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Čyževs’kyj und das „barocke Lebensgefühl“ im Prag der 30er Jahre

Author: Vojvodík, Josef
Publisher: Univerzita Karlova, Filozofická fakulta,Praha
Year: 2025
DOI: 10.14712/23366680.2025.1.2
Source: https://dspace.cuni.cz/bitstream/20.500.11956/203515/1/Josef_Vojvod%c3%adk_31-56.pdf
Čyže s’kyj und das „ba ocke Lebensge ühl“
im P ag de 30e Jah e
Jose Voj odík
Filozo ická akul a Uni e zi y Ka lo y, Ús a české li e a u y akompa a is iky
jose . [email p o ec ed]
SYNOPSIS
Čyže s’kyj and he ‘Ba oque Li e Feeling’ in P ague in he 1930s
This s udy app oaches Dmi i Čyže s’kyj’s s udies on Czech li e a u e in he con ex o he ecep-
ion and e lec ion o he Ba oque in Czech cul u e in he 1930s. This edisco e y and ehabili a ion
o he Ba oque, o which 19 h-cen u y his o icism and Czech posi i is his o iog aphy e e ed o
pejo a i ely as he ‘da k’ pe iod, was no as aigh o wa d p ocess, bu was cha ac e ized, on he
con a y, by asu p ising con e gence o he e ogeneous, e en dispa a e wo ld iews, as well as ideo-
logical, philosophical, and a is ic-aes he ic posi ions. Dmi i Čyže s’kyj’s s udies played asigni i-
can and in e es ing ole in his p ocess o di e en ia ed e lec ion and ecep ion o he Czech Ba-
oque. These may be b oken down in o h ee concep s: ideological igu es ha play api o al posi ion
in Čyže s’kyj’s ea ises on Czech and o he na ional li e a u es o he Ba oque and Roman ic pe i-
ods, om ali e a y aes he ic, he meneu ics, and his o ical pe spec i e: wo ld iew, an i he icali y,
and nega i e allego y.
KEYWORDS
Ba oque; double; duali y; an i he icali y; nega i e allego y; nega i e heology.
DOI
h ps://doi.o g/10.14712/23366680.2025.1.2
Am 27.Mai 1938, im Jubiläumsjah des zwanzigjäh igen Bes ehens de Tschecho-
slowakischen Republik, wu de im P age Wallens ein Palais (Valdš ejnský palác)
eine monumen al konzipie e Auss ellung des böhmischen Ba ock P ažské ba oko
1600–1800 (Mai-Sep embe 1938) e ö ne , die am Vo abend des Zusammenb uchs
de Republik nach dem Münchne Abkommen om 29.Sep embe 19381 alsbald eine
symbolische Bedeu ung e lang e. De Kuns his o ike Václa Vilém Š ech, eine de
Ku a o en und Vo s andsmi gliede des Auss ellungskomi ees, hob die Ak uali ä des
Ba ock he o , indem e die Auss ellung als „eine g oße Annähe ung on Heu e und
1 In olge de poli ischen E eignisse im Sep embe 1938 wu de die Auss ellung am 22.IX.
1938 o zei ig geschlossen.
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Ges e n“2 bezeichne e (Š ech 1938, ohne Sei enzahl). Die Kuns des Ba ock soll e als
ein lebendiges und zei loses Phänomen da ges ell we den und ge ade diese bis zu
Eks ase ges eige e Lebendigkei we e e Š ech als Ausd uck und Beweis ü die un-
geb ochene K a und Wi kungsmäch igkei des Ba ock in mode ne Zei . Die Küns -
le de Mode ne wa en sich de Rele anz und de Bedeu ung des Ba ock ü die zei -
genössische Kuns du chaus bewuss : In de „An iklassizi ä “3 des Manie ismus und
des Ba ock sahen sie eine kla e An i hese zu allen Fo men und Mani es a ionen ka-
nonisie e „Klassizi ä “ als e mein liche Ga an ie de „ewigen We e“.4 Un e ih-
2 „[V]eliké sblížení dneška s če ejškem“.
3 Mi dem Beg i „an iklassische S il“ a bei e Wal e F iedlaende in seine wich igen
Abhandlung Die En s ehung des an iklassischen S iles in de i alienischen Male ei um 1520
(1925). F iedlaende heb die Wide sp üchlichkei und i i ie ende Duplizi ä als cha ak-
e is ische Me kmale des manie is ischen An iklassizismus he o , d.h. die Ve geis igung
und O namen alisie ung de menschlichen Ges al , den Wide sp uch zwischen de Bild-
läche und de Tie e des Bild aumes, die E se zung eine no ma i en, in e subjek i all-
gemein akzep ie en A des (zen alpe spek i ischen) Sehens, die bis dahin als „na ü -
lich“ gegol en ha e, du ch eine konsequen subjek i e, „unna ü liche“ A , was zugleich
die Ablehnung des allgemein akzep ie en no ma i en Kanons zu Folge ha e (F iedlaen-
de 1925, S.51).
4 Es is kein Zu all, dass die Rehabili ie ung und Wiede belebung des Ba ock in den 20e
und 30e Jah en des 20.Jah hunde s mi de Konjunk u des Pseudoklassizismus im Na-
men alsch in e p e ie e „na ionale T adi ionen“, des „Volksgeis es“ und de „Volks üm-
Abb. 1:Auss ellungsplaka P ažské ba oko
(P age Ba ock) 1938.
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nen auch Oska Kokoschka, eine de bedeu ends en Küns le des 20.Jah hunde s
und ein Comenius-Ve eh e , de on 1934 bis 1938 im P age Exil leb e. Anlässlich de
P age Ba ock-Auss ellung e ass e Kokoschka ku z o seine Ab eise nach London
den Essay Böhmisches Ba ock, de e s mals— wenn auch in eine misslungenen eng-
lischen Übe se zung— im Jah 1942 in de No embe ausgabe des Bu ling on Maga-
zine o Connoisseu s (Kokoschka 1942, S.263–268) und zwei Jah e spä e im Londone
Sammelband deu sche und ös e eichische Exilau o en und Exilküns le S immen
aus Böhmen e ö en lich wu de (Kokoschka 1944, S.15–19).
