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ANNE D. PEITER
Die Wa ussi au dem Wasse
Übe legungen zu kul u -, o og a ie- und li e a u geschich lichen
Quellen eines Schi snamens und seine e hni izie enden Ausdeu ung
Im meh e en kolonialen Bilda chi en, un e ihnen die Sammlung de eins igen ›Deu schen Kolonial-
gesellscha ‹, die heu e in digi alisie e Fo m on de Uni e si ä sbiblio hek in F ank u am Main
be ieben wi d, haben sich Fo os eines Schi es e hal en, das 1928 om S apel lie und als Besi z
Woe manns zu Deu schen A ika-Linie gehö e. Bis zu Selbs e senkung des Schi es im Dezembe
1939 blieb diese Zwei-Scho ns eine als ein T anspo mi el bekann , das seine Jung e n ah Rich-
ung Süda ika un e nommen ha e. Es e band sich dahe o nehmlich mi a ikanischen Konno a-
ionen, gal sozusagen als ›a ikanisches Schi ‹ (Abb. 1 und 2).
Was mich im Folgenden in e essie en soll, is de Name, de mi seine kolonial e isionis ischen
S oß ich ung ein ganzes Se on e hnischen Klischees au ie , die säm lich im so genann en ›Hami en-
My hos‹ – die uandische und bu undische Be ölke ung be e end – wiede zu inden sind. ›Wa ussi‹
wu de das Schi genann , und dami wa eine Be ölke ungsg uppe gemein , die in Ruanda n
ume isch
eine Minde hei da s ell e, do jedoch bis zu Ein üh ung de Republik (1962) das zen ale König-
Kiel-UP •
h ps://doi.o g/10.38072/2941-3362/p19
Abb. 2: ›Wa ussi‹, Woe mann Linie AG, Fo og a ie ohne Jah .
In e na ionales Ma i imes Museum Hambu g, Sammlung
Schi snega i e.
Abb. 1: ›Wa ussi‹, Woe mann Linie AG, Fo og a ie ohne Jah .
In e na ionales Ma i imes Museum Hambu g, Schi snega i e.
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um ges ell ha e.1 Die deu schen Kolonisa o en,2 die ab Mi e de 1890e Jah e als e s e uandi-
schen Boden be a en und sich do bis 1916 als Kolonialmach be ä ig en, se z en, ohne dies eigens
beabsich ig zu haben, die küns liche E hni izie ung de uandischen Be ölke ung in Gang.3 Die
Deu schen (und, ihnen nach olgend, die Belgie als zwei e Kolonialmach ) gingen da on aus, die
Tu si (ode , in de Plu albildung, »Wa ussi«4) seien eigen lich als »weiße Nege « zu be ach en,5 die
als Nach ah en des biblischen Noah u sp ünglich ga nich s mi A ika zu un gehab hä en.6 Gegen
die Behaup ung, die Deu schen hä en kaum Spu en in de uandischen Gesellscha hin e lassen,
s eh die Einschä zung, die de His o ike Mi onko zu den Folgen de deu schen Kolonialhe scha
o mulie :
»Ge man colonial au ho i ies 1) igidi ied he p e-colonial e hnic di ide by suppo ing
he local kingdom’s campaigns agains smalle chie doms, bo h Hu u and Tu si. 2) O e
ime, Ge man adminis a o s unde mined he king’s powe by supe seding his au ho -
i y. 3) The Ge mans in oduced a ci il adminis a ion ha was no unde he con ol
o he king. 4) The in oduc ion o Ca holic chu ches and especially schools du ing
he Ge man occupa ion se he s age o e hnic s e eo ypes and hie a chies ha ha e
endu ed and became cemen ed in poli ical and schola ly discou ses up o he p esen .«
In Übe agung eines ganzen Se s on an isemi ischen Klischees7 sch ieb man ihnen eine » e ne He -
kun «, besonde e In elligenz,8 einen ausgep äg en He scha swillen, »semi ische Ve schlagenhei «9
und den – wiede um als Eh ung gemein en – Cha ak e zu, »nich -neg oid« und dami besonde s
schön zu sein.10 Die Hu u hingegen wu de als wenig a ak i e, bäue liche Un e schich be ach e ,
denen schwe lich die Regie ungsgeschä e zuge au we den dü en. Die d i e G uppe nenne sich
»Twa« und en sp eche einem Volk »p imi i e Zwe ge« on g oße »Hässlichkei «. Genaue es zu die-
sem ganzen Se on Zusch eibungen wi d im Folgenden o zus ellen sein. Hie sei ein üh end es -
gehal en, dass die Tu si sys ema isch mi soziale , äs he ische und geis ige ›Übe legenhei ‹ sowie de
Dominanz eines mach bewuss en König ums in Ve bindung geb ach wu den, das e s nach langen
Wande ungsbewegungen nach Ruanda gekommen sei. Die Idee de ›F emdhei ‹ de Tu si wa also ü
die Theo ien zen al, die die Eu opäe *innen au Ruanda anzuwenden e such en.
1 Es gab auch Hu u-König üme , doch die Kolonisa o en konzen ie en sich ganz au den König Mu singa, de denn in de Ta
auch als ›physisches Modell‹ zu Einschä zung de e mein lich einhei lichen Kö pe lichkei ›des‹ Tu si dien e.
2 Ich e wende hie und im Folgenden allein die männliche Fo m, weil de Ein luss on F auen in diesem Be eich nich he o i .
3 Zu den un e zich ba en Fo schungen in diesem Be eich gehö das Buch on Ch é ien/Kabanda 2016.
4 De Nume us on Subs an i en we de, so S ockhamme »mi P ä ixen kons uie , die nich nu dem Plu al, sonde n auch dem
Singula o ans ehen. Im Fall on Subs an i en de 1. Klasse, de sog. ›Menschenklasse‹, sind die P ä ixe Mu- bzw. Ba-: Ein
Muhu u, Mu u si, Mu wa– meh e e Bahu u (äl e e Sch eibweise: ›Wahu u‹), Ba u si (äl e e Sch eibweise: ›Wa ussi‹), Ba wa.«
S ockhamme 2005, S. 8.
