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Der Schimpfwortschatz in Erec Hartmanns vom Aue

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Der Schimpfwortschatz in Erec Hartmanns vom Aue

Author: Dmytro Babko
Year: 2016
DOI: 10.34626/bqcy-w222
Source: https://repositorio-aberto.up.pt/bitstream/10216/82720/2/118321.pdf
De Schimp wo scha z in E ec Ha manns on Aue
Dmy o Babko
Disse ação ealizada no âmbi o do Mes ado em Es udos Alemães, o ien ada pelo(a)
P o esso (a) Dou o (a) Lau a Au e i.
Memb os do Jú i
P o esso Dou o Lau a Au e i
Faculdade de Scienze Umanis iche - Uni e sidade de Pale mo
P o esso Dou o John G een ield
Faculdade de Le as - Uni e sidade do Po o
Classi icação ob ida: 16 alo es
2
Inhal s e zeichnis
Ein üh ung …………………………………………………………………………3
S and de Fo schung………………………………………………………………..6
Zielse zung………………………………………………………………………….7
Me hodenansa z…………………………………………………………………….7
I. ÜBER DAS SCHIMPFEN IM ALLGEMEINEN
De ini ion on Schimp wo ………………………………………………………..9
Die Eins ellung zum Schimp en im Mi elal e ……………………………………13
II. ÜBER DAS SCHIMPFEN IN EREC
Vo wo ……………………………………………………………………………19
Schimp wö e mi Tie namen…………………………………………………….22
Das Äuße e………………………………………………………………………...25
Flüche……………………………………………………………………………..26
Dummhei …………………………………………………………………………30
Niede äch igkei …………………………………………………………………36
Feighei ……………………………………………………………………………39
Geschwä zigkei …………………………………………………………………..42
Die Rolle on Schimp wö e n in E ec…………………………………………...45
Schluss olge ungen……………………………………………………………….52
Anhang – Tabelle „Schimp wo scha z in E ec“………………………………....57
Li e a u e zeichnis……………………………………………………………….60
3
Ein üh ung
Schimp en, Ve wünschen, Flüche und Blasphemie en sind in den meis en
Sp achen de Wel zu inden. Sei wann schimp de Mensch? Hall en die
K a ausd ücke schon in den Höhlen de T oglody en wide ode wa en unse e
Vo ä e noch nich in de Lage, ih en Wo scha z ü Schimp wö e einzuse zen?
Das Schimp en, wah scheinlich aus bed ohlichem B üllen, F a zenschneiden,
p imi i en Aus u wo en gebo en, e wandel e sich spä e zu e bale Ak i i ä , die
o iel E indungskuns b auch . Bis heu e wi d das Schimp en auch ehe de
mündlichen Sp ache zuge echne . Be o K a ausd ücke au Pe gamen
niede gesch ieben wu den, sicke en sie aus de Volkssp ache du ch und wu den z.B.
an den Wänden de S äd e de an iken Wel hin e lassen (z.B. die G a i i in
Pompeji1). Russische Sp achwissenscha le da ie en die äl es en Nachweise on
Schimp wö e n (Sch i en au Bi ken inde) au das 12.-13. Jah hunde . Bo is
Uspenski is de Meinung, dass die Schimp wö e im slawischen Heiden um eine
kul ische Funk ion e üll en.2
Es daue e eine ge aume Weile, bis die sogenann en „unp in able wo ds“, ode
zumindes einige da on, deu lich e sch i lich wu den. Zu alle e s bekam den
Zu i zu de neue undenen D ucke p esse nu das Wo Go es. Es wa zu e wa en,
dass die Bibel gegen obszöne Sp ache we e n wi d:
„Nun abe lege alles ab on euch: den Zo n, G imm, Boshei ,
Läs e ung, schandba e Wo e aus eu em Munde.“ (Kolosse 3:8)3
ode :
„Aus einem Munde geh Loben und Fluchen.
Es soll nich , liebe B üde , also sein.“ (Jakobus 3:10)
Das Schimp en bedeu e e ü das Ch is en um nich s meh und nich s wenige als mi
de Zunge zu sündigen. Zugleich geh die Heilige Sch i mi meh e en Beispielen on
Flüchen o an:
„Da sp ach Go , de He , zu Schlange: Weil du das ge an has ,
bis du e luch un e allem Vieh und allen Tie en des Feldes. Au
dem Bauch solls du k iechen und S aub essen alle Tage deines
Lebens.“ (Buch Moses, 3:14-19)
1 Hunink, Vincen ; Wilhelm, I a: Glücklich is diese O ! 1000 G a i i aus Pompeji. S u ga 2011. S. 7.
2 Vgl. Uspenski Bo is: Religiös-my hologische Aspek on ussische exp essi e Ph aseologie.
S uk u des Tex es-81. Thesen om Symposium. Moskau 1981. S. 49-53.
3 Zi ie e Ausgabe: Die Bibel - Al es und Neues Tes amen mi Apok yphen. Übe se zung on Ma in
Lu he , Tex assung 1912. Köln 2015.
4
Die Bibel beg ünde e ein Ideal de Heiligkei , wogegen Schimp wö e sich zu allen
Zei en um das Läs e n gegen Heiliges und um das Aussp echen on abuie en
Sexuellen und Fäkalien d eh en.4 Fü die mode ne Li e a u sind Schimp wö e
jedoch kein Tabu meh :
„Die cashen dich, so siche wie'n amen is das, da kanns du die eie
e we en, daß du dich mi deine scheiße ins olle aus kicks . Also,
ich ü meinen eil hab mi die show angekiek und mi gesag : zu
heiß, joke , das bis du nich , da mach man schön a ig 'n bogen
d um. “ (Zaimoglu, Fe idun: Kanak Sp ak. 2010 )5
Sie benu z sie in g oßem Ausmaß ü e schiedens e Zwecke, zum Beispiel, um die
Rede on Roman igu en ealis ische klingen zu lassen ode den Lese zum Lachen zu
b ingen. Die Schimp wo e gehö en zu „nich -li e a ischen“ Lexik. Bis ins 20.
Jah hunde e wende e schöne Li e a u mi unwesen lichen Ausnahmen nu die
Hochsp ache. Die Umgangssp ache gal als unschön und wu de on Sch i s elle n
e mieden. Es exis ie die Vo s ellung on de Sp achno m. Das Schimp wo lenk
on diese No m ab.
Wie s and es abe mi den Schimp wö e n in de Li e a u des Mi elal e s?
Um 1180/90 en s eh de e s e A us oman in de deu schen Sp ache: „E ec“,
gesch ieben om geleh en Diens mann Ha mann on Aue. Die Sp ache on "E ec"
is kuns oll und lebendig. Das o mulie e Thema meine A bei besch änk die
E o schung au den Rahmen dieses mi elal e lichen Tex s. Es wi d ein Teil om
Romanwo scha z analysie , mi dessen Hil e geschimp wi d. Die Schimp wö e
e en o , wie „bun e Flecken“, s ilis isch s a k akzen uie e Punk e o dem
Hin e g und des ein önigen Tex gewebes des Romans, wo a chaische hohe
Sp achs il o he sch .
Eines de linguis ischen Gese ze be on , dass die Sp ache sich s ändig im
P ozess de En wicklung be inde . Fü jeden, de mi dem Blick den Um ang on
Ma hias Lexe s Mi elhochdeu schem Wö e buch miss und es mi den ielbändigen
Wö e büche n des mode nen Deu sch e gleich , wi d kla , dass sich de Wo scha z
de Sp ache im Lau e de Zei e wei e ha . Sei dem Mi elal e haben Tausende on
neuen Wö e n aus ühe nich exis ie enden Lebensgebie en das Wo gu wesen lich
e wei e . Auch die Schimp wö e anzahl ha sich e g öße . De mode ne Mensch,
de iel eie on eligiösen Ein lüssen is , such s ändig mi noch nie gesehene
4 Vgl. Moh , Melissa: Holy shi . S. 4.
5 Zaimoglu, Fe idun: Kanak Sp ak, 24 Miß öne om Rande de Gesellscha . Be lin 2010.
5
K ea i i ä und Schamlosigkei nach neuen gewich igen Wö e n, um den Nächs en
au bes mögliche Weise zu beschimp en. Fü iele Sp achen wu den heu zu age schon
spezielle Schimp wö e büche e ass . Im Ve gleich zu dem Schimp übe luss
unse e Zei schein de Um ang om deu schen mi elal e lichen Schimp wo scha z
noch übe schauba zu sein. So schein auch die Au gabe, sich in de mi elal e lichen
„Schimp kul u “ zu ech zu inden, du ch üh ba zu sein. Die o liegende A bei
un e such die Schimp wö e lediglich im Rahmen eine ik i en Geschich e, was
selbs e s ändlich zu wenig is , um Konsequenzen übe den Realien om
Schimp geb auch on Ha mans Zei genossen zu ziehen. Diese Au gabe wi d auch
on dem Reich um an egionalen Sp ach a ie ä en e schwe , die damals den
Sp achkö pe ze issen. Die F age „Wie ha man eigen lich im Mi elal e
geschimp ?“ kann hie leide nich bean wo e we den.
In einem Ve s sag E ec zu einem ihn schmähenden Bu gg a en: „i
en hö esche iuch“6 (V. 4197). Im Roman on Aue wi d das ungehobel e Schimp en
on Bösewich en deu lich de hö lichen hö ischen Sp ache on posi i en Figu en
gegenübe ges ell .7 Das Gegen eil on Schimp en is schwuls ige S il hö ische
Kommunika ion. Hie zum Beispiel sp ich König Gui eiz zu E ec:
e sp ach: „willekomen, he e,
i nâhen ode e e
in disiu lan ge i en sî ,
mich bedunke âne s î ,
i muge wol ein degen sîn.
daz is an zwein dingen schîn:
i üe e , sam mi mîn lîp,
daz alle schoenis e wîp
de ich ie künde gewan:
we gæbe die einem bœsen man?
da zuo sî i gewâ en wol,
als ein i e sol(…)
nû we iuch, i e , ez is zî , (V. 4329-4347)
In diese Rede o dem Ang i inde man kein einziges D oh- ode Schimp wo ,
sonde n soga Komplimen e zu de Dame und de Wa e des Gegne s. In de
o liegenden A bei we den diese zwei E scheinungen - Schimp en und hö ische
Sp ache, in ih em Zusammenhang un e such . Nach Michail Bach in sind „Lob und
6 Zi ie e Ausgabe: Ha mann on Aue: E ec, Neuübe se zung. Mhd./Nhd. H sg., Übe s. u. Komm.:
Me ens, Volke , Philipp Reclam jun. S u ga 2008.
7 Vgl. Te ahe, Tina: „Nu le ne, waz s e ben si!“ Zum hö ischen Umgang mi d ô und spo am Beispiel
de kamp einlei enden Reiz eden bei Ha mann und Wol am. Be lin 2014. S. 142.

6
die Beschimp ung zwei Sei en eine Medaille“8.
S and de Fo schung
In den Beme kungen zu seinem Bay isch-Ös e eichisches Schimp wö e buch
sp ich Reinhold Aman übe Schimp o schung als e nachlässig es
Wissenscha s eld9. De Sp achwissenscha le wi d on ielen Quellen als G ünde
de Schimp wö e leh e, Maledik ologie, o ges ell . Im Jah 1977 leg e e mi seine
Zei sch i ü e bale Agg essionen "Maledic a" den G unds ein zu einem neuen
Zweig de Linguis ik. Reinhold Aman bekam meh e e Nach olge , wie Timo hy Jay
om Massachuse s College o Libe al A s, Oxana Ha yli on de Uni e si ä Wien
ode Dominique Lago ge e on de Uni e si é de Sa oie in Chambé y.
Die Fo schungsli e a u lis e ü die A bei , obwohl sie nich e schöp end is , genüg ,
um die Vo s ellung on dem S and und den Haup ich ungen on
Schimp wö e s udien im deu sch-englischen Sp ach aum zu e mi eln. Die
E o schungen g uppie en sich um die olgenden Themen:
- man e such zu beg ei en, was das Schimp en is , un e dem Gesich spunk de
Linguis ik (z.B. in „Kleine Linguis ik de ulgä en Sp ache“ on Hans-Ma in
Gauge ) ode un e dem Gesich spunk de Psychologie (z.B. in „Wo als Wa e, zu
Psychologie de e balen Agg ession“ on F anz Kiene );
- man e such die Schimp wö e eine Sp ache he auszu inden, au zuzählen und zu
o dnen (z.B. zahl eiche Schimp wö e büche );
- man e such zu e olgen, wie sich die Schimp wö e im Lau de Geschich e
e ände en (z.B. in “Holy shi : a b ie his o y o swea ing” on Melissa Moh );
- man weis au die Un e schiede im Schimp wö e geb auch in den e schiedenen
Sp achen und Kul u en hin.
Wäh end de Bea bei ung on Li e a u quellen wu de kein exak es Zusammen allen
mi dem o mulie en Thema de A bei ge unden. Am nächs en zu dem
„Schimp wo scha z in E ec Ha manns on Aue“ s ehen Dialog o schungen, die sich
mi Redeszenen in Ha manns Romane beschä igen, wie „Hö isches und unhö isches
Sp echen in E ec Ha manns on Aue“ (2007) on Nine Miedema und „Zum
hö ischen Umgang mi d ô und spo am Beispiel de kamp einlei enden Reiz eden bei
8 Vgl. Ha yli , Oksana: Ve bale Agg ession. F ank u am Main 2009. S.135.
9 Vgl. Mehlbaum, Uwe: Maledic a - Schimp wö e : Wie und wa um schimp de Mensch?
S udiena bei . GRIN Ve lag 2008. S. 3.
