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Geo g Ecke
Philosophenp äsiden en?
Roose el , Ta und Wilson als In ellek uelle
1. Einlei ung
Ame ikanische P äsiden en haben nu sel en als Symbol igu en eine in ellek uellen Lebens-
a gegol en. Das lieg womöglich ehe an manchen Vo u eilen de jeweiligen Be ach e als
an den be ach e en Indi iduen – und insbesonde e an S uk u en, die ein besonde s in el-
lek uelles Au e en nu ausnahmsweise als augliches Hil smi el au dem Weg ins P äsiden-
enam haben e scheinen lassen: an mach poli ischen, an ins i u ionellen und eben auch an
men alen. So ha es Richa d Ho s ad e eins gewende , als e nach seinen wei hin ezipie en
S udien übe die Bedeu ung des Sozialda winismus in den Ve einig en S aa en und übe den
»pa anoiden« S il de McCa hy-Ä a am Beginn de 1960e Jah e ein ande es, daue ha es
Mus e in de ame ikanischen Poli ik und Ö en lichkei ausmach e: »An i-in ellec ualism, as
I hope hese pages ha e made clea , is ounded in he democ a ic ins i u ions and he egali-
a ian sen imen s o his coun y.«
1
De immense E olg on Ho s ad e s Buch, das ihm im Jah e 1964 den Puli ze -P eis ein-
b ach e, lag nich zule z in seine zei genössischen E idenz: imme hin diese Hauch de
His o isie ung soll hie spü ba we den. An p ominen en Anschauungsbeispielen ü »an i-
in ellec ualism« ehl e es in de ame ikanischen Poli ik damals du chaus nich . Dwigh D.
Eisenhowe und Richa d Nixon dis anzie en sich seine zei ohnehin os en a i on jedwe-
de in ellek uellen A i üde. Moch e John F. Kennedy ebenso wie eins F anklin D. Roose el
insbesonde e linkslibe alen Denke n als P ojek ions läche in ellek uelle Phan asien dienen,
so wa en de bald e mo de e P äsiden und noch meh sein Vizep äsiden und Nach olge
Lyndon B. Johnson o allem eine hand es en, um nich zu sagen: bisweilen g oben Poli-
ik und Rhe o ik e p lich e . Das legendä e »Johnson T ea men «2 wa kein akademisches
Pe suasions e ah en, sonde n e inne e ehe an die Anbahnung eine Schulho schläge ei.
1 Ho s ad e 1963, 406.
2 Woods 2007, 262–263.
Kiel-UP •
h ps://doi.o g/10.38072/978-3-910591-27-1/p4
62 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
Solche Ges al en – einen Donald T ump hä en selbs wei sich ige Zei genossen kaum
zu pe ho eszie en e moch – e hä e en noch in Ho s ad e s Gegenwa , dies e in eine
g oßangeleg en his o ischen Pe spek i e he lei e e: »E en in i s ea lies days, he egali a ian
impulse in Ame ica was linked wi h a dis us o wha in i s ge minal o m may be called
poli ical specializa ion and in i s la e o ms expe ise.«3 Ho s ad e s These wa besonde s
poin ie , ge ade in ih em implizi en Plädoye ü ein ande es, eben in ellek uelle es Ame-
ika, indes keineswegs einziga ig. In manchem gemahn e sie as an Alexis de Tocque ille,
dessen Diagnose eines T iumphs de Gleichhei übe die F eihei in de Jacksonian Demo-
c acy wei hin in So gen nachhall e, die He scha de Volksmassen we de den besonde s
Ve nün igen eine ges al ende Mi wi kung in de Poli ik s e s e weh en:
»In den Ve einig en S aa en hasse das Volk die höhe en S ände nich , will ihnen abe auch
nich besonde s wohl, und häl sie so g äl ig on de Mach en e n . Es ü ch e die g o-
ßen Talen e nich , inde abe auch keinen Geschmack an ihnen. Im Allgemeinen beme k
man, daß alles, was sich ohne seinen Beis and e heb , mi Mühe seine Guns e lang .«
4
Sei he gehö e es zu eine gängigen Meis e e zählung, einen an zähl- ode wenigs ens g ei -
ba en E gebnissen o ien ie en P agma ismus als Ke n eines ame ikanischen »Wesens« au -
zu assen. Ein ande e libe ale Zei genosse Ho s ad e s, de His o ike Hen y S eele Comma-
ge , ha e wenige Jah e o dessen »An i-in ellec ualism« eben den P agma ismus als eine
»philosophy o expediency« mi en im »Ame ican Mind« lokalisie .
5
Bis heu e e geben sich da aus p ominen e Züge des ame ikanischen Selbs bildes wie des
F emdbildes beim Blick au die Ame ikane , ob nun a i ma i ode pejo a i nachgezeich-
ne – auch in ikonog aphische Ve dich ung: e wa P äsiden en, die sich im 20.Jah hunde
bisweilen ge ne in Cowboys ie eln p äsen ie en, ode iele ih e Vo gänge des 19.Jah -
hunde s, die sich des o os en a i e als Männe des Volkes o Blockhü en inszenie
ha en, je wei e en e n ih e He kun on de F on ie lag, geog aphisch wie men al: pa a-
digma isch e wa William Ha ison, de aus eli ä em Hause s amm e, sich im Wahlkamp des
Jah es 1840 abe als us ikale Mann aus de Wildnis gab.6 Es he sch also wah lich kein
Mangel an P äsiden en und ande en p ominen en ame ikanischen Poli ike n, die sich ganz
und ga nich in ellek uell zeig en.
Umso spannende e scheinen die Ausnahmen on diese Regel, denen sich diese Es-
say zuwende : die p äsiden ielle T ias on Theodo e Roose el , William Ta und Wood ow
Wilson, die am An ang des 20.Jah hunde s au gewisse Weise » epublican a ian s o
3 Ho s ad e 1963, 151.
4 Tocque ille 1836, 35.
5 S eele Commage 1950, 95.
6 Shade 2014, 166.
Ecke : Philosophenp äsiden en? | 63
he philosophe -kings«7 e kö pe en: »The p esence o Roose el , Ta , and Wilson in he
p esiden ial o ice demons a es ha Ame icans ha e no always been sa is ied wi h me e
esul s, bu ha e on impo an occasions insis ed on hones y and wisdom, and on in ellec-
ually de ensible me hods o achie ing esul s«,8 so ha es eine Ho s ad e -inspi ie e Fo -
schung schon einmal gedeu e . Diese Philosophenp äsiden en poin ie zu e kunden, be-
da zunächs einige beg i liche Vo beme kungen, sodann eine ku zen P osopog aphie
und schließlich eines Blicks in einschlägige Quellen, um zugleich Chancen wie G enzen
des Ho s ad e ’schen (An i-)In ellek ualismusbeg i s zu e kunden. E hil eine poli ische
Sonde konjunk u ü Poli ike zu e klä en, die sich am Beginn des 20.Jah hunde s als
in ellek uelle Ges al en und Ges al e zu p äsen ie en wuss en.
