Schwie iges Mi einande :
de is aeli ische Kul us e ein
in Unga isch-H adisch (1866–1891)
Daniel ba ánek
KEY WORDS:
Social His o y — Jews — Cul u e Associa ions — Bohemian Lands
Die ech liche Emanzipa ion de Juden b ach e zwischen 1848 und 1852 und nach 1859
d ama ische Ve ände ungen ü den Jah hunde e wäh enden Cha ak e de jüdi-
schen Be ölke ung in Mäh en und Schlesien mi sich.1 Die Locke ung des F eizügig-
kei s e bo s e möglich e es den Juden, aus dem geschlossenen Raum de Ghe os in
bishe e bo ene ehemalige königliche S äd e und an ande e wi scha lich a ak-
i e O e zu ziehen.2 Do en s anden somi neue („emanzipa o ische“) jüdische Ge-
meinscha en, die sich in de Regel seh bald un e Be u ung au das Ve einsgese z
um das En s ehen is aeli ische Kul us e eine bemüh en, welche Go esdiens e ab-
hal en, den Religionsun e ich ü die Kinde o ganisie en und sich um bedü ige
Glaubensgenossen so gen soll e. Die Mi gliede is aeli ische Kul us e eine gehö en
meis o mal den is aeli ischen Kul usgemeinden an ih em u sp ünglichen Wohno
an und muss en an diese Gemeinden wei e hin Bei äge bezahlen, weswegen eins de
ypischen Me kmale de „emanzipa o ischen“ jüdischen Gemeinscha en die Bemü-
hung um den S a us eine is aeli ischen Kul usgemeinde wa , um so die olle Au o-
nomie zu e langen.3
De E olg diese Bemühungen hing on d ei g undlegenden Fak o en ab. Die
Gemeinscha muss e o allem zu Finanzie ung de Ins i u ionen eine jüdischen
Glaubensgemeinde ähig sein, was eng mi de Anzahl und dem Wohls and ih e Mi -
1 Diese A ikel wu de mi de Un e s ü zung des in e nen Fo schungs o habens de Phi-
losophischen Fakul ä de Ka lsuni e si ä České země jako o e řený p os o s éby né hi-
s o ické zkušenos i E opě. Od počá ku 18. do 21. s ole í [Die böhmischen Lände als o -
ene Raum einziga ige his o ische E ah ung in Eu opa. Vom Beginn des 18. bis zum
21. Jah hunde ] (P ouk 12) he ausgegeben, dessen T äge das Ins i u ü Wi scha s-
und Sozialgeschich e de Philosophischen Fakul ä de Ka lsuni e si ä is .
2 De Emanzipa ionsp ozess wu de o allem on Michael Lau ence Mille in dessen A bei
un e such (Michael Lau ence Mille , Rabbis and Re olu ion : The Jews o Mo a ia in he
Age o Emancipa ion. S an o d 2011.). Eine ku ze Au zählung de sich au die Juden bezie-
henden Reichs- und mäh ischen Landesgese ze inde man bei Vlas imil S ě ák (Vlas i-
mil S ě ák, Mo a š í židé e s ě le zákonů le ech 1848–1918. In XXVI. mikulo ské sym-
pozium : Mo a š í Židé akousko-uhe ské mona chii (1780–1918). Mikulo 2003).
3 Daniel Ba ánek, Die En s ehung de ‚emanzipa o ischen‘ is aeli ischen Kul usgemeinden
in Mäh en und Schlesien (1848–1890), Judaica Bohemiae, Jg. 48, 2013, N . 2, S. 5–38.
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gliede zusammenhing. Ebenso wa dies om Zei punk de An ags ellung abhängig
bzw. on de Eins ellung des Minis e iums ü Kul us und Un e ich , welches An-
äge zu Umwandlung in eine Kul usgemeinde in den Jah en 1860–1877 im G unde
genommen ges a e e, diese jedoch ab 1877 un e Ve weis au das in Vo be ei ung
s ehende neue Gese z übe die is aeli ische Religionsgesellscha ablehn e, obwohl
dieses e s 1890 e abschiede wu de.4
Den le z en wich igen Fak o s ell e de gemeinsame Wille de Gemeinscha ,
den S a us de is aeli ischen Kul usgemeinde zu e langen, da . Ein Blick au einige
jüdische Gemeinscha en zeig nämlich, dass die Umwandlung eines Kul us e eins
in eine Kul usgemeinde bei wei em nich on allen Mi gliede n no wendige weise
un e s ü z wu de. Meinungs e schiedenhei en und Diskussionen übe zukün ige
Ziele konn en na ü lich kons uk i wi ken, wie e wa die S ei gesp äche im Is ae-
li ischen Kul us e ein ü Mäh isch- und Polnisch-Os au, die zum wich igs en Impuls
zu Umwandlung des Ve eins zu Kul usgemeinde wu den, zeigen.5 Im Falle des Is-
aeli ischen Kul us e eins in Unga isch-H adisch spi z en sich die S ei punk e jedoch
so zu, dass sie das genaue Gegen eil he o ie en: Fü gewisse Zei pa alysie en sie
die Tä igkei des Ve eins und mach en dessen Umwandlung in eine Kul usgemeinde
unmöglich. Im olgenden Tex we de ich mich bemühen, am Beispiel dieses Ve eins
nich nu die En wicklung eine de emanzipa o ischen jüdischen Gemeinscha en
au zuzeigen, sonde n auch eine An wo au die F age, was die gegebene jüdische
Gemeinscha en e binden ode ande e sei s ze eilen konn e, zu inden.
