542 Zerspanungsmechaniker/-in 24232 Zimmerer/-in 33322 Zweiradmechatroniker/-in 25252 GES – Ausbildungsberufe, die an Berufsfachschulen unterrichtet werden Altenpflegehelfer/-in 82101 Altenpfleger/-in 82102 Assistent/-in – Gesundheits-und Sozialwesen 73222 Diätassistent/-in 81762 Ergotherapeut/-in 81723 Erzieher/-in 83112 Fachkraft – Pflegeassistenz 83142 Gesundheits-und Kinderkrankenpfleger/-in 81302 Gesundheits-und Krankenpflegehelfer/-in 81301 Gesundheits-undKrankenpfleger/-in 81302 Hauswirtschaftshelfer/-in bzw. -assistent/-in 83212
A3 Berufsstrukturelle Merkmale der 226 Ausbildungsberufe im Datensatz WDP 243 53 Berufsbezeichnung KldB 2010 – 5-Steller Hebamme/Entbindungspfleger 81353 Heilerziehungspflegehelfer/-in bzw. -assistent/-in 83131 Logopäde/Logopädin 81733 Masseur/-inundmedizinische/-rBademeister/-in 81712 Medizinisch-technische/-r Laboratoriumsassistent/-in 81212 Medizinisch-technische/-r Radiologieassistent/-in 81232 Notfallsanitäter/-in 81342 Operationstechnische/-rAssistent/-in 81332 Pharmazeutisch-technische/-rAssistent/-in 81822 Physiotherapeut/-in 81713 Podologe/Podologin 81122 Sozialassistent/-in 83142 Sozialpädagogische/-rAssistent/-in/Kinderpfleger/-in 83112 A3 Berufsstrukturelle Merkmale der 226 Ausbildungsberufe im Datensatz Der folgende Anhang enthält eine Deskription der 226 Ausbildungsberufe hinsichtlich berufsstruktureller Merkmale. Dabei werden, soweit vorhanden, auch deskriptive Statistiken für die Merkmale unter allen Ausbildungsberufen ausgewiesen. Tabelle A2 enthält Angaben zur Verteilung der Ausbildungsberufe nach Strukturmodell und Zuständigkeitsbereich. Tabelle A2: Strukturmodell und Zuständigkeitsbereich Duale Ausbildungsberufe im Datensatz (n=202) Ausbildungsberufe insgesamt (n=324; Stand 2019) Anzahl* Anteil* Anzahl** Anteil** Strukturmodell (nur duale Berufe) Monoberufe 143 70,8% 238 73,5% Berufe mit Fachrichtung 37 18,3% 58 17,9% Berufe mit Schwerpunkt 22 10,9% 28 8,6% Zuständigkeitsbereich (nur duale Berufe) 202 324 Freie Berufe 9 4,5% 9 2,8% Industrie und Handel 87 43,1% 145 44,8% Handwerk 26 12,9% 51 15,7% Landwirtschaft 9 4,5% 11 3,4% Öffentlicher Dienst 5 2,5% 5 1,5% Handwerk und Industrie/Handel 54 26,7% 88 27,2% Industrie/Handel und öffentlicher Dienst 9 4,5% 11 3,4% Landwirtschaft und Hauswirtschaft 1 0,5% 1 0,3% Industrie/Handel, Handwerk und öffentlicher Dienst 2 1,0% 2 0,6% Industrie/Handel, Landwirtschaft 0 0% 1 0,3% Quellen: *: Berufsbildungsstatistik; Fachserie 11 Bildung und Kultur, Reihe 2 Berufliche Schulen; Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe. **: BIBB 2020, Kapitel A3.
