Übe se zen ohne Kenn nis de emden Sp ache.
Raine Ma ia Rilke und die „po ugiesischen“
Sone e on Elizabe h Ba e B owning
E ich Unglaub
Technische Uni e si ä b aunschweig
[email p o ec ed]
SYNOPSIS
T ansla ing wi hou Knowledge o he Fo eign Language: Raine Ma ia Rilke and Elizabe h
Ba e B owning’s ‘Po uguese’ Sonne s
P o essional p ac ice seems o p eclude ansla ing ex s om alanguage o e which he ansla o
has no achie ed mas e y. Howe e , 20 h cen u y Ge man li e a u e has a leas wo p ominen ex-
amples o such cases. Raine Ma ia Rilke ansla ed he sonne s o he English poe Elizabe h Ba -
e B owning and Ka l K aus he Sonne s o Shakespea e. Looking o Rilke, i is appa en ha such
ap ojec can succeed unde he igh condi ions. Collabo a o s and iends p o ided p elimina y
and p ose e sions, making possible a ansla ion p ocess analogous o he ac o c ea ion. Rilke il-
lus a es his p ocess wi h S endhal’s pic u e o ‘c ys alliza ion’. Meanwhile, he c ea ion o he col-
lec ion Sonne s om he Po uguese e eals some ques ions and p oblems associa ed wi h he ac o
ansla ion, also e iden in he i le and au ho ship o he publica ions.
SCHLÜSSELWÖRTER / KEYWORDS
Raine Ma ia Rilke; Elizabe h Ba e B owning; Sone ; Übe se zung; S endhal; K is allisa ion; In-
sel-Ve lag / Raine Ma ia Rilke; Elizabe h Ba e B owning; sonne ; ansla ion; S endhal; c ys al-
liza ion; Insel-Ve lag.
DOI
h ps://doi.o g/10.14712/23366680.2020.1.11
Die Mailände Li e a u k i ike in La inia Mazzucche i (1889–1965) e such e in ei-
ne Hommage an den ge ade e s o benen Dich e Raine Ma ia Rilke ih en Lands-
leu en, die de deu schen Sp ache nich mäch ig wa en, die P oblema ik on übe -
se z e Li e a u in eine p ägnan en Me aphe zu e deu lichen:
Vogliamo sol an o che […] ques i saggi ammen a i della sua ope e, pu a a e so
al elo mo i ican e delle e sione, siano iniziazione e ichiamo amol i amici nuo i
(Mazzuche i 1927, S.556).
Das He de Zei sch i Il Con egno, das Rilke gewidme wa , en hiel .a. Übe se -
zungen on Gedich en, die om Mailände Dozen en Vincenzo E an e (1890–1951)
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p äsen ie wu den. Mazzuche is Me aphe bezog sich also in e s e Linie au Ly ik-
Übe se zungen. Wi soll en abe Ausgangspunk und Pe spek i e des Aussp uchs be-
ach en. Mazzuche i wie E an e wa en e ah ene Ge manis en, Hochschulleh e ,
Edi o en und Publizis en, d.h. sie wa en in de Ausgangssp ache wie in de Zielsp a-
che de Übe se zungen eminen bewande . Sie konn en Rilkes Gedich e im O igi-
nal lesen, Inhal wie Fo m adäqua e assen und die Möglichkei en eine adäqua-
en Wiede gabe in ih e eigenen Mu e sp ache einschä zen und nu zen. Nu so is
die skep ische, ja e nich ende Einschä zung zu e klä en, die eine Übe se zung das
Bild eines „beschämenden Schleie s“ (wenn nich soga ‚ odb ingenden‘ Schleie s)
zuo dne e, abe dennoch die Ho nung ausd ück e, Rilkes We k o zdem iele neue
F eunde zu e scha en.
Es gib abe noch eine ande e Ausgangssi ua ion zu bedenken, es is die des Übe -
se ze s, de sich nu in seine eigenen Mu e sp ache bewegen konn e. Denn ün
Jah e spä e (1933) wand e sich de ös e eichische Sch i s elle Ka l K aus, de Ril-
kes Übe se zungskuns bei anzösischen Sone en scha k i isie e ( gl. K aus 1924),
gegen die Übe se zungen de Shakespea e-Sone e du ch S e an Geo ge und ech e -
ig e sein Gegenp ojek o seinen Lese n: „Ich bin […] zu dem En schlusse gelang , es
mi Shakespea e zu e suchen und mi [S e an] Geo ge au zunehmen, wozu ich nich
so seh de Kenn nis des Englischen als des Deu schen beda “ (K aus 1932, S.50). Hin-
e de Polemik de Ph ase is auch ih e Abschwächung e kennba , denn K aus kann
kein Englisch. So e schieb e die Akzen e. Fü ihn is „nich so seh “ die Kenn nis de
Ausgangssp ache on Bedeu ung, sonde n die Kenn nis (und das is bei ihm ein hohe
Ansp uch) de Zielsp ache. Vo allem in ih muss de übe se z e Tex unk ionie en
und die F emdhei des O iginals in den Hin e g und e en. Dami sind Bezugspunk
und K i e ien de Übe se zung ande e als in de Be ach ung on Mazzuche i. Die
nach dem Ansp uch on Ka l K aus en s andenen Tex e zeigen in e s e Linie die
Nähe zu Sp ache, Ziel und In e esse de übe se zenden Pe son.