ENTSTEHUNG DER GEMEINSCHAFT
Die neue jüdische Gemeinscha kann in Unga isch-H adisch (Uhe ské H adiš ě)
e s nach 1848 en s anden sein, als das P i ilegium des Königs Ladislaus Jagiello om
18. Feb ua 1514, das alle Juden aus den S äd en e wies, auße K a ge e en wa .6
Die F eizügigkei , die die ok oyie e Mä z e assung om 4. Mä z 1849 ga an ie e,7
nu z en inne halb kü zes e Zei meh e e jüdische Familien aus, im Lau e des Jah es
1853 wu den jedoch die Mig a ionsmöglichkei en de Juden be äch lich e schwe ,
da Kaise F anz Jose I mi de Ve o dnung om 2. Ok obe 1853 die Vo sch i en, die
4 Ibid.
5 Hugo Gold, Geschich e de Juden in Mäh isch-Os au. In: Die Juden und Judengemein-
den Mäh ens in Ve gangenhei und Gegenwa , B ünn 1929. S. 372–373; A chi Žido -
ského muzea P aze [AŽMP], Žido ská náboženská obec Os a a [ŽNO Os a a], In . 11,
Sig.56225.
6 Al ed Engel, Die Ausweisung de Juden aus den Königlichen S äd en Mäh ens und ih e
Folgen, Jah buch de Gemeinscha ü Geschich e de Juden in de Čechoslo akischen Re-
publik, Jg. 2, 1930, S. 77–79; Hugo Gold, Geschich e de Juden in Ung.-H adisch. In: Die Ju-
den und Judengemeinden Mäh ens…, S. 561–562.
7 RGBl. 150/1849, Kaise liches Pa en om 4. Mä z 1849, Reichs e assung ü das Kaise -
hum Ös e eich, § 24, 25 und 27.
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den Besi z on Juden einsch änk en und bis zum Jah 18488 gül ig gewesen wa en,
e neue e, sodass 1857 in Unga isch-H adisch imme noch nu 36 (gemäß dem Sche-
ma ismus ü die Diözese) bzw. 67 Juden (gemäß de in Hugo Golds Publika ion ange-
üh en Da en, die de Wi klichkei o ensich lich meh en sp echen) leb en.9
Nachdem die Ve o dnung om 18. Feb ua 1860, mi de de Kaise den Juden
abe mals den Kau on Immobilien e möglich e,10 e lassen wu de, begann die Anzahl
de jüdischen Bewohne on Unga isch-H adisch ab up anzus eigen. S a is iken de
Volkszählung on 1869 zu olge leb en do be ei s 342 Pe sonen jüdischen Glaubens,
bis 1880 s ieg diese Zahl au 488 an und dann olg e ein langsame Abs ieg. Die jüdi-
sche Be ölke ung wuchs auch in den benachba en O scha en, die in den Ge ich s-
k eis Unga isch-H adisch gehö en, s a k an (insbesonde e in Al s ad [S a é Měs o],
Kunowi z [Kuno ice] und Ja oschau [Ja ošo ]), das Wachs um ging jedoch mi eine
langsame en Tendenz ons a en und in den ach zige Jah en begann die Anzahl de
Juden in de Umgebung on Unga isch-H adisch zu sinken (siehe Tabelle N . 1).
1848 1857 1869 1880 1890 1900
Unga isch-H adisch 0 36 / 6711 342 488 505 514
es l. Ge ich sk eis Unga isch-H adisch 139 193 387 397 323 238
insgesam 139 229 / 260 729 885 828 752
abelle n .. 1: Juden in Unga isch-H adisch und im umliegenden Ge ich sbezi k 1848–1890
Quelle: Theodo Haas, Die Juden in Mäh en, S. 58–64. Haas bezieh seine Da en im Fall de Jah e 1848 und
1857 aus dem Schema ismus de Diözesen, in allen ande en Fällen aus Volkszählung.11
Aus de Analyse de Zählope a e on 1869, 1880 und 1890 geh he o ,12 dass de
G oß eil de jüdischen Immig an en ( e gl. Abbildung N . 1) aus Unga isch-Os au
[Uhe ský Os oh], Bisenz [Bzenec] und Unga isch-B od [Uhe ský B od] nach Unga-
isch-H adisch zuzog, also aus den d ei nächs gelegenen jüdischen Gemeinden, die
8 RGBl. 190/1853. Kaise liche Ve o dnung om 2. Oc obe 1853 übe die p o iso ische Wi k-
samkei de , o dem Jah e 1848 bes andenen, die Besi z ähigkei de Is aeli en besch än-
kenden Vo sch i en.
9 Theodo Haas, Die Juden in Mäh en, B ünn 1908, S. 58–64; Hugo Gold, Geschich e de Ju-
den in Ung.-H adisch…, S. 562. Die Zählope a e aus dem Jah 1857 en hal en im P inzip
keine Angaben übe die jüdische Be ölke ung. Bei einigen Wohnungen sind nu die Zähl-
ope a e des Besi ze s ange üh und mi olgendem Kommen a e sehen „Von eine em-
den Pa hei bewohn “. In einigen Fällen handel es sich um jüdische Besi ze , in ielen Fäl-
len kann die eligiöse Iden i ä jedoch nich es ges ell we den. — S á ní ok esní a chi
Uhe ské H adiš ě [SOkA Uhe ské H adiš ě], Ok esní úřad I Uhe ské H adiš ě, In . 924.
10 RGBl. 45/1860, Kaise liche Ve o dnung om 18. Feb ua 1860, wi ksam ü […] Böhmen,
Mäh en […] be e end die Besi z ähigkei de Is aeli en.
