scieee Science in your language
[en] (orig)

»Denn Ich ist ein Anderer«: Dereferenzialisierungsstrategien auf Produktions- und Rezeptionsebene innerhalb der sozialen Praxis Lyrik (mit einem Seitenblick auf Till Lindemann)

Abstract

Rimbauds Formulierung in seinem Lettre du voyant an Paul Demeny, »Car Je est un autre«, die im Deutschen als »Denn Ich ist ein Anderer« (Rimbaud…

Read accessible full text

»Denn Ich ist ein Anderer«: Dereferenzialisierungsstrategien auf Produktions- und Rezeptionsebene innerhalb der sozialen Praxis Lyrik (mit einem Seitenblick auf Till Lindemann)

Author: Zügel, Nora
Year: 2024
DOI: 10.38072/2751-9821/p13
Source: https://macau.uni-kiel.de/servlets/MCRFileNodeServlet/macau_derivate_00006152/kiel-up_2751-9821_p13.pdf
| 57
No a Zügel
»Denn Ich is ein Ande e «
De e e enzialisie ungss a egien au P oduk ions-
und Rezep ionsebene inne halb de sozialen P axis Ly ik
(mi einem Sei enblick au Till Lindemann)
Abs ac
Rimbaud’s o mula ion in his Le e du oyan
o Paul Demeny, »Ca Je es un au e«, which
has become amous in Ge man as »Denn Ich is
ein Ande e « [Fo I is an O he /Fo I is someone
else] (Rimbaud 1997, 20–21) can, in i s o mulaic
na u e, be ead as a mo o o a ious p ac ices
which e ec a dissocia ion be ween he add ess-
ee and he au ho o ly ic ex s. In his ex , hese
dissocia ion p ocesses a e e e ed o as p ac ic-
es o de e e en ializa ion.
The i s hesis o his a icle is ha an ambigu-
iza ion o he add essee e e ence — no only
by means o epi ex ual au ho ial poe ological
s a emen s acco ding o he abo emen ioned
easoning, bu indeed om wi hin he ex s hem-
sel es — can
mani es i sel as a s a egy in po-
e y p oduc ion which leads o a poem becoming
ambiguous, ha is, allowing o mo e possible
in e p e a ions and as a consequence acqui ing
a posi i e quali y.
Tha de e e en ializa ion has also p o ed o be a
s a egy o li e a y ecep ion (and mo e speci i-
cally wi hin he p ac ice o in e p e a ion) whose
goal is o secu e a p ope y ha is conside ed
cons i u i e o poe y o ms he second hesis
p esen ed he e. Bo h heses a e based on he
assump ion ha ambigui y is an axiological alue
wi hin he social p ac ice o ›ly ic poe y‹.
The a icle concludes wi h a discussion o
whe he he ecep ion-side de e e en ializa ion
is some imes pe o med oo unc i ically, wi h a
iew owa ds Till Lindemann’s Undank und Wenn
du schlä s .
Kiel-UP •
h ps://doi.o g/10.38072/2751-9821/p13
58 | POEMA 2.2024
1. Ad essan enbezogene De e e enzialisie ungss a egien
in de sozialen P axis ›Ly ik‹
1.1 Ein üh ung
A hu Rimbaud, de mi seinen Le es du oyan am An ang de li e a ischen Mode ne
s eh , p äg e in seinem Sehe -B ie an Paul Demeny die Fo mulie ung »Ca Je es un au e«,
die im Deu schen als »Denn Ich is ein Ande e « be ühm gewo den is (Rimbaud 1997,
20–21). Sie e schein in ih e Fo melha igkei unabhängig on ezep ions- ode ein lussge-
schich lichen Zusammenhängen wie das Mo o de jenigen P ak iken, die eine Dissozia ion
on Ad essan
1
und Au o In ly ische Tex e he o keh en ode he bei üh en und die hie
als De e e enzialisie ungsp ak iken bezeichne we den sollen. Un e ›Re e enz‹ e s ehe ich
im Folgenden die Ve weisbeziehung on sp achlichen Ausd ücken au die on ihnen be-
zeichne en auße ex uellen En i ä en ode Sach e hal e ( gl. Köppe 2019, 259), also nich
eine bloß anapho ische Re e enz au ande e sp achliche Zeichen; ›De e e enzialisie ung‹
bedeu e im Umkeh schluss eine Au hebung ode ›Au weichung‹ diese Ve weisbeziehung.
Das i elgebende Zi a spiel im enge en Sinne mi de Vo s ellung eine gewissen Ve -
an wo ungslosigkei on Au o Innen im Fall inspi ie en Sch eibens,
2
besch eib abe –
zunächs scheinba Pa adoxes aussagend – im wei e en Sinne eine Ich-Dissozia ion, die
sich mi e schiedenen li e a u - und kul u wissenscha lich un e such en Phänomenen
1 De Beg i ›Ad essan ‹ wi d on Rüdige Zymne de inie als »Ma kie ung eines p agma ischen Ausgangspunk-
es des ly ischen Sp achzeichengebildes in dem Sp achzeichengebilde selbs und mi den Mi eln des Sp ach-
zeichengebildes« (Zymne 2019, 26) und is einge üh wo den, um Bezeichnungen wie ›ly isches Ich‹, ›Sp eche ‹
ode ›Tex subjek ‹ abzulösen. Zymne gende den Beg i nich , was mi dem A gumen au ech e hal en we den
könn e, dass de Ad essan nich zwangsläu ig als eine ein Geschlech besi zende Pe son ode Figu ausges al-
e sein muss und in jedem Fall Zeichencha ak e ha . Auch ich nu ze im Folgenden den Beg i – ihn gedanklich
als geschlech sneu al au assend – ungegende , um den Schein eine No wendigkei , das Geschlech des Ad-
essan en in jedem Fall es zulegen, zu e meiden und den ganzen sich du ch eine Ve bindung des Ad essan en
mi de Ka ego ie ›Gende ‹ e ö nenden F agekomplex an diese S elle auszuspa en. Die sich hie au d ängenden
F agen wä en jedoch: Un e welchen Bedingungen und mi welchen Beg ündungen kann dem Ad essan en ein
eindeu iges Geschlech zugewiesen we den? Wann und un e welchen Bedingungen nehmen un e schiedliche
Rezipien eng uppen empi isch be ach e ein bes imm es Geschlech des Ad essan en an? Wie hängen dabei das
Geschlech des Au o s ode de Au o in und das Geschlech des Ad essan en zusammen, ode ande s gewende :
Gib es eine Tendenz dazu, dass In e p e Innen bei männlichen Au o en on männlichen Ad essan en und bei Au-
o innen on weiblichen ›Ad essan innen‹ ausgehen? Gib es einen Zusammenhang zwischen dem Geschlech de
Rezipien Innen und de on ihnen angenommenen Geschlech szugehö igkei des Ad essan en? Was olg aus all
diesen Fes legungen ü die In e p e a ion? Einige diese F agen hängen eng mi de hie be üh en F age nach
eine e waigen auße ex uellen Re e enziali ä ode Re e enzlosigkei des Ad essan en zusammen, übe sch ei en
abe den Rahmen des an diese S elle Disku ie ba en.
2 So is das Zi a in olgende Aus üh ungen eingebe e : »Les oman iques, qui p ou en si bien que la chanson es
si peu sou en l’œu e, c’es -à-di e la pensée chan ée e comp ise du chan eu ? | Ca Je es un au e. Si le cui e
s’é eille clai on, il n’y a ien de sa au e. Cela m’es é iden ; j’assis e à l’éclosion de ma pensée : je la ega de, je
l’écou e : je lance un coup d’a che : la symphonie ai son emuemen dans les p o ondeu s, ou ien d’un bond su
la scène« (Rimbaud 1997, 20).
Zügel: »Denn Ich is ein Ande e « | 59
assoziie en läss .
3
Die Aussage, ›Ich‹ sei »ein Ande e «, üh dabei zu eine e e enziellen
Ve uneindeu igung in dem Sinne, dass das Pe sonalp onomen de e s en Pe son Singula
g amma isch ja eigen lich au die Pe son, die sich als ›Ich‹ bezeichne , e weis , dieses
Ve weis e häl nis abe negie wi d. Zusä zlich zu de Ve neinung de Iden i ä des Ichs
mi sich selbs komm es dabei zu eine Re e enz e schiebung: Das Ich is ein nich nä-
he bes imm e ›Ande e ‹, sodass de konk e e, deik ische Ve weis des Pe sonalp onomens
au die es e wendende Äuße ungsins anz zuguns en eines unbes imm en Ve weises au
einen ›Ande en‹ au gelös wi d. An die Fo mel ließe sich so die Übe legung anschließen, ob
sie ih en Wah hei swe nich auch du ch In e sion beide Sei en de Gleichung behal en
müss e, ob also »Ich = ein Ande e « nich auch als »ein Ande e = Ich« wiede gegeben
we den kann, wodu ch das Zi a auch au die Möglichkei e weisen wü de, dass ein Ande-
e , also beispielsweise ein Lese ode eine Lese in, sich an die S elle des »Ichs« se z , was
au die Ö nung eines in de e s en Pe son Singula e ass en Tex es ü iden i ika o ische
Lek ü en hindeu en wü de. So illus ie das Zi a , dass schöne Li e a u die in nich -li-
e a ischen Kommunika ionszusammenhängen gel enden sp achlichen Regeln au heben
kann; wäh end in eine all agssp achlichen mündlichen ode sch i lichen Mi eilung die
Re e enz on Deik ika und P onomina konk e es geleg is , ›ich‹ in Sä zen wie »Heu e be-
suche ich dich« ode »Ich liebe dich« also au den, de sie äuße , e weis , besi z Li e a u
hie ande e F ei äume, au die Rimbauds B ie s elle den Blick lenk .