Bei Rilke wissen wi , dass e sein F anzösisch als E wachsene in de Be li z-
School e besse e ode — wie im Russischen— p i a en Un e ich ha e. Bei sei-
nem I alienisch wissen wi , dass die Emp änge seine B ie e es als „d ollig“ und
ehle ha emp anden. Und wenn e englische Au o en emp ahl, ie e Bekann en,
sie in anzösischen Übe se zungen zu lesen.1 Man könn e sagen, e ha e wede ein
Senso ium ü die englische Sp ache noch das Bedü nis, sie zu e le nen.2 Umso e -
s aunliche , dass e mi eine Übe se zung aus ausge echne diese Sp ache he o -
a . Neben zwei Shakespea e-Sone en3 blieb es die einzige Übe se zung aus dem
Englischen.4 Als 1920 in de Schweiz eine kleine Biblio hek au gebau we den soll e,
1 Vgl. die Lis e Rilkes ü Ma ie Gaga ine-Obolenski (1926). Rilke — Gaga ine-Obolenski
2011, S.12–13.
2 G undsä zlich zu P oblema ik gl. Mason 1961.
3 Die Übe se zungen ( gl. SW VII, S.1036–1039) sind im Win e 1911 ode 1912 in Duino en -
s anden. Die Haushe in, Fü s in Ma ie on Thu n und Taxis, behe sch e die englische
Sp ache gu . Rilke kann e auch die Übe se zungen de Sone e, die S e an Geo ge ange-
e ig ha e, gl. den Kommen a in SW VII, S.1318.
4 Zu Rilkes Übe se zungen aus dem Englischen gl. Die e le 2004, S.463–466 und Olschne
2007, S.126–127.
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emp ahl e un e den Sch i s elle innen, die be ücksich ig we den soll en, Eliza-
be h Ba e B owning mi de englischen Ausgabe ih e be ühm en Sone e.5
Die on Rilke übe se z e Sammlung6 mi dem e was ä selha en Ti el: Sonne s om
he Po uguese en häl 44 Liebesgedich e de englischen Dich e in Elizabe h Ba e
B owning. Sie wa en e s mals in de zwei en Edi ion de Gedich e (1890) e schienen
(Ba e B owning 1850). Um de ik o ianischen P üde ie zu en gehen, wu de om
Ehemann de Ve asse in, Robe B owning, diese Umsch eibung gewähl , die alle -
dings ech du chsich ig wa . Diese Reihe de Sonne s soll e als Übe se zung aus eine
ande en Sp ache e scheinen. Robe B owning schlug o , sie soll en aus Bewunde-
ung ü den po ugiesischen Sone -Dich e Luís de Camões benann we den und auch
einen Ve weis au die Sche zbezeichnung „my li le Po uguese“7 ü B ownings Ehe-
au im Ti el en hal en. „Po uguese“ bedeu e e also sowohl eine ( o geschobene) Sp a-
che als auch eine Pe son. Das wa in eine deu schen Übe se zung nich nachzubil-
den. Um 1900 gab es eine Reihe on englischen Sepa a -Ausgaben diese Sone e. We
die ande en Gedich e de Au o in kann e, konn e den (biog a ischen) Schlüssel seh
schnell inden. Abe das dü e nich Rilkes In en ion gewesen sein. Seine Begegnung
mi de Gedich sammlung wa auch nich zu ällig, und— es bedu e de Ve mi lung.
Rilke wa du ch die schwedische Re o mpädagogin und Sch i s elle in Ellen
Key (1849–1926),8 au das Dich e -Ehepaa Robe B owning (1812–1889) und Eliza-
be h Ba e B owning (1806–1861) au me ksam gewo den. De B ie wechsel aus de
B au zei des Paa s, das 1846 hei a e e, wa 1899 im O iginal e schienen (B owning—
Ba e Ba e 1899). Ellen Key ha e ihn in eine seh aus üh lichen Besp echung
mi dem Ti el T å människo (1899) o ges ell , die in deu sche Übe se zung in ih em
Essay-Band Menschen ged uck wu de (Key 1903).9 Ein Exempla de deu schen Aus-
gabe des B ie wechsels (B owning— Ba e Ba e 1905) ha e Key an Rilke schicken
lassen. Da in inden sich Gedanken übe dich e isches Scha en in Einsamkei und
das gegensei ige Wäch e am . Genau dieses Konzep übe nahm Rilke en husias isch
ü seine eigene Ehe mi de Bildhaue in Cla a Wes ho . Das Ehepaa Ba e B ow-
ning wu de ü sie zu Lei igu ; o allem die Ges al de F au als Dich e in inde
sich in zahl eichen Ve weisen in Rilkes We k. Sel same weise is abe nie on den
Gedich en diese F au die Rede. Rilke ha e o ensich lich keine genaue e Kenn nis
on diesem dich e ischen We k. E ha e e mu lich nich s da on gelesen, denn es
ehl e eine deu schsp achige Ausgabe. De schwedischen Ve mi le in Ellen Key wa-
en die Sonne s om he Po uguese in ih em Essay Menschen einige Sä ze we , die
5 Rilke an Fanny Cla el, 31.Dezembe 1920. Rilke 1994, S.183.
6 Es konn e alle dings nich aus indig gemach we den, welche Vo lage ode Ausgabe Ril-
ke zu Ve ügung ha e. Vgl. das Nachwo on Wal e Simon und Ka in Wais in SW VII,
S.1348.
7 Nich ohne Bedeu ung ü diese Wahl dü e auch das Gedich Ca a ina o Camoens (1844).
8 Rilke ha e im B eme Tagebla (1902) eine en husias ische Rezension on Ellen Keys Buch
Das Jah hunde des Kindes gesch ieben, das in deu sche Übe se zung im S.Fische Ve lag
e schienen wa . Da aus en wickel e sich ein B ie wechsel und eine pe sönliche Bekann -
scha .
9 Dem Essay übe das Ehepaa Ba e und B owning (S.85–315) ging eine S udie übe den
schwedischen Dich e Ca l Jonas Ludwig Almquis o an.
