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Sprachideologien und Sprachmanagement in sprachbiographischen Interviews: Sprecher mit tschechischem Migrationshintergrund in Bayern

Abstract

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Sprachideologien und Sprachmanagement in sprachbiographischen Interviews: Sprecher mit tschechischem Migrationshintergrund in Bayern

Author: Nekula, Marek
Publisher: Univerzita Karlova, Filozofická fakulta,Praha
Year: 2021
Source: https://dspace.cuni.cz/bitstream/20.500.11956/170767/1/Marek_Nekula_63-82.pdf
Sp achideologien und Sp achmanagemen
in sp achbiog aphischen In e iews:
Sp eche mi schechischem Mig a ionshin e g und
in Baye n1
Ma ek Nekula– Uni e si ä Regensbu g
ABSTRACT
De Bei ag be ass sich mi Sp achideologien und de en Auswi kungen au Sp ache we b
und -e hal , wie sich diesein sp achbiog aphischen In e iewsda s ellen, diemi Sp e-
che n mi schechischem Mig a ionshin e g undau genommenwu den, die o de sen-
siblen Phase nach Baye n kamen und de 1,5 Gene a ion zugeo dne we den können.Im
Einzelnen zeig de Bei ag, wie in eine exogamen (gemisch en) Familie das amiliä e
Sp achmanagemen a gumen ie wi d, um die mono- ode bilingualen In e essen eine
Pe son du chzuse zen.Wei e wi d gezeig , wiedieSp ach egime des Au nahmelandes
und des He kun slandes, zu denen auch die Bewe ung on Sp achen gehö , inne halb
eine indi iduellen mig an ischen Sp achbiog aphie in Kon lik ge a en und wie Sp ach-
ideologien im Plu al inne halb eine biog aphischen Na a ion zu eine Sp achideologie
im Singula e woben we den. Deshalb wu de eines de In e iews meines Samples nähe
analysie , um eine„dich e Besch eibung“de sp achlichenSi ua ioneine (weiblichen)
Mig an in und ih e S a egien zu ideologischen Legi imie ung ih e eigenen disku si en
Posi ion und zu Delegi imie ung de Posi ion de Ande enanbie enzu können.
SCHLÜSSELWÖRTER
Sp ache we b; Sp ache hal ; Meh sp achigkei ; Sp achideologie/n; Sp achmanagemen ;
Sp ach egime
ABSTRACT
Language ideologies and language managemen in in e iews on language biog a‑
phy: Speake s wi h Czech mig a ion backg ound in Ba a ia
The pape deals wi h language ideologies and hei impac on language acquisi ion and
main enance as ep esen ed in in e iews on language biog aphies wi h speake s wi h
aCzech mig an backg ound who came o Ba a ia be o e he sensi i e age and belong o
he 1,5 gene a ion. The pape shows in de ail how amily language managemen se es
someone’smonolingual in e es s in an exogamous (mixed) amily. I shows u he , how
he hos coun y’sand he coun y o o igin’slanguage egimes, which also include he
e alua ion o languages, con lic wi hin an indi idual mig an language biog aphy and
how language ideologies in plu al in e wine o shape indi idual language ideology wi hin
abiog aphic na a i e. One o he sample in e iews was he e o e analyzed close o o e
1 De Bei ag geh au einen Vo ag bei de Tagung „Mul ilinguale Sp achBioG aphien in Mi elos eu opa“
an de Uni e si ä G ei swald im Ok obe 2016 zu ück.
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a“ hick desc ip ion” o he linguis ic wo ld o a( emale) mig an and o he s a egies o
ideologically legi imize he own discu si e posi ion and o delegi imize o he s’ posi ions.
KEY WORDS
Language acquisi ion; language main enance; mul ilingualism; language ideology/s; lan-
guage managemen ; language egime
1. EINFÜHRUNG
In meinem Bei ag geh es um Sp achideologien und ih e mögliche Auswi kung au
den Sp ache we b und Sp ache hal , wie sie sich in den sp achbiog aphischen In e -
iews mi Sp eche n mi schechischem Mig a ionshin e g und da s ellen, die o
1989 als kleine Kinde im Al e on 3 bis 8 Jah en (d.h. o de Pube ä ) nach Baye n
gekommen und de 1,5 Gene a ion zuzuo dnen sind, bzw. die– analog zu Polinsky
(2006), die solche ussischsp achigen Sp achbenu ze in den USA un e such ha – un-
mi elba nach de Emig a ion de El e n ode nach de Familienzusammen üh ung in
Baye n gebo en wu den und do au gewachsen sind. De Bei ag geh on ün und-
zwanzig sp achbiog aphischen In e iews aus,2 die in den Jah en 2005 bis 2009 on
Ve ena Hämme le und mi bzw. im Rahmen meines Semina s zu Sp achbiog aphien
und Sp achkon ak mi schechischsp achigen He kun ssp eche n au genommen
wu den. Die Au nahmen wu den au Tschechisch, eilweise abe auch au Deu sch
du chge üh , weil de Sp ach e lus so s a k wa , dass sich die Sp eche kein In e -
iew au Tschechisch zu au en und nu einem ku zen schechischen Nach ag zu dem
na a i en In e iew zus imm en. Im Einzelnen geh de Bei ag aus d ei G ünden
abe imme wiede – wenn auch nich ausschließlich– au ein In e iew mi Ma i-
na ein: Eine sei s keh en in diesem Topoi de ande en In e iews wiede , ande e -
sei s e en in ihm au G und de Kons ella ion eine auch e hnisch neu gemisch en
pa chwo k Familie (S ie amilie) sp achideologische Kon lik e und die Ve knüp ung
on Sp achideologien und Sp ache we b, -geb auch und -e hal nich nu besonde s
deu lich zu Tage, sonde n we den auch en sp echend in ensi disku ie und e-
lek ie . Auße dem kann so eine „dich e Besch eibung“ de sp achlichen Wel eine
Immig an in und ih e S a egien de ideologischen Legi imie ung de eigenen dis-
ku si en Posi ion und de Delegi imie ung de Posi ion de Ande en gebo en we den.
