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Pa ick Bahne s
Ho s ad e und de An iin ellek ualismus
Skizze de Geschich e eine Idee
[H]e was ying o w i e a kind o his o y ha he adul mind could espec .
(Richa d Ho s ad e übe Cha les Bea d)
1
1. Ein üh ung
Wie sch eib man die Geschich e eine Idee? Fü eine besonde e Ga ung on Idee, den
wissenscha lichen Gedanken, leg e Richa d Ho s ad e 1950 ein Tex mus e o . In de Zei -
sch i Ame ican Qua e ly e ö en lich e e einen Au sa z übe das Buch An Econom
ic
In e p e a ion o he Cons i u ion o he Uni ed S a es on Cha les A. Bea d, das 37Jah e
zu o in e s e Au lage e schienen wa : Bea d and he Cons i u ion: The His o y o an Idea.
Ho s ad e un e nahm diese his o ische In e p e a ion eines kon o e sen Klassike s de wis-
senscha lichen Geschich ssch eibung zwei Jah e nach dem Tod des Ve asse s. Mi Bea d,
1874 gebo en, eil e de 42Jah e jünge e Ho s ad e die akademische Heima . Bea d wa an
de Columbia Uni e si y in New Yo k p omo ie wo den und un e ich e e do Geschich e,
Ve assungs ech und Poli ik, bis e 1917 nach dem Ein i de Ve einig en S aa en in den
E s en Wel k ieg den S a us des Uni e si ä sp o esso s gegen die F eihei des P i a geleh en
und ö en lichen In ellek uellen ausch e. Ho s ad e eich e 1942 seine Dok o a bei an de
Columbia Uni e si y ein. Nach eine e s en Ans ellung an de Uni e si ä on Ma yland
keh e e 1946 an seine Alma Ma e zu ück, um ih bis zu seinem ühen Tod 1970 die T eue
zu hal en.
Im Au sa z übe Bea ds Idee de ame ikanischen Ve assung geh Ho s ad e , wie e ein-
gangs e läu e , in ie Sch i en o . E s ens o dne e »die Ideen des Bandes« on 1913 in
ih en »his o ischen Kon ex « ein, das heiß in den Zusammenhang ande e Tex e, die zu
Lebzei en Bea ds ähnliche Ideen un e die Leu e geb ach ha en. Zwei ens bes imm e die
Me hode on Bea ds Un e suchung. D i ens möch e e »eine bedeu same Zweideu igkei «
1 Ho s ad e 1968, 207.
Kiel-UP •
h ps://doi.o g/10.38072/978-3-910591-27-1/p6
102 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
(»a signi ican ambigui y«) de Gedanken des Buches ans Lich heben, und ie ens e -
olg e Bea ds spä e e Beschä igung mi dem Thema de Ve assung.2 Bea ds Buch übe
den Tex , de die Ame ikanische Re olu ion 1787 zu einem ö mlichen Abschluss b ach e,
wu de bei seinem E scheinen 1913 selbs als e olu ionä wah genommen. De E ek des
kon ex ualisie enden Ve ah ens in Ho s ad e s e s em Abschni is , dass diese Wi kung in
gewissem Sinne ückgängig gemach wi d. Genaue gesag : Ho s ad e geh on dem Be-
und aus, dass Bea ds eins mals p o oka i e Ansich längs ein Gemeinpla z gewo den is ,
ja soga Gemeingu in dem Sinne, dass sie zum kanonischen Bes and de Auslegungen de
G ündungsu kunde de Ve einig en S aa en gehö – und dieses his o ische E gebnis de
No malisie ung eine abweichenden Meinung spiegel e in die Vo geschich e des Buches
zu ück, indem e eine Fülle on Belegen da ü ausb ei e , dass ande e Au o en in ande en
Wo en schon as dasselbe gesag ha en.
Eine A on E olu ion k i ischen Denkens übe das Regie ungssys em als eine Maschine
zu Ve wandlung on sozialem Ein luss in poli ische Mach kulminie e in Bea ds Zu ück-
üh ung de poli ischen En scheidungen de Ve assungs ä e au ih e wi scha lichen In e-
essen; die Re o mbewegungen des Populismus und des P og essi ismus, die ih e sei s ü
un e schiedliche In e esseng uppen ein a en, nämlich eine » e ol o he Wes « eine sei s
und eine Gegenbewegung aus den g oßen S äd en ande e sei s Ausd uck gaben, bau en
bei de Ve b ei ung eine sozialk i ischen Pe spek i e au die Ve assung au einande au .3
Schon o diesem Du chgang du ch die jünge e poli ische Ideengeschich e ha Ho s ad e
es ges ell , dass es eine T adi ion des ökonomischen Ma e ialismus mi Quellen in de o -
e olu ionä en Ve gangenhei bei be ühm en ame ikanischen S aa smänne n gib , einge-
schlossen G ünde ä e de e s en Reihe wie James Madison und John Adams. Ho s ad e
leg ein Fundamen on Bea ds Idee ei, das eine ungeschich liche ode übe geschich liche
Anmu ung ha . De p oblema ische Klassike mode ne wissenscha liche Deu ungskämp e
bedien e sich im klassischen Wo scha z ame ikanische poli ische Deba en.
Ho s ad e s Beobach ungen zu Bea ds Me hode, zu o malen Sei e seine Idee, e geben
sich b uchlos aus diese Sich ung des Kon ex s. Wie sich im Inhal lichen be äch liche Teile
des on Bea d konsul ie en e assungshis o ischen Sch i ums im Nachhinein wie Pa a-
ph asen seines A gumen s lesen, so heb Ho s ad e , was die Macha dieses A gumen s
angeh , au eine a mosphä ische Übe eins immung zwischen Bea ds Ve assungsin e p e a-
ion und ähnlich eh geizigen he meneu ischen P ojek en in ande en Disziplinen ab. Die Ge-
schich e eine Idee e schließ sich übe die Besch eibung ih e Resonanz. Ho s ad e möch e
» e nachlässig e me hodologische Implika ionen« on Bea ds Thesen e ö e n, die ielleich
deshalb nich ins Auge ge allen sind, weil sie so e was wie einen Commonsense ge eil e
Vo ausse zungen de a ancie en Humanwissenscha seine Zei spiegeln.4 De Ideenhis-
2 Ho s ad e 1950, 196.
3 Ebd., 197.
4 Ebd., 196.
Bahne s: Ho s ad e und de An iin ellek ualismus | 103
o
ike s ell eine Gene a ionskoho e maßgebliche Denke aus den »social sciences« zu-
sammen, de en Ein luss au Bea ds Ve assungsbuch e mi Zi a en belegen kann.5 Diese
mode nen Klassike de sys ema ischen Nachba äche de Geschich swissenscha e bin-
de die Abkeh om Fo malismus ode No ma i ismus. Von den ün »seminal hinke s
o Bea d’s gene a ion«, die Ho s ad e au zähl , kann man nu den
Jüngs en, den Ju is en
Roscoe Pound (1870–1964), als Gene a ionsgenossen im Sinne de Gleichal igkei einso ie-
en. Die Ju is en Oli e Wendell Holmes, j . (1841–1935) und Louis B andeis (1856–1941),
de Ökonom Tho s ein Veblen (1857–1929) und de Philosoph John Dewey (1859–1952)
enn e ein Al e sabs and zwischen 33 und 15 Jah en on Bea d.
Das me hodologische Engagemen diese Gewäh sleu e Bea ds cha ak e isie Ho s ad e
mi mili ä ischen Me aphe n: Dewey üh e einen »K ieg« gegen die o male Logik, Veblen
einen »Ang i « au die abs ak e und deduk i e Volkswi scha sleh e, B andeis einen
»Kamp «, um den » ac s o li e« Raum in den »medi a ions o he Sup eme Cou « zu e -
scha en. Die P oduk i i ä des Kon lik s gil als die u sp üngliche Einsich de »p og es-
si en« His o ike schule, als de en Haup Bea d gemeinsam mi Ca l Becke ge üh wi d.
