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Textsammlungen der Prager deutschen Moderne und ihre Vorläufer

Abstract

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Textsammlungen der Prager deutschen Moderne und ihre Vorläufer

Author: Höhne, Steffen
Publisher: Univerzita Karlova, Filozofická fakulta,Praha
Year: 2024
Source: https://dspace.cuni.cz/bitstream/20.500.11956/197627/1/Steffen_Hohne_67-96.pdf
Tex sammlungen de P age deu schen Mode ne
und ih e Vo läu e
S e en Höhne– Hochschule ü Musik Weima /F ied ich-Schille -
Uni e si ä Jena
ABSTRACT
Collec ions o ex s o P ague Ge man mode nis s and hei p edecesso s
An hologies p o ide an o e iew o au ho s, li e a y ends, epochs and gen es, ocus on
mo i s and hemes and ollow ali e a y -poli ical, na ional -li e a y o ideological logic.
The selec ion sugges s ep esen a i eness and o ien a ion. In mul ilingual socie ies in
pa icula , an hologies ha e an in eg a i e -exclusi e unc ion; he in en ion is o alo ize
he own and o di e en ia e om he o eign. In con as , howe e , hey also se e ac oss-
bo de cul u al exchange and a e hus pa o li e a y ans e p ocesses. The s a egies
o cul u al ans e a e analyzed using he example o Ge man -language an hologies in
he Bohemian Lands in he mode n e a.
KEYWORDS
an hology, canoniza ion, cul u al ans e , mode ni y, mu uali y.
1. VORBEMERKUNGEN
An hologien geben einen Übe blick übe Au o en, li e a ische Rich ungen, Epochen,
Ga ungen, se zen Schwe punk e hinsich lich Mo i ik und Thema ik und olgen eine
li e a u poli ischen, na ionalli e a ischen ode ideologischen Logik (Hän zschel 2007:
98). Sugge ie we den soll du ch die Auswahl Rep äsen a i i ä und O ien ie ung. Im
Rahmen na ionale Bewegungen insbesonde e in mul ilingualen Gesellscha en bean-
sp uch de Typus de Eigenan hologie eine in eg a i e Funk ion. Übe die Bes andsau -
nahme hinaus is eine Valo isie ung des Eigenen und eine Abg enzung om F emden
in endie . Dem en gegen s eh die F emd- ode Übe se zungsan hologie, bei de de
kul u elle Aus ausch im Fokus s eh , sei es in sup ana ional -wel li e a ische Pe spek i e
(F ank 1994: 9), sei es mi dem Ziel eine Ve mi lung on einem Li e a u sys em in ein
ande es. Mi den Übe se zungen kann dabei zugleich eine Valo isie ung de eigenen
Li e a u beabsich ig sein (Höhne 2022a). Welche Bedeu ung besi zen nun Tex samm-
lungen in de sich in den Böhmischen Lände n he ausbildenden Mode ne? Hie zu sei
zunächs ein no wendig ku so ische Blick au die kul u poli ische Si ua ion gewo en.
In de En wicklung de deu schböhmischen Li e a u bilden Assozia ionen wie de
1871 in P ag geg ünde e Ve ein deu sche Sch i s elle und Küns le in Böhmen Conco dia
und die G uppe Jung P ag (Hadwige 2012, 2017) ein Scha nie bzw. einen Un e bau
de Mode ne (Weinbe g 2016), zei lich zwischen bü ge lichem Realismus au de
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einen und dem P age ‚exp essionis ischen Jah zehn ‘ au de ande en Sei e zu e -
o en (K olop 2005). Alle dings is zu kons a ie en, dass die deu schböhmische bzw.
P age deu sche Mode ne eine deu lich ge inge e äs he ische bzw. sezessionis ische
Radikalisie ung de Fo mensp ache au wies als beispielsweise die Wiene , abe auch
die schechische Mode ne. Dies be i gleiche maßen die Li e a u (z. B. A hu
Schni zle ode Ka l K aus), die bildende Kuns (z. B. Adol Loos ode Egon Schiele)
und die Musik (z. B. A nold Schönbe g), ü die man im deu schböhmischen Kon ex
um 1900 keine En sp echung inde . Dies gil auch ü die als Inkuba ionsphase de
Mode ne ungie ende Li e a u des Jungen P ag, de eine wich ige Rolle in dem kon-
s a ie en Di e enzie ungsp ozess zukomm .
Die F age, die sich nun s ell , lau e , welchen Ein luss de in den böhmischen
Lände n um 1900 einse zende kul u elle wie kul u poli ische Di e enzie ungsp o-
zess de Mode ne au die Li e a u ha e und ob bzw. wie diese En wicklung in den
deu schsp achigen Tex sammlungen e lek ie wu de. Hie zu muss zunächs ein
Blick au die Phase o dem Einsa z de Mode ne gewo en we den, in de sich in P ag
eine undamen ale demog aphische und dami auch sp achliche Ve schiebung on
eine u sp ünglich deu schsp achigen Dominanz, was die ö en liche Kommunika ion
und auch die Li e a u angeh , hin zu eine schechischen e gab. Diese Ve schiebung,
die in eine wachsende na ionale Pola isie ung münden soll e, läss sich an einigen
ma kan en E eignissen e gegenwä igen. 1861 e lo en die Deu schböhmen die
Meh hei im P age im S ad a , 1883 die Meh hei im böhmischen Land ag; im Jah
zu o kam es zu Teilung de P age Uni e si ä in eine deu sche und in eine sche-
chische Sek ion. Dami einhe e lie eine Auseinande se zung um den ö en lichen
Raum, die alle gesellscha lichen Be eiche e ass e. Demons a ionen im Rahmen on
Gedenk agen wandel en sich zu na ionalen Mani es a ionen: 1873 de 100. Gebu s-
ag Jose Jungmanns, 1874 die En hüllung des Žižka -Denkmals, 1876 die Beise zung
Palackýs. Zwa gelang de Regie ung Taa e eine o übe gehende En schä ung, en -
sp echende Ve o dnungen s ell en beide Sp achen als äuße e Ve wal ungssp achen
gleich, alle dings e s ä k e sich dami un e den Deu schen– ge ade in P ag– ein
kollek i es Ge ühl wei e e Ma ginalisie ung. Wie schläg sich nun diese o be-
sch iebene und analysie e Desin eg a ionsp ozess in de Li e a u , insbesonde e in
den deu schsp achigen Tex sammlungen niede ?
2. ANTHOLOGIEN VOR DER MODERNE
Noch in den 1870e Jah en dominie en egional o ien ie e und unk ional -mäzena-
isch mo i ie e Sammlungen wie die Liede de Heima h. Blü henlese aus dem deu sch‑
böhmischen Dich e ga en on Hein ich on Lobsdo (1871), he ausgegeben zum
Zweck, den E ag „dem deu schen Volkskinde ga en in P ag“ zu widmen (Lobsdo
1871: o. S.).1 Gewidme is diese Sammlung „Allen F eunden deu sche Dich ung,“ be-
absich ig is ein Übe blick de gesam en deu schböhmischen Li e a u , un e eil
1 Au eilung de Sammlung nach Alphabe de Namen in eine äl e e Pe iode (S. 3–28) mi Wol gang Adol
Ge le, Augus Wilhelm G iesel, Jose Adol Hanslik, Johann Geo g Meine , An on Mülle , Johann Jose
Pol , Sebas ian Willibald Schießle , Ka l A. Schneide , A. S an. Zaupe , Alois Ze le . In de jünge en
Pe iode (S. 31–601) u. a. F ied ich Bach, Joseph Baye , Ka l Egon Ebe , Ludwig Augus F ankl, Juliane
Glase , Rudolph Glase , J. Vi gil G ohmann, Ka l Vic o Hansgi g, Mo i z Ha mann, F anz Hed ich,
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in eine gängigen Ein eilungen zuwide lau ende äl e e Pe iode (1790–1830), die den
„G und zu eine neudeu sch -böhmischen Li e a u “ bilde (Lobsdo 1871: IX), und eine
jünge e Pe iode ( on 1830 bis zu Gegenwa ), mi de ein „ eges Leben au dem Felde
de Poesie“ beginne und eine „Menge deu sch -böhmische Dich e “ um den P eis des
Ruhmes we ei e e (Lobsdo 1871: X). Die An hologie lie e e zugleich einen Que
-
schni de S ömungen, „die das Geis esleben on Deu schböhmen dazumal du ch-
lu e en.“ (Fü s 1900: 200 .) E wähn we den Ein lüsse on Schille , Goe he, Rücke ,
Uhland, Heine, Eichendo , Seume, F eilig a h und Hebbel, womi zugleich ein
T adi ionskon ex mi de deu schen Na ionalli e a u e ozie we den soll. K i isch
e me k aus eine spä e en Phase sich in ensi ie ende na ionale Desin eg a ion
wi d das als anach onis isch bewe e e „böhmische Bewuß sein“ in den Tex en on
Theodo on G ünwald, U o Ho n, Ka ha ina Klauczek und besonde s Rudol Mülle ,
de eine „Ve söhnung de beiden Na ionali ä en“ p edig e
2
(Fü s 1900: 201), wäh end
die An hologie insgesam kaum den An o de ungen an die zei genössische Li e a u
genüge: „Ausgesp ochene na ionale Gesinnung inde man be emdende Weise nu
bei Gä ne und Hen ik Schmid .“ (Fü s 1900: 201 .)3 Kons a ie wi d also ein na io-
nalli e a isches De izi , p opagie wi d le z lich die Abscho ung on als nich deu sch
ka ego isie en li e a ischen T adi ionen; on eine wechselsei igen Ve lech ung
ode auch nu Wah nehmung de schechischen Li e a u e äh man nich s.