2. »In ellek uelle« P äsiden en: Beg i liche Übe legungen
Die F age nach dem An iin ellek uellen und mi hin auch nach dem In ellek uellen is nich
meh als ein he meneu isches Hil swe kzeug, um die Biog aphien einzelne Ak eu e besse
zu e s ehen: jensei s de essen ialis ischen Anmaßung, einzelnen P o agonis en ein scha -
es Zeugnis übe o handene ode nich o handene In ellek uali ä auszus ellen. Kul u -
geschich lich gewende , weis diese F age in eine ande e Rich ung: hin zu Denkmus e n,
E wa ungshal ungen, Handlungss uk u en – und Selbs inszenie ungen. Wie man In ellek-
ualismus im Einzelnen auch de inie en mag, e kann im Sinne eines Habi us beziehungs-
weise S ils gemein sein, im Sinne eine Me hode espek i e A bei sweise ode im Sinne
eine spezi ischen A und Weise, die Wel zu e s ehen und zu deu en. So p agma isch ieb
auch Ho s ad e seine Un e suchung o an: »wha I ha e done is me ely o use he idea o
an i-in ellec ualism as a de ice o looking a a ious aspec s, ha dly he mos appealing, o
Ame ican socie y and cul u e.«
9
Was manchen als de ini o ische Mangel e scheinen mag, e ö ne zugleich einen iel e -
sp echenden Ausweg aus einem beg i lichen Dilemma. Den mode nen Beg i des In ellek-
uellen bes imm sei jehe de iel ach obend ein no ma i übe höh e Ansp uch, meh ode
minde undamen ale Sys emk i ik zu üben;10 inso e n wä en wohl selbs pla onische Philo-
sophenkönige jensei s alle kan ianischen Bedenken am Ende keine In ellek uellen meh ,
e s ech nich eale S aa smänne in üh enden Posi ionen – eo ipso, weil sie im Regel all
kaum ande s zu handeln e mögen als sys emkon o m. Mach ha man meis ens nu »in
den Ve häl nissen«, sel en »übe die Ve häl nisse«.11 Im eigen lichen Sinne als In ellek uelle
7 Bu on 1988, P e ace.
8 Ebd., 191.
9 Ho s ad e 1963, ii.
10 Mo a 2011.
11 Meie 1980, 23–24.
64 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
könn en dann nu Re olu ionä e gel en, indem sie nich » on oben« agie en. Indem Ho -
s ad e s He angehensweise jus nich au ein subs an iell opposi ionelles Momen ziel , e -
ö ne sie o zügliche E kenn nismöglichkei en. Sie e laub sys ema isch, auch Regie ende
als In ellek uelle zu be ach en, weil sie umgekeh An iin ellek uelle keineswegs au eine
Funk ion des Au begeh ens e p lich e . Ho s ad e e s and un e »An iin ellek ualismus«
eben keine poli ische Posi ionsbes immung, sonde n eine Besch eibung, wie sich Poli ike
geben: »a esen men and suspicion o he li e o he mind and o hose who a e conside ed
o ep esen i ; and a disposi ion cons an ly o minimize he alue o ha li e.«12 Umgekeh
mach en ü Ho s ad e nich spezi ische Übe zeugungen den In ellek uellen aus, sonde n
eine spezi ische Denk- und Lebensa , man könn e auch sagen, eine Pose:
»The di e ence is no in he cha ac e o he ideas wi h which he wo ks bu in his a i ude
owa d hem. I ha e sugges ed ha in some sense he li es o ideas – which means ha
he has a sense o dedica ion o he li e o he mind which is e y much like a eligious
commi men .«
13
Wenigs ens d ei Spiela en on In ellek uali ä lassen sich au de Basis diese De ini ion, de en
T ag ähigkei es zu es en gil , asch konzipie en. E s ens gehö zum »li e o he mind« un-
zwei elha de Glaube, in diesem Falle de ch is liche, übe wiegend cal inis ische. Folg man
diesem Gedankengang, wä en ausge echne einige de jenigen ame ikanischen P äsiden en, die
man in ui i am wenigs en da ü hal en mag, dezidie als In ellek uelle zu we en, um nich
zu sagen: die meis en, weil auch eine gewisse os en a i e F ömmigkei imme wiede als we-
sen liche p äsidiale Eigenscha igu ie e. Zwei ens läss sich In ellek uali ä in diesem Sinne
mi (klassische ) Bildung e binden. Ein In ellek uelle wä e demzu olge jemand, de seine
We schä zung des »li e o he mind« als »man o le e s« ausleb , wie pa adigma isch Thomas
Je e son; de lei zu e assen, wä e Au gabe eine umsich igen Sozialisa ionsgeschich e. Ge ade
die Geschich e de e s en ame ikanischen P äsiden en wä e als eine Bou dieu-inspi ie e Un e -
suchung on Eli enkon inui ä da s ellba , die sich in »in ellek uellen« Codes des Redens und
Ve hal ens pe pe uie ha . F eilich li e sie an eine zwei elha en P ämisse, nämlich de jeni-
gen, dass ein In ellek uelle zwingend übe klassische Bildung e ügen müsse. D i ens abe ,
so mach es sich diese Essay zu eigen, ließe sich mindes ens noch au eine wei e e, ielleich
besonde s p oduk i e Weise nach In ellek uali ä in de Ges al eines Bekenn nisses zu Wis-
senscha und wissenscha liche Expe ise agen: nich in eine schöngeis igen Eng üh ung,
sonde n in eine Wei ung au alle Disziplinen. Eine solche Analyse weis den Vo eil au , In el-
lek uali ä on besonde e Begabung zu en koppeln und keine E olgsgeschich e on »G ea
Men« anheimzu allen. Eine besonde e We schä zung des »li e o he mind« se z mi nich en
besonde e Be ähigung zu dessen Realisie ung o aus, sie kann soga eine bloße Pose da s ellen.