7
Ha mann und Wol am“ (2014) on Tina Te ahe. Diese zwei A bei en beinhal en
also den Gegens and de o liegenden Fo schung, da die meis en Schimp wö e in
solchen kamp lei enden Dialogen zu inden sind. Un e den Beg i en „Reiz eden“
und „unhö isches Sp echen“ wi d im Üb igen auch das Schimp en e s anden. Es
lohn sich noch, die im Jah 2001 e eidig e Mas e a bei on Pa scheide :
„Beschimp ungen und Ähnliches in Enei und Pa zi al“ zu e wähnen, auße dem die
„Realisie ung om Konzep „Dummkop “ in de Sp ache des deu schen Mi elal e s“
(2009) on Bakmansu o a und schließlich die A bei „nû we iuch, i e , ez is zî .
Zum e balen Vo eld des i e lichen Zweikamp s in deu schen
A us omanen“(2007) on Jones H. Ma in. Seh in e essan und um ang eich schein
mi die Disse a ion „Schel en und D ohungen aus dem Mi elhochdeu schen“ (1928)
on G ube , zu de ich leide keinen Zugang bekommen konn e. Sie un e scheide sich
du ch beme kenswe e Wei e de E o schung, da de Au o sich lau dem Ti el mi
Schimp en in dem gesam en Sp achkö pe des Mi elhochdeu schen (ca. 1050 -1350)
beschä ig e, was bedeu e , dass e e wa d ei Jah hunde e und Du zende on
Sch i we ke un e such haben muss. Meine A bei kann mi diese E o schung nich
we ei e n, ih Vo zug is abe de Zugang zu mode nen Quellen und die
Konzen a ion au einem Roman.
Zielse zung
Zu den Zielen de o liegenden A bei gehö en:
- alle Schimp wö e in E ec zu iden i izie en;
- ih e Rolle im Roman zu e klä en;
- den Zusammenhang on Schimp en und hö ische Sp ache im Roman zu
un e suchen.
Me hodenansa z
Die ex nahe Analyse
Als ich beim au me ksamen Lesen des Tex es on „E ec“ au ein Schimp wo
ges oßen bin, iss ich den Rahmen on seine Geb auchssi ua ion aus de
Romanhandlung um. Dadu ch bekam ich ein abgeschlossenes F agmen . Solche
F agmen e mi Schimp wö e n in de Mi e wu den dann on e neu gelesen und
e ass . Bei de ex nahen Analyse ha mi seh ein P ojek de Uni e si ä Salzbu g
mi dem Namen „Mi elhochdeu sche Beg i sda enbank“ gehol en, wo
mi elhochdeu sche Li e a u ex e digi alisie sind und dem Fo schenden eien
8
Zugang bie e . Die Reche che mi Suchmaschinen e möglich e eine augenblickliche
Suche im Tex nach jedem beliebigem Wo .
Seman isch-e ymologische Analyse
Selbs e s ändlich wä e es bei eine Schimp e o schug ollkommen
ungenügend, sich nu au eine beim Übe se ze o geschlagene Deu ung des
Schimp wo es zu e lassen. Jede ge undene Schimp edewendung habe ich deshalb
in Bes and eile ze leg und zue s im Mi elhochdeu schen Wö e buch on Lexe
nachgeschlagen, dann im mode nen e klä enden Wö e buch, und schließlich im
e ymologischen Wö e buch. So wu de ein ie ausgeschöp es Ve s ändnis des
Wo es gesiche . Fas alle Schimp wo e des Romans wa en dem mode nen Lese gu
e s ändlich und ih e Bedeu ung ha keine g oßen Ve ände ungen du chgemach .
Einige sind ielleich e al e , haben abe ih e Schimp k a nich e lo en. Abe
selbs bei dem g undlegenden Beg i „schimp en“ zeig e sich bei de Auskun im
E ymologischen Wö e buch ein in e essan e und wesen liche Bedeu ungswandel.
Die his o ische Me hode
De Ke n on Schimp wö e phänomen wu zel ie in den gesellscha lichen
Vo s ellungen übe Unwü diges, Scham olles, die einen Wandel du ch die Geschich e
e uh en. Wie bean wo e eine bes imm e Epoche ü sich die F age „Was is
unans ändig? „Was is k änkend und wa um?“ De Exku s in de Geschich e hinein
wu de mi de Hil e on solchen We ken gemach wie Bumkes „Hö ische Kul u “,
Ho s Wenzels „Kul u und Gedäch nis im Mi elal e “, Pa a icinis „Die i e lich-
hö ische Kul u des Mi elal e s“ „Holy shi : a b ie his o y o swea ing“ on Melissa
Moh , Jacksons „Chi al y in Twel h-cen u y Ge many“ und ande en. Diese A bei en
e so g en die E o schung mi eichhal igem his o ischem Ta sachenma e ial. Die
his o isch-k i ische Me hode wu de zum Beispiel nö ig, um das ü das Mi elal e
spezi ische Ve s ändnis on „Dummhei “, „Feighei “, die Symbolik on Tie namen
und die Besonde hei on Wo en dieb und schalc nachzu o schen, die in de Mode ne
nich imme eine gleiche Bedeu ung haben.
9
I. ÜBER DAS SCHIMPFEN IM ALLGEMEINEN
De ini ion on Schimp wo
Das e ymologische Wö e buch olg de Bedeu ungsgeschich e de Wö e
„Schimp“ und „schimp en“ bis hin zu dem Al hochdeu schen. Das al hochdeu sche
skimp en bedeu e e lediglich „Sche z eiben, spielen, e spo en“. In de Epoche des
Mi elhochdeu schen bezeichne e schimph (schimp ) nich nu „Sche z, Ku zweil,
Spiel insbesonde e das i e liche Kamp spiel; Minnespiel, Spo “, sonde n auch schon
Ve höhnung und Schmach10. Selbs de Tex on „E ec“ is eich an Beispielen on
schimph in seine al en Bedeu ung. In de olgenden Episode denk Eni es Va e
Ko alus, dass E ec nu im Sche z (du ch schimph) gesag ha , dass e seine Toch e
ohne Besi z zu Ehe au nimm . E ec b ing diese A gwohn zum E ö en:
„daz hân i du ch schimph ge ân"
Ê ec wa on de ede ô .
e sp ach:" he e, welch nô
winge iuch û den wân
daz ichz du ch schimph habe ge ân?
daz sul i ûz dem muo e lân
und mîniu wo ü e nes hân. (V. 559-565)
An ande e S elle benu z das Wo schimph Keie, de bei A usho die Geschich e
on seine Schande so e zähl , dass jede sie nu als ku zweilige lus ige Vo all
au ass :
sîn schemelîchez mae e,
wiez im e gangen wae e,
und gap dem schaden solhen gelimph
daz man ga ü einen schimph
sîne schande e ie
und man sîn ungespo e lie (V.4840-4845)
Im 17. Jah hunde ha sich schließlich ü das Adjek i „schimp lich“ die Bedeu ung
„schmach oll“ e anke . Im Roman "E ec" is das Ve b schimp en im Sinne
„jemanden he abse zend, beleidigend als e was bezeichnen“11 mi mhd. schel en
ausged ück : „he e, wes schel e i mich?“ (V. 9031) ode „in schal diu we l ga /sîn
ho wa alle euden ba “ (V. 2988-2989).
Be o mi de Suche nach Schimp wö e n im Roman on Ha mann on Aue
ange angen wi d, muss eine kla e De ini ion zu den Te mini „Schimp wo “ und
10 Lexe , Ma hias: Mi elhochdeu sches Taschenwö e buch, 38. Au l. S u ga 1992. S.183.
11 Duden online, Zug i am: 12.08.2015 um 14:32.
16
„Hase“ (lepus). Wenn man sag , dass jemand seinen Schild au dem Kamp eld
gelassen ha und das nich beweisen kann, muss e auch 3 Schillings bezahlen. Wenn
jemand den ande en als „Spion“ (dila o ) ode „Meineidige“ ( alsa o ) beschimp und
das nich beweisen kann, bezahl e 15 Schillings.
In de o liegenden A bei , die den Schimp wö e n gewidme is , konn e ich
das Thema on Hö ische Kul u nich umgehen. Das hö ische Sp echen ep äsen ie
as ein Gegen eil zum Objek meine Fo schung und kann Lich au eine Rolle on
Schimp wö e n in „E ec“ we en.
„i en hö esche iuch“, sp ach Ê ec,
an mi ha e sê e.
on wem habe i die lê e
daz i schel e einen man
de ie i e s namen gewan?
i sî an swachem ho e e zogen.
nû schame iuch: i habe gelogen
ich bin edele dan i sî . (V. 4197-4204)
In obenzi ie em F agmen pa ie E ec eine e bale A acke des G a en und be on
seinen eigenen Vo ang, dessen G und in seine besse en E ziehung an einem
übe legenen Ho lieg . In Ha manns Roman is E ec de Sohn on König Lac. Das
Kind de adeligen El e n im Mi elal e wu de nich nu inne halb de Familie
e zogen, sonde n e leb e auch eine zwei e E ziehung bei Ho :
swe ze ho e wil wol gebâ n,
de sol sich deheime bewa n
daz e nien uo unhü schlîchen. 34
De Ho (cu ia) mi seinen Sp ach- und Ve hal ens egeln wi d zu höchs en Ins anz
de Sozialisa ion des Adels, einem wich igen Zen um de mo alischen und
poli ischen En wicklung. Nachs ehend sind Wo e on Dan e Alighie i aus seinen "De
ulga i eloquen ia" (1303), wo e sich übe die gehobene Volkssp ache (cu iale) am
Ho äuße :
"Wi nennen die Sp ache mi Rech auch hö isch (cu iale), denn
hö isches Wesen is nich s ande es als abgewogene Regel ü
Handlungen. Und da eine Waage ü solches Wiegen nu in den
o nehms en Ho lage n (cu iae) zu sein p leg , is dies de G und,
daß alles, was in unse en Handlungen gu abgewogen is , hö isch
genann wi d.“35
34 Thomasin on Ze klae e, De wälsche Gas V. 653 .
35 Dan e Alighie i: Übe das Dich en in de Mu e sp ache, Da ms ad 1966. S. 46.

17
Das Wo hö esch d uck e ein Gesellscha sideal aus, da un e wu de die Schönhei
des Kö pe s, adelige Abs ammung, bes imm es Benehmen, die Tugenden des Ri e s,
die F ömmigkei , de Reich um e s anden.36 Die Feudalen e ich e en eine Dis anz
zwischen sich und den Baue n. Das Leben und die Sp ache am Ho wu den einem
bes imm en Ze emoniell un e wo en. Die bäue liche Lebensa und Sp ache
(dö pe hei , ilanîe) wu den e pön . Demen sp echend besch eib Wal he on de
Vogelweide als Besonde hei des Ho es: „ anzen, lachen unde singen, âne
dö pe hei .“37
„Feine Si e egel das gesellscha liche Leben und e ich e eine
Scheidewand zwischen den Gebilde en und den Bäue ischen,
zwischen de edelichei und de do pe ichei . 38
Hö ische E ziehung (kindes zuh ) besing Vogelweide auch in seinem olgenden
Gedich . Un e Kon olle sollen bei eine gu e zogenen Pe son die Zunge, Augen und
Oh en ges ell we den. Die bösen Wo e, wenn gehö ode selbs gesp ochen, können
das He z en eh en:
Hüe en iuwe zungen:
daz zim wol dien jungen.
s ôz den igel ü die ü ,
lâ kein boese wo da ü .
(…)
Hüe en iuwe ô en
ode i sin ô en.
lân i boesiu wo da in,
daz gunê e iu den sin.39
Hö ische Redekul u bedeu e e „mi züh en sp echen“ (W. . G a enbe g, V. 1240)
und ans ändige Wo e benu zen „si sulen haben kiuschiu wo “ (T. . Zi klae e: De
wälsche Gas , V. 389) 40
Ein ande e Beweis ü hö ische E ziehung wa die Ve wendung on
lämischen und insbesonde e anzösischen F emdwö e n.41 Insgesam die
F emdsp achenkenn nisse zeichne en Hö ischei de Pe sonen aus, sowohl in de
36 Vgl. Bumke, Joachim: Hö ische Kul u , Li e a u und Gesellscha im hohen Mi elal e .
München 2008. S. 80.
37 Vgl.Wenzel, Ho s : Hö en und Sehen, Sch i und Bild: Kul u und Gedäch nis im Mi elal e .
München 1995. S. 20.
38 Eh ismann, Gus a : Geschich e de deu schen Li e a u bis zum Ausgang des Mi elal e s. München
1927. S. 62.
39 Wenzel, Ho s : Hö en und Sehen. S. 57.
40 Vgl. Bumke, Joachim: Hö ische Kul u S. 437.
41 Ebd. S.117.
18
Geschich e, wie z.B. Kaise F ied ich II. ode G a Adol II on Hols ein 42als auch in
de Li e a u – z.B. wu de Go ieds T is an in emde Lände geschick , um
Sp achen zu e le nen: „du ch emede sp âche in emediu lan “ (V.2061)43 Die
Kul u des Ho es wa so ein luss eich, dass soga heologische Vo s ellungen
demen sp echend einge ä b wu den. In manchen Tex en wi d Go hö esch genann ,
in „T is an“ on Go ied on S aßbu g und Ha manns „E ec“ is on go es
hö eschei die Rede.
