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Der böhmische Wind als Sinnbild der Vertreibung in der Literatur der BRD in den 1970er und 1980er Jahren

Malenínská, Eugenie

Abstract

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Full text

De böhmische Wind als Sinnbild de Ve eibung in de Li e a u de BRD in den 1970e und 1980e Jah en Eugenie Maleninská– Ins i u ü Ge manische S udien, Ka ls -Uni e si ä P ag ABSTRACT The Bohemian wind as asymbol o expulsion in he Wes Ge man li e a u e o he 1970sand 1980s In se e al ic ional ex s on ligh and expulsion o Ge mans om Czechoslo akia, which we e published in he FRG in he 1970sand 1980s, na a o s men ion he Bohemian wind as awell -known na u al phenomenon, making i acommon mo i in hese ex s. The a icle p esen s he seman ics o he me eo ological concep and examines i s unc ionaliza ion in he ic ional ex s o he pe iod because his mo i plays an impo an ole in he li e a y in e p e a ion o he his o ical e en o expulsion. KEYWORDS li e a u e on ligh and expulsion, memo y s a egy, memo y na a i e, cul u al memo y, li e a y mo i , bohemian wind 1 EINLEITUNG Die li e a ischen Da s ellungen de Fluch und Ve eibung und des deu sch sche- chischen Kon lik s allgemein be uhen o au eine g undsä zlich objek i ie enden E - inne ungss a egie, bei de die his o ischen E eignisse aus de ik ionalen Geschich e au di e se Bes and eile de Semiosphä e bezogen we den. Die da ges ell en E eig- nisse und E ah ungen de ik ionalen Figu en, dessen Ke n die E inne ungen an die Fluch und Ve eibung bilden, we den au die in de Kul u be ei s exis ie enden Themenkomplexe und Sinnbilde gebunden und somi au eine bes imm e Weise in e p e ie . Václa Smyčka besch eib dieses Ve ah en in seine Monog aphie Das Gedäch nis de Ve eibung (2019) als einen de Mechanismen, mi hil e de e die Inhal e des kommunika i en Gedäch nisses ins kul u elle Gedäch nis übe üh we - den (Smyčka 2019: 77). E a bei e dabei mi dem Beg i des Symbols als einem de S abilisa o en de E inne ungen, den Aleida Assmann in E inne ungs äume: Fo men und Wandlungen des kul u ellen Gedäch nisses (2010 [1999]) e läu e : „Die E inne ung, die die K a eines Symbols gewinn , is on de e ospek i en Deu ungsa bei an de eigenen Lebensgeschich e e aß und in den Rahmen eine bes imm en Sinnkon igu- a ion ges ell .“ (Assmann 2010: 257) Wäh end Aleida Assmann Symbole als psychische 138 BRÜCKEN 31/1 S abilisa o en in Bezug au indi iduelles E inne n analysie , ex apolie Václa Smyčka diesen Mechanismus au kollek i es Gedäch nis. In diesem Sinne beobach e e in de belle is ischen Ve eibungsli e a u die deu ende E inne ungss a egie, bei welche E inne ungen au dem Hin e g und on un e schiedlichen kul u ellen Folien in e p e ie we den, und s ell ü die E inne ungskul u um die Jah ausendwende d ei Deu ungs olien es (die ch is liche, die geschich liche und die my hopoe ische; Smyčka 2019: 78). Die on Václa Smyčka analysie en deu schen und schechischen Romane lie e n Beispiele, wie diese Folien in den ik ionalen Tex en zu di e sem G ad ak ualisie we den können. Manchmal bes immen sie die Plo s uk u de Romane mi ; ode sie we den du ch die im Tex ze s eu en e einzel en Ve weise angesp ochen; ih e Wi kung kann auch lediglich au das pa a ex uelle Signalisie- en des ideologischen Rahmens des E zähl en besch änk we den. Allgemein wi d jedoch au die Ge ah des Deu ens als de E inne ungss a egie hingewiesen, die in de Reduk ion de Komplexi ä beide au einande bezogenen kul u ellen En i ä en bes eh , wäh end diese bei de nach äglichen Sinnkon igu ie ung in de sich en - al enden E zählung aneinande seman isch angepass we den: „Es e möglich eine Ve eindeu igung de sons kaum übe schauba en Komplexi ä de geleb en Wel “. (Smyčka 2019: 78) In de ühe en Phase de Einne ungskul u an die Fluch und Ve eibung aus den schechoslowakischen Gebie en, welche sich in den Tex en de 1970e und 1980e Jah e wide spiegel , inden sich wie in de spä e en, on Smyčka besch iebenen Zei spanne, Romane und E zählungen mi de geschich lichen und de ch is lichen Deu ungs olie. Auße dem we den meh e e Tex e du ch ein gemeinsames Mo i des böhmischen Windes gep äg : In einigen Tex en a ancie dieses Mo i dank seine Na u e bundenhei und ideologisch au geladenen Ve wendung zu einem deu enden Sinnbild, in ande en is es schwäche ausgea bei e . Im Folgenden wi d zue s das me - eo ologische Konzep ‚böhmische Wind‘ (auch ‚Böhmwind‘ genann ) o ges ell , um das u sp üngliche Sinnpo enzial zu e assen, aus welchem in den ik ionalen Tex en geschöp wi d. Da au olg die Analyse de Ve wendung des Mo i s des böhmischen Windes in de Ve eibungsli e a u de gewähl en Zei spanne, die zeigen soll, wie das his o ische E eignis in den ik ionalen Tex en gedeu e und in de Semiosphä e e anke wi d. 2 SEMANTIK UND FUNKTIONEN DES MOTIVS DES BÖHMISCHEN WINDES IN DER VERTREIBUNGSLITERATUR Eine g oße S abili ä in dem gewähl en Ko pus 1 weis das Mo i des böhmischen Windes au , das in den Romanen und E zählungen de 1970e und 1980e Jah en o komm und in manchen Tex en zum Sinnbild de Ve eibung als Ende de ge- meinsamen Exis enz de Deu schen und Tschechen e hoben wi d. Obwohl das Mo i 1 Das zu analysie ende Ko pus de Li e a u übe die Fluch und Ve eibung de Deu schen aus den schechoslowakischen Gebie en nach dem Zwei en Wel k ieg, die in den 1970e und den 1980e Jah en publizie wu de, is mi hil e de Bibliog a ie on Axel Do nemann Fluch und Ve eibung aus den ehe‑ maligen deu schen Os gebie en in P osali e a u und E lebnisbe ich sei 1945 (2005) gebilde und en häl insgesam 93 Romane, E zählungen und E zählbände. 139EUGENIE MALENINSKÁ in den Dig essionen de E zählins anzen nich di ek gedeu e wi d, lassen sich des- sen Implika ionen au g und de e gleichenden Be ach ung seine Ve wendung in di e sen ik ionalen Tex en de aillie e cha ak e isie en. ‚De böhmische Wind‘ (bzw. ‚Böhmwind‘) is ein me eo ologische Beg i , de einen lokalspezi ischen kal en Fallwind bezeichne , welche beim Übe s ömen de Gebi ge du ch die angesammel e kal e Lu masse en s eh : böhmische Wind: aus dem Böhmischen Becken mi ös lichen Lu s ömungen übe die Pässe und Kämme de Höhenzüge an de Os g enze Baye ns (Obe p älze Wald, Böhme wald/Baye ische Wald) ein allende böige , kal e Fallwind; i am Süd and eines Hochd uckgebie es übe dem ös lichen Mi eleu opa au . (Schi me 1987: 70) In einigen ande en Quellen wi d diese Na u e scheinung de aillie e besch ieben: De böhmische Wind is die Folge eines Hochd uckgebie s, das übe dem Böhmi- schen Becken lieg , so dass die bodennahe Lu on do bes eb is , in die umlie- genden Gebie e ie e en Lu d ucks abzu ließen. […] Die Randgebi ge, die Böhmen an d ei Sei en umgeben, e hinde n das Ab ließen de schwe e en Kal lu nach Süden, Wes en und No den; nu wo diese Gebi ge Passlagen ode Du chb uchs- äle haben, is ein D uckausgleich möglich. Do s öm die in Böhmen liegende Lu masse als kal e „böhmische Wind“ ins Umland. (URL: <h ps://de.wikipedia. o g/wiki/B%C3%B6hmwind> [30.03.2024]) ode Beim Übe s eichen de Böhmisch -Baye ischen ode Böhmisch -Sächsischen G enz- gebi ge b ich die Kal lu als Fallwind in die ang enzenden Täle ein, die Wind- geschwindigkei nimm dabei du ch die o og aphisch beding e Füh ung on oben nach un en zu. Gleichzei ig wi k eine wei e e Komponen e, die