153REZENSIONEN
Chan al Puech: Ludwig Winde , das P osawe k. Wege aus de
Unmündigkei – eine E hik des Handelns und de P lich .
Wü zbu g: Königshausen & Neumann, 2019, 359 Sei en.
S e en Höhne– H M Weima / F iede ich ‑Schille ‑Uni e si ä Jena
Ziel de o liegenden Monog aphie is eine Wü digung des gesam en Romanwe ks
on Ludwig Winde , um den na a i en E ah ungszusammenhang, de den We ken
zug unde lieg , zu ekons uie en und eine hema ische und s uk u elle Kon inui ä
au zuzeigen bzw. eine inne e Kon inui ä und Kohä enz zu belegen und eine en sp e-
chende Pe iodisie ung o zunehmen. De Ansp uch lieg somi le z lich da in, eine
Gesam wü digung des We kes o zunehmen.
Hie zu wi d zunächs die Lek ü e in einen seh gu en Fo schungsübe blick ein-
gebe e , da die Ve asse in nich nu die in den Biblio heken e ass e Li e a u zu be-
ücksich igen weiß, sonde n o enba auch Zugang zu Diploma bei en in Tschechien
und in Wien ha e, was zumindes au gu e akademische Kon ak e schließen läss .
Diese du chaus k i ische Fo schungsübe blick e ass die bishe nich allzu um ang
-
eiche Fachli e a u zu Winde und bilde somi eine solide Basis auch ü die wei e e
Fo schung zu Ludwig Winde . Gleiches gil ü den knappen, gleichwohl in o ma i en
Ab iss kon ex uelle Ein lüsse in de Zei Winde s als Bü ge de Habsbu ge mona -
chie, als Bü ge de Tschechoslowakei und dann als Exilan in G oßb i annien. Dami
is eine G undlage ü die Lek ü e des Romanwe ks on Winde geleg .
Ausgehend on de Übe legung, nach dem de Einzelne in „seinem pe sönlichen
Kamp mi ode in de Zei “ (S. 36) eine in de Kindhei ausgelös en Au gabe ode
Mission olge, un e such die Ve asse in im e s en Teil ih e S udie das sogenann e
U e lebnis als „en scheidenden Momen in de Ausges al ung des Handlungssche-
mas“ bzw. in seine Funk ion als „symbolische Wel da s ellung“ (S. 37), welches ü
die e s en sechs Romane als zen ales na a i es Mus e e kann wi d. Es geh bei
diesen p ägenden Kindhei se lebnissen um die Rolle de Kindhei als Mo o de Roman-
handlung. E s au de G undlage diese Kindhei se lebnisse e en die li e a ischen
Figu en En scheidungen (S. 150). Das U e eignis wi d somi zu einem zen alen
Cha ak e is ikum de li e a ischen Figu . Ob es sich a sächlich bei diesem Topos de
unglücklichen Kindhei , wie schon on O o Pick e kann , um ein Cha ak e is ikum
de mäh ischen, gemein is siche die deu schmäh ische Li e a u , handel , wä e
alle dings nähe auszu üh en und in Ve gleich z. B. zu deu schböhmischen ode
ös e eichischen Li e a u zu se zen.
