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Something Out of Nothing: Zur Idee und Praxis der Lyrik-Bibliothek

Abstract

Aus dem Lyrik Kabinett in München, der zweitgrößten Lyrikbibliothek Europas, heraus geschrieben, bietet dieser Beitrag eine praxisorientierte…

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Something Out of Nothing: Zur Idee und Praxis der Lyrik-Bibliothek

Author: Pils, Holger,Jeschke, Lisa
Year: 2024
DOI: 10.38072/2751-9821/p17
Source: https://macau.uni-kiel.de/servlets/MCRFileNodeServlet/macau_derivate_00006156/kiel-up_2751-9821_p17.pdf
| 137
Holge Pils, Lisa Jeschke
Some hing Ou o No hing
Zu Idee und P axis de Ly ik-Biblio hek
Abs ac
1
In Anlehnung an den Beg i de »Li e a u als soziale P axis«, wie e in Bezug au die Lese eihen in de ei-
en Szene gep äg wu de – im Ansp uch, einen Raum zu ges al en, de ein »Möglichkei s aum« is und in dem
»Menschen zusammenzukommen und gemeinsam Zei […] e b ingen« (Ma qua d 2022, 22
).
W i en om wi hin Ly ik Kabine , Munich,
holding he second-la ges poe y lib a y in
Eu ope, his essay p o ides a p ac ice-based
pe spec i e on how he concep o ›li e a u e as
social p ac ice‹ can ind a icula ion in an ins i-
u ional se ing. S a ing wi h a b ie o e iew
o poe y lib a ies in e na ionally, he con i-
bu ion subsequen ly ocuses in on he a is ’s
book and poe y holdings a Ly ik Kabine , ou
use and audience engagemen , and on he way
we ini ia e con empo a y poe ic esponses o
poe ic his o ies. The concep o social p ac ice
is he eby also gi en a diach onic pe spec i e,
ye one ha is a en i e o he signi icance o
decanonisa ion as much as o canonisa ion.
1. Einlei ung
Die Ly ik-Biblio hek is ein sel enes Phänomen. Ö en liche Ly ik-Biblio heken (und nu on
solchen Sammlungen is hie die Rede) gib es wenige. Diese A ikel is im Münchne Ly ik
Kabine en s anden, das die zwei g öß e Ly ik-Biblio hek in Eu opa behe be g . Von hie aus
ich e sich unse Blick au ähnliche Ins i u ionen. Wi agen uns im Folgenden: Wa um und
wo sons gib es solche O e – Biblio heken ü diese einzelne Ga ung? Wie we den Ly ik-Bi-
blio heken geg ünde und wie wachsen sie? Was bedeu e es, einen es en O ü die Ly ik zu
e ablie en? Welche A de ›Ly ik als soziale P axis‹ en wickel sich ganz konk e aus eine
solchen Ins i u ion und um sie he um, wie kann sie lebendig und o en bleiben?
1
In einem e s en Abschni , ›Ly ik-Biblio heken‹, blicken wi e gleichend au die G ün-
dung de Ly ik-Biblio heken in Chicago, Edinbu gh und München. De Abschni ›Wunde ka-
bine ‹
widme sich o dem Hin e g und on Ku iosi ä enkabine en und Wunde kamme n
Kiel-UP •
h ps://doi.o g/10.38072/2751-9821/p17
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unse e Biblio heks- und Sammlungsp axis. Mi de Nu zung diese Biblio hek im s illen
Lesen sowie den Lesungen – insgesam also de Ö nung hin zu einem Publikum – be ass
sich de Teil ›Lesekabine ‹. Schließlich beleuch e de le z e Teil, ›Sch eibkabine ‹, einige
besonde e Dynamiken zwischen Biblio hek und Lesung, Ly ikgeschich e und Ly ikgegen-
wa , Rezep ion und P oduk ion, die in de Biblio hek des Ly ik Kabine s möglich we den.
2
2. Ly ik-Biblio heken
Die Ly ik-Biblio hek is ein sel enes Phänomen. In e na ional bes ehen neben dem Cen e
in e na ional de poésie in Ma seille o allem in den USA und G oßb i annien e gleich-
ba e Ins i u ionen: Dazu zählen un e ande em die Poe y Founda ion in Chicago, Poe s
House in New Yo k, die Sco ish Poe y Lib a y in Edinbu gh und die Na ional Poe y Lib a-
y in London.