Eine egionale Pe spek i e– die An hologie on Lobsdo dien e als Vo bild (Han -
schel/Paudle 1883b: 414)– bie e auch das Spi zbe g ‑Album (1883) on F anz Han schel4
und An on Paudle ,5 welches die „Dich ung aus No dböhmen“ e sammel und eben-
alls unk ional -mäzena isch mo i ie is : „Zum Bes en des Fondes ü E bauung
de[s] K onp inzessin S ephanie -Aussich s hu mes bei Böhmisch Leipa.“ (Han schel/
Paudle 1883a: o. S.) Diese Aussich s u m be inde sich au dem ü die An hologie
namengebenden Spi zbe g bei Böhmisch Leipa [Česká Lipa]. Übe den lokalen Fokus
hinaus wi d abe ein Ansp uch au egionale In eg a ion und Iden i ika ion e hoben,
handele es sich doch um das „e s e no dböhmische Dich e -Album“ (Han schel/Paud-
le 1883b: 411), welches seinen E olg nich zule z du ch die g oße Akzep anz und
Un e s ü zung dieses „pa io ischen und gemeinnü zigen Un e nehmen“ e eich
habe (Han schel/Paudle 1883b: 411): „We ü das ‚Spi zbe g -Album‘ sich e wä m ,
de ö de nich blos die deu schböhmische Li e a u , sonde n auch ein heimisches
Un e nehmen on ho nungs olls e Gemeinnü zigkei .“ (Han schel/Paudle 1883b:
413) Dabei we de nich nu quan i a i Volls ändigkei bei de Rep äsen a ion no dböh-
Ka l Reginald He loßsohn, U o Ho n, And e Ludwig Jei eles, Sieg ied Kappe , Ignaz Ku anda, Ludwig
on Löhne , Al ed Meißne , Theophil Pisling, F anz Isido P oschko, Adalbe S i e , Jose Wenzig.
2 Ve wiesen wi d au die Gedich e on Mülle Ausgleich (1858) (Lobsdo 1871: 401) und Legende (1862)
(Lobsdo 1871: 402–404).
3 Von Wilhelm Gä ne bspw. das Gedich Mein Lied und Leid! (Lobsdo 1871: 106–113), on Hen ik Schmid
das Gedich En sagen und Ve gessen (Lobsdo 1871: 476 .).
4 F anz Han schel (04.10.1844–23.02.1940) wa p ak ische A z in Böhmisch -Leipa und Sch i s el-
le , 1892–1907 leb e e in P ag -Smícho , zusammen mi Paudle wa e Mi glied im No dböhmischen
Excu sions ‑Club.
5 An on Paudle (08.10.1844–10.11.1905) wa P ies e (Augus ine o den) und Gymnasialp o esso in
Böhmisch -Leipa, Mi beg ünde des No dböhmischen Excu sions -Clubs, e s e deu sche Heima -
e ein in No dböhmen, ko espondie endes Mi glied de Deu schen Gesellscha zu Fö de ung de
Wissenscha , Kuns und Li e a u . Paudle gab 1898 im Ve lag des No dböhmischen Excu sions -Clubs
das Leipae Dich e buch. Eine An hologie in Böhmisch -Leipa he aus.
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mische Dich e e eich , sonde n du ch das Auswahlp inzip de „Objek i i ä “ und
„Wohlans ändigkei “ bzw. die Ve meidung on „‘Ul e io i ä ‘ in sociale und na ionale ,
in eligiöse und poli ische Beziehung“ seien auch quali a i e K i e ien e üll wo -
den (Han schel/Paudle 1883b: 413).6 Neben einzelnen, im deu schböhmischen Kon ex
kanonisie en Au o en wie U o Ho n, Johann Geo g Meine ode Al ed Meißne
übe wiegen alle dings du chschni liche Tex e on Leh e n und Schuldi ek o en
aus de Region, ge olg on Geis lichen, Jou nalis en und Redak eu en, Ju is en und
einigen P o esso en o allem de P age Uni e si ä . Selbs edend bleib auch hie ,
wie in den . Sammlungen, die schechische Li e a u komple ausgeblende , die
deu schsp achige wi d als eine homogene Einhei p äsen ie und im Rahmen eine
deu schen Na ionalli e a u posi ionie .
Einen übe egionalen Ansp uch, um „die geis ige Scheidewand zwischen Deu sch-
land und Oes e eich“ (Bodens ed 1878b: X .) du ch Ve weise au die „inne e Zusam-
mengehö igkei “ (Bodens ed 1878b: XI) alle Deu schen, de en li e a isches Scha -
en p äsen ie wi d, zu übe winden, e i die on F ied ich Bodens ed (1878a)
he ausgegebene Sammlung Ve schollenes und Neues. Ein Dich e buch aus Deu schland
und Oes e eich.
7
Alle dings en häl diese Sammlung, die ausschließlich „Bei äge
on lebenden Dich e n und Dich e innen“ (Bodens ed 1878b: XI) be ücksich ig ,
aus Böhmen lediglich ein Gedich on Al ed Meißne und eines on Ludwig Augus
F ankl, die zu diesem Zei punk abe be ei s in B egenz bzw. Wien leb en. Hinzu
kommen meh e e Gedich e on Ma ie on Ebne -Eschenbach. Mi diese Sammlung
wi d K i ik an eine komme ziell o ien ie en Li e a u poli ik a ikulie , die zu
Benach eiligung de Poesie ge üh habe, da „de S aa die Kuns nich nach ih e
idealen, sonde n nu nach ih e gewe blichen Sei e schä z , nu diejenigen Küns e
ane kenn , welche im Handwe k wu zeln und, wie dieses, einen goldenen Boden
haben.“ (Bodens ed 1878b: V)
Einem dezidie k onlando ien ie en Pa io ismus nach den Vo bilde n des on
Ka l Emil F anzos he ausgegebenen Deu schen Dich e buch aus Oes e eich (Leipzig 1883)
sowie dem in de Folge e schienenen S eie mä kischen und Ti olischen Dich e buch8
6 Die An hologie un e eil Ly ik und P osa, die Gedich e zunächs in den Sek ionen „Kaise und Va-
e land“, „Heima und Heimweh“, „Go und Na u “, „Liebe und Leid“, „He z und Haus“, „Fe nes und
F emdes“, „Kö ne und Keime“, „Sche z on und Volkslau .“ Die P osa ex e „Aus Büche n und Blä e n“
olgen im zwei en Teil mi gleichnamigen Sek ionen. Ly ik e schein in de Sek ion „Kaise und
Va e land“, hie zunächs dynas ische Tex e, dann auch na ionalis ische wie on Jose Hille: Böhmen,
mein Va e land; Ka l Ho mann: Deu schen He zens F eud‘ und Leid, Fes s eh die deu sche Eiche; A. Ki el:
He mann; An on Oho n: Lied de Deu schen in Ös e eich, Die Mongolenschlach , An Ka l Egon Ebe ; An-
on Ohme: Des deu schen Baue s Wach . Die P osa um ass zunächs dynas ische Tex e, dann eben alls
na ionalis ische: Ka l Ho mann: Schwa z ‑gelb und Schwa z ‑ o ‑gold! (Flugbla , Rumbu g 1881); Joseph
Wol : Va e Rhein (1871).
7 Bei dem „Dich e , Uebe se ze und Cul u his o ike “ (F änkel 1903: 63) F ied ich Bodens ed (1819–1892)
handel es sich um einen e ah enen und o allem e olg eichen He ausgebe on An hologien: Album
deu sche Kuns und Dich ung (1867; 8. Au l. 1892), Kuns und Leben. Ein neue Almanach ü das deu sche
Haus (1877–79), Liebe und Leben. Eine Sammlung deu sche Ly ik (1892; 3. Au l., e meh on F ida Schanz
1895), Neubea bei ung on Ca l Cou elle’s‚An hologie ü Geis und He z‘ Pha us am Mee e des Lebens
(2 Thle., 21. u. 11. Au l. 1890/92, 25. u. 14. Au l. 1901) (F änkel 1903).
8 Ka l Wilhelm Gawalowski: S eie mä kisches Dich e buch. G az 1887, dessen Reine ag an die lokale Sek ion
de deu schen Schille s i ung gehen soll e (S. IV); Amb os May : Ti ole Dich e buch. Innsb uck 1888,
h sg. im Au ag des Ve eins zu E ich ung eines Denkmals Wal he s on de Vogelweide in Bozen.
71STEFFEN HÖHNE
e p lich e is das on Paul Ki sch9 und O oka Hans S oklaska10 (1892) he aus-
gegebene Deu sche Dich e buch aus Mäh en mi Tex en u.a. on Ma ie on Ebne -
Eschenbach (mi Abd uck ih es Kon e eis au dem F on ispiz), Hie onymus Lo m,
Fe dinand on Saa , Jakob Julius Da id, O oka S au on de Ma ch. Die An hologie
gebe e s ens „da on Zeugnis, daß das deu sche Lied in Mäh en eine ausgiebige P lege
inde .“ Zwei ens belegen die Tex e, „daß die Deu schen im Lande e euliche weise
ih S ammesbewuß sein bewah en.“ D i ens nimm man die his o ische Ve mi lung
in den Blick: „Es wi d Namen und Wesen de deu schen Dich e Mäh ens in wei e e
K eise agen und de Ve b ei ung ih e We ke ö de lich sein.“ Le z lich diene die
Sammlung in egionale wie na ional -iden i ika i e Weise „eine a e ländischen
und olks hümlichen Sache“ (Ki sch/S oklaska 1892: o. S.), auch wenn die u sp üng-
liche Absich , nu Unged uck es au zunehmen, nich olls ändig umgese z we den
konn e.
Mi diesen einem Einhei sp inzip bzw. einem kul u alisie en und na u alisie en
Ve s ändnis on Li e a u e p lich e en Sammlungen wi d gewisse maßen eine
Abg enzung zu solchen An hologien o genommen, die den Ansp uch eines ans-
kul u ellen Aus auschs e a en. Dies gil o allem ü die T ans e an hologie on
Jose Wenzig, de die schechische Li e a u nich nu als Inspi a ionsquelle ü
die eigene dich e ische Tä igkei be ach e e, sonde n de diese Li e a u als eigen-
s ändigen Neubeginn äl e e T adi ionen e kann e, die du ch Übe agungen im
deu schsp achigen Raum bekann zu machen sei, um au diese Weise in zunächs
landespa io ische , spä e aus iazis ische Dik ion „Fäden de Ve s ändigung zu
knüp en“ (Wenzig 1876: 7). Geis ige E zeugnisse e s and Wenzig in iden i ä s e -
bü gende Weise als ‚kos ba s es Besi z hum‘ des S aa es und de S aa sbü ge , mi
dem sowohl „ös e eichisches Bewuss sein, ös e eichisches Va e landsge ühl“ als auch
Ach ung im Ausland e weck we den könne (Wenzig 1858: 2). Alle dings geh auch
Wenzig on einem holis ischen Ansa z aus, da seinen An hologien so wie in den bis-
he o ges ell en Kul u konzep e on geschlossenen, adi ions- und iden i ä s e -
bü genden Ins anzen zug unde liegen und e das dis ink i e Po en ial on Li e a u
au na ionalsp achliche Basis akzen uie , wenn e z. B. o Ve mengungen wa n
und somi ansna ionale ode ga hyb ide Vo s ellungen on Li e a u e wi .
