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Antiintellektualismus: Ein unwahrscheinlicher Klassiker

Abstract

Anti-intellectualism in American Life hat eine unwahrscheinliche Karriere durchlaufen: vom Buchtitel zum Schlagwort. Von Beginn an stand der…

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Antiintellektualismus: Ein unwahrscheinlicher Klassiker

Year: 2024
DOI: 10.38072/978-3-910591-27-1
Source: https://macau.uni-kiel.de/servlets/MCRFileNodeServlet/macau_derivate_00006113/kiel-up_978-3-910591-27-1.pdf
Uni e si ä s e lag Kiel
Kiel Uni e si y Publishing
Kiel Uni e si y
Ch is ian-Alb ech s-Uni e si ä zu Kiel
ANTI-
INTELLEKTUALISMUS
ANDREAS HÜBNER, NILS STEFFENSEN (HG.)
EIN UNWAHRSCHEINLICHER
KLASSIKER
Uni e si ä s e lag Kiel
Kiel Uni e si y Publishing
ANTI-
INTELLEKTUALISMUS
ANDREAS HÜBNER, NILS STEFFENSEN (HG.)
EIN UNWAHRSCHEINLICHER
KLASSIKER
He ausgebe
D . And eas Hübne
His o isches Semina an de Philosophischen Fakul ä de Ch is ian-Alb ech s-Uni e si ä
zu Kiel,
[email p o ec ed]iel.de
D . Nils S e ensen
Semina ü Geschich e und Geschich sdidak ik im Ins i u ü Gesellscha swissenscha e
n
und Theologie de Eu opa-Uni e si ä Flensbu g,
nils.s[email p o ec ed]
Bibliog aphische In o ma ion de Deu schen Na ionalbiblio hek
Die Deu sche Na ionalbiblio hek e zeichne diese Publika ion in de Deu schen Na ionalbibliog a ie.
De aillie e bibliog aphische Da en sind übe
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Umschlagges al ung und Sa z: Wiebke Buckow
Umschlagabbildung:
F eepik.com
D uck und Bindung: CPI books GmbH, Fe dinand-Jühlke-S aße 7, 99095 E u
ISBN (P in ): 978-3-910591-28-8
eISBN (PDF): 978-3-910591-27-1
Inhal
And eas Hübne , Nils S e ensen
7  An i-in ellec ualism in Ame ican Li e
F agen an einen unwah scheinlichen Klassike
Nils S e ensen
17  John Adams – In ellek uelle , An iin ellek uelle , Nich in ellek uelle ?
Zu T agwei e und G enzen on Richa d Ho s ad e s Konzep des In ellek uellen
Julia Ni z
41  F auen in de Deba e um An iin ellek ualismus in den USA
His o iog aphische Re ision am Beispiel au obiog aphische Sch i en
aus dem 19. Jah hunde
Geo g Ecke
61  Philosophenp äsiden en?
Roose el , Ta und Wilson als In ellek uelle
And eas Hübne
85  Weiß, männlich, gebilde
Die »un/sich ba en« No men des iliopie is ischen In ellek ualismus
Pa ick Bahne s
101  Ho s ad e und de An iin ellek ualismus
Skizze de Geschich e eine Idee
Anja-Ma ia Bassimi
129  Das »Mencken-Pa adigma« und Ho s ad e s
An iin ellek ualismus o wu
Zu Religion und Konse a ismus in den USA
To ben Lü jen
147  Vom »Common Sense« zu den »Al e na i e Fac s«
Va ian en des An iin ellek ualismus im U.S.-ame ikanischen
Konse a ismus nach 1945
And eas Hübne , Nils S e ensen
161  Von Lee s ellen und Deside a en
Pe spek i en übe An i-in ellec ualism in Ame ican Li e hinaus
167  Pe sonen egis e

| 7
And eas Hübne , Nils S e ensen
An i-in ellec ualism in Ame ican Li e
F agen an einen unwah scheinlichen Klassike
1. An i-in ellec ualism in Ame ican Li e als Klassike
»I know i is isky, bu I s ill w i e his o y ou o an engagemen wi h he p esen .«
1
Mi diesem
Bekenn nis cha ak e isie e Richa d Ho s ad e einmal seine pe sönliche his o iog aphische
P axis. Sie p äg e alle seine Büche . Zwa wandel e sich Ho s ad e s poli ische Hal ung im
Lau e seine Ka ie e. Die Ve ände ungen, die e du chlie , wa en jedoch Anpassungen an
jeweils neue poli ische Lagen. In ihnen bes ä ig sich die enge Ve bindung zwischen de
his o ischen Deu ung und de Gegenwa , zu de e sich bekann e. Ho s ad e sah sich en -
schieden nich als Posi i is . Sein his o isches Fo schen ziel e di ek au das Ve s ändnis de
Gegenwa aus de Geschich e und inso e n au die Ges al ung de Zukun . Nich nu g i en
seine Büche in g undsä zliche Kon o e sen übe die ame ikanische Geschich e und Poli ik
ein, sie en zünde en zugleich auch Deba en. Ein solche his o iog aphische Ansa z bedu -
e, wie Ho s ad e bekann e, eines » o ce ul o e s a emen «.
2
An i-in ellec ualism in Ame ican Li e3 ha Ho s ad e selbs als ein pe sönliches Buch
dekla ie : »Al hough his book deals mainly wi h ce ain aspec s o he emo e pas , i
was concei ed in esponse o he poli ical and in ellec ual con adic ions o he 1950’s.«4
En s anden wa es aus eine A e si
on gegen das, was e , zu Beginn de 1960e Jah e sch ei-
bend, als behe schende Tendenz de Nachk iegszei wah nahm:5 die in diese In ensi ä ü
die ame ikanische Geschich e une hö e, om McCa hyismus be eue e, du ch die Wahl
1 Zi ie nach Weiland 1988, 466.
2 Ho s ad e 1970, 120.
3 Es möge nich als Zeichen an iin ellek uelle Pedan e ie gewe e we den, wenn wi da au hinweisen, dass die
Sch eibweise des Ti els in den zahl eichen Ausgaben minimal oneinande abweich (An i-in ellec ualism – An i-
In ellec ualism). Die O iginalausgabe benu z An i-in ellec ualism. Unse e Au o innen und Au o en haben wi nich
au Einhei lichkei e p lich e (wie wi ihnen üb igens auch die P axis des Gende ns eiges ell haben). In diesem
Band inden dahe beide Va ian en Ve wendung.
4 Ho s ad e 1963, 5.
5 Zum Folgenden gl. ebd., 5–7.
Kiel-UP •
h ps://doi.o g/10.38072/978-3-910591-27-1/p1
8 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
Dwigh D. Eisenhowe s zum P äsiden en gleichsam bek ä ig e und om sich en al en-
den Kal en K ieg be ö de e Ve ach ung de In ellek uellen. Zwa s ell e e es , dass sich
nun, sei dem Beginn de P äsiden scha on John F. Kennedy, die poli ische Kul u de
1950e Jah en mi eine gewissen Dis anz, ohne übe iebene Pa eilichkei und Selbs mi -
leid, sch eiben lasse. Die a gumen a i e und he o ische Vehemenz des Buches abe be-
glaubig diese akademische Rese e nich . Aus Sich seines Biog aphen wu de kaum jemals
schä e e K i ik an de U.S.-ame ikanischen Demok a ie geüb .6
Be ei s zu o ha e Ho s ad e mi au sehene egenden und wei eichenden Deu ungen
de U.S.-ame ikanischen Geschich e seinen Ru als eine de maßgeblichen His o ike sei-
ne Zei beg ünde . Im Jah 1948 pos ulie e e in The Ame ican Poli ical T adi ion and he
Men Who Made I (1948) die »consensus«-Theo ie, die besag e, dass sich sei dem Beginn
de Ve einig en S aa en eine bis in die Gegenwa hinein in K a be indliche T adi ion en -
wickel habe: »a belie in he igh s o p ope y, he philosophy o economic indi idualism,
he alue o compe i ion«, ußend au We en wie »sel -help, ee en e p ise, compe i ion,
and bene icen cupidi y«.7 In den 1950e Jah en a Ho s ad e als p ominen e K i ike de
ame ikanischen Rech en he o , de en Ve e e e als »Pseudo-Konse a i e« decou ie e.8
Den U sp ung diese Bewegung iden i izie e e in seinem mi dem Puli ze p eis ausge-
zeichne en E klä ungs e such The Age o Re o m. F om B yan o F.D.R.9 im Populismus de
1890e Jah e und im »p og essi e mo emen « de 1920e Jah e. Seine Auseinande se zung
mi de ame ikanischen Rech en e dich e e e dann 1963 in An i-in ellec ualism zu eine
neuen Gene al hese: Sei de Kolonisie ung No dame ikas sei de An iin ellek ualismus
eine eibende K a de gesam en (U.S.-)ame ikanischen Geschich e gewesen. Als U sa-
chen dieses Phänomens bes imm Ho s ad e den E angelikalismus, die Massendemok a ie,
Indus ialisie ung und Technisie ung sowie p og essi e Bildungskonzep e. Auch wenn de
An iin ellek ualismus nach Ho s ad e s Au assung Konjunk u en un e wo en wa , nahm
e doch p ägenden Ein luss au die meis en Phasen de U.S-ame ikanischen Geschich e. Als
Hochzei de In ellek uellen schlech hin bewunde e Ho s ad e die F ühe Republik. Sei
den Kon o e sen de 1950e Jah e sei de An iin ellek ualismus indes zum »cen al epi he
in Ame ican sel -e alua ion«10 gewo den. Das Buch wu de so o zu einem ums i enen,
einem unwah scheinlichen Klassike .
Cha ak e is isch ü die Rezep ion des Buches is eine sei s seine gespal ene Au nahme
in de Fachwissenscha und Ö en lichkei , ande e sei s das Ak ualisie ungspo en ial seine
These, das sich bis in die Gegenwa hinein e s eck , also inzwischen übe meh als ein
halbes Jah hunde lang Ein luss ausüb .
6 Vgl. B own 2006, 121.
7 Ho s ad e 1948, iii, ii.
8 Vgl. bes. Ho s ad e 1954/55, ü die Beg i sp ägung s. schon den Ti el des Au sa zes.
9 Ho s ad e 1955.
10 Ho s ad e 1963, 8.
Einlei ung | 9
Das U eil in de Fachwissenscha iel übe wiegend k i isch aus.11 Be on wu den zwa
die li e a ische Leis ung des Au o s, sein sou e äne Übe blick übe das his o ische Ma e-
ial, die B illanz seine De ailin e p e a ionen, übe haup die Rele anz des Themas, dessen
e sich angenommen ha e.12 Auch sein Anliegen, die Ve eidigung de »eggheads«, and die
Sympa hie de aus de akademischen Wel s ammenden Rezensen en,13 die o allem den
We on Ho s ad e s beg i lichen Un e suchungen zum In ellek ualismus und An iin ellek-
ualismus, zum In ellek uellen, An iin ellek uellen und di e sen Sonde o men im Kapi el
On he Unpopula i y o In ellec he o hoben. In de Subs anz abe wu den zen ale Thesen
und E kenn nisse Ho s ad e s ange och en. Die Übe üh ung des Konzep s des An iin ellek-
ualismus in eine his o ische Analyse e moch e nich zu übe zeugen. Simplizis isch sei de
his o ische Übe blick ausge allen, zahl eiche F ages ellungen wü den nich ad essie .14 Da
Ho s ad e es in seine Beg i sbildung an Konsis enz ehlen lasse, benö ige das Thema eine
wei e e Ve ie ung, ja soga eine sys ema ische Un e suchung,15 wie sie Ho s ad e o enba
nich zu leis en ims ande gewesen wa .
Noch g a ie ende wa die Einschä zung, das Buch müsse mi angemessene Vo sich be-
ach e we den.16 De eigen liche Teno lau e e, dass das We k dem ü Ho s ad e üblichen
Ni eau nich en sp eche. In e s e Linie komme es ihm au Selbs ech e igung an.17 Bei
alle Be ech igung des pe sönlichen Cha ak e s on Büche n, den auch Ho s ad e ü An i-
in ellec ualism in Ansp uch genommen ha e – on de Fo de ung nach wissenscha liche
S enge könne e nich en bunden we den.18 Ho s ad e selbs ges and nach dem Abschluss
des Manusk ip s seine Unzu iedenhei mi dem Buch ein.19 Die his o ische Fo schung ha
denn auch Ho s ad e s These nich kanonisie . Auseinande se zungen mi An i-in ellec-
ualism blieben sel en, das Buch inspi ie e nu wenige Nachahme .20 Als wi kmäch ige
e wiesen sich ande e We ke Ho s ad e s, namen lich The Age o Re o m und The Pa anoid
S yle in Ame ican Poli ics.21
11 Zusä zlich zu den genann en Beispielen gl. B own 2006, 138–141 ü wei e e Eind ücke aus de zei genössischen
K i ik.
12 Fas alle Rezensionen be onen, womöglich als Hö lichkei sad esse, diese Aspek e, gl. beispielsweise Gleason
1966, 238. Fü einhellig posi i e U eile s. o allem Riesman 1963 und Cook 1964.
13 Vgl. e wa Mum o d Jones 1964, 537.
14 Mum o d Jones 1964, 537; Wle e 1964, 483; Gleason 1966, 239.
15 W igh 1963, 652–653; Mum o d Jones 1964, 537; Wel e 1964, 482; Gleason 1966, 240–241.
16 Mum o d Jones 1964, 537.
17 W igh 1963, 654; S ou 1963, 545; Mum o d Jones 1964, 599; Wel e 1964, 483; Gleason 1966, 241.
18 Mum o d Jones 1964, 599.
19 Vgl. B own 2006, 126; Snodg ass 2018, 174.
20 So beispielsweise Weiland 1988 und je z o allem Lacy 2018, de einige Ho s ad e -Adep en disku ie .
21 Als wich ige Auseinande se zungen mi Ho s ad e sind, neben den biog aphischen Da s ellungen on B own 2006
und Snodg ass 2018, zu nennen Howe/Finn 1974; Singal 1984; Collins 1989; Wi ham 2016; e ne Ha p 2007 und
Johns on 2007 als Teil eines Ho s ad e s The Age o Re o m gewidme en Fo ums sowie zahllose p oduk i e, wenn-
gleich nich unk i ische Ve weise in Da s ellungen zum ak uellen Zus and de U.S.-ame ikanischen Innenpoli ik,
z.B. Le i sky/Zibla 2018 und Lü jen 2020.
16 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
Nils S e ensen
is Mi glied des Semina s ü Geschich e und Geschich sdidak ik an de Eu opa-Uni e si ä Flens-
bu g. In Tübingen, Köln und P ince on s udie e e Geschich e, La einische Philologie, Philosophie
und Poli ikwissenscha en. 2013 wu de e mi eine his o iog aphiegeschich lichen Disse a ion
p omo ie . Seine Fo schungsschwe punk e bilden die Geschich ssch eibung, die Rezep ionsge-
schich e de An ike und die poli ische Philosophie.
nils.s[email p o ec ed]
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| 17
Nils S e ensen
John Adams – In ellek uelle ,
An iin ellek uelle , Nich in ellek uelle ?
Zu T agwei e und G enzen on Richa d Ho s ad e s Konzep des In ellek uellen
1. Einlei ung
John Adams i i ie . Sei jehe . Schon bei Zei genossen lös e e ein Ge ühl de F emdhei aus.
Teils wa es seine Pe sönlichkei , die Ans oß e eg e. Impulsi , s ei süch ig, jähzo nig, ba je-
de »poli eness« und ei el bis zu Sku ili ä , schei e e e o ensich lich am Ideal des geschli -
enen Gen leman, wie es die Eli e seine Gene a ion kul i ie e.
1
Poli isch wiede um gal sein
e mein liches Faible ü eine A is ok a ie ode eine Mona chie englischen Zuschni s als
ge äh liche, ga unpa io ische Ve ück hei . Von Benjamin F anklin is das Bonmo übe lie-
e , Adams sei s e s ein eh enha e Mann, häu ig e nün ig in seinem U eil, phasenweise
abe öllig on Sinnen.
2
Solche mo alisie enden Bewe ungen, die nich sel en als P oduk e
pe sönliche ode poli ische Kon lik e aus den Kon ulsionen de F ühen Republik he o -
gingen, ha die Fo schung längs du ch sachliche Eino dnungen e se z und Adams’ Handeln
eine di e enzie en Analyse un e zogen.
3
Ums i en is jedoch bis heu e das nahezu in jede Biog aphie ode biog aphischen Aus-
einande se zung ad essie e Ve häl nis des zwei en P äsiden en zu Bildung, zu den Wissen-
1 Vgl. Wood 1992, 229–243; S alo 2005, 138.
2 Fü diese Anekdo e und e gleichba e Äuße ungen gl. Wood 2006b, 177. Be ed e Selbs zeugnisse zu Adams’ on
ihm selbs als solche wah genommenen Schwächen im sozialen Umgang e sammeln Bailyn 1990, 7–8 und S alo
2005, 132–136.
3 Übe den ak uellen S and de Adams-Fo schung in o mie en Wood 2017 sowie Be ns ein 2013 und 2020, zu Adams’
Da s ellung in de Popula kul u gl. den ku zweiligen Übe blick on Eisenbe g/Bu s ein 2013 sowie Be ns ein
2020, 239 ( ü wei e e Li . s. Anm. 5). Fü eine neue e Da s ellung, die zwa beinahe ausschließlich au Adams’ Cha-
ak e se z , alle dings en schieden posi i gehal en is , gl. McCullough 2001.
Kiel-UP •
h ps://doi.o g/10.38072/978-3-910591-27-1/p2
18 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
scha en und Küns en.4 F aglos zähl e Adams, ein manische Lese ,5 de eine de g öß en
Biblio heken Neuenglands besaß,6 zu den gebilde s en Pe sönlichkei en in den Kolonien.
Von de An ike bis zu Gegenwa , om Rech bis zu Belle is ik gebo e übe in ime Kenn -
nisse, de en Um ang – o ge üh in Reden, Sch i en und de Ko espondenz – bei Gegne n
wie Un e s ü ze n einen ie en Eind uck hin e ließ. Keine de Founde e eidig e so kon i-
nuie lich, so sys ema isch und so in ensi die G ündung des neuen S aa es mi Mi eln de
poli ischen Publizis ik wie e . Une müdlich, so lau e en die U eile, habe e sich und die
Ö en lichkei au geklä , un ennba seien Le nen und Leh en in seinem Leben au einan-
de bezogen gewesen.7 Wä e e nich P äsiden gewo den, ließe e sich als P o esso ü
Regie ungsleh e in Ha a d o s ellen.8 Du ch sein poli isches Engagemen habe e womög-
lich seine wah e Be u ung e ehl .9 Nich nu habe e den Nu zen de Bildung ü S aa und
Gesellscha e kann 10 – nach seinem Ges ändnis wä e ein Leben ohne Küns e soga eine
Bes a ung.11 Das Vo bild Cice os o m e den P o inzanwal zum »in ellec ual lawye «.12 Als
Poli ikwissenscha le schlech hin habe e wie kein ande e au dem Gebie de Ve assungs-
leh e die ame ikanische Au klä ung gep äg , de en »schöns e F uch « seine De ence o he
4
An diese ü das Thema de S udie g undlegenden Beg i e knüp en sich ebenso undamen ale e minologische P o-
bleme. Zum einen ha de Gehal on »Bildung« bis zu Gegenwa s e s E wei e ungen e ah en, wobei ge ade dem
idealis isch-neohumanis ischen Bildungsideal eine lang is ige Nachwi kung im Sp achgeb auch beschieden wa ;
hinzu komm , dass ü »Bildung« im Englischen mi »educa ion« ode »lea ning« keine genauen Äqui alen e exis ie en
( gl. Wal he 2005, bes. 223–224, 235–238 sowie Vie haus 1972). Zum ande en k is allisie en sich die Kollek i -
singula e »Wissenscha « und »Kuns « e s ab dem Ende des 18.Jah hunde s he aus ( gl. Yeo 2003, 241–266 ). Den
sich aus diesen Ums änden e gebenden He aus o de ungen soll mi Bezug au Adams möglichs ebenso his o isch
angemessen wie p agma isch begegne we den: Is on ihm die Rede, wi d un e »Bildung« in einem ganz basalen
analy isch-desk ip i en Sinn lediglich die Gesam hei sowie de Zusammenhang de Kenn nisse eine Pe son e -
s anden, de »sozialen und kul u ellen Techniken« (Wal he 2005, 224), die sie behe sch ode seine Ansich nach
behe schen soll. De Beg i »Wissenscha « wiede um wi d, was Adams be i , in de Regel nu dann geb auch ,
wenn e sich au eine einzelne Disziplin, zumeis die Wissenscha en om Rech und on de Poli ik, bezieh . Es e -
s eh sich dabei on selbs , dass sowohl die »Rech s-« als auch die »Poli ikwissenscha « des 18.Jah hunde s on
ih en mode nen Nach olge n im G undsa z zu un e scheiden is . Mi »Wissenscha s e s ändnis« wi d Adams’ Hal-
ung gegenübe den Wissenscha en insgesam bezeichne . Analog wi d mi den Beg i en »Küns e« und »Kuns « e -
ah en, wobei Adams’ Ve wendung des Te minus »Küns e« sich mi dem Sp achgeb auch seine Zei deck , da un e
also o allem die Schönen Küns e in Abg enzung on Handwe k und Wissenscha en beg ei ( gl. hie zu g und-
legend K is elle 1952). Ho s ad e s Ve s ändnis diese Beg i e is Gegens and de Da s ellung selbs
.
5 Zum ge adezu sinnlichen Ve gnügen, das ihm Li e a u be ei e e, gl. Richa d 1995, 61 sowie McCullough 2001, 19,
35, 619.
6 Vgl. hie zu je z die Bei äge in Ba on/W igh 2010.
7 So eind ücklich Be ns ein 2020, 2; zu Adams als P aecep o gl. auch Wood 2006b, 178.
8 G an 2005, 23: »Adams became ha a es o alumni, he li elong s uden , a ue p o o ype o wha ano he age
would call an in ellec ual.« Vgl. auch China d 1964, i– ii, lx.
9 Vgl. Iacuzzi 1952, 2, 262, 264, de alle dings es s ell , Adams sei wegen seine Okkupa ion du ch die Poli ik kein
»ca e ul schola « gewesen.
10 Richa d 1995, 32–34, 37, 83–84, 87 (zu klassischen Bildung); Thompson 1998, 27–30, 202. Fü wei e e Belege,
wenngleich mi ande e We ung, s.u. Kap. 2 und 3.
11 B ie an J. Sewall, Feb . 1760 (Wo ks 1, 151–155, hie 153), au geg i en beispielsweise bei Iacuzzi 1952, 39 und
S alo 2005, 138.
12 Z
um Ein luss Cice os au Adams’ Selbs e s ändnis gl. Fa ell 1992; 1995, zu seinem P o il als Anwal gl. Coquile e
1984, 400, 417, 418 (Zi a ).
S e ensen: J
ohn Adams – In ellek uelle , An iin ellek uelle , Nich in ellek uelle ?
| 19
Cons i u ion o he Uni ed S a es gewesen sei.13 Dem »denkenden Poli ike « dien en Wo e
als Wa en,14 in de Bewegung de »denkenden Re olu ionä e« ha e e »einen ganz eigenen
Kop «.15 Seine Ve bindung on In ellek mi Poli ik wi k e au manche akademischen Be-
wunde e wie die E üllung on Pla ons Ideal de Philosophenhe scha .16
Zugleich wu de Adams damals wie heu e auch ein enges Ve s ändnis on Bildung un-
e s ell .17 Schon die Nach u e bescheinig en seinem In ellek eine gewisse Robus hei und
Unbeweglichkei .18 Was jensei s de Poli ik lag, habe ihn kaum in e essie , Küns e habe
e e ach e ode soga ge ü ch e .19 K i isch a es ie en ihm selbs Ve eidige ein u ili a-
is isches Ve s ändnis on Bildung, die e haup sächlich als Ins umen ü den sozialen
Au s ieg und den E we b on P es ige20 sowie ü die Fö de ung de gesellscha lichen
Wohl ah beg i en habe.21 Vo allem als »man o ac ion« sei e zu wü digen.22 In seinen
poli ischen Ideen sei e dabei ein ypische Rep äsen an de Au klä ung ohne besonde-
e O iginali ä gewesen,23 ja, sei soga hin e ak uelle in ellek uelle En wicklungen im
poli ischen Be eich zu ückge allen und zu einem lebenden Anach onismus gewo den.24
Bezeichnende weise – » ielleich las e zu iel« – wi d ge ade sein als pedan isch diagnos-
izie e Ve such, wissenscha liche E kenn nisse unmi elba in die Poli ik zu übe agen,
als U sache seines Schei e ns in de P axis he angezogen.25 Desin e essie , eindimensio-
nal und selbs bezogen, habe e in de Republik de a is ok a ischen In ellek uellen wie
ein Soli ä gewi k .26
13 Wood 2006b, 179; 178. Vgl. auch Thompson 1998, xiii sowie ü einen Übe blick zu ähnlich lau enden Aussagen in
de äl e en Fo schung 281. Als le z es Meis e we k des klassischen Republikanismus wü dig Pocock 1975/2003,
526 die De ence.
14 Be ns ein 2020, 7 sowie 1–2.
15 Le ne 1978 (Ve bindung on Ti el des Buches mi einem Un e kapi el de Ein üh ung); zu O iginali ä gl. auch
China d 1964, lx, zu Rele anz seines Denkens ü die Re olu ion Thompson 1998, xiii sowie passim.
16 Diggins 2003, 10 (Zi a ) sowie 18, 54, 166 (hie Adams als eine de » hinking p esiden s«). Zu Adap ion on Pla ons
Konzep im Zusammenhang mi dem (An i)In ellek ualismus in de U.S.-ame ikanischen Geschich e gl. auch den
Bei ag on Geo g Ecke in diesem Band, h ps://doi.o g/10.38072/978-3-910591-27-1/p4, S. 63; 66.
17 So noch neue dings Wood 2006b, 177 (in dezidie e Abg enzung zu Je e son). Fü ein Résumé de äl e en Fo -
schung s. China d 1964, i.
18 Einen Übe blick übe die Wü digungen bie e Wood 2017, 1–4.
19 Vgl. die kla e Einschä zung bei Bu e ield 1996, 36: »Science became o him like he ine a s, some hing he e-
sponded o wi h en husiasm om ime o ime, bu could ake o lea e alone.« Vgl. e ne Smi h 1962/1963, 562–564;
Mo gan 1976, 6–8; P indle 2010, 4; Rye son 2010, 204; Samuelson 2019, 123–124; Wood 2017, 16.
20 Fü diese Sich gl. Smi h 1962/1963, 46–47; Shaw 1976, 18–20, 40; Coquile e 1984, 399–400; S alo 2005, 239;
Sieme s 2013, 202, 204; Rye son 2016, 89.
21 Vgl. je z Nicolson 2013, 63–65.
22 Pa adigma isch ü diese Sich is Howe 1966, bes. xiii–xi (Zi a : xi ).
23 Fü eine solche Eino dnung in den Kon ex de Au klä ung gl. S alo 2013, 36–37.
24 Dies is die ieldisku ie e und inso e n ein luss eiche These on de » ele ance and i ele ance«, die Wood 2006b
au ges ell ha (e s mals o ge agen in Wood 1969).
25 Vgl. ebd., 179 (do auch das Zi a ). Zu diesem Poli ik e s ändnis gl. auch Appleby 1999, 206 und Rye son 2016,
70–73. Eine eindeu ig wohlwollende Einschä zung nimm Be ns ein 2020, 146 o .
26 Rep äsen a i ü diese ielge eil e Posi ion is das d as ische U eil on Fe ling 1992, 173–175.
20 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
Diese aus den Quellen ex ahie en, jedoch sel en heo e isie en Au assungen zu
Adams’ in ellek uellem P o il und seine S ellung in de ansa lan ischen » épublique de
le es« ußen implizi au K i e ien, die Ho s ad e ü seine Kons uk ion de Ges al des
In ellek uellen, abe auch des An iin ellek uellen und des Nich in ellek uellen e wende .
In An i-in ellec ualism in Ame ican Li e is de In ellek uelle27 ein Wah hei ssuchende , de
ü Ideen leb , gängige Einsich en hin e ag und mi unkon en ionellen Einsich en au -
wa e . De geis igen Beschä igung geh e mi Hingabe nach, on Besessenhei häl e
Abs and. Seine In e essen sind g undsä zlich nich au die P axis ge ich e , ih Cha ak e
is »ex a-p ak isch«. Dass de In ellek uelle zu ällige weise ein P ak ike sein kann, schließ
Ho s ad e alle dings nich aus. Gesellscha lichen Nu zen en al e de In ellek uelle jeden-
alls als »mo alische An enne«. Übe s eige e seine on Ho s ad e als quasi eligiös ge-
kennzeichne e »Hingabe«, nimm e »obsessi e« und »g o eske« Züge an: e wi d zum »Ze-
lo en«. Den Nich in ellek uellen28 hingegen e gleich Ho s ad e mi einem A bei e ode
Technike . Zu diesem Typus echne e die gewöhnlichen Ve e e akademische Be u e,
so e n sie indi e en ü geis ige Aben eue sind. Ab dem Ende des 19.Jah hunde s bilde e
sich dann aus dem Nich in ellek uellen die Ges al des Expe en he aus, den Ho s ad e als
eine neue Spiela des In ellek ualismus beg ei .29 De An iin ellek uelle30 schließlich is
das Gegens ück zum In ellek uellen. E häl geis ige Tä igkei en en wede ü eine Ge ah
ode ü eine sinnlose, p axis e ne Ak i i ä . Die No wendigkei on o malen Kenn nissen
negie e ; e is Ve ech e eines o e lek ie en »common sense«. In Ges al des »ma ginal
in ellec ual«, des »would-be in ellec ual« und des »un ocked o embi e ed in ellec ual« be-
s ehen Ve bindungen zwischen ihm und dem Be eich des In ellek ualismus.
Ho s ad e selbs o dne Adams in An i-in ellec ualism den In ellek uellen zu. In seinem
Na a i om An iin ellek ualismus in de U.S.-ame ikanischen Geschich e bilde e die F ühe
Republik einen Sonde all. Habe im g öß en Teil de U.S.-ame ikanischen Geschich e de In-
ellek uelle als »Außensei e , Bediens e e ode Sündenbock« he hal en müssen, seien in de
G ündungsphase des S aa es die poli ischen Füh ungsges al en zugleich In ellek uelle gewe-
sen:31 »The Founding Fa he s we e sages, scien is s, men o b oad cul i a ion, many o hem
ap in classical lea ning, who used hei wide eading in his o y, poli ics, and law o sol e he
exigen p oblems o hei ime.« Noch wa de In ellek uelle ein Gen leman, kein Expe e. Den
»Gleichklang« on Wissen und Mach hä en e s die Spezialisie ungsp ozesse de Mode ne
ze b ochen. Dass Männe on Bildung nich nu »nu zlos und unp ak isch als poli ische Füh-
ungsges al en« gewesen seien, diese »Wah hei « hä en die Ve e e de »G ea Gene a ion«
bezeug . Fü Ho s ad e wa auch Adams ein ypische Rep äsen an seine Epoche.
27 Ho s ad e 1963, 25–26, 27–29, 29–31, 32–33, 45–47.
28 Vgl. ebd., 24–51 passim, bes. 24–25, 26–27, 45–46.
29 Ebd., 197–199 sowie auch 35–38.
30 Ebd., 21–23, 29–31.
31 Ho s ad e 1963, 145 (»The leade s we e he in ellec uals.« – He o hebung Ho s ad e s); do – sowie 427–428 –
auch die Belege zu olgenden Rekapi ula ion on Ho s ad e s Da s ellung de F ühen Republik.
S e ensen: J
ohn Adams – In ellek uelle , An iin ellek uelle , Nich in ellek uelle ?
| 21
Das Spek um de Posi ionen zum Geleh en und Publizis en Adams wi wegen des
Reku ses au ein ela i einhei liches Se an K i e ien alle dings p inzipielle F agen zu
Ho s ad e s Konzep des In ellek uellen, dessen Au e en in de U.S.-ame ikanischen Ge-
schich e sowie de (Re-)Kons uk ion de F ühen Republik in An i-in ellec ualism au . An-
gesich s nich nu de ex emen Disk epanzen zwischen den e schiedenen Au assungen
als auch de Spannungen inne halb einzelne Deu ungen s ell sich sowohl das P oblem,
ob Ho s ad e s Typus eines In ellek uellen übe haup unk ional is , sonde n auch, welche
Schluss olge ungen sich ü Ho s ad e als His o ike e geben. Handel es sich, wenngleich
ausd ücklich in de U.S.-ame ikanischen Geschich e e o e , a sächlich um einen empi ie-
basie en Beg i ? Is es nich womöglich ielmeh ein Ideal, das au ideologische P ämissen
zu ückgeh , eine isionä e P ojek ion, die aus En äuschung übe die Gegenwa he o ge-
gangen is , jeden alls abe um ein selbs his o isch gebundenes Phänomen, das meh übe
Ho s ad e und die Deba en seine Zei als au den »In ellek uellen« und die Geschich e
de Ve einig en S aa en als Ganze e weis ? Ode kapi ulie en Teile de Fo schung o dem
ebenso gigan ischen wie ielschich igen Quellenma e ial, das sich übe meh als 70Jah e
e s eck und neben Adams’ Ve ö en lichungen so un e schiedliche Ga ungen wie B ie e
und Tagebüche , au obiog aphische Skizzen und p i a e Lek ü eno izen um ass , wäh end
die kühne Skizze in An i-in ellec ualism ein u eilssiche es Po ai on Adams und de
F ühen Repubik en wi ? Angesich s so g undlegende F agen bie e sich de komplexe
Founde Adams als Tes all an: ü eine zumindes pa ielle Bes immung de analy ischen
Funk ionali ä on Ho s ad e s An iin ellek ualismus-These und dami de Möglichkei ih e
Adap ion au gegenwä ige Disku se.
Die E p obung on Ho s ad e s Konzep s, ü die Adams als his o isches Exempel, als Ve-
hikel dien , e olg in ie Sch i en. Im Fokus s eh als e s es Adams’ Hal ung zu F agen de
Bildung als P i a mann, Geleh e und Publizis (Kap. 2). Anschließend soll seine Einschä -
zung de Bedeu ung on Bildung, Wissenscha en und Küns en ü S aa und Gesellscha
un e such we den (Kap. 3). Gelei e wi d die Un e suchung om Gegensa z zwischen U i-
li ä sdenken und Selbs zweck on Bildung und Wissenscha , dem Kon as on b ei en
Kenn nissen und Spezialis en um sowie dem Dualismus zwischen dem Spiele ischen und
dem Obsessi en als A des Denkens, die je un e schiedliche Be eiche und Phasen on
Adams’ in ellek uellen Ak i i ä en au schließen. Die gewonnenen E kenn nisse bilden die
Basis ü eine Re lexion übe die Anwendba kei on Ho s ad e s Beg i des In ellek uellen
sowie die Cha ak e isie ung de F ühen Republik in An i-in ellec ualism (Kap. 4). Die heu-
is ischen Po en iale und He aus o de ungen, die sich mi de Figu des In ellek uellen e -
binden, die T agwei e und G enzen on Ho s ad e s Figu des In ellek uellen, möch e dann
die Schlussbilanz au zeigen (Kap. 5).

