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Jacob Pagendarms Stimmbücher: Ein Beitrag zur Lübecker Kirchenmusikgeschichte

Abstract

Um 1700 wurden in den Gottesdiensten an der Hauptkirche St. Marien in Lübeck Choräle in der Regel mehrstimmig zur Führung des Gemeindegesangs…

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Jacob Pagendarms Stimmbücher: Ein Beitrag zur Lübecker Kirchenmusikgeschichte

Author: Petersen, Birger
Year: 2024
DOI: 10.38072/2941-3362/p16
Source: https://macau.uni-kiel.de/servlets/MCRFileNodeServlet/macau_derivate_00006652/kiel-up_2941-3362_p16.pdf
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BIRGER PETERSEN
Johann Jacob Pagenda ms S immbüche
Ein Bei ag zu Lübecke Ki chenmusikgeschich e
Das A chi de Hanses ad Lübeck e wah d ei um ang eiche S immbüche mi eine Sammlung on
303 Cho alsä zen aus dem ühen 18. Jah hunde , de en Genese in unmi elba em Zusammenhang
mi eine de wi kmäch igs en Gesangbuchpublika ionen ü den Os see aum s eh , die o allem
abe aus de Diens zei Die e ich Bux ehudes (1637–1707) s amm , O ganis und We kmeis e an de
Haup ki che S . Ma ien. Das Findbuch, das de zwischen 1845 und 1886 am ie ende Lübecke O ganis
und We kmeis e Johann He mann Jimme hal 1860 angeleg ha , weis en sp echend – und ohne Ve -
weis au ih en U hebe – un e den lau enden Numme n 14–17 aus: »4 dicke, in Pe gamen gebundene
Büche , en hal end eine g oße Anzahl 4s immige Cho äle – ü Sop . Al . Ten. & Baß. (Volls ändig.)«1
Ta sächlich gab es bis zum Zwei en Wel k ieg noch ie S immbüche ; nach de e hee enden
Bomba die ung Lübecks du ch die Alliie en an Palma um 1942 wu den sie zusammen mi allen
wei e en A chi ma e ialien nach G öna bei Be nbu g in Sachsen in ein Salzbe gwe k ausgelage .
Die Ma e ialien des A chi s de S . Ma ienki che wu den nach 1945 zunächs on de U.S. A my,
dann on de Ro en A mee beschlagnahm und übe Po sdam als Beu ekuns meh hei lich übe
A chi e de DDR und de UdSSR e eil . Nach de Res i u ion 1988 sind noch d ei S immbüche
e hal en (Diskan , Al und Teno ).2
Die S immbüche und die in ihnen en hal enen Cho sä ze sind – o z ih e Un olls ändigkei und
de dami e bundenen Spekula ion übe ih e Bescha enhei – ein wich iges Zeugnis zu P äsenz
des schlich en Kan ionalsa zes im Um eld des no ddeu schen P o es an ismus in seine spezi ischen
Ausp ägung in de eien Reichs- und Hanses ad Lübeck. Ih e eingehende e Un e suchung und Kon-
ex ualisie ung is ein Deside a – un e ande em angesich s des Ums ands, dass sie zum Repe oi e
des Schüle cho s an de Haup ki che S . Ma ien gehö en, als Bux ehude seinen Diens au de O -
gelempo e e sah. U hebe de Cho sä ze wa sein Gegenübe au dem Le ne : de Kan o Johann
Jacob Pagenda m.
1 Im A chi de Hanses ad Lübeck: D–LÜsa, [e c.], D–LÜsa 6.1 S .-Ma ien 3: Ve zeichniß de Büche , Sch i en, Zeichnungen,
Musikalien e c. des A chi s de S . Ma ien-Ki che, einge ich e on H. Jimme hal, O ganis und We kmeis e de S . Ma ien-
Ki che 1860, S. 17. – Vgl. D–LÜsa, 6.1–1 S . Ma ien 107–109, bzw. G aßmann 2005, S. 272–273.