54 WDP 243 Anhang Beim Großteil der 202 dualen Ausbildungsberufe handelt es sich um Monoberufe (143), gefolgt von Berufen mit Fachrichtung (37) und schließlich Berufen mit Schwerpunkt (22). Damit entspricht die Verteilung in etwa der Verteilung unter allen 324 Ausbildungsberufen (Stand 2019). Die meisten dualen Ausbildungsberufe (87) sind dem Zuständigkeitsbereich Industrie und Handel zugeordnet, gefolgt von 54 Berufen, die sowohl Industrie und Handel als auch dem Handwerk zugeordnet werden. Weitere 26 Berufe gehören ausschließlich zum Handwerk, je neun zu den freien Berufen, der Landwirtschaft sowie zu Industrie und Handel zusammen mit dem öffentlichen Dienst. Darüber hinaus zählen fünf Berufe zum öffentlichen Dienst, zwei zu Industrie und Handel zusammen mit dem öffentlichen Dienst und Handwerk und ein Beruf zu Landwirtschaft und Hauswirtschaft. Die Verteilung weicht nicht stark (mit maximal 2,8 Prozentpunkten im Handwerk) von der Verteilung aller dualen Berufe ab. Tabelle A3 weist deskriptive Statistiken zum Jahr der (Neu-)Ordnung und zur Anzahl der Neuabschlüsse/Anfänger/-innen der Ausbildungsberufe aus. Tabelle A3: Jahr der (Neu-)Ordnung, Neuabschlüsse/Anfänger/-innen Anzahl Berufe Mittelwert Min. Max. Jahr der (Neu-)Ordnung (nur duale Berufe) 202 2007 1992 2019 Jahr der (Neu-)Ordnung insgesamt (nur duale Berufe) 324 2004 1937 2019 Neuabschlüsse (dual)/Anfänger/-innen (schulisch) (2019) 226 2.907 91 34.956 davon: schulisch 24 7.101 525 34.956 davon: dual 202 2.400 91 26.110 Duale Ausbildungsberufe insgesamt (Stand 2019) 324 1.560 0 26.110 Darunter: männlich (2019) 226 1.526 3 21.174 Darunter: weiblich (2019) 226 1.381 1 27.792 Quellen: Berufsbildungsstatistik; Fachserie 11 Bildung und Kultur, Reihe 2 Berufliche Schulen; Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe Die ausgewählten Berufe wurden zwischen 1992 und 2019 erlassen bzw. neu geordnet, unter allen 324 dualen Ausbildungsberufen befinden sich auch solche, die zwischen 1937 und 1992 erlassen bzw. neu geordnet wurden. Die Berufe unterscheiden sich deutlich hinsichtlich ihrer Größe. Die Anzahl der Neuabschlüsse bzw. Anfänger/-innen im Jahr 2019 unter den ausgewählten Berufen variiert von 91 (Süßwarentechnologe/-technologin) bis zu 34.956 (Erzieher/-in). Die durchschnittliche Anzahl je Beruf über alle Ausbildungsberufe im Datensatz hinweg beträgt 2.907. Die ausgewählten schulischen Berufe sind stärker besetzt als die ausgewählten dualen Berufe bzw. die dualen Berufe insgesamt (7.101 Anfänger/-innen gegenüber 2.400 bzw. 1.560 Neuabschlüssen 2019). Unter den dualen und schulischen Ausbildungsberufen sind sowohl männerals auch frauendominierte Berufe. Beispiele mit geringem Frauenanteil sind etwa Fachinformatiker/-in (8,1%), Industriemechaniker/-in (6,4%), Kraftfahrzeugmechatroniker/-in (4,2%) oder Anlagenmechaniker/-in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (1,5%). Berufe mit hohem Frauenanteil sind z.B. Rechtsanwaltsfachangestellte/-r (91,9 %), Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/-in (95,3 %) und Medizinische/-r Fachangestellte/-r (97,1%). Die hier ausgewählten Berufe unterscheiden sich hinsichtlich ihrer berufsfachlichen Anforderungen und umfassen gemäß der Einteilung in Berufsoberfelder bei Tiemann (2018) sowohl Produktionsals auch Dienstleistungsberufe (vgl. Tabelle A4). Mit 105 Berufen (46,5%) sind
A3 Berufsstrukturelle Merkmale der 226 Ausbildungsberufe im Datensatz WDP 243 55 Produktionsberufe am häufigsten vertreten. 63 Berufe (27,9%) sind sogenannte „primäre“ und 58 (25,7%) „sekundäre Dienstleistungsberufe“. Die Tätigkeitsschwerpunkte bei primären Dienstleistungsberufen sind Handels- und Bürotätigkeiten sowie allgemeine Dienste wie Bewirten, Lagern, Transportieren, Reinigen und Sichern. Bei sekundären Dienstleistungsberufen sind dies Messen, Prüfen, Forschen, Gestalten, Gesetze anwenden, Beraten sowie Pflegen und Behandeln (vgl. BIBB 2020, Kapitel A5.4). Die Produktionsberufe sind vollumfänglich duale Berufe, während mit Ausnahme von zwei Berufen alle schulischen Berufe sekundäre Dienstleistungsberufe sind. Gewichtet mit den Neuabschlüssen (2019) ergibt sich für die hier einbezogenen dualen Berufe eine Verteilung über die Produktions- und Dienstleistungsberufe, die in etwa der Verteilung über alle dualen Berufe entspricht (siehe Tabelle A4, rechte Spalte). Tabelle A4: Produktions- und Dienstleistungsberufe im Datensatz Alle Berufe Davon: Schulische Berufe Davon: Duale Berufe Duale Berufe gewichtet mit Neuabschlüssen (Jahr) Duale Berufe insgesamt: neu abgeschlossene