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Die unerforschten Seiten aus der Tätigkeit des Bischofs Karapet Ter-Mkrtchyan | Կարապետ եպս․ Տեր-Մկրտչյանի գործունեության չուսումնասիրված էջերը

Asatryan, Anahit S.

Abstract

Bischof Karapet Ter-Mkrtchian ist einer der größten Theologen der Armenisch-Apostolischen Kirche des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.…

Full text

| 251 Anahit S. Asatryan Die unerforschten Seiten der Tätigkeit des Bischofs Karapet Ter-Mkrtchyan 1 Abstract Bishop Karapet Ter-Mkrtchian is one of the greatest theologians of the Armenian Apostolic Church of the late 19th and early 20th century. However, his pragmatic and especially pastoral work remains one of the unexplored chapters, especially at the end of his varied and productive activity. This paper, therefore, presents the mentioned activity of Ter-Mkrtchian as Primate in the Diocese of the Armenian Church of Shamakhi, which unfortunately lasted only 1.5 years , since it was abruptly terminated by his unexpected death. Accordingly, a special attention was paid to those activities in his late period of life, such as the transfer of the diocese from Saghian to Baku. The history of Shamakhi diocese, which ceased to exist due to the forced emigration of about 300,000 Armenians by the Azerbaijan SSR in 1988-1990, is also peresented here. At the same time, the unknown fate of the Armenian heritage of this suffered diocese is partially presented, which can still be witnessed by us until now. Unfortunately, in the current destructive conditions of the Azerbaijani policy, the elimination of the Armenian cultural heritage continues till now. Bischof Karapet Ter-Mkrchian war einer der aufgeklärten Geistlichen der Armenisch-Apostolischen Kirche, der sich durch seine vielfältigen Aktivitäten auszeichnete. Er erweiterte neben seinen geistlichen und wissenschaftlichen Aktivitäten effektive Verwaltungstätigkeiten, unter anderem als Vikar in der Erzdiözese von Jerewan,2 Vikar von Alexandropol (heute Gyumri)3 und Zustandsstellvertreter von Sevan,4 sowie als der Primas der Diözese von Atrpatakan (1907–1912) und schließlich Primas der Diözese von Shamakhi (1914–1915). Die beiden Diözesen zeichneten sich in diesen Zeiträumen durch eine Reihe von Problemen 1 Die Übersetzungen der armenischen Ortsund Eigennamen sind gemäß den aktuellen phonetischen Wiedergaben behalten, wo die Umschreibung bereits international festgelegt ist. Bei den Literaturund Quellenangaben hingegen ist das Hübschmann-Meillet-System H-M 1913 angewendet (Anmerkung des Übersetzers). 2 Vaweragrer Hay Ekełec‘u patmut‘ean, Karapet episkopos Tǝr-Mkrtč’ean, 74-74. 3 K‘ałuack‘ i kondakac veh. hayrapeti, t‘. 1471. 4 Vaweragrer Hay Ekełec‘u patmut‘ean, Xrimyan Hayrikǝ ev c‘arakan bṙnapetut‘iwnǝ, 216. Kiel-UP • https://doi.org/10.38072/978-3-928794-95-4/p12 252 | Das kulturelle Erbe von Arzach | Արցախի մշակութային ժառանգությունը aus, die dringend gelöst werden mussten. Die Herausforderungen waren unter anderem die Bewahrung der armenischen Identität, sowie die Erhaltung der christlichen Werte bei der armenischen Bevölkerung, die nun räumlich unverhältnismäßig unter der bedrückenden Mehrheit von Muslimen in diesen weiten Gebieten verteilt war und überleben wollte. In seinen letzten Lebensjahren war