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Loando II. Beiträge Olmützer Doktoranden zur deutschböhmischen und deutschmährischen Literatur. Olomouc: Palacký‑Universität, 2022

Höhne, Steffen

Abstract

150

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150 BRÜCKEN 30/2 Generation von Theaterautoren. Hundert Jahre später werden die in der Zwischen‑ zeit verbotenen und vergessenen Übersetzungen wiederaufgeführt und es entsteht ein Dialog zwischen zwei Kulturepochen. In der ersten Epoche, vor und während des Ersten Weltkrieges wurden die deutschsprachigen Texte sofort ins Deutsche übersetzt, während später die Verzögerungen der Rezeption immer länger werden. Bei Marija Hrinčenko bleibt etwas unklar, aus welchen Sprachen sie übersetzt, wenn sie haupt‑ sächlich aus dem Englischen und dem Russischen übersetzt hat und als Autoren Ibsen, Sudermann und Maeterlinck genannt werden. Für Peter Altenberg gab es in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ein verstärktes Interesse, jedoch der Lieblingsautor der ukrainischen Übersetzung war Hugo von Hofmannsthal. Interessanterweise gab es zu dieser Zeit eine ukrainische expressionistische Prosa. Während in der Prosa der französische Roman das Vorbild war, waren es in der Dramatik das deutschsprachige und das skandinavische Drama. Bei der Rezeption der österreichischen Literatur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Ukraine kann man das tragische Schicksal der Übersetzer nicht übersehen, die zu einem großen Teil Opfer des stalinistischen Terrors wurden. Es gäbe noch eine Reihe interessanter Beiträge zu besprechen, besonders der über Esterházys Donaubuch von Edit Király, doch möchte ich die Rezension nicht über‑ frachten. Es ist insgesamt ein sehr interessanter und informativer Band geworden. Ein Index der Namen würde das Arbeiten mit dem Band wesentlich erleichtern, weil man so schneller sehen könnte, welche Schriftstellerin und welcher Schriftsteller übersetzt oder nicht übersetzt ist und zum anderen könnte man schneller die Über‑ setzer finden und den einzelnen Werken zuordnen. Sabine Voda Eschgfäller/Milan Horňáček (Hgg.): LoandoII. Beiträge Olmützer Doktoranden zur deutschböhmischen und deutschmährischen Literatur. Olomouc: Palacký ‑Universität, 2022. 252 Seiten. Steffen Höhne– Hochschule für Musik Weimar/Friedrich ‑Schiller Universität Jena Dass die Olmützer Germanistik höchst aktiv ist bei der literaturwissenschaftlichen Re‑ konstruktion der mährischen (und auch böhmischen) Literaturregion konnte bisher durch eine Vielzahl an Publikationen eindrucksvoll unter Beweis gestellt werden, von denen hier nur der Sonderband des Jahrbuches brücken N.F. 18/1–2 (2010) genannt sei, der einen umfassenden Überblick der Forschungen zur deutschmährischen Literatur versammelt und der maßgeblich aus Arbeiten des Olmützer Instituts bestritten wird. Hieran kann der jüngst erschienene Band Loando II anknüpfen, der Arbeiten Olmützer Doktoranden zur deutschen Literatur aus den Böhmischen Ländern versammelt. Der kryptische Titel, wie die Herausgeber im Vorwort vermerken, geht auf den deutsch‑ 151REZENSIONEN mährischen Schriftsteller Kurt Loando (= Leopold Pospischil) zurück. Präsentiert werden Texte von neun Autoren und Autorinnen, die sich mit in der Regel weniger bekannten, d. h. nicht kanonisierten Texten literaturwissenschaftlich auseinander‑ setzen. Dabei werden einzelne Autoren und Autorinnen in den Blick genommen, so Anna Antonia von Thaler, insbesondre ihr Roman Ein seltsames Verhältnis aus dem Jahr 1874, mit dem sich Claudia Merz befasst. Ein anderes Beispiel bildet Markéta Buršová, die sich mit Josef Orels Agneta. Die Hexe von Ullersdorf, 1901 in Brünn erschienen, be‑ fasst, ein Versroman, der die Hexenprozesse in Nordmähren in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts literarisch bearbeitet. Hierzu erfolgt zunächst eine Rekonstruktion wichtiger Topoi wie Teufelspakt in der frühen Neuzeit sowie Hexenvorstellungen bzw. Hexenbilder, die die Grundlage für das Verständnis des Romans von Orel bilden. Neben einer inhaltlichen Zusammenfassung wird zudem eine erste Interpretation vorgelegt. Vojtěch Šimůnek befasst sich mit Literarisierungen des Deutschen Krieges von 1866. Hierzu hatte er bereits im letzten Jahrgang der brücken. Zeitschrift für Sprach-, Literaturund Kulturwissenschaft (29/1, 2022, S. 139–153) einen einschlägigen Beitrag vorgelegt. Im aktuellen Band beschäftigt er sich mit Robert Hohlbaum und dessen Österreicher. Ein Roman aus dem Jahre 1866, erschienen 1914. Hohlbaums Text wird zum Anlass genommen, ausgehend von den grundlegenden historiographischen Arbeiten Friedrich Heers und Max Hallers, das Jahr 1866 im Hinblick auf die österreichische Identitätsbildung in den Blick zu nehmen. Dabei geht der Verfasser etwas missver‑ ständlich formuliert von einer doppelten Identität aus, einmal auf die Habsburger‑ dynastie