3
Zunächs ein Blick in die USA: Die Poe y Founda ion in Chicago, die neben
ande en Ak i i ä en eine Biblio hek mi meh als 30.000 Bänden un e häl , wu de als S i -
ung 2003 geg ünde , geh abe au die Mode n Poe y Associa ion zu ück, diese wiede um
au das Magazin Poe y, zu dessen ühen Au o :innen H. D. und T. S. Elio zähl en und
das bis heu e wei e bes eh . Das Magazin wu de 1912 on de Dich e in Ha ie Mon oe
(1860–1936) ins Leben ge u en, wobei sie au die Me hode eines ühen C owd undings
zu ückg i :
Wi h help om publishe Hoba Cha ield-Taylo , Mon oe pe suaded 100 p om-
inen Chicago business leade s o sponso he new magazine by commi ing o
$50 a yea o a i e-yea subsc ip ion. The $5,000 was enough o launch Poe y
magazine on Sep embe 23, 1912, and uphold i s p omise o con ibu o s o
adequa e paymen o all published wo k. (Poe y Founda ion, o. J.)
Wenn Ha ie Mon oe als e s e G ünde in be ach e we den kann, dann wa die Mäzenin
Ru h Lilly (1915–2009) eine zwei e, denn ih e Schenkung on 185 Millionen Dolla e -
möglich e 2003 die E ich ung de Poe y Founda ion im heu igen Sinn. Zu o bes and
keine es e Ve bindung zwischen Ru h Lilly und de Zei sch i , Lilly ha e einige » lowe y
poems« eingesand , die on Poe y abgelehn wu den; die Schenkung, die nich an Bedin-
gungen zu ih e Ve wendung geknüp wa , wa also übe aschend, beinahe übe wäl igend
( gl. Fishe 2011). Ein solches Mäzena en um is ü die US-ame ikanische Kuns - und Kul-
2 Fü hil eiche Hinweise zum Thema danken wi Joanna Nissel, Anneg e Schä le , Wol gang Be ends und Pia-
Elisabe h Leuschne .
3 Als wich ige Ve ans al ungso ü Ly ik im deu schsp achigen Ra
um wä e zualle e s noch das Haus ü Poesie
in Be lin mi seinem um ang eichen P og amm zu nennen; wi möch en uns hie alle dings au die besonde e
Bedeu ung on Ly ik-Biblio heken konzen ie en. Eine wei e e Ly ik-Biblio hek bes eh in Leipzig (Leipzige
Ly ikbiblio hek) als Teilbes and de S ad biblio hek (e wa 7.500 Medien).
Pils, Jeschke: Some hing Ou o No hing | 139
u - sowie Biblio hekslandscha nich ungewöhnlich, die sich in iel g öße em Maße aus
p i a en Zuwendungen speis als die o s aa lich ge ö de e eu opäische Kul u landscha
(in beiden Fällen und ih en iel äl igen Ausp ägungen sind imme mögliche Abhängig-
kei en im Blick zu behal en), ungewöhnlich is abe in diesem Fall die so um assende Hin-
wendung zu Ly ik und insbesonde e auch zu Gegenwa sly ik.
Die Sco ish Poe y Lib a y p äsen ie ih e G ündungsgeschich e in eine Selbs da s el-
lung wie olg :
The s o y o how he SPL came o such a posi ion s a s when i was jus
an idea in he mind o i s ounde , Tessa Rans o d. As a p ac ising poe , and
ha ing ecen ly se up he School o Poe s in Edinbu gh, she el ha a much
g ea e audience o poe y exis ed han was appa en , bu wi hou a cen al
o um he e was no way o people o exp ess hei in e es – poe y needed
a place o i s own. (Sco ish Poe y Lib a y, A b ie his o y, o. S.)
