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Zur Chronologie der Aunjetitzer Kultur in Mitteldeutschland

Schwarz, Ralf

Abstract

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STUDIA HERCYNIA XXIII/2, 36–53 Zur Chronologie der Aunjetitzer Kultur in Mitteldeutschland Ralf Schwarz ABSTRACT The author’schronology of the Únětice Culture (UC) in Central Germany is based on atypological sequence of the cups, the characteristic type fossil of this culture. The typological sequence is based on the position of the handle which in the first stage was directly attached to the rim of the cup and then shifted continuously downwards. Whereas cups with handles attached directly to their rims belonged to the last i.e. third stage of the Bell Beaker culture cups with the distinct position of their handles below the rims characterizing the first stage of the UC in the proper sense. The second stage of the UC is characterized by cups whose handles were attached to the shoulder’supper offset. Besides the downwards shift of the handles, the height of the cup’sneck increased to the detriment of the shoulder’sheight. In the third stage besides the tripartite cups (cups with neck and shoulder), bipartite so ‑called classical cups emerged for the first time. Both shapes were in use side by side without the tripartite cups being replaced by the bipartite ones as has been argued so far. By means of the rims of the cups, the third stage UC3 can be divided into further sub ‑stages: an older one (UC 3a) with cups with funnel ‑shaped rims and ayounger one (UC 3b) with cups with rims bent into ahorizontal position. Both shapes of rims occurred likewise on tripartite and bipartite cups. Stage 4 cups become less frequent and differ from the older ones in their C ‑shaped rims with downwards bended edges which also occurred on contemporary bowls. On the whole, the stages 1–5 of my UC harmonize largely with the stages already published by Neumann in 1929: that means that Uraunjetitz corresponds with UC 1, Frühaunjetitz with UC 2, Hochaunjetitz with UC 3a and Spätaunjetitz comprises the stages UC 3b–5. Therefore, Neumann’schronology can be sustained at least to acertain degree. KEYWORDS Únětice culture; Central Germany; Circum ‑Harz group; Saxony ‑Anhalt; chronology; typology. EINFÜHRUNG Der Verfasser orientiert sich bei seinen chronologischen Studien zur Aunjetitzer Kultur (AK) in Mitteldeutschland an der typologischen Entwicklung der Tasse als Leitform der AK, ein Weg, den bereits G. Neumann (1929) beschritt, der aber nicht weiterverfolgt wurde. Denn Neumanns überspitzte Sequenz der Tassen in 12 Stadien, die er in vier chronologische Stufen zusammenschloss, gab Anlass zur Kritik, weshalb H.E. Mandera (1953) seine Chronologie auf zwei Stufen, die sich zudem überlappen sollen, beschränkte. Erst 1978 unterschied dann G. Billig innerhalb der älteren Stufe zwei Phasen. 