Die Dynastien, die Nationen und der Imperialismus
Abstract
EconStor is a publication server for scholarly economic literature, provided as a non-commercial public service by the ZBW.
Full text
Sulzbach, Walter Article Die Dynastien, die Nationen und der Imperialismus Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft Provided in Cooperation with: Duncker & Humblot, Berlin Suggested Citation: Sulzbach, Walter (1955) : Die Dynastien, die Nationen und der Imperialismus, Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft, ISSN 1619-6244, Duncker & Humblot, Berlin, Vol. 75, Iss. 6, pp. 65-82, https://doi.org/10.3790/schm.75.6.65 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/290838 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
705] 65 Die Dynastien, die Nationen und der Imperialismus Von Walter Sulzbach - New York I. Eine Definition des Begriffes Imperialismus, die alles decken dürfte, was unter diesem Namen geht, ist folgende: Imperialismus ist die Tendenz eines Staates, den Bereich seiner Macht zu erweitern. Es gibt unzählige Definitionen des Imperialismus. Viele sind dadurch wertlos, daß sie die angeblichen Ursachen des Phänomens, als die in der Regel der Drang nach Rohstoffen und neuen Märkten gilt, in die Definition mit hereinnehmen. Das ist schon darum unzulässig, weil es die wichtige Frage, ob die Expansionsbestrebungen vorkapitalistischer Jahrhunderte und die unserer eigenen Zeit identisch sind oder nicht, präjudiziert. Es ist so, wie wenn man den Antisemitismus, den es schon vor dem Christentum gab und der danach durch christliche Tradition gestützt wurde, als den Ausfluß moderner Rassentheorien definieren wollte. Eine Erscheinung mag zu verschiedenen Zeiten verschiedene Ursachen haben, sie bleibt deshalb doch die gleiche Erscheinung. Staaten als solche expandieren nicht. Sie führen nicht Krieg und unterwerfen nicht andere Völker. Die Träger solcher Handlungen sind ihre Regierungen, und da es im gesamten Bereich der geschriebenen Geschichte nur sehr wenige Demokratien gegeben hat, ist aller Imperialismus vor der amerikanischen und französischen Revolution von Königen und Oligarchien ausgegangen. Imperialisten waren die peruanischen Inkas, die Dynastien, die China als ein Reich geschaffen und erhalten haben, Alexander der Große, die maßgeblichen freien Bürger der Stadt Rom und die frühen römischen Kaiser, Karl der Große, die absolutistischen Könige Frankreichs, Spaniens und Rußlands, die venetianische Aristokratie, Friedrich der Große, Napoleon, Hitler und viele andere. Ein großer Teil unserer „Weltgeschichte" berichtet von ihren Erfolgen und Mißerfolgen. Und niemand hat es je nötig gefunden, zu Schmollers Jahrbuch LXXV, 6 5 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.75.6.65 | Generated on 2023-04-04 11:10:51
66 Walter Sulzbach [706 erklären, warum Karl der Große oder Napoleon nach Land und Macht strebten — so wie die Historiker es nötig finden, zu erklären, warum gewisse Könige und Aristokratien dem Christentum oder dem Protestantismus oder dem Wachstum der Städte wohlwollend oder ablehnend gegenüberstanden. Die Menschen lieben die Macht, genau so wie sie Reichtum lieben. Niemand findet es merkwürdig, daß Personen und Gruppen, die Macht haben, nach mehr Macht streben. Die Historiker mögen finden, daß Napoleons Entschluß, einen Feldzug in Ägypten zu führen, unaufklärbare Momente enthält. Sie finden es nicht paradox, daß er über ganz Europa herrschen wollte. Die meisten Menschen wären gern unendlich mächtig. Napoleon war lediglich erfolgreicher als andere Den Königen vergangener Zeiten standen zwei Wege zur Erweiterung ihres Machtbereiches offen: Eroberung und dynastische Heiraten. Eroberung brachte mehr Ruhm; aber vorteilhafte Heiraten, in denen sich vor allem die Habsburger hervortaten, waren mit weniger Risiko verbunden. Welchen Weg immer aber die verschiedenen Dynastien zu verschiedenen Zeiten und unter verschiedenen Umständen wählten, sie dachten dabei an sich selbst, ihre Familien und die Vermehrung ihres