In diesem Fall ging die Ini ia i e on eine s ä ke e ablie en Dich e in aus, Tessa Rans o d
(1938–2015). In e essan an de Selbs da s ellung de Sco ish Poe y Lib a y is , dass Aus-
gangspunk ü die G ündung de Biblio hek nich o angig die Funk ion de Speiche ung
wa . Die Biblio hek wu de ielmeh als An wo au die Suche nach einem »zen alen Fo-
um« ü ein in e essie es Publikum gesehen. Wäh end im Fall de Poe y Founda ion eine
Mäzenin eine schon bes ehende Un e nehmung e es ig e, o m e sich im Fall de Sco ish
Poe y Lib a y ausgehend on de Idee eine Einzelpe son die Ve einigung Sco ish Poe y
Lib a y Associa ion, de es schließlich gelang, 1983 übe den Sco ish A s Council und
die Calous e Gulbenkian Founda ion Mi el zu G ündung einzuwe ben (Sco ish Poe y
Lib a y, A b ie his o y, o. S.). Bis heu e inanzie sich die Biblio hek übe eine Misch-
kalkula ion aus ö en lichen Gelde n und Zuwendungen e schiedene S i ungen (Sco ish
Poe y Lib a y, Ou s o y).
In seinem Essay The Poe ’s Imagina y besch eib de b i ische Dich e J. H. P ynne die
Sel samkei des ansi i en Ak s, ein Gedich zu sch eiben, als »some hing ou o no hing«
und üg hinzu: »We may call such special cases o ansi i e ac ion ›c ea i e‹« (P ynne
2013, 89). Vielleich gil Ähnliches auch ü Ly ik-Biblio heken. E was en s eh aus dem
Nich s – ode , um im Fall des Münchne Ly ik Kabine s genaue zu sein, e was en s eh
aus Mangel und Übe schuss, Lee s elle und Fülle zugleich: 1989 e ö ne e U sula Haeusgen
(1942–2021), Gesellscha e in eines 1949 geg ünde en Münchne Maschinenbauun e neh-
mens, die Ly ik- und Küns le buchhandlung Ly ik Kabine , in die sie Dich e :innen aus
alle Wel zu Lesungen einlud, eine Reminiszenz an den Münchne Salon ühe e Zei en.
Die Familienun e nehme in handel e aus einem Mangel – einem Mangel an O en ü Ly ik,
Ly ikbände, schöne Büche . Und sie handel e aus einem Übe schuss – einem Übe schuss
an F eude an de Sache, an den Büche n, an den Lesungen; sie a es mi isiko eudigem
Geis . Die übe schwängliche Ansage: Die e s e Ad esse des Ly ik Kabine s wa die Ma-
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ximilians aße, wi klich eine e s e Ad esse au Münchens P ach s aße. Alle dings konn e
die Buchhandlung dem D uck des Ma k es nich s andhal en. Ge ade diese Rückschlag
b ach e die wei e gehende En wicklung he o : 1994 wu de die Buchhandlung geschlos-
sen und de Bes and dem neu geg ünde en Ve ein Ly ik Kabine geschenk , de zunächs
am Ins i u ü Kompa a is ik de Ludwig-Maximilians-Uni e si ä eine P äsenzbiblio hek
un e hiel und die Lesungsak i i ä en o se z e. 2003 wiede um g ünde e U sula Haeusgen
die S i ung Ly ik Kabine , de bis dahin agende Ve ein wu de zum F eundesk eis. Die
heu e gu 350 Mi gliede des F eundesk eises e hal en ü einen ela i ge ingen Jah esbei-
ag eien Ein i zu den Ve ans al ungen und bilden einen es en sozialen Zi kel, de das
Haus ak i und passi un e s ü z . Gedich e sind das Band – auch hie : ›Ly ik als soziale
P axis‹. Ein G emium, das dem Haus zu Sei e s eh , is das achlich bese z e Ku a o ium
mi be a ende Funk ion; un e den ak uell zwöl Ku a o iumsmi gliede n sind un e ande-
em Li e a u wissenscha le :innen, Au o :innen und Ve e e :innen e gleichba e Ins i u-
ionen, so dass ein egelmäßige Außenblick und inhal liche Aus ausch gewäh leis e sind.
Sei 2005 is die Biblio hek in einem eigenen Gebäude au dem Gelände de Uni e si ä
in de Amaliens aße un e geb ach , die Bes ände sind übe den OPAC de Uni e si ä s-
biblio hek und einen eigenen elek onischen Ka alog e schlossen. Die Biblio hek des Ly ik
Kabine s e üg mi le weile übe meh als 70.000 Medien (da on 85 P ozen Gedich -
bände, zudem Sekundä li e a u und Küns le büche ), wobei jäh lich e wa 2.000 Medien
hinzukommen. Die Finanzie ung e olg haup sächlich du ch E äge aus dem S i ungs-
kapi al; nach d eißigjäh ige p i a e Vo leis ung is jüngs eine ins i u ionelle Fö de ung
du ch die Landeshaup s ad München und den F eis aa Baye n hinzugekommen – eine
g oße We schä zung on ö en liche Sei e. Dazu bleib eine Vielzahl on Spenden und
Zuwendungen p i a e und ö en liche He kun ü P ojek e wich ig.
