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Wenn Witwen bauen ...: Der Amalienbau des Kieler Schlosses

Abstract

Der Beitrag prüft die Möglichkeit, das barocke Kieler Schloss von Frederike Amalie, dänische Erbprinzessin und Witwe des Herzogs Christian Albrecht…

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Wenn Witwen bauen ...: Der Amalienbau des Kieler Schlosses

Author: Neumann, Jens Martin
Year: 2024
DOI: 10.38072/2943-5331/p18
Source: https://macau.uni-kiel.de/servlets/MCRFileNodeServlet/macau_derivate_00006396/kiel-up_2943-5331_p18.pdf
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Jens Ma in Neumann
Wenn Wi wen bauen ...
De Amalienbau des Kiele Schlosses
Das on F iede ike Amalie, dänische E bp inzessin und Wi we He zog Ch is ian Alb ech s, bis
1697 neu e bau e Kiele Schloss »lieg « – mi eine schönen Sen enz on Hanno-Wal e K u ge-
sp ochen – »in einem Land, das es nich gib : in U opia«.
1
U opie bedeu e e ho e Möglichkei
und geis iges Expe imen , de Bau eine Wi wen esidenz in U opia is de pa adoxe Ve such, au
ein zukün iges, besse es Wi wenleben o zug ei en. Die u opische Ideali ä des Kiele Schlosses
g ünde da in, dass es au g und de äs he ischen Re lexion seine E baue in als o male, zeichen-
ha e En sp echung eine zug undeliegenden Wi wenu opie en wo en is . Das bedeu e , die bau-
liche Umse zung beda eine nach ollziehba en a chi ek u heo e ischen Beg ündung.
2
Wa um bau e F iede ike Amalie eine neue kos spielige Residenz, in de sie absei s im
nos algischen Al bau leb e?3 Die An wo au diese F age inde sich in eine kleinen, an-
lässlich des Todes ih es Ehemanns 1695 bei Samuel Reyhe , Kiele P o esso ü Allgemeines
Rech , As onomie und Ma hema ik, in Au ag gegebenen Sch i . Die Se enissimae A q;
Celsissimae P incipi Ac Dominae ha im Konzep des on ih neu e ich e en Schlosses eine
sich ba e En sp echung ge unden.4
F iede ike Amalie ha dem Kiele Schloss jenes elegan e Aussehen e liehen
, das bis zum
Zwei en Wel k ieg Bes and ha e. Eine Sepiazeichnung aus de Zei um 1740 in de Eu ine Lan-
desbiblio hek zeig in idealisie e Vogelschau die ela i einhei liche, nach No den geö ne e
D ei lügelanlage um einen ech eckigen Eh enho , zugleich ih e gewachsene, asym
me ische
1
Vgl. die geis olle S udie on Hanno-Wal e K u : S äd e in U opia. Die Ideals ad om 15. bis zum 18. Jah hunde , Mün-
chen 1989 (Zi a : S. 9), de ich den wich igs en Impuls zu In e p e a ion des Amalienbaus als gebau e U opia e danke.
2 Küns le ische Quali ä – wie im Falle des Schlosses Hedwig Eleono as on Go o (Wi we König Ka ls X. Gus a ) in
D o ningholm (ab 1662), des s ilp ägenden Meis e we ks des schwedischen Hochba ock – is kein K i e ium. Hedwig
Eleono a komm in D o ningholm als Mi egen in ü ih en minde jäh igen Sohn Ka l ganz ohne Wi wenu opie aus, ih
Schloss mi seinen Schlach en-Gale ien gib sich be on maskulin-schwedisch.
3 Diese F age habe ich be ei s 2017 au eine Tagung im Schloss o Husum ges ell , meine damalige An wo inde sich
in Jens Ma in Neumann: De Amalienbau des Kiele Schlosses. Zu Rhe o ik des ba ocken Wi wensi zes, in: Oli e
Auge/Nina Gallion/Thomas S eensen (Hg.): Fü s liche Wi wen und Wi wensi ze in Schleswig-Hols ein (Quellen und
Fo schungen zu Geschich e Schleswig-Hols eins 127), Husum 2019, S. 67–81.
4 Samuel Reyhe : Se enissimae A q: Celsissimae P incipi Ac Dominae, Dn. F ide icae Amaliae, Regiae Regno um
Daniae e No wagiae He edi, Duci Sleswici, Holsa iae, S o ma iae e Di hma siae, Comi i Oldenbu gi e Delmen-
ho s &c. &c. &c., Kiel o. J.