E ich T unz si uie die An änge des Ba ock in das Rudol inische P ag, genaue
gesag , in den K eis um Kaise Rudol II., de 1575 böhmische König und 1576 ömi-
sche Kaise wu de und sei seinem Regie ungsan i imme wiede länge e Zei in
P ag e b ach e. Die endgül ige Übe siedlung des kaise lichen Ho es in die Haup -
s ad des König eichs Böhmen e olg e im Jah 1583. Die En scheidung Rudol sII., den
kaise lichen Reichsho s aa nach P ag zu e legen und die P age Bu g als Residenz
zu beziehen, bedeu e e eine g oße Ve heißung ü die En wicklung nich nu de
spä humanis ischen Geleh samkei und de Küns e, sonde n auch de spekula i en
Wissenscha en. P ag wu de „zu einem hochin e essan en Zen um, wo sich nich
nu Küns le iele Spezialisie ungen, sonde n auch eine Reihe on Wissenscha -
le n aus e schiedenen Lände n e sammel en und un e op imalen Bedingungen
a bei en konn en“ (Buko inská 2003, S.205). So bilde e sich, wie Rüdige Zymne
da leg , im Umk eis des P age Ho es ein „komplexes äs he isch-soziales Handlungs-
eld“, dessen Ein luss au das gesam e Kuns scha en Mi el- und No deu opas bis ins
spä e 17.Jah hunde nachwi k e (Zymne 2001, S.83–84). Die Küns le und Wissen-
scha le , die ü den Kaise a bei e en, ha en ih e A elie s ode Labo a o ien au
dem Gelände de P age Bu g, denn ü den Kaise wa es wich ig, die En s ehung
eines Kuns we kes ode Expe imen s zu e olgen. Den eigen lichen An ieb des
gesam en äs he isch-sozialen Handlungs eldes sieh E ich T unz in de uni e salen
eligiös-philosophischen Leh e de „Pansophie“, de en Höhepunk das Haup we k
on Johannes Keple Ha monices Mundi lib i V(1619), eine Syn hese de na u wissen-
scha lichen, ma hema ischen und kosmologischen Leh en, da s ell . Rudol s In e-
esse an Okkul ismus, Alchemie und spekula i en Wissenscha en ha e alle dings
ie e e G ünde. Eine wich ige Rolle spiel e dabei die Vo s ellung, die e lo ene Ha -
lichkei “, sowohl im na ionalsozialis ischen Deu schland als auch im kommunis ischen
Sowje ussland, einhe ging. Wie de Auss ellungska alog Ty annei des Schönen (1994) übe
die A chi ek u de S alinzei zeig , gehö e die Fo de ung nach de To alisie ung alle
Wide sp üche und Gegensä ze zu den wich igs en K i e ien de s alinis ischen A chi ek-
u . Es ging um die E ablie ung de escha ologischen Zei nach dem Ende de Geschich e,
die als Geschich e des „Klassenkamp es“ eine sei s und als „Au e s ehung“ alle his o i-
schen S ile ande e sei s (na ü lich on allen ideologisch une wünsch en Elemen en be-
ei ) in e p e ie wu de. Deshalb haben die A chi ek en de s alinis ischen Ä a, lau Bo-
is G oys (1994, S.21), imme wiede dasselbe Gebäude gebau , unabhängig on S ando ,
äuße e Funk ion usw., nämlich das Gebäude de s alinis ischen Ideologie, in dem en -
wede alles seinen Pla z ha ode ze s ö we den muss. Diese A chi ek u zeichne sich
du ch die Rückbesinnung au den His o ismus und Eklek izismus his o ische S ile im
Geis e de My hologisie ung de U opie aus.
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monie de Wel (ha monia mundi) könn e du ch die Wissenscha en und Küns e als
Pansophie— eine Uni e salwissenscha — wiede he ges ell we den (T unz 1992,
S.27–46). In diese Konzep ion wu de de Kuns eine de Weishei (sapien ia) ähnli-
che Posi ion (sapien ia) zue kann , und de Küns le wa homo abe und homo sapiens
in eine Pe son.
„HEIMAT IST IM NIRGENDS NUR“: BAROCKES VORSPIEL
Im No embe 1929 e schien in P ag die „g oße Wallens ein T ilogie“ Bloudění (Das I -
sal) on Ja osla Du ych,5 die sogleich einen ge adezu immensen Wide hall bei de
K i ik and. F an išek Xa e Šalda hob explizi das „ba ocke Komposi ionsp inzip“
on Bloudění he o :
Du ychs Roman is ganz au dem ba ocken Komposi ionsp inzip au gebau ; dies
is Du ychs Lebens- und Denks il. Eine Masse absolu en, übe wel lichen, übe i -
dischen Lich es, ang i slus ig geschleude gegen eine Masse absolu e , i dische
Dunkelhei und absolu en, i dischen Sch eckens, absolu en in e nalischen G auens;
ohne Ve bindung, ohne Übe gang. Eine absolu e, anszenden e Lohe des Lich es
gegen einen dunklen, ha näckigen Na u alismus des Schmu zes, des Schlamms,
de Missges al en und de Aba igkei . De g öß e Ba ockmale is Remb and ; nun,
ich muss e bei de Lek ü e on Du ychs Roman manchmal an Remb and denken;
als wü de Du ych an den g oßa igs en S ellen seines We kes Remb and aus de
Bildkuns in die Wo kuns übe se zen. (Šalda 1929–1930, S.181–182)6
Im Allgemeinen wu de Du ychs Wallens ein-T ilogie be ei s in den d eißige Jah-
en als ein We k wah genommen und ezipie , das li e a äs he isch sowie ideenge-
schich lich wesen lich zu Rehabili ie ung de Ba ockkul u beige agen ha e. Als
dezidie ka holische Au o konn e sich Du ych7 keineswegs mi de T adi ion de
5 Die e s e— alle dings un olls ändige— deu sche Übe se zung on Ma in Ha mann-
Wagne (eigen l. Paul Eisne ) un e dem Ti el F iedland. Ein Wallens ein-Roman e schien
1933 beim Pipe Ve lag in München. Eine Neuau lage e olg e 1954 beim He old-Ve lag in
Wien.
6 „Du ychů omán je celý s a ěn na komposičním p incipu ba okním; o je ži o ní imyšlen-
ko ý s yl Du ychů . Masa nap os ého s ě la, nads ě ského, nadzemského, žená ú očně
p o i mase nap os é my ah ůzy pozemské, nap os ého děsu pekelného; bez spojení, bez
přechodu. Absolu ní anscenden ní sálání s ě elné p o i emnému za ilému na u alis-
mu špíny, kalu, zpo ořenos i az hlos i. Nej ě ší ba okní malíř je Remb and ; nuže, na
Remb and a musil jsem leckdy mysli při če bě ománu Du ycho a; na cholných mís-
ech s ého díla Du ych jako by zmalířského elemen u překládal Remb and a do elemen u
slo ného.“— Übe se zungen, sowei nich ande s e me k , on J.V.Hie wie im Wei e-
en inde sich die bibliog aphische Angabe des schechischen O iginals, dessen Wo lau
in de Fußno e angegeben wi d, im Fließ ex .
7 Ja osla Du ych ha sich jedoch nich nu als Romanau o , sonde n auch als Publizis und
He ausgebe (1928–1932) de Li e a u zei sch i Ako d um die Rehabili ie ung des Ba-
ock e dien gemach . In Ako d e schien 1931 eine Sonde numme , die einem de wich-
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e o mis ischen Hussi en-Bewegung iden i izie en, die on dem G ünde de E s-
en Tschechoslowakischen Republik und ih em langjäh igen P äsiden en Tomáš Ga -
igue Masa yk als Fundamen de schechischen Na ionaliden i ä und als Schwe -
punk de schechischen geis igen En wicklung s a uie wu de. Spä e en lamm e
de sog. S ei um den Sinn de schechischen Geschich e, an dem sich meh e e His-
o ike , Philosophen ode Publizis en be eilig en und de das in ellek uelle Leben
in de E s en Tschechoslowakischen Republik mi p äg e. In diesem S ei nahm de
wohl bedeu ends e Opponen on Masa yk, de His o ike und Uni e si ä sp o es-
so Jose Pekař, de da übe hinaus ein p ononcie e Ba ock-Fo sche wa ,8 eine ex-
ponie e Posi ion ein.9
Ein wenig spä e (1935) e ö en lich e F.X.Šalda den Au sa z Oli e á ním ba oku
cizím idomácím (Übe das li e a ische Ba ock im In- und Ausland), in dem e das Ba ock
als ein zei loses Phänomen und einen o mode nen S il in e p e ie , de bis in die
Gegenwa nachwi k :
Fü mich is das Ba ock das e s e mode ne Zei al e , besse gesag , de Beginn de
Mode ne, in de wi noch imme leben, ein Zei al e , in dem das küns le ische
Scha en, wü de ich sagen, un e hohem D uck s eh , ein Zei al e g oße d ama-
ische Spannung und Übe spannung, ein Zei al e , das bipola und zweideu ig is ,
im Gegensa z zum eindeu igen Mi elal e und de eindeu igen Renaissance. Das
Ba ock is dualis isch: es en s eh aus g oßen E schü e ungen, s eh au dem ulka-
nischen Boden de Lebensk ise, in ihm wal e ein inne e beg i liche Zwiespal […].