22 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
2. Adams’ Selbs e s ändnis als P i a pe son, Geleh e und Publizis
Zei lebens wa Adams geis ig ein Suchende .
32
Ha a d wu de ü ihn zu einem säkula en E -
weckungse lebnis. Hie emanzipie e e sich on den pu i anischen Ideen, die ihm übe seine
amiliä e He kun e mi el wo den wa en, hie wu de e on seinen Leh e n ü mode ne
Wissenscha en gewonnen.
33
Den an New on und Locke geschul en Empi ismus akzep ie e
e ü sich als lei ende Me hode, um E kenn nisse übe die Wel zu e langen.
34
Du ch die
Bildungsinhal e, die ihm das Cu iculum e mi el e, wu de e zu einem klassischen P oduk
de damaligen Uni e si ä , de en P ägungen e nie e lo .
Zei ypisch e s eck e sich seine Neugie au höchs un e schiedliche Gebie e. Die zi ili-
sa o ische Übe legenhei des 18.Jah hunde s üh e e au wissenscha liche En deckun-
gen in allen Disziplinen zu ück.35 Im Mi elpunk seines pe sönlichen In e esses s anden
F agen des Rech s, de Geschich e, de Religion und de Philosophie.36 Seine au ließende
Behe schung de O iginalsp ache ußende Kenn nis de an iken Au o en, e mi el o
allem an de Uni e si ä , um ass e die ganze Bandb ei e de Li e a u .37 Zu seine Un e -
hal ung, ohne Zweck de Beleh ung, las e jedoch auch »leich e e« Dich ung, beispielsweise
O ids Amo es. Neben die obliga o ische Lek ü e de an iken Au o en a auch ak uelle
Li e a u , bis hin zu den Romanen Wal e Sco s. Keine e gleichba e Expe ise besaß e in
Musik und Male ei – Küns en, denen gegenübe die Tagebüche und B ie e zwischen An-
e kennung, Gleichgül igkei und Missach ung changie en.38 Ge ade ü Kuns besaß e eine
sinnliche Emp änglichkei , die ihn selbs miss auisch s imm e.39
Schon üh wa e ganz im Sinne de Au klä ung es on de Bedeu ung de Nü zlich-
kei on Bildung und Wissenscha übe zeug . Fü den P ak ike , Geleh en und Publizis en
Adams wa en die Disziplinen Rech und Poli ik mi einande e woben und bilde en sein
in ellek uelles G a i ä szen um. Unzu ieden mi dem e nüch e nden Dasein als Schul-
meis e in eine Heima s ad B ain ee, wohin e nach dem S udium zu ückgeleh wa ,40
beschloss Adams, sich übe das übliche »app en iceship« bei einem Men o zum Anwal
o zubilden.41 Als das seine Exis enz bes immende, alle seine damaligen und spä e en
En scheidungen bedingende Mo i e kann e e in diese Zei ein »s ong desi e o dis inc-
32 Vgl. hie zu e end Bu e ield 1966, 35 sowie, e was einsei ig, Rye son 2010, 84; ande s Fe ling 1992, 174.
33 Zum ühen und im Al e wiede au genommenen In e esse an den Na u wissenscha en gl. Bu e ield 1966, 27,
34–35 sowie Be ns ein 2020, 20.
34 Fü die Bedeu ung des Empi ismus in de Poli ik gl. Appleby 1992, bes.191, 197–203, 206; Thompson 1998, 11–17;
2001, 239–240; S alo 2013, 42–44.
35 Vgl. S alo 2013, 36–38.
36 Hie zu gleich Nähe es.
37 Zu Analyse de Biblio heksbes ände gl. besonde s Iacuzzi 1952.
38 Zu Eino dnung k i ische Äuße ungen s.u. S. 25–26, 29–30.
39 Vgl. hie zu je z bes. Wood 2017, 12–13.
40 Vgl. den plas ischen Tagebuchein ag om 24.04.1756 (Dia y 1, 22).
41 Vgl. Be ns ein 2020, 22–39.
S e ensen: J
ohn Adams – In ellek uelle , An iin ellek uelle , Nich in ellek uelle ?
| 23
ion«.42 In de »ambi ion« iden i izie e e »one o he mo e ungo e nable Passions o he
human Hea «.43 Die P oblema ik des S ebens nach P es ige igno ie e e nich .44 Fü ihn
ging Ansehensgewinn jedoch zwingend mi eine »g ea ness o mind« einhe ,45 basie e au
de Fö de ung des ö en lichem Nu zens und wa au Lang is igkei angeleg .46 Nich inan-
zielle Absich en e olg e e also bei diese Ka ie een scheidung, sonde n ausschlaggebend
wa ein imma e ielles Mo i , de Eh geiz.47 Seine Aspi a ionen eich en alle dings übe den
Gewinn on P es ige als Anwal au koloniale Ebene hinaus. Idealis isch s eb e e danach,
als Ju is zu Ruhm zu gelangen, da in seinem an iken Vo bild Cice o olgend und inspi ie
on de Lek ü e an ike Au o en.48 De Ges al eines Gese zgebe s wies e den höchs en
gesellscha lichen Rang übe haup zu.49 E s abilisie e Gesellscha en, ihm e danke die
Menschhei ih Wohl.50 Wie seine Ka ie een scheidung demons ie , e s and Adams Bil-
dung und Wissenscha nich nu als Wege zu E kenn nis, sonde n auch als Ins umen ü
sozialen Au s ieg und die E eichung poli ische Ziele.51 De Nu zen ü die Gesellscha ,
42 Vgl. einen anschaulichen Tagebuchein ag aus dem F ühjah 1759 (Dia y 1, 98–100, Zi a : 100).
43 [No es o an O a ion a B ain ee, Sp ing 1772] (Dia y 2, 56–61, hie 59).
44 Fü eine Diskussion gl. Thompson 1998, 28–30.
45 Vgl. Tagebuchein ag om 18. (bzw. 19.)03.1759: »Le me assume a Fo i ude, a G ea ness o mind« (Dia y 1, 80).
46 Vgl. Tagebuchein ag om Ok . 1758: »Con emp u amae, con emni i u em. A Con emp o Fame gene ally bege s
o accompagnies a Con emp o Vi ue. Iago makes he Re lec ion, ha Fame bu b ea h, bu ib a ed Ai , an emp y
sound« (Ea lies Dia y, 91).
47 Nich zu iel Bedeu ung da dem Tagebuchein ag om 30.01.1768 (Dia y 2, 357–358) zugewiesen we den, de
häu ige als Ausd uck on Adams’ e mein lich di e gie enden Lebenszielen gelesen wo den is , a sächlich abe
als eine si ua ionsbeding e Klage übe die mäßigen Lebensums ände und Adams’ soziale S ellung in de Kolonie
e s anden we den soll e.
48
In den Discou ses on Da ila (Wo ks 6, 241) hiel e den Un e schied zwischen » epu a ion« und »glo y« es . Sei P es-
ige das Ziel des Handelns eines jedweden Gen leman, so gebüh e Ruhm »g ea ac ions o lawgi e s and he oes, and
he managemen o he g ea commands and i s o ices o s a e«. Zu Bedeu ung Cice os ü Adams s. neben den in
Anm. 12 e wähn en Einzels udien gl. je z bes. Be ns ein 2020, 18, 27, zu adho a i en Wi kung de Li e a u au
Adams Coquile e 1984, 416–417. – Vo e s begnüg e e sich indes dami , wahlweise de Moses, Solon ode Lyku g
on Massachuse s zu we den, gl. hie zu B ie an A. Adams, 02.06.1777 (Family Co espondence 2, 253).
49 Vgl. die Re lexion übe den Genius mi de he aus agenden S ellung des »lawgi e «, Ok ./Dez. 1758 (Ea lies Dia y,
73) sowie Discou ses on Da ila (Wo ks 6, 241); B ie an J. Sewall, Ok . 1759 (Dia y 1, 123–124, hie 124). Fü wei-
e e Belege sowie Adams’ Be u ung au an ike Vo bilde wie Solon, Pe ikles und Themis okles gl. die bei Thom-
pson 1998, 41–42 e zeichne en S ellen. Zu den Leis ungen de Poli ik gl. e ne Rye son 2016, 89–90. Fü Adams’
Ansich , dass die Gegenwa wegen de iel äl igen poli ischen Ges ak ungsmöglichkei en, die sie bie e, den Neid
an ike Gese zgebe au sich gezogen hä e, Samuelson 2019, 118.
50 Ein plas isches Zeugnis ü Adams Ansich übe die Bedeu ung des Nu zens wissenscha liche Ak i i ä en gl. B ie
an einen Anonymus, Ok ./Dez. 1758 (Ea lies Dia y, 70–72); ü wei e e S ellen gl. Bu e ield 1966, 35 sowie B ie
an J. Sewall, Feb . 1760 (Wo ks 1, 151–155, hie 153).
51 Vgl. hie zu on ech sgeschich liche Sei e Coquile e 1984, 399–400. Wenn e es s ell , dass auch den Geleh en
Ruhm an eibe, nich P lich bewuss sein ode Wah hei sliebe, lieg da in keine Abwe ung des S ebens nach E -
kenn nis, sonde n es handel sich um den Ve such, seine gesellscha lichen Ambi ionen zu legi imie en ( gl. hie -
zu Discou ses on Da ila (Wo ks 6, 240): »Bu he uni e sal objec and idol o men o le e s is epu a ion. I is he
no o ie y, he celeb a ion, which cons i u es he cha m ha is o compensa e he loss o appe i e and sleep, and
some imes o iches and hono s.« Zu ku z g ei dahe die Reduk ion on Adams’ Lek ü e und des Au baus seine Bi-
blio hek au p imä ode ausschließlich p ak ische, im Diens des pe sönlichen A ancemen s s ehende Zwecke, wie
bei P indle 2010, Be ns ein 2010, 83 (di e enzie e 84) ode Nicolson 2013, 65. Vgl. e ne B ie an J. Wendwo h,
Ok ./No . 1758 (Ea lies Dia y, 64–65, hie 65).
24 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
Dis ink ionss eben und Wissenscha en üg en sich ü ihn zu einem unau löslichen D ei-
klang zusammen.
Adams’ Eh geiz au dem Feld des Rech s schlug sich in iel äl igen in ellek uellen In e es-
sen niede .52 Ihm wa bewuss , dass e eine e schöp ende Kenn nis de Geschich e und de
Philosophie benö ig e,53 eine Kenn nis, die um ieles ie e eichen muss e als bei Ju is en,
die beg enz e e pe sönliche und poli ische Absich en e olg en.54 Mi dem wissenscha -
lichen Ausg ei en au ande e Felde e band e das Ziel, die Na u des Menschen und die
Menschhei sgeschich e e assen zu können.55 Inso e n e üll en ande e Disziplinen seine
Ansich nach eine unk ionale Rolle ü die Rech swissenscha . Ge ade indem de Ju is die
G enzen seine Disziplin übe sch ei e, so seine E wa ung, pe ek ionie e e seine Behe -
schung de Rech swissenscha .
Die Leidenscha ü die Poli ik wa ein unmi elba es De i a on Adams’ Selbs e s änd-
nis als Ju is . E s ilisie e sie zu eine au egenden Romanze.56 Seine Einschä zung nach
be and sich diese on ihm als gö lich übe höh e Wissenscha jedoch sei »zwei-ode d ei-
ausend Jah en« in de S agna ion.57 Fu ch los e o e e e die le z en epochalen Leis ungen
au dem Gebie des poli ischen Denkens in de An ike. Sich selbs sch ieb Adams die Rolle
eines his o ischen Re o me s zu. Du ch die Anwendung des Empi ismus, den e als he me-
neu isches P inzip aus den Na u wissenscha en übe nahm,58 e hob e ü sich den Ansp uch,
die Poli ik au ein de s ü mischen En wicklung des 18.Jah hunde s wü diges Ni eau ge-
hoben zu haben. In Übe eins immung mi dem ü die Au klä ung kons i u i en Ziel de
Op imie ung des Lebens des Einzelnen wie de Gesellscha du ch Ve nun und Wissenscha
e s and Adams seine poli ikwissenscha lichen Bemühungen als Bes and eil eines um assen-
den Zi ilisie ungsp ozesses. In seine Pe son sah e au dem Feld de Poli ik die A an ga de
des Fo sch i s e kö pe . Die »science o poli ics« wa ü ihn die »science o happiness«.59
Seine monomane Fokussie ung au die Poli ik ech e ig e Adams mi äuße en Zwängen:
»The Science o Go e nmen i is my du y o s udy […]. I mus s udy Poli icks and Wa ha
my sons may ha e libe y o s udy Ma hema icks and Philosophy. My sons ough o s udy
Ma hema icks and Philosophy, Geog aphy, na u al His o y, Na al A chi
ec u e, Na iga ion,
Comme ce and Ag icul u e, in o de o hei child en a igh o s udy Pain ing, Poe y,
52 Zum um assenden Cha ak e de Rech swissenscha en gl. eben alls B ie an J. Wendwo h, Ok ./No . 1758 (Ea -
lies Dia y, 64–65, hie 65).
53 Vgl. z.B. [On Shakespea e & on Mo i es o Ha d S udy], 1758 (Ea lies Dia y, 76–78, hie 77) ode B ie an J. Sewall,
Ok . 1759 (Dia y 1, 123–124, hie 124).
54 Hinzuweisen is alle dings da au , dass die Spannwei e on Adams’ Lek ü e auch Nu zen ü die all ägliche Anwal s-
p axis mi sich b ach e, wie Coquile e 1984, 394–395 au zeig .
55 Vgl. hie zu u.a. De ence 1 (Wo ks 4, 291).
56 Vgl. B ie an A. Ja dine, 01.06.1790 (Wo ks 9, 567).
57 Vgl. hie zu und zum Folgenden De ence 1 (Wo ks 4, 283–284).
58 Vgl. Thompson 2001, 239–240.
59 Vgl. nochmals B ie an A. Ja dine, 01.06.1790 (Wo ks 9, 567).
S e ensen: J
ohn Adams – In ellek uelle , An iin ellek uelle , Nich in ellek uelle ?
| 25
Musick,
A chi ec u e, S a ua y, Tapes y and Po celaine.«60 Das d eis u ige En wicklungs-
schema, das Adams skizzie , e lek ie unmi elba seine his o ischen En s ehungsum-
s ände.61 Nich Indi e enz gegenübe den schönen Küns en ode ande en Wissenscha en
beg ünde diese Hie a chie de Wissenscha en, sonde n Einsich in die exis en iellen E -
o de nisse de Ve einig en S aa en, die sich jüngs ü unabhängig e klä ha en, sich dann
im Unabhängigkei sk ieg be anden und nach dem Sieg eine sozialen, wi scha lichen und
poli ischen O dnung bedu en. Die En wicklung des S aa es be uh ü Adams zualle e s
au de Siche ung on dessen poli ischen Fundamen en. E s nachdem poli ische S abili ä
e eich wo den sein wi d, du ch e nün ige Poli ik und du ch ökonomische P ospe i ä ,
bleib Ene gie ü die Schönen Küns e. Auße gewöhnlich is an diesem P og amm wenige
das os en a i e U ili ä sdenken, das ü die Au klä ung einschlägig wa , als die spezi ische
Si ua ion, in de sich die Ame ikane be anden, die Kons i u ion eines neuen S aa es, e nab
Eu opas und ge adezu aus dem Na u zus and he aus (wie e und iele seine Zei genossen
es zumindes imaginie en).
T o z seine in ellek uellen P ä e enzen äuße sich Adams imme wiede ab ällig übe Wis-
senscha en und Küns e. U sache wa seine pe sönliche Disposi ion. Schon üh iden i izie e
Adams g a ie ende Hinde nisse ü seine Zukun spläne: seine T äghei , seine mangelnde
Konzen a ions ähigkei , seine sinnliche Emp änglichkei .62 Zu e schiedenen Gelegenhei en
sah e sich wie He kules am Scheideweg s ehen und wähn e sich in de Ge ah , de Ve üh-
ung de Sinne du ch Male ei, Plas ik und Dich ung zu e liegen.63 Die In ek i en, zu denen e
sich zuweilen hin eißen ließ, wa en abe nich Ausd uck on Ve ach ung de Küns e, sonde n
des Ringens mi Eigenscha en und Ve hal ensweisen, die e als cha ak e liche De izi e wah -
nahm. Was imme sein S eben nach Ane kennung und P es ige behinde e, e u eil e e in
eine Schä e und D as ik, die seine eigenen, ihm wohlbewuss en Schwächen neu alisie en
soll en.64 An iin ellek ualismus is bei Adams egelmäßig eine F age des Kon ex s.
60
B ie an A. Adams, 12.05.1780 on seine Mission in F ank eich (Family Co espondence 3, 341–342, hie 342). Die
Rücks ändigkei Ame ikas hiel Adams be ei s 1778 es , als e am 31.03.1778 im Tagebuch seine F eude übe einem
Besuch in Eu opa, dem »g ea Thea e o A s, Sciences, Comme ce and Wa «, Ausd uck gab (Dia y 4, 32–33, hie 32).
61 Abzulehnen is dahe de on Be ns ein 2020, 7–8 anges ell e Ve gleich mi Niccolò Machia elli und dessen B ie
an F ancesco Ve o i om 10.12.1513, in dem Machia elli seine exis en ielle Leidenscha ü die Poli ik ausb ei e .
Adams Zukun sp ojek ion im B ie an seine Ga in Abigail be uh dagegen au sachlichen E wägungen.
62 Aussagek ä ige Beispiele lie e n Egodokumen e aus dem Jah 1758 (Ea lies Dia y, 66, 67, 70, 72).
63 Zu He kules gl. die Tagebuchein äge om Jan. 1759 (Dia y 1, 72, 73) sowie B ie an C. Maccauly, 31.12.1772 (Dia y
2, 75); zu symbolischen und auch poli ischen Bedeu ung des He cules ü Adams gl. e ne B ie e an A. Adams
14.08.1776 und Ap il/Mai 1780 (Family Co espondence 2, 95–97; 3, 332–333).
64 So is auch de Selbs appell im soeben zi ie en Tagebuchein ag om Jan. 1759 zu e s ehen (Dia y 1, 72): »Le no
i ling Di e sion o amuzemen o Company decoy you om you Books, i.e. le no Gi l, no Gun, no Ca ds, no lu es,
no Violins, no D ess, no Tobacco, no Laziness, decoy you om you Books.« – Si ua ionsbezogenhei kennzeichne
auch sons Adams’ Polemik gegen Küns e. Wenn e beispielsweise einmal beme k e, dass e keinen Sixpence ü
ein Gemälde on Ra ael ode eine S a ue des Pheidias ausgeben wü de und dass die Küns e ho en lich e s spä
in No dame ika Einzug hal en wü den, sp ach da aus nich Ve ach ung, sonde n seine Unzu iedenhei mi on ihm
ange e ig en Bildnissen. Zu diese Episode gl. B ie an J. B. Binon, 07.02.1819 (zum Beleg s. Bibliog aphie: Quel-
len). Fü die k i isie e Sich gl. s ell e e end Wood 2017, 12.
32 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
ung. Abe mi de En s ehung des mode nen S aa es und de Fo mulie ung de S aa s aison
begann sich ein ins umen elles und echnisches Ve s ändnis on Poli ik als Maschine ie zu
Realisie ung des Gemeinwohls sowie eines Sys ems on Klughei s egeln du chzuse zen.89
Demen sp echend ich e e sich die E o schung de Poli ik au die Lösung ö en liche P ob-
leme sowie au die Implemen ie ung on In e essen. Dies gal auch ü die F ühe Republik.
Founde wie Thomas Je e son und James Madison wa en zwa Gen lemen, p ädes inie
ü einen Lebenss il, de au a is ok a ische Muße be uh e. Die Wahl ih es S udien aches,
de Rech swissenscha , wa jedoch on o nhe ein mi de Pe spek i e eine ö en lichen
Rolle e knüp , die sie auch ohne Re olu ion, in de kolonialen Gesellscha , wah genom-
men hä en. Alexande Hamil on wiede um zwang seine He kun zu E we bsa bei in
Fo m anwal liche P axis. Alle d ei e ein e indes, dass sie ähige, im Fall on Madison und
Hamil on auch inno a i e, Theo e ike wa en, ü die Poli ik als Wissenscha mi p ak i-
schen poli ischen He aus o de ungen Hand in Hand ging.
Neben die p agma ische Anwendba kei a auch das Mo i de P es igegene ie ung.
Die Ve bindung on Leis ungen ü die Ö en lichkei mi gesellscha lichem Ansehen wa
sei de An ike ie im Ruhmesdisku s e anke und auch im 18.Jah hunde unmi elba
p äsen .90 Die Bekleidung möglichs hoch angige poli ische Funk ionen en sp ach a is-
ok a ischem E hos. Füh ungsposi ionen zu übe nehmen, wa eine Pe spek i e, die zum
s a us ixie en, konku enzo ien ie en Selbs e s ändnis auch de kolonialen Eli e in Neu-
england gehö e. Nich zu ällig wand e sich beispielsweise Benjamin F anklin, zum Gen le-
man au ges iegen, nach zei weilige Beschä igung mi na u wissenscha lichen F agen de
Poli ik zu, die wegen ih e p ak ischen Rele anz ein noch höhe es Ansehen e sp ach.91
Nich nu an Adams, auch an diesen Re olu ionä en mani es ie sich, wie p äsen de Zu-
sammenhang on E kenn nis und Nu zen in de Au klä ung, in insische Ziel o s ellungen
anszendie end, au dem Feld de wissenscha lichen Poli ik wa .
Das Beispiel Adams sensibilisie auch ü den Ums and, dass nich alle Founde Gen-
lemen im Sinne on geleh en Dile an en ohne Spezialkenn nisse wa en, wie Ho s ad e
behaup e . Wede soziologisch noch on seinem Wissenscha s e s ändnis he gehö e de
zwei e P äsiden zu ihnen. Pe ek dem Typus des »gen leman schola «, de in seine Gene-
a ion dominie e, en sp ach de als sein An ipode gel ende Thomas Je e son.92 E e üg e
übe eine ausg ei ende Wissbegie de, die e mi dem Habi us eines Connaisseu s p leg e.
Dass seine Ansich en, abgesehen on ih e poli ischen Radikali ä , alle dings kon en ionell
wa en, mach e ihn wenige zu einem Vo denke als einem Rep äsen an en de Au klä ung.
89 Fü einen enzyklopädischen Übe blick gl. Reinha d 2002 m. w. Li . Zum A is o elismus gl. bes. Flüele 1992 und
Schmi 1993.
90 Fü diese E kenn nis bei Adams gl. Thompson 1998, 32–33.
91 Wood 2004, 17–60, 66–68.
92 S a iele Biog aphien gl. ü eine Ein üh ung Wood 2006a.

S e ensen: J
ohn Adams – In ellek uelle , An iin ellek uelle , Nich in ellek uelle ?
| 33
T e end bezeichne e ihn Be na d Bailyn als lebendes »S e eo yp des 18. Jah hunde s«.93
Höchs ens eingesch änk e üll e e Ho s ad e s An o de ungen an den In ellek uellen. Weni-
ge b ei ge äche e In e essen besaß demgegenübe Adams, doch e olg e e die ü ihn ele-
an e Spezialdisziplin – die Poli ik – mi eine In ensi ä , die ihn zu neua igen, ü Zei genos-
sen exo isch wi kenden Einsich en üh e. Wiewohl biog aphisch in de Au klä ung e anke ,
pe soni izie e e die he au ziehende P o essionalisie ung de Wissenscha , die im 19.Jah -
hunde ih en Du chb uch e leb e. So wi d de Fu o e klä ba , mi dem Adams sowohl Wis-
senscha als auch Poli ik als Fo se zung on Wissenscha be ieb. Ihn kennzeichnen be ei s
elemen a e Züge, wie sie dem Expe en zu eigen wa en, dessen Exis enz Ho s ad e ü das
18.Jah hunde ka ego isch negie und e s in de Recons uc ion E a e o e .
(2) Zu diesen F agen an die T i igkei on Ho s ad e s Deu ung de F ühen Republik
e en P obleme mi de Kohä enz des In ellek uellenbeg i s in An i-in ellec ualism. Adams
besaß o ensich lich Eigenscha en, die sich aus dem Rese oi des In ellek uellen wie des
An iin ellek uellen und des Nich in ellek uellen ek u ie en. Das S eben nach E kenn -
nis um ih e selbs willen, das Übe p ü en e ablie e Gewisshei en, die Hochschä zung
ü die Wissenscha en sowie das ge adezu exis en ielle Engagemen ü Ideen s ehen bei
ihm neben Nü zlichkei sdenken, P axiso ien ie ung, Fach-und Me hodenmonismus sowie
in ellek uellem Zelo en um. Die Möglichkei eines Spannungs e häl nisses zwischen be-
s imm en K i e ien, beispielsweise zwischen geis ige Flexibili ä und obsessi em In ellek-
ualismus bes eh a sächlich. Ob es sich abe ealisie , is , wie de Fall Adams o üh ,
diskussionswü dig. Zu klä en wä e auch, ob nich Elemen e, die Ho s ad e un e An i-
in ellek ualismus echne , Vo ausse zungen ü bes imm e Eigenscha en und Funk ionen
des In ellek uellen sind. So könn e auch ein e hebliche G ad an Insis ie en au om Main-
s eam abweichenden Ansä zen und E kenn nissen, wie bei Adams, no wendig sein, um
lang is ig poli ischen Ein luss zu e zielen ode als »mo alische An enne« zu ungie en.
Teils läss sich abe auch die Ausschließlichkei einzelne Me kmale in Zwei el ziehen.
Beg ündungsp lich ig e wa is , wa um sich Nü zlichkei sdenken nich mi eine Vo s el-
lung on Bildung und Wissenscha en als Selbs zweck e binden lasse, wie Adams und
die Au klä e es a en. Eben alls a sich in seine Pe son kein Wide sp uch zwischen de
ausschließlichen Konzen a ion au eine wissenscha liche Disziplin und einem en husias-
ischen En deckungs ieb au . O en is schließlich, ob und inwiewei de In ellek uelle
nich P io isie ungen zwischen In e essengebie en o nehmen und mi subjek i e No -
ma i i ä beg ünden dü e, weshalb ü Adams bes imm e Küns e und Wissenscha en
nu nach angige Bedeu ungen ha en. Va ianzen, Abschich ungen und Kombina ionsmög-
lichkei en im Feld des In ellek uellen e wähn Ho s ad e zwa im p og amma ischen Teil
93 Vgl. Bailyn 1990, 26–41, bes. 26–27 (Zi a : 27). In eine ähnliche Rich ung ziel , mi posi i e e We ung, S alo 2005,
bes. 234–235, 236, 239–240, de alle dings zu Un ech im »shee joy« on Je e sons in ellek uellen In e essen ei-
nen Un e schied zu Adams kons uie (hie zu s eh auch Je e sons Wissen um den gesellscha lichen Nu zen de
Wissenscha en und [indi iduelle ] Bildung im Wide sp uch, gl. ebd., 261–263; auch wies Je e son de Bildung
Rele anz bei de Einhegung de A is ok a ie zu, wie Neem 2012 he auss ell ).
34 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
on An i-in ellec ualism, be ücksich ig sie jedoch nich in de his o ischen Analyse des
18.Jah hunde s. De on ihm um issene Ideal ypus des In ellek uellen is dahe , wie sich
an Adams illus ie en läss , on konzep ionellen B uchs ellen du chzogen, die sein heu is-
isches Po en ial beein äch igen.
Die Plausibili ä sp obleme in Ho s ad e s his o ischem Na a i de F ühen Republik wie
in seinem Bild des In ellek uellen sind du ch zwei konzep ionelle P ämissen on An i-in el-
lec ualism beding . Zum einen olg Ho s ad e einem subs an ialis ischen Ve s ändnis on
In ellek uali ä und dem In ellek uellen. Seinem on ihm selbs nich heo e isie en Ansa z
lieg eine A idealis isch-neohumanis ische Bildungsbeg i zug unde, den Ho s ad e als
undamen al ü sein Selbs e s ändnis und seine Lebens üh ung ansah.94 Da dieses Kon-
zep wie jedes ande e auch his o isch gebunden is , üh seine uni e sale Anwendung au
ande e Epochen no wendige weise zu ahis o ischen E gebnissen. Die »In ellek uellen« des
18.Jah hunde s kann e nich aus ih e Zei he aus e s ehen, weil e sie an Maßs äben
zu bes immen und messen e such , die de Au klä ung emd wa en. Inso e n e weis sich
seine A de Beg i sbildung im konk e en Fall als inadäqua , ü das Ganze de U.S.-ame-
ikanischen Geschich e als s uk u elles De izi .
Zum ande en a bei e Ho s ad e mi einem addi i en Beg i om In ellek uellen und
dessen iel äl igen Gegen igu en.95 Fü seine Kombina ion on Ideenmi Kul u geschich e
wa en die indi iduellen P o agonis en des (An i-)In ellek ualismus nach angig. Wede ha
sich Ho s ad e um eine heo e ische Fundie ung seines Konzep es des In ellek uellen be-
müh noch dessen Wesensme kmale zu einem in sich geschlossenen Po ai zusammen-
ge üg . Übe das ganze Buch hinweg sind s a dessen de ini o ische F agmen e e s eu .
Was Ho s ad e als An iin ellek ualismus e s and, de e minie e seinen Beg i des In ellek-
uellen. Es wa unumgänglich, dass au diese Weise Spannungen und Wide sp üche, abe
auch Bezüge zwischen einzelnen Cha ak e is ika e bo gen blieben, eine Un e scheidung
zwischen no wendigen und hin eichenden Elemen en hin ällig wu de und eine P io isie-
ung on Me kmalen en iel.
Zu E klä ung diese Unbes imm hei en d äng sich Ho s ad e s Selbs e s ändnis als
engagie e , Gegenwa und Ve gangenhei in eine iskan e Beziehung zueinande se zen-
de In ellek uelle au .96 Ausschlaggebend ü das Design des Na a i s dü e die pole-
mische S oß ich ung des Buches sein. Ho s ad e e s and An i-in ellec ualism als eine
poli ische In e en ion aus de Wissenscha he aus, die sich gegen die Radikalisie ung
de ame ikanischen Rech en sei den 1950e Jah en ich e e.97 Den Kamp gegen eine
p og essi e Poli ik nahm Ho s ad e , ühe ein adikale Linke , spä e ein ehe konse a-
94 Snodg ass 2018, 11–12.
95 Dies gil o z des Kapi els 15 (Ho s ad e 1963, 393–432), das mi dem Ti el »The In ellec ual: Aliena ion and Con-
o mi y« übe sch ieben is .
96 Vgl. hie zu die Einlei ung in diesen Band, h ps://doi.o g/10.38072/978-3-910591-27-1/p1, S. 7–10
97 Diese his o ische Eino dnung und Beg ündung des Themas nimm Ho s ad e gleich zu Beginn des Buches o
(Ho s ad e 1963, 3–5).
S e ensen: J
ohn Adams – In ellek uelle , An iin ellek uelle , Nich in ellek uelle ?
| 35
i e Libe ale , als Bed ohung seine eigenen poli ischen und in ellek uellen Ideale wah .98
Die au de Besch eibung und Analyse de Gegenwa ußende Beobach ung eines An i-
in ellek ualismus mach e e zum Lei mo i eine Meis e e zählung, indem e sie au die
gesam e U.S.-ame ikanische Geschich e p ojizie e. Von seinem Ve dik nahm Ho s ad e
die F ühe Republik aus. E o m e sie o dem Hin e g und ak uelle Mise e zum o ien ie-
ungss i enden Ideal. Indem seine Da s ellung die g öß e Epoche de USA als Schöp ung
on In ellek uellen deu e e, bewies e nich nu die his o isch beglaubig e Wi kungsk a
seines Bildungs- und Wissenscha skonzep s, sonde n disk edi ie e zugleich die Vo s el-
lungen de An iin ellek uellen. Die schema ische Kons uk ion de Gene a ion de Foun-
de läss sich dahe als P oduk eines S ebens nach manichäischen Dualismen e assen,
das aus de unmi elba en In ol ie hei des Au o s in g undsä zliche F agen de zei ge-
nössischen Poli ik he o ging.
Auch Ho s ad e s pe sönliche Hal ung zu eine poli ischen Be ä igung beein luss e
wohl die his o ische Da s ellung. So seh e eine dezidie engagie e Geschich e sch ieb,
so wenig wa e selbs zu eine ak i en Rolle in de Poli ik be ei . Ande s als P o esso en-
kollegen wie A hu M. Schlesinge J ., und McGeo ge Bundy, die Mi gliede de Kennedy-
Regie ung wa en, ode Hen y A. Kissinge , Geo ge Shul z und James R. Schlesinge , die
un e P äsiden Nixon dien en, zog es ihn – nach eine ak i is ischen Phase als S uden
und junge Dozen – nich in ö en liche Äm e . T o z seines Einsa zes ü die Kampagne
on Adlai S e enson bei de P äsiden scha swahl 1952 lehn e Ho s ad e Angebo e zu
Übe nahme poli ische Funk ionen ab.99 Fü sein Bedü nis nach Unabhängigkei ,100 sein
Bekenn nis zu Exzellenz und seine Ablehnung des Egali a ismus sah e in de Massen-
demok a ie keine Chance. In das Kons uk des Gen lemans de F ühen Republik, das
e in An i-in ellec ualism en wa , p ojizie e e seine eigenen P ä e enzen. Mi hil e de
Geschich e indizie e e pe sönliche Lebensen scheidungen. Nich Ve ach ung de Mach
lei e e ihn in seine Dis anz zu ope a i en Poli ik, sonde n die Einsich in die his o i-
sche En wicklung: »Today knowledge and powe a e di e en ia ed unc ions. When pow-
e e
so s o knowledge, as i inc easingly mus , i looks no o in ellec , conside ed as a
ee specula i e and c i ical unc ion, bu o expe ise, o some hing ha will se e i s
needs.«101 De »gi ed ama eu « wa sei dem Ende de F ühen Republik, sei dem »Niede -
98 Zu his o ischen Eino dnung on Ho s ad e s poli ische O ien ie ung und de en Wandel s. Howe/Finn 1974, bes.
11–23; Singal 1984 sowie den Übe blick bei Snodg ass 2018, 5–10.
99 Zu Ho s ad e s Einsa z ü S e enson gl. B own 2006, 127–128, 131–132, 135 sowie Snodg ass 2018, 144–147.
Nich di ek als In ellek uelle , abe als ein In ellek uelle anziehende Poli ike wi d S e enson gleich zu Beginn
on An i-in ellec ualism angesp ochen (Ho s ad e 1963, 3: »poli ician o uncommon mind and s yle, whose appeal
o in ellec uals o e shadowed any hing in ecen his o y«). S e enson wa alle dings kein Gen leman, wie e Ho -
s ad e s Bild de F ühen Republik p äg , sonde n – ungeach e seines geis igen Fo ma s – ein Ka ie ebeam e ,
dessen poli ische Lau bahn unmi elba nach dem Ende des Uni e si ä ss udiums begann.
100 S. hie zu Snodg ass 2018, 10.
101 Ho s ad e 1963, 428.
36 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
gang des Gen lemans«102 aus de Poli ik e bann , ungeach e de on Ho s ad e selbs
konzedie en neuen Anziehungsk a Washing ons au »In ellek uelle« nach de Eisen-
howe -P äsiden scha .103
5. Bilanz
We nun wa Adams: ein In ellek uelle , ein An iin ellek uelle , ein Nich in ellek uelle ?
Welche g undlegenden heu is ischen Schwie igkei en diese F age innewohnen, demons -
ie die Un e suchung seine Pe son und die Anwendung ih e E gebnisse au Ho s ad e s
An i-in ellec ualism. Sich ba wi d Adams’ P o il e s in eine di e enzie enden his o ischen
Analyse. Vielsei ig und spannungs eich wie die F ühe Republik, e ein es gegensä zliche
K i e ien aus Ho s ad e s Taxonomie. Doch abwägende, ha monisie end besch eibende, ge-
schich liche Ambi alenz wide spiegelnde Fo meln, wie sie e wa P äsiden John F. Kennedy
in seinem U eil übe den Poli ike Adams and,104 als e seinen Vo gänge ü die Ve -
bindung on Re lexion und p ak ischem Handeln p ies, konn en Ho s ad e s Deu ungsan-
sp uch nich zu ieden s ellen.
Meh als die F ühe Republik beleuch e Adams dahe als his o isches Fallbeispiel die
Zei -und S ando gebundenhei on An i-in ellec ualism. Ho s ad e s his o isches Na a i
und seine Vo s ellung des In ellek uellen lei en sich unmi elba aus seine Posi ionie ung
in F agen de Poli ik, seinem pe sönlichen Bildungsideal und seinem Selbs e s ändnis ab.
Nich umsons bekann e e sich zu den s a ken au obiog aphischen Zügen des Buches, die
o im Fokus de K i ik s anden.105 De Subs an ialismus seines (An i-)In ellek ualismus-
konzep s und de addi i e Cha ak e seines In ellek uellenbeg i s bedingen alle dings eine
En his o isie ung de U.S.-ame ikanischen Geschich e. Sein 18.Jah hunde , seine F ühe
Republik is eine hagiog aphische Kons uk ion. Die F eihei im ak ischen De ail, die e
sich selbs zuges and,106 bes eh hie in dessen Ve nachlässigung.107 Dass die Wiede keh
de G ünde phase, die nie in de on ihm da ges ell en Fo m exis ie ha e, wegen de
Al e i ä on F ühe Neuzei und Mode ne eine U opie bleiben muss e – ü die Ve einig en
S aa en wie ihn selbs –, wa Ho s ad e bewuss . Schlaglich a ig wi diese Be und das
g undsä zliche P oblem de In e dependenz on his o ische Kons uk ion und dem Ope-
ie en mi ka ego ialen Ansä zen in An i-in ellec ualism (abe auch de Adams-Fo schung)
102 So de Ti el on Kapi el 6 (ebd., 145–171).
103 Ebd., 5.
104 Vgl. Kennedy 1963, 479 in seine Rezension de e s en ie Bände de Edi ion on Adams’ Tagebüche n.
105 Vgl. hie zu B own 2006, 140, e ne Weiland 1988, 468.
106 V
gl. Ho s ad e 1963, ii (»la gely a pe sonal book, whose ac ual de ails a e o ganized and domina ed by my
iews«).
107 In ande em Zusammenhang, z.B. in The Ame ican Poli ical T adi ion, konn e Ho s ad e indes auch eine nüch e ne
Hal ung gegenübe de Gene a ion de Founde einnehmen, gl. Singal 1984, 983.
S e ensen: J
ohn Adams – In ellek uelle , An iin ellek uelle , Nich in ellek uelle ?
| 37
au . Skep isch äll Ho s ad e s Blick in die Zukun aus: Moch e auch »das In ellek uelle«
imme hin in Fo m des Expe en ums wiede als »K a in de ame ikanischen Poli ik« es-
i uie wo den sein – » he pe inen ques ion is whe he he in ellec ual, as expe , can
eally be an in ellec ual«.108 Ho s ad e is wenige ein E o sche de Ve gangenhei als
ielmeh selbs eine Quelle de Geschich swissenscha , die Auskün e übe die libe ale
akademische Eli e de Nachk iegszei e sp ich : übe ih e Selbs sich und ih Wi ken im
ö en lichen Raum, abe auch übe ih e Deu ung de Gesam geschich e de USA, die no -
ma i e Funk ion de F ühen Republik und die hin e diesen In e p e a ionen s ehenden
Mo i e und In e essen.
Auch die Theo iebedü igkei seines addi i angeleg en, als gesellscha liches und his-
o isches Analyseins umen nu eingesch änk auglichen Beg i s des In ellek uellen e -
ö ne p oduk i e Möglichkei en. Sie läd zu Übe p ü ung bildungs-und wissenscha s-
geschich liche E kenn nisse au dem Gebie de U.S.-ame ikanischen Geschich e ein. Sie
kann wie im Fall on Adams neue Pe spek i en au his o ische Kon o e sen e ö nen. Sie
o de zu F age nach his o ischen Kon inui ä en und Diskon inui ä en, nach Ges al ungs-
bedingungen on Gegenwa und Zukun au . Und sie inspi ie zu eine Re lexion gängi-
ge , bequem gewo dene Vo s ellungen des In ellek uellen, eine im ö en lichen Disku s
und in de Wissenscha ebenso p ominen en wie ums i enen Ges al . So sind ge ade die
Idiosynk asien und heu is ischen G enzen on An i-in ellec ualism in Ame ican Li e eine
S imulanz ü das S eben nach E kenn nise wei e ung. Nich nu Adams is es, de i i ie ,
sonde n auch Ho s ad e .
108
Ho s ad e 1963, 428. Zugleich wende e sich jedoch gegen »Selbs mi leid«, »Ve zwei lung« und die Ve lockung eine
o eiligen inne en Kapi ula ion (ebd., 432, gl. auch 7). Neue Ho nungen e weck in ihm, auch ü seinen eigenen
Blick au die U.S.-ame ikanische Gesellscha und die on ihm disku ie en P obleme, die P äsiden scha Kennedys
(ebd., 5), die alle dings noch im Jah des E scheinens on An i-in ellec ualism ih gewal sames Ende and
.
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38 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
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Au o
Nils S e ensen
is Mi glied des Semina s ü Geschich e und Geschich sdidak ik an de Eu opa-Uni e si ä Flens-
bu g. In Tübingen, Köln und P ince on s udie e e Geschich e, La einische Philologie, Philosophie
und Poli ikwissenscha en. 2013 wu de e mi eine his o iog aphiegeschich lichen Disse a ion p o-
mo ie . Seine Fo schungsschwe punk e bilden die Geschich ssch eibung, die Rezep ionsgeschich-
e de An ike und die poli ische Philosophie. Zule z e schienen: Classical He oes in he 21 h Cen u y.
New Pe spec i es on Con empo a y Cinema ic Na a i es o An iqui y (= Helden – He oisie ungen –
He
oismen 20), Baden-Baden 2023 (hg. m. Ma in Lindne ).
nils.s[email p o ec ed]
40 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
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| 41
Julia Ni z
F auen in de Deba e um
An iin ellek ualismus in den USA
His o iog aphische Re ision am Beispiel au obiog aphische Sch i en
aus dem 19. Jah hunde
1. Einlei ung: F auen in Ho s ad e s An i-in ellec ualism in Ame ican Li e
In seinem 1963 e ass en ich ungsweisenden We k zu Geschich e des An iin ellek ualismus
in den Ve einig en S aa en on Ame ika, An i-in ellec ualism in Ame ican Li e, denk Richa d
Ho s ad e F auen so gu wie nich mi . Es schein so, als wä en F auen nich Teil des on
ihm beobach e en, p ä alen en A gwohns iele Ame ikane *innen gegen In ellek uelle.
1
Ziel
dieses A ikels is es, zum einen au zuzeigen, inwiewei Ho s ad e die Diskussion zu An i-
in ellek ualismus und F auen bis heu e p äg , und eine de aillie e Übe sich zu Fo schungs-
ends in diesem Be eich zu lie e n. Zum ande en soll die his o iog aphische Deba e um zwei
Fallbeispiele de Jah hunde wende e wei e we den. Un e suchungen zum An iin ellek ua-
lismusdisku s in Rebecca Ha ding Da is’ au obiog aphischem We k Bi s o Gossip (1904) und
Eliza F ances And ews’ Bü ge k iegs agebuch The Wa -Time Jou nal o a Geo gia Gi l (1908)
s ellen die wei e b ei e e These on de als an iin ellek uell de inie en Na u de ik o ia-
nischen F au in age und e lauben Einblicke in die A und Weise, wie konse a i e und p o-
g essi e in ellek uelle F auen sich selbs in den (An i-)In ellek ualismusdisku s einsch ieben.
Es inde sich im Schlagwo e zeichnis on An i-in ellec ualism in Ame ican Li e kein
Ein ag zu F auen, F auenbewegungen ode ähnlichem. Nu eine Hand oll F auen wi d na-
1 I
m G unde gil diese Abwesenhei in de his o ischen Re ision zu An iin ellek ualismus ü alle Mino i ä en, sowohl
bei Ho s ad e als auch in de au ihn olgenden Fo schung zum Thema. Eine en sp echende Au a bei ung in diesen
Be eichen wü de de These on eine an iin ellek uellen ame ikanischen Kul u meh Komplexi ä und Nuancie hei
e scha en, insbesonde e bezüglich eines inhä en en Geschlech e -, Rassen-und Na ionali ä enessen ialismus im
Ve s ändnis on In ellek bzw. in ellek uellen Fähigkei en und In elligenz (Common Sense). Dami könn en u.a. We -
ke wie John McWho e s Losing he Race. Sel -Sabo age in Black Ame ica (2000/2001), welches An iin ellek ualis-
mus als kul u elles Resul a o lau ende Disk i
minie ung on schwa zen Ame ikane n diagnos izie , du ch eine
his o ische Dimension kon ex ualisie we den.
Kiel-UP •
h ps://doi.o g/10.38072/978-3-910591-27-1/p3
48 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
adezu Angs o Sexuali ä in jegliche Fo m gehab hä en.21 Ma ilyn F ench k i isie e
diese Sich weise und a gumen ie e, hie übe sehe Ho s ad e , dass undamen alis ische
Kon olle on Sexuali ä au die Un e we ung on sich zunehmend emanzipie enden
F auen abgeziel habe. Anhand eine Un e suchung undamen alis ische Rhe o ik zu
weibliche Sexuali ä und zu F auenbewegungen schließ sie au das Bes eben eligiöse
Fundamen alis en, männliche Dominanz in Poli ik und eligiös-mo alischen Angelegen-
hei en zu zemen ie en.22
F ench sah F auen als Op e inne halb on an iin ellek uellen Bewegungen, da diese
die hegemoniale Mach on Männe n s ä ke. Genau diese F age, ob F auen, da sie als
an iin ellek uell de inie we den, in an iin ellek uellen Bewegungen (E weckungs eligion,
Sen imen alismus und Fundamen alismus) pa izipie en bzw. An iin ellek ualismus zu
S ä kung de eigenen Posi ion ins umen alisie en, und inwiewei sie dami die Hegemo-
nie des Pa ia cha s un e s ü zen, dominie in den le z en Jah en die Diskussion zu F au-
en und In ellek ualismus.23 A bei en wie die on Ma y Wea n McCa in zeigen jedoch au ,
dass die Ve o ung on F auen in an iin ellek uellen Disku sen komplexe und nich no -
wendige Weise eindimensional zu sehen is . So könn en sie ih e an iin ellek uelle Posi-
ionie ung sowohl zu Teilhabe an ihnen sons e schlossenen gesellscha lichen Räumen
und Deba en nu zen, als auch in ellek uelle Posi ionen einnehmen. McCa in illus ie
in Nine een h-Cen u y Ame ican Women W i e Religion, wie F auen inne halb eligiöse
Bewegungen s a k a ek i e Rhe o ik nu z en, um heologische Dok inen und Theo ien
in hoch in ellek uellen Disku sen zu hin e agen.24
3. F auen und (An i-)In ellek ualismusdisku se im ausgehenden
19.Jah hunde : Rebecca Ha ding Da is und Eliza F ances And ews
McCa ins A bei schein wegweisend ü eine nuancie e Deba e da übe , wie sich F auen
als an iin ellek uell e s anden, e hiel en und posi ionie en und welche ak i e Rolle sie in
An iin ellek ualismuss ömungen einnahmen. Es s ell sich o allem die F age, wie eine ge-
sellscha liche G uppe, de In ellek abgesp ochen wu de bzw. ü die in ellek uelles Bes e-
ben und Können als unna ü lich gal , sich übe haup in an iin ellek uellen Deba en posi io-
nie en konn e. Um diese Schlag ich ung einen wei e en Impuls zu geben, wi d im Folgenden
un e such , wie sich zwei weiße in ellek uelle F auen im ausgehenden 19.Jah hunde zum
Thema äuße en. Hie sei nochmals angeme k , dass sich die Deba e zu F auen und In el-
lek ualismus in de Regel au weiße F auen bezog bzw. keine Di e enzie ung o genommen
21 Ho s ad e 1963, 119.
22 F ench 1992, 51–66.
23 Vgl. Samuel 1992.
24 Vgl. McCa in 2014.