Die Eins ellung zum Schimp en wa im Mi elal e also e wa ande s als heu e.
Eine sei s wegen heu e e ände en Vo s ellungen on Schändlichem und Ekelha em,
die dem Schimp en imme zug undelagen, ande e sei s wegen de Abschwächung des
Ki chenein lusses. Wie wi sehen, wu de schon damals e such , bei wel lichen und
himmlischen Gese zen die Schimp wö e zu e bie en. Im Spä mi elal e wa noch
die au geblüh e Hö ische Kul u p ägend ü die Eins ellung zum Schimp en. Aus
ih em Gesich spunk he aus wa en Schimp wö e ein Kennzeichen on unedle
Gesinnung und eine Folge de Un ähigkei , sich hö isch zu benehmen, was on diese
Kul u besonde s hochgeschä z wu de. Sei dem agen die Schimp wö e nich nu
den S a us des Go eswid igen und Scham ollen sonde n auch Unhö ischen und spä e
Unhö lichen.
In seinem ku zen A ikel44, in e essie sich D . phil. Ch is o Spannho de
Wilhelms-Uni e si ä Müns e ü die F age, wie das Schimp en im Mi elal e aussah
und ob man sich damals beim Schimp en ande s e hiel als heu e. E bau seine ku ze
Reche che ch onologisch au und e wähn das Schimp en in den la einischen und
al hochdeu schen Quellen wie Lex Salica (507–511), Kassele Glossen (810),
Hildeb andslied (9. Jhd.), Pa ise Gesp äche (9. Jhd.) und in den Sp ichwö e n des
No ke on S . Gallen (950-1022). Die Schimp wö e egis ie e auch im
„Nibelungenlied“, „Wol die ich“ (um 1250) „Pa zi al“ on Wol am on
Eschenbach, im Ve seepos „Rosenga en zu Wo ms“ aus dem 13. Jah hunde und
soga in den Gedich en on Wal e on de Vogelweide. Die Os e spiele und
Fas nach spiele des Mi elal e s sind an de ben Wö e besonde s eich, die Spannho
eine "lohnende Fundg ube" de Beschimp ungen nenn . De Übe sich on Spannho
42 Ebd. S. 436.
43Zi ie e Ausgabe Go ied on S aßbu g: T is an. Nach dem Tex on F ied ich Ranke neu h sg., ins
Neuhochd . übe s., on Ru
dige K ohn. 5. Au l Bd. 1. Reclam S u ga 1990.
44 Spannho , Ch is o : Schimp en im Mi elal e , e ö en lich au h p://sui e101.de am 7 Ok obe
2013.
19
ende mi den e s en We ken de F ühen Neuzei , wo auch besonde s iel geschimp
wi d, da un e "Acke mann aus Böhmen" und Wi enweile s Ring (um 1400). De
Wissenscha le komm zu dem Schluss, dass, obwohl sich die einzelnen
Schimp wö e im Lau e de Zei e ände haben und neuen Gegebenhei en de
Gesellscha angepass wu den, die seman ischen Be eiche ü Schimp - und
Schmähwö e dieselben geblieben sind. Da un e sind die p oduk i s en kö pe liche
Geb echen und abweichendes sexuelles Ve hal en. Manche mi elal e liche
Beschimp ungen wie „Hund“ ode „A sch“ sind bis in die Gegenwa in Benu zung.
II. ÜBER DAS SCHIMPFEN IN EREC
Vo wo
Sei Augusin wuß e man um Zweideu igkei allen Sp echens.
Eine sei s is Sp ache das wich igs e Mi el, das de Mensch besi z ,
um zu leh en und zu le nen. Ande e sei s seh alles Reden in de
Ge ah , mi Wo en zu sündigen. Die „Sünden de Zunge“ (pecca i
linguae) anden zu Ha manns Zei wachsende Au me ksamkei bei
den Theologen. Thomas on Aquin ha spä e die e schiedenen
Ansä ze in seine „Summa heologiae“ sys ema isie . Als „Unbill
de Wo e“ (iniu iae e bo um) behandel e : Ve leumdung,
He abse zung, Flüs e n, Spo en, Fluchen. (…). Die meis en diese
Fo men sp achliche Ve ehlungen inden sich auch im „E ec“
(…)45
Ha manns „E ec“ is die Adap a ion on „E ec e Enide“ on Ch é ien de T oyes,
eine de ein luss eichs en Ve e e de al anzösischen Li e a u und G ünde de
Ga ung des hö ischen Romans. „E ec“ gil auch als de e s e A us oman in de
deu schen Li e a u . Die Figu on König A us und sein Ho s anden adi ionell ü
hö ische Vollkommenhei :46
„A us im Allgemeinen geschilde als die Ve kö pe ung alle
wah ha i e lichen Tugenden, als ein Ideal hö ische Si e und
edle Gesinnung. Auch wi d e gep iesen als de bes e alle
Könige, die jemals au E den leb en, leben ode leben we den.“47
Alles weis da au hin, dass „E ec“ ein Roman, du chd ungen on Hö lichkei und
Ri e lichkei is , abe auch hie and sich ein Pla z ü de be Wo e. Die schlech en
Wo e dienen alle e s dazu, diese „hö ische Vollkommenhei “ he o zuheben und
45 Bumke, Joachim: De „E ec“ Ha manns on Aue. Eine Ein üh ung. Be lin 2006. S. 125-126.
46 Vgl. Bumke, Joachim: Hö ische Kul u . S. 592.
47 Zu Jacobsmühlen, He mann: Zu Cha ak e is ik des König A us im al anzösischen Kuns epos.
Ma bu g 1888. S.46.
20
abzuscha en. In den S ellen im Roman, wo die Figu en, die sich in den Augen des
mode nen Lese s ein ach une zogen benehmen, handeln in de Bewe ung Ha manns
zualle e s „unhö isch“ und „un i e lich. Das Buch e zähl übe die Aben eue E ecs,
de in dem e s en Teil des doppelweg s uk u ie en Romans seine Ehe
zu ückzugewinnen e such und im zwei en Teil seine e lo ene hö eschei
zu ückgewinn , die e du ch Passi i ä , Ve nachlässigung on He sche p lich en und
Igno ie en des hö ischen Lebens e lo en ha e.
„Hö isch“ is nich , we s a isch alle Bedingungen e üll , sonde n
de jenige, de sein o bildliches Ve hal en du ch s e s neue P oben
un e Beweis s ell . „Hö ischkei “ is nich uhend, sonde n in
Bewegung gedach ; das Aben eue , die gesuch e Bewäh ung
gehö en no wendig dazu.“ 48
Nich umsons sind seine Gegne im zwei en Teil alle ausgesuch e G obiane. Die
Riesen symbolisie en an ihö isches Ve hal en, denn sie e p ügeln weh lose Ri e
und dabei nach Ha manns Wo en „b âchen as e i e s eh “ (V. 5412). Soga
Mabonag in, de Ne e des Königs, benimm sich unhö lich:„g uoz e in ein eil as e
gelîch einem übelen man“ (V. 9025-9026). Also kämp E ec nich nu gegen
physisch mäch ige Gegne , sonde n auch gegen unhö ische Ve hal ensweisen, die sie
e kö pe en.
Die Schimp wö e im Roman konzen ie en sich au Episoden on
Auseinande se zungen. Jede wich ige Kamp on E ec äng mi e bale
Kon on a ion an und e s dann komm es zu Handg ei lichkei . Im Buch gib es zehn
Kon lik e, an denen E ec eilnimm : de Kon lik mi dem Zwe g Maledicu , de
Kon lik mi Ri e Ide s wäh end des Tu nie s, de Kon lik mi d ei Räube n, wobei
nich ge ede wi d, de Kon lik mi ün Räube n, wobei wiede um nich ge ede
wi d, de Kon lik mi dem eulosen Bu gg a Galoain, de Kon lik mi G a
O ingles, de Kon lik mi Gui eiz, de zwei e Kon lik mi Gui eiz, de Kon lik
mi dem Riesen und de Kon lik mi Mabonag in.
E ec is im Roman as du chaus posi i da ges ell und zeig iel Selbs kon olle. Das
bedeu e abe nich , dass e sich bei an ihn ad essie en Beschimp ungen ausschweig
ode nu die Sp ache de Wa en kenn . Aue läss ihn soga in den s ess olls en
Si ua ionen ein linkes Mundwe k zukommen, ohne jedoch d eckige Wo e zu
benu zen. Miedema49 is de Meinung, dass E ec de hö ischen Sp ache am An ang
48 Pa a icini, We ne ; Gall, Lo ha : Die i e lich-hö ische Kul u des Mi elal e s. Enzyklopädie
deu sche Geschich e. Bd. 32. München 2011. S.7.
49 Vgl, Miedema Nine: Hö isches und unhö isches Sp echen im E ec Ha manns on Aue. S. 190 .
21
nich ganz mäch ig is und sie nu im Lau e des Romans behe sch . Sp achlich
ungewand wi k e in den Gesp ächen mi Zwe g Maledicu , dem Riesen und Eni es
Fa e Ko alus. In den e s en zwei Fällen e eich e sein Kommunika ionsziel nich ,
sonde n e schlimme die Si ua ion noch. In de Szene mi dem Riesen bes eh sein
Fehle da in, dass e die hö ische Sp ache bei einem Zuhö e anwende , de sie ga
nich e s eh . Im Fall mi Ko alus is seine Bi e um Eni es Hand ungehö ig
ausged ück als eine Au o de ung (sô solde i ) und keine Bi e.
sô solde i mich lân î en
mi iuwe oh e Ênî en
û die selben hôchzî . (V.504-506)
Zudem is Miedema übe zeug , dass E ec in dem Dialog mi dem Zwe g im Ve gleich
zu Ho dame unhö lich agie : „E ec u dem Zwe g, sobald e in Hö wei e is (V.74),
die Beschimp ung i wênige (V.74) zu und o mulie di ek e Vo wü e (V. 78)“50
Bei Bumke lesen wi :„als Eni e zum e sen Mal Rede e bo übe i , beschimp und
bed oh E ec sie“51 . Ich habe diese zwei S ellen im Tex ge unden und wü de sie
ge ne zi ie en:
"wie nû, i wunde lîchez wîp?
jâ e bô ich iu an den lîp
daz i ih solde sp echen:
we hiez iuch daz b echen? (V. 3238-3241)
und
"sage , i wîp il ungezogen,
wa umbe habe i abe gelogen?
wan ichz iu on ê s e e uoc,
nû endûh e iuch da an nih genuoc (V.3403-3407)
„Beschimp en“ is meine Meinung nach eine zu s enge Fo mulie ung ü diese
Wo e E ecs. E sp ich doch mi seine F au pe Sie und beide Benennungen
„wunde lîchez wîp“ und „wîp il ungezogen“ scheinen mi soga i onisch und
zä lich zu klingen. Doch die Bed ohung on ihm kling unbeg ei lich g immig:
„Bei Ha mann d ohn E ec seine F au mi dem Tod (bî dem
lîbe 3095), wenn sie seinem Be ehl nich geho che. Sie soll nich
nu nich zu E ec sp echen, sonde n übe haup „den Mund nich
au machen“ (daz ze sp echenne i mun … ih û kæme 3099-
3100): eine ausgesp ochen un eundliche Fo mulie ung!“52
De Roman on Ha mann wu de, wah scheinlich, nich nu als Un e hal ung, sonde n
50 Ebd. S. 196.
51 Ebd. S. 115.
52 Bumke, Joachim: De „E ec“ Ha manns on Aue. S.114.

22
auch als Beleh ung gedach . Da wi es hie mi li e a ischen Dialogen zu un haben
und nich mi na ü liche All agssp ache, kann man e mu en, das de Au o die
handelnden Pe sonen hie besonde s ypisch und ideal sp echen läss . De
mi elal e liche Rezipien des Epos le n e zusammen mi E ec die hö ische Sp ache
und wie man sie in den e schiedenen Si ua ionen angemessen anwenden soll. Am
Beispiel on E ec p edig e seine Ideen übe den idealen Ri e und He sche . Und
ein g oße Teil on diese o bildlichen Ges al is mi Hil e on seinem Nich -
Schimp en k eie .
Die Schimp wö e mi Tie namen
Im Roman Ha manns wu den d ei Beschimp ungen mi den Tie namen Hund,
A e und Huhn ge unden. Nach seinem Sieg au dem Tu nie bekam E ec endlich die
Möglichkei , sich an den Beleidige n zu ächen. Die g öß e Demü igung seines
Lebens – de Pei schenhieb des Zwe gs - ha e nich e gessen. Das Schicksal om
echen Ide und seinem Diene is je z in seinen Händen. Hie is eine de wenigen
S ellen im Roman, wo E ec zu dem de ben Wo g ei :
ich nim diesem hunde ein gæbe phan :
daz is niuwan sîn han ,
daz ez imme mê e
baz ouwen ê e. (V. 1052-1055)
Mi "Hund" wi d hie ein Zwe g beschimp , dem Ha mann soga einen Namen gib :
"ez was Maledicu genan " (V. 1077). Seine Bed ohung e wi klich E ec abe nich
und be iehl , Maledicu nu mi Spieß u en zu bes a en. In seinem In e iew ü "Die
Zei " e klä Reinhold Aman, wa um de Hund "des Menschen bes e F eund" in den
Schimp wo scha z ge ie . De Hund gehö zu den He den ie en und sieh in dem
Menschen lediglich seinen Lei e , dem e sich "hündisch" un e wi . In
Al g iechenland wu de de Hund e ach e , weil e sich nich om Aas essen ekel e
und sich o übe ge allene Helden he mach e.53 Die Schimp konno a ion om Hund
als K ieche is im Kon ex on de obene wähn e S elle gu ealisie mi Rücksich
au die Posi ion des Zwe gs als Ri e sdiene . Die Ta sache, dass de Au o eine solch
zwei angigen Figu einen Namen gib , wäh end iele ande e Romanpe sonen, wie
Riesen, Räube ode die Ho dame de Königin, namenlos bleiben, schein keine
Zu älligkei zu sein. Auße dem bekomm winzling einen "sp echenden Namen".