Bischof Karapet der Primas der Diözese der armenischen Kirche in Shamakhi. Diese war früher auch als Diözese von Shirvan bekannt, die seit den 1920er Jahren auch Diözese von Baku und Turkmenistan oder die »Diözese der Armenisch-Apostolischen Kirche von Aserbaidschan«5 genannt wurde. Die Diözese Shamakhi ist ursprünglich in den von Armeniern bewohnten Regionen des historischen Königreichs Aghvank (Ałwank‘) entstanden. Das genaue Gründungsdatum ist jedoch nicht bekannt.6 Es ist eine unbestrittene Tatsache, dass die Armenier sich im Gebiet von Aghvank seit jeher niedergelassen haben. Außerdem wird aus verschiedenen historischen Quellen deutlich, dass Aghvank immer im kulturellen und politischen Einflussbereich Armeniens lag.7 Nach der lokalen Tradition wird der Enkel des hl. Gregors des Erleuchters namens Grigoris als Gründer der christlichen Kirche und damit auch als erster Katholikos von Aghvank eingesetzt.8 Dieser »[...] erkannte die ekklesiastische Oberstellung der Armenisch-Apostolischen Kirche und gehorchte ihr ›im Geistlichen‹«.9 Da Aghvank an die anderen Provinzen von Großarmenien, wie beispielsweise Paitakaran, Utik und Arzach grenzte, sammelte, sich hier allzumal eine große Zahl von Armeniern im Laufe der Jahrhunderte. Als Folge der Freizügigkeit der Bevölkerung bildeten die Armenier dort ursprünglich die absolute Mehrheit. Ab dem 11. Jh. wurde das historische Gebiet von Aghvank mit der Hauptstadt Shamakhi mehr als Shirvan bekannt.10 Am 11. März 1836 wurden laut dem Kirchengesetz ›Polozhenie‹ – bezüglich der Armenischen Kirche innerhalb des Russischen Zarenreiches – zwei Diözesen, und zwar von Arzach und Shamakhi innerhalb der ehemaligen Gebiete des Katholikats von Aghvank eingerichtet.11 Beide standen selbstverständlich unter dem Katholikat von Edschmiazin. Obwohl das geistliche Zentrum der Diözese Shamakhi sich seit 1660 in der Ortschaft Saghian in derselben Shamakhi-Provinz bzw. im Kloster des hl. Stepanos Nakhavka (Protomartyr) befand,12 wurde der Sitz des Primas im Jahre 1838 in die Hl. Astvatsatsin (Gottesmutter)- Kirche der Stadt Shamakhi umgesetzt.13 Im Jahre 1918 nach dem Massaker an den Armeniern in den 5 K‘ristonya Hayastan hanragitaran, 818. 6 Smbateanc‘, Nkaragir Surb Step‘annosi vanac‘ Sałyani, 27-29; K‘ristonya Hayastan hanragitaran, 817; Šałilyan, Šamaxi: Sałyanǝ ev Sałyanc‘inerǝ, 3. 7 Ōrmanean, Azgapatum, 107; ›Šamaxu ałetǝ‹ žołovacu, 7. 8 Ōrmanean, Azgapatum, 102, 107-108, 146-149, 257, 342-343; K‘ristonya Hayastan hanragitaran, 41; Movsesi Kałankatuac‘woy Patmut‘iwn Ałwanic Ašxarhi, 390-396. 9 K‘ristonya Hayastan hanragitaran, 41. 10 Dies., 818; ›Šamaxu ałetǝ‹ žołovacu, 3. 11 K‘ristonya Hayastan hanragitaran, 818; Eric‘ean Amenayn Hayoc‘ Kat‘ołikosut’iwnǝ, 458-477. 12 Jalalyanc‘, Čanaparhordut‘yun i Mecn Hayastan, 569; Smbateanc, Nkaragir Surb Step‘annosi vanac‘ Sałyani, 27; Karapetyan, Bun Ałvank‘i hayeren vimagrerǝ, 61. 13 Smbateanc, Nkaragir Surb Step‘annosi vanac‘ Sałyani, 36; K‘ristonya Hayastan hanragitaran, 818. Asatryan: Die unerforschten Seiten aus der Tätigkeit des Bischofs Karapet Ter-Mkrtchyan | 253 Provinzen Gokcha (heute Gegharkunik) und Shamakhi durch die türkisch-tatarischen Horden, zog die Diözese mit der zum Großteil am Leben gebliebenen armenischen Bevölkerung nach Baku um, zum neuen Sitz bei der hl. Gregor-Erleuchter-Kirche,14 die sowohl im September 1918 nach dem Einmarsch der türkischen Armee ausgeraubt, als auch im Dezember 1989 von aserbaidschanischen Plünderern in Brand gesetzt wurde.15 Im 18.