Kiel-UP •
h ps://doi.o g/10.38072/2943-5331/p18
368 | Fü s innen in Schleswig-Hols ein
S uk u , mi dem dominan en, on T eppen ü men und Giebelk anz nobili ie en Os haus
zu Wasse sei e und de nied ige en, L- ö migen Flügelklamme zu S ad (Abb. 1). In sym-
bolische Janusköp igkei wu de de Ke nbau des o bes ehenden He zogsschlosses in die
neue Wi wen esidenz in eg ie , um die amiliä e Kon inui ä , T adi ion und Wü de he zog-
liche He scha , zu e bildlichen.5
In ih e neuen sozialen Ve ass hei als Wi we begann F iede ike Amalie im Mai 1695 – wie
Reyhe sch eib – »das Schloss aus Ruinen wiede zu e wecken und p ach oll neu zu e ich en«,
eine opische Fo mulie ung, die bald auch in die Insch i des Haup po als einging, »womi sie
das Andenken des Ve s o benen in wü dige E inne ung hal e«.6 Sie übe nahm nun a k ä ig
die Ve an wo ung ü die Memo ia des o en Gemahls und seines Geschlech s. Gemäß dem
Ehe e ag de damals 18-jäh igen B au wu den ih im Juni die Äm e Kiel, Cisma und Olden-
bu g als Wi wen e so gung und das Schloss in Kiel als Wi wensi z zugewiesen, doch wa de
5
De Ulme S ad baumeis e Joseph Fu enbach d. Ä.: A chi ec u a ec ea ionis, das is on Alle hand Nu zlich und E -
ewlichen Ci ilischen Gebäwen, Augsbu g 1640, zeig e im zwei en Teil anhand eigene En wü e Umbauop ionen ü
bes ehende Anlagen, so au Kup e a el 10, S. 21, wobei aus G ünden de Familien adi ion möglichs g oße Teile de
übe lie e en Bausubs anz e hal en we den soll en. Fü alle in Anme kungen und Tex genann en T ak a e noch imme
g undlegend: Hanno-Wal e K u : Geschich e de A chi ek u heo ie. Von de An ike bis zu Gegenwa , München 62013.
6 Reyhe : Se enissimae (wie Anm. 4), S 2.
Abb. 1: Kiel, Vogelschau on Schloss und Ga en, Sepiazeichnungen on J. E. Ramdahl um 1740. © Eu ine Landesbiblio hek.
Neumann: Wenn Wi wen bauen ... | 369
Schlossbau in denkba schlech em Zus and.7 Du ch die be äch liche Leib en e om dänischen
Ho und eine E bscha ih e Mu e Sophie Amalie on B aunschweig-Lünebu g inanziell un-
abhängig, konn e sich F iede ike Amalie einen luxu iösen Schlossneubau leis en.
Mi de Realisie ung des s eine nen Memo ials be au e sie den königlichen, aus dem Tessin
s ammenden Fes ungsbaumeis e ih es B ude s Ch is ian V. Domenico Pelli is ein cha ak e-
is isches Beispiel ü den Küns le impo om heima lichen zum ehelichen Ho eine Fü s in.8
F iede ike Amalies Ein luss au den Kiele Schlossbau is übe all spü ba , zugleich as ni -
gends zu beweisen. Gebo en am 11. Ap il 1649 als zwei e Toch e König F ied ichs III. on
Dänema k, ha e sie Kindhei und Jugend im p äch igen Rahmen de glanz ollen dänischen
Residenzen e b ach , e üg e übe enzyklopädische Bildung und konn e p äzise Anweisun-
gen zu Bauges al und Ikonologie e eilen.9
Wesen lich ü die in Reyhe s Denksch i um issene E inne ungskul u is die Masseng up-
pie ung in ih e Beziehung zu S ad . Das Wi wenschloss e heb sich in sou e äne Mach ge-
s e als he me isch e schlossene Baublock wü de oll übe die Al s ad bebauung, ö ne sich
hingegen im lu igen Ho zum wei äumig axial angeleg en Ba ockga en en lang de Fö de.
