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[ge] (orig)

„Versicherungsfremde“ Leistungen in der Sozialversicherung

Author: Brosig, Magnus
Publisher: Warsaw: Sciendo
Year: 2025
DOI: 10.2478/wd-2025-0076
Source: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/319762/1/10.2478_wd-2025-0076.pdf
B osig, Magnus
A icle
„Ve siche ungs emde“ Leis ungen in de
Sozial e siche ung
Wi scha sdiens
Sugges ed Ci a ion: B osig, Magnus (2025) : „Ve siche ungs emde“ Leis ungen in de
Sozial e siche ung, Wi scha sdiens , ISSN 1613-978X, Sciendo, Wa saw, Vol. 105, Iss. 4, pp.
299-304,
h ps://doi.o g/10.2478/wd-2025-0076
This Ve sion is a ailable a :
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ZBW – Leibniz-In o ma ionszen um Wi scha 299
Analysen Sozial e siche ung
© De /die Au o :in 2025. Open Access: Diese A ikel wi d un e de
C ea i e Commons Namensnennung 4.0 In e na ional Lizenz e ö -
en lich (c ea i ecommons.o g/licenses/by/4.0/deed.de).
Open Access wi d du ch die ZBW – Leibniz-In o ma ionszen um
Wi scha ge ö de .
DOI: 10.2478/wd-2025-0076
Wi scha sdiens , 2025, 105(4), 299-304
JEL: H55, I13, J65
D . Magnus B osig is Re e en ü Sozial e siche ungs-
und S eue poli ik bei de A bei nehme kamme B emen.
Magnus B osig
„Ve siche ungs emde“ Leis ungen in de
Sozial e siche ung
Als „ e siche ungs emd“ we den übliche weise Leis ungen bezeichne , die
Sozial e siche ungen un e Ums änden ga nich au gabenge ech zugeo dne sind, die abe
insbesonde e zulas en de Ve siche engemeinscha ehl inanzie we den. Im Folgenden
wi d de Ve such un e nommen, ein P ü schema zu ih e Iden i ika ion zu en wickeln:
Welche Aspek e liegen eine möglichen „Ve siche ungs emdhei “ zug unde, und was sind
Kons ella ionen, in denen sich diese a sächlich e gib ? Lassen sich so konk e e Fälle
unangemessene Finanzie ung iden i izie en, soll en diese du ch Sys emanpassungen,
zumindes abe du ch adäqua e Bundeszuschüsse ko igie we den. Falsch wä e es indessen,
be o ene Leis ungen g undsä zlich in age zu s ellen.
Sozial e siche ungen1 p ägen den deu schen Sozials aa
und weisen eine Reihe on S uk u me kmalen au , die
sich eils ma kan on den P inzipien ande e soziale Si-
che ungssys eme un e scheiden. Fähigkei en diese Ins-
i u ionen, Leis ungen au ge ech e A und Weise zu e -
b ingen, we den dadu ch eine sei s beg ünde und ande-
e sei s eingesch änk . Fü das zu disku ie ende P oblem
„ e siche ungs emde “, da unsys ema isch inanzie e
ode e b ach e , Leis ungen sind insbesonde e olgende
S uk u p inzipien in den d ei Themenbe eichen „Ve si-
che enk eis“, „Leis ungen“ und „Finanzquellen“ ele an
(Bäcke e al., 2020, S. 224–245):
E s ens bilden Sozial e siche ungen Solida gemeinscha -
en, in denen Risiken gebündel und Bei äge isikounab-
hängig e hoben we den. Ve siche e gleichen un e ein-
ande also nich nu Schadens älle im Sinne eines ein a-
chen Risikoausgleichs aus, de Me kmal säm liche , auch
p i a e Ve siche ungen is . Sie sind da übe hinaus Teil
1 Die olgenden Be ach ungen gehen on den ie g oßen Sozial e -
siche ungen in Deu schland aus: A bei slosen e siche ung, K an-
ken e siche ung, P lege e siche ung und Ren en e siche ung. Die
gese zliche Un all e siche ung bleib analy isch wegen ih e deu lich
abweichenden S uk u en (ausschließliche A bei gebe inanzie ung
un e Be ücksich igung de konk e en Risikoklasse) auße Ach , aus
denen sich das P oblem „ e siche ungs emde “ Leis ungen nich
wie besch ieben e gib .