-19. Jahrhundert erfuhr die Bevölkerung der armenischen Siedlungen der Region Shamakhi und Baku einen deutlichen Wandel.16 Unter der Jurisdiktion der Diözese Shamakhi gab es insgesamt 47 armenische Dörfer und 4 Städte mit zahlreichen armenischen Bewohnern. Trotzdem galt sie damals als eine der kleinsten Diözesen der armenischen Kirche. Im Gegensatz zu anderen armenischen Gebieten im zaristischen Russland standen die Kirche und die Gläubigen hier vor einem schwierigen Dilemma, und zwar dem der Bewahrung der eigenen Sprache. Wie einige Zeitgenossen bemerkten, ließ der Gebrauch der armenischen Sprache in den Gemeinden aufgrund des raschen Wachstums der muslimischen Bevölkerung in vielen Siedlungen nach. In diesem Zeitraum gab es bereits solche Ortschaften, in denen die ethnisch-armenische Bevölkerung nicht mehr Armenisch sprach. Diese Dörfer hatten auch keine Gemeindeschulen mehr. Überhaupt war Shamakhi die einzige Diözese innerhalb der armenischen Kirche, in der die Diözesanschule nur für einen kurzen Zeitraum zwischen 1855-1886 in Betrieb war.17 Sie konnte nicht wiedereröffnet werden, selbst nicht nach den intensiven Einsätzen dafür von Erzbischof Anania Hamazaspian18 sowie Bischof Karapet Ter-Mkrtchian.19 Daher musste die armenische Kirche hier auch zu Beginn der neuzeitlichen Periode der Weltgeschichte diese wichtigsten, aber gleichzeitig schwierigsten Aufgaben tragen, d.h. die Aufbewahrung und Weitergabe der armenischen Identität, armenischer Sprache und der geistlichen Werte der armenisch-apostolischen Kirche im Umfeld einer zügig wachsenden muslimischen Mehrheit. Wie bereits erwähnt wurde Bischof Karapet Ter-Mkrtchian mit der patriarchalen Enzyklika vom 14. Mai 1914 des Katholikos aller Armenier, Gevorg V. Sureniants (1911-1930) zum Primas der Diözese Shamakhi ernannt.20 Aufgrund des unvollständigen Archivmate14 Hay Sp‘uṙk‘ hanragitaran, 23. 15 K‘ristonya Hayastan hanragitaran, 818. Diese historische Kirche, die in den 1860er Jahren erbaut wurde, ist das einzig erhaltene armenische Gotteshaus von Baku. 1945 nach der Wiedereröffnung war es die einzige funktionierende armenische Kirche im sowjetischen Aserbaidschan. Nach den Pogromen und Massakern der armenischen Bevölkerung im Januar 1990 wurde sie bis Anfang der 2000-er Jahre zweckentfremdet unter anderem als ein Café und eine Billardhalle benutzt. Dazu siehe u.a. De Waal, Black Garden, 103 und Thomson, In the Shadow of Aliyev, 60. 2002 wurde diese einst armenische Diözesankathedrale in eine Präsidentschaftsbibliothek für Wissenschaftler*innen mit einer besonderen staatlichen Genehmigung umgewandelt. Der Zutritt für einfache Passanten bleibt jedoch bis heute verboten. 16 Smbateanc, Nkaragir Surb Step‘annosi vanac‘ Sałyani, 133-134; ›Šamaxu ałetǝ‹ žołovacu, 13-14; Karapetyan, Bun Ałvank‘i hayeren vimagrerǝ, 53-55; Step‘anyan, Bak‘u k‘ałak‘i hayut‘yan patmut’yunǝ, 81-91; K‘alant‘ar, Pandxtut‘iwnǝ mezanum, 1543; Dawt‘ean, Namak Baguic‘, 3. 17 Nationalarchiv Armenien, Fonds 56, Liste 16, Werk 520, Nr. 4. 18 Dass., Nr. 4-15. 19 Vaweragrer Hay Ekełec‘u patmut‘ean, Karapet episkopos Tǝr-Mkrtč’ean, 11. 