Die Zahl de au genommenen In e iews is zwa nich übe wäl igend, doch haben
die quali a i e hobenen und ausgewe e en Da en ih e Validi ä . Die In e iew en–
die okussie e In e iew e eingeschlossen– akkumulie en und gene alisie en näm-
lich in Bezug au den Sp ache we b und Sp ache hal nich nu ih e E ah ung. Sie
schließen auch die E ah ungen ande e He kun ssp eche , mi denen ode übe die
sie sich aus auschen, in ih e Na a i e ein. Diese disku si e Ve ne zung wi d gu im
olgenden Zi a sich ba , in dem sich die In e iewe in (selbs eine He kun ssp e-
2 Zu den sp achbiog aphischen In e iews als Quelle und Me hode gl. Nek apil (2004a), da in auch
meh zu Validi ä on sp achbiog aphischen In e iews, de Un e scheidung de Lebens-, Subjek -
und Tex eali ä sowie dem Umgang dami .
65MAREK NEKULA
che in des Tschechischen) und die In e iew e au eine d i e Pe son beziehen und
in Bezug au diese eine gemeinsame kommunika i e E ah ung mi Sp achmischung
he ausa bei en:3
(1) M: […] abe i gendwie (.) abe wa- abe ich weiß nich , ob Nikole hie ges e n
auch wa , äh im Ku s, (K: [ich kenne sie. ja,]) abe sie mach ((= sp ich )) mi
ih e Mu e auch genau dasselbe. ((= misch beide Sp achen))
K: ich auch. ((mi Lachen))
M: ja das is dann; (A: äh) (.) mi schein es is i gendwie ielleich no mal. (.) und
wi e ‑ e suchen je z nu Deu sch, ode Tschechisch; abe es geling uns
i gendwie nie ganz. ((alle lachen))4
Das Ziel diese na a i en In e iews wa es, die quan i a i schwe e schließba e
p ekä e Sp achsi ua ion de Mig an en mi schechischem Mig a ionshin e g und
in Baye n zu e assen (Hämme le 2009), ih e Sp ache we bs- ode Sp ache hal ss-
a egien zu e s ehen und die Auswi kung ih e Sp achbiog aphien au ih e He -
kun ssp ache zu un e suchen. Dami ging es auch um die Ausp ägung des addi i en
Bilingualismus, die Ve lage ung de p imä en Sp ache on de E s - au die Zwei -
sp ache und dami auch um den un olls ändigen Sp ache we b und Ve lus on
nich hin eichend s abilisie en Einhei en und S uk u en de He kun ssp ache
bzw. um die Einsch änkung (Sub ak ion) des ühkindlichen Bilingualismus und
die Rolle de gesch iebenen Sp ache beim Sp ache we b und Sp ache hal , wie dies
in Bezug au ande e Sp achenpaa e u.a. in Klein (1992), Romaine (1995), Polinsky
(2006), Mon ul (2008), Lüdi (2008), Ma as (2009), Mülle e al. (2011), Riehl (2014),
Me ins (2016), Nebeská (2016) ode Busch (2017) un e such bzw. e minologisch
disku ie wi d. Da Tschechisch als He kun ssp ache in Deu schland– ande s als
ande e Sla inen– bishe kaum un e such wu de und im Ve gleich zu Tschechisch
in Ös e eich, wo es den S a us eine Minde hei ensp ache genieß , einen ande en
Sp achkon ak ypus da s ell ,5 wa diese Sonde auch als Bei ag zu Sp achkon ak -
3 Die T ansk ip ion de In e iews o ien ie sich an de disku sanaly ischen T ansk ip ion und die
Zi a e aus den In e iews in Seidlmaye (2009), die sie im Rahmen eines meine Semina e du ch üh e,
wu den in diesem Bei ag om Au o übe p ü sowie auch im Hinblick au die T ansk ip ionsemp-
ehlungen in Kade ka/Nek apil (2016) angepass : (.) (..) (…) s ehen ü un e schiedlich lange Pausen,
die länge als die übliche Segmen ie ung sind, besonde s s a ke Dehnung wi d mi : ode :: ma kie ,
besonde s s a k be on e Wo silben we den un e s ichen, wäh end Kommen a e ((doppel )) und
de e mu e e Wo lau (ein ach) umklamme we den. Die eckigen Klamme n s ehen dann ü
[simul ane] Teile, und die In e punk ion ha eine eigene Bedeu ung (? = s a k s eigende An ikadenz;
, = leich s eigende Halbkadenz; ; = schwach allende Kadenz; . = s a k allende Kadenz). Un es ändliche
S ellen we den mi ( ) ma kie , die Übe se zungen de Zi a e s ammen om Au o .
4 M: […] ale nějak (.) ale co- ale Nikol, ((Name geände )) já ne im esi a če a ady nebyla, eh ku zu,
(K: [já ji znám. no,]) ale přesně o aky dělá o s ejný smaminkou.
