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Konferenz Landvermessungen. Franz Kafka und das Landleben

Li, Yunxia

Abstract

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Konferenz Landvermessungen. Franz Kafka und das Landleben Yunxia Li– Philosophische Fakultät der Universität zu Köln Anlässlich des 140. Geburtstags Kafkas fand vom 30. März bis 1. April 2023 im Prager Goethe -Institut die Tagung Landvermessungen. Franz Kafka und das Landleben statt. Die dreitägige Konferenz wurde vom Institut für germanische Studien an der Philosophischen Fakultät der Karls -Universität in Zusammenarbeit mit dem GoetheInstitut und der im transcript -Verlag erscheinenden Publikationsreihe „Rurale Topografien“ ausgerichtet und von der Fritz Thyssen Stiftung, dem DAAD und dem Deutsch -Tschechischen Zukunftsfonds unterstützt. In Vorbereitung auf diese Konferenz fand im Wintersemester 2022/23 eine Vortragsreihe unter dem Titel Fremdes Land? Kafkas Provinzen an der Karls -Universität Prag statt, die das Ländliche im Werk Kafkas thematisierte. Im ersten Vortrag Erzäh‑ lung und Ideologie. Überlegungen zu Kafkas ‚Proceß‘ und seinem „Mann vom Lande“ am 25. Oktober 2022 versuchte Ansgar Mohnkern (Amsterdam), die Rezeptionsgeschichte von Kafkas Romanen nachzuzeichnen und dabei die Verschränkung von Erzählung und Ideologie zu erfassen, die Der Prozeß, v.a. in der Parabel Vor dem Gesetz, selbst symbolisch durcharbeitet. Im zweiten Vortrag Kafkas Kneipen am 8. November 2022 fokussierte Lena Brinkmann (Bonn) die mit den Wirtshäusern in Das Schloss verbundenen Raumbilder und Chronotopoi und fragte nach deren Funktionen, Ästhetisierungen und den kulturellen (Erzähl-)Archiven, aus denen sie sich speisen. Im dritten Vortrag Bauten des Herrn. Land, Architektur und Religion bei Kafka am 6. Dezember 2022 befasste sich Marcel Krings (Heidelberg) mit den architektonischen Ordnungen in Kafkas Texten. Dahinter verbirgt sich nach ihm eine konstante Reflexion auf den Zustand des Judentums in der Moderne. Im letzten Vortrag Alfred Kubins Bilder zum ‚Landarzt‘: grotesker Realismus und Modellfall für die Kafka ‑Illustrationen der Zwischen‑ kriegszeit? am 20. Dezember 2022 zeigte Christian Drobe (Brno) anhand von Alfred Kubins Illustration zu Kafkas Erzählungsband Der Landarzt aus dem Jahr 1932, wie sich die Fantastik im Prager Literatenund Künstlermilieu in Bild und Text ausdrückte und v.a. die späteren Kafka -Illustrationen der Zwischenkriegszeit beeinflusste. Ausgehend von dieser Vortragsreihe ging die Konferenz Landvermessungen. Franz Kafka und das Landleben den Spuren des Ländlichen in Kafkas Werk weiter nach. Es fanden insgesamt 27 Vorträge und ein Podiumsgespräch statt. Die Eröffnung am 30. März begann mit einer Begrüßung durch Sonja Griegoschewski, Leiterin des Goethe -Instituts Prag, die an frühere Veranstaltungen des Goethe -Instituts zum Thema Kafka erinnerte. Darauf folgte die Einführung in die Tagung durch die beiden Organisatoren Manfred Weinberg und Marc Weiland (beide Prag). Manfred Wein - berg erinnerte an die Diskussionen über die Bedeutung Prags für die Interpretation von Kafkas Werk unter Bezugnahme auf die Ansichten von Eduard Goldstücker auf der Liblice -Konferenz 1963 und meinte, dass die Bedeutung Prags für Kafkas Texte 124 BRÜCKEN 30/1 noch nicht angemessen ausgelotet sei. Er verwies auf die prägenden ideologischen Kontexte jener Tagung und gab der Hoffnung Ausdruck, dass die folgende Konferenz ihrem Thema gerechter werde. Dann führte Marc Weiland in das Tagungsthema ein, nämlich in die Frage nach dem Verständnis ländlicher Stoffe, Topoi und Räume bei Kafka, nach ihrer Ausdifferenziertheit und Eigenlogik. Die gängige Vorstellung, die literarische Moderne spiele sich vornehmlich in urbanen Milieus ab, werde durch aktuelle Forschung in Frage gestellt. Vielmehr würden Strukturen und Symbole moderner Lebensverhältnisse von Kafkas Texten in ländlichen Räumen inszeniert. Darüber hinaus wurden biographische Aspekte beleuchtet, die Kafkas Verbindungen zum Land verdeutlichen. Kafkas Landbilder, so Weiland, beschränken sich nicht