53 Vgl. Daibe Hans: "Schimp wo o schung: Fluchen in alle Wel , Ein ame ikanische Ge manis
be eib eine neue Wissenscha : "Maledic ologie - Schimp wo o schung A ikel in "DIE ZEIT" N .
48-23. No embe 1984. S.58.
23
Höchs wah scheinlich s amm "Maledicu " on dem la einischen Ve b maledico ab,
mi de Bedeu ung " e wünschen" "schimp en". Es is de Zwe g Maledicu , de am
An ang des Romans mi seinem Benehmen, das nich nu den No men de Cou oisie
wide sp ich , sonde n o ensich lich p o oka i is , eine Reihe on wei e en
Suje e eignissen ka alysie . Bumke e klä diese unmo i ie e F echhei mi dem
Baugese z des A us omans: „Wenn man den Ho e läß , is man in eine ande en
Wel , in de die Regeln und Fo men de hö ischen In e ak ion keine Gel ung
besi zen.“54
Zwei wei e e Schel wö e mi Tie namen inden wi in de Cadoc-Szene
(V.5291-5699). Beide sind an E ec ad essie . Au seine Suche nach wei e en
A en iu en hö e , wie im ie en Walde eine F au klag und wein . Ih wu de de
Ga e on zwei Riesen en üh . E ec e siche sie, dass e ih en Mann be ei ode
s i b . De Held ei e au ische Spu , bis e das Folgende sieh : zwei Riesen mi
Kolben und Pei schen bewa ne , eiben einen gebundenen blu übe s öm en Mann
au dem P e d. Gegen zwei auhe K ea u en, on denen kaum hö isches Benehmen zu
e wa en is , bleib E ec beha lich espek oll, ede sie eh e bie ig an und nenn sie
He en. Diese Übe hö lichkei E ecs äll ielen Fo sche n au . B aun und He be ichs
sind de Meinung, dass e dami bildlich die Rahmen des Ho es e wei e und „du ch
sein Kommunika ions e hal en die hö eschei in die Wildnis hinein“ äg . 55
Neben dem Tie sind Riesen Rep äsen an en des Wilden und
e kö pe n eine Ze o m menschlichen Daseins. (…) Sie e kö pe n
in ih e Exo bi anz maßlose Gewal und mi ih en un i e lichen
Wa en – Keulen, S angen ode Bäumen – die Gegenwel de
hö ischen Kul u , das „Ande e“ de Zi ilisa ion.56
Wiede und wiede ag E ec nach dem G und des Mal ä ie ens des Ge angenen, zu
An wo bekomm e abe nu Schimp und Spo :
eh e a e, nû sich,
dû unwi des dich (V. 5452-5453)
De A e wu de im eu opäischen Mi elal e meis mi Nega i em assoziie . O mi
einem Spiegel da ges ell , dien e e als Symbol de Ei elkei , Boshei , Ve spiel hei ,
Schaden eude und wel liche Begie de. De A e, de in die F uch beiß , wu de als
Sinnbild des Sünden alls in de Kuns on Byzanz wiede gegeben. Obwohl de A e
zu den beladends en Tie symbolen gehö , is e in de Bibel kaum e wähn . De
54 Bumke, Joachim: De „E ec“ Ha manns on Aue. S. 23.
55 Vgl. B aun, Manuel; He be ichs, Co nelia: Gewal im Mi elal e , Reali ä en. München 2005. S. 366.
56 Ebd. S. 145.
24
„Physiologus“ (ca. 200 n. Ch .) inde ü ihn Pla z in de Nähe des Teu els. Selbs de
Teu el is o de A e Go es genann , weil e den Schöp e nu nachä en kann, um
Menschen zu be ügen und zu e de ben57.
E ec e such so lange wie möglich sein Ziel „mi güe e“ (V.5490) zu
e eichen. Wenn e schließlich anbie e , den Mann ei zu lassen, wechseln die
Schimp wö e zu Bed ohungen. De Riese d oh E ec wie einen Huhn zu ze eißen:
„ich zeb æche dich als ein huon" (V.5481-5483). Ob das Schimp wo „Huhn“ in de
Rede des Riesen Dummhei und Schwachhei bezeichnen soll, ode jemandem, de zu
iel „gacke “, is schwe es zus ellen. Genauso ein ach, wie es is , das Genick des
Huhns zu b echen, schä z de Riese ein, mi E ec e ig zu we den. Wah scheinlich
bedeu e Huhn-Schel en hie lediglich, dass de Riese in E ec keinen s a ken Gegne
sieh .
So ie nach schimp lichen Bedeu ungen on Tie namen b auchen wi
ielleich nich zu g ei en. Die Ve wendung on Hund-, A e- und Huhn-
Schimp wö e n im Roman e klä seh gu die olgende Theo ie on E dmann. E
geh on de E wägung aus, dass beim Schimp en, emo i e Gehal des Wo es
wich ige als seine eigen liche lexikalische Bedeu ung is . Das Schimp wo is das
alle e s e A ek wo . Die meis en Schimp e sind des wah en Inhal s iele
Schimp wö e wohl nich bewuss :
„Vielleich be uh die k ä ige, as mys ische Wi kung manche
Schimp wö e ge ade da au , dass im G unde kein Mensch meh
weiß, was sie eigen lich besagen“. 58
Das e klä , wa um die Kinde ganz üh e olg eich Schimp wö e benu zen, abe
ih e eigen liche Bedeu ung e s spä e e le nen. Zum Schluss lohn es sich zu sagen,
dass de Beleidigungse ek on allen Schel wo en, die mi Tie namen e bunden
sind, noch in de Ta sache lieg , dass dem Opponen en dabei ein ach sein Menschsein
abgesp ochen wi d.59
57 Vgl. Tanne , Ralph: Sex, Sünde, Seelenheil, die Figu des P a en in de Ma
 enli e a u und ih
his o ische Hin e g und (1200-1600). Wü zbu g 2005. S.397.
58 E dmann K.O.: Die Bedeu ung des Wo es, Leipzig 1925. S.115.
59 Ebd. S. 111.
25
Das Äuße e
Im Schimp wo scha z des Romans gib es ganz wenig Wo e, die das
Menschenäuße e zu schmähen. Die meis en konzen ie en sich au den
Menschencha ak e . Niemand wi d z.B. „Missgebu “ „Scheusal“ ode ähnliches
genann . Einen zwei elha en Fall bie en die Beschimp ungen mi Tie namen. De
Kon ex on ih em Geb auch gib uns nich genug De ails, um sie zu den
Beleidigungen om Äuße en ode Inne en anzuo dnen. Deshalb we den sie in de
Schimp wö e abelle am Ende de A bei als Einzelka ego ie gegeben. Einen Mensch
mi einem bes imm en Tie namen zu nennen, könn e ein Ang i au sein Äuße es und
ebenso au sein Inne es sein. „A e“ zum Beispiel is eine sei s die Beschimp ung on
solchen Cha ak e zügen wie Ei elkei und ande e sei s wä e es niemandem im
Mi elal e in den Sinn gekommen, einen A en ü eine Schönhei zu hal en - die
A en-Beschimp ung is also in gleichem Maße die Beschimp ung de Hässlichkei .
Die hö ische Kul u des Mi elal e s ach e iel au Schmuck, P ach in de Rüs ung,
Kleidung, und Mahlzei und s eh de Ein al und Unansehnlichkei des bäue lichen
Lebens gegenübe . Man soll abe eine G enze zwischen diese e schmäh en
Dü igkei und de go es ü ch igen A mu und de Schlich hei des Aske en sehen.
Die inden wi in den Besch eibungen de A mu on Ko alus, ode in E ecs Ve zich
au ein üppiges F ühs ück o dem Kamp mi Mabonag in.
„Ha mann akzen uie auch hie die A mu s ä ke als Ch ê ien,
nich zule z eligiös konno ie en Dimension wegen“60
Das einzige Schimp wo im Roman, das die A mu ang ei , is die
Beschimp ung on Eni e du ch Ide s, de sie als „Be le in“ bezeichne , die in ih em
ze issenen al en Kleid zum Schönhei s u nie gekommen is : „dü iginne wa uo i
iuwe sinne?“ (V. 694-695). Die P unksuch de mi elal e lichen Gesellscha äuße
sich iel meh in he o agenden de aillie en Besch eibungen on Kleidung und
P e degeschi (z.B. in den Episoden mi Eni es Wunde p e d und dem Sa el) als im
Schimp en.
Wenn man übe das Beschimp en des Äuße en sp ich , da man nich
une wähn lassen, dass manche Figu en im Roman abno mal g oß ode klein on
Wuchs sind. Zu den Zwe gges al en gehö en Maledicu und König Gui eiz le pi îz,
zu den Gigan en die beiden Riesen und Mabonag in. Ein Mensch, de übe g oß on
60 Ha mann on Aue: E ec, Neuübe se zung. Mhd./Nhd. H sg., Übe s. u. Komm.: Me ens, Volke ,
Philipp Reclam jun. S u ga 2008. S. 630.
32
milde n. Nach Logik de Episode is E ec „dumm“ (nih wîse), weil e ha näckig
wei e ag , obwohl die F age schon einmal g ob abgesag wu de.
„Lüge ich, he e, sô wæ e ich ein kin “ lesen wi im Ve se 4063 („Wenn ich
löge, wä e ich dumm wie ein Kind“ in Me ens Übe se zung). Das Wo umb
e schein im Mi elhochdeu schen O iginal ga nich . Pa aph asie , eil uns die Rede
das Folgende mi : „Ich sage die Wah hei , ich bin kein Kind“. Is hie das Subs an i
„Kind“ e wende als Sinnbild on ex eme Une ah enhei und Nai i ä , die an
Dummhei g enzen? Die Si ua ion, in de diese Wo e ausgesp ochen wu den, is die
olgende: de G a is wü end au die ge lohenen Eni e und E ec. Mi dem Fuß schläg
e die Tü ein in de He be ge, wo die beiden übe nach e haben. E e lang on dem
Wi , dass e ihm die En lau enen un e züglich e ä . Seh wah scheinlich ha das
ba sche Ve hal en des G a en dem Wi Fu ch eingejag . E an wo e eh lich, dass
die beiden Gäs e schon weg sind. De e ä ge e G a glaub ihm nich und
e däch ig ihn, dass e Flüch linge o ihm e hehl .
"wâ slâ en dîne ges e?"
"he e, si sin ge i en."
mi zo nigen si en
sp ach de g â e:" si ensin . "
„lüge ich, he e, sô wæ e ich ein kin “ (V.4059-4063)
Als Synonyme zu kin nenn Lexe „jung, kindisch, ein äl ig“74. „Dumm wie ein
Kind“ is in diese Episode de jenige, de au des G a en di ek e F age lügen wü de
ohne zu be ücksich igen, dass e eine höhe e S ellung in de Gesellscha ha , dazu
wü end, bewa ne und on euen Leu en umgeben is , und den Wi ohne Ums ände
ö en könn e. Somi is ein kin hie de Un o sich ige, de sein Leben sinnlos au s
Spiel se z .
Die nächs e E wähnung on Dummhei in E ec inden wi im Ve s 5448 - „nû
waz hâs û umbe, ze âgen da umbe“. Diese S elle im Tex kling an eine ühe e
Episode an, wo de Zwe g E ec als nich wise schimp , weil de Le z e e ha näckig
au seinen F agen bes eh . Hie geschieh das Gleiche. Die Beschimp ung des Riesen
umbe se z e o mi :
eh e a e, nû sich,
dû unwi des dich
daz dû âges alsô il
daz di niemen sagen wil. (V.5452 – 5455)
74 Lexe , Ma hias: Mi elhochdeu sches Taschenwö e buch. S. 107.

33
Das Wo a e bedeu e im Mi elhochdeu schen bildlich o .75Also dumm is hie ein
Mann, de jemanden mi F agen beläs ig , de ihm eindlich ges imm is und ihm
o ensich lich nich an wo en will. „des enwellen wi dich nih wizzen lân“ melden
E ec die Riesen ge adehe aus (V. 5451).
„Ein ô e wol schouwen, daz si iu nih is ze mâze“ (V. 4187). Hie e wende
de in Eni e e lieb e G a das Wo ô e in e allgemeine em Sinne, ohne jemand
speziell zu beleidigen. E bek ä ig dami seine Behaup ung, dass Eni e ein ach zu gu
ü E ec is , und es is jedem Dummkop kla . Ein ô e is in diesem Beispiel jemand,
de in de Lage is , lediglich das Ein ache und Selbs e s ändliche zu beg ei en. Zu
diese Ka ego ie gehö nach Meinung des G a en die Ta sache, dass E ec zu Eni e
nich pass und sie on ih en El e n en üh ha .