De ba ocke Zus and is im eigenen Sinne pa he isch (das g iechische Wo Pa hos
bedeu e Leiden). Es is ein Zus and de s ändig ges eige en Spannung zwischen
Lebensausb uch und Lebens e neinung, zwischen wel liche Sinnlichkei und de
Fluch o ih . Die beiden Pole po enzie en sich gegensei ig, s eige n und en al en
sich zu ih e höchs en In ensi ä . Das e s e Me kmal de ba ocken Poesie is also ein
ges eige e Sensualismus, ein i ale Übe schwang und eine Leidenscha , die bis
zu Hunge und Du s nach Sensa ionen eich . […] Ein wei e es cha ak e is isches
Me kmal des Ba ock sind die Anläu e zu Synäs hesie, zu doppel em Emp inden. […]
Typisch ü das Ba ock is auch de Kul de Ges e, de Fa be und des Klangs; sein
Ke n is musikalisch-male isch, sinnlich-wellend und bewegend […]. Dami gehen
igs en Au o en des schechischen li e a ischen Ba ocks, Bedřich B idel, gewidme wa .
Diese „B idel-Numme “ („B idelo o číslo“), die ein deu liches Signal ü eine neue Ba ock-
o schung zu Beginn de 1930e Jah e se z e, wu de on dem Theologen und Slawis ik-
P o esso Jose Vašica he ausgegeben, mi dem Čyže s’kyj eng be eunde wa , und de
einen maßgeblichen Bei ag zu E o schung de al slawischen Li e a u und des sche-
chischen li e a ischen Ba ocks leis e e.
8 Als Thema seine Habili a ionssch i on 1895 wähl e Pekař das Komplo gegen Wal-
lens ein Dějiny Valdš ejnského spiknu í 1630–1634 (Geschich e de Wallens ein-Ve schwö ung
1630–1634).
9 Im Jah 1927 hiel Jose Pekař seinen be ühm gewo denen Vo ag Smysl českých dějin (De
Sinn de schechischen Geschich e), de dann das Jah da au im D uck e schien und dessen
Fo mulie ungen und A gumen e g oßes Au sehen e eg en. D . Jose Pekař: De Sinn de
Tschechischen Geschich e. [Sch i en eihe de Acke mann-Gemeinde] Ve lag P ess e ein
Volksbo e, München 1961.
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auch die Ve suche einhe , die Poesie simul an we den zu lassen. […]. Die Poesie
in diese Hinsich de bildenden Kuns anzunähe n, da um bemüh sich auch de
Spä ba ock. Was Apollinai e in unse e Zei in seinen Callig ammes mach , wenn
e ein Gedich in de Fo m des Ei el u ms ode in de Fo m on Regen op en ode in
de Fo m on e sp eng en Linien, die Sch apnellgeschosse imi ie en, sch eib , das
machen im siebzehn en Jah hunde Ha sdö e und Klaj, die die Mode ein üh en,
Ve se ü das Auge zu ges al en, sie ypog aphisch in Fo m on Ge äßen ode ähn-
lichen Gebilden anzuo dnen. (Šalda 1987, S.285, 292–293)10
Šalda mach hie explizi au eine de wich igs en Gemeinsamkei en on Ba ock und
mode ne Kuns au me ksam, nämlich au die Tendenz zu Pansemio isie ung,11 d.h.
zu maximalen Auswei ung de Zeichenha igkei de Kuns sowie de sinnlichen
Sei e des Kuns we ks. Auch das Gedich soll als A e ak e s anden we den im Sinne
de Ve wandlung des Tex es in ein isuelles ode akus isches Objek . Das Uni e -
sum de Zeichen wi d sowohl im Ba ock als auch in de mode nen Kuns e ding-
lich und be ei s in de Ba ockmale ei läss sich eine s a ke Tendenz zu g undlegen-
den T ans o ma ion des Bild aums es s ellen, die eine eigena ig diskon inuie liche
Demons a ion und P äsen a ion de Objek e selbs e möglichen soll e. Die Gegen-
s ände e scheinen in neuen, une wa e en Zusammenhängen ode sie we den in un-
gewöhnlich kon as eichen Mon agen kombinie . Mi den Küns le n des Ba ock
e binde die mode nen Küns le ein s a kes Kuns bewuss sein, auch im Sinne ei-
ne g undsä zlichen In ages ellung und Ve emdung de (sinnlich wah nehmba-
en) Wi klichkei mi küns le ischen Mi eln. So gesehen s ell das Ba ock a säch-
lich schon ein „s ilo mode no“ da .12
10 „Ba ok je mně p ní ěk mode ní, lépe počá ek mode ního ěku, němž ješ ě žijeme,
ěku, kdy se oří, řekl bych, pod ysokým lakem, ěk elikého d ama ického napě í apře-
pě í, ěk d ojpolá ní ad ojznačný, p o i jednoznačnému s ředo ěku ajednoznačné ene-
sanci. Ba ok je dualis ický: s ojí na elikém o řesu, na sopečné půdě ži o né k ize, je něm
ni řní pojmo ý s á […]. Ba okní s a je pa e ický e las ním smyslu (řecké pa hos zna-
čí u pení). Je o s a napě í s ále s upňo aného mezi ži o ním ýbojem apopí áním ži o-
a, mezi s ě skou smyslo os í aú ěkem od ní. Oba póly se na sobě s upňují a ozží ají se
do s é nej yšší in enzi y. P ní znak ba okní poezie je edy z ýšený sensualism, ži o ná
kypi os a ášni os , k e á jde až do hladu ažízně senzací […] Jiný ka ak e is ický ys p o
ba ok jsou náběhy ksynes ézii, kpod ojnému cí ění. […] P o ba oko je dále ka ak e is ic-
ký kul ges a, ba y, z uku, jeho jád o je hudebně malebné, smyslně lni é apohnu é […].
S ím sou isí ipokusy zesimul áni poezii […]. Přiblíži poezii  om o smě u ý a nému
umění, o o se snaží aké pozdní ba ok. To, co dělá naší době Apollinai e Kalig amech,
když píše báseň do a u Ei elky nebo do a u dešťo ých ni í nebo do a u ozs říklých
ča , k e é napodobují p ojek ily š apnelo é, o dělají sedmnác ém s ole í Ha sdö e
aKlaj, k eří za edli módu pořáda e še p o oko, up a o a je ypog a icky do o em ná-
dob nebo podobných a ů.“
11 Igo Smi no sp ich om „pansemio ischen Umgang mi de Wi klichkei “ in de Ba ock-
kuns (Smi no 1977, S.120).
12 Ma in Wa nke ha mi seinem Buch Ho küns le : Zu Vo geschich e des mode nen Küns le s
(1996) gezeig , dass die eu opäische A an ga de an den Hö en de He sche und Fü s-
en gebo en wu de. Diese neue Küns le ypus schu sich e wa sei dem Ende des 14.Jah -
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JOSEF VOJVODÍK 37
In de an angs e wähn en P age Ba ock-Auss ellung (1938) schein ein P ozess
zu kulminie en, de Ende de 20e Jah e des 20.Jah hunde s anse z und den man
als Rehabili ie ung des Ba ock in de schechischen Kul u und Geis esgeschich e be-
ach en und bezeichnen kann. Die Rehabili ie ung des om His o ismus des 19.Jah -
hunde s und on de schechischen posi i is ischen Geschich ssch eibung als das
Zei al e de „Dunkelhei “ („ emno“) di amie en Ba ock e lie nich ge adlinig
und wa gep äg on e blü enden Kon e genzen on he e ogenen, ja dispa a en
wel anschaulichen, ideengeschich lichen, philosophischen und kuns äs he ischen
Posi ionen. Dmi ij Čyže s’kyjs Ba ock-Fo schung und seine S udien zu ( o allem)
schechischen Ba ock-Li e a u spielen dabei eine he aus agende Rolle. Es sind o
allem d ei Beg i e, bzw. Denk igu en, die in Čyže s’kyjs Abhandlungen (nich nu )
zu schechischen Li e a u des Ba ock und de Roman ik eine ideengeschich lich so-
wie li e a u äs he isch dominan e Posi ion einnehmen: Wel anschauung, An i he ik
und nega i e Allego ie.