1996 entwickelte B. Zich schließlich eine fünfstufige Chronologie, die heutzutage breite Anwendung findet. Dies trifft insbesondere für seine ausgefeilte Formenkunde der Aunjetitzer Keramik zu, die die Grundlage seiner chronologischen Auswertung bildet und auf deren Kombination Zich seine Chronologie stützt. Allerdings stehen die Formen häufig isoliert nebeneinander, wodurch deren genealogischer Zusammenhang verborgen bleibt, um die Entwicklung der Formen verfolgen und anhand der Entwicklungsstadien die Stufengrenzen definieren zu können. Zudem leidet der Umgang mit der Chronologie Zichs darunter, dass sich die Formen auf seinen Typentafeln jeweils auf zwei Stufen verteilen. Allerdings maskieren die auf den Chronologie ‑Tafeln abgebildeten Typen 37RALF SCHWARZ durch die Wiederholung der Gefäße beidseits einer Stufengrenze den im chronologischen Text schärfer datierten Rahmen, weshalb die chronologische Verteilung der Tassenformen auf die Stufen Zich 1–5 in der Tabelle 1 dargestellt wird. Das auf die klassische Stufe der AK (Stufe 4) folgende nachklassische Formengut wurde von Zich in der Stufe 5 zusammenfasst, wobei dessen Beziehungen zur Vĕteřov ‑Kultur früher schon herausgearbeitet wurden (Billig 1963/1964, 263–270; Müller 1982; Walter 1990; Behnke 2013; Zich 2013). Zichs fünfstufige Chronologie wurde 2009 von M. Hinz anhand des Einsatzes mathemati‑ scher Analyseverfahren überprüft und– so seine Einschätzung– „insgesamt“ bestätigt (Hinz 2009, 63). „Lediglich die vierte und fünfte Stufe wird aufgrund einer starken Durchmischung zum Ende der Seriation als Stufe 4/5 zusammengefasst“ (Hinz 2009, 60). Indem er die Formen Zichs für die Analysen zu Gruppen neu kombinierte, entstanden jedoch chronologische Ver‑ werfungen. Die Positionierung der Sögeler Klinge in der Stufe 2 beruht dagegen nach Hinzs eigener Einschätzung auf einem „statistischen Fehler“, ohne aber daraus Konsequenzen für das Ergebnis insgesamt abzuleiten (Hinz 2009, 63, 67, 104). Er verlässt sich vielmehr ganz auf die Resultate seiner Programme. Da Hinz in seiner Korrespondenzanalyse Keramikformen der Circumharzer und sächsischen Gruppe vereint, werden zudem regionale Unterschiede fälschlicherweise chronologisch gedeutet (Hinz 2009, 63). TASSEN ALS CHRONOLOGISCHE LEITFOSSILE DER PHASEN AK 1A–3B Gradmesser meiner chronologischen Bewertung der Tassen bildet die Position des Henkels am Gefäßkörper, der zunächst randständig (Position 0) oder direkt unterhalb des Randes (Position 1a) ansetzt und in der Folge schrittweise nach unten gleitet (siehe dazu Abb. 1). Wie im Folgenden demonstriert wird, erscheinen Tassen mit randständigem Henkel bereits im Kontext der Stufe GBK 3 der Tassenfazies der Glockenbecherkultur (Profener Gruppe), in der noch eine geschlechtsdifferenzierte Bestattungsweise praktiziert wurde. Dies trifft teilweise auch für Tassen zu, bei denen der Henkel direkt unterhalb des Randes ansetzt (Position 1a: Phase AK 1a). Dagegen setzen die Henkel in der Stufe AK 1 deutlich unterhalb des Randes an (Position 1) und rücken in der Stufe AK 2 auf den Schulteransatz herab, wobei sich der Henkel bis zum Umbruch spannt (Position 2). Das Verhältnis von Rand‑ bzw. Halshöhe zur Schulter‑ höhe verringert sich am Ende der Stufe AK 1 zunächst auf 1:2 (Position 1b: Phase AK 1b), dann zu Beginn der Stufe AK 2 auf 1:1,5 (Position 2a: hypothetische Phase AK 2a) und erreicht in der Stufe AK 2 ein ausgewogenes Verhältnis von 1:1 (Position 2: Phase AK 2), um in der Stufe AK 3 schließlich zu einem Verhältnis von ≥ 2:1 (Position 3) zu gelangen, wobei aufgrund der verschmälerten