auf gängige Formen der Romantisierung und Idyllisierung, sondern thematisieren komplexe Stadt -Land -Verhältnisse und deren Auswirkungen auf Individuum und Gesellschaft. Schließlich könne man die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung durchaus selbst als Landvermesserinnen und Landvermesser ansehen, die das bisher noch weitgehend unthematisierte Terrain der Kafka -Forschung vermessen. Daran schlossen sich die Vorträge an. Im ersten stellte Csilla Mihály (Szeged) unter dem Titel Das Ländliche als Konstituente Kafkascher Erzählkompositionen die szenischen Variationen zum Verhältnis von Stadt und Land anhand von vier Texten Kafkas dar. Zunächst betrachtete sie Kafkas Erzählskizze im Brief an Oskar Pollak vom 20.12.1902, in dem der sogenannte „Lange“ als widersprüchliche Figur dargestellt werde, die sich in einem ruhigen Dorf verkriecht, sich aber gleichzeitig nach dem rauschhaften Stadtleben sehnt. Weiterhin wurden Karl Roßmanns Ausflug auf Herrn Pollunders Landgut im Romanfragment Amerika, die Begegnung K.smit seinem Onkel vom Land und Titorellis drei Landschaftsbilder im Prozess -Roman sowie die ländliche Szene im Erzählfragment Der Schlag ans Hoftor erörtert. Kafkas Konzept, so Mihály, widerspreche dem topischen idyllischen Bild des Ländlichen um 1900, indem das Ländliche und Städtische bei ihm gleichermaßen positive wie negative Werte aufweisen können. Ihr widersprüchlicher Charakter werde durch die Ambivalenz des Protagonisten, durch den Kampf zwischen seinen existenziellen Grundwerten von Lebenswillen und Todesverfallenheit, sowie durch deren abwechselnde Dominanz im ländlichen und im großstädtischen Bereich bestimmt. Im folgenden Beitrag Denker aus der Provinz, von der Provinzialität des Denkens. Ein Beitrag zu Kafkas Rhetorik suchte Filip Charvát (Prag) nach der semantischen Geste des Prosastücks Beim Bau der Chinesischen Mauer. In der Geschichte, die sich als „Bericht“ präsentiert, nehme der Berichterstatter verschiedene Perspektiven ein. Das Prosastück habe kein eindeutiges Hauptthema, stattdessen betonte Charvát den Stil: Der Wechsel zwischen nüchternen Beschreibungen, rationalen Erklärungen und emotional -spekulativen Hymnen bilde einen Rhythmus, der das unendliche China einer menschlich -endlichen Perspektive öffne, in der die unerforschliche Wahrheit intuitiv durchdrungen werden kann. Die Ästhetik des Textes, als rhythmisch -fließendes Spiel gefasst, lasse sich nicht nur auf der stilistischen Makroebene des Wechsels der Vertextungsstrategien, sondern auch auf der Mikroebene einer dialektischen Verwendung verschiedener stilistischer Elemente darlegen. Der Bericht wurde mit dem Genre des Manifests (nicht Kafkas, sondern des erzählenden Maurers) in Verbindung gebracht, das das Postulierte durch seine Machart gleichzeitig exemplifiziert. Charvát schloss mit der Feststellung, dass die Zuspitzung der Ästhetik hin auf eine bestimmte 125YUNXIA LI Figur oder Geschichte der Provinzialität jeden Denkens entspringt und dass die letzte rationale Einsicht des weitgereisten Landmanns darin bestehe, dass man nichts weiß. Weiter setzte sich Stephen Dowden (Waltham, Massachusetts) im Vortrag „Ich jause im Grünen“, oder: Kafka und die Atopie mit der Bedeutung des Begriffs „Atopie“ (gr. „ohne Ort“) bzgl. Kafkas Werk auseinander. Der Begriff, so Dowden, werde in den Dialogen von Platon für etwas Unheimliches, Sonderbares oder Irritierendes verwendet. Dowden betonte, dass Kafka sein Leben nicht in der gewöhnlichen Ordnung der Dinge führen konnte, was sich auch in seiner Thematisierung des Ländlichen spiegele. Er diskutierte den Satz „Ich jause im Grünen“ aus dem „Gespräch mit dem Beter“ aus Be‑ schreibung eines Kampfes sowie Kafkas Brief an Max Brod über sein Erstaunen bzgl. der „Festigkeit, mit der die Menschen das Leben zu tragen wissen“. Dabei wurde deutlich, dass Kafka das Landleben als Ideal betrachtete, es aber gleichzeitig für ihn unerreichbar war. Die Ausweglosigkeit bei Kafka bestehe auch darin, dass weder das Ländliche noch die Großstadt Transzendenz oder Erlösung böten, sondern beide vielmehr Ausdruck einer Atopie seien. Die Figuren und ihre Geschichten blieben unvollständig und unauflöslich, und die Suche nach einem festen Ort oder einer festen Identität bleibe erfolglos. Die Rettung bestehe nur darin, inmitten der Atopie einen Platz zu finden. Mit der Bedeutung desselben Satzes im Kontext der Beschreibung eines Kampfes befasste sich Irina Wutsdorff (Münster) im Vortrag „Ich jause im Grünen.