Wohlstandes und Ansehens. Selbst die Behauptung, daß ihre Kriege und Eheschließungen den Interessen ihrer Untertanen dienten, lag ihnen fern. Die Könige von Frankreich annektierten, was ihnen erreichbar war. Ihre neuen Untertanen mochten mit der Zeit französisch sprechen. Aber ob ihre Sprache in dem Augenblick, als sie Franzosen wurden, deutsch oder flämisch oder provencal war, war den Valois und den Bourbonen gleichgültig — und ihren neuen Untertanen vor dem 19. Jahrhundert desgleichen. Der Staat war die Domäne des Königs. An dem spanischen, dem bayerischen, dem österreichischen Erbfolgekrieg waren, wie schon aus den Namen hervorgeht, die Dynastien, nicht ihre Völker interessiert. Die „Reunionen" Ludwigs des XIV. waren ebenso wie die Eroberung Schlesiens durch Friedrich den Großen persönliche Liebhabereien. Friedrich der Große hat selbst erklärt, daß er den ersten schlesischen Krieg begonnen habe, damit die „Gazetten" über ihn schreiben sollten. Er sagt in seinem Anti-Machiavelli: „Die neuen Eroberungen eines Herrschers machen die Staaten, die er schon besaß, weder opulenter noch reicher, seine Völker profitieren nicht davon1." Wie sollten auch die Untertanen von der Erweiterung des Staatsgebietes ihres Herrschers profitieren? Die Vorstellung, daß ein großes Freihandelsareal den allgemeinen Wohlstand fördert, lag den vor1 Friedrich Meinecke, Die Idee der Staatsraison in der neueren Geschichte, München und Berlin 1924, S. 385. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.75.6.65 | Generated on 2023-04-04 11:10:51
707] Die Dynastien, die Nationen und der Imperialismus 67 liberalen Jahrhunderten vollkommen fern. Die französischen Provinzen waren bis zur Revolution durch Zölle und Gebühren getrennt. Das gleiche galt für Preußen, das den internen Warenaustausch dermaßen hemmte und besteuerte, daß Mirabeau, als er sich zur Zeit des Hinscheidens von Friedrich dem Großen in Berlin aufhielt, nicht verstehen konnte, wie die Preußen unter ihrer hypermerkantilistischen Wirtschaftspolitik überhaupt existieren konnten. Die Art und Weise, wie einige deutsche Fürsten ihre Untertanen als Soldaten an andere Staaten verkauften und sich Schlösser aus dem Erlös bauten, erscheint uns gewiß verwerflich. Aber die Untertanen Ludwigs des XIV. und die Untertanen Friedrichs des Großen hatten ebensowenig Interesse an der Annexion von Straßburg oder Schlesien, wie die Hessen ein Interesse an den Schlössern ihres Fürsten hatten, die aus dem Erlös ihrer an England verkauften Landsleute finanziert wurden. Die Armeen der absolutistischen Könige bestanden zum großen Teil aus angeworbenen Fremden. Die „Landeskinder46, die in ihnen kämpften, waren vielfach Leibeigene, die nicht einmal in ihrer eigenen Heimat Grund und Boden besitzen konnten. II. Erst als der Geist der Skepsis vom religiösen auf das politische und soziale Gebiet übergriff, wurde der Imperialismus ein Problem. Voltaire, Diderot, die ganze Schar der Philosophen in Frankreich und die Vertreter der Aufklärung in England und Deutschland waren überzeugt, daß, wenn die Macht im Staate an menschenfreundliche Regenten übergehen oder wenn die Völker selbst in Zukunft ihr Schicksal entscheiden sollten, Kriege und Eroberungen verschwinden würden. Herder nannte die bloße Vorstellung, daß „Vaterländer" einander bekriegen könnten, den ärgsten „Barbarismus" der menschlichen Sprache. Diese Erwartung erscheint uns auch heute, und heute besonders, verständlich. Wenn die Völker aus der Erweiterung des Areals ihrer Staaten keinerlei Vorteil zogen, war anzunehmen, daß sie sich für Eroberungen nicht einsetzen würden. Es kam aber ganz anders, als Herder und die Aufklärung erwartet hatten. Als die Nationen selbst die Herren ihrer Geschichte geworden waren und ihre Könige beseitigt oder machtlos gemacht hatten, übernahmen sie den Imperialismus ihrer vormaligen Herrscher als ihre eigene Politik und traten selbst an die Stelle ihrer vormaligen Herren. Es entstand ein großes Gewebe von Ideologien, auf Grund derer die Nationen postulierten, daß Expansion in ihrem eigenen „Interesse" läge oder ihre geschichtliche „Mission" sei. Dies ist eine der erstaunlichsten und folgenreichsten Entwicklungen seit der französischen Revolution gewesen. 5« OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.75.6.65 | Generated on 2023-04-04 11:10:51