Ho s ad e läss die Pionie e de p og essi en Me hodologie diese Einsich mi ih em Habi-
us de in ellek uellen Auseinande se zung beglaubigen. Die Neuansä ze e gänzen einande
wechselsei ig. Wie de His o ike Bea d ökonomische und geog aphische Me hoden sowie
Beg i e de Rech sphilosophie und poli ischen Theo ie ezipie e, so be ieben Holmes und
Pound umgekeh Rech sk i ik un e Rückg i au die »his o y o law«, e a bei e e Dewey
einen »his o ical app oach o philosophy« und s udie e Veblen die wi scha lichen Ins i-
u ionen soga als ein »his o ian o ideas«, also auch als Vo läu e Ho s ad e s. Sie wa en
eine In e disziplina i ä e p lich e , welche die G enzen zwischen den Disziplinen nich
bloß übe sch i , sonde n ein iss. De me hodischen En g enzung en sp ach ein poli isches
Ideal de In eg a ion, wie Ho s ad e mi einem Zi a aus Bea ds 1908 e ö en lich em Leh -
buch de Poli ik e deu lich : Eine Wissenscha om ganzen Menschen, de sich nich in
homo oeconomicus, poli icus und eligiosus au spal en läss , ealisie das demok a ische
P inzip de allgemeinen Teilhabe an de Ges al ung des Lebens. Von den wissenscha s heo-
e ischen G undlagen bis zu den Vo schlägen ü die Anwendung de Gese ze begüns ig e
das »sociological mo emen in ju isp udence« als ielleich ein luss eichs e Va ian e dieses
holis ischen Ansa zes einen on den Zei genossen au den Beg i geb ach en »p agma ism«,
ja, einen »oppo unism« im Sinne eines P ima s de Gelegenhei o den Gel ungsg ünden,
de P axis o de Theo ie.6 Das heiß abe : Bea ds Idee wa eine Spiela eines om Geis
seine Zei begüns ig en An i-Idealismus.
Im Rahmen eine solchen Sozialwissenscha de p ägnan en K ä e e häl nisse e bleib
Ho s ad e , wenn e Bea ds Buch gegen den on spä e en K i ike n e hobenen Vo wu des
5 Ebd., 199. Do auch die olgenden Zi a e.
6 Ebd., 200.
104 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
K yp o-Ma xismus in Schu z nimm .7 Die K i ike e kann en die Kon e genz de P ämissen
des his o ischen Ma e ialismus ma xis ische Obse anz mi dem p og essi en ame ikani-
schen Zei geis de Jah e o 1914. Mi de Radikali ä Bea ds übe schä z en sie alle dings
auch seine O iginali ä . Ho s ad e ühm das Buch übe die ökonomische In e p e a ion
de Ve assung als »a iumph o sys ema ic in elligence«.8 Es sei das We k eines »bold and
ee mind«. Die Kühnhei on Bea ds Geis soll abe nich da in bes anden haben, dass es
ihm gelungen wä e, sich on dem zu be eien, was um ihn he um gedach wu de. E wa
»capable o applying sys ema ically he insigh s o cu en c i ical hough «. In de Sys ema-
isie ung iumphie e diese Ve s and, in de Gene alisie ung und S uk u ie ung de on
ihm au genommenen Gedanken.
2. Au de Suche nach Wi klichkei
Was is , so kann man an diese S elle, au halbe S ecke on Ho s ad e s Au sa z, agen,
Bea ds Idee de ökonomisch in e p e ie en Ve assung wide ah en, indem sie on Ho s ad e
zum Gegens and eine Geschich e gemach wu de? Sie ha ih e Un e wechselba kei einge-
büß ; ih e bibliog aphisch e bü g e Indi iduali ä is agwü dig gewo den. Eine Einhei is
diese Idee nich im Sinne eines Con aine s, eine sp achlichen Kapsel, die einen Gedankenin-
hal un e seh du ch die Zei anspo ie . Ho s ad e wende sich nun om Kon ex ab und
dem Tex zu, und die Ambigui ä on Bea ds Idee, die Ho s ad e du ch Lek ü e aus de Nähe
he ausa bei e , e s a e ih sozusagen die einkassie e Indi iduali ä zu ück. De Ve lus an
Un e schieden zwischen Bea ds Lei mo i en und dem hema ischen Ma e ial de Epoche wi d
kompensie du ch die En deckung eine inne en Di e enzie hei des Tex es.
Dass die Aussage on Bea ds Buch nich eindeu ig sei, lies sich zunächs wie eine Män-
gelanzeige, weil es um eine wissenscha liche Publika ion geh . Abe wenn die Idee eine
unau gelös e Spannung um ass , en häl sie dami den Keim ih e Geschich e in sich. Ve -
schiedene Aneignungen sind möglich, die sich mi de Zei wandeln und abwechseln, nich
zule z wechselnde Auslegungen du ch den Au o selbs .9 Es äll au , dass Ho s ad e selbs
Bea ds Idee nich de inie ha und bis zum Schluss des Au sa zes eine De ini ion schuldig
bleib . So s ell e , wenn e Zweideu iges in den Vo de g und hol , nich e wa eine o läu-
ige Bes immung des Gehal s de Idee zu Disposi ion; ielmeh konn e e die Idee bei den
Lese n de Zei sch i als bekann o ausse zen.
7 Ho s ad e gehö e an de Uni e si y o Bu alo eine kommunis ischen S uden eno ganisa ion an und wa 1938/39
einige Mona e lang Mi glied de Kommunis ischen Pa ei. Gemeinsam mi seine 1945 e s o benen e s en F au Fe-
licia Swados nahm e lebha en An eil an de ma xis ischen Theo iediskussion un e den New Yo ke In ellek uellen.
Vgl. Bake 1985 und Fone 2002.
8 Ho s ad e 1950, 203. Do auch die olgenden Zi a e.
9 Siehe auch Ho s ad e 1968, 218: »Wha Bea d le , hen, was a book ambiguous enough o be ead, o his g ea
ad an age, in di e en ways by di e en eade s. […] Like many cen al wo ks o i s kind, i was a plas ic objec ,
suscep ible o a ce ain manipula ion in he minds o i s audience.«
Bahne s: Ho s ad e und de An iin ellek ualismus | 105
Ho s ad e möch e eine s a ke und eine schwache, in seinen Wo en: eine enge e und
eine wei e e Fassung de These on Bea ds Buch un e scheiden. Ha en die Delegie en de
e assunggebenden Ve sammlung in Philadelphia in dem Sinne ein wi scha liches In e-
esse am Ausgang de Be a ungen, dass sie on de Ausges al ung de Ve assungsno men
pe sönlich zu p o i ie en ho en? Ode p äg en die In e essen, die sie im Wi scha sleben
e olg en, in einem allgemeine en Sinne ih e Pe spek i en au die Poli ik? Ho s ad e heb
den g oßen Au wand he o , den Bea d bei de E mi lung de inanziellen Ve häl nisse de
einzelnen Mi gliede de Ve sammlung be ieben ha . In de ma hema ischen Objek i ie-
ung beziehungsweise da enges ü z en Agg ega ion on In e essenlagen sieh Ho s ad e
das o iginelle Elemen on Bea ds Me hode; Bea ds Bei ag zum Gene a ionsp ojek de Ein-
speisung de Ta sachen des Lebens in die G übeleien de Sozialkunde wa die Ve wendung
de We kzeuge de Rechnungs-ode S eue p ü e . Bea ds Me hode e sp ach die Iden i ika-
ion on abgeg enz en In e esseng uppen, »dis inc g oups«.10 Was die Implika ionen diese
Bilanzie ung on Dis ink ionsme kmalen angeh , kann man die on Ho s ad e au gespü e
Ambigui ä auch in Fo m olgende Al e na i e o mulie en: Kann das G uppenin e esse
eine In e esseng uppe als ein gemeinscha liches sachliches In e esse quali izie we den,
ode is es nich meh als die Summe pe sönliche Gewinnabsich en?
An meh e en on Ho s ad e zi ie en S ellen e knüp Bea d die »pe sonal expe-
ience« de Ve assungs ä e beziehungsweise ih e »pe sonal expe iences« im Plu al mi dem
Konk e en und Bes imm en als Modali ä en gelingende poli ische Ges al ung.11 Im Pe sön-
lichen s
oll eine Logik de Ve sachlichung wi ksam gewesen sein, weil die Delegie en ih e
In e essen »in conc e e, de ini e o m« wah zunehmen gewohn wa en. Bea d ha ih e Geld-
anlagen un e such – und Anlege müssen sich es legen.12 E en wi so e was wie einen
kapi alis ischen Empi ismus o de his o ischen Kon as olie eine ande en e assung-
gebenden Ve sammlung, de F ank u e Paulski che. Mi einem Topos de ückblickenden
ealpoli ischen K i ik am sogenann en P o esso enpa lamen on 1848 cha ak e isie e die
Abgeo dne en de F ank u e Na ional e sammlung als »a g oup o doc inai es«, denen e
die »p ac ical men« on Philadelphia gegenübe s ell .13 Ho s ad e ag nich nach de empi-
ischen G undlage de deu schen Sei e dieses his o ischen Ve gleichs. E ass Bea ds mi de
Paulski che illus ie e Zusammen assung des A gumen s des Kapi els übe die wi scha -
liche Lage de Männe on Philadelphia so zusammen, dass nu ein minimales Beweisziel
üb ig bleib , sozusagen die schwächs e Fassung de These, mi s ä ks em Gel ungsansp uch:
Bea d habe am Ende ein ach nu gesag , dass die G ünde ä e nich ganz und ga »disin-
e es ed«14 gewesen seien.