2 Vgl. Hee ing 2021, S. 96, auße dem G aßmann 1992 und Snyde 2006. Ande s als bei Snyde angegeben and die Res i u ion
1987 s a .
Kiel-UP •
h ps://doi.o g/10.38072/2941-3362/p16
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Im Scha en Bux ehudes: Johann Jacob Pagenda m
T o z de heologischen P ominenz de Söhne dieses Lübecke Kan o s, He mann Hein ich (1674–
1749) und Johann Ge ha d (1681–1754) ehl de Name Pagenda m in Wol -Die e Hauschilds
schon übe ie zig Jah e al en, gleichwohl nach wie o maßgeblichen (weil nich e se z en)
Ki chengeschich e Lübecks.3 Das is nich wei e e wunde lich, zumal das o nehmliche In e esse
de p o es an ischen Ki chengeschich e als uni e si ä e Disziplin in de zwei en Häl e des 20.
Jah hunde s in e s e Linie au de Re o ma ionsgeschich e eine sei s und au de jünge en His-
o ie ande e sei s lag. S ä ke i i ie de Ums and, dass eine e heblich jünge e Publika ion, die
die Besonde hei en de Ki chenmusik Lübecks he auss ellen will, sich au eine Da s ellung de
O ganis en besch änk und nich nu die Kan o en de Haup ki che S . Ma ien bis in die Gegenwa
unbe ücksich ig läss .4
Johann Jacob Pagenda m wu de am 6. Dezembe 1646 als Sohn des Kau manns Hein ich Pagen-
da m und dessen F au Anna geb. Fü s enau in He o d in Wes alen gebo en und ha e nach dem
Schulbesuch (u.a. an de And easschule in Hildesheim und des Gymnasiums in Magdebu g) in
Helms ed und in Wi enbe g s udie – ein Uni e si ä ss udium de Theologie wa Vo bedingung
ü die spä e e Tä igkei Pagenda ms als Kan o und zugleich Leh e an eine La einschule – und
zum Michaelis es 1670 das Kan o a in Osnab ück ange e en.5 Mi dem Diens an i in Lübeck im
Augus 16796 wu de e Nach olge on Samuel F anck (1633–1679) und unmi elba e Mi a bei e
on Die e ich Bux ehude, de sei 1668 als O ganis und We kmeis e an S . Ma ien am ie e (und
wie F anck eine Toch e seines Am s o gänge s F anz Tunde gehei a e ha e).7 Pagenda m s a b
am 13. Janua 1706; seine Toch e Regina Ca ha ina (1688–1762) hei a e e am 8. No embe 1706
seinen Nach olge Hein ich (Hin ich) Si e s (1674–1736).8
De schlech e Ru , de Pagenda m du ch die Jah hunde e anha e e, is le z lich dem Lübecke
Kan o Caspa Rüe z zu e danken. E sch eib 1753 in seine zwei en Polemik zu Musik seine
Gegenwa übe die Musiksammlung seine Vo gänge :
»Ich habe einen g ossen Vo a h an Ki chens ücken on meinem seel: Schwiege -
a e Si e s und Schwiege -G oß a e Pagenda m gee be . Von des le z e n seinen
hin e laßnen Sachen habe kein ein ziges S ück, on des e s e en Sachen, nu einige
wenige geb auchen können. Sie zeugen on dem g ossen Fleisse und de A bei sam-
kei diese edlichen Männe . Alles was diese Männe mi sau e Mühe und A bei
zusammen gesch ieben, ode mi ielen Kos en gesammle und absch eiben las-
sen, ha nich den ge ings en Weh meh , ob gleich kein ge inges Capi al da innen
s eck . Es is diese Menge musicalische Papie e on ielen Jah en he wohl bey
nahe biß au die Häl e geschmol zen, indem ein ga ieles dem O en zu Theil, und
3 Vgl. Hauschild 1981; auch de Name Die (e) ich Bux ehude inde sich nu ein einziges Mal (S. 347–349).
4 Vgl. 4 Vie el. o. J., o allem S. 18–19; als Ausnahme e schein nu de ak uelle O ganis on S . Ma ien Johannes Unge , de
zugleich den Diens des Kan o s (und sei 2023 zugleich des Ki chenmusike s am Dom zu Lübeck) e sieh .