20 Nationalarchiv Armenien, Fonds 56, Liste 11, Werk 108, Nr. 1, Nr. 3. 254 | Das kulturelle Erbe von Arzach | Արցախի մշակութային ժառանգությունը rials ist es unmöglich, seine administrativen, geistlichen, sozialen und wissenschaftlichen Aktivitäten in der Diözese Shamakhi vollkommen aufzudecken. Die Archivdokumente des Konsistoriums21 dieser Diözese stehen leider nicht mehr für die Forschung zur Verfügung. Und überhaupt liegen b ezüglich des Verbleibs dieser Archivalien keine Informationen vor. In den 1980-er Jahren wurden nur sehr wenige Dokumente zur Armenischen-SSR gebracht, die sich auf den Dokumentenumlauf des Konsistoriums-Archivs aus Baku zu Beginn des 20. Jh. beziehen.22 Diese wenigen Informationen lassen uns jedoch feststellen, dass der in Deutschland ausgebildete Wissenschaftler, große Theologe und Diözesanprimas unter anderem Aufgaben der Regulierung der Schularbeit und der Erhöhung des Bildungsniveaus der Muttersprache in der armenischen Bevölkerung eine Priorität einräumte. Während der kurzen Zeit seiner Leitung besuchte Primas Ter-Mkrtchian fast alle von Armeniern bewohnten Siedlungen der Diözese.23 Er recherchierte die verfügbaren Möglichkeiten und versuchte, individuelle Pläne für die Organisation und Entwicklung der Bildung in jeder Siedlung zu erstellen.24 Eine der ersten Aufgaben von Bischof Karapet war es auch, gebildete Geistliche für die Diözese Shamakhi zu bekommen, wie wir aus seinem Bericht sehen können, der am 12. Juli 1914 an Katholikos Gevorg V. geschrieben wurde. Hier stellte Ter-Mkrtchian die Frage der Entsendung neuer Seminaristen aus der Diözese Shamakhi in die geistliche Akademie von Edschmiazin. Bei ihm standen gleichzeitig der Religionsunterricht und die Lehre der Armenischen Sprache in den Wirtschaftsschulen der Diözese im Mittelpunkt. Deswegen äußerte er die Hoffnung, dass gemeinsam mit dem Hl. Stuhl von Edschmiazin eine Gruppe von Experten gebildet wird, die ein spezielles Programm für den Religionsunterricht entwickeln sollte.25 Die Primasse dieser Diözese aus verschiedenen Perioden versuchten immer wieder, der Bildungsarbeit Vorschub zu leisten. Aufgrund der ständigen Migration der Bevölkerung und fehlender Mittel wurden jedoch viele Schulen in den armenisch besiedelten Dörfern geschlossen, weil sie gar keine staatliche Unterstützung hatten. Die armenische Kirche blieb dadurch die einzige treibende Kraft, die dank der Vereinigung der armenischen Minderheit und finanzieller Unterstützung eigener Mäzene die Schulen wieder zu eröffnen und zur Stärkung der traditionellen Werte beizutragen versuchte. K. Ter-Mkrtchyan unternahm ebenfalls mehrere aktive Schritte für die Wiedereröffnung der Diözesanschule. Allerdings sollte betont werden, dass seine Ansichten sich von denen seiner Vorgänger sowie vieler Zeitgenossen unterschieden. Er schlug z.B. als erster vor, die Diözesanschule in Baku aufgrund folgender Argumente zu eröffnen: 21 Das Konsistorium war eine Körperschaft mit Verwaltungsund Justizfunktionen der eingetragenen Diözesen im zaristischen Russland. 22 Nationalarchiv Armenien, Fonds 459, Liste 1, Liste 2. 23 Maštoc‘i anvan Matenadaran, Garegin Hovsep‘yani arxiv, Ordner Nr. 95, Akt. 425; siehe auch dass., Akt. 490. 24 Nationalarchiv Armenien, Fonds 57, Liste 2, Werk 1039, Nr. 53. 