Es kombinie au diese Weise Quali ä en on Palas und Villa. Ein Landgu mi K äu e =,
Blumen= und Spazie gä en ha 1678 de in Ansbach ä ige A chi ek Geo g And eas Böckle
ausd ücklich als Fü s lichen Wi ibsi z emp ohlen.10 Die S ad is nu Annex des Schlosses,
dessen Haup achse übe die ep äsen a i e T eppenanlage au dem zugeschü e en
Halsg a-
ben als seesei ige Allee ins o ene Land läu . Das Kiele Lagebild, gleichsam au isolie e
He scha sinsel, bezeichne Rückzug und Abbild eine ideale en Wel .11
De Amalienbau schließ mi dem neuen Co ps de logis winkel ö mig an das 130 Jah e
äl e e, 1567 e igges ell e Pa allelhaus aus ie nebeneinande gese z en Giebelhäuse n an,
das F iede ike Amalie ins andse zen und p äch ig auss a en ließ. De monumen ale Al bau
7 De He zog-Adol -Bau ug e allene S i ngiebel und Tu mhauben, wies Schäden du ch Feuch igkei und Risse im
Maue we k au , das Neue Haus de Anna on B andenbu g (1511) wa neun Jah e zu o soga einges ü z . Vgl. Ca l-
Hein ich Seebach: Das Kiele Schloss (S udien zu Schleswig-Hols einischen Kuns geschich e 9), Kiel 1965, S. 56 .
8 Gebo en am 3. Janua 1657 in A anno bei Lugano, e hiel Domenico Pelli seine Ausbildung in Mailand ode Venedig,
be o e 1682 nach S aßbu g zum Ma quis de Vauban ging, um seine Kenn nisse im mode nen Fes ungsbau zu e -
ie en. 1688 a Pelli in die Ho diens e Ch is ians V. on Dänema k, a bei e e zunächs am neuen Bas ionsgü el K on-
bo gs, dann ab 1691 am Neuwe k de Fes ung Rendsbu g.
9
Co dula Bischo : S a us, Mach und Kuns poli ik in de F ühen Neuzei . Die Wi we als Bauhe in und Au aggebe in,
in: Ul ike Ilg (Hg.): Fü s liche Wi wen in de F ühen Neuzei . Zu Kuns und Kul u geschich e eines S andes, Pe e sbe g
2015, S. 40–54, hie S. 51, be on nachd ücklich: »Die Beschä igung on adeligen F auen mi A chi ek u wa im 17. und
18. Jah hunde eine Selbs e s ändlichkei . [...] Planen, Bauen, Ein ich en und Deko ie en gal en als angemessene
Tä igkei s elde ü Fü s innen.« – E s das engs i nige Wel bild des 19. Jah hunde s soll e A chi ek u zu eine aus-
schließlich männlichen Domäne machen. Die Quali ä dänischen Bauscha ens äuße e sich ge ade in Wi wensi zen,
so bau en d ei Wi wen – Me e Rosenk an z, Ingebo g Skeel und Bea e H i eld – mi Vallø (Seeland, 1581), Voe gå d
(Jü land, 1586) und S ens o p (Schonen, 1596) die o nehms en Adelssi ze de dänischen Renaissance. Die Mu e
F iede ike Amalies bewohn e das mode ne i alienische Ga encasino de e s en Amalienbo g (ab 1669).
10 Geo g And eas Böckle : Nü zliche Hauß= und Feld=Schule, Nü nbe g 1678, An den Lese .
11 Au eine ähnlich isolie en ›Insel‹ in ba ockem Ga en lieg de Wi wensi z Ch is ianes on Schleswig-Hols ein-Son-
de bu g-Glücksbu g (ab 1692) in Deli zsch. Die eben alls on de S ad abgewand e D ei lügelanlage an al em Be g-
ied ich e ih en Eh enho zu S ad g aben und Feldma k aus, behe be g in de Bele age ein schönes Wi wenappa -
emen nebs Fes saal und Ta elzimme . Siehe Man ed Wilde/Nadine Kinne: Ba ockschloss Deli zsch, Leipzig 2007.
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in Sei enlage übe ag mi seine hoch ausgezogenen Dachk one die ho izon al gelage en
Amalien lügel un e uhigen Walmdäche n, die ihn wie eine A chi ek u eliquie umschließen.
Denn e e anschaulich im Ve weis au den Bauhe n He zog Adol – in olge de Landes-
eilung on 1544 S amm a e de Go o e Linie – An ang und Daue de Dynas ie bis zum
U enkel Ch is ian Alb ech .