Ni z: F auen in de Deba e um An iin ellek ualismus in den USA | 49
wu de. Die e e ie en Beispiele lassen kla au Weißsein als una ikulie e No m schließen.
Fü schwa ze F auen und Women o Colo po enzie e sich die P oblema ik. Kün ig müss en
hie zu sepa a e bzw. komplexe e S udien du chge üh we den, die in e sek ionale Fo men
de Absch eibung in ellek uelle Fähigkei en be ücksich ig en.
In diesem Bei ag s ehen die au obiog aphischen Tex e on zwei weißen F auen im Fo-
kus, die sich auch zu ehemals e skla en F auen posi ionie en und die Pe spek i e dami
ö nen. Bei den Tex en handel es sich um die kul u elle Au obiog aphie Bi s o Gossip
(1904) on Rebecca Ha ding Da is (1831–1910) und um das 1908 publizie e Bü ge k iegs-
agebuch The Wa -Time Jou nal o a Geo gia Gi l, 1864–1865, on Eliza F ances And ews
(1840–1931). Beide Tex e e binde de in ellek uelle S a us de Au o innen als Sch i s elle-
innen und im Falle on And ews auch Na u wissenscha le in, das Gen e des Li e W i ing
im wei e en Sinne und die di ek e Ve handlung on In ellek uali ä , (Wel -)Wissen und
Bildung.
Au obiog aphisches Sch eiben on F auen im langen 19.Jah hunde en sp ach nich
dem gängigen Kodex ame ikanische Weiblichkei , de eine ö en liche Selbs inszenie ung
nich o sah. Deshalb g i en F auen häu ig zu Al e na i en, indem sie quasi eine Beobach-
e -bzw. Zei zeugen olle ü sich dekla ie en und ih e Selbs da s ellungen legi imie en.
Da is p oklamie in den e ö nenden Kommen a en zu Bi s o Gossip, dass es ih um e leb e
Zei geschich e gehe. And ews be on im Vo wo zum Tagebuch, dass sie einen Bei ag zu
Gesellscha sgeschich e des Südens leis en wolle.25
Da is und And ews publizie en au obiog aphische Tex e mi de In en ion, ein b ei es
Publikum zu e eichen. Es is da on auszugehen, dass hie Gedanken p opagie we den,
die ö en lich e handelba wa en. Dies is gleichzei ig Haup augenme k de Un e suchun-
gen, nämlich die ö en lichkei swi ksame Ve handlung on In ellek ualismus und An i-
in ellek ualismus du ch F auen und in Bezug au F auen um die Jah hunde wende. Die
Un e suchungspe iode lieg im sogenann en Gilded Age am Übe gang zu P og essi en Ä a.
Dami handel es sich nach Ho s ad e um eine Phase des Übe gangs om An iin ellek ualis-
mus des indus iellen Zei al e s zu Expe enkul u des ühen 20.Jah hunde s.26 Es soll
en sp echend un e such we den, inwiewei sich die Eins ellungen de zwei Au o innen zu
In ellek uellen in diese T adi ion eino dnen lassen. Die Auswahl bleib le z lich s ichp oben-
ha und e heb keinen Ansp uch au ep äsen a i e Gene alisie ungen, gleichwohl zeig
sie einen kla en noch zu besch eibenden T end dahingehend, wie F auen an iin ellek uelle
Deba en zu Einsch eibung in die in ellek uelle Eli e nu z en.
25 Da is 1904, 21; And ews 1908, 3.
26 Vgl. Ho s ad e 1963, 197–229.
50 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
4. Rebecca Ha ding Da is: In ellek uelle F auen mi He z
und weibische Männe mi Ve s and
Rebecca Ha ding Da is, bekann du ch ih e No elle Li e in he I on Mills (1861), gehö zu
den ühen Ve e e *innen des Realismus, wobei sie ein ache Menschen zu li e a ischen
Helden mach e, ganz im Sinne eines An iin ellek ualismus. 1831 in den Süds aa en gebo en,
e b ach e sie die e s en 30Lebensjah e in Vi ginia (spä e Wes Vi ginia), haup sächlich
in Wheeling di ek am Ohio und dami in de G enz egion zum No den. Nach ih e Hei a
zog sie nach Philadelphia, wo sie den Res ih es Lebens e b ach e. Da is wu de bis zum
14. Lebensjah du ch ih e Mu e und P i a leh e un e ich e und besuch e anschließend
das Washing on Female Semina y. Mi 17 keh e sie nach Hause zu ück und un e s ü z e
ih e Mu e bei de Haushal s üh ung. Um sich wei e zu bilden, blieben ih nunmeh nu
die Büche ih es B ude s Wilse, de am Washing on College s udie e. Sie begann zu sch ei-
ben, abe e s mi 30Jah en gelang ih übe Nach de Du chb uch mi de Publika ion on
Li e in he I on Mills in de enommie en Zei sch i A lan ic Mon hly. Von nun an ging die
Ka ie e s eil be gau . Wäh end ih e Schwange scha sah sie sich jedoch mi den gängigen
Vo u eilen gegen sch i s elle ische F auen kon on ie . Ih e Kindsbe dep ession wu de als
»ne ous exhaus ion« diagnos izie , was ypische Weise au in ellek uelle Tä igkei en on
F auen zu ückge üh wu de. Da au hin wu de ih ge a en, on jeglichem Lesen und Sch ei-
ben abzusehen. Da is e a bei e e diese E ah ungen spä e in Ku zgeschich en und üh e
ih e sch i s elle ische Ka ie e unbei o . Nich sdes o o z p äg en diese E lebnisse ih e
Eins ellung zu angeblich an iin ellek uellen Na u on F auen und männliche in ellek uel-
le Vo he scha .
27
Im Al e on 73Jah en e ö en lich e Da is Bi s o Gossip und posi ionie e sich da in als
Zei zeugin, die e such , den Cha ak e de ame ikanischen Na ion und Kul u zu e assen.
Teil dieses P ojek s is die Einsch eibung on F auen als p ägend ü den na ionalen Cha-
ak e . Im Ke n s ell Da is in ellek uellen Männe n p ak isch e anlag e F auen gegenübe ,
ohne die die Männe im P inzip nich lebens ähig wä en. Im Buch in en a isie Da is den
na ionalen Cha ak e , den sie als eine Mischung aus Neuenglände n, Süds aa le n und Mi -
els aa le n (Pennsyl ania und Wes Vi ginia) e s eh . Sie beginn ih e In en a isie ung mi
den Neuenglände n bzw. de in ellek uellen Eli e in Bos on und Conco d, i.e. Ralph Waldo
Eme son, Na haniel Haw ho ne, B onson Alco , Hen y Tho eau, Oli e Wendell Holmes
und James Russell Lowell. Sie bezeichne diese He en wahlweise als »A eopagi e«, B ahmi-
ne und »A lan ic co e ie« und s ilisie sie i onisch als Pseudogo hei en de jungen ame i-
kanischen Na ion. So nenn sie Eme son einen »ame ikanischen P ophe en«.28 Sie be ich e ,
wie sie selbs als junge F au Eme son e eh e und mein e, e s ehe wie Moses mi Go
in Ve bindung und könne ihn und die Wel deshalb ande en e mi eln. Nach nähe e Be-
27 Fü die biog aphischen Angaben zu Rebecca Ha ding Da is gl. Lasse e /Ha is 2001.
28 Da is 1904, 38–44.
Ni z: F auen in de Deba e um An iin ellek ualismus in den USA | 51
kann scha e ände sich dieses Bild, wie sie behaup e . Sie monie , dass diese P ophe en
und weisen Mo alapos el in ih e eigenen Wel geleb und den Bezug zu Reali ä e lo en
hä en. So kons a ie sie, dass »while hey hough hey we e guiding he eal wo ld, hey
s ood qui e ou side o i , and ne e would see i as i was«.29 Sie e läu e wei e :
»Whe he Alco , Eme son, and hei disciples discussed pea s o he wa , hei iews
ga e you he same sense o un eali y […]. You hea d much sound philosophy and many
sublime guesses a he e e nal e i ies; in ac , ne e we e he e e nal e i ies so dissec ed
and pawed o e and u ned inside ou as hey we e abou ha ime, in Bos on, by Ma ga-
e Fulle and he successo s. Bu he discussion le you wi h a ague, uneasy sense ha
some hing was lacking, some back-bone o ac . Thei heo ies we e like beau i ul bubbles
blown om a child’s pipe, loa ing o e head, wi h quee e lec ions on hem o sky and
ea h and human beings, all in a glow o ai y colo and all a li le dis o ed.«
30
Da is s ilisie hie Philosophen, Li e a en und Re o me als e klä e Roman ike , als übe -
sensibel, e kop und eali ä s emd. Ganz in de on Ho s ad e de inie en An iin ellek u-
alismusmanie k i isie sie die heo e ischen Lu schlösse , die nich an ak ische Reali ä en
gebunden und dami abgehoben und nu zlos seien. Dabei geh es jedoch nich im Sinne
eines un e lek ie en Ins umen alismus um den Nu zen on gene ie em Wissen, sonde n
da um, dass Da is zu olge Theo ie mi P axis (im Sinne on Wel e ah ung) im Einklang
s ehen müsse. So k i isie sie Theo e ike wie Eme son, Alco und Whi man sowohl ü ih e
Wel emdhei als auch insbesonde e ü ih e Scheinheiligkei und ehlende Menschlichkei .
Sie nenn den Bildungs e o me Alco einen Hypok i en, de zum Beispiel eine ege a ische
Bi nendiä p opagie e und selbs abends beim Roas bee o den lich zulange. Sie missbillig
auch sein Philosophie en übe den Bü ge k ieg, den e im Gegensa z zu ih nie aus de Nähe
e leb ha . Ih e schä s e K i ik gil jedoch seinem Un e mögen, seine Familie zu e näh en,
de en Leid e übe seinen Philosophien e gesse. Eme son üg sie ü seinen Egoismus, da e
sich ü ande e Menschen nu als Un e suchungsobjek e ü seine gesellscha s heo e ischen
empi ischen S udien, abe nich als Mi menschen au Augenhöhe in e essie e. Wal Whi man
wiede um wi d ü seine Idealisie ung de A bei e klasse und seine ( heo e ischen) aboli io-
nis ischen Eins ellungen abgemahn , da e wede a bei e noch ü die No ds aa en gekämp
habe.
31
Da is ha iel Lob ü »schola s« und »o iginal hinke s«, abe sie k i isie sowohl
Theo ien, die keinen Rückhal in de P axis haben, als auch gedankenlose Ge olgscha und
Hö igkei und die quasi Heiligsp echung diese Denke . Sie kommen ie den Siegeszug
Eme sons und insbesonde e des T anszenden alismus als quasi neue Religion wie olg :
29 Ebd., 44.
30 Ebd., 39–40.
31 Alle genann en Beispiele siehe ebd. 38–44.
52 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
»The e we e as ou lying p o inces o in elligence whe e he [Eme son] eigned absolu ely
as does he unseen G and Llama o e his ado ing o a ies. New England hen swa med
wi h weak-b ained, imi a i e olk who had s udied books wi h mo e o less zeal, and who
knew no hing o ac ual li e. They we e su e ing unde he cu se o an educa ion which
hey could no use; hey we e he lean, unde ed men and women o illages and a ms,
who we e ained enough o be lawye s and eache s in hei communi ies, bu who ac u-
ally we e cobble s, millhands, o ailo esses.«
32
Da is nenn die blinden Ge olgsleu e Eme sons auch »wild-eyed Ha a d unde g adua es«,
die sie au eine S u e mi »lean, unde paid wo king-women«
33
s ell . Die obige Passage e -
deu lich , wie Da is nich K i ik an Bildung pe se üb , sonde n an eine ehlenden Ve bin-
dung on Wel wissen (e leb e E ah ung) und um assende Bildung.
Da is be ach e wie selbs e s ändlich Männe und F auen gleiche maßen, sowohl in
ih e Diskussion de in ellek uellen Eli e Conco ds als auch in ih en Kommen a en zu den
on ih als halbgebilde e P o inzle cha ak e isie en Pe sonen. So sp ich sie on »Ma ga-
e Fulle and he successo s« als on »unde ed men and women« und on » ailo esses«.34
Ma ga e Fulle (1810–1850), Sch i s elle in, F auen ech le in und Pädagogin, gil ielen als
Pa adebeispiel, wenn es um die Ve u eilung on in ellek uellen F auen im 19.Jah hunde
als e männlich geh .35 Da is nimm keine solche Cha ak e isie ung o , im Gegen eil,
au den e s en Blick schein Gende keine Ka ego ie in ih e Bewe ung on In ellek uellen
zu sein. Alle dings han ie sie seh wohl mi Zusch eibungen männliche und weibliche
A ibu e in ih en Besch eibungen und E alua ionen. So heiß es übe den Poe en Oli e
Wendell Holmes (1809–1894): »He had he e o , he i i abili y, he ende ness o a wom-
an, and he whimsical ancies, oo. He was, unlike women, eage o help you ou wi h you
un easonable whims.«36 Holmes wi d eine Reihe on weiblichen und nich weiblichen Eigen-
scha en zugesch ieben, wobei diese eine Mischung aus posi i en und nega i en A ibu en
da s ellen und sich nich au Holmes in ellek uelle Na u , sonde n sein Tun und Handeln
beziehen. Sie nenn Holmes » he ines ui o ha B ahmin o de o New England«, mach
sich gleichzei ig übe seine Selbs e lieb hei (»he had o keen an app ecia ion o genius
no o ecognize his own«) lus ig und nimm in seine Cha ak e isie ung kein Bla o den
Mund.37 Le z lich un e scheide e sich abe on de Conco d-G uppe da in, dass e kein
»unp ac ical d eame « sei, sonde n » a in ad ance o his ime in ce ain sh ewd, p ac ical
plans o he be e ing o he condi ions o Ame ican li e. One o his hobbies was a belie
32 Da is 1904, 44.
33 Ebd., 44.
34 Ebd., 41, 44.
35 Fü Diskussionen zu Fulle und An iin ellek ualismus siehe u.a. Wel e 1966a und Pas u e 2012.
36 Da is 1904, 46.
37 Ebd., 45.
Ni z: F auen in de Deba e um An iin ellek ualismus in den USA | 53
in a hobby as an escape al e in he o e -hea ed, o e -d i en ca ee o a b ain wo ke . The
doc ine was almos new hen«.38 Holmes un e scheide sich nach Da is posi i on ande-
en In ellek uellen indes dadu ch, dass e eine Balance zwischen geis ige und p ak ische
A bei inde . Ihm gehe es nich da um, geis ige A bei zu p ak ischem Nu zen he anzuzie-
hen, sonde n beides zu e einen. So sch eibe Holmes in seinem Bü o leißig Gedich e und
e s ecke gleichzei ig un e dem Tisch eine Säge und Hobel zu He s ellung kleine Holz-
objek e. Da is zeichne hie einen In ellek uellen, de handwe klichen Ausgleich such und
de Gesellscha on Nu zen sein will.
Nach Ho s ad e bes and das Gegenbild zum In ellek uellen im ausgehenden 19.Jah -
hunde im Geschä smann mi kla em Menschen e s and. Diese Typus wi d eben alls
on Da is in Fo m des Sco ch-I ishman de mi le en A lan iks aa en e ozie , den sie als
Inka na ion des Geschä smannes skizzie . Sie zeichne ihn abe keines alls als posi i es
Gegens ück zum In ellek uellen, sonde n k i isie , dass, wäh end ch is liche We e und
Wohl ä igkei nich zu ku z kämen, die Vo he scha des wi scha lichen und p ak ischen
A bei se hos zum Ve lus on Religion und Glaube üh en. Das P oblem sei ge ade, dass
alles, auch Religion und Glaube, au p ak ische Anwendung im diessei igen Leben gep ü
we de. So sei die Reak ion au F agen zu Glaube und ch is lichen Dok inen:
»Wha ha e hese abs ac ions, he [p ak ische Geschä smann/- au] says, o do wi h li e?
His wo k is his li e. Wo k now pu s a s ess and s ain on men o which ou ances o s
knew li le. The Ame ican is in he hick o i . Whe he he be P esiden o newspape e-
po e , he eels ha he pe sonally has he wo ld by he h oa , and ha i he loose his hold
o a minu e he p og ess o he uni e se will come o a s op.«
39
Insgesam zeig Da is’ In en a isie ung des Na ionalcha ak e s, wie sowohl de In ellek uelle
des No dens als auch de Geschä smann des mi le en Os ens an Hyb is k ank en und es
ihnen an Bodens ändigkei in Einklang mi heo e ischem Wissen, Religion und/ode He -
zenswä me mangele.
Als posi i es Gegens ück e ablie Da is le z lich den Typus de »wah en ame ikanischen
F au«, den sie au ih e eigene Weise de inie und den sie in e s e Linie Re o me innen und
F auen on ein luss eichen Männe n zusch eib . Als Beispiele dienen ih u.a. die Sozial-
e o me in, Quäke in und Aboli ionis in Luc e ia Mo (1793–1880) und die Sch i s elle in
und poli ische Ak i is in Jessie Ann Ben on F émon , Ehe au des En decke s und Poli ike s
JohnC. F émon . Da is kons a ie zu Mo , dass
»no man in he Aboli ion pa y had a mo e igo ous b ain o eady eloquence han his
amous Quake p eache , bu much o he powe came om he ac ha she was one o
38 Ebd., 47.
39 Ebd., 71.

54 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
he mos womanly o women. She had pi y and ende ness enough in he hea o he
mo he o mankind […]. She migh ace a mob a nigh ha h ea ened he li e, o lec u e
o housands o applauding disciples, bu she ne e o go in he mo ning o pick and shell
he peas o dinne «.
40
Das Besonde e an Mo seien nich nu ih Hi n und ih e Redegewand hei , sonde n ih e Fü -
so ge und ih Ve an wo ungsbewuss sein; Eigenscha en, die Da is als weiblich bezeichne .
Ähnlich beu eil Da is Jessie F émon : »She had g ea beau y, an educa ion mo e b oad
and ho ough han ha o mos men, and a wi and magne ic cha m p obably ne e equaled
by any Ame ican woman. Poli ical leade s discussed hei p oblems wi h he , and mo e
han once he keen in ui ion showed hem hei way o success.«41 F émon is gebilde , ha
pe sönlichen Cha me und In ui ion. Le z e e wu de F auen häu ig zugesch ieben und In el-
lek en gegengese z . Da is sieh hie beides als e gänzend. Sie be on nachd ücklich, dass
ande e ein luss eiche F auen absolu nich s Maskulines an sich hä en, » he e is no hing ma-
sculine in hei cha ac e o habi s o hough ; hey a e womanly, e en womanish in bo h«.42
In Da is’ Ve sion de »Wah en F au« üb diese einen posi i en Ein luss au die Gesellscha
übe weibliche Ideale de Fü so ge, des Mi ge ühls, de Liebe sowie in ellek uellen Rigo
aus. Sie u dies auch nich indi ek übe die E ziehung on Söhnen und die mo alisch-
eligiöse Be euung de Familie, wie es das Konzep de Republikanischen Mu e o sah,
sonde n ganz di ek als Re o me in und Sch i s elle in. Da is’ ideale F au lehn sich s a k
an das essen ialis ische F auenbild des 19.Jah hunde s an, un e läu es abe gleichzei ig,
da ih e Heldinnen des All ags ö en lich eden, p edigen und Männe poli isch lenken.
Da is s ilisie sich als Zei zeugin und Kommen a o in. Sie e such , sich als F au mi
He z und Ve s and zu inszenie en und da übe au obiog aphisches Sch eiben zu legi imie-
en. Sie nimm klassische An iin ellek ualismusmo i e au (zum Beispiel e kop e T äume ,
eali ä sen ück e Eli e), se z abe nich den Expe en ode Common Sense-Geschä smann,
sonde n F auen mi He z und Ve s and – und dami auch sich selbs – den he schenden
In ellek uellen en gegen.
Es schein as so, als ob sie Ho s ad e s Dik um en sp äche, dass es nich Nich in ellek-
uelle seien, die An iin ellek ualismus bemüh en, sonde n ma ginalisie e »Halbin ellek uel-
le«,43 die sich selbs eine Bühne und Legi ima ion geben woll en. Dagegen sp ich alle dings,
dass Da is p inzipiell In ellek uali ä in Rein o m nich ablehn . Im Gegen eil bedaue sie,
dass de gesellscha liche Fokus au P o i und Schnelllebigkei liege, was keinen Raum
meh lasse ü die Bildung des Geis es um seine selbs willen, wie dies ih e Meinung nach
40 Ebd., 112.
41 Ebd., 127.
42 Ebd., 129.
43 Ho s ad e sp ich hie on »ma ginal in ellec uals, would-be in ellec uals, un ocked o embi e ed in ellec uals,
he li e a e leade s o he semi-li e a e« (1963, 21).
Ni z: F auen in de Deba e um An iin ellek ualismus in den USA | 55
in de Ve gangenhei noch de Fall gewesen sei: »The e was space in ha calm, leisu ely li e
o he ull g ow h o pe sonali y. Hence, i a boy o gi l had a call o any kind o men al
wo k, hey ollowed i quie ly and s eadily. They s udied G eek o ma hema ics, o li e a u e,
because Na u e had i ed hem o ha special s udy.«44
5. Eliza F ances And ews: In ellek uelle »Rassenexpe in«
Im Vo wo zu ih e Tagebuchpublika ion The Wa -Time Jou nal o a Geo gia Gi l (1908)
schau Eliza F ances And ews auch nos algisch au die Süds aa engesellscha de Vo bü ge -
k iegszei zu ück, die sie jedoch in eine pseudowissenscha lichen Auslegung des Sozial-
da winismus als übe hol da s ell und dami quasi die Niede lage im Bü ge k ieg e klä . Sie
e ablie sich im gleichen A emzug als Na u -und Gesellscha swissenscha le in. And ews
wa Leh e in, Jou nalis in und Wissenscha le in (Bo anik und ih e Didak ik, Sp ach-und
Li e a u wissenscha ) und 1926 die bis dahin einzige ame ikanische F au, die ü eine Mi -
gliedscha in de In e na ionalen Akademie de Li e a u und Wissenscha nominie wu de.
And ews e leb e mi An ang 20 Jah en als Toch e eines G oßplan agenbesi ze s aus
Geo gia den K ieg und den Zusammenb uch de Skla e ei aus nächs e Nähe. Die Publi-
ka ion ih es Bü ge k iegs agebuchs is beispielha ü einen T end in de Jim-C ow-Ä a, in
de sich weiße Süds aa en auen als Zei zeuginnen und »Rassenexpe innen« inszenie en,
um zu kul u ellen Re-E ablie ung weiße poli ische und gesellscha liche Vo he scha
beizu agen. Wie K.S ephen P ince es in S o ies o he Sou h o mulie , dien e so genann e
»Rassenexpe ise« de Na u alisie ung weiße Vo he scha : »On he basis o a knowledge
oo ed in yea s o expe ience and li elong p oximi y o A ican Ame icans, whi e sup ema-
cis s insis ed on hei own abili y o speak au ho i a i ely on acial ma e s.«45
In den 1890e Jah e e ablie e sich eine ins i u ionalisie e E inne ungskul u in den Süd-
s aa en, die un e ande em on den selbs dekla ie en Töch e n de Kon öde ie en S aa en
on Ame ika ge agen wu de, die sich in lokalen und na ionalen Ve einen o ganisie en.
Insbesonde e weiße Süds aa en auen wa en eingeladen, K iegs agebüche und Memoi en
zu e ö en lichen, da sie als pa eilose Inside gal en. Diese Sich weise basie e au de Ta -
sache, dass de K ieg übe wiegend au Süds aa en e i o ium gewü e ha e und weiße Eli-
e auen eng mi Ve skla en zusammengeleb hä en. Die sons so nich o gesehene Teil-
habe on F auen am ö en lichen und gesellscha spoli ischen Leben e olg e ganz im Sinne
des An iin ellek ualismus übe E ah ung und nich au g und heo e ische Annahmen. Im
Gegenzug wu den No ds aa enpoli ike da ü k i isie , die Nachk iegsgese zgebung und
gesellscha liche In eg a ion de ehemaligen Ve skla en bes immen zu wollen, obwohl sie
44 Da is 1904, 44.
45 P ince 2014, 227. Tex e, die »Rassenexpe ise« p opagie en, sind u.a. on Thomas Nelson Page, The G ea Ame i-
can Ques ion (1907), und Joel Chandle Ha is, The Neg o as he Sou h Sees Him (1904).
56 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
keine Ahnung on Menschen a ikanischen U sp ungs hä en. De Disku s de »Rassenex-
pe ise« uß e kla au eine epis emologischen Dicho omie on heo e ischen Abs ak io-
nen de No ds aa le im Kon as zu All agse ah ungen on Süds aa le n. Als Beweis ü
ein Ve sagen on No ds aa enideologien und - heo ien wu de dabei die on No ds aa en
poli isch kon ollie e Rekons uk ionspe iode he angezogen, die on Rassenun uhen und
poli ischem Chaos gep äg gewesen sei.
Genau diese Geschich s e klä ung schloss And ews sich mi ih e Tagebuch e ö en -
lichung an, in de sie übe Pa a ex e in Fo m on Vo -und Nachwo sowie Fußno en An-
sp uch au »Rassenexpe ise« e heb . So heiß es:
»These e en s [Mach übe nahme du ch No ds aa le , Skla enemanzipa ion, JN] ma k he
beginning o ha deplo able succession o blunde s and ou ages ha has bequea hed us
he mos e ible legacy o he wa – he ace p oblem; a p oblem which, unless he com-
mon sense o he na ion shall awaken, and ha igh ea ly, o he simple ac ha a ho se
and an ox, o an elephan and an an elope, canno pull oge he in he same ha ness, will
se le i sel be o e ano he gene a ion has passed in a agedy compa ed wi h which he
agedy o he Ci il Wa was child’s play.«
46
In diesem Kommen a zu dem Teil des Tagebuchs, welche die di ek e Nachk iegszei be-
handel , be on And ews, dass sie sich nich ü die olgenden Passagen olle G oll und En -
üs ung gegen No ds aa le en schuldigen we de, da sie diese Emo ionen ü be ech ig e Re-
ak ionen hal e. Die Tagebuchein äge sind ge üll mi Anekdo en dazu, wie gewinnsüch ige
Yankees ein äl ige Schwa ze ko umpie haben sollen und No ds aa le gegenübe Schwa -
zen Gewal anwenden. Demgegenübe be on And ews, wie die ehemaligen Ve skla e dem
Chaos und Elend mi leidig und hil los gegenübe ges anden hä en, und e läu e szenisch die
scheinba (essen ialis ische) Na u on ehemals Ve skla en. Sie beklag die Un ähigkei ehe-
malige Ve skla e , sich wei e um diese zu kümme n. S a dessen sähen sie zu, wie ih e ehe-
maligen Schu zbe ohlenen e oh en und e kämen, da sie mi de neu gewonnenen F eihei
und Gleichs ellung nich umgehen könn en. Sie e wa e , dass die Na ion endlich den gesun-
den Menschen e s and einschal e und e kenne, dass Schwa ze und Weiße nich gleich seien,
um eine gesellscha liche Ka as ophe zu e hinde n. Sie illus ie den Un e schied zwischen
»schwa zen« und »weißen« Menschen au e s ö ende Weise als P e d und Ochse ode An ilope
und Ele an , also quasi als eine Spezies, die un e schiedlich zu behandeln seien.
And ews ma kie sich selbs als Expe in in diese Angelegenhei und e u eil jene,
die sie ganz ähnlich wie Rebecca Ha ding Da is als »neue P ophe en« und »Neuengland
Apos el«47 bezeichne . Sie mein hie jedoch Pe sonen wie Wendell Philipps und William
Lloyd Ga ison, die sich ü die Rech e on Schwa zen einse z en. Sie sind in den Augen
46 And ews 1908, 336.
47 Ebd., 337.
Ni z: F auen in de Deba e um An iin ellek ualismus in den USA | 57
on And ews igno an e T äume , sie selbs hingegen sei eine A An h opologin, die dem
Lese die Na u de Schwa zen zu e klä en suche, wie aus olgende Passage eind ücklich
e sich lich is :
»The apos les o eedom a e doing hei bes o make hem [ehemalige Ve skla e] in-
solen and discon en ed, and a e a while, I suppose, hey will succeed in making hem
ho oughly unmanageable, bu come wha will, I don’ hink I can e e che ish any e y
ha d eelings owa ds he poo , igno an blacks. They a e like g own up child en u ned
ad i in he wo ld. The neg o is some hing like he I ishman in his blunde ing good
na u e, his impulsi eness and imp o idence, and he is like a child in ha ing always had
some one [sic] o hink and ac o him. Poo c ea u es, I shudde o hink o wha hey
mus su e in he u u e, and o wha hey a e going o make his whole coun y su e
be o e we a e done wi h hem.«
48
Wie Da is e u eil And ews die Aboli ionis en ü de en Wel emdhei , geh abe noch
ein S ück wei e und behaup e , dass sie dami das Land ins Chaos s ü z en. Ganz in de
Manie on Da is nimm And ews eine Ka ego isie ung on Menschen ypen o , abe nich
als eine A Bes andsau nahme, sonde n mi dem kla en Ziel de Hie a chisie ung. Da is
und And ews legi imie en ih e Sich weisen du ch e leb e E ah ung und ins umen alisie en
Inside wissen, um sich selbs eine ö en liche S imme zu geben. Die einande ähnlichen
S a egien dienen jedoch ande en Zielen. Da is schließ ih e kul u elle Au obiog aphie mi
einem Au u zum iedlichen Mi einande , das keine Pa ei-ode Rassenzugehö igkei kenn :
»I used o like o dislike hem as Democ a s o Republicans, whi es, Indians o neg oes,
c iminals o Ch is ians. Now I only see men and women […] he despe a e s uggle o each
one, day by day, o be clean and decen and ue.«
49
And ews hingegen eih sich in die Süd-
s aa ene inne ungskul u ein, die sich in ik ionalen und nich ik ionalen Sch i en als «Ras-
senexpe *innen« zu s ilisie en such e und ganz kla heo e ische Re o mgedanken gegen
p ak ische E ah ungen s ell e.
Das »G and Na a i e« de Süds aa en zu »Rassenexpe ise« s ell E ah ung (Empi ie)
gegen Theo ie und e laub e Eli esüds aa en auen Teilhabe am ö en lichen Disku s und
dami die Einsch eibung in das na ionale Na a i de Gebu de Na ion nach dem Bü ge -
k ieg. Gleichzei ig s ilisie sich And ews in ih en Beglei ex en als in ellek uelle F au, die
his o ische Ve läu e wissenscha lich zu beu eilen e s ehe. So sei de al e eudale Süden
keine Mons osi ä , sonde n »a case o bela ed su i al« gewesen, de nun om mode nen
Indus iesys em abgelös wü de, das Lohnskla e ei p o i able als »cha el sla e y« gemach
hä e.50 Neben sozialda winis ischen und ma xis ischen E klä ungsmus e n zieh And ews
48 Ebd., 340.
49 Da is 1904, 129–130.
50 And ews 1904, 11.
64 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
könn en dann nu Re olu ionä e gel en, indem sie nich » on oben« agie en. Indem Ho -
s ad e s He angehensweise jus nich au ein subs an iell opposi ionelles Momen ziel , e -
ö ne sie o zügliche E kenn nismöglichkei en. Sie e laub sys ema isch, auch Regie ende
als In ellek uelle zu be ach en, weil sie umgekeh An iin ellek uelle keineswegs au eine
Funk ion des Au begeh ens e p lich e . Ho s ad e e s and un e »An iin ellek ualismus«
eben keine poli ische Posi ionsbes immung, sonde n eine Besch eibung, wie sich Poli ike
geben: »a esen men and suspicion o he li e o he mind and o hose who a e conside ed
o ep esen i ; and a disposi ion cons an ly o minimize he alue o ha li e.«12 Umgekeh
mach en ü Ho s ad e nich spezi ische Übe zeugungen den In ellek uellen aus, sonde n
eine spezi ische Denk- und Lebensa , man könn e auch sagen, eine Pose:
»The di e ence is no in he cha ac e o he ideas wi h which he wo ks bu in his a i ude
owa d hem. I ha e sugges ed ha in some sense he li es o ideas – which means ha
he has a sense o dedica ion o he li e o he mind which is e y much like a eligious
commi men .«
13
Wenigs ens d ei Spiela en on In ellek uali ä lassen sich au de Basis diese De ini ion, de en
T ag ähigkei es zu es en gil , asch konzipie en. E s ens gehö zum »li e o he mind« un-
zwei elha de Glaube, in diesem Falle de ch is liche, übe wiegend cal inis ische. Folg man
diesem Gedankengang, wä en ausge echne einige de jenigen ame ikanischen P äsiden en, die
man in ui i am wenigs en da ü hal en mag, dezidie als In ellek uelle zu we en, um nich
zu sagen: die meis en, weil auch eine gewisse os en a i e F ömmigkei imme wiede als we-
sen liche p äsidiale Eigenscha igu ie e. Zwei ens läss sich In ellek uali ä in diesem Sinne
mi (klassische ) Bildung e binden. Ein In ellek uelle wä e demzu olge jemand, de seine
We schä zung des »li e o he mind« als »man o le e s« ausleb , wie pa adigma isch Thomas
Je e son; de lei zu e assen, wä e Au gabe eine umsich igen Sozialisa ionsgeschich e. Ge ade
die Geschich e de e s en ame ikanischen P äsiden en wä e als eine Bou dieu-inspi ie e Un e -
suchung on Eli enkon inui ä da s ellba , die sich in »in ellek uellen« Codes des Redens und
Ve hal ens pe pe uie ha . F eilich li e sie an eine zwei elha en P ämisse, nämlich de jeni-
gen, dass ein In ellek uelle zwingend übe klassische Bildung e ügen müsse. D i ens abe ,
so mach es sich diese Essay zu eigen, ließe sich mindes ens noch au eine wei e e, ielleich
besonde s p oduk i e Weise nach In ellek uali ä in de Ges al eines Bekenn nisses zu Wis-
senscha und wissenscha liche Expe ise agen: nich in eine schöngeis igen Eng üh ung,
sonde n in eine Wei ung au alle Disziplinen. Eine solche Analyse weis den Vo eil au , In el-
lek uali ä on besonde e Begabung zu en koppeln und keine E olgsgeschich e on »G ea
Men« anheimzu allen. Eine besonde e We schä zung des »li e o he mind« se z mi nich en
besonde e Be ähigung zu dessen Realisie ung o aus, sie kann soga eine bloße Pose da s ellen.
12 Ho s ad e 1963, 7.
13 Ebd., 27.