Schulter der Henkel nunmehr vom Umbruch auf den Hals übergreift. Zudem treten in der Stufe AK 3 zu den Schultertassen die klassischen Tassen hinzu, ohne diese, wie vielfach angenommen (zuletzt Zich 1996, 269–272), zu ersetzen. Anhand der Randgestaltung der Tassen lässt sich die Stufe AK 3 zudem in zwei Phasen unterteilen, in eine ältere Phase AK 3a mit Tassen mit trichterförmig nach außen biegenden Rändern und eine jüngere Phase AK 3b mit Tassen mit horizontal umbiegenden Rändern. Diese Entwicklung lässt sich gleicher‑ maßen bei Schultertassen und bei klassischen Tassen verfolgen, was ihre Gleichzeitigkeit unterstreicht. 38 STUDIA HERCYNIA XXIII/2 Tab.1: Chronologische Verteilung der Tassenformen Zichs (1996) entsprechend seiner fünfstufigen Chronologie. Stufe Formen 1 2G1, 2G2, 2G5, 2G11 1–2 2H, 2I1, 2I3, 2N, 2Q, 2R 1 3D 1 3D3 1–2 4B, 4C, 4Q, 4S1 1 5B1‑2, 5C1‑2 1–2 6A, 6E2, 6L2, 6M1, 6N, 6P 1 6F1 1 7A2, 7M1‑2, 7P 1 7C3 1–2 8C3, 8D1 1 8S 1–2 2 2A 2 2G1, 2G2, 2G5, 2G11 1–2 2G4, 2G6 2–3 2G7, 2G8, 2G9, 2G10, 2I3 2 2F1, 2F3, 2F5 2–3 2M 1–2 3D1, 3G 2 3D3 1–2 4A, 4B1‑2, 4G, 4H 2 5A1, 5B1, 5C2 2 6D1, 6K2, 6M 2 7A–7F 2 7M 1–2 7H2, 7N 2 8A1 2 10A, (10E1?), 10E2, 10G 2 10M1 1–2 Stufe Formen 3 2C2, 2G7, 2G8, 2F1, 2F2, 2K, 2L 3 1A1 3 7G1, 7G2, 7H1, 7J1 3 8A1, 8A2, 8B1 3 20A2 3–4 30A 3 30B1 3 4 1A1 3–4 1 4 2D 4 7G1 4 8A2 3–4 8B2 4–5 20A2 3–4 20A1, 20A3, 20B1, 20E1, 20E2 4 30B 4–5 30B3, 30J 4 32 3–4 33B, 33C 4 35A 3–4 36A1, 36D 4 5 4K1 5 8C2 5 14 5 15 5 20C 5 Da die Gräberfelder der AK in Mitteldeutschland häufig in der Stufe AK 3 (um 1775 v. Chr.) enden, lässt sich das keramische Material der nachfolgenden Stufen der AK (AK 4–5) meist nur anhand einzelner Grabfunde und anhand von Siedlungen erfassen. Allerdings lassen sich nunmehr anhand eines Wechsels der Bestattungsriten Grab‑ und Siedlungskeramik bis zu einem gewissen Grade verzahnen, da in den Füllungen der nun stärker in den Vordergrund rückenden Bestattungen in einfachen Erdgruben zerscherbte Siedlungskeramik auftritt, wes‑ halb in diesem Kontext von Siedlungsbestattungen gesprochen wird. Während sich einerseits kontinuierliche Entwicklungen aus dem keramischen Fundus der Stufe AK 3 erkennen lassen, treten andererseits neue Formen und Zierweisen auf, die sich in der Vĕteřov ‑Böheimkirchener Kultur Niederösterreichs und Südmährens aus lokalen Gruppen der AK herausgebildet haben. Bei der lokalen Keramik zeigt sich, dass die sich innerhalb der Stufe AK bei den Tassen vollziehende Entwicklung der Ränder von trichterförmigen (AK 3a) zu horizontal umgelegten 39RALF SCHWARZ Abb. 1: Gliederung der Tassenformen Neumanns (Neumann 1929, 75, Taf. I) entsprechend den Stu‑ fen AK 1–4 der Aunjetitzer Kultur. 40 STUDIA HERCYNIA XXIII/2 (AK 3b) Rändern dahingehend fortgesetzt wird, dass diese nun sichelförmig gestaltet und unterschnitten sind (AK 4–5). Allerdings tritt diese Randform vor allem bei Schalen auf, da Tassen fortan selten überliefert sind. Die Sequenzierung der Tassen wird zum einen durch archäologische Methoden (Horizon‑ talstratigraphien in Gräberfeldern, unterschiedlich lange Belegungszeiten der Gräberfelder) und zum anderen durch naturwissenschaftliche Datierungsmethoden (14C ‑Daten, Dendroda‑ ten) gestützt. Gleichzeitig lassen sich anhand