Alle dings handel es sich bei Wenzigs Übe se zung- bzw. T ans e an hologien um
Tex sammlungen, die in einem Zwischen aum zwischen deu sche und schechische
Li e a u posi ionie we den können und die dahe Teil eine sp achübe g ei enden,
böhmischen Li e a u bleiben (Jakubco á 2016: 101). Inso e n bilden Wenzigs An ho-
logien eine spä bohemis ische Fo se zung o mä zliche bohemis ische T adi ionen
(Höhne 2023b).
9 Paul Ki sch, eigen lich Paul S zemcha (1844–1940) wa Gymnasialleh e und Schuldi ek o sowie
u.a. Mi glied im Jou nalis en -Ve ein ü Mäh en und Schlesien. Ki sch e ass e p osaische, ly ische
und d ama ische Tex e, z. B. das Volksschauspiel Die Schweden o B ünn. In seinen wissenscha lich-
-didak ischen Tex en be ass e e sich o wiegend mi de deu schen Li e a u und Geschich e (URL:
<h ps://limam.upol.cz/Au ho s/De ail/996> [20.1.2024]).
10 O oka Hans S oklaska (Ps. S oklasse , 1852–1934) wa ab Feb ua 1874 P o esso ü Geschich e, Geo-
g aphie, deu sche Li e a u und Philologie an de deu schen Obe ealschule in P oßni z. 1888 wechsel e
e nach B ünn an die Landesobe ealschule, 1901 wu de e Di ek o des B ünne Mädchen -Lyzeums.
S oklaska a o allem als Thea e -Au o he o und sch ieb ü die B ünne Mo genpos und die
B ünne Zei ung (URL: <h ps://limam.upol.cz/Au ho s/De ail/1924 > [20.1.2024]).

72 BRÜCKEN 31/1
3.1 VON DER CONCORDIA ZUM JUNGEN PRAG
De in de P age Kul u als Mi glied des P age Küns le e eins Conco dia und des
Ve bandes de deu schen Jou nalis en in Böhmen höchs ein luss eiche Hein ich Teweles
11
e sammel in de on ihm edigie en An hologie on 1894, dem P age Dich e buch,
Tex e wich ige Rep äsen an en de Conco dia -Gene a ion wie F ied ich Adle , Al ed
Klaa , Hugo Salus, Richa d Schube , Jose Willomi ze sowie eigene. Bei diese Samm-
lung handel es sich wohl um die einzige im unmi elba en Kon ex de Conco dia
en s andene und mi Un e s ü zung de 1891 geg ünde en Gesellscha zu Fö de ung
deu sche Wissenscha , Kuns und Li e a u he ausgegebene An hologie.
Von de Conco dia g enz e sich mi Jung ‑P ag eine neu oman ische Bewegung
(B od 1979b: 146) ab, de Paul Leppin, Vic o Hadwige , Leo Helle , Camill Ho mann,
Gus a Mey ink, Rilke und Oska Wiene , spä e auch O oka Winicky zuge echne
we den,
12
eine de beiden „Halbgene a ionen“ o dem P age K eis (B od 1979a: 80, 87),
die alle dings wede o mal noch inhal lich eine inno a i e ode ga a an ga dis ische
Dich ung e a en (Hadwige 2017: 185). Die Bezeichnung geh au einen K eis on
Au o en zu ück, de sich 1898 zusammen and, abe nu bis F ühjah 1899 bes and,
de jedoch gleichwohl den P age Li e a u be ieb zu e olu ionie en beabsich ig e
und dem es zum einen da um ging, „die p o inzielle Abgeschlossenhei nach außen
du ch lebendige Kon ak e mi de zei genössischen deu schen wie ös e eichischen
Li e a u zu übe winden“ (K olop 2005: 22), zum ande en woll e man „du ch g öße e
Au geschlossenhei gegenübe dem schechischen Volk und seine Kul u auch die
soziale und na ionale Isolie ung inne halb P ags“ du chb echen (K olop 2005: 22).
Ein Jah spä e , 1899, en s and au Ini ia i e on Paul Leppin, Oska Wiene und
O oka Winicky die F eie deu sche Küns le e einigung, aus de sich wiede um die
F ühlingsgene a ion en wickel e (Hadwige 2017: 181).13 Diese En wicklung blieb nich
ohne Ein luss au die Tex sammlungen.
Al ed Gu h (1875–1935) und Joseph Adolph Bondy wa en (1876–1946) nach je zige
Sich ung die e s en, die in ih e Sammlung Mode ne Dich ung (1897) in zwei He en,
inso e n handel es sich nich um eine An hologie im enge en Sinn, neben We ken
on P age deu schen Au o en auch Tex e on schechischen wie O oka Březina,
Jiří Ka ásek zL o ic, Jose S a opluk Macha , An onín So a und Ja osla V chlický
au nahmen, ohne alle dings die Übe se ze zu nennen.14 Ve e en wa en zudem
11 Hein ich Teweles (1856–1927) wa Jou nalis , u.a. beim Tagesbo en aus Böhmen, de Bohemia und on
1900 bis 1910 Che edak eu des P age Tagbla s. Nachdem e zu o un e Angelo Neumann als D ama-
u g beschä ig wa , übe nahm e nach dem Tod Neumanns on 1911 bis 1918 die Lei ung des Neuen
Deu schen Thea e s in P ag (Lud o á 2016).
12 „Es wa en zehn ganz junge Leu e, die nich den s uden ischen K eisen angehö en und dahe on
de P esse und de P age deu schen Gesellscha nich e ns genommen wu den. Sie schwä m en,
sch ieben Ve se und s anden mi dem Bü ge um au K iegs uß. Meh e e da on sind jung an Jah en
ges o ben, ande e e schollen ode haben die Kuns an den Nagel gehäng und bü ge liche Be u e
e g i en. De Poesie eu geblieben bin nu ich und Ma ga e e Beu le , die damals als E ziehe in in
Ka lsbad leb e. Auch Hugo S eine , je z P o esso an de Akademie ü g aphische Kuns in Leipzig und
de Bildhaue Ka l Wil e d.J. gehö en ‚Jung P ag‘ an, das sein Haup qua ie im Ca é ‚Renaissance‘
ha e.“ (Wiene 1922: 35)
13 Zu Ausdi e enzie ung bzw. Abg enzung on de Conco dia s. K olop (2005).
14 Die Sammlung en häl neben We ken de beiden He ausgebe sowie Tex en de genann en sche-
chischen Au o en Bei äge on P age deu schen Au o en (Al ed Klaa , F ied ich Adle , Emil Fak o ,
73STEFFEN HÖHNE
Rep äsen an en de Conco dia wie F ied ich Adle , Al ed Klaa und Hugo Salus,
auch wenn mi den beiden He en eine gegen die Conco dia ge ich e e s a egische
Posi ionie ung in endie wa , die ü Jung ‑P ag insgesam cha ak e is isch gewesen
is : Es ging um die Au we ung de eigenen G uppe du ch enommie e auswe ige
Au o en– hie wä e o allem Rilke zu nennen –, es ging um eine demons a i e
In e mediali ä in de Au machung de He e, was an de g aphischen Ges al ung
deu lich wi d, und es ging um die Kollabo a ion mi schechischen Au o en, womi die
bis dahin dominie ende na ionalexklusi e Li e a u poli ik un e lau en wu de. Und
schließlich ging es um den Ansp uch au Mode ni ä insbesonde e in de Li e a u -
k i ik de Z s. Wi
15
und dami den Anschluss an die in e na ionale Mode ne (S ieme
2020: 61). En sp echend e me k e eine Rezension in Rozhledy posi i die Absich on
Bondy und Gu h, eine li e a ische Zusammena bei mi den schechischen Au o en
zu suchen (Topo 2012: 66). Und S. K. Neumann e wies in de Ap il -Numme de
Mode ní e ue au die In e na ionali ä des Kuns konzep s de Mode nen Dich ung, mi
de ga eine Abkeh om na ionalen Chau inismus e olg sei. Alle dings bemängel
Neumann das Epigonale insbesonde e bei Klaa sowie die insgesam zu ausgep äg e
ängs liche Zu ückhal ung in de poe ischen Ges al ung (Topo 2012: 67). Ande s als
in de schechischen Mode ne wa au deu sche Sei e die Ablösung on de äl e en
Gene a ion noch lange nich ollzogen (Voj ěch 2010).
Eine wei e e, Jung P ag zuzuo dnende Sammlung, bilde e die F ühlingssch i de
Deu schen in königliche Weinbe ge (1899), edigie on Paul Leppin mi 35 Gedich en on
Oska Wiene (Lied, Fün zehn), A no Holz, Camill Ho mann u.a. und einem P osas ück.
Die Widmung des Münchne s Ma in G ei 16 weis au den g öße en, Solida i ä e -
sp echenden na ionalli e a ischen Kon ex : „Unse en deu schen B üde n in Böhmen
/ Toben sie auch noch so wild, / o z den eindlichen Gewal en! / Mü e lich wi d
ih en Schild / übe Euch Ge mania hal en!“ (G ei 1899: 2)
Dass einige de Tex sammlungen als Flugbla dekla ie wu den (Hadwige 2012:
13), wa o enba on Rilke inspi ie , de eine Mi le posi ion zwischen Deu schen
und Tschechen einnahm und de du ch seine e olg eiche Übe windung de p o in-
ziellen Enge P ags als Vo bild ü die G uppe Jung ‑P ag ungie e (Hadwige 2012: 12).