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We schä zung ausd ück en und zum Ve gleich au ande e Dich e innen und Dich-
e hinwiesen:
Übe diese Sone e ha es imme nu eine Meinung gegeben. So wie sie in
de We schä zung de Zei ih en Pla z haben, haben sie ihn auch in de de
Li e a u o schung, nämlich als einzig das ehend zwischen Shakespea es und
D.G. Rose is Liebessone en; sei Sapphos Tagen das einzige Beispiel in de
Wel li e a u da ü , daß eine F au in de e o ischen Ly ik die höchs e Höhe de
männlichen Kuns e eich und sie du ch die Schönhei des Ge ühls noch übe o en
ha . Meine Übe zeugung is , daß wenn selbs alles, was die F auenli e a u unse es
Jah hunde s he o geb ach ha , ielleich im S om de Ve gessenhei e sunken
is , die Kelche diese Lo osblumen sich noch in un e gängliche Schönhei aus ihm
e heben we den (Key 1903, S.211).
Als Rilke und seine F au im Augus 1903 das Buch mi dem Essay übe das englische
Dich e paa und seine B au b ie e e hiel en, eil e Rilke de schwedischen Ve asse-
in mi , dass es „ äglich au seine eine A zu uns sp ich “ (Rilke— Key 1993, S.34).
Eine Übe se zung de Sonne s om he Po uguese wa jedoch eine deu liche He -
aus o de ung ü den Dich e , dem de O iginal ex sp achlich nu schwe zugäng-
lich wa . O ensich lich wuß e sich Rilke zu behel en und en wickel e dabei sein
Modell de Übe se zung on Ly ik aus Sp achen, die ü ihn nu schwe zugänglich
wa en.
De Pianis und Komponis Nicolas Naboko a Rilke in eine Pa ise Salon-
gesellscha (1925). Rilke ging in dem ehe locke en Gesp äch mi dem noch jungen
ussischen Emig an en as anekdo isch au das P oblem des Übe se zens aus ihm
wenige geläu igen Sp achen ein. Naboko gab die Aus üh ungen olgende maßen
wiede :
Rilke u ned his ace owa d me and said: „AGe man publishe is asking me o ans-
la e Blok’s poems.10 Bu Ican’ make up my mind. Ido no know Russian, and i is
a e y di icul language, isn’ i ? And Russian is, Ibelie e, no e y pliable o ans-
la ion. I is acomplex and sub le language, so a as Ican judge. When one ansla es
apoem,“ he con inued, „some o i ine i ably ge s los . The e is no only he meaning
and he mood bu he me e , he scansion, he hy hm, he wo d li e, and he music o
he poem […] one’s ea mus be keenly awa e o hem,“ and he s opped again.
„I old he publishe ,“ he con inued, „ ha Iwould need h ee hings be o e Iwould
e en a emp o ansla e apoe as complex as Blok mus be. Ineed ali e al wo d-by-
wo d ansla ion o he poem wi h indica ions o i s Russian g amma ical s uc u e,
hen Ineed aca e ul and phone ically p ecise ansli e a ion, and las ly Iwould need
aci ilized Russian, like you, o example,“ and he smiled a me, „a eci e , who would
eci e each poem aloud o e and o e again un il Ipene a e he poem’s inne music.
This is how Iha e ansla ed poems om he Po uguese“ (Naboko 1975, S.141).
10 Alexande Blok (1880–1921) ussische Dich e . Rilke le n e sein spä es We k Sky hen
(1918) auch in de deu schen Übe se zung on Reinhold on Wal e kennen, de ihm ein
Exempla aus dem Be line Exil-Ve lag (1921) zuschick e.
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Was Naboko gesp ächsweise on Rilke zu Übe se zungsp oblema ik im Jah 1925
as beiläu ig— und bishe kaum beach e — mi ge eil wo den is , mag eine deu li-
che Übe höhung seine A bei sp axis gewesen sein. Rilke ha Gedich e des ussischen
Sch i s elle s Alexande Blok nich übe se z , e mu lich damals auch ga nich die
Absich dazu gehab . In den Aus üh ungen wi d abe deu lich, dass Rilke bei seinen
Übe se zungen danach such e, Pe sonen einzubeziehen, die ihm die O iginalsp ache,
ih e Idioma ik, ih e G amma ik und ih e lau liche S uk u naheb ach en.
Zum Englischen muss Rilke alle dings schnell wiede Dis anz gewonnen haben.
In einem B ie on 1922 e läu e e e seine Schwie igkei en, „da mi diese Sp ache
un e allen, mi denen ich mich je einzulassen e such habe,— o z meine Übe -
agung de B owning-Sone e— die unübe windlich emdes e geblieben is “ (Rilke
1977, S.18).
Ähnlich be ich e ein junge i ische Wissenscha le übe ein Gesp äch bei eine
Begegnung mi Rilke 1925 in Pa is:
He ell e y quickly in o he hy hm and eel o apeople and/o language. He old me
ha had happened o him wi h Russian, hough he la e o go much. In his con-
nec ion he spoke o his ansla ion o he ‚Sonne s om he Po uguese.‘ This he had
made wi h he help o a iend. […] He said he had el himsel a he ime comple ely
imme sed in and a home in he English language, enjoying i s hy hms, and ye la e
o ge ing i comple ely.11
Übe die in de emden Sp ache hil eiche, mi Rilke be eunde e Pe son und den
O de Übe se zungen gib es hie leide keine nähe en Angaben.