10 Bea d 1913, 73; zi ie nach Ho s ad e 1950, 205.
11 Bea d 1913, 73 und 151; zi ie nach Ho s ad e 1950, 205.
12 Bea d 1913, 73; zi ie nach Ho s ad e 1950, 205.
13 Bea d 1913, 151; zi ie nach Ho s ad e 1950, 205.
14 Bea d 1913, 151; zi ie nach Ho s ad e 1950, 205. Bei Bea d und Ho s ad e in An üh ungszeichen.
106 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
Is das nich eine T i iali ä ? Wenn ein Buch mi diese Bo scha 1913 a sächlich scho-
ckie en konn e,15 mag man da an ablesen, wie s einig de Missionsweg de Gesellscha s-
wi klichkei swissenscha wa . De wohl eloquen es e Apos el de neuen Schule kam alle -
dings zu dem Schluss, dass Bea d einen übe mäßig g oßen Beweisau wand ge ieben habe.
Den Wohls and de Mi gliede de Kon en ion hä e man aus den Quellen nich nachweisen
müssen: Dieses U eil on Oli e Wendell Holmes aus einem B ie an den englischen Ju is-
en Si F ede ick Pollock on 1916 zi ie e Ho s ad e 1968 in seinem um ang eichen Buch
übe die »P og essi e His o ians«, in dem Bea d den Mi el eil zwischen F ede ick Jackson
Tu ne und Ve non Louis Pa ing on einnimm .16
Auch Quellen eich um kann eine Peinlichkei sein: Den Glauben Bea ds an die E klä-
ungsleis ung de Zahlenkolonnen behandel Ho s ad e in seinem Au sa z als e klä ungs-
bedü ig. Die En decke eude des His o ike s, de ein Ko pus ungenu ze Quellen au u ,
genüg Ho s ad e nich als An ieb ü Bea ds Kleina bei sei e bei de Übe agung de
Spi zenpe sonalak en des Jah es 1787 in In es o enka ie e abellen. We inde , de muss
e s einmal suchen. »Bu wha was i in he beginning ha led him o unea h hese dus y
eco ds, un ouched o mo e han a cen u y?«17 In de Besch eibung Ho s ad e s, de als
Ideenhis o ike haup sächlich aus ged uck e Li e a u schöp e, e wandel sich Bea ds
Quellenscha z in e was Fe nliegendes, beinahe Absch eckendes. Da ü genüg ein male-
isches De ail aus dem Gen ebild epe oi e zum Geleh endasein: de S aub, de sich au
jede Ak e sammel . Das Mo i is kon en ionell, abe de plö zliche Übe gang de Da -
s ellung zu Anschaulichkei appie : Ho s ad e ahm die p og essi en Fo sche helden
nach, indem e die Realien gegen die Idee ausspiel . Vo he ha e au eine Unebenhei
in de Macha on Bea ds Buch au me ksam gemach : Das Kapi el übe die poli ischen
Ideen de G ünde ä e bes ehe aus ze s eu en Zi a en aus den Ve assungsbe a ungen,
de en Eino dnung in die Geis esgeschich e des 18.Jah hunde s un e bleibe – dagegen
sei das Kapi el zu den Eigen ums e häl nissen »ca e ully wo ked ou in he con ex o
he economic and social si ua ion o he Con ede a ion«. Mi dem Paulski chen e gleich
behaup e Bea d, dass de Realismus de Ve assung de Ve einig en S aa en, die A bei s-
ähigkei de Ve assungso gane, du ch das Wissen de Ve assungs ä e um die eigenen
ökonomischen In e essen e bü g we de – und e beglaubig dieses A gumen , so kann
man Ho s ad e e s ehen, indem e das Kapi el zu den ökonomischen Quellen iel soli-
de ausa bei e als das zu den poli ischen Aussagen. »As be ween ideas and in e es s, i
is in e es s ha ha e he o eg ound in his olume.« De ela i e P ima des In e esses is
die lei ende Idee des Buches.
Ho s ad e läss diesen Be und nich so s ehen, sonde n ag wei e , wa um Bea d die
on ihm einge ich e e Pe spek i e, die Ano dnung on Vo de -und Hin e g und, als ea-
15 Ho s ad e 1950, 195: »a i s e en in o med and c i ical minds we e deeply shocked by i s a gumen .«
16 Ho s ad e 1968, 212.
17 Ho s ad e 1950, 206. Do auch die olgenden Zi a e.
Bahne s: Ho s ad e und de An iin ellek ualismus | 107
lis isch emp and. »Wha was i ha made him eel close o › eali y‹ among old 6 pe cen
secu i ies han in he olumes o eigh een h-cen u y specula ion?« Hie s eh de Beg i
de Reali ä in An üh ungszeichen, weil Ho s ad e nach dem Reali ä se ek on Bea ds
Gesellscha sgeschich e ag . Das Sinnliche an den Relik en de Ve gangenhei , das G ei -
ba e an ih e Ma e iali ä , is üge isch: Au T ak a en zu S aa sleh e lieg mu maßlich
im Schni nich wenige S aub als au den Ak en de Finanzbehö den, schon weil on
ged uck en T ak a en gewöhnlich meh e e Exempla e e hal en sind. Wohe dann das Rea-
li ä sge ühl, das Bea d, wie Ho s ad e sugge ie , im A chi des Scha zam s e g i ? Die
»Reali ä «, das gemeinsame Ziel on Holmes, Dewey, Bea d & Co., e weis sich als ixe
Idee, als o dnende Vo s ellung mi gebie e ische K a . In de Monog aphie übe die p o-
g essi en His o ike esümie e Ho s ad e ach zehn Jah e nach dem Au sa z den S and
de Fachk i ik, die om empi ischen Fundamen on Bea ds ökonomische In e p e a ion
de Ve assung nich s üb iggelassen habe. Fo gese z e Einzel o schung an Quellen, wie
Bea d sie e schlossen ha e, ha das Bild allsei ige Ko ela ion on ökonomischen und
poli ischen In e essen, Lagen und Absich en ze s ö .18 Das ze s ö e Bild is indes nich
besei ig . Seinen »mos endu ing iumph« eie Bea d dank seine Wide legung: »he no
longe pe suades, bu he s ill se s he e ms o he deba e, e en o hose who a e leas pe -
suaded.«19 Ho s ad e s In e p e a ion on Bea ds In e p e a ion wi d du ch die Auskün e
de Spezialis en bes ä ig : Sein Au sa z leg nahe, dass die Homogeni ä eine en lang
on In e essen ennscha gegliede en sozialen Wi klichkei wenige ein E gebnis als
eine Vo ausse zung on Bea ds Fo schung is , eine Idee im Sinne eine e einhei lichen-
den Vo s ellung, wie sie e wa den Handlungs aum eines Romans zusammenbinde . Von
einem Roman könn e auch de Sa z gesag sein, mi dem Ho s ad e es häl , dass Selbs -
kommen a e des Au o s den Sinn des Buches nich e schöp en könn en: »Su ely his book
communica es a g ea deal mo e han i says.«20
Wa um nun emp and Bea d bei de Lek ü e de Quellen aus dem Jah 1787 die ökono-
mische Spekula ion als wi kliche als die philosophische? »The answe mus be ound in
he ac ha Bea d was no simply a schola ; he was, and emained his li e long, a publicis
wi h an u gen in e es in he in ellec ual and poli ical milieu in which he li ed.«21 Bea d
wa nich bloß ein Geleh e und woll e nich zu iel au bloße Leh en geben. Hie wende
Ho s ad e Bea ds Me hode de Si uie ung de in ellek uellen Ak eu e in de sozialen P axis
au ihn selbs an. Das Schlüsselwo on Bea ds Ve assungsdeu ung keh wiede , um diese
Deu ung zu e klä en. Ein kons an d ingliches In e esse b ach e Bea d dazu, sich meh mi
den In e essen als mi den Ideen zu beschä igen. In diesem Gedanken schwing ein Mo-
18 En schiedene Ve eidigung de Aus üh lichkei diese Jah zehn e um assenden Fo schungsbe ich e: Nicholas
1970, 821.