Im Folgenden möch e ich die Thesen en al en, dass ad essan enbezogene De e e enzia-
lisie ungss a egien, wie sie mi dem Zi a assoziie ba sind, eine wich ige Rolle ü Ly ik
spielen, dass sie im Zuge ih e P oduk ion in E scheinung e en können und dazu bei a-
gen, dass ein ly isches Sp achzeichengebilde als deu ungsbedü ig und zugleich poly alen
e schein , abe auch in de Ly ik ezep ion sich ba we den. De Rede on ›S a egien‹ lieg
die e ablie e und zunächs ku z zu um eißende Annahme zug unde, dass Ambigui ä und
Meh deu igkei im Rahmen de sozialen P axis ›Ly ik‹ axiologische We e da s ellen, die
ü die Genese wie auch ü die Ane kennung on Tex en als Ly ik g undlegend sind und
im Zuge li e a u wissenscha lich geschul e Rezep ion e wa e und o ausgese z we den.
Wenn Ly ik im Zuge eines aushandelnden ›doing gen e‹
4
-P ozesses kons i uie wi d, de
als ins i u ionalisie e P axis beg i en we den kann, so dü en axiologische Aspek e ü
gene ische Subsum ionsp ozesse nich zwangsläu ig wenige gewich ig sein als bes imm e
3 Folglich wu de die Ph ase auch in ande en Fo schungszusammenhängen au geg i en; so übe sch eib sie eine
Reihe wissenscha liche Bei äge, die sich beispielsweise dem Mo i des Doppelgänge s, iden i ä en K isen ode
dem Selbs po ä in de Bildenden Kuns widmen.
4 In p axeologisch ausge ich e en Fo schungsbei ägen sind be ei s zahl eiche un e schiedliche Phänomene un e
Bezugnahme au das ›Doing‹ be ach e wo den, besonde s p ominen sind e wa Wendungen wie ›doing gende ‹
ode ›doing class‹. Analog wü de ich an diese S elle zwa liebe au eine P ägung wie ›doing ly ic poe y‹, ode
zweisp achig ›doing Ly ik‹, zu ückg ei en, alle dings schein dies angesich s de Ta sache, dass die Fach e mini
de un e schiedlichen Philologien nich deckungsgleich sind, im e s en Fall inadäqua und im zwei en Fall s ilis-
isch unelegan . Die oben e wende e Fo mulie ung des ›doing gen e‹ s eh Konzep ionen wie dem ›doing cul u e‹
ode dem ›doing li e a u e‹ nahe, siehe dazu e wa Hö ning und Reu e 2004; Bie wi h e al. 2012, 12–13. Zu eine
p axeologisch ausge ich e en Ly ikde ini ion siehe auch Zügel (2024, 21–34).
60 | POEMA 2.2024
o male Eigenscha en. Ein p axeologisches Ly ik e s ändnis, wie es in diesem Bei ag e -
e en wi d, geh dabei on de Annahme aus, dass Ly ik sowohl im Zuge eines P oduk i-
ons- als auch eines Rezep ionsp ozesses ›en s eh ‹ und eine sei s aus de Gesam hei jene
Tex e bes eh , die mi de Absich p oduzie wu den, on Lese Innen ode Zuhö e Innen
als Ly ik ezipie zu we den und ande e sei s aus de Gesam hei de Tex e, denen zu-
ges anden wi d, Ly ik zu sein bzw. die als Ly ik e ma k e ode aus wissenscha liche
Pe spek i e als Ly ik besch ieben we den, wobei P oduk ions- und Rezep ionssei e au -
einande eagie en und dynamisch au einande bezogen sind, und zwa du chaus nich
nu konsensual. Beide Sei en g ei en jedoch au ein (his o ischem Wandel un e wo enes
und hochkomplexes) ge eil es, kon en ionalisie es Wissen und eben auch au ge eil e (his-
o ischem Wandel un e wo ene) und kon en ionalisie e We ungen zu ück, denn
Poe y is cons i u ed by a p ac ice, which is g ounded in con en ion-go e -
ned expec a ions among poe s and eade s. To w i e a poem is o engage
he p ac ice and in i e (one hopes also ewa d) ce ain kinds o in e es s
and esponses among eade s; o ead a poem ›poe ically‹, seeking i s poe ic
alue, is o deploy he ele an in e es s and esponses he eby making ap-
p op ia e demands and one hopes achie ing he alued expe ience on o e .
(Lama que 2015, 33)
Ly ik, e s anden als soziale P axis, leb also on de gemeinsamen Kenn nis und on de
meh ode minde egelkon o men Pa izipa ion alle an ih be eilig en Ak eu Innen – also
de Ly iksch eibenden, Lese Innen, Ve lege Innen, K i ike Innen ode Li e a u wissen-
scha le Innen. Da die Ly ik sei Langem und ielleich in noch höhe em Maße als ande e
li e a ische Ga ungen als Bes and eil de Hochkul u angesehen we den kann, is die Teil-
habe an diesen P ak iken po enziell p es ige äch ig.
1.2 Ku ze Da legung de lei enden Vo annahme: Ambigui ä und Meh deu igkei
als axiologische We e inne halb de sozialen P axis ›Ly ik‹
Das Au s ellen on Thesen, die dich e ische S a egien und Wi kabsich en benennen wol-
len, wä e jensei s de Annahme, dass Sch eibp ak iken zumindes eilweise in en ional
sind und dass das, was du ch die S a egien e eich we den soll, ein mögliches Ziel in-
en ionale und beg ündba e Handlungen is , wohl nich möglich (in diesem Lich wä e
dann die on Rimbaud ü sich p oklamie e inspi ie e Au o scha als keineswegs ille-
gi ime Fo m auk o iale Selbs inszenie ung, abe nich als in jede Hinsich ealis ische
Desk ip ion ly ische P oduk ion zu besch eiben). Ly ik wi d hie also im Wide sp uch
zu Rimbaud nich o wiegend als P oduk nich heo e isie ba e Inspi a ion e s anden,
sonde n zumindes eilweise als Resul a küns le ische En scheidungen, die sich in de
besch eibba en und analysie ba en Ges al des jeweiligen We kes niede schlagen. Is des
Wei e en on Ambigui ä , abe auch on Meh deu igkei , Vieldeu igkei ode Poly alenz
Zügel: »Denn Ich is ein Ande e « | 61
als dem Ziel eine S a egie die Rede, so is zunächs zu e läu e n, wa um ode inwie e n
diese Me kmale übe haup ein Ziel küns le ische Ans engung sein soll en.
Einige wissenscha liche Publika ionen hal en hie ü mögliche An wo en pa a , indem
sie die be ei s e wähn en poe ologischen Re lexionen sei dem ach zehn en Jah hunde ge-
bündel , We ungsp ak iken e aluie ode Kanonbildungsp ozesse e lek ie haben. Dabei
is o auszuschicken, dass die Fo schung die genann en Beg i e nich einhei lich ode mi
un e schiedlichen Akzen se zungen e wende . Neben dem Beg i de Poly alenz is de de
Ambigui ä geläu ig, de küns le ische wie auch nich -küns le ische Aussagen ode A ikula-
ionen bezeichne , wenn diese »sowohl so ode ande s au ge ass we den können« (G oß e
al. 2021, 10) und so e n in diesen, so Lü hy in seinem ehe kuns heo e isch ausge ich e en
Bei ag, »un e schiedliche, jeweils meh ode minde kla benennba e Au assungsweisen kal-
kulie nebeneinande ge üh sind« (Lü hy 2021, 75), »weswegen sich das Ve s ehen o die
En scheidung zwischen al e na i en Op ionen ges ell sieh und un e schiedlich nachhal ig
zwischen ihnen schwank « (Lü hy 2021, 74). Gelegen lich we den Ambigui ä und Meh deu-
igkei synonym e wende ( gl. Bode 1988, 2; Ku z 1999, 102), wenn auch einzelne Fo -
schungss immen ü eine eine e Di e enzie ung de oben genann en Beg i lichkei en ein-
e en und jeweils un e schiedliche Te mini ü den Umgang mi Li e a u a o isie en ( gl.