68 Walter Sulzbach [708 Im Jahre 1790 gab die französische Nationalversammlung eine Erklärung ab, die später in die Verfassung aufgenommen wurde und sehr beruhigend für alle Nachbarn Frankreichs klang: „Die französische Nation wird nie einen Krieg führen, um Eroberungen zu machen, und wird ihre Macht nie gegen die Freiheit anderer Nationen einsetzen." Als zwei Jahre später der Krieg gegen Österreich ausbrach, war dieser, laut Erklärung der gleichen Nationalversammlung, nicht ein Krieg zwischen Nationen, sondern die aufgezwungene Verteidigung eines freien Volkes gegen den willkürlichen Angriff eines Königs2. Aber schon ein Jahr später war Carnot zu der Überzeugung gekommen, daß ein Staat das Recht habe, anderen Staaten Schaden zuzufügen, wenn sein eigenes Interesse und seine Selbsterhaltung das verlangen. Die Constituante stellte sich auf den Standpunkt, daß es im Interesse aller anderen Nationen läge, von Frankreich befreit zu werden und die Prinzipien der Revolution anzunehmen. Was der Größe Frankreichs diene, käme allen Nationen zugute. „So nimmt die alte Politik der Könige", schreibt Sorel3, „die Politik der Ausdehnung und Herrschaft in überraschender Weise von der Revolution Besitz, und das neue Frankreich bereitet sich vor, die Völker in der gleichen Weise zu beherrschen, wie das alte Frankreich so oft die Herrschaft über andere Staaten beansprucht hatte. Die Männer des Jahres 1789 behaupten, mit der Tradition zu; brechen. Sie sehen nicht, daß sie sie, ganz im Gegenteil, erneuern und verlängern . . . Die jahrhundertealten Ansprüche nehmen neue Farben an; und die territoriale Ausdehnung findet nunmehr ihre Rechtfertigung in der großherzigen Absicht, andere Nationen zu befreien." „Frankreichs alte und natürliche Grenzen", erklärte Carnot 1793, „sind der Rhein, die Alpen und die Pyrenäen. Die Gebiete, die wir verloren haben, haben sich Usurpatoren unrechtmäßig angeeignet. Wenn wir sie uns wiedernehmen, tun wir damit kein Unrecht. Wir begrüßen nur Menschen, die früher unsere Brüder waren, wiederum als unsere Brüder4." Die Männer, die von 1795 an in Frankreich herrschen, „übertragen alle Begriffe, die ihre Vorgänger mit der Majestät des Fürsten assoziiert haben, auf die Nation. Sie stimulieren die Begeisterung für Ruhm, sie stoßen das Volk in den Krieg, und sie gründen die Macht, die sie im Namen des Volkes ausüben, auf diese Leidenschaften5." 2 Albert Sorel, L'Europe et la révolution française, 6. ed., Paris 1903, II, pp. 89, 434. 3 Op. cit. I, p. 106. 4 S o r e 1, Op. cit. III, p. 310. 5 Op. cit. I, p. 319. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.75.6.65 | Generated on 2023-04-04 11:10:51
709] Die Dynastien, die Nationen und der Imperialismus 69 Die Vereinigten Staaten von Amerika haben, kaum daß sie ihre Unabhängigkeit von England erkämpft hatten, den gleichen Weg beschritten. Die Declaration of Independence der 13 ursprünglichen Kolonien im Jahre 1776 war humanitär im Sinne der europäischen Aufklärung. Noch nicht 30 Jahre später kaufte Jefferson Frankreich Louisiana ab. Eine Abstimmung unter den dort ansässigen Weißen, geschweige den Indianern, wurde nicht für nötig befunden. Ein ganzer Kontinent wurde den Indianern abgenommen, die allerdings wenig zahlreich waren und zum großen Teil vernichtet wurden. Siebzig Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung wurde das halbe damalige Mexiko erobert und annektiert. Seitdem gehören Kalifornien, Texas, Arizona und New Mexico zu den Vereinigten Staaten. Ideologische Bedenken spielten keine Rolle. Ein ganzes Arsenal von Argumenten stand zur Verfügung, um die Expansion der amerikanischen Demokratie zu begründen: „NatürlicheRechte", „Geographische Bestimmung", „Ausdehnung des