F iede ike Amalie balancie e in ih em A chi ek u pa ona s a egisch zwischen de Legi i-
ma ion du ch Go o e T adi ion und de Emanzipa ion du ch dänischen Kul u impo .12 De
Typus de D ei lügelanlage, o mals nu ü kleine e angniede e Landsi ze e wende , ließ
sich sei dem Bau des g andiosen Schlosses Ch is ians IV. au F ede iksbo g bis 1623 mi de
ep äsen a i en F
unk ion eine königlichen Residenz e einba en. Die Schackenbo g ha e
die Va ian e des axialsymme isch subo dinie en D ei lügelbaus 1662 in die dänische Bau-
kuns einge üh ,
ü die D ehung eine iklinen Baug uppe um 180 G ad, mi Co ps de logis
zu S ad und Po albau zum Ga en, bo die 1672 ü ih en unehelichen S ie b ude Ul ik
F ede ik Gyldenlø e begonnene Cha lo enbo g in Kopenhagen ein o nehmes Vo bild.13
Die geis eiche Kombina ion de heima lichen Va ian en lieg in F ede ike Amalies Wi wen-
au assung beg ünde : Die Subo dina ion geh om Wi wenhaus an de Fö de lanke aus,
es angie in de unk ionalen Hie a chie o dem Wohn lügel des egie enden He zogs in
Que lage, de gleichwohl mi dem Säulenpo al ausgezeichne wa , wäh end de schmale e
Wes ak ü seine Gemahlin als sei liche Ho beglei ung de inie is .14
Die Fassaden des neuen, knapp 60 mal 13 Me e g oßen To lügels im Süden und des e -
hal enen Wes ak s in den Abmessungen on 35 mal 9 Me e n zeichnen sich du ch Schlich -
hei und geome ische Kla hei aus (Abb. 2). Die spa same Gliede ung besch änk sich au
Gu gesimse zwischen den d ei Geschossen und senk ech e Quade s ei en an den Gebäude-
kan en, dazu e en die F on ispize de To achse und zwei kleine Zwe chhäuse . Pelli en sag
allen o namen alen E ek en, nu den zu Achsen e klamme en Fens e n miss e eine disk e e
Rahmung mi plas ischen
Flachgiebeln zu; einzige Akzen on Gewich is das mäch ige
Haup po al, ein an ikische T iumphbogen mi do ischen Zwillingssäulen. Die aus go län-
dischem S ein geschlagene Gliede ung wa mi g aue Öl a be übe zogen, die Eh enp o e
12 Ebenso zweisp achig wie die Bauhe in Ma ia on Medici
is ih Wi wensi z in Pa is, das Palais du Luxembou g, eine ab
1614 ealisie e, ges u subo dinie e D ei lügelanlage anzösische A mi massigen Kan enpa illons im einhei lich
us izie en Fassadenkleid ih e oskanischen Heima . Die Rep äsen a ion hochadelige Wi wen hob meh hei lich au
ih e Mi le posi ion zwischen beiden Dynas ien ab, un e s ich eine sei s die Wü de ih e gebü igen He kun , ande e -
sei s die neue Ve bundenhei mi de lokalen Familie.
13 Bischo : S a us (wie Anm. 9), S. 48, sch eib zu ech : »Fü s innen o ien ie en sich an den aus ih e Kindhei und Ju-
gend bekann en Bau en.« – Handbuchno o isch sind d ei P inzessinnen aus dem Hause Nassau-O anien: Mi O anien-
baum schu Hen ie e Ca ha ina sei 1681 in Anhal -Dessau eine p og amma ische Ba ockanlage in den Fo men ih e
südholländischen Heima ; eng e wand wa de zehn Jah e äl e e Ke nbau Albe ine Agnes’ au O aniens ein bei Diez.
Und schon 1651 ha e die äl es e Schwes e Louise Hen ie e mi O anienbu g, einem kompak en Baublock mi spa -
same O namen ik im S ile Pie e Pos s, den niede ländischen Maßs ab in B andenbu g gese z .
14 Ande s als nu ein Jah spä e au Schloss Go o , wo man mi dem Bau des iesigen Süd lügels e such e, die be-
s ehenden Bau eile unlichs e schwinden zu lassen, wu de in Kiel die Dominanz des Al baus noch ges ä k .