Spech 2012, 22; Jannidis 2003, 308). Solchen un e schiedlichen e minologischen Nuancie-
ungen zum T o z is den genann en Publika ionen gemeinsam, dass sie die » aglose[] Gel-
ung des Vieldeu igkei spa adigmas« (Ku z 1999, 95) li e a u his o isch ekons uie en und
den S a us on Poly alenz als p ominen em axiologischen We kons a ie en können ( gl.
Bode 1988, 1; Heydeb and und Winko 1996, 114–116; Neuhaus 2002, 16–17; Jannidis 2003,
306–307). Eine wiede keh ende Beg ündung ü die posi i e Bewe ung de mi den ange üh -
en Beg i lichkei en bezeichne en Tex eigenscha en lau e , dass sie Tex e deu ungso en und
in e p e a o isch e giebig machen und zu E höhung ih e Komplexi ä einen wesen lichen
Bei ag leis en ( gl. Heydeb and und Winko 1996, 114–116; Neuhaus 2002, 16–17; G oß e al.
2021, 9). Ambigui ä , Vieldeu igkei ode Poly alenz we den olglich als dis ink es Me kmal
on Li e a u besch ieben, das im We bewe b um ökonomisches, o allem abe ›kul u elles‹
ode ›symbolisches Kapi al‹ sowohl ü Au o Innen als auch ü Rezipien Innen eine Rolle
spiel (Heydeb and und Winko 1996, 95), dienen doch
No men, die ü das Sozialsys em Li e a u als ganzes [sic] gel en, [...] de Ab-
g enzung und Legi ima ion gegenübe dem sozialen Sys em de Gesellscha ,
und ande en sozialen Sys emen, die ähnliche Funk ionen übe nehmen kön-
nen wie das Sozialsys em Li e a u . Die Funk ion diese No men is , Li e a u
als ›we olles Gu ‹ im doppel en Sinne auszuweisen: zum einen als Objek ,
dessen P oduk ion und Rezep ion Leis ungen e b ing , die mi ande en kul u-
ellen Gegens änden nich e ziel we den können, z.B. besonde e emo ionale
und kogni i e Leis ungen ode soziale Ane kennung; zum ande en als eu es
Gu im komme ziellen Sinne. (Heydeb and und Winko 1996, 95)

62 | POEMA 2.2024
Li e a u his o ische Un e suchungen machen deu lich, dass die E olgsgeschich e poly-
alen e und de e e enzialisie e Ly ik nich e wa e s mi Rimbaud ih en An ang genom-
men hä e, also e s dann zu eine »con en ion-go e ned expec a ion[] among poe s and
eade s« gewo den wä e (Lama que 2015, 33). Alle dings e äh sie mi ihm im Speziellen
(F ied ich 1977, 70) und de Mode ne im Allgemeinen (F ied ich 1977, 178) eine neue, a-
dikale e Ausp ägung, weshalb Ch is oph Bode de Mode ne eine »Äs he ik de Ambigui ä «
zusp ich (Bode 1988, 2). Die Vo ausse zungen ü eine posi i e Bewe ung on Beg i en
und Konzep en wie ›Vieldeu igkei ‹, ›Rä selha igkei ‹ ode ›Poly alenz‹ lassen sich jedoch,
wie be ei s B unemeie (1983, 251), Ku z (1999, 85) ode Spech (2012, 26–27) ausge üh
haben, schon im ach zehn en Jah hunde im poe ologischen Disku s nachweisen. In den
1790e Jah en we den diese dann »zu Bedingung de Möglichkei on Dich ung übe haup
e klä , on eine äs he ischen Eigenscha un e ielen zu eine ka dinalen äs he ischen
No m e hoben« (Spech 2012, 26–27).
Da, wie Spech aus üh , Poly alenz ande s als e wa Homonymie »in de Dimension
des Sp achgeb auchs [zu] e o en und dami als eine Eigenscha on sp achlichen Äuße-
ungen im Kommunika ionszusammenhang [zu] be ach en« is , also die »A und Weise
[bezeichne ], mi de in Tex en eine mul idimensionale Ve a bei ung p agma isch kodie
wi d« (Spech 2012, 23), is sie nich allein ex sei ig e o e , sonde n auch ein Rezep ions-
phänomen. Sie wi d also ex uell induzie , abe e s in de Rezep ion ak ualisie ( gl.
Spech 2012, 23; Lü hy 2021, 84). Das Zus andekommen ly ische Meh deu igkei kann
deshalb nu dann be iedigend e ass we den, wenn man nich nu nach den im Tex selbs
angeleg en ›Poly alenz igge n‹ ag , sonde n auch mi einbezieh , inwiewei im Zuge de
li e a u wissenscha lich in o mie en Ly ik ezep ion P ozesse ons a engehen gehen, die
poly alen e Deu ungen e möglichen, o cie en ode absiche n.
Das Ve assen on mono alen e , eindeu ige ode e e enzielle Ly ik kann sei Au -
kommen de au onomieäs he ischen Äs he ikkon en ion einen Nach eil im li e a ischen
Feld bedeu en ( gl. Heydeb and und Winko 1996, 96; Neuhaus 2002, 39; Spech 2012, 33),
das Nich -E kennen on Poly alenz wiede um eine S igma isie ung on Rezipien Innen als
›nai ‹ bewi ken ( gl. Heydeb and und Winko 1996, 96; Lü hy 2021, 87). Aus diesem G und
muss die These, dass das He o b ingen on Meh deu igkei en ein Ziel bei de P oduk ion
on Ly ik sein kann, um die Fes s ellung e gänz we den, dass analog das Kons a ie en und
Auslegen on Meh deu igkei en ein Ziel de Li e a u ezep ion is .
Wäh end nun inzwischen de Ums and, dass Vieldeu igkei ode Poly alenz im ›Sozial-
sys em Li e a u ‹ ein insbesonde e au onomieäs he isch beg ünde e , posi i konno ie e
axiologische We is , als li e a u wissenscha liche Gemeinpla z bezeichne we den kann
( gl. Jannidis 2003, 305), is die F age nach bes imm en Aspek en ih e konk e en En -
s ehungsweise im Fall ly ische Tex e sowie nach ih e Ve o ung au P oduk ions- und
Rezep ionssei e nach wie o be ech ig . Im Folgenden konzen ie e ich mich deshalb au
den Zusammenhang zwischen Meh deu igkei und de Weise de Ad essan enges al ung
bzw. eine de e e enzialisie enden Rezep ion und enge den Blickwinkel au die F age nach
Zügel: »Denn Ich is ein Ande e « | 63
dem E ek eine ad essan enbezogenen e e enziellen Unbes imm hei ly ische Tex e und
dami au nu eine einzige un e ielen, abe du chaus ele an e Weise des Zus andekom-
mens ly ische Meh deu igkei ein, die jedoch ü die En s ehung li e a u wissenscha liche
Kon o e sen keine ge inge Rolle spiel .
1.3 De e e enzialisie ung, Ad essan enneu ali ä und li e a ische Meh deu igkei
Die on G imm au gewo ene F age, inwiewei li e a ische Meh deu igkei »objek imma-
nen « ode ande s ausged ück ex uell induzie is (G imm 1977, 34), läss sich im Fall
de Ly ik mi Spech zunächs dahingehend bean wo en, dass Poly alenz du chaus im
Tex la en sein kann: Sie kann eine sei s du ch Meh achkodie ung und Übe komplexi ä ,
ande e sei s aus »de in e p e a o ischen Inde ini hei , de Ve weige ung on in e p e a-
ionslei enden Signalen« en s ehen (Spech 2012, 25). Insbesonde e das Fehlen on »Deu-
ungssignalen« und »explizi en In e p e a ionshinweisen«, das, wie im Folgenden behaup e
we den soll, ein wesen liche Zünde ü meh deu ige In e p e a ionen is , p o ozie die
»besonde e Deu ungsans engung«, die s e s mi ambigen A ikula ionen einhe geh (Spech
2012, 25). Das Au lösen de Re e enz deik ische Ausd ücke und on Pe sonalp onomina,
die nun »ins Lee e lau en«, is dabei eine ü Ly ik cha ak e is ische Weise, Inde ini hei
he o zub ingen.
5
So kann schon Ge ha d Ku z (1999, 100–101) da au hinweisen, dass de
»numinose« und ieldeu ige Cha ak e eines on ihm be ach e en Gedich beispiels dadu ch
be ö de we de, dass dessen Pe sonalp onomen »unbes imm « bleibe, so e n das Gedich
Rezipien Innen die In o ma ion o en hal e, we dami bezeichne we de. Das Au lösen on
deik ischen Bezügen und auße ex uelle Re e enz leis e dabei einen Bei ag, dass die be-
e enden Tex e nich meh »au einen bes imm enKommunika ionszusammenhang bezo-
gen we den müssen« (Heydeb and und Winko 1996, 32), was das He s ellen mul iple neue
Bezüge e leich e ode auch eine Rezep ion im Sinne de Fik ionali ä e laub .