5 Ch é ien 1999, S. 129–166.
6 Genaue es dazu in Pei e 2024a, S. 41–66.
7 Miles 2000, S. 107–115.
8 Eine eigene Un e suchung dazu is in Vo be ei ung: Pei e 2025c. De Bei ag e schein in einem Sammelband mi dem Ti el
Why in elligence?.
9 Vgl. zu den da aus esul ie enden Ve schwö ungsmy hen Pei e 2024b.
10 Die jah hunde eal e Vo geschich e diese Zusch eibungen, die au biblischen T adi ionen uß e, wi d ekons uie in Roh -
bache 2002.
A. Pei e : Die Wa ussi au dem Wasse | 217
Indem ich die beiden obens ehenden Fo os, in denen das besag e Schi ins Bild gese z wu de,
zum Ausgangspunk nehme, möch e ich anhand on einschlägigen Romanen, Reisebe ich en, an-
h opologischen Ve ö en lichungen und nich zule z eine g oßen Pale e on Fo os die Assozia io-
nen au spannen, die sich in de spä en Weima e Republik ü die mi Schi ah s agen e au e
Be ölke ung Schleswig-Hols eins und Hambu gs mi dem Wo ›Wa ussi‹ e band. Indem die ou-
is ische Nu zung des Schi es, de implizi e He scha sansp uch de Deu schen (als Re ision des
Ve saille Ve ags) sowie die assis ische Klassi izie ung on e mein lich es s ehenden, ›du ch-
mischungs eien‹ E hnien11 gemeinsam be ach e we den, soll eine kul u geschich liche S udie zu
einem Schi snamen geleis e we den, de mi de kolonialen und li e a ischen Imagina ion zu dem
kleinen, zen ala ikanischen Land ko espondie e (Abb. 3).
Ziel des Bei ags is es, in E inne ung zu ückzu u en, dass die deu sch- uandische Ve lech ungs-
geschich e, die sich an de Tau e des Schi es es machen läss , in Deu schland heu e wei gehend
unbekann is , obwohl sich Männe wie Richa d Kand (de e s e deu sche Residen in Ruanda und
Au o des Buches Capu Nili. Eine emp indsame Reise zu den Quellen des Nils12), Max Weiss (ein
Topog a , de mi einem Buch übe Völke s ämme he o a 13) ode de äuße s p oduk i e Jugend-
buch-Au o O o Felsing um die Jah hunde wende g oße Bekann hei e eu en. Sie haben alle d ei
au je eigene Weise zu E hnogenese in de Kolonie beige agen.14 Doch heu e sind diese Figu en,
abgesehen on Richa d Kand ,15 aus dem kollek i en Gedäch nis geschwunden, und mi ihnen auch
die An wo au die F age, wa um das Schi ge ade ›Wa ussi‹ geheißen habe.
Da um also soll es im Folgenden gehen: um eine seman ische Mik ogeschich e, an de en Beispiel
sich nich nu die o wi kende Be ühm hei de Tu si in den ausgehenden 1920e Jah en nachwei-
11 K i isch zum Beg i des ›Neoli ischen‹, d. h. » om Nil he kommend«, de die Selbs wah nehmung on Be ölke ungen eine
G oß egion beein luss ha , gl. Jackson o. J.
12 Kand 1904.
13 Weiss 1910.
14 Felsing 1905.
15 Die Bundes epublik ha 2017 in Kigali ein aus deu schen S eue gelde n inanzie es Museum e ö ne , das sich ›Richa d-
Kand -Museum‹ nenn . Die Wahl des Namens is angesich s de Tö ungen und P ügels a en, die Kand bei seinem el Jah e
andaue nden Leben in Ruanda du ch üh e, du chaus p oblema isch. Zu K i ik am Museum gl. Pei e 2024a, S. 312–346. Zu
E mo dung eines Twa du ch Kand s Leu e gl. Kand 1904, S. 37.
Abb. 3: Un e gang de ›Wa ussi‹, Fo og a ie on
1941. Goe he-Uni e si ä F ank u am Main,
Koloniales Bilda chi ,
Bildn . 004-1085-25
.
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sen läss , sonde n auch die spä e e Einbuße an In e esse, die wesen lich au den Zwei en Wel k ieg
zu ückzu üh en is . Dies ha jedoch keineswegs nu mi dem k iegsbeding en Un e gang des Schi -
es, sonde n, seh iel allgemeine , mi de Ka as ophe on K ieg und Dik a u zu un. Sie minde e
die Beschä igung mi kolonialpoli ischen und - e isionis ischen F agen und ließ Ruanda lange Zei
in wei e Fe ne ücken. Die Au a bei ung de kolonialen Ve gangenhei des Kaise eichs ha denn
auch e s sei den 1990e Jah en langsam in g öße em Maßs ab Eingang in die his o ische Fo schung
de Bundes epublik ge unden.
Da die e hnischen Sepa ie ungs endenzen in Ruanda le z lich die ideologische G undlage abgaben
ü den Genozid an den Tu si, de 1994, hunde Jah e nach dem Beginn de Kolonialisie ung, in nu
d ei Mona en wah scheinlich me
h als eine Million Menschen das Leben gekos e ha ,16 e weis sich
de Blick au die eins wi kungsmäch ige, da symbolisch s a k au geladene Bezeichnung ›Wa ussi‹
zugleich als Zen um eines Nachdenkens übe die lang is igen Folgen on kolonialen O dnungs-
sys emen.17 De deu sche und de belgische Kolonialappa a ha en selbs e s ändlich keinen Geno-
zid im Sinn gehab , als sie die uandische Be ölke ung zu o dnen und e hnisch zu klassi izie en
e such en. Doch es s eh , dass sich übe das Nich -In en ionale hinaus physische S e eo ypen zu
e es igen begannen, indes die P i ilegie ungsp axis de Kolonisa o en sich au sie s ü z e.18 Dies
ha e lang is ige Rückwi kungen au die Selbs wah nehmung de uandischen Be ölke ung und das
Ve häl nis de d ei G uppen zueinande . Inso e n muss de E hnogenese ideologiegeschich lich eine
kaum zu übe schä zende Bedeu ung zue kann we den. Mi ih e binde sich die lange Geschich e
de Gewal eskala ion, die sich sei de so genann en ›sozialen Re olu ion‹ des Jah es 1959 wiede -
hol in Pog omen, Massen e eibungen, Plünde ungen und Ve gewal igungen äuße e.19 Inso e n
geh die Un e suchung zum Schi snamen wei übe das P oblem de his o ischen Seman ik hinaus.