19 Ho s ad e 1968, 224.
20 Ebd., 228.
21 Ho s ad e 1950, 206.
108 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
men on Ambigui ä mi , wie sie Ho s ad e bei Bea d ausmach , wegen des Doppelsinns
des Wo es »in e es «. Das In e esse eines Geleh en und In ellek uellen an de eigenen so-
zialen Umwel is eine geis ige G öße, kein inanzielles Deposi um. Abe Bea ds in ellek uel-
les In e esse wa sein Be u und ha e die In ensi ä – und gemäß seinen eigenen P ämissen
mu maßlich auch die P ägek a – eines ma e iellen In e esses.
Dass Bea d den S a us de These seines Buches o enließ, zwischen s a ke und schwa-
che Va ian e schwank e, ha e, so kann man Ho s ad e s E wägungen un e Ve wendung
eines seine Lieblingsbeg i e ausbuchs abie en, mi dem S a us des Au o s zu un.22 Es
kling e was k yp isch, wenn Ho s ad e sch eib , hin e » his ambigui y in s a emen « liege
»a eal ambigui y in hough » und hin e diese »ambigui y in hough « wiede um »a ce ain
dualism in Bea d’s posi ion«.23 Fü Ho s ad e lieg au de Hand, dass » he p esence o
he ambigui y« sich nich in de Neigung eines wi kungsbewuss en Au o s zu s ellenweise
übe deu liche P äsen a ion seine Ideen e schöp e; »i is buil in o he e y s uc u e o
Bea d’s esea ch«. Die S uk u de Fo schung da man hie au de en heo e ische und
p ak ische O ganisa ion beziehen. In Bea ds P ä e enz ü das inanzhis o ische Quellen-
ma e ial kam eine Vo s ellung on de K ä e e eilung im sozialen Feld zu Gel ung, die e
an das Ma e ial he an ug. Die Zweideu igkei des Fo schungsse ings e gib sich aus dessen
o empi ischen An eilen. Ge ade weil Bea d sich als Au klä e e s and, das heiß sich de
Du chleuch ung seines Milieus e sch ieben ha e, se z e e die du chg ei ende Mach de
In e essen aglos o aus. Sein Habi us o m e seine Ideen: E ging an die einein ie el Jah -
hunde e al e Ve assung mi de Eins ellung eines »muck ake « he an, eines jene in es iga-
i en Jou nalis en, de en En hüllungen übe Ka elle und Seilscha en im »Gilded Age« den
Theo e ike n des P agma ismus und de Rech s a sachen es s ellung ein p ak isches Modell
de ek i ische Sozial o schung o Augen s ell en.
De »s yle o hough o he Populis -P og essi e-muck aking e a« komm lau Ho s ad e
in Bea ds Buch im Gu en wie im Schlech en du ch, in den bes en Einsich en wie in den
Besch änkungen.24 Dass Leis ungen und Schwächen sich gegensei ig bedingen, also eine
Einhei bilden, ü welche die kuns his o ische Me aphe des S ils s eh , b ing die Figu
des blinden Flecks zum Ausd uck: Die Re o me sollen keine Augen da ü gehab haben,
22 Ho s ad e üh e das Konzep des S a us 1955 in The Age o Re o m, seine Geschich e de ame ikanischen Poli ik
im Spiegel on Populismus und P og essi ismus, in die poli ische Sozialgeschich e ein; lau Alan B inkley wa es
» he mos in luen ial and ce ainly he mos con o e sial o all his many schola ly inno a ions« (B inkley 1985, 470).
Es soll e die Mo i lage de P og essi en e klä en: Nich messba e wi scha liche Bed ängnis sei de S achel ih es
Re o mei e s gewesen, sonde n die Wah nehmung eine Ve schiebung im gesellscha lichen Ge üge. De S a us
als Gegens and s ändige So ge des Subjek s e se z e das objek i e In e esse aus Bea ds ma e ialis ischem Sche-
ma. Ausd ücklich s ell e Ho s ad e 1963 diesen his o iog aphischen Bezug in einem B ie he , um selbs k i isch
den G enznu zen des S a usbeg i s zu ma kie en: »Pe haps we wd no be using i a all, i i we en’ o he ac
ha he gene a ion o Bea d and Tu ne made such hea y use o con lic and ec. in e es ha hey an hem s aigh
in o he g ound, and we had o u n somewhe e else o ind a leas some supplemen a y p inciples o explana ion«
(Ho s ad e an Da id Po e , 12. Juli 1963; zi ie bei Collins 1989, 161–162).
23 Ho s ad e 1950, 206. Do auch die olgenden Zi a e.
24 Ebd., 207. Do auch das olgende Zi a .
Bahne s: Ho s ad e und de An iin ellek ualismus | 109
dass die Gewinnsuch , de en ko umpie ende Wi kungen au g oße Poli ik und G oßun e -
nehme um sie dokumen ie en, auch die eigene Klien el de »li le businessmen and a -
me s« be allen ha e. So könn e de Buchp ü e de Ak en des Ve assungskon en s blind
gewesen sein ü sein eigenes In e esse am In e esse, um im Bild zu bleiben: ü seine
eigenen Ak ien.
3. E kenn nis und In e esse
Mi dem Beg i des Denks ils nimm Ho s ad e eine Haup idee jene wei e o gesch i e-
nen Sozialwissenscha au , die das P ojek des p og essi en Realismus ins Re lexi e wen-
de e, indem sie un e den als eal wi ksam gedach en Vo ausse zungen de kon en ionellen
Ideenwel en auch die Wi klichkei s o s ellungen wissenscha liche Gemeinscha en und
poli ische G uppen be ücksich ig e.
25
Die ü Bea d, abe anscheinend keineswegs nu ü
Bea d cha ak e is ische Zweideu igkei iden i izie Ho s ad e als Denkepochensigna u , als
Me kmal eines Schwellenzus ands, des Übe gangs zu Einsich in die In e essenbezogen-
hei ode S andpunk abhängigkei auch de a ancie en, on de eigenen Illusionslosigkei
übe zeug en Sozial heo ie. »To use Ka l Mannheim’s e minology, he bes hough o he
p og essi e e a was in a ansi ional s a e be ween he heo y o ideology and he sociology
o knowledge, and in any such age o ansi ion a ce ain ui ul ambigui y o hough is o
be expec ed.«
26
Diesen Übe gang besch eib Mannheim in seinem Buch Ideologie und U opie als Kon-
sequenz de Fo mulie ung »eine[ ] allgemeine[n] Fassung des o alen Ideologiebeg i s«,
ü die namen lich » e schiedene Spiela en« des Ma xismus das Anschauungsma e ial
gelie e hä en.27 Die o ale Ideologiek i ik wi d e lexi , wenn sie den Mu ha , »nich
nu die gegne ischen, sonde n p inzipiell alle, also auch den eigenen S ando , als ideo-
logisch zu sehen«. Genaue müss e Ho s ad e on de » heo y o ideologies« sp echen;
die S elle, au die e sich ohne Nachweis bezieh , ha im deu schen O iginal den Wo -
lau : »Mi dem Au auchen de allgemeinen Fassung des o alen Ideologiebeg i es en s eh
aus de bloßen Ideologienleh e die Wissenssoziologie.« Du ch die Wissenssoziologie, so
Mannheim wei e , wi d die »Seinsgebundenhei « – Mannheims allgemeine e Beg i ü
Vo eingenommenhei , Beding hei ode Pa eilichkei – »jedes lebendigen Denkens« zum
»Thema eine geis esgeschich lichen Fo schung«. Diese »soziologische Geis esgeschich e«
ode »soziologisch o ien ie e Geis esgeschich e« wi d »ohne Rücksich au Pa eiung« das
Nich -Ideelle an den Ideen e o schen und is be u en, » ü den heu igen Menschen das
25 Fleck 1935.
26 Ho s ad e 1950, 207.
27 Mannheim 1929, 32. Do auch die olgenden Zi a e.
116 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
dass ins i u ionelle Ge üs e nö ig seien, dami die eien Geis e sich zu ih en Höhen lügen
soziale Obse a ion au schwingen könn en, und and diese In as uk u in den Bildungs-
ans al en mi ih en in e nen Un e schieden des Ansehens de einzelnen Angehö igen und
den ex e nen Un e schieden zwischen den in o mell nach P es ige g uppie en Hochschulen
und Schulen.