“ Zur Nicht‑ ‑Selbstverständlichkeit von Stadt‑ wie Landleben bei Kafka. Sie betonte, dass der Satz eine grundsätzliche Verunsicherung hervorrufe, die sich auf scheinbare Selbstverständlichkeiten beziehe, und wies auf die lexikalischen und syntaktischen Besonderheiten des Satzes hin sowie die Lokalisierung der Äußerung im Garten, der das Gleichgewicht zwischen Stadt und Land symbolisiere, hier aber labil und prekär sei. Wutsdorff untersuchte die unterschiedlichen Bewertungen dieser Episode durch die Figuren in Beschreibung eines Kampfes, identifizierte ein Verfahren der Verschiebung als kennzeichnend für dieses Prosawerk und betonte, dass der Satz „Ich jause im Grünen.“ und seine Verwendung im Erzählfragment exemplarisch für Kafkas Umgang mit Gegensätzen und seine poetische Herangehensweise an den Gegensatz Stadt und Land seien. In Augenhöhe mit dem kleinen Tier. Über einige Mäuse und Ratten der Kafkaschen Er‑ zählwelt war der Titel des Beitrags, in dem Eva Haude (Leipzig) dem Umstand nachgegangen ist, dass es eine Parallele gibt zwischen der Schilderung einer Rattenplage in der russischen Einöde in Kafkas Erzählung Erinnerung an die Kaldabahn und der Darstellung der Mäuseplage in Kafkas „Mäusebriefen“ von 1917 aus Zürau. Haude verwies darauf, dass sowohl Kafka als auch der Protagonist des Kaldabahn -Fragments an einer Lungentuberkulose erkrankt seien. Sie zeigte, dass sich Kafkas eigene Krankheitsgeschichte anhand von Mäusen erzählen lasse. Haudes Schlüsse über die Dichotomie von Innen und Außen legten dar, warum die Maus in Kafkas Auseinandersetzung mit der Krankheit eine so zentrale Rolle spielt. Schließlich interpretierte sie „den ländlichen Raum“, wie er im Kaldabahn -Fragment beschrieben wird und wie Kafka selbst ihn in Zürau erfahren hat, als ausgedehntes Grenzland zwischen Natur und Kultur, in dem Mensch und Tier aufeinandertreffen können. Der folgende Beitrag Der Landvermesser und der Erdarbeiter: Erd ‑Perspektiven nach dem Ersten Weltkrieg von Jan -Martin Zollitsch (Berlin) verortete Kafkas Werk im Kontext seiner Zeit. Zollitsch konzentrierte sich auf die Figur des Landvermessers aus dem Schloß -Roman und setzte sie in Beziehung zu anderen damaligen Erdmotiven und 126 BRÜCKEN 30/1 -perspektiven. Anhand zweier Episoden aus Kafkas Leben im Jahre 1920 versuchte er, die Bedeutung des Landvermesser -Topos nach dem Ersten Weltkrieg aufzuzeigen und weitere biographische Hintergründe Kafkas zu beleuchten, die für die Erhellung des Landvermesser -Motivs von Interesse sein können. Kafkas Aufenthalt in Meran und seine Begegnung mit Ludwig Ott, der als Ingenieur mit der Landvermessung zu tun hatte, wurden ebenso besprochen wie ein Fragment aus Kafkas „Konvolut 1920“ mit Parallelen zum Motiv der „Ungebetenen Ankunft“ im Schloß -Roman. Kafkas Kurzaufenthalte in Gmünd diskutierte Zollitsch im Zusammenhang mit den Grenzverschiebungen in Mitteleuropa. Anschließend wurde anhand von Beispielen der jüdischen Selbsthilfeorganisation ORT und der Wiener Jüdischen Zeitung gezeigt, dass sowohl die Figur des Landvermessers als auch die des Erdarbeiters in jüdischen Diskursen, v.a. im Zionismus, verankert sein können. Lock‑ und Sehnsuchtsrufe aus Kafkas Tagebuch. ‚Verlockung im Dorf‘ stellte Falk Strehlow (Berlin) vor, indem er auf Gegenläufigkeit als Geschehensmotiv in Kafkas Tagebucheintrag „Verlockung im Dorf“ vom 21. Juni 1914 hinwies. In diesem durchläuft das Ich acht Stationen des Misstrauens und der Fremde im Dorf, sein Gang mündet jedoch in der Offenbarung von Geborgenheit, Vertrauen und Wohlwollen. Nach Strehlow wird hier ein Vexierund Interferenzgeschehen in Gang gesetzt, bei dem das Dorf eine exotistische Perspektive des