Neumann: Wenn Wi wen bauen ... | 371
s ahlend weiß ge ass und in Teilen e golde .15 In Analogie zu den Schlösse n Go o und
D o ningholm wi d ü die gla en Wand lächen ein osa a bene , du ch Beimischung on
Ziegelmehl e zeug e Ans ich wah scheinlich, bek ön on blau glasie en Dachp annen
.
Di ek e An egungen ü das eigene Bau o haben b ach e die S ockholm eise F iede ike
Amalies im Win e 1691/92 zu ih e jüngs en Schwes e Ul ike Eleono e, Gemahlin König
Ka ls XI.16 Un e dem Eind uck de Baup ojek e des in Rom geschul en Ho a chi ek en
Nicodemus Tessin dem Jünge en üh e sie in Hols ein die i alienisch-schwedische Klassik
ein.17 De Amalienbau olg dem ömischen Palas ypus des Hochba ock, zeig dabei in
ho izon al au gespann e Baumasse und gla en Pu z assaden mi plas isch übe giebel en
Fens e -Ädikulen enge o male Beziehungen zu Tessins ku z o 1692 gezeichne en En -
wü en zum S ockholme S ad schloss (Abb. 3). Das Kiele Schloss bezeug den Willen de
Au aggebe in, sich im ö en lichen, e gleichsweise p o inziellen Raum de He zog üme
mi in e na ionalen, eben no disch edigie en Bau o men da zus ellen.
Samuel Reyhe e gleich sie dahe mi A emisia, »die das den sieben Wel wunde n
gleiche Mausoleum als G abmal ih es Mannes e ich en ließ«.18 A emisia gal sei Gio anni
15 Übe Ma e ial und ehemalige Fa bigkei in o mie das 1706 om Am ssch eibe Pe e Koess e s ell e In en a . Vgl.
Seebach: Kiele Schloss (wie Anm. 7), S. 59.
16 Vgl. Bischo : S a us (wie Anm. 9), S. 49: »Die wich igs e In o ma ionsquelle de Fü s innen wa die eigene Familie. [...]
Nich nu zum el e lichen Ho bes anden Kon ak e, sonde n auch zu den Geschwis e n, o allem zu den Schwes e n,
die ja ih e sei s an ande e Hö e hei a e en und do neue Kuns o men kennen le n en.«
17 Be ei s Ch is ian Alb ech ha e 1687 Tessin d. J. mi einem Neubaup ojek ü Go o beau ag . Nachdem de
schwedische S a a chi ek Schloss und Ga en besich ig ha e, besuch e e den He zog in Hambu g. Fü 1690 nenn
Tessins Memo ial ein wei e es T e en, doch blieb es bei kühnen Plänen au Papie . Im Somme 1693 ba de dänische
König Ch is ian V. Tessin um En wü e ü den Neubau de abgeb ann en Amalienbo g, die de Schwede 1694 pe -
sönlich in Kopenhagen o leg e. Vgl. Ragna Josephson: Nicodemus Tessin d. Y. Tiden – Mannen – Ve ken (S e iges
Allmänna Kons ö ening 38/39), S ockholm 1930/31, Bd. 1, S. 86 ., und Bd. 2, S. 80–85.
18 Zi a aus Reyhe : Se enissimae (wie Anm. 4), S. 2.
Abb. 2: Kiele Schloss, Süd assade, Au iss on J. A. Rich e um 1770. © Eu ine Landesbiblio hek.

372 | Fü s innen in Schleswig-Hols ein
Boccaccios De mulie ibus cla is, den 1361 gesammel en Biog aphien be ühm e F auen, als
ewiges Exempel hailige und übe selczeme lieby zů ie em gemahel, und so es e küschai in
ie em wi wen s ă .19 Im 1528 e s mals ged uck en Buch om Ho mann Baldassa e Cas igliones
zähl sie zu den g an egine, che adano a subiuga e paesi lon ani e acciano magni edi ici,
pi amidi e ci à.20 In diese Be onung and A emisia Eingang in Pie e Le Moynes La galle ie
des emmes o es de anzösischen Königinwi wen, publizie 1647.21 Die Illus a ion au Sei-
e 114 zeig A emisia o dem G abmal in Halika nassos (Abb. 4). De Sa kophag is in einem
Säulenpo ikus sich ba , dahin e e heb sich ein klassische Rund empel, in de linken Hand
häl die Wi we den Pokal de mi Wein e misch en Asche ih es Gemahls. F iede ike Amalie
ließ Reyhe also einen panegy ischen Typus au g ei en, de eine Fü s in die nö ige Cha ak e -
s ä ke bescheinig e, als Äqui alen zu männlichen He oen zugleich weibliche Eigenscha en
on Fü so ge und Nächs enliebe nu z e und sich mi dem Ve weis au die Bau ä igkei eine
Wi we kombinie en ließ.