„Wes is di , umbe gouch, gedâh ?“ (V. 9044). Tumbe gouch nenn
Mabonag in E eс wäh end ih es Dialogs o dem Kamp . Eine Beschimp ung s ell
ein Bespiel on Pleonasmus da , da gouch nach Lexe – „kuckuck, buhle , o , na ,
gauch“76 bedeu e . Auße den zwei e s en Deu ungen weisen die le z en d ei deu lich
au Dummhei . So bekommen wi schließlich die sinnliche Wiede holung „dumme
To “ („dumme Ke l“ bei Me ens). Meh noch lohn sich übe diese S elle zu sagen,
dass die Dummhei in diese Beschimp ung die Dummhei eines Mannes is , de seine
Mach übe schä z und de Ge ah spo e . Die Wö e on Mabonag in en hal en
Anzüglichkei , da e sich selbs ü einen unbesiegba en Gegne häl , welchem im
Wege zu s ehen bedeu e , sich selbs zu siche em Tode zu e u eilen. E ec is umbe
gouch, weil e das nich e s eh .
In e essan is die olgende Ve wendung des Adjek i s umb - im Ve s 1224
inden wi die Wo e de Buße des besieg en Ri e Ide s: „denn ich bin dabei meine
eigenen To hei ge olg . Zu spä eu es mich.“ Wenn wi den O iginal ex be ach en,
en decken wi eine ganz ande e Sinnes ie e:
des sol ich iu ze buoze s ân:
wan ich da an ge olge hân
umbes he zen â e.
nû iuwe z mich ze spâ e. (V. 1222-1225)
75 Ebd. S. 2.
76 Ebd. S.75.
34
Die Ge ühle und Ve nun haben eine lange T adi ion de En gegense zung. Ide s
obenzi ie e Wo e sind deshalb beme kenswe , weil sie die beiden mi einande
e schmelzen. Den alschen Ra gab dem Ri e sein „dummes He z“.
Als nächs es Beispiel komm Eni es An u “i ie il ungewizzen“ (ih
dummen Tie e) im Ve s 5844. Lexe e klä ungewizzen als „nich wissend, was sich
ziem , un e nün ig, un e s ändig, unbesonnen“.77 Das is das einzige Mal im Roman,
wo Dummhei den Tie en und nich den Menschen o gewo en wi d.
„Da in, daß nu Menschen, nich abe Tie e übe Ve nun e ügen,
ha Augus inus kaum jemand wide sp ochen. Als en scheidendes
K i e ium, das den Menschen on and en Lebewesen un e scheide ,
inde sie sich in allen einschlägigen Tex en on A is o eles übe
Thomas on Aquin bis in die Neuzei .“78
Diese Vo wu on Eni e bekommen die Tie e da ü , daß sie sie nich ge essen
haben, obwohl sie sich zum F aß e gab:
wae e i nû wîse,
i hol e iuwe spîse
hie mi ollem munde,
wan ich iu mîn wol gunde: (V. 5850-5853)
Hie aus is zu e sehen, dass „dumm“, nämlich il ungewizzen de jenige is , de den
Vo eil, de ihm selbs in die Hände geh , unbe ücksich ig läss . Die Dummhei im
Mi elal e e sinnbildlichen adi ionell de A e und de Esel. Da aus e geben sich
zahl eiche sp achliche De i a e wie mhd. a enhei – „ o hei , albe nhei , gaukelspiel“,
a en – „zum Na en we den“ , a ëh , a eh ic,a en lich, e enlich – „ ö ich “ ode das
mhd. Ve b eselen - „zum Esel machen“. Bakmansu o a e wähn in diesem
Zusammenhang auch mi elal e liche ka ne alis ische Ve ans al ungen, wie
Eselmessen und Na en es e.79
In de nächs en Episode wi d Eni es „Dummhei “ beschimp . Sie lieg da in,
dass sie dem eichen und o nehmen We be G a en O ingles abschlägig an wo e ,
und sich übe den To en g äm , den man o ensich lich nich ins Leben zu ückb ingen
kann. Um sie zu übe zeugen häl de G a eine lange Rede:
77 Ebd. S. 253.
78 Wannenmache , Julia E a: Theologie, Ambi alenzen eine Beziehung - und ein Plädoye ü eine
an ispeziesis ische Theologie; Disziplinie e Tie e? Pe spek i en de Human-Animal S udies ü die
wissenscha lichen Disziplinen, ansc ip Ve lag, Biele eld 2015. S. 303.
79 Vgl. Bakmansu o a A.B. : Realisie ung on Konzep „Dummkop “. S. 187.
35
“hiu e wide ges e
sô s â iuwe dinc doch ungelîch.
ê wâ e i a m, nû sî i îch (V.6469-6471).
E nenn Eni e ein kin und ih e Klage dumm: „und la iuwe umbez klagen“
(V.6491) und beende seine Rede mi den Wo en: „iuwe umphei ich iu e ban“ (V.
6505) Als Eni e ihn wiede gla abweis , wi d de Zo n des G a en so g oß, dass e
ihn zu eine Ta d äng , die de Au o als goze o hei e bezeichne – de G a schläg
die F au.
sî daz ich umbe man
ie on umphei muo gewan
sô g ôze unmâze
daz ich emde s âze
eine wolde wal en
unde o behalgen
sô manegem guo en kneh e (V.7012-7018)
Obenzi ie e selbs k i ische Wo e sp ich E ec aus. Die S elle b auch keinen
Kommen a , da so o e klä wi d, wa um e umbe man is . De Haup held
übe sch ei e eine de Ri e ugenden – mâze. Zum e s en Mal im Leben wi d E ec
om P e d he abges ochen. Sein zwei es T e en mi Gui eiz inde in de dunklen
Nach im Walde s a . Ans a zu klä en, ob de F emde ein Feind ode ein F eund is ,
wag sich E ec blindlings in den ungleichen Kamp – allein gegen d eißig. Schließlich
e weis sich de emde Ri e als König Gui eiz, de ihm zu Hil e eil e.
„Ez is eh il œ lich“ (V.9030) - diese Beschuldigung eine Dummhei
komm on Ri e Mabonag in gegen E ec. Da au an wo e de Held so o mi
„he e, wa umbe schel e i mich?“ (V.9031) Mabodag ins E klä ung „dâ dunke i
mich de ouwen ze bal “ (V.9032) is na ü lich nich s ande es als Schikane. De o e
Ri e is ein Rau bold und e such E ec in einen Kon lik zu e wickeln. Deshalb is
es unmöglich genau zu sagen, wo in diese o ensich lich e leumde ische
„Dummhei “ bes eh .
Wie wi sehen, e anke en sich übe all in E ec die Lexeme o und umbe in
ih e mode nen Bedeu ung on „dumm“ und bezeichnen nich meh Taubhei und
S ummhei . Au die Dummhei beziehen sich die meis en Schimp wö e im Roman.
In „E ec“ we den die olgenden Bedeu ungsscha ie ungen des Adjek i s „dumm“
eingese z : "une ah en wie ein Kind, „un o sich ig“, „s u " und „geschwä zig“,
„un e nün ig e wegen“.
36
Niede äch igkei
Diese Ka ego ie on Schimp wö e n habe ich ün zugeo dne , die dem
Opponen en die Uneh enha igkei e schiedens e A en en la en. Sie genaue zu
di e enzie en is mi nich gelungen. D ei Schimp wö e sind in e essan aus dem
G und, weil sich bei ihnen de Hö lichkei splu al „i “ und de beleidigende Name
inne halb eines Sa zes e en. Nach diesem Kennzeichen e kennen wi die Sp ache
on Adeligen, die, sozusagen, „pe Sie schimp en“. In de Ta we den alle d ei on
dem G a en ausgesp ochen. Die einzige duzende Beschimp ung sunnen haz (V. 94)
komm om Zwe g, dem Ri e sdiene , de unedel is . Das is ein ganz eigena iges
Schimp wo . Von diese S elle sind zwei Va ian en de Übe se zung bekann – de
e s e, ein „lich scheue Ke l“ on Volke Me ens, und de zwei e „du, Abscheu de
Sonne“ on K ame . 80 De Duden sch eib dem Adjek i „lich scheu“ zwei
Bedeu ungen zu:
1. das [Tages]lich meidend; übe emp indlich au Lich eagie end.
2. (abwe end) die Ö en lichkei aus Angs o En deckung ü ch end, weil man
e was zu e be gen ha ; un edlich, uneh lich.81
In seine E o schung82 weis Ch is oph Schanze da au hin, dass Themen on Lich
und Dunkelhei nich nu im A us oman, sonde n in de gesam en mi elal e lichen
Li e a u seh e b ei e wa en. Sie e üllen die na a i e Funk ion und haben ie en
Symbolismus. Das Wechsel on Tag und Nach in „E ec“, die uns Ha mann ganz
genau mi eil , die Besch eibung on Eni es „s ahlende “ Schönhei , die Ta sache,
dass iele E eignisse unglückliche Lebenspe ioden des Paa es in de Nach
s a inden - dass alles inde Schanze nich zu ällig und in e p e ie das ausgiebig.
Bei alledem schein mi die Beschimp ung des Zwe ges sunnen haz die e s e bes e
G obhei , die ihm einge allen is und insgesam belanglos.
Als de G a im V. 4173 E ec mi a ge diep beschimp , heg e keinen
Zwei el, dass seine Beschuldigung wah is . Denn Eni e ha e ihm eine e undene
Geschich e e zähl , wie E ec sie gegen ih en Willen aus dem El e nhaus en üh ha .
Zu de Lis g ei Eni e, um de Ge ah zu en innen, wenn sie beme k , dass de G a
sie bis zu de Besessenhei zu F au will. Von de einen Sei e he sah das Paa ganz
sel sam aus - E ecs Ve schwiegenhei , das ge enn e Essen und dazu komm , dass die
80 Ha mann on Aue: E ec, mhd. Tex du Übe s. on Thomas C ame , F ank u a. M. 1999.
81 Duden online Zug i am 28 Augus 2015 um 19:58.
82 Vgl. Schanze Ch is oph: Scha en und Nebel. Die dunkle Sei e des A us omans, Ak uelle Tendenzen
de A us o schung, Be lin/Bos on 2013. S. 187-207.
37
F au ih em Manne als P e deknech dien . Das alles ha Eni es Geschich e
Wah ha igkei beigemessen. W.H. Jackson kommen ie in seine A bei 83 das
Schimp wo a ge diep on dem his o ischen S andpunk aus. Im 12. Jhd. wa en die
Fälle on gewal same Aneignung de Te i o ien und F auenen üh ungen du chaus
üblich. Die Klein i e e such en mi gezwungenen Eh en ih e Lage zu e besse n.
Gegen solchen Eigenwillen und solche Uno dnung wu den Gese ze e lassen, und ü
En üh e und Ve gewal ige wu de Handabhacken o gesehen. Die Könige
e such en damals, die ze eil en Lände des Heiligen Römischen Reiches on Fehden
mi Landes iedensgese zen eizuhal en. Als Vo bilde ü die beiden G a en im
Roman dien en wah scheinlich kleine Landeshe en, die ein eigenes Schloss und
eigene T uppen ha en, und heo e isch muss en sie den F ieden au ih en Te i o ien
bewah en, ans a dessen haben sie abe selbs o Aussch ei ungen begangen. Wenn
E ec mi eine „en üh en“ F au au seinem Land au auch , üb de G a die on ihm
e wa e e Ge ech igkei . Doch ans a Eni e zu ih en El e n zu ückzuschicken ha e im
Sinne, sie du ch Gewal zu Ehe zu zwingen und dami selbs ein diep zu we den:
„daz was doch wide dem eh e
daz e dem guo en kneh e
sîn wîp wolde hân genomen,
dô e in sîn lan was komen,
dâ e n be iden solde
ob im iemen schaden wolde“ (V. 3678-3684).
Schlagen wi im Lexe Wö e buch die Bedeu ung des Wo es schalc (V.
4192) nach, womi G a e E ec wei e beschimp , so inden wi das Folgende:
„Leibeigene, Knech , Diene , abe auch „Mensch on knech ische , une zogene ,
unge eue , böse , hin e lis ige , bosha e , lose A “ 84. In solche schimp lichen
Konno a ion zeig sich die Ge ingschä zung gegenübe un e geo dne en, nich
adeligen Menschen, die wah scheinlich in de damaligen Gesellscha üblich wa . Um
die Besonde hei dieses Schimp wo geb auchs kla zu s ellen, müssen wi zu Eni es
e sinn e Geschich e zu ück. Die en hiel in sich noch ein wich iges De ail - Eni e läss
sich selbs als Toch e on einem o nehmen und eichen Mann e scheinen: „mînem
a e e mich nam, / wan de is wæ lîche/edel unde îche“ (V. 3869-3871) und E ec
als Mensch on nied ige em S ande: „ichn bin im nih genôzsam“ (V.3868). „Ich bin
ihm nich ebenbü ig“ e klä sie dem G a en. Deshalb u le z e e aus, als e die
83 Jackson, William Hen y: Chi al y in Twel h-cen u y Ge many: The Wo ks o Ha mann Von Aue.
Camb idge 1994. S. 115.
84 Lexe , Ma hias: Mi elhochdeu sches Taschenwö e buch. S. 178.

38
beiden eingehol ha : „wel i daz ich iu lâze,/ a ge schalc, den lîp./ sô lâ belîben daz
wîp“, denn e is übe zeug da on, dass E ec ein Ve b eche ohne angesehene
gesellscha liche S ellung is . Wo au E ec e wide : „ich bin edele dan i sî “
(V.4204). In de mi elal e lichen Gesellscha wa de Adel eine Pe son on g oße
Bedeu ung, jemanden mi „knech “ zu beschimp en konn e seh beleidigend sein.