25 Dass., Werk 1026, Nr. 7. Asatryan: Die unerforschten Seiten aus der Tätigkeit des Bischofs Karapet Ter-Mkrtchyan | 255 • Mit dem verheerenden Erdbeben von 1902 erlitt die Stadt Shamakhi enorme Schäden. Die Gebäude der Diözese sowie des Priesterseminars wurden zerstört. Die Zahl der armenischen Bevölkerung ging stark herunter. Stattdessen nahm die Anzahl der Armenier im industriellen Baku zu. • Die für die Eröffnung und weitere Entwicklung der Schule in Shamakhi erforderlichen materiellen Ressourcen sollten aus den Kreisen der finanziell vermögenden Armenier von Baku gesammelt werden. Daher wäre es viel leichter und sinnvoller diese Mittel für die eigene Schule in Baku zu rekrutieren. • Und schließlich, wie Bischof Karapet selbst bemerkt: »[Obwohl] Baku 86.000 armenische Einwohner hat, gibt es hier keine armenische Sekundarschule, die die armenische Sprache pflegt, sowie die armenische Katechese, Geschichte und Literatur zu studieren ermöglicht. [...] Die armenische Sprache stirbt in diesem großen Zentrum.«26 Zusammen mit den oben genannten Argumenten sprach Ter-Mkrtchian auch die Frage an, ob die Administration der Diözese ebenfalls nach Baku verlegt werden sollte.27 Um die lauten Gegenstimmen bezüglich der Wiedereröffnung der Diözesanschule zu beschwichtigen, wurde auf Anregung des Primas28 und mit Zustimmung von Katholikos Gevorg V.29 eine Diözesanversammlung vom 7-10. Juni 1915 in Shamakhi einberufen. Diese entschied, die geplante Schule tatsächlich in Baku zu eröffnen.30 Trotzdem haben wir keine Information über die Zustimmung oder Ablehnung dieser kollektiven Entscheidung durch das Katholikat von Edschmiazin. Wir können nur festhalten, dass am Ende in der Diözese Shamaku keine Diözesanschule wiederöffnet wurde. Zwischen September und November 1914 nahm Bischof Karapet persönlich an mehreren Religionsund Armenischunterrichten teil, die in den staatlichen Schulen angeboten wurden. Dabei recherchierte er das allgemeine Lehrniveau der genannten Fächer. Nach mehreren Diskussionen mit den Vertretern aus verschiedenen Schichten kam Ter-Mkrtchian in seiner an den Katholikos gerichteten Petition zu der Schlussfolgerung, dass »[…] das Haupthindernis für einen erfolgreichen Religionsund Armenischunterricht in den staatlichen Schulen darin besteht, dass diese keine Pflichtfächer sind«.31 Er bemerkte auch, dass 26 Vaweragrer Hay Ekełec‘u patmut‘ean, Karapet episkopos Tǝr-Mkrtč’ean, 74-74; Nationalarchiv Armenien, Fonds 57, Liste 2, Werk 1020, Nr. 18-21. 27 Unserer Meinung nach brachte K. Ter-Mkrtchian diese Frage mit der rechtlichen Begründung deswegen zur Sprache, weil laut ›Polozhenie‹ die Diözesanschule in derjenigen Stadt eröffnet werden sollte, in der sich die Diözesanadministration befand. 28 Nationalarchiv Armenien, Fonds 57, Liste 2, Werk 1056, Nr. 5-7; Vaweragrer Hay Ekełec‘u patmut‘ean, Karapet episkopos Tǝr-Mkrtč’ean, 386-387. 29 Nationalarchiv Armenien, Fonds 57, Liste 2, Werk 1056, Nr. 1-2. 30 Dass., Nr. 46-59. 31 Dass., Werk 1026, Nr. 13. 