Le z lich s ell sich die F age nach den Ve bindungen zwischen Kolonialgeschich e und Genozid,
e s anden in eine Pe spek i e de longue du ée.20
Die ›Wa ussi‹, die ›Twa‹ und
das S e eo yp un e schiedliche Zi ilisa ionsg ade
S e s um die Weihnach szei p leg e im Kaise eich de Jah hunde wende ein Jugendbuchau o an
die Ö en lichkei zu e en, de , da in einem Ka l May nich unähnlich, ela i wenig ge eis wa , in
seinen Ve ö en lichungen jedoch in ganz un e schiedlichen Wel eilen de kolonialpoli isch in e es-
sie en Jugend die Aben eue seine e obe ungs eudigen Helden o üh e. Mal beweg e sich Felsing
in de
Südsee, mal in A ika, mal in phan as ischen Gegenden Ame ikas.21 Imme behaup e e e ,
de jungen Lese *innenscha mi Hil e seine Fik ionen ein kolonialpoli isch ele an es Wissen und
16 Zu langen Vo geschich e de eskalie enden Gewal gl. Mugese a 2014.
17 Pei e 2024a, S. 41–66.
18 Es muss da an e inne we den, dass bis 1959 einsei ig die Tu si begüns ig wu den, wäh end es du ch die so genann e ›Re olu-
ion‹ dann zu einem on den Belgie n ges ü z en Umschlag, hin zu P i ilegie ung de Hu u, kam.
19 Vgl. P unie 1995.
20 Pei e 2024a, S. 67–81.
21 Zu Eino dnung des Genozids gl. die wich ige Un e suchung on Dumas 2014.
A. Pei e : Die Wa ussi au dem Wasse | 219
dami die no wendige Begeis e ung ü spä e e, kolonialis ische Ak i i ä en zu e mi eln. Zu seinen
Büche n gehö auch ein au wendig gebundene Roman übe Ruanda, de den Ti el Ro e Männe
in Ruanda äg ( gl. Abb. 4). Gemein sind mi diesen Männe n keineswegs indianisch anmu ende
›Ro häu e‹, sonde n die deu schen Expedi ions eisenden selbs .
Diese Roman is bis heu e on his o ischem In e esse, weil de Au o , ohne je in Ruanda gewe-
sen zu sein, seine Lese *innenscha die Bilde e mi el e, die um die Jah hunde wende in den
Köp en ku sie en. Zen al ü die Ideen, die man sich im Kaise eich on de Be ölke ungss uk u
des kleinen, dich besiedel en Landes mach e, wa die En gegense zung on »g oßen« und »kleinen«
Menschen, die dazu be ech igen wü den, Ruanda als das »Land de Riesen und de Zwe ge« zu be-
zeichnen.22 Bei Felsing gib es eine Szene, in de genau diese Gedanke zum T agen komm . Zwa
wi d das Ganze als eine Fiebe aum-Phan asie ausgegeben, doch le z lich wi d de Lese *innen-
scha die Bo scha mi au den Weg gegeben, sie habe es du chaus mi eal exis ie enden, e hni-
schen G uppen und ih em jeweiligen Ve hal ens-Kodex zu un:
» [D]anach wu de Wilhelm un e dem D öhnen de Hunde e königliche Pauken, dem
gellenden Flö en de Ho musike des g oßen Despo en und dem sch illen F eudenge-
sch ei de Weibe des Königs on einem de Riesen an den Beinen gepack und übe
die Zäune de Residenz des ›Mami‹ [d.h. des Königs; A.P.] weg einem schwä zlichen
Gewimmel zum F aße zugeschleude , das Wol enbu g zue s ü eine im Nach dunkel
zusammenge o e e He de g oße Pudelhunde gehal en ha e, das sich abe dann, mi
22 Dies en sp ich dem Ti el, den de deu sche Topog aph Max Weiss seine Fo o-Sammlung zu Ruanda zuwies. Au ihn wi d spä-
e noch zu ückzukommen sein. (Koloniales Bilda chi , F ank u /M.) 38 Fo os agen do den genann en Ti el. Vgl.
h ps://
sammlungen.ub.uni- ank u .de/kolonialesbilda chi /sea ch/quick?que y=Riesen+und+Zwe ge
(19.5.2024).
Abb. 4: Buchco e des Romans Ro e Männe
in Ruanda on O o Felsing.
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wildem Sch eien sich au ich end, als eine zahllose Ho de jene wildmähnigen schwa -
zen Zwe ge en pupp e, die in den U wälde n Zen ala ikas, in den a nk au übe wu-
che en Schluch en de Bi unga ulkane und in den ü ch e lich-öden Höhlen de e -
kal e en La as öme ih uns e iges und lüch iges Leben üh en. Gelach , schaue lich
gelach ha e Wol enbu g bei dem u ch ba en Anblicke, wie die Zwe ge mi bli zen-
den Obsidianmesse n und nich minde bli zenden, scha zugespi z en Zähnen übe
den weißen Leib he ge allen wa en […]! Sein Ä ge übe Wilhelm und die E zählungen
Röde ’s on den iesigen Ruandamenschen, den Wa ussi, und den in den Vulkanklu -
en hausenden Ba was ha en sich zu diese wilden Fiebe aum ision e sponnen!«23
Die beiden e hnischen Beg i e, die im Kon ex de F age nach dem Schi snamen in e essie en sol-
len, allen ganz am Ende de Passage. Die Rede is on den ›Wa ussi‹ und ›Ba wa‹. Gemein is zum
einen die Minde hei de Tu si, die nach einschlägigen – doch s e s schwankenden – Be echnungen
e wa 15 P ozen de Be ölke ung ausmache.24 Die ›Ba wa‹ bzw. ›Twa‹ hingegen we den in de
Kolonialli e a u o als ›Pygmäen‹ ode ›Zwe ge‹ bezeichne . Sie leb en in den Wälde n und seien
zahlenmäßig e schwindend ge ing – e wa ein P ozen de uandischen Be ölke ung sei diese
G uppe zuzuzählen.