Die S i ung e olg ih en S i ungszweck du ch Ak i i ä en in ie Be eichen – Bib-
lio hek, Lesungen, die Publika ion eigene Büche , Bildung. Neben den Mi a bei enden
(die zusammen nich meh als ün Vollzei s ellen aus üllen) sind in e schiedenen Rollen
be eilig : de Vo s and mi Ve e ung de S i e amilie, Ku a o ium und F eundesk eis,
Sch eibende und Au e ende, Publikum, Biblio heksnu ze :innen und Koope a ionspa -
ne . Übe e schiedene Wege, Umwege, auch e mein liche Rückschläge, is ein komplexe
soziale O ganismus en s anden.
Au ällig an de doppel en G ündungs- und S i ungsgeschich e on Ha ie Mon oe bis
zu Ru h Lilly im Falle de Poe y Founda ion sowie an den G ündungen de Sco ish Poe y
Lib a y und des Ly ik Kabine s is , dass es sich um eine Geschich e on F auen als Ak eu-
innen und En ep eneu innen im ins i u ionalisie en Li e a u be eich handel , eine Ge-
schich e ih e wagemu igen Ini ia i e (G ündungsidee), ih e Möglichkei en (Finanzie ung),
Pils, Jeschke: Some hing Ou o No hing | 141
abe auch de Folge ih e Zu ückse zung (» lowe y poems«).
4
Zugleich wi d abe an allen
d ei Beispielen sich ba , dass das jeweils besonde e pe sönliche Engagemen ein Ne zwe k
inden und beg ünden muss. Eine G ündung kann niemals on eine Pe son daue ha allein
ge agen we den, sonde n es en s eh ein komplexes, unk ional ausdi e enzie es Gewebe
nach innen und außen. Sowohl bei de G ündung als auch bei de Wei e üh ung diese
Ly
ik-Biblio heken handel es sich also auch um einen kollek i en Ak , um eine – soziologisch
di e enzie e – soziale P axis. Die G ündungsgeschich e leb dabei imme in de Gegenwa
o und bes imm die P axis au je eigene Weise. Fü das aus p i a em, bü ge scha lichem
Engagemen en s andene Ly ik Kabine bedeu e das cha ak e is ische weise: ku a o ische
F eihei und Gelassenhei im Gel enlassen e schiedene Äs he iken, S ile, Tempe amen e;
und bei alle Ins i u ionalisie ung: Unabhängigkei und imme noch ein bisschen › eie Szene‹.
3. Wunde kabine
Die Ly ik-Biblio hek is ein sel enes Phänomen. Sie is e was Besonde es, Wunde sames,
ein Wunde kabine . We hie he komm , wunde sich übe die pu e Exis enz des O es
und sodann übe all die Dinge (nich nu Büche ). De on U sula Haeusgen gescha ene
Name – Ly ik Kabine – läss einen Bezug zu den Ku iosi ä enkabine en beziehungswei-
se Wunde kamme n de ühen Neuzei au scheinen,
5
ohne dass eine solche Assozia ion
in endie sein müss e. De Beg i spiel somi au ein Kuns - und Sammlungs e s änd-
nis o seine Ve bü ge lichung und Sys ema isie ung im ach zehn en und neunzehn en
Jah hunde an, das sich insbesonde e in den Küns le buchbes änden des Ly ik Kabine s,
dem du chgehenden In e esse ü die Ra i ä , ü das wunde liche Einzels ück,
6
sowie in
eine he e ogenen Fülle de übe all p äsen en Kuns we ke ausd ück .
7
Dennoch is dies
4 Als ähnliche G ündung eine ga ungsspezi ischen Biblio hek du ch eine F au wä e die In e na ionale Jugend-
biblio hek zu nennen, die 1949 on Jella Lepman in München geg ünde wu de, übe eine wel wei einziga ige
Sammlung e üg und heu e eben alls on eine S i ung ge agen wi d. Vgl. hie zu Lepman (2020 [1964]). Die
hie besch iebenen G ündungen können als E wei e ung eine » auen«-Li e a u geschich e be ach e we den,
wie sie in Be s (2020) skizzie wi d.