256 | Das kulturelle Erbe von Arzach | Արցախի մշակութային ժառանգությունը viele Eltern ihre Kinder von der Teilnahme an den armenischen Sprachund Religionsstunden befreiten, weil diese nicht im obligatorischen Lehrplan aufgeführt waren. Das führte wiederum zu einer verheerenden Situation – so Bischof Karapet –, dass die armenischen Abiturienten besonders in den Städten ihre Muttersprache nicht mehr beherrschten. Außerdem stellte Ter-Mkrtchian fest, dass die Leitungen in vielen staatlichen Schulen die oben genannten Fächer illegal von der Fächerliste strichen.32 Deshalb bat er den Katholikos, sich an die zaristischen Oberbehörden für die Aufnahme der armenischen Sprachund Religionsunterrichte in die Pflichtfächerliste zu wenden. Sein nächster bekannter Schritt zur Verbesserung der Qualität der Bildung war eine Mitte Mai 1915 in Baku einberufene Vollversammlung33 aller armenischen Lehrerinnen und Lehrern aus der Diözese. Über die getroffenen Entscheidungen sowie späteren Ergebnisse liegen jedoch keine Informationen vor. Ter-Mkrtchian unternahm auch praktische Schritte, um die Kirchen und Klöster zu renovieren. Aus seinen persönlichen Briefen erfahren wir, dass Recherchen zur Wiederherstellung des Klosters Masants im Dorf Meysari mit einem Spezialisten aus Baku durchgeführt wurden.34 Im Dorf Saghian wurde das angrenzende Gebiet des Klosters des hl. Stepanos Nakhavka in einen ordentlichen Zustand gebracht und mit einem Obstgarten bereichert.35 Ter-Mkrtchian beteiligte sich als würdiger Sohn seines Volkes und als ein großer Patriot an der Bereitstellung und Organisation von Hilfe für die Flüchtlinge, die aufgrund des Großen Völkermordes nach Ostarmenien umgesiedelt waren. Er koordinierte die Spenden und ihre Übergabe sowohl an die Geflüchteten innerhalb seiner Diözese als auch an diejenigen, die in Edschmiazin ankamen.36 So versammelte er eine Gruppe von 25-30 Fachleuten aus bekannten Ärzten, Krankenschwestern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Baku und bat den Katholikos um Erlaubnis, mit ihnen nach Edschmiazin wegen der Unter 32 Dass., Werk 1026, Nr. 13-14; Vaweragrer Hay Ekełec‘u patmut‘ean, Karapet episkopos Tǝr-Mkrtč’ean, 378-379. 33 Nationalarchiv Armenien, Fonds 57, Liste 2, Werk 1054, Nr. 15. 34 Maštoc‘i anvan Matenadaran, Garegin Hovsep‘yani arxiv, Ordner Nr. 95, Akt. 425. Dieses mittelalterliche Kloster, auch Meisaru genannt, war eines der berühmten armenischen Handschriftenzentren. Leider sind jetzt nur wenige der hier entstandenen Manuskripte erhalten. Z.B. eines davon, das in Jerewan zu besichtigen ist, ist die vom Schreiber Vlas im 17. Jahrhundert kopierte philosophische Sammlung mit eigenem Kolophon. Siehe Žօłovacu, ŽƎ d., Matenadaran, ›C‘uc‘ak Jeṙagrac‘‹, Handschrift. Nr. 5997, S. 229. Obwohl die Aserbaidschaner heute den Namen der Ortschaft als Meisari bzw. Meysəri beibehalten, entfernten sie zunächst alle armenischen Inschriften und zerstörten dann den gesamten Klosterkomplex vollständig. Dazu mehr siehe Karapetyan, Bun Ałvank‘i hayeren vimagrerǝ, 49. 35 Maštoc‘i anvan Matenadaran, Garegin Hovsep‘yani arxiv, Ordner Nr. 95, Akt. 494; Nationalarchiv Armenien, Fonds 57, Liste 2, Werk 1056, Nr. 46-59; Vaweragrer Hay Ekełec‘u patmut‘ean, Karapet episkopos Tǝr-Mkrtč’ean, 411. Dieses bedeutendste Kloster, das 1660 gründlich rekonstruiert wurde, war das Episkopat der Diözese Shamakhi. Trotz aserbaidschanisch-kommunistischen Unterdrückungen lebten in dieser Ortschaft bis 1970 ausschließlich Armenier. Derzeit ist die Hauptkirche des Klosters in einem verlassenen und halb zerstörten Zustand. Dazu siehe u.a. das 2021 