diesen P ozess e s ä k : die dich e e, schwe e e Kal lu ließ en sp echend de Neigung de Tä- le ab. Es können S u mböen au e en, in sel enen Fällen soga schadens äch ige O kanböen. (URL: <h ps://www.dwd.de/DE/se ice/lexikon/Func ions/glossa . h ml?l 3=100486&l 2=100310> [30.03.2024]) Als Na u phänomen is somi de böhmische Wind ü das Gebie des Böhmischen Beckens ypisch, das du ch ie Haup kämme de Böhmischen Masse im No dos en (Riesen- und Adle gebi ge), No dwes en (E zgebi ge), Südwes en (Böhme wald) und Südos en (de Böhmisch -Mäh ische Höhenzug) abgeg enz wi d. Die E wähnungen on dem böhmischen Wind inden sich a sächlich in den Tex en mi dem Hand- lungso im Riesengebi ge (z. B. in den E zählungen on Ge old E e und Romanen on Gus a Wiese), im E zgebi ge (in den E zählbänden on Ca l Oska Renne ) und im Böhme wald (z. B. bei Anne Hohenschläge ). Des Ö e en wi d de böhmische Wind als eines de A ibu e ü die Bes immung des Handlungso es e wende . In de E zählung Pe e le on Anne Hohenschläge e inne sich beispielsweise de Ich -E zähle Pe e , als e noch als Knabe zu Weihnach en den Mä chen seine G oß- 140 BRÜCKEN 31/1 mu e zuhö e ode mi dem Va e in den Wald ging, um den Ch is baum zu holen. In diesen E inne ungen wi d das wa me gemü liche Zuhause als ein Zu luch so o dem osenden Unwe e da ges ell : „Oben in meine Kamme üll e Mu e die S ohsäcke isch au . Da wu de mein Be wiede hoch und b ei und es knis e e so he lich, wenn ich mich dann mi Schwung ein allen ließ. Es wa nun schon ech kal und de böhmische Wind mach e seinem Namen alle Eh e.“ (Hohenschläge 1981: 11) Die Eigenscha en des böhmischen Windes (kal , au, böig,2 s a k genug um mäch ige „Schneemassen übe Feld und Wald“ zu we en [Renne 1976: 16]) en sp echen de o geäuße en Vo s ellung übe die on Deu schen besiedel en Randgebie en Böhmens, in denen ungüns ige Klimabedingungen das Leben e bi e en und die Tschechen on de a men, schwe zu bebauenden Gegend abs ießen. 3 S ell e e end sei hie die Aussage aus dem Vo wo zum E zählband Wo de böhmische Wind weh (1976) on Ca l Oska Renne zi ie : Die E zgebi gle abe blieben– ausgenommen die Knappen– au ih e s einigen Scholle ein a mes Völkchen. Wu de ein Beam e des König eichs Böhmen ins E zgebi ge e se z , so emp and e es als S a e; hei a e e ein Mädchen aus dem Landesinne n dahin, ühl e es sich aus dem K eis de Angehö igen ausges oßen; denn hie – so hieß es– sag en sich Fuchs und Hase gu e Nach . Diejenigen jedoch, die do gebo en und au gewachsen wa en, ha das E zgebi ge nich losgelassen, selbs wenn sie in wei e Fe nen weichen muß en. (Renne 1976: 5 .) Wei e im Vo wo wi d diese Locus communis jedoch ande s pe spek i ie . Ge ade die Eigensinnigkei des Gebie s habe die Deu schen angezogen: Imme wiede ha eine unnennba e Sehnsuch sie e g i en, in de so ieles einge- be e wa : de linde Somme egen und de osende Schnees u m, de zaube ische Sonnenun e gang und das ge äh liche F ühgewi e . […] Es is auch nich unge äh , daß o eins au den mäch igen S einbu gen des E zgebi ges einsinnige ah en- de Sänge eingekeh sind […] wie Reinma on Zwe e , Ul ich on dem Tü lin, F ied ich on Sonnenbu g, Hein ich on F eibe g und die Spe ogel on Ege . […] Ebensowenig mag es ein Zu all sein, daß de be ühm e S ad sch eibe on Saaz in seinem aus ischen S ei gesp äch zwischen dem „Acke mann on Böhmen“ und dem Tod das Schicksal des kleinen Mannes au geg i en ha , das e ag äglich o Augen ha e und dem zu weh en ihm schwe iel. Reiches geis iges E leben, geduldig e agene Dü igkei – übe alles s ich sei eh und je liebend und e söhnend de böhmische Wind. (Renne 1976: 4–6) De aue böhmische Wind sei den Bewohne n des Gebi ges gegenübe „liebend“ und ims ande, sie mi den ans engenden na ü lichen Bedingungen sowie mi ande en Menschen in de Gegend zu e söhnen. Diese Va ian e des Mo i s is im Ko pus e - 2 Un e Böigkei we den „ku zzei ige Schwankungen de Windgeschwindigkei und Wind ich ung in olge Tu bulenz de Lu “ e s anden, welche du ch „die Unebenhei en und die ungleichmäßige E wä mung de E dobe läche e u sach “ we den (Schi me 1987: 70). 