Reiches der Freiheit", „Die Last des weißen Mannes", die „Mission der Regenerierung", „Unentrinnbare Bestimmung", „Selbstverteidigung" und noch ein paar andere mehr6. Jede territoriale Ausdehnung wurde als das Werk der Vorsehung oder als ein Gebot internationaler Moral angesehen. Es gab Zeiten, in denen maßgebliche amerikanische Politiker die Annexion von Kanada und von ganz Mexiko verlangten. Die Vereinigten Staaten sind heute allerdings saturiert. Als der russische Teil Polens im Jahre 1830 gegen Rußland revoltierte, verlangten die Polen nicht nur die Gebiete, in denen polnisch gesprochen wurde, sondern dazu noch Litauen und die Ukraine. Den Imperialismus der nach dem ersten Weltkrieg frei gewordenen Polen hat Bismarck zutreffend vorausgesagt, wenn er im Hinblick auf die Polen schrieb: „Befreite Völker sind nicht dankbar, sondern anspruchsvoll." Ihrerseits waren die deutschen Demokraten des „Professorenparlaments" der Paulskirche mehr expansionshungrig als jemals später Bismarck. Sie erklärten, daß das ganze Böhmen deutsch sei. Sie beanspruchten die holländischen Provinzen Limburg und Luxemburg und gelegentlich sogar die Lombardei, weil Friedrich Barbarossa dort geherrscht hatte. Es erübrigt sich, auf das moderne Italien und andere Länder zu exemplifizieren. Die überraschendste Entwicklung in der neuesten Zeit ist der Streit zwischen Indien und Pakistan um Kaschmir und der Anspruch Indonesiens auf die holländische Kolonie Neu-Guinea. 6 Albert K. Weinberg, Manifest Destiny, A Study of National Expansionism in American History, Baltimore 1935. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.75.6.65 | Generated on 2023-04-04 11:10:51
70 Walter Sulzbach [710 III. Man muß es einer Reihe von marxistischen Autoren zugute halten, daß sie die einzigen gewesen sind, die wenigstens eine Seite des Imperialismusproblems richtig gesehen haben. Während „bürgerliche" Autoren von den Kämpfen zwischen Nationen noch so sprachen, als ob es sich um ein Naturgesetz handele, und völlig unrealistische und längst widerlegte Behauptungen über die Unentbehrlichkeit von Kolonien als Rohstoffquellen und Absatzmärkte wiederholten, hat die Marxsche Schule und haben einige anders orientierte Nationalökonomen darauf hingewiesen, daß die Völker als solche von Expansion, kontinentaler sowohl wie überseeischer, überhaupt nicht profitieren. Sie haben aber den großen Fehler begangen, den Imperialismus des 19. und 20. Jahrhunderts von seinen historischen Vorläufern abzuschneiden, wie wenn es vor dem „Kapitalismus" keine Eroberungen gegeben hätte. Und sie haben in der Erklärung des modernen Imperialismus vollkommen fehlgegriffen. Sie führen ihn auf die Interessen und Machenschaften der „Bourgeoisie" zurück. Das aber ist eine unhaltbare Behauptung7. Alle historischen Daten widersprechen der Annahme, daß der moderne Trieb zur Expansion da, wo er aufgetreten ist, das Werk der Bankiers oder der Exporteure oder der Munitionsfabrikanten oder irgendwie in irgendwelcher Weise allgemein der „Bourgeoisie" gewesen ist. Die Reformation des 16. Jahrhunderts ist von katholischer Seite oft mit dem Hinweis auf die Fürsten und städtischen Behörden erklärt worden, die sich durch die Säkularisierung der Kirchengüter auf leichte Weise bereichern konnten und darum von Rom abfielen. Der Vorgang selbst ist unbestreitbar. Aber er erklärt die Reformation nicht. Unbestreitbar ist auch, daß es Kriegsgewinnler und koloniale Vermögen gibt. Fast alles, was in der Welt geschieht, kommt einigen Menschen zugute. Deshalb allein sind diese aber noch nicht die Ursache der Geschehnisse. Die ökonomische Erklärung des Imperialismus ist nur darum so beliebt, weil der Wunsch der Vater des Gedankens ist. Diejenigen, die den „Kapitalismus" verdammen — wie immer sie ihn definieren mögen — wollen, daß er für alle internationalen Verwicklungen verantwortlich sein soll, und begnügen sich mit den bescheidensten „Beweisen". 