der Radiokohlenstoffalter die einzelnen Stufen der AK absolutchronologisch begrenzen. Gliedert man die Profener Gruppe (siehe dazu Schwarz 2015, 686–692) als Protoaun‑ jetitzer Stufe (PAK) aus der Glockenbecherkultur (GBK) aus, dann tritt zwischen ihr und der eigentlichen AK ein radikaler Wechsel im Bestattungsbrauch ein, indem die bipolare geschlechts ‑differenzierte Bestattungsweise der GBK durch eine einheitliche Bestattungs‑ sitte ersetzt wird. Dabei orientieren sich in der AK die Toten beiderlei Geschlechts an der Bestattungsweise der Frauen der GBK (S[Kopf]‑N, rechte Hocklage). Während das Gräberfeld der PAK von Profen am Ende der Stufe GBK 3 um 2200 v. Chr. endet, lässt sich bei anderen Bestattungsplätzen Kontinuität von der GBK in die AK nachweisen (z.B. Nohra). Allerdings geht dieser Wechsel von der GBK zur AK auch in Fällen kontinuierlicher Belegung mit dem Bruch im Bestattungsritus sowie im Formengut einher. Neuere 14C ‑Daten bezeugen nun aber auch eine Kontinuität beider Faktoren vom 23. ins 22. Jh. v.Chr. So entfallen die Gräber 3336/3337 (3868±20 BP) und 3340 (3802±21 BP) aus Esperstedt (Faron ‑Bartels– Bartels 2006, 114, Abb. 12; Ganslmeieretal. in Vorb.) bereits auf den Zeitraum der Stufe 3 der GBK (2350–2200 v. Chr.) und sind damit älter als alle anderen bisher datierten Grabfunde der AK. Beide Toten liegen in einem süd ‑nord ‑orientierten Grab auf der rechten Körperseite, wobei der Kopf nach Süden weist. Dies ist besonders mit Blick auf die Kriegerbestattung von Grab 3340 beachtenswert, da Männer der GBK üblicherweise auf der linken Körperseite mit dem Kopf im Norden beigesetzt wurden. Die Gefäße beider Gräber repräsentieren Formen, die für die AK kennzeichnend sind und sich in der Stufe 1 der AK fortsetzen. Das Gefäßensemble der beiden Esperstedter Gräber begegnet ähnlich in Nohra Grab 24, für das kein 14C ‑Datum vor‑ handen ist (Schmidt ‑Thielbeer 1955, 103, Taf. 20: 4, 24: 2). Prototypen der Entwicklung der aunjetitzer Keramikformen lassen sich auch in Gräbern der Stufe GBK 3 (2350–2200 v. Chr.) aus Profen nachweisen, die sämtlich noch dem Bestattungsritus der GBK folgen. Als mar‑ kantes Detail ist bei den Esperstedter Keramikensembles sowie einigen Tassen des Profener Gräberfeldes zu beobachten, dass die Henkel knapp unterhalb des Randes ansetzen, wes‑ halb sie einer frühen Phase AK 1a zugeordnet werden. Dies trifft ebenso für die Tasse aus Wahlitz Grab 38 zu (Voigt 1955, Taf. 21: 1), wie auch für den Henkel des kleinen Kruges der Form 6M3 aus Deesdorf, Harzkreis, Grab 7 (Müller– Siebrecht 1985, 226, Abb. 3: 5). Dieses befindet sich am nördlichen Rand eines kleinen Gräberfeldes der späten GBK (Stufe GBK 3; zur Lage siehe Müller– Siebrecht 1985, 222, Abb. 1). Im Unterschied zu den Gräbern der GBK, deren Tote sämtlich auf der linken Körperseite ruhen, handelt es sich bei Grab 7 um einen rechtsseitigen Hocker (Müller– Siebrecht 1985, Abb. 1). Beim Gräberfeld von Deesdorf lässt sich somit eine Bestattungskontinuität von der GBK in die Stufe AK 1 belegen, was übrigens auch für das Gräberfeld der späten GBK von Schafstädt, Saalekreis, zutrifft (Otto 1954, Abb. 8–9). Was die im Folgenden vorgestellte Chronologie betrifft, so entsprechen die Stufen 1–4 der AK den von