Fü den P ozess de De e e enzialisie ung is zudem de manchmal on den Au o Innen
selbs bes imm e, manchmal on He ausgebe Innen gewähl e Publika ionskon ex nich un-
e heblich, was Ma ías Ma ínez (2002, 384–385) mi Blick au Goe hes Vom Be ge in die
See e deu lich ha . Ma ínez mach anhand dieses Beispiels die Ko ela ion on Ve ö en -
lichungskon ex und Rezep ion deu lich, indem e aus üh , dass die Ve ö en lichung des
Tex es in Reise agebuch und Au obiog aphie, also in »biog aphischem« Kon ex , eine bio-
g aphische Rezep ion e laube ode soga nahelege, seine Ve ö en lichung im »li e a ischen«
Kon ex eine We kausgabe hingegen zumindes dann, wenn keine »his o isch-he meneu i-
sche In e p e a ion« anges eb we de, ohne biog aphische Bezugnahmen auskomme:
Wenn de selbe Tex [...] in eine Gedich sammlung e schein , s ell de kon-
k e e biog aphische Kon ex keine obliga o ische Vo ausse zung ü das Tex -
5 Man denke hie an die Aus üh ungen zu »Lee deixis« on Kaspa H. Spinne im Zusammenhang seines Bes im-
mungs e suchs des Beg i s »ly isches Ich« (Spinne 1975, 17).
64 | POEMA 2.2024
e s ändnis meh da . Das Gedich bleib als ly ische Tex e s ehba , auch
wenn de Lese wede um Goe hes Ve häl nis zu Lili noch um den Zü iche
See weiß. Denn auch wenn die eale Re e enz en äll , bleib doch die Bin-
nenp agma ik mi ih em im Tex angeleg en (wenngleich nich e e en iell
ge üll en) deik ischen Sys em e kennba . (Ma ínez 2002, 384–385)
Dass nich nu de Ve ö en lichungskon ex , sonde n auch Hinzunahme ode Auslassung
bes imm e pe i ex uelle Zusä ze die Au me ksamkei au die on Ma ínez da ges ell e
Weise au den Au o ode die Au o in als Pe son lenken ode on ihm ode ih weg e -
lage n kann, ha zudem be ei s Sonja Klimek gezeig (Klimek 2019, 189–190). Ma ínez’
und Klimeks Aus üh ungen legen also den Schluss nahe, dass Au o Innen du ch die Wahl
des Publika ionskon ex es wie auch du ch pe i ex uelle Zusä ze Ein luss da au haben, ob
und inwiewei biog aphische ode ande e e e enzielle Bezugnahmen in die Rezep ion ein-
ließen ode nich : Die Re e enziali ä ode Re e enzlosigkei eines Tex es kann also nich
nu im Haup ex , sonde n auch du ch Kon ex und Pe i ex he o geb ach ode he o -
gekeh we den.
»We sp ich dieses Gedich ?« is eine de wohl landläu igs en F agen sowohl p o essio-
nelle als auch nich -p o essionelle Ly ikin e p e a ion, die insbesonde e an de a de e-
e enzialisie e Ly ik ge ich e wi d und eine nähe en Bes immung und Besch eibung des
Ad essan en dien . G undsä zlich ma kie wi d de Ad essan Zymne zu olge du ch die
Ve wendung on Pe sonalp onomina, Ve b o men, eine ›Ich -Hie - Je z -O igo‹, s ilis ische
Me kmale und Pe spek i ie ungen (Zymne 2019, 26). Da übe hinaus können Ad essan-
en du ch Eigennamen kon u ie we den, ein Fak um, au das Zymne selbs nich ein-
geh , obwohl es einen besonde s wich igen Schlüssel ü seine nähe e Bes immung wie
auch im Zusammenhang mi ik ions heo e ischen F agen da s ell , wo au Sonja Klimek,
Die e Bu do und ich selbs an ande e S elle be ei s hingewiesen haben (Bu do 2019,
166; Klimek 2019, 178; Zügel 2019, 168). Ges al e sein kann de Ad essan lau Zymne als
» ik i e ly ische Pe sona«, e kann »di ek au den ak ischen Au o e weisen« ode »nich
en scheidba im Hinblick au Fik i i ä ode Fak izi ä bleiben« (Zymne 2019, 26–27). Im
Gegensa z zu einem beispielsweise qua Eigennamen im Gedich haup ex deu lich au den
Au o ode die Au o in e e ie enden Ad essan en ode eine deu lich als ik i e kennba en
ly ischen Pe sona, die mi einem on dem des Au o s ode de Au o in e schiedenen Na-
men bezeichne is , is de d i e on Zymne angesp ochene Fall, dem de »Ad essan en-
neu ali ä «, in dem übe das Ve häl nis des Ad essan en zu Fik i i ä ode Fak izi ä nich
en schieden we den kann, im Zusammenhang mi ex uell induzie e , ad essan enbezoge-
ne Meh deu igkei besonde s in e essan : Hie en s eh o enba Unsiche hei ode Zwei-
elha igkei bezüglich de F age, an wen eine ly ische Aussage zu ückzubinden is , so e n
Zügel: »Denn Ich is ein Ande e « | 65
wede eine eindeu ig ik i e noch eine au o ak uale bzw. au o e e enzielle
6
Äuße ungs-
ins anz o lieg . Hie aus esul ie zugleich die Unen scheidba kei de F age, ob es sich bei
einem gegebenen Tex um einen ik ionalen ode ak ualen handel , da ak uale Rede als
Au o ede de inie is , ik ionale Rede hingegen eine ik i en Ins anz zugesch ieben we -
den muss (Gene e 1992, 83–84). Diese Unen scheidba kei kann als Fak o zu Gene ie-
ung on ly ische Poly alenz ungie en, indem sie zu Koexis enz meh e e Möglichkei en
de Ausdeu ung des Ad essan en üh en und zudem – wie ich un en aus üh en we de
– iden i ika o ische Lek ü en be ö de n kann. Eine Ambiguisie ung des Ad essan en, wie
sie im Fall de Ad essan enneu ali ä o lieg , kann olglich – so meine e s e These – als
eine S a egie im Zuge de P oduk ion on Ly ik zum Einsa z kommen, die dazu üh ,
dass ein ly isches Sp achzeichengebilde meh deu ig und dami endenziell posi i bewe -
ba wi d. Das Konzep , ü welches Zymne kein Beispiel an üh , wi k angesich s seines
Po enzials zu P oduk ion on Meh deu igkei als »neu al« dabei nich ganz glücklich be-
nann . Schließlich wi k es, wie ich behaup en möch e, hochg adig disku sp oduk i , üh
doch die Ve uneindeu igung eines e waigen auße ex uellen Bezugspunk es des Ad essan-
en zumeis zu di e sen, eils mi einande konku ie enden Lesa en ( gl. Zügel 2024, Kap.
2.1). Wie auch in de Li e a u heo ie im Allgemeinen spielen inne halb de um solche
Tex e ge üh en Deba en o implizi bleibende, manchmal abe auch o en disku ie e
un e schiedliche S andpunk e bezüglich de F age, ob und inwiewei die He s ellung eines
Au o bezugs zulässig is und welche Ausdeu ungen de Ad essan ande n alls zuläss , eine
elemen a e Rolle. Ad essan enneu ali ä kann also, so könn e man behaup en, als Ka a-
lysa o li e a u wissenscha liche Fo schungskon o e sen ungie en. Dies e anschauli-
chen Tex e wie Anne e on D os e-Hülsho s be ühm es Gedich Das Spiegelbild, das u -
sp ünglich den Ti el Mein Spiegelbild ug, im Zuge des En s ehungsp ozesses abe in Das
Spiegelbild umbenann wu de (D os e-Hülsho 1997, 1164) und das eine übe meh e e
Dekaden ge üh en Diskussion da übe S o gab, ob in seinem Fall au o e e enzielle Les-
a en zulässig bzw. angemessen sind ode nich ( gl. Zügel 2024, 71–90). Da die in den
be e enden Fo schungsdeba en disku ie e Unsiche hei übe eine e waige Re e enziali ä
solche We ke le z lich du ch bes imm e Tex me kmale induzie is , könn e man behaup-
en, dass Ambigui ä zumindes eilweise aus eine Ges al ungsabsich des Au o s ode de
Au o in esul ie , welche ode welche im Zuge des küns le ischen Scha ensp ozesses den
En schluss ge ass ha , den spä e en Rezipien Innen die In o ma ionen o zuen hal en, die
da ü nö ig sind, um eine eindeu ige An wo au die F age zu inden, ob de Ad essan
au ihn ode sie e e ie ode nich ode ob e eine ik i e Figu da s ell ode nich . Ob
Rezipien Innen sich in eine solchen Si ua ion ü eine de beiden Lesa en en scheiden
ode beide in i gendeine Fo m als nebeneinande s ehend ode mi einande e zahn ole-
6 Beim Ausd uck ›au o e e enziell‹ handel es sich um einen in meine Disse a ion gep äg en und in seine No -
wendigkei aus üh lich beg ünde en Beg i , de besag , dass de Ad essan au den Au o ode die Au o in e e-
ie , gl. Zügel (2024, 196–198).