5 Vgl. S ahl 1952, S. 50.
6 Lau Ge be am 28. Augus , gl. Ge be 1792, Sp. 58.
7 Vgl. Snyde 2007, S. 120; die Be u ungsu kunde Pagenda ms (D–LÜsa, 1.1–4 Al es Sena sa chi Ecclesias ica, Schulsachen
Vol. 1 Fasz. 2) is bei S ahl 1952, S. 193 wiede gegeben.
8 Jöche 1751 (Sp. 1178–1179) nenn »sieben Söhne und eben so iel Töch e «.
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an s a de Spähne geb auch wo den, ieles zum häuslichen Geb auch angewand ,
und ieles an solche Leu e, die zu ih en Geschä en alle ley Macula u und Papie e
geb auchen, dahin gegeben wo den. […] Ich p ophezeye meinen Musicalien nach
mi kein besse es Schicksal, und bin auch dami zu ieden.; weil ich nich besse bin
denn meine Vä e .«9
Die Ve nich ung, de Rüe z die We ke seine Vo gänge demnach zuge üh ha , e s eh Ch is ian
Bunne s als »Ve häl nisbes immung on ki chenmusikalische Gegenwa und T adi ion«10 – und
emp inde es nu als konsequen , dass Rüe z auch eigene We ke nich on den on ihm besch iebe-
nen Al e ungs- und da aus olgenden »Makulie ungsak ionen« ausgenommen (und e mu lich auch
in de Ma ienki che e wah e Bux ehude-Manusk ip e e eue ) ha .11
Un e ande em die Eing i e Rüe z’ so g en da ü , dass gegenwä ig nu ein einziges ande es mu-
sikalisches We k on Pagenda m übe lie e is : Seine Ve onung on Psalm 37,5: Be iehl dem He n
deine Wege – e wah in de She a d Collec ion de Bodleian Lib a y – o ien ie sich am mode nen
enezianischen S il.12 Da übe hinaus ha Pagenda m einen Nachd uck de Can iones sac ae ini iie ,
de das Repe oi e de li u gischen Sä ze im Go esdiens an S . Ma ien e sammel e.13
O und Funk ion de S immbüche
Eine maßgebliche Quelle zu F age de Lübecke Li u gie – und dami e bunden zu Funk ion
de S immbüche Pagenda ms – is das e s e am liche Lübeckische Gesang-Buch on 1703:14 Dieses
wu de als e s es am liches Gesangbuch de Hanses ad Lübeck nach in ensi en Ve handlungen mi
dem Geis lichen Minis e ium e o dne – ein o izielles Gesangbuch, das ausd ücklich »den übe -
kommenen Liedbes and bewah en und die auch in Lübeck spü ba e Flu neue , nich -o hodoxe
Liede eindämmen« soll e.15 Dieses Gesangbuch wa e bunden mi einem Gebe buch, dem wiede -
um eine Ku ze Anweisung / wie kün ig hin de Go es-Diens in denen Lübeckischen Ki chen wi d
anzus ellen seyn ange üg wa – keine Re o m de li u gischen ode ki chenmusikalischen P axis,
sonde n de en Ve einhei lichung, o allem abe eine Abg enzung gegenübe de F ömmigkei sbe-
wegung de Re o mo hodoxie und dem Pie ismus. Sie bilde die Li u gie e mu lich ü die gesam-
9 Rüe z 1753, S. 112–113.
10 Bunne s 2011, S. 214.
11 Vgl. Bunne s 2011, S. 215, bzw. Snyde 2007, S. 357.
12 GB–Ob Mus. Sch. C. 43; zu P o enienz gl. Wollny 1993, S. 83–85 und Snyde 1994, S. 233–234.
13 Ge be 1792, Sp. 59, nenn die »Can iones sac as, quas coe us lubecensis scholas icus sub ho a um in e allis cane e con-
sue i «; da übe hinaus weis e au eine his o isch-geog aphische Publika ion hin (G ündliche Nach ich en on den meis en
Völke n des al en Deu schlandes) sowie au das numisma ische In e esse Pagenda ms. – Vgl. auch S ahl 1952, S. 64.