De scho ische Ge manis Eudo C.Mason e e ie die Aussagen on Do a Hei-
d ich/He xheime (1884–1963). Diese englische Bildhaue in und S uden in ha e
Rilke 1906 in Pa is nähe kennengele n . B.J.Mo se, de mi ih spä e Kon ak ha e,
sch eib übe die gemeinsame A bei an den Sonne s om he Po uguese:
The i s app oaches o he ask we e made wi h he p epa a ion o he p ose ende-
ings, which, wi h he assis ance o Do a Heid ich, had come in o being a Pa is in
1906. The echnique adop ed was ha ollowed by Rilke in all his subsequen ans-
la ions om languages wi h which he was no pe ec ly acquain ed: each sonne was
i s ead aloud by Do a Heid ich, and, when poin s o g amma and meaning had
been discussed and elucida ed, hen ep oduced in Ge man by Rilke.12
Hie wi d die on Naboko geschilde e Vo gehensweise bei de Übe se zungsa bei
bes ä ig . Wenn die Koope a ion Rilkes mi Do a Heid ich im Juni/Juli 1906 a säch-
lich s a ge unden ha ,13 wu de sie wohl in ähnliche Weise im olgenden F ühjah
au Cap i in eine ande en Kons ella ion wiede au geg i en.
11 B ie on William McCousland S ewa an Eudo C.Mason, 2.Feb ua 1958. Mason 1961,
S.141.
12 Zi ie nach ebd., S.34.
13 Auch Ellen Key ha e Rilke in diese Zei in Pa is besuch . In Rilkes B ie en an Do a Hei-
d ich in den Jah en 1906–1908 inde sich kein Hinweis au diese Übe se zungsa bei .
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Am 10.Ap il 1907 wu den die Sone e de Elizabe h Ba e B owning ü Rilke zu
ak uellen A bei .14 Anlass wa nach Wal e Simon und Ka in Wais kein Ve lagsau -
ag, sonde n „inne e A ini ä .“15 Rilke be and sich im o angehenden Win e au
de Insel Cap i als eine on meh e en Gäs en on Alice Faehnd ich geb. F eiin on
No deck zu Rabenau (1857–1908)16 im Rosenhäusl de Villa Discopoli. 17 Die Si ua ion
wa angenehm, abe ü den Fo sch i seine A bei en ( .a. am Mal e-Roman, Neue
Gedich e) wenig güns ig. So eil e e Ellen Key am 9.Feb ua 1907 mi :
Unse kleine K eis is de eizends e, den man sich denken kann, abe ü mich is das
so u ch ba schwe , das noch so schöne Beisammensein mi Menschen mi wi kliche
A bei zu e einen. Obwohl hie alle bes en und liebe olls en Willens sind, mi ’s zu
e möglichen. […] Und un e Menschen, und ge ade un e lieben, komm ich so leich
dazu, zu eden und alles Mögliche o zugeben im Gesp äch, was dann wohl ü die
A bei ehl (Rilke— Key 1993, S.184).
Auch die junge G ä in Manon zu Solms-Laubach (1882–1975) aus Ma bu g wa anwe-
send und ha e „ eundlichen und au me ksamen An heil genommen.“ Als wei e e
Impulsgebe in wa auch Ellen Key om 12.bis 16.Mä z zu Besuch. Mögliche weise
ha e Sie im Gesp äch des K eises diese Gedich e in E inne ung ge u en. Sie ag e ei-
nen Tag nach ih e Ab eise an: „Danke seh au F.[aehnd ich] u ih en lieben B ie .
Übe se z du E.B.B owning?“ (ebd., S.192).
Die Si ua ion ü eine Übe se zung ins Deu sche wa güns ig, denn die Gas ge-
be in konn e Rilke im Englischen aushel en. Aus Rilkes (spä e en) Äuße ungen is
zu en nehmen, dass die Ini ia i e zu Übe se zung on ih ausgegangen wa . Rilke
sch ieb 1924 an He mann Pongs au dessen F age „Was gab e s en Anlaß zu Übe -
se zungen?“
Die Sone e de Elizabe h B owning wu den übe se z , zu Eh en eine F eundin,18
die on Sei en ih e Mu e he englische Abkun wa und diese Gedich e übe alles
lieb e. Einzige Ve such im Englischen, de mi en legens en und emdes en Sp ache
(Rilke 1937, S.322–323).
Es is deshalb anzunehmen, dass man in Cap i eine Ausgabe de Sonne s in de O igi-
nalsp ache zu Ve ügung ha e. Am 24.Mä z 1907 las Rilke zwei de zwöl on ihm
14 Benjamin Joseph Mo se (1948) be ich e , dass Rilke schon im Somme 1906 in Pa is mi
Do a Heid ich / He xheime an den Sone en gea bei e und P osa-Ve sionen e s ell habe.
Vgl. dazu Mason 1961, S.32–37 und. Ca ling 1998, S.87 Anm. 87.Absch i en on 19 B ie en
(1906–1913) Rilkes B ie e an Do a Heid ich be inden sich im A chi de Uni e si ä Ca di .
15 SW VII, S.1355.
16 Sie wa sei 1898 Wi we, ih e Mu e Cla a, geb. Philips, wa Englände in.
17 Im Gäs ebuch des Hauses s eh de Ein ag: „Vom 4.Dezembe bis zum 15.May— leb e
das Leben des Rosenhäusls au me ksam und dankba : / Discopoli / 14.V. 07. / Raine Ma-
ia Rilke.“
18 Hie in könn e eine wei e e Mo i a ion zu Übe se zung liegen. Rilke woll e sich de Gas -
gebe in gegenübe e kenn lich zeigen.