Zu nennen sind hie die on Vic o Joss on Mä z 1900 bis Feb ua 1901 he ausgege-
benen Li e a ische Flugblä e und on Paul Leppin die Flugblä e ‚F ühling‘ ( on Mä z
1900 bis Ap il 1901). Schließlich is das Küns le he Die K alle– Ein Höhlen ‑Adagio
(1902) zu e wähnen, edigie on Leppin und Wiene , he ausgegeben im Au ag des
Ve eins deu sche bildende Küns le , dem „Zen um de Neu oman ik“, so Max B od
1966: 82) ode , so Rilke im B ie an Láska Oes é en, de An i -Conco dia. En hal en
sind Tex e on Camill Ho mann, Paul Leppin, Gus a Mey ink, Hans Mülle , Oska
Wiene und S e an Zweig sowie Abbildungen on Gus a C oy, Al ed Jus i z, Edua d
Lode, Fe dinand Michl und Hugo S eine .
Hugo Salus) sowie aus Wien Tex e on Paul We heime und Jose S a opluk Macha , aus Mün-
chen (Rilke) und Be lin, Hans Benzmann und Jakob Elias Po i zky. Zu Rezep ion dieses Almanachs
s. Topo (2012: 66 .).
15 Die Z s. Wi . Deu sche Blä e de Küns e gil als le z e Selbs behaup ungs e such de G uppe (K olop
2005: 23), he ausgegeben wu de sie in zwei He en on Leppin und Teschne im Ap il und Mai 1906.
16 Ma in G ei (Ps. ü F ied ich He mann F ey; 1839–1911) leb e als Sch i s elle in München und Wien.
74 BRÜCKEN 31/1
Als E gebnis dieses Di e enzie ungsp ozesses läss sich es hal en, dass dem Jun-
gen P ag sowohl die E ablie ung des My hos P ag im Zeichen de Dekadenz (S ieme
2020: 81) als auch die eines dicho omen li e a ischen Feldes gelungen is , in dem sich
kollabo a i o ien ie e Tex sammlungen und deu schna ionale zunehmend gegen-
übe s ehen, wobei es in de Folge zu gewissen Di usionen komm , da Au o en beide
Posi ionen inne halb deu schsp achige An hologien e e en sein können.
Kann man somi mi Bezug au P ag du chaus on de Abkeh eines Isolie ungs-
p ozesses und de ölligen Kon ak losigkei um das Jah 1890 sp echen (K olop 2005:
21), so inde man pa allel wei e hin au Abg enzung bzw. Desin eg a ion se zende
An hologien. Ande s als die au egionale ode lokale Selbs posi ionie ung und ande s
als die au Ve mi lung o ien ie en An hologien, inde man Tex sammlungen, die
eine s ik eigenna ionalen, au Abg enzung und Selbs behaup ung o ien ie en
Logik olgen. Hie zu gehö die on Johann Pilz17 und Hans Hajek18 zusammenges ell-
e, im Au age des Deu schen No dböhme bundes in Wien he ausgegeben Sp ossende
Saa . Eine An hologie deu schböhmische Dich e (1911), in de es um die ly ische und
p osaische Ges al ung de deu schböhmischen Heima , e s anden als ein e i o ia-
les Konzep mi na ionale Codie ung eine sich - egional iden i izie enden G uppe
geh (Höhne 2023), die sich dem G enzlandkamp e p lich e sieh : „D außen im
Land s eh alles un e dem Zeichen na ionale Abweh . Leie und Schwe ! is hie
die Losung.“ (Fü s 1900: 204)
Die He ausgebe Pilz und Hajek beabsich ig en einen Übe blick übe die Li e a en
Böhmens. Vo geleg we den soll e ein „ eines Heima swe k ohne jegliche poli ische
Tendenz“, abe als eine A „Hee schau“ (Pilz 1911: X). Die Sammlung spiegele den
poli ischen und ökonomischen Au schwung nach dem deu sch - anzösischen K ieg
im Deu schen Reich wide , de Auswi kungen auch au die Li e a u de Deu sch-
böhmen besi ze:
Ha e so de Wohls and sich den Boden gep lüg ü den kos ba en Samen, so
e wuchsen and e sei s auch üch ige Säleu e dazu, die be ei wa en, aus de un-
e schöp lichen Ko nkamme de Poesie die goldenen Saa kö ne auch in unse em
Lande zu s euen, und gegenwä ig s ell Böhmen zum g oßen Hee e de deu schen
Sch i s elle ein s aa liches Fähnlein. (Pilz 1911: IX)
Neben de kons a ie en Zugehö igkei de deu schböhmischen Li e a u zu eine
g öße en deu schen Na ionalli e a u soll e mi de An hologie ein wei e es li e a
-
isches Scha en ange eg we den: „De sp ossenden Saa sei ausend äl ige E n e
besche !“ (Pilz 1911: XII) Übe die Bes andsau nahme hinaus is eine Mobilisie ung
und Abg enzung in endie . De ma ialische Duk us zumindes einige de Gedich e
e weis au übliche Topoi de G enzlandli e a u (Höhne 2023).
17 Johann Pilz (11.03.1885–20.09.1958) wa Leh e , zunächs in Wien als Mi elschulleh e ü Deu sch
und F anzösisch, 1934–1938 als Dozen ü deu sche Li e a u am Pädagogischen Ins i u de S ad
Wien. E wi k e als Sch i lei e de Z s. De Mi elschulleh e , Ve asse meh e e Gedich bände, u. a.
de Band Von Geigen und Gäs en (1910); e ne als H sg. de Sammlung Von Heine bis Lilienc on; zus. mi
Jose Zu h Al wiene Hausmusik. Musikalische An hologie sowie mi Vik o Wipe e Galan e Liede und
Gedich e. An hologie.
18 Hajek, Hans (01.05.1889–05.06.1970) wa Redak eu und Leh e an de Volkshochschule in Wa nsdo .
75STEFFEN HÖHNE
De Mi he ausgebe Johann Pilz gab 1914 gemeinsam mi Oska Wiene eine wei-
e e Sammlung De Heima zum G uss. Ein Almanach deu sche Dich ung und Kuns aus
Böhmen he aus, in de o allem die Bed ohungs- und G enzland opik angesich s
schechische kul u elle Dominanz ausges al e we den. Ausgehend on eine om
Ve ein de deu schen bildenden Küns le in Böhmen in eine Se ie on 20 He en he -
ausgegebenen Mappe Deu schböhmen im Bilde mi Landscha sda s ellungen sowie
ein üh enden, „auch die Geschich e des be e enden Lands iches“ be ücksich i-
genden Tex en on Oska Wiene und Jakob Fü h (Pilz 1914: 229) akzen uie Pilz die
Bedeu ung eine de a igen Visualisie ung: „Fü uns Deu schböhmen abe bedeu e
es meh . Die Küns le haben uns unse e Heima gegeben, eine , schöne , als wi
sie ag äglich sehen“ (Pilz 1914: 230), weshalb diese Mappen nich nu den Schulen,
sonde n in in eg a ions e bü gende Dik ion als eine A Volksbuch eine b ei en
Ö en lichkei zu Ve ügung ges ell we den soll en. Zugleich könne die Bedeu ung
des G enzlandkamp es auch nach außen dokumen ie we den: „Und den Deu schen
im Reiche u e ich zu: ‚Seh , das is auch deu sches Land, das wi Euch jah hunde e-
lang im ha en Kamp e e hal en und bebau haben.“ (Pilz 1914: 237)
Von eine Bewah ung des ‚deu schen‘ E bes in P ag, dass „ganz den Eind uck
eines deu schen S äd ebildes mach “ geh auch E ns Rychno sky (1914: 238) aus,
nach dem die Faszina ion de S ad o allem au den „deu schen U sp ung“ bzw. die
„Beziehungen P ags zu Deu schland und I alien“, e ne auch zu F ank eich und den
Niede landen zu ückzu üh en sei, „nu de Res is böhmischen, d. h. schechischen
U sp ungs.“ (Rychno sky 1914: 238)19 Diese En wicklung wu de on Phasen des Ze -
alls und des Kon lik s übe lage und habe zu eine Tschechisie ung de S ad und
ih e Ins i u ionen wie de Gemäldegale ie, de Kuns schule und des Kuns e eins
ge üh : „Nun is sei ün Dezennien P ag, die ehemals deu sche S ad , ganz sche-
chisch.“ (Rychno sky 1914: 241). Die deu sche Kul u sei du ch ehlende Ins i u ionen,
genann we den das De izi eine Kuns akademie bzw. eines Ve eins de deu schen
bildenden Küns le nebs gleichbe ech ig e kul u poli ische Fö de ung, nich meh
we bewe bs ähig, z. B. bei Auss ellungen. Ein undamen ale na ionale An agonis-
mus is das E gebnis:
[D]aß S eine die be ed s e Sp ache eden […] wie ge ade in P ag, wo die unseligen
poli ischen Ve häl nisse, de ewige Kamp zwischen Deu schen und Tschechen die
schä s en Fo men angenommen haben und zu einem An agonismus au allen Ge-
bie en des Lebens ge üh haben, de nu ein ‚Gegeneinande ‘, im güns igs en Falle
ein ‚Nebeneinande ‘, abe nie meh ein ‚Mi einande ‘ kenn . (Rychno sky 1914: 238)
In diesem Sinn akzen uie en die Eingangs e se on Oska Wiene einen empha isch
au geladenen Heima beg i :
Die F emde e s leh uns die Heima schä zen
Und keine Gnade kann sie uns e se zen
Wi wandeln d außen wie in goldenen Ne zen
19 Beg ünde wi d dies u. a. mi de P age „Male zeche“ 1348, eine in deu sche Sp ache abge ass e
Zun o dnung (Rychno sky 1914: 239).