12 Ho s ad e 1963, 7.
13 Ebd., 27.
Ecke : Philosophenp äsiden en? | 65
In ellek uali ä , in Fo üh ung de Ho s ad e ’schen De ini ion e s anden, bedeu e eben-
sowenig eine pe sönliche Eigenscha wie ih e Nega ion, sonde n schlich ein Bekenn nis
zu In ellek uali ä als poli ische Ressou ce – und mag es nu ein o gebliches, ein kuns -
oll inszenie es sein. Um ein jünge es Beispiel zu geben: Als Ronald Reagan in eine Fe n-
sehansp ache im Juli 1981 mi dem Finge au ein Diag amm hin e sich zeig e, au dem
die La e -Ku e segens eiche E ek e eine S eue senkung sugge ie e, handel e e diese
De ini ion gemäß ausgesp ochen in ellek uell – indem e sich a i ma i au eine damals an-
gesag e wi scha swissenscha liche Theo ie bezog, jeden alls wesen lich in ellek uelle als
sein spä e e Nach olge Bill Clin on, de im e olg eichen Wahlkamp des Jah es 1992 ga
keine Ökonomen meh bemüh e, sonde n den nich sonde lich wissenscha sa inen Slogan
»I ’s he economy, s upid«. Es kann eilich nich da um gehen, Globalaussagen übe ganze
P äsiden scha en zu e en ode P äsiden en in de e mein lichen » o ali y o hei men al
li es«14 zu e s ehen: zu e o schen, we seinem Wesen nach ein In ellek uelle gewesen sein
mag, ge ä leich zu he meneu ischen Anmaßung. Gu zu e kunden is hingegen, we sich
in Sp ech- und ande en Ak en selbs als In ellek uellen p äsen ie ha und als solche wah -
genommen wu de (ode eben auch nich : We als in ellek uell gil , bes immen imme die
ande en). Als »in ellek uelle « P o agonis igu ie in diesem Sinne eben be ei s ein solche ,
de sich s a zu einem Reku s au den bloßen »common sense« os en a i zu eine in ellek-
uellen Spiela on Poli ik bekann ha .
In spezi ischen Momen en s ell e eine solche Inszenie ung, de en Un e suchung hie
im Mi elpunk s ehen soll, eben keinen Gegensa z, sonde n ielmeh den Inbeg i auch
ha e Mach poli ik da . In ellek uali ä ode An iin ellek uali ä meinen also ge ade keine
Wesensdiagnose einzelne Ak eu e schlech hin. Vielmeh dien die Hal ung spezi ische
P o agonis en zu eine in diesem Exempel wissenscha lich kon u ie en In ellek uali ä als
his o iog aphisches P isma: insbesonde e, wenn man sie nich als Re lexion eines unwan-
delba en ame ikanischen Wesens e s eh , sonde n ge ade nach jenen Momen en such , in
denen Zei genossen in ellek uell p o ilie e Poli ike e wa e en und Kandida en ge ade ü
das P äsiden enam diesen E wa ungen zu genügen bemüh wa en. Ob sie wi klich in el-
lek uell wa en, spiel dabei keine Rolle: Es eich , dass sie sich in ellek uell gaben und eine
Au a als (kommende) Philosophenp äsiden en kul i ie en.
In de ame ikanischen Geschich e gab es wenigs ens zwei länge e Phasen, in denen o -
nehmlich Philosophenp äsiden en ge ag wa en.15 Eine da ie gleich om Beginn de Repu-
blik. Geo ge Washing on wa zwa ehe als Held des Unabhängigkei sk ieges bekann , abe
insbesonde e seine Nach olge John Adams, Thomas Je e son und James Madison ha en
auch als poli ische Publizis en eüssie : du chaus mi geleh en Ambi ionen, die alle dings
spä es ens im Zei al e de Jacksonian Democ acy nich meh ge ag wa en. Kaum ein schä -
e e Kon as is denkba als de jenige zwischen And ew Jackson, de eben aus »Old Hicko y«
14 Hie lieg denn auch de zen ale Un e schied zu He angehensweise on: Bu on 1988, P e ace.
15 Bu on 1988, P e ace.
66 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
und nich aus Belesenhei geschni z wa , und seinem unmi elba en Am s o gänge John
Quincy Adams, de in meh e e Akademien gewähl wo den wa und un e ande em Le e s
on Silesia e ö en lich ha e. Ih e jeweiligen S ile en sp angen eilich nich nu indi idu-
ellen Vo lieben, sonde n wa en an kollek i e E wa ungen geknüp : Viele Zei genossen de
ame ikanischen G ünde ä e se z en inso e n au quasi-pla onische Philosophenp äsiden-
en, als sie eine He scha de Bes en idealisie en, und zwei el en am We des Vo ums
eine Meh hei , die ielen e wa beim u bulen en Am san i And ew Jacksons als bloße
Mob e schien. Es is kein Zu all, dass eine solche Idealisie ung de angeblich Klügs en mi
de Auswei ung des Wahl ech s an Wi kungsmach einbüß e, Tocque ille besch ieb diesen
Zusammenhang eingängig.
Nunmeh begann eine Ä a, in de die Zugehö igkei zu eine Eli e als wenig wahlkamp -
auglich emp unden wu de. Zum Helden de jungen, expandie enden Republik wu de in de
Mi e des 19.Jah hunde s ehe de »common man«, pa adigma isch e kö pe om Au -
s eige And ew Jackson, abe auch selbs on Os küs ena is ok a en wie dem besag en P ä-
siden en William Ha ison und seinem Vizep äsiden en John Tyle . Sie ließen sich au Wahl-
plaka en eben nich in eine kuns ollen Villa, sonde n demons a i mi einem Cide -Fass
o ein ache Behausung inszenie en. Auch nach dem Bü ge k ieg schien es P äsiden en und
P äsiden scha skandida en wenige oppo un, sich als in ellek uell zu geben: Mili ä ische
Me i en zähl en meh als Bekenn nisse zu mode nen Wissenscha , wie die Beispiele on
Ulysses G an , James Ga ield ode Win ield Sco Hanock, Gegenkandida on Ga ield, zei-
gen. Bibel es igkei wie bei G o e Cle eland ode William McKinley ode Silas C. Swallows,
Kandida de P ohibi ion Pa y im Jah e 1904, gal meh als Bildung. Das ju is ische Hand-
we k eines Ru he o d B. Hayes sam seinem Gegenkandida Samuel J. Tilden ode eines
Benjamin Ha ison schien ele an e als akademische Belesenhei . Os en a i e Volksnähe
blieb die en scheidende, nich akademische, nich - ode soga an iin ellek uelle Quali ika ion,
que du ch die Pa eien. Zumindes emp anden Eli en so, die ih e Inszenie ung als Poli ike
au diese Übe zeugungen – und mögen es nu un e s ell e gewesen sein – g ünde en.