Ecke : Philosophenp äsiden en? | 65
In ellek uali ä , in Fo üh ung de Ho s ad e ’schen De ini ion e s anden, bedeu e eben-
sowenig eine pe sönliche Eigenscha wie ih e Nega ion, sonde n schlich ein Bekenn nis
zu In ellek uali ä als poli ische Ressou ce – und mag es nu ein o gebliches, ein kuns -
oll inszenie es sein. Um ein jünge es Beispiel zu geben: Als Ronald Reagan in eine Fe n-
sehansp ache im Juli 1981 mi dem Finge au ein Diag amm hin e sich zeig e, au dem
die La e -Ku e segens eiche E ek e eine S eue senkung sugge ie e, handel e e diese
De ini ion gemäß ausgesp ochen in ellek uell – indem e sich a i ma i au eine damals an-
gesag e wi scha swissenscha liche Theo ie bezog, jeden alls wesen lich in ellek uelle als
sein spä e e Nach olge Bill Clin on, de im e olg eichen Wahlkamp des Jah es 1992 ga
keine Ökonomen meh bemüh e, sonde n den nich sonde lich wissenscha sa inen Slogan
»I ’s he economy, s upid«. Es kann eilich nich da um gehen, Globalaussagen übe ganze
P äsiden scha en zu e en ode P äsiden en in de e mein lichen » o ali y o hei men al
li es«14 zu e s ehen: zu e o schen, we seinem Wesen nach ein In ellek uelle gewesen sein
mag, ge ä leich zu he meneu ischen Anmaßung. Gu zu e kunden is hingegen, we sich
in Sp ech- und ande en Ak en selbs als In ellek uellen p äsen ie ha und als solche wah -
genommen wu de (ode eben auch nich : We als in ellek uell gil , bes immen imme die
ande en). Als »in ellek uelle « P o agonis igu ie in diesem Sinne eben be ei s ein solche ,
de sich s a zu einem Reku s au den bloßen »common sense« os en a i zu eine in ellek-
uellen Spiela on Poli ik bekann ha .
In spezi ischen Momen en s ell e eine solche Inszenie ung, de en Un e suchung hie
im Mi elpunk s ehen soll, eben keinen Gegensa z, sonde n ielmeh den Inbeg i auch
ha e Mach poli ik da . In ellek uali ä ode An iin ellek uali ä meinen also ge ade keine
Wesensdiagnose einzelne Ak eu e schlech hin. Vielmeh dien die Hal ung spezi ische
P o agonis en zu eine in diesem Exempel wissenscha lich kon u ie en In ellek uali ä als
his o iog aphisches P isma: insbesonde e, wenn man sie nich als Re lexion eines unwan-
delba en ame ikanischen Wesens e s eh , sonde n ge ade nach jenen Momen en such , in
denen Zei genossen in ellek uell p o ilie e Poli ike e wa e en und Kandida en ge ade ü
das P äsiden enam diesen E wa ungen zu genügen bemüh wa en. Ob sie wi klich in el-
lek uell wa en, spiel dabei keine Rolle: Es eich , dass sie sich in ellek uell gaben und eine
Au a als (kommende) Philosophenp äsiden en kul i ie en.
In de ame ikanischen Geschich e gab es wenigs ens zwei länge e Phasen, in denen o -
nehmlich Philosophenp äsiden en ge ag wa en.15 Eine da ie gleich om Beginn de Repu-
blik. Geo ge Washing on wa zwa ehe als Held des Unabhängigkei sk ieges bekann , abe
insbesonde e seine Nach olge John Adams, Thomas Je e son und James Madison ha en
auch als poli ische Publizis en eüssie : du chaus mi geleh en Ambi ionen, die alle dings
spä es ens im Zei al e de Jacksonian Democ acy nich meh ge ag wa en. Kaum ein schä -
e e Kon as is denkba als de jenige zwischen And ew Jackson, de eben aus »Old Hicko y«
14 Hie lieg denn auch de zen ale Un e schied zu He angehensweise on: Bu on 1988, P e ace.
15 Bu on 1988, P e ace.
66 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
und nich aus Belesenhei geschni z wa , und seinem unmi elba en Am s o gänge John
Quincy Adams, de in meh e e Akademien gewähl wo den wa und un e ande em Le e s
on Silesia e ö en lich ha e. Ih e jeweiligen S ile en sp angen eilich nich nu indi idu-
ellen Vo lieben, sonde n wa en an kollek i e E wa ungen geknüp : Viele Zei genossen de
ame ikanischen G ünde ä e se z en inso e n au quasi-pla onische Philosophenp äsiden-
en, als sie eine He scha de Bes en idealisie en, und zwei el en am We des Vo ums
eine Meh hei , die ielen e wa beim u bulen en Am san i And ew Jacksons als bloße
Mob e schien. Es is kein Zu all, dass eine solche Idealisie ung de angeblich Klügs en mi
de Auswei ung des Wahl ech s an Wi kungsmach einbüß e, Tocque ille besch ieb diesen
Zusammenhang eingängig.
Nunmeh begann eine Ä a, in de die Zugehö igkei zu eine Eli e als wenig wahlkamp -
auglich emp unden wu de. Zum Helden de jungen, expandie enden Republik wu de in de
Mi e des 19.Jah hunde s ehe de »common man«, pa adigma isch e kö pe om Au -
s eige And ew Jackson, abe auch selbs on Os küs ena is ok a en wie dem besag en P ä-
siden en William Ha ison und seinem Vizep äsiden en John Tyle . Sie ließen sich au Wahl-
plaka en eben nich in eine kuns ollen Villa, sonde n demons a i mi einem Cide -Fass
o ein ache Behausung inszenie en. Auch nach dem Bü ge k ieg schien es P äsiden en und
P äsiden scha skandida en wenige oppo un, sich als in ellek uell zu geben: Mili ä ische
Me i en zähl en meh als Bekenn nisse zu mode nen Wissenscha , wie die Beispiele on
Ulysses G an , James Ga ield ode Win ield Sco Hanock, Gegenkandida on Ga ield, zei-
gen. Bibel es igkei wie bei G o e Cle eland ode William McKinley ode Silas C. Swallows,
Kandida de P ohibi ion Pa y im Jah e 1904, gal meh als Bildung. Das ju is ische Hand-
we k eines Ru he o d B. Hayes sam seinem Gegenkandida Samuel J. Tilden ode eines
Benjamin Ha ison schien ele an e als akademische Belesenhei . Os en a i e Volksnähe
blieb die en scheidende, nich akademische, nich - ode soga an iin ellek uelle Quali ika ion,
que du ch die Pa eien. Zumindes emp anden Eli en so, die ih e Inszenie ung als Poli ike
au diese Übe zeugungen – und mögen es nu un e s ell e gewesen sein – g ünde en.
Das Pa hos de P ogessi e E a, mi as losen Re o men die Ve einig en S aa en neu zu
e inden, e lang e indes nach neuen poli ischen Inhal en ebenso wie nach neuen poli-
ischen Fo men, olglich auch nach neuen Poli ike ypen. Sie wu de zu zwei en Phase
de ame ikanischen Geschich e, in de Philosophenp äsiden en zu einem b ei ane kann en
Ideal ge ie en – jeden alls inso e n, als nun Kandida en immense Popula i ä genossen, die
sich imme wiede au eine wissenscha liche G undie ung ih e Poli ik be ie en. Wie es
Ho s ad e selbs einschä z e: »I was he mo al and in ellec ual equi emen s o he pe iod
which pu i s in ellec uals in unp eceden ed appo no only wi h he Ame ican public bu
wi h he coun y’s poli ical leade s.«16 Ge ade ein solches Um eld ließ d ei Ak eu e ges al-
ungsmäch ig we den,17 die man gemeinsam zu eine »lea ned p esidency« zählen kann:
16 Ho s ad e , 198.
17 Bu on 1988, 191–192.
Ecke : Philosophenp äsiden en? | 67
Theodo e Roose el , William Howa d Ta und Wood ow Wilson – sie e kö pe en und
e mi el en eine »lea ned p opo ion o he o ice«, » e ealing hei exe cise o i s powe s in
a ashion in luenced by hei schola ly awa eness o bo h he pas and he p esen «.18
In diese Hinsich o m e die Wahl des Jah es 1912 den ielleich in ellek uells en Momen
ame ikanische Poli ik. Damals konku ie en de Al p äsiden Roose el , de am ie ende
P äsiden Ta und de am Ende sieg eiche P äsiden scha skandida Wilson. Von diesem
Wahlkamp selbs handel die o liegende S udie alle dings nich , wiewohl eine lohnenswe -
e Un e suchung un e eine solchen F ages ellung bislang noch auss eh , sonde n ielmeh
on Momen en, in denen sich diese d ei Poli ike au cha ak e is ische Weise als In ellek-
uelle zeig en. Diesen Zusammenhang zu e klä en, is Anliegen des o liegenden Au sa zes,
nich die Auseinande se zung mi eine übe geo dne en These wie de jenigen, »Roose el ,
Ta , and Wilson all espec ed lea ning and knowledge o hei own sake«.19 De lei eich
wei übe das hinaus, was diese kleine S udie zu leis en e mag. Ih A gumen a ionsziel is
wei aus bescheidene : E möch e einzelne Gelegenhei en be ach en, an denen die d ei Ge-
nann en sich in besonde e Weise als In ellek uelle p äsen ie en – als Philosophenp äsiden en,
de en wissenscha lich e lek ie e Füh ung das Land bedü e.
3. Eine Neue indung de P äsiden scha : P osopog aphische Annähe ungen
Zumindes eine p osopog aphischen Annähe ung beda es dabei gleichwohl.
20
Sie zeig : Bei
allen inhal lichen wie pe sönlichen Di e enzen e band Roose el , Ta und Wilson, dass sie
einen poli ischen In ellek ualismus pe soni izie en und auch au diese Weise die ame ikani-
sche P äsiden scha neu e anden. Dami is mi nich en gesag , dass sich in ih en Ka ie en
nich auch dezidie an iin ellek uelle Momen e änden. Ausge echne im Wahlkamp des
Jah es 1912 emp and beispielsweise Roose el ganz und ga keine Scheu, gegen Wilson das
Klischee eines abgehobenen Akademike s zu bedienen.
21
Gleichwohl p leg en alle d ei jeden alls in bes imm en Momen en einen en schieden in-
ellek uellen Poli iks il, a en in einem in ellek uellen Ges us au – ange angen mi Theo-
do e Roose el , den us ikalen »Rough Ride «, den man zunächs nich unbeding ü einen
In ellek uellen hal en mag. Genau als einen solchen indes bezeichne e ihn alle dings aus-
ge echne Wood ow Wilson, de nach einem Gesp äch mi dem damaligen Gou e neu
Roose el seine F au on dessen »sane, academic side« be ich e e;22 blick man au ih Ve -
18 Ebd., 191.
19 Ebd., P e ace. Bu on selbs weis da au hin, dass auch Ru he o d B. Hayes und James Ga ield einige geleh e
Me i en e ungen ha en: ebd., 35.
20 In g öße em Maßs ab angezeichne is diese A gumen a ionslinie bei: Bu on 1988.
21 Be g 2017, 69. Inwie e n die Wahl und de Wahlkamp einen ans o ma i en Momen ausmach en, s ell da : Chace
2004.
22 Zi ie nach Mil on Coope 1983, 60 [He o hebung im O iginal].
68 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
häl nis zu me hodischen P inzipien, wa de »Ama eu « Roose el womöglich soga wissen-
scha liche als de »P o i« Wilson,23 nachge ade on klein au . En sp echende A ini ä en
lassen sich schon an seine He kun es machen, Roose el s amm e aus eine e mögen-
den und kul u bewuss en Familie, sein Va e wa imme hin Mi beg ünde des Me opoli an
Museum o A . Um seinen wissenscha lichen Eh geiz zu dokumen ie en, benö ig e de
junge Roose el nich e s eli ä e Bildungs eisen nach Eu opa und Ägyp en. Sys ema ische
Na u beobach ungen ha e e schon zu o anges ell und seine Na u al His o y on Insec s
mi Aus üh ungen übe Ameisen begonnen, die lau dem noch kindlichen, abe eben be-
ei s ech e wachsen o mulie enden Roose el allesam »na i e o No h Ame ica« seien,24
spä e be ieb e o ni hologische S udien. Seinen akademischen Eh geiz leb e e alle dings
nich in seinem ju is ischen S udien ach aus, sonde n als Vie undzwanzigjäh ige au ande e
Weise: The Na al Wa o 1812 (1882), bis heu e ein ma inehis o isches S anda dwe k, wa
Roose el s e s e Publika ion, doch keineswegs die le z e – auch diesem Thema blieb e spä e
e bunden, als e e wa Al ed Thaye Mahans so wi kungsmäch iges Buch übe The In luence
o Sea Powe upon His o y ezensie e.25
Roose el s wei e e Ka ie e e gab ein Wechselspiel on Tä igkei en, die nich imme
allzu übe leg anmu en, und de en publizis ische Re lexion. So be ach e , sind nich die
wilden Ri e du ch die Landscha die eigen lich spek akulä en Mo i e in seine Biog aphie,
sonde n sein eno me Eh geiz, die eigenen waghalsigen Aben eue umgehend li e a isch
zu e a bei en. Sein Cowboydasein nach de Wahl des Jah es 1884 p äsen ie e e in di-
e sen Magazinbe ich en on de »F on ie « und in gleich d ei Büche n: Hun ing T ips
o a Ranchman (1885), Ranch Li e and he Hun ing-T ail (1888), The Wilde ness Hun e
(1893) – du chaus ein Mode hema g oße Geleh e jene Zei .26 Roose el e ass e ein
gleich zweibändiges Winning o he Wes , gelob un e ande em on F ede ick Jackson
Tu ne , und such e da übe soga den Aus ausch mi einem k i ischen Rezensen en, Wil-
liam F ede ick Poole,27 damals P äsiden de Ame ican His o ical Associa ion, de Roose-
el wiede um nach dem Ende seine P äsiden scha spä e einmal selbs o s and, eine
gewich ige his o iog aphische Ansp ache bei de en Jah es e sammlung 1912 eingeschlos-
sen.28 Auch ansons en ließ es Roose el nich bei Ta en bewenden, sonde n e lieh ihnen
mi ausd uckss a ken Wo en den gebüh enden in ellek uellen Nachd uck. De An üh e
de Rough Ride s leg e in einem gleichnamigen Buch (1899) Rechenscha on seine kuba-
nischen Mission ab, seine Au obiog aphie (1913) wa mi nich en die le z e Handlung eines
Poli ike s auße Diens , sonde n ein wei e es Buch eines Au o en, de in ganz un e schied-
23 Ebd., 61.
24 Roose el 1869, P e ace.
25 Bu on 1988, 48–49.
26 Ebd., 55.
27 U ley 1944, 496.
28 Bu on 1988, 78.
Ecke : Philosophenp äsiden en? | 69
lichen Gen es eüssie e. Zu Roose el s We kausgabe gehö nich on unge äh ein Band
mi dem Ti el Li e a y Essays.29
Auße gewöhnlich wa en also wenige seine Hands eiche als solche, sonde n eben de-
en sys ema ische li e a ische Ve a bei ung. Fü Roose el bes and kein Gegensa z zwischen
Mach poli ike und Schöngeis , ielmeh lei e e e aus seine Belesenhei nachge ade einen
Füh ungsansp uch ab.30 Ge ade Kul u ö de ung (zu de au gewisse Weise auch sein Enga-
gemen ü den Na u schu z gehö e) be ach e e e in seine P äsiden scha als na ionale
Au gabe, eilich nich um ih e selbs willen: sonde n weil »a is ic« und «ma e ial wel a e«
seine Ansich nach mi einande einhe gingen, wie Roose el angelegen lich des on ihm be-
iebenen Ankau s de F ee ’schen Sammlung du ch das Smi hsonian Ins i u e e künde e.31
Auch angesich s dessen kann man ge os kons a ie en: »lea ning was an ope a i e ac o once
TR assumed o ice«32 – ehe e es wiede e ließ, wu de es bezeichnende weise eine seine
le z en Am shandlungen, die E ich ung eines na ionalen Council o Fine A s33 anzuo dnen.
De in ellek uelle Glanz William Howa d Ta s mag e was ge inge gewesen sein: iel-
leich kein »b illan mind«, da ü abe imme hin »able« und seh a bei sam.34 In welchem
Maße e als P äsiden au die E ungenscha en de Wissenscha e au e, is un e an-
de em seine Bo scha an den Kong ess am 6. Dezembe 1910 abzulesen: »The me hod o
impa ial scien i ic s udy by expe s as a p elimina y o legisla ion, which I hope o see ul i-
ma ely adop ed as ou ixed na ional policy wi h espec o he a i , i e s and ha bo s, wa-
e ways, and public buildings,« bedu e ü Ta keine wei e en Rech e igung, zu e iden
schienen ihm die Vo züge eine solchen Vo gehensweise.35 Jus mi Blick au eine geplan e
Bank- und Wäh ungs e o m mahn e e Sena o en und Abgeo dne e, einen exak en Ve gleich
mi Geschä sme hoden und Ein ich ungen ökonomisch konku ie ende Na ionen anzu-
s ellen: »I u ge upon Cong ess he impo ance o a nonpa isan and disin e es ed s udy and
conside a ion o ou banking and cu ency sys em.«36 Ta gab den e ns ha en Denke übe
den igno an en Pa eien, auch in ande en Reden, e wa in seine Annual Message des Jah es
1912. Da in P lich en zu hema isie en, »which equi e wise disc e ion and in ellec ual ac i-
i y«,37 gehö e wesen lich zu seinem Selbs -und Am s e s ändnis.
Hie un e schied sich Ta on Roose el kaum in seine Selbs wah nehmung und in sei-
ne Selbs inszenie ung, wohl abe in de He kun . E s amm e keineswegs aus de Bildungs-
29 Ebd., 58.
30 Ebd., 62.
31 Zi ie nach Gould 1991, 227.
32 Bu on 1988, 62.
33 Gould 1991, 228.
34 Bu on 1988, 91.
35 Ta 1910, 29.
36 Ebd., 29.
37 Zi ie nach Bu on 1988, 126.

70 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
a is ok a ie, sonde n be ieb seine Ausbildung e s am Yale College, dann an de Cincinna i
Law School als Au s ieg mi akademischen Mi eln; e schlug eine Ka ie e als Rich e ein.
Als Bundes ich e gelang e e in ein Am , das o als Sp ungb e ü das höchs e Ge ich
dien e, zudem u eil e e in kni ligen Ve handlungen e wa übe A bei s ech . Au diese
Weise wa e asch mi ech lich komplexen und zugleich hochpoli ischen Fällen be ass ,38
die in ih e gesellscha lichen B isanz wei übe ju is ische Auslegungen im enge en Sinne
hinauswiesen. E s ech als Solici o Gene al, de bei Ve handlungen im Sup eme Cou die
ame ikanische Bundes egie ung e a , muss e e sich im ju is ischen Handwe k wei aus
in ensi e auskennen als ande e P ak ike des Rech s. Schon im Jah e 1889 wa e e s mals
ü den Sup eme Cou o geschlagen wo den, weil seine E nennung den Republikane n
seh ge allen we de und kein Demok a sie glaubwü dig wü de k i isie en können – so das
damalige Kalkül des Gou e neu s on Ohio, Joseph B. Fo ake , 39 de Ta be ei s zum Mi -
glied des Supe io Cou seines Bundess aa s e nann ha e.
Ta gelang das Kuns s ück, konsequen eine poli ische Ka ie e zu e olgen, die gleich-
wohl zu seinen wei e hin gep leg en akademischen In e essen pass e: Sei 1896 am ie e e
neben seinem Haup am auch als P o esso an de Cincinna i Law School,40 soga als Dekan
diese mi de do igen Uni e si ä e einig en Ins i u ion. Das e s and Ta keineswegs nu
als Ti ula ä igkei , sonde n hiel a sächlich zweis ündige Vo lesungen ab. E widme e sich
soga selbs eine a ancie en Leh me hodik, indem e sich ü die »Case Me hod« engagie -
e; da in ha en S uden en sich in komplizie en Fällen zu üben, die be ei s eal e handel
wo den wa en. Ku zum, Ta p äsen ie e sich als ambi ionie e Rech s(hochschul)leh e .41
Folglich nahm e nach seine P äsiden scha umgehend ein Angebo de Yale Law School
an, um do o an als P o esso zu leh en: ohgemu ,42 zumindes bekunde e e os en a i ,
wie wohl e sich in de »in ellec ual socie y« New Ha ens ühle.43 E nahm seine P o essu
e ns , neue lich auch die Mühen des »case sys em«. Die da ü nö ige in ensi e Lek ü e be-
ieb e mi einigem Ve gnügen,44 und s a ku so ische A ikel wie eins als Rich e publi-
zie e e nun ganze Büche , da un e The An i-T us Ac and he Sup eme Cou .45
Auch Vo lesungen übe die ame ikanische Ve assung, die Ta p omp hiel ,46 wu den
alsbald publizie ; übe die Rolle des P äsiden en e lek ie e e zudem in Vo ägen.47 Jeden-
alls and das da aus esul ie ende Buch Ou Chie Magis a e and His Powe s (1916) einige
38 Bu on 1988, 101.
39 Wa en 1958, 355.
40 Ebd., 356.
41 Zu seine Tä igkei in Yale, eilich pe spek i ie ehe als In e mezzo: Hicks 1945.
42 Bu on 1988, 119.
43 Wa en 1958, 358.
44 Ebd., 359.
45 Bu on 1988, 122.
46 Ebd., 119.
47 Ebd., 124.
Ecke : Philosophenp äsiden en? | 71
Ane kennung bei Lese n, die es als ju is isches, nich als pa eipoli isches We k zu wü di-
gen wuss en –
»One would expec M . Ta o ake ad an age o he oppo uni y o e ed by a cou se o
popula lec u es o emphasize he eally impo an hings he has s ood o while in o ice.
He has done his wi h cha ac e is ic ankness and en i e eedom om he ain o objec-
ionable pa isanship.«
48
Zu diesem geleh en Lob pass auch, dass Ta sich gleichzei ig scha on de p og essi en
Idee eine olksnahen Jus iz abg enz e: Im Jah e 1916 e wah e e sich gegen ein »muck a-
cking o he cou s«, ielmeh be ach e e e die Unabhängigkei de Bundes ich e als hohes
Gu
49
und Bundes ich e selbs ga als Bollwe k de Ve assung gegen eine »soziale« Demo-
k a ie
50
– du chaus eine A i üde eine in ellek uellen Eli e, die ih e Gel ung schwinden sah.
Ta wa es schon üh gelungen, seine ech swissenscha liche mi seine poli ischen
Agenda zu e binden. Sein zen ales Thema wa s e s das in e na ionale Rech , mi dem
e ab dem Jah e 1900 auch als Vo si zende de Kommission ü die Philippinen zu un
gehab ha e, auch nach seine E nennung zu Roose el s Sec e a y o Wa im Jah e 1904.
Schon o seine Wahl zum ame ikanischen P äsiden en im Jah e 1908 wa Ta ein um-
iebige , keineswegs nu ein Ti ula -Vice P esiden de Ame ican Socie y o In e na ional
Law gewesen, de e anschließend als Hono a y P esiden zu Ve ügung s and, ebenso de
Ame ican Socie y o he Judicial Se lemen o In e na ional Dispu es: Themen, die e auch
als P äsiden engagie e olg e, auch wenn die sogenann en Ta A bi a ion T ea ies übe
ein Schiedsge ich sabkommen am Ende nich a i izie wu den.
Auch übe seine P äsiden scha hinaus e olg e e diese in e na ionale Agenda, e am-
ie e im E s en Wel k ieg als Vo si zende de League o En o ce Peace und be ü wo e e
soga einen Bei i de Ve einig en S aa en zum Völke bund. Vo allem abe wu de Ta im
Jah e 1921 zum Chie Jus ice e nann , zum Vo si zenden des Sup eme Cou : un e kenn-
ba ein poli isches Manda , abe eben eines, das ohne eine gewisse ech swissenscha -
liche Expe ise längs nich meh auszuüben wa . Imme hin muss e sich Ta als Sup eme
Judge gegen ju is ische Schwe gewich e wie Oli e Wendell Holmes behaup en, Mi glied
des Sup eme Cou in den Jah en 1910 bis 1932 und eine de meis zi ie en Ju is en des
20.Jah hunde s;51 auch de olgende Su
p eme Judge, Cha les E ans Hughes, ha e nach
seinem Rech ss udium an de B own Uni e si y und sodann an de Columbia Uni e si y
eins als P o esso an de Co nell Law School geleh , e wa Außenminis e und Rich e
des Ge ich sho es in Den Haag gewesen (und nich zule z in die Ame ican Academy o
48 Schape 1916, 779.
49 Zi ie nach Fish 1975, 126.
50 Fish 1975, 129.
51 Shapi o 2000, 424. Inwie e n Ta den Sup eme Cou p äg e, ha jüngs he ausgea bei e : Lu ie 2019.
72 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
A s and Sciences gewähl wo den), als e im Feb ua 1930 zum Nach olge des be ei s
odk anken Ta e nann wu de.
Inso e n is die Ve mu ung du chaus p oduk i , anhand solche Exempel ein »in ellek-
uelles« Mus e un e den besag en d ei P äsiden en e kennen zu können. De Beg ündungs-
au wand, Wood ow Wilson da in einzuo dnen, is denkba ge ing – bis heu e de einzige
P äsiden de Ve einig en S aa en, de einen Dok o i el e wo ben ha , olglich auch de ein-
zige, de o seinem Am san i ein uni e si ä es P o esso enam inneha e. Eine e gleich-
ba e Posi ion ha e be ei s sein Va e bekleide , an eine p esby e ianischen Hochschule,
dem Columbia Theological Semina y. Wilson selbs nahm das College – ebenso wie Ta ,
ande s als Roose el – übe aus e ns ,52 e s udie e in P ince on (und seine F au üb igens
Kuns am Rome Female College in Geo gia), ehe e die Uni e si y o Vi ginia School o Law
und die Johns Hopkins Uni e si y besuch e, seine zei eine Re o muni e si ä nach deu -
schem Modell.
Mi seinem Cong essional Go e nmen (1885) eie e Wilson einen glänzenden Ka ie e-
s a in de akademischen Wel , noch dazu in eine Disziplin, die sich ge ade e s o mie e
und e ablie . Binnen wenige Jah e gelang e e bis 1890 om B yn Maw College, einem
College ü F auen, übe die Wesleyan Uni e si y schon 1890 zum Chai o Ju isp udence
and Poli ical Economy in P ince on, wo e im Jah e 1896 zum P äsiden en gewähl wu de.
Do engagie e e sich auch ü eine Re o m des S udiums, en wa nachge ade eine In-
ellek ualisie ungss a egie ü S uden en;53 ähnlich wie man es bei Ta es s ellen kann,
in e essie e sich auch Wilson seh ü neue Ve mi lungsme hoden.54 »Why has no one e e
w i en on he a o academic lea ning?«,55 lau e e Wilsons bewunde nde Au sa z übe
den Ve mi le Adam Smi h. Ob man ihn ü einen ech en Spi zen o sche hal en kann, is
schwe zu sagen – de üh ende Ve e e de ame ikanischen Poli ikwissenscha , die es als
Disziplin zu o im G unde noch ga nich gab, wa Wilson jeden alls56 und mi hin auch ü
p o esso ale Kollegen aus ande en Na ionen ein Ansp echpa ne : Lo d Ac on übe ug ihm
eines de Kapi el ü die monumen ale Camb idge Mode n His o y,57 ein übe aus enom-
mie es, in e na ionales Geleh enp ojek .
So ha e Wilson o seine Kandida u ü das höchs e S aa sam gleich meh e e
Büche – on
akademischen Fachau sä zen in seinem poli ikwissenscha lichen Me ie übe
wei e b ei e e Tex büche ü die Uni e si ä sausbildung wie The S a e (1889) ode Di ision
and Reunion (1893) bis hin zu eine ü ein b ei es Publikum gedach en, ün bändigen His o y
o he Ame ican People (1908) – publizie und es zum P äsiden en de P ince o
n Uni e si y
52 Bu on 1988, 137.
53 Mil on Coope 1983, 90.
54 Ebd., 93.
55 Wilson 1893, 3.
56 Mil on Coope 1983, 54; Bu on 1988, 144.
57 Bu on 1988, 170.
Ecke : Philosophenp äsiden en? | 73
geb ach , ehe e im Al e on be ei s zwei ün zig Jah en e s mals in ein poli isches Am
gewähl wu de, da ü gleich in ein hohes: als Gou e neu on New Je sey. Eine solche Ka -
ie e wa in de Ta »äuße s ungewöhnlich«,58 abe is doch gu e klä ba . Wilson ep äsen-
ie e einen ganz neuen Typus on Poli ike , de auch deshalb eüssie e, weil e inne halb
wie auße halb de Demok a ischen Pa ei als p inzipien eue Ak eu gal . Schließlich wa
e nich Teil de als ko up k i isie en Pa eimaschine gewesen und spiel e genau diese
Ka e sou e än aus. Als e sich eine eins immige Nominie ung ausbedang, e zich e e e
os en a i au i gendwelche Ve sp echungen im Gegenzug ü die E langung de Kandida-
u . Mi hin e hob sich Wilson in gewisse Weise zu einem Poli ike übe alle Pa eien, als
Gou e neu o cie e e p omp die Ge an Bill: ge ich e gegen wei e b ei e e Ko up ions-
p ak iken und die Mach de Pa eiobe en gene ell. Wilson s eb e Re o men des poli ischen
Sys ems an, in denen e als » hough ul a isan o genuine democ acy«59 wi ken konn e. Aus
seine poli ikwissenscha lichen Expe ise lei e e e einen Füh ungsansp uch ab, indem e
ü eine »wi klich« ep äsen a i e Poli ik wa b, soga im Medium eines Lobs ü Theodo e
Roose el s Am s e s ändnis.60
Sein zei genössisches Image als In ellek uelle nu z e sowohl Wilson selbs als auch sei-
nen poli ischen Gegne n; e eagie e au en sp echende K i ik im Wahlkamp des Jah es
1912, indem e seine Kampagne ehe mo alische als wissenscha liche Obe öne e lieh,
und auch, indem e insbesonde e seinen uni e si ä en Redes il geziel ableg e, e s ech ,
als e e s mals zu Au i en in den Mi le en Wes en eis e und do om Zugwaggon aus zu
einem Publikum sp ach,61 das nun einmal ande s gewonnen we den muss e als in ellek uelle
Os küs enbewohne .
F eilich e hal ihm sein dezidie mo alisches Pa hos, das indes ande s
als bei Theodo e Roose el wenige als k achendes Selbs e auen, sonde n ehe als beschei-
dene Einsa z ü das Gemeinwohl dahe kam, ge ade in Ve bindung mi seinem p o esso alen
Habi us auch zu S immen: Eine dezidie e Wahlemp ehlung ausd ücklich ü den »Geleh en
und Gen leman« sp ach le z lich William E. B. Du Bois aus,62 damals die in ellek uelle, wei
übe die USA hinaus wah genommene Füh ungs igu de schwa zen Bü ge ech sbewegung,
gewisse maßen on P o esso zu P o esso . In ellek uelle als Wilson hä e sich ein ame ika-
nische P äsiden damals kaum denken lassen und geben können: egal, wie schill
e nd diese
Ka ego ie auch bis heu e bleib , nach Ho s ad e ’schen Maßs äben zwei elsohne nich .
In diese Hinsich wa die P äsiden scha swahl des Jah es 1912 wi klich eine besonde e:
Es konku ie en d ei Kandida en, die jeweils einen Ru als In ellek uelle p leg en und ge-
nossen. Wei e man den Blick au ih Um eld sowie die olgenden Jah e, wi d das Bild noch
eind ückliche . Nich nu P äsiden en ge ie en sich als Philosophen. De p og essi e Ju is
58 Be g 2017, 14.
59 Zi ie nach Bu on 1988, 172.
60 Bu on 1988, 172.
61 Chace 2004, 215.
62 Be g 2017, 79.
80 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
ha discussed and in e oga ed adminis a ion is he only pu e and e icien adminis a ion,
bu , mo e han ha , ha he only eally sel -go e ning people is ha people which dis-
cusses and in e oga es i s adminis a ion«.98 Dazu bedu e es wiede um eine Ve wal ung
mi Sachkenn nis, de Wilson auch an ande e S elle eine eminen e his o ische Bedeu ung
zusch ieb: »Mode n science, sca cely less han ou pliancy and s eadiness in poli ical habi ,
may be said o ha e c ea ed he Uni ed S a es o o-day.«99 De lei Vo s ellungen gaben Anlass
zu in ellek uellen Rück agen: »In a wo d, ough no he ›man o he wo ld‹ and he ›man o
he books‹ o be me ged in each o he in he s uden o poli ics?«100
An solche Pos ula e knüp e auch Wilson Inaugu a ions ede aus dem Jah e 1913 an. Sie
beansp uch e eine E neue ung nich nu des poli ischen P og amms, sonde n de Poli ik
selbs : »We ha e been e eshed by a new insigh in o ou own li e«, e künde e Wilson und
lei e e da aus einen seh konk e en Handlungsau ag ü seine P äsiden scha ab – »Ou
du y is o cleanse, o econside , o es o e, o co ec he e il wi hou impa ing he good,
o pu i y and humanize e e y p ocess o ou common li e wi hou weakening o sen imen-
alizing i .«101 Dami ging ein dezidie e Planungsau ag einhe , den allein die Ve einig en
S aa en zu e üllen wüss en:
»We ha e s udied as pe haps no o he na ion has he mos e ec i e means o p oduc ion, bu
we ha e no s udied cos o economy as we should ei he as o ganize s o indus y, as s a es-
men, o as indi iduals. No ha e we s udied and pe ec ed he means by which go e nmen
may be pu a he se ice o humani y, in sa egua ding he heal h o he Na ion, he heal h o
i s men and i s women and i s child en, as well as hei igh in he s uggle o exis ence«.
102
Dass Wilson sich ausd ücklich dazu bekann e: »And ye i will be no cool p ocess o me e
science«, is doppel au schluss eich. Eine sei s e band e diese Einsch änkung mi de mo-
alischen Sugges i age, »whe he we ha e he pu e hea o comp ehend and he ec i ied
will o choose ou high cou se o ac ion«,
103
ande e sei s ühl e e sich o enkundig genö ig ,
die Vo he scha de Wissenscha dem »common man« plausibel zu machen: als eine A
on Exeku i e de Expe ise.
104
Ih kam eine ande e Au gabe zu als dem sie kon ollie enden,
ge ade nich au Sachkunde angewiesenen Kong ess, wie ihn Wilson eins als Poli ikwissen-
98 Ebd., 303.
99 Wilson 1893, 123. An ande e S elle e wah e sich Wilson gegen die Annahme, »p ak ische Poli ike « seien die
bes en Leh meis e in den »deep – hough hey migh be in he hidden – hings o poli ics«: ebd., 38.
100 Ebd., 41.
101 Wilson 1913.
102 Ebd.
103 Ebd.
104 Imme hin e wiesen sei an diese S elle da au , dass ein solches Poli ik e s ändnis au kommunale Ebene – ge-
naue : in manchen G oßs äd en – be ei s ie e wu zel wa : Die S ad soziologie de Chicago School um Cha les
Edwa d Me iam wa als Anwendungsdisziplin konzipie . Welches Ansehen nunmeh neue Expe en in de Gesell-
scha genossen, be on : Ho s ad e 1963, 206.