82 BRÜCKEN 31/1
we den Paul Eisne , Rudol Fuchs,32 Hans Janowi z, JanV. Löwenbach, O o Pick, E ns
Pollak und Emil Saudek ange üh , wobei auch die B üde Čapek einen wesen lichen
An eil an de Auswahl des He es ha en (Seehase 1987: 180). Diese Sammlung s eh
somi im Kon ex zweie Ve mi lungsini ia i en, de des F eundesk eises um F anz
We el in P ag und de au eine ös e eichische In eg a ion insgesam o ien ie en
on Hugo on Ho manns hal und Paul/Pa el Eisne .33
Im gleichen Jah wie P em e e schien als 21. Band de on Hugo on Ho manns-
hal he ausgegebenen Ös e eichischen Biblio hek die Tschechische An hologie: V chlický,
So a, Březina on Paul/Pa el Eisne (1917).34 Zwa e a Eisne in diese An hologie
noch das Konzep zweie oneinande sepa ie e Li e a u en und en sp echend ein
Ve mi lungskonzep , nach dem „die deu schen Kul u menschen übe schechische
Kul u dinge“ in o mie we den sollen (Thi ouin 2011: 53). Alle dings akzen uie
Eisne V chlickýs Ve diens um eine Eu opäisie ung und dami En na ionalisie ung
de schechischen Poesie, die bis dahin nu „die Binnenli e a u eines kleinen Volkes“
gewesen sei (Eisne 1917: 96):
E selbs is eine wunde ba e Syn hese slawische Ve anlagung und omanische
und ge manische Einwi kungen mi den eichs en eigenen Mi eln, on ungeheu-
e Abso p ions ähigkei und phänomenalem o malem Können. (Eisne 1917: 96)
Man kann da in eine Analogie zu Ho manns hals Konzep eine ös e eichischen
Mission als „Ausgleich de al eu opäisch la einisch -ge manischen Wel mi de neu-
eu opäischen Slawenwel “ e kennen (Ho manns hal 1979: 456 .) Ve ass am 2.12.1917
e schein hie be ei s das Mo i de Syn hese (Kos bo á 2011: 153), wie bei Ho manns-
hal au de G undlage eine elas ischen, ließenden G enze zwischen den Kul u en,
einem „bes ändigen und wechselsei igen Beein lussen und Ausgleichen.“ (Ho manns-
F ühling, Agonie de Sehnsuch , Die Schlangenhöhlen, De Besuch, Mo i aus Bee ho en, De Wein de S a ken,
Die P ophe en), Vik o Dyk (Lied de Mu e , Die Liebs e de sieben Bandi en sing , Und deine Seele, Abschied),
O oka Fische (Ein Augenblick Ewigkei , Aus den Tie en, Abend und Seele, Ich Weiss), S anisla Hanuš
(Mi e nach ), Ka el Hla áček (Blühende Schme z, Es wa die Oboe), Jiří Ka ásek on L o ic (Melancho‑
lie, Endymion, Spleen), Jose Kodiček (Ode), Pe Křička (Medynia Glogowska, Schwe is , Von jenem U e ),
Jan S a opluk Macha (De s e bende Aischylos, Sone des sich Langweilenden), S anisla K. Neumann
(Die Wilde e , Zi kus, Die Fab ik, E de, Die Nach de Vo be ei ung, Win e nach ), An onin So a (Pas o ale,
Ve se, Und manchmal lauschen wi …, Wie eine ös liche S ad , We zaus Di so die dunklen Haa e?, Aus de
Weishei de Mo gens unden), F áňa Š ámek (De F ühlingswande e , Das Mädchen, Ad en , Ada, Minka,
Ma a, De Liebende im Ap il), E in Taussig (Go ‑Kind), O aka Thee (Das Feue , E de), Ka el Toman
(Fischamend, Die Pilge in, Die Sonnenuh , Al e He bs allego ie, S imme de Nach ), Richa d Weine (Jean
Bap is e Cha din).– Als Übe se ze wi k en Paul Eisne , Rudol Fuchs, Hans Janowi z, JanV. Löwenbach,
O o Pick, E ns Pollak und Emil Saudek.
32 Zu Mi wi kung on Fuchs an de Ak ions -Ly ik, de bzgl. de Übe se zung auch F anz Ka ka und Max
B od kon ak ie e s. Binde (1991: 20–23), de insbesonde e B ods K i ik an einigen de Übe se zungen
e me k . Ka ka besaß, wie aus einem B ie an Max B od om 20.10.1917 he o geh , zumindes eines
de Ak ions -He e (Ka ka 2005: 352, 683).
33 Im Ak ions ‑Buch on 1917 wu de einige de Tex e aus de Ak ions ‑Ly ik e neu abged uck : Bez uč
(Hochland, Ich und Du, S. 215 .), Březina (Wiede sp ich , S. 221 .), Toman (S imme de Nach , S. 252). Neu
au genommen wu den: Macha (Au Golga ha, S. 113–117), Ka el Hla áček (Aus de ‚Kan ilene de Rache,
übe se z on Camill Ho mann, S. 229) sowie zwei Zeichnungen on Jose Čapek (S. 63) und Mikoláš
Aleš (S. 120).
34 Von Ho manns hals Ös e eichische Biblio hek lagen zu diesem Zei punk (Juni 1917) 26 Bändchen in
ie Se ien o .

83STEFFEN HÖHNE
hal 1979: 456) Dami is auch ein Un e schied zu P em e s Ak ions -An hologie Jüngs e
schechische Ly ik ma kie , die dem T ans e gedanken eines kul u ellen Aus auschs
e p lich e bleib und nich dem eine Syn hese wie bei Eisne (Höhne 2022a).
Einen Sonde all an hologischen Scha ens bilde e die on de Redak ion de
Selbs weh he ausgegebene Sammelsch i Das Jüdische P ag (1917), eine Publika ion
de P age Zei sch i , in de nich nu li e a ische Tex e e sammel wu den, un e
denen man meh hei lich deu schsch eibende, abe auch Tex e on schechischen
Au o en inde .35
5. DEUTSCHBÖHMISCHE POSITIONIERUNG IN DER ERSTEN
REPUBLIK
Au den ‚Ums u z‘ 1918 eagie en die An hologien au de einen Sei e mi Bemühungen
um eine Selbs posi ionie ung de deu schsp achigen Li e a u inne halb de neuen
Republik,36 au de ande en zeig sich ein e s ä k es In e esse an wechselsei ige
Ve mi lung, was– quan i a i be ach e – o allem ü die schechische Li e a u
gil . Als Beispiele de Selbs posi ionie ung seien die An hologie Deu sche Dich e aus
P ag, he ausgegeben und eingelei e on Oska Wiene (1919, 1919a),37 sowie on O o
Pick die Sammlungen Deu sche E zähle aus de Tschechoslowakei (1922) und Deu sche
Ly ik aus de Čechoslo akei (1931) o ges ell .
Wiene g ei mi seine An hologie, „eine Sammlung on Ly ik und P osa aus
dem P ag de Jah hunde wende und des Exp essionismus“ (Raabe 1964: 141),38 au
die Topik eines mi übe sinnlichen Eigenscha en ange eiche en, ambi alen en
35 Mi Bei ägen on Ma hias Ache , F ied ich Adle , Simon Adle , He mann Bah , Oska Baum, Hugo
Be gmann, Adol Böhm, O oka Březina, Max B od, Ma in Bube , Paul Jose Diaman , Albe Eh en-
s ein, E ns Feigl, He be on Fuchs, Rudol Fuchs, Augus e Hauschne , Clemens Hein, Theodo He zl,
Wilhelm Je usalem, F anz Ka ka, Al ed Klaa , Paul Ko n eld, Else Laske -Schüle , Al ed Lemm, Paul
Leppin, Da id Lieben, S.H. Lieben, K.H. Mácha, J. S. Macha , Sa ah Maiblum, F ied ich Mau ne , Hans
Na onek, Jan Ne uda, G e e Obe ni z, Al ons Paque , Engelbe Pe ne s o e , O o Pick, Isido Pollak,
Hein ich Rosenbaum, Ladislaus Salonn, Hugo Salus, Felix S össinge , F ied ich Thiebe ge , Ka l
Tschuppik, Ja osla V chlicky, E ns Weiss, Felix Wel sch, Robe Wel sch, Theodo Wel sch, F anz
We el, Max We heime , Oska Wiene , Julius Zeye . Die Sammlung en häl die Sek ionen: Das P oblem
des jüdischen P ag; E hik und Gemeinscha ; Ly ische An hologie; Epische Kuns ; Übe P age Küns le ; Aus
de Geschich e des jüdischen P ag; Die Os juden in P ag.
36 Das li e a u wissenscha liche Konzep Sude endeu sche Li e a u se z e sich e s nach dem E s en
Wel k ieg du ch, noch Ende de 1920e gab es keine Übe eins immung, was un e eine sude endeu -
schen Li e a u zu e s ehen sei (Jacques 2011: 111).
37 Bei äge on F ied ich Adle , Johannes As l, Oska Baum, Ca l Baye , Ka l B and, Max B od, Emil Fak o ,
E ns Feigl, G e e Fische , He be on Fuchs, Rudol Fuchs, Gus i Hackel, Vic o Hadwige , Augus e
Hauschne , Leo Helle , F anz He old, Camill Ho mann, Gus a Kaude , Egon E win Kisch, Paul Ko n-
eld, Paul Leppin, Hans Liebs oeckl, F i z Mau hne , Gus a Mey ink, F ied ich We ne on Oes e en,
Paul Paqui a, O o Pick, Raine Ma ia Rilke, Hugo Salus, Hedda Saue , Hein ich Teweles, Johannes
U zidil, F anz We el, Paul Wiegle , Oska Wiene , Ludwig Winde , O oka Winicky. 10 Po ä zeich-
nungen de Mi a bei e am Band und 1 Vigne e on F ied ich Feigl.