14 Die äl es e au indba e Au lage be inde sich in de Fo schungsbiblio hek Go ha (Sign.: Can . spi . 8° 00020): Lübeckisches
Gesang=Buch, Nebs An ügung eines Gebe h=Buchs, Au Ve o dnung Eines Hoch=Edlen Hochweisen Ra hs, Von einem Eh -
wü digen MINISTERIO Ausgegeben, Lübeck 1704, das äl es e in de S ad biblio hek Lübeck übe lie e e, spä e inhal lich un-
e ände nachged uck e Exempla is on 1729 (Sign.: Lub. 8° 7407). – Vgl. Hee ing 2007, S. 49, auße dem Kadelbach 1995,
S. 28–30; Schnoo 2011, S. 169–170 sowie Hee ing 2014, S. 115–120.
15
Hee ing 2017, S. 17, bzw. Kadelbach 2017b, S. 39–40; mi de Publika ion on 1703 nich zu e wechseln is das Lübeckisch=V
oll-
s ändige Gesangbuch on 1698. – Vgl. Kadelbach 2017, S. 40–53; dagegen Ka s äd e al. 2022 mi de Ve bindung de S imm-
büche mi dem Gesangbuch on 1698/99.
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e Lübecke Am szei Pagenda ms wie auch Bux ehudes ab und wu de 1754 nahezu un e ände in
das Lübecki
sche Ki chenhandbuch au genommen (Abb. 1).16
Die li u gischen Hinweise ü S . Ma ien in de Ku zen Anweisung s immen wei gehend mi den
Angaben in einem en sp echenden D uck on 1645 übe ein.17 Demnach wa in den li u gisch ge-
p äg en Go esdiens en – also zu Vespe , zum Haup - und Nachmi agsgo esdiens sowie bei den
F ühgo esdiens en am Diens ag und Donne s ag – die Mi wi kung des Cho s kons i u i , de aus
Schüle n des nahegelegenen Ka ha ineums bes and und om Kan o (als Mi glied des Leh kö pe s)
gelei e wu de.18 De Cho ug alle dings nu om Le ne aus die li u gischen Elemen e o und
üh e – meis eins immig – den Gemeindegesang an; allein die Fes agsgo esdiens e (und die dami
e bundenen Vespe n am Vo ag) wu den mi dem Cho us symphoniacus eiche ausges a e : du ch
Meh s immigkei in de Li u gie, o allem abe du ch Mo e en ode okal-ins umen ale Komposi-
ionen o ode nach de P edig , den sogenann en ›O ganis enmusiken‹. Bei We ken mi Ins umen-
16 Vgl. Hee ing 2007. – Zu P o enienz des Lübeckischen Gesang-Buchs gl. Hee ing 2021, S. 115–116.
17 Vgl. Hee ing 2007 bzw. Jannasch 1928, S. 174.
18 Vgl. dazu S ahl 1931, S. 88–89, bzw. Hee ing 2007, S. 51.
Abb. 1: Lübeckisches Gesang-Buch, Ausgabe Lübeck 1729.
S ad biblio hek Lübeck, D-LÜh, Lub. 8° 7408.
