Kodi izie ung als Sp achmanagemen p ozess.
Zu einigen Beobach ungen aus de lexikog aphi‑
schen P axis am G oßen akademischen Wö e buch
Deu sch ‑Tschechisch1
Ví Do alil, Ma in Šemelík– Ka ls ‑Uni e si ä , P ag
ABSTRACT
Codi ica ion as Language Managemen P ocess. On Some Obse a ions om Lexi‑
cog aphic P ac ice in he La ge Academic Dic iona y Ge man ‑Czech
This s udy examines selec ed aspec s o codi ica ion in he con ex o bilingual lexicog aphy,
wi h an emphasis on a ying noun declension in cases such as des Au o s s des Au o en
in Ge man. Based on Language Managemen Theo y, he s udy p o ides insigh s in o he
dic iona y ‑making p ocess o he La ge Academic Dic iona y Ge man ‑Czech, an online dic io‑
na y cu en ly unde de elopmen . Using aquali a i e, explo a o y app oach, obse a ion
is employed as he p ima y esea ch me hod o illumina e he decision ‑making p ocesses
in ol ed in such codi ica ion. The indings e eal ha language managemen is comple ed
ela i ely quickly, esul ing in ou comes ha may be open o deba e.
KEYWORDS
codi ica ion; s anda d; language managemen ; lexicog aphy; dic iona y; con empo a y
Ge man; mo phology; noun declension
1. EINFÜHRUNG
In de o liegenden S udie wi d eine Analyse de En scheidungsp ozesse bei de
E s ellung eines zweisp achigen akademischen Wö e buchs o ges ell . Die Un e ‑
suchung basie au de Sp achmanagemen heo ie, die ein Ins umen a ium bie e ,
um das Ve hal en on Sp achbenu ze n2 gegenübe de Sp ache, wie es in Disku sen
e schein , zu analysie en. Am Beispiel de Bewe ung konku ie ende Va ian en
des Au o s s. des Au o en und de F age, ob diese in das Wö e buch au genommen
we den sollen, wi d gezeig , wie ein solches Sp achp oblem übe haup zu einem
1 Die o liegende S udie geh aus on unse em Bei ag im Rahmen de Kon e enz „Kodi izie ung de
Sp ache– S uk u en, Funk ionen, Konsequenzen“, de am 26.02.2015 an de Uni e si ä Wü zbu g
o ge agen wu de. Die Au o en a bei e en an diese S udie im Rahmen des P og amms de
ins i u ionellen Basis ö de ung ü Wissenscha und Fo schung an de Ka ls ‑Uni e si ä , Coope a io,
Fachbe eich Linguis ik.
2 Im Tex e wenden wi das gene ische Maskulinum, welches sich hie au Pe sonen alle Geschlech e
bezieh .
96 BRÜCKEN 31/2
ele an en Thema ü das Lexikog aphen ‑Kollek i wi d. Dieses Kollek i a gumen‑
ie ü eine nega i e ode nich ‑nega i e Bewe ung und en scheide schließlich, in
welche Fo m de Wö e buchein ag e ö en lich we den soll. Ein solche e hno‑
g aphische Einblick in die „We ks a “ eines en s ehenden Kodex sowie die Analyse
de En s ehung eines Wö e bucha ikels können aus me hodische Pe spek i e als
einziga ig be ach e we den.
2. KODIFIZIERUNG ALS SPRACHMANAGEMENTPROZESS
Klein de inie den Kodex ‑Beg i wie olg :
Zum Sp achkodex eine Sp ache gehö en alle me asp achlichen Sch i en, die ü
eine Sp achgemeinscha zu einem bes imm en Zei punk als No mau o i ä en zu
Ve ügung s ehen und on ih auch als No mau o i ä en wah genommen we den.