Das Pa hos de P ogessi e E a, mi as losen Re o men die Ve einig en S aa en neu zu
e inden, e lang e indes nach neuen poli ischen Inhal en ebenso wie nach neuen poli-
ischen Fo men, olglich auch nach neuen Poli ike ypen. Sie wu de zu zwei en Phase
de ame ikanischen Geschich e, in de Philosophenp äsiden en zu einem b ei ane kann en
Ideal ge ie en – jeden alls inso e n, als nun Kandida en immense Popula i ä genossen, die
sich imme wiede au eine wissenscha liche G undie ung ih e Poli ik be ie en. Wie es
Ho s ad e selbs einschä z e: »I was he mo al and in ellec ual equi emen s o he pe iod
which pu i s in ellec uals in unp eceden ed appo no only wi h he Ame ican public bu
wi h he coun y’s poli ical leade s.«16 Ge ade ein solches Um eld ließ d ei Ak eu e ges al-
ungsmäch ig we den,17 die man gemeinsam zu eine »lea ned p esidency« zählen kann:
16 Ho s ad e , 198.
17 Bu on 1988, 191–192.
Ecke : Philosophenp äsiden en? | 67
Theodo e Roose el , William Howa d Ta und Wood ow Wilson – sie e kö pe en und
e mi el en eine »lea ned p opo ion o he o ice«, » e ealing hei exe cise o i s powe s in
a ashion in luenced by hei schola ly awa eness o bo h he pas and he p esen «.18
In diese Hinsich o m e die Wahl des Jah es 1912 den ielleich in ellek uells en Momen
ame ikanische Poli ik. Damals konku ie en de Al p äsiden Roose el , de am ie ende
P äsiden Ta und de am Ende sieg eiche P äsiden scha skandida Wilson. Von diesem
Wahlkamp selbs handel die o liegende S udie alle dings nich , wiewohl eine lohnenswe -
e Un e suchung un e eine solchen F ages ellung bislang noch auss eh , sonde n ielmeh
on Momen en, in denen sich diese d ei Poli ike au cha ak e is ische Weise als In ellek-
uelle zeig en. Diesen Zusammenhang zu e klä en, is Anliegen des o liegenden Au sa zes,
nich die Auseinande se zung mi eine übe geo dne en These wie de jenigen, »Roose el ,
Ta , and Wilson all espec ed lea ning and knowledge o hei own sake«.19 De lei eich
wei übe das hinaus, was diese kleine S udie zu leis en e mag. Ih A gumen a ionsziel is
wei aus bescheidene : E möch e einzelne Gelegenhei en be ach en, an denen die d ei Ge-
nann en sich in besonde e Weise als In ellek uelle p äsen ie en – als Philosophenp äsiden en,
de en wissenscha lich e lek ie e Füh ung das Land bedü e.
3. Eine Neue indung de P äsiden scha : P osopog aphische Annähe ungen
Zumindes eine p osopog aphischen Annähe ung beda es dabei gleichwohl.
20
Sie zeig : Bei
allen inhal lichen wie pe sönlichen Di e enzen e band Roose el , Ta und Wilson, dass sie
einen poli ischen In ellek ualismus pe soni izie en und auch au diese Weise die ame ikani-
sche P äsiden scha neu e anden. Dami is mi nich en gesag , dass sich in ih en Ka ie en
nich auch dezidie an iin ellek uelle Momen e änden. Ausge echne im Wahlkamp des
Jah es 1912 emp and beispielsweise Roose el ganz und ga keine Scheu, gegen Wilson das
Klischee eines abgehobenen Akademike s zu bedienen.
21
Gleichwohl p leg en alle d ei jeden alls in bes imm en Momen en einen en schieden in-
ellek uellen Poli iks il, a en in einem in ellek uellen Ges us au – ange angen mi Theo-
do e Roose el , den us ikalen »Rough Ride «, den man zunächs nich unbeding ü einen
In ellek uellen hal en mag. Genau als einen solchen indes bezeichne e ihn alle dings aus-
ge echne Wood ow Wilson, de nach einem Gesp äch mi dem damaligen Gou e neu
Roose el seine F au on dessen »sane, academic side« be ich e e;22 blick man au ih Ve -
18 Ebd., 191.
19 Ebd., P e ace. Bu on selbs weis da au hin, dass auch Ru he o d B. Hayes und James Ga ield einige geleh e
Me i en e ungen ha en: ebd., 35.
20 In g öße em Maßs ab angezeichne is diese A gumen a ionslinie bei: Bu on 1988.
21 Be g 2017, 69. Inwie e n die Wahl und de Wahlkamp einen ans o ma i en Momen ausmach en, s ell da : Chace
2004.
22 Zi ie nach Mil on Coope 1983, 60 [He o hebung im O iginal].
68 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
häl nis zu me hodischen P inzipien, wa de »Ama eu « Roose el womöglich soga wissen-
scha liche als de »P o i« Wilson,23 nachge ade on klein au . En sp echende A ini ä en
lassen sich schon an seine He kun es machen, Roose el s amm e aus eine e mögen-
den und kul u bewuss en Familie, sein Va e wa imme hin Mi beg ünde des Me opoli an
Museum o A . Um seinen wissenscha lichen Eh geiz zu dokumen ie en, benö ig e de
junge Roose el nich e s eli ä e Bildungs eisen nach Eu opa und Ägyp en. Sys ema ische
Na u beobach ungen ha e e schon zu o anges ell und seine Na u al His o y on Insec s
mi Aus üh ungen übe Ameisen begonnen, die lau dem noch kindlichen, abe eben be-
ei s ech e wachsen o mulie enden Roose el allesam »na i e o No h Ame ica« seien,24
spä e be ieb e o ni hologische S udien. Seinen akademischen Eh geiz leb e e alle dings
nich in seinem ju is ischen S udien ach aus, sonde n als Vie undzwanzigjäh ige au ande e
Weise: The Na al Wa o 1812 (1882), bis heu e ein ma inehis o isches S anda dwe k, wa
Roose el s e s e Publika ion, doch keineswegs die le z e – auch diesem Thema blieb e spä e
e bunden, als e e wa Al ed Thaye Mahans so wi kungsmäch iges Buch übe The In luence
o Sea Powe upon His o y ezensie e.25
Roose el s wei e e Ka ie e e gab ein Wechselspiel on Tä igkei en, die nich imme
allzu übe leg anmu en, und de en publizis ische Re lexion. So be ach e , sind nich die
wilden Ri e du ch die Landscha die eigen lich spek akulä en Mo i e in seine Biog aphie,
sonde n sein eno me Eh geiz, die eigenen waghalsigen Aben eue umgehend li e a isch
zu e a bei en. Sein Cowboydasein nach de Wahl des Jah es 1884 p äsen ie e e in di-
e sen Magazinbe ich en on de »F on ie « und in gleich d ei Büche n: Hun ing T ips
o a Ranchman (1885), Ranch Li e and he Hun ing-T ail (1888), The Wilde ness Hun e
(1893) – du chaus ein Mode hema g oße Geleh e jene Zei .26 Roose el e ass e ein
gleich zweibändiges Winning o he Wes , gelob un e ande em on F ede ick Jackson
Tu ne , und such e da übe soga den Aus ausch mi einem k i ischen Rezensen en, Wil-
liam F ede ick Poole,27 damals P äsiden de Ame ican His o ical Associa ion, de Roose-
el wiede um nach dem Ende seine P äsiden scha spä e einmal selbs o s and, eine
gewich ige his o iog aphische Ansp ache bei de en Jah es e sammlung 1912 eingeschlos-
sen.28 Auch ansons en ließ es Roose el nich bei Ta en bewenden, sonde n e lieh ihnen
mi ausd uckss a ken Wo en den gebüh enden in ellek uellen Nachd uck. De An üh e
de Rough Ride s leg e in einem gleichnamigen Buch (1899) Rechenscha on seine kuba-
nischen Mission ab, seine Au obiog aphie (1913) wa mi nich en die le z e Handlung eines
Poli ike s auße Diens , sonde n ein wei e es Buch eines Au o en, de in ganz un e schied-