7 Die folgenden Ausführungen sind sehr kursorisch gehalten. Näheres in W. Sulzbach, Nationales Gemeinschaftsgefühl und wirtschaftliches Interesse Stuttgart 1929; Artikel „Imperialismus" im „Handwörterbuch der Soziologie"; Capitalistic Warmongers — A Modem Superstition, Chicago 1942. Von wichtigen Veröffentlichungen über den Imperialismus im Sinne der wirtschaftlichen Interpretation seien die folgenden genannt: J. A. Hobson, Imperialism, London 1902; Rosa Luxemburg, Die Akkumulation des Kapitals, Berlin 1913; Rudolf Hilferding, Das Finanzkapital, Wien 1923; Fritz Sternberg, Der Imperialismus, Berlin 1926. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.75.6.65 | Generated on 2023-04-04 11:10:51
711] Die Dynastien, die Nationen und der Imperialismus 71 Im folgenden werden einige mehr oder minder willkürlich gewählte historische Vorgänge aufgeführt, die die wirtschaftliche Verursachung des Imperialismus angeblich beweisen sollen. Was sie in Wirklichkeit zeigen, ist, daß Unternehmer das Werkzeug von Regierungen gewesen sind, und nicht Regierungen den Wünschen von Unternehmern gehorcht haben. Es ist oft behauptet worden, daß der russisch-japanische Krieg zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Rußland im Interesse von Kapitalisten, die die Reichtümer Mandschuriens ausbeuten wollten, geführt wurde. Der wirkliche Hergang war folgender: Ein russischer Kaufmann hatte in einem mandschurischen Forstunternehmen Geld investiert und wollte sein Unternehmen veräußern. Dem Zaren nahestehende Persönlichkeiten fanden das politisch unerwünscht und hielten Umschau nach Aktionären, denen nicht an „sofortigen Dividenden" liegen würde, wenn sie dafür „dem Zaren einen Dienst erweisen" könnten. Solche Aktionäre fanden sich, und von 1903 an wurden zahlreiche russische Holzfäller unter der Aufsicht von Reserveoffizieren nach der Mandschurei gesandt. „Die berühmten Forstunternehmen waren einfach der Vorwand für politische und militärische Pläne. . . . Es ist deshalb nicht erstaunlich, daß das Ergebnis dieser wirtschaftlichen6 Unternehmung nicht Holz war, sondern ein Krieg8." Der italienisch-türkische Krieg 1911/12 und die anschließende Annexion von Tripolis durch Italien soll durch das italienische Eingreifen zugunsten den Interessen der Banco di Roma verursacht worden sein. Auch hier ist das Gegenteil richtig. Die genannte Bank hatte ihre sogenannten „wirtschaftlichen Interessen" in Tripolis etabliert, weil die italienische Regierung, die Tripolis irgendwann annektieren wollte, es ihr nahegelegt hatte. Noch um 1900 herum war kein italienisches Kapital in Tripolis investiert. Die Banco di Roma war die Bank des Vatikans. Sie stand infolgedessen bei der Regierung in schlechtem Ansehen und hatte keine Rediskontfazilitäten. Diese und andere Vorteile wurden ihr in Aussicht gestellt, wenn sie in Tripolis Filialen etablieren und italienische Unternehmungen finanzieren würde. Als die Bank in Tripolis Verluste hatte, wollte sie ihre Investitionen an deutsche oder englische Interessenten verkaufen. Um dies zu verhindern und um eine Kompensation für die Annexion Marokkos durch Frankreich zu erzielen, sandte Italien im September 1911 ein Ultimatum an die Türkei9. Der Konflikt zwischen dem kaiserlichen Deutschland und Frankreich über Marokko soll zum] Teil von den deutschen Banken geschürt 8 Eugene S t a 1 e y , War and the Private Investor, New York 1935, p. 62. 9 Op. cit. pp. 62 ff. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.75.6.65 | Generated on 2023-04-04 11:10:51