Im zwei en Teil de S udie geh es um das Konzep des ‚Lebensplans‘– die Ve -
asse in g ei hie e neu au ein Modell on Al ed Adle zu ück –, mi dem de
Romanheld „im Kamp mi de eigenen Exis enz“ s ehe und diese Sinn e leihen will
(S. 37). Es handel sich somi um ein wei e es, ü den Roman kons i u i es Konzep
ode Lei p inzip: „De Lebensplan p äsen ie sich als Le np ozess, in dessen Ve lau
die Figu en P oben zu bes ehen haben“ (S. 156), die zumindes in einigen Fällen E -
kenn nisp ozesse auszulösen e mögen. Winde se ze dabei un e schiedliche Modelle
ein, die hie als Un e kapi el gesonde analysie we den: ein o p og ammie es
Schei e n in Fo m on g ößenwahnsinnigen (Die asende Ro a ionsmaschine) ode
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obsessi en (Die nachgehol en F euden) Plänen, ein e dien es Schei e n wie bei dem
an Selbs e blendung und Hochmu schei e nden ‚Dogma ike ‘ D .Mu , ein e e b-
es Schei e n wie in de Jüdischen O gel. Alle dings sei dami , so Puech, die Deu ung
o gegeben, Winde lasse dem Lese keine Wahl, sonde n sch eibe le z lich eine ein-
deu ige Lesa o . Winde gehe es dabei wenige um die Au lehnung gegen die Vä e ,
die Ablehnung des Sys ems ode den B uch mi de Ve gangenhei als ielmeh um
das Ve mögen des Einzelnen, de imme He seines Schicksals is (S. 263). In endie
seien somi wede U opie noch T anszendenz, sonde n die p inzipielle E ziehba kei
des Menschen. K i isie wi d dagegen „jede Handlung, jede Spekula ion, die den
Menschen zum Objek deg adie en will.“ (S. 262) Ob sich dies alle dings noch dem
Pa adigma des Bildungs omans zuo dnen läss , wä e zumindes aus üh liche zu dis-
ku ie en gewesen, auch wenn die Ve asse in dami einen inspi ie enden Gedanken
au wi , de im Hinblick au Winde gewinnb ingend auszu üh en wä e.
De abschließende d i e Teil is de Winde schen E hik des „Handelns und de
P lich “ gewidme (S. 37), eine P lich des Menschen, sich du ch sein jeweiliges Han-
deln jegliche Fo m on To ali a ismus und Dogma ismus zu wide se zen, wo aus sich
wiede um die humane Ve p lich ung des Sch i s elle s ablei en lasse. Die Suche nach
Sinn liege im Handeln und in de P lich , somi in de Selbs übe windung, die au die
e wähn e E hik hinlei e. Das kling zunächs du chaus einleuch end, doch so, wie in
den e s en beiden Haup kapi eln eine doch ech dünne Re e enz ge ade einmal au
den Ansa z on Adle o lieg , so e olg hie o enba ein Rückg i au ein all ags-
sp achliches Konzep on Handeln, dem eine en sp echende soziologisch undie e,
analy ische Schä e ehl – sei es in Abg enzung on ‚Handeln‘ als sinnha em Tun zu
‚Ve hal en‘ und zu ‚sozialem Handeln‘, das au ande e Pe sonen ge ich e , abe auch
au Dis ink ion o ien ie sein kann. Ode sei es in Hinblick au ein ideal ypisches
Konzep on Handeln wie bei Max Webe , de zwischen zweck a ionalen, we a io-
nalen, a ek uellen und adi ionellen Mo i en on Handeln di e enzie . Man kann
na ü lich einen Tex wie den Kamme diene nach einem simpli izie en Modell on
Handeln lesen, dabei bleib die in e subjek i e Dialek ik on He und Knech abe
ausgeblende . Und ob man eimau e ische Ein lüsse bei Winde pos ulie en kann,
wä e siche eben alls p äzise zu un e suchen. Analogien zu dem in einem öllig
ande en Kon ex s ehenden Sieg ied Lenz ode ein Zi a aus Moza s Zaube lö e
eichen als Belege siche nich aus.
Bleib somi als Fazi , dass Winde s Romane au de G undlage on Kindhei s-
e lebnissen übe einen inne en Zusammenhang e ügen und als didak ische Tex e
nich im Diens eine „ak i is ischen ode mo alisie enden U opie“ s ehen (S. 327),
sonde n eine humanis ischen Eins ellung e p lich e sind? Das wä e siche zu
e kü z , denn zumindes wi d in diese S udie eine wenn auch nich au egende, so
doch an egende Lek ü e de Winde schen Romane p äsen ie . Alle dings, und das
bleib das Manko, wä e mi eine gewissen heo e ischen Fundie ung doch deu lich
meh aus den Tex en Winde s he auszua bei en, zumal en sp echende An egungen
an ielen S ellen diese S udie gegeben we den.