Aus de G uppe de akademisch nich sa is ak ions ähigen Un e sch i sleis enden des
Wahlkamp s 1952 keh im Buch de Hausmeis e wiede , als Symbol igu eines im Bil-
dungswesen depla zie en S ebens nach Egali ä . Das d eizehn e Kapi el widme sich de
Re o mpädagogik in Ges al de Bewegung des »Li e Adjus men «, die du ch Ein üh ung
on Schul äche n wie Hauswi scha skunde e was gegen die in ellek uelle Übe o de ung
de Schüle un woll e: Ziel des Schulun e ich s solle die Anpassung an die p ak ischen
An o de ungen des Lebens sein. Nachdem die o he igen Kapi el den e angelikalen Fun-
damen alismus, den An ikommunismus und den na ionalen Chau inismus als T äge des
An iin ellek ualismus da ges ell haben, inde de ün e, bildungspoli ische Abschni des
Buches einen Ans eckungshe d des banausischen Ungeis es au de linken, de sogenann en
libe alen Sei e de ame ikanischen poli ischen Kul u . Das pädagogische Ideal p ak ische
Anpassung au Kos en heo e ische Ans engung is ü Ho s ad e eine Fehlen wicklung
des P agma ismus. E examinie auch Deweys einschlägige Ideen; die P ü ung äll e was
ums ändlich aus, weil Ho s ad e augenscheinlich de in ellek uellen Leis ung Deweys die
Ane kennung nich en ziehen möch e.54
D
en schlech en, nai en Idealismus de Re o mpädagogen b ing Ho s ad e mi einem
»cu ious lack o humo « au ih e Sei e zusammen, und e mach mi seine Lese scha
die Gegenp obe au diese habi ussoziologische These, indem e Humo demons ie , mi
eine Se ie sche zha e Beme kungen übe den missiona ischen Ei e seine Gegenspie-
le . Die zwei e Beme kung lau e : »When hey eel hey a e abou o es ablish he school
jani o ’s igh o be ea ed wi h espec , hey g ow s a y-eyed and inc ease hei em-
po.« Ho s ad e mach einen Wide s ei zwischen Demok a ie und In ellek uali ä aus,
zwischen dem P inzip de Gleichhei und dem Ideal geis ige Exzellenz. »The key o he
book, i s agic hea , was his idea ha Ame ica’s an i-in ellec ualism s emmed om de-
moc a ic egali a ianism i sel .«55 Diese kul u pessimis ische Implika ion seine Idee des
An iin ellek ualismus dü e ü heu ige poli ische Diskussionen mindes ens ebenso iel
S o be ei hal en wie seine K i ik de Wissenscha sk i ik de ex emen Rech en,56 zumal
wenn man den S ellenwe de Ideen de Ane kennung, des Minde hei enschu zes und
de S andpunk übe nahme in de jünge en Demok a ie heo ie bedenk . Kenne h Lynn,
ein Li e a u his o ike aus dem Zi kel de neokonse a i en In ellek uellen um No man
54 K i isch: Wel e 1964, 483.
55 G eenbe g 2007, 161.
56 Zwei Beg i sp ägungen Ho s ad e s haben klassische Gel ung e lang in de Li e a u zu ex emen Rech en als ei-
nem Phänomen de poli ischen Kul u : Pseudokonse a ismus (Ho s ad e 1955b) und pa anoide S il (Ho s ad e
1964; e wei e : Ho s ad e 1965).
Bahne s: Ho s ad e und de An iin ellek ualismus | 117
Podho e z und I ing K is ol, p äsen ie e das Buch in seine Rezension als Beweiss ück
ü einen zei ypischen »Eli ism on he Le «.57
Pe e Gay ha e schon an Ho s ad e s 1955 e schienene Monog aphie übe Populismus
und P og essi ismus, The Age o Re o m, monie , dass die on Ho s ad e he ges ell e »con-
nec ion o populism and an i-in ellec ualism« en gegen dem Ansp uch des Au o s kein » e-
sul o in es iga ion« sei, sonde n on ihm an sein Thema he ange agen we de. »Le me
s a e he ques ion baldly: o wha ex en is you piece an a p io i cons uc ion? Tha is o
say, wha ex en do you s a wi h an a is oc a ic pic u e o wha socie y should be like, and
hen come ou wi h you indic men o Populism?«58 Ho s ad e s Spo übe den e undenen
Hausmeis e seines Gedankenspiels is dann imme hin beg i lich konsequen : Den Ein-
sa z ü ein Rech des nich leh enden Schulpe sonals au Respek kann man nu aus eine
o demok a ischen We ewel he aus als absu d hins ellen, im Lich e de a is ok a ischen
G undidee o ge undene Rangun e schiede.
De d i e Sche z, de gemäß dem he o ischen Gese z de S eige ung als de lus igs e ge-
dach sein müss e, geh au Kos en de Schüle : »And when hey a e ying o assu e ha he
loca ion o he school oile s will be so clea ly ma ked ha he dulles child can ind hem,
hey g ow dizzy wi h exal a ion and launch in o wild cadenzas abou democ acy and sel - e-
aliza ion.«59 Man mag zuguns en Ho s ad e s annehmen, e habe es ü selbs e s ändlich
gehal en, dass ü alle Anweisungen im Schulall ag kla e und deu liche Ma kie ungen zu
e wenden seien, on den Wegweise n im Gebäude bis zu den Hinweisen zu ko ek en
Aus üllung eines Tes s. Abe es bli z die sadis ische Idee au , einem beg i ss u zigen Kind
geschehe es ganz ech , wenn es sich in die Hose mache, es sei sozusagen on de Na u ge-
schlagen – und diese Phan asie o s ellung u eigen lich danach, mi dem Bes eck de on
Ho s ad e e eh en Klassike de Sozialpsychologie auseinande genommen zu we den.
Welches Kind das dümms e is : Das schein in Ho s ad e s Augen, wenn es eine Schule
gib und dami die ägliche Übung des Ve gleichs un e säm lichen Schüle n, eine simple
Ta sachen age zu sein. In elligenz, die im gegebenen hie a chisch di e enzie en Bildungs-
wesen de Ve einig en S aa en e wal e , ge ö de und bewe e wi d, nimm e in ähnliche
Weise als objek i e G öße an wie Bea d das ma e ielle In e esse. In Ho s ad e s Modell des
S a us is die gesellscha liche S ellung des Einzelnen eine Sache on Ra ionalisie ung und
P ojek ion.60 Ho s ad e ha auch zu Bildungsgeschich e im enge en Sinne meh e e Bü-
che o geleg , und das Buch on 1963 is on zus ändige Sei e als » he culmina ion and
57 Lynn 1963; gl. B own 2006b, 3–4. Zu Ve bindung on Demok a ieskepsis und akademischem Eli edenken in Ho -
s ad e s Auseinande se zung mi dem Rech spopulismus de Sena o en McCa hy und Goldwa e gl. Fabe 2006,
286–292.
58 B own 2006a, 107.
59 Ho s ad e 1963, 340.
60 E de inie e »s a us poli ics« als » he clash o a ious p ojec i e a ionaliza ions a ising om s a us aspi a ions«
(Ho s ad e 1955b, 18). Zu diesem Ve s ändnis on P ojek ion und dem Ein luss F euds au Ho s ad e gl. McKen-
zie-McHa g 2022, 467–468.
118 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
syn hesis o his hough s on educa ion« ge ühm wo den.61 Keinen Pla z ha un e diesen
Gedanken die Einsich , dass Bildung einen S a us e leih , in dessen Zue kennung und Vo -
en hal ung i a ionale P ä e enzen und massi e In e essen eingehen. De Rassismus is im
Buch kein Thema, obwohl e die in ellek uellen Fähigkei en de Ame ikane a ikanische
He kun e äch lich mach . Mi melancholischem Sa kasmus me k William E. Cain zu
An i-in ellec ualism in Ame ican Li e
und de 1964 publizie en Essaysammlung The Pa a-
noid S yle in Ame ican Poli ics an: »in he o al o 750 pages he e is no indica ion ha Black
people e e li ed (and we e li ing) in he Uni ed S a es.«62
5. Soziologische Au klä ung
Ho s ad e s Fachkollege C. Vann Woodwa d nahm da an Ans oß, dass e schon dem äl e en
ch is lichen Fundamen alismus eine Men ali ä des Ex emismus und I a ionalismus un e schie-
be, die sich in Wah hei e s im Zuge de kul u ellen Ma ginalisie ung de buchs abengläubigen
O hodoxie in de Mode ne he ausgebilde habe. In einem B ie e mahn e e ihn eundscha -
lich: »Dick, you jus can’ do his. No amoun o Ado no, S ou e , Ha ley, e c. will sus ain
i .«63 Woodwa d bezog sich au d ei ü das An iin ellek ualismusbuch wich ige Re e enzwe ke:
Fundamen als o Social Psychology on Eugene L. Ha ley und Ru h E. Ha ley, Communism,
Con o mi y and Ci il Libe ies: A C oss Sec ion o he Na ion Speaks i s Mind on Samuel S ou e
und die S udien zum au o i ä en Cha ak e on Theodo W. Ado no und dessen Mi a bei e n.64
1952 muss en Ho s ad e und seine Kollegen de New Yo k Times, die nach eigenem
Ve s ändnis eine den exklusi en Uni e si ä en e gleichba e na ionale Ins i u ion is und
du ch Wah nehmung des Bildungsau ags de P esse übe die Einhal ung in ellek uelle
S anda ds wach , eine Fehleinschä zung de akademischen Repu a ionskapi al e eilung
zu Kenn nis b ingen. Gleichwohl is Ho s ad e s Buch übe die habi uelle Ge ingschä zung
in ellek uelle Leis ungen in wei en Teilen de ame ikanischen Gesellscha on eine op i-
mis ischen Pe spek i e au den Ideenma k bes imm : Akademische und allgemeine Ö en -
lichkei bilden in diese Sich ein Kon inuum, wie schon die eilweise ziemlich speziellen
geleh en Anspielungen im Buch zeigen; die Maßs äbe, die oben zu Anwendung kommen,
we den anscheinend mi E olg nach un en kommunizie . Das Buch spiegel die li e a ische
Kul u , in de es zum Bes selle we den konn e.