K: já aky. ((mi Lachen))
M: jo ak o je; (A: mhm) (.) mě se zdá že o nějak asi no mální. (.) amy eďkon zku‑ zkusíme
((= zkoušíme)) jenom němčinu, nebo češ inu; ale o se nějak nám nikdy nepo ede moc.
((alle lachen)) (TK Ma ina 2009: 179–184; Seidlmaye 2009: 53; Fe d uckM.N.)
5 Zu den Sla inen in Deu schland allgemein gl. Ach e be g (2005), zu einzelnen Sla inen gl. u.a. Meng/
P o asso a (2001), Meng (2004), Goldbach (2005), B ehme (2007), Mehlho n (2011), Ans a (2013),
Redde e al. (2013), B ehme /Mehlho n (2013). Zum Tschechischen in Deu schland gl. inzwischen
Ne lich (2007), Hämme le (2009), Feldmeie (2014) sowie die Quali ika ionsa bei en on B andl (2008),
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ypologie und Skalie ung de p ekä en Lage on slawischen Mig an ensp achen in
Deu schland gedach .
Die F age nach Sp achideologien wa also bei de E hebung diese In e iews nich
p imä o handen, sonde n kam e s nach äglich hinzu. Es wä e jedoch on In e esse,
ob sich das o handene Ma e ial auch bei eine Un e suchung, die au den Wandel
on Sp achideologien on Sp eche n mi schechischem Mig a ionshin e g und in
Deu schland, Baye n bzw. im Raum Regensbu g o und nach 1989 abzielen wü de,
e wenden ließe. Die Einbeziehung dieses Ma e ials in eine solche S udie könn e näm-
lich ande e Vo s ellungen on Sp achen und de en E we b und E hal zu Tage b ingen
als die, welche die spä e en ( schechischen) Mig an en in demselben Raum haben.
Diese Mig an en e we ben und e hal en nämlich ih e Sp ache un e ganz ande en
sozialen und dami auch ideologischen Rahmenbedingungen als ühe : So s eh au
de einen Sei e Exil ohne eine di ek e Rückbindung zum eins igen Heima land im
Os block hin e dem Eise nen Vo hang und ohne jegliche ins i u ionelle Fö de ung
des Tschechischen in Deu schland, Baye n bzw. in de Region. Au de ande en Sei e
s ehen Emig a ion und/ode Familienzusammen üh ung in eine digi alisie en und
insbesonde e nach dem EU -Bei i (2004) und dem Schengen -Bei i (2007) e -
ne z en Wel , in de de E we b de He kun ssp ache in eine g enznahen Region
on p i a en, kommunalen sowie ande en Ins i u ionen ge ö de wi d, wie dies e wa
ü die Tschechische Schule in Regensbu g ode ü die Fö de ung on Mig an en-
sp achen du ch die Regie ung de Obe p alz zu i .
Auch wenn also in diesen In e iews keine geziel e Ab u ung on Sp achideologien
du ch eine Hin e agung des E we bs, des E hal s ode de Au gabe de He kun s-
sp ache o lieg (wobei diese zu Beg ündung des Is zus andes und dami zu Explika-
ion on Sp achideologien üh ),6 kann man e wa en, dass die sp achbiog aphischen
Na a ionen in Bezug au ‚P obleme‘ beim Sp ache we b und Sp ache hal nich nu
„language managemen summa ies“ (Nek apil 2004b) en hal en, sonde n diese auch
gene alisie en, wodu ch das jeweilige singulä e Sp ach e hal en als allgemein gel end
da ges ell und dadu ch (sp ach)ideologisch beg ünde wi d:
(2) K: und mi de Mu e sp ichs du zu Hause au Tschechisch?
M: (.) ganz am An ang (..) ha(ben) wi nu schechisch gesp ochen; abe je z
mischen wi das alles. (K: äh) das is das P oblem dass man Tschechisch und
Deu sch misch , und wenn wi ielleich ke- wenn wi die (.) wenn wi äh kein
schechisches Wo haben ü e was was wi sagen [wollen] (A: [äh]) nu das
deu sche, dann deklinie en wi das deu sche au [Tschechisch]. ((die le z en
Wö e mi Lachs imme)) (K, A: [äh]) also (.) ich weiß nich , es is ein bisschen
me kwü dig. wenn uns jemand zuhö , denk e sich welche Sp ache ((leise))
[sp echen die], ((leise)) [M,K,A: ((Lachen))]7
Feldmeie (2009), Seidlmaye (2009, 2013), Meie (2017), Panocho á (2017), Plesníko á (2018). Bei äge
zu Tschechisch in Ös e eich und Wien wu den enzyklopädisch und bibliog aphisch zusammenge ass
in Newe kla (2016).