72 | POEMA 2.2024
solche Lesa du chaus nahe (– könn e abe wiede um mi einem Hinweis au die ha m-
lose Lesa A zu ückgewiesen we den).9
Abgesehen jedoch on diese nun da ges ell en, mi de F age nach de Re e enz des
Ad essan en in Ve bindung s ehenden seman ischen Meh deu igkei des Tex es bie e e
jedoch wenig, wo an sich In e p e Innen lange au hal en könn en. Die Auseinande se zung
mi Undank läss also den k i ischen Schluss zu, dass ein no dü ig ge eim e , e si izie e
Ku z ex allein mi hil e eine gewissen e e enziellen Kon ex en bundenhei als Gegens and
ly ikspezi ische P ak iken ungie en kann, indem e du ch seine angesich s de ehlenden
konk e en Re e enz bes ehenden In e p e a ionsbedü igkei eine in de sozialen P axis
Ly ik e ablie e Rezep ionse wa ung e üll . Deu lich wi d zudem, au welche Weise die
ad essan enbezogene De e e enzialisie ung, wie oben behaup e , zu eine Plu alisie ung
de un e A, B und C au gelis e en Deu ungsmöglichkei en üh , zumal insbesonde e im
Rückg i au das li e a u wissenscha liche Modewo de ›Au o ik ion‹ die Koexis enz de
Lesa en A und C he o gehoben we den könn e.
Das im selben Band e ö en lich e Gedich Wenn du schlä s , an welchem sich die im
Rahmen de hie en al e en zwei en These benann en ezep ionssei igen De e e enzialisie-
ungss a egien mi Blick au sein P esse-Echo besonde s deu lich zeigen lassen, bedien
sich eben alls de p oduk ionssei igen, ad essan enbezogenen De e e enzialisie ungss a-
egie,
indem es sowohl das Ich als auch das Du un e bes imm läss :
Wenn du schlä s
Ich schla e ge ne mi di wenn du schlä s
Wenn du dich übe haup nich egs
Mund is o en
Augen zu
De ganze Kö pe is in Ruhe
Kann dich übe all an assen
Kann mich öllig gehen lassen
Schla ge ne mi di wenn du äums
Weil du alles hie e säums
Und genau so soll das sein (so soll das sein so mach das Spaß)
E was Rohypnol im Wein (e was Rohypnol ins Glas)
Kanns dich ga nich meh bewegen
Und du schlä s
Es is ein Segen. (Lindemann 2020, 77)
9 Mi Blick au Song ex e und Musik ideos de Band Ramms ein, ü die Till Lindemann als F on mann und Tex e
du chaus (mi ) e an wo lich is , is das hie kons a ie e »Spiel [...] mi ech e Symbolik« be ei s benann wo -
den (Wilhelms e al. 2022, 101; siehe auch Wilhelms e al. 2022, 2).

Zügel: »Denn Ich is ein Ande e « | 73
Du ch die Un e bes immung des Ad essan en e weis sich auch diese Tex als ›ad es-
san enneu al‹, wodu ch in diesem die zu o benann en Lesa en, ohne sich gegensei ig
dezidie auszuschließen, eben alls in age kommen müss en:
A) De Ad essan e e ie au Till Lindemann, de on eine ealen ode o geblichen
sexuellen Vo liebe sp ich .
B) De Tex läd zu eine iden i ika o ischen Lek ü e ein, bei de sich Rezipien Innen
imaginä an die S elle des Ad essan en se zen sollen.
C) De Ad essan e e ie au eine ik i e Ins anz, be ich e on ik i en Vo lieben
und läd de ges al besonde s zu me apho ischen Ausdeu ungen ein.
Lesa A zu a o isie en, bedeu e , Till Lindemann nich nu mo alisch unannehmba e,
sonde n auch s a ba e Vo lieben zu un e s ellen, Lesa B zwing angesich s de im Tex
» öllig ungeb ochen[en] genuss olle[n] Da s ellung on Missb auch und Ve gewal igung«
(Geie 2023, 3) zu eine agwü digen und ein a i ma i en Iden i ika ion mi einem Tä-
e ,
10
und bi g dadu ch, wie on And ea Geie besch ieben, du chaus Po enzial, sexuali-
sie e Gewal zu »no malisie en und dami de ape cul u e zu[zu]a bei en« (Geie 2023, 3).
De Ve lag Kiepenheue & Wi sch e eidig e den Tex olglich, indem e Lesa C zu-
nächs als einzig mögliche e scheinen ließ. Dami bes ä ig e gewisse maßen die zwei e in
diesem Bei ag e e ene These, de zu olge die gelegen lich ge adezu agg essi o ge a-
gene Fo de ung, Ad essan espek i e ly isches Ich und Au o zu un e scheiden, die Mög-
lichkei eine Re e enz ly ische Tex e au ih en Ad essan en in einem Top-down-P ozess
ak i blockie . Nachdem nämlich de zi ie e Tex ü En se zen geso g ha e, eagie e de
Ve lag da au zunächs mi olgendem S a emen :
Die mo alische Empö ung übe den Tex dieses Gedich s basie au eine
Ve wechslung des ik ionalen Sp eche s, dem sogenann en »ly ischen Ich«
mi dem Au o Till Lindemann.
Die Di e enz zwischen ly ischem Ich und Au o is abe kons i u i ü
jede Lek ü e on Ly ik wie on Li e a u allgemein und gil ü alle Gedich e
des Bandes wie ü Ly ik übe haup . (Malchow 2020)
Zunächs ech e ig e de Ve lag die Publika ion des Tex es also du ch den au li e a u heo-
e ische P inzipien geg ünde en Ausschluss on Lesa A und die Ausblendung on Lesa B.
So e n ein Tex de Ga ung Ly ik subsumie ba is , so die in insische Logik de
Ve lags-
10 Wie Mück und Raschke (2022, 172–173) be ei s es ges ell haben, kennzeichne die Tä e pe spek i e einen
G oß eil de Tex e in Lindemanns 100 Gedich en.
74 | POEMA 2.2024
a gumen a ion, müssen auch die da ges ell en, aus einem au onomieäs he ischen Ly ik e -
s ändnis he üh enden Maximen, die den Umgang mi Ly ik egeln, ü ihn gül ig sein.
11
Diese Logik zeug dabei zugleich on dem au sei en des Ve lags bes ehenden Ve auen,
dass sich Lindemann (und, s illschweigend, wohl auch die Rezipien Innen) inne halb de
G enzen legi ime P ak iken bewegen, on de Annahme, dass die Kuns die F eihei besi ze,
»auch mo alisch e we liche, abg ündige Ge ühls- und Gedankenwel en auszulo en und
zum Ausd uck zu b ingen« (Gleba 2020) und de mo alischen Illegi imi ä , eine En sp e-
chung on ›ly ischem Ich‹ und Au o in einem solch b isan en Fall auch nu zu e wägen:
Im Ve auen da au , dass sich de Au o inne halb eines bes imm en We e-
sys ems beweg , wi d das Gedich als Rollenspiel gedeu e , mi dem sich de
Ve asse selbs e s ändlich nich gemein mache. Was nich sein da , kann
nich sein. Keine E lebnisly ik, ni gends. (Geie 2023, 3)
Un e Ausschluss de Lesa A is de Tex – so sugge ie de Ve lag – eine legi ime küns -
le ische Auseinande se zung mi dem de Li e a u - und Kuns geschich e nich emden
Thema ›Ve gewal igung‹:
Till Lindemann [...] un e such in ielen seine Tex e und Inszenie ungen,
sei es mi seine Band »Ramms ein« ode als Ly ike , Phänomene de Gewal
und de oxischen Männlichkei und s ell sie in übe zeichne e , g elle , mal
sa i ische , mal b u ale Manie in seine Kuns zu Schau, so auch imme
wiede in seinem Gedich band »100 Gedich e«. (Gleba 2020)
Alexande Go kow, He ausgebe on Lindemanns Ly ik, ahm und ech e ig de en B u a-
li ä mi dem Hinweis, dass es ja o allem das »ly ische Ich« sei, das als agil und e le zlich
in E scheinung e e:
We das hie inden will, wi d es inden: kapu e Reimschema a, kapu e
Rhy hmus, den einen ode ande en Quasi-Schü el eim. Und inhal lich: sexuelle
Ausbeu ung, Al e sdisk iminie ung und und und … Übe haup : We ai e
Gedich e lesen will, de wi d en äusch sein Haup neigen und leise weinen.