23 Ebd., 61.
24 Roose el 1869, P e ace.
25 Bu on 1988, 48–49.
26 Ebd., 55.
27 U ley 1944, 496.
28 Bu on 1988, 78.
Ecke : Philosophenp äsiden en? | 69
lichen Gen es eüssie e. Zu Roose el s We kausgabe gehö nich on unge äh ein Band
mi dem Ti el Li e a y Essays.29
Auße gewöhnlich wa en also wenige seine Hands eiche als solche, sonde n eben de-
en sys ema ische li e a ische Ve a bei ung. Fü Roose el bes and kein Gegensa z zwischen
Mach poli ike und Schöngeis , ielmeh lei e e e aus seine Belesenhei nachge ade einen
Füh ungsansp uch ab.30 Ge ade Kul u ö de ung (zu de au gewisse Weise auch sein Enga-
gemen ü den Na u schu z gehö e) be ach e e e in seine P äsiden scha als na ionale
Au gabe, eilich nich um ih e selbs willen: sonde n weil »a is ic« und «ma e ial wel a e«
seine Ansich nach mi einande einhe gingen, wie Roose el angelegen lich des on ihm be-
iebenen Ankau s de F ee ’schen Sammlung du ch das Smi hsonian Ins i u e e künde e.31
Auch angesich s dessen kann man ge os kons a ie en: »lea ning was an ope a i e ac o once
TR assumed o ice«32 – ehe e es wiede e ließ, wu de es bezeichnende weise eine seine
le z en Am shandlungen, die E ich ung eines na ionalen Council o Fine A s33 anzuo dnen.
De in ellek uelle Glanz William Howa d Ta s mag e was ge inge gewesen sein: iel-
leich kein »b illan mind«, da ü abe imme hin »able« und seh a bei sam.34 In welchem
Maße e als P äsiden au die E ungenscha en de Wissenscha e au e, is un e an-
de em seine Bo scha an den Kong ess am 6. Dezembe 1910 abzulesen: »The me hod o
impa ial scien i ic s udy by expe s as a p elimina y o legisla ion, which I hope o see ul i-
ma ely adop ed as ou ixed na ional policy wi h espec o he a i , i e s and ha bo s, wa-
e ways, and public buildings,« bedu e ü Ta keine wei e en Rech e igung, zu e iden
schienen ihm die Vo züge eine solchen Vo gehensweise.35 Jus mi Blick au eine geplan e
Bank- und Wäh ungs e o m mahn e e Sena o en und Abgeo dne e, einen exak en Ve gleich
mi Geschä sme hoden und Ein ich ungen ökonomisch konku ie ende Na ionen anzu-
s ellen: »I u ge upon Cong ess he impo ance o a nonpa isan and disin e es ed s udy and
conside a ion o ou banking and cu ency sys em.«36 Ta gab den e ns ha en Denke übe
den igno an en Pa eien, auch in ande en Reden, e wa in seine Annual Message des Jah es
1912. Da in P lich en zu hema isie en, »which equi e wise disc e ion and in ellec ual ac i-
i y«,37 gehö e wesen lich zu seinem Selbs -und Am s e s ändnis.
Hie un e schied sich Ta on Roose el kaum in seine Selbs wah nehmung und in sei-
ne Selbs inszenie ung, wohl abe in de He kun . E s amm e keineswegs aus de Bildungs-
29 Ebd., 58.
30 Ebd., 62.
31 Zi ie nach Gould 1991, 227.
32 Bu on 1988, 62.
33 Gould 1991, 228.
34 Bu on 1988, 91.
35 Ta 1910, 29.
36 Ebd., 29.
37 Zi ie nach Bu on 1988, 126.
76 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
neswegs nu landläu igen S e eo ypen e p lich e e Übe legungen übe Rasse sowie »na u al
selec ion« anges ell ha e,71 eklamie e ü sich und seine Gegenwa nun, einen »g ea ly
inc eased espec na u ally esul ing o scien i ic me hods«, e ungen zu haben.72 Seine Au -
gabe o mulie e e kla : »we mus insis upon he his o ian o mankind wo king in he scien-
i ic spi i , and using he easu e-houses o science« – in dem eben die besag en Analogien
zwischen de E olu ionsgeschich e im Tie eich und un e den Menschen zu inden seien.73
Au das, was Roose el hie sag e, komm es in diesem Kon ex ielleich wenige an
als da au , wie e es sag e: E s mus e e de in ensi e Da win-und Huxley-Lese 74 di e se
Tie a en, dann Zi ilisa ionen aus de gesam en Wel geschich e. Sein Thema, so sugge ie e
de Redne , ha e e ande s kaum wählen können: »I is his s udy which has gi en science
i s p esen -day p ominence.«75 Schließlich widme sich die zei genössische Wissenscha de
Au gabe, » o pene a e he causes o he mys e ies ha su ound no only mankind bu all
li e, bo h in he p esen and in he pas «.76 Da aus en wickel e Roose el nich e wa eines
de üblichen Übe legenhei sna a i e, sonde n be e e die Au gabe de wes lichen Mode ne
in einen g öße en wel geschich lichen Kon ex ein: »In he long un he e can be no jus i i-
ca ion o one ace managing o con olling ano he unless he managemen and con ol a e
exe cised in he in e es and o he bene i o ha o he ace.«77 Vo allem kulminie e seine
Rede in einem wissenscha lichen Ansp uch, dem sich die de zei dominie enden Na ionen
s ellen müss en. Mu en uns manche Un e öne heu e be emdlich an, so soll en sie ü Zei -
genossen zwei ellos in ellek uell klingen:
»Le us hope ha ou own blood shall con inue in he land, ha ou child en and chil-
d en’s child en o endless gene a ions shall a ise o ake ou places and play a migh y and
dominan pa in he wo ld. Bu whe he his be denied o g an ed by he yea s we shall
no see, le a leas he sa is ac ion be ou s ha we ha e ca ied onwa d he ligh ed o ch
in ou own day and gene a ion. I we do his, hen, as ou eyes close, and we go ou in o
he da kness, and o he s’ hands g asp he o ch, a leas we can say ha ou pa has been
bo ne well and alian ly.«
78
Die Mission des ame ikanischen Pas p äsiden en wa es also, die Fackel de E kenn nis wei-
e zu eichen: wie Roose el es be ei s wäh end seine Am szei ü sich beansp uch ha e
– seine In e en ionspoli ik in Mi elame ika wa on einem du chaus wissenscha lich kon-