Diese S elle is auch ein Nachweisbeispiel on de ühe e wähn en Theo ie85, wie
gesellscha liche We e sich du ch Schimp en o enba en.
Eines de b u als en Schimp wö e im Roman sp ich G a O ingles aus. Als
e Eni e beschimp und ins Gesich schläg , schein e allem Ans and
zuwide zuhandeln. Hie e eich die Schimp wo scha z des Romans seinen
Höhepunk : „e sp ach: „i ezze , übel hû !“ (V.6524). Sein Schmähwo übel hû (V.
6524) wu de au Deu sch on Me ens mi dem une hö de ben „Mis s ück“
übe se z . Dabei is nich zu e gessen, dass e die Beschimp ung o alle Oh en zu
eine adeligen F au sag . Das mi elhochdeu sche hû , hou deu e Lexe s Wö e buch
als „Hau , Fell des ie ischen und menschlichen Kö pe s; Pe gamen “ und „als
Schel wo besonde s gegen Weibe "86. Das is also das einzige bewiesene
geschlech sspezi ische Schimp wo des Romans.
„Das Schimp wo is auch in Veldekes Eneas oman beleg : . 342,
14 wi d La inia on ih e Mu e so beschimp : es handel sich
anscheinend um ein bekann es „bäu isches“ Schimp wo , das
Be hold on Regensbu g in seinen P edig en benu z , um die
Redeweise de Ungebilde en zu kennzeichnen.“87
Im mode nen Deu sch exis ie eine Reihe on Redewendungen mi dem Wo „Hau “,
die alle abe posi i e Bedeu ungen agen, wie z.B. eine al e /eh liche/ b a e/
gemü liche/ seelengu e Hau . Die Wo e bindung übel hû als „üble Hau “ zu
übe se zen wä e eilich nich möglich, jedoch die Übe se zung „Mis s ück“,
buchs äblich „ein S ück on Mis “ wi k auch un e häl nismäßig g ob.
Bei alle Ach ung o Volke Me ens und seine wunde schönen Übe se zung
on „E ec“, sind mi ähnliche leich e Miss e häl nisse auch im wei e en Tex
au ge allen, die wah scheinlich mi äs he ischen G ünden ge ech e ig sind. Manche
Beschimp ungen we den e wa schä e übe se z als die im O iginal, zum Beispiel:
„ ie sie wiede und sag e:„Ih dummen Tie e“ au Mi elhochdeu sch is es „si uo e
85 Siehe S. 10 de o liegenden A bei : „man nämlich aus den Schimp wö e n ein We esys em eine
Kul u e schließen kann, man muss jeweils nu das Gegen eil bedenken“.
86 Lexe , Ma hias: Mi elhochdeu sches Taschenwö e buch. S. 97.
87 Vgl. Ha mann on Aue: E ec, Neuübe se zung. Mhd./Nhd. H sg., Übe s. u. Komm.: Me ens,
Volke . S. 673.
39
in abe unde sp ach:„i ie il ungewizzen“ (V.5842-5844) ode im O iginal ex
wi k die Ve wünschung Ha manns „Deshalb sei de e luch , das wünsche ich ihm!
- de den F auen Leid an u “ e was gelinde - „dâ on müeze e unsælîc sin“
(V.5770).
Feighei
Das Subs an i „Feighei “ s amm om mi elhochdeu schen eichei - Unheil,
Unseligkei 88, im Tex on „E ec“ is diese Zug abe mi Wo en zage, zagehei ,
zagen muo ausged uck . Im mode nen Deu sch bleiben die Wo e „ e zag , e zagen,
die Ve zag hei “ – „ohne Mu und Selbs e auen; kleinmü ig“ noch im Umlau .
Ridde lenk die Au me ksamkei au die Ta sache, dass ü die Ga ung on
Heldenepen ein bes imm e Typ on Held cha ak e is isch wa , de keine Angs kenn
ode sie o al un e d ück , s a dessen mach e seine Wu Lu , wenn e gegen seine
Feinde kämp : „Fea supp essed and age exp essed in ba le a e cen al elemen s o
he he oic wa io ideal.“89 Bis heu e leb in de Sp ache eine Redewendung „ein
Ri e ohne Fu ch und Tadel“. Doch in die Zei , als „E ec“ gesch ieben wu de, iel
ein Wendepunk im Ve häl nis zu Fu ch. An S elle on absolu e Fu ch losigkei a
Besonnenhei . Be nha d on Clai aux e s eh : „die Fu ch als die zen ale K a ,
die dem Menschen den Weg zu Go ese kenn nis und zu Kenn nis des eigenen Seins
weis .“90 Mi dem Au blühen de Hö ischen Kul u is die Vo s ellung on Tap e kei
komplizie e gewo den. Aues Übe legung übe Feighei in „E ec“ is seh weise und
seine Zei zu o gekommen, da in kann man soga bei den mode nen
Wissenscha le n einen bewiesenen Zusammenhang zwischen Angs und
Selbs e hal ungs ieb e a en: „swie ge ne ein man daz ü h en sol/dâ on sîn lîp en
wâge s â „(V. 8627-8628). Im ühe e wähn en Gese zbuch „Lex Salica“ is un e
ande en s a ba en Schmähungen das olgende e wähn : wenn man sag , dass jemand
seinen Schild au dem Kamp eld gelassen ha und das nich beweisen kann, muss e 3
Schillings bezahlen. Das is nich s ande es als ein indi ek o mulie es Ve bo ,
Menschen als „ eige“ zu beschimp en. Kohlmo gen e läu e die Au assung on dem
Schild e lus bei den Ge manen:
88 Duden online, Zug i am 02.09.2015 um 23:39.
89 Ridde , Klaus: Emo ion und Re lexion in e zählende Li e a u des Mi elal e s, In Codie ungen on
Emo ionen im Mi elal e , He ausgegeben on C.S ephen Jaege und Ing id Kas en. Be lin 2003. S.203.
90 Ebd. S. 218.
40
„Das P eisgeben des Schildes in de Schlach gal bei den
ge manischen Völke n als Feighei , da dies als ein Zeichen
unbehinde e Fluch angesehen wu de.“91
Es gib keine Beispiele in „E ec“, wo das Schimp wo „ eige“ (zage)
jemandem gla ins Gesich gesag wi d. Vielleich lieg es da an, dass es in de
Ri e sgesellscha als unakzep abel k änkend gal . Wi inden abe meh e e
Tex s ellen, wo du ch Au o enwo e das bes imm e Benehmen on diese ode jene
Figu zu Feighei gezähl wi d. Als Beispiel möch e ich das Folgende an üh en: De
G a mi seine Ge olge g ei E ec an, um ihm Eni e zu en eißen. Es komm zum
Kamp . Nachdem de G a on E ec schwe e wunde wi d, e suchen seine Leu e
ihm zu ächen; iele on ihnen schläg E ec o , de Res e g ei die Fluch . Hie
kommen ie Ha mann: „die ande n wâ en alle zagen:/die luhen âne nâch jagen.“
(V. 4226-4227) Aue e schä sein U eil mi de Beme kung „ohne e olg zu
we den“. Wie wi sehen, bekunde sich die Feighei hie in ih e he kömmlichen Fo m
als die Fluch om Schlach eld.
Im Ve se 4710 ha Keie den schimp lichen Beinamen a ge zage e dien . Als
eine gewöhnliche Ges al im A us oman ha e eine zwiespäl ige Na u . So
cha ak e isie ihn Ha man selbs : „küene an e elîchem age, /da nâch ein
we l zage“ (V. 4656-4657). Diesmal ha e e sich o genommen, den e wunde en
E ec zum A usho gegen seinen Willen zu b ingen und als seinen Ge angenen
o zus ellen. Diese Absich ha E ec abe ech zei ig du chschau und als Keie
selbs bewuss das Zaumzeug on E ecs P e d ass und seinen Willen du chzuse zen
e such , zieh Ri e e zü n das Schwe und hol zum Schlage aus: „sô wolde e dem
a gen zagen/ die han hân abe geslagen.“ (V. 4710-4711) Die Feighei Keies in
diesem F agmen zeig sich ganz o enba - kühn nu in Wo en, wag e sich nich zu
kämp en, genauso wie o he die Solda en des G a en wende e E ec den Rücken zu
und eiß aus: unde lôch âne s î (V. 4713).
Bei dem Kamp mi König Gui eiz wi d soga E ec de Feighei e däch ig .
Am An ang ha Gui eiz in ihm so o einen edlen Ri e au A en iu esuche e kann
und eingeladen, die K ä e mi ihm zu messen. E ec abe schein dem Kamp
auszuweichen. Hie kam bei König Gui eiz Ve dach au : „de he e dâh e:“e is
e zage /sî e sîne a bei klage “ (V.4366-4367) In Wi klichkei nimm E ec
91 Kohlmo gen, Jan: De Mi elal e liche Rei e schild: his o ische En wicklung on 975 bis 1350 und
Anlei ung zum Bau eines kamp auglichen Schildes, Wald-Michelbach 2002. S. 11.
41
Gui eiz nich e ns wegen seines läche lichen Äuße en und mach sich soga leich
lus ig übe ihm: „sus an wu e im du ch sînen spo “ (V. 4348)
Au allend is , dass E ec spä e doch Angs bekomm , da übe be ich e Ha mann wie
olg : „E ec il de oi Lac/ o h e las e und den ô “ (V.4407-4408). Wessen Tod ha
e ge ü ch e : seinen ode den on seinem Gegne und wo in konn e in diese
Si ua ion eine Scham ü E ec bes ehen? Vielleich and e es scham oll und gemein,
einen kleine en und schwäche en Ri alen zu ö en, ü den e den König on I eland
hiel . Wah scheinliche is abe die olgende Ve sion - da die Ri e in den Kamp
ein e en, ohne ih en Namen und Ränge zu nennnen, ü ch e E ec, einen Kamp
gegen einen unedlen Gegne zu e lie en und dami seine Eh e zu e le zen.
Ha mann sch eib , dass E ec seinem Gegne nachgegeben ha - wäh end des
Schwe kamp s e se z e e keine Schläge und schü z e sich lediglich. Da aus schloss
Gui eiz zum zwei en Mal, dass o ihm einen Feigling is :
„dô wânde e haben unden /einen zagen an dem gas e“ (V. 4419-4420)
Alle au gezähl en S ellen haben gemeinsam, dass Feighei , die im Leben meh e e
E scheinungs o men haben kann, in „E ec“ eindeu ig de Fu ch o dem Kamp
gleichges ell is .
Na u gemäß zeig de Ri e oman eine besonde e Au me ksamkei beim
Thema de Feighei . Im Lau e des Romans beweisen die Helden ih e manhei au
Tu nie en und A en iu en. Ha mann un e läss es nich , dem Lese die
Une sch ockenhei de Helden meh mals zu e siche n. Imme wiede e wähn e ,
dass E ec - „des ich in il siche sage:/ e enwas doch nih ein zage“ (V. 6906-6907)
ode Gui eiz - „ on des selben manhei /is uns wunde gesei “ (V. 4280-4281) und
schließlich alle beide keines alls eige sind: „zesamene i en zwêne man/de ie wede
nie gewan/zagehei dahein eil“ (V. 4382-4384). Es schein zu den meis ge ü ch e en
Un ugenden zu gel en, als eige be ach e zu we den. In E ecs zwei em näch lichem
Kamp , de aus einem Miss e s ändniss mi Gui eiz en s eh , geh es auch da um, zu
beweisen, dass e kein Feigling is :
e sp ach ze ouwen Ênî en:
" ouwe, ich hoe e î en
engegen uns ein michel he .
nû enwil ich âne we
alsô zagelîchen
ûzem wege nih en wîchen. (V.6878-6883)
Diese Ta be eu E ec spä e und sieh in seinem Benehmen keine Kühnhei , sonde n
Übe mu : „ie on umphei muo gewan/sô g ôze unmâze“ (V. 7013-7014). Gemäß
48
sich zum Schimp en zu e nied igen, und mi e enden Wo en b ingen sie die
Si ua ion au den Weg, de ihnen nü zlich is . Insgesam s eh die sp achliche
Unbehol enhei dem Ri e bild e n. E soll umgekeh seh edegewand sein. In den
Ve sen 9065-9066 on „E ec“ sp ich de Haup held selbs k i isch nich nu übe das
P ahlen (giuden) Mabonag ins, sonde n auch übe sein eigenes: „unse einem ode uns
beiden/is daz giuden ga gelegen“. Obwohl E ec nich schimp , gieß e mi seinen
Wo en deu lich Öl ins Feue . So cha ak e isie Ma in H. Jones seine
Sp achs a egie: „zum g öß en Teil weich E ec den F agen seines Gegenübe s aus, e
gib knappe und nich ssagende ode p o okan e An wo en.“106 De Wissenscha le
b ing auch ande e Beispiele he bei, wo Ha manns Iwein ode Lancelo aus de
E zählung on Ul ich on Za zikho en ähnlich handeln. Soga Lis (du ch schœnen
lis (V.5644)), wenn angewende mi gu em Zweck, wi d in Ri e omanen nich
ab ällig beu eil .107
Mabonag in is die wide sp uchs olle Figu . E is eine sei s als edle Ri e
da ges ell , bewa ne mi Schwe in de p ach ollen Rüs ung, mi eine Dame neben
ihm. Abe ande e sei s gib es iel Wildes und Hö ischkei wid iges in seine Ges al .