Ecke : Philosophenp äsiden en? | 81
scha le eingeo dne ha e. Einen gewissen An iin ellek ualismus, so kalkulie e de gewie e
P äsiden o enba , gal es als Gegebenhei de ame ikanischen Poli ik anzunehmen, um ihn
womöglich mi eine Philosophenp äsiden scha zu übe winden.
5. Fazi : Die Philosophenp äsiden en im Kul de Expe ise
Ob An iin ellek ualismus ein s uk u elles Sonde me kmal de ame ikanischen Geschich e
da s ellen mag, wie es Richa d Ho s ad e zugespi z o mulie e, is im Rahmen diese Un e -
suchung beileibe nich zu e ö e n. Sie ha eilich gezeig , dass es nach de G ündungsä a
wenigs ens eine wei e e Phase gab, in de ausd ücklich in ellek uelle P äsiden en ge ag
wa en: den Beginn des 20.Jah hunde s.
Dami is keineswegs gesag , Roose el , Ta und Wilson seien ih em Wesen nach als In-
ellek uelle zu e s ehen – auch wenn es ü diese Annahme bedenkenswe e Beg ündungen
gib .105 Vielmeh zeigen die obigen Schlaglich e d ei S aa smänne , ü die es pe sönlich wie
poli isch übe aus bedeu sam schien, sich os en a i als In ellek uelle zu p äsen ie en und
ih e g oßen P ojek e au in ellek uelle Weise da zus ellen: insbesonde e als Impe a i e de
Wissenscha , ob nun die E olu ions heo ie bei Roose el , die Rech swissenscha bei Ta
ode die Poli ikwissenscha bei Wilson.
Inwie e n diese d ei Philosophenp äsiden en in de P og essi e E a de Wissenscha
als spezi ische Ausd ucks o m on In ellek uali ä besonde e poli ische Gel ung zu e -
scha en s eb en, e dien ebenso eingehende Au me ksamkei wie die A und Weise, in
de sich ih e Nach olge sei he in Rela ion zu spezi ischen Wissenscha en und mi hin
auch zu Wissenscha als solche se z en. Ohnehin wa en es nich nu P äsiden en allein,
die am Beginn des 20.Jah hunde s einen neuen, on Idealen de P ogessi e E a gezeich-
ne e Typus on Poli ike da s ell en: Es gab auch Sena o en wie Be e idge und Lodge,
»who p ided hemsel es on hei ›schola ship‹«.106 Sie bedien en eben alls die zei genös-
sische Ho nung, ge ade im ö en lich ehemen ausge agenen We s ei de subjek i en
Wah nehmungen und In e essen bedü e es ganz neue Ak eu e, die de Deba e ein ob-
jek i es, wissenscha liches Fundamen scha en wü den: an Fak en – die p og essi en
Muck acke s p leg en nich umsons ein Pa hos des Realismus107 – wie an du chdach en
Handlungsop ionen.
Au gewisse Weise bedien en die hie essayis isch e kunde en Philosophenp äsiden en und
ande e einen poli ischen Geniekul , de selbs zu eine wi kungsmäch igen G öße wu de: in
Ges al eine E wa ungshal ung, die inmi en eine on manchen Zei genossen imme meh
als dys unk ional be ach e en Massendemok a ie eine endlich in ellek uelle He scha he -
105 P äsen ie on Bu on 1988.
106 Ho s ad e 1963, 206.
107 Mil on Coope 1990, 87.
82 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
bei
sehn e. Inspi ie da on wa wiede um gewiss auch Richa d Ho s ad e . Einmal meh
e weis sich die P og essi e E a so als G ündungsmomen des mode nen Ame ika. Und
einmal meh e weis sich Ho s ad e s He angehensweise als besonde s an egend: namen -
lich sein wei e Beg i on An iin ellek ualismus, de zugleich die F age au wi , inwie e n
eine genaue e Klassi ika ion spezi ische Typen des In ellek ualismus – de omme Gläubi-
ge, de »man o le e s« und de wissenscha liche »Expe e« wä en e mu lich d ei wesen -
liche E scheinungs o men – noch wei e e E kenn nisse übe die ame ikanische Geschich e
he o b ingen könn e.
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Au o
Geo g Ecke
is P i a dozen ü Neue e Geschich e an de Be gischen Uni e si ä Wuppe al und Wissenscha -
liche Mi a bei e im Sonde o schungsbe eich 948 »Helden – He oisie ungen – He oismen« an de
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gecke @uni-wuppe al.de
84 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
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| 85
And eas Hübne
Weiß, männlich, gebilde
Die »un/sich ba en« No men des iliopie is ischen In ellek ualismus
1. Die »un/sich ba en« No men des In ellek ualismus
Fü ih e deu schame ikanische Lese scha hiel die New O leanse Tageszei ung Times Pi-
cayune am Mi woch, den 21. Juli 1909, keine gu en Nach ich en be ei . »P o . Deile e -
s o ben«, gab das Bla bekann und e lau ba e e ne : »Be ühm e Ve e e de deu schen
Kolonie, al gedien e Pädagoge, His o ike und Musike , e s i b in seinem Somme haus
in S . Tammany.«
1
Auch im Nach u selbs hob die Times Picayune die ielen Face en des
Tulane-P o esso s he o und wü dig e die mindes ens d ei Leben des Hanno Deile . Die
Tageszei ung e inne e an Deile den lokalen Pädagogen, an Deile den landeswei ge eie en
Musike und an Deile den enommie en Geleh en:
»P o . Deile wa im ganzen Land bekann , nich nu als Pädagoge, sonde n auch als
Musike on hohem Range und ü das In e esse, das e an de Fö de ung des Wohle ge-
hens seine Landsleu e zeig e. E wa zudem ein angesehene His o ike und gab seine
Lebensau gabe an de Tulane Uni e si y au , um einige S udien übe die ühe deu sche
Besiedlung Louisianas zu ollenden.«
2
Im S . Tammany Pa ish, genaue gesag im beschaulichen S äd chen Co ing on, ha e Deile
eigen lich geho , seine gesundhei lichen P obleme zu linde n. Noch im Mai des Jah es be-
ich e e das lokale Bla , de S . Tammany Fa me , übe den »p ominen en« Bewohne und
beg ünde e dessen Liebe zu Co ing on dami , dass die do ige ische B ise bei Deile »die
1 The Daily Picayune-New O leans, 21.07.1909. His o ic New O leans Collec ion (HNOC), New O leans, Mic o ilm
82-099-L (s e s eigene Übe se zung).
2 Ebd.: »P o . Deile was known h oughou he coun y, no only as an educa o , bu as a musician o high ank and as
well o he in e es he ook in he p omo ion o he wel a e o his coun ymen. He was also a dis inguished his o ian,
and i was o comple e some s udies o he ea ly Ge man se lemen in Louisiana ha he ga e up his li e wo k a
Tulane Uni e si y.«
Kiel-UP •
h ps://doi.o g/10.38072/978-3-910591-27-1/p5

86 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
geis ige Ak i i ä ange eg und den Fluss de Gedanken ge ö de « habe.
3
Deile gedach e
in de Kleins ad seine He zleiden auszuku ie en und die A bei en an seinem Opus Mag-
num The Se lemen o he Ge man Coas o Louisiana and he C eoles o Ge man Descen
abzuschließen. Solchen Un e angen s and man nö dlich des Lake Pon cha ain du chaus
wohlwollend gegenübe und schä z e an Deile dessen gebilde en und eudigen Cha ak e ,
wie die ane kennenden Zeilen eines Lokaljou nalis en zeig en: »E wu de on allen, die ihn
kann en, gelieb und bewunde , sowohl wegen seine in ellek uellen Fähigkei en als auch
wegen seines öhlichen, hei e en Gemü s.«
4
Die Nach u e de New O leanse und de Louisiana-P esse un e schieden sich in Fo m
und Funk ion nich wesen lich on den Meldungen und Mi eilungen übe egionale
deu schame ikanische Pe iodika sowie na ionale , angloame ikanische Tagesblä e . Auch
in diesen wu den zum Tod des ehemaligen P äsiden en de Deu schen Gesellscha on New
O leans s e s die Bandb ei e seines Scha ens, seine in ellek uellen Kapazi ä en und sein
hei e es Gemü be on . Deile , so hieß es, habe in den ö en lichen Schulen on New O leans
um den E hal de deu schen Sp ache gekämp und als glänzende Redne und Musike bis
zu seinem Ableben dem Na ionalen Deu sch-Ame ikanischen Sänge bund o ges anden.
Im Jah e 1890 sei Deile , so e gänz e die F eie P esse ü Texas aus San An onio, mi dem
Sänge es on New O leans ein Meis e s ück gelungen. E habe ein Fes inszenie , das
»noch heu e als eines de bes en Fes e, die de No d-Ame ikanische Sänge bund e ans al e
ha , angesehen«5 wü de. Vo allem sei Deile , wie im Washing on He ald zu lesen wa , abe
»eine de bes en deu schen Geleh en«6 des Südens gewesen.
Dabei wu de de »Geleh e« Deile in eine Reihe mi wei e en deu schame ikanischen
His o ike :innen wie Albe Be nha d Faus , Gus a Kö ne ode Rudol C onau ges ell . De-
en Wi ken ha e sich gemäß de P ämissen de iliopie is ischen Einwande ungs o schung
zumeis da au okussie , die Bedeu ung des sogenann en »Deu sch hums« und den Bei-
ag deu sche Einwande :innen »zu ame ikanischen Geschich e, Poli ik, Wi scha und
Kul u « zu be onen.7 Dass Deile sich diesbezüglich nich hin e seinen Zei genossen ha e
e s ecken müssen, e deu lich e wiede um die F eie P esse ü Texas, die on »Ex a-Vo -
3 S . Tammany Fa me (Co ing on, LA), 15.05.1909, 4. Lib a y o Cong ess, Washing on, DC, Ch onicling Ame ica:
His o ic Ame ican Newspape s, h ps://ch oniclingame ica.loc.go /lccn/sn82015387/1909-05-15/ed-1/seq4/
(le z e Zug i : 01.03.2024).
4 S . Tammany Fa me (Co ing on, LA), 24.07.1909, 5. Lib a y o Cong ess, Washing on, DC, Ch onicling Ame ica:
His o ic Ame ican Newspape s, h ps://ch oniclingame ica.loc.go /lccn/sn82015387/1909-07-24/ed-1/seq-5/
(le z e Zug i : 01.03.2024). Im O iginal: »He was lo ed and admi ed by all who knew him, bo h o his in ellec ual
a ainmen s and his happy, jo ial disposi ion.«
5 F eie P esse ü Texas (San An onio, TX), 23.07.1909, 2. Lib a y o Cong ess, Washing on, DC, Ch onicling Ame ica:
His o ic Ame ican Newspape s, h ps://ch oniclingame ica.loc.go /lccn/sn83045227/1909-07-23/ed-1/seq-2/
(le z e Zug i : 01.03.2024).
6 The Washing on He ald (Washing on, DC), 22.07.1909, 1. Lib a y o Cong ess, Washing on, DC, Ch onicling Ame i-
ca: His o ic Ame ican Newspape s, h p://ch oniclingame ica.loc.go /lccn/sn83045433/1909-07-22/ed-1/seq-1/
(le z e Zug i : 01.03.2024).
7 O lepp 2004, 20 (Anm. 28).
Hübne : Weiß, männlich, gebilde  | 87
lesungen« ü S udie ende de Tulane Uni e si y zu be ich en wuss e, in denen Deile »ganz
speziell Ruhmes a en« de deu schame ikanischen Geschich e behandel e.8 Wenig übe a-
schend e me k e de Nach u in den Deu sch-Ame ikanischen Geschich sblä e n: »Sein
Haup e diens abe um das Deu sch hum, und dasjenige, was seinen Namen au e ne
Nachwel agen wi d, is die on ihm mi g oße Liebe und pe sönliche Ans engung aus-
ge üh e E o schung de Geschich e de deu schen Einwande ung in Louisiana.«9
Lies man die P essebe ich e nach seinem Tode so g äl ig, so könn e de Eind uck en -
s ehen, dass die In ensi ä , mi de Deile und seine Wegge äh en Bedeu ung wie Bei ag
de »deu schen Einwande ung« e kunde en und idealisie en, sie zu Rep äsen an en jenen
Typus des In ellek uellen mach en, dem Richa d Ho s ad e in den 1960e Jah en einen
gewissen Glaubens ana ismus un e s ell ha e: Gemein is de Typus des »obsessi en« In-
ellek uellen, de ü die eine Idee lebe, de on de Hingabe ü die eine spezielle, ja ein-
engende Idee egel ech e schluck wü de.10 In Deile s Fall en al e e sich das Zwangha e
an de Idee des sogenann en » e ein en« und »globalen« »Deu sch hums«. Sein (in ellek uel-
les) Scha en als Pädagoge, Musike und Geleh e wa bes imm on de Obsession, dem
ge ühl en Rückgang des »Deu sch hums« en gegenzu e en, den Deu schame ikane :innen
neues Selbs e auen einzuhauchen und die Zwei el an ih e Bedeu ung als ame ikanische
Bü ge :innen zu ze s euen.11 Deile s Tun und Handeln wa en also wenige on eine e -
spiel en Neugie de gep äg , als ielmeh einem engen, unmi elba en und o he sehba en
Ziel mi un ehlba e p ak ische Quali ä e sch ieben.12 In seinem in ellek uellen S eben
wa e zu ie s »obsessi «: Ans a An wo en au F agen zu suchen, mach e e aus F agen
An wo en.13
Obsession und In ellek ualismus, und diese Beobach ung o enba die G enzen on
Ho s ad e s Aus üh ungen zum An iin ellek ualismus, basie en bei Deile au de »hege-
monialen No ma i i ä weiße Posi ionen«.14 Sein Weißsein konn e, wie mi Bä bel Völkel
zu o mulie en wä e, als eine »Fo m his o ische und kul u elle Selbs e mäch igung« e -
s anden we den, die zugleich kollek i e Wah nehmungs-, Wissens-und Handlungsmus e
kons i uie e und mi de en soziale Posi ionie ung Mach und P i ilegien einhe gingen.15
Eine solche Selbs e mäch igung e lang e, wie sich im Lau e dieses Bei ages zeigen wi d,
die s ik e Abg enzung zu a oame ikanischen Be ölke ung und se z e eine binä e Kon-
8 F eie P esse ü Texas (San An onio, TX), 23.07.1909, 2. Lib a y o Cong ess, Washing on, DC, Ch onicling Ame ica:
His o ic Ame ican Newspape s, h ps://ch oniclingame ica.loc.go /lccn/sn83045227/1909-07-23/ed-1/seq-2/
(le z e Zug i : 01.03.2024).
9 Deu sch-ame ikanische Geschich sblä e 9, 1909, 159. Uni e si ä sbiblio hek Kiel.
10 Vgl. Ho s ad e 1963, 29.
11 Vgl. Spea 1961, 260, sowie Hübne 2017, 15–18.
12 Vgl. Ho s ad e 1963, 25.
13 Vgl. ebd., 30.
14 Völkel 2021.
15 Ebd.
88 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
igu a ion o aus, die dem biologischen Essen ialismus olgend zwischen »weißen« und
»schwa zen« Pe sonen un e schied. Ausgangspunk hie ü wa ein P ozess, an dessen Ende
sich die ka ego ialen Di e enzie ungen un e eu opäischen Mig an :innen, die bis An ang
des 20.Jah hunde üblich sein soll en, langsam au lösen und bis in die 1960e Jah e öllig
e schwinden soll en. Diesen Wandel disku ie end, sp ach de His o ike Ma hew Jacobson
in seinen Sch i en ga on einem »d ama ischen Rückgang de wah genommenen Un e -
schiede un e den weißen Ande en«.16
Deile s In ellek ualismus und seine Wah nehmung als In ellek uelle wa en jedoch nich
nu on seinem Weißsein bes imm . Vielmeh e sch änk e sich sein Weißsein mi maskuli-
nen und (wes lich-au klä e ischen) bildungseli ä en No ma i i ä en und Hegemoniali ä en.
In ellek uali ä bedeu e e mi Blick au Deile , und dies ge ä bei Ho s ad e aus dem Blick,
Weißsein, Männlichsein und Gebilde sein. Zugespi z und nochmals au Völkel eku ie-
end: In Deile s In ellek ualismus wa en Weißsein, Männlichsein und Gebilde sein als un/
sich ba e No men eingesch ieben.17
2. Die Gebu eines in ellek uellen »Weißseins«
De in Al ö ing gebo ene Hanno Deile wa im Jah 1872 nach Ame ika und New O leans
au geb ochen. In die Fußs ap en seines Va e s, eines königlichen Kapellmusike s, e end,
ha e e in seinen Jungen-und Jugendjah en in de (obe -)baye ischen Heima am Klos e
S . Emme am
in Regensbu g und am F eisinge Leh e semina eine um ang eiche Ausbil-
dung zum Musike und Pädagogen e ah en. In de S ad am Mississippi nahm e zunächs
eine S elle an de Ka holischen Sank -Boni az-Schule an, be o e ab 1879 als P o esso ü
Ge manis ik an de Uni e si y o Louisiana, de spä e en Tulane Uni e si y, leh e. Zu Beginn
noch eine kleine, ö en liche Ins i u ion, wandel e sich die Uni e si ä du ch die g oßzügigen
Spenden des New O leanse Geschä smannes Paul Tulane nich nu in eine inanzk ä ige,
sonde n auch in eine p i a e Bildungsein ich ung, die es Deile e laub e, sich zunehmend
au seine Leh - und Fo schungs ä igkei en zu konzen ie en.
18
Als Geleh e mach e Deile
Ka ie e mi unzähligen Sch i en zu deu schen Einwande ung nach Louisiana, als Musike
zog e mi dem New O leanse Qua e -Club egionale und übe egionale Au me ksamkei
au sich und als Pädagoge a e imme wiede ü den E hal de deu schen Sp achen in den
Schulen on New O leans ein.
19
16 Jacobson 2001, 89. Im O iginal heiß es bei Jacobson: »The pe iod om he 1920s o he 1960s saw a d ama ic de-
cline in he pe cei ed di e ences among hese whi e O he s.«
17 Völkel 2021.
18 F eie P esse ü Texas (San An onio, TX), 23.07.1909, 2. Lib a y o Cong ess, Washing on, DC, Ch onicling Ame ica:
His o ic Ame ican Newspape s, h ps://ch oniclingame ica.loc.go /lccn/sn83045227/1909-07-23/ed-1/seq-2/
(le z e Zug i : 01.03.2024).
19 Vgl. Hübne 2009, 79–105.
Hübne : Weiß, männlich, gebilde  | 89
Geleh e wie Deile – ge ade auch deu schame ikanische He kun , e s e ode zwei e
Gene a ion – anden sich um die Jah hunde wende an ielen ame ikanischen Uni e si ä-
en. Sie bilde en eine neue »in ellek uelle Schich «, die sich ausgehend on einem Beg i
de Kul u , de eng mi Vo s ellungen des mo alischen und in ellek uellen Enhancemen
e bunden wa , nich meh nu als Wissenskö pe e s and, sonde n als Einhei , de en
in ellek uelles S eben sich ganzhei lich in Fo schung, Leh e und Le nen niede schlagen
soll e.20 Deile und seine Wegge äh en wa en Ve e e :innen jenes nach 1870 wachsenden
ame ikanischen P o esso iums, das ü eine Ve besse ung de p o essionellen und ins i u-
ionellen Hochschuls anda ds s and und ein Maß an Ein luss und P es ige inne halb und
auße halb de S udien äume e lang e, wie es ih e Vo gänge in de al en College-Ä a nich
zu äumen gewag hä en.21 Zugleich ep äsen ie en Deile und seine Wegge äh en einen
neuen Typus des »Whi e In ellec ualism«. Dessen »au geklä e« Vo s ellungen no mie en
die Aspek e de Ra ionali ä , O dnung, Selbs behe schung und des empi ischen Denkens,
se z en eine Fo m des kons uie en »in ellek uellen Weißseins« als soziales, wi scha liches
und kul u elles Kapi al ein und p oduzie en hie a chische S uk u en, de en wesen liche
Funk ionen in de Disk iminie ung, Seg ega ion und Ausg enzung sowie in de assis isch
mo i ie en Exklusion einzelne G uppen zu sehen wa en.22
Das deu schame ikanische, in ellek uelle Weißsein wa gebo en. Deile s Obsession, dem
Rückgang des »Deu sch hums« en gegenzu e en, du e du chaus als Ausd uck dieses
»Whi e In ellec ualism« e s anden we den. In Louisiana e such en die Ak eu e dieses In-
ellek ualismus, sich nich nu on a oame ikanischen Ak eu en abzug enzen, sonde n sie
muss en den S a us des »Weißseins« de eigenen G uppen, in Deile s Fall de Deu schame i-
kane , o wäh end gegenübe den e ablie en und neu ankommenden G uppen e eidigen.
Von eine in ellek uellen Gemeinscha , wie sie de Mig a ionssoziologe und Zei genosse
Ho s ad e s Mil on Go don in den 1960e Jah en besch ieben ha e, konn e also kaum die
Rede sein.23 S a dessen, und dies zeigen Ak eu e wie Deile , spiel en Ka ego ien um gen-
de , class, ace und e hnici y, die spä e in kul u wissenscha lichen und kul u his o ischen
A bei en heo e isie we den soll en, eine wei aus g öße e Rolle bei de Aus o mung in el-
lek uelle G uppen, als es Au o en wie Go don und Ho s ad e in ih en Tex en pos ulie en.
Die Kon u en ü die nächs en Sei en zeichnen sich dami ab. Deile , dem »obsessi en«
In ellek uellen, gil es nachzuspü en und unse Ve s ändnis ü die Ges al des »Whi e In el-
lec ualism« wei e zu schä en. Deile , de Geleh e, Musike und Pädagoge, is ebenso zu
sezie en, wie die »un/sich ba en No men« in ellek uellen Weißseins o enzulegen sind. Au
diesem Wege könn en nich nu die Übe legungen Ho s ad e s zum An i-/In ellek ualismus
in de ame ikanischen Geschich e eine P ü ung un e zogen we den. Auch ließe sich ein
20 Vgl. T ommle 2017, 90.
21 Vgl. Ho s ad e 1955, 154.
22 Vgl. Bake 2020, 251.
23 Vgl. Go don 1964, 226–232.
96 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
sei, »als deu sche Kolonis en an seinen U e n [des Mississippi] neue und äuße s e olg ei-
che Niede lassungen e ich e en«.51 Wei e e His o ike iliopie is ischen Schlages, wie Ale-
xande F anz und, zwanzig Jah e nach ihm, Louis Voss, schlossen sich spä e Deile s Aus-
üh ungen an und p äg en die Fo schungen zum kolonialen Louisiana ü lange Zei . Noch
im Jah 1958 übe spi z e John Nau den Bei ag de Deu schen mi den Wo en: »They build
New O leans.«52 Dass Nau im Vo wo seine S udie die Vo a bei en on Hanno Deile wü -
digend e wähn e, übe asch kaum.53 Übe Nau wi k en die A bei en de Filiopie is en bis
in gegenwä ige his o ische S udien nach. Die Saa des »deu sch hümlichen Fachmenschen-
ums«, so könn e man poin ie kons a ie en, geh in ak uellen S udien also wei e hin au .54
Mi Ho s ad e s Übe legungen kon on ie , hä e Deile sein Scha en siche lich mi de
»Idee de mode nen In ellek uellen« legi imie und sein poli isches und mo alisches Han-
deln und P o es ie en he o gehoben.55 Kon inuie lich e such e Deile die Sonde s ellung
de »Deu schen« in Louisiana zu e kunden, de en Bedeu ung in den Meis e e zählungen
des Bundess aa es zu e anke n und au diesem Weg ih e zei genössische Rele anz ü
Louisiana zu beg ünden. Augenscheinlich wu de dies in seinen Bemühungen da um, die so-
genann en »e s en Deu schen am un e en Mississippi« als »C eolen deu sche Abs ammung«
zu igu ie en. In den on sys emischem Rassismus und s uk u elle Seg ega ion du chzoge-
nen Ve einig en S aa en leg e Deile seinen Sch i en eine De ini ion des »C eolen« zug un-
de, de en assis isch-biologis ische Ton auch ü Zei genoss:innen nich zu übe bie en wa :
»C eolen sind die Nachkommen de o dem Jah e 1803, also in de Colonialpe iode, aus
Eu opa in Louisiana eingewande en weißen Be ölke ung. Seh zu be onen is ›de weißen
Be ölke ung‹, weil es Leu e gieb , welche dem Louisiana C eolen eine Mischung on kauka-
sischem, a ikanischem und indianischem Blu nachsagen.«56
»Es gil also nu das Blu «, esümie e Deile und ass e zusammen, » olglich gieb es: C e-
olen anzösische Abs ammung, C eolen deu sche Abs ammung und C eolen spanische
Abs ammung«.57 Mi diese assis isch-biologis ischen De ini ion de K eolen knüp e Dei-
le an die e s en Meis e e zählungen zu Louisianas Geschich e an. In diesen E zählungen
ha en Ak eu e wie Cha les É ienne A hu Gaya é die Idee on eine weißen k eolischen
Gesellscha en wickel , dabei auch die Deu schen als weiße K eolen ane kann und diese in
eine weißgewaschene Geschich e Louisianas in eg ie .58 Gaya é und seine Mi s ei e – wie
spä e Deile – nahmen ih e De ini ionen eilich aus eine Posi ion de Selbs e mäch igung
51 Deile 1904, 12.
52 Nau 1958, xiii.
53 Vgl. ebd., xii.
54 Un e ande en e wies And ea Meh lände in eine S udie zu den u banen Zen en des ame ikanischen Südens au
John Nau, gl. Meh lände 2011, 6.
55 Vgl. Ho s ad e 1963, 38.
56 Deile 1904, 23.
57 Ebd. 24.
58 Vgl. Hübne 2017, 14, sowie Mölle s 2008, 27. Siehe auch: Gaya é 1885 sowie Poché 1886.

Hübne : Weiß, männlich, gebilde  | 97
o und beschwiegen wide besse es Wissen die Vielzahl an Diskussionen, Zusch eibungen
und Wah nehmungen, die mi dem Beg i des K eolen in Louisiana sei de Kolonialzei
e loch en wa en. Insbesonde e die Exklusion a oame ikanische Ak eu :innen, die ih en
Übe legungen zug unde lag, dü e mi Blick au die All agswel en on New O leans schon
im 19.Jah hunde nich hal ba gewesen sein und en sp ach ehe einem ypisch süds aa -
lichen Rassismus, de da au bedach wa , »die Mach posi ion de weißen Be ölke ung ge-
genübe ande en Ak eu en nich nu du ch physische Un e d ückung und Gewal , sonde n
auch du ch assis ische Ideologien zu un e maue n«.59
Deile e o e e die Geschich e de »Deu schen« am Anbeginn de Kolonie Louisiana,
in de F ühzei des 18.Jah hunde s, und p oduzie e eine Meis e e zählung, die das
»Deu sch hum« in den G ündungsmy hen des Bundess aa es und de U.S.-ame ikanischen
Na ion e anke e. Dass seine Schluss olge ungen nu du ch ein beha liches Ausblenden
und Beschweigen wesen liche E eignisse, En wicklungen und S uk u en de U.S.-ame-
ikanischen, abe auch de kolonialen, e i o ialen und bundess aa lichen Geschich e
Louisianas möglich wa en, du e Deile nich e bo gen geblieben sein. Im Ende ek
p ak izie e e einen in ellek uellen Isola ionismus, de es ihm e laub e, die Wi klich-
kei en des Rassismus und Kolonialismus zu negie en und das »Deu sch hum« iliopie is-
ische P ägung zu zeleb ie en. G undlage ü diesen in ellek uellen Isola ionismus wa
sein Weißsein.
6. Die G enzen des weißen In ellek ualismus
Deile blieb mi seinen Bemühungen o mals au das Unmi elba e und Vo he sehba e be-
g enz und on bloße Cle e ness gelei e . Mi Ho s ad e gesp ochen, spiel e Deile all seine
Bes ebungen s e s gegen die Quali ä en des P ak ischen aus. E olg e in Scha en und Wi -
ken einem »calling«, eine Be u ung ü das »Denken«, das e in den Diens eine e mein -
lichen Wah hei s ell e. Deile wa im bes en Sinne Ho s ad e s ein »engagé«, ein Besessene ,
de en schieden ha e, dass seine Ideen und Abs ak ionen on obe s e Bedeu ung ü das
menschliche Leben wa en.
60
Dami e kö pe e e einen neua igen Typus des »obsessi en«
In ellek uellen. Denn Bei ag und Bedeu ung de »Deu schen« zu inszenie en und die »He-
bung des Deu sch hums« zu bewe ks elligen, e lang e danach, kohä en Nich wissen zu
p oduzie en, ode besse : al e na i e Ideen und Eins ellungen kon inuie lich zu e schwei-
gen, bes imm e his o ische En wicklungen und Ak eu e pe manen zu beschweigen und
s uk u elle Komplexi ä en und Ungleichhei en o wäh end zu bes ei en. Dass Deile als
solch beha lich Wissen beschweigende In ellek uelle nich allein das and, sonde n Hoch-
schulleh e seines Typus in den Reihen de deu schame ikanischen P o esso enscha keine
59 Hübne 2017, 20.
60 Vgl. Ho s ad e 1963, 28.
98 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
Sel enhei da s ell en, bedeu e e ü die deu schame ikanische Gesellscha eine He aus o -
de ung, de sich die Fo schung des 21.Ja
h hunde s wei e hin s ellen muss.61
Fü eine S ando bes immung des In ellek ualismus im ausgehenden 19. und begin-
nenden 20.Jah hunde hal en Deile s We k und Wi ken indes wei e e ele an e E kenn -
nisse be ei . In ellek ualismus konn e in Bildung und Fo schung zwei elsohne mi den
S ängen des Rassismus, Biologismus und Impe ialismus e sch änk sein. Mi seine
Fo m des »obsessi en« In ellek ualismus and Deile in wei en Teilen des deu schame-
ikanischen Bildungsbü ge ums Anklang, dessen Hang zu Deu sch ümelei im Rahmen
di e se Analysen on Cha lo e Le g, Heike Bunge , Anke O lepp und ande en be ei s
iel ach disku ie wu de.62 Deile s and dabei nich allein. Au na ionale Ebene anden
sich an U.S.-ame ikanischen Uni e si ä en unzählige deu schame ikanische P o esso en,
die seinem Typus en sp achen: Weiß, männlich und gebilde , be ieben sie eine Fo m
his o ische und kul u elle Selbs e mäch igung und kons i uie en die kollek i en Wah -
nehmungs-, Wissens- und Handlungsmus e eines imaginie en » e ein en und globalen
Deu sch hums«. Mi diese sozialen Posi ionie ung gingen die Exklusion ande e G uppen
und die Kons uk ion eines weißen U.S.-ame ikanischen Einhei sideals einhe . Wi ksam
wa en Deile s Bemühungen in New O leans und Louisiana o allem, weil e es e s and,
in ellek uelle Deu sch ümelei in lokale und egionale Meis e e zählungen zu in eg ie en
und das » e ein e und globale Deu sch hum« in den Na a i en zu den weißgewaschenen
K eolen au gehen zu lassen.
61 Vgl. Le g 2019.
62 Vgl. u.a. Bunge 2016, Le g 2019 und O lepp 2004.
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(le z e Zug i : 01.03.2024)
Au o
And eas Hübne
is Wissenscha liche Mi a bei e am Leh s uhl de Didak ik de Geschich e an de Ch is ian-Alb-
ech s-Uni e si ä zu Kiel. Seine Fo schungsschwe punk e liegen in den No dame ikas udien,
de Geschich sdidak ik, de Global- und Kul u geschich e sowie in de Umwel geschich e, de Ge-
schich e des An h opozäns und de his o ischen Tie o schung. Mi Ma ia Moss und Micha Ge i
Philipp Edlich gab e im Jah 2022 den Sammelband Mul ispecies Fu u es: New App oaches o Tea-
ching Human-Animal S udies he aus.
[email p o ec ed]iel.de
Open Access // De Bei ag is un e de C ea i e-Commons-Lizenz Namensnennung - Wei e -
gabe un e gleichen Bedingungen 4.0 In e na ional (CC BY-SA 4.0) e ö en lich . Den Ve ags ex
inden Sie un e : h ps://c ea i ecommons.o g/licenses/by-sa/4.0. Bi e beach en Sie, dass einzel-
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bzw. ande en u hebe ech lichen Bedingungen un e liegen können.
| 101
Pa ick Bahne s
Ho s ad e und de An iin ellek ualismus
Skizze de Geschich e eine Idee
[H]e was ying o w i e a kind o his o y ha he adul mind could espec .
(Richa d Ho s ad e übe Cha les Bea d)
1
1. Ein üh ung
Wie sch eib man die Geschich e eine Idee? Fü eine besonde e Ga ung on Idee, den
wissenscha lichen Gedanken, leg e Richa d Ho s ad e 1950 ein Tex mus e o . In de Zei -
sch i Ame ican Qua e ly e ö en lich e e einen Au sa z übe das Buch An Econom
ic
In e p e a ion o he Cons i u ion o he Uni ed S a es on Cha les A. Bea d, das 37Jah e
zu o in e s e Au lage e schienen wa : Bea d and he Cons i u ion: The His o y o an Idea.
Ho s ad e un e nahm diese his o ische In e p e a ion eines kon o e sen Klassike s de wis-
senscha lichen Geschich ssch eibung zwei Jah e nach dem Tod des Ve asse s. Mi Bea d,
1874 gebo en, eil e de 42Jah e jünge e Ho s ad e die akademische Heima . Bea d wa an
de Columbia Uni e si y in New Yo k p omo ie wo den und un e ich e e do Geschich e,
Ve assungs ech und Poli ik, bis e 1917 nach dem Ein i de Ve einig en S aa en in den
E s en Wel k ieg den S a us des Uni e si ä sp o esso s gegen die F eihei des P i a geleh en
und ö en lichen In ellek uellen ausch e. Ho s ad e eich e 1942 seine Dok o a bei an de
Columbia Uni e si y ein. Nach eine e s en Ans ellung an de Uni e si ä on Ma yland
keh e e 1946 an seine Alma Ma e zu ück, um ih bis zu seinem ühen Tod 1970 die T eue
zu hal en.
Im Au sa z übe Bea ds Idee de ame ikanischen Ve assung geh Ho s ad e , wie e ein-
gangs e läu e , in ie Sch i en o . E s ens o dne e »die Ideen des Bandes« on 1913 in
ih en »his o ischen Kon ex « ein, das heiß in den Zusammenhang ande e Tex e, die zu
Lebzei en Bea ds ähnliche Ideen un e die Leu e geb ach ha en. Zwei ens bes imm e die
Me hode on Bea ds Un e suchung. D i ens möch e e »eine bedeu same Zweideu igkei «
1 Ho s ad e 1968, 207.
Kiel-UP •
h ps://doi.o g/10.38072/978-3-910591-27-1/p6