71 Bu on 1988, 51.
72 Roose el 1910b, 5.
73 Ebd., 7.
74 Bu on 1988, 72.
75 Roose el 1910b, 4.
76 Ebd., 4.
77 Ebd., 41.
78 Ebd., 43.
Ecke : Philosophenp äsiden en? | 77
u ie en Übe legenhei sansp uch ge agen gewesen.
79
Au dem Wahlplaka de P äsiden -
scha skampagne des Jah es 1904, die Roose el die Vizep äsiden scha und nach William
McKinleys aschem Tod une wa e das höchs e S aa sam geb ach ha e, wa eine ame ika-
nische Schule in Kuba zum P og amm äge gewo den: Kein E obe e woll e Roose el sein,
sonde n B inge eine Zi ilisa ion, die ohne Wissenscha nich zu denken wa . Es wä e eine
eigene S udie we , inwie e n Roose el als »mos e ec i e acial educa o «,
80
abe auch Ta
81
und Wilson
82
jeweils ih e eigene Anhänglichkei ge ade an die zei genössische Rassen heo ie
selbs als Me kmal on Wissenscha lichkei , mi hin ga als einen besonde en Ausweis on
In ellek uali ä wah genommen haben.
Mi seine Ox o de Rede ziel e Roose el eilich nich nu au geleh es P es ige ab,
sonde n zugleich au Geländegewinne in de ame ikanischen Poli ik: Ge ade de Da wi-
nismus wa in den Ve einig en S aa en höchs ums i en, weil e mi dem dominie enden
Supe na u alismus kaum ha monie e.83 Fü ihn S ellung zu beziehen, schä e wiede um
das poli ische P o il – nich umsons wand e sich William Jennings B yan, ein dezidie an i-
in ellek uelle Poli ike , damals scha on de E olu ionsleh e Da wins und Spence s ab.
Die F age nach dem Da winismus ge ie so zu einem Lackmus es : ob de nächs e P äsiden
ehe de Wissenscha ode de Bibel e aue. Fü Roose el wa es ohne jeden Zwei el die
Wissenscha : Das le z e Buch un e ielen, das e im Lau e seines langen Lebens ü eine
b ei e e Ö en lichkei ezensie e, wu de bezeichnende weise ein Buch übe E olu ion aus
de Fede on Hen y Fai ield Osbo n,84 eines An h opologen on Wel u .
Roose el selbs ha e nich umsons den e ah enen Rich e und Ve wal ungsspezialis en
Ta , de neben Themen auch Kabine ssi zungen s a zu s uk u ie en e s and, als seinen
Nach olge o geschlagen: dami seine Re o mp ojek e auch nach seine Am szei die nö ige
Gel ung bekämen. F eilich besaß Ta seine eigene Agenda, auch wenn seine Inaugu a ions-
ede in manchen Passagen wohl ebenso gu on Roose el hä e gehal en we den können.
Den Ansp uch, »Big Business« zu egulie en, o mulie e e alle dings as e was in ellek uel-
le als sein Am s o gänge : »The wo k o o mula ing in o p ac ical shape such changes is
c ea i e wo k o he highes o de .«85 Poli ikges al ung e s and Ta also als schöp e ische
Tä igkei . In diesen Ansp uch münde en auch seine eigenen E ah ungen aus langjäh ige
Rich e ä igkei . S uk u elle In e en ionen in das Wi scha sleben wa en nich nu poli-
isch schwe du chzuse zen, sonde n auch ju is isch hochg adig komplex: als Eing i e in
79 Bu on 1988, P e ace.
80 So be ei s Dye 1980, 1–20, hie : 19.
81 Ta ging in seine Zei au den Philippinen eine sei s gegen Disk iminie ungen o , ande e sei s hiel e die do ige
Be ölke ung ü signi ikan un e legen. Au diesen Zwiespal weis hin: Lu ie 2012, 50–52.
82 Inwie e n Annahmen eine weißen Übe legenhei e wa Wilsons Außenpoli ik g undie en, üh aus: Amb osius
2008, 239.
83 Bu on 1988., 41–42.
84 Ebd., 87.
85 Ta 1909.
78 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
kons i u ionell ga an ie e F eihei s ech e. De lei – e wa auch die Fes se zung on Zöllen –
soll e eilich nich an lau s a k o ien ie en Pa ikula in e essen bes imm e ökonomische
P essu e G oups o ien ie sein, sonde n ielmeh wissenscha lich e mi el we den, wie
Ta als P äsiden einmal e künde e.86
Jeden alls heg e e einen hohen sys ema ischen, wenn nich ga szien is ischen Ansp uch
an die Poli ik, an eine ä ige Regie ung: »The scope o a mode n go e nmen in wha i can
and ough o accomplish o i s people has been widened a beyond he p inciples laid
down by he old ›laisssez ai e‹ school o poli ical w i e s«, auch in konk e e Anwendung
au die Landwi scha und den da ü angekündig en »use o scien i ic expe imen s on a
la ge scale and he sp ead o in o ma ion de i ed om hem o he imp o emen o gene al
ag icul u e«.87
Wissenscha wa also P og amm, insbesonde e jedoch Rech swissenscha . Ta e olg e
– e s ech nach seinen E ah ungen als Gou e neu de Philippinen und als K iegsminis-
e – ein g oßes Anliegen, das iele Zei genossen am Beginn des 20.Jah hunde s beweg e:
in e na ional eine »Rule o Law« zu scha en. Von diese Lei idee wa en die Haage F iedens-
kon e enzen in den Jah en 1899 und 1907 inspi ie , o allem F agen on K ieg und F ieden
gewidme . Neben de In e ak ion on S aa en ück e abe imme meh die In e ak ion on
zunehmend globalen Un e nehmen in den Vo de g und. Eine sei s en zog sie sich ih e Na u
nach einzels aa lichen Regelungen, ande e sei s gehö e insbesonde e Ta zu jenen, die den
Na ionals aa en – wohlgeme k aus E ah ung – keinen Hang zu nö igen Ve ah ens ai ness
a es ie en. Da um widme e e sich wie ande e Zei genossen de E ablie ung on in e na io-
nalen Schiedsge ich en, sie wu de zu seinem Lebens hema. Schon im Jah e 1896 wa e on
de Ame ican Con e ence on In e na ional A bi a ion in ein Komi ee en sand wo den, um
ein solches Sys em de A bi a ion zwischen den Ve einig en S aa en und G oßb i annien o -
zube ei en;88 Ta ha e gu e G ünde, au die bindende K a on Ve ägen zu e auen, sei
e an de Aushandlung zwischens aa liche Abkommen un e ande em mi G oßb i annien
und Japan be eilig gewesen wa und als Solici o Gene al einen langwie igen S ei mi dem
Ve einig en König eich um das Be ingmee gü lich beigeleg ha e.89
So glaub e Ta ein poli isches und ein geleh es Manda gleichzei ig zu e üllen, indem
e sich nich nu in Regie ungsäm e n, sonde n eils gleichzei ig als Vice P esiden in de
Ame ican Socie y o In e na ional Law und als Hono a y P esiden de Ame ican Socie y o
he Judicial Se lemen o In e na ional Dispu es einb ach e, auch im soeben geg ünde en
ame ikanischen Zweig de In e na ional Law Associa ion:90 keineswegs bloß eh enhalbe ,