61 De Simone 2001, 379.
62 Cain 2018, 120.
63 B own 2006a, 138. Übe Ho s ad e und Woodwa d gl. King 2018. Seh k i isch zu Ho s ad e s Da s ellung des
Fundamen alismus: Wa 2017, 113–118.
64 Zum Ein luss Ado nos au Ho s ad e s Deu ung de ame ikanischen Rech
en gl. Fabe 2006, 281–295 und Snod-
g ass 2018, 152. H. J. Eysenck monie e in seine Besp echung on The Pa anoid S yle in Ame ican Poli ics, die
»au o i ä e Pe sönlichkei « we de zwa im Vo übe gehen e wähn , Ho s ad e s sozialpsychologischem Räsonne-
men ehle abe die empi ische G undie ung im Expe imen (Eysenck 1966).
Bahne s: Ho s ad e und de An iin ellek ualismus | 119
Im Schlusskapi el k i isie Ho s ad e eine pa hologische To alisie ung de K i ik du ch
In ellek uelle, die ih en Außensei e s a us e inne lichen und die E wa ung eines an ago-
nis ischen Ve häl nisses zwischen In ellek und Gesellscha du ch bloßes Dagegensein e -
üllen, un e Ve zich au die Ans engungen on Beg ündung und Vo s ellungsk a . »Wha
hey ha e come o ea is no so much ejec ion o o e hos ili y, wi h which hey ha e
lea ned o cope and which hey ha e almos come o ega d as hei p ope a e, bu he
loss o aliena ion.«65 An de En emdung ollzieh sich das Gese z eine P ophe ie, die sich
selbs e üll .66 Als Gegengi gegen diese Ve suchung des Fa alismus e ab eich Ho s ad e
einige Da en zu En wicklung des Buchma k s – wo schlech e Bo scha en sich gu e kau-
en, abe Quali ä skon olle nich lee läu . Populä e Ti el on Au o en ohne akademische
Au o i ä haben ähnliche Themen wie Büche uni e si ä e P o enienz, abe auch die Uni-
e si ä sp oduk e können ela i populä we den. Ho s ad e s ell in diesem Sinne zwei
Au o en nebeneinande , Vance Packa d, den Jou nalis en im Man el des Un e gangsp ophe-
en (»Je emiah«), de 1957 The Hidden Pe suade s he ausb ach e, ein En hüllungsbuch übe
die Bewuss seinss eue ung du ch die We beindus ie, und C. W igh Mills, seinen Kollegen
an de Columbia Uni e si y und Gebu sjah gangsgenossen, P o esso ü Soziologie, de
in seinen Büche n – Whi e Colla (1951) übe die neue Anges ell enklasse und The Powe
Eli e (1956) – » he mos ho oughgoing epudia ion o Ame ican li e in i s e e y aspec «
aussp ach und gleichwohl espek olle Rezensen en und ei ige Lese and.67 De E olg
solche Büche könn e nahelegen, on einem In ellek ualismus im ame ikanischen Leben
zu sp echen – Ame ikane sind Abnehme in ellek uelle Lösungen ih e Lebensp obleme.
»Da id Riesman’s The Lonely C owd, which can be aken as a dep essing accoun o wha
he Ame ican cha ac e has become, is he mos widely ead book in he his o y o sociolo-
gy, and William H. Why e’s mo dan analysis o The O ganiza ion Man is ead e e ywhe e
by o ganiza ion men.«
Au Riesmans Idee, dass es in de En wicklung de ame ikanischen Gesellscha eine
Re olu ion des Cha ak e s gegeben habe, den Übe gang om innengelei e en zum außen-
gelei e en Menschen, ha Ho s ad e zu o Bezug genommen, um im bildungspoli ischen
Abschni die G enze on Deweys e olu ionä e Phan asie zu bezeichnen. De Philosoph
ha e in seine P og ammsch i Democ acy and Educa ion die Idee de Abhängigkei (»de-
pendence«) gegen ein asoziales Ideal pe sönliche Unabhängigkei e eidig – niemand,
me k Ho s ad e an, hä e wohl 1916, im E scheinungsjah des Buches, o ausgesag , dass
bei Kinde n die on Riesman 1950 in seinem Buch diagnos izie e »pee -g oup con o mi y«
65 Ho s ad e 1963, 393.
66
Das Buch selbs is als Ve i ika ion de P ophe ie e s anden wo den. »Ho s ad e sha ed he eelings o aliena ion
and de ensi eness cha ac e is ic o Ame ican in ellec uals in he e a o Joseph McCa hy and he cold wa . His
An i-in ellec ualism in Ame ican Li e, in some ways he mos sel - e ela o y book he e e w o e, was concei ed in
his mood« (Howe/Finn 1974, 16).
67 Ho s ad e 1963, 418. Do auch das olgende Zi a .
120 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
au e en we de.68 De Massene olg de »einsamen Masse« bes ä ig das on Ho s ad e
im E scheinungsjah on Riesmans Buch an Bea d au gewiesene Mus e : Die u sp ünglich
schockie ende Einsich wi d zum Gemeinpla z, zu kleinen Münze des epochenspezi ischen
Selbs e s ändnisses eine Gesellscha , eine Selbs e siche ung, die sich in in ellek uellen
Epochen ge ade an e unsiche nde Ideen häl .
The Libe al Imagina ion; The Lonely C owd; Whi e Colla ; The O ganiza ion Man; The
Poli ics o Cul u al Despai – das wä e die Leselis e des An i-An iin ellek ualismus,69 ein
Ka alog ielgelesene We ke on Au o en aus Ho s ad e s in ellek uelle Gene a ion, die
Sozialwissenscha und Sozialk i ik e binden mi einem Fokus au de wechselsei igen Be-
ding hei on indi iduellem und kollek i em Bewuss sein, sozialpsychologische Ra gebe -
li e a u ohne Rezep e.70 Man kann A Loss o Mas e y hinzu ügen, Pe e Gays d ei Jah e
nach An i-in ellec ualism in Ame ican Li e e ö en lich e psychologische In e p e a ion de
pu i anischen His o iog aphie. Ho s ad e ha e im Bea d-Au sa z zu E klä ung des p o-
g essi en Tempe amen s au das 1914 publizie e zei diagnos ische Buch D i and Mas e y
des Jou nalis en Wal e Lippmann mi dem Un e i el An A emp o Diagnose he Cu en
Un es e wiesen. Die Anwendung wissenscha liche Me hoden au poli ische P obleme
emp ahl Lippmann zum Zweck de E ich ung demok a ische He scha übe die Dinge,
die gemäß dem allgemeinen Zei ge ühl du ch den sozialen Wandel ho nungslos ins T eiben
ge a en zu sein schienen.71 Eine au o eng uppensoziologische Be ach ung des K eises on
Ho s ad e s S ichwo gebe n hä e die Fäden zu e olgen, die diese Spezialis en ü gemein-
scha liche In ospek ion mi de lau Ho s ad e ex o e ie en Koho e de p og essi en
Wi klichkei ssuche e binden; Riesman beispielsweise wa als wissenscha liche Mi a bei-
e ü Louis B andeis am Obe s en Ge ich sho ä ig.