6 Zu Sp achideologien in In e iews gl. Laihonen (2008).
7 K: asmaminkou mlu íš česky doma?
M: (.) na začá ku (..) úplně jsme mlu i(li) ((li e schluck )) jenom česky; ale eďkon už o šechno
mícháme. (K: mhm) o je en p oblém že se míchá češ ina aněmčina, akdyž možná ne- nemáme
u- (.) neznáme u ehm český slo o p o něco co chceme [říc ] (A: [mhm]) jenom o německý, ak o
67MAREK NEKULA
Im o liegenden Zi a wi d eine episodische E ah ung u.a. du ch Deagen i ie-
ung und gnomisches P äsens gene alisie und somi als eine allgemeine Vo s ellung
übe Sp ache/n bzw. als Sp achideologie ‚Sp achmischung is ein P oblem‘ e kennba
gemach . Eine Rolle spielen bei diese Ve allgemeine ung auch Bezeichnungen on
Sp achen, ande no s auch e hnische Ka ego isie ungen („die Tschechen sind s olz
au ih e Sp ache“) ode „ex eme case o mula ions“ (Pome an z 1986), d.h. Ausd ü-
cke mi de Bedeu ung „imme “, „übe all“, „ ollkommen“, „jede “, „keine “, „niemand“:
(3) e ((de deu sche S ie a e )) sag o allem dass man Deu sch kann; (.) die ande-
en Sp achen sind nich , ode Englisch auch, ((„ode Englisch auch“ im ande en
Tempo und mi ande e S imme)) (A: [äh]) [abe ] die ande en Sp achen, wie (..)
äh Tschechisch Russisch ode solche Sachen, das in e essie ihn nich ; das muss
keine wissen.8
(4) alle die in Tschechien sind sp echen kein Deu sch.9
(5) wenn ich au Deu sch ede dann is alles i gendwie (…) s - äh s enge , nein; (.)
i gendwie me kwü dig, (.) ich weiß nich .10
Geh man, wie K osk i y (2004), da on aus, dass ü Ideologien ein allgemeine Gel-
ungsansp uch cha ak e is isch is , auch wenn sie Ausd uck pa ielle In e essen sind,
dann dü en die explizie en Übe zeugungen übe Sp ache/n du ch die oben aus-
ge üh en Ve allgemeine ungen und den dami e bundenen allgemeinen Gel ungs-
ansp uch als Sp achideologien e kennba sein, die einen Umgang mi den Sp achen
beg ünden ode die du ch Hin e agung solche Ideologien auch diesen hin e agen.
2. SPRACHIDEOLOGIE/N
Spä es ens an diese S elle s ell sich die F age, was man in diesem Bei ag un e de
„Sp achideologie“ ode den „Sp achideologien“ e s eh . In de klassischen De ini ion
on Sil e s ein we den sie e s anden als
se s o belie s abou language a icula ed by use s as a a ionaliza ion o jus i ica ion
o pe cei ed language s uc u e and use (Sil e s ein 1979: 193).
Die Deu ung on Sp achideologien als Ra ionalisie ung ode Rech e igung on wah -
genommenen S uk u en und Ve wendung on Sp ache/n zeig sich e wa im olgen-
den Auszug aus dem In e iew mi eine schechischen He kun ssp eche in, die sei
německý skloňujeme nějak do [češ iny]. ((die le z en Wö e mi Lachen)) (K, A: [mhm]) akže (.) já
ne im, je o ak ošku di ný. když nás někdo poslouchá, si myslí jakou řečí oni ((leise)) [mlu ěj],
((M,K,A[lachen])) (TK Ma ina 2009: 171–178; gl. Seidlmaye 2009: 53; Fe d uckM.N.)
8 on říká že hla ně že se člo ěk umí německy; (.) y jiný řeči nejsou, nebo anglicky aky, ((„nebo anglicky
aky“ schnelle und mi ande e S imme)) (A: [mhm]) [ale] y jiný řeči, jako (..) eh česky usky nebo
ako ýhle ěci, o mu nezajímá; o nikdo nepo řebuje ědě . (TK Ma ina 2009: 150–153; gl. Seidlmaye
2009: 52; Fe d uckM.N.)
9 šichni co jsou čechách neuměji německy. (TK Ma ina 2009: 161; gl. Seidlmaye 2009: 52; Fe -
d uckM.N.)
10 když mlu ím německy ak je ako ý šechno (…) pš- ehm přísnější, ne; (.) ako ý di ný, (.) já ne ím.
(TK Ma ina 2009: 523 .; gl. Seidlmaye 2009: 63; Fe d uckM.N.)

68 BRÜCKEN 28/2
de Kindhei in Deu schland leb und das Ausbleiben des E we bs de schechischen
Sch i sp ache du ch das Fehlen on (posi i en) Übe zeugungen in Bezug au die
schechische Sch i sp ache ech e ig , welche de en E we b beg ünden wü den:
(6) M: […] [ich habe] nu Mä chen gelesen ode [so] (K: [äh]) als kleines Mädchen
s ändig; (K: ähm,) und habe schechische Filme geschau ode [so], (K: [äh]) abe
(.) äh (.) ich habe nie gesch ieben, weil ich nich wuss e, (.) ich ha e nich die
Gelegenhei , ode ich wuss e nich , wa um ich ((in Deu schland)) übe haup
((Tschechisch)) sch eiben soll. (A: äh,) (.) also habe ich es gelassen abe ,11
Was den on Sil e s ein e wähn en „Sa z“ on Übe zeugungen übe die Sp ache be-
i , is Woola d (1998) de Meinung, dass man ihn ehe als eine lose „Aneinande -
eihung“ als ein du chdach es „Sys em“ on Konzep ualisie ungen on Sp ache/n
e s ehen soll e, d.h. sie sieh nich nu in de sp achlichen P axis, sonde n auch im
Disku s ehe inkohä en e Sp achideologien im Plu al als eine kohä en e Sp achideo-
logie im Singula am We k.