72 Walter Sulzbach [712 worden sein. Auch hier ist das Gegenteil richtig. Im Jahre 1904 schrieb der damalige Staatssekretär des Auswärtigen von Richthofen: „Die deutschen Banken streiken geradezu alle, sobald man von Marokko spricht10." Während des ersten Weltkrieges kam Wilhelm Mühion, ein Direktor von Krupp, zu der Überzeugung, daß Deutschland für den Krieg verantwortlich war und daß die Deutschen ihn barbarisch geführt hätten. Er verließ Deutschland und veröffentlichte in der Schweiz ein Buch unter dem Titel „Die Verheerung Europas"11. Mühion kannte die Geheimnisse der größten deutschen Kanonenfabrik. Es stand bei ihm, alles, was es zu enthüllen gab, zu enthüllen. Aber sein Buch bringt den Anhängern der Marxschen Schule nicht, was sie erwarten würden. Mühion wirft den deutschen Industriellen vor, daß sie gewisse unerfreuliche Charakterzüge mit allen anderen Deutschen teilen. Er nennt sie machthungrig und egoistisch. Er erhebt den gleichen Vorwurf gegen Wilhelm II. und die deutschen Generäle. Aber davon, daß Krupp zum Krieg getrieben habe, findet sich bei ihm nicht ein Wort. Gewisse Soziologen, die besonders im deutschen Sprachgebiet geschätzt werden, operieren mit Begriffen wie „Kapitalismus", „Spätkapitalismus", „Finanzkapital" und „Bourgeoisie", wie wenn diese Begriffe für tatsächliche Personen stünden und selbständige geschichtliche Faktoren wären. Aber Begriffsrealismus hat immer nur Verwirrung gestiftet und die wahren Probleme verdunkelt. Man kommt der Wahrheit näher, wenn man sich an greifbare Menschen hält. Wasi immer die Rolle der „Bourgeoisie" sein mag, es sind die Regierungen der Staaten, die Kriege erklären und Territorien annektieren. Regierungen haben entweder mehr oder minder unbeschränkte Macht oder sie sind von den Regierten durch Wahlen bestellt. Absolutistische Könige und Kaiser und ihre Nachfolger, die modernen Diktatoren, haben keine Veranlassung, nach der Pfeife ihrer Kapitalisten zu tanzen. Die Annahme, daß Bismarck oder Wilhelm II. ihre auswärtige Politik unter diesem Gesichtspunkt und nicht einfach in der preußischen Tradition geführt haben sollen, ist absurd. Es war der Ehrgeiz der Angehörigen der deutschen Bourgeoisie in der Kaiserzeit, als Offiziere oder Reserveoffiziere oder Verwaltungsbeamte von der herrschenden Schicht akzeptiert zu werden. Die Bourgeoisie blickte zum Adel auf und ahmte ihn nach. Der Adel gehorchte nicht der Bourgeoisie. Und daß Hitler alles andere eher war als ein Werkzeug der 10 Op. cit. p. 272. 11 Zürich 1918. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.75.6.65 | Generated on 2023-04-04 11:10:51
719] Die Dynastien, die Nationen und der Imperialismus 79 18. Jahrhunderts den Beweis, daß freier Handel mehr Profit abwirft als erzwungene Handelsmonopole. Zwischen ungefähr 1875 und dem ersten Weltkrieg hat England zwar eine erneute Expansionspolitik getrieben. Aber wenn auch die Gründe, die hierfür angegeben wurden, vielfach wirtschaftlicher Natur waren und trotz einschneidender sachverständiger Kritik ihre Anhänger fanden, lagen ihre wirklichen Motive auf einem anderen Gebiet: Sie waren politisch und romantisch. Man muß nur einen Blick auf die Propheten des wiedererwachten britischen Imperialismus werfen: Den Staatsmann D'Israeli, den Historiker Seeley, den Dichter und Romancier Kipling, um die wirkliche Natur der neuen Begeisterung für Expansion zu verstehen. Selbst Cecil Rhodes wurde nicht reich durch britische Eroberungen. Sein Imperialismus bestand umgekehrt darin, daß er seinen Reichtum dazu verwenden wollte, das British Empire immer weiter auszudehnen. Noch im 18. Jahrhundert war man sich darüber klar, daß die Expansionspolitik der damaligen und der vergangenen Könige eine rein dynastische Angelegenheit war. Die Gebildeten hätten gelacht, wenn jemand die Behauptung aufgestellt hätte, daß die Merowinger die Absicht gehabt hätten, das Werden einer französischen Nation vorzubereiten, oder Wilhelm der Eroberer etwas Ähnliches für England im Sinne gehabt hätte, als er im Jahre 1066 mit seinen Normannen nach England übersetzte, oder daß Friedrich der Große, der fast nur französisch sprach und schrieb, bei seinen Feldzügen an die deutsche Nation der Zukunft gedacht habe. Vielleicht hätten sie aber auch nicht gelacht, denn sie hätten gar nicht verstanden oder damals auch nur verstehen können, welche Art von politischen Gebilden im 19. Jahrhundert als „Nationen" ihre eigene Souveränität beanspruchen würden. Es hat seit unvordenklichen Zeiten die Liebe der Menschen zu ihrer Heimat gegeben. Diese bezieht sich heute, wie ehedem, auf ein verhältnismäßig kleines Areal und die nicht