eine Gemeinscha , in de ih indi iduelles Risikop o il
auch bei de Finanzie ung keine lei Rolle spiel . Vielmeh
we den Bei äge – übe bloße Pauschalp ämien noch hi-
nausgehend – nach wi scha liche Leis ungs ähigkei
e b ach , sodass s uk u ell auch ein soziale Ausgleich
du ch Gu si uie e zuguns en jene mi wenigen Mi eln
möglich wi d. Soziale Ve siche engemeinscha en sind
im Wesen lichen2 nach dem P inzip de P lich e siche-
ung kons uie , in de ein de inie e Pe sonenk eis zu
s ändigen Gewäh leis ung angemessenen Schu zes ob-
liga o isch e siche is und in diesem Sinne eine „ o -
gesch iebenen Solida i ä “ un e lieg . Weil dadu ch dem
G unde nach ein daue ha e „Nachschub“ an Ve siche -
en und Bei ägen gescha en wi d, is ein pe se ewiges
Sys em möglich, das pe Umlage inanzie ung be ieben
wi d – Einnahmen we den s e s ü unmi elba e Ausga-
ben e wende – und keine au wändigen und un lexiblen
Kapi aldeckung beda .
Zwei ens we den bei Ve wi klichung eines Risikos bzw.
Ve siche ungs alls – z. B. K ankhei , Geb echlichkei ode
Al e – Leis ungen e b ach , bei denen sich Geld- und
2 In gewissen G enzen bie en alle Sozial e siche ungen in Deu schland
auch Op ionen zu eiwilligen Ve siche ung, die alle dings als e heb-
lich sys em emdes Kons uk g undsä zliche P obleme au wi und
hie nich wei e hema isie wi d (dazu e wa B osig, 2019).
Wi scha sdiens 2025 | 4
300
Analysen Sozial e siche ung
Sach- bzw. Diens leis ungen g undsä zlich oneinande
un e scheiden (Schmähl, 1995, S. 604–605): E olgen
Geldleis ungen (z. B. K ankengeld) zu Siche ung, zu-
mindes abe zu Un e s ü zung des Lebensun e hal s
und knüp en dabei in i gendeine Weise an das zu o
e siche e Einkommen an, dienen Sach- und Diens -
leis ungen (z. B. medizinische Ve so gung) o allem de
beda sweisen Behebung einge e ene Schäden – abge-
schwäch auch de en Vo beugung – ungeach e de Höhe
konk e e Vo leis ung im Rahmen de bes ehenden Ve si-
che ung. Wäh end Ren en- und A bei slosen e siche ung
(GRV und ALV) heu e kla au wei eichenden Einkom-
mense sa z ausge ich e sind, bie en K anken- und P le-
ge e siche ung (GKV und SPV) o wiegend Sach- und
Diens leis ungen bzw. Geldleis ungen zu de en E we b.
Bei de E üllung ih e Ke nau gaben e b ingen Sozial e -
siche ungen o auch einen sozialpoli ischen Ausgleich,
um übe indi iduell e eich e Ansp üche hinaus „Maßnah-
men on gesellscha spoli ischem In e esse du chzuse -
zen“ (Heidel & Loose, 2004, S. 223). Dazu kann e wa de
Ausgleich on Zei en des Nied iglohnbezugs zählen, da-
mi Ren en im Einzel all e was höhe aus allen als zu o
du ch die eine pe sönliche Bei agsleis ung beg ünde .