Ausbildungsverträge 2019* Produktionsberufe 105 (46,5%) - 105 (52,0%) 35,0% 37,9% Primäre DL-Berufe 63 (27,9%) 2 (8,3%) 61 (30,2%) 48,7% 45,0% Sekundäre DL-Berufe 58 (25,7%) 22 (91,7%) 36 (17,8%) 16,4% 17,0% Gesamt 226 324 Quellen: Berufsbildungsstatistik; Fachserie 11 Bildung und Kultur, Reihe 2 Berufliche Schulen. *Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge 2019 (Quelle DAZUBI), BIBB 2021, Kapitel A5.4 Abbildung A1 zeigt die Heterogenität der berufsfachlichen Unterschiede der berücksichtigten 226 Ausbildungsberufe differenzierter anhand der Verteilung der Berufe nach Berufshauptfeldern (vgl. Tiemann 2018). Im linken Kreisdiagramm ist die Anzahl der Ausbildungsberufe in den Feldern angegeben. Die Größe der Kreissegmente gibt den relativen Anteil des jeweiligen Feldes an allen Ausbildungsberufen im Datensatz an. Die mit Abstand meisten Ausbildungsberufe (69), z.B. die Fachkraft für Metalltechnik oder der/die Augenoptiker/-in, gehören zum Berufshauptfeld Be- und verarbeitende und instand setzende Berufe. Mit jeweils 28 Berufen sind die zweitbedeutsamsten Berufshauptfelder die Gesundheits-, Sozial- und Körperpflegeberufe (darunter 22 Schulberufe (z.B. Altenpfleger/-in) und sechs duale Berufe (z.B. Friseur/-in)) und die Maschinen und Anlagen steuernden und wartenden Berufe (z.B. Industriemechaniker/-in) vertreten. Die übrigen acht Felder sind jeweils mit 20 oder weniger Berufen vertreten und machen weniger als die Hälfte aller Berufe aus: Warenhandel und Vertrieb (beispielsweise Verkäufer/-innen), Verkehrs-, Lager-, Transport, Sicherheits- und Wachberufe (z.B. Fachkraft für Lagerlogistik), Gastronomie- und Reinigungsberufe (z.B. Koch/Köchin), Technisch-naturwis- senschaftliche Berufe (z.B. Biologielaborant/-in), Büro- und Kaufmännische Dienstleistungsberufe (z.B. Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement), Künstlerische, Medien-, Geistes- und Sozialwissenschaftliche Berufe (z. B. Goldschmied/-in) und Rohstoffe gewinnende Berufe (z.B. Landwirt/-in) und Rechts-, Management- und wirtschaftswissenschaftliche Berufe (z.B. Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte/-r).
56 WDP 243 Anhang Abbildung A1: Berufe nach Berufshauptfeldern Quellen:Berufsbildungsstatistik; Fachserie 11 Bildung und Kultur, Reihe 2 Berufliche Schulen Im rechten Kreisdiagramm in Abbildung A1 ist die Anzahl der Neuabschlüsse bzw. Anfänger/ -innen nach Berufshauptfeldern abgebildet. Das mit Abstand größte Berufshauptfeld – gemessen an den Auszubildenden – umfasst die Gesundheits-, Sozial- und Körperpflegeberufe. Die be- und verarbeitenden und instand setzenden Berufe stellen den zweitgrößten Anteil der Auszubildenden, wenngleich hier die größte Anzahl an Ausbildungsberufen verortet ist (linkes Diagramm). Die Berufe im Warenhandel und Vertrieb sowie Büro- und kaufmännische Dienstleistungsberufe beinhalten zwar wenige Berufe (15 bzw. 13, siehe Abb. A1 linkes Diagramm), diese sind aber stark besetzt und stellen anteilsmäßig die dritt- und viertstärksten Felder dar. Die übrigen sieben Felder machen weniger als 25 Prozent der Auszubildenden aus. 69 28 28 20 15 15 15 13 11 84 Anzahl Berufe 208.215 117.989 93.077 78.502 40.778 40.363 28.041 27.078 11.753 6.533 4.700 Anzahl neu abgeschlossener Verträge Gesundheits-, Sozial- und Körperpflegeberufe Verkehrs-, Lager-, Transport-, Sicherheits-, Wachberufe Gastronomie- und Reinigungsberufe Büro-, Kaufmännische Dienstleistungsberufe Rohstoffe gewinnende Berufe Be-, verarbeitende und instand setzende Berufe Maschinen/Anlagen steuernde und wartende Berufe Berufe im Warenhandel, Vertrieb Technisch-naturwissenschaftliche Berufe Künstlerische, Medien-/Geistes-/Sozialwiss. Berufe Rechts-, Management- und Wirtschaftswiss. Berufe
Abstract WDP 243 57 Abstract Ausbildungsberufe unterscheiden sich sowohl auf berufsfachlicher Ebene als auch im Niveau der kognitiven Anforderungen. Während berufsfachliche Unterschiede mit der Klassifikation der Berufe 2010 empirisch gut untersuchbar sind, gilt dies weniger für Unterschiede im kognitiven Anforderungsniveau von Ausbildungsberufen. Die Publikation stellt einen Indikator des Berufspsychologischen Services der Bundesagentur für Arbeit für das kognitive Anforderungsniveau von Ausbildungsberufen vor und präsentiert dessen Verteilung über 226 duale und schulische Ausbildungsberufe sowie Analysen zur Konstrukt- und Kriteriumsvalidität des Indikators. Die Ergebnisse zeigen die Heterogenität im kognitiven Anforderungsniveau von Ausbildungsberufen und weisen auf eine zufriedenstellende Validität des Indikators hin.