3 Diese Locus communis inde sich beispielsweise auch in den Tex en on Gus a Wiese (Das Amule aus Böhmen [1983], Die lange Reise nach Reichenbe g [1989]) und E ns B aun (Ein Do in Böhmen [1986]). 141EUGENIE MALENINSKÁ einzel . Im Folgenden wi d gezeig , dass die nega i e Au assung des böhmischen Windes in de Meh hei de Tex beispiele die Vo s ellung übe die Ve eibung als einen mi eißenden Ka aklysmus e kö pe , de die deu schen Figu en i . Die aumbezeichnende Funk ion des Mo i s wi d in den E zählbänden on Ca l Oska Renne (Wo de böhmische Wind weh , 1976) und Ge old E e (Im böhmischen Wind, 1985) dadu ch e s ä k , dass es be ei s in den Buch i eln au i . In diesen Bän- den we den all ägliche und schicksalha e E eignisse de Menschen aus Be gdö e n geschilde , aus denen sie e ieben we den, sowie ih Leben in de Nachk iegszei . Die Zugehö igkei de handelnden Figu en zum homogenen diege ischen Raum de Gebi ge e binde die mannig al igen E zählungen mi e schiedenen Figu en in den einzelnen E zählbänden. Die Na u e scheinungen kommen alle dings in den Ti eln de Romane und E zäh- lungen diese Dezennien equen o . Die Symbolik de dunklen Zei wi d ü die Da s ellung de Ve olgung und de Ve eibung de Deu schen im Roman Nach übe Sude en (1985) on B uno He sowie in de E zählung Die Angs o de Nach (1983) on Albe Ro e ak ualisie . Am häu igs en wenden sich jedoch die Sch i s elle und Sch i s elle innen zu Seman ik des losb echenden Unwe e s beziehungsweise de Tu bulenz, die zum Sinnbild de Lebensp ü ung und He aus o de ung we den, welche die Figu en bes ehen müssen. Ve deu lichen läss es sich am Beispiel de E - zählung Das Mädchen, das de Os wind b ach e (1971) on F idolin Aichne , in de ein ähnliches Mo i des (Os -)Windes au auch . Susanne, die Toch e des Ba e ieche s Schulzen, wu de im le z en K iegsjah gebo en und muss e sich mi ih e Mu e au die Fluch begeben, de en G ünde ohne Konk e isie ung in eine hype bolisch o mulie en Passage angedeu e we den: „De Wind blies om Os en, ein eisige Wind. E ha e Susanne e aß und ug sie mi kosmische Gewal nach Wes en o “. (Aichne 1971: 11) In diese E zählung wi d ein Deu ungsmus e ealisie , bei dem die U sachen des deu sch - schechischen Kon lik s ausgeblende we den. De An ang de Handlung is du ch den Eing i eine übe sinnlichen und unwide s ehlichen Mach bes imm , welche die Lebenskon inui ä auseinande eiß . Das is die eigen - liche Pe ipe ie in de E zählung, wobei die es liche Handlung zu de e sukzessi en Übe windung wi d, sodass die Ausa bei ung de eigen lichen na a i en Elemen e (des Kon lik s, de Figu enda s ellung) mangelha bleib . Im Üb igen is die he e o- diege ische null okalisie e E zählins anz sachlich, indem sie die So gen und F eu- den de Familienmi gliede Schulzens in de Au bauzei besch eib , die gemeinsam mi ande en „Siedle n“ (Aichne 1971: 77) Häuse bauen, neue Be u e e we ben und Familien g ünden. Nach de zi ie en Äuße ung de E zählins anz, in de die Ve - eibung mi de gewal ä igen und en pe sönlich en Na u e scheinung e glichen wi d, wi d de Os wind nich meh e wähn . Dies is das gemeinsame Ve ah en in den genann en Tex en on F idolin Aichne , B uno He und Albe Ro e : De e Ti el beziehen sich au keine konk