De Sp achkodex kann sich au un e schiedliche Ebenen und Ins anzen de Sp ache
beziehen: Aussp ache, Sch eibung, G amma ik (Wo ‑ und Wo o menbildung,
Syn ax), Lexik, Seman ik, P agma ik. (Klein 2014: 222)
Ve s eh man jedoch un e Kodi izie ung einen spezi ischen Ve lau eines Sp ach‑
managemen p ozesses, kann man au eine Au assung des Kodex e weisen, die sich
aus p ak ischen Übe legungen de Benu ze e gib . So kann jede Tex , au den sich
Sp eche im Hinblick au eine e olg eiche Lösung ih es Sp achp oblems beziehen,
zu einem Kodex we den. Es handel sich also nich um eine objek i „ o de inie e“
Ga ung, sonde n um eine si ua i beding e Au assung. Sp eche können sich nich
nu au Wö e büche , G amma iken ode ande e Handbüche be u en, sonde n
auch– und nich nu in emdsp achlichen Kon ex en– au Leh büche , de en Ve ‑
zeichnisse und da in en hal ene g amma ische Übe sich en, au Expe ens udien
ode ande e Ga ungen, um ih e Sp achp obleme zu lösen. Ein Kodex wi d also e s
in In e ak ionen de inie , und zwa in e subjek i on denjenigen Ak eu en, die
sich du ch ih e me asp achlichen Handlungen au e was als Kodex beziehen. Im Ex‑
em all, wenn z. B. die El e n eines Schüle s mi de Beg ündung de Lösung eines
g amma ischen ode lexikalischen P oblems du ch die Leh k ä e in de Schule nich
ein e s anden sind, kann es e s om Ge ich abhängen, welche Tex genau als Teil
des Kodex zu be ach en is .3
Das Phänomen de Sp achkodi izie ung is sys ema ische in den b ei e en sozio‑
linguis ischen bzw. soziologischen Rahmen de Sp achplanung im Allgemeinen und
de Ko pusplanung im Besonde en einzuo dnen. Diese Disziplin wi d sei Jah zehn en
o allem in de angelsächsischen T adi ion gep leg . Am bekann es en is wohl Eina
Haugens Vie ‑Phasen ‑Modell de Sp achs anda disie ung, in dem die Kodi izie ung
die zwei e Phase nach de Auswahl on Fo men da s ell und de d i en Phase o‑
3 Die Linguis en e kennen ein wachsendes E o de nis, zu analysie en, wie die Kodizes on den Sp eche n
in de P axis a sächlich angewand we den. Von zen ale Bedeu ung is dabei die Un e suchung,
welche Kodizes ü spezi ische Nu ze g uppen ele an sind und welche nich . Im lexikog aphischen
Kon ex siehe z. B. die A bei en wie e wa Mžou ko á/Kři an (2019), Šemelík/P ocházko á (2024),
Š ěpánko á/Vod ážko áe al. (2019), Welke (2013a, b), Wiegand (1987) und (1998).
97VÍT DOVALIL, MARTIN ŠEMELÍK
ausgeh , die in de Ve b ei ung kodi izie e Fo men in de Sp achgemeinscha
dia opisch, dias a isch und s ilis isch bes eh (Haugen 1983).
In diesem Zusammenhang e geben sich beispielsweise auch die olgenden F agen:
Nimm die Nach age de Gesellscha nach Sp achkodi izie ung ab? Geh mi dem
21. Jah hunde die Ä a de Kodi izie ung zu Ende?4 Die neue Ä a– nennen wi sie an
diese S elle Pos ‑Kodi izie ungsepoche– könn e also wei eichende e soziale Folgen
ü das Fachgebie mi sich b ingen. Aus eine enge en soziolinguis ischen Pe spek i e
s ell sich die F age, ob eine Si ua ion, in de Sp eche au (Neu‑)Kodi izie ungen e ‑
zich en können, als E eichen eines gesam gesellscha lichen Konsenses in de S an‑
da disie ung einige spezi ische Sp achen wie des Deu schen in e p e ie we den
kann, ode ehe als Rückzug de S anda disie ung als his o isches soziokul u elles
P oblem in eine pos mode nen gesellscha lichen Si ua ion.
Die Sp achkodi izie ung s ell eine de ypischen Ve hal ensweisen eine lingu‑
is isch mo i ie en G uppe on Sp achbenu ze n da , die den Sp achgeb auch zu
e assen ha . Die Ve hal ensweisen bes ehen in Beobach ungen des Sp achgeb auchs,
in Klassi izie ungen de beobach e en Elemen e, de en Sys ema isie ungen, Besch ei‑
bungen ode e en uell in emp ehlenden Kommen a en ü Sp achbenu ze , die an
Lösungen e schiedene Zwei els älle ode Sp achp obleme in e essie sind. Einen
aus üh lichen sys ema ischen Übe blick übe die Klassi izie ung, Typen und En wick‑
lungs endenzen in den ak uellen Kodi izie ungsdisku sen lie e McLelland (2021).