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ERICH UNGLAUb 205
in den le z en Tagen übe se z en Sone e seinem Zi kel in de Villa Discopoli o , am
10.Ap il wa die Reinsch i das Übe se zungsp ojek abgeschlossen, und de Dich-
e be ich e e e leich e :
Ich habe eine liebe ägliche A bei hin e mi , eine Übe agung de wunde schönen
ie und ie zig ‚Sonne s om he Po uguese‘ on Elisabe h Ba e -B owning, de en
Zus andekommen ich meine Haushe in hie e danke.19
Ingebo g Schnack e läu e e die En s ehung: „Im F ühjah 1907 las ihm seine Gas -
gebe in F au Faehnd ich die Sone e o , es wu de eine deu sche P osa assung20 e -
a bei e , und danach en s anden Rilkes ‚Nachdich ungen‘, die e dann meis abends
im K eis de Damen o las“ (Rilke 1995, S.550). Eine Reinsch i de Sone e ging nach
Rilkes ausd ückliche Anweisung in den Besi z de Gas gebe in übe .21
Rilkes Übe agungen en s anden, wie dieses Beispiel zeig , nich imme in Ein-
samkei . Sie konn en in eine einges imm en Gesellscha ih en Ans oß inden und im
mündlichen Vo ag in diesem K eis auch zum Abschluss kommen. Dies schien ihm
so wich ig, dass e de schon abge eis en Julie on No deck zu Rabenau am 11.Ap il
sch ieb: „Und als ich die d ei le z en on den ie und ie zig bewäl ig en Sone en las,
las ich sie ü Sie und in Gedanken an Ih e Gegenwa glaubend“ (Schnack 2009, S.267).
Rilke e such e bei Übe se zungs-Au gaben und en sp echenden An agen ö -
e , kompe en e Pa ne zu gemeinsamen Lek ü e zu gewinnen. E ba z. B.Sidonie
Nádhe ný on Bo u in im Mä z 1913 um ein U eil übe die Ly ik de ame ikanischen
Dich e in Luc e ia Da idson (1809–1825) (Simon 2001, S.214 Anm. 49). Die Fü s in
Ma ie on Thu n und Taxis las mi ihm au Duino Dan es Vi a nuo a.22 Im F anzösi-
schen konn e e dagegen selbs di e enzie u eilen, auch übe das Ve häl nis on
Ausgangs- und Zielsp ache.23
In Cap i konn e Alice Faehnd ichs Mu e , die Englände in wa , Rilke die O igi-
nale o lesen. Rilke, dem die englische Sp ache so emd wa , konn e siche nu mi
g oße Hil e und im in e p e ie enden Gesp äch einen Zugang zu den Tex en inden.
Nach Abschluss de Übe se zungen sch ieb e :
Diese englischen Liebessone e sind on eine Vollkommenhei und P äzision
des Ausd ucks: es sind Ge ühlsk is alle: so kla , so gese zmäßig, so du chsich ig
19 Rilke an Gud un on Uexküll, 15.Ap il 1907. Rilke 1930, S.248.
20 „Do en s and 1907 in gemeinsame A bei mi Alice Faehnd ich, die jeweils die Vo -
Übe se zung gab […] die Übe se zung.“ S o ck 1975, S.140.
21 Spä e gelang e sie zu de en E ben, heu e sind sie im Besi z de Familie Schwe in. E s e
Niede sch i en inden sich im Rilke-A chi , Ge nsbach. Im A chi des Insel-Ve lags blieb
kein Exempla de Handsch i . Vgl. Schnack 1963, S.542 Anm. 10.
22 Vgl. Rilke an Ma ie on Thu n und Taxis, 23.Sep embe 1911: „Das mein ich ganz und ga ,
daß wi uns mi de ‚Vi a Nuo a‘ einlassen zu gleichen Theilen; de Un e schied wi d nu
sein, daß Ih e A bei gewisse maßen schon e ig in Ihnen leb und die meine e s ganz zu
leis en sein wi d. Wä es nich he lich, he lich?“ Rilke— on Thu n und Taxis 1986, S.77.
23 Zu Rilkes Übe se zungsk i ik gl. den B ie an Rol on Unge n-S e nbe g, 3.Mä z 1921.
Rilke 2002, S.15–26.