11 Hugo Gold, Geschich e de Juden in Ung.-H adisch, S. 562.
12 SOkA Uhe ské H adiš ě, S ad a chi Unga isch H adisch [AM Uhe ské H adiš ě], III. ma-
nipulace [III], In . 870–874.
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on Unga isch-H adisch lediglich 10–18 km en e n lagen. Im Jah 1869 wohn en in
Unga isch-H adisch insgesam 122 Pe sonen is aeli ischen Bekenn nisses übe 21 Jah-
en, da on wa en 21 (17%) in Unga isch Os au, 14 (11%) in Unga isch B od und 14 (11%)
in Bisenz gebo en. Die üb igen wa en in den meis en Fällen in ande en jüdischen
Gemeinden in Mäh en wie Holleschau [Holešo ], P ossni z [P os ějo ], Ko i schau
[Ko yčany], Koje ein [Koje ín], K emsie [K oměříž] ode Gaya [Kyjo ] gebo en, we-
nige wei e e s amm en aus Gemeinden in de Region um Unga isch-H adisch wie z.B.
Dö l [De le] (heu e Sady), Wessky [Vésky], Weleh ad [Veleh ad] ode aus den nahe-
liegenden (slowakischen) Gemeinden wie Waag-Neus ad [No é Měs o nad Váhom],
Rowenz [Ro ensko] und Ve bowe z [V bo ce]. Pe sonen, die in wei e en e n en Ge-
bie en (Schlesien, Böhmen, Galizien) gebo en wu den, s ell en sel ene Ausnahmen
da . Im Ve lau de da au olgenden zwanzig Jah e wuchs de An eil de auße halb de
Ge ich sk eise Unga isch-H adisch, Unga isch-B od und Unga isch-Os au Gebo e-
nen leich an, in de Meh zahl alle Fälle handel e es sich jedoch um gebü ige Mäh e .
Übe wiegend kamen Juden im p oduk i en Al e nach Unga isch-H adisch, die
Gene a ion Fün zig- bzw. Sechzigjäh ige i also e s spä e au die Bild läche, als
die Zugezogenen selbs äl e wu den. In manchen Fällen kamen Juden be ei s mi
kleinen Kinde n, die meis en Kinde wu den jedoch e s in Unga isch-H adisch ge-
bo en, sodass de An eil de do gebo enen Einwohne in den jünge en Gene a io-
nen wesen lich höhe is als in de e wähn en G uppe on mindes ens Einundzwan-
zigjäh igen. In diesem Zusammenhang muss auch die ungewöhnlich hohe Anzahl
an Jungen in de Al e sg uppe 10–14 (spä e 10–19) Jah e ku z angesp ochen we den.
Auße den o sansässigen jüdischen Jugendlichen wa en nämlich in den Unga isch-
H adisch’schen jüdischen Familien auswä ige jüdische Schüle des hiesigen Gymna-
siums einqua ie . Ih e Anzahl wa wäh end des Schuljah es a sächlich noch um
e was Höhe und wu de nu deswegen nich in die o iziellen S a is iken mi ein-
bezogen, weil die Volkszählung zu Jah esende s a and, als die meis en Schüle die
Fe ien bei ih en El e n e b ach en.
Säm liche in den Zählope a en ange üh en Da en müssen mi gewissem Abs and
be ach e we den. Zum Beispiel weisen die Gebu sda en zwischen den einzelnen
Volkszählungen und im Ve gleich mi den Ein agungen in den Ma ikeln eilweise
Un e schiede on meh e en Jah en au , diese Abschwei ungen sind jedoch im Bezug
zu den oben ange üh en Me kmalen de jüdischen Be ölke ung nich s E ns e es. Mi
wei aus g öße e Vo sich müssen jedoch die Da en bezüglich de wi scha lichen
Ak i i ä be ach e we den, da diese mi seh un e schiedliche So g al ge üh wu -
den, was die Uneinigkei de einzelnen Zählope a e und die Inkonsis enz de e hal-
enen Da en zu Folge ha . T o z all diese Vo behal e können doch olgende Schlüsse
gezogen we den: Im be ach e en Zei aum on 1869–1890 wa en e wa 20–33 %
de jüdischen Be ölke ung in Unga isch-H adisch wi scha lich ak i , und zwa
mi eine Wachs ums endenz. 85 % da on wa en Männe , da sich die Meh zahl de
F auen (Ehe auen und Töch e im p oduk i en Al e ) um den Haushal kümme e.
E wa 30 % de wi scha lich ak i en jüdischen Einwohne üh en ein Geschä , e wa
20 % hal en als Ve käu e ode Handelsgehil en in Geschä en aus. Ci ca 10 % un-
e hiel en sich mi einem Handwe k (Schneide , Nähe innen, Fleische , Schus e ,
Goldschmiede, Uh mache ), e wa 10 % mi Alkoholausschank und Gas wi scha und
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e wa 10 % mi de He s ellung on hochp ozen igem Alkohol, Bie und Malz. Ein wei-
e es Zehn el de wi scha lich ak i en Juden s ell e dann die In elligenz (Leh e ,
Ä z e, Ge ich s-, Finanz- und Pos beam e, Rech sanwäl e und Buchhal e ) da . Das
üb ige Zehn el leb e on Immobilien e mie ung, om Wi scha sbe ieb und gege-
benen alls als Bediens e e, Lage a bei e u. ä. Im e gleichsmäßigen An eil de ein-
zelnen Lebensun e hal sa en kam es hie bei wäh end des gesam en un e such en
Zei aums zu keinen maßgeblichen Ve ände ungen.