D i ens sind die deu schen Sozial e siche ungen bis
heu e wei gehende A bei nehme :innen e siche ungen,
die sich im Ke n au abhängig Beschä ig e (ohne Beam-
e) und ih e unmi elba en Angehö igen besch änken. Die
wi scha liche Leis ungs ähigkei de Ve siche en wi d
en sp echend an de jeweiligen Lohnhöhe bemessen,
sodass sich die pa i ä isch on A bei nehme :innen und
A bei gebe :innen ge agenen Sozial e siche ungsbei ä-
ge im G undsa z p ozen ual aus dem A bei sen gel e ge-
ben. De P ozen an eil, de in de sozialen P lege e siche-
ung im Üb igen nach de Zahl de Kinde a iie , is dami
abe nu p inzipiell und nich bei jegliche Einkommenshö-
he gleich. Es zeig sich ielmeh eine Mi elschich szen -
ie ung des Sozial e siche ungssys ems, in dem lediglich
B u omona slöhne zwischen 2.000 und gu 5.500 Eu o
(S and 2025) in olle Höhe bei agsp lich ig sind.
Da un e liegende Einkommen e hal en einen Bei ags-
sa z aba bei gleichwohl ollem Leis ungsum ang, und
seh ge inge Einkommen „ge ing ügig Beschä ig e “
e zeugen sei ens de A bei nehme :innen soga ga kei-
ne ech e Bei agsp lich und bes en alls eingesch änk e
Leis ungsansp üche. Höhe e und hohe Einkommen un-
e liegen wiede um wegen de Bei agsbemessungsg en-
zen (2025 gu 5.500 Eu o Mona sb u o in GKV und SPV,
gu 8.000 Eu o in GRV und ALV) und/ode de Ve siche-
ungsp lich g enze (gu 6.000 Eu o, lediglich bei K anken-
und P lege e siche ungen) nu eine bezüglich des Ge-
sam einkommens eduzie en bzw. ga keine Sozial e si-
che ungsp lich . E gänz we den die Bei agseinnahmen
mi un e du ch Bundeszuschüsse aus S eue mi eln – in
de GRV noch nennenswe , in de GKV kaum, in de SPV
ak uell nich und in de ALV g undsä zlich nich . Diese
sollen o angig de inanziellen Kompensa ion a sächli-
chen sozialpoli ischen Ausgleichs dienen – also zu Kos-
endeckung on o als „ e siche ungs emd“ e s ande-
nen Leis ungen –, e gänzend de Sys ems abilisie ung.
„Ve siche ungs emd“: ein geeigne e Beg i ?
De Beg i de „ e siche ungs emden“ Leis ungen is in
de wissenscha lichen, poli ischen und ö en lichen De-
ba e zwa sei langem e ablie (Simon, 2024, S. 203–210),
abe nach wie o ech di us: „Eine gese zliche ode eine
allgemein ane kann e De ini ion des Beg i s de e siche-
ungs emden Leis ungen lieg nich o “ (WD, 2016, S. 4;
gl. auch Hans e al., 2022, S. 120). En sp echend is nich
nu die abs ak e Benennung „ e siche ungs emde “
Leis ungen schwie ig, sonde n e s ech ih e konk e e
Quan i izie ung. Wiede hol we den de Gese zgebe und
zus ändige Minis e ien zu eindeu igen De ini ionen au ge-
o de , au die eine Lösung so übe haup e s e ass e
P obleme au se zen könn e (Bundes echnungsho , 2023).
Selbs wenn dann abe „ e siche ungs emde“ Leis un-
gen e olg eich iden i izie we den, bleib de Beg i als
solche p oblema isch. Schließlich leg e in gewisse
Weise nahe, die klassische, p i a wi scha lich o gani-
sie e Ve siche ung mi isikobezogenen Bei ägen und
einem Risikoausgleich sei die auch eine Sozial e siche-
ung zug unde zu legende No m und bes imm e Leis un-
gen seien jene deshalb s uk u ell emd (Simon, 2024).
Dies is bei eine Sozial e siche ung, eine in iele lei
Hinsich ande s kons uie en Ins i u ion, abe g undsä z-
lich ge ade nich de Fall (WD, 2016, S. 8): Eine soziale
Ve siche ung muss eben nich nu Risikoausgleichspool
ode „Spa schwein“ sein, sonde n kann pe se alles leis-
en, was ih em gene ellen Au gabenspek um en sp ich
(Hans e al., 2022, S. 121–125).