In diesem Bei ag wi d das Po enzial eine soziolinguis ischen Theo ie e ö e ,
die au eine sys ema ische Analyse de me asp achlichen Ak i i ä en e schiedene
soziale Ak eu e abziel . Das Konzep Sp achmanagemen wi d on Ve hal en de
Sp achbenu ze gegenübe de Sp ache de inie (Nek apil 2016; Je nudd/Neus upný
1987). Die Sp achmanagemen heo ie (im engl. O iginal Language Managemen Theo y,
wei e LMT) um ass die olgenden Me kmale (Do alil/Šicho á 2017; Fai b o he e al.
2018; Kimu a/Fai b o he 2020):
● die am sp achbezogenen Ve hal en be eilig en Ak eu e, ih e In e essen, ih en
sozialen S a us, ih e Mach und ih e (meh ode wenige komplexen) sozialen
Ne zwe ke;
● das Zusammenspiel zwischen de Mik o‑ und de Mak oebene, au de die
sozialen Ak eu e diese Ak i i ä en du ch üh en;
● den p ozessha en Cha ak e dieses Ve hal ens und seine Un e eilung in
meh e e Phasen;
● die Ve lech ung de sozioökonomischen, kommunika i en und sp achlichen
Ebene on Sp achmanagemen ak i i ä en.
An diese S elle sei he o gehoben, dass Sp achp obleme on An ang an eine de
Schwe punk e de LMT wa en. Wie Neus upný (1978: 243–257) und Je nudd (1987)
4 Es gib zumindes einen bedeu enden soziokul u ellen ode sozioökonomischen Kon ex , de mi
Hinweis au Kodi izie ungsa bei en und ‑ o schung die Möglichkei bie e , die Exis enz de Linguis ik
als ö en lich inanzie e Disziplin zu legi imie en. Vo allem die laienha e (nich linguis ische)
Ö en lichkei is ielleich imme noch de Meinung, dass die Linguis ik, wenn sie ü eine bes imm e
Sp achgemeinscha on Nu zen sein soll, ge ade in de E s ellung e schiedene A en on ein‑ und
meh sp achigen Wö e büche n, G amma iken und ande en de a igen Handbüche n bes eh .
98 BRÜCKEN 31/2
be onen, kann die LMT als Theo ie de Sp achp obleme be ach e we den.5 De
Ausgangspunk de Theo ie bes eh da in, zwischen zwei Aspek en des Sp achge‑
b auchs zu un e scheiden: Zum einen we den Äuße ungen und ande e kommuni‑
ka i e Handlungen p oduzie , zum ande en können diese Äuße ungen und ande e
kommunika i e Handlungen zu Objek en des Ve hal ens gegenübe de Sp ache im
wei e en Sinne we den. Die e s genann en Aspek e be e en die P ozesse de Sp ach‑
p oduk ion und ‑ ezep ion, wäh end die le z genann en me asp achliche Na u
sind. Die Kodi izie ung s ell somi ein exempla isches Beispiel on Sp achmanage‑
men da . Au die Kodi izie ung is inne halb de LMT de Beg i des o ganisie en
Managemen s zu beziehen, de sich au die Mak oebene de Kommunika ion bezieh ,
die übe die unmi elba en In e ak ionen hinausgeh . Demen sp echend sind die
Handlungen de Kodi izie ung als o ganisie es Managemen ans ‑in e ak ional,
in sozialen Ne zwe ken höhe e Komplexi ä angesiedel und eich an heo ie‑ wie
ideologiebasie en In e en ionen. Da übe hinaus wi d übe die Managemen ak e
kommunizie , wobei de Gegens and des o ganisie en Managemen s neben de in
den In e ak ionen e wende en Sp ache auch die Sp ache als Sys em is (d. h. langue
in de s uk u alis ischen Te minologie).