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geheimnis oll und an so ie e un e s ö e S elle e wachsen. Und es wa mi i gend-
wie möglich, in ähnliche Tie e die deu sche Um o mung sich bilden zu lassen, so daß
die Übe se zung mi F eude mach , so wie sie gelungen is .24
D ei Te mini e a en in diesem B ie zi a die He kun seine A bei sweise: „K is-
alle“, „Tie e“ und „un e s ö .“ Rilke gib in seine A gumen a ion dazu keinen Hin-
weis, doch die Me apho ik is naheliegend: Rilkes Vo s ellung geh au Hen i Beyle
(1783–1842) zu ück. In S endhals We k De l’amou (1822) wi d eine Theo ie de Liebe
o ges ell . Dieses Modell kann abe auch— unabhängig on S endhals In en ion—
als ein poe isches Ve ah en— absei s des anzösischen Klassizismus— he an-
gezogen we den. S endhal demons ie seine Theo ie mi dem Beispiel eines au -
älligen Na u phänomens, die K is allisa ion des ‚Salzbu ge Zweigs‘ ( gl. S end hal
1906, S.4–5). Das is die En wicklung eines in de Wi kung diaman enen Zaube -
we ks in de Tie e eines Be gwe kschach s. Die Be gleu e on Hallein ha en ei-
nen dü en Zweig in einen au gegebenen Schach geleg , wo sich du ch langsame
K is allisa ion ein glänzende Übe zug he s ell e. De anzösische Sch i s elle
übe ug dieses aszinie ende E eignis— das e bei einem Besuch wah genommen
ha e— au den Be eich de Ge ühle und behaup e e, Liebe en s ehe du ch K is-
allisa ion. Bei S endhal läu de P ozess (analog zum na ü lichen Vo bild) „unge-
s ö “ on äuße en Ein lüssen. Rilke nimm ü seine eigene poe ische Schöp ungs-
und Übe se zungs-Theo ie25 ‚K is allisa ion‘ au , ebenso das Ambien e, das S endhal
en wo en ha e. E e weis au die ‚Tie e‘, in de de Vo gang ‚un e s ö ‘ e olge
und mein dami , dass die Einsamkei de liebenden Dich e in das Kuns we k he -
o b inge und au eben diese Weise de Übe se ze on Gedich en. So nimm Rilke
diese nich akademische und ganz unphilologische E klä ung ü die Genese eines
Kuns we ks au , applizie sie au die En s ehung de Po ugiesischen Sone e und
zeig , dass seine deu sche Ve sion un e „ähnlichen“ Bedingungen en s anden is
und somi in gleiche Weise poe ische Quali ä beansp uch . D ei Tage nach seine
Rechenscha sch ieb Rilke an Ellen Key:
Mi lag es so nah, diesen Ton zu e en und diese Ge ühle in mi selbs au zu u en,
dass ich auch selbs F eude da an habe und glaube, dass diese Übe agungen selb-
s ändig gül ig sind und eine S elle un e meinen eigenen A bei en und in meine eige-
nen En wicklung beansp uchen dü en.26
O enba be ach e e Rilke seine A bei als abgeschlossen: „Ich habe alle 44 Sonne e
[sic!] on E.Ba e -B owning übe se z —, wie F au Faehnd ich inde — mi iel
Gelingen,“ (Rilke— Key 1993, S.193)27 eil e e de schwedischen F eundin den Kon-
sens des Cap i-K eises, de die En s ehung beglei e und mi bewi k ha e, mi .
24 Rilke an Gud un on Uexküll, 15.Ap il 1907. Rilke 1930, S.248–249.
25 Zum Ve häl nis on Rilkes Übe se zungen zu wich igen Posi ionen de Übe se zungs-
heo ie gl. Lamping 1997.
26 Rilke an Ellen Key, 18.Ap il 1907. Rilke— Key 1993, S.193–194.
27 Ebd., S.193.
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ERICH UNGLAUb 207
Die Rech e igung de Übe se zungsa bei wa alle dings nich konsis en . Rilke
konn e auch zu ande en bildha en A gumen a ionsmus e n g ei en und e sand e
ein ged uck es Exempla mi dem Hinweis:
Wenn Sie alle dings die edlen und eichen O iginale diese sel enen Gedich e kennen,
so kann eine Übe agung nich s ü Sie bedeu en; auch bin ich den englischen Ve sen
nu so nachgegangen, wie man manchmal in beweg en Windnäch en dem kla en
Mond nachgeh ; ohne Ho nung ihn zu e eichen.28
De Hinweis au die spon an in eine Be line S u mnach en s andenen Ve se des
Co ne s is e kennba . De B ie an He mann Pongs om 17.Augus 1924 g ei diese
Si ua ion des poe ischen Scha ens wiede au :
De ‚Co ne ‘ wa das un e mu e e Geschenk eine einzigen Nach , eine He bs nach ,
in einem Zuge hingesch ieben bei zwei im Nach wind wehenden Ke zen; das Hinziehen
on Wolken übe den Mond ha ihn e u sach , nachdem die s o liche Ve anlassung
mi , einige Wochen o he , du ch die e s e Bekann scha mi gewissen, du ch E bscha
an mich gelang en Familienpapie en, einge löß wo den wa (Rilke 1991, S.342).
Rilke be on — bei ganz e schiedene Rhe o ik— auch hie einen du ch S immun-
gen he o ge u enen Scha ensp ozess, dem eine sachliche Phase de Beschä igung
mi dem Gegens and o ausgegangen wa .
Am 11.Ap il 1907— nach Abschluss de A bei en— mach e e ganz übe aschend
seinem Ve lege An on Kippenbe g den Vo schlag zu Publika ion:
Ich habe ges e n die Übe agung de ie und ie zig Sone e on Elizabe h Ba e
B owning beende , jene glänzenden Liebes-Gedich e, die Sie un e dem Namen de
‚Sonne s om he Po uguese‘ kennen. Ich hal e es ü denkba , daß de Insel-Ve lag
( alls e nich schon eine Ausgabe in ande e Übe se zung o be ei e ) sich geneig
ände, eine kleine so g äl ige Ausgabe meine Nachdich ungen zu e ans al en. Ich
weiß nich zu sagen, ob sie ims ande sind, eine en e n e e kennende E inne ung an
die englischen Gedich e he au zu u en, abe ich sch eibe den seh pe sönlich e leb en
Übe agungen eine S elle in dem Zusammenhang meine eigenen A bei en zu, die
imme hin die Exis enz de selben zu ech e igen e möch e (Rilke 1995, S.73).
Kippenbe g s imm e diesem P ojek so o zu, obwohl e sich keinen geschä lichen
E olg e sp ach, da im Eugen Diede ichs Ve lag soeben die Übe se zung on Ma-
ie Go hein in eine „wunde schönen Ausgabe“ e schienen wa . Das K i e ium ü
den Ve lege wa , dass es „Ih e Übe se zungen“ (ebd., S.74) sind, wie e ausd ück-
lich Rilke zu e s ehen gab. Au die Übe se zung on Ma ie Go hein wu de Rilke am
20.Ap il 1907 auch on Ellen Key au me ksam gemach , dazu auch noch au die Übe -
se zung du ch Beus .