allzu zahlreichen Menschen, die man aus eigener Erfahrung kennt. Es hat außerdem die Abneigung gegen Fremde, den „Fremdenhaß66, gegeben. Menschen mochten „fremd66 sein, weil sie einem anderen Souverän unterstanden oder eine andere Sprache oder einen anderen Dialekt sprachen, oder weil sie eine andere Religion hatten oder in einem anderen Dorf lebten oder einfach, weil sie neu auftauchten. Das moderne Nationalgefühl: Das Verlangen großen Massen nach einem eigenen souveränen Staat mit fest umschriebenen Mindestgrenzen existierte nicht vor dem 19. Jahrhundert. Der Unterschied von Fremdenhaß und Nationalgefühl läßt sich am Beispiel Deutschlands zur Zeit der Reformation und Italiens im OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.75.6.65 | Generated on 2023-04-04 11:10:51
80 Walter Sulzbach [720 19. Jahrhundert illustrieren. Zur Zeit der Reformation wurde in Deutschland heftig gegen den ausländischen, besonders den italienischen Klerus und seine Macht und Einkünfte protestiert, und viele Ausländer wurden vertrieben. Aber niemand, auch nicht Ulrich von Hutten, verlangte ein einiges Deutschland, einen deutschen Nationalstaat. Im Italien des 19. Jahrhunderts vor 1866 war ebenfalls der Haß gegen die Fremden, d. h. die östereicher, die in der Lombardei und Venetien regierten, und die fremden Dynastien in Neapel, Parma usw. allgemein. Aber mit ihrer Vertreibung war es nicht getan. Es gab ein italienisches Nationalgefühl, und sein Ziel war ein geeintes Italien. Zahlreiche Historiker sind philosophisch oder romantisch veranlagt und haben das Bedürfnis, im historischen Geschehen unter allen Umständen einen Sinn zu entdecken. Heute stehen die Nationen im Vordergrund des Geschehens. Diese Tatsache hat eine merkwürdige optische Täuschung bewirkt. Manche Historiker haben die moderne Geschichte dahin interpretiert, daß die Nationen ihren vormaligen Herrschern gewissermaßen dafür dankbar sein sollen, daß sie, zwar unbewußt, aber doch von einem bedeutsamen Instinkt geleitet, für die Entstehung der modernen Nationen die Vorarbeit geleistet haben. Diese Historiker und Geschichtsphilosophen erklären die imperialistische Politik der Könige aus den Vorstellungen der modernen Nationen, während in Wirklichkeit gerade umgekehrt die Vorstellungen der Nationen entstanden sind als Abbilder der Interessenpolitik der Dynastien und, in gewissen Fällen, von Aristokratien, die in Republiken wie Venedig und Genua regierten. Die Nationen sind in doppelter Hinsicht an die Stelle ihrer vormaligen Herrscher getreten, die entweder abgesetzt oder entmachtet wurden oder sich die Gedankengänge des neuen Nationalismus zu eigen machen mußten. Die Nationen waren wie die Dynastien darauf bedacht, ihren „Besitzstand" zu erhalten und möglicherweise zu, vergrößern; und sie übertrugen die religiöse Verehrung, die sie ihren Fürsten gewährt hatten, auf sich selbst als Nationen. Der König stand Gott näher als andere sterbliche Menschen. Die Nation hat den moralischen Vorrang gegenüber allen anderen sozialen Gebilden. Gerade weil weder ihr statischer noch ihr dynamischer Imperialismus den Nationen irgendwelche Vorteile bringt — weder auf der wirtschaftlichen Seite noch an Ansehen —, greifen sie zu den phantastischsten Ideologien, um sich ihr eigenes Verhalten, dessen wahren Ursprung sie nicht verstehen, zu erklären. Sie kämpfen für ihre „nationale Existenz", für ihre „nationale Kultur", für die Vorherrschaft der nordischen Rasse oder des Proletariats oder Gott weiß was sonst. Für die Könige des 17. und 18. Jahrhunderts hatten alle Kriege limitierte OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.75.6.65 | Generated on 2023-04-04 11:10:51