Das P oblem, wie die Dynamik de me asp achlichen Ak i i ä en zu e assen wä e,
du ch die das Ve hal en gegenübe de Sp ache in Disku sen ealisie wi d, is eine
de g öß en me hodologischen He aus o de ungen ü die Soziolinguis ik. Die LMT
schläg o , diese Dynamik in meh e e Phasen zu un e eilen. Was dem gesam en
P ozess zug unde lieg , sind die E wa ungen de sozialen Ak eu e und/ode die
Au me ksamkei , die sie e schiedenen sp achbezogenen Phänomenen widmen (Nek‑
apil 2016). Wenn diese E wa ungen e üll we den, wi d kein Managemen p ozess
ausgelös . De P ozess beginn in dem Momen , in dem eine Abweichung on diesen
E wa ungen au i ode wenn ein Phänomen die Au me ksamkei eines sozialen
Ak eu s e eg . Abweichungen ode ande e Phänomene können zu Kenn nis genom‑
men we den ode auch nich . Wenn eine Abweichung nich beme k wi d, beginn
de Managemen p ozess nich , denn eine nich beme k e Abweichung en sp ich
aus subjek i e Sich eine nich exis ie enden Abweichung.6 Sobald ein Phänomen
ode eine Abweichung on de E wa ung beme k wi d, kann de P ozess in die
nächs e Phase de Bewe ung ein e en. Ein beme k es Phänomen kann bewe e
we den, muss es abe nich . Wenn es bewe e wi d, kann diese Bewe ung posi i
ode nega i aus allen ode i gendwo zwischen diesen beiden Polen des Kon inuums
5 Diese Behaup ung soll e na ü lich nich dahingehend miss e s anden we den, dass die Theo ie e ige
Lösungen on Sp achp oblemen anbie e . Fü die Konzep ualisie ung und Klassi izie ung solche
P obleme siehe Lans yák (2021).
6 De englische Te minus no ing, de in diese S udie mi dem Ausd uck Beme ken übe se z wi d, soll e
nich mi dem englischen Te minus no icing e wechsel we den. No ing deu e au eine disku si e
Ak i i ä hin, bei de eine Äuße ung e zeug und ande en Teilnehme n mi ge eil wi d, wäh end
no icing in e s e Linie einen psychologischen Wah nehmungsak bezeichne , de nich unbeding
zu eine Äuße ung üh en muss. Das Wah nehmen on Abweichungen on den E wa ungen kann
indi ek du ch so g äl ig konzipie e psycho‑ bzw. neu olinguis ische Expe imen e un e such we den
(siehe z. B. Hanulíko áe al. 2012 ode Hanulíko á 2021). Wenn wah genommene Phänomene nich
nach außen hin a ikulie we den, haben die Gesp ächspa ne keine Chance he auszu inden, was
im Bewuss sein des Sp eche s o sich geh , wo au genau de Sp eche ach e (ode geach e ha )
usw. ( ü wei e e De ails siehe Ma io /Nek apil 2012).
99VÍT DOVALIL, MARTIN ŠEMELÍK
liegen. Die posi i e Bewe ung wi d als G a i ika ion bezeichne (Neus upný 2003: 127
und 135–137). Wenn eine beme k e Abweichung (ode ein ande es Phänomen) posi i
bewe e wi d, wi d de P ozess nich o gese z , weil die sozialen Ak eu e mi den
Abweichungen ein e s anden sind und kein Beda bes eh , sie anzupassen. Die
G a i ika ion bedeu e eine Ve s ä kung de Nu zung de jeweiligen Va ian e, was zu
ih e S abilisie ung üh en kann. Fäll die Bewe ung jedoch nega i aus, haben die
sozialen Ak eu e G ünde, bes imm e Maßnahmen zu e g ei en, um das Sp achp ob‑
lem zu lösen. Die le z e Phase des P ozesses bes eh in de Implemen ie ung solche
Maßnahmen. Wie in allen o angegangenen Phasen kann es auch hie o kommen,
dass es den sozialen Ak eu en nich geling , geeigne e Maßnahmen zu en we en
und/ode sie zu implemen ie en.
De Managemen p ozess is zyklische Na u . Seine einzelnen Phasen e en
nacheinande au , wobei die spä e e Phase du ch die o he gehende beding is .
So is es im Sinne de LMT nich sinn oll, eine Bewe ung ohne Be ücksich igung
des Beme kens zu analysie en, denn wenn ein Phänomen bewe e wi d, muss de
Sp eche dieses Phänomen no wendige weise o he beme k haben. Ähnliches gil
auch ü die Du ch üh ung eine Maßnahme, die ohne eine o angegangene nega i e
Bewe ung nich nö ig is . Au g und des zyklischen Cha ak e s des P ozesses is es
möglich, die Impulse zu Wiede holung on Ve suchen zu e klä en, die in de Ve ‑
gangenhei nich e olg eich wa en. Es sind die E wa ungen de gesellscha lichen
Ak eu e, ode ielmeh die Abweichungen on diesen E wa ungen, die einen neuen
Zyklus des Managemen p ozesses auslösen.