Ichs in einer Weise affiziert, dass Exklusion in Inklusion umschlägt, Fremde in Vertrautheit. Der Vortrag umfasste vier Hauptthemen: die Stationen des Misstrauens, einen Wechsel der Wegrichtung des Ichs, Fluchtgedanken aus dem Dorf und das Ankommen des Fremden hinter einer offenen Tür. Dabei wurde betont, dass sich das gesamte Geschehen in der Erzählung als ein Attraktion -Repulsion -Muster verstehen lasse. Derselbe Tagebucheintrag wurde im folgenden Vortrag „Theatralisch das Ganze“– zur Inszenierung ruraler Räume in Franz Kafkas Tagebuchaufzeichnungen von Beate Sommerfeld (Poznań) diskutiert. Anhand dieses Eintrags und der Tagebuchskizzen aus der Zürauer Zeit untersuchte Sommerfeld, wie Kafka in seinen Aufzeichnungen ländliche Räume erkundet und sich immer wieder in theatralen Räumen findet, in denen sich ein freies Improvisationsspiel der Einbindungskraft entfaltet. Theatralität, so Sommerfeld, durchdringe alle sozialen Interaktionsräume und werde von Kafka sowohl als Wahrnehmungsweise als auch als Darstellungsmodus genutzt. Der inszenatorische Charakter des Tagebuchs verstärke den Zwischenstatus von Fiktion und Realität. Wenn reale Topografien sich in theatrale Räume verwandeln, dann sei dies ein imaginativer Akt, der sich gegen landvermesserische Bemühungen stelle, indem er den ländlichen Raum ins Virtuelle hebe und kulturelle Bedeutungen neu zur Aushandlung stelle. Im Abendvortrag des ersten Tages Das Volk der Metaphern: Kafkas Tierwelt konzentrierte sich Reiner Stach auf zahlreiche Tiererzählungen Kafkas, die bisher weniger Aufmerksamkeit erhalten haben als Texte, die um die Themen Schuld/Strafe/Demütigung kreisen. Stach verwies darauf, dass Kafka in seinen letzten Lebensjahren das Tiermotiv immer weiter ausbaute und ihm verschiedene thematische Funktionen zuwies. Dabei ließ Kafka das Tier als Ich -Erzähler auftreten, entkoppelte die Tierfiguren allmählich von der Welt der Menschen und überließ sogar das Nachdenken über die Berechtigung der künstlerischen Existenz den Reflexionen von Tieren. Das Überschreiten der Mensch -Tier -Grenze und die zunehmende Autonomie der Tier- 127YUNXIA LI figuren, so Stach, seien in der modernen Literatur beispiellos. Beide Aspekte seien sowohl originell als auch ästhetisch ansprechend, was auch dazu beitrage, stereotype Vorstellungen des „Kafkaesken“ zu relativieren. Das Programm des zweiten Tages begann mit einem Streifzug in eine Trans‑ formierte (urbane) Landschaft: Ein paar literaturgeografische Notizen zu Franz Kafkas ‚Beschreibung eines Kampfes‘ von Barbara Piatti (Basel). Sie stellte ihr Buch Vierwald‑ stättersee & Gotthard: Wie Du diese Landschaft noch nie gesehen hast vor, das Landschaft und Kulturgeschichte verbindet. Anschließend wurden die Referenzen zwischen Geound Textraum diskutiert. Laut Piatti stehe eine Skala zur Verfügung, die starke und schwache Referenzen zwischen beiden aufzeigt. Als drei Grundkategorien wurden „importierte“, „transformierte“ und „fingierte“ Schauplätze eingeführt. Der Ansatz der Fiktionsgeografie gewähre die Möglichkeit, unsichtbare literarische Ebenen sichtbar zu machen. In Bezug auf die Beschreibung eines Kampfes verwies sie auf die Reflexion der Prager Topografie im Text und die Verbindung zwischen Literatur und der realen Welt. Für sie ist diese Erzählung vielleicht der Text Kafkas, der sich am produktivsten literaturgeographisch oder -kartographisch lesen lässt, auch wenn sich die mittleren Passagen jeder Verortung entzögen. Marc Weiland sprach über Die (Un)Verfügbarkeit des Ruralen. Zu Kafkas ‚Hochzeits‑ vorbereitungen auf dem Lande‘ und darüber, dass in dieser Geschichte nicht nur die Wahrnehmungen und Imaginationen des Protagonisten Eduard Raban erkundet werden, sondern auch die zeitgenössischen Mobilitätsformen: das Gehen, die Bahnfahrt und die Kutschfahrt. Weiland präsentierte drei Thesen, indem er (1) einen eigenen ästhetischen Wert des Textes und die inhaltliche Adäquatheit des Abbruchs der Geschichte bei Rabans Ankunft auf dem Land feststellte, (2) die infrastrukturelle Erschließung des Ruralen als Projekt einer expansiven