Die S uk u de wi scha lich ak i en Juden in Unga isch-H adisch wa kei-
neswegs spezi isch und glich zum Beispiel de S uk u de emanzipa o ischen
jüdischen Gemeinscha in F iedek [F ýdek] ode in Neu i schein [No ý Jičín], wo
eben alls de G oß eils de Juden om Handel leb e, ein Zehn el om Alkoholaus-
schank und de Gas wi scha , ein wei e es Zehn el on Beam en- ode F eibe u en.
Lediglich ans elle de Malz- und Alkoholp oduk ion konzen ie en sich die Juden in
F iedek und Neu i schein ehe au die Tex ilindus ie.13
Auch aus den ange üh en unge äh en Angaben kann im Ve glich zum o emanzi-
pa o ischen Zei aum eine g oße Beha lichkei , was die Lebensun e hal sa be i ,
he ausgelesen we den. Ähnlich wie in de Ve gangenhei leb en die Juden imme noch
haup sächlich on Handelsbe ieb, Alkoholhe s ellung und Alkoholausschank, doch
de Un e schied bes and o allen in de un e häl nismäßig eie en und echnolo-
gisch du chdach e en Ausübung diese Gewe be. Die ühe un e sag e ode seh ein-
gesch änk mögliche Tä igkei in den Be eichen Handwe k, S aa s e wal ung, Medi-
zin, Rech swesen ode Immobilien- und G undbesi z wu de wei e hin nu on einem
e häl nismäßig kleinen Teil de wi scha lich ak i en jüdischen Be ölke ung ausge-
üb . Zumindes manche El e n bemüh en sich jedoch, diesen Zus and in de Zukun
zu ände n, und schick en deswegen ih e Kinde in Schulen, sodass de An eil jüdische
Schüle am Gymnasium on Unga isch-H adisch in den 60e Jah en 18–34 %, in den
70e Jah en 29–44 % und in den 80e Jah en 41–52 % ausmach e.14 Die Folgen diese
S a egie a en jedoch di ek in Unga isch-H adisch nich so seh zum Vo schein, da
de G oß eil diese Schüle on auße halb kam, und o allem deswegen, weil jüdi-
sche Hochschuls uden en o nich meh nach Unga isch-H adisch zu ückkeh en.
DIE GRÜNDUNG DES KULTUSVEREINS
T o z de nied igen Anzahl Unga isch-H adisch’sche Juden in den 50e Jah en wa
an de Unga isch-H adisch‘schen Realschule spä es ens ab dem Jah 1856 ein is ae-
li ische Religionsleh e ä ig. Zue s wu de diese Funk ion on Gab iel Sabl aus Bi-
13 I ana Slezáčko á — Radek Lipo ski, Analýza žido ské populace měs a F ýdek podle e-
i o iálního pů odu a socioekonomického pos a ení. In: Sbo ník p ací Filozo ické a-
kul y Os a ské uni e zi y — His o ie. Filozo ická akul a Os a ské uni e zi y Os a-
ě, Bd. 14, 2007, S. 207–227; Daniel Ba ánek, Žido ská komuni a No ém Jičíně le ech
1848–1891. In: Židé a Mo a a, ol. 20, K oměříž 2014, S. 107.
14 Fün zigs e Jah esbe ich des k. k. deu schen S aa s-Obe gymnasiums in Ung.-H adisch
ü das Schuljah 1903–1904. Unga isch-H adisch, 1904. S. 28.
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senz ausgeüb , doch als diese 1857 ins niede ös e eichische Ho n umzog, e nann e
die S a hal e ei Mäh en Ma kus He zka zum is aeli ischen Religionsleh e in Unga-
isch-H adisch. De Religionsun e ich wu de ausschließlich on 12 o sansässigen
jüdischen Familien inanzie .15 Nach einigen Jah en mach e sich jedoch auch He zka
zu eine neuen A bei ss elle au , als e 1860 die luk a i e e Posi ion „Rabbine und Re-
ligionsleh e “ in Olmü z e hiel . Den Religionsun e ich übe nahm dann ku z is ig
Ignaz Singe und e s Jakob G ünwald aus Bisenz un e ich e e in Unga isch-H adisch
übe einen länge en Zei aum hinweg — on 1862 bis 1885. Im Gegensa z zu seinen
Vo gänge n wa G ünwald nich nu au die Einnahmen aus Schulgelde n angewie-
sen, sonde n zwischen 1863 und 1868 gelang es ihm, sich alljäh lich eine Sub en ion
des Mäh isch-jüdischen Landesmassa onds in de Höhe on 80 l. zu siche n. In den
da au olgenden Jah en wu de e imme wiede on de S ad Unga isch-H adisch
aus de en eigenen Ressou cen un e s ü z (im Jah 1869 handel e es sich um 20 l.,
im Jah 1871 um 50 l.).16
Angesich s des asan en Ans iegs de jüdischen Be ölke ung zu Beginn de 60e
Jah e und angesich s de wi scha lich güns igen Posi ion de en s ehenden jüdi-
schen Gemeinscha en schlossen sich die Juden in Unga isch-H adisch be ei s im
Jah 1863 dazu, die E laubnis, eine is aeli ische Kul usgemeinde ein ich en zu dü -
en, zu bean agen, um dami die no wendigen eligiösen Ins i u ionen oll en wi-
ckeln zu können. De S a u enen wu en hiel jedoch die Bes immung, dass jede
Jude mi Heima ech in Unga isch-H adisch ode eine de umliegenden Gemeinden
Gemeindemi glied we den soll e. De Unga isch-H adisch’sche Gemeindeausschuss
e weige e jedoch bis in die 60e Jah e das Heima ech ,17 sodass im Jah 1869 nu
d ei Haushal s o s ände und ih e Familien (Salomon Glase , Emanuel Fü s und Ja-
kob Baue ) das Heima ech in Unga isch-H adisch innehiel en, was lediglich ün
P ozen alle jüdischen Haushal s o s ände wa en. Im Jah 1880 ha en be ei s ün
Haushal s o s ände (Emanuel Fü s , He man S auss, Adol Mannabe g, Be nha d
Be ge und Sigmund Tauss) das Heima ech , angesich s des Ans iegs de jüdischen
Popula ion wa en dies jedoch imme noch nu ün P ozen . Eine Ände ung a e s
im Ve lau de 80e Jah e ein, sodass 1899 be ei s 16 on 110 Haushal s o s änden,
d.h. 15 %, das Heima ech ha en.