In de obigen Passage wi d deu lich, dass die Twa s a k animalisie , d. h. kaum als Menschen
ane kann wu den.25 Nich umsons wi d ih Lebenso on Felsing in die Wildnis on U wald und
Vulkanen e leg , die gleichsam au ih en »a a is ischen Cha ak e « abge ä b hä en. Ve glichen
we den sie zudem mi schwa zen, an Teu el gemahnende Pudeln, so dass es kaum wunde nehmen
kann, dass ihnen ze s ö e isch-kannibalische Gelüs e zum Vo wu gemach we den.
Ungeach e de Ta sache, dass die Bewunde ung de Deu schen ü den ›Wide pa ‹ de Twa
– nämlich die Tu si – s a k ausgep äg wa , wi d hie zwecks E zeugung on Spannung eine A
Komplizenscha zwischen den »Langen« und den »Ku zen« (wie es in Übe nahme koloniale Be-
g i lichkei en noch in einem Spiegel-A ikel aus dem Jah e 1973 heißen soll e26) in Szene gese z .
Die ›Wa ussi‹ bzw. ›Tu si‹ scheinen den »weißen Leib« des Deu schen zwa nich mi Zähnen an-
zug ei en, doch wi klichen Wide s and gegen die menschen esse ische Gewal p axis de ihnen
un e s ell en Twa leis en sie in Felsings Phan asien nich . Es zeichne sich also schon hie eine
wesen liche Ambi alenz ab, in de Bewunde ung ü und Ressen imen gegen die Tu si au unau -
lösliche Weise ineinande g ei en.
23 Felsing 1905, S. 33.
24 Dass die Zähle gebnisse
je nach his o ische Phase ganz un e schiedlich auszu allen p leg en, weis be ei s da au hin, dass
sich die Selbs besch eibung de G uppen an poli ischen und sozialen E wägungen aus ich e e, d. h. keineswegs eine ›gene-
ische G undlage‹ ha e.
25 Zu Animalisie ung, die im Vo eld des Genozids den Tu si wide uh , gl. Pei e 2023a, S. 49–75.
26 Männe ü Mwami, De Spiegel 45/1965, 02.11.1965. Es heiß do in un e kennba e Übe nahme koloniale S e eo ypen:
»Wie de G ips ih e milieubegüns ig en Männe , b ach e auch die Schönhei ih e F auen den Wa ussi Vo eile: P äsiden
Kayibanda und die Bahu u-Eli e begeh en o nehmlich Wa ussi-Mädchen als Ehe auen, denn – hoch gewachsen, mi einen
Gesich szügen und schlanken Händen – un e scheiden sie sich o eilha on den du ch Jah hunde e de F ona bei e -
sch umpel en Bahu u-F auen. Die Wa ussi-Ange au en zogen nach a ikanische A ih en Clan nach sich und e so g en ihn
mi Äm e n.«
A. Pei e : Die Wa ussi au dem Wasse | 221
Wa ussi und ih hohe Sp ung
Dass nun im Gegensa z zu dem du chaus wide sp üchlichen Bild de Tu si, das im obigen Zi a on
O o Felsing au schein , die Kö pe g öße de selben als A gumen ü ih e soziale Höhe angigkei
benu z wi d, geh aus de olgenden Passage he o , in de sich ein be ei s sei länge em in Ruanda
lebende Pa e als Kenne on e hnischen Ka ego ien zu e kennen gib und Ve gleiche zwischen den
Kö pe n de Tu si au de einen und den Kö pe n de jungen, deu schen Expedi ionsmi gliede au
de ande en Sei e an eg :
»›Wie denn,– zwei und einen halben Me e sind die Ruanda-Leu e g oß?‹ ag e übe -
asch He Alb ech . Wol enbu g. ›Nich alle, na ü lich; abe Riesen sind sie as alle!
S ellen Sie sich das einmal o , junge He ,‹ wand e sich de Pa e an den ihm mi b en-
nende Wissbegie lauschenden Edga . ›Sie selbs sind ja ein schlanke , hübsch in die
Höhe gewachsene junge Mann, eine junge Edel anne, möch ’ ich beinahe sagen. Au
einen Me e 84 und wohl noch da übe schä ze ich Sie. … Eins neunundach zig? So! Nun
dann is Ih F eund […] wah scheinlich einen Me e 94 g oß; s imm ’s? Schön, wenn Sie
spä e einmal neben einem M ussi [Wa ussi; A.P.] s ehen we den, nu einem on Du ch-
schni sg öße, so zwischen 2,12 und 2,18, da we den Sie me ken, dass Sie solchen Riesen
mi dem Kop e noch nich an den waage ech ausges eck en A m eichen!‹«27
Wie die he o ische P axis des e hni izie enden Denkens unk ionie e, kann an diesem Zi a mi
beispielha e Deu lichkei abgelesen we den. Felsing läss seine Figu zwa zuges ehen, du chaus
nich alle Tu si sei
en g oß, doch Ri
esen seien sie o zdem » as alle«. Das » as « en sp ich de Ma ke
de imme schon angenommenen, also nie wi klich bezwei el en Bes ä igung. Es wi d de Lese *innen-
scha kla gemach , dass Gene alisie ungen bezüglich de ›he schenden‹ E hnie legi im und am Pla ze
seien, da es Ausnahmen on de Riesenha igkei des E scheinungsbilds des Tu si – as – nich gebe.