veröffentlichte Video Sagiyan monastery (Shamakhi, Azerbaijan) - Saqiyan monastırı (Şamaxı rayonu), unter: https://www.youtube.com/ watch?v=Du8gCcSIsFM (letzter Zugriff: 8.7.2023) 36 Vaweragrer Hay Ekełec‘u patmut‘ean, Karapet episkopos Tǝr-Mkrtč’ean, 379-382. Fonds 57, Liste 2, Werk 1053, Nr. 3-4. Asatryan: Die unerforschten Seiten aus der Tätigkeit des Bischofs Karapet Ter-Mkrtchyan | 257 stützung zu reisen. Allerdings erhielt er keine Erlaubnis vom Kirchenoberhaupt. Deswegen wurde diese Initiative nicht umgesetzt.37 Bischof Karapet starb am 19. November 1915 in Baku. Er wurde im Hof der oben erwähnten Hl. Gregor-Erleuchter-Kirche beerdigt. Im Jahre 1936, während der Periode der Repressionen und Schließungen von armenischen Kirchen auf dem Territorium der UdSSR, wurden einige Gespräche bezüglich der Überführung seiner sterblichen Überreste nach Edschmiazin geführt. Diese Initiative wurde jedoch aus finanziellen Gründen verschoben.38 Die letzten Informationen über das Grab von Ter-Mkrtchian finden sich in einem Brief von Peprone Avagian, einer armenischen Bewohnerin von Baku, geschrieben an den Katholikos aller Armenier Gevorg VI. Chorekchian (1945-1954). Dort teilt sie mit, dass das Grab von Bischof Karapet »[…] völlig vernachlässigt und unbedeutend in der Karapet Straße von Bagu [sic] gelassen wurde«.39 Als Ergebnis der antiarmenischen Politik Aserbaidschans wurden in den Jahren 19881990 viele Armenier sowohl auf dem Territorium der Aserbaidschanischen-SSR als auch in der autonomen Oblast Berg-Karabach und in der Region Shahumian massakriert. Rund 300.000 Armenier gingen in die Zwangsemigration. Die Diözese Shamakhi hörte dadurch zu existieren auf, und das gesamte kulturelle Erbe der armenischen Kirche bzw. des armenischen Volkes mit den gesamten Archivdokumenten blieben ungeschützt und wurden leider Opfer eines kulturellen Völkermords. Laut der noch existierenden Materialien gab es im Jahr 1916 insgesamt 39 funktionierende Kirchen in der Diözese von Schamakhi.40 Bis heute wurde aber die überwiegende Mehrheit dieser Kirchen vollständig zerstört41 und das Schicksal des übrigen armenische Kulturerbe von dieser Region bleibt unbekannt. Literaturverzeichnis 37 Vaweragrer Hay Ekełec‘u patmut‘ean, Karapet episkopos Tǝr-Mkrtč’ean, 11. 38 Nationalarchiv Armenien, Fonds 409, Liste 1, Werk 1000, Nr. 2-3; Vaweragrer Hay Ekełec‘u patmut‘ean, Karapet episkopos Tǝr-Mkrtč’ean, 455-456. 39 Nationalarchiv Armenien, Fonds 409, Liste 1, Werk 2694, Nr. 2; Vaweragrer Hay Ekełec‘u patmut‘ean, Karapet episkopos Tǝr-Mkrtč’ean, 457. 40 Hay Sp‘uṙk‘ hanragitaran, 23. 41 Karapetyan Samvel, Adrbeǰanǝ k‘ałak‘akrt‘ut‘yunic‘ durs. Dawt‘ean, N., Namak Baguic‘ [Brief aus Baku], in: ›Mšak‹ t‘ert‘ [›Mšak‹ Zeitung], T‘iflis 1897, aprili 26, № 48, 3. De Waal, Thomas, Black Garden: Armenia and Azerbaijan Through Peace and War, New York – London 2003. Eric‘ean, D. Ałēk‘sandr, Amenayn Hayoc‘ Kat‘ołikosut‘iwnǝ ev Kovkasi Hayk‘ XIX-rord darum, Mas B, T. Yovhannēs VIII Karbecwoy ev ›Pōložēniē‹ (1831-1842 t‘.) [Der Katholikosat Aller Armenier und Kaukasischer Hayq im XIX Jh., Teil II, S. H. Hovhannes VIII. 