„UNLESBARKEIT DIESER / WELT. ALLES DOPPELT“13:
DOPPELGÄNGERTUM, DOPPELTE WELT, DOPPELASPEKTIVITÄT
Wäh end seine P age Exiljah e (1924–1932) en wickel e Čyže s’kyj seine li e a i-
sche und kul u philosophische He meneu ik, de en Eigena in de du chdach en
Kombina ion sowohl ( eligions-)philosophische als auch psychologisch-wel an-
schauliche und phänomenologisch-an h opologische Ansä ze g ünde . Ku z o
seine Übe siedlung nach Halle an de Saale (1932), wo e an de do igen Uni e si ä
das Lek o a ü sla ische Sp achen übe nehmen soll e, e ö en lich e Čyže s’kyj
in dem on ihm he ausgegebenen Sammelband Dos oje skij-S udien die Abhandlung
Zum Doppelgänge p oblem bei Dos oje skij: Ve such eine philosophischen In e p e a ion
(Čyže s’kyj 1931, S.20–50).
Čyže s’kyj nähe sich dem P oblem des Doppelgänge ums om S andpunk de
Exis enzialphilosophie he , wobei das Exis enzdenken Kie kegaa ds hie eine beson-
de s ele an e Posi ion einnimm , denn:
Es gib abe kaum Ve e e de „Exis enzialphilosophie“ des neunzehn en
Jah hunde s, die ein solches In e esse ü unse e philosophische Gegenwa ha-
ben wie Dos oje skij und Kie kegaa d. Und ge ade Ki kegaa d s and manchmal
demjenigen S andpunk e Dos oje skijs seh nahe […]. Die „Abs ak ion“, gegen die
Kie kegaa d scha sinnig und geis eich polemisie , is eilich nich so seh eine
hunde s einen eigenen Scha ens aum als Al e na i e zu hö ischen Kuns , de en Kon-
en ionen und No men e o negie e ode zumindes g undlegend modi izie e und die
dennoch om He sche ane kann und geschä z wu de, wie e wa die Kuns on Ad i-
an de V ies, Giuseppe A cimboldo— de oben e wähn e P age Ho Rudol s II. is in die-
se Hinsich ein Mus e beispiel— ode e was spä e on Nicolas Poussin, Sal a o Rosa,
Remb and , Rubens u.a.
13 An angszeilen des Gedich s „Unlesba kei “ (1968) on Paul Celan aus dem Gedich band
Schneepa (1971); Celan 2003, S.317.
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Abs ak ion in de e hischen Theo ie als eine Abs ak ion, die im Leben selbs e -
wi klich is , sozusagen eine „Lebensabs ak ion“ is . Dadu ch un e scheide sich
Kie kegaa d on den meis en Ve e e n de „Exis enzialphilosophie“ des neunzehn-
en Jah hunde s, abe ge ade das mach ihn Dos oje skij so nahe e wand . (Ebd.,
S.49)
Es wa nich de psycho(pa ho)logische Aspek , also die Pe sönlichkei sspal ung ode
das schizoph ene „Wel ge ühl“, ein in de phänomenologisch o ien ie en Psychia -
ie on Ka l Jaspe s und in de deu schen kuns his o ischen Li e a u de zwanzi-
ge Jah e ak uelles Thema,14 de Čyže s’kyj am Phänomen des Doppelgänge ums bei
Dos oje skij essel e, auch wenn e ihn e wähn ,15 sonde n das P oblem des abs ak-
en Denkens,16 de abs ak en Eins ellung zu Wel und zum Mi menschen,17 um de-
en philosophische E assung und E klä ung es ihm o allem ging. De Mensch als
„ eine Abs ak ion“ wa 1931 ein eind ingliches zi ilisa ions- und kul u k i isches
Thema,18 das Čyže s’kyj in seine „Doppelgänge “-S udie mi besonde e Au me k-
samkei und Sensibili ä ü den übe zei lichen (nich nu äs he ischen) We li e a-
ische Fik ionen en al e und in e p e ie :
14 Man denke z.B. an die ein luss eiche psychodiagnos ische und pa hog aphische S udie
on Ka l Jaspe s S indbe g und an Gogh, die im gleichen Jah 1922 wie die spä e be ühm
gewo dene Publika ion on Hans P inzho n Die Bildne ei de Geis esk anken: Ein Bei ag zu
Psychologie und Psychopa hologie de Ges al ung e ö en lich wu de.
15 Doch ge ade die psychia ische These on de „Pe sönlichkei sspal ung“ de Ges al en
Dos oje skijs lehn Čyže s’kyj (mi Ausnahme on Fü s Myškin) ab.
16 Čyže s’kyj zi ie eine S elle aus dem zwei en Band on Kie kegaa ds Abschließende un-
wissenscha liche Nachsch i zu den Philosophischen B ocken, in de sich de dänische Philo-
soph gegen die Abs ak ion des Denkens im deu schen Idealismus wende : „Das abs ak e
Denken e hil mi dahe zu Uns e blichkei , dass sie mich als einzelnes exis ie endes
Indi iduum o schläg und mich dann uns e blich mach , und hil dahe unge äh wie
de Dok o bei Holbe g, dem mi seine Medizin dem Pa ien en das Leben nahm— abe
auch das Fiebe e ieb. […] Wäh end ein wi kliche Mensch, aus Unendlichkei zusam-
mengese z , eben seine Wi klichkei da in ha , diese zusammenzuhal en, unendlich ü s
Exis ie en in e essie , is ein solche abs ak e Denke ein Doppelwesen: ein phan as i-
sches Wesen, das im einen Sinn de Abs ak ion leb […].“ (Čyže s’kyj 1931, S.50)
17 Im Sinne on Ka l Löwi h au dessen un e Heidegge s Lei ung en s andene Ma bu ge
Habili a ionssch i Das Indi iduum in de Rolle des Mi menschen (1927/1928) sich Čyže s’kyj
bezieh .
18 Im Zusammenhang mi de Uns e blichkei sp oblema ik e wähn Čyže s’kyj die Idee de
„Wiede e weckung de To en“ des ussischen Denke s Nikolaj F.Fedo o aus seinem pos -
hum e ö en lich en Haup we k Filoso ija obščego dela (1906). Die „Wiede e weckung de
To en“ sei eine „allgemeine Au gabe“ („obščee delo“), die in de Übe windung des Todes
bes ehe. In Fedo o s biza e Spekula ionen ha die Menschhei die mo alische Au gabe,
Leben zu scha en und es denjenigen zu ückzugeben, on denen sie es e hal en ha , d.h.
sie habe eine „Schuld zu Wiede e weckung“ („dolg k osk ešeniju“) gegenübe den Ve -
s o benen. Čyže s’kyj nenn diese Idee „ein eigen ümliches Gemisch aus ch is lichen und
na u alis isch-ma e ialis ischen Elemen en“ (Čyže śkyj 1931, S.48–49), das auch un e
den Ma xis en und Kommunis en (Majako skij) seine Anhänge and.
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JOSEF VOJVODÍK 39
So wi d das Doppelgänge um o be ei e . Denn die lebendige und on ologisch-
es e Konk e hei is geschwäch und e ach e und das abs ak e P inzip wi d als
e hisch-wesen liches be ach e , kann abe keines alls die S ä ke und Fes igkei des
konk e en Seins e eichen. Die „Seinssphä e“ des e hischen Subjek s is geschwäch .