Fo os, in denen sich Deu sche zusammen mi Mi gliede n de Obe schich de Tu si, besonde s
dem König Mu singa, ablich en ließen ( gl. Abb. 5), zeigen diese als kö pe lich › ie s ehend‹.
27 Felsing 1905, S. 78–79.
Abb. 5: »Msinga und Haup m. K au «, Ruanda, Fo og a ie um
1911. Leibniz-Ins i u ü Lände kunde e.V., Leipzig, Sammlung
Hans Meye , In .-N . AlbA 036-0028, e ö en lich un e de
Lizenz CC BY-NC-SA 4.0 ia Deu sche Digi ale Biblio hek.
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↑↑ Abb. 6: Hochsp ingen de Wa ussi, Ruanda (?), Fo og a ie um 1907/1908. Deu sche Fo o hek, Sammlung Hans Meye ,
Au n.-
N . d _a_0065537.
↑ Abb. 7: Sp inge am Ho e des Sul ans, Kissenji, Ruanda, Fo og a ie ohne Jah . S aa liche Museen zu Be lin, E hnologisches
Museum, Iden . N . VIII A 3178, e ö en lich un e de Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.
A. Pei e : Die Wa ussi au dem Wasse | 223
De G ößenun e schied wi d allein dadu ch geminde , dass die üb ige Be ölke ung mi ih e
du chschni lichen G öße hin e de Haup szene au ges ell wi d, so dass Mu singa dann doch ehe
als Ausnahmee scheinung ins Bild i . Abgeleg sind die Fo os häu ig un e Ti eln, die Bezug neh-
men au den »Sul an Mu singa«. Obwohl diese wede mi dem Osmanischen Reich noch mi dem
Islam e was zu un ha e, wu de de Rang seines König ums in Zwei el gezogen bzw. du ch das Wo
›Sul an‹ eine sp achliche Abwe ung seine He scha sbe ugnisse o genommen. Die schon e wähn e
Ambi alenz a hie e neu zu Tage.
Zu den My hen, die sich des Wei e en um die Tu si ank en, gehö e eine a hle ische P axis, die
dem Gedanken de iesenha en G öße zusä zliches Gewich e lieh. Im F ank u e Bilda chi inde
sich die Au nahme eines Hochsp ungs, bei dem ein Spo le aus den Reihen de Tu si di ek übe die
Köp e zweie , on Schaulus igen umgebenden Deu schen sp ing .
Auch in ande en A chi en inden sich Au nahmen, die sich säm lich diesem Sp ung-E eignis wid-
men und dieses s e s als ö en liches E eignis ins Bild se zen, an dem du chaus nich nu die Deu -
schen in e essie gewesen seien ( gl.
Abb. 6
und
7
).
Die Au nahmen zeigen, dass sich die Deu schen, die als Reisende ode Kolonisa o en nach Ruanda
kamen, s e s on Neuem beeind uck om physischen E scheinungsbild de Tu si ühl en. Die Fähigkei
zum Sp ingen schien die G öße de Tu si noch einmal zu e höhen. Nich nu übe s ieg de König seine
Besuche um Haup eslänge – hinzu kam auße dem, dass seine Leu e de en Ge ühl, selbs klein zu sein,
du ch Sp ünge e s ä ken konn en: Die Deu schen schienen ü keinen on ihnen ein unübe s eigba es
Hinde nis da zus ellen. Ein einzige Sa z genüg e, und schon wa man übe sie hinweg.
›E hnien‹ und ih e Tie e
Fußend au dem Hami en-My hos, en s and im Kolonialismus de biologis isch mo i ie e, sich aus
eine jah hunde eal en Bibelexegese speisende Gedanke, dass es zwischen de Be ölke ungsmeh -
hei de Hu u (die man au unge äh 85 P ozen de Gesam be ölke ung e anschlag e), de Min-
de hei de Tu si und de winzigen G uppe de Twa keine Ehen und ›Ve mischungen‹ geben könne.
Indem G öße s e eo yp mi nu eine einzigen G uppe in Ve bindung geb ach wu de, wu de die
Ta sache übe sehen, dass die Beg i e ›Tu si‹ und ›Hu u‹ in o kolonialen Zei en be u ss ändisch
gemein gewesen wa en, d. h. soziale Mobili ä o z exis ie ende Diens e p lich ungen de Hu u
du chaus zuließen: Ein*e Hu u konn e ein*e Tu si we den ode ein*e Tu si umgekeh ein*e Hu u.
Das Be u ss ändische e band sich in den Augen de Deu schen mi de Tä igkei als Rinde hi -
en (die o allen Dingen on den Tu si gehü e wü den) bzw. de des Acke baue n (de allein den
Hu u zuzuo dnen sei). Dass sich die Kolonisa o en nich nu ü die Messung on Kö pe g ößen
in e essie en, sonde n auch eine um ängliche Sammlung on Rinde o os in das koloniale Bild-
gedäch nis einspeis en, is in diesem Kon ex kein Zu all. Es e gab sich eine Rhe o ik, in de sich
Vo s ellungen übe die Tie e mi Vo s ellungen übe ih e Besi ze du chmisch en.28 Weil Kühe und
Rinde au besonde s lange, p äch ige Hö ne hin gezüch e wu den, s ell sich bei Du chsich de
Kolonialli e a u de Eind uck ein, die Kolonisa o en hä en die au allende G öße de Tu si mi de
beeind uckenden Länge de Hö ne ih e Tie e assoziie (
Abb. 8
und
9
).