Neumann 1929 herausgearbeiteten Stufen Uraunjetitz (=AK 1), Frühaunjetitz (=AK 2), Hochaunjetitz (=AK 3a) und Spätaunjetitz (=AK 3b–4), wodurch Neumanns vierstufige Chronologie weitestgehend bestätigt werden kann (Abb. 2). Durch die Korrelation der Stufen AK 4–5 mit dem Hortfundhorizont Langquaid ‑Trassem (Langquaid: AK 4, Trassem: AK 5), fällt 41RALF SCHWARZ Abb. 2: Gliederung der Tassenformen Zichs (Zich 1996, Beilage 8) entsprechend den Phasen AK 1a–3b der Aunjetitzer Kultur. Die Positionierung der Tassen beruht auf den in den Abbildungen erkennbaren Schlüsselmerkmalen und berücksichtigt nicht das Vorhandensein älterer Merk‑ male im Typenspektrum: siehe dazu Tabelle 2. 42 STUDIA HERCYNIA XXIII/2 das Ende der AK in Mitteldeutschland mit dem Ende der Stufe A2 Reineckes in stricto sensu zusammen (Reinecke 1924, 43). Die an anderer Stelle (Schwarz in Vorber.) ausführlich vorgestellte AK ‑Chronologie stützt sich in erster Linie auf Gräberfelder, für die 14C ‑Daten vorliegen, so dass die anhand typolo‑ gischer Kriterien erarbeitete Chronologie der Gefäßformen anhand naturwissenschaftlicher Methoden verifiziert werden kann. Dabei bilden die Tassen die chronologische Leitform und die Position des Henkels das chronologische Schlüsselmerkmal. Da die Tasse häufig ohne weitere Beigaben in die Gräber gelangte, sind Kombinationen mit anderen Gefäßen eher selten. Oft ist eine kleine mit einer großen Tasse oder einem Krug, Henkeltopf oder Topfkrug (Terminologie nach Zich 1996) kombiniert. In den sogenannten gefäßreichen Gräbern (nach Billig 1978) wurden zudem häufig mehrere Personen bestattet, wobei die Gefäßzugehörigkeit zu einem/r der Toten nicht immer klar (dokumentiert) ist. 14C ‑Daten zeigen in solchen Fällen, dass die Bestattungen nicht immer gleichzeitig vorgenommen wurden. Allerdings verteilen sie sich zumeist auf eine Stufe und sind nur selten stufenübergreifend bezeugt. Bei der chronologischen Erörterung der Gefäße verwende ich im Folgenden Schlüssel, die die chronologische Stellung der Gefäße innerhalb des Stufensystems kennzeichnen (Online Beil. 1). Zusätzlich werden, soweit möglich, die Bezeichnungen der Typen nach Zich beigefügt, wobei sich diese häufig auf mehrere Phasen verteilen (Online Beil. 2–3). Für die Stufen AK 4 und AK 5 beziehe ich mich dagegen weitgehend auf die Formen Zichs. Abb. 3: Belegungsabfolge der Stufen AK 1–3a im Gräberfeld von Wahlitz, Lkr. Jerichower Land. Eine horizontalstratigrafische Abfolge der chronologischen Schlüsselmarker an Tassen der AK lässt sich bislang nur am Gräberfeld von Wahlitz, Lkr. Jerichower Land, hinreichend begründen, da es eine ausreichende Anzahl an 80 Gräbern umfasst. Das Gräberfeldmaterial wurde 1955 von Theodor Voigt veröffentlicht. Von 80 Gräbern waren 35 beigabenlos. Unter den 33 keramikführen‑ den Gräbern waren 21 und damit 50% mit Tassen ausgestattet. 14C ‑Daten liegen keine vor, wobei auf Grund der Sandböden die Erhaltung der Knochen schlecht ist. Dafür bestätigt die Kartierung der chronologisch relevanten Gefäßformen (Abb. 3) die Abfolge der Phasen AK 1 bis 2. Die Be‑ legung beginnt mit Grab 45 am Ende der Stufe GBK 3 und endet in der Phase AK 2 Während die Grabgruppe 1 ausschließlich Bestattungen der Stufe AK 1 umfasst, treten in den Grabgruppen 2 und 3 solche der Stufen AK 1 und 2 gleichermaßen auf. Dort schließen sich die Bestattungen der Stufe AK 2 jeweils randlich an die Gräber der Stufe AK 1 an. Außerhalb des dokumentierten Ab‑ schnittes des Gräberfeldes liegen noch die Gräber 68–70, die ebenfalls der Stufe AK 2 angehören. 