Eine de Vo eile de Theo ie bes eh da in, dass ih e Ins umen e sys ema isch
au Si ua ionen angewand we den können, in denen po enzielle P obleme in zu‑
kün igen In e ak ionen an izipie we den. Dazu können e schiedene o be ei ende
Ak i i ä en gehö en, wie z. B. das Nachschlagen on Wö e n ode ande en S uk u en
in einem Wö e buch, eine G amma ik ode einem Leh buch, die Konsul a ion mi
Sp achexpe en ode soga Ve meidungss a egien, wie z. B. die Be o zugung de
sch i lichen gegenübe de mündlichen Kommunika ion, das Mi b ingen eines Übe ‑
se ze s bzw. eines Dolme sche s ode die olls ändige Ve meidung de In e ak ion
(Nek apil/She man 2009). Dahe können Managemen ak i i ä en geplan we den,
be o die eigen lichen In e ak ionen beginnen (p e ‑in e ac ion managemen ). Ähnlich
e häl es sich, wenn die Teilnehme eine Leh e aus den in de Ve gangenhei au ‑
ge e enen Sp achp oblemen gezogen haben: Dann we den Managemen ak i i ä en
nach de In e ak ion du chge üh . Das Managemen nach den In e ak ionen (pos ‑
in e ac ion managemen ) kann na ü lich in ein p e ‑in e ac ion managemen übe gehen,
wenn es sich au eine zukün ige In e ak ion bezieh .
Fü die Ope a ionalisie ung p ak ische Fo schungs agen is es we oll, dass
die S uk u und die Phasen des Managemen p ozesses den Fo sche n s a egische,
heo iegelei e e F agen lie e n. Aus me hodische Sich können die ü alle Phasen des
P ozesses gep äg en Beg i e, beispielsweise in Fo m on P ädika en bei de Fo mulie‑
ung on F agen in In e iews e wende we den. Da übe hinaus is es möglich, diese
Beg i e bei de Auswe ung und In e p e a ion de e hobenen Da en zu e wenden, da
sie deu lich machen, in welche Phase sich die jeweiligen Da en be inden, was logisch
o ausgeh und was olg . De gesam e P ozess kann anhand des olgenden Diag amms
e anschaulich we den (in Anlehnung an Do alil/Šicho á 2017: 21):
100 BRÜCKEN 31/2
Abb. 1: Phasen des Sp achmanagemen s
In Abschni 3 wollen wi nun unse Augenme k au einen Zwei els all de deu schen
Gegenwa ssp ache ich en, de ü die Analyse de Da en in Abschni 5 on zen ale
Bedeu ung is .
3. DES AUTORS VS. DES AUTOREN. ZU EINEM ZWEIFELSFALL
DER DEUTSCHEN GEGENWARTSSPRACHE
Subs an i e mi Nomina i o m au unbe on es ‑o we den im Singula im Allge‑
meinen s a k deklinie : de Au o – des Au o s– dem Au o – den Au o , doch kann bei
diesen lexikalischen Einhei en ein pa ielle Deklina ionsklassenwechsel beobach e
we den. Im Usus sind die schwach deklinie en Singula o men des Au o en– dem
Au o en– den Au o en nich unüblich, zumal man im DeReKo e wa 976 Belege ü des
Au o en, 979 ü dem Au o en, 156 ü eines Au o en, 135 ü einem Au o en und 236 ü
einen Au o en inde .7
De G und, wa um die zu gemisch en Deklina ion gehö enden Subs an i e mi
‑o in Ve dach ge a en, schwach deklinie zu we den, dü e da in bes ehen, dass
hie gewisse Ausgleichsp ozesse im Gange sind: Die gemisch e Deklina ion kann
du chaus als eine A „Sys ems ö ung“ angesehen we den, die es zuguns en eine
g öße en Sys ema izi ä abzubauen gil . Da die Plu al o men manche Subs an i e
mi ‑o als hoch equen einzus u en sind, dü e es de Fall sein, dass die Sp eche /
Sch eibe dazu endie en, die allgemeine Regel „wenn Plu al schwach, dann zumeis
auch Singula schwach“ auch au die Subs an i e mi ‑o zu übe agen. Die schwachen
Singula o men wie des Au o en u. Ä. könn e man dann als eine A Hype ko ek is‑
men ansehen.8 Nach Köpcke (1995) be inden sich die Maskulina mi ‑o , die ein Lebe‑
7 Deu sches Re e enzko pus DeReKo‑2024‑I, W ‑A chi de gesch iebenen Sp ache, W ‑ö en lich–
alle ö en lichen Ko po a des A chi s W (mi Neuakquisi ionen). Die Fo m den Au o en wu de nich
be ücksich ig , weil sie homonym is (neben Sg. Gen. auch Da . Pl.).