Urbanität präsentierte und (3) den Protagonisten als dem Projekt sowohl eingebunden als auch widerständig gegenüberstehend darstellte, dessen Rückzug jedoch nicht zu einer idealisierten Landlebensalternative führe, sondern zur Ausdifferenzierung der Ländlichkeitsbilder. Laut Weiland reflektiere deren Heterogenität ihre diskursive Vermitteltheit und perspektivische Abhängigkeit. Letztlich werde das generell verfügbar gemachte Land als unverfügbar erwiesen. Daher breche der Text gerade an der Stelle der ersten direkten Konfrontation mit dem Landleben ab. Darauffolgend wies Franz Fromholzer (Augsburg) im Beitrag „aus dem Dorf her‑ vorgeholt“. Die stumme Gegenwart des ländlichen Raums in ‚Der Dorfschullehrer‘ darauf hin, dass Kafkas Fragment zwar biografisch auf eine Geschichte von Josef Pollak verweise, in der ein Maulwurf im Schützengraben des Ersten Weltkrieges auftaucht. In den bisherigen Lektüren werde auf dieses Ereignis jedoch kaum Bezug genommen. Stattdessen würden hier v.a. Gegenüberstellungen zwischen Stadt und Land thematisiert. Fromholzer zeigte, dass das Fragment die Kontraste zwischen dem isolierten Kaufmann, der um Anerkennung kämpft, und dem Dorfschullehrer, der sich als Teil einer patriarchalischen Gemeinschaft versteht, betone und sich zudem durch Wiederholungen und zirkuläre Strukturen auszeichne. In der Geschichte werde der Kaufmann immer mehr zum Schüler des Dorfschullehrers und veranschauliche seine Lehre der Wiederholung als Imitation des Lehrmeisters. Das städtische Leben zeichne sich durch eine Schuld gegenüber der dörflichen Existenz aus, da es deren Wunder nicht wahrnehme. Der Riesenmaulwurf, der als Nomade und diskursiver „Verschieber“ 128 BRÜCKEN 30/1 verstanden wird, werde folglich weder vom Kaufmann noch vom Dorfschullehrer gesehen, da beide zur Statik und Wiederholung neigen. Die Beharrungstendenzen der Meinungssysteme in Kafkas ‚Der Dorfschullehrer‘ thematisierte Johannes Bungenstab (Darmstadt), indem er unterschiedliche Perspektiven, Motive und Denkstile des Kaufmanns und des Dorfschullehrers als mehrdeutig und ironisch gebrochen aufzeigte. Laut Bungenstab werde diese Geschichte durch die Erzählperspektive des Kaufmanns merkwürdig. Dieser sei weniger daran interessiert, das Erscheinen des großen Maulwurfs zu beweisen, als dem Dorfschullehrer Anerkennung zu verschaffen. Doch auch wenn der Kaufmann und der Lehrer von außen betrachtet ein Denkkollektiv bildeten, deute ihr interner Dissens auf unterschiedliche Denkstile hin, vielleicht weil die Sache des Dorfschullehrers der Riesenmaulwurf ist, während die Sache des Kaufmanns der Dorfschullehrer ist. Bungenstab schlug vor, den Kaufmann als einen Erzähler zu verstehen, dessen Personenund Situationseinschätzung unzuverlässig ist. Zudem wurde der Tagtraum des Dorfschullehrers als ironische Replik eines klugen Mannes interpretiert, als Spaß mit oder als gesichtswahrende Option für einen Kaufmann, der sich in der Rolle des Impresarios sieht, also jedenfalls als Ausdruck einer Mischung von Absichten, die nicht mit dem Gesagten identisch sind. Danach beschäftigte sich Štěpán Zbytovský (Prag) im Vortrag Das Heilige und das Ländliche. Zu Kafkas Erzählfragment über die Synagoge von Thamühl mit Kafkas Synagogentier -Fragment. In englischsprachigen Publikationen werde das Tier oft als Totem einer archaischen Gottheit oder als negatives Komplementum der Synagoge und Figur des jüdischen Gedächtnisses jenseits der halachischen Tradition interpretiert. In der deutschsprachigen Forschung werde betont, dass der Text das Verhältnis der Westjuden zur Frömmigkeit thematisiere. Zbytovský schlug jedoch eine andere Lesart vor, die den Fokus auf das Funktionieren des literarischen Textes legt. Dabei setzte er sich mit verschiedenen Kontexten von Kafkas Land -Auffassungen, seinen Landaufenthalten 1922 und seinen Reflexionen über das Judentum in dieser Zeit auseinander. Im Fragment würden Fragen der Zugehörigkeit zu einem heiligen Kollektiv und der Heiligkeit als Zustand des Einzelnen reflektiert. Themen wie Mimikry, (Un-)Sichtbarkeit und v.a. Angst spielen ebenfalls