43RALF SCHWARZ CHRONOLOGISCHE BEWERTUNG WEITERER GEFÄSSFORMEN DER PHASEN AK 1A-3B Für einen zusammenfassenden Überblick über die Chronologie der Gefäßformen der Circum‑ ‑harzer Gruppe sei auf die Kombinationstabelle verwiesen. In der Tabelle werden die un‑ terschiedlichen Tassenformen (kbt, rbt, swst, dkt) anhand der Henkelstellung, im Falle der Tassen kta/b und rst3a/3b anhand der Randform zusammengefasst. Dabei erweist die Tabelle 3, dass gewisse Gattungen, Typen und Varianten von Gefäßen auf einzelne Phasen beschränkt bleiben. So sind die hier als große Tassen geführten Henkeltöpfe (Terminologie und Typen nach Zich) auf die Stufe AK 1 beschränkt, wobei sie in der Phase AK 1a einsetzen und in der Phase AK 1b auslaufen. Dasselbe trifft für die Topfkrüge (Terminologie und Typen nach Zich) zu, für die sich allerdings anhand der Henkelstellung noch keine ausgesprochenen Varianten für die Phase AK 1a feststellen lassen. Dagegen erscheinen bei den Krügen (Terminologie und Typen nach Zich) Varianten der Phase AK 1a recht häufig, wobei sie bereits in Grabfunden der Stufe GBK 3 mit randständigen Henkeln auftreten. Die Henkelstellung 1b fehlt in der Tabelle. Die Kannen erscheinen mit spezifischen Henkelstellungen in Gräbern der Phasen AK 1 und 1b und einmal auch in einem Grab der Stufe AK 2. Um eine Gefäßform der Stufe AK 1 (Phasen AK 1a und 1b) handelt es sich bei den Ohren‑ ‑bechern mit unterrandständigen Henkeln, wobei die Formen 7A1 und 7C3 (zusammengefasst zu OBe1.1: AK 1) gegenüber den Formen 7D und 7E (zusammengefasst zu OBe1.2: AK 1b) insge‑ samt älter zu sein scheinen. Ob die in Kombination mit einer Tasse der Phase AK 2b überlieferte Form 7E eine längere Laufzeit der Ohrenbecher bis in die Phase AK 2b bezeugt, oder nur ein einmaliges Nachleben, bleibt derzeit offen. Zumindest besitzen Ohrenbecher in der bei Zich formenkundlich nicht eigens herausgestellten, bei Voigt 1955, Taf. 28:5 abgebildeten Wahlitzer Form mit zwei unterhalb einer Halsleiste sitzenden Henkeln noch einen jüngeren, die Stufe AK 2 vertretenden Typ OBe2 (die Belegung des Wahlitzer Gräberfeldes endet mit der Phase AK 2b). Eine längere Nutzungszeit als die Ohrenbecher lässt sich bei den Zapfenbechern beobach‑ ten. Bei diesen erscheint in der Stufe AK 1 der Typ 7M2. In die Tabelle aufgenommen wurden zudem Becher des Typs 7A1 mit zapfenartigen Querösen, da deren Profil dem des Typs 7M2 entspricht und damit den Formprinzipien der ZBe folgt. Dies trifft auch für den Becher mit durchlochtem M ‑förmigem Zapfen aus Großosterhausen, Lkr. Mansfeld ‑Südharz, zu (Zich 1996, Taf. 22: 7 [E241]). In der Stufe AK 1 beträgt das Verhältnis zwischen dem vom Rand bis zum Zapfen gemessenen Oberteil und dem sich zum Boden hin anschließenden Unterteil zumeist ≤1:4 und vergrößert sich auf 1:3. Den weiteren Gang der Entwicklung zeigt ein ZBe mit stark gekrümmtem S ‑Profil aus Pegau, Lkr. Leipzig, (Zich 1996, Taf. 24: 12 [H108]), bei dem der