19 Gio anni Boccaccio: De mulie ibus cla us. Deu sch übe se z on Hein ich S einhöwel (1473), hg. . Ka l D esche ,
Tübingen 1895, Kap. 60, S. 193.
20 Zi a aus Baldassa e Cas iglione: Il lib o del Co egiano (1528), hg. . Gulio P e i, Tu in 1965, Buch 3, Kap. 36, S. 256.
21 Pie e Le Moyne: La galle ie des emmes o es, Pa is 1647, S. 115–127.
Abb. 3: S ockhome Schloss, No d-
lügel, En wu on N. Tessin d. J. o
1692. © Na ionalmuseum S ockholm.
Neumann: Wenn Wi wen bauen ... | 373
Die Raumdisposi ion des Schlosses is im Sinne de Denksch i P og amm. De Neubau
behe be g e im zwei en Obe geschoss die ep äsen a i en Appa emen s ih es äl es en Sohns,
des egie enden He zogs F ied ich IV., und seine Gemahlin Hedwig Sophia on Schweden
(Abb. 5).22 Im To lügel olg en au ein Vo gemach de wich igs e Rep äsen a ions aum, de in
Ro gehal ene Audienzsaal, und zwei geheime Audienzgemäche mi beigeo dne en Neben-
kabine en. Nach Wes en schlossen sich das p äch ige Schla zimme mi e höh em Pa adebe
sowie zwei Eckkabine e an. An de Ho sei e e möglich e eine Gale ie die di ek e Ve bindung
zu He zoginsui e im Wes lügel, die demons a i dem Wi wenhaus gegenübe ges ell is .
A emisia als Vo bild olgend, hiel F iede ike Amalie nich allein ih en e s o benen Ehemann
in Eh en, sonde n so g e ebenso eu ü das Wohl ih es e s gebo enen Sohns.
De s ad nahe Neubau is demnach de ganz gegenwä igen Rep äsen a ion des egie en-
den Sohns gewidme , das wasse sei ige Vie haus abe s eh ü Geschich e und Legi ima ion.
Inhal liche Klamme und pe sonalisie es Gelenk bilde das Po al, das in seine Ka usche
22 Aus üh liche Angaben zu eichen Auss a ung inden sich bei Jens Ma in Neumann: »Das Schloss aus Ruinen wiede
zu e wecken«. F iede ike Amalie on Go o und ih Wi wensi z zu Kiel, in: Mi eilungen de Gesellscha ü Kiele
S ad geschich e 87.1 (2013), S. 1–30, hie S. 9–24; eine knappe Zusammen assung bie e De s.: »Senio en esidenz«.
F iede ike Amalie und de Glanz de Wi wenzei , in: Rüdige And eßen (Hg.): Das Kiele Schloss. Residenz im He zen
de S ad , Kiel/Hambu g 2017, S. 40–53.
Abb. 4: Pie e Le Moyne, A emisia, 1647. © Abb. aus: Le Moyne:
Galle ie (wie Anm. 21), S. 114.
374 | Fü s innen in Schleswig-Hols ein
Namenszug und la einische Insch i F iede ike Amalies äg , de Ga an in ü den Fo be-
s and de Dynas ie (Abb. 6).23 De Typus de Eh enp o e mi e doppel en, in Pos amen und
Gebälk gekuppel en F eisäulen is aus dänischen Bau en en lehn , eine Quelle bie e das Dom-
po al des G oß a e s Ch is ian IV. ü Roskilde on 1635. Mi diesem e e b en A ibu siche
sich die dänische P inzessin demons a i die königliche Sphä e,24 wäh end die gewähl e Säu-
leno dnung de
n Mausoleumscha ak e un e s eich : Säulen, Gebälk und P eile a kade sind in
ih en P opo ionen bis in alle Einzelhei en exak aus den Regeln Vincenzo Scamozzis ü die
Do ica kons uie .25 Und auch die Gu gesimse und lachen Fens e giebel, die schwe e Rus ica
de Nebenpo ale und die Kan enquade ung de Amalien lügel en sp echen diesem Genus.