bezogen, einmal auf den gesamten Deutschen Bund (und eben nicht wie fälschlich formuliert auf das längst schon untergegangene Heilige Römische Reich deutscher Nation) bezogen. Vor diesem Hintergrund kann tatsächlich die Niederlage von 1866 mit dem Scheitern einer großdeutschen Perspektive unter österreichischer Führung als ein Trauma betrachtet werden, letztlich als eine „Destabilisierung des Selbstbildes“ der Habsburgermonarchie (S. 75). An diese allgemeinen Ausführungen schließt sich die Analyse des Textes von Hohlbaum, einem Grenzlanddichter mit völkischer Affinität, an. Mit einem anderen Grenzlanddichter, Karl Hans Strobl, befasst sich Andrea Zvo‑ lánková. Thema ihrer Arbeit ist die Bismarck ‑Trilogie Strobls. Ausgangspunkt ist hier der mit dem Bismarck ‑Mythos korrelierende Nationalismus, wobei allerdings die Begrifflichkeit eine recht unpräzise Anwendung findet. So wird die Entstehung von Nationalgefühl als eine Transformation aus dem Nationalbewusstsein erklärt (S. 92), das Konzept des Mythos bleibt mehr als vage und wird synonym zu Religion, Kult, Legende gebraucht bzw. mit öffentlicher Beliebtheit, Verehrung, Selbstinsze‑ nierung umschrieben. Angesichts weiterer Ungenauigkeiten wie die „Zersplitterung von Österreich ‑Ungarn“ (S. 99) nach dem Ersten Weltkrieg, die Etikettierung von Bismarcks Vater als „einfacher Dörfler“ (S. 109) oder die Verwendung nicht näherer erläuterter Kategorien wie Historizität und Literarizität eines Textes (S. 103) dürfte eine Überarbeitung dringend angeraten sein. Mindestens aber sollte Strobls Trilogie in den Kontext der Tradition des Historischen Romans eingebettet werden, der gerade in den Böhmischen Ländern sprachübergreifend eine spezifische Ausprägung besaß. Michaela Smrž ‑Cieslarová betrachtet die Deutsch -Tschechische Frage des Jahres 1918 aus der Sicht des Prager Tagblatts. Ausgangspunkt ist hier allerdings ein teleologisches, die realen Entwicklungen höchstens bedingt abbildendes Narrativ von einer sich 152 BRÜCKEN 30/2 mit dem Ersten Weltkrieg verstärkenden, unausweichlichen Konfliktsituation mit dem Ergebnis, „dass ein friedliches Zusammenleben der zwei Nationen kaum mehr möglich war.“ (S. 118) Herausgearbeitet werden dann zentrale Themenkomplexe der Berichterstattung wie die Rolle des Selbstbestimmungsrechts, die Delegitimierung der Habsburgermonarchie, die Frage einer föderalen Gestaltung (Bundesstaat vs. Staa‑ tenbund), die Gründung der Tschechoslowakei und weitere. Was allerdings zu kurz kommt, ist die politisch ‑gesellschaftliche Einordnung des Prager Tagblatts. Ferner fehlt ein methodischer Zugang, was die Analyse der Texte angeht (diskursanalytisch, inhaltsanalytisch etc.). Nachdem Radek Flekal eine erste Skizze seiner Beschäftigung mit dem Kriminal‑ autor Weinert ‑Wilton im ersten Heft der Schnittstelle Germanistik in der Sektion Dokto‑ randenforum vorlegen konnte, findet man hier eine vertiefende Auseinandersetzung vor allem mit dem Komplex des Exotischen im Werk Weinert ‑Wiltons. Mit dem in Olmütz geborenen Franz Spunda befasst sich Vendula Torres, die lite‑ rarische Motive in Giorgiones Liebeslied– Roman eines Künstlerlebens untersucht, eine Hommage an den italienischen Maler aus der Renaissance. Abschließend befasst sich Alena Papoušková mit den tschechischen Übersetzungen des Mannes ohne Eigenschaften. Ausgehend von dem Aufsatz Mario Wandruszkas Musils Sprache als Herausforderung aus dem Jahr 1988, in dem die These einer besonderen Widersetzlichkeit bzw. Unübersetzbarkeit des Romans vertreten wird, soll hier eine Überprüfung vorgenommen werden. Dabei geht es der Verfasser um die stilistischen Aspekte der Übersetzung sowie auch um den Stil des Übersetzers selbst, eine durch‑ aus vielversprechende Arbeit. Insgesamt erhält man einen guten Überblick über die Arbeit des akademischen Nachwuchses der Olmützer Germanistik, die die Entwicklung des Faches, wenn die Dissertationen abgeschlossen sind, sicher voranbringen werden. Jana Čeňková: Jestlipak víte, kdo je lyrik? Opoezii pro děti amladé čtenáře [Wisst ihr denn, wer ein Lyriker ist? Über Lyrik für Kinder und junge Leser]. Praha: Karolinum, 2022. 172 Seiten und 34 Abbildungen. Dagmar Švermová– Pädagogische Fakultät, Karls ‑Universität Prag Die von einem Autorenkollektiv vorgelegte Monografie Jestlipak víte, kdo je lyrik? Opoezii pro děti amladé čtenáře. [Wisst ihr denn, wer ein Lyriker ist? Über Lyrik für Kinder und junge Leser], herausgegeben von Jana Čeňková ist, stellt vor allem das Schaffen von repräsentativen tschechischen zeitgenössischen Autoren vor, deren Schwerpunkt Gedichte einschließlich experimenteller Lyrik und innovativer genreüberschreitender Kunstwerke für Kinder und Jugendliche bilden. In dieser Hinsicht zeichnet die Mono‑ grafie die Entwicklung der von ausgewählten Verlagshäusern dargebotenen lyrischen Produktion nach, wobei das Hauptaugenmerk Neuerscheinungen auf dem Gebiet von