Zapfen auf dem Oberteil in Höhe der Schulter sitzt, wobei das Verhältnis zwischen Ober‑ und Unterteil sich auf 1:2 vergrößert hat. Im Unterschied zu den ZBe der Stufe AK 3 ist das Profil fließend und der Hals nicht von der Schulter abgesetzt wie bei den Typen 7G1, 7H1 und 7I1. Der ZBe aus Pegau erinnert hinsichtlich der Gliederung an den ZBe aus Wahlitz Grab 14, der im Aufbau den stumpfwinkligen Schultertassen der Phase AK 2b gleicht (swst2b), wo‑ raus sich eine entsprechende Zeitstellung ergibt. Gleich alt dürfte auch der Pegauer ZBe sein, da sich Verhältnisse von Ober‑ und Unterteil zwischen 1:2,5 und 1:2 bei ZBe des Typs 7P durch Beifunde in die Phasen AK 2b‑2c datieren lassen. Mit den ZBe des Typs 7P gemeinsam seriiert wird der Becher aus Eulau Grab 5‑1994, der mit einer Tasse der Phase AK 2b vergesellschaftet war. Er besitzt zwar eine Queröse, die aber nicht paarweise, sondern den ZBe entsprechend einzeln angebracht wurde. Das Verhältnis von Ober‑ zu Unterteil beträgt 1:2,5. Die wohl bereits der Stufe AK 3 angehörigen ZBe der Typen 7G1, 7H1 und 7I1 sind in der Kombinationstabelle nicht vertreten, da sie keine seriierbaren Beifunde in der Circumharzer Gruppe aufweisen. 44 STUDIA HERCYNIA XXIII/2 In der Phase AK 3a erscheinen erstmals die Knubbenbecher der Typen 8B1 und 8B2 sowie einer Variante des Typus 8, die bisher von Zich noch nicht formenkundlich erfasst wurde. Diese findet sich in Eulau Grab 04‑0483 (AK 3a) und Oberwerschen Grab 17 (AK 3b). In Ober‑ ‑werschen fand sich zudem ein einzelner Becher (Zich 1996, 461, Nr. 597), der dem aus Grab 17 formal entspricht, anstelle der Knubben aber Querösen besitzt. Beide Knubbenbecher ähneln im Hinblick auf ihre ausgeprägte Schulter den ZBe des Typs 7G, weshalb auch für sie eine Datierung in die Phasen AK 3a und 3b erschlossen werden kann. Bei diesen Schulterbechern teilt der Zapfen das Behältnis in einem Verhältnis von 1:2 (z.B. Zich 1996, Taf. 22: A5 [E118]; 24: A11 [E445]) bis 1:1 (z.B. Zich 1996, Taf. 10: B1 [D74]). Eine Verlagerung der Zapfen zum Boden hin ist auch bei den Zapfenschalen, Zichs Griffleisten ‑schüsseln, zu beobachten. Die Entwicklung setzt mit randständigen Zapfen in der Phase AK 1a ein. Ob in der Phase AK 1a gleichzeitig auch schon mit Schalen mit „körper‑ ständigen“ Zapfen zu rechnen ist, ist nicht sicher auszumachen. Bei Schalen der Stufe AK 1 beträgt das Verhältnis zwischen Ober‑ und Unterteil 1:3 und 1:2,5. Zudem begegnen Schalen mit knapp unterhalb des Randes befindlichen Zapfen, bei denen das Verhältnis bei ≤1:4 liegt, wie bei den Schalen aus Obermöllern und Halle ‑Ammendorf Grab 2 (Zich 1996, Taf. 18: C1, 35, I1). Ab Phase AK 2a beträgt das Verhältnis 1:2 und verringert sich auf 1:1,5 in der Phase 2b. Dieses bleibt zunächst auch noch in der Phase AK 3a. Allerdings werden nun die Zapfen durch Doppelknubben ersetzt (KnSa [1:1,5]). Bei den Knubbenschalen (KnSa) der Phase AK 3b beträgt das Verhältnis nur noch 1:1, die Zapfen sitzen nunmehr in der Gefäßmitte. Es zeigt sich demnach sowohl bei den Zapfenbechern, als auch bei den Zapfenschalen, dass eine bloße Festlegung der Form nach Zich weitergehende chronologische Unterschiede kaschiert. Ein der Zapfen zum Boden hin lässt sich darüber hinaus bei den Zapfennäpfen