28 Pei e 2025a. [De Bei ag e schein 2025 in einem Band zu Kolonialgeschich e, hg. . Ma ie-Annick Lamy-Gine .]
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Biblisch konno ie e U sp ungslegenden
Ve ha man noch ein le z es Mal bei Richa d Kand s Nilquellen-Buch Capu Nili und seinen Vo -
läu e n, so e gib sich, dass an de Zi kula ion des an h opologischen Wissens eine übe schauba e
Anzahl on Männe n be eilig wa , die sich in ih en E kenn nissen gegensei ig s ü z en. Kand be-
zieh sich au den G a en on Gö zen, de 1894 als e s e Deu sche uandischen Boden be a und
zwischen 1901 und 1906 zum Gou e neu on Deu sch-Os a ika a ancie e. In diese Rolle wa
e ede üh end an de b u alen Niede schlagung des Maji-Maji-K iegs be eilig . Als Kand s Buch
e schien, konn e de Au o on Gö zens Umgang mi den Kolonialisie en noch nich wissen: Die
Ve ö en lichung lag ein Jah o dem Beginn dieses K ieges. Bei Kand sind mi Blick au seinen
Vo ei e die eh enden Zeilen zu lesen:
»E [G a on Goe zen; A.P.] […] and nich , wie in den üb igen Teilen de Kolonie, eine
spä liche, sonde n eine nach Hunde ausenden zählende Be ölke ung on Ban une-
ge n, die sich Wahu u nann en; e and dies Volk in knech ische Abhängigkei on den
Wa ussi, eine emden semi ischen ode hami ischen Adelskas e, de en Vo ah en aus
den Gallaländem südlich Abessiniens kommend, das ganze Zwischenseengebie sich
un e wo en ha en; e and das Land einge eil in P o inzen und Dis ik e, die un e de
aussaugenden Ve wal ung de Wa ussi s anden, de en iesige, übe zwei Me e g oße
Ges al en ihn an die Wel de Mä chen und Sagen e inne en […]. Und schließlich hö e
e auch noch on Res en eines Zwe gs ammes, den Ba wa, die in den Höhlen de das
Land im No den übe agenden Vulkane als Jäge des U waldwildes hausen soll en.«35
Kand selbs wa ein zum P o es an ismus kon e ie e Jude, de seinen Namen eingedeu sch
und diesem – wohl als Ges e de Demu gegenübe dem Philosophen Kan – den Buchs aben ›d‹
hin
zuge üg ha e. Die Ve mischung on An isemi ismus und e hni izie endem Zug i au Ruanda
ging au so selbs e s ändliche, gesellscha lich ane kann e Weise o sich, dass dem Nilquellen-
suche nich au allen konn e, selbs indi ek in die Ambi alenz on Abneigung und Ve eh ung
einbezogen zu sein.36 Indem Kand au die e mein lich » e nen« U sp üngen de Tu si eku ie e
und ih »pa asi isches« Ve hal en anp ange e, mach e e sich ungewoll zum Fü sp eche eine
›F emdhei s hese‹, die hunde Jah e spä e , nämlich im Genozid, ih e ganze u ch ba e Sugges-
i k a beweisen soll e. Die Todes-Kommandos de Hu u-Miliz ›In e ahamwe‹ sowie ih e zi ilen
Mi s ei e *innen be ach e en es häu ig als ih e Au gabe, die Tu si, diese »Juden A ikas«, übe die
Flusswege »zu ück in ih e Heima zu schicken«, nämlich als To e.37 Dass die Flüsse im Momen de
Be eiung de le z en Übe lebenden olle Leichen lagen,38 ha einen seine ideologiegeschich lichen
U sp ünge in de F emdhei s hese aus Eu opa. All das, was wei e oben übe die Spekula ionen übe
35 Kand 1905, S. 258.
36 Dass Kand selbs mi An isemi ismus zu un ha e, geh aus de olgenden S ellungnahme he o : Monseigneu Classe. Un
audacieux paci ique. Namu : Collec ion La ige ie 1948, S. 70, hie zi ie nach: Mukasonga 2014, S. 37: »Richa d Kand wa
ein hochin elligen e Jude, de in seine F eizei dich e e, und on de Ges al he klein, schmäch ig und oli a ben wa . Die
Galle, die ihm diesen Tein e liehen ha e, ging ihm nich nu un e die Hau , e wa auch bösa ig. Seine S a u und ielleich
auch die u al en Gewohnhei en seine Vo ah en hinde en ihn da an, eh lich o zugehen. E e s and es, sich im Scha en mi
kleinen Schlägen, die an eine Raubka ze e inne en, he o zu un.«
37 Vgl. Pei e 2025c.
38 Dies wi d ges al e in Sain -Exupé y/Hippoly e 2014, S. 11.
A. Pei e : Die Wa ussi au dem Wasse | 231
den geog aphischen U sp ung de Tu si angeme k wu de, en al e e hie seine Bedeu ung. Fü das
kollek i e Imaginä e des kolonialen Zei al e s gal also:
»In he 19 h cen u y Jewish a ibu es we e asc ibed o Tu sis, hanks o a pu po ed
his o ical linkage da ing back o ancien mig a ions. Excep ional in elligence and cul-
u e amids ›b u ‹ majo i ies spoke o Jewish and Tu si dis inc i eness h oughou he
ages. Sc ip u al undamen alis s could also poin o a genealogical sibling ela ionship,
linking Semi es and Hami es, Jews and Tu sis, h ough an ances al b o he hood be -
ween Shem and Ham [den Nach ah en Noahs, on dessen le z genann em Sohn sich
übe haup de Beg i ›hami isch‹ ablei e ; A.P.]«39
Es en beh nich eine gewissen I onie, dass das ›semi isie e‹ Schi ›Wa ussi‹ im Zwei en Wel k ieg
mi seinem s olzen Namen au Sei en des ›D i en Reiches‹ zum Einsa z kam. Aus kolonialpoli ische
Pe spek i e ha e sich de An isemi ismus-Expo o dem Jah 1916, also dem Ve lus de uandischen
Kolonie, jedoch als O ien ie ungshil e da ges ell : »Thei in elligen and delica e appea ance, hei lo e
o money, hei capaci y o adap o any si ua ion seem o indica e a Semi ic o igin.«40
De Genozid des Jah es 1994 mach eine Rhe o ik, die wei e hin (doch mi neuen Vo zeichen) au
den Ve gleich zwischen Tu si und den eu opäischen Juden se zen zu können mein , p oblema isch.