8 Zu Schwankungen im Be eich de subs an i ischen Deklina ion siehe Thie o (2003), K ischke (2012)
und Do alil (2006, G aphiken au S. 211–214). Do alils Un e suchung zeig u. a., dass die Akzep anz de
In e ak ion
mi
E wa un-
gen
keine Ab-
weichung de
E wa ung
Abweichung
de E wa -
ung
keine Imple-
men ie ung
Implemen ie-
ung
keine
Lösungss a-
egie
Lösungss a-
egie
Bewe ung
keine Be-
we ung
un-
be me k
be me k posi i
nega i
101VÍT DOVALIL, MARTIN ŠEMELÍK
wesen bezeichnen im Radius eines de zwei p o o ypischen Pa adigmen schwache
Maskulina, wozu auch phone ische Cha ak e is iken bei agen: Die Maskulina mi
‑o gehö en zu den in beiden Nume i penul imabe on en Subs an i en, obwohl de
Plu al um eine Silbe länge wi d ( e gleiche mi Maskulina wie Ma ose, Löwe, Halunke,
die in beiden Nume i auch penul imabe on bleiben).
In de Duden ‑G amma ik (2009: 214) gel en die schwach deklinie en Fo men
des Typs des Au o en nich als s anda dsp achlich. In de Duden ‑G amma ik (2022:
717) we den sie nich e wähn , wäh end in Duden– Sp achliche Zwei els älle (2021:
145) de olgende Ve me k o ge unden we den kann: „Das Subs an i wi d in de
gesch iebenen S anda dsp ache im Singula s a k lek ie . Es heiß also des Au o s,
dem Au o , den Au o . Ve einzel i auch die schwache Flexion au : des Au o en, dem
Au o en, den Au o en.“
Die Ta sache, dass die be e enden Fo men hinsich lich de F equenz keine Rand‑
e scheinungen sind, zugleich abe nich als dem S anda d angehö ig bezeichne
we den können, üh zu F age, wie diese Phänomene in einem Kodex da zus ellen
sind. Dies be i G amma iken und Wö e büche gleiche maßen. Ak uelle deu sch‑
schechische Wö e büche üh en bei den be e enden lexikalischen Einhei en
lediglich die s a k deklinie en Singula o men an, indem die mo phologischen An‑
gaben ypische weise die olgende Fo m haben: „Au o , de , ‑s, ‑en“– so ode ähnlich
siehe beispielsweise VNČS (2006: 206) und VSNČČN (2006: 84). Dies is dann im
Einklang mi de E assung diese Phänomene in den meis en einsp achigen Wö e ‑
büche n des Gegenwa sdeu schen, siehe e wa LGWDaF (2010: 167), WDW (1997: 243)
bzw. Duden online (h ps://www.duden.de/ ech sch eibung/Au o ) mi de Ausnahme
des DWDS, in dem die schwach deklinie en Fo men ange üh und mi de Angabe
„umgangssp achlich“ e sehen sind (h ps://www.dwds.de/wb/Au o ).
In Abschni 5 we den Da en p äsen ie und ausgewe e , welche einen Einblick
in die En s ehung eines zweisp achigen Wö e buchs geben und welche die En ‑
scheidungsp ozesse de Kodi izie ung on schwach deklinie en Singula o men
de ‑o ‑Subs an i e e lek ie en. Zue s wi d dieses Wö e buch jedoch ku z cha‑
ak e isie , und zwa . a. im Hinblick au die in diese S udie in e essie enden
F ages ellungen.
4. DAS GROSSE AKADEMISCHE WÖRTERBUCH DEUTSCH‑
TSCHECHISCH IN SOZIOLINGUISTISCHEN KONTEXTEN9
Das G oße akademische Wö e buch Deu sch ‑Tschechisch (wei e GAWDT), ein
lexikog aphisch bea bei e es, wo a enspezi isch angeleg es Wo scha zin o ma‑
ionssys em, s ell ein akademisches Wö e buch in s a u nascendi da , das in de
schwachen Fo men on deu schen Expe en im Be eich de ge manis ischen Linguis ik zwischen 17
und 24 P ozen oszillie und da übe hinaus kasusspezi isch sein kann. So e eich e die Akzep anz
de Fo m im gen.Sg. (des Au o en) 24 P ozen , im Akk. Sg. (einen Au o en) dagegen nu 17 P ozen . Zu
g amma ischen In eg a ion de la einischen ‑o ‑Lexeme siehe Eisenbe g (2001).