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Harutyunyan | 259 Անահիտ Ս. Ասատրյան Կարապետ եպս. Տեր-Մկրտչյանի գործունեության չուսումնասիրված էջերը Կարապետ եպս. Տեր-Մկրտչյանը Հայ առաքելական եկեղեցու լուսավորյալ հոգևորականներից է, ով աչքի է ընկել իր բազմավեկտոր գործունեությամբ։ Վերջինս իր հոգևոր-կրոնական, գիտական գործունեությունից զատ ծավալել է վարչական բեղուն գործունեություն՝ ի թիվս այլ պաշտոնների (Երևանի թեմակալի փոխանորդ,1 Ալեքսանդրապոլի փոխանորդ2 և Սևանի վիճակների ժամանակավոր փոխանորդ3) զբաղեցնելով Հայ եկեղեցու Ատրպատականի (1907–1912 թթ.) և Շամախու (1914–1915 թթ.) թեմերի առաջնորդի պաշտոնը։ Երկու թեմերն էլ վերոհիշյալ ժամանակաշրջանում աչքի էին ընկնում լուծման կարոտ մի շարք խնդիրներով. տարածական լայն սփռվածությամբ պայմանավորված հայ բնակչության անհամաչափ տեղաբաշխում և գոյատևում՝ ճնշող մեծամասնություն կազմող մահմեդական բնակչություն ունեցող երկրամասերում, վերոհիշյալից ելնելով՝ հայ բնակչության հայապահպանության, քրիստոնեկան արժեքների պահպանման և այլ խնդիրներ։ Կյանքի վերջին տարիներին Կարապետ եպիսկոպոսը զբաղեցրել է Հայ եկեղեցու Շամախու թեմի առաջնորդի պաշտոնը։ Հայ առաքելական եկեղեցու Շամախու թեմը հայտնի է եղել մեր իրականության մեջ Շիրվանի թեմ, 1920-ականներից՝ Բաքվի և Թուրքեստանի թեմ, ինչպես նաև «Ադրբեջանի թեմ Հայաստանյայց առաքելական եկեղեցու»4 անուններով։ Շամախու թեմը կազմավորվել է պատմական Աղվանքի հայաշատ շրջաններում, հիմնադրման կոնկրետ թվականը հայտնի չէ։5 Անվիճելի փաստ է, որ հայերը Աղվանքում բնակություն են հաստատել անհիշելի ժամանակներից։ Պատմիչների թողած տեղեկություններից ակնհայտ է դառնում, որ Աղվանքը մշտապես գտնվել է հայկական մշակութային և քաղաքական ազդեցության ոլորտում։6 Ըստ ավանդության աղվանից քրիստոնեական եկեղեցու հիմնադիրն ու առաջին կաթողիկոսն է համարվում Գրիգոր Լուսավորչի թոռ 1 Վաւերագրեր, Կարապետ եպիսկոպոս Տէր-Մկրտչեան, 74-75։ 2 Քաղուածք ի կոնդակաց Վեհափառ Հայրապետի, թ. 1471։ 3 Վաւերագրեր, Խրիմյան Հայրիկը և ցարական բռնապետութիւնը, 216։ 4 Քրիստոնյա Հայաստան հանրագիտարան, 818։ 5 Սմբատեանց, Նկարագիր Սուրբ Ստեփաննոսի վանաց Սաղիանի, 27-29; Քրիստոնյա Հայաստան հանրագիտարան, 817; Շաղիլյան, Շամախի. Սաղյանը և Սաղյանցիները, 3։ 6 Օրմանեան, Ազգապատում, 107; «Շամախու աղէտը» ժողովածու, 7։ 266 | Das kulturelle Erbe von Arzach | Արցախի մշակութային ժառանգությունը Վաւերագրեր Հայ Եկեղեցու պատմութեան, Կարապետ եպիսկոպոս Տէր-Մկրտչեան (1866– 1915), Գիրք ԺԶ (16-րդ), Երևան 2006։ Քալանթար, Անուշաւան, Պանդխտութիւնը մեզանում, «Մուրճ» թերթ, Թիֆլիս 1890, № 11, էջ 1543։ Քաղուածք ի կոնդակաց Վեհափառ Հայրապետի. Հայրապետական տնօրէնութիւնք, թ. 1471, «Արարատ» ամսագիր, ԼԹ Տարի, Թիւ ԺԲ/ դեկտեմբեր, Սբ. Էջմիածին 1906 թ., էջ 792, տես՝ https://arar.sci.am/dlibra/publication/86199/edition/77964/content (հարցվել է 7.9.2023)։ Քրիստոնյա Հայաստան հանրագիտարան, Երևան 2002։ Օրմանեան, Մաղաքիա արք., Ազգապատում, հատոր Ա, Էջմիածին 2001։ Հեղինակ Անահիտ Ս. Ասատրյան Սփյուռքի գործերի գլխավոր հանձնակատարի գրասենյակի օրենսդրական նախաձեռնությունների և ռազմավարությունների մշակման վարչության ավագ մասնագետ, Երևան, Հայաստան, [email protected] Open Access This paper is published under the Creative Commons Attribution–ShareAlike 4.0 International license (CC BY-SA 4.0). Please note that individual, appropriately marked parts of the paper may be excluded from the license mentioned or may be subject to other copyright conditions. If such third party material is not under the Creative Commons license, any copying, editing or public reproduction is only permitted with the prior consent of the respective copyright owner or on the basis of relevant legal authorization regulations.