[…] Wie ande s gea e die S ellung des P oblems des Doppelgänge ums bei
Dos oje skij auch sein mag, es is doch dasselbe P oblem de Abs ak ion, die sich zu
einem Lebensp inzip machen will und die dadu ch das konk e e Leben un e g äb ,
schwäch , ja ö e . Und die inne e K a de F ages ellung Dos oje skijs lieg eben
da in, dass e das P oblem de Abs ak ion in ih e E scheinung im All ag, in eine
allgemeinmenschlichen Ebene gezeichne ha . (Ebd., S.45, 50)
Dami häng ein ande es P oblem de abs ak en, „doppelgänge ischen“ Exis enz
(wie sie, lau Čyže s’kyj, S a ogin und I an Ka amazo ep äsen ie en) zusammen,
das Dos oe skij in seine E zählung au wi . Čyže s’kyj nenn es „e hisch-on ologi-
sches P oblem de Fes igkei , de Reali ä , de Siche hei de indi iduellen Exis enz“
(ebd., S.26), also das P oblem de „ ollwe igen Reali ä “ (ebd., S.37). Au das P ob-
lem de „on ologischen Fes igkei “, genaue de „Deson ologisie ung des dingha en
Seins“, komm Čyže s’kyj noch einmal in seine S udie Zu Máchas Wel anschauung
(1935/1938) zu sp echen.
Be ei s in de „Doppelgänge “-S udie keim ein Thema au , das Čyže s’kyj spä e
in seinen comeniologischen Abhandlungen, o allem im Zusammenhang mi dem
Konzep de „nega i en Allego ie“, e neu au g ei en wi d: das Thema de „Sinn-
losigkei de Wel “ und des selbs zweckha en Wissens ohne wei e üh ende Be-
deu ung ü den Menschen, das Comenius nich nu in Laby in s ě a (Laby in h de
Wel ), sonde n— und o allem— in Via lucis k i isie und en schieden ablehn .
Im Widmungssch eiben de Via lucis (1668) an die Royal Socie y in London mach Co-
menius ganz deu lich, um welches Wissen es ihm geh : Ein Wissen, das es in de
Heilsgeschich e e wu zel sein muss, ein Wissen, das Zei lichkei und Ewigkei , Im-
manenz und T anszendenz gegen den üge ischen Glanz de „ci i as e ena“ und
gegen die Ve gänglichkei alles I dischen e binde . In seinem Widmungssch eiben
zu Via Lucis analysie Comenius die Tendenzen in den Na u wissenscha en seine
Zei und k i isie in alle Demu und dennoch seh deu lich und en schieden so-
wohl den anzösischen Ra ionalismus als auch den englischen Empi ismus als eine
selbs zweckha e Anhäu ung on E kenn nissen ohne Rücksich au die E kenn nis
Go es, die Gnade Go es und den Menschen. Ohne den escha ologischen Fluch punk
wü den alle Bindungen in Täuschung und Unwah hei auseinande allen. Den Ca -
esianismus k i isie e Comenius als das „K ebsgeschwü de Philosophie“ (Kunna
1991). Wie Michael Lo be aus üh :
Was Comenius in seine K i ik an de Royal Socie y somi e lek ie , sind die epis e-
mologischen Risiken on umb echenden Geschich smodellen bzw. on eine e än-
de en epis emologischen Wel aneignung: Denn Comenius e kenn seh kla , dass mi
de A und Weise, wie die königlichen Fellows expe imen ell o schen, de Ve lus
des gesellscha lichen We es jenes Na u wissen einhe geh , de im Zen um seine
Pansophie s eh . […] Die En koppelung des Na u wissens on de Religion, de Poli ik
und de Gesellscha hingegen, und genau das wi Comenius ja den Mi gliede n
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46 SLOVO A SMYSL 46
e in seinem We k kons i uie . Wie Čyže s’kyj aus üh , g ünde de Wesenszug
on Máchas Wel anschauung in de Mani es a ion de Vielhei de gegensä zlichen
Lebens o men, nach de en Ve einigung (im Sinne de Vielhei in de Einhei ) de
schechische Roman ike Mácha in seinem We k— alle dings e geblich— ach-
e e. Doch, dieses Bemühen e schein zugleich als eibende K a eines dynamischen
P ozesses, de eine wesen liche Komponen e de Dialek ik des Lebens da s ell ; ein
P ozess, de Kon as e, Pa adoxe und kühne An i hesen en s ehen läss , die Máchas
Wel anschauung zug unde liegen und „aus diesem dich e ischen Kon ex keines alls
als ein ein aches Nebeneinande on he e ogenen Elemen en e klä we den“ kön-
nen (Tschižewskij 1972a, S.283–284). So is , lau Čyže s’kyj, „die An i he ik ü uns
ein Wesenszug des Denkens Máchas und nich ein Zeugnis de e schiedena igen
Ein lüsse au ihn“ (ebd., S.284). Den dynamischen Cha ak e on Máchas „Wel bild“,
seine Au assung des Seins und seine Wel anschauung s ell Čyže s’kyj in di ek en
Zusammenhang mi de ba ocken T adi ion de pa adoxen „Ve hüllung“ des Seins
im Nich sein (ebd., S.261). Ähnlich wie Jaspe s e s eh auch Čyže s’kyj die Wel -
anschauung als eine dialek isch-dynamische Eins ellung zu Wel , in de sich das
„Leben des Geis es“ e wi klich (Jaspe s 1925, S.230). Fü Mácha habe alle dings, so
Čyže s’kyj, die Dynamik einen ganz ande en Sinn als ü Hegel, auch wenn „de He-
gelianismus [ ielleich ] Mácha gehol en ha , die allgemeine Dynamik des Seins zu e -
blicken“ (Tschižewskij 1972a, S.257). Denn „nich die sinn olle Selbs en wicklung des
Geis es sieh Mácha in de allgemeinen Bewegung“ (ebd., S.258); die Wel e scheine
ihm ielmeh wie manchen Ba ockdenke n als ein ziellose , sinnlose P ozess.
Čyže s’kyj zeig , dass ü Máchas li e a ische Ges al en im Gegen eil eine kon-
lik meidende, passi - esignie e Eins ellung de Wel gegenübe cha ak e is isch
is , und üg hinzu:
Dami sind wi wiede aus dem K eise des oman ischen By onismus he aus-
ge e en—, ein Wande e , de de Wel den Rücken keh , de sich du ch äumli-
che En e nung de Ve bindung mi de Wel zu en ziehen e such , üh uns zu
F üh oman ik zu ück, zum Teil zu ih en eligiös ge ä b en Scha ie ungen— denn
„Wande e “, „Pilge “ und „Einsiedle “ gehö en ja zu ih en Lieblingsges al en—
und du ch die F üh oman ik hindu ch zu de ih in ielem inne lich e wand en
Dich ung des Ba ock. (Tschižewskij 1972a, S.249)37
Die Vo s ellung de „ äumlichen En e nung“, die Čyže s’kyj als eines de Haup -
me kmale on Máchas Wel bezug he o heb , schein im Hinblick au Jaspe s Übe -
legungen zu F eihei des Geis es besonde s au schluss eich zu sein. Nach Jaspe s
häng die F eihei des Geis es au s engs e mi de Idee de Unendlichkei des Lebens,
de Wel und des eigenen Wesens zusammen. Die Unendlichkei de Wel und de
unendliche P ozess des Ve s ehens bilden in Jaspe s philosophische He meneu ik
37 Mi Tschižewskijs Aus üh ungen zu Ve bindung zwischen (nega i - heologische ) Ba-
ockmys ik (Angelus Silesius) und Máchas Dich ung und mi den disku ablen Aspek en
seines me hodologischen Ansa zes se z sich Hol Meye in seine wich igen Abhand-
lung übe die Apopha ik in Máchas E zählung Pouť k konošská auseinande (Meye 2000,
S.51–62).