Von de Ve o ung spezi ische Leis ungen zu ennen is
wiede um die F age, ob ein konk e o genommene Aus-
gleich angemessen inanzie is . Dies is de eigen liche
Ke n de Diskussionen übe „ e siche ungs emde“ Leis-
ungen. Wenngleich sp achlich zwei ellos ungelenk, wä-
e es deshalb in den meis en Fällen analy isch e ende ,
on „nich du ch bishe ige Bei äge zu deckenden“ Leis-
ungen (ähnlich Meinha d , 2018, S. 2) zu sp echen.
P ü ung de Passung eines Sys ems zu konk e en
Leis ungse b ingung
Zu Bes immung „ e siche ungs emde “ Leis ungen bie-
e sich ein sys ema isches Ve ah en an ( gl. auch Ra el-
ZBW – Leibniz-In o ma ionszen um Wi scha 301
Analysen Sozial e siche ung
hüschen e al., 2011, S. 7), das in eine e s en Haup s u-
e die Passung eines Sys ems zu konk e en Leis ungs-
e b ingung p ü : Is eine Leis ung übe haup ko ek in
eine bes imm en Sozial e siche ung e o e ? Ode is
sie a sächlich im ins i u ionellen Sinne „ e siche ungs-
emd“, weil sie on einem s uk u ell eigen lich nich zu-
s ändigen Sys em angebo en wi d?
• Da ü sind zunächs die Ke nau gaben eine Sozial-
e siche ung zu de inie en. Dazu zählen im Fall de
gese zlichen Ren en e siche ung e wa die Zahlung
maßgeblich o leis ungsbezogene Leib en en im Al e
(§ 23 SGB I in Ve bindung mi § 63 SGB VI) und im Fall
de gese zlichen K anken e siche ung beispielsweise
die ä z liche Behandlung im K ankhei s all (§ 21 SGB I).
• Da on sind konk e e Au gaben un e schiedlichen De-
ailg ads abzulei en – aus de wei e en Ke nau gabe
de GRV, Hin e bliebenen en en zu leis en, e wa die
Be ei s ellung on Waisen en en.
Beide P ü sch i e können im G undsa z einmalig e olgen
und benö igen in de Folge lediglich spo adische Re isi-
onen, um eine annähe nd daue ha e G undlage ü den
d i en und nun au die konk e in e essie ende Leis ung
bezogenen Sch i zu scha en:
• Hie geh es da um zu p ü en, ob a sächlich bea bei-
e e P obleme zu den iden i izie en Ke n- und Teilau -
gaben passen, ob also ein „inne e Zusammenhang“
konk e e Au gaben zum sachlichen Schu zbe eich de
Ve siche ung bes eh (Hans e al., 2022, S. 123) und die
jeweilige Leis ung nich eigen lich on ande e S elle zu
bea bei en wä e.3
Eine in diesem Sinne es ges ell e ins i u ionelle „Ve si-
che ungs emdhei “ wä e aus Ve siche ensich noch
nich unbeding p oblema isch, weil aus de unsys ema-
ischen Leis ungse b ingung nich zwangsläu ig eine un-
ge ech e Finanzie ung olgen muss. Gleichwohl wü den
dami – wie im Folgenden deu lich wi d – Schie lagen ge-
adezu p o ozie , au g und de e Leis ungen eben nich
wie gehab du ch Bei äge zu decken wä en. Ins i u ionel-
le „Ve siche ungs emdhei “ is inso e n ein s a kes Indiz
ü inanzielle „Ve siche ungs emdhei “ und soll e zu
Ve meidung le z e e zum Anlass genommen we den, ei-
3 Beispielha ü ein solches P oblem kann die de K ankhei sbehand-
lung dienende „medizinische Behandlungsp lege“ in olls a ionä en
P legeein ich ungen ange üh we den, de en Kos en eigen lich oll
on de GKV übe nommen we den müss en. Ta sächlich eichen de-
en en sp echende Zuwendungen an den SPV-Ausgleichs onds da-
ü abe bei wei em nich aus, sodass diese Leis ungen sys emwid ig
o mal wei gehend on de eigen lich unzus ändigen SPV und wegen
de en unzu eichendem Ni eau a sächlich on den P legebedü igen
selbs ge agen we den.
ne en sp echende Leis ung in ein eigen lich da ü zus än-
diges Sozialsys em zu übe agen.