102 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
(»a signi ican ambigui y«) de Gedanken des Buches ans Lich heben, und ie ens e -
olg e Bea ds spä e e Beschä igung mi dem Thema de Ve assung.2 Bea ds Buch übe
den Tex , de die Ame ikanische Re olu ion 1787 zu einem ö mlichen Abschluss b ach e,
wu de bei seinem E scheinen 1913 selbs als e olu ionä wah genommen. De E ek des
kon ex ualisie enden Ve ah ens in Ho s ad e s e s em Abschni is , dass diese Wi kung in
gewissem Sinne ückgängig gemach wi d. Genaue gesag : Ho s ad e geh on dem Be-
und aus, dass Bea ds eins mals p o oka i e Ansich längs ein Gemeinpla z gewo den is ,
ja soga Gemeingu in dem Sinne, dass sie zum kanonischen Bes and de Auslegungen de
G ündungsu kunde de Ve einig en S aa en gehö – und dieses his o ische E gebnis de
No malisie ung eine abweichenden Meinung spiegel e in die Vo geschich e des Buches
zu ück, indem e eine Fülle on Belegen da ü ausb ei e , dass ande e Au o en in ande en
Wo en schon as dasselbe gesag ha en.
Eine A on E olu ion k i ischen Denkens übe das Regie ungssys em als eine Maschine
zu Ve wandlung on sozialem Ein luss in poli ische Mach kulminie e in Bea ds Zu ück-
üh ung de poli ischen En scheidungen de Ve assungs ä e au ih e wi scha lichen In e-
essen; die Re o mbewegungen des Populismus und des P og essi ismus, die ih e sei s ü
un e schiedliche In e esseng uppen ein a en, nämlich eine » e ol o he Wes « eine sei s
und eine Gegenbewegung aus den g oßen S äd en ande e sei s Ausd uck gaben, bau en
bei de Ve b ei ung eine sozialk i ischen Pe spek i e au die Ve assung au einande au .3
Schon o diesem Du chgang du ch die jünge e poli ische Ideengeschich e ha Ho s ad e
es ges ell , dass es eine T adi ion des ökonomischen Ma e ialismus mi Quellen in de o -
e olu ionä en Ve gangenhei bei be ühm en ame ikanischen S aa smänne n gib , einge-
schlossen G ünde ä e de e s en Reihe wie James Madison und John Adams. Ho s ad e
leg ein Fundamen on Bea ds Idee ei, das eine ungeschich liche ode übe geschich liche
Anmu ung ha . De p oblema ische Klassike mode ne wissenscha liche Deu ungskämp e
bedien e sich im klassischen Wo scha z ame ikanische poli ische Deba en.
Ho s ad e s Beobach ungen zu Bea ds Me hode, zu o malen Sei e seine Idee, e geben
sich b uchlos aus diese Sich ung des Kon ex s. Wie sich im Inhal lichen be äch liche Teile
des on Bea d konsul ie en e assungshis o ischen Sch i ums im Nachhinein wie Pa a-
ph asen seines A gumen s lesen, so heb Ho s ad e , was die Macha dieses A gumen s
angeh , au eine a mosphä ische Übe eins immung zwischen Bea ds Ve assungsin e p e a-
ion und ähnlich eh geizigen he meneu ischen P ojek en in ande en Disziplinen ab. Die Ge-
schich e eine Idee e schließ sich übe die Besch eibung ih e Resonanz. Ho s ad e möch e
» e nachlässig e me hodologische Implika ionen« on Bea ds Thesen e ö e n, die ielleich
deshalb nich ins Auge ge allen sind, weil sie so e was wie einen Commonsense ge eil e
Vo ausse zungen de a ancie en Humanwissenscha seine Zei spiegeln.4 De Ideenhis-
2 Ho s ad e 1950, 196.
3 Ebd., 197.
4 Ebd., 196.
Bahne s: Ho s ad e und de An iin ellek ualismus | 103
o
ike s ell eine Gene a ionskoho e maßgebliche Denke aus den »social sciences« zu-
sammen, de en Ein luss au Bea ds Ve assungsbuch e mi Zi a en belegen kann.5 Diese
mode nen Klassike de sys ema ischen Nachba äche de Geschich swissenscha e bin-
de die Abkeh om Fo malismus ode No ma i ismus. Von den ün »seminal hinke s
o Bea d’s gene a ion«, die Ho s ad e au zähl , kann man nu den
Jüngs en, den Ju is en
Roscoe Pound (1870–1964), als Gene a ionsgenossen im Sinne de Gleichal igkei einso ie-
en. Die Ju is en Oli e Wendell Holmes, j . (1841–1935) und Louis B andeis (1856–1941),
de Ökonom Tho s ein Veblen (1857–1929) und de Philosoph John Dewey (1859–1952)
enn e ein Al e sabs and zwischen 33 und 15 Jah en on Bea d.
Das me hodologische Engagemen diese Gewäh sleu e Bea ds cha ak e isie Ho s ad e
mi mili ä ischen Me aphe n: Dewey üh e einen »K ieg« gegen die o male Logik, Veblen
einen »Ang i « au die abs ak e und deduk i e Volkswi scha sleh e, B andeis einen
»Kamp «, um den » ac s o li e« Raum in den »medi a ions o he Sup eme Cou « zu e -
scha en. Die P oduk i i ä des Kon lik s gil als die u sp üngliche Einsich de »p og es-
si en« His o ike schule, als de en Haup Bea d gemeinsam mi Ca l Becke ge üh wi d.
Ho s ad e läss die Pionie e de p og essi en Me hodologie diese Einsich mi ih em Habi-
us de in ellek uellen Auseinande se zung beglaubigen. Die Neuansä ze e gänzen einande
wechselsei ig. Wie de His o ike Bea d ökonomische und geog aphische Me hoden sowie
Beg i e de Rech sphilosophie und poli ischen Theo ie ezipie e, so be ieben Holmes und
Pound umgekeh Rech sk i ik un e Rückg i au die »his o y o law«, e a bei e e Dewey
einen »his o ical app oach o philosophy« und s udie e Veblen die wi scha lichen Ins i-
u ionen soga als ein »his o ian o ideas«, also auch als Vo läu e Ho s ad e s. Sie wa en
eine In e disziplina i ä e p lich e , welche die G enzen zwischen den Disziplinen nich
bloß übe sch i , sonde n ein iss. De me hodischen En g enzung en sp ach ein poli isches
Ideal de In eg a ion, wie Ho s ad e mi einem Zi a aus Bea ds 1908 e ö en lich em Leh -
buch de Poli ik e deu lich : Eine Wissenscha om ganzen Menschen, de sich nich in
homo oeconomicus, poli icus und eligiosus au spal en läss , ealisie das demok a ische
P inzip de allgemeinen Teilhabe an de Ges al ung des Lebens. Von den wissenscha s heo-
e ischen G undlagen bis zu den Vo schlägen ü die Anwendung de Gese ze begüns ig e
das »sociological mo emen in ju isp udence« als ielleich ein luss eichs e Va ian e dieses
holis ischen Ansa zes einen on den Zei genossen au den Beg i geb ach en »p agma ism«,
ja, einen »oppo unism« im Sinne eines P ima s de Gelegenhei o den Gel ungsg ünden,
de P axis o de Theo ie.6 Das heiß abe : Bea ds Idee wa eine Spiela eines om Geis
seine Zei begüns ig en An i-Idealismus.
Im Rahmen eine solchen Sozialwissenscha de p ägnan en K ä e e häl nisse e bleib
Ho s ad e , wenn e Bea ds Buch gegen den on spä e en K i ike n e hobenen Vo wu des
5 Ebd., 199. Do auch die olgenden Zi a e.
6 Ebd., 200.
104 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
K yp o-Ma xismus in Schu z nimm .7 Die K i ike e kann en die Kon e genz de P ämissen
des his o ischen Ma e ialismus ma xis ische Obse anz mi dem p og essi en ame ikani-
schen Zei geis de Jah e o 1914. Mi de Radikali ä Bea ds übe schä z en sie alle dings
auch seine O iginali ä . Ho s ad e ühm das Buch übe die ökonomische In e p e a ion
de Ve assung als »a iumph o sys ema ic in elligence«.8 Es sei das We k eines »bold and
ee mind«. Die Kühnhei on Bea ds Geis soll abe nich da in bes anden haben, dass es
ihm gelungen wä e, sich on dem zu be eien, was um ihn he um gedach wu de. E wa
»capable o applying sys ema ically he insigh s o cu en c i ical hough «. In de Sys ema-
isie ung iumphie e diese Ve s and, in de Gene alisie ung und S uk u ie ung de on
ihm au genommenen Gedanken.
2. Au de Suche nach Wi klichkei
Was is , so kann man an diese S elle, au halbe S ecke on Ho s ad e s Au sa z, agen,
Bea ds Idee de ökonomisch in e p e ie en Ve assung wide ah en, indem sie on Ho s ad e
zum Gegens and eine Geschich e gemach wu de? Sie ha ih e Un e wechselba kei einge-
büß ; ih e bibliog aphisch e bü g e Indi iduali ä is agwü dig gewo den. Eine Einhei is
diese Idee nich im Sinne eines Con aine s, eine sp achlichen Kapsel, die einen Gedankenin-
hal un e seh du ch die Zei anspo ie . Ho s ad e wende sich nun om Kon ex ab und
dem Tex zu, und die Ambigui ä on Bea ds Idee, die Ho s ad e du ch Lek ü e aus de Nähe
he ausa bei e , e s a e ih sozusagen die einkassie e Indi iduali ä zu ück. De Ve lus an
Un e schieden zwischen Bea ds Lei mo i en und dem hema ischen Ma e ial de Epoche wi d
kompensie du ch die En deckung eine inne en Di e enzie hei des Tex es.
Dass die Aussage on Bea ds Buch nich eindeu ig sei, lies sich zunächs wie eine Män-
gelanzeige, weil es um eine wissenscha liche Publika ion geh . Abe wenn die Idee eine
unau gelös e Spannung um ass , en häl sie dami den Keim ih e Geschich e in sich. Ve -
schiedene Aneignungen sind möglich, die sich mi de Zei wandeln und abwechseln, nich
zule z wechselnde Auslegungen du ch den Au o selbs .9 Es äll au , dass Ho s ad e selbs
Bea ds Idee nich de inie ha und bis zum Schluss des Au sa zes eine De ini ion schuldig
bleib . So s ell e , wenn e Zweideu iges in den Vo de g und hol , nich e wa eine o läu-
ige Bes immung des Gehal s de Idee zu Disposi ion; ielmeh konn e e die Idee bei den
Lese n de Zei sch i als bekann o ausse zen.
7 Ho s ad e gehö e an de Uni e si y o Bu alo eine kommunis ischen S uden eno ganisa ion an und wa 1938/39
einige Mona e lang Mi glied de Kommunis ischen Pa ei. Gemeinsam mi seine 1945 e s o benen e s en F au Fe-
licia Swados nahm e lebha en An eil an de ma xis ischen Theo iediskussion un e den New Yo ke In ellek uellen.
Vgl. Bake 1985 und Fone 2002.
8 Ho s ad e 1950, 203. Do auch die olgenden Zi a e.
9 Siehe auch Ho s ad e 1968, 218: »Wha Bea d le , hen, was a book ambiguous enough o be ead, o his g ea
ad an age, in di e en ways by di e en eade s. […] Like many cen al wo ks o i s kind, i was a plas ic objec ,
suscep ible o a ce ain manipula ion in he minds o i s audience.«
Bahne s: Ho s ad e und de An iin ellek ualismus | 105
Ho s ad e möch e eine s a ke und eine schwache, in seinen Wo en: eine enge e und
eine wei e e Fassung de These on Bea ds Buch un e scheiden. Ha en die Delegie en de
e assunggebenden Ve sammlung in Philadelphia in dem Sinne ein wi scha liches In e-
esse am Ausgang de Be a ungen, dass sie on de Ausges al ung de Ve assungsno men
pe sönlich zu p o i ie en ho en? Ode p äg en die In e essen, die sie im Wi scha sleben
e olg en, in einem allgemeine en Sinne ih e Pe spek i en au die Poli ik? Ho s ad e heb
den g oßen Au wand he o , den Bea d bei de E mi lung de inanziellen Ve häl nisse de
einzelnen Mi gliede de Ve sammlung be ieben ha . In de ma hema ischen Objek i ie-
ung beziehungsweise da enges ü z en Agg ega ion on In e essenlagen sieh Ho s ad e
das o iginelle Elemen on Bea ds Me hode; Bea ds Bei ag zum Gene a ionsp ojek de Ein-
speisung de Ta sachen des Lebens in die G übeleien de Sozialkunde wa die Ve wendung
de We kzeuge de Rechnungs-ode S eue p ü e . Bea ds Me hode e sp ach die Iden i ika-
ion on abgeg enz en In e esseng uppen, »dis inc g oups«.10 Was die Implika ionen diese
Bilanzie ung on Dis ink ionsme kmalen angeh , kann man die on Ho s ad e au gespü e
Ambigui ä auch in Fo m olgende Al e na i e o mulie en: Kann das G uppenin e esse
eine In e esseng uppe als ein gemeinscha liches sachliches In e esse quali izie we den,
ode is es nich meh als die Summe pe sönliche Gewinnabsich en?
An meh e en on Ho s ad e zi ie en S ellen e knüp Bea d die »pe sonal expe-
ience« de Ve assungs ä e beziehungsweise ih e »pe sonal expe iences« im Plu al mi dem
Konk e en und Bes imm en als Modali ä en gelingende poli ische Ges al ung.11 Im Pe sön-
lichen s
oll eine Logik de Ve sachlichung wi ksam gewesen sein, weil die Delegie en ih e
In e essen »in conc e e, de ini e o m« wah zunehmen gewohn wa en. Bea d ha ih e Geld-
anlagen un e such – und Anlege müssen sich es legen.12 E en wi so e was wie einen
kapi alis ischen Empi ismus o de his o ischen Kon as olie eine ande en e assung-
gebenden Ve sammlung, de F ank u e Paulski che. Mi einem Topos de ückblickenden
ealpoli ischen K i ik am sogenann en P o esso enpa lamen on 1848 cha ak e isie e die
Abgeo dne en de F ank u e Na ional e sammlung als »a g oup o doc inai es«, denen e
die »p ac ical men« on Philadelphia gegenübe s ell .13 Ho s ad e ag nich nach de empi-
ischen G undlage de deu schen Sei e dieses his o ischen Ve gleichs. E ass Bea ds mi de
Paulski che illus ie e Zusammen assung des A gumen s des Kapi els übe die wi scha -
liche Lage de Männe on Philadelphia so zusammen, dass nu ein minimales Beweisziel
üb ig bleib , sozusagen die schwächs e Fassung de These, mi s ä ks em Gel ungsansp uch:
Bea d habe am Ende ein ach nu gesag , dass die G ünde ä e nich ganz und ga »disin-
e es ed«14 gewesen seien.
10 Bea d 1913, 73; zi ie nach Ho s ad e 1950, 205.
11 Bea d 1913, 73 und 151; zi ie nach Ho s ad e 1950, 205.
12 Bea d 1913, 73; zi ie nach Ho s ad e 1950, 205.
13 Bea d 1913, 151; zi ie nach Ho s ad e 1950, 205.
14 Bea d 1913, 151; zi ie nach Ho s ad e 1950, 205. Bei Bea d und Ho s ad e in An üh ungszeichen.
112 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
Oswald Spengle und Al ed No h Whi ehead, Lenin und I. A. Richa ds.35 Als ebenso geis es-
wel ums ü zend wie die P og ammsch i en de kommunis ischen Wel e olu ion bewe e-
en die ame ikanischen libe alen In ellek uellen also die Handbüche eine me hodisch on
de Wel abs ahie enden, au den Tex konzen ie en Lek ü e, die de in Camb idge aus-
gebilde e Richa ds au den kon ain ui i en Beg i des »P ac ical C i icism« b ach e. Eines
de Axiome on Richa ds lau e e: »Ambigui y is in ac sys ema ic« – die un e schiedlichen
Bedeu ungen eines Wo es sollen nich ganz so s eng und doch ähnlich s eng au einande
bezogen sein wie die Ansich en eines Gebäudes.36
Bea d selbs nann e als eines on d ei We ken Ideologie und U opie – als e Mannheims
Buch las und seine geis ige Wel eine ande e wu de, lag die Ab assung des Ve assungsbuchs
schon Jah zehn e hin e ihm. Das U eil, dass e 1913 noch au de Bewuss seinss u e de
bloßen Ideologienleh e e ha habe, hä e ihn e mu lich o zdem übe asch . Ein Jah
o de Um age ha e Bea d au eine Ve ans al ung des ame ikanischen His o ike e bands
zum hunde ün zigs en Jah es ag de Ve assung die Selbs bewuss seinse wei e ung du ch
Wissenscha sgeschich e als Deside a de Ve assungsgeschich e in den Raum ges ell . In
Ho s ad e s Re e a : »The nex ask o cons i u ional schola ship, he sugges ed, would be o
ea he cons i u ional a i udes o bo h in e es -g oups and his o ians as p oblems in he
sociology o knowledge.«37 Ho s ad e s Au sa z is ein Ve such de E üllung dieses Wun-
sches – und gleichzei ig ein S ück disk e e in ellek uelle Au obiog aphie.
Am An ang des Au sa zes s eh die Fes s ellung, dass Bea ds Ve assungssch i on
einem Gegens and des wissenscha lichen S ei s zu einem S udienobjek gewo den sei,
»a book ha mus be s udied i we a e o loca e ou own hinking in he s eam o in ellec-
ual e en s«.38 Die e s e Pe son Plu al schloss den Ve asse des Au sa zes ein. 1934 ha e
Ho s ad e The Rise o Ame ican Ci iliza ion gelesen, ein Gemeinscha swe k on Cha les
Be
a d und seine F au Ma y.39 Ho s ad e s 1936 an de Uni e si ä seine Heima s ad Bu -
alo einge eich e, on dem Diploma iehis o ike Julius P a be eu e Abschlussa bei übe
den P äsiden scha swahlkamp des Jah es 1860 s ell e Bea ds Deu ung des Bü ge k ieg als
de »Zwei en Ame ikanischen Re olu ion« au den P ü s and.40 Lau Bea d ha en sich die
Kapi alis en de No ds aa en de Republikanischen Pa ei bedien , um die Zen al egie ung
35 Ho s ad e 1950, 209; Ho s ad e 1968, 220.
36 Richa ds 1930, 10.
37 Ho s ad e 1950, 210; Ho s ad e 1968, 219–220 mi Ve weis au Bea d 1938. Bea d (ebd., 161) be ie sich in seinem
Vo ag ausd ücklich au Mannheim, de »wi h g ea skill and de achmen « die »co espondence be ween schools o
hough and social g oupings« zum Gegens and on G undlagen o schung gemach habe. Du ch Re lexion au den
eigenen S andpunk nach Mannheims Anlei ung könn en sich die His o ike dem Ideal de Objek i i ä annähe n,
das die Schule Leopold on Rankes e eich zu haben behaup e habe.
38 Ho s ad e 1950, 195.
39 Das We k (Bea d/Bea d 1927) wa lau Ho s ad e 1968, 299 zum Zei punk seines E scheinens die bes e bis dahin
e schienene Geschich e de Ve einig en S aa en. »Fo a long ime, a signi ican po ion o hose who ook up he
p o essional s udy o his o y did so unde i s in luence.«
40 Siehe Singal 1984, 979 und Bake 1985, 56–63.

Bahne s: Ho s ad e und de An iin ellek ualismus | 113
un e ih e Kon olle zu b ingen. Ho s ad e s P ü ung kam zu einem nega i en Resul a , abe
e gelang e zu seine K i ik an Bea ds Resul a en un e Bea ds P ämissen. Die Kapi alis en
hä en Lincolns Pa ei zwa meh hei lich nich un e s ü z , abe die Wähle scha de Re-
publikane sei du ch ande e wi scha liche In e essen zusammengehal en wo den. Zum
Nachweis de Ko ela ion zwischen den Wähle in e essen und Lincolns Wahl e sp echen
in de Zoll-und Landpoli ik benu z e Ho s ad e »a c ude o m o s a is ical analysis, which
would no be cha ac e is ic o his la e wo k«.41
Ho s ad e s P ägung du ch Bea d läss sich auch de 1944 e ö en lich en Dok o a bei
Social Da winism in Ame ican Though noch ablesen.42 Am Schluss des Buches s ell Ho -
s ad e es , die Geschich e des »Da winian indi idualism« bie e »a clea example o he
p inciple ha changes in he s uc u e o social ideas wai on gene al changes in economic
and poli ical li e«.43 Mi diesem P inzip des Vo angs des Umwel bedingungen in de Ideen-
geschich e is ein An i-Indi idualismus gese z ; de Sozialda winismus wi d sozusagen on
de Geschich e wide leg , de en Mechanismus e en schlüssel zu haben glaub e. Im Buch
komm die En s ehung on Bea ds Ideen zu Sp ache. E s eh an de e s en S elle eine
Lis e on Au o en, die Va ian en eines Gegenen wu s zum Indi idualismus en wickel en.
Zu diesen An ege n eine »mino enaissance in Ame ican social hough «, die »a common
consciousness o socie y as a collec i e whole a he han a conge ies o indi idual a oms«
e band, gehö en auch Tho s ein Veblen, John Dewey, F anz Boas, Louis B andeis und
Oli e Wendell Holmes. Bea ds Buch on 1913 ma kie die Zäsu : »A d as ic depa u e
om ances o wo ship in his o y was ma ked by Cha les Bea d’s s udy o he o igins o he
Cons i u ion.«44 Von hie aus e schließ sich Ho s ad e s wei e e, lebenslang o gese z e Be-
schä igung mi Bea d: De His o ike muss auch im Umgang mi den eigenen Vo gänge n
den Ahnenkul hin e sich lassen.
4. Die ame ikanische Bildungska as ophe
In de New Yo k Re iew o Books e schien im Mä z 1973, zweieinhalb Jah e nach Ho s ad e s
Tod, eine Wü digung seines Ve mäch nisses aus de Fede on Ch is ophe Lasch, de an de
Columbia Uni e si y eine Dok o a bei übe die Russische Re olu ion als E eignis de ame i-
kanischen Ideengeschich e gesch ieben ha e, mi dem Schwe punk au dem Ve häl nis on
41 Fabe 2006, 244.
42
William McGeehan in e p e ie schon die Dok o a bei als »a c i ical esponse o Bea d«, leg diese In e p e a-
ion abe Ho s ad e s Buch The P og essi e His o ians on 1968 als »a ai app oxima ion o wha he hough abou
him when he w o e Social Da winism in 1942« zug unde, s a den Au sa z on 1950 he anzuziehen (McGeehan
2018, 26).
43 Leona d 2009, 38 cha ak e isie diese S elle als o ensich liches Bea d-Zi a , das keines Nachweises bedu e,
und e weis au Anwendungen des P inzips in Ho s ad e s Da s ellung, »unado ned Bea dian claims« wie »He be
Spence and his philosophy we e p oduc s o English Indus ialism« (Ho s ad e 1944, 22).
44 Ho s ad e 1944, 145.
114 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
Demok a ie und Libe alismus.
45
Laschs e s es Buch, The New Radicalism in Ame ica: The
In ellec ual as a Social Type, wa 1965 mi eine Kau emp ehlung Ho s ad e s im Klappen-
ex he ausgekommen und nahm den o en Faden on Ho s ad e s zwei Jah e äl e em Buch
An i-in ellec ualism in Ame ican Li e au .
46
Das Wachs um des S aa es sei dem Zei al e de
p og essi en Re o men begüns ig e die Fo mie ung eine in ellek uellen Klasse, die du ch Be-
ei s ellung on Expe ise poli ischen Ein luss nehmen konn e, nich meh bloß spo adisch,
du ch gelegen liche Büche ode A ikel zu F agen des Tages, sonde n s ändig, als eine A
Hil sbeam en um, dessen Angehö ige zwischen Pos en in de Bundes e wal ung und Ans el-
lungen an den Eli euni e si ä en hin und he wechsel en.
Was Ho s ad e An iin ellek ualismus nann e, ein g undsä zliches Miss auen gegenübe
de Sphä e des Geis es, ha e als meh ode wenige a ikula ions ähige S immung on An-
ang an zu ame ikanischen Na ionalkul u als de Kul u eine nach eigenem Ve s ändnis
jungen Na ion gehö , konn e abe wegen de neuen sozialen Mach de In ellek uellen,
die im Inne en de akademischen und de on Akademike n bemann en poli ischen Ins i-
u ionen als Unen beh lichkei emp unden wu de, zu poli ischen Ge ah we den – um ein
S ichwo zu e wenden, mi dem de Ti el de deu schen Übe se zung das Buch The Poli-
ics o Cul u al Despai on F i z S e n ungemein wi kungs oll zusammen ass e. Eine Ge-
schich e on Ho s ad e s Idee des An iin ellek ualismus nach dem Mus e seine Geschich e
on Bea ds Ve assungsidee müss e eine Lis e on Büche n mi gleichgelage em Anliegen
en hal en; die Buchausgabe on S e ns an de Columbia Uni e si y einge eich e Disse a-
ion e schien zwei Jah e o An i-in ellec ualism. Als we kbiog aphische S udie übe d ei
Au o en is das Buch des zehn Jah e jünge en Ins i u skollegen on Ho s ad e schmale
zugeschni en; es geh abe eben alls um Reibungse ek e de Ve bindung on poli ische
Mode nisie ung und soziale Di e enzie ung o dem Ho izon de Lei ideen eine na iona-
len Kul u , um Ressen imen und En emdung als Medium und Mo i eine in Gesellscha s-
k i ik übe se z en Beschä igung mi de Rollenp oblema ik des In ellek uellen. In seinem
Bei ag zu S e ns An hologie The Va ie ies o His o y, einem ielbenu z en S udienbuch,
en wa Ho s ad e das P og amm eine sozialwissenscha lich au geklä en »analy ischen«
His o iog aphie.47
Lasch äuße e 1973 zwei Einwände gegen Ho s ad e s zehn Jah e al es Buch: »The
de ense o he in ellec uals’ adi ion agains popula an i-in ellec ualism igno es he an i-
in-
ellec ualism o he in ellec uals hemsel es and con uses in ellec wi h he in e es s o
45 Übe Lasch als Schüle , K i ike , Ve eidige und Konku en en Ho s ad e s gl. Ludwig 2015, 127–129, 288–295
und 775–784. De A ikel on 1973 wa de Vo abd uck des Vo wo s, das Lasch au Einladung on Ho s ad e s
Wi we ü eine Jubiläumsausgabe on Ho s ad e s Bes selle The Ame ican Poli ical T adi ion e ass ha e.
46 Vgl. B own 2006a, 125. Ho s ad e ha e Lasch den Ve lags e ag bei Al ed Knop e mi el . Lasch ha e ihm »a
book on p og essi ism« o geschlagen. »I ha e in mind a se ies o biog aphical essays, designed o documen he
hesis ha p og essi ism can bes be unde s ood as he mani es a ion o a deep and g owing dissa is ac ion, on he
pa o middle-class in ellec uals, wi h middle-class li e and cul u e« (Lasch an Ho s ad e , 24. Juli 1963; zi ie bei
Ludwig 2015, 295).
47 Ho s ad e 1956; dazu Ka znelson 2023, 272–274.
Bahne s: Ho s ad e und de An iin ellek ualismus | 115
in ellec uals as a class.«48 De zwei e Einwand häl Ho s ad e o , was diese an de p o-
g essi en Sozialk i ik de Bea d-Koho e diagnos izie ha e: die Ve kennung des eigenen
In e esses im Sinne des Klassens andpunk s de eigenen Klien el. Die Idee, die sich zu
dem um ang eichen, au den e s en Blick übe sich lichen, bei nähe em Hinsehen hie
und da un ö migen Buch49 auswachsen soll e, ug Ho s ad e e s mals im Ap il 1953 an
de Uni e si y o Michigan o .50 De Gedanke eine Spannung zwischen Demok a ie und
In ellek uali ä wa Ho s ad e s An wo au den P äsiden scha swahlkamp des Jah es
1952, in dem de demok a ische Kandida Adlai S e enson als eingebilde e Be u sgebil-
de e ka ikie wo den wa
.
Die Geschich e on S e ensons Niede lage schloss eine uni e si ä spoli ische Episode
ein, in de Ho s ad e eine ak i e Rolle gespiel ha e.51 E gehö e im Leh kö pe seine
Uni e si ä zu den G ünde n eines Un e s ü ze k eises des demok a ischen Bewe be s mi
dem Namen »Columbia Facul y Volun ee s o S e enson«; de Vo si zende wa sein His-
o ike kollege Allan Ne ins. Das Pikan e an diese Ini ia i e akademische Selbs o ganisa-
ion wa die Ta sache, dass de epublikanische Kandida Dwigh D. Eisenhowe sei Mai
1948 das Am des P äsiden en de Columbia Uni e si y bekleide e. Ho s ad e s G uppe
gab eine Anzeige in de New Yo k Times au , die in de Ausgabe om 16.Ok obe 1952
ged uck wu de. Eine Woche spä e e schien eine Gegen-Anzeige mi de Übe sch i »Co-
lumbia Uni e si y and S a s o Eisenhowe «. Gemeinsam mi d ei Uni e si ä skollegen,
da un e dem His o ike Pe e Gay, p o es ie e Ho s ad e bei de Redak ion gegen die
Au machung de Anzeige und die beglei ende edak ionelle Be ich e s a ung. Die Au o-
en de Eingabe ha en nachgezähl und monie en, dass on den 714Un e zeichne n des
Eisenhowe -Inse a s 324 nich im Namens e zeichnis de Uni e si ä zu inden seien und
on den es lichen 390 nu 259 den gleichen be u lichen S a us hä en wie die S e enson-
F eiwilligen; un e den Üb igen änden sich »die i ians, building supe in enden s, s eno-
g aphe s and s uden s«.52
Die Annahme eine Ko ela ion zwischen In ellek uali ä und Bildungsg ad, geis igem
Ni eau und akademischem Rang is eine unausgewiesene, abe auch kaum e hehl e P ä-
misse on Ho s ad e s monog aphische Un e suchung des An iin ellek ualismus. Mann-
heim bes imm e als T äge eine allsei igen Sozialk i ik, die auch den eigenen S ando
nich ausblende , die »sozial eischwebende In elligenz«.53 Ho s ad e glaub e o enkundig,
48 Lasch 1973.
49 Zu diesem Eind uck meh e e Rezensen en gl. Cook 1963, 99. Ein englische K i ike sah in de Fo mlosigkei den
P eis de Iden i ika ion des Au o s mi seinem Thema: »P o esso Ho s ad e ’s libe alism is no concealed, no his
own in ellec ual and educa ional c eed, and he is, pe haps, oo in ol ed wi h his subjec o be able o dis inguish he
essen ial om he inessen ial« (Coa s 1965, 125).
50 Ho s ad e 1953. Vgl. B own 2006a, 86.
51 Snodg ass 2018, 144–147.
52 o. Ve . 1952.
53 Mannheim 1929, 123.
116 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
dass ins i u ionelle Ge üs e nö ig seien, dami die eien Geis e sich zu ih en Höhen lügen
soziale Obse a ion au schwingen könn en, und and diese In as uk u in den Bildungs-
ans al en mi ih en in e nen Un e schieden des Ansehens de einzelnen Angehö igen und
den ex e nen Un e schieden zwischen den in o mell nach P es ige g uppie en Hochschulen
und Schulen.
Aus de G uppe de akademisch nich sa is ak ions ähigen Un e sch i sleis enden des
Wahlkamp s 1952 keh im Buch de Hausmeis e wiede , als Symbol igu eines im Bil-
dungswesen depla zie en S ebens nach Egali ä . Das d eizehn e Kapi el widme sich de
Re o mpädagogik in Ges al de Bewegung des »Li e Adjus men «, die du ch Ein üh ung
on Schul äche n wie Hauswi scha skunde e was gegen die in ellek uelle Übe o de ung
de Schüle un woll e: Ziel des Schulun e ich s solle die Anpassung an die p ak ischen
An o de ungen des Lebens sein. Nachdem die o he igen Kapi el den e angelikalen Fun-
damen alismus, den An ikommunismus und den na ionalen Chau inismus als T äge des
An iin ellek ualismus da ges ell haben, inde de ün e, bildungspoli ische Abschni des
Buches einen Ans eckungshe d des banausischen Ungeis es au de linken, de sogenann en
libe alen Sei e de ame ikanischen poli ischen Kul u . Das pädagogische Ideal p ak ische
Anpassung au Kos en heo e ische Ans engung is ü Ho s ad e eine Fehlen wicklung
des P agma ismus. E examinie auch Deweys einschlägige Ideen; die P ü ung äll e was
ums ändlich aus, weil Ho s ad e augenscheinlich de in ellek uellen Leis ung Deweys die
Ane kennung nich en ziehen möch e.54
D
en schlech en, nai en Idealismus de Re o mpädagogen b ing Ho s ad e mi einem
»cu ious lack o humo « au ih e Sei e zusammen, und e mach mi seine Lese scha
die Gegenp obe au diese habi ussoziologische These, indem e Humo demons ie , mi
eine Se ie sche zha e Beme kungen übe den missiona ischen Ei e seine Gegenspie-
le . Die zwei e Beme kung lau e : »When hey eel hey a e abou o es ablish he school
jani o ’s igh o be ea ed wi h espec , hey g ow s a y-eyed and inc ease hei em-
po.« Ho s ad e mach einen Wide s ei zwischen Demok a ie und In ellek uali ä aus,
zwischen dem P inzip de Gleichhei und dem Ideal geis ige Exzellenz. »The key o he
book, i s agic hea , was his idea ha Ame ica’s an i-in ellec ualism s emmed om de-
moc a ic egali a ianism i sel .«55 Diese kul u pessimis ische Implika ion seine Idee des
An iin ellek ualismus dü e ü heu ige poli ische Diskussionen mindes ens ebenso iel
S o be ei hal en wie seine K i ik de Wissenscha sk i ik de ex emen Rech en,56 zumal
wenn man den S ellenwe de Ideen de Ane kennung, des Minde hei enschu zes und
de S andpunk übe nahme in de jünge en Demok a ie heo ie bedenk . Kenne h Lynn,
ein Li e a u his o ike aus dem Zi kel de neokonse a i en In ellek uellen um No man
54 K i isch: Wel e 1964, 483.
55 G eenbe g 2007, 161.
56 Zwei Beg i sp ägungen Ho s ad e s haben klassische Gel ung e lang in de Li e a u zu ex emen Rech en als ei-
nem Phänomen de poli ischen Kul u : Pseudokonse a ismus (Ho s ad e 1955b) und pa anoide S il (Ho s ad e
1964; e wei e : Ho s ad e 1965).
Bahne s: Ho s ad e und de An iin ellek ualismus | 117
Podho e z und I ing K is ol, p äsen ie e das Buch in seine Rezension als Beweiss ück
ü einen zei ypischen »Eli ism on he Le «.57
Pe e Gay ha e schon an Ho s ad e s 1955 e schienene Monog aphie übe Populismus
und P og essi ismus, The Age o Re o m, monie , dass die on Ho s ad e he ges ell e »con-
nec ion o populism and an i-in ellec ualism« en gegen dem Ansp uch des Au o s kein » e-
sul o in es iga ion« sei, sonde n on ihm an sein Thema he ange agen we de. »Le me
s a e he ques ion baldly: o wha ex en is you piece an a p io i cons uc ion? Tha is o
say, wha ex en do you s a wi h an a is oc a ic pic u e o wha socie y should be like, and
hen come ou wi h you indic men o Populism?«58 Ho s ad e s Spo übe den e undenen
Hausmeis e seines Gedankenspiels is dann imme hin beg i lich konsequen : Den Ein-
sa z ü ein Rech des nich leh enden Schulpe sonals au Respek kann man nu aus eine
o demok a ischen We ewel he aus als absu d hins ellen, im Lich e de a is ok a ischen
G undidee o ge undene Rangun e schiede.
De d i e Sche z, de gemäß dem he o ischen Gese z de S eige ung als de lus igs e ge-
dach sein müss e, geh au Kos en de Schüle : »And when hey a e ying o assu e ha he
loca ion o he school oile s will be so clea ly ma ked ha he dulles child can ind hem,
hey g ow dizzy wi h exal a ion and launch in o wild cadenzas abou democ acy and sel - e-
aliza ion.«59 Man mag zuguns en Ho s ad e s annehmen, e habe es ü selbs e s ändlich
gehal en, dass ü alle Anweisungen im Schulall ag kla e und deu liche Ma kie ungen zu
e wenden seien, on den Wegweise n im Gebäude bis zu den Hinweisen zu ko ek en
Aus üllung eines Tes s. Abe es bli z die sadis ische Idee au , einem beg i ss u zigen Kind
geschehe es ganz ech , wenn es sich in die Hose mache, es sei sozusagen on de Na u ge-
schlagen – und diese Phan asie o s ellung u eigen lich danach, mi dem Bes eck de on
Ho s ad e e eh en Klassike de Sozialpsychologie auseinande genommen zu we den.
Welches Kind das dümms e is : Das schein in Ho s ad e s Augen, wenn es eine Schule
gib und dami die ägliche Übung des Ve gleichs un e säm lichen Schüle n, eine simple
Ta sachen age zu sein. In elligenz, die im gegebenen hie a chisch di e enzie en Bildungs-
wesen de Ve einig en S aa en e wal e , ge ö de und bewe e wi d, nimm e in ähnliche
Weise als objek i e G öße an wie Bea d das ma e ielle In e esse. In Ho s ad e s Modell des
S a us is die gesellscha liche S ellung des Einzelnen eine Sache on Ra ionalisie ung und
P ojek ion.60 Ho s ad e ha auch zu Bildungsgeschich e im enge en Sinne meh e e Bü-
che o geleg , und das Buch on 1963 is on zus ändige Sei e als » he culmina ion and
57 Lynn 1963; gl. B own 2006b, 3–4. Zu Ve bindung on Demok a ieskepsis und akademischem Eli edenken in Ho -
s ad e s Auseinande se zung mi dem Rech spopulismus de Sena o en McCa hy und Goldwa e gl. Fabe 2006,
286–292.
58 B own 2006a, 107.
59 Ho s ad e 1963, 340.
60 E de inie e »s a us poli ics« als » he clash o a ious p ojec i e a ionaliza ions a ising om s a us aspi a ions«
(Ho s ad e 1955b, 18). Zu diesem Ve s ändnis on P ojek ion und dem Ein luss F euds au Ho s ad e gl. McKen-
zie-McHa g 2022, 467–468.