In de Ta we den in den In e iews eine sei s seh un e schiedliche Übe zeu-
gungen übe Sp ache explizie : ‚Tschechisch is schöne als Deu sch‘ und ‚Sp ache
ha mi de Iden i ä zu un‘ ode ‚S anda d s eh übe Non -S anda d‘ und ‚S anda d
is ich ig, Non -S anda d (Gemeinböhmisch) nich ‘ usw. Ande e sei s können diese
F agmen e in einem au die Sp ache okussie en Disku s, wie ihn sp achbiog aphi-
sche In e iews da s ellen, in e p e a i zu einem kohä en en Sys em zusammen üg
we den: Tschechisch habe mi de eigenen e hnona ionalen Iden i ä zu un, was sich
da in o enba , dass de be ei s meh ach zi ie en schechischen He kun ssp e-
che in Tschechisch im Ve gleich zu Deu sch „schöne “ und „na ü liche “ o komm ,
ih emo ional „nähe “ sei und sie sich da in „ eie “ als im „s engen“ Deu sch ühle.
Da abe Tschechisch du ch die schechische Sch i sp ache p ominen ep äsen ie
we de und sich nu da in oll en al en könne, habe sie als „wah e“ Tschechin in
Deu schland o z des do gel enden deu schen Sp ach egimes „ih e“ Sp ache nich
nu au ech zue hal en, sonde n auch den S anda d zu behe schen.12
Die Rolle on Deu sch und o allem on Tschechisch schä zen alle dings die
Deu schsp achigen in Deu schland, wie dies in den In e iews da ges ell und in
diesem Bei ag spä e wiede gegeben wi d, ande s ein. Dies kann man o dem Hin-
e g und on K osk i ys ün Ebenen de O ganisa ion on Sp achideologien sehen
(K osk i y 2004): (1) Sp achideologien ep äsen ie en die Wah nehmung de Sp ache
und des Disku ses, die im In e esse eine bes imm en sozialen ode kul u ellen G up-
pe kons uie sind; (2) sie sind im Hinblick au die Plu ali ä de bedeu ungs ollen
sozialen Di e enzen (Klasse, Gende , Eli e, Gene a ionen e c.) im Plu al zu denken;
(3) Ak eu e zeichnen sich du ch ein un e schiedliches Ni eau des Bewuss seins on
Sp achideologien aus; (4) die Sp achideologien de Ak eu e e mi eln zwischen
11 M: […] [já jsem] jenom če la pohádky nebo [ ak] (K: [mhm]) jako malá holka pořád; (K: mhm,) adí ala
jsem se na české ilmy nebo [ ak], (K: [mhm]) [ale] (.) ehm (.) já jsem nikdy nepsala, p o ože (( nich
ge oll )) jsem ne ěděla, (.) neměla u možnos , nebo já jsem ne ěděla, p oč mám ůbec psá . (A:
mhm) (.) akže jsem o nechala ale, (TK Ma ina 2009: 188–192; Seidlmaye 2009: 53; Fe d uckM.N.)
12 Zum Konzep des Sp ach egimes gl. K osk i y (2000) bzw. auch Busch (2017), zu Sp ach egimen in
Südos eu opa gl. I ine/Gal (2000).
69MAREK NEKULA
den sozialen S uk u en und Fo men des Sp echens; (5) Sp achideologien we den
bei de He ausbildung und Rep äsen a ion on sozialen und kul u ellen Iden i ä en
(Na ionali ä , E hnizi ä …) p oduk i e wende .
Die Ebenen (1), (2) und (5) wu den be ei s in den oben ange üh en Zi a en aus
dem In e iew mi Ma ina sowie in den Aus üh ungen dazu deu lich. Deu lich wi d
da in alle dings auch die Ebene (4): Da die schechischsp achigen Immig an en
in Deu schland übe keine s abilen sozialen Ne zwe ke, Minde hei en ech e und/
ode -ins i u ionen e ügen, die wie die de So ben in Deu schland wenigs ens eine
egionale Reichwei e hä en, bleib im Sinne de ie en Ebene de E we b de He -
kun ssp ache au Familien und au das O ale beg enz . De E we b de schechischen
Sch i sp ache mach e s mi Blick au die be u liche Pe spek i e im ode in Bezug
au das He kun sland und seine sozialen S uk u en wiede Sinn.
Angesich s de En wicklung de okussie en Sp eche in zu eine bewuss en
Ve wendung de He kun ssp ache is da in alle dings auch die Ebene (3) zu sehen:
Schließ man om Fehlen posi i e Übe zeugungen au das Vo handensein nega i e
Übe zeugungen, schein das oben ange üh e Zi a die Ta sache o Augen zu üh en,
dass die Sp achideologie/n auch nu geleb we den und in de P axis lediglich implizi
o handen sein können, wie dies E ing on (2001) bzw. linguis ische An h opologie,
E hnog aphie de Kommunika ion ode soziale An h opologie einschä zen. In de Re -
ospek i e we den sie im o liegenden Fall bewuss e lek ie und in de Me asp ache
explizi mani es ie . Da in können Sp achideologien assba we den, wo au Sil e -
s ein (1979) bzw. auch die k i ische Disku sanalyse ode Poli ikwissenscha bauen.
Beide He angehensweisen un e scheiden sich dabei nach Woola d (1998) auch in de
Einschä zung, we und au welche Ebene in Bezug au die Sp ache übe die Expe ise
e üg : so s ehen die Sp achbenu ze den Expe en, die In e ak ion de O ganisa ion,
die neu ale Sich weise in Bezug au die Sp achideologie de k i ischen gegenübe .