e en E eignisse in de Diegese, sonde n unk ionie en als e allgemeine e Sinnbilde des Geschilde en. Ein wei e es Beispiel mi dem e wand en Mo i im Ti el bie e de Roman Im S u m. Die Geschich e eine F eundscha (1974) on Albe Ro e . De P o agonis (Ich - E zähle ) du chleb sein le z es Jah im Do , in dem e gebo en wu de. Aus dem an angs unwissenden Knaben, de das K iegsgeschehen und die na ionalen Ausein- ande se zungen im All ag als Aben eue wah nimm , wi d ein junge Mann, de de 142 BRÜCKEN 31/1 E schießung seines F eundes zusehen muss und wäh end de En eignung und de Ve eibung seinen El e n und G oßel e n beis eh . Wäh end die im Roman a sächlich geschilde en We e bedingungen güns ig genug sind, bezieh sich die Bezeichnung „de S u m“ in diesem Tex au die apiden, e nich enden Ve ände ungen im Leben des P o agonis en und seine Angehö igen. Dieselbe Seman ik wi d im Gedich Neujah on Ewald Jahn konzen ie , das de E zählband Heima im He zen (1981: 110) beinhal e : Geheimnis olles, neues Jah ! Vo uns dein g oßes Kun e bun on Leid und F eudʼ, Glück und Ge ah ; e schleie jede einzige S undʼ. Und Angs und Ho nung sind e eil im Menschenhe z. Doch zi e nich ! Wohin die Wel auch mi uns eil : Go so g ü ʼs ech e Gleichgewich . So wa ʼs daheim, so wa ʼs als Kind, als wi umso g im Va e haus, so wa ʼs, als uns de böhmʼsche Wind e weh e in die Wel hinaus. So wi d es bleiben jede zei . Was kommen wi d und was auch wa : Mi uns em Go sind wi be ei nun auch ü dich, du neues Jah . De p imä e Inhal des Gedich s is das ie e Glaubensbekenn nis des ly ischen Sub- jek s, das sich bei den o s ehenden Lebensp ü ungen au Go es Willen e lassen will, wie es es bei den be ei s e leb en ge an ha e. „De böhmʼsche Wind“ s eh im Gedich eindeu ig ü die Ve eibung, im Zuge de e das Subjek sein Va e haus e lo und in die wei e Wel hinaus „ e weh “ wu de. Diese poe ische Bezeichnung e üg übe einige Implika ionen. Eine sei s en sp ich solche e hüll e Benennung des un- geheu en E lebnisses dem Ve söhnungsna a i , das die E zählungen im ganzen Band Heima im He zen p äg und das sich in de E inne ungss a egie äuße , bei welche die Da s ellung de kon lik beladenen Ve gangenhei e mieden wi d. Die bewuss e Selek ie ung de geschilde en E eignisse üh in den E zählungen on Ewald Jahn zu En s ehung des Bildes de idyllischen Exis enz de deu schen und schechischen Figu en. Die Ve wendung des Sinnbildes des böhmischen Windes unk ionie somi in Jahns E zählband als ein Milde ungs e ah en bei de Kon lik ges al ung. Ande- e sei s kann die seman ische S uk u des Sinnbildes nich übe sehen we den. Die Pe soni izie ung eine Na u e scheinung geschieh zu Las en de di ek en Benennung des E eignisses und e u sach gleichzei ig die Depe soni izie ung des handelnden Subjek s (de e eibenden schechischen Figu en in diesem Fall). Ve dich e e Bilde sind zwa ypisch ü die Ly ik, abe aus de ange üh en Reihe de Tex beispiele geh 143EUGENIE MALENINSKÁ he o , dass de Mechanismus des Sinnbildes sowohl in de P osa als auch im Gedich de selbe is : Die Iden i ika ion de Ve eibung mi dem unkon ollie ba en Wind implizie die e allgemeine e Zusch eibung de Op e olle den Deu schen, denen die Heima aus une klä lichen G ünden genommen wo den is . Angesich s de Ve b ei ung des Mo i s des böhmischen Windes in de Li e a u in den 1970e und den 1980e Jah en läss sich annehmen, dass es einen ühe en U sp ung ha . Das nächs e Tex beispiel indizie , dass das Mo i be ei s in de Volks- poesie o handen sein könn e. Im his o ischen Roman Das Amule aus Böhmen (1983) on Gus a Wiese wi d de deu sch - schechische na ionale Kon lik als s ändige Ge äh dung de deu schen