38 „In diesem Sammelbuch haben sich meh als d eißig Dich e mi Bei ägen einge unden. Es wa nich
leich , die iel ach gegensä zlichen Übe zeugungen und Rich ungen un e ein gemeinsames Dach zu
b ingen… Nich nu jene, die in P ag gebo en sind ode ih e Jugend hie e b ach en, auch die ande n,
die nu de Zu all ü ein paa Jah e hie he e schlug, die abe ih e ne es Leben on den Ein lüssen und
Eingebungen de sel samen Moldaus ad nich wiede los kommen konn en, auch sie gehö en zu uns.“
84 BRÜCKEN 31/1
P ag -Bildes zu ück, das sich au de einen Sei e a chi ek onisch p äsen ie e,
39
au de
ande en in de Men ali ä de Bewohne niede schlage: „P ag, die S ad de Sonde -
linge und Phan as en, dies uhelose He z on Mi eleu opa, is meine Heima ,“ eine
„be ückend schöne F au, die Launen ha . We ih einmal in die ie en geheimnis ollen
Augen sah, bleib ü sein e ne es Leben de Magie in un e an“ (Wiene 1919a: 5),
um dann un e Ve weis au Gus a Mey ink und F i z Mau hne au die auch on
Ka ka hema isie e me kwü dige Anziehungs- und Abs oßungsk a de S ad und
die Isola ion, die de deu sche Dich e e lebe, zu e weisen:
Dies is das agische Geschick alle deu schen Dich e meine Va e s ad , sie blei-
ben imme nu die Söhne eine au sich selbs angewiesenen, on de slawischen
Umgebung s eng abgeschlossenen Gesellscha . (Wiene 1919a: 6)
Beg ünde wi d diese Isolie ung, mi de Wiene den spä e populä en Topos des
‚d ei achen Ghe os‘ Eisne s an izipie , mi de olks e nen P age Dich ung, die
„in de Flu eines emden Volks ums“ ein e end, sich „ih e An egungen und den
S immungsgehal ih e We ke aus de schechischen Wesensa , die sie be uch end
ums öm “, holen müsse (Wiene 1919a: 6). Diese Isolie ung, eine ü Minde hei en
cha ak e is ische E ah ung, üh e le z lich zu En emdung on den Rezipien en.
„We wie hin e Maue n wandel und den Weg zum lebendigen Leben e schmäh ,
wi d ein Salondich e , sch eib nu ü einen engen K eis kul i ie e Leu e.“ (Wiene
1919a: 6) Hie aus e gebe sich nach Wiene die No wendigkei zu eine übe na ionalen
poe ischen Zusammena bei :
D ei e schieden gea e e Kul u en s oßen hie noch imme zusammen, e eini-
gen und e dich en sich zu eine einzigen, un ennba en Geis igkei . Deu sche,
schechische und jüdische Ein lüsse wi ken gleichzei ig au den schöp e ischen
Geis ein und zwingen ihn zu Eingebungen, die e ande wä s nich inden könn e.
(Wiene 1919a: 6 .)
Das de a ige ‚li e a ische Wege zu Ve s ändigung‘ nich unwide sp ochen blieben,
zeig eine Besp echung in de Deu schen A bei . Anlass is eine Rezension on Rudol
Illo y in P á o lidu, in de Wiene s Deu sche Dich e aus P ag mi dem E ike des Böh-
mischen bzw. eine A ini ä zu Tschechoslowakei in Ve bindung geb ach we den,
wo on sich die Deu sche A bei dis anzie . Bezwei el wi d, dass
die Deu schen Böhmens nich ande s emp inden und denken können, als ‚böh-
misch‘, und o de zule z die Dich e als ‚be u ene Ve e e ‘ des deu schen Volkes
au , sich in einem Mani es e gegen die deu schen Chau inismus zu wenden und
eie lich ih e Zugehö igkei zu schechoslowakischen Republik zu e klä en. (G.L.
1919: 119)
39 „Die g andiose Kulisse de Königsbu g, die s olze Schwe mu de Kleinsei e, die P ach de ba ocken
Nepomukb ücke, de e g ei ende Juden iedho , ob im He bs s u m ode Win e schnee geschau
ode in de Fülle eine san goldenen F ühlingssonne, es sind Bilde on be auschende Tie e und
unauslöschliche P ägung.“ (Wiene 1919a: 8)
85STEFFEN HÖHNE
Die Ve p lich ung de Li e a u wi d o enkundig nich in eine Ve mi lung ode
ga in eine kul u ellen Syn hese gesehen.40
Die bei Wiene skizzie e Lei idee on P ag als B ücke zwischen den Kul u en und
Sp achen inde sich bei O o Pick wiede , bei dem P ag in de An hologie Deu sche
E zähle aus de Tschechoslowakei die Funk ion eine solchen B ücke insbesonde e im
Sinne li e a ische Ve mi lung zwischen Os und Wes einnimm .41 Alle dings geh
auch Pick in seine Ein üh ung on de Isola ions hese aus, wenn e sowohl das Bild
eines papie nen Deu sch als auch das eine insula en Li e a u au g ei :
Ausgenommen in den an Deu schland g enzenden Gebie en is die Exis enz des
deu schen Dich e s in de Tschechoslowakei einem Inseldasein zu e gleichen.
Mäch ig d äng ande es Volks um he an, in den g oßen S äd en des Landesinne en
bewohnen die Deu schen gleichsam nu winzige Eilande, die Übe b ückung de
sie on dem wi klichen Volks ümlichen, im Volks um e wu zel en ennenden
Abg ünde is nu ideell möglich, in ih e eigenen Mi e wi d wohl eines Deu sch
gesp ochen, abe es is das alle olks ümlichen Klang eize ba e de ged uck en
Büche , Papie -Deu sch, Sch i -Deu sch. (Pick 1922: IX)42
‚Sp ach -Insel‘ und ‚papie nes Deu sch‘ sind zwa zwei Topoi, denen eine zen ale
S ellung im „My hos des li e a ischen P ag“ zukomm (Takebayashi 2005: 116) und die
ü ein li e a isches Selbs bild und - e s ändnis de P age Au o en unabhängig on
den ealen sp achlichen und sozialen Bedingungen eine en scheidende Rolle spielen.
Alle dings wi d bei Pick (und spä e bei Eisne u.a.) die zwei ache Bedeu ungss uk u
on Insel als „ om ande en isolie e Abgeschlossenhei “ und als „mi dem Ande en
iel ach e bundene Rela ionali ä “ zwa eine sei s mi „scheinba es en G enzen
ausges a e “, ande e sei s bilde diese P age Insel einen „O , de sich als eines on
ielen F agmen en“ e s eh (E e 2005: 136).43 Die Rede on de Insel P ag is somi
als kul u elle Me akommen a zu e s ehen (Takebayashi 2005: 117), aus dem sich
abe – so in den die hie un e such en Tex sammlungen– wenige ein Ansp uch au
Abg enzung, sonde n umgekeh au Ve mi lung und soga Aneignung e gib .
Wi lesen Wi iko, Adalbe S i e s Roman aus dem mi äglichen Böhmen, eine de
eins en epischen Schöp ungen de deu schen Li e a u , deu sch o nehmlich do ,
40 „Be äub on de he eingeb ochenen Ve nich ung, ing sich Deu schböhmen empo aus Ohnmach
und Ve zwei lung, kämp end um Volk und Land, um neuen Willen zum Leben und Lösung seine
P obleme.“ (G.L. 1919: 120)
41 S. hie be ei s den ühen Tex on Pick Neue schechische Li e a u in den He de ‑Blä e n.
42 Dieses Vo wo ha Pick in iden ische Fassung in dem Bei ag Übe deu sche Dich ung in de Tschecho‑
slowakei ü Die li e a ische Wel (29.06.1928: 1) übe nommen; s a k e kü z und mi signi ikan en
Ände ungen e schien de Tex dann noch im Vo wo zu eine wei e en An hologie Picks (1931) (Ta-
kebayashi 2005: 113 .).
43 Es handel sich somi um eine seman ische ‚Kipp igu ‘, „die Insel als Insel ‑Wel , in de sich eine To ali ä
in ih e Abgeschlossenhei e äumlich , um sich sogleich inne halb ih es Binnen aumes in e schie-
dene landscha liche, klima ische ode kul u elle Teil äume auszudi e enzie en. Zum ande en zeig
sich die Insel abe auch als Teil eine Inselwel , die das F agmen a ische, Ze spli e e, Mosaikha e
ep äsen ie , das du ch iel äl ige inne e Ve bindungen und Kons ella ionen gekennzeichne is .“
(E e 2005: 137)
86 BRÜCKEN 31/1
wo nich deu sches Wesen geschilde , wo E lebnisse nich deu sche Menschen
küns le isch ges al e we den, wi lesen dieses ielleich deu sches e We k des
edels en deu schen E zähle s aus Böhmen und können doch nich umhin, de
scheinba pa adoxen Behaup ung eines zei genössischen deu schen Sch i s elle s
[Pannwi z], diese Roman sei wede deu sch, noch schechisch, sonde n schlech -
hin böhmisch, e ns nachzusinnen. (Pick 1922: VII)
Alle dings e i Pick im wei e en die These eine „anges amm en Kul u übe legen-
hei “ (Pick 1922: X), nach de „man e gebens einen Ein luß schechische Dich kuns
auch nu au einen einzigen de heu e lebenden Dich e aus de Tschechoslowakei
es zus ellen“ könne (Pick 1922: XI). Das F emde diene zwa als „E lebnisquelle“, doch
sei es Au gabe de deu schen Li e a u , das „an emdem Volks um E kann e“ umzu-
o men (Pick 1922: X). Das F emde in de Funk ion eines ex e nen Rahmens e mögliche
zwa F emde ah ung, diese wi d abe le z lich au bloße In o ma ionsbe ei scha
eduzie . „In diesem Sinne is das Böhmische le z en Endes eine Sublimie ung des
Deu schen in landes ypische Va ian e.“ (Takebayashi 2005: 123)
Die Reak ion au diese An hologie wa du chaus kon o e s. Paul Kisch bemän-
gel in seine Rezension in de Bohemia im Feb ua 2023den ehlenden „ olklichen
Un e bau“ de e sammel en Au o en sowie die Ta sache, dass iele als Ve e e des
Zionismus „keine Deu schen“ seien und „keine sein wollen.“ Fe ne k i isie Kisch die
Kollabo a ion mi schechischen Au o en und dami die ehlende na ionale Gesinnung:
Es muß endlich mi alle Deu lichkei und sei es auch g ob he aus gesag we den,
daß O o Pick und die um ihn schon die alle le z en sind, die ein Rech haben. Sich
als be u ene Sachwal e und O ganisa o en des deu schen Sch i ums in Böhmen
au zuspielen. Mögen Sie sich auch so gu in die schechische Dich ung ein ühlen, je
wei e e diese Ein ühlung auch im äglichen o sich geh , des o meh en e n sind
sie on de Be ech igung, deu sche Geis igkei zu e e en. Und we kein Rech ha ,
de ha auch– eine selbs e s ändliche Folge– kein Geschick. Das Ve s ändnis ü
deu sches Wesen und deu sche Kuns wi d du ch keine Geschä ehube ei e se z .