P ü ung de ko ek en Finanzie ung eine Leis ung
In de zwei en und in den meis en Fällen wohl wich ige en
Haup s u e is nun wie olg zu p ü en, ob eine Leis ung
a sächlich nich ko ek inanzie is und deswegen im
allgemeinen Sp achgeb auch als „ e siche ungs emd“
gel en muss.
1. Rele an is , ob die Emp änge :innen de Leis ung Teil
de Ve siche engemeinscha sind ode ohne eigene
Bei äge on diese un e s ü z we den.
2. Mi Blick au adäqua e Las en agung is es zus ellen,
ob e siche e Risiken e siche enimmanen sind (al-
so in de en Pe son, Rolle ode menschliche Na u lie-
gen) ode de a ige Schadens älle maßgeblich ex e n
e u sach we den.
3. Es is zu übe p ü en, ob Solida gemeinscha en und
Risikobeg ündungen s uk u ell deckungsgleich und
Ve siche enk eise inso e n angemessen zugeschni -
en sind. Von In e esse is dabei, ob immanen e Risi-
ken sich aus eine e gleichsweise spezi ischen Ei-
genscha – z. B. dem A bei nehme :innens a us – e -
geben, ob sie einem wei e ge ass en Me kmal – e wa
E we bs ä igkei – en sp ingen, ode ob sie ganz allge-
mein in de einen menschlichen Exis enz beg ünde
liegen und dami alle Wohnbü ge :innen be e en.
4. Die Analyse ha zu beleuch en, ob Ve siche e mi
dem hinsich lich des Abg enzungsk i e iums jeweils
einschlägigen wi scha lichen Leis ungs olumen
bei agen, und ob sie dies in olle Höhe ode nu
an eilig un. Is also eine sei s e wa ü ein Risiko,
das sich aus abhängige Beschä igung e gib , aus-
schließlich de Lohn bei agsp lich ig, und wi d ande-
e sei s ü ein allgemein „menschliches“ Risiko das
Gesam einkommen inklusi e alle Ve mögense äge
he angezogen?
Szena ien de Ve siche ungs emdhei
Aus de Gesam schau diese P ü sch i e we den nun
Rückschlüsse dahingehend möglich, ob eine Absiche-
ungskons ella ion on eine Gemeinscha Sozial e si-
che e a sächlich ode eben eigen lich nich zu agen
is . Als inso e n „un ai e“ Szena ien (zum Ve s oß gegen
den Gleichhei sg undsa z siehe auch Ruland, 1995, S. 29;
Ra elhüschen e al., 2011, S. 26; Hans e al., 2022, S. 124)
können jeden alls die olgenden gel en, wobei dami
selbs e s ändlich nu übe die bishe ige Finanzie ung
Wi scha sdiens 2025 | 4
302
Analysen Sozial e siche ung
und nich übe die Sinnha igkei de be o enen Leis un-
gen an sich geu eil wi d:
Übe wälzung: Maßgeblich ex e n e u sach e Schadens-
älle we den bea bei e , die Ve u sache :innen abe nich
angemessen ode übe haup nich an de Finanzie ung
des Schadensausgleichs be eilig . Als Beispiel da ü kann
das Risiko au ge üh we den, wegen eine wi scha -
lichen „Billiglohns a egie“ des/de A bei gebe :in im
o leis ungsbezogenen Sys em einen ü angemessene
Ren enanwa scha en unzu eichenden Nied iglohn zu
beziehen, sodass sich Bei äge kaum ode ga nich „be-
zahl machen“. Eine Schadensminde ung nun o allem
on ande en Beschä ig en, abe nich spezi isch on den
eigen lich e an wo lichen Un e nehmen inanzie en zu
lassen, wä e ü die Ve siche engemeinscha unge ech .
Eine sys ema ische Gegenmaßnahme im Ren en e si-
che ungssys em wä e hingegen eine Ve p lich ung de
A bei gebe :innen, unabhängig om S undenlohn s uk-
u ell adäqua e Ren en e siche ungsbei äge zu zahlen,
um jeden alls diesbezüglich die en s andene Lücke zu
schließen.