Fü ih e angemessene Ve wendung be u sich Scamozzi au die An ike: Und da um daß
die al en G iechen und Röme / [...] die Do ische O dnung geb auch zu den Tempeln [...] de
Mu e de Gö e / de Mine æ, Palladis, und de gleichen [...] Gö innen [...].26 Um diesen
23 Die Insch i lau e ins Deu sche übe agen (bei Seebach: Kiele Schloss [wie Anm. 7], S. 58, s eh das la einische
O iginal): »Diese helle Si z au hohen Säulen is die He be ge de He in, P inzessin F iede ike Amalie [...], Wi we
des seeligen He zogs Ch is ian Alb ech . Diese Teil des Schlosses is o 12 Jah en einges ü z und lag 10 Jah e in
T ümme n. Sie begann es aus Ruinen wiede zu e wecken und nun im Jah 1697 e igzus ellen.«
24 Ve gleichba königlich p äsen ie sich de To pa illon des Wi wenpalais des Luxembou g: »De kuppelübe wölb e To -
bau als Eingangsbau ha e mi e kennba e He kun aus dem an iken T iumphbogen in de Po e Dauphin (1601–1608)
in Fon ainebleau seine a chi ek onische Ges al ge unden. Die To bau en on Ve neuil, Mon ceaux, Coulommie s und
des Palais du Luxembou g e ablie en den Typus königliche To bau en« (K u : S äd e in U opia [wie Anm. 1], S. 86).
25 Nach Vincenzo Scamozzi: L’Idea della a chi e u a uni e sale, Venedig 1615, Buch VI, S. 34, be äg die Höhe de gla -
schlanken Säulen einschließlich Kapi ell und Basis 8 ½ un e e Säulendu chmesse , sie agen das egelkon o me Ge-
bälk mi zwei ach ges u em A chi a .
26 De s.: G und egeln de Bau-Kuns ode Klä liche Besch eibung de ün Säulen-O dnungen, und de gan zen Bau-
Kuns , Nü nbe g 1678, Kap. 18, S. 66 (das nachs ehende Zi a inde sich au S. 67). Die deu sche Übe se zung in de
Uni e si ä sbiblio hek Kiel gehö wie zwei holländische Ausgaben (Ams e dam 1640/58) wah scheinlich zu he zogli-
chen Büche schenkung anlässlich de Uni e si ä sg ündung 1665 aus Bes änden de Bo desholme Klos e biblio hek.
Abb. 5: Kiele Schloss, Amalienbau. G und iss
on J. A. Rich e um 1770. © Eu ine Landes-
biblio hek.
Neumann: Wenn Wi wen bauen ... | 375
do ischen Cha ak e zu e deu lichen, s anden übe den Kiele Doppelsäulen zwei g oße Holz-
igu en: eine mi Helm, B us panze und Spee ge üs e e Mine a, Gö in de Weishei und
Beschü ze in de Kü
ns e, und die Tugendallego ie de Magnanimi as, de G oßmu , mi ih en
A ibu en K one, Zep e und Füllho n, die gemeinsam de F eigiebigkei de Landesmu e
huldig en (Abb. 7).27 Zu Widmung an ause wähl e Gö innen i bei Scamozzi die Zuwei-
sung an bes imm e Bauau gaben: Weil die Do ische O dnung nun ziemlich s a ck is / [...]
auch den Zu ällen deß Gewi e s und de Zei gnugsam zu wiede s ehen / so haben die Al en
nach solche O dnung ge ne gebaue [...] auch die Mousolea [...] ode Beg äbnüsse [...]. Die
Do ica is die Säuleno dnung de ü s lichen Memo ia, dami des Wi wensi zes. Wi inden sie
1691 auch am Haup po al des sächsischen Wi wenschlosses Deli zsch.
27 Meine äl e e Deu ung de linken Figu als »schwe ge üs e e K iege « (Neumann: Wi wensi z [wie Anm. 22], S. 17), is
in Mine a zu ko igie en.
Abb. 6: Kiele Schloss, Süd lügel. Fo og a ie um 1938. © S ad a chi Kiel.