eine Rolle, und sie würden in der Vision der Tiersynagoge auf verschiedene Weise aufgezeigt und hinterfragt, kurzum, in den für Kafkas Nicht -Gleichnisse bezeichnenden Kapriolen durchgestrichen und verspielt. Der Beitrag „Gespannte Lage“. Land und Religion in Kafkas ‚Bilder von der Verteidigung eines Hofes‘ von Marcel Krings betonte, dass Kafkas Literatur historisch kontextualisiert sei und die jüdische Tradition, v.a. ihre religiösen Themen, reflektiere. Hinweise auf die religiöse Symbolik im Fragment Bilder von der Verteidigung eines Hofes bringen Krings zufolge den Hof mit dem heiligen bzw. Königsbezirk des alten Israel in Verbindung. Die Verteidigung des Hofes, so Krings, symbolisiere den Glaubensund Wertekampf gegen säkulares Denken und Heterodoxie. Die „gespannte Lage“ im Text hänge weniger mit äußeren Umständen zusammen als mit dem Gegensatz von Freiheit und Begrenzung resp. Himmel und Erde. Kafka betone die Bedeutung der absoluten Gerechtigkeit und fordere eine Trennung vom Irdischen, um ein „Bürger des Himmels“ zu werden. Krings stellte jedoch fest, dass selbst die gläubigen Figuren nicht bereit seien, ihr Leben aufzugeben, um absolute Gerechtigkeit zu erreichen. Kafka erkenne wohl, dass die Tradition und der Glaube nicht ohne Weiteres aufrechterhalten werden 129YUNXIA LI können, aber die Vertagung des Gerichts möge notwendig sein, um das Überleben der jüdischen Kultur zu gewährleisten. Im darauffolgenden Vortrag Dorfgeschichten im ‚Schloß‘‑Roman analysierte Claudia Liebrand (Köln) zunächst die Verbindung zwischen Dorf und Schloss. Sie nannte die Darstellung des Dorfes eine quasi -ethnographische Konstellation. Schloss und Dorf würden einerseits als radikale Gegensätze und andererseits als unterschiedslos gekennzeichnet. Ein weiterer Aspekt des Vortrags war Kafkas Umschrift der Novellentradition. Liebrand verglich das Romanfragment mit Boccaccios Decamerone, dem Gründungswerk der europäischen Novellistik, und betonte, dass in Kafkas Schlossbzw. Dorfwelt sexuelle Grenzüberschreitung das Fundament des gesellschaftlichen Ordnungssystems markiere. Daher werde Amalias Verweigerung gegenüber Sortinis sexueller Forderung als Skandal betrachtet, während bei Boccaccio die sexuelle Überschreitung das centre scandaleux markiere. Schließlich verwies Liebrand darauf, dass Kafkas Geschichten über Dorf und Schloss einen Blick auf Urszenen der Gesellschaftskonstitution ermöglichen, während sie gleichzeitig ironisch hinterfragt würden. Christoph Sauer (Berlin) ging im Beitrag Franz Kafkas ‚Das Schloß‘ als ethnologische Dorfgeschichte ebenfalls auf Kafkas Schloß -Roman ein, der als eine ethnologische Dorfgeschichte interpretiert werden könne. Der Kontrast zwischen Tradition und Moderne sei auch im Dorfund Schloss -Kosmos vorhanden, und K. könne man als Landvermesser der Moderne betrachten. Anschließend ging Sauer auf den wirksamen Modus der Fürsprache ein, da K. als fremder Fürsprecher den vielstimmigen Diskurs des Dorfes evoziere. K. vermesse nicht die Topografie des Dorfes, sondern seine „Bedeutungsgeographie“. Im Schloß -Roman, so Sauer, folge K. einem entropischen Prozess, der den gesamten Dorf-/Schloss -Kosmos erfasst und sich in der dort allgegenwärtigen Kälte sowie in den Zuständen von Erschöpfung, Müdigkeit und Krankheit widerspiegelt. Darauffolgend untersuchte Marcus Twellmann (Hamburg) im Vortrag „K., als Frem‑ der“ die Bedeutung von Kafkas Schloß -Roman heute, und betonte, dass die Hauptfigur des Romans ein Einwanderer sei. Er verglich K.sSituation mit dem von Georg Simmel in der Migrationssoziologie dargestellten Typus des Fremden. Twellmann argumentierte, dass Kafka und Simmel ähnliche Themen behandelten, insbesondere die Idee des Fremden als dauerhaften Bewohner eines Ortes. Er ging noch auf die gängigen theologischen und seinsgeschichtlichen Lesarten des Schloß -Romans ein und fragte, ob sie heute noch sinnvoll sein können. Der Schloß -Roman sei ein Migrationsroman. Twellmann rückte ihn in einen soziologischen Kontext und meinte, dass Kafkas Text vielleicht aufgrund seiner allegorischen Struktur heute, im