Übe dehnung: Fü Pe sonen jensei s de
Bei agszahle :innen – also de eigen lichen Ve siche -
engemeinscha F emde4 – we den eben alls unange-
messen inanzie e Leis ungen e b ach , die (so e n übe -
haup als sinn oll einges u ) eigen lich on eine ande s
zugeschni enen Gemeinscha ode ga de Gesellscha
insgesam zu agen wä en (Meinha d & Zwiene , 2005,
S. 5; Bäcke e al., 2020, S. 240). Beispielha läss sich
eine An echnung zusä zliche Kinde e ziehungszei en ü
die gese zliche Ren e nennen, de en en ens eige nde
Wi kung ausschließlich aus Bei ägen p lich e siche e
Beschä ig e inanzie wi d und dabei auch ansons en
ga nich gese zlich Ren en e siche en zugu ekomm .
Eine geeigne e Gegenmaßnahme wä e es, Bei äge a -
sächlich aus allgemeinen S eue mi eln s a aus ak i-
schen „Bei agss eue n“ eine kleine en G uppe (SVR
Wi scha , 2005, S. 345) zu inanzie en.5
4 Du chaus ums i en is , inwie e n Mi gliede de Ke n amilie on
Bei agszahle :innen zu Gemeinscha zu zählen sind. Jeden alls –
selbs wenn dies aus eine spezi ischen sys ema ischen Pe spek i e
unangemessen e scheinen mag – sind diese sei lange Zei in den
gese zlichen K anken e siche ungsschu z einbezogen (Familien e -
siche ung) und haben Ansp uch au e waige Hin e bliebenen en en.
5 Diesem A gumen wi d zwa häu ig en gegengehal en, de ü eine
umlage inanzie e Ve siche ung bedeu same Rep oduk ionsaspek
we de hie auße Ach gelassen, sodass eine wie auch imme be-
g enz e Ve siche engemeinscha den Ausgleich ü das Au ziehen
mögliche (!) zukün ige Bei agszahle :innen du chaus selbs inan-
zie en könne und eigen lich auch solle. Finanzielle Ve an wo ungs-
übe nahme ü Rep oduk ion is siche beg ünde , e s eck sich
abe au das ganze Gemeinwesen und is deshalb auch on diesem
zu inanzie en: „Bes andssiche nd sind Kinde eben nich nu ü die
Ren en e siche ung, sonde n ü S aa und Gesellscha insgesam “
(Ruland, 1995, S. 34).
Übe las ung: Eine Ve siche engemeinscha e b ing
un e einande Leis ungen, obwohl sie hinsich lich
des P oblem auslöse s s uk u ell kleine und dabei
auch ökonomisch nu un e du chschni lich s a k is
(Schmähl, 2009, S. 391), abe ein mindes ens du ch-
schni lich häu iges Risiko agen muss (sodass die
Schie lage a sächlich ins Gewich äll ). Die Leis ungs-
e b ingung is also in punc o Finanzie ung nich ko ek
und le z lich unge ech , weil ein um assende es und in
de Gemeinscha nich un e du chschni lich ausge-
p äg es Risiko on zu wenigen Ve siche en mi zu ge-
ingen Mi eln abgesiche we den muss.6 Ein Beispiel
da ü sind die gese zliche K anken e siche ung und die
soziale P lege e siche ung im ak uellen Zuschni , weil
sie die allgemeinen menschlichen Risiken de K ankhei
und de Geb echlichkei ech um assend absiche n,
wäh end ih e Gemeinscha en au mi le e und un e-
e Einkommen (diese mi eilweise Bei agsbe eiung)
beg enz sind. Ande s o mulie : Eine im Wesen lichen
nu aus heu igen und ehemaligen A bei nehme :innen
bes ehende Gemeinscha dazu anzuhal en, sich ledig-
lich un e einande gegen das allgemeine menschliche
K ankhei s isiko abzusiche n, is im Wo sinne „sch äg“.