We alle dings s a dessen gu au pass , de wi d eich beschenk . E wi d
11 Diese Logik schein auch Jü gensen zu olgen, wenn e ü den Umgang mi Lindemanns Ly ik eine »mo alisch
desin ol ie [e]« Rezep ion und »he meneu ische Nüch e nhei « emp iehl , auch wenn diese schwe alle (Jü -
gensen 2022, 16). Die »Ly ik eines g oßenSchi b üchigen unse e Tage« (Go kow 2019, 13) e äh au diese Wei-
se abe dieselbe eh u ch s olle Behandlung wie kanonische Tex e, zu denen Mück und Raschke Lindemanns 100
Gedich e explizi in Bezug se zen: »De eigen liche Tabub uch Lindemanns is abe , dass e sich aus dem Feld de
Rockmusik-Ly ics hin zum bü ge lich konno ie en Gedich band wende . An die Ga ung Gedich band sind zahl ei-
che ›hochkul u elle‹ Kon en ionen geknüp , die Lindemann mi seine Kombina ion on handwe klich gekonn en
Adap ionen adi ionelle Ve s o men mi ekele egenden Mo i en sp eng « (Mück und Raschke 2022, 174).
Zügel: »Denn Ich is ein Ande e « | 75
es s ellen, dass das ly ische Ich in diesen o wü enden Tex en de Lese in
wie dem Lese in jede Zeile o allem doch sein eigenes, za es He z au
dem Table se ie . (Go kow 2019, 10)
Dem könn e man mi Blick au Wenn du schlä s wohlgeme k en gegnen, dass, wie schon
Geie angeme k ha , »Gewal -Phan asien in de Kuns möglich sein müssen« (Geie 2023, 3),
das Gedich jensei s de skandal äch igen, abe om Ve lag zu ückgewiesenen, p inzipiellen
Meh bezüglichkei de Ad essan enins anz wenig bie e , was mi ly ische Poly alenz in
Ve bindung geb ach we den, ü In e p e a ion e giebig ode ü einen E kenn nisgewinn
geeigne sein könn e.
Zwischen Juni und Augus 2023 lie ein le z lich aus Mangel an Beweisen wiede ein-
ges ell es s aa sanwal scha liches E mi lungs e ah en gegen Lindemann, dem meh e e
F auen sexuelle Übe g i e un e Ve ab eichung on Be äubungsmi eln o wa en. Die An-
schuldigungen de Kläge innen wiesen dabei e sch eckende Pa allelen zu den in Wenn du
schlä s da ges ell en Fan asien und sexuellen P ak iken au . Im Zusammenhang mi den
genann en Vo wü en gegenübe Lindemann wu de zudem ein im In e ne ei zugäng-
liches Po no-Video bekann , in welchem diese einen seine Gedich bände als Requisi e
nu z : Zu Beginn häl eine Da s elle in da in ein du chboh es Buch
12
in den Händen, in
dem ein mi »Till« besch i e e Dildo s eck , spä e im Video nimm eine F au an Lin-
demann sexuelle Handlungen o , de ih sein Geschlech s eil du ch ebendiese Du ch-
boh ung, welche in un e schiedlichen Eins ellungen wiede hol als Close-up zu sehen is ,
p äsen ie . Als Reak ion au dieses Video beende e Kiepenheue & Wi sch die Zusammen-
a bei mi Lindemann mi de olgenden Beg ündung:
Im Zuge de ak uellen Be ich e s a ung haben wi Kenn nis e lang on
einem Po no-Video, in dem Till Lindemann sexuelle Gewal gegen F auen
zeleb ie und in dem das 2013 im Ve lag Kiepenheue & Wi sch e schienene
Buch »In s illen Näch en« eine Rolle spiel . Wi we en dies als g oben Ve -
auensb uch und als ücksich slosen Ak gegenübe den on uns als Ve lag
e e enen We en.
Wi e eidigen aus olle Übe zeugung die F eihei de Kuns . Du ch die
F auen demü igenden Handlungen Till Lindemanns im besag en Po no und
die geziel e Ve wendung unse es Buches im po nog aphischen Kon ex wi d
die on uns so eise n e eidig e T ennung zwischen dem »ly ischem [sic]
Ich« und dem Au o /Küns le abe om Au o selbs e höhn .
12 Es handel sich dabei um ein Exempla on Lindemanns in sei de E s au lage on 2013 in meh e en Au lagen und
Übe se zungen e schienenen Gedich band In s illen Näch en, de im G unde nich wesen lich ande s unk ionie
als 100 Gedich e.
76 | POEMA 2.2024
Aus unse e Sich übe sch ei e Till Lindemann ü uns un e ückba e
G enzen im Umgang mi F auen. Wi haben uns dahe en schieden, die Zu-
sammena bei mi Till Lindemann mi so o ige Wi kung zu beenden, da
unse Ve auens e häl nis zum Au o unheilba ze ü e is . (Gleba 2023)
Fü den o liegenden Zusammenhang is in e essan , dass de in de P essemi eilung be-
sch iebene Ve auensb uch le z lich au s engs e mi de om Ve lag »so eise n e eidig-
e[n] T ennung zwischen dem ›ly ische[n] Ich‹ und dem Au o /Küns le «, die Lindemann
» e höhn « habe, zusammenhäng . Dies e mag den Eind uck zu e wecken, als hä e e s
die äuße s explizi e Zusammen üh ung de kon en ionell ge enn en Ebenen on Ly ik
und auße ex uelle Reali ä du ch Lindemanns Po no ideo hie den Raum gescha en, de
diese so es e ablie e, dissozia i e Rezep ionskon en ion hin e agba mach . De bei
Lindemann so obszön zu Schau ges ell e Hohn läss deshalb auch eine k i ische li e a-
u wissenscha liche Selbs besinnung mi Blick au die da ges ell en, ezep ionsbezogenen
De e e enzialisie ungsp ak iken sinn oll e scheinen.
3. Fazi
Meh deu igkei ode Poly alenz gel en, wie die Fo schung längs au gezeig ha , sei übe
200 Jah en als »Signum des Poe ischen« (Spech 2012, 27–28) und sind au s engs e mi
dem Ansp uch au Re e enzlosigkei e knüp ( gl. Jannidis 2003, 307). Als axiologische
We e p ägen sie sei he nich nu die P oduk ion, sonde n auch die Rezep ion on Ly ik.
Im Fall de Ly ikp oduk ion e weis sich das De e e enzialisie en des Ad essan en un e
ande em du ch eine Un e de e minie ung on Deik ika und P onomina sowie den Ve zich
au konk e -besch eibende In o ma ionen als e ek i e Weg, um Rezipien Innen g öße e
Deu ungsspiel äume wie auch Iden i ika ionspo enziale zu e ö nen und einen komplexen
und poly alen en Tex zu e scha en. Des Wei e en können Publika ionskon ex und Pe i ex
Re e enz he s ellen ode auch au lösen. Als de e e enzialisie
und dami als ambig kons-
uie können insbesonde e Ad essan en gel en, die wede als konk e e ik i e ly ische
Figu en ausges al e sind noch explizi espek i e namen lich au den ak ischen Au o
e weisen, wodu ch die in de Li e a u wissenscha o ges ell e F age »We sp ich ?« be-
sonde s i ulen wi d. Die An wo da au kann ik ionale und ak uale Rezep ionsweisen
e binden ode zueinande in Konku enz se zen; auch iden i ika o ische Zugänge we den
du ch Ad essan enneu ali ä e möglich .
Die bis zu Ein üh ung des Ad essan enbeg i s gängigen Bezeichnungen ü diese In-
s anz und dazugehö ige Dissozia ionsp ak iken bewi k en, dass die An wo au besag e
F age lange nich »Es sp ich de Au o selbs « (Zymne 2009, 13) lau en du e, selbs
wenn de Tex eine solche Au assung selbs nich ausschließ ode soga naheleg . De e-
e enzialisie ung wu de im o liegenden Bei ag deshalb auch als Rezep ionss a egie im
Zügel: »Denn Ich is ein Ande e « | 77
Sinne eines Top-down-P ozesses besch ieben, die in de sozialen P axis Ly ik lange als ela-
bo ie e, p o essionelle
Fo m de Ly ik ezep ion e s anden wu de, de gegenübe ande e,
insbesonde e au o e e enzielle
Rezep ionsweisen imme wiede als ›nai ‹ geb andma k
wu den. Die in diesem Bei ag besch iebene obszöne Ve höhnung eine solchen, le z lich
li e a u wissenscha lich undie en Dissozia ionsp axis du ch Lindemann kann zum An-
lass genommen we den, diese P axis k i isch zu e lek ie en.
Denn p inzipiell müss en die Li e a u wissenscha und die au sie Bezug nehmenden
Ak eu Innen Spo und Hohn nich ü ch en, wä en ih P ak iken übe jede K i ik e haben.