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JOSEF VOJVODÍK 47
de Wel anschauungen die Basis de Wel de Ideen, de Gegensä ze und de Dialek-
ik (Jaspe s 1925, S.328–331). Es is eine geis ige Hal ung, die de Sphä e des emo io-
nalen Lebens und de emo ionalen E kenn nis, des Ge ühls und des Ins ink s en -
sp ing . Diese geis ige Hal ung, die nach Jaspe s ih en Hal im Unendlichen inde
(ebd., S.149–150), is cha ak e is isch ü den oman ischen Menschen- und Schöp-
e ypus. Nich die Allgemeingül igkei und das Objek i e, sonde n und im Gegen eil,
das indi iduelle Schicksal, die Selbs e wi klichung, die Selbs a ek ion und das e -
kennende Selbs e lebnis wi ken als eibende K ä e de unendlichen E wei e ung
de emo ionalen Sphä e.
In ih em Bei ag (hie im Band) be ass sich I ina Wu sdo mi Čyže s’kyjs
Mácha-Lek ü e im Kon ex des P age Linguis ischen Zi kels und speziell mi
Mukařo skýs Konzep de „seman ischen Ges e“, das e in seine Abhandlung „Ge-
ne ika smyslu Mácho ě poesii“ au s ell . Obwohl Mukařo ský sich p imä au den
„gesam en Bedeu ungsau bau“ in Máchas We k und au den Nach ollzug des „be-
deu ungsscha enden Geschehens“ („ ýznamo o ného dění“) konzen ie , wäh-
end Čyže s’kyj die Rekons uk ion on Máchas „Wel anschauung“, seine Eins el-
lungsweise zu Wel e olg , seien, so I ina Wu sdo , „beide He angehensweisen
in dem, wo au sie abzielen, was sie zu assen suchen, ga nich so wei oneinande
en e n “ (Wu sdo 2025, S.72). Die Nähe beide He angehensweisen b ing sie
poin ie zum Ausd uck: „Man könn e ga sagen: Čyže s’kyj is es gelungen, diese
Ges e au zuzeigen.“ (Ebd.). Schließlich s ell auch Mukařo ský die „andaue nde[n]
Lebendigkei “ („nepře ži á ži o nos “) und die „allgemein menschliche Gül igkei
des We ks Máchas“ („obecně lidsk[á] pla nos “) es . Aus diese Pe spek i e gesehen,
e lang das Bild de Ges e, das Ges ische in Máchas We k, eine neue, nämlich an h-
opologisch-soziologische Dimension. In seinem aus dem Nachlass he ausgegebenen
Vo ag Nej yšší úkol poezie (Die höchs e Au gabe de Poesie) ag Mukařo ský nach dem
Wi klichkei swe on Máchas Dich ung und komm zum E gebnis:
Die Wi klichkei , bei Mácha die Na u ode die E de, manchmal soga die Heima ge-
nann , e schein im P isma on Máchas Wo als ein ewige , unun e b ochene Fluss
on E eignissen; die Dinge e wandeln sich in Bewegung und Zei . Es is hie nich
de Pla z, au die philosophische Ansich einzugehen, die man aus Máchas Gedich en
ziehen könn e. Es is auch nich unse e Absich , denn diese Sich weise komm nich
in Máchas Gedich en zum Ausd uck, sonde n wi d als lebendige Ak da ges ell ,
den de Lese zusammen mi dem Dich e e leben soll. Ein Ak , de in jedem kleins-
en Tex agmen als Ganzes o handen is . […] Wenn man da au hinweisen soll e,
was Mácha ü uns heu e lebendig mach , lau e die An wo : o allem dadu ch, dass
e — zum e s en Mal in de neu schechischen Poesie— die höchs e Au gabe de Poesie
e üll ha : die Beziehung zwischen dem Menschen und de Wi klichkei wiede he zu-
s ellen, und zwa nich nu im Sinne eine bloß indi iduellen Sich de Wi klichkei ,
sonde n so, dass ein neue , adäqua e e , ü das ganze Kollek i gül ige Sinn o -
enba wi d, ein Sinn, au dessen G undlage eine neue O dnung des menschlichen
Handelns und Zusammenlebens au gebau we den kann. (Mukařo ský 1991, S.35)38
38 „Sku ečnos , nazý aná uMáchy pří odou nebo zemi, jindy i las í, obje uje se p isma em
Mácho a slo a jako ěčný, nepře ži ý p oud dění, ěci mění se pohyb ačas. Není zde na
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48 SLOVO A SMYSL 46
Die An i he ik, die Čyže s’kyj als den Wesenszug de Wel anschauung Máchas be-
zeichne , e schein zugleich als eine de Haup beg i e seine he meneu ischen Un-
e suchungen zu schechischen Li e a u übe haup und als Bindeglied zwischen
den Beg i en de „An i he ik“ und des „Wel bilds“. Die An i he ik du chd ing die
e keh e Wel des allego ischen Romans Laby in s ě a a áj s dce (Das Laby in h de
Wel und das Pa adies des He zens, 1622–1623) on Jan Amos Komenský (Comenius) und
eine „imme schnelle eilende Ke e on An i hesen“ s uk u ie auch das hymni-
sche Gedich des Ba ockdich e s F id ich (sic!) B idel Co Bůh? Člo ěk? (Was is Go ? Ein
Mensch?, 1659), in dem Čyže s’kyj einen „g oßa igen Ausd uck de an i he ischen
Wel anschauung B idels und seine Zei “ (Tschižewskij 1972c, S.232) da ges ell
sieh . Es ließe sich sagen, dass Čyže s’kyj die An i he ik, die Asymme ie, die An i-
klassizi ä , das I egulä e, den B uch mi Kon en ionen und die Übe sch ei ung und
In ages ellung gewohn e Denkwege bewuss in k assen Gegensa z zu allen E schei-
nungs o men de „Klassizi ä “, de No ma i i ä und de Ideologizi ä s ell . Seine
Faszina ion ü das oxymo onha -pa adoxe Denken e schein als eines de domi-
nan en Me kmale seine li e a u wissenscha lichen He angehensweise. Du ch das
P isma de Mode ne ehabili ie e Čyže s’kyj die An i he ik des Ba ock, die An ino -
ma i i ä , das An ikanonische, das P inzip de Ambi alenz und de beun uhigenden
Dicho omien, das e sowohl in de Li e a u und im Denken des Ba ock, wie auch de
Mode ne au spü e. Die An i he ik, die Čyže s’kyj als das sinnkons i u i e Elemen
in den We ken de schechischen Ba ockdich e und des Roman ikes Mácha en -
deck e und ekons uie e, schein ü sein eigenes Denken auch eine an i o ali ä e
Implika ion gehab zu haben: nich nu , dass dem Leben selbs eine ie e An i he ik
innewohn , das Denken in An i hesen is gegen eine Sinn o alisie ung jegliche A
ge ich e . Am Ende seine ku zen Abhandlung Eine kul u pessimis ische U opie (1937)
übe den sa i isch-an iu opischen Roman Válka smloky (De K ieg mi den Molchen,
1936) on Ka el Čapek, sch eib Čyže s’kyj:
Die Kul u skepsis des Au o s geh , wie es schein , wei übe die in de pessimis i-
schen U opie üblichen G enzen hinaus: bezwei el wi d o allem das, was as allen
wi scha lichen, poli ischen, sozialen Ideologien de Gegenwa gemeinsam is : de
Glaube, dass de Mensch die Geschich e meis e n kann, dass die Menschhei on sich
selbs aus mindes ens einzelne Abschni e, seien sie auch seh klein, bes immen kann.