5 Im Üb igen wu den auch diese häu ig on einzelnen Mäzenen geg ünde : »Die Geschich e de Ku iosi ä enkabi-
ne e und Wunde kamme n wu de in e s e Linie on einigen Sammle pe sönlichkei en des Ba ockzei al e s ge-
p äg . Männe wie John T adescan und Elias Ashmole in Ox o d, Man edo Se ala in Mailand, Ulisse Ald o andi
und Fe dinando Cospi in Bologna, Pè e Moline in Pa is, Nicolas Pei esc in Aix-en-P o ence, Ole Wo m in Kopen-
hagen, Leona d Fuchs und Con ad Gesne in Basel beziehungsweise Zü ich a en ü einige Augenblicke aus den
e s eck en Winkeln de Geschich e he o und bilde en eine geheimnis olle, om Nebel e hüll e P ozession mi
eine Unzahl e schiedens e Objek e im Gepäck« (Mau iès 2002, 7).
6 »E s in den Kuns kamme n de Renaissance und des Ba ock gewann die ›Ra i ä ‹, das Unika , das sel ene ode
einmalige Exempla ein agendes Gewich […]« (Macho 2000, 66).
7 Die Wunde kamme wa »o ziemlich ollges ell « (Mau iès 2002, 50). Das heu ige Gebäude des Ly ik Kabine s
is zwa a chi ek onisch zei genössisch ges al e , mi kla en Linien und gla en Flächen, abe au eine übe bo den-
de A mi Kuns we ken ge üll , die den Whi e-Cube-Äs he iken iele zei genössische Museen en gegenläu . Zu
eine K i ik des Whi e Cubes, gl. O’Dohe y (1999 [1976]).

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keine ühneuzei liche Wunde kamme : Denn wäh end die Wunde kamme noch eine
A Minia u uni e sum im Ganzen kons uie e, »Na u alia (Tie e, P lanzen, Mine alien),
Mi abilia und A i iciala« nebeneinande s ell e (Macho 2000, 66), se z das Ly ik Kabine
mi dem Fokus au Ly ik au eine s a ke Spezialisie ung. Das en sp ich de mi de Au -
klä ung einse zenden Di e enzie ung e schiedene Wissens- und Kuns elde , die ge ade
dazu bei ug, Ku iosi ä enkabine e und Wunde kamme n abzuscha en und ins ins i u io-
nalisie e Museumswesen zu übe üh en. Zu noch spezialisie e en De ini ion on Ly ik
ug nach Cunningham im Ve lau des neunzehn en Jah hunde s pa adoxe weise ge ade
die oman ische Beg i lichkei de »p og essi en Uni e salpoesie« bei, die den Roman als
o ene e Fo m a o isie e und dami de Ly ik mi ih e gebundenen Sp ache eine Sonde -
olle zuweisen soll e.
8
Im Sinne diese Geschich e ließe sich es s ellen, dass ge ade das s a k
Spezialisie e und die komme zielle Ma ginalisie ung die Ly ik wiede um zu eine Ga ung
we den lassen, de en A e ak e (Gedich e, Sp achgebilde, ausge allen ges al e e Büche ) an
die ›Wunde lichkei ‹ des besonde en Einzels ücks e inne n: Hie inden das ühneuzei -
liche
Ku iosi ä enkabine und die pos -au klä e ische Spezialisie ung ih e Syn hese.