So gesehen konn e also nu eine Minde hei de o sansässigen Juden zu oll-
we igen Mi gliede n we den, sodass die S a hal e ei Mäh en am 29. Ok obe 1866
nu die Ein ich ung eines is aeli ischen Kul us e eins, de au eiwillige Mi glied-
scha basie e, genehmig e.18 Da übe hinaus bewi k e die Mi gliedscha im is a-
15 Mo a ský zemský a chi [MZA], Mo a ské mís od ži els í [B 14], I. manipulace [I], In .628,
Fol. 507–508.
16 Fün zigs e Jah esbe ich des k. k. deu schen S aa s-Obe gymnasiums in Ung.-H adisch
ü das Schuljah 1903–1904. Unga isch-H adisch : 1904. S. 27; MZA, B 14, I, In . 628,
Fol.1331–1347; SOkA Uhe ské H adiš ě, AM Uhe ské H adiš ě, III, In . 5, Ein äge om
8.Mä z 1860, 14. und 26. Sep embe 1862, 25. Juni 1869 und 25. Juli 1871.
17 SOkA Uhe ské H adiš ě, AM Uhe ské H adiš ě, III, In . 5, Ein ag om 27. Ok obe 1873;
Ibid., In . 444, Ka . 380, Fasc. 2, Fol. 5.
18 Ibid., Fol. 6.
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eli ischen Kul us e ein nich , dass die Mi gliedscha de be e enden Unga isch-
H adisch’schen Juden in ih e u sp ünglichen Kul usgemeinde e losch, sodass die
Mi gliede des neugeg ünde en Ve eins neben den Ve einsbei ägen auch noch wie
gehab die Kul uss eue an ih e Kul usgemeinde ab üh en muss en. Auch o z diese
doppel en Gebüh en a en im G unde genommen alle in Unga isch-H adisch leben-
den e wachsenen jüdischen Männe bis au einige Anges ell e des is aeli ischen Kul-
us e eins, wie z.B. de Religionsleh e Jakob G ünwald, de Kan o (Go esdiens -
lei ende) Na han Fuchs ode de Schoche ( i uelle Schlach e ) Ma kus Eisle , dem
Ve ein bei.19
DAS VERPATZTE FEST
Nich einmal ein Jah nach de En s ehung des is aeli ischen Kul us e eins mach en
sich e ns ha e S ei igkei en beme kba . De Vo si zende des Kul us e eins Ema-
nuel Fü s be ie nämlich am 19. Janua 1868 die Voll e sammlung ein mi dem Ziel,
eine Kommission zu wählen, die ü jedes Mi glied je nach Ve mögenss and indi i-
duell die Höhe de Mi gliedsbei äge es legen soll e. Zu Voll e sammlung kamen je-
doch nu el de 41 Mi gliede , sodass die Ve sammlung den mindes ens zwei D i el
de Mi gliede o de nden S a u en en sp echend nich beschluss ähig wa . Nich s-
des o o z konn en die Anwesenden die Wahl de Kommission du ch üh en, da sie
on wei e en 20 Mi gliede n be ollmäch ig wa en, und so gingen sie da on aus, dass
dami die Fo de ung de S a u en e üll sei. Diese ließ jedoch keine Be ollmäch i-
gungen zu, als sich also zwei Ve einsmi gliede , Igna z B aune und Salomon Glase ,