Die An wo au die F age, ob Sp achideologien in eine dialek ischen Beziehung
zu de linguis ischen P axis s ehen und dami das sp achliche Handeln bes immen,
ode ob sie in Bezug au diese P axen lediglich p ospek i genu z ode e ospek i
he ausgebilde we den, is nich unums i en. Ich gehe hie un e Be u ung au die
Sp achmanagemen heo ie da on aus, dass zumindes im sog. o ganisie en Sp ach-
managemen eine solche dialek ische Beziehung o lieg , weil kün ige Sp achp o-
duk ion und - ezep ion nich nu geplan , sonde n auch ausgehandel und in Bezug
au allgemeine Vo s ellungen übe Sp ache und Kommunika ion ode das, was da ü
gehal en wi d, beg ünde we den.
3. SPRACHMANAGEMENT UND SPRACHIDEOLOGIE
Die Sp achmanagemen heo ie, die mi Ve weis au die A bei en on Neus upný
(1978) und Je nudd (1991), bzw. Je nudd/Neus upný (1987) und Neus upný/Nek apil
(2003) e wa in Neus upný (2002), Nek apil (2006, 2012) ode Nek apil/She man
(2015) zusammen assend da ges ell und z.B. on Nek apil/She man (2009) ode
Ma io /Nek apil (2012) wei e en wickel wu de, geh da on aus, dass es neben de
Sp achp oduk ion und - ezep ion auch menschliche Ak i i ä en in Bezug au die
Sp achp oduk ion und - ezep ion gib , die man mi Neus upný (1978) als „Ve hal en
gegenübe de Sp ache“ bezeichnen könn e.
70 BRÜCKEN 28/2
Diese Ak i i ä en könn e man im wei e en Kon ex de „ heo y o language co ec-
ion“ (Coope 1989) eino dnen, weil sie du ch eine Abweichung on de sp achlichen,
kommunika i en ode au die Sp ache bezogenen soziokul u ellen No m ausgelös
we den. So könn e man den Ve such des Abs ellens de „Sp achmischung“, de im
e s en Zi a angesp ochen und im zwei en Zi a als „P oblem“ wah genommen wi d,
als einen Sp achmanagemen p ozess deu en, bei dem zunächs die Abweichung on
de No m ode on de E wa ung eines Sp achgeb auchs wah genommen wi d, de
„mi […] i gendwie ielleich no mal“ e schein , allgemein abe wohl nich . Im An-
schluss da an kann diese Abweichung– wenn wi dies allgemeine sehen– posi i ,
nega i ode neu al bewe e und da ü eine Ko ek u ausgewähl ode geplan bzw.
eine Maßnahme ode Lösungss a egie e g i en und anschließend implemen ie
we den: „wi […] e suchen je z nu Deu sch, ode Tschechisch“. Jedes „kann“ im
o igen Sa z s eh dabei ü Ein e en/Nich ein e en de jeweiligen Phase des Sp ach-
managemen p ozesses, d.h. de Sp achmanagemen p ozess kann, alls e beginn ,
nach jede Phase abb echen. Nach dem Abschluss des Sp achmanagemen p ozesses
wi d dann gep ü , ob de Sp achmanagemen p ozess e olg eich wa , wobei das Be-
me ken des nega i en Falls („abe es geling uns i gendwie nie ganz“) zum Auslöse
eines wei e en Sp achmanagemen p ozesses we den kann (abe nich muss).
Das Sp achmanagemen ealisie sich dabei au zwei Ebenen: au de Mik oebene
eine konk e en In e ak ion, wenn z.B. jemand seine ode die emde Aussp ache
des Wo es Tü on [ i: ] au [ y: ] ko igie , und au de ansin e ak ionellen
Mak oebene, indem die Aussp ache on y, ü [y] s. i[i] in eine Phone ik -Übung ü
slawischsp achige Deu schle ne innen und -le ne eingeüb wi d, dami diese i ü
In e ak ion/en au Deu sch we den. Dabei s ehen Mik o- und Mak oebene in eine
Wechselwi kung: das ein ache Sp achmanagemen in Fo m eine disku so ien ie en
F emdko ek u de Abweichung on de No m au de Mik oebene de In e ak ion
dü e den be o enen Sp eche bei Wiede holung zum o ganisie en, anssi ua-
ionellen Sp achmanagemen au de Mak oebene, d.h. zum bewuss en Einüben
de Aussp ache in einem Phone ikku s üh en, wäh end die Abweichung on de
No m au de Mik oebene de In e ak ion mi Bezug au das o ganisie e Sp ach-
managemen au de Mak oebene (Besuch eines Phone ikku ses) wah genommen
und selbs ko igie we den kann.
Ein Teil des o ganisie en Sp achmanagemen s, das anssi ua ionell (si ua ions-
übe g ei end), in un e schiedlich komplexen Ne zwe ken, O ganisa ionen ode
Ins i u ionen e anke is und explizi e ö e wi d, is auch die A ikula ion on
„allgemeinen“ Übe zeugungen übe Sp ache/n, die ein Sp achmanagemen a iona-
lisie en ode beg ünden sollen, wie dies Nek apil/She man (2013) in Bezug au das
o ganisie e Sp achmanagemen in Un e nehmen im De ail aus üh en. So gesehen
schein sich die Sp achmanagemen heo ie au die explizie en Sp achideologien
im o ganisie en Sp achmanagemen zu okussie en. Bedenk man abe die an-
gesp ochene Wechselwi kung on Mak o- und Mik oebene, wi d deu lich, dass
sich die im o ganisie en Sp achmanagemen explizie en Sp achideologien in die
Sp achp oduk ion und - ezep ion einsch eiben und diese bes immen bzw. dass die
Abweichungen on de No m on den Ak eu en nich nu iden i izie , sonde n dass
sie sie auch zu Ko ek u en e anlassen, die au ih e Übe zeugungen übe die Sp ache
zu ückgehen (‚S anda d s eh übe Non -S anda d‘) und on ihnen auch explizie
71MAREK NEKULA
we den können, was nich ausschließ , dass sich Sp achideologien in In e ak ionen
e handel und e ände we den (zu kons uk i is ischen Sp acheins ellungs o -
schung gl. e wa den Übe blick in Soukup 2019).