9 Diese Abschni basie . a. au Vachko á (2011: 25 ). Nähe es siehe ebd. ode Vachko á (2015) bzw.
un e URL: <h ps://lexa chi . .cuni.cz/lexikog a icka ‑sekce/?lang=de> und <h ps://lexa chi . .cuni.
cz/slo nik/>.
102 BRÜCKEN 31/2
on Hugo Siebenschein und Jose Janko beg ünde en lexikog aphischen T adi ion
e anke is . Die an isie en Ad essa en sind u. a. Akademike , Übe se ze , Ge ma‑
nis iks udie ende sowie Absol en en de Gymnasien. Das GAWDT ha ex bezogene
(Wö e buch als Hil smi el, das konsul ie wi d, um ein Tex p oblem zu lösen) wie
auch wissensbezogene Funk ion (Wö e buch als Hil si el, das konsul ie wi d,
um sich meh Wissen zu bescha en).
10
Das GAWDT is in e s e Linie ein Dekodie‑
ungswö e buch, das alle dings p oduk i e Ve wendungsweise (Kodie ung) nich
unbeding ausschließen muss.
Das P ojek is ein lang is iges Vo schungs o haben, an dem ko pusanaly ische
Me hoden ge es e we den, wobei de sys emo ien ie e Blick, de eine Ve allgemei‑
ne ung beding , und die e wendungso ien ie e Au assung, beide im Diens e eine
unk ionalen Sp achbesch eibung, einande begegnen. Fo schungen, die au kon ‑
as i e Analysen au he ische Sp achda en abzielen, s ellen einen es en Bes and eil
de lexikog aphischen A bei en am GAWDT da .
Hinsich lich de lexikog aphischen Ansä ze bzw. S a egien P äsk ip ion– P o‑
sk ip ion– Desk ip ion kann in Bezug au das GAWDT es gehal en we den, dass das
Wö e buch p äsk ip i , p osk ip i wie auch desk ip i is .
Fü die P äsk ip ion is cha ak e is isch, dass in die Sp ach e wendung bzw.
auch ‑en wicklung sei ens de Wö e buchau o en no ma i eingegeg i en wi d,
indem eine Sp ache scheinung als alsch einges u wi d ode eine E scheinung,
eine Va ian e absich lich nich ange üh wi d, wobei die G undlage solche Ein‑
g i e en wede das indi iduelle U eil de Ve asse ode eine ande en Au o i ä ,
e wa de Sp achakademie, eine Sp achbe a ungss elle usw., da s ell . P äsk ip i
e äh das GAWDT beispielsweise dadu ch, dass in den sog. usage no es bes imm e
E scheinungen explizi als Fehle bezeichne we den. Dies be i o angig Sys em‑
ehle als Folge e schiedene In e e enzen des Typs sch. ( en) p oblém (mask.) s.
d . das P oblem (neu .).11 Es sei be on , dass p äsk ip i e Elemen e als na ü liche Be‑
glei e scheinung de Kodi izie ung angesehen we den müssen, wobei un e diesem
Gesich spunk de P äsk ip i ismus nich als e was Unwissenscha liches ode ga
als ein schädliches Gegens ück zum „wissenscha lich objek i en“ Desk ip i ismus
k i isie we den kann.