E wi d besch ieben als Mann on ungeheu e G öße: „boumga en he e/ was lanc
unde g ôz, / il nâch isen genôz“ (V.9011-9013). Das e leih seinem Bild e was
Mä chenha es, eine A Ve wand scha mi den Riesen, die, wie ühe e wähn ,
Ungezogenhei und b u ale Gewal symbolisie en. Übe die Blu gie Mabonag ins
sch eib Ha mann: „ich waene sîn he ze bluo e/ swenne e nih ze eh enne an :/sô
mo dic was sîn han “ (V. 9021-9023). Die Vo kamp sdialoge on E ec und
Mabonag in zeigen gu , wie de le z e e eine nach de ande en mi den Si en on
hö ischen Reden b ich . Mabonag ins S imme wa on wei em zu hö en.
Beme kenswe is , dass e D ohwo e auss öß , lange be o e in E ecs Nähe komm :
„de unde wan sich g ôze d ô„ (V.9014). De Au o e gleich seine S imme mi
einem Ho ns oß:
nû gehô e e eine s imme
s a c und g imme,
diu lû e sam ein ho n dôz (V. 8992-8994)
Das wi k seh ba ba isch und un i e lich, als ob Mabonag in seinem Gegne mi
lau em Sch eien Sch ecken einjagen will. In ielen ühe en Dialogenszenen in „E ec“
106 Ebd. S. 154.
107 Vgl. Zo z, Thomas: Odysseus im Mi elal e ? Zum S ellenwe on Lis und Lis igkei in de Kul u
des Adels. in: Die Lis , hg. on Ha o on Senge . F ank u a.M. 1999. S. 212-240.

49
be on Ha mann, dass die Gegne , be o sie mi dem Sp echen ange angen haben,
sich einande genähe haben, um die jeweilige Hö wei e zu e eichen und S imme
nich zu e höhen: „unz e in sô nâhen kam/ daz daz ge we c die ede e nam“ (V. 74-
75) ode „ze des i e s gehœ de e sp ach“ (V. 685) und „als Ê ec sô nâhen kam/
daz e sîniu wo e nam, /e sp ach“ (V.4324-4325). Ha mann sch eib , dass
Mabonag in E ec „ech g ob, wie unedle “ beg üß e: „und g uoz e in ein eil as e“
(V.9025). Es is nich kla , was Ha mann hie un e „unedle G uß“ e s eh . Ha de
o e Ri e die Ze emonie om hö ischen G uß ganz und ga unbe ücksich ig gelassen
und so o mi F agen ange angen ode sind die Wo e Mabonag ins gemein , die de
Au o im Tex nich an üh :
nû ei e zuo dem gas e
und g uoz e in ein eil as e,
gelîch einem übelen man.
e sp ach:" alschae e, nû sage an,
we hiez iuch de ouwen sô nâhen gân? " (V. 9024-9028)
Au ällig is , dass das e s e Wo , was E ec on Mabonag in hö , eine Beschip ung
is . E nenn ihm alschae e, nach Lexe „T eulose , Ve leumde ; Be üge usw.108.
Die D oh- und Schimp wö e sind „Wa en“ in diesem e balen Kamp , die
Mabonag in e wende und E ec umgekeh aus Hö ischkei da au e zich e .
Wäh end des S ei s kommen olgende Schmähwo e aus Mabonag ins Mund:
„ alschæ e, nû sage an“ (V. 9027), „ez is eh il œ lich“ (V.9030), „wes is di ,
umbe gouch, gedâh ?“ (V.9044), „ez wi di ein il leidez spil“ (V.9046). E ecs
„Wa e“ is die Geleh samkei . E demons ie sie, wenn e kuns oll au die
Bed ohungen Mabonag ins mi eine Fabel an iken U sp ungs an wo e . Die
Geschich e übe zwei Be ge, die eine Maus gebä en, is on Äsop gesch ieben, spä e
e a bei e on Ho az in seine „A s poe ica“. De Sp uch „Pa u ien mon es,
nasce u idiculus mus“, ich e Ho az gegen Dich e , die iel e sp echen und wenig
hal en, E ec gegen Mabonag in, de den g oßen Mund üh . Mabonag in beginn mi
E ec pe Sie zu sp echen z.B. „wa umbe sihe ich iuch gewâ en sîn?“ (V.9040) doch
spä e duz e ihn: „wil û eh en wide mich?“ (V.9042). E ec benu z abe den
Hö lichkei splu al „i “ bis zum Ende.
Das Obengesag e übe wohl die wich igs e Funk ion on Schimp wö e n im Roman
möch e ich mi einem Zi a aus Tina Te ahes A ikel zusammen assen:
„Speziell bei Ha mann komm den Reiz eden abe noch
108 Lexe , Ma hias: Mi elhochdeu sches Taschenwö e buch S. 263.
50
eine wei e e Funk ion zu (…) da e besonde s in diesen
Kamp dialogen hö isches Sp echen beispielha o üh
und den Kon as zum unhö ischen Schimp en be on .“109
Alles, was sich aus Mabodag ins Episode schließen läss , is auch ü den Res des
Roman ex es gül ig. E ec schimp nich , mi Ausnahme on den Wo en hund
(V.1050) und wênige (V.76), die e ganz am An ang on seinem A en iu en-Weg
allen läss , wah scheinlich wegen seine Jugend und Une ah enhei .
Anhand de Episode on Eni es Klage e suchen wi die le z e Funk ion on
Schimp wö e n im Roman zu o mulie en. Diese Klage is meine Meinung nach eine
emo ionelle Spi ze des Buches. Es genüg selbs au die Häu igkei on
Aus u ezeichen hinzuweisen. Eni es Fluchen und Schimp en e leihen diese
Romans elle eine besonde e Ausd ucksk a und Spannung, womi Ha manns Tex
sein Epizen um e eich :
daz i he ze nih zeb ach
on leide, daz was wunde .
sich eil e dô besunde
on des jâme s g imme
eh e enzwei i s imme,
hôhe unde nide e. (V. 6075-6080)
Obwohl de Au o Eni e und das ganze weibliche Geschlech zum hil losen
Selbs quälen und passi en Wehklagen e u eil : „wan si ande s nih enmegen„ (V.
5769) inden wi bei de au me ksamen Analyse in de Klage on ih Vieles, das mi
Ha manns U eil s ei e . Wollen wi zunächs zugeben, dass die Sp ache auch eine
Ak i i ä is . Un e klagen e s eh man gewöhnlich - seine Nö e au zählen, Jamme n,
Tadeln, Mi leid mi sich e langen, zu Hil e an u en. Das alles gib es in Eni es Rede,
wie zum Beispiel: „an mi il go es a men“ (V.6032), „e hâ mi a men wîbe“
(V.5996), „ich muoz eh unsælic sîn“ (V.5992) usw. Es handel sich abe da um, dass
Eni e sich in ih en Monologen nich au bloße passi e Wehklagen besch änk , denn
sie en häl deswei e en Bed ohungen, Au o de ungen, Schimp e und Flüche. Dami
nimm die F au die Si ua ion in ih e Hände, und e such mi de K a des Wo es
(da an wu de im Mi elal e noch ganz e ns geglaub ) die Go hei zu beein lussen
und e was zu e ände n:
dô si de ede il ge e e
und si den ô mi i be e
nih moh e übe winden
noch i willen inden (V. 5908-5911)
109 Te ahe, Tina: „Nu le ne, waz s e ben si!“ S. 142.
51
Eni e handel ak i , egal wenn nu e bal. Zu de k ä igs en A on e bale
Ak i i ä gehö en wohl die Schimp wö e , die Eni e in ih e Klage benu z . Zählen
wi nu eine nach dem ande en alle ih e D eis igkei en au :
1) Eni e übe häu den Tod mi bösen Wo en, die im Ve gleich mi ande en
K a ausd ücken des Romans seh mild o mulie sind, abe bes imm agg essi
gemein sind und deshalb können sie nach Aman110 als Schimp wö e de inie
we den. Eni e mein , dass de Tod es nich e dien , dass sie gu übe ihn sp ich :
ande s dan dû soldes ,
ob dû gedienen woldes
daz ich di imme sp aeche wol. (V. 5937-5938)
Also sie beschimp den Tod:“ il übele Tô “(V.5915), „daz dû e luoche sîs !”
(V.5916), „(…) dû gîs dîne unbescheidenhei !“ (V.5917-5918), „dû sîs mi alsche
beladen“ (V. 5920).
2) Eni e mach dem Go selbs einen Vo wu und e lang on ihm, dass e sein
Wo häl , das in einem de E angelien111 gegeben wu de, und sie nich mi E ec
scheide :
ein wo daz dû gesp ochen hâs ,
und bi e dich daz dûz s ae e lâs ,
daz ein man und sîn wîp
suln wesen ein lîp,
und ensunde uns nih ,
wan mi ande s geschih
on di ein un eh gewal . (V. 5824-5830)
Im Lau e de Klage such Eni e den Schuldigen im unge ech en Tod ih es Mannes.
E s sch eib sie die Schuld dem Tod zu: „wan dû nims gâhes daz leben/ einem
alselhen man/ den diu we l nih übe winden kan“ (V.5925-5927) spä e sich selbs :
„des ôdes wae e e hie e lân, / ob ich in d û nih hae e b âh .“ (V. 5947-5948)
danach Go : „daz mi go hâ benomen/ den alle liebis en man“ (V. 6043-6044) und
schließlich dem Schwe :
"ouwê, e luoche sî diu s unde
daz man dich ie smiden began!
dû hâs ge oe e mînen man. (V. 6087-6089)
Als sie e such , mi dem Schwe Selbs mo d zu begehen, will sie an ihm E ecs Tod
zu ächen, wenn sie die Klinge zwing ein unschuldiges Leben zu nehmen: „dû muos
110 siehe S. 10 de o liegende A bei „jedes Wo , das agg essi e wende wi d, ein Schimp wo “.
111 „Da um wi d de Mensch Va e und Mu e e lassen und wi d seinem Weibe anhangen, und
we den die zwei ein Fleisch sein. So sind sie nun nich zwei, sonde n ein Fleisch.“ (Ma kus 10:7)
52
noch mo des mê begân“ (V. 6109).
Au G und de Klage Eni es kommen wi zu dem Schluss, dass die le z e Funk ion de
Schipm wö e in „E ec“dazu da is , is dem Gesch iebenen eine D ama ik zu
e leihen.
Schluss olge ungen
Wenn mich jemand agen wü de, wa um ich un e meh e en mi elal e lichen
Li e a u we ken ge ade „E ec“ on Ha mann on Aue als G undlange ü meine
Schimp wo scha ze o schung gewähl habe, wä e die eh liche An wo , dass ich mi
diesem Roman ein ach am bes en e au wa . Sons könn e man glauben, dass es in
„E ec“ besonde s iele Schimp wö e im Ve gleich zu ande en mi elal e lichen
We ken gib . Nein, ich kam ehe zum gegensä zlichen Schluss - die Beschimp ungen
in „E ec“ sind ganz kä glich. Es gib d ei Schimp wö e mi Tie namen, neun
Ve wünschungen und de Res de Wö e beschimp nega i e menschliche
Cha ak e züge wie Dummhei , Feighei , Geschwä zigkei , Uneh enha igkei . Alle
sind ohne ex eme G obhei o mulie . Jede nega i e Zug is ein ach mi seinem
eigen lichen Namen beschimp , z.B. wenn es um Dummhei geh , schimp en die
Helden einande mi ô e, umbe, wenn um Feighei mi zage usw. Uneh enha igkei
on e schiedene A is mi Wo en – diep, sunnen haz, schalc, üble hû
ausged ück . Ve s ä k wu den diese beleidigenden Benennungen mi eine
bescheidenen Zahl on nega i en Adjek i en wie – a c, übel. z.B a ge zage, a ge
schalc usw.
Meine in de Ein üh ung geäuße e e s e Au gabe habe ich ollende - alle
sogenann en schlech en Wo e des Romans wu den ge unden und in eine Tabelle am
Ende gesammel und so ie (siehe Anhang). Es wu de 31 Fälle de Ve wendung on
schlech en Wö e n ge unden. Nich alle un e diesen einundd eißig wu den abe zum
Beschimp en in de Fo m on de di ek en Rede benu z . Ich sammel e auch nega i
ge ä b e Lexik in den Wo en des Au o s. Die meis en Schimp wö e sind E ec zu eil
gewo den, wäh end e selbs nu zweimal den echen Zwe g on Ide s beschimp .
Obwohl E ec meh mals im Lau e de Handlung zo nig wi d: „sîn zo n wa g ôz und
ungemach“ (V. 4263), „daz wa Ê ecke al ês zo n“ (V.4704), „e hâ e zo nes
genuoc“ (V. 6620) e lie e nich die Kon olle übe seine Zunge. So muss es sein,
da e eine zen ale Figu des Romans is und das hö ische Ideal e kö pe .
„(…) so he sch doch g undsä zlich Konsens übe die
Annahme, dass Ha mann hö isches Sp echen anhand
53
seine P o agonis en exempli izie “112
G öß e Schimp e im Roman is Bu gg a Galoain, denn au seine Rechnung
kommen 6 Beschimp ungen. Die Schimp wö e können e schiedenen G ad on
Vulga i ä haben. Welches Schimp wo im Roman als das beleidigendes e gil , kann
ich nich genau sagen, mi schein übel hû (V.6524) das de bs e Schmähwo zu sein,
zue s wegen des Kon ex es diese Beschimp ung - dami wi d eine edle F au o
allen Augen beim edlen Mann beschimp , deshalb is es ein auße o den lich
unhö liche Fall. Die An wo au die F age, ob nu Männe ode auch F auen im
Roman schimp en, is leich o he sehba - F auen igu en sind in "E ec" insgesam
wenig, noch wenige sind die, die Ha mann ak i handeln und sp echen läß . Eni e
mach jedoch eine Menge on Ve wünschungen wäh end ih e Klage und beschimp
auch den Tod, abe ohne de be Wo e zu benu zen.