118 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
syn hesis o his hough s on educa ion« ge ühm wo den.61 Keinen Pla z ha un e diesen
Gedanken die Einsich , dass Bildung einen S a us e leih , in dessen Zue kennung und Vo -
en hal ung i a ionale P ä e enzen und massi e In e essen eingehen. De Rassismus is im
Buch kein Thema, obwohl e die in ellek uellen Fähigkei en de Ame ikane a ikanische
He kun e äch lich mach . Mi melancholischem Sa kasmus me k William E. Cain zu
An i-in ellec ualism in Ame ican Li e
und de 1964 publizie en Essaysammlung The Pa a-
noid S yle in Ame ican Poli ics an: »in he o al o 750 pages he e is no indica ion ha Black
people e e li ed (and we e li ing) in he Uni ed S a es.«62
5. Soziologische Au klä ung
Ho s ad e s Fachkollege C. Vann Woodwa d nahm da an Ans oß, dass e schon dem äl e en
ch is lichen Fundamen alismus eine Men ali ä des Ex emismus und I a ionalismus un e schie-
be, die sich in Wah hei e s im Zuge de kul u ellen Ma ginalisie ung de buchs abengläubigen
O hodoxie in de Mode ne he ausgebilde habe. In einem B ie e mahn e e ihn eundscha -
lich: »Dick, you jus can’ do his. No amoun o Ado no, S ou e , Ha ley, e c. will sus ain
i .«63 Woodwa d bezog sich au d ei ü das An iin ellek ualismusbuch wich ige Re e enzwe ke:
Fundamen als o Social Psychology on Eugene L. Ha ley und Ru h E. Ha ley, Communism,
Con o mi y and Ci il Libe ies: A C oss Sec ion o he Na ion Speaks i s Mind on Samuel S ou e
und die S udien zum au o i ä en Cha ak e on Theodo W. Ado no und dessen Mi a bei e n.64
1952 muss en Ho s ad e und seine Kollegen de New Yo k Times, die nach eigenem
Ve s ändnis eine den exklusi en Uni e si ä en e gleichba e na ionale Ins i u ion is und
du ch Wah nehmung des Bildungsau ags de P esse übe die Einhal ung in ellek uelle
S anda ds wach , eine Fehleinschä zung de akademischen Repu a ionskapi al e eilung
zu Kenn nis b ingen. Gleichwohl is Ho s ad e s Buch übe die habi uelle Ge ingschä zung
in ellek uelle Leis ungen in wei en Teilen de ame ikanischen Gesellscha on eine op i-
mis ischen Pe spek i e au den Ideenma k bes imm : Akademische und allgemeine Ö en -
lichkei bilden in diese Sich ein Kon inuum, wie schon die eilweise ziemlich speziellen
geleh en Anspielungen im Buch zeigen; die Maßs äbe, die oben zu Anwendung kommen,
we den anscheinend mi E olg nach un en kommunizie . Das Buch spiegel die li e a ische
Kul u , in de es zum Bes selle we den konn e.
61 De Simone 2001, 379.
62 Cain 2018, 120.
63 B own 2006a, 138. Übe Ho s ad e und Woodwa d gl. King 2018. Seh k i isch zu Ho s ad e s Da s ellung des
Fundamen alismus: Wa 2017, 113–118.
64 Zum Ein luss Ado nos au Ho s ad e s Deu ung de ame ikanischen Rech
en gl. Fabe 2006, 281–295 und Snod-
g ass 2018, 152. H. J. Eysenck monie e in seine Besp echung on The Pa anoid S yle in Ame ican Poli ics, die
»au o i ä e Pe sönlichkei « we de zwa im Vo übe gehen e wähn , Ho s ad e s sozialpsychologischem Räsonne-
men ehle abe die empi ische G undie ung im Expe imen (Eysenck 1966).
Bahne s: Ho s ad e und de An iin ellek ualismus | 119
Im Schlusskapi el k i isie Ho s ad e eine pa hologische To alisie ung de K i ik du ch
In ellek uelle, die ih en Außensei e s a us e inne lichen und die E wa ung eines an ago-
nis ischen Ve häl nisses zwischen In ellek und Gesellscha du ch bloßes Dagegensein e -
üllen, un e Ve zich au die Ans engungen on Beg ündung und Vo s ellungsk a . »Wha
hey ha e come o ea is no so much ejec ion o o e hos ili y, wi h which hey ha e
lea ned o cope and which hey ha e almos come o ega d as hei p ope a e, bu he
loss o aliena ion.«65 An de En emdung ollzieh sich das Gese z eine P ophe ie, die sich
selbs e üll .66 Als Gegengi gegen diese Ve suchung des Fa alismus e ab eich Ho s ad e
einige Da en zu En wicklung des Buchma k s – wo schlech e Bo scha en sich gu e kau-
en, abe Quali ä skon olle nich lee läu . Populä e Ti el on Au o en ohne akademische
Au o i ä haben ähnliche Themen wie Büche uni e si ä e P o enienz, abe auch die Uni-
e si ä sp oduk e können ela i populä we den. Ho s ad e s ell in diesem Sinne zwei
Au o en nebeneinande , Vance Packa d, den Jou nalis en im Man el des Un e gangsp ophe-
en (»Je emiah«), de 1957 The Hidden Pe suade s he ausb ach e, ein En hüllungsbuch übe
die Bewuss seinss eue ung du ch die We beindus ie, und C. W igh Mills, seinen Kollegen
an de Columbia Uni e si y und Gebu sjah gangsgenossen, P o esso ü Soziologie, de
in seinen Büche n – Whi e Colla (1951) übe die neue Anges ell enklasse und The Powe
Eli e (1956) – » he mos ho oughgoing epudia ion o Ame ican li e in i s e e y aspec «
aussp ach und gleichwohl espek olle Rezensen en und ei ige Lese and.67 De E olg
solche Büche könn e nahelegen, on einem In ellek ualismus im ame ikanischen Leben
zu sp echen – Ame ikane sind Abnehme in ellek uelle Lösungen ih e Lebensp obleme.
»Da id Riesman’s The Lonely C owd, which can be aken as a dep essing accoun o wha
he Ame ican cha ac e has become, is he mos widely ead book in he his o y o sociolo-
gy, and William H. Why e’s mo dan analysis o The O ganiza ion Man is ead e e ywhe e
by o ganiza ion men.«
Au Riesmans Idee, dass es in de En wicklung de ame ikanischen Gesellscha eine
Re olu ion des Cha ak e s gegeben habe, den Übe gang om innengelei e en zum außen-
gelei e en Menschen, ha Ho s ad e zu o Bezug genommen, um im bildungspoli ischen
Abschni die G enze on Deweys e olu ionä e Phan asie zu bezeichnen. De Philosoph
ha e in seine P og ammsch i Democ acy and Educa ion die Idee de Abhängigkei (»de-
pendence«) gegen ein asoziales Ideal pe sönliche Unabhängigkei e eidig – niemand,
me k Ho s ad e an, hä e wohl 1916, im E scheinungsjah des Buches, o ausgesag , dass
bei Kinde n die on Riesman 1950 in seinem Buch diagnos izie e »pee -g oup con o mi y«
65 Ho s ad e 1963, 393.
66
Das Buch selbs is als Ve i ika ion de P ophe ie e s anden wo den. »Ho s ad e sha ed he eelings o aliena ion
and de ensi eness cha ac e is ic o Ame ican in ellec uals in he e a o Joseph McCa hy and he cold wa . His
An i-in ellec ualism in Ame ican Li e, in some ways he mos sel - e ela o y book he e e w o e, was concei ed in
his mood« (Howe/Finn 1974, 16).
67 Ho s ad e 1963, 418. Do auch das olgende Zi a .
120 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
au e en we de.68 De Massene olg de »einsamen Masse« bes ä ig das on Ho s ad e
im E scheinungsjah on Riesmans Buch an Bea d au gewiesene Mus e : Die u sp ünglich
schockie ende Einsich wi d zum Gemeinpla z, zu kleinen Münze des epochenspezi ischen
Selbs e s ändnisses eine Gesellscha , eine Selbs e siche ung, die sich in in ellek uellen
Epochen ge ade an e unsiche nde Ideen häl .
The Libe al Imagina ion; The Lonely C owd; Whi e Colla ; The O ganiza ion Man; The
Poli ics o Cul u al Despai – das wä e die Leselis e des An i-An iin ellek ualismus,69 ein
Ka alog ielgelesene We ke on Au o en aus Ho s ad e s in ellek uelle Gene a ion, die
Sozialwissenscha und Sozialk i ik e binden mi einem Fokus au de wechselsei igen Be-
ding hei on indi iduellem und kollek i em Bewuss sein, sozialpsychologische Ra gebe -
li e a u ohne Rezep e.70 Man kann A Loss o Mas e y hinzu ügen, Pe e Gays d ei Jah e
nach An i-in ellec ualism in Ame ican Li e e ö en lich e psychologische In e p e a ion de
pu i anischen His o iog aphie. Ho s ad e ha e im Bea d-Au sa z zu E klä ung des p o-
g essi en Tempe amen s au das 1914 publizie e zei diagnos ische Buch D i and Mas e y
des Jou nalis en Wal e Lippmann mi dem Un e i el An A emp o Diagnose he Cu en
Un es e wiesen. Die Anwendung wissenscha liche Me hoden au poli ische P obleme
emp ahl Lippmann zum Zweck de E ich ung demok a ische He scha übe die Dinge,
die gemäß dem allgemeinen Zei ge ühl du ch den sozialen Wandel ho nungslos ins T eiben
ge a en zu sein schienen.71 Eine au o eng uppensoziologische Be ach ung des K eises on
Ho s ad e s S ichwo gebe n hä e die Fäden zu e olgen, die diese Spezialis en ü gemein-
scha liche In ospek ion mi de lau Ho s ad e ex o e ie en Koho e de p og essi en
Wi klichkei ssuche e binden; Riesman beispielsweise wa als wissenscha liche Mi a bei-
e ü Louis B andeis am Obe s en Ge ich sho ä ig.
In dem Hinweis, dass das Buch übe die O ganisa ionsmänne zu Lieblingslek ü e de
O ganisa ionsmänne wu de, e eich das P ojek de wissenssoziologischen Selbs beob-
ach ung de wissenscha lich inspi ie en Gesellscha sk i ik so e was wie einen äuße s en
Punk de T anspa enz ode Illusionslosigkei . Wenn die Einsich in die Seinsgebundenhei
eines Ideenkomplexes in soziologisch e nüch e e Zei ü die T i igkei de Ideen eins eh ,
dann wi d die P obe au die Hal ba kei diese Ve bindung, wie es eigen lich schon die Phi-
losophen des P agma ismus sahen, in de Rezep ion gemach . Die P oli e a ion eine Idee
68 Ebd., 383.
69 Zu Bedeu ung on Whi e Colla ü das An iin ellek ualismus-Buch gl. B own 2006a, 122; allgemein zum Ve häl -
nis zu Mills Gillam 1978. Ho s ad e und Mills le n en sich 1942 an de Uni e si y o Ma yland kennen, wo de His-
o ike dem Soziologen Bea d naheb ach e (ebd., 72). Zu Rolle Riesmans gl. S ou 1963, 544. Ins i u ionelle O
des in e disziplinä en Kollegengesp ächs wa an de Columbia Uni e si y das »Semina on he S a e«; dazu Ka z-
nelson 2003, 107–151.
70 Ein Rezensen on An i-in ellec ualism u eil e: »While he au ho o e s no cu es, he makes a eal con ibu ion by
p esen ing he p oblem in i s o al his o ical as well as analy ical aspec . The po en iali ies o his ype o easoning
a e unlimi ed« (Wish 1964, 310).
71 Ho s ad e 1950, 207. Siehe auch Ho s ad e 1963, 329: »In he con inuing deba e o e educa ion he ideal o ›mas-
e y‹ o subjec ma e domina es he hinking o he in ellec ualis s, whe eas he ideal o mee ing he ›needs‹ o
child en becomes he cen al concep ion o hei opponen s.«
Bahne s: Ho s ad e und de An iin ellek ualismus | 121
äll zusammen mi de Rep oduk ion ih es Si zes im Leben. We hä e Why es Buch sons
lesen sollen? Die O ganisa ionsmänne wa en na u gemäß so gu o ganisie , dass sie auch
diesen Blick in den Spiegel in ih e A bei sabläu e einbauen konn en. Man muss sich dann
alle dings agen, ob Sozialk i ik noch K i ik is , wenn ih e Thesen allgemein übe zeugen.
6. Die Chance des Unbehagens
Was bedeu e das ü Ho s ad e s Idee des An iin ellek ualismus? Wa in seinem Buch ein
ähnliches Rezep ionsschicksal angeleg , allgemeines Kop nicken on Lese n, die es hä e o
den Kop s oßen sollen? Ode wa ihm im Gegen eil bes imm , ausschließlich on In ellek-
uellen gelesen zu we den und eben nich on An iin ellek uellen?
72
Lau Lasch e kann e
Ho s ad e , dass es auch un e In ellek uellen einen An iin ellek ualismus gib .
73
E hä e
demnach die Wide sp üchlichkei des Phänomens un e schä z , ande s gesag die Ambi-
gui ä seine Idee. Das übe asch angesich s des g oßen We es, den Ho s ad e in seine
Bea d-In e p e a ion au den Nachweis de Ambigui ä lieg . Alle dings is die Bewe ung
on Bea ds Ambigui ä selbs on Ambigui ä gekennzeichne . Eine sei s soll sie Indiz ü
den Übe gangscha ak e des Denks ils on Bea ds Gene a ion sein, also das Übe hol e und
Vo läu ige seine Ve assungsin e p e a ion belegen – die sich ande e sei s wegen ih e Ambi-
gui ä als anschluss-und ausbau ähig e wies und nich zule z Ho s ad e zu seine sub ilen
In e p e a ion de In e p e a ion an eg e. Dass Ho s ad e » he mos w i en-abou Ame ican
his o ian since Cha les Bea d« wu de,
74
inde , olg man Robe M. Collins, in seinem In e es-
se an de Ambigui ä eine doppel e E klä ung. E s ens wa e mi seine Abwendung on den
Eindeu igkei en ep äsen a i ü seine Zei , und zwei ens hin e ließ e seinen Nach olge n
ein ausdeu ungsbedü iges Ideenko pus. »Ho s ad e he his o ian dwel in ambigui y, and in
ha ega d he spoke o an en i e gene a ion o in ellec uals; his ac accoun ed in no small
way o his success.«
75
1967 sch ieb Ho s ad e in einem B ie : »I ha e been dis u bed ha
many his o ians do no unde s and ambigui y and ha e di icul ies in seeing ambigui ies.«
76
72 Eine eundliche Einschä zung bei Weiland 1988, 468: »Enough i ony and humili y a e dis ibu ed h ough he ex
o demons a e in e es in eaching an audience no made up exclusi ely o schola s bu o wha he called › hinking
people‹, hose de o ed o in ellec i no o all o i s ins i u ional p oduc s.«
73 Das le z e Kapi el des Buches, das Lasch 1965 dank de Gebu shil e Ho s ad e s und mi dessen Segen he aus-
b ach e, äg den Ti el, den de Au o u sp ünglich dem ganzen Buch ha e geben wollen: The An i-In ellec ualism
o he In ellec uals (Ludwig 2015, 321).
74 Collins 1989, 152.
75 Ebd., 159. Robe D. Johns on i ulie Ho s ad e in eine kuns ollende zwiespäl igen Hommage als » he king o
ambigui y« (Johns on 2007, 136).
76 Ho s ad e an William No ak, 15. No embe 1967, zi íe bei Collins 1989, 157.

| 129
Anja-Ma ia Bassimi
Das »Mencken-Pa adigma« und
Ho s ad e s An iin ellek ualismus o wu
Zu Religion und Konse a ismus in den USA
1. Einlei ung
Als P äsiden scha skandida Donald T ump im Wahljah 2016 gegen die demok a ische P ä-
siden scha skandida in Hilla y Clin on gewann, be ich e en die Medien, dass weiße E ange-
likale den Republikane mi eine übe wäl igenden Meh hei on 81P ozen gewähl hä en.
1
Diese Be und kann au Zahlen on Wähle be agungen beim Ve lassen de Wahllokale zu-
ückge üh we den, die on Pew zusammenges ell und sowohl on Medien wie CNN als
auch ande en Demoskopie-Ins i u en, wie PPRI, e ö en lich wu den.
2
Schau man sich den
Be ich genaue an, lies man in de Fußno e: »The ›whi e, bo n-again/e angelical Ch is ian‹
ow includes bo h P o es an s and non-P o es an s (e.g., Ca holics, Mo mons, e c.) who sel -
iden i y as bo n-again o e angelical Ch is ians.«
3
Un e weißen E angelikalen e s anden
die Demoskopen also alle weißen Pe sonen, die sich selbs als wiede gebo ene ode e ange-
likale Ch is en e s ehen, unabhängig on de kon essionellen Zugehö igkei . Es is au ällig,
dass diese augenscheinlich eligiöse Ka ego ie eine sei s s a k on einem angenommenen/
zugesch iebenen Weißsein, hie als (hegemoniale) No m im Sinne de k i ischen Rassismus-
o schung e s anden, abhängig is und ande e sei s wenig eligiöse T ennschä e au weis
und s a dessen his o isch und kon essionell di e enzie e G uppen – wie P o es an en, Ka-
holiken und Mo monen – in einen Top wi .
In den USA, wo Gläubige nich in S aa ski chen o ganisie sind und sich eine g oße
Viel al on eligiösen T adi ionen und Ve gemeinscha ungs o men en wickel ha , wi d
1 Siehe u.a. Pulliam Baily 2016; FOX 17 News 2016; Jones 2016; die e angelikale Poli ikwissenscha le in Amy Black
and, dass die Google-Suchan age »81 pe cen o whi e e angelicals« am 13. Juni 2018 974.000 E gebnisse an-
zeig e (Black 2019).
2 Ma ínez/Smi h 2016; Exi Polls 2016; Cox 2016; Bu ge/Lewis 2018, 745–746.
3 Ma ínez/Smi h 2016.
Kiel-UP •
h ps://doi.o g/10.38072/978-3-910591-27-1/p7
130 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
die g öß e eligiöse Glaubens ich ung, die P o es an en, o au d ei Ka ego ien eduzie :
»Mainline P o es an s«, weiße E angelikale und schwa ze Ki chen.4 Diese P axis kann als
p agma ische Me hode, um die unübe sehba e He e ogeni ä de U.S.-ame ikanischen Reli-
gionslandscha in handhabba en G oßka ego ien zusammenzu assen, e s anden we den.
Doch nach welchen K i e ien we den Gläubige, Religions adi ionen und Ve gemeinscha -
ungs o men un e schieden? O ensich lich sind die O dnungsk i e ien, die eligiöse G oß-
ka ego ien in den USA bes immen, nich eligiöse Un e schiede, sonde n sie sind ace-based
und zum Teil poli isch. Zum einen wi d pauschal zwischen weißen und schwa zen Gläubi-
gen un e schieden, zum ande en we den weiße P o es an en in Mainline und E angelikale
ge enn (und zum Teil auch nich -P o es an en den E angelikalen zugeschlagen), Ka e-
go ien, die mi de poli ischen Zwei eilung in Libe ale und Konse a i e zusammen allen.
Wäh end es na ü lich di e enzie e e S udien gib , he schen diese g oben Ein eilungen in
de Be ich e s a ung de Medien o und p ägen insbesonde e auße halb de USA das Bild
on ame ikanische Religion. Dabei schein die Sympa hie sowohl on Be ich e s a e n o
O als auch on deu schem Lesepublikum au Sei en de poli isch und eligiös Libe alen,
besch ieben als ole an e, p og essi e, a ionale und wel o ene Menschen, zu liegen und
gegen die poli isch und eligiös Konse a i en ge ich e zu sein, besch ieben als emo ionale,
dogma ische, in ole an e und an iin ellek uelle Menschen.
Diese Ein eilung de Gesellscha in zwei Lage läss sich au eine bes imm e Lesa de
sogenann en Fundamen alismus-Mode nismus-Kon o e se de 1920e Jah e zu ück üh en,
die de His o ike Michael Hochgeschwende als »Mencken-Pa adigma« bezeichne ha : die
Da s ellung des sogenann en »Scopes-A enp ozesses« du ch den Jou nalis en H. L. Men-
cken und ih e T adie ung du ch Akademike wie Richa d Ho s ad e in den 1950e und
1960e Jah en. Ho s ad e und ande e sogenann e Konsensus-His o ike be on en in ih e
Geschich ssch eibung einen libe alen ame ikanischen Konsens und de aluie en Konse -
a ismus dami als uname ikanisch.5 Wäh end sich sei den 1990e Jah en His o ike In-
nen in ensi mi Konse a ismus in den USA beschä ig und ein di e enzie es Bild dieses
4 Von 1850 bis 1946 sammel e das U.S. Zensusbü o in einem Rhy hmus on e wa zehn Jah en auch Religionsda en.
De Kong ess en schied 1976, dass Religions agen im Zensus nich meh abge ag we den dü en (Fa is Rosen
2010). Sei dem be uhen Religionsda en au Um agen on Demoskopie-Ins i u en wie Gallup, Pew und PRRI. Eine
de olls ändigs en Religionss udien is die Pew Religious Landscape S udie, die bishe zweimal, 2007 und 2014,
au de G undlage on meh als 35.000 Tele onin e iews mi Teilnehmenden aus allen 50 S aa en du chge üh
wu de (Abou he Religious Landscape S udy). Au de Websei e, au de die Da en on 2014 au be ei e sind, bie-
e Pew eine ein ache e s e Ebene mi de Un e scheidung on P o es an en in »E angelical P o es an « (25,4 %),
»Mainline P o es an « (14,7 %) und »Black P o es an « (6,5 %) an. Ausklappba e Un e punk e e lauben In e es-
sie en pe Mausklick ie e in die Komplexi ä de Religionslandscha einzus eigen. So we den E angelikale au
eine zwei en Ebene in 16 Un e g uppen gegliede , zu denen die »Bap is Family (E angelical T ad.)« (9,2 %), die
»Nondenomina ional Family (E angelical T ad.)« (4,9 %) ode die »Lu he an Family (E angelical T ad.)« (1,5 %)
zählen (Religious Landscape S udy). Ein Appendix lis e gesonde au , welche Denomina ionen Pew zu welche
Religions amilie zähl . So echne Pew 25 e schiedene Bap is ische Denomina ionen de Bap is ischen Religions-
amilie in de e angelikalen T adi ion zu (Appendix B. Classi ica ion o P o es an Denomina ions).
5 »Bu many his o ians ins ead chose o ocus on he ›consensus‹ aspec o consensus his o y, de ining Ame ica as
essen ially libe al, and conse a i es as, he e o e, un-Ame ican« (Bu ns 2004, 457).
Bassimi : Das »Mencken-Pa adigma« und Ho s ad e s An iin ellek ualismus o wu  | 131
Phänomens e a bei e haben,6 läss sich das Mencken-Pa adigma anhand on A bei en on
Religionssoziologen wie Ma in E. Ma y und James Da ison Hun e bis in die heu ige de-
moskopische und jou nalis ische Be ich e s a ung e olgen.
Im Folgenden soll e s ens de Ho s ad e sche An iin ellek ualismus o wu eingeo dne
we den, zwei ens de Scopes-A enp ozess und seine Da s ellung du ch Mencken und Ho -
s ad e um issen we den, d i ens Ho s ad e s Desk ip ion de Fundamen alismus-Mode -
nismus-Kon o e se mi dem zei genössischen heologischen Selbs e s ändnis kon as ie
we den und ie ens die wei e e T adie ung des libe alen Bias und des Fundamen alismus-
Beg i s in Ho s ad e sche Manie bis in die gegenwä ige Be ich e s a ung nachgezeichne
we den. Diese Be ach ung soll nich nu ein komplexe es Bild de Auswi kung des Ho s-
ad e schen E bes e mi eln, sonde n auch zu eine di e enzie e en Ka ego isie ung on
Gesellscha und insbesonde e Religion an egen.
2. Zu Ve o ung on Ho s ad e s An iin ellek ualismus hese
Im Jah 1963 e schien Richa d Ho s ad e s An i-in ellec ualism in Ame ican Li e, das 1964
den Puli ze P eis ü allgemeine Sachbüche gewann.
7
Ho s ad e a gumen ie e da in, dass
in den USA eine A mosphä e o he sche, die gegenübe dem höhe en Leben des Geis es
eindlich ges imm sei. E okussie e da ü ie gesellscha liche Be eiche: Religion, Poli ik,
Kul u und Bildung. Im Be eich de Religion
8
besch ieb e die Neuenglandkolonien als ein
in ellek uelles Un e angen de Pu i ane , das be ei s in den da au olgenden Gene a ionen
on an iin ellek uellen e angelikalen Bewegungen un e wande wu de. Die eligiösen E we-
ckungsbewegungen des 18. und 19.Jah hunde s mi ih e b ei en Anziehungsk a lös en
dabei das pu i anische E be ab: »The awakene s we e no he i s o dispa age he i ues
o mind, bu hey quickened an i-in ellec ualism; and hey ga e o Ame ican an i-in ellec-
ualism i s i s b ie momen o mili an success. Wi h he Awakenings, he Pu i an age in
Ame ican eligion came o an end and he e angelical age began.«
9
Du ch geziel e Auswahl
seine Beispiele und Zi a e spiel e Ho s ad e das geis ige Leben on E weckungsp edige n
he un e (Jona han Edwa ds wi d zum Beispiel als un ypische E weckungsp edige mi nu
lokalem Ein luss abge an) und be on e ih e Feindseligkei gegenübe dem In ellek . In eine
Figu wie Dwigh L. Moody (1837–1899) e band sich Ende des 19.Jah hunde s dann e an-
gelikale Ei e mi de O ganisa ionsp axis de Geschä swel , die Ho s ad e in spä e en Ka-
pi eln eben alls als an iin ellek uell eins u e. Mi Billy Sunday (1862–1935) wa Ho s ad e s
Na a i in de Mode ne angekommen: Eine neue Welle on Ra ionalismus, in de Fo m on
6 Vgl. Phillips-Fein 2011.
7 The 1964 Puli ze P ize Winne in Gene al Non ic ion, o. D.
8 Die olgende Zusammen assung bezieh sich au Teil II in Ho s ad e 1963.
9 Ho s ad e 1963, 74.
132 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
Mode nismus und Säkula isie ung, bed äng e den An iin ellek ualismus, weswegen, in de
A gumen a ion on Ho s ad e , Billy Sunday zu besonde s ulgä en Me aphe n und Me ho-
den g ei en muss e. Religiöse An iin ellek ualismus, in de Fo m on Fundamen alismus,
un e lag in diese E zählung in de Auseinande se zung mi a ionalem und on Da win ge-
p äg en Mode nismus im Scopes-A enp ozess in Day on im Jah 1925. Doch de Mode nis-
mus wu de wei e hin bed äng und das Sch eckgespens des Fundamen alismus, diesmal in
de Fo m on McCa hyismus und hys e ischem An ikommunismus, auch e in Ho s ad e s
Gegenwa de 1950e Jah e wiede au .
Be ei s zei genössischen K i ike n iel au , dass Ho s ad e s De ini ion on An iin ellek u-
alismus dü ig wa und es ihm, in den Wo en on Daniel Boo s in, um » epu a ion, s a us,
and p i ileges o ›in ellec uals‹ as a sepa a e class« zu gehen schien.10 Ein ande e Zei genos-
se, Kenne h Lynn, besch ieb Ho s ad e als einen His o ike mi dem Po en ial »unse e s e
Mill« zu we den, de sich abe s a dessen in de Rolle »unse es zwei en Menckens« ein-
ich e e.11 E b ach e Ho s ad e mi eine G uppe on »neo-Menckeni es« in Ve bindung, a -
gumen ie e, dass sich in Ho s ad e s Büche n Abneigung gegen die poli ische Hys e ie de
McCa hy-Ä a, gegen eligiösen Ei e und gegen ma e ielle Vulga i ä zeige, und k i isie e,
dass Ho s ad e Geschich e du ch die B ille de mo gendlichen Schlagzeilen sah und als Ge-
genmi el zu beängs igenden Gegenwa eli ä e My hen in die Ve gangenhei p ojizie e.12
Ho s ad e selbs äum gleich im e s en Sa z on An i-in ellec ualism in Ame ican Li e ein,
dass sich das Buch zwa mi de ame ikanischen Ve gangenhei be asse, abe als »Reak ion
au die poli ischen und in ellek uellen Bedingungen de 1950e Jah e konzipie « wu de.13
Diese Bias e klä , wie iele K i ike es ges ell haben, dass das Buch in iele lei Hinsich
meh übe die Zei aussag , in de Ho s ad e sch ieb, als übe die Zei , übe die e sch ieb.
Da übe hinaus lies sich das Buch wie eine pe sönliche Ab echnung mi his o ische
Unge ech igkei , was sich beispielsweise an den poli ischen Beme kungen zeig . Ho s ad e
bewunde e die in ellek uelle G öße des P äsiden scha skandida en Adlai S e enson und
mach e ü dessen Niede lage den McCa hyismus e an wo lich, was in ihm »Angs o
eine desas ösen Ve nachlässigung des In ellek « auslös e.14 Wie Da id F um es s ell e,
e nachlässig e Ho s ad e in seine Suche nach Fällen on An iin ellek ualismus den his-
o ischen Kon ex : »I eally is a s ange eading o he elec ions o he 1950s o a ibu e
S e enson’s de ea o an i-in ellec ualism. S e enson los in 1952 o h ee easons: Ko ea,
in la ion, and he esidual unpopula i y o Ha y S. T uman. S e enson los again in 1956
o he con e se eason: he incumben Eisenhowe adminis a ion had deli e ed peace and
10 Boo s in 1963, 19.
11 Lynn 1963, 40, meine Übe se zung. Die Aussage nimm Bezug au den b i ischen Philosophen, Poli ike und Öko-
nom John S ua Mill, de als ein luss eichs e libe ale Denke des 19.Jah hunde s gal .
12 Ebd., 38.
13 Ho s ad e 1963, 3, meine Übe se zung.
14 Ebd., meine Übe se zung.
Bassimi : Das »Mencken-Pa adigma« und Ho s ad e s An iin ellek ualismus o wu  | 133
p ospe i y.«15 Da übe hinaus bezeichne e F um Ho s ad e s Idealisie ung de New-Deal-
Poli ik als pe sönliche poli ische Vo liebe. In An i-in ellec ualism in Ame ican Li e zeige sich
seine schlech e Angewohnhei , seine Ve eidigung on In ellek ualismus mi seine sozial-
demok a ischen poli ischen Eins ellung zu e mischen.16 Schon Boo s in wa au ge allen,
dass Ho s ad e ü sein G uselkabine de An iin ellek uellen keinen einzigen Ve e e aus
den Reihen de Demok a en and.17
In seine his o iog aphischen Ve o ung Ho s ad e s ha de His o ike Daniel J. Singal
g öße e Feinhei en he ausgea bei e . In de Ta zeig Singal, dass Ho s ad e an angs zu
eine G uppe on In ellek uellen gehö e, die sich übe die Unge eim hei en on F anklin D.
Roose el s New-Deal-P og ammen au eg en und FDR nu wide willig als ähigen Poli ike
ane kann en. Ho s ad e , de on ma xis ischen und p og essi en Denkschulen beein luss
wa , hiel in seinen ühen Übe legungen an de Vo s ellung es , » ha poli ical beha io
was in a iably a ional, ha people ac ed poli ically in acco dance wi h hei in e es s, and
ha poli ical leade s se ed hose in e es s in cohe en ideologies«.18 Als diese Ansa z ihn
nich wei e b ach e, e u eil e Ho s ad e die Rhe o ik de Poli ike als »k assen Oppo -
unismus«,19 was in We ken wie The Ame ican Poli ical T adi ion (1948) deu lich wi d. In
seinem Kapi el zu FDR äum e e alle dings ein, dass, in den Wo en Singals, »oppo unism
in he hands o a mas e poli ician migh ha e i s me i s«.20 In de Folgezei widme e sich
Ho s ad e de Analyse on symbolische Kommunika ion, die e insbesonde e in seinem
Buch The Age o Re o m (1955) ausbau e und dabei neue We schä zung ü den poli ischen
P og essi ismus und Roose el s New Deal en wickel e. Gleichzei ig e hä e e sich abe
seine Abneigung gegenübe dem Populismus. Singal sp ach on einem »Doppels anda d«,
de dem P og essi ismus eine oppo unis ische Symbolsp ache zuges and, diese abe aus
dem Mund on Populis en e u eil e. Singal ag e: »I Ho s ad e was willing o g an he
u ban middle class hei symbolic com o s, why could he no do he same o he despe a e
and uined a me s who need such com o s e en mo e?«21 Seine An wo da au wa Ho -
s ad e s Kosmopoli ismus mi seine s a ken Abneigung gegenübe »small- own Ame ica«,
de sich insbesonde e in An i-in ellec ualism in Ame ican Li e zeig e.22
15 F um o. D.
16 Ebd.
17 Boo s in 1963, 19.
18 Singal 1984, 978.
19 Ebd.
20 Ebd., 985.
21 Ebd., 989.
22 Ebd., 991.