Zeitalter der Migration, von Bedeutung sein könnte. In Drohende Erfüllung. Zur Ent/Ortung von Ambivalenz im ‚Schloß‘ thematisierte Thomas Schneider (Cluj -Napoca) anhand eines verblüffenden Vergleichs von Kafkas Schloß -Roman mit Jules Vernes Roman Das Karpatenschloss die analogen symbolischen Konstellationen beider Texte und die entsprechenden archaischen Praktiken der Tabuisierung der beiden Schlösser in der Art eines Numinosums. Detailliert ging er den Analogien zwischen den beiden Texten nach, z.B. der zwischen dem „Zinnenrand einer Mauer“ in Das Karpatenschloss und „Mauerzinnen“ in Kafkas Schloß -Roman. Die Instanz des Schlosses bei Kafka, so Schneider, sei nicht mehr in der Lage, sozial destruktive Ambivalenzen zu regulieren, sondern löse sich selbst in eine Inflation von Ambivalenzen auf. 130 BRÜCKEN 30/1 Anschließend diskutierte Joseph Vogl (Berlin) in seinem Beitrag Schloß ‑Landschaft die Merkmale der Schlosswelt: Schwellenraum, Trugbild und Indetermination. Der Schlossberg und das Schloss, so Vogl, würden als unbestimmt und verschwommen dargestellt. K.sFortschreiten führe zu keinem tatsächlichen Fortschritt, sondern zu einem endlosen Umherirren. Die Grenzen zwischen Dorf und Schloss seien undurchsichtig, die Existenz des Schlosses selbst fraglich. Die Schloss -Behörde operiere im Ungefähren und zufällig, Entscheidungen verfehlen ihren Zweck; was tatsächlich geschehe, hinterlasse eine diskontinuierliche und unklare Spur. Vogl wies darauf hin, dass der Roman selbst im Übergang, ohne Anfang und Ende operiere. Kafkas „Fürstenzimmer“-Fragment lasse sich als Paratext oder Rahmenhandlung des SchloßRomans ansehen. Insgesamt, so Vogl, eröffne Kafkas Verfahren im Schloß -Roman einen endlosen Schwellenraum, der zu einer progressiven Ent -Schöpfung und Auflösung fester Weltlagen führe. Den zweiten Abendvortrag der Tagung besorgte Jaroslav Rudiš, der unter dem Titel Auf der Suche nach dem Schloß. Ein Making ‑of der Kafka Band die Musikproduktion seiner Band präsentierte. Rudiš stellte die Bandmitglieder, ihre gemeinsamen Aufnahmeorte und ihre Kafka -Inspirationen vor– hauptsächlich die ländlichen. Der Fokus lag auf den von der Band produzierten Alben, insbesondere Das Schloss und Der Prozess. Rudiš erwähnte, dass viele Musikvideos der Band auf Graphic Novels basierten, betonte auch die zweisprachige Arbeit der Band und erklärte schließlich die Motivation der Bandmitglieder, Kafkas Werk als Grundlage ihrer Musik zu nehmen: Sie stelle eine Reaktion auf die weitgehend nationalistische Erziehung der Bandmitglieder und den daraus folgenden geringen Zugang zur deutschsprachigen Kultur dar. Mit ihrer Musik wollten sie die Vielsprachigkeit und Interkulturalität Tschechiens repräsentieren. Beim anschließenden Podiumsgespräch Kafka und das Land– damals und heute? mit dem Moderator Michael Půček und den Gästen Jaroslav Rudiš, Monika Schmitz -Emans und Reiner Stach wurden verschiedene Themen im Zusammenhang mit Kafkas Werk und seiner Beziehung zum Land diskutiert. Das Gespräch drehte sich z.B. um den Zusammenhang zwischen den Landschaften, die Kafka gesehen, und den Bildern, die er in seinen Texten entwickelt hat. Stach erwähnte Kafkas Begabung, bestimmte Bilder seiner Umgebung fotografisch zu speichern und später in seinen Texten zu verwenden. Es wurde betont, dass Kafka verschiedene Landerfahrungen gemacht hat, sowohl als Sommerfrische als auch im realen Dorfleben (Zürau). Stach hob hervor, dass Kafka immer wieder das Stadt -Land -Problem mit Themen wie dem Verhältnis zwischen Individuum und Gemeinschaft, dem Vaterproblem und dem Judentum verbinde. Schmitz -Emans ergänzte, dass sie das Land eher aus der Perspektive der Fremdheit wahrnehme, und dass Kafkas Texte, die auf dem Land spielen, Indikatoren für ein ausgesprochen gebrochenes Verhältnis seien. In Bezug auf die Graphic Novel zum Schloß -Roman besprachen Schmitz -Emans und Rudiš die durchaus düstere, nicht idyllisch verklärende Ästhetik der Landschaftsbilder Kafkas. Der dritte Tag begann mit Sebastian Böhmers (Halle) Vortrag Kafkas Ingenieure, in dem zunächst anhand des