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albeglei ung wi k en bis zu el Ra smusike mi ; die Ma ienki che ha e das P i ileg meh s immige
Figu almusik an allen Fes agen, wäh end in den ande en ie Haup ki chen de S ad nu ie mal
im Jah in einem es en Tu nus igu al musizie wu de.19
Die Li u gie des Haup go esdiens s an S . Ma ien wies eine Reihe on es en Elemen en au , die
im Sinn eines O dina iums als Gemeindeliede zum egelha en Ablau gehö en, so das Eingangslied
Komm, heilige Geis , e üll die He zen und das da au olgende »Symbolum A hanasii« als deu sches
Te Deum: He Go , dich loben wi ; das Glo ia in excelsis Deo als Allein Go in de Höh sei Eh olg
dem Ky ie, das Lied »im Hingang nach de Can zel« wa egulä en wede Nun bi en wi den heiligen
Geis , He Jesu Ch is dich zu uns wend ode Liebs e Jesu, wi sind hie . Nach Kanzel- und Al a -
diens sang die Gemeinde als C edo Wi glauben all an einen Go , am Ende – nach dem Segen – das
Lied Sei Lob und Eh mi hohem P eis ode einen ande en ku zen »Lob-Psalm«. Zu Aus eilung sah
die Go esdiens o dnung »Un e de Communion« »Communion-, Lob- und Danck- als auch Paßions-
Liede « o , auße dem wu de de Ablau an Fes agen und zu besonde en Zei en des Ki chenjah s e -
gänz und o allem ki chenmusikalisch au wändige ausges al e ; die Besonde hei en de Lübecke
Li u gie – die insbesonde e au die on He mann Bonnus gep äg e P axis zu ückgeh – haben Jü gen
Hee ing und Ada Kadelbach aus üh lich e ö e .20
Die Au eilung de Musik au die un e schiedlichen, am lu he ischen Go esdiens be eilig en
G uppen – de en Zusammens ellung in Lübeck du chaus au al ki chliche T adi ionen e wies –21 is
an diese S elle on Belang. Die Gemeinde sang das deu sche Tedeum, das deu sche Glo ia und das
Glaubenslied, auße dem die ausgewähl en Gesangbuchliede – an bes imm en Posi ionen meh e e
hin e einande (zum Beispiel wäh end de Abendmahlsaus eilung im Haup go esdiens ).22 Dass die
Gemeinde die Liede aus dem p o es an ischen Ke nbes and des 16. Jah hunde s auswendig ge-
sungen ha , läss sich ohne wei e es auch an den Gesangbüche n de Zei e kennen, die ohne An-
gaben on No en auskamen. Die mi dem le z en Jah hunde d i el hinzukommenden neuen Liede
wu den in de Regel Lübecke P i a d ucken en nommen; welche Liede gesungen we den soll en,
wa in de Regel am O gel o spiel zu e kennen. E s die E wei e ungen des Lied epe oi es sowie
die Ve wendung on Lehnmelodien üh en un e ande em an S . Ma ien nach de Ein üh ung des
o iziellen Gesangbuchs on 1703 zu de Ve wendung on Numme n a eln.23
De Gemeindegesang wu de om Schüle cho des Ka ha ineums ange üh , de an egulä en Sonn-
agen eins immig (»cho ali e «) sang; die Mi wi kung des O ganis en besch änk e sich in den sonn-
und es äglichen Haup - und Nachmi agsgo esdiens en und in den Vespe n insbesonde e au die
Lied o spiele. Die Liede selbs wu den adi ionell al e na im gesungen – bei li u gischen Gesängen
im Wechsel on Cho und O gel, bei Gemeindeliede n im Wechsel on Gemeinde und O gel.24 Al e -
na im-P axis is an den Lübecke Haup ki chen sei dem 15. Jah hunde nachweisba .25 De Kan o
benu z e da ü »handsch i liche und ged uck e Kan ionale und ie s immige Cho albüche «.26