Und die e s e Vo ausse zung ü den, de aus diesem Boden mi einen Händen
a bei en will, is das Ge ühl na ionale Wü de. (Kisch 8.2.1923: 4)44
Kon ä dagegen wa die Besp echung im P age Tagbla , in de zwa Zwei el eine
Zuo dnung de 26 au genommenen E zähle zu eine „Deu schböhmischen Dich e -
schule“ geäuße we den, in de abe de in e kul u elle Kon ak als Spezi ikum diese
Dich ung he o gehoben wi d:
Bloß aus gehö ige Dis anz wi d man gewisse gemeinsame Züge gewah , wo un e
die Fluch in die s o liche ode ideelle E o ik de he o agends e is . Hie ha de
deu sche E zähle aus de Tschechoslowakei einen Vo eil o dem Reichsdeu schen.
Wi wohnen mi dem F emda igen Tü an To . Von de Bequemlichkei , nu eine
schmale Schwelle übe sch ei en zu müssen, um aus dem Milieu de Milieulosigkei
in die bildsame Bun hei des benachba en Volks ums zu gelangen, machen abe
44 Zu K i ik an diesem Tex siehe den anonymen Hinweis im Wi iko.
87STEFFEN HÖHNE
nu die wenigs en Geb auch ode besse gesag , de Ve lag ha diejenigen Bei äge
be o zug , die, heima los im enge en Sinne, Bü ge ech ü wei es en Umk eis
beansp uchen. (N.N. 11.2.1923: 20)
Den Isola ions- und Kompensa ions opos g ei O o Pick (1931) in de An hologie
Deu sche Ly ik aus de Čechoslo akei au , e schienen in de on Hugo Siebenschein
edigie en Reihe Deu sche Lek ü e, eine Sammlung deu schsp achige Leses o e ü
die Schule und die b ei e Ö en lichkei und deshalb mi Anme kungen und eine
Vokabellis e ( schechisch) e sehen. Hie heiß es im Vo wo :
De deu sche Dich e , de in Böhmen ode Mäh en, au dem Gebie e de nunmeh-
igen Tschechoslo akei, leb und wi k , is mi de einen deu schen Dich ung um
so innige e bunden, als diese geis igen Ve knüp hei mi dem schöp e ischen
E bgu seines Volkes gelegen lich nu eine gelocke e Fühlung mi u ümlich
deu sche Volksa gegenübe s eh . T o z ode wohl ge ade wegen diese iel ach
au e enden äuße lichen Abg enzung on de u eigens en Heima deu sche
Dich ung s ömen den We ken de in de Tschechoslo akei he an ei enden deu -
sche Sch i s elle s a ke K ä e eine Kuns zu. In innigs e Fühlung mi dem
Besi zs and de g oßen deu schen Li e a u geling es ihnen, die No zu Tugend
zu machen und den Mangel äuße en Ve bundenseins mi deu sche Volksa du ch
eine In ensi ä dich e ischen E ühlens auszugleichen, welche sie be ähig , die on
außen he au sie eind ingenden Ein lüsse in ih em dich e ischen Scha en zu eine
besonde en deu schen Eigena zu e dich en. (Pick 1931a: 3)
Die insulä e Si ua ion e s ä ke sich in P ag, wo das Wi kungs eld des deu schen Dich-
e s on eine inne en und eine äuße en Wel beg enz we de. „Die inne e is deu sch,
die äuße e is es nu beding .“ (Pick 1931a: 3) Pick bezieh dami eine Gegenposi ion zu
de on Wenzig und Albe sowie Wiene mi den An hologien e e enen T ans e -
idee au de einen,45 dem on Eisne konzipie en Syn hesekonzep au de ande en
Sei e, se z Pick doch au kul u ell -sp achliche und dami auch men ale Dis ink ion.
Wohl is die Lebensa mosphä e, die sie umgib , schechisch, die Sp ache, die dau-
e nd an ih Gehö d ing , schechisch, die Menschen, die ihnen im All ag begegnen,
Tschechen– ih eigenes Denken und Scha en jedoch bleib deu sch. (Pick 1931a: 4)
Alle dings konzedie Pick a mosphä ische Ein lüsse au die Dich ung in P ag, womi
dann auch ein Gegensa z zwischen den G oßs ad dich e n (P ag) und denen aus de
Region wie Hans Wa zlik, Jose Mühlbe ge und Robe Lindenbaum kons uie
we den kann, on de en Heima e bundenhei , so das Fazi , eine E neue ung de
Ly ik e olgen müsse: „Jeden alls wä e es ü eine beide sei ige Annähe ung ode
gegensei ige Du chd ingung ü die En wicklung de deu schen Ly ik in de Tsche-
choslo akei on Bedeu ung.“ (Pick 1931a: 5)46 S ä ke als in Picks o ige An hologie
45 S. alle dings Pick, O o: Tschechische E zähle . Po sdam: Kiepenheue 1920.
46 Die Ve bindung P ag– Region spiegeln die Tex e wiede . Au genommen sind Bei äge on Rilke: Aus dem
‚S undenbuch‘, Volksweise, Zum Einschla en zu singen, Ja osla V chlický, He bs , Ka ussell, Liebeslied, Gebe ü
die I en und S ä linge, Aus die ‚Sone e an O pheus‘, Schlußs ück; Hugo Salus: Lei sp uch, Leipae Sp üchel,

88 BRÜCKEN 31/1
on 1922 geh es je z um die T anszendie ung des Gegensa zes zwischen Haup s ad
und Region. Gemäß dem Appell nach In eg a ion e en Vo s ellungen egionale Viel-
al wie noch in de Sammlung on 1922 in den Hin e g und. Wede die Insel- noch die
Bohemismus -Topik we den au geg i en, so wie Spu en emde , also schechische
Ein lüsse au die deu sche Dich ung ge ilg sind (Takebayashi 2005: 127).
An hologien wie die on Wiene (1919) und Pick (1922, 1931) dienen de Selbs -
posi ionie ung in einem nach 1918 g undlegend e ände en deu schsp achigen
li e a ischen Feld. Es geh um die Akkumula ion on symbolischem Kapi al, pa iell
dienen die An hologien abe auch– zumindes Pick (1931)– de Ve mi lung in das
schechische Feld.
6. VERMITTLUNG TSCHECHISCHER LITERATUR IN DER ERSTEN
REPUBLIK
Abschließend sei noch ein ku so ische Blick au die T ans e - bzw. Übe se zungs-
An hologie gewo en, also Tex sammlungen, die sich de explizi en Bekann machung
und Ve mi lung schechische Li e a u widmen. Nich be ücksich ige we den hie
die au eigenkul u elle Abg enzung o ien ie en sude endeu schen An hologien
(Höhne 2023). O o Pick (1920), Paul/Pa el Eisne (1920, 1927, 1928),47 F. C. Weiskop
(1925), Rudol Fuchs (1926) und Anna Auředníček (1932) haben Sammlungen o geleg ,
die z. T. im Kon ex eine neuen ak i is ischen Poli ik nach 1918 en s anden sind.
Picks Sammlung Tschechische E zähle sei ein „e s malige Ve such, einen Que -
schni du ch die gegenwä ige e zählende P oduk ion de Tschechen zu bie en“, um
diese Li e a u ein P o il zu e leihen (Pick 1920: 191).
48
Diese au die zei genössische
li e a ische P oduk ion o ien ie en Ve mi lung olg die zei lich wei e ge ass e, au
die schechische Ly ik o ien ie e Sammlung Ein E n ek anz. Aus hunde Jah en sche‑
An onín D ořák; Leo G eine : Rei e; F anz Janowi z: Au b uch, Gebe , Die Gans, De s e bende Baum; Ka l
K aus: Vallo be, De I ga en, G absch i ü ein Hündchen, Slowenische Leie kas en, Meinem F anz Jano‑
wi z, Wiese im Pa k, De o e Wald, Vo dem Schla ; F ied ich Adle : Wi ke, bilde, F ühlingsgebe , Nie zsche,
Einem Dich e , Dämme s unde, Moza ; F anz We el: Elbe ah im Vo ühling, Schulgang, Schla engehen,
Ih Lied, Hohe Gemeinscha , Nach egen, De Slo ak, Reiselied, Lied; Oska Wiene : Bee ho en, Lied des
Hö igen, Hochsomme ; Hedda Saue : Vo ühling; Camill Ho mann: Reise, He bs ; Max B od: Fußwan‑
de ung, Aus lug mi den El e n, Die menschenlee en Inseln; O oka Winicky: Säge am Wald, Tod als milde
Gas , Dies i ae, S ehn Gänse ge up ; Paul Leppin: S imme im Dunkeln, Al modisches F ühlingslied, Blick in
die Landscha , Abendwande ung; Rudol Fuchs: Die Lampe sp ich mi dem Tisch, De Leuch u mwäch e ,
He bs , D ohnenschlach ; Hans Wa zlick: Aus ah , Die Bi ke, Ausglu ; Johannes U zidil: Das g oße Va e ‑
land, S imme Ca usos aus dem G ammophon, Au e s ehung; Die zenschmid : G oßs ad ; Jose Mühlbe ge :
Au dem Schlosse zu Náchod, Abschied on de Jugend, Nach wei en Fah en; Robe Lindenbaum: Tauwind,
Ein al e Baue s i b ; Hans Klaus: Die An ike; O o Pick: De Sinn, Gewi e und Ende, Das Une gängliche.
Picks Vo wo geh au die e s e Sammlung on 1922 sowie die S udie Übe deu sche Dich ung in de
Tschechoslowakei aus de Li e a ischen Wel (N . 4, 29.6.1928: 1) zu ück.