Das So imen des zue s als Buchhandlung geg ünde en Ly ik Kabine s bes and neben
den ak uell lie e ba en Gedich bänden aus an iqua ischen und bibliophilen Bänden sowie
aus Küns le büche n. Zu Bekann machung des Ra i ä en- und Küns le buchbes ands wu -
de 1990 ein e s e Ka alog – im Taschenbuch o ma , ci ca A5 – e ö en lich . Im Vo wo
on U sula Haeusgen heiß es:
Mi diesem e s en Ka alog s ell sich das Ly ik Kabine München o : e will
Ihnen einen Übe blick übe die A de Büche geben, die wi üh en, und
einen Eind uck e mi eln on de Viel al ge ade auch zei genössische Buch-
kuns und Buchges al ung. De Ka alog is na ü lich nu eine Auswahl unse-
e Bes ände, o allem wu den die no mal lie e ba en Ti el de mode nen
Poesie ü zukün ige Lis en au gespa . Wi haben auch bewuß da au e -
zich e , die Büche in einzelne G uppen einzuo dnen; das Zusammengehen
on billigem und eue em Buch, on unscheinba e E s ausgabe und kos -
ba em Küns le buch, on al en und neuen Au o en schien uns ge ade beim
e s enmal besonde s an egend und ielleich allzu es geleg en In e essen en -
gegenwi kend. (Ly ik Kabine 1990, o. S.; ku si im O iginal)
Es olg , in Sch eibmaschinensch i , eine numme ie e, alphabe isch geo dne e Au lis ung
on insgesam 1.097 Bänden. Die genann en Bände sind jeweils p eislich ausgezeichne ,
8 Vgl. Cunningham (2016, insb. 24), wo e mi Bezug au Raymond Williams’ Keywo ds auch au den Zusammen-
hang zwischen eine Ve engung des Poesiebeg i s und E wei e ung des Li e a u beg i s e weis : »As Raymond
Williams no es in Keywo ds, […] i is ›p obable‹ ha he b oadly con empo aneous ›specializa ion o poe y o
e se, oge he wi h he inc easing impo ance o p ose o ms such as he no el, made li e a u e he mos a ail-
able gene al wo d‹.«
Pils, Jeschke: Some hing Ou o No hing | 143
wobei iele de Büche bei mindes ens 70 ode 80 Ma k liegen, o auch im Be eich on
meh e en hunde ode soga ausend Ma k. Sowohl die e s en als auch die le z en Sei en
des Ka alogs sind de Abbildung ausgewähl e Küns le büche gewidme – o ne im Fa b-
d uck, hin en in Schwa zweiß. Dieses hochwe ige, bibliophile So imen bedeu e e neben
de Ly ik eine zwei e inhal liche und, mi Blick au den Ma k , ko igie ende Schwe punk -
se zung: So wie die Ly ik au dem Buchma k eine Rands ellung einnimm , nimm auch
das Küns le buch au dem Kuns ma k eine solche Posi ion ein. Da übe hinaus soll e,
so die Kalkula ion mi Blick au das Ladengeschä , de Ve kau hochp eisige Küns le -
büche das du ch ge inge Ma gen und nied ige P eise wenig ein ägliche Geschä mi den
Ly ikbänden que inanzie en. Ta sächlich ging das Konzep nich au . Inso e n aus de
Buchhandlung eine ü jede mann nu zba e Biblio hek wu de, ließe sich on eine Demo-
k a isie ung des Zugangs sp echen, denn de Bes and um ass e (und um ass wei e hin)
eine g oße Zahl seh sel ene Küns le büche und Buchkuns objek e.
Übe das Vo gehen de Buchhandlung bei den e wähn en »no mal lie e ba en Ti eln
de mode nen Poesie«, also das Bes ücken de Regale mi Ly ik-Bänden, be ich e e U sula
Haeusgen ge n, wie sie das ged uck e »Ve zeichnis lie e ba e Büche « du chgegangen sei
und übe all do ein K euz gemach habe, wo »Gedich e« ges anden habe. Diese Zugang
is sys ema isch, abe auch seh pe sönlich, wi sehen o uns eine Pe son mi dem S i
in de Hand, und deu e au die F agili ä jede Ga ungszuo dnung hin: Eine Minimal-
an o de ung des Gedich s kann die Selbs bezeichnung als Gedich sein. Fü die heu ige,
du ch biblio heka isch ausgebilde e Mi a bei ende be eu e Biblio hek bes eh zwa ein
sys ema ische e und möglichs ep äsen a i e (dabei nach Sp achen je un e schiedliche )
Sammlungsansp uch, abe auch heu e müssen wi in de P axis mi diese F agili ä um-
gehen, ku a o ische Se zungen o nehmen, au E ah ungswissen und e schiedens e In-
o ma ionsma e ialien und -kanäle e auen. Wie geh das o sich? Die F age läss sich,
dem All ag abgeschau , nu ku so isch bean wo en. E wa so:
Die Ve lage schicken ih e Vo schauen. Wi bekommen Hinweise de P esseab eilun-
gen, sp echen mi Au o :innen, Übe se ze :innen, Li e a u wissenscha le :innen, He aus-
gebe :innen. Eine We kedi ion in o mie übe ühe e Ausgaben, bibliophile, illus ie e
D ucke in kleinen ode kleins en Au lagen – die müssen doch au zu eiben sein. Zu eine
Lesung kommen Gäs e aus Os eu opa und b ingen ih e Bände mi ; wi müssen sie agen,
welches die wich igs en, nich übe se z en gegenwä igen S immen in Li auen, Albanien
und de Uk aine sind, und e suchen, die Bände zu bekommen. Es kommen iele Vo -
schläge ü unse e eigene Publika ions eihe Edi ion Ly ik Kabine bei Hanse , häu ig on
Übe se ze :innen. Diese können wi unmöglich alle ealisie en, abe wi bes ellen o die
o geschlagenen Bände in de O iginalsp ache ü die Biblio hek. Wi sehen uns die P o-
g amme on Ly ik es i als an – sowohl e ablie e Fes i als als auch de eien Szene – und
bes ellen auch hie ; desgleichen die Au o :innen au Ly ik-Po alen und die Lis en in e -
na ionale Ly ik-P eise. Dabei en decken wi e was In e essan es aus einem kanadischen
Ve lag, de au Exil-Ly ik spezialisie is , da b auchen wi die ganz Reihe. Jeden Donne s-
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ag komm das Times Li e a y Supplemen , imme mi Ly ik-Besp echungen. Das heiß
pa s p o o o: Wi we en Li e a u zei sch i en aus, on denen wi übe meh e e Du zend
ü die Biblio hek abonnie haben. Es kommen An iqua ia ska aloge, hie heiß es: den
eigenen Bes and äl e e Ti el übe p ü en. Und einmal im Jah läss sich dann noch das
sys ema ische Ne z auswe en und de DNB-Ka alog nach übe sehenen Ly ik-Neue schei-
nungen sich en. So in e wa geh das o sich.
Ge ade im Ly ikbe eich bes eh die schöne Schwie igkei , dass es iele Klein- und Eigen-
e lage gib , die eils in seh kleinen Au lagen p oduzie en, ielleich ohne ISBN ode ISSN,
de en Ly ik-Bände ode Zei sch i en abe dennoch ele an e ode in e essan e In e en-
ionen da s ellen; um hie O ien ie ung zu haben, is ein ganz besonde es ku a o isches
E ah ungswissen e o de lich. G undsä zlich wi d im Ly ik Kabine auch ein Augenme k
au Objek e und We ke geleg , die in ge inge Au lage ode als Unika exis ie en und ande -
wei ig im deu schsp achigen Raum kaum gesammel we den. Das be i sowohl das en-
denziell hochwe ige Küns le buch als auch das (im bes en Sinne) › ashige‹, subkul u elle
Chapbook, o okopie und ielleich handge acke ode handgenäh , dessen Au lage ün -
zig Exempla e nich übe s eig und das insbesonde e in de anglo-ame ikanischen Ly ik-
szene eine wich ige Publika ions o m is . Du ch eine de a ige Sammlungsp axis dien eine
Biblio hek nich nu de Kanonisie ung, sonde n – genauso wich ig – de Dekanonisie ung
de Li e a u , denn es handel sich hie um Expe imen elles und Punkiges, um Ly ike :in-
nen, die mögliche weise nie in Li e a u geschich en ode au Lis en in e na ionale Ly ik-
P eise au auchen we den und das ielleich auch nich ans eben ode soga ablehnen,
nu seh eingesch änk on Uni e si ä sbiblio heken angekau we den, nich die ich igen
Agen u en ode Ne zwe ke haben, eils ma ginalisie en Hin e g und haben, eils jung sind
– auch hie sind die Szenen iel äl ig.
9
Das E gebnis läss sich anschauen und an assen, an den Regalen en lang absch ei en; es
lassen sich dabei Büche und Gedich e en decken, nach denen man nich gesuch ha . Eine
Sammlung, die kon inuie lich wei e ge üh wi d, is als solche lebendig – jede wei e e
hinzuge üg e Band beein luss die Ve ne zungslinien, die Gesam kon igu a ion. De elek-
onische Ka alog mi seine Tie ene schließung auch on An hologien und Zei sch i en
mach solche Zusammenhänge sich ba . Dabei soll abe keine inhä en e Lebendigkei de
Objek e übe be on we den; die Lebendigkei geh imme on menschlichen Handlungen
aus, eine sei s im Sinne de Handlungen de Mi a bei enden (Ku a ion, biblio heka ische
E schließung), ande e sei s im Sinne de Nu zung. Um die Menschen, die unse Haus be-
suchen, geh es im nächs en Abschni .