(Tschižewskij 1972b, S.312)
In seine Komposi ionsanalyse des Gedich s Co Bůh? Člo ěk? (Was is Go ? Ein Mensch?)
on B idel geh Čyže s’kyj on einem engen Zusammenhang zwischen de ü B idel
mís ě oz ádě ilozo ický názo , k e ý by bylo možno zMácho y poezie y odi . Není o
ani naším úmyslem, neboť en o názo není Mácho ě poezii yslo en, nýb ž před eden
jako ži ý ak , k e ý má č enář p oží sbásníkem. Ak , k e ý je celý každém nejmenším
zlomku ex u. […] Mělo-li bý poukázáno k omu, čím je nám dnes Mácha ži ý, edy odpo-
ěď zní: přede ším ím, že— pop é no očeském básnic í— splnil nej yšší úkol poe-
zie: obno o a pomě mezi člo ěkem asku ečnos í, nejen e smyslu pouhého indi iduální-
ho idění sku ečnos i, ale ak, aby byl odhalen no ý, adek á nější její mysl, pla ný p o celé
kolek i um, smysl, na jehož základě lze ybudo a no ý řád lidského jednání asouži í.“
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JOSEF VOJVODÍK 49
ypischen An i he ik und de T adi ion de sog. „nega i en Theologie“ aus, in de die
Hype exis enz Go es, die das E kenn nis e mögen des Menschen übe s eig , nu
du ch nega i e Aussagen, du ch An i hesen, oxymo onha e Kons uk ionen, du ch
pa adoxe Unaussp echlichkei und „Namenlosigkei “ de Majes ä Go es zum Aus-
d uck geb ach we den kann. Es is die pa adoxe Rhe o ik des Unsagba en, die die
apopha ische Mys ik de nega i en Theologie ausmach :
B idel schließ sich o ensich lich de jenigen heologischen Rich ung an, die o
allem on de sog. „A eopagi ika“ he komm […]. Es zeig sich, dass jede Teil
des Gedich s seh planmäßig au An i hesen au gebau is und dass nich nu die
Sp achmi el, sonde n auch die Komposi ion des ganzen Gedich s den an i he ischen
G undgedanken de inne en Gegensä zlichkei des menschlichen und des gö lichen
Seins und de en Beziehung zueinande kla zum Ausd uck b ingen. (Tschižewskij
1972c, S.229, 232)
Go bleib de „Unaussp echliche“, de „Unbeg ei liche“, ü den de Mensch keinen
Namen ha und den e nu mi nega i en Beg i en— „ein lau e nich s“, „Ni gends“,
„Nach “, „Dunkelhei “— e sehen kann. In de T adi ion de nega i en Theologie ha
das gö liche Sein den „übe wesen lichen“ Cha ak e , dahe kann es keine „Ges al “
und keine „Fo m“ haben.
Ähnlich in e p e ie Čyže s’kyj das Laby in h-Modell in Laby in s ě a a áj
s dce on Comenius als Sinnbild eine „nega i en Enzyklopädie“, eine „au den
Kop ges ell en Wel “. Wie Rena e Lachmann es s ell : Das Laby in h selbs sei
diese nega i e Enzyklopädie (Lachmann 2007, S.48). Als eine de wenigen Au o-
en seine Zei e wende e Comenius ein o iginelles S ilmi el, das on Čyže s’kyj
als „nega i e Allego ie“ bezeichne wu de und dessen Funk ion da in bes and, jeg-
lichen Sinn und We de Dinge zu negie en. Die on de O dnung abge allene
demiu gische „böse Wel “ („zlý s ě “) wi d aus eine „inadäqua en Pe spek i e“
als „ e keh e Wel “ be ach e . In e essan e weise in e p e ie Čyže s’kyj die-
sen Kuns g i in Bezug au die mode ne Li e a u im Sinne de „nega i en U o-
pie“, wie bei He be Geo ge Wells, E genij Zamja in, Geo ge O well, Ka el Čapek
u.a.: „Fü sie is cha ak e is isch die absich liche Ausschal ung jedes Sinns, den
man no male weise in den du ch Allego ese en lee en Bilde n zu sehen p leg .“
(Tschižewskij 1972e, S.142) Čyže s’kyj zu olge knüp Comenius mi seinem Wel -
Laby in h an die U opie de idealen Gesellscha en (Mo us, Campanella) an, alle -
dings allein an die nega i en Aspek e diese U opien, die e als e keh e, nega i e
Wel hema isie :
Die Allego ie de Wel im „Laby in h“, besse : ih e einzelnen Sphä en (S ände,
Be u e, Lebens o men) sind bei Comenius hingegen nega i -we end, und zwa au
eine besonde e A , wie sie z.B. aus de mi den Augen eines Ba ba en (des legendä en
Sky hen Anacha sis) gesehenen Wel de An ike bekann is . Zu diesen nega i -we -
enden Allego ien gehö en die Bilde de Sinnlosigkei des Wel eibens in de kyni-
schen, s oischen und dann ch is lichen Dia ibe, dann auch e schiedene Allego ien
de Dich e neue e Zei […]. (Ebd., S.141–142)
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50 SLOVO A SMYSL 46
Lau Čyže s’kyj be uh die Kon on a ion de „wah en“ und de „ e keh en“ Wel in
Comenius’ Roman au de g oßen An i hese zwischen „Laby in h“ und „Pa adies“.
Čyže s’kyj geh alle dings noch einen Sch i wei e : In seinem Au sa z Beme kungen
zu „Ve emdung“ und zu „nega i en Allego ie“ (1957) b ing e diesen Kuns g i mi
dem Schlüsselkonzep des ussischen Fo malismus, mi os anenie, in Ve bindung.
Es sei die hohe, a is ische Poe izi ä de dich e ischen Sp ache on Comenius’ Ro-
man, de das „neue Sehen“ de Wel und de Dinge en sp inge. Die Dinge e scheinen
in einem neuen und une wa e en Kon ex ode sie we den als ungewöhnliche und
kon as eiche Mon agen kombinie . Die Ba ock-Küns le cha ak e isie e ein s a k
ausgep äg es o mode nes Bewuss sein des Küns le ischen im Sinne eine adika-
len In-F age-S ellung und Ve emdung de sinnlich wah nehmba en Wi klichkei
du ch eigen ümliche S ilmi el und Kuns g i e.
Seinen Blick au die Epoche des Ba ock in de schechischen Li e a u , au B i-
dels dich e ische „nega i e Theologie“, au Comenius’ Laby in h-Allego ie ode au
Máchas Wel ge ühl und Wel bild, könn e man poin ie als „la e al“ im Gegensa z
zum „ on alen“ Blick (und eine en sp echenden Lesa ) cha ak e isie en, mi des-
sen Ansp uch, eine e mein liche „Rich igkei “ zu sehen und zu en decken. De
„la e ale“ Blick e möglich ein Sehen de Tie ens uk u en, ein Sehen dessen, was
bislang als e deck und „unsich ba “ gal , wie z. B. die abweichenden hype boli-
schen, heologischen, mo alischen und äs he ischen Ideen und Denkweisen, ü die
Čyže s’kyj, wie Rena e Lachmann (2007, S.46–47) es s ell , eine sub ile Au me k-
samkei en wickel e, mi de e sie in den li e a ischen Tex en iden i izie en und
au decken konn e. Was un e de Obe läche in E scheinung i , sind eben auch
beun uhigende Abweichungen, Zäsu en, Risse, An inomien und Pa adoxien, die zu
sehen und zu e schließen Čyže s’kyj s e s in e s e Linie bemüh wa .