721] Die Dynastien, die Nationen und der Imperialismus 81 Ziele, und selten bestand die Absicht, eine fremde Dynastie vollkommen zu enteignen. Wenn Polen eine erbliche Dynastie gehabt hätte, hätten die Hohenzollern, Habsburger und Romanows nicht ganz Polen unter sich aufgeteilt (Lord Acton). Noch Franz Joseph konnte nach der Schlacht von Solferino erklären: „Ich habe eine Schlacht verloren, ich trete eine Provinz ab". Und so geschah es. Erst der Nationalismus hat den „totalen" Krieg konzipiert. VI. Die Frage nach der Zukunft des nationalen Imperialismus ist mehr oder minder identisch mit der Frage nach der Zukunft des modernen Nationalgefühls überhaupt. Es läßt sich nicht bestreiten, daß die Zahl der souveränen Nationen in dauernder Zunahme begriffen ist. Die politische Landkarte verzeichnet erheblich mehr Nationalstaaten, als vor 50 und selbst vor 25 Jahren existierten. Von den neuen Staaten sind einige, wie Indien, Pakistan und Indonesien, ausgesprochen annexionistisch eingestellt. Auf der anderen Seite ist kein einziger Fall bekannt, wo mehrere Nationen sich freiwillig in einem Staat vereinigt haben. Litauen, Lettland und Estland sind gegen ihren Willen von Sowjetrußland annektiert worden. Aber das moderne Nationalgefühl ist erst anderthalb Jahrhunderte alt. Es ist nicht anzunehmen, daß es bis an das Ende aller Tage Bestand haben wird. Und wenn man die voraussichtliche Auswirkung gewisser neuester Entwicklungen in Erwägung zieht, drängt sich der Schluß auf, daß seine Auflösung in absehbarer Zukunft voraussteht. Die Erkenntnis, daß Land„besitz" für die Nationen wirtschaftlich und prestigemäßig keinerlei Bedeutung hat, hat sich schon weitgehend durchgesetzt, soweit die Kolonien in Frage kommen. Sie wird sich ohne Zweifel auch für die nationalen Territorien im engeren Sinne durchsetzen. Die Tschechen werden es mit der Zeit nicht mehr wichtig finden, daß die Slowaken zu ihnen ,, gehören", und die Einstellung der Serben gegenüber den Kroaten und die der Deutschen, Franzosen und Polen gegenüber ihren historisch strittigen Gebieten wird sich entsprechend ändern. Was sich auf dem Gebiete der Religionen und Religionskriege zugetragen hat, wird sich auf dem des Nationalitätenstreits wiederholen: Dinge, die man für wichtig gehalten hat, wird man unwichtig finden, weil ihre Unwichtigkeit durch kritische Analyse bewiesen worden ist, und weil der menschliche Verstand Emotionen, durch die wir uns selbst nur schaden, meistens überkommen kann. Den Slowaken, den Kroaten, den Deutschen und den Polen wird es ihrerseits, wenn das Nationalgefühl auf allen Seiten abblassen sollte, Schmollers Jahibudi LXXV, 6 6 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.75.6.65 | Generated on 2023-04-04 11:10:51
82 Walter Sulzbach [722 gleichgültig sein, wohin sie „gehören". Es war ihnen Jahrhunderte lang gleichgültig. Die Intellektuellen haben viel dazu beigetragen, den modernen nationalen Imperialismus zu schaffen. Es wird ihre Aufgabe sein, ihm künftig den Boden abzugraben. Ein zweiter Faktor, der in der gleichen Richtung wirken dürfte, ist das neue Gesicht des Krieges. Kriegerisches Heldentum ist seit unvordenklichen Zeiten mit einem romantischen Schimmer umgeben worden. Die modernen mechanisierten Massenschlachten sind gegen alle bessere Erkenntnis noch bis in die neueste Zeit hinein verklärt worden, wie wenn sie den Kämpfen der homerischen Helden vor den Mauern Trojas an die Seite gestellt werden könnten. Noch als der erste Weltkrieg ausbrach, war die Romantik des Krieges weit verbreitet. Aber jetzt haben die Atombombe und ihre noch viel fürchterlicheren Nachfolger das Bild geändert. Heldentum bedeutet nichts mehr, wenn Millionen von Nichtkämpfern durch einen geschickten Abwurf getötet werden können. Ein künftiger Krieg wird möglicherweise keine dramatischen Schlachten mehr kennen und nicht einmal berühmte Generäle hervorbringen. Die Nationen werden nach wie vor auf ihre kriegerische Vergangenheit stolz sein, aber sie werden nicht mehr der Überzeugung sein, daß die territorialen „Probleme", die sie trennen, gewaltsam gelöst werden müssen. Diese „Probleme" werden zusammenschrumpfen und schließlich verschwinden. Und damit würde ein weiteres Stück aus der Hinterlassenschaft der Dynastien und Aristokratien liquidiert werden. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.75.6.65 | Generated on 2023-04-04 11:10:51