9 Zu Deba en bezüglich (De-)Kanonisie ung in de Biblio heksp axis, gl. Rapp (2013).
Pils, Jeschke: Some hing Ou o No hing | 145
4. Lesekabine
Die Ly ik-Biblio hek is ein sel enes Phänomen. Ve schiedens e Nu ze :innen kommen
mi den un e schiedlichs en, auch ausge allenen Anliegen in unse e Biblio hek. We nu z
die Biblio hek? Die F age läss sich wiede um, dem All ag abgeschau , nu ku so isch be-
an wo en:
S uden innen be ei en sich au ih e S aa sexamensp ü ung in de Ly ikanalyse o . Ein
Ly ike eche chie in We ken ande e Dich e :innen zum Thema ›Deu schsein‹, um seine
eigene Posi ion besse e o en zu können. De P essesp eche des Landesam es ü Um-
wel schu z eche chie im deu schsp achigen Bes and nach Gedich en und um das Thema
›Wasse ‹, um eine An hologie zusammenzus ellen. Ein Audio e lag benö ig einzelne Ge-
dich e, um das Hö buch ü einen Jubila abzuschließen. Ein Rund unk-Jou nalis such
schnells möglich Gedich e eine ame ikanischen Ly ike in, die übe aschend mi dem No-
belp eis ausgezeichne wu de. Ein S uden nu z den Biblio heksbes and, um endlich seine
Abschlussa bei e igzus ellen. Eine Übe se ze in such nach be ei s ins Deu sche übe se z-
en Gedich en aus dem Heb äischen. Eine äl e e Dame s ell Gedich e ü ih en ki chlichen
Lesek eis zusammen. Ein Li e a u wissenscha le eche chie e s eu e Gedich abd ucke
eines Ly ike s ü eine Gesam ausgabe. Eine Lesungsbesuche in möch e in dem am Vo abend
o ges ell en Ly ik-Band Gedich e nachlesen. Ein Mi glied des F eundesk eises komm , um
den Audiomi schni eine Lesung aus dem Jah 2017 nachzuhö en. Schüle g uppen machen
im Rahmen pädagogische Wo kshops eine Schni zeljagd und du chs öbe n die Regale. Eine
sch eib seinen zwei en Roman. Ein ande e lies jeden Tag die Süddeu sche Zei ung und die
FAZ. Nu ze :innen sind schließlich wi , die Mi a bei enden, selbs .
Selbs wenn die uni e si ä e Nu ze g uppe besonde s s a k e e en is , e s ehen wi
uns als o ene Biblio hek ü e schiedens e In e essen en und au e schiedens en Ebenen:
Insbesonde e wi d ü die Nu zung des P äsenzbes ands (eine Ausleihe is nich möglich)
kein Nu ze ausweis benö ig ; man kann hie anonym lesen, dabei einen Ka ee inken;
eine Bes andsnu zung wi d zum A bei en in unse em Lesesaal nich o ausgese z . Man
kann auch einen Roman sch eiben ode ein ach die Zei ung lesen. Das en sp ich de zu-
nehmenden Bedeu ung on Biblio heken als ›D i e O e‹.
An den Abenden mi Lesungen – in de Regel einmal wöchen lich – wi d de Lesesaal
zum Ve ans al ungssaal, zum Lesungso . Ein im Hin e ho e s eck e O de Ruhe und
Sammlung
10
wi d zum O de Ve sammlung, des Zusammenkommens. S a Tischg uppen
s ehen im Saal nun S uhl eihen, au eine kleinen Bühne sind Tische und Mik o one posi-
ionie , o dem Hin e g und eines hea al ahmenden o en Vo gangs. Im Küchenbe eich,
de wie die Regal eihen und de Lesesaal Teil eines o enen Raumkonzep s is – es ennen
je nu Teilwände bes imm e Raumpa ien ab – wa en Wein und B o au den in o mellen
10 Einen Eind uck de Raumkonzep ion bie e bspw. olgendes Video au dem You ube-Kanal des Ly ik Kabine s,
h ps://www.you ube.com/wa ch? =UV3koh J8WQ
(29. No embe 2023).