e hnischen G uppe in den Böhmischen Lände n sei dem Jah e 1000 geschilde . Dabei geh dem Roman ein ly ische Tex mi dem Ti el Volks‑ gu : De böhmische Wind o aus (1983: 5): Ich habe mi mein Weizen au s Be gel gʼsä , ha mi ʼn de böhmische Wind e weh . Böhmische Wind, ich bi dich schön, laß mi mein Weizen am Be gel s ehn. Wenn ich kein Geld im Beu el hab, geh ich in Wald, schneid Ru en ab. Geh ich nach Haus, mach Besen d aus, k ieg ich bald wiede Geld ins Haus. Ich hab mi mein Weizen au s Be gel gʼsä , ha mi ʼn de böhmische Wind e weh . Dieses Gedich zeig , wie sich das Mo i des böhmischen Windes im Zusammenhang mi dem E inne ungsna a i jeweilige Publika ion pe spek i ie en läss . Das angeb- lich al e Mo i des unba mhe zigen böhmischen Windes bezieh sich im zi ie en Ge- dich au die konk e e Na u e scheinung, wobei de ganze Tex das Bild eines a men leißigen Baue n da bie e , de die ha en Klimabedingungen zu bewäl igen ha (ein wei e es Beispiel des oben besch iebenen Locus communis). Ve geblich beschwö das ly ische Ich den böhmischen Wind, seinem Weizen keinen Schaden he beizu üh en. Die Pla zie ung eines solchen Gedich s o den Tex mi den einsei ig pola isie en Rollenzuweisungen (die deu schen Figu en we den als Op e de Slawen und spä e de Tschechen im Lau e meh e e Jah hunde e da ges ell ) beein luss die T agwei e des u sp ünglichen Mo i s. Es wi d zum Sinnbild de Ve eibung, obwohl es übe diese Seman ik ex immanen nich e üg . Im Zuge de nach äglichen Ideologisie- ung des Mo i s e häl die Na u e scheinung, ü die sich keine logische E klä ung inden ließe, ein beinahe my hisches Ausmaß. 144 BRÜCKEN 31/1 3 FAZIT Das Mo i des böhmischen Windes is hie mi in di e se Fo m in den Tex en mi un e schiedlichen E inne ungsna a i en e e en. Die Haup unk ion des Mo i s is die Bezeichnung des Handlungso es. Als ein me eo ologisches Phänomen is de böhmische Wind ü das Gebie des Böhmischen Beckens ypisch und wi d on den Ve asse n und Ve asse innen aus dem Riesengebi ge, E zgebi ge und Böhme wald hema isie . Es kann als ein ein aches A ibu des Handlungso es im ik ionalen Tex au auchen (Pe e le [1981] on Anne Hohenschläge ) ode zum Sinnbild de Ve - eibung a ancie en (Heima im He zen [1981] on Ewald Jahn, Das Amule aus Böhmen [1983] Gus a Wiese). Beide Funk ionen ( aumbezeichnend und sinnbildend) gehen in den Ti eln einige E zählbände ineinande (Wo de böhmische Wind weh [1976] on Ca l Oska Renne , Im böhmischen Wind [1985] on Ge old E e , zu gewissem G ad auch Das Mädchen, das de Os wind b ach e [1971] on F idolin Aichne und Im S u m [1974] on Albe Ro e ). In de Meh hei de ange üh en Beispiele wi d die Iden i- izie ung des his o ischen E eignisses de Ve eibung mi dem böhmischen Wind e möglich , weil diesem Na u phänomen ähnliche Eigenscha en zugesch ieben we den ( o allem die Unbe echenba kei und die beispiellose S ä ke, wenn nich die übe i dische K a ), da die Ve asse und Ve asse innen übe die Ve eibung als eine une g ündliche Ka as ophe e zählen, welche die deu schen Figu en une wa e i . Das Re e ie en übe die Ve eibung als den böhmischen Wind en sp ich diese Vo s ellung, milde und poe isie sie zugleich. Au diese Weise e häl das Konzep , das un e den ehemaligen Bewohne n de Gebi ge um das Böhmische Becken bekann wa , und womöglich in de deu schsp achigen Volkspoesie e anke is , seine neue Seman ik. LITERATUR Aichne , F idolin (1971): Das Mädchen, das de Os windb ach e. Heilb onn: Eugen Salze -Ve lag. Assmann, Aleida (2010 [1999]): E inne ungs äume: Fo men und Wandlungen des kul u ellen Gedäch ‑ nisses. München: Ve lagC. H. Beck. 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