In dem Hinweis, dass das Buch übe die O ganisa ionsmänne zu Lieblingslek ü e de
O ganisa ionsmänne wu de, e eich das P ojek de wissenssoziologischen Selbs beob-
ach ung de wissenscha lich inspi ie en Gesellscha sk i ik so e was wie einen äuße s en
Punk de T anspa enz ode Illusionslosigkei . Wenn die Einsich in die Seinsgebundenhei
eines Ideenkomplexes in soziologisch e nüch e e Zei ü die T i igkei de Ideen eins eh ,
dann wi d die P obe au die Hal ba kei diese Ve bindung, wie es eigen lich schon die Phi-
losophen des P agma ismus sahen, in de Rezep ion gemach . Die P oli e a ion eine Idee
68 Ebd., 383.
69 Zu Bedeu ung on Whi e Colla ü das An iin ellek ualismus-Buch gl. B own 2006a, 122; allgemein zum Ve häl -
nis zu Mills Gillam 1978. Ho s ad e und Mills le n en sich 1942 an de Uni e si y o Ma yland kennen, wo de His-
o ike dem Soziologen Bea d naheb ach e (ebd., 72). Zu Rolle Riesmans gl. S ou 1963, 544. Ins i u ionelle O
des in e disziplinä en Kollegengesp ächs wa an de Columbia Uni e si y das »Semina on he S a e«; dazu Ka z-
nelson 2003, 107–151.
70 Ein Rezensen on An i-in ellec ualism u eil e: »While he au ho o e s no cu es, he makes a eal con ibu ion by
p esen ing he p oblem in i s o al his o ical as well as analy ical aspec . The po en iali ies o his ype o easoning
a e unlimi ed« (Wish 1964, 310).
71 Ho s ad e 1950, 207. Siehe auch Ho s ad e 1963, 329: »In he con inuing deba e o e educa ion he ideal o ›mas-
e y‹ o subjec ma e domina es he hinking o he in ellec ualis s, whe eas he ideal o mee ing he ›needs‹ o
child en becomes he cen al concep ion o hei opponen s.«
Bahne s: Ho s ad e und de An iin ellek ualismus | 121
äll zusammen mi de Rep oduk ion ih es Si zes im Leben. We hä e Why es Buch sons
lesen sollen? Die O ganisa ionsmänne wa en na u gemäß so gu o ganisie , dass sie auch
diesen Blick in den Spiegel in ih e A bei sabläu e einbauen konn en. Man muss sich dann
alle dings agen, ob Sozialk i ik noch K i ik is , wenn ih e Thesen allgemein übe zeugen.
6. Die Chance des Unbehagens
Was bedeu e das ü Ho s ad e s Idee des An iin ellek ualismus? Wa in seinem Buch ein
ähnliches Rezep ionsschicksal angeleg , allgemeines Kop nicken on Lese n, die es hä e o
den Kop s oßen sollen? Ode wa ihm im Gegen eil bes imm , ausschließlich on In ellek-
uellen gelesen zu we den und eben nich on An iin ellek uellen?
72
Lau Lasch e kann e
Ho s ad e , dass es auch un e In ellek uellen einen An iin ellek ualismus gib .
73
E hä e
demnach die Wide sp üchlichkei des Phänomens un e schä z , ande s gesag die Ambi-
gui ä seine Idee. Das übe asch angesich s des g oßen We es, den Ho s ad e in seine
Bea d-In e p e a ion au den Nachweis de Ambigui ä lieg . Alle dings is die Bewe ung
on Bea ds Ambigui ä selbs on Ambigui ä gekennzeichne . Eine sei s soll sie Indiz ü
den Übe gangscha ak e des Denks ils on Bea ds Gene a ion sein, also das Übe hol e und
Vo läu ige seine Ve assungsin e p e a ion belegen – die sich ande e sei s wegen ih e Ambi-
gui ä als anschluss-und ausbau ähig e wies und nich zule z Ho s ad e zu seine sub ilen
In e p e a ion de In e p e a ion an eg e. Dass Ho s ad e » he mos w i en-abou Ame ican
his o ian since Cha les Bea d« wu de,
74
inde , olg man Robe M. Collins, in seinem In e es-
se an de Ambigui ä eine doppel e E klä ung. E s ens wa e mi seine Abwendung on den
Eindeu igkei en ep äsen a i ü seine Zei , und zwei ens hin e ließ e seinen Nach olge n
ein ausdeu ungsbedü iges Ideenko pus. »Ho s ad e he his o ian dwel in ambigui y, and in
ha ega d he spoke o an en i e gene a ion o in ellec uals; his ac accoun ed in no small
way o his success.«
75
1967 sch ieb Ho s ad e in einem B ie : »I ha e been dis u bed ha
many his o ians do no unde s and ambigui y and ha e di icul ies in seeing ambigui ies.«
76
72 Eine eundliche Einschä zung bei Weiland 1988, 468: »Enough i ony and humili y a e dis ibu ed h ough he ex
o demons a e in e es in eaching an audience no made up exclusi ely o schola s bu o wha he called › hinking
people‹, hose de o ed o in ellec i no o all o i s ins i u ional p oduc s.«
73 Das le z e Kapi el des Buches, das Lasch 1965 dank de Gebu shil e Ho s ad e s und mi dessen Segen he aus-
b ach e, äg den Ti el, den de Au o u sp ünglich dem ganzen Buch ha e geben wollen: The An i-In ellec ualism
o he In ellec uals (Ludwig 2015, 321).
74 Collins 1989, 152.
75 Ebd., 159. Robe D. Johns on i ulie Ho s ad e in eine kuns ollende zwiespäl igen Hommage als » he king o
ambigui y« (Johns on 2007, 136).
76 Ho s ad e an William No ak, 15. No embe 1967, zi íe bei Collins 1989, 157.
122 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
Wie eindeu ig, wie zweideu ig is Ho s ad e s Idee om An iin ellek ualismus im ame-
ikanischen Leben?77 Louis B. W igh , Di ek o de Folge Lib a y, bemängel e in seine
Rezension, dass Ho s ad e keine De ini ion des In ellek uellen bie e und ihm das on den
An iin ellek uellen kul i ie e Feindbild das Po ä e se ze.78 Schon das knappe Vo wo
kann i i ie en. Do o enba Ho s ad e dem Lese , dass e den An iin ellek ualismus dem
Um ang des Buches und dessen sys ema ische Gliede ung zum T o z ga nich zum Gegen-
s and eine wissenscha lichen Gesam da s ellung, eine » o mal his o y«, gemach habe.
Vielmeh diene ihm » he idea o an i-in ellec ualism« lediglich als We kzeug, Behel smi el
ode Kuns g i , man könn e ielleich soga übe se zen: als T ick, »as a de ice o looking
a a ious aspec s, ha dly he mos appealing, o Ame ican socie y and cul u e«. De Lese
habe »a pe sonal book« o sich, dessen Da legungen einzelne Ta sachen o ganisie und
behe sch seien on den Ansich en des Au o s.79
Diese Ansich en kommen un e kennba do zu Sp ache, wo de Au o die Idee des
In ellek ualismus auseinande leg (wobei e diesen Beg i nu sel en und beiläu ig e -
wende , haup sächlich mi Bezug au die pu i anische T adi ion).80 Wie sich zeig , is es ü
die in ellek uelle Tä igkei cha ak e is isch, dass sie eine Sache nich nu in ih e Ta säch-
lichkei be ach e , sonde n un e e schiedenen, wechselnden Aspek en. In ellek uali ä is
das Me ie de Nuancen, de Abs u ungen und Einsch änkungen, de Scha ie ungen und
Übe blendungen, ku zum: das Reich de Ambigui ä . Jedes in ellek uelle Buch is ein pe -
sönliches Buch. In diesem Buch, » he mos comple e exp ession o Ho s ad e ’s poli ical and
cul u al philosophy«,81 sind die Thesen, die ielleich ehe Poin en heißen soll en, du chweg
im he o ischen Modus de I onie o mulie .82 An iin ellek ualismus is dann Unemp äng-
lichkei ü I onie, das Fehlen eines Senso iums ü Ambigui ä .
Vom An iin ellek ualismus als Hal ung (»a i ude«) heiß es im e s en Kapi el: »i is
no usually ound in a pu e o m bu in ambi alence.«83 Diese Gedanke is Ho s ad e so
wich ig, dass e ihn wiede hol . Das Publikum eile sich nich ein ach »in o in ellec ual
and an i-in ellec ual ac ions«; ein g öße e Teil sei »in used wi h enough ambi alence
77 De Rezensen de Ame ican His o ical Re iew ag e k i isch: »Wha , hen, is he essen ial subjec ma e o his
s udy? Is i a his o y o he changing s a us and epu e o he in ellec ual class in Ame ica? O he his o y o a body o
ideas? O he his o y o a psychological s a e, compounded o suspicion and hos ili y? In he p esen book Ho s ad-
e nowhe e aces hese ques ions squa ely« (Bes o 1965, 1119).