Sys ema ische Maßnahmen dagegen wä en Zuschüsse
aus dem allgemeinen S eue au kommen ode – noch
besse – die Auswei ung des Ve siche enk eises au
eine Wohnbü ge :innen e siche ung mi Bei agsp lich
au das olle wi scha liche Po enzial.
Wenn im Üb igen ge o de wi d, eine eigen lich zu kleine
Gemeinscha solle dennoch „in e nen“ Ausgleich üben,
weil ande e G uppen (noch) ga keinen äqui alen en Ri-
sikoschu z genießen und de Einsa z on S eue gelde n
inso e n eine G uppe p i ilegie en wü de (Klamme und
Wagne (2020) zu den damaligen Plänen ü eine „G und-
en e“), wü de de zu kleine, in alle Regel nich on de
P lich e siche engemeinscha zu e an wo ende
Zu schni nochmals im spezi ischen Fall gegen sie ge-
wende . Is die konk e e P oblema ik keine immanen e,
sonde n wie im Fall de „G und en e“ nach langjäh igem
Nied iglohn maßgeblich ex e n e u sach , wü de mi ei-
nem de a igen Zwang zu „exklusi en“ Selbs absiche-
ung soga das P inzip de Ve u sache e an wo ung
ausgehebel .
6 Inso e n wi d hie ein s enge e Maßs ab angeleg als in Sach e -
s ändigen a Wi scha (2005, S. 346), wo jegliche Ausgleich zwi-
schen hohen und nied ige en Risiken als e siche ungskon o m be-
ach e wi d, ohne das s uk u elle Ve häl nis diese Risiken und die
Fähigkei zu P oblemlösung mi de Si ua ion un e Nich e siche en
zu e gleichen. „Ex e nen“ Ausgleich zuguns en Nich e siche e
zwa abzulehnen, „in e nen“ ungeach e de Ve siche ens uk u
abe g undsä zlich nich zu p oblema isie en (Bäcke e al., 2020,
S. 241), g ei zu ku z.

ZBW – Leibniz-In o ma ionszen um Wi scha 303
Analysen Sozial e siche ung
Quan i izie ung des konk e en Ausmaßes de
Leis ungen
Ha man Leis ungen nach einem de a igen Schema nun
als „ e siche ungs emd“ ode ähnliches einges u , is
in einem ie en wesen lichen Sch i noch ih konk e es
Ausmaß zu quan i izie en. Wegen de mi un e ausge-
sp ochen au wändigen, ü diesen Zweck o zunehmen-
den Modellie ungen – o liegen eben keine einschlägi-
gen S a is iken o , weil die jeweiligen Maßnahmen keine
eigens ändigen Pos en in Haushal en on Sozial e si-
che ungen bilden – kann dies seh he aus o de nd sein
(Meinha d & Zwiene , 2005, S. 6).
Maßnahmen zum Umgang mi
„ e siche ungs emden“ Leis ungen
Je nach konk e e P oblema ik sind un e schiedliche
Maßnahmen g undsä zlich geeigne , nachhal ig Abhil e
zu scha en:
• Bei ins i u ionelle „Ve siche ungs emdhei “: nach
Möglichkei Ausgliede ung und Eino dnung in ande e,
ins i u ionell angemessene e Sys eme (Schmähl, 2009,
S. 393).
• Bei Übe wälzung: zielgenaue Schadensausgleich
du ch die eigen lichen Ve u sache :innen.
• Bei Übe dehnung/Übe las ung: (1) Kompensa ion in
de Ve siche ungss uk u : sys ema ische Anpassung
des Ve siche enk eises, de Bemessungsg undlagen
und -g enzen; (2) Kompensa ion jensei s de Ve siche-
ungss uk u , so e n da in keine angemessene Lö-
sung möglich: Zahlung adäqua e Bundeszuschüsse
aus maßgeblich nach Leis ungs ähigkei au geb ach-
en S eue mi eln.
Maßnahmen ü adäqua e Sozial e siche ungs inanzie-
ung hä en neben de Be eiung on unangemessenen
Abgabenp lich en auch inso e n posi i e Auswi kungen
au (po enziell) Beschä ig e, weil diese die P lich bei äge
wiede s ä ke mi einem konk e en Gegenwe assoziie-
en und zu ih e En ich ung be ei sein dü en (Schmähl,
2009, S. 392). Eine S ä kung de Sys ems ingenz wü de
also auch dessen Akzep anz s ä ken.