an den Unga isch-H adisch‘schen Gemeinde a wand en, e lang en sie die Ungül-
igkei se klä ung de Wahl. De Vo si zende des Ve eins Emanuel Fü s leg e jedoch
gegen den Beschluss des S ad a s Be u ung ein und die S a hal e ei Mäh en gab
seine Be u ung inso e n s a , dass in e ne S ei angelegenhei en des Ve eins mi
dessen eigenen Mi eln, die ihm seine S a u en bo en, gelös we den müss en, also
insbesonde e mi Hil e des Ins i u s des Schiedsge ich s. Diese Ansich wu de dann
auch noch om Innenminis e ium bes ä ig . 20
In de e s en Häl e de siebzige Jah e schien es, dass de S ei übe die Wahl
eine Kommission zu Fes legung de Mi gliedsbei äge nu einen e einzel en Vo -
all da s ell e. Im Jah 1872 anden die Wahlen in den neuen Ve eins o si z s a und
obwohl kaum die Häl e de Mi gliede a sächlich zu Wahl e schien und somi abe -
mals die in den S a u en es geleg e Zweid i elwahlquo e also nich e üll wu de,
p o es ie e niemand gegen die Wahl on Joachim F ied zum Vo si zenden, nich ein-
mal de bishe ige Vo si zende Emanuel Fü s .21 Un e de Lei ung on Joachim F ied
nahm de Ve ein den Bau eine Synagoge in Ang i , dami die Go esdiens e nich
meh in den p o iso isch gemie e en Räumlichkei en des Hauses mi de Konsk ip-
19 MZA, B 14, I, Ka . 630, Fol. 686–689.
20 Ibid., Ka . 628, Fol. 1633–1650.
21 Ibid., Ka . 630, Fol. 687.
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ionsnumme 44 s a inden müss en.22 Als am 4. Juni de G unds ein de Synagoge
geleg wu de, hiel de Bisenze Rabbine D . Samuel Mühsam eine P edig , in de e
ganz besonde s die Ein ach be on e:
„Alles, was geigne [!] wä e, die Ein ach und den F ieden zu s ö en, muss gebann
bleiben aus de Mi e de e , die eine S ä e e ich en jenem Go e, de F ieden is und
das iedliche We k segne . […] De F iede un e euch selbs und F iede mi eu en
Mi bü ge n, in de en Mi e es euch e gönn is , eine Go ess ä e zu e bauen, e al-
lein wi d den Segen Go es nach sich ziehen om Beginne bis zu Vollendung. […] Gib,
o He und Va e , dass das Go eshaus, das sich hie e heben soll, zu S ä e we de, die
dazu bei äg , das einhei liche Band […] zu be es igen in Liebe und Menschlichkei .“23
Nun b ach e jedoch de Bau de Synagoge keinen F ieden mi sich, sonde n wu de
zu Quelle g öße en Hade s denn je. Ein Teil de Ve einsmi gliede e ach e e nämlich
die Kos en ü den Bau de Synagoge in Höhe on zwöl ausend l.24 als übe lüssig hoch
und noch g öße e Unzu iedenhei he sch e bezüglich de Zu eilung de Tempelsi ze.
Im Juli 1875 beschloss die Voll e sammlung, dass die Tempelsi ze ebenso wie wohl in
allen Synagogen des Landes e mie e wü den, und das in d ei Be eichen ü 125, 75
und 35 l. p o Jah . Jede konn e nach Belieben einen Be eich wählen, konk e e Si ze im
gegebenen Be eich wü den dann ausgelos we den. De Ve eins o si z ließ jedoch zu
Ve losung am 23. Sep embe 1875 nu zu o angemelde e In e essen en zu, wohingegen
ü unangemelde e In e essen en — obwohl sie zu Ve losung gekommen wa en — in-
ne halb de einzelnen Be eiche wenige a ak i e Si ze üb igblieben.25
Die Feie lichkei en zu Einweihung de Synagoge am 27. Sep embe 1875 e hiel
somi einen unangenehmen Beigeschmack, insbesonde e als an demselben Tag, an
dem de Biseze Rabbine D . Samuel Mühsam die Synagoge einweih e, de ehema-
lige Vo si zende des Ve eins und Malz ab ikan Emanuel Fü s und de Spodium a-
b ikan Mo i z Pippes beim Gemeinde a in Unga isch-H adisch Beschwe de ein-
leg en, dass de Vo si z nich nu seine Rech sgewal übe zogen und unangemelde e
In e essen en nich zu Ve losung de Tempelsi ze zugelassen habe, sonde n de -
selbe Vo si z im Jah 1872 nich im Einklang mi den S a u en gewähl wo den und
somi nich legi im sei.
De Gemeinde a und die S a hal e ei Mäh en wiesen die Beschwe e ab un e
de Beg ündung, dass die Zu eilung de Tempelsi ze oll und ganz in de Kompe enz
des Ve eins o si zes s ehe und all ällige Einsp üche in de Voll e sammlung des Ve -
eins e handel we den soll en.26
22 An on Galusek, Die Gemeinde-Ve wal ung de königl. S ad Ung.-H adisch on 1848 bis
1878, Ung.-H adisch 1879, S. 74–75.
23 Samuel Mühsam, P edig en, Bd. III., Leipzig 1910, S. 94–95.
24 Ös e eichisches S aa sa chi [ÖS A], Allgemeine Ve wal ungsa chi [AVA], Un e ich
und Kul us [UuK], Neue Kul us [NK], Is aeli ische Kul us [Is K], Ka . 32, Fasc. Gene a-
lien, Z. 2940/1877; An on Galusek, Die Gemeinde-Ve wal ung…, S. 74–75; Hugo Gold, Ge-
schich e de Juden in Ung.-H adisch, S. 562.
25 MZA, B 14, I, In . 630, Fol. 669–700.
26 SOkA Uhe ské H adiš ě, AM Uhe ské H adiš ě, III, In . 444, Ka . 380, Fasc. 2, Fol. 7–11;
Ibid., Fol. 47–48.
DanIEl ba ánEk 63
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EIN PROZESSSÜCHTIGER UNRUHESTIFTER?