Auch wenn zuzugeben is , dass es bei allen, augen älligen Un e schieden s uk u elle Ähnlichkei en
im Vollzug de Shoah und des Tu sizids gib ,41 d oh die Wiede e wendung de Idee, die Tu si seien
die ›Juden A ikas‹, die F emdhei s-These und dami indi ek das Übe kommene des Hami en-My-
hos zu s ü zen. De His o ike Miles a gumen ie en sp echend:
»Whe he unde s ood li e ally o me apho ically, he ela ionship be ween Tu sis and
Heb ews (and Jews) becomes all he mo e dubious when placed in he con ex o con-
empo a y Rwanda. Fo he lipside o he Hami ic Hypo hesis, as in e nalized by he
non-Hami ic Rwandans, d aws Hu us o iew Tu sis simila ly o he way Nazis po ayed
Jews: as insidious ou side s who ha e implan ed hemsel es in e i o y whe e hey do
no belong. Fo he In e ahamwe– Hu u ex emis s– he iola ed land lies in he G ea
Lakes egion o A ica; o Hi le i es, he Volk e okes he quasi-mys ical ela ionship
be ween Ge man land and people. Tu sis secu ed economic and poli ical powe h ough
hei he ding acumen, jus as Jews– claimed he Nazis– secu ed simila con ol h ough
hei genius wi h money. Whe he Hami es o Semi es, Tu sis a e, om a Hu u pe spec i-
e, ce ainly no Ban u and he e o e dese e elimina ion. Egged on by acis ideologues,
Hu us iewed Tu sis he way A yans iewed Jews, wi h a mix u e o disdain and ea .«42
Die heu e in F ank eich lebende Romanau o in Scholas ique Mukasonga, die den Genozid nu
da um übe leb ha , weil sie sich zu ällig auße halb des Landes be unden ha e, u eil aus de Pe s-
pek i e als Be o ene, die sich ein undie es kolonialgeschich liches Wissen angeeigne ha :
39 Miles 2000, S. 110.
40 Miles 2000, S. 109.
41 Dazu Genaue es in Pei e 2024a, S. 105–120 sowie S. 142–157.
42 Miles 2000, S. 110.
232 | No delbingen 90
»[D]iese ›unkla en E inne ungen, das dunkle, beklemmende Ge ühl eines Déjà- u‹,
das Richa d Kand gegenübe den »Wa u si-Riesen« emp inde – und ablehn , weil e
na ü lich on seine Übe legenhei als Weiße und zudem als Bü ge des Deu schen
Reiches übe zeug is –, sind nu de Ze spiegel, du ch den die Eu opäe Ruanda und
seine Bewohne imme wei e wah nehmen we den. Das g öß e Unglück, das den
Ruande n wide ah en is , bes eh da in, dass sie an den Quellen des Nils leben, wo
sich sei de An ike de My hos eines u sp ünglichen Landes, eines e lo enen und
une eichba en Pa adieses sedimen ie ha . Die Quellen des Nils zu suchen, Capu
Nili quae e e, wa bei den Röme n angeblich ein Ausd uck, de bedeu e e, ›das Un-
mögliche zu suchen‹.« [Übe se zung A.P.]43
Nasen o men und an h opome ische Zug i e
Dass die Idee des Semi ischen wi klich zum G und epe oi e des klassi izie enden Zug i s des deu -
schen Kolonialappa a es gehö e, is bei dem eingangs zi ie en O o Felsing nachzulesen. Ganz wie
im An isemi ismus, is e de Übe zeugung, man müsse o allen Dingen de Nasen o m de Tu si
seine Au me ksamkei schenken, um die Tu si on den ande en ›E hnien‹ zu un e scheiden.
»[D]ie Vieh eibe ha en en wede g ade, as ›g iechische‹ Nasen, ode , in ih e Meh -
zahl soga , Adle nasen on unzwei elha semi ische Fo m und dazu häu ig einge-
schni ene schmale Lippen ans a de den F emden nun schon gewohn en, ga nich
meh au älligen wuls igen, b ei au gewo enen Nege lippen. ›Du, Jung’‹, mein e
nachdenklich Wilhelm au dem Rückwege, ›so unge äh , bloß nich so dunkel ge-
ä b , denk’ ich mi die Juden, wie sie un e Moses ie zig Jah e lang du ch die Wüs e
zogen, wah scheinlich eine Wüs e mi g oßen und ielen Oasen und unabsehba en
G ass eppen. Sieh di doch ’mal den me kwü dig langen Ke l da links bei den Rinde n
an: sieh de nich aus wie ein iesige Jakob,– ich meine den, den sein kün ige
Schwiege a e mi de doppel en Vieh eibe -Diens zei um Rahel so übe ’s Oh ge-
hauen ha ?‹ Edga wa a sächlich s ehen geblieben […]., ›Weiß du was, Wilhelm?
Ich glaub’, die Hi en da sind schon Wa ussi! Dahe die semi ischen ode hami ischen
Gesich e und die Leibesg öße de Vieh eibe !‹ E ha e du chaus ech .«44
Dass das In e esse ü Nasen und den G ad an ›Semi ischem‹ dann du chaus nich nu eine li e-
a ische Phan asie geblieben is , sonde n die en sp echenden Messungen und an h opome ischen
S a is iken nach sich gezogen ha , läss sich an de 1954 in Belgien e schienenen S udie des anzö-
sischen An h opologen Hie naux ablesen. Auch hie s ell e die Nase ein zen ales Analyse-K i e ium
zu Bes immung de ›Tu si‹ da .
Blick man on den geschilde en Szenen und dem Fo o zu ück au den Schi snamen, so e gib
sich, dass diese Name die G öße, die Schönhei und das Majes ä ische des Zwei-Scho ns eine s
43 Mukasonga 2014, S. 33.
44 Felsing 1905, S. 389–390.
A. Pei e : Die Wa ussi au dem Wasse | 233
deu lich machen soll e. Implizie wu de, Schi und Wa ussi seien in iele Hinsich ähnlich, we
sich als Tou is an Bo d begebe, habe also au unausgesp ochene Weise an einem exo isch-übe le-
genen, assisch he aus agenden, my hisch mi de Bibel e bundenen König um Teil.