4. SPRACHIDEOLOGIE/N UND SPRACHMANAGEMENT
IN SPRACHBIOGRAPHISCHEN INTERVIEWS
Du ch sp achbiog aphische In e iews bekomm man die P axis des Sp echens siche -
lich nu e mi el mi .13 Mi de Explika ion on Sp achideologien in me asp ach-
lichem Bezug au diese P axis sieh das in diesen In e iews besse aus. Dies ha auch
dami zu un, dass das Sample de In e iew en du ch ein besonde es ‚Schneeball-
-P inzip‘ en s and: Sie wu den mi sp achbewuss en Sp eche n mi schechischem
Mig a ionshin e g und du chge üh , die den un olls ändigen Sp ache we b, die
A i ion ode den Ve lus ih e He kun ssp ache nich hinnehmen woll en und sich
en schieden, an de Uni e si ä Tschechisch zu e we ben bzw. in Rich ung S anda d-
und Sch i sp ache auszubauen:
(7) S: […] je z ing ich mi dem Buch G oßmu e (( on Božena Němco á)) an, das wa
ja schon i gendwie schlimme , weil dies wi klich ein (.) (K: schwie iges) sch eck-
liches ((mi Lachen)) Tschechisch is , na ja, schwie ig ja, (.) abe ich hab’sschon
auch gelesen, (.) also habe ich’sschon i gendwie gescha . äh no und es is ja
ein gu es T aining, um Tschechisch noch zu e besse n. ich hab eigen lich o
allem Gemeinböhmisch gele n , und um das ich ige S anda d ‑Tschechisch
zu le nen.14
Ih e Be ei scha , zu An ang des S udiums ih e Sp achbiog aphie zu eilen, kann dabei
als ein Beleg da ü gel en, welche Bedeu ung de Sp ache we b und Sp achgeb auch
des Tschechischen ü sie ha .
Die En scheidung ü Tschechisch und die S anda dsp ache hä e man bei Sab-
ina in (7) siche aus allgemeinen We -/Vo s ellungen übe die Sp ache/n wie ‚Die
He kun ssp ache, die Iden i ä beg ünde , is wich ig‘ ode ‚S anda d s eh übe
Non -S anda d‘ ablei en können. Sie wi d alle dings in einem ande en In e iew mi
Ma ina in (8) im Sinne de Sp achmanagemen heo ie, die eine Wechselwi kung on
Mik o und Mak o pos ulie , aus konk e en In e ak ionen abgelei e :
(8) A: äh gu also (.) du du woll es wiede ein ach (.) also noch [ ich ig] (M: [ja ich
habe]) Tschechisch le nen hie an de Uni?
13 Eine indi ek e Quelle sind auch die In e ak ionsin e iews, wie sie Neus upný (2004) e klä , wäh end
Beobach ung und Mi schni eine In e ak ion Da en (meh ) di ek g ei ba machen.
14 S: […] eďka sem se pus ila do babičky (( on Božena Němco á)), o už bylo ako ý ho ší, p o ože o je
op a du (.) (K: ěžký) s ašná ((mi Lachen)) češ ina, no, ěžká no, (.) ale už o mám přeč ený aky, (.)
ak sem o docela z ládla. no no aje o ako ej dob ej énink, abych se zlepšila ješ ě u češ inu. Hla ně,
já sem se las ně naučila obecnou češ inu, aabych se naučila u sp á nou spiso nou češ inu. (TK
Sab ina 2009: 299–303; Seidlmaye 2009: 79; Fe d uckM.N.)
78 BRÜCKEN 28/2
Sp ache we b on wei e en Sp achen, beim Lösen on kogni i en Au gaben sowie
im sozialen Handeln p o i ie e.
Dass sich diese Disku s mi dem Iden i ä sdisku s e binden kann und die e s e
Disku sposi ion A gumen e ü das einsp achige Sp ach egime bzw. den e hnona-
ionalen Iden i ä sdisku s und/ode die zwei e Disku sposi ion A gumen e ü das
meh sp achige Sp ach egime bzw. die Locke ung des einsp achigen Sp ach egimes
und/ode gegen den e hnona ionalen Iden i ä sdisku s lie e , is in Bezug au den
na ionalen sowie assischen Sp achdisku s, in dem Volkssp ache, Volksgeis und
Volkskö pe als eine o ganische Einhei e s anden we den, hinlänglich bekann .25
Ohne seinen assischen Disku s ahmen, den Ma ina in dem In e iew kons uie ,
um das einsp achige Regime zu delegi imie en, s ahl diese na ionale Sp achdis-
ku s in die Sp achpoli ik de Na ionals aa en wei ins 20. und 21. Jah hunde hinein
aus (Blommae 2006).