Obwohl es die Äm e be ei s meh e e Male abgelehn ha en, in in e ne Angelegen-
hei en des Ve eins einzug ei en, da sie dadu ch die ihnen on de Kons i u ion und
dem Ve einsgese z e liehenen Rech sk ä e übe ziehen wü den, muss e de Ge-
meinde a jedoch bald eine wei e e Beschwe de gegen den Vo si z des is aeli ischen
Kul us e eins bea bei en. Die Zwie ach un e den Unga isch-H adisch’schen Ju-
den ha en nämlich solche Ausmaße angenommen, dass diese nich meh ähig wa-
en, ih e S ei igkei en un e einande selbs mi Hil e de in den S a u en e anke -
en Schlich ungsmechanismen zu lösen. De S ei lamm e im Dezembe 1875 e neu
au , als zwa die Wahlpe iode des damaligen Vo si zes ende e, de Vo si zende Joa-
chim F ied jedoch den Au schub de Wahlen bean ag e mi de Beg ündung, dass
de Ve ein in absehba e Zei die Genehmigung ü die Umwandlung in eine is aeli i-
sche Kul usgemeinde bean agen wü de, sodass die neuen Wahlen dann gleich in de
is aeli ischen Kul usgemeinde s a inden wü den. De Gemeinde a gab dem Vo si -
zenden eine ie wöchen liche F is zu Vo lage eines S a u enen wu s, unmi elba
da au o de e jedoch Emanuel Fü s den Gemeinde a au , e solle die Abhal ung
o den liche Wahlen ano dnen, und An ang Feb ua a en zu diese Fo de ung wei-
e e 28 Ve einsmi gliede hinzu.27
T o z de es geleg en ie wöchen lichen F is und Fü s s D ängen bean ag e de
Vo si z des is aeli ischen Kul us e eins die Umwandlung in eine is aeli ische Kul-
usgemeinde und die Genehmigung ih e S a u en e s am 28. Mä z 1876. De Vo si z
beg ünde e den An ag dami , dass die Unga isch-H adisch’schen Juden be ei s eine
Synagoge e bau und ein G unds ück ü einen jüdischen F iedho gekau ha en,
sodass es ü sie keine Schwie igkei da s ell e, alle ü den Be ieb eine is aeli i-
schen Kul usgemeinde e o de lichen Ins i u ionen zu un e hal en. Als Mo i des
An ags üh e de Ve eins o si z auch die Bemühung um Au onomie an, dami dann
die Unga isch-H adisch’schen Juden an ih e u sp ünglichen is aeli ischen Gemein-
den, de en Diens e sie längs nich meh in Ansp uch nahmen, keine Bei äge meh
bezahlen müss en. Im Juni 1876 e gänz e de Ve ein dann seinen An ag um seine
Besi zau s ellung, um die In o ma ion, dass de Ve ein einen is aeli ischen Religi-
onsleh e und einen Schoche ( i uellen Schlach e ) bezahl e, und schlussendlich um
eine Lis e de 138 Pe sonen is aeli ischen Religionsbekenn nisses, die in Unga isch-
H adisch und Umgebung wohn en und Mi gliede n de o sä zlichen is aeli ischen
Kul usgemeinde we den soll en.28
De Gemeinde a in Unga isch-H adisch lei e e den An ag mi eine posi i en
Gu ach ung an die S a hal e ei Mäh en wei e und lehn e das P o es sch eiben des
Emanuel Fü s gegen die Ein ich ung eine is aeli ischen Kul usgemeinde ab, was
de Gemeinde a dami beg ünde e, dass das P o es sch eiben sachlich schlich weg
unbeg ünde sei und da übe hinaus ge älsch e Un e sch i en en hal e, was „am
deu lichs en den Cha ak e des Emanuel Fü s und seines ihm un e gebenen An-
27 Ibid., Fol. 12–13, 17–23.
28 MZA, Zemský úřad B no [B 40], III. manipulace [III], In . 1094, Ka . 2976, Z. 1097,
Fol.116–133.
70 WISOHIM/ESHP 21
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Schlussendlich ehl e nu noch die Ins i u ion des Rabbina s, hie s ieß de Ve -
ein jedoch ebenso wie im Jah 1882 au Wide s and sei ens de Äm e . Die Mi -
gliede des Is aeli ischen Kul us e eins in Unga isch-H adisch ha en zwa im
Augus 1885 D . Adol Hahn aus Wien zu ih em Rabbine und P edige e nann , die
S a hal e ei Mäh en lehn e es jedoch ab, ihm die Ausübung de im Allgemeinem
Bü ge gese zbuch ange üh en Funk ionen eines Rabbine s, d.h. die Rech sk a
zu Eheschließung und Ehescheidung, anzu e auen, weil Unga isch-H adisch
gemäß de gül igen Landesgese zgebung in das Rabbina in Unga isch Os au iel.58
Hahn konn e somi o iziell lediglich die Funk ion eines ein achen Religionsleh e s
aus üh en.59
Die S a hal e ei konn e angesich s de gül igen Legisla i e auch die S a u en,
mi denen sie den Ve ein de ac o in eine is aeli ische Kul usgemeinde umgewandel
hä e, nich genehmigen, also muss e de Ve ein diese meh mals übe a bei en lassen,
bis die S a hal e ei sie am 25. Janua 1886 endlich genehmig e.60 Mi dem endgül igen
Wo lau de S a u en und de Ablehnung des Rabbine s wa en die Ve einsmi glie-
de na ü lich nich zu ieden, weil die Mi gliedscha im Ve ein wei e hin eiwillig
wa , sodass wenn einem Ve einsmi glied die Höhe de Mi gliedsbei äge ode die
gewähl e Ve eins üh ung nich zusag en, dieses ein ach aus dem Ve ein aus e en
konn e, womi alle dings dessen wei e e Exis enz unsiche gemach wu de.61
De Ve ein s ell e deswegen im Mai 1886, im No embe 1887 und im Mai 1888 e -
neu den An ag, mindes ens p o iso isch in einen Kul us e ein umgewandel zu
we den, das Minis e ium ü Kul u und Un e ich leis e e jedoch den An ägen
nich Folge und wies au die lau enden Vo be ei ungen ü ein Gese z übe die O -
ganisa ion jüdische Angelegenhei en hin.62 Ande s als Ende de 70e Jah e handel
es sich nich um eine Aus ede, die Gese zes o be ei ung be and sich be ei s in de
Endphase und im Mä z 1890 wu de das Gese z RGBl. 57/1890, be e end die Regelung
de äuße en Rech s e häl nisse de is aeli ischen Religionsgesellscha , a sächlich
angenommen. Au g und des mäh ischen Landesaus üh ungsgese zes LGBl. 45/1891
e lang en die Unga isch-H adisch’schen Juden somi am 1. Janua 1892 endlich die
En s ehung ih e eigenen is aeli ischen Kul usgemeinde: Sie e lang en Au onomie,
das Rech au einen eigenen Rabbine und das Rech , eigene Ma iken zu üh en.