Die Schimp wö e e üllen im Leben de Menschen meh e e Funk ionen,
sons wü den sie in den Sp achen nich exis ie en z. B.:
- Ab eagie en des Ä ge s, Zo ns und ande e nega i e als auch posi i e Emo ionen;
- e bale Ang i au Opponen en;
- Wechsel on Tonali ä de Kommunika ion on o iziellen zu zwanglosem Umgang.
Von dem Momen ab, wenn Schimp wo niede gesch ieben wi d, kann es auch ü
Folgendes benu z we den:
- das Buch on Melissa Moh (siehe Bibliog aphie diese A bei ) mi dem Ti el „Holy
Sh* “ demons ie eine in e essan e Funk ion on gesch iebenen Schimp wö e n.
Obwohl de Ti el dem Inhal ih e E o schung en sp ich , wu de e auch nich ohne
Absich als P o oka ion gemach , um Au me ksamkei au die Publika ion zu ziehen
und die Ve käu e zu s eige n;
- das Schimp wo is in de Li e a u ein Mi el zu E scha ung des Komischen. Zum
Beispiel haben die kleinen S ücke des mode nen uk ainischen Küns le s und
Sch i s elle s Les Pode ianskyi olle un lä ige Flüche eine Menge on Leu en zum
Lachen geb ach und ih em Au o Popula i ä geschenk ;
- im 19. Jah hunde wu de die Kuns ich ung des Realismus gebo en. In de
ealis ischen Li e a u mi dem Benu zen on Schimp wö e n konn e eine Sp ache
on Deklassie en nachgeahm we den, um dami zu Au hen izi ä de E zählung zu
gelangen. Mi Hil e on Schimp wö e n wi d ein sp achliches Po ai on einem
Li e a u helden da ges ell , seinem Reden wi d Eigena igkei hinzuge üg . Fü solche
112 Te ahe, Tina: „Nu le ne, waz s e ben si!“. S. 142.

54
Sch eib echniken wa abe die Li e a u des Mi elal e s noch zu jung.
Wozu dienen die schlech en Wo e konk e im mi elal e lichen hö ischen
Roman on Ha mann on Aue?
1) Sie sind in eg ie im Reden on nega i en Figu en um ih e Schlech igkei ,
„Unhö ischkei “ zu zeigen und den Kon as zu hö ischen Manie en und Sp ache on
posi i en Helden zu k eie en:
„(…) nega i gezeichne en Figu en – Ide s, die beiden G a en
und die Riesen - die sich mi Fluchen und P ahlen, mi Spo und
He abse zung he o un und so schon du ch ih e Sp ache ih e
Boshei bezeugen.“113
2) In de Romanepisode mi scheinba em Tod E ecs sind Flüche on Eni e ein Mi el
um die Handlung zu d ama isie en.
3) Wegen des Kon as s des zu hohen Redes ils on E ec k eie en die Schmähwo e
einen komischen E ek in de Episode mi zwei schimp enden Riesen.
Am Mo gen de Ge manis ik wu den in den hö ischen Romanen Be ich e aus
dem ealen Leben on de Zei aus gesehen. Heu zu age he sch die Meinung, dass
die Tex e iel idealisie e Vo s ellungen p äsen ie en, da in sieh die Ge manis ik
lediglich Disku sbei äge. Da damals keine kla e Abg enzung zwischen schöne
Li e a u und Wissenscha exis ie e, lohn es sich, übe eine Mischung aus
Geschich sch eibung und Un e hal ungs ex en zu sp echen.
Bezüglich des Schimp ens und de Hö ischkei , de en Ve bindung zu
e o schen als nächs es A bei sziel in de Einlei ung dekla ie wu de, möch e ich das
Folgende sagen - im Mi elal e wu den das Gu e und das Übel, das Schöne und das
Hässliche on hö ischei Konzep bes imm . Das Schimp en s ell e damals du chaus
eine „unhö ische“ E scheinung da – e s ens p äsen ie e es ein Beispiel on
sp achliche Unmäßigkei , zwei ens Bäue lichkei , d i ens unmännliches Be o zugen
om Wo o de Ta . Fü den Ri e wa es schändlich, den Gegne zu beschimp en
und insgesam iel zu iel eden. Bekann is ein Ideal de Zei – ein Mensch on Ho ,
de Gläubige. E ec u Go o zu Hil e, o dem wich igem Finalkamp mi
Mabonag in besuch e eine Ki che und in allen Si ua ionen bleib e hö isch. De
Beg i des Gö lichen e schmilz soga mi dem Beg i des Hö ischen. Als
Nachweis dienen die olgenden S ellen im Tex : E ec be ei den Ri e Cadoc und
bes a die unhö lichen Riesen zu Tode dem „hö ischen Go “ zuliebe: „e s ach in
113 Bumke, Joachim: De „E ec“ Ha manns on Aue. S. 126.
55
zuo de e de ô / als ez de hö esche go gebô .“ (V. 5516-5517). Ode im Ve se 3461
is die Hö ischkei Go es e wähn : „und daz diu go es hö eschei “. B aun und
He be ichs ziehen ein beme kenswe es Fazi da aus, sie sch eiben, dass E ec wi d
“zum Ve eidige eine hö ischen O dnung, die auch als gö liche O dnung
gekennzeichne is “114 Lexe s Wö e buch deu e hö eschei als „ ein gebilde es und
gesi e es Wesen und Handeln; Schönhei “115. In unse e Zei kam das Wo „hö isch“
auße Geb auch und ans o mie e sich in das all ägliche „hübsch“ und „hö lich“. Die
Eins ellung zum Schimp en ha sich auch wesen lich e ände . Selbs e s ändlich is ,
dass sowohl im Mi elal e als auch heu e das Phänomen des Schimp ens nich posi i
be ach e wu de. De Un e schied lieg da in, dass im Mi elal e Schimp en noch den
Bezug zu Religion (Wo sünde) und iel es e e als heu e Hingehö igkei zu sozialen
Klasse (Schimp en als A ibu on Pöbel) bewah e.
Das Wo « i e lich» is heu e du chaus posi i e s anden: «edel, o nehm,
ans ändig, ai und zu o kommend, hö lich und hil sbe ei (besonde s gegen
F auen)»116 lesen wi im Duden Wö e buch. Schimp en im Ri e oman zu e o schen
kling eilweise pa adox. Was binde hö ische Roman übe o bildliche T eue,
Hochmu , Minne mi Schimp en zusammen? Wenn de Lese e we liche Wo e und
Ta en e wa e , dann bes imm nich on de Sei e de Ri e . Doch A no Bo s (1925-
2007), eine de bedeu ends en His o ike und Mediä is en zeig , dass de eale
mi elal e liche Ri e o kein Vo bild on Edelmu wa :
,,Das Leben im Tu m spiel e sich im lä mendem Ged änge ab. Man
saß dich beieinande au langen Bänken und g i sich das Fleisch
aus de Schüssel mi den Finge n, was üb igblieb, schnapp en die
Hunde ode iel ins S oh, den kal en Boden deck e. Lesen und
sch eiben konn en die He en sel en. Höchs ens ließ sich eine
o lesen on gewal igen Recken, die wa en, wie e sie sich wünsch e,
muskels a k, ollkühn, on une schöp lichem Appe i . Man wa ehe
abe gläubisch als omm; die F auen wu den geach e und iel
geschlagen. „„117
Die hö ische Li e a u schweb zum g oßen Teil in Wolken und k eie ein Ideal des
Ri e s. E ec und A u s Ta el unde sind in de Li e a u de e wi klich e T aum on
de seelischen und physischen Vollkommenhei :
il i e lîchen s uon sîn muo :
114 B aun, Manuel; He be ichs, Co nelia: Gewal im Mi elal e , Reali ä en. München 2005, S. 366.
115 Lexe , Ma hias: Mi elhochdeu sches Taschenwö e buch. S.94.
116 Duden online, Zug i am 16.08.2015 um 13:06.
117 Fuh mann, Ho s : Einladung ins Mi elal e . München 1989. S. 57.
56
an im enschein nih wan guo ,
îch und edel was e genuoc,
sîn he ze niemen nî en uoc.
e was ge iuwe
und mil e âne iuwe,
s ae e unde wol gezogen,
sîniu wo unbe ogen,
s a c schoene und manha .
an im was alle ugende k a . (V. 2730- 2739)
Suchen wi nach eine his o ischen Wah hei im Roman, so wi d sie sich
wah scheinlich du ch solche Figu en wie die beiden G a en zeigen, die au de einen
Sei e adelige Abkun sind, und sich au de ande en une wa e legelha benehmen.
De hö ische Roman im Mi elal e dien e zu Un e hal ung abe auch zum Beleh en.
Die gu en Beispiele au ih en Sei en soll en den Wunsch zum Nachahmen e egen und
die schlech en im Gegen eil den Lese empö en. Vielleich ha „E ec“ on Ha mann
ielen Menschen edelmü iges Benehmen inspi ie .
Im Lau e de A bei habe ich Kon ak mi de Sp achwissenscha le in Oxana
Ga yli au genommen, die ih e We ke den Schimp wö e n im ös e eichischen
Deu sch gewidme ha und dami bekann gewo den is . Sie ha mi ein paa We ke zu
meine Bibliog aphie emp ohlen, wünsch e mi iel E olg und sch ieb dazu noch -
„was e bale Agg ession anbe i , wa das Mi elal e eine seh p oduk i e Zei “.
Leide wu de es anhand „E ecs“ Beispiel nich bewiesen. Obwohl de
Schimp wo scha z on „E ec“ sich als a m gezeig ha , da man anhand eines
We kes keine Konsequenzen übe ande e hö ische Romane ziehen, umso meh nich
übe ealen Umgang mi Schimp wö e n im Mi elal e .
De hö ische Roman en häl so iele De ails, dass bis heu e nich alles e schöp end
analysie wo den is . Ich bin übe zeug , dass die mi elal e lichen Tex e wei e
au me ksam gelesen we den sollen un e e schiedenen Gesich swinkeln, was de
Mediä is ik nu Nu zen b ingen wi d. So kann man ielleich eines Tages au e was
We olles s oßen, daß die ande en übe sehen haben.
57
Anhang
Schimp wo scha z in „E ec“
Ve se
Mhd.
Nhd.
Beme kungen
Tie namen (3)
V.1050
ich nim diesem hunde ein
gæbe phan :
Ich nehme on diesem Hund
E ec übe den
Zwe g
V.5452-
5453
eh e a e, nû sich,/
dû unwi des dich
Blöde A e, sieh doch, Du
machs dich läche lich
Riese zu E ec
V.5481
möh e ich an di dehein ê e/
begân ode deheinen uom/
ich zeb æche dich als ein
huon.
Könn ich Eh e ode Ansehen an
Di gewinnen, so ze isse ich Dich
wie ein Huhn.
Riese zu E ec
Flüche (7)
V.4086
dem slâ e luoch e e sê e.
Lau e luch e e den Schla .
G a Galoain
V.4093
e luoche sî diu s unde
/daz ich hînah en slie .
Ve luch sei die S unde, in de
ich heu e nach einschlie .
G a Galoain
V.5770-
5773
dâ on müeze e unsælîc
sin,/des wünsche im de
wille mîn,/swe den wîben
leide uo ,/wan ezn is
manlîch noch guo .
Deshalb sei de e luch das
wünsche ich ihm! - de den
F auen Leid an u , denn das is
wede ap e noch ech .
Au o luch .
V.5915-
5916
wê di , il übele Tô !/daz
dû e luoche sîs !
Weh di , bösa ige Tod! Sei
e luch !
Eni e
V.5955-
5956
daz e luoche sî de
ac,/dô ich die ede uo e!
Ve luch sei de Tag, da ich
da an üh e,
Eni e
V.6084-
6088
il lû e sch îende si
sp ach,/dô si daz swe ane
sach,/ mi klegelîchem
munde:/„ouwê, e luoche
sî diu s unde/ daz man
dich ie smiden began!
Gellend ie sie, als sie das
Schwe be ach e e, mi
klagendem Munde: „Oh, weh,
e luch sei die S unde, da man
dich schmiede e
Eni e
V.6505-
6506
iuwe umphei ich iu
e ban./ nû ezze du ch den
willen mîn.
Eu e Dummhei e wünsche ich.
Eß je z , ich will es!
G a O ingles zu
Eni e
Sons ige (2)
V.4791-
4792
den iu el ich mi selben
weiz/ daz ich mi nih san e
kunde leben:
zum Teu el, ich weiß es selbs
nich ,wa um ich nich uhig
bleiben konn e,
Keie übe sich
selbs
V. 3775
daz in go elle
Go s a e ihn!
G a Galoain
übe E ec
64
P ei e , Wol gang: E ymologisches Wö e buch des Deu schen. Be lin 1989.
P ei e , He be : Das g oße Schimp wö e buch. F ank u am Main 1996.
Wah ig, Ge ha d: Deu sches Wö e buch, Be elsmann Lexikon e lag, Gü e sloh 1999.
In e ne quellen:
Mi elhochdeu sche Beg i sda enbank an de Uni e si ä Salzbu g. Un e :
(h p://mhdbdb.sbg.ac.a /) Abge u en am 03.09.2015
Duden online (h p://www.duden.de) Abge u en am 24.08.2015