In S aa en, in denen die Meh sp achigkei öde al ode ande s ins i u ionell e -
anke is , dü e dabei die zwei e Disku sposi ion in meh sp achigen Familien mi
g öße e Leich igkei eingenommen we den, weil auch die Disku se au de Mak o-
ebene ü diese o ene sind. In einem In e iew mi eine ame ikanischen Mu e
mi unga isch -i alienischen Wu zeln, die sich in Gen – auch un e Einbeziehung on
Fo schungsli e a u – mi ih em deu schsp achigen Mann ü eine meh sp achige
E ziehung en schieden ha und die on Lena -Ma ia Hu ne ü ih e Hausa bei in
einem G uppenin e iew in e iew wu de, konk e isie en sich die oben ange üh en
A gumen e ü die Meh sp achigkei . Neben diesen A gumen en b ing die in e -
iew e Mu e jedoch auch ande e, ge adezu ‚philosophische‘ Vo s ellungen übe
den Zweck de Meh sp achigkei ins Spiel, die zwischen den Fo men des Sp echens
und den sozialen S uk u en e mi eln und auch dadu ch als Sp achideologien e -
kennba we den:
(16) A: und ich habe auch, (..) ich weiß nich ob es übe haup s imm , (.) abe ich
inde, (.) es gib einen ganz wich igen G und auch was nich mi de S uk‑
u de Sp ache zu un ha ; sonde n ehe philosophisch; (..) ode , (..) äh (..)
menschlich, (..) ü mich is es ganz schön dass meine Kinde wissen, dass
es meh als eine ich ige An wo gib , (.) dass man meh , (..) in meh e en,
(..) ja dass man meh e en, (.) äh (..) açon, (..) äh (..) ways, (..) äh (.) ja; (..)
ha e was auszud ücken. […] ich ho e sie we den akzep ie ende sein; (.)
und ole an e , (.) dass, (..) ich weiß nich ob das übe haup s imm , abe das
is wi klich ü mich ganz wich ig.26
7. FAZIT
Es zeig e sich, dass Sp achideologien in sp achbiog aphischen na a i en In e iews
in Bezug au Deu sch und ande e Sp achen sowie in Bezug au Ein- und Meh sp achig-
kei du chaus p äsen sind, selbs wenn man sie nich du ch spezi ische S a egien
25 Vgl. u.a. auch Zi a e aus dem langen 19. Jah unde in Nekula (2012).
26 Au nahme on Lena -Ma ie Hu ne , die sich au eine in Gen lebende Familie bezieh und die ü die
Hausa bei im Rahmen meines Haup semina s „Sp achideologien und Sp achgeb auch“ im Win e -
semes e 2014/15 en s and.

79MAREK NEKULA
bei de In e iew üh ung ab u . Sie a ionalisie en nämlich Sp achp obleme und
Sp achkon lik e und beg ünden ih e Lösungen beim ein achen und o ganisie en
Sp achmanagemen in de Familie, in Bildungsein ich ungen und im ö en lichen
Raum in Bezug au den Sp ache we b ode Sp ache hal bzw. den Nich e we b
ode Abb uch des E we bs. Die A gumen e we den u. a. auch du ch „ex eme case
o mula ions“ als allgemeingül ig ma kie und auch dadu ch als Sp achideologien
e kennba . Das mach das o handene sp achbiog aphische In e iewma e ial in
einem wei e en Fo schungskon ex nu zba und in e essan .
Auße dem zeig e sich, wie scheinba isolie e Sp achideologien im Plu al im
Rahmen eine Na a ion explizie und zu einem Sys em, eine Sp achideologie im
Singula , e bunden we den können: in Bezug au ih e T äge in Tschechien und
Deu schland, die au komplemen ä e Sp achideologien eku ie en und e gleichba e
Sp ach egimes p ak izie en. Die Vo s ellungen übe die Sp ache sind in de P axis
eines solchen Sp ach egimes nu implizi o handen, sie können abe e wa bei einem
sp achbiog aphisch beding en in e kul u ellen Kon lik on Sp achideologien auch
explizi gemach und du ch eine Ve knüp ung mi de Mach als Sp achideologie/n
eine In e esseng uppe, in diesem Falle de au och honen sp achlichen „deu schen“
Majo i ä , e kennba gemach und hin e ag we den.
Schließlich spiegel sich in den In e iews mi den schechischen Mig an en, die
o 1989 in Baye n gebo en und/ode au gewachsen sind, wie sp achlich p ekä die
Si ua ion diese ze s eu en alloch honen Minde hei wa . Ohne eine di ek e Rück-
bindung zum eins igen Heima land hin e dem Eise nen Vo hang und– ande s als
die au och hone schechische Minde hei in Ös e eich bzw. Wien– ohne jegliche
ins i u ionelle Fö de ung des Tschechischen in Deu schland, Baye n bzw. in de Re-
gion haben die schechischen Mig an en de Ande halbgene a ion ih e mi geb ach e
ode He kun ssp ache wei weg on de Heima landbaseline e wo ben ode sie bzw.
ih e jünge en Geschwis e im un e schiedlichen Ausmaß e lo en. Ein Teil de In e -
iews mi den S udie enden mi schechischem Mig a ionshin e g und, die mi ih en
El e n o 1989 nach Deu schland emig ie sind ode do gebo en wu den, muss e
in olge des ab up en Sp achwechsels (language shi ) inne halb eine Gene a ion au
Deu sch ge üh we den.
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