134 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
3. De Scopes-A enp ozess du ch die Mencken-Ho s ad e -B ille
Ein einschlägiges Beispiel ü o u eilsbelas e e Da s ellung on ückwä sgewand en, länd-
lichen Kleins äd e n is Ho s ad e s Nache zählung des Scopes-A enp ozesses im S il on
Mencken. 1925 wu de in Day on, eine Kleins ad im S aa Tennessee, de Leh e John Tho-
mas Scopes angeklag , die E olu ions heo ie nach Da win un e ich e zu haben, was in Ten-
nessee du ch den Bu le Ac e bo en wa . De P ozess wu de zu einem Spek akel, weil zwei
Schwe gewich e de ame ikanischen Ö en lichkei Anklage und Ve eidigung übe nahmen.
Die Ve eidigung üh e Cla ence Da ow (1857–1938). E ha e sich als Rech sanwal de
jugendlichen Mö de Richa d Loeb und Na han Leopold, die den 14-jäh igen Robe F anks
umgeb ach ha en und die e o de Todess a e bewah e, einen Namen gemach . Im Sco-
pes-A enp ozess wu de e on de 1920 geg ünde en Ame ican Ci il Libe ies Union (ACLU)
beau ag , eine Nich egie ungso ganisa ion, die sich ü Belange des Libe alismus einse z e
und spä e du ch den Einsa z ü s ik e T ennung on S aa und Ki che, das Rech au Ab ei-
bung und die Gleichs ellung on Homosexuellen bekann wu de. Die Anklage übe nahm de
d ei ache P äsiden scha skandida de Demok a en, William Jennings B yan (1860–1925),
ein une müdliche Ve ech e populä e Anliegen, da un e auch de undamen alis ischen
Ablehnung de E olu ions heo ie.
23
In de Be ich e s a ung on Mencken wu de de P ozess zum Symbol ü den An iin el-
lek ualismus on Kleins äd e n. H. L. Mencken (1880–1956) wa Redak eu des Ame ican
Me cu y und be ich e e übe den Scopes-P ozess ü die Bal imo e E ening Sun. Michael
Hochgeschwende nann e Mencken den »Meis e eine skep isch-i onischen und eli ä en
Ve sion des ame ikanischen Libe alismus«, de mi da ü so g e, dass de P ozess als »sym-
bolische Sieg de libe alen, o sch i lichen, in ellek uellen und ole an en U bani ä übe
den bigo en und ücks ändigen Fana ismus de abe gläubischen Landbe ölke ung und de-
en obsku an is ische Lebensweise ge eie wu de«.24 Mencken bezeichne e den Scopes-P o-
zess als »bu oone y« ode »Hanswu s e ei«, besch ieb die Ablehnung de E olu ions heo ie
du ch Gläubige als »Ve schwö ung de Minde we igen gegen die ihnen Übe legenen«;25 e
bezeichne e die Bewohne on Day on als Baue n ölpel (»yokels om he hills«) und P ima-
en (»p ima es«), ü die Zwei el an de Bibel ein gleichg oßes Ve b echen wie Kannibalismus
wa und die Ve ech e de E olu ions heo ie als Agen en des Teu els be ach e en (»agen s
o Beelzebub«).26 Du ch seine Be ich e s a ung wu de die F age, ob de Mensch om A en
abs amme ode on Go gescha en wu de, nach dem Scopes-A enp ozess on Ka ika u is-
en o so da ges ell , dass die Fundamen alis en on Day on die eigen lichen A en wa en.
23 Mi Edwa d J. La sons
Summe o he Gods
(1997) und kommen ie en Quellensammlungen wie Willa d B. Ga e-
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(1969) und Je ey P. Mo gans
The Scopes T ial
(2002) gib es mi le weile
di e enzie e Da s ellungen des P ozesses.
24 Hochgeschwende 2016, 214, meine Übe se zung.
25 Mencken 1925a, meine Übe se zung.
26 Mencken 1925b, meine Übe se zung.
Bassimi : Das »Mencken-Pa adigma« und Ho s ad e s An iin ellek ualismus o wu  | 135
Au ähnliche A und Weise besch ieb Ho s ad e » he olde , u al and small- own
Ame ica« als Gegne des Mode nismus, dem es in Fo m on Ku-Klux-Klan, P ohibi ion,
dem Scopes-A enp ozess und Kampagnen gegen den e s en ka holischen P äsiden -
scha skandida en Al Smi h en gegen a .27 E ass e all diese dispa a en Bewegungen
un e dem Beg i Fundamen alismus zusammen, de inie als eine »soziale und heolo-
gische Reak ion« gegen den Mode nismus und »hunde p ozen ige Men ali ä «.28 Mode -
nismus dagegen wa sein Beg i ü die Ve ech e de »his o isch-k i ischen Bibellesa ,
de E olu ions heo ie, de Social-Gospel-Theologie und k i ischen Denkens im Allgemei-
nen.29 Fü Ho s ad e symbolisie e de Scopes-A enp ozess die Auseinande se zung
zwischen Fundamen alismus und Mode nismus schlech hin,30 und es e wunde e ihn
nich , dass William Jennings B yan die Anklage übe nahm und dami die Posi ion de
An ie olu ionis en e kö pe e. Ho s ad e zu olge e banden sich in de Pe son B yan
die beiden g undlegenden Fo men landläu ige F ömmigkei : e angelikale Glaube und
populis ische Demok a ie. Diese wiede um bilde en die Basis ü An iin ellek ualismus.31
So, wie de Religionshis o ike D. G. Ha u eil e, dass Menckens K i ik am Fundamen-
alismus le z endlich nich s ande es wa als seine Feindseligkei gegenübe Demok a ie
und Egali a ismus, so beobach e e Singal eine besonde e Abneigung Ho s ad e s gegen-
übe Populismus und Kleins äd e um.32
4. Fundamen alismus-Mode nismus-Kon o e se:
Ho s ad e . heologisches Selbs e s ändnis
Diese Bina ismus zwischen ückwä sgewand em Fundamen alismus und p og essi en Mo-
de nismus is in die Geschich ssch eibung eingegangen. Wäh end Mencken zwa die Ablö-
sung des Beg i s Fundamen alismus on seinen eligiösen Wu zeln o be ei e e, ollzog Ho -
s ad e die Gleichse zung on Fundamen alismus mi Populismus und An iin ellek ualismus.
33
27 Ho s ad e 1963, 123.
28 Ebd., 121.
29 Ebd.
30 Ebd., 125.
31 Ebd., 127.
32 Ha 1988, 8; Singal 1984, 989.
33 Ha wies da au hin, dass Mencken in seine Be ich e s a ung übe B yan »übe aschend s umm« – »su p ising-
ly silen « – wa , was eligiöses Dogma anging, und s a dessen B yans poli ische Posi ion ang i (Ha 1988, 6).
Mencken wa A heis und Skep ike , abe in ensi an Religion in e essie , p leg e gu e Ve häl nisse zu Nonnen und
P ies e n in seinem ka holischen Bal imo e und b ach e Respek ü die Denk adi ion des ch is lichen Fundamen-
alismus au . Mencken e ach e e den konsequen en Dogma ismus als einzig mögliche eligiöse Hal ung. Nach Ha
»lehn e Mencken also das Ch is en um aus denselben G ünden ab, wie die Fundamen alis en es e eidig en; beide
Sei en in e p e ie en das ch is liche Dogma als p oposi ionale Wah hei en, die Mencken ü alsch hiel und die
konse a i en P o es an en als ich ig akzep ie en«. (»Mencken, hus, ejec ed Ch is iani y on he same g ounds
ha undamen alis s de ended i ; bo h sides in e p e ed Ch is ian dogma as p oposi ional u hs which Mencken
concluded we e alse and conse a i e P o es an s accep ed as co ec .«) (Meine Übe se zung. Ha 1988, 5–6).
136 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
Dass de Scopes-A enp ozess als Höhepunk de Fundamen alismus-Mode nismus-Kon-
o e se adie e wu de, is e wunde lich, da es sich zunächs einmal um eine inne heo-
logische Kon o e se handel e, die insbesonde e in den p esby e ianischen und bap is ischen
Gemeinden im No den de USA ausge och en wu de.34 Fundamen alismus wa dabei die
Selbs bezeichnung eine bes imm en Rich ung des P o es an ismus, die in den 1910e Jah-
en on Theologen aus o mulie und zum Beispiel in de Sch i en eihe The Fundamen als:
A Tes imony o he T u h (1910–1915) publizie wu de.35 Dem His o ike Ma hew Su on
zu olge e deu lich e die Rezep ion diese Sch i en eihe das wachsende Schisma inne halb
des P o es an ismus: Eine sei s bo en die Sch i en T adi ionalis en eine Basis, au die sie
sich konzen ie en konn en, ande e sei s b ach en sie Libe ale, die eine Mode nisie ung ih e
Glaubens o s ellungen ans eb en, wei e gegen sich au .36 Wäh end de 1920e Jah e s ell en
beide Sei en ih e Posi ionen in P edig en, Pamphle en und ande en Ve ö en lichungen da .
De Bap is , P a e und Di ek o de No hwes e n Schools, William Bell Riley (1861–1947),
de inie e in dem Au sa z The Fai h o he Fundamen alis s (1927) Fundamen alismus als ein
Fes hal en an adie en ch is lichen G undsä zen, wozu e (1) die Ve balinspi a ion und Un-
ehlba kei de Heiligen Sch i , (2) die D ei al igkei Go es und (3) die jung äuliche Gebu
Jesu und sein ollkommenes Go sein und Menschsein zähl e. E benann e (4) die Scha ung
des Menschen als Abbild Go es sowie die sündha e Na u de Menschen, (5) Jesus s ell e -
e enden Op e od und (6) seine Au e s ehung und Himmel ah und Fü sp ache ü die Men-
schen als wei e e undamen ale Glaubenssä ze. Zu den G undsä zen des Glaubens echne e
e auße dem (7) Jesus pe sönliche, p emillenna is ische und immanen e Wiede keh , (8) dass
alle, die Jesus Ch is us im Glauben annehmen, du ch den Heiligen Geis wiede gebo en und
dadu ch Kinde Go es we den und (9) die kö pe liche Au e s ehung und E e ung de Ge-
ech en und ewiges Leiden de Unge ech en.37 Im Selbs e s ändnis wa Fundamen alismus
ein Fes hal en an adie en heologischen G undsä zen.
Schon die Fokussie ung au William Jennings B yan als Fundamen alis en is nich so
ep äsen a i , wie es bei Ho s ad e den Anschein ha . B yan, de Laien-P esby e , e s and
seinen Einsa z in Day on o allem als Fo se zung seine populis isch-demok a ischen und
p og essi en Poli ik.38 B yan, de d eimalige P äsiden scha skandida de Demok a en, e -
a landwi scha liche In e essen, un e s ü z e libe ale und populä e Anliegen wie die Volks-
wahl on Sena o en, eine Einkommenss eue , die Scha ung des A bei sminis e iums, die
Obwohl e Fundamen alismus ü alsch hiel , bewunde e e Theologen wie John G esham Machen und be and,
dass B yan zu »Machens Ma e ho n so hoch wie eine Wa ze« wa (Ha 1988, 6).
34 Vgl. La son 1997, 36; Thompson 1982; Long ield 2000, 35–50.
35 Vgl. Fundamen als, The; o , Tes imony o he T u h 2004, 279.
36 Su on 2014, 89.
37 Riley 1927, 434–436, zi ie nach Ga ewood 1969, 74–77; gl. Kapi el 4 in Russell 1976, 79–134.
38 Randall Balme und Lau en F. Winne be onen, dass B yans Einsa z in Day on nich so iel mi de Ta sache zu un
ha e, dass Da wins Leh e im Gegensa z zu biblischen Schöp ungsgeschich e s and, ielmeh ü ch e e B yan die
Folgen des Sozialda winismus (Balme /Winne 2002, 220).
Bassimi : Das »Mencken-Pa adigma« und Ho s ad e s An iin ellek ualismus o wu  | 137
P ohibi ion und das F auenwahl ech . Aus pazi is ische Übe zeugung a e 1915 als Außen-
minis e on Wood ow Wilson zu ück, als die USA in den 1. Wel k ieg ein a en.39 Wie aus
seinen Kommen a en im P ozess kla wi d, ging es B yan insbesonde e um demok a ische
Teilhabe in F agen, die Familie, Bildung und S eue n be a en. Soll en S eue gelde ü die
Leh e de E olu ions heo ie e wende we den, wenn die Meh hei de Bü ge eine ch is lich-
mo alische E ziehung be o zug e?40 Wäh end die wei gehend libe ale Aus ich ung on B yans
Poli ik schlech in unse heu iges Bild des poli ischen Fundamen alismus als konse a i e
Reak ion au die Mode ne pass , en sp ach auch B yans Religions e s ändnis, obwohl übe -
wiegend konse a i , nich passgenau zei genössischen De ini ionen. Schon C. Allyn Russell
be and, B yan »did no i he adi ional undamen alis s e eo ypes«.41 B yan kann wede kla
als P emillenna is 42 e o e we den, noch schein die Wiede kun Ch is i eine zen ale Rolle
in seinem Glauben gespiel zu haben, beides zen ale undamen alis ische Glaubenssä ze.43
Im Kon ex de Zei wa en die Gegne , gegen die Fundamen alis en in e s e Linie an-
kämp en, keine A heis en und Skep ike ode Ve ech e de E olu ions heo ie, wie es in
Ho s ad e s Na a i den Anschein ha ; die eigen lichen Gegne wa en die heologischen
Mode nis en, die Re o me inne halb de Ki chen, die, beein luss on de his o isch-k i-
ischen Me hode, die Bibel nich meh wö lich, sonde n als Allego ie lasen und eilweise in
Jesus nich meh Go es Sohn, sonde n einen g oßen Philosophen sahen. Den Mode nis en
ging es nich da um, im S il eines Mencken Religion läche lich zu machen, sonde n im
Gegen eil, ch is liche Glaubenssä ze in eine sich apide wandelnde, säkula isie ende und
mode ne Wel zu e en. Die ielleich bekann es e zei genössische De ini ion on Mode -
nismus s amm aus The Fai h o Mode nism on 1924 on Shaile Ma hews (1863–1941),
P o esso und Dekan de heologischen Fakul ä de Uni e si y o Chicago: »I is he use o
he me hods o mode n science o ind, s a e, and use he pe manen and cen al alues o
inhe i ed o hodoxy in mee ing he needs o a mode n wo ld. […] In b ie , hen, he use o
scien i ic, his o ical, social me hod in unde s anding and applying e angelical Ch is iani y
o he needs o li ing pe sons, is mode nism.«44 Wie Ka h yn Lo on be on , zeichne e sich
Mode nismus insbesonde e du ch eine konsequen e Anwendung wissenscha liche Me ho-
den au die Bibel aus.45
39 Zu B yan gl. u.a. Kazin 2007.
40 La son 1997, 31–59, 198–199.
41 Russell 1976, 162.
42
P emillenna ismus is eine bes imm e heologische Auslegung de Dok in de Wiede kun Ch is i. Ve ein ach
gesag besag diese Les
a de Johannes Apokalypse, dass die Wel in Chaos e sink und e s du ch die Wiede -
kun Ch is i ein hunde jäh iges F iedens eich eingeläu e wi d ( o (»p e«) dem hunde jäh igen Reich (»Millen-
nium«)). Die gegensä zliche Lesa des Pos millenna ismus besag , dass die Wel imme besse wi d und in ein
hunde jäh iges F iedens eich münde und Ch is i Wiede kun am Ende (»pos «) diese Zei spanne (»Millennium«)
zu e wa en is .
43 Vgl. Kapi el 7 in Russell 1976.
44 Ma hews 1924. Zu Mode nismus gl. u.a. Hu chinson 1976; Do ien 2002; Do ien 2003.
45 Lo on 2006.
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Au o in
Anja-Ma ia Bassimi
is wissenscha liche Mi a bei e in am Obama Insi u e o T ansna ional Ame ican S udies an de Jo-
hannes Gu enbe g-Uni e si ä Mainz. Nach dem S udium de Geschich e und Religionswissenscha
in den USA und Tübingen wu de sie in Müns e p omo ie . Sei 2013 a bei e sie in Mainz, zunächs
in de DFG Fo sche g uppe UnDoing Di e ences an einem P ojek zu eligiösen Zei sch i en o -
schung und sei 2021 im SFB Humandi e enzie ung in einem P ojek zu E näh ungspoli ik und Sozi-
als aa lichkei . Ih Buch, E angelical News: Poli ics, Gende , and Bioe hics in Conse a i e Ch is ian
Magazines o he 1970s and 1980s, e schien 2022 bei Alabama Uni e si y P ess.
bassimi @uni-mainz.de
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gabe un e gleichen Bedingungen 4.0 In e na ional (CC BY-SA 4.0) e ö en lich . Den Ve ags ex
inden Sie un e : h ps://c ea i ecommons.o g/licenses/by-sa/4.0. Bi e beach en Sie, dass einzel-
ne, en sp echend gekennzeichne e Teile des Bei ags on de genann en Lizenz ausgenommen sein
bzw. ande en u hebe ech lichen Bedingungen un e liegen können.
| 147
To ben Lü jen
Vom »Common Sense« zu den
»Al e na i e Fac s«
Va ian en des An iin ellek ualismus im
U.S.-ame ikanischen Konse a ismus nach 1945
1. Einlei ung
An iin ellek ualismus und de ame ikanische Konse a ismus sei 1945 – das kann als so e a-
blie e Ve bindung angesehen we den, dass die F age legi im e schein , ob aus dem al en Hu
wohl übe haup noch e was Neues he aus zu zaube n is . Unbes i en bleib , dass Ame ikas
Konse a i e – was heu e bedeu e : die Republikanische Pa ei – sei Langem einen agg es-
si en An iin ellek ualismus adap ie haben, de in seinem Feldzug gegen eine e mein lich
abgehobene »libe ale Eli e« eine be äch liche Schlagk a en wickel ha und ohne die de
en essel e Populismus de Gegenwa kaum e klä ba ode e s ändlich wä e.
Au den e s en Blick handel es sich um einen P ozess linea e S eige ung: on de hemds-
ä meligen, abe noch e gleichsweise ha mlosen » olksyness« on Poli ike n wie Ronald Rea-
gan und Geo ge W. Bush, übe den An iin ellek ualismus 2.0 Sa ah Palins, bis hin zu Donald
T ump, de die Ve ach ung on Wissenscha le n, Expe en und In ellek uellen au neue
Höhen üh e. Diese Deu ung is keineswegs alsch; doch we genau hinschau , de wi d
neben so iel Kon inui ä übe dies Ve ände ungen e kennen. De An iin ellek ualismus des
U.S.-Konse a ismus ha im Lau e de le z en Jah zehn e Me amo phosen du chgemach ,
ode besse ausged ück : E ha neben seine Haup s ömung, die imme noch dominan is ,
eine Reihe neue Spiela en de Wissenscha s-und In ellek uellen eindlichkei en wickel .
Ich möch e dahe im Folgenden d ei Typen des An iin ellek ualismus inne halb des U.S.-
Konse a ismus skizzie en. Sie alle begegnen de gleichen He aus o de ung: dem mode nen
Ra ionalismus und seinem Ansp uch, auch poli ische En scheidungen zumindes zu g oßen
Teilen au Basis wissenscha liche G undlagen e en und dami die Wel des Poli ischen
a ionalisie en und en zaube n zu können. Abe sie begegnen diese He aus o de ung au
ganz un e schiedliche Weise.
Kiel-UP •
h ps://doi.o g/10.38072/978-3-910591-27-1/p8
148 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
Da is , e s ens, eine oman ische und an i a ionalis ische Geis eshal ung, bei de es im
Ke n um die Ve eidigung on In ui ion, E ah ung, Bauchge ühl und P agma ismus gegen
abs ak es Theo e isie en geh . Man könn e das den Common-Sense-An iin ellek ualismus
nennen; es handel sich dabei nich nu um die äl es e Spiela des An iin ellek ualismus –
man kann sie be ei s bei konse a i en Denke n wie Edmund Bu ke inden –, sonde n um
die auch wei e hin am häu igs en au e ende Va ian e. Zwei ens läss sich in de Konse-
quenz da on An iin ellek ualismus sp echen, wo abs ak es Wissen nich pe se abgelehn ,
abe s e s als ela i he abges u und behaup e wi d, die eine Wah hei gebe es übe haup
nich . Das wollen wi den pos mode nen An iin ellek ualismus nennen. Schließlich de d i -
e Fall, de sich indes so wei on seine U sp ungs a ian e en e n ha , dass die F age be-
ech ig e schein , ob e noch zu gleichen Familie on Denks ilen gehö : An iin ellek ualis-
mus als al e na i e Wissenscha ode als Simula ion on Wissenscha .
Zwa e en alle d ei Va ian en zu allen Zei en au , und einmal ü sie sensibilisie , kann
man sie in Ansä zen be ei s bei Ho s ad e hineinlesen. Alle dings we den sie zu un e -
schiedlichen Zei en i ulen : die e s e Va ian e sei den 1960e Jah en; die zwei e sei den
2000e Jah en; die d i e sei den 2010e Jah en, als es mi dem Au s ieg des In e ne s und
de dadu ch einhe gehenden Demok a isie ung des Wissens möglich wu de, jede zei und
zu jedem Thema Gegenexpe en und Gegenexpe isen zu mobilisie en.
2. An iin ellek ualismus als Anschauung om Common Sense
Wie ie de An iin ellek ualismus im ame ikanischen Denken und im poli ischen Disku s des
Landes e anke is , das wu de in diesem Band be ei s e wähn . En scheidend ü unse e
A gumen a ion is alle dings, dass e s in den 1960e Jah en – nich zu ällig das Jah zehn ,
in dem die Hype pola isie ung de gegenwä igen ame ikanischen Poli ik ih e Wu zeln ha
– de An iin ellek ualismus endgül ig nich länge on allen poli ischen Ak eu en gleiche -
maßen genu z wi d. S a dessen inde e je z eine es e poli ische Heima und wi d on
Ame ikas Konse a i en quasi ü die eigenen Zwecke e einnahm . Es sind konse a i e
In ellek uelle und Poli ike de Republikanischen Pa ei, die ihn als wich igen Baus ein inne -
halb eine populis ischen E zählung nu zen, die sie in diesem Jah zehn libe ale Dominanz
aus de Bedeu ungslosigkei he ausholen soll. Da on wi d noch die Rede sein.
1
Diese An iin ellek ualismus is zunächs eine Reak ion au die a sächlichen Ve ände-
ungen au de Gegensei e. Denn eben jene Libe alismus schein An ang/Mi e de 1960e
Jah e nich nu in hohem Maße dominan und meh hei s ähig. E wähn sich auch ganz
eindeu ig mi den K ä en des Fo sch i s im Bunde. Vielleich niemals zu o ha en In el-
lek uelle einen so sich ba en Zugang zu Mach gewonnen wie An ang de 1960e Jah e in
den Regie ungen John F. Kennedys und seines Nach olge s Lyndon B. Johnson. Kennedy
1 Vgl. zum Zusammenspiel on An iin ellek ualismus und Populismus insgesam Lü jen 2016.
Lü jen: Vom »Common Sense« zu den »Al e na i e Fac s«  | 149
selbs ha e dabei ak i an die o allem om Soziologen Daniel Bell ausgelös e Deba e
um ein e mein liches »Ende de Ideologien« angeknüp : Nach de E schöp ung de al en
Wel anschauungen und de ideologischen Al e na i en, so Bell, wa alles, was blieb, de
S ei übe echnische F agen inne halb eine allgemein akzep ie en O dnung aus libe a-
le Demok a ie und egulie em, wohl ah ss aa lichem Kapi alismus.2 In seine be ühm en
Rede an de Yale Uni e si y on 1962 sp ach Kennedy da on, dass die P obleme de Zukun
le z lich echnische und nich meh länge poli ische Na u seien und es dahe gel e, den
wissenscha lichen Sach e s and in all seinen Po enzialen endlich ollends zu nu zen: »The
ac o he ma e is ha mos o he p oblems ha we now ace a e echnical p oblems, a e
adminis a i e p oblems. [They] deal wi h ques ions which a e now beyond he comp ehen-
sion o mos men.«3
»The bes and he b igh es « woll e Kennedy ek u ie en und so gingen nich nu zahl ei-
che In ellek uelle im Weißen Haus ein und aus. Auch begann in diese Zei de Ausbau on
wissenscha lichen Expe ens äben, am symbol äch igs en mi de E ablie ung des »Coun-
cil o Economic Ad iso s« un e ih em Vo si zenden, dem S a ökonomen Wal e Helle . Es
wa en aglos Zei en g oße E wa ungen, o allem un e Kennedys Nach olge Lyndon
B. Johnson, de mi seinem P ojek de »G ea Socie y« die A chi ek u on S aa und Ge-
sellscha g undlegend umbauen woll e. Die Poli ik sah sich in die Lage e se z , du ch
o ausschauende Planung und mi wissenscha liche Expe ise die g oßen Malaisen de
ame ikanischen Gesellscha aus de Wel zu scha en.4
Zumindes gemessen an den iesigen und auch öllig übe spann en E wa ungen schei-
e en die g oßen Ambi ionen. Wede wu de de on Johnson ausge u ene »Wa on Po e y«
gewonnen, noch soll e es in de Zukun gelingen, mi Hil e keynesianische Finanzpoli ik
das Au und Ab des Kapi alismus zu bändigen. Und noch an eine ande en, ganz sp ich-
wö lichen F on zeig en sich die G enzen des echnok a ischen Poli ikmanagemen s: im Vi-
e namk ieg, wo es un e Füh ung des ehemaligen Fo d-Manage s und begeis e en Adep en
wissensbasie e Poli ik, des Ve eidigungsminis e s Robe McNama a, zu eine Ke e on
ka as ophalen Fehleinschä zungen kam.
Es wa en nich alleine die G enzen des echnok a ischen Poli ikmanagemen s, die in de
Folge dem An iin ellek ualismus Au ieb gaben; da ü wa e his o isch zu ie e wu zel .
Abe es be eue e den Backlash gegen »die« Expe en und es so g e ü Spal ungen inne -
halb des U.S.-Libe alismus selbs , dem einige seine alen ie es en Köp e on den Fahnen
gingen. Das gal o allem ü eine bekann e G uppe on In ellek uellen – die sogenann en
Neokonse a i en um I ing K is ol. Ve bindendes Me kmal diese G uppie ung wa zu-
nächs die gemeinsame Ve gangenhei : Fas alle on ihnen wa en Renega en aus dem Lage
de poli ischen Linken, da un e iele T o zkis en. Au ih e Reise nach ech s ha en sie
2 Vgl. Bell 1960.
3 Zi ie nach Fische 1990, 98.
4 Vgl. Lü jen 2010.

150 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
eine
ku ze ideologische Zwischens a ion im ame ikanischen Libe alismus gemach – um
dann schnell ih En se zen übe die, wie sie es emp anden, ka as ophalen Konsequenzen
de Re o mpoli ik de 1960e Jah e zu äuße n. Diese e ehl e nich nu ih e ambi ionie en
Ziele, sonde n ha e die P obleme noch e schlimme , denn de S aa , so mein en sie, wa
bei seine In e en ion wei übe das Ziel hinausgeschossen und bed oh e mi le weile das
ame ikanische F eihei s e sp echen. Schuld da an wa ih e Ansich nach eine linkso ien ie -
e, selbs e nann e Eli e on Expe en und In ellek uellen, die o gaben, Gesellscha en am
Reißb e en wickeln zu können und ü die alles nu eine F age de ich igen Sozial echnik
wa – und die da übe e gaßen, dass es P inzipien wa en, die Ame ika als Na ion gemach
ha en. So wa en die USA, ihnen zu olge, schließlich au dem Weg in den »nanny-s a e«.5
Au diese Weise ha e die K i ik am In ellek uellen eine neue Dimension e hal en: Bis in
die 1950e Jah e hinein ziel e die K i ik au den In ellek uellen als Ideologen, de sub e si es
Gedankengu e b ei e e – solche Au assungen ha en e wa eine g oße Rolle gespiel beim
Ang i de ha en An ikommunis en Joseph McCa hy und Richa d Nixon au ame ikanische
Eli euni e si ä en. Je z abe ziel en die Ang i e au den In ellek uellen als kal en Techno-
k a en, de un e Missach ung de ame ikanischen Demok a ie seine sozialen Expe imen e
du ch üh e und mi kal e Ve ach ung au den »a e age man« schau e. Zum Feindbild de
Neokonse a i en a ancie en neben den »Washing one Bü ok a en« die P o esso en de
Eli euni e si ä en an de ame ikanischen Os küs e. Liebe wü de e sich on den e s en 2.000
Namen im Bos one Tele onbuch egie en lassen als on den 2.000 P o esso en de Ha a d-
Uni e si ä , höhn e einmal William F. Buckley, de G ünde des konse a i en Na ional Re-
iew und eine de Pa en des mode nen ame ikanischen Konse a i ismus.6
Wie in ielen ande en Fällen ging hie ein a ikulie e , aus o mulie e An iin ellek ualis-
mus on In ellek uellen selbs aus – und zwa in de Regel on jenen, die als eine A Gegen-
eli en bishe ehe eine pe iphe e Posi ion eingenommen ha en und nich Teil eines ela i en
Eli enkonsens gewesen wa en. Abe wi kliche Massenwi kung en al e e das Ganze e s , als
üh ende konse a i e Poli ike diese E zählung au nahmen. Die Chimä e de »libe alen Eli e«
wa dabei ziemlich hil eich, wenn es da um ging, die lange Zei dominan e New Deal-Ko-
ali ion de Demok a en zu ze s ö en und ihnen einen g oßen Teil de weißen A bei e klasse
abspens ig zu machen. Es wa , wie die populis ische S a egie insgesam , de Ve such, die
sozio-ökonomische Kon lik linie mi eine kul u ellen zu übe sch eiben. Denn besonde s
populä wa en die Ang i e au Sozialp og amme nich , ebenso wenig wie de allgemeine
libe ä e Ru de Republikane nach »small go e nmen «. Was abe a sächlich e ing in de
ame ikanischen A bei e klasse, das wa eben jenes Ressen imen gegenübe eine abgeho-
benen, u banen Eli e, die mi Ve ach ung au » ly-o e -Ame ica« schau e und in Wah hei
keine Ahnung da on ha e, was im Land wi klich o sich ging.
5 Vgl. S ein els 1979 sowie Nash 1979.
6 Vgl. Fa be 2010, 47.
Lü jen: Vom »Common Sense« zu den »Al e na i e Fac s«  | 151
Auch Race spiel e in diesem P ozess on An ang an eine g oße Rolle. Denn de e s e
Poli ike , de An iin ellek ualismus zu seinem Kennzeichen mach e, wa de Gou e neu
on Alabama, Geo ge Wallace. Wallace wa zwa Demok a , abe eben o de g oßen
Zei enwende des »Sou he n ealignmen «, in dessen Folge de ex em konse a i e Süden
e s beginnen soll e, epublikanisch zu wählen. E wa dahe o nehmlich ein übe zeug e
Anhänge de ak ischen Rassen ennung in den S aa en des ame ikanischen Südens. Neben
allem ande en, womi e seinen Rassismus legi imie e, spiel e An iin ellek ualismus eine
zen ale Rolle. Es wa wohl zwischen blankem Zynismus und a sächliche Unwissenhei
angesiedel , wenn e und ande e den »Sou he n Way o Li e« e eidig en und mein en,
dass Leu e on außen kaum beu eilen könn en, was ü das Land und seine Bewohne das
Rich ige sei. Wallace ä z e gegen » heo e icians« und »pseudo-in ellec uals«, die glaub en,
dass ein Plan aus ih e Schublade übe all im Land unk ionie en müsse. Was wuss en sie
schon on den komplizie en Ve häl nissen o O ? Wie konn en Menschen, die sich nie-
mals bei de A bei die Hände schmu zig gemach ha en, übe haup ande en Leu en e was
o sch eiben wollen?
Ve mu lich wa de Mann aus Alabama, de dann bei de P äsiden scha swahl 1968 be-
äch liche E olge als Kandida de unabhängigen »Independence Pa y« eie e, auch eine
de e s en, de sich exzessi als Rep äsen an des »a e age man« e ma k e e, bisweilen bis
zu Selbs sa i e. Wallace ug aus P inzip geb auch e Anzüge und bekunde e s olz, au jede
seine Mahlzei en Ke chup zu schü en – alles, um sich als au hen ische Ve e e on »Middle
Ame ica« zu inszenie en.7 Das kling gewiss banal, abe es wa ein wich ige Teil de Ve äch -
lichmachung on allem, wogegen de An iin ellek ualismus sich ich e e: gegen die e mein -
liche A oganz und Abgehobenhei des u banen Ame ika, seine e mein lichen Lus an de
Dis ink ion, seine Unwissenhei übe das, was die Du chschni same ikane um ieb.
Wallace und seine Pose wu den o an on Gene a ionen epublikanische Poli ike ko-
pie . Richa d Nixon wa dazu habi uell noch nich in de Lage, abe e lie e e da ü die
ich igen he o ischen Ve sa zs ücke. Da wa de Slogan on de »silen majo i y« – jene e -
mein lichen Meh hei ech scha ene , abe eigen lich ganz unpoli ische Ame ikane , die au
die E schü e ungen de 1960e Jah e mi Abweh eagie en. Auch die damals einse zende
He ze gegen die »libe alen Medien« üh e Nixon in den Disku s ein. So e lau ba e Nixons
ein luss eiche Redensch eibe Pa ick Buchanan: »The e is no elemen in Ame ican li e mo e
ou o ouch wi h he conce ns and belie s o he common man han he libe al p ess.«8
Seine epublikanischen Nach olge im Weißen Haus wie Ronald Reagan und Geo ge W.
Bush muss en nu noch, in Anknüp ung an Wallace, ein S ück hemdsä melige Volks üm-
lichkei hinzu ügen. Insbesonde e Bush, de an de Basis lange Zei ex em populä wa ,
bis das Desas e im I ak und die Finanzk ise ihn delegi imie en, spiel e mi dem Image des
b ei beinigen Texane s, de im Zwei el liebe seinem Bauchge ühl als den Emp ehlungen
7 Vgl. Lü jen 2016, 59–61 (Anm. 64).
8 Buchanan 1973, 22.
152 | An iin ellek ualismus. Ein unwah scheinliche Klassike
i gendwelche Expe en e au e.9 Reagan und Bush wa en dami äuße s e olg eich, ge-
lang es ihnen doch imme wiede , ih e Wide sache on den Demok a en als eli ä e und
e snob e Schnösel zu ka ikie en.
Die Obama-Jah e sahen dann nich nu einen g oßen Backlash gegen den e s en Schwa -
zen im Weißen Haus – sonde n gegen den ielleich e s en In ellek uellen im Zen um de
Mach . Es lag inso e n wohl in de Logik des Ganzen, dass sich auch de An iin ellek ua-
lismus in seine In ensi ä s eige e. Vo allem wu de e in gewisse Weise au hen ische .
Bei Bush und ande en Konse a i en, allesam Absol en en on I y-League-Uni e si ä en,
wa die Ve ach ung de In ellek uellen o noch Pose gewesen. De U.S.-Konse a ismus
ha e schließlich imme schon ein me kwü diges Janusgesich gehab : T o z de ei e nden
In ellek uellen eindscha wa en die Republikane pa adoxe Weise o als »Pa ei de Ideen«
bezeichne wo den. In epublikanisch dominie en Kabine en spiel en In ellek uelle sei
Reagan o eine p ominen e Rolle; und auch die zahl eichen konse a i en Think Tanks
ha en mi ih en Konzep en s e s g oßen Ein luss au die poli ische Agenda de Pa ei ge-
hab , was eilich nich imme segens eich sein muss e – denk man nu an die Ka as ophe
des I akk ieges, dessen G undzüge do am Reißb e als »democ acy p omo ion« und »s a e
building« o gedach wo den wa en.
Die neuen Ma ado en des U.S.-Konse a ismus abe mach en sei den Obama-Jah en
e ns . An iin ellek ualismus wa ü sie keine Disku ss a egie meh , sonde n ie e inne -
lich , wu de übe haup essen imen geladene , agg essi e , gei e nde . Niemand e kö pe e
das – einige Jah e o T ump und in ielem ein Fanal ü alles, was noch olgen soll e – bes-
se als Sa ah Palin, die Gou e neu in aus Alaska, die 2008 an de Sei e on John McCain
als Vizep äsiden in kandidie e und übe Obama mein e: »We need a commande in chie ,
no a p o esso o law s anding a he lec e n.« Palins An iin ellek ualismus wa meh als
nu S a egie, wa nich nu eine kalkulie e P o oka ion, obwohl e das gewiss auch wa .
Palin muss e sich ga nich e s ellen: »Sa ah Ba acuda« ha e, mi Ve laub, bei ielen
Sach hemen o keinen blassen Schimme . Doch sie zeleb ie e das ö mlich, eie e sich
so als au hen ische Ve e e in des ame ikanischen »hea land«. Jedes Mal, wenn sie ih e
Unwissenhei lus oll zu Schau s ell e und die »Mains eammedien« sie da ü a ackie en,
lie alles nach dem D ehbuch de populis ischen E zählung: Dann wa en es wiede die a o-
gan en »Eli en«, die nich e agen konn en, dass endlich jemand aus de Mi e des Volkes,
nämlich die »hockey mom« Sa ah Palin aus Wasilla, Alaska, bis ganz nach oben s eb e. Die
Eh e bie ung ü Palin – de en Schwächen manche ih e Anhänge du chaus sahen – zeig e,
wie g oß mi le weile de Hass au alles wa , was jensei s de eigenen Lebenswel lag und
nich genau das bes ä ig e, was man doch ganz siche zu wissen glaub e.
In e essan e schein übe dies, dass An iin ellek ualismus eigen lich o männlich konno-
ie wa . Palin abe e kö pe e einen u ame ikanischen My hos, de nachge ade kongenial
mi An iin ellek ualismus ko espondie e: den My hos de »Pionie au«, die an de äuße s-
9 Vgl. Jacoby 2009.
Lü jen: Vom »Common Sense« zu den »Al e na i e Fac s«  | 153
en F on ie – de wes lichen G enze, an de Wildnis und Zi ilisa ion au einande e en
– des Landes ih en Pos en hiel und dabei oughe wa als all die e weichlich en Männe .
We b auch e schon zu wissen, dass No dko ea und Südko ea zwei un e schiedliche Län-
de wa en, wenn man, so die mediale Selbs inszenie ung, in de F eizei am liebs en mi
dem eigenen Nachwuchs schwe bewa ne du ch den Schnee s ap e, Elche e leg e und sie
gleich eigenhändig ausweide e?10
Das alles läss sich noch e zählen im Rahmen de e s en Va ian e des An iin ellek ualis-
mus als oman ische und an i a ionalis ische Sich weise, die mi de Gegenübe s ellung on
abs ak e Theo ie und konk e e P axis spiel e und au Common Sense e au . Auch bei
T ump spiel e diese e s e Va ian e eine g oße Rolle, wa es doch Teil seines Appeals, eben
ein Mann zu sein, de eale Dinge bau e, eale A bei splä ze gescha en ha e, ande s als
die poli ische Klasse, die sich bei ih e Wi scha spoli ik au die Expe isen i gendwelche
Ökonomen s ü z e: de Un e nehme als Ve kö pe ung des ame ikanischen T aums, de
seinen E olg na ü lich seinem Sinn ü das P ak ische und nich dem Abs ak en und Theo-
e ischen e dank e. Wie de ame ikanische His o ike Michael Kazin in seine b illan en
S udie zu Geschich e des U.S.-ame ikanischen Populismus he ausgea bei e ha , spiel e die
Ideologie des ›p oduce ism‹ imme schon eine g oße Rolle: die Gegenübe s ellung jene , die
ak i in den P oduk ionsp ozess eingebunden sind (klassenübe g ei end om A bei e bis
zum CEO), und jenen, die on den F üch en diese A bei leben, om S aa sbeam en bis
eben hin zum In ellek uellen.11 Ode wie es o einigen Jah en i ualisie au epublikani-
schen Pa ei agen hieß: »I buil ha !«
3. Pos mode ne An iin ellek ualismus
Wie gesag : An iin ellek ualismus als an i a ionalis ische, oman ische Geis eshal ung, das
is und bleib de dominan e S ang – und auch de de jenige mi de längs en T adi ion.
Doch sei den 1960e Jah en ha diese An iin ellek ualismus sich wei e en wickel und wei-
e e Nebens änge ausgebilde . Die zwei e Va ian e, um die es hie gehen soll, is dahe de
pos mode ne An iin ellek ualismus: die Rela i ie ung wissenscha liche E kenn nisse als
imme nu pa ielle Ausschni e de Reali ä , wie übe haup die Weige ung, eine einzelne
Beobach e posi ion gegenübe ande en o zuziehen.
Na ü lich schein das ein Wide sp uch zu sein: De ame ikanische Konse a ismus, diese
Heims a ie gläubige und, jeden alls in Teilen, undamen alis ische Ch is en, die keinen
Zwei el haben an de Exis enz le z e Wah hei en, nimm plö zlich Anleihen bei ein paa
go losen anzösischen Theo e ike n? Be o Ame ikas Konse a i e die C i ical Race Theo y
als G undübel de Na ion en deck en, we e en sie in den 1980e und 1990e Jah en a -
10 Vgl. Lü jen 2016, 119–121.
11 Vgl. Kazin 1995.