47 Das um ang eiche an hologische Scha en on Eisne kann hie aus Pla zg ünden nich o ges ell
we den, s. hie zu Höhne (2022a).
48 Au genommen sind on Jose und Ka el Čapek: Die Insel, 5–21 und Die lebendige Flamme, 23–38; on
K. M. Čapek -Chod: An de Ro a ionsmaschine, 39–63; on O aka Thee : Das schlech e Kind, 65–77; on
Růžena Swobodowná: De Schuss, 79–108; on Jose Čapek: Die Laus, 109–122; on F an išek Lange : De
Leichenbes a e , 123–145; on F. X. Šalda: De Tod des G a en Ch is oph de Loges, 147–161 und Die Heilige,
163–176 sowie on Lange : De Ra en änge und die Di nen, 177–190.
89STEFFEN HÖHNE
chische Dich ung on Rudol Fuchs (1926), de den Topos de kleinen, unbekann en
Li e a u als Beg ündung ü die An hologie au g ei :
Ein Jah hunde schechische Ly ik um aß dieses deu sche Buch. Die Namen
de Dich e sind dem Deu schen nich geläu ig, iel ach wah scheinlich gänzlich
unbekann . Die Sp achen de g oßen Völke haben o einande längs keine Ge-
heimnisse meh . Die We ke de mi le en und kleinen Na ionen beginnen je z e s
dem allgemeinen In e esse nähe zu ücken. (Fuchs 1926a: 5)49
Anna Auředníček (1932), lau Vo wo eine Mi schüle in on Rilke, nimm den Au -
schwung de schechischen Li e a u de le z en 30 Jah e zum Anlass, einen „Que -
schni du ch die schechische Li e a u de le z en ün zig Jah e zu geben“ mi dem
Ziel, „das Ve s ändnis zwischen den beiden Nachba ölke n zu e ie en und so die
in e na ionale Sympa hie zu s ä ken.“50
Folgen die Sammlungen on Pick, Fuchs und Auředníček einem li e a u poli i-
schen P og amm de Ve mi lung und de Valo isie ung de schechischen Li e a u
inne halb eines wel li e a ischen Kanons, so wi d bei Weiskop mi dem Konzep des
sozialis ischen Realismus und eine Eino dnung li e a ische En wicklungen in das
Pa adigma eines e hnisie en his o ischen Ma e ialismus eine poli isch -ideologische
In en ion deu lich. Neben dem Topos eines zunächs schechischen und slowaki-
schen Volkes on Baue n, Kleinbü ge n und A bei e n und emden Kapi alis en,
als solche we den die Deu schen und Magya en dekla ie (Weiskop 1925: 5), sowie
49 Die Sammlung um ass Tex e on Ka el Ja omí E ben: De Blü ens auß, Die Mi agshexe, Ma ia, De
Wasse mann; F an išek Ladisla Čelako ský: Toman und die Waldel e, De Geie , De Vogeljah ma k ; Jan
Ne uda: Ballade, Leich , oleich , Un eu, Meinem Mü e lein, I alienische Romanze, Im Lande des Kelchs,
Liebe; Ja osla V chlický: Nach de Schlach , Die Winde, F ühjah sübe schwemmung; An onín So a: Helle
Nach , Die sehnsüch igen F auen, Singende F ühe, Ve se; Pe Bez uč: De Be gmann, Ich und du, Os au,
Das Sch eckphan om, Nu einmal, Wi bi z, Die Mühle; O oka Březina: Meine Mu e , Magische Mi e nach ,
Somme sonnenwende, Wenn eu e Fens e lu end Lich bes ahl ; Ka el Hla áček: Blühende Schme z, Wolken,
Hände, Es wa die Oboe; Ka el Toman: Ok obe , Lenin, Lied; S. K. Neumann: Die Wilde e , Ama e as‘‑O‑
‑Mikami, E de; F áňa Š ámek: Das Weh , Das Mädchen und das Kleebla , De Liebende im Ap il; O oka
Thee : Das Feue , Leben!, Wasse ; O oka Fische : Gang om F iedho , Mys ik des Blu es, Os e n im K iege;
Pe Křička: Schwe is , Am Wege, Sonn ag, Musik ohne Wo e, Jan Bu da, Jenny; Ja osla Du ych: Rüh end
wa ih Haup zu schauen, Ballade om Gezie e , Wohin mich nun wenden?; Jose Ho a: He bs , Die A bei ,
Lied; Jiří Wolke : Ballade on den Augen des Heize s, De Tod, Die Nach om Sams ag au Sonn ag, De
S e bende.
50 Auředníček, Anna: D eissig schechische E zähle . Da ms ad : Da ms äd e Ve lag, 1932 [Vo wo , S. 1 .],
S. 2. Au genommen wu den Tex e on Jan Ne uda: De ein äl ige Jonas, 5–10; Jan S a opluk Čech: Alle ‑
seelen im Walde, 11–16; Ladisla S oupežnický: Paulchens Rache, 17–23; Alois Ji ásek: Das Gä chen, 25–33;
F an išek He i es: De Himmelsschlüssel, 35–43; Ja osla V chlický: Die Rose, 45–53; Igná He mann: Wie
He Fabian sein Kla ie e kau e, 55–63; Gab iela P eisso á: Liebes od, 65–70; Voj ěch Rakous: Als de
Fliede blüh e, 71–78; Božena Viko á -Kuně ická: De al e Feldhü e , 79–88; Vilem M š ik: In kla e Nach ,
89–95; Jose K. Šlejha : De Fuchs, 97–106; Ružena S obodo á: Zigeune hochzei , 107–117; Jose Jahoda:
Vä e liche Weishei , 119–124; Ma ie Anna Tilscho á: Angs , 125–128; K. Elga -Sokol: Schwanenballade,
129–137; Vik o Dyk: Das Medaillon, 139–143; Helena Maliřo á: F eude und Leid, 145–156; Ja omi John:
Hei a skandida en, 157–162; Ja osla Du ych: Das Beg äbnis, 163–168; Ja mila Haško á: Die Beich e, 169–174;
Edua d Bass: Die kleine gläse ne Guillo ine, 175–181; F an išek Lange : Sie s a b zu ech en Zei , 183–192;
Jan V ba: De Eis ogel, 193–196; Ka el Čapek: Die Wah sage in, 197–203; F an išek Kubka: Nanu und Oya,
205–213; Jose Kop a: Ich a me , sündige Mensch, 215–228; Benjamin Klička: Hans im Glück, 229–236; Jiří
Wolke : Die Magd, 237–248.
90 BRÜCKEN 31/1
mi de Unabhängigkei 1918 auch de En s ehung eine „ schechischen Bou geoisie,
die bis 1918 iel ach Sei e an Sei e mi de A bei e scha gekämp ha e“, e lie e
nun de „p ole a ische Kamp seine na ionale Fä bung und nimm die Fo men des
un e älsch en Klassenkamp es an.“ (Weiskop 1925: 6) Diese sozialhis o ische En -
wicklung ko espondie e mi de schechischen Dich ung, die eine En wicklung on
na ional- zu sozial e olu ionä e Tendenz, wenngleich häu ig als „ ein mechanische
Übe se zung aus dem Na ionalen ins Soziale“ olge (Weiskop 1925: 6 .)
Ve s, Rhy hmus, Sp ache, Pa hos– alles blieb, wie es o he gewesen, nu daß
je z an die S elle des Deu schen de Ausbeu e und an die S elle des Tschechen de
P ole a ie a . (Weiskop 1925: 7)
Beabsich ig is die In eg a ion des na ional codie en Desin eg a ionsna a i s
in das Konzep des his o ischen Ma e ialismus, mi dem sich, so de Hinweis au die
„ o malen P obleme“ (Weiskop 1925: 8), eine li e a u poli ische No mie ung e ö ne ,
welche– bezogen au die An hologie– Umkanonisie ung „eines o mals spiele ischen
und dekaden en ‚Exo ismus‘ und ‚Poe ismus‘“ e o de e, da „an die S elle de Ba -
ikaden und o en Fahnen […] Palmen und wagonli s ge e en [sind], und s a de
P ole a ie sich in den Gedich en Nege und Clowns“ ummeln (Weiskop 1925: 8). Eine
An izipa ion des 1932 du chgese z en Fo malismus -Dogmas is hie schon o enkundig.
7. FAZIT
An hologien bilden als li e a ische Tex so e imme nu eine Auswahl aus einem
Gesam ko pus und sind en sp echend komplexi ä s eduk i konzipie . Au das aus
de No wendigkei zu Selek ion esul ie ende P oblem de Kon ingenz eagie en die
He ausgebe en wede mi poe ischen ode ideologischen U eilsk i e ien. In denen
au einen egionalen ode na ionalen äumlichen Rahmen eku ie enden Sammlun-
gen e olg eine Kon en ionalisie ung bes imm e Da s ellungsweisen, wie man am
Topos de ‚Insel P ag‘ e kennen kann. Die Aneignungs opik basie au einem lang-
lebigen kul u ellen Kanon on Wissensmus e n bzw. Bilde n hinsich lich egionale
ode s ad geschich lich ele an e E eignisse, Pe sönlichkei en, O e und Schauplä ze
sowie a chi ek onischen Symbolen, die hie a chisie , ka ego isie und alo isie
we den. Die „ opische Li e a isie ung“ wi d dabei on „ambi alen en, sich übe la-
ge nden E ah ungen und E inne ungen“ ange ieben (Todo ow/Weinbe g 2011: 6).
ANTHOLOGIEN UND ALMANACHE (CHRONOLOGISCH)
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mische Volksliede , He 2: Mäh ische und slo akische Volksliede , He 3: Dalma ische, ussische und
bulga ische Volksliede (= Biblio hek sla ische Poesien in deu sche Uebe agung, 1). P ag:
U bánek.
91STEFFEN HÖHNE
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Anme kungen und Wö e buch on O. Lede e (= Deu sche Lek ü e, sbí ka po inné sou islé
če by zjazyka německého p o s řední školy, 16). P aha: S á ní naklad.
Auředníček, Anna (1932): D eissig schechische E zähle . Da ms ad : Da ms äd e Ve lag.