sonde n höchs üh ig. Diese Ambi ionen kulminie en in dem, was Ta selbs als »g ea
86 Lu ie 2012, 160.
87 Ta 1909.
88 Noyes 2011, 536.
89 Ebd., 538.
90 Ebd., 537.
Ecke : Philosophenp äsiden en? | 79
jewel o my adminis a ion« emp and:91 de Scha ung eines ech lichen Rahmens ü ein
iedliches Zusammenwi ken nich nu ganze Na ionen, sonde n on Angehö igen alle
Na ionen un e einande . Sein Ziel, wie e es bei eine Zusammenkun on Me hodis en im
Augus des Jah es 1911 pa he isch umsch eiben soll e, bes and in »some so o a emple o
jus ice in which kings and na ions may be pa ies«,92 konk e in g oßangeleg en Abkommen
übe eine nich in e -, sonde n eigen lich ansna ional angeleg e A bi a ion.
Einen en sp echenden Vo schlag ha e Ta im Jah e 1910 un e b ei e , au einem Fo um,
das mindes ens so wissenscha lich wie poli isch wa : bei de Zusammenkun de Ame ican
Peace and A bi a ion League am 22.Mä z1910.93 Mi G oßb i annien und F ank eich soll e
eine Übe einkun ge o en we den, um eine In e na ionale Schiedsge ich sba kei zu ins i-
u ionalisie en; a sächlich wu den die Ve äge am 3.Augus 1911 auch un e zeichne , alle -
dings niemals a i izie .94 Denn de ame ikanische Sena e weige e – wie auch spä e in an-
de en Zusammenhängen – seine Zus immung jus zu dem, was Ta als zen alen Vo zug de
Ve äge beg i en ha e. E s mals in solchen Kon ex en ha e de P äsiden keine de üblichen
dehnba en Gene alklauseln zu Ve eidigung na ionale Sonde in e essen in den Ve ags ex
eingeb ach , demzu olge S ei gegens ände nich dem zu scha enden Schiedsge ich sho un-
e wo en seien, die » i ale In e essen« ode die »na ionale Eh e« be üh en:95 Als de Sena
ein Amendmen o de e, das eine en sp echende Ö nungsklausel zuguns en ame ikanische
Anliegen beinhal e e, e wa Ta seine sei s das P ojek . Aus seine Sich wa es nunmeh
wi kungslos (meh noch, de Sena habe es »c ippled«, »maimed«, » unca ed«, »emascula-
ed«, de lei ma kige eigene Fo mulie ungen spiegeln Ta s F us a ion deu lich wide ).96
In Ta s Ambi ionen e dich e en sich die Möglichkei en, abe eben auch die Unmöglich-
kei en eine Philosophenp äsiden scha : ähnlich wie bei Wilson, dem es am Ende nich ge-
lang, im Sena die nö ige Meh hei ü eine Zus immung zum Ve saille Ve ag zu gewinnen
– womöglich auch wegen p o esso ale S u hei , nich die kleins e Ände ung am so g äl ig
a angie en Ve ags ex zulassen zu wollen. Doch da um soll e hie nich gehen, sonde n
um ein ku zes Schlaglich da au , welche Rolle Wilson de Wissenscha in de Poli ik zu-
wies. Schon in seinen ielgelob en Analyse des Cong essional Go e nmen (1885) ha e
Wilson auch übe dessen G enzen im Zei al e de Pa eimaschinen e lek ie , namen lich
übe die Kong essa bei als T ansmissions iemen ü die Ö en lichkei : Wilson sugge ie e
eine A bei s eilung zwischen In ellek uellen in de Regie ung und Mul iplika o en espek-
i e Kon olleu en im – aus seine Sich inkohä en disku ie enden97 – Kong ess, dessen
»in o ming unc ion« wich ige sei als die »legisla ing unc ion. The a gumen is no only
91 Zi ie nach Noyes 2011, 537.
92 Ta 1911, 47.
93 Noyes 2011, 542.
94 Ebd., 535.
95 Ebd., 543.
96 Ebd., 549.
97 Wilson 1885, 299.
80 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
ha discussed and in e oga ed adminis a ion is he only pu e and e icien adminis a ion,
bu , mo e han ha , ha he only eally sel -go e ning people is ha people which dis-
cusses and in e oga es i s adminis a ion«.98 Dazu bedu e es wiede um eine Ve wal ung
mi Sachkenn nis, de Wilson auch an ande e S elle eine eminen e his o ische Bedeu ung
zusch ieb: »Mode n science, sca cely less han ou pliancy and s eadiness in poli ical habi ,
may be said o ha e c ea ed he Uni ed S a es o o-day.«99 De lei Vo s ellungen gaben Anlass
zu in ellek uellen Rück agen: »In a wo d, ough no he ›man o he wo ld‹ and he ›man o
he books‹ o be me ged in each o he in he s uden o poli ics?«100
An solche Pos ula e knüp e auch Wilson Inaugu a ions ede aus dem Jah e 1913 an. Sie
beansp uch e eine E neue ung nich nu des poli ischen P og amms, sonde n de Poli ik
selbs : »We ha e been e eshed by a new insigh in o ou own li e«, e künde e Wilson und
lei e e da aus einen seh konk e en Handlungsau ag ü seine P äsiden scha ab – »Ou
du y is o cleanse, o econside , o es o e, o co ec he e il wi hou impa ing he good,
o pu i y and humanize e e y p ocess o ou common li e wi hou weakening o sen imen-
alizing i .«101 Dami ging ein dezidie e Planungsau ag einhe , den allein die Ve einig en
S aa en zu e üllen wüss en:
»We ha e s udied as pe haps no o he na ion has he mos e ec i e means o p oduc ion, bu
we ha e no s udied cos o economy as we should ei he as o ganize s o indus y, as s a es-
men, o as indi iduals. No ha e we s udied and pe ec ed he means by which go e nmen
may be pu a he se ice o humani y, in sa egua ding he heal h o he Na ion, he heal h o
i s men and i s women and i s child en, as well as hei igh in he s uggle o exis ence«.