Im Falle on ande en Sp ache scheinungen wi d im GAWDT dagegen desk ip‑
i ode p osk ip i o gegangen. Bei de Desk ip ion we den alle Va ian en eine
Va iablen e mi el und angegeben, ohne dass jedoch eine ode meh e e da on emp‑
ohlen wü den. Die Empi ie s eh hie bei im Vo de g und. In einem Wö e buch
können die beiden e wähn en Ansä ze simul an Anwendung inden, sodass es häu ig
schwie ig is , eine scha e G enze zwischen einem p äsk ip i en und desk ip i en
Wö e buch zu ziehen (Malkiel 1989: 63). Von besonde e Bedeu ung is in diesem Zu‑
sammenhang auch die Pe spek i e de sozialen P axis. Zwischen den Zielse zungen
de Wö e buchau o en und de Pe spek i e de Wö e buchbenu ze kann es Dis‑
k epanzen geben: „Wö e büche sind on ih e In en ion aus desk ip i ode sie e ‑
heben den Ansp uch au die In en ion, desk ip i zu sein. Von den Benu ze n we den
die Wö e büche als no ma i angesehen– on ih e Wi kung he gesehen, sind sie
10 Zu Wö e buch unk ionen siehe Ta p (1995).
11 Zu usage no es im GAWDT siehe Šemelík/Bezdíčko á/Kop ík (2016).
103VÍT DOVALIL, MARTIN ŠEMELÍK
no ma i “. (Ludwig 2002: 227) Mi Kühn kann man on dahe es hal en, dass „[d]ie
Wö e büche des Deu schen […]– his o isch be ach e – in ein Wechselbad no ma‑
i e Ziel o s ellungen und desk ip i e Absich en ge auch [sind].“ (Kühn 1997: 112)
Häu ig we den Kodizes als No mau o i ä en bezeichne , abe die Iden i izie ung on
Kodizes mi No mau o i ä en is e minologisch nich ganz ko ek (siehe auch Kleins
oben zi ie e De ini ion eines Kodex). Es is siche lich e wägenswe , den Beg i de
No mau o i ä eine Pe son o zubehal en, on de ande e Sp eche und Sch eibe
(Leh k ä e, Redak eu e, Ko ek u lese usw.) legi ime weise e wa en, dass sie ih e
sp achliche P oduk ion ko igie . Na ü lich können sich No mau o i ä en bei diese
Tä igkei au einen Kodex be u en.
Die P osk ip ion, die auch als selec i e desc ip ion bezeichne wi d (Be genhol z
2003: 77), kann olgende maßen cha ak e isie we den:
„P osc ip ion allows he same possibili ies o he empi ical basis as desc ip ion […].
Howe e , he esul s o empi ical analysis a e deal wi h in adi e en way com‑
pa ed o adesc ip i e app oach. In his ega d he mos salien dis inc ion lies in
he ac ha he lexicog aphe does no only p o ide he esul s om he empi ical
analysis bu goes u he by indica ing aspeci ic a ian ha he/she ega ds as he
ecommended o m.“ (Be genhol z/Gouws 2010: 36) Mi dem Plu izen ismus12 is
die P osk ip ion im Einklang, zumal beim di e gie enden Sp achgeb auch in jewei‑
ligen Zen en eine Emp ehlung eigens ü jede Va ie ä o mulie we den kann.13
Die Au o en de einzelnen Da enbankein äge des GAWDT sind in e ne Mi gliede
de Redak ion ode ex e ne Mi a bei e . Bei den ex e nen Mi a bei e n handel es
sich de zei as ausschließlich um S uden en des Ins i u s ü Ge manische S udien
de Philosophischen Fakul ä de Ka ls ‑Uni e si ä . Die Wö e bucha ikel we den
in de Regel zwei Re isionen un e zogen, die imme in einem bes imm en (nich es ‑
geleg en) Abs and e olgen und on einem bis ie in e nen Redak ionsmi gliede n
in gemeinsamen Redak ionssi zungen du chge üh we den. An mindes ens eine
Redak ionssi zung nimm de P ojek lei e eil. De Au o des Wö e bucha ikels
kann, muss abe nich an de Si zung eilnehmen. Nach de zwei en Redak ion wi d
de Wö e bucha ikel zumeis als inalisie und e ö en lichungsbe ei be ach e .
5. DATEN
Die G undlage des Basis ansk ip s bilde eine Au nahme de Re isionsa bei en am
GAWDT, die am 12.01.2015 in P ag en s and und eine Gesam daue on 03:37:00 ha .
Ausgewähl e Teile de Au nahme wu den on Ma ké a F ejlacho á mi hil e on GAT
214 ansk ibie und anschließend on Ma in Šemelík ins Deu sche übe se z . Die
Ak eu e sind: A– P ojek lei e , gebo en 1954, weiblich, B– ex e ne Mi a bei e , ge‑
12 Zum Plu izen ismus Clyne (1992), Ammon (1995), in e alia.
13 Aus üh liche zu No m, No mie ung, S anda d und S anda disie ung im Be eich de Lexikog aphie z.
B. Be genhol z/Gouws (2010), Gouws (2009), Kühn (1997), Ludwig (2002), Malkiel (1989), Rip el (1989),
Schaede (1998), Wiegand (1986), Zgus a (1989).
14 GAT 2 s eh ü eine übe a bei e e Ve sion des Gesp ächsanaly ischen T ansk ip ionssys ems, meh
dazu siehe un e URL <h ps://1u l.cz/u1FoN>.
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