Alle dings ha e es zwischen dem Ve lege Kippenbe g und dem Übe se ze noch
eine Diskussion übe die angemessene Ti elei des We ks gegeben. Kippenbe g ha e
28 Rilke an Rosa Schobloch, 16.Juli 1908. Schnack 2009, S.305.
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214 SLOVO A SMYSL 33
meh ache Rahmungen39 eingeeng , ei au de Sei e, un e de Kop zeile begin-
nend. Die leich e e Typog aphie konn e sich ohne a bigen Hin e g und du chse -
zen. Die nich o handenen Übe sch i en wu den du ch schlich e, nu du ch die
G öße wi kenden g üne Ini ialen e se z , die Gedich numme ie ung in ih en ömi-
schen Zi e n wande e disk e in die Fußzeile und a do an die S elle de Sei en-
zahlen. Das Signal wa deu lich: In de selben Auss a ung e schienen bei ‚Insel‘ nun
auch Das Buch de Bilde und die Neuen Gedich e on Rilke. Das eduzie e Fo ma und
de ge inge e Um ang wiesen schon au die kleinen Büche de ‚Insel-Büche ei‘ o -
aus. In diese populä en Reihe wu de an de Ges al ung nich s geände .40 Elizabe h
Ba e B ownings Sone e ha en mi diese P äsen a ion au dem deu schen Buch-
ma k den Anschluss an die Ly ik de Jah hunde wende ge unden, Rilkes Übe se -
zung wu de in den Rezensionen gelob , die Ausgabe maßgebend ü die Folgezei .
Inhal lich ha sich mi Rilkes Übe se zung in bedeu samen Nuancen e was e -
ände . Das O iginal ha olgende beiden Schlusszeilen des Sone s XXIII, das um die
E laubnis ging, dass de Gelieb e den Kosenamen e wenden da . Das ly ische Ich
an wo e :
39 Rahmungen wie in de Ausgabe des Diede ich-Ve lags inden sich bei de Insel-Ausgabe
nu au dem Innen i el.
40 Nu die Rahmungen des Innen-Ti els und die g üne Fa be de Ini ialen en ielen bei
N .252 de Insel-Büche ei (1919).
Abb. 1.Elizabe h Ba e
B owning: Sone e nach
dem Po ugiesischen, aus
dem Englischen übe s. on
Ma ie Go hein, mi Buch-
schmuck on F i z Hell-
mu h Ehmcke, ged uck in
de S iegli ze We ks a zu
S iegli z. Eugen Diede ichs,
Leipzig 1903. Sone XXXIII.
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ERICH UNGLAUb 215
Abb. 2.Elizabe h Ba e
B owning: Elizabe h
Ba e -B ownings Sone e
nach dem Po ugiesischen,
übe s. on Raine Ma ia
Rilke. Insel-Ve lag, Leipzig
1908. Sone XXXIII.
Yes, call me by ha name,— and I, in u h,
Wi h he same hea , will answe and no wai .
Rilkes Ve sion lau e :
dann u mich so: ich we de mi dem gleichen
He zen di An wo geben, dem du chbeb en.
F iedhelm Kemp ha es ges ell , dass Rilke hie eine kleine Ve zöge ung de Hand-
lung einge üg ha , die seine eigenen Vo s ellung on zwei in ih en jeweiligen Einsam-
kei en Liebenden nähe kam als das O iginal das ausd ück e ( gl. Kemp 2002, S.206).
Schon de An ang eines Liebes-Lieds, das Rilke eben alls im Mä z 1907 au Cap i
dich e e, zeig e diese abgewandel e Au assung:
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216 SLOVO A SMYSL 33
LIEBES-LIED
Wie soll ich meine Seele hal en, daß
sie nich an deine üh ? Wie soll ich sie
hinheben übe dich zu ande n Dingen?
Die Ve se wu den in den e s en Teil on Rilkes Neuen Gedich en (1907) au genommen
(KA 1, S.450).
FAZIT
Die Bilanz on Rilkes Übe se zungsp ojek is beme kenswe : 1850 wa die engli-
sche Ausgabe de Sone e on Elizabe h Ba e B owning e schienen. Die e s e deu -
sche Ve sion on Ma ie Go hein aus dem Jah 1903 wu de als Vo s oß und Pionie a
mi Ve diens en und Mängeln angesehen. Die zei genössische K i ik ha die philo-
logische T eue de Übe se zung on Ma ie Go hein in ih e Leis ung du chaus an-
e kann , abe die dich e isch ges imm e Ve sion on Rilke en husias isch ge eie .
Dabei is es geblieben. T adi ionsbildend im deu schsp achigen Raum wu den die
Übe se zungen de Po ugiesischen Sone e du ch Rilke, die zugleich als Teil seines ei-
genen poe ischen We ks angesehen wu den.41
Rilkes mangelnde Kenn nis de O iginalsp ache wu de dabei kaum in Be ach
gezogen. De Übe se ze selbs äuße e sich e s 1924 und seh dis anzie zu die-
sem Fall. Die anzösische Sch i s elle in Ca he ine Pozzi (1882–1934), F eundin des
Dich e s Paul Valé y, ha e Rilke in einem B ie , um ih e pe sönliche Si ua ion zu
besch eiben, die Eingangss ophe des Gedich s The Mask on Elizabe h Ba e B ow-
ning im englischen O iginal zi ie und ge ag , ob Rilke sich an das Gedich e inne e.