De Ums and jedoch, dass selbs ly ische Tex e, die den Eigennamen des Au o s ode de
Au o in im ly ischen Haup ex beinhal en und hie du ch eine ak uale Rezep ion nahe-
legen, in de li e a u wissenscha lichen ode li e a u wissenscha lich in o mie en Re-
zep ion iel ach de e e enzialisie gelesen we den,
13
kann p oblema isie we den. Selbs
wenn also eine Vielzahl ly ische Tex e ohne Bezugnahme au den Au o ode die Au o in
sinn oll in e p e ie we den kann und eine Au o e e enz nich in allen Tex en angeleg ,
in endie ode hal ba sein muss, so is sie es doch in manchen Fällen. Nich imme
muss olglich die Analyse eines ly ischen, ad essan enneu alen Tex es zu dem E gebnis
kommen, dass eine Bezugnahme au den Au o ode die Au o in sinn oll is ; die Möglich-
kei dessen jedoch g undsä zlich nich zu e lek ie en, is angesich s des Ums andes, dass
jensei s li e a u wissenscha lich in o mie e Zugänge ein s a ke Hang zu au o e e en-
ziellen Lesa en anzunehmen is , eine mi un e p oblema ische Ve kü zung. Es schein
mi eine bishe iel ach e nachlässig e Au gabe li e a u wissenscha liche Auseinande -
se zung, auch solchen Wi kpo enzialen ly ische Tex e nachzuspü en, die mi biog aphi-
schen ode
iden i ika o ischen Lek ü en einhe gehen könn en. Dies läss die Ein üh ung des
Ad essan enbeg i s
und seine Ausdi e enzie ung in un e schiedliche Ausp ägungs o men
du ch die Ly ikologie umso beg üßenswe e und eine k i ische Re lexion allzu habi uelle
ezep ionssei ige De e e enzialisie ungsp ak iken umso no wendige e scheinen. Da übe
13 Man denke hie e wa an Be ol B ech s Vom a men B.B. ( gl. hie zu Zügel 2024, 57–70) ode an No a Gom inge s
2008 in ih em Band Klima o schung publizie en ly ischen Tex Fo se zung, dessen beiden e s e Ve se lau en:
»No a Gom inge is i i ie . No a Gom inge is siche , dass sich die Dinge ände n we den.« Au diese Bezug neh-
mend, ag Bo is Mo zki in einem Gesp äch mi de Au o in im Rahmen ih e Eh ung mi de Ca l-Zuckmaye -Me-
daille beispielsweise: »Sind Sie i i ie ?Is es ehe das ly ische Ich? Is es beides und welche Dinge we den sich
dann siche ände n?« (Mo zki 2021, 21). Aus diese F age sp ich Mo zkis Zwei el, ob e »Fo se zung« als ly ische
Rede de Au o in übe sich selbs au assen da ode nich . Dasselbe Phänomen läss sich in Alexande B ehms
li e a u wissenscha liche Analyse des Tex es beobach en, in de eben alls de Beg i des »ly ischen Ichs« so-
o bei de Hand is . B ehm mach zudem deu lich, dass e die Annahme, dass die Au o in im Tex au sich selbs
e e ie e, ü meh als ückisch häl : En sp echend wähl e eine Seman ik, die mi Beg i en wie »Illusion« und
»Fingie hei « die ex uell indizie e Bezugnahme des Tex es au die Au o in als i e üh end ausweisen. Nun könn e
man ielleich meinen, dass de Ums and, dass No a Gom inge ih e ly ische Rede übe No a Gom inge in de
d i en Pe son p äsen ie , zu solchen heo e ischen Dis anzie ungen üh . Dass die Möglichkei , dass die Au o in
in ih e Ly ik als sie selbs zu Wo kommen könn e, nich nu au g und g amma ikalische Fak o en agwü dig
wi d, zeig jedoch ein Blick au Gom inge s 2005 e s e ö en lich es U sp ungsalphabe . In diesem inde de Vo -
name de Au o in in Ve bindung mi de e s en Pe son Singula Ve wendung: B ehm se z nich sdes o o z ein
»ly isches Ich« an und schenk in seine Analyse zwa den im Tex genann en Figu en de g iechischen My hologie
ode de Geschich e ku ze Beach ung, nich abe de Nennung des Eigennamens de Au o in, welche e komple
ausblende (siehe B ehm 2013, 244–246).

78 | POEMA 2.2024
hinaus
soll e im Auge behal en we den, wie ein ach du ch eine Imi a ion p o o ypische ly-
ische Fo m und obe lächliche De e e enzialisie ung e was en s ehen kann, was als Ly ik
e ma k ba is – eine allzu eh u ch s olle Behandlung solche We ke du ch die s anda di-
sie e
Anwendung eines le z lich au onomieäs he isch undie en Analyse okabula s läss
einen gewissen Spo on außen le z lich nich allzu un e dien e scheinen.
Li e a u
Bie wi h, Maik, Anja K. Johannsen und Mi na Zeman.
»Doing Con empo a y Li e a u e«. Doing Con empo-
a y Li e a u e. Hg. Maik Bie wi h, Anja K. Johann-
sen und Mi na Zeman. München und Pade bo n:
Fink, 2012. 9–22.
Bode, Ch is oph. Äs he ik de Ambigui ä . Zu Funk ion
und Bedeu ung on Meh deu igkei in de Li e a u
de Mode ne. Tübingen: Niemeye , 1988.
Bo is Mo zki. »Gesp äch Bo is Mo zki mi No a Gom-
inge «. No a Gom inge . Hg. Malu D eye . Mainz:
S aa skanzlei Rheinland-P alz, 2021.
B ehm, Alexande . »Ly isches Ich«. Beg i und P axis.
Biele eld: Ais hesis, 2013.
Bu do , Die e . Ein üh ung in die Gedich analyse
[1995]. 3. Au l. S u ga : Me zle , 2015.
Bu do , Die e . »Die S ahlk a de Namen. Zu Pe -
sonennamen in Gedich en und de en Pa a ex en«.
G und agen de Ly ikologie 1. Hg. Claudia Hille-
b and , Sonja Klimek, Ralph Mülle und Rüdige Zym-
ne . Be lin und Bos on: De G uy e , 2019. 164–176.
DOI: 10.1515/9783110520521-009.
De Spiegel. Fall Ramms ein. S aa sanwal scha be-
s ä ig E mi lungen gegen Till Lindemann. h ps://
www.spiegel.de/kul u /musik/ all- amms ein-
s aa sanwal scha -bes ae ig -e mi lungen-ge-
gen- ill-lin
demann-a-8493aa51-8413-4a58-81d -
8c 660880adb
(19. Juni 2023).
D os e-Hülsho , Anne e on. His o isch-k i ische Aus-
gabe. Gedich e zu Lebzei en. Dokumen a ion, e s e
Teil. Hg. Win ied Theiß. Tübingen: Niemeye , 1997.
F ied ich, Hugo. Die S uk u de mode nen Ly ik. Von
de Mi e des neunzehn en bis zu Mi e des zwan-
zigs en Jah hunde s [1956]. 8. Au l. Reinbek bei
Hambu g: Rowohl , 1977.
Geie , And ea. »Mund o en, Augen zu. Das ly ische Ich
als Decka gumen «. F ank u e Allgemeine Zei ung
om 07. Juni 2023: 3.
Gene e, Gé a d. Fik ion und Dik ion. München: Fink, 1992.
Gleba, Ke s in. Zu Deba e um das Gedich »Wenn du
schlä s « on Till Lindemann – S ellungnahme des
Ve lages (9. Ap il 2020).
h ps://www.kiwi- e lag.
de/magazin/news/s ellungnahme-des- e lags-
zu -k i ik- ill-lindemanns-gedich -wenn-du-
schlae s -aus-dem
(19. Juni 2023).
Gleba, Ke s in. De Ve lag Kiepenheue & Wi sch be-
ende die Zusammena bei mi Till Lindemann
(P essemi eilung om 2. Juni 2023).
h ps://www.
kiwi- e lag.de/magazin/news/de - e lag-kie-
penheue -wi sch-beende -die-zusammena bei -
mi - ill-lindemann
(19. Juni 2023).
Go kow, Alexande . »Vo wo «. In s illen Näch en. Hg.
Alexande Go kow. 7. Au l. Köln: Kiepenheue &
Wi sch, 2019. 7–13.
G imm, Gun e E. Rezep ionsgeschich e. G undlegung
eine Theo ie. Mi Analysen und Bibliog aphie. Mün-
chen: Fink, 1977.
G oß, Be nha d, Ve ena K iege , Michael Lü hy und And-
ea Meye -F aa z. »Fü eine P agma ik de Ambigui ä .
Zu Einlei ung«. Ambige Ve häl nisse. Hg. Be nha d
G oß, Ve ena K iege , Michael Lü hy und And ea Mey-
e -F aa z. Biele eld: T ansc ip , 2021. 9–12.
Heydeb and, Rena e on und Simone Winko. Ein üh-
ung in die We ung on Li e a u . Sys ema ik – Ge-
schich e – Legi ima ion. Pade bo n u.a.: Schöningh,
1996.
Hilleb and , Claudia. »Figu und Pe son im Gedich . Zum
S and de ly ikologischen Figu en o schung und zu
Funk ion on Figu en in ly ischen Gebilden«. G und-
agen de Ly ikologie 1. Hg. Claudia Hilleb and ,
Sonja Klimek, Ralph Mülle und Rüdige Zymne .
Be lin und Bos on: De G uy e , 2019. 148–163. DOI:
10.1515/9783110520521-008
.