102
Dass Wilson sich ausd ücklich dazu bekann e: »And ye i will be no cool p ocess o me e
science«, is doppel au schluss eich. Eine sei s e band e diese Einsch änkung mi de mo-
alischen Sugges i age, »whe he we ha e he pu e hea o comp ehend and he ec i ied
will o choose ou high cou se o ac ion«,
103
ande e sei s ühl e e sich o enkundig genö ig ,
die Vo he scha de Wissenscha dem »common man« plausibel zu machen: als eine A
on Exeku i e de Expe ise.
104
Ih kam eine ande e Au gabe zu als dem sie kon ollie enden,
ge ade nich au Sachkunde angewiesenen Kong ess, wie ihn Wilson eins als Poli ikwissen-
98 Ebd., 303.
99 Wilson 1893, 123. An ande e S elle e wah e sich Wilson gegen die Annahme, »p ak ische Poli ike « seien die
bes en Leh meis e in den »deep – hough hey migh be in he hidden – hings o poli ics«: ebd., 38.
100 Ebd., 41.
101 Wilson 1913.
102 Ebd.
103 Ebd.
104 Imme hin e wiesen sei an diese S elle da au , dass ein solches Poli ik e s ändnis au kommunale Ebene – ge-
naue : in manchen G oßs äd en – be ei s ie e wu zel wa : Die S ad soziologie de Chicago School um Cha les
Edwa d Me iam wa als Anwendungsdisziplin konzipie . Welches Ansehen nunmeh neue Expe en in de Gesell-
scha genossen, be on : Ho s ad e 1963, 206.
Ecke : Philosophenp äsiden en? | 81
scha le eingeo dne ha e. Einen gewissen An iin ellek ualismus, so kalkulie e de gewie e
P äsiden o enba , gal es als Gegebenhei de ame ikanischen Poli ik anzunehmen, um ihn
womöglich mi eine Philosophenp äsiden scha zu übe winden.
5. Fazi : Die Philosophenp äsiden en im Kul de Expe ise
Ob An iin ellek ualismus ein s uk u elles Sonde me kmal de ame ikanischen Geschich e
da s ellen mag, wie es Richa d Ho s ad e zugespi z o mulie e, is im Rahmen diese Un e -
suchung beileibe nich zu e ö e n. Sie ha eilich gezeig , dass es nach de G ündungsä a
wenigs ens eine wei e e Phase gab, in de ausd ücklich in ellek uelle P äsiden en ge ag
wa en: den Beginn des 20.Jah hunde s.
Dami is keineswegs gesag , Roose el , Ta und Wilson seien ih em Wesen nach als In-
ellek uelle zu e s ehen – auch wenn es ü diese Annahme bedenkenswe e Beg ündungen
gib .105 Vielmeh zeigen die obigen Schlaglich e d ei S aa smänne , ü die es pe sönlich wie
poli isch übe aus bedeu sam schien, sich os en a i als In ellek uelle zu p äsen ie en und
ih e g oßen P ojek e au in ellek uelle Weise da zus ellen: insbesonde e als Impe a i e de
Wissenscha , ob nun die E olu ions heo ie bei Roose el , die Rech swissenscha bei Ta
ode die Poli ikwissenscha bei Wilson.
Inwie e n diese d ei Philosophenp äsiden en in de P og essi e E a de Wissenscha
als spezi ische Ausd ucks o m on In ellek uali ä besonde e poli ische Gel ung zu e -
scha en s eb en, e dien ebenso eingehende Au me ksamkei wie die A und Weise, in
de sich ih e Nach olge sei he in Rela ion zu spezi ischen Wissenscha en und mi hin
auch zu Wissenscha als solche se z en. Ohnehin wa en es nich nu P äsiden en allein,
die am Beginn des 20.Jah hunde s einen neuen, on Idealen de P ogessi e E a gezeich-
ne e Typus on Poli ike da s ell en: Es gab auch Sena o en wie Be e idge und Lodge,
»who p ided hemsel es on hei ›schola ship‹«.106 Sie bedien en eben alls die zei genös-
sische Ho nung, ge ade im ö en lich ehemen ausge agenen We s ei de subjek i en
Wah nehmungen und In e essen bedü e es ganz neue Ak eu e, die de Deba e ein ob-
jek i es, wissenscha liches Fundamen scha en wü den: an Fak en – die p og essi en
Muck acke s p leg en nich umsons ein Pa hos des Realismus107 – wie an du chdach en
Handlungsop ionen.
Au gewisse Weise bedien en die hie essayis isch e kunde en Philosophenp äsiden en und
ande e einen poli ischen Geniekul , de selbs zu eine wi kungsmäch igen G öße wu de: in
Ges al eine E wa ungshal ung, die inmi en eine on manchen Zei genossen imme meh
als dys unk ional be ach e en Massendemok a ie eine endlich in ellek uelle He scha he -
105 P äsen ie on Bu on 1988.
106 Ho s ad e 1963, 206.
107 Mil on Coope 1990, 87.
82 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
bei
sehn e. Inspi ie da on wa wiede um gewiss auch Richa d Ho s ad e . Einmal meh
e weis sich die P og essi e E a so als G ündungsmomen des mode nen Ame ika. Und
einmal meh e weis sich Ho s ad e s He angehensweise als besonde s an egend: namen -
lich sein wei e Beg i on An iin ellek ualismus, de zugleich die F age au wi , inwie e n
eine genaue e Klassi ika ion spezi ische Typen des In ellek ualismus – de omme Gläubi-
ge, de »man o le e s« und de wissenscha liche »Expe e« wä en e mu lich d ei wesen -
liche E scheinungs o men – noch wei e e E kenn nisse übe die ame ikanische Geschich e
he o b ingen könn e.
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is P i a dozen ü Neue e Geschich e an de Be gischen Uni e si ä Wuppe al und Wissenscha -
liche Mi a bei e im Sonde o schungsbe eich 948 »Helden – He oisie ungen – He oismen« an de
Albe -Ludwigs-Uni e si ä in F eibu g. S udium de Philosophie und Geschich e in Tübingen und
B igh on, P omo ion in Tübingen 2009, Habili a ion in Wuppe al 2014.
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