Schloß -Romans der Landvermesser K. als Ingenieur betrachtet wurde, also als Wissenschaftler -Techniker, der gemäß des zeitgenössischen Verständnisses nach Klarheit, Verlässlichkeit und Fehlerfreiheit strebe. Das Paradoxe sei, dass Ingenieure in ihrer Klarheit allen Nicht -Ingenieuren unverständlich blieben. Böhmer konzentrierte sich dann auf drei weitere Texte: Der Verschollene, 131YUNXIA LI Ein Besuch im Bergwerk und Die städtische Welt. Laut Böhmer möchte Karl Roßmann in Der Verschollene Ingenieur werden, um seine Identität neu zu erfinden. In Ein Be‑ such im Bergwerk würden Ingenieure als geheimnisvolle Figuren dargestellt, deren Tätigkeit undurchschaubar bleibe. In Die städtische Welt werde Franz als Ingenieur präsentiert, der für Oskar zum Ratgeber werde, da Ingenieure für eine klare Sicht auf die Welt stünden. Ob Oskar den Rat tatsächlich bekommt, bleibe offen. Schließlich argumentierte Böhmer, dass Kafkas Ingenieursfiguren das Rätselhafte seiner Prosa auf verschiedene Weise duplizierten. Im Beitrag „Man sieht auf dem Land mancherlei“. Ländlichkeit als sphärische Irrationa‑ lität in Kafkas Prosastücken erklärte Lars Amann (Berlin/Stuttgart), dass das Ländliche in einigen Prosastücken Kafkas eine eigene poetische Rationalität besitze, die nicht länger nachvollziehbar sei. Im Gegensatz zur Stadt, die als rational und bestimmt betrachtet wird, werde das Land als unbestimmt und sphärisch irrational dargestellt. Laut Amann werde das Land in Kafkas Prosa zum poetischen Schauplatz, auf dem die poetische Bestimmtheit aus der Unbestimmtheit des Landes heraus entstehe. Danach thematisierte Werner Nell (Halle) die ‚Land ‑Gespenster‘. Social Haunting und das Verschwinden der Erfahrung auf dem Land in einigen Erzählungen Kafkas und stellte fest, dass die Gespenster, die für Unbestimmtheit, Übergänge und das Erschüttern von Ordnungsmustern stünden, v.a. im ländlichen Kontext als Gegenwelt zur modernen urbanen Gesellschaft gesehen würden, und dass folglich auch das Ländliche selbst als Gespenst betrachtet werden könne. Kafka nutze den Stadt -Land -Unterschied in seinem Werk, um räumliche Verortung und Differenzsetzung geschilderter Erfahrungen zu ermöglichen. Die Skizzen Gemeinschaft und Der Ausflug ins Gebirge wurden als Beispiele betrachtet. Nell verwies auf Kafkas negative Darstellung des Ländlichen, das mit Gewalt und Eigensinn assoziiert werde. Das Land, so Nell, werde als verdrängtes Konstitutiv menschlicher Erfahrungen und Selbstbeobachtungen auch noch unter den Bedingungen fortgeschrittenster Moderne dargestellt. Die „Landgespenster“ wiesen auf die Ungeheuerlichkeit eines auf Planung des Unbestimmbaren ausgehenden Deutungsanspruchs der Moderne hin. Doch sie würden vor lauter Planungen am intendierten Ort des Geschehens nicht ankommen, sondern müssten wie Gespenster ihrer Bahn folgen, auch wenn diese sie in die Irre führe. Im Vortrag Zeitmaß und Raumverhältnisse. Paradoxe Vermessungen im ‚Landarzt‘‑Zyk‑ lus ging Luca Crescenzi (Trient) auf die Landarzt -Sammlung ein. Einleitend beschrieb er den Wandel der Zeitempfindung im 18. und 19. Jahrhundert, als die naturbasierte Zeitrechnung durch technische Zeitmessung abgelöst wurde. Dadurch entstand eine Kluft zwischen dem natürlich orientierten Landleben und dem technisch organisierten Stadtleben, die in den Erzählungen der Landarzt -Sammlung deutlich dargestellt werde. Die Stadt, so Crescenzi, werde durch öffentliche Gebäude charakterisiert, während das Land als offener Raum gezeigt werde, der zeitlich unermesslich zu sein scheine. Außerdem sei das Landleben stärker von der Natur und den Tierkräften abhängig als das Stadtleben. In den Land -Erzählungen scheine jeder Rangunterschied zwischen Tier und Mensch zu verschwinden, während in den Stadt -Erzählungen die Evolution als notwendig betrachtet werde. Crescenzi argumentierte, dass in den Erzählungen der Landarzt -Sammlung die Landbewohner als hybride Tier -MenschWesen erschienen. Mit ihrer hybriden Natur habe auch die Zeitdarstellung in dieser Sammlung zu tun. Als Beispiele wurden drei Erzählungen angeführt, in deren Zent-