beobachten. Bei diesen verschiebt sich das Verhältnis von 1:3 in der Stufe AK 1 auf 1:2 in den Phasen AK 2b bis 2c und 1:1,5 in der Phase AK 3a, um in der Phase AK 3b Werte von 1:1 zu erreichen. In der Phase AK 3a treten zu den ZNa Knubbennäpfe hinzu. Im Unterschied zu den eben aufgeführten Gefäßformen und ‑varianten lassen sich bei den trichterförmigen Näpfen sowie den trichterförmigen und konvex ‑konischen Schalen keine chro‑ nologisch relevanten Merkmale ausfindig machen. Die Schalen scheinen allerdingsin der Stufe AK 2 zu enden. Fassförmige Näpfe setzen in der Stufe AK 2 ein. Miniaturnäpfe sind ungeachtet ihrer einfachen Form auf Gräber der Stufe AK 3 beschränkt. Dies trifft auch für die hier als Mini‑ aturgefäße bezeichneten Formate zu, die Zich als Steilhalsgefäße (Typ 11) führt. Erst ab Phase AK 3a sind Hochhalsgefäße (Typ 9) achgewiesen. Henkellose Becher verteilen sich mit den Formen 8C2 und 8C3 auf die Phasen AK 2b, 3a und 3b. Davon zu trennen sind die Becher mit S ‑Profil und hoch sitzender Schulter (sBe), die eine Form der Stufe 3 der GBK (PAK) repräsentieren. DATIERUNG DER ARTEFAKTGRUPPEN AUS KNOCHEN UND KUPFER (PHASEN AK 1A–3B) Auch die Silex‑ und Kupferartefakte betreffend sind chronologische Aussagen möglich. So wird die Tradition der GBK, Kriegern Pfeilspitzen mit in das Grab beizugeben, noch in der Stufe AK 1 fortgesetzt. Dasselbe trifft für die Silexdolche zu, die bis in die Phase AK 1b hinein anzutreffen sind. Beigaben aus Kupfer begegnen erstmals in Gräbern der Phase AK 2b und zwar in Form von Nadeln mit Rollenkopf und solchen mit Ösenkopf. Letztere bildet zwar die Leitform der Stufe AK 3, fand sich aber in Halle ‑Dölauer Heide Grabhügel 3 Grab 2 (Behrens– Schröter 1980, 66, Abb. 34 a–e) bereits mit einer Tasse der Phase AK 2b vergesellschaftet. Von den Ex‑ emplaren der Stufe AK 3 unterscheidet sich die unverzierte Nadel aus Halle ‑Dölauer Heide 51RALF SCHWARZ Behrens, H. – Schröter, E. 1981: Eine frühbronzezeitliche Gräbergruppe von Quenstedt, Kreis Hettstedt. In: H. Kaufmann – K. Simon (eds.): Beiträge zur Ur‑ und Frühgeschichte 1. Festschrift W. Coblenz. Arbeits‑ und Forschungsberichte zur Sächsischen Bodendenkmalpflege, Beiheft 16. Berlin, 169–183. Billig, G. 1963: Frühbronzezeitliche Funde der Niederlausitz und ihre Stellung innerhalb der Aunjetitzer Kultur. Alt‑Thüringen 6, 246–273. Billig, G. 1963/1964: Zur Frage von Vĕteřov‑Anklängen bei spätaunjetitzer Keramik Mitteldeutschlands. Sborník AU‑ČSAV Brno 3, 75–79. Billig, G. 1978: Die gefäßreichen Gräber der Aunjetitzer Kultur in Sachsen. Arbeits‑ und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 22, 25–73. Coblenz, W. 1953: Einige alte und neue Funde aus Sachsen. Arbeits‑ und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 3, 83–141. 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Hammer 1999–2015). Die Nummern lassen sich über Tabelle 4 mit den Inventaren korrelieren. 222 STUDIA HERCYNIA XXIII/2 Pl. 3/1: Occupation of South Bohemia in the entire Early Bronze Age and at the beginning of the Middle Bronze Age. A– Hilltop settlements; B– Settlements; C– Certain tumuli; D– Tumuli (?); E– Finds in/under later tumulus mound; F– Pottery; G– Hoards; H– Isolated metals; I– Isolated stone artefacts.