Rilke an wo e e ausweichend:
Que o e ci a ion anglaise es délicieuse— […] D’ailleu s c’es d’ins inc plu ô que
j’ai comp is ces lignes éplo ées; ca en e ou es les langues que j’ai un peu équen-
ées pou pou oi les li e à mon aise, l’anglais u la p emiè e à m’échappe . P esque
aussi ô ap ès a oi e miné les aduc ions que ous possédez, je ne la sa ais plus.42
Au An egung on Paul Valé y, de selbs keine deu schen Sp achkenn nisse besaß,
ha e Rilke seine Übe se zungen de Po ugiesischen Sone e an Ca he ine Pozzi ge-
schick , die sie auch in deu sche Sp ache zu lesen e moch e und on diese Ve -
sion begeis e wa .43 Das englische O iginal kann e sie schon, wie ih Jou nal ü das
Jah 1918 zeig .
41 Vgl. die anonyme Rezension in de Zei sch i Die F au (1908), S.246 und die Besp echung
on Gus a Noll in Anglia (1908), sowie on He mann Ubell in de Wiene Abendpos . Beila-
ge zu Wiene Zei ung (1908).
42 Rilke an Ca he ine Pozzi, 17.Juli 1924. Pozzi— Rilke 1990, S.43.
43 Ca he ine Pozzi an Rilke, 21.Juni 1924. Ebd., S.27–28.
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ERICH UNGLAUb 217
Es is unbes ei ba , dass Rilke die englischen Gedich e nich di ek aus dem O i-
ginal übe se zen konn e. Diese Sp ache wa ü ihn wede in de Kommunika ion
noch als eine Li e a u sp ache zugänglich. So wand e e sich an ihm bekann e und
pe sönliche Mi le , mi denen e gemeinsam a bei e e. Die Kons ella ion des Disco-
poli-K eises im Win e 1906/1907 bo dabei in Hinblick au die Gedich e on Eliza-
be h Ba e B owning eine ebenso une wa e e wie einmalig güns ige Gelegenhei .
E e hiel Impulse ü diese A bei , and sp achkundige Un e s ü zung und ein au -
nahmebe ei es, einges imm es e s es (Hö e -)Publikum.
Seine Da s ellung eine dem O iginal „ähnlichen“ Übe agung bezieh sich nich
au das E gebnis, sonde n au seine Vo s ellung om poe ischen Scha en, das bei
Dich e in und Übe agenden analog o gehe. Diese Me hode is ü Rilke alle dings
nu symbolha (‚Salzbu ge Zweig‘) zu e assen. Vom E gebnis he gesehen en sp e-
chen die Me kmale de au diese Weise übe agenen Tex e denen seine eigenen
Sone e. Elizabe h Ba e B owning wi d dami in ih e Dich ung zu eine Ges al
de Gegenwa in de deu schsp achigen Li e a u .44
Es is ein kennzeichnendes Indiz, dass Rilke auch die Sch eibweise ih es Namens
e ände e. Aus ELIZABETH BARRETT BROWNING in de englischen Li e a u und
in den e s en deu schsp achigen Edi ionen und Sch i en übe sie wu de bei Rilke
ELISABETH BARRETT-BROWNING. Ihm wa das angelsächsische P inzip de ‚Mi el-
namen‘ nich e au , und so ging e mi dem einge üg en Bindes ich zu deu schen
Kon en ion de Doppelnamen übe . Diese ‚Regel‘ and Anklang, denn dabei is es bis
zu Gegenwa geblieben. Selbs die Fo schungsli e a u (auße halb de Anglis ik)
is dem wei gehend ge olg .45
Auch die nach olgende Li e a u blieb on Rilkes P ojek nich unbeein luss . De
nach Moskau emig ie e Sch i s elle Johannes R.Beche ha e un e dem Ein luss
on Bo is Pas e nak seine Vo u eile gegenübe Raine Ma ia Rilke übe wunden. 1940
e ö en lich e e ein Sone mi dem Ti el: AN ELISABETH BARRET-BROWNING46
und s ell e seinem eigenen Tex als Mo o ein Exze p aus Rilkes Übe se zung de
Sone e o an:
„… Au einmal ing—
Da ich schon sinkend wa — mich Liebe au ,
Und ein ganz neue Rhy hmus s ieg hinau
Mi mi ins Leben…“
(Beche 1940, S.12)47
44 Den E olg beleg , dass bis 1959 übe 70.000 Exempla e in de Ausgabe de Insel-Büche-
ei e kau wo den sind.
45 Rilkes Übe se zung de ‚Po ugiesischen Sone e‘ is alle dings nich in einem ak uellen
S anda dwe k e zeichne . Vgl. Alb ech — Plack 2018.
46 Die Sch eibweise „Ba e “ mag andeu en, dass Beche als Vo lage die Ausgabe de Insel-
Büche ei N .252 o sich ha e, die deu sche Sch eibweise des Vo namens— die Rilke
nich benu z e— sp ich alle dings dagegen.
47 Zi a aus dem Sone VII.
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Rilkes Ve sion de Gedich e on Elizabe h Ba e B owning ha e o ensich lich Wi -
kung auch au Johannes R.Beche s Ly ik ausgeüb .
Eine buchküns le ische Bea bei ung on N .252 de Insel-Büche ei e schien 2012
mi ielen Tex lücken, die mi g a ischen Symbolen und Tipp-Ex e zeug wu den
(Hawkey— Wol 2012). Rilkes Übe se zung bilden dabei eine ebenso e ne Re e enz
wie die Buchges al ung diese Reihe des Insel-Ve lags.48 Dami schein auch das b ei e
Angebo de Sone e aus dem Po ugiesischen in Rilkes Übe se zung inne halb des
Buchhandels ü ein ‚Kul buch‘ zu einem Abschluss gekommen zu sein.49
QUELLEN
48 Das Design lehn sich an die 13.Au lage (1999) on Insel-Büche ei N .252 an.
49 Rilkes Übe se zung on Elizabe h Ba e B ownings Sonne s om he Po uguese is in SW
VII, S.975–1035 en hal en.
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