Höppne , S e an. De pe manen ausges eck e
Mi el inge . Till Lindemann dich e bis Hunde .
h ps://li e a u k i ik.de/lindemann-100-gedich-
e-de -pe manen -ausges eck e-mi el inge -
ill-lindemann-dich e -bis-hunde ,26705.h ml
(16. Juni 2023).
Hö ning, Ka l H. und Julia Reu e . »Doing Cul u e: Kul-
u als P axis«. Doing Cul u e. Hg. Ka l H. Hö ning
und Julia Reu e . Biele eld: T ansc ip , 2004. 9–18.
Zügel: »Denn Ich is ein Ande e « | 79
Jannidis, Fo is. »Poly alenz – Kon en ion – Au onomie«.
Regeln de Bedeu ung. Hg. Fo is Jannidis, Ge ha d
Laue , Ma ías Ma ínez und Simone Winko. Be lin
und New Yo k: De G uy e , 2003. 305–328.
Jannidis, Fo is, Ge ha d Laue , Ma ías Ma ínez und
Simone Winko. »Rede übe den Au o an die Gebil-
de en un e seinen Ve äch e n. His o ische Model-
le und sys ema ische Pe spek i en«. Rückkeh des
Au o s. Hg. Fo is Jannidis, Ge ha d Laue , Ma ías
Ma ínez und Simone Winko. Tübingen: Max Nie-
meye , 1999. 3–35.
Jü gensen, Ch is oph. »Sie wollen uns e zählen.
Pop(a is ) goes li e a u e«. Pop goes li e a u e. Mu-
sike :innen und Au o scha . Hg. Ch is oph Jü gen-
sen. Biele eld: T ansc ip , 2022. 7–18.
Klimek, Sonja. »Ly ik und Au obiog aphik. Zu Funk-
ion on O s- und Zei angaben in den Pe i ex en
on Gedich en«. G und agen de Ly ikologie 1. Hg.
Claudia Hilleb and , Sonja Klimek, Ralph Mülle
und Rüdige Zymne . Be lin und Bos on: De G uy e ,
2019. 177–206. D
OI:
10.1515/9783110520521-010.
Köppe, Tilmann. »Re e ence in Li e a u e/Li e a y S u-
dies«. Na a i e Fac uali y. Hg. Monika Flude nik und
Ma ie-Lau e Ryan. Be lin und Bos on: De G uy e ,
2019. 259–266.
Ku z, Ge ha d. Macha en. Übe Rhy hmus, Reim, S il
und Vieldeu igkei . Gö ingen: Vandenhoeck und Ru-
p ech , 1999.
Lama que, Pe e . »Seman ic Fineg ainedness and Poe-
ic Value«. The Philosophy o Poe y. Hg. John Gib-
son. Ox o d: Ox o d Uni e si y P ess, 2015. 18–36.
Lejeune, Philippe. Je es un au e. L’au obiog aphie de la
li é a u e aux médias. Pa is: Édi ions du Seuil, 1980.
Lindemann, Till. 100 Gedich e. Hg. Alexande Go kow.
Köln: Kiepenheue & Wi sch, 2020.
Lü hy, Michael. »Ambigui ä in de bildenden Kuns .
Eine di e enzie ende Bes immung«. Ambige Ve -
häl nisse. Hg. Be nha d G oß, Ve ena K iege , Mi-
chael Lü hy und And ea Meye -F aa z. Biele eld:
T ansc ip , 2021. 73–109.
Malchow, Helge. S ellungnahme des Ve lags zu K i ik an
Till Lindemanns Gedich »Wenn du schlä s « aus
dem
Gedich band »100 Gedich e« (3. Ap il 2020). h ps://
www.kiwi- e lag.de/magazin/news/s ellungnah-
me-des- e lags-zu -k i ik- ill-lindemanns-gedich -
wenn-du-schlae s -aus-dem (16. Juni 2023).
Ma ínez, Ma ías. »Das ly ische Ich. Ve eidigung eines
ums i enen Beg i s.« Au o scha . Posi ionen und
Re isionen. Hg. Hein ich De e ing. S u ga und
Weima : Me zle , 2002. 376–389.
Mück, Michelle und Ka ina Raschke. »Unschuld in Ge-
ah . Kinde und Gewal in Till Lindemanns Ly ik«.
Pop goes li e a u e. Musike :innen und Au o scha .
Hg. Ch is oph Jü gensen. Biele eld: T ansc ip ,
2022. 159–174.
DOI:
10.1515/9783839461563-010.
Mülle , Ralph. »E ah ung als Funk ion de Ly ik«.
G und agen de Ly ikologie 2. Hg. Claudia Hille-
b and , Sonja Klimek, Rüdige Zymne und Ralph
Mülle . Be lin und Bos on: De G uy e , 2021. 219–
232.
DOI:
10.1515/9783110499391-011.
Neuhaus, S e an. Re ision des li e a ischen Kanons.
Gö ingen: Vandenhoeck und Rup ech , 2002.
Nie ange , Di k. »P o oka i e Posen. Zu Au o insze-
nie ung in de deu schen Popli e a u «. Pop, pop,
populä . Hg. Johannes G. Pankau. B emen und Ol-
denbu g: Aschenbeck & Isensee, 2004. 85–101.
Rimbaud, A hu . »A Paul Demeny/An Paul Demeny.
Cha le ille, 15 mai 1871/Cha le ille, 15. Mai 1871«.
Sehe -B ie e. Hg. We ne on Koppen els. Mainz:
Die e ich, 1997. 16–45.
Schmid , Robe . Soziologie de P ak iken. Konzep-
ionelle S udien und empi ische Analysen. Be lin:
Suh kamp, 2012.
Schmid , Sieg ied J. G und iß de Empi ischen Li e-
a u wissenscha . Teilband 1. De gesellscha li-
che Handlungsbe eich Li e a u . B aunschweig und
Wiesbaden: Vieweg, 1980.
Spech , Benjamin. »Poly alenz – Au onomieäs he-
ik – Kanon. Übe legungen zum Zusammenhang
on Tex s uk u und his o ische Äs he ik bei
de He ausbildung des deu schsp achigen
Li e a u kanons«. Kanon, We ung und Ve mi -
lung. Hg. Ma hias Beilein, Claudia S ockinge und
Simone Winko. Be lin: De G uy e , 2012. 19–39.
Spinne , Kaspa H. Zu S uk u des ly ischen Ich.
F ank u a. M.: Akademische Ve lagsgesellscha ,
1975.
Wilhelms, Ke s in, Immanuel No e , E a S uben auch,
Anna Seidel, Melanie Schille , Ma hias Scha ick
u.a. Ramms eins ›Deu schland‹. Pop – Poli ik – P o-
oka ion. Be lin und Heidelbe g: Sp inge , 2022.
Zip el, F ank. »Au o ik ion. Zwischen den G enzen on
Fak uali ä , Fik ionali ä und Li e a i ä ?« G enzen
de Li e a u . Hg. Fo is Jannidis, Ge ha d Laue und
Simone Winko. Be lin: De G uy e , 2009. 285–314.
Zip el, F ank. »Ly ik und Fik ion.« Handbuch Ly ik. Hg.
Die e Lamping. S u ga und Weima : Me zle ,
2011. 162–166.
Zügel, No a. Ly ische Au obiog aphien und Selbs po -
ä s. Ve such eine k i ischen Re ision. Be lin und
Heidelbe g: Me zle , 2024.
Zügel, No a. »Fak uale Ly ik. Neues Fo schungs-
eld ode Rückkeh zu »E lebnisly ik«?« Rück-
keh des E leb
nisses in die Geis eswissenscha en?
80 | POEMA 2.2024
Hg. Ma his Lessau und No a Zügel. Baden-Baden:
E gon, 2019. 159–171.
Zymne , Rüdige . Ly ik. Um iss und Beg i . Pade bo n:
Men is, 2009.
Zymne , Rüdige . »Beg i e de Ly ikologie. Einige Vo -
schläge«. G und agen de Ly ikologie 1. Hg. Claudia
Hilleb and , Sonja Klimek, Ralph Mülle und Rüdige
Zymne . Be lin und Bos on: De G uy e , 2019. 25–50.
DOI:
10.1515/9783110520521-002
.
Au o in
No a Zügel
Albe -Ludwigs-Uni e si ä F eibu g, Rech swissenscha liche Fakul ä , Ins i u ü S aa swissenscha und
Rech sphilosophie, Ab eilung 3: Rech s heo ie, Hans-Kelsen-Fo schungss elle, no a.zuegel@ju a.uni- eibu g.de
Open Access
This pape is published unde he C ea i e Commons A ibu ion–Sha eAlike 4.0 In e na ional license (
CC BY-
SA 4.0
). Please no e ha indi idual, app op ia ely ma ked pa s o he pape may be excluded om he license
men ioned o may be subjec o o he copy igh condi ions. I such hi d pa y ma e ial is no unde he C ea i e
Commons license, any copying, edi ing o public ep oduc ion is only pe mi ed wi h he p io consen o he
espec i e copy igh owne o on he basis o ele an legal au ho iza ion egula ions.