Als Gus a Adol G a on Mecklenbu g seine sei s die Reise Rich ung Ruanda an a , e s ä k-
e de (namen lich nich meh zu ekons uie ende) Fo og a , de sich de Au nahme de Tu si
widme e, das In e esse an den Nasen o men. 1907/1908 schoss e ein Fo o (Abb. 16), in dem eine
G uppe on Männe n ih e Köp e zu Sei e d ehen muss e, um den Be ach e *innen ih P o il zu
zeigen.
De Nach ollzug on Nasen o men konn e hie als gesiche gel en. Max Weiss olg e diesem
Modell, indem auch e sys ema isch P o il- ode Halbp o ilau nahmen in sein 1910 e schienenes
Buch übe die Völke s ämme in eg ie e. Was ü die li e a ischen Imagina ionen gal , kann mi -
hin auch im Be eich de isuellen Da s ellung es ges ell we den: Die S e eo ypen schienen die
Exis enz des ›Typus‹, den man imme schon als Reali ä angenommen ha e, zu beglaubigen.
Zusammen assung und ein Ausblick
Abschließend soll ü den Assozia ions aum, de sich mi dem Namen ›Wa ussi‹ e band, de Blick
au das Schi zu ückgelenk we den. Es zeig sich, dass die geog aphische Posi ion Ruandas keinen
Hinde ungsg und da s ell e, um die Tu si mi dem Mee in Ve bindung zu b ingen. In de
Wahl des
Abb. 16: G uppenpo ä de Tu si, Ruanda, Fo og a ie um 1907/1908. Deu sche Fo o hek, Sammlung Hans Meye , Au n.-N . d _a_0065536.
234 | No delbingen 90
Abb. 17: G uppenpo ä des Obe haup es Msinga und wei e e Männe de Tu si, Ruanda, Fo og a ie on Hans Meye , 1911.
Gemein-
ei
. Deu sche Fo o hek, Sammlung Hans Meye , Au n.-N . d _b_0004630.
A. Pei e : Die Wa ussi au dem Wasse | 235
Namens spiegel e sich die Übe zeugung, zu ›En decke n‹ eine de le z en, ›unbekann en‹ Kul u en
des ›schwa zen Kon inen s‹ gewo den zu sein und übe dies ein S ück biblische Geschich e mi en
in de ›ungeschich lichen‹, da ›sch i losen‹, ›zi ilisa o ischen Wildnis‹ au ge unden zu haben. De
An isemi ismus e wies sich als ebenso adap ie - wie dehnba e O ien ie ungshil e im Kon ak zu
de emden Be ölke ung. An h opologische Be ich e, Roman-Lek ü en, die sich an Jugendliche
wand en, und Reisebe ich e alle A lie e en unisono das Ma e ial, das nö ig wa , um die Tu si ins
Zen um des My hos zu s ellen, den Bibel-Exegesen zu Noah-Geschich e schon sei Jah hunde en
o gep äg ha en.
Inso e n kann man sagen, dass das Schi , das da ganz konk e zwischen No ddeu schland und
e schiedenen a ikanischen Hä en hin- und he uh , ein Bindeglied zwischen An isemi ismus und
kolonialen Phan asmen da s ell e.
Obwohl sich 2024 de Genozid an den Tu si zum 30. Mal jäh , is in de deu schen P esse on sol-
chen Zusammenhängen nich s zu lesen gewesen. Die deu sch- uandische Geschich e s eh wei e hin
im Scha en de Fo schung zum deu sch-namibischen Ve häl nis. Es wä e an de Zei , den Blick zu wei-
en, dami Ruanda nich wei e hin e dem G oßbeg i ›Deu sch-Os a ika‹ e schwinde (
Abb. 17
).45
Abs ac
Based on colonial image a chi es in which pho os o he ship ›Wa ussi‹, which was launched in 1928,
ha e been p ese ed, he a icle examines selec ed you h no els, an h opological publica ions and
a el epo s om he colonial e a. The aim is o unco e he backg ound ha p omp ed he Deu sche
A ika-Linie o gi e he ship he name o one o Rwanda’s h ee »e hnic g oups«. The Hami e my h,
which was based on a cen u ies-old exegesis o he biblical Noah s o y, was combined wi h an i-Se-
mi ic s e eo ypes in he 19 h cen u y, which led o hei ans e o he Tu si popula ion g oup. The
ambi alen mix u e o admi a ion and esen men ha cha ac e ised he pe cep ion o his mino i y
g oup in he Ge man Empi e was ocused on hei physical size. This in u n was linked o ques ions o
social hie a chies, geog aphical o igins, in elligence le els and ›e hnically cha ac e ised‹ cha ac e
ai s. Since e hnic s e eo ypes ha e con ibu ed o he escala ion o con lic s since he Hu u e o-
lu ion o 1959, he ideological-his o ical basis o he genocide which cos he li es o o e a million
people in 1994, is also indi ec ly a issue when analysing e hni ying es imonies.
45
Zum Genozid gl. Aucun émoin 1995. – Gou e i ch 1998. – Mahmood 2001. – Kimonyo 2008. – Audoin-Rouzeau 2017. – Pei e 2023b.
236 | No delbingen 90
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Na ionalsozialismus – Kolonialismus – Kal e K ieg. Le z e Buch e ö en lichungen: De T äge . Zu eine
agenden Figu de deu schen Kolonialgeschich e (2018 mi Sonja Malzne ). De Ausnahmezus and is
de No malzus and, nu wah e . Tex e zu Co ona (2021 mi Wol am E e). De Genozid an den Tu si Ru-
andas. Von den kolonialen U sp üngen bis in die Gegenwa (2024).
E-Mail:
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