78 W igh 1963, 652.
79 Ho s ad e 1963, ii. Dass Ho s ad e den An iin ellek ualismus en gegen seine Absich e dinglich habe, is de
Vo wu on Gleason 1966, 241: »an i-in ellec ualism is ea ed as a hing which has objec i e eali y, a he han
being consis en ly handled as a concep ual ins umen , a pe spec i e upon objec i e eali y.«
80 Ho s ad e 1963, 28, 33, 46 Anm. 7, 64, 137, 175, 204, 246, 281, 343, 399, 42 und 431.
81 Fabe 2006, 310.
82 Z.B. Ho s ad e 1963, 43: »In ea lie days, a e all, i had been ou a e as a na ion no o ha e ideologies bu o be
one.« Ode ebd., 345: »Li e-adjus men educa o s would do any hing in he name o science excep encou age chil-
d en o s udy i .« Zu I onie als du chgehende lei ende Hinsich on Ho s ad e s Geschich sbe ach ung, die sich
z.B. in seine Vo liebe ü das Ad e b »cu iously« zeig , gl. Howe/Finn 1974, 3–5 und Kazin 1999, 343–344.
83 Ho s ad e 1963, 7.
Bahne s: Ho s ad e und de An iin ellek ualismus | 123
abou in ellec and in ellec uals«.84 Und das soll auch ü die dezidie en K i ike des
In ellek s gel en; sie seien »almos always ambi alen abou i «.85 Diese Ambi alenz is
nun mi Ambigui ä nich zu e wechseln. Ambigui ä , auch wo einem Au o die eigenen
Unkla hei en nich deu lich sein mögen, beleg die Beschä igung mi einem P oblem,
den Eins ieg in das Du chdenken de Schwie igkei en, is Ausweis on in ellek uelle
K a , wenigs ens als Po en ial. Ambi alenz dagegen, de un e mi el e Zwiespal in de
Bewe ung, is ein Ausd uck on Schwäche; bei den K i ike n des In ellek s beweis die
Ambi alenz nu , dass sie sich seine Mach nich en ziehen können. Laschs Fehlanzeige
is zu e gänzen: Ho s ad e igno ie den An iin ellek ualismus, den man auch bei In el-
lek uellen an i – und komplemen ä dazu zieh e ga nich e s in Be ach , dass de
An iin ellek ualismus, de au In ellek uelle mi Abweh eagie , einen in ellek uellen
Gehal haben könn e.86
Ho s ad e , de in de Indus ies ad Bu alo au gewachsen wa und in New Yo k Ci y
seine geis ige Heima and, assoziie e In ellek uali ä mi U bani ä , dem g oßs äd ischen
Habi us, de sich au Fe nliegendes aus ich e und au Ve schach el es eins ell . De An i-
in ellek ualismus, diesen Eind uck e mi el das Buch, is in Ame ika übe all, abe auch
übe all au dem Rückzug, a los und dahe auch mach los gegenübe dem »new u ban
s yle«.87 Geländegewinne des »olde Ame ica« bleiben punk uell und empo ä ; es besieg e
zwa Al Smi h, den demok a ischen P äsiden scha skandida en des Jah es 1928, weil sich
die Wähle in den ländlichen Regionen Angs o dem Ka holiken Smi h einjagen ließen,
abe e ha e aus seine Pa ei »an u ban and cosmopoli an o ce« gemach , so dass sie on
1932 an die Wahlen gewann.88 Schon 1955 ha e Ho s ad e lakonisch es ges ell : »I is
he ci y, a e all, ha is he home o in ellec ual complexi y.«89 So woll e e in The Age o
Re o m e klä en, dass de Populismus, eine Bewegung aus den Tie en des Landes, sich Ve -
ände ung und de en Ve hinde ung zu ein ach o ges ell habe, als Resul a des gu en ode
bösen Willens e schwo ene Einzelne . Ein übe wäl igendes Ge ühl de Ohnmach inde
in »impe sonal explana ions« keinen be iedigenden Ausd uck, »excep among hose wi h a
well-de eloped adi ion o in ellec ualism«, also un e (bes imm en) S ad bewohne n. Gege
n
den sozialgeog aphischen Reduk ionismus dieses Populismusbildes p o es ie e Ch is ophe
Lasch 1969 in seine S ei sch i The Agony o he Le . Den Populis en habe »an awa eness
o he human capaci y o collec i e sel -decep ion« und dami de Ansa z ü den ma xis i-
schen Beg i de Ideologie ge ehl , dahe hä en sie »conspi a o ial explana ions o his o y«
en wickel . Abe nich alle diese E klä ungen wa en Ve schwö ungs heo ien gemäß dem
84 Ebd., 19.
85 Ebd., 21.
86 Ähnlich wie Lasch Wel e 1964, 482: »i migh ha e been wise had he aken in o accoun he c i icisms ha many o
ou mos dis inguished in ellec uals ha e di ec ed a con en ional de ini ions o in elligence and a ionali y.«
87 Ho s ad e 1963, 117.
88 Ebd., 12.
89 Ho s ad e 1955a, 73. Do auch das olgende Zi a .
124 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
ideologiek i ischen Gemeinpla z. »They could ake he o m o a sophis ica ed economic
de e minism – as in Cha les Bea d’s economic in e p e a ion o he Cons i u ion.«90
Bei Ho s ad e is »sophis ica ed« eines de Synonyme ü in ellek uell im empha ischen
sozialk i ischen ode geschich sphilosophischen Sinne des Buches on 1963: Landwi e bil-
den sich noch ein, sich die »bookish o scien i ic ideas« on »sophis ica ed c i ics« nich
anhö en zu müssen,91 wäh end »small poli icians and small businessmen« in ih em Be u s-
all ag den »be e educa ed and mo e sophis ica ed expe s« schon nich meh aus dem Weg
gehen können,92 und den In ellek uellen schein de Ve s and on P äsiden Kennedy »ale
and capacious, sophis ica ed and skep ical«.93 Laschs poin ie e Wü digung Bea ds b ing
Ho s ad e s Schema ismus du cheinande . Indem Lasch die Rolle eines geis igen Enkelschü-
le s on Bea d annahm, mach e e schon zu Lebzei en Ho s ad e s deu lich, dass seine Be-
wunde ung ü seinen Men o nich zum Ahnenkul e s a en soll e.
Im Buch übe die p og essi en His o ike wü dig Ho s ad e Bea ds Un e suchung de
Ve mögens e häl nisse de Mi gliede des Kon en s on Philadelphia als Vo wegnahme de
p osopog aphischen Me hode, mi de Si Lewis Namie die Zusammense zung des engli-
schen Un e hauses o den Pa lamen s e o men des 19.Jah hunde s analysie e. Namie ,
aus Polen nach England eingewande , wa ein Außensei e in de englischen akademischen
Eli e und en zaube e mi seine g ündlichen Dokumen a ion de Ne zwe ke eine Klien el-
s aa swi scha die idealis ische Selbs besch eibung de Pa lamen skul u , die Whig In e -
p e a ion o His o y.94 Ho s ad e schließ den kleinen Exku s ansa lan ische Kompa a is-
ik ab, indem e einen Einwand e e ie : »I is also o some consequence he e ha a kind
o an i-in ellec ualism – a disposi ion o downg ade o igno e he signi icance o ideas – has
been cha ged agains bo h Namie and Bea d.«95 Was aus dem Einwand olgen soll, was
die Konsequenzen diese polemischen Kons ella ion sind, läss Ho s ad e o en. De Sa z
mi dem Reizwo aus dem Ti el seines be ühm en Buches s eh e a isch am Schluss eines
Un e kapi els. Meh e e Kollegen Ho s ad e s haben übe lie e , dass e sich unzu ieden
übe An i-in ellec ualism in Ame ican Li e geäuße habe.96 Dass es ü His o ike G ünde
gib , die Bedeu ung on Ideen he abzus u en, woll e e o enba dennoch nich zuges ehen.
Undenkba blieb, dass im An iin ellek ualismus eine Idee e bo gen sein könn e.
90 Lasch 1969, 7. Vgl. Ludwig 2015, 447.
91 Ho s ad e 1963, 282.
92 Ebd., 35.
93 Ebd., 228.
94 In The Va ie ies o His o y olg Namie (»His o y and Poli ical Cul u e«) au Ho s ad e .
95 Ho s ad e 1968, 212.
96 B own 2006a, 131: »An i-in ellec ualism, he con ided o William Leuch enbu g, was he only book ha g ew cold on
him.« Siehe auch ebd., 126–127 und 140.
Bahne s: Ho s ad e und de An iin ellek ualismus | 125
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