Beim Ausgleich unangemessene Ve eilungswi kungen
mi hil e s eue inanzie e Bundeszuschüsse sind gleich-
wohl Vo sich und Konsequenz gebo en: Zum einen muss
ein gewisses S eue au kommen im Zuge poli ische Ve -
eilungskämp e in de jeweils gewünsch en Höhe und
Wi kung e s i en und dann zu e lässig dem jeweiligen
Sozial e siche ungshaushal zugewiesen we den. Ge-
ling dies im jeweiligen Einzel all nich angemessen und
nachhal ig, is die Finanzie ung de be o enen Sozial-
e siche ung womöglich ge äh de ode die beabsich ig-
e Ve eilung e ehl .7 Du chaus wohlmeinende Eing i e
hä en dann dazu ge üh , eine zu e lässig alsch inan-
zie e Sozial e siche ung unzu e lässig und womöglich
noch imme alsch ode ga noch unangemessene zu
inanzie en. Ebenso is da au zu ach en, nich du ch Um-
schich ungen on S eue mi eln zwa ein P oblem in eine
Sozial e siche ung zu lösen, dadu ch abe die Finanzie-
ung und E b ingung ande e , womöglich ga ü den glei-
chen Pe sonenk eis besonde s bedeu same ö en liche
Leis ungen zu ge äh den. Bei alle gebo enen S ingenz
gil es also, in punc o Sozials aa s inanzie ung übe den
Telle and zu schauen und in de Gesam wi kung, nich
nu im konk e behandel en Sozial e siche ungssys em,
einen ech en Meh we ü die on den Maßnahmen Be-
o enen zu e zielen.
Maßnahmen gegen die Finanzie ung on Leis ungen aus
„ alschen“ Bei ägen soll en auße dem nich übe das
Ziel hinausschießen, indem sie zu Bei agssa zsenkung
le z lich soga s uk u ell ich ige Bei äge du ch S eue -
mi el e se zen. Schließlich wü de so das bewäh e P in-
zip um ang eiche und e dien e Leis ungen (SVR Wi -
scha , 2005, S. 344) unnö ig un e g aben und das soziale
Schu zni eau in de Folge womöglich lang is ig eduzie .
In diesem Sinne soll e auch e mieden we den, g und-
sä zlich ü ich ig be undene und lediglich unangemessen
adminis ie e ode inanzie e Leis ungen ein ach abzu-
scha en: „Ve siche ungs emdhei “ muss zum Anlass
genommen we den, einen sinn ollen sozialen Schu z zu-
kün ig besse o ganisie anzubie en und da keines alls
als Vo wand dienen, ihn du ch eine e mein lich no wendi-
ge Be einigung um Unangemessenes zu eduzie en.
7 Dies wä e e wa de Fall, wenn ein Finanzie ungse ek in de Sozial-
e siche ung zulas en un e e und mi le e Einkommen ko igie
we den soll und da ü eine E höhung de Umsa zs eue he angezo-
gen wi d, die abe ge ade on diesen G uppen übe p opo ional s a k
ge agen we den muss.
Li e a u
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Wi scha sdiens 2025 | 4
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Analysen Sozial e siche ung
Ti le: “Non-Insu ance-Rela ed” Bene i s in Social Insu ance
Abs ac : In Ge man social policy discou se, social insu ance bene i s ha a e conside ed o be inco ec ly inanced o o be p o ided
by inadequa e ins i u ions a e commonly e e ed o as “non-insu ance- ela ed”. This a icle a emp s o de elop a scheme o iden i y-
ing such bene i s: Wha aspec s unde lie espec i e p oblems, and in which scena ios do hey ac ually occu ? I speci ic cases o inap-
p op ia e inancing can be iden i ied using his app oach, hey should be co ec ed h ough adjus men s o social insu ance sys ems
o by p o iding adequa e subsidies om he ede al budge . Howe e , i would be w ong o undamen ally ques ion a ec ed bene i s.
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