(DES-)INTEGRATIONSFAKTOREN
Ganze d ei Jah zehn e lang ha en die Juden in Unga isch-H adisch und de nahen
Umgebung um die E langung des S a us eine is aeli ischen Kul usgemeinde ge un-
58 SOkA UH, AM Uhe ské H adiš ě, III, In . 444, Ka . 380, Fasc. 2, Fol. 194–196, 211–212.
59 Fün zigs e Jah esbe ich des k. k. deu schen S aa s-Obe gymnasiums…, S. 27.
60 SOkA Uhe ské H adiš ě, AM Uhe ské H adiš ě, III, In . 444, Ka . 380, Fol. 160–163,
168–181, 185–190, 197–205, 209–210.
61 Die Neuzei , 24. Dezembe 1886, S. 4.
62 SOkA Uhe ské H adiš ě, AM Uhe ské H adiš ě, III, In . 444, Ka . 380, Fol. 224–228,
239–240; ÖS A, AVA, UuK, NK, Is K, Ka . 32, Fasc. H, Z. 16959/1886, 24663/1887.
DanIEl ba ánEk 71
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gen, um ih e eligiösen Bedü nisse oll be iedigen zu können, um ih e inanziellen
Mi el nu in eigene Ins i u ionen in es ie en zu können und um an ih e u sp üng-
lichen is aeli ischen Kul usgemeinden, de en Diens e sie schon lange nich meh in
Ansp uch nahmen, keine Kul uss eue n ab üh en zu müssen. Übe dieses Ziel konn-
en sich wohl alle Gemeindemi gliede einigen, ein P oblem a jedoch in jenem Mo-
men au , in dem dieses Ziel konk e isie we den soll e. Soll e die Synagoge in ehe
p unk ollem ode liebe in bescheidene em S il gebau we den? Und o allem, soll-
en in de Synagoge ehe e o mie e ode ehe konse a i e Go esdiens e abgehal-
en we den, mi Musikbeglei ung ode ohne? Soll en alle is aeli ischen Ins i u ionen
om is aeli ischen Kul us e ein au gewisse Weise kon ollie we den, ode soll en
manche Ins i u ionen liebe eigens ändig e wal e we den?
Eine sei s e band und mo i ie e das gemeinsame Ziel also die jüdische Ge-
meinscha , ande e sei s konn e es sie jedoch auch g undlegend ze eilen, insbe-
sonde e wenn de Ve eins o si zende seine Vo s ellungen ohne Rücksich au die
Meinung eines bedeu enden Teils seine Glaubensgenossen du chse z e, abe dabei
noch o sä zlich seinen Meinungsgegne n schade e. Sobald sich die Ve eins üh ung
en schied, jeglichen Raum ü K i ik zu eliminie en und sich en gegen den S a u en
weige e, die Voll e sammlung einzube u en ode Neuwahlen du chzu üh en, en-
ilie e die Opposi ion die Spannung nach außen hin und benu z e alle möglichen
Ins umen e zu Disk edi ie ung de Ve eins üh ung o dem Äm e n. Die Äm e
s ell en sich als kein gu e Ve bünde e he aus, weil sie es aus P inzip he aus ablehn-
en, e einsin e ne S ei igkei en zu behandeln, aus denen so mindes ens zei weilig
als Gewinne die Ve eins üh ung, die die S a u en e le z ha e, und nich die Op-
posi ion, die au die Ve le zung de S a u en au me ksam gemach ha e, he o ging.
Lang is ig gesehen gab es jedoch keinen Gewinne : Die Äm e en gingen mi ih em
aus edne ischen Nich eing ei en in in e ne Ve einsangelegenhei en wiede hol en
Beschwe den nich und dem Vo si z iel abe mals de Ve ein auseinande , weil die
igno ie en K i ike in diese Gemeinscha oll pe sönliche A e sionen keine Ene -
gie und keine inanziellen Bei äge in es ie en woll en.
Das ganze 19. Jah hunde hindu ch wa jedoch das g ündende Elemen de jüdi-
schen Iden i ä die Religion, die als gleichzei ig indi iduelles und kollek i es Phäno-
men die Mi gliede , die den is aeli ischen Kul us e ein e ließen, dazu zwang, sich
wiede in eine de kollek i en eligiösen S uk u en einzugliede n ode abe neue
S uk u en zu bilden. Die jüdische Be ölke ung in Unga isch-H adisch und Umge-
bung wa nich zahl eich genug, als dass die Opposi ion ih en eigenen konse a i e-
en ode e o ma ionso ien ie e en is aeli ischen Kul us e ein g ünden hä e kön-
nen. De Unga isch-H adisch’sche is aeli ische Kul us e ein iel deshalb nie ganz
auseinande und de Aus i aus dem Ve ein bedeu e e nich den Ausschluss aus
de jüdischen Gemeinscha , sonde n „nu “ die Resigna ion au die eigenen Rech e
gegenübe dem Ve ein und au das Vo ech in de Synagoge und ande en e eins-
eigenen Ins i u ionen. In den Zei en zugespi z e S ei igkei en en s anden zwa
al e na i e Ins i u ionen, die jedoch die Tä igkei des Kul us e eins ehe e gänz-
en als duplizie en und einen Raum da s ell en, in dem die Gläubigen, die mi de
ak uellen Füh ung des Kul us e eins unzu ieden wa en, ih e Religiosi ä ausüben
konn en.
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abbildung n . 1: S uk u de jüdischen
Be ölke ung nach Gebu so in den Jah en 1869, 1880 und 1890