„…DAS LEBEN VERSCHLINGT STÄNDIG UNSERE SEHNSUCHT
NACH DEM NICHTS“.39 SURREALISTISCHES NACHSPIEL
Im Mä z 1941 e schien in P ag eine ep äsen a i e An hologie de schechischen Li-
e a u des Ba ockzei al e s České ba oko (Das schechische Ba ock), die de Ba ock o -
sche Zdeněk Kalis a he ausgab und mi einem um assenden Kommen a e sah. Die
Collage au dem Umschlag und die ganze Buchges al ung schu de su ealis ische
Male Jindřich Š y ský. In den ba ocken Schmuck ahmen au dem Umschlag in e-
g ie e e eine Fo omon age mi de Allego ie de Religion (1717–1719) des Bildhau-
e s Ma hias Be na d B aun. Als Fa b on wähl e Š y ský ein in Viole geb ochenes
und mi symbolisch-li u gischen Bedeu ungen au geladenes Pu pu o , das de gan-
zen Szene eine auße gewöhnliche Au a de Zei losigkei und Auße äumlichkei e -
leih . Es schein , als ob das Rahmeno al einen Blick in eine ande e Wel de pik u alen
Wi klichkei e möglichen wü de. Au den Bucheinband se z e Š y ský das Mo i ei-
nes schwebenden spä ba ocken Rahmens, de on zwei Pu en ge agen wi d und de
on einem goldenen B ausge üll is , das in dem zie lichen Rahmen absich lich e was
massi wi k . Das Ti elbla wiede hol dasselbe Mo i , doch diesmal is de Rahmen
39 „… ži o neus ále pohlcuje naši ouhu po nico ě“ (Š y ský 2001, S. 4).
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lee . E e weis au das ehlende Bild, e ozie abe gleichzei ig selbs die Idee eines
d eidimensionalen Objek s und e häl in Ve bindung mi den Pu en, die ihn agen,
gewisse maßen den S a us eines au onomen skulp u alen Gebildes. Es is die Bezie-
hung zwischen dem Rahmen, de Ein ahmung und de Skulp u , die Š y ský au de
Umschlagcollage mi de Allego ie de Religion on Ma hias B aun exponie .
De lee e und schwebende Rahmen bezieh sich au eine de g undlegenden E -
scheinungs o men de ba ocken Wi klichkei sau assung, au das Phänomen des
Schwebens:
Schweben is dahe ein en scheidendes Bild de ba ocken Wi klichkei sau assung.
[…] Alles kann im Hinblick au den eligiösen Sinn in diese Schwebe ge issen we den.
So haben beispielsweise auch die Ta en eines Fü s en my hologische, eligiöse, ja end-
zei liche Bedeu ung. Jede is Schaupla z des Heilsgeschehens, da jede insgeheim eine
Wel is , in de sich ollziehen muss, was sich in de ganzen Wel als ih G undgese z
ollzieh : E lösung, Ressu exion, Iden i ika ion in lebendige Konk e ion. (Rombach
1986, S.19)
Au de ande en Sei e kann die Lee e des Rahmens abe auch als Äqui alen de Un-
sich ba kei ode Blindhei be ach e we den, als Analogon de ikonischen Epochē,
de ikonoklas ischen Bildze s ö ung, die genau das P oblem de Visualisie ung und
Abb. 2:Jindřich Š y ský: Buchumschlag ü
Zdeněk Kalis as České ba oko (P aha 1941).
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des Sehens angie , das „übe den Rahmen hinausgeh “ (Walden els 1998, S.140)
ode „aus dem Rahmen äll “.
Das ä selha e Ti elkup e de E s ausgabe (1669) des Simplicissimus on G im-
melshausen, das die S uk u eines Emblems ha , zeig ein phan as isches Misch-
wesen mi gehö n em Sa y gesich , F auenleib, einem En en- und einem Kuh uß,
Flügeln und Fischschwanz. In de einen (Menschen-)Hand häl das Wesen ein au -
geschlagenes Buch, mi de ande en zeig es mi eine sel samen Ges e da au . Es is
das Buch de Wel , in dem die e schiedena igs en Gegens ände abgebilde sind.
Mi den Füßen ampel es au die Masken, die au dem Boden he umliegen. Ein
Mo o e läu e : „Es ha mi so wollen behagen, Mi Lachen die Wah hei zu sagen.“
Die Wah hei sagen, heiß schonungslos demaskie en und desillusionie en. Die au
dem Boden liegenden Masken symbolisie en die Täuschung (de Wel ), au die sich
ein ande es Mo o des 19.Kap. des 1.Buchs on Simplicissimus bezieh : „De Wahn
be üg “. Denn die Wah hei , die de Lese hie e äh , is die Wah hei übe den
Zus and de Wel übe haup .
Au seine le z en Collage, die Jindřich Š y ský (1941, abgebilde in: Bydžo ská—
S p 2007, S.485) wenige Mona e o seinem Tod schu , e wende e e die Fo og a ie
eines Thea e saals mi meh e en Zuschaue eihen. Den Köp en einige Zuschaue ,
die dem Zuschaue aum zugewand sind, se z e Š y ský d ollige Masken au , die sich
jedoch uns, den Be ach e n diese Collage, zuwenden, ebenso wie die Figu eines
Schaukämp e s, de soeben mi e hobenen Händen und mi o Ans engung wei
au ge issenen Augen eine Ke e ze issen ha und dessen Figu Š y ský in eine Reihe
zwischen die Zuschaue pla zie ha . Was bedeu e dieses „qui p o quo“? We schau
Abb. 3.Jindřich Š y ský: Bucheinband ü
České ba oko on Zdeněk Kalis a (P aha 1941).
Abb. 4:Jindřich Š y ský: F on ispiz ü
České ba oko (P aha 1941) on Z.Kalis a.
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hie eigen lich wem zu? Š y ský, de s a ke Zwei el an de Wel emp and und e leb e,
ha hie nich nu den B uch zwischen Reali ä und Illusion, sonde n auch zwischen
inne em Wesen und äuße e Maske zum Ausd uck geb ach . Was bleib , is die Thea-
alik und Unbes ändigkei menschliche Iden i ä . Du ch die Maske e wandel sich
die e au e Ges al des Menschen in eine sku ile, absonde liche, läche liche und
zugleich e sch eckende Ges al . Dies is auch das Thema, das Čyže s’kyj in seine co-
meniologischen S udie „Das Laby in h de Wel und Pa adies des He zens“ des J.A.Come-
nius: Die Thema ik und die Quellen des We kes (Tschižewskij 1972d, S.92–139) behandel .
In de Zei — zu Beginn des Zwei en Wel k ieges—, in de sich Čyže s’kyj mi de
sinnwid igen „nega i en Allego ie“ de umges ülp en Wel in Komenskýs Laby in
be ass e und Jindřich Š y ský seine le z e Collage schu , gewann das Thema de Un-
wi klichkei de Wel e neu an Ak uali ä und Bedeu ung. Au allend an de sche-
chischen Kul u und Kuns de K iegsjah e wa die Vo liebe ü die Inszenie ung, ü
die Da s ellung des Lebens als eine „küns lichen Bühnenszene“; auch die Menschen
au den Gemälden mi Thea e mo i en e scheinen „wie Schauspiele in eine me k-
wü digen T agödie ode einem D ama“40 (Lahoda 2011, S.146). Mi dem In e esse am
40 „[D]i adelní s ylizace, ci ace di adla achápání s ě a jako di adla. Ži o je znázo něn jako
umělý scénický ýje , jako pa e ická ea alizace ži o a. Lidé ob azech jsou jako he ci
podi né agédii či d ama u“.
Abb. 5:Ti elkup e (1669)
de E s ausgabe des Simplicissimus
on H.J.Ch. G immelshausen.
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Thea e wäh end de Besa zungszei (1939–1945), mi dem Phänomen de Inszenie-
ung und de hea alischen S ilisie ung (de P o ek o a s eali ä ) ging eine s a ke
Spannung einhe , die aus de Asymme ie zwischen Reali ä und Illusion, zwischen
de Wel „da d außen“ und de Wel de Gebo genhei esul ie e; eine Spannung, die
man als E ah ung de De ealisie ung e s ehen kann, die nach Be nha d Walden-
els nich ein ach das Ve schwinden on e was bedeu e , sonde n eine Sub e sion
de bes ehenden O dnung, die die „Re-Realisie ung“ eine neuen O dnung anzeig
(Walden els 1998, S.223).
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