19 Vgl. S ahl 1952, S. 26.
20 Vgl. Hee ing 2017, S. 20–21, bzw. Hee ing 2014, S. 117–120, sowie Kadelbach 2017a.
21 Zu diesem Kon ex gl. Ro h 2020, besonde s S. 57–185.
22 Vgl. Hee ing 2017, S. 23.
23 Vgl. Hee ing 2017, S. 23–24, bzw. Snyde 2007, S. 509–510.
24 Vgl. Hee ing 2017, S. 24.
25 Vgl. Snyde 2007, S. 127–128. – Zu Musik »au dem Cho « und »au de O gel« gl. Edle 1982, S. 51–62.
26 Vgl. S ahl 1952, S. 64, bzw. Hee ing 2017, S. 25.

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De Schüle cho ha dabei ganz o ensich lich auch in Lübeck die ein homophone T adi ion
des Cho alsa zes gep leg : den ie s immigen Kan ionalsa z mi de Cho almelodie im Sop an. In-
o ma ionen ü die Au üh ungsp axis de Zei e geben sich aus dem Ums and, dass Pagenda ms
Vo gänge Samuel F anck 1664 ein O gelposi i mi ün Regis e n ü den Le ne anscha e – »zu
behue de je zigen ah de Music«.27 Als e s e Publika ion ha e Lucas Osiande (›de Äl e e‹,
1534–1604) in seine Sammlung Fün zig Geis liche Liede und Psalmen on 1586 diesen Typus
p äsen ie , de nich ü die Gemeinde, sonde n den Cho gedach wa ; o gese z wu de diese
T adi ion im mi eldeu schen Raum on Komponis en wie Johann C üge (1598–1662), de mi
den Geis lichen Ki chen-Melodien (1649) ie s immige Kan ionalsä ze kompilie und dann in sei-
ne Sammlung P axis pie a is melica ab 1647 – dem am wei es en e b ei e en Gesangbuch de
zwei en Häl e des 17. Jah hunde s –28 alle dings nu Sop an- und bezi e e Gene albass-S im-
me lie e e, eine P axis, die sich zumal in No ddeu schland noch bis in die zwei e Häl e des 18.
Jah hunde s hal en soll e. Neben C üge wa en ü den no ddeu schen Raum die Sammlungen
Johann Ris s (1607–1667) on Belang: Ande s als Osiande ode C üge kompilie e Ris eigene,
also neue Gedich e, die on Pe sönlichkei en wie Michael Jakobi, Johann Schop ode And eas
Hamme schmid e on wu den; on Die e ich Bux ehude s amm die Musik zu O Go es S ad , o
güldnes Lich BuxWV 87. Das Ziel de Sammlungen Ris s wa abe auch ein g undlegend ande es
als die Sammlungen Osiande s ode C üge s – nämlich die heimische Andach , nich de ö en li-
che (Fes -) Go esdiens .29
Zu Bescha enhei on Pagenda ms Sä zen
Johann Jacob Pagenda m e hiel im Jah 1705 ü die on ihm komponie e Sammlung 60 Ma k
lübsch; ü die Ein agung de ehlenden Tex e in die S immbüche wu den zwei »A i me ici« ge-
sonde e gü e – beme kenswe e weise mi 150 Ma k.30 Als Kan o bezog Pagenda m ein Jah es-
einkommen on 80 Ma k – wobei e sein Haup einkommen als Leh e des Ka ha ineums einwa b,
zus ändig ü den La ein- und Religionsun e ich de Te ia und Sekunda sowie ü den Musikun e -
ich de gesam en Schule, an de e nach dem Rek o und dem Sub ek o an d i e S elle angie e;
dieses Salä be ug jäh lich 330 Ma k (und eie Un e kun ).31 Ta sächlich kamen F eunde und Gön-
ne seinem Haushal du ch eine egelmäßige Sammlung zu Hil e, die jeweils zwischen 120 und 283
Ma k e gab.32 Die E gänzung um 60 Ma k dü e dem iel achen Familien a e – de zumal seine in
Ros ock und Wi enbe g s udie enden Söhne un e s ü z e – gu zupass gekommen sein. Die beiden
»A i me ici« sind iden i izie ba als Ch is ian Pa ike und Wal e Möll a h, dem Ein ag des We k-
meis e s Die e ich Bux ehude im Wochenbuch de Ma ienki che olgend:
27 Vgl. S ahl 1926, S. 20.
28 Vgl. Snyde 2007, S. 185, bzw. g undlegend Bunne s 2012.
29 Vgl. g undlegend S eige 2007.
30 Vgl. Snyde 2007, S. 117.
31 Vgl. Snyde 2007, S. 120.
32 Vgl. S ahl 1952, S. 51
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»Sonnabend, wie die He en Vo s ehe am negs e wichenen Mon agem au m We ck-
hause bey abgeleg e Ki chen Rechnung zusammen wah en, haben dieselbe ggl. Con-
sen i e , dem Can o i Pagenda m, ü die Melodeyen de e 303 zusammen synd, in
denn 4. neugemach en Gesangbüche n con can o, Al o, Teno e Basso, ohne die Tex e
ein Zusch eiben p o Labo e zu geben 60/–/–
Noch Ch is ian Pa ike e Wal e Möll a h, beiden A i me ici, ü den Tex un e denn
303: Gesängen in quad uplo zu legen, lau Qui ung zahle 150/–/–«33
Übe den Geb auch diese Bände be ich e Wilhelm S ahl in seine Musikgeschich e Lübecks:
»Die dicken, in Pe gamen gebundenen Büche konn en wegen ih e Schwe e und
ih es unhandlichen Fo ma s on den einzelnen Sänge n nich ohne E müdung gehal-
en we den. Sie lagen al em B auch gemäß au einem ie sei igen Pul , um das sich
de nich zahl eich bese z e Cho he ums ell e. No en und We e muß en so g oß und
deu lich gesch ieben sein, daß sie on allen Sänge n abgelesen we den konn en.«34
Ke ala Snyde wies da au hin, dass die Zählung im Lübeckischen Gesang-Buch on 1703 as
genau de jenigen in den S immbüche n en sp ich , alle dings ehlen 22 Numme n – und zwa aus-
ge echne die de bekann es en, li u gisch ele an en Liede wie Allein Go in de Höh sei Eh ode
33 D–LÜsa, 6.1–1 S . Ma ien: Wochenbuch 1705–1711, ol. 18.
34 S ahl 1952, S. 104.
Abb. 2: D–LÜsa, 6.1–1 S . Ma ien 107, S. [1] : Nun komm de Heiden Heiland (Diskan ).
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Wi glauben all an einen Go . Sie lei e da aus einen Schlüssel ü die Ve lech ung on Gesangbuch
und S immbüche n beziehungsweise Gemeinde- und Cho gesang ab;35 es is anzunehmen, dass ü
diese In e en ionen wei e hin das ü den Schüle cho bes imm e Gesangbuch De Ca echismus Ge-
sangsweise samp den geb äuchlichen Geis lichen Liede n und Psalmen benu z wu de.36
Gleich de e s e meh s immige Sa z, den Pagenda m zum Lei lied ü den Ad en am Beginn
seine Sammlung p oduzie ha , weis die Cha ak e eigenscha en de Sä ze e wa Johann C üge s
au , so hinsich lich de Kadenzbildung, abe auch im Akko d epe oi e, so in de Besch änkung au
wenige Sex akko de ode im nahezu olls ändigen Ve zich au Vie klänge:
Die E gänzung des d eis immigen Sa zes is – o ien ie an en sp echenden Vo lagenkomposi io-
nen de einschlägigen Sammlungen – e häl nismäßig ein ach, zumal es ü den be ei s bes ehenden
Sa z e band in de Regel keine Al e na i lösung ü die Bass-S imme gib :
Wie schön leuch ’ uns de Mo gens e n s imm in seine Melodieges al mi de Fassung de E s aus-
gabe on 1599 übe ein, nich abe mi de Tex assung (die auch in de E s ausgabe Philipp Nicolais
Wie schön leuch e de Mo gens e n be i el wa ).37 Die hie niede geleg e Tex ges al wiede um
en sp ich de des Lübeckischen Gesang-Buchs; eine Tex konko danz mi de Fassung in den S imm-
büche n
mi de Numme 275 (mi dem Hinweis »In bekann e Melodey.«)38 e weis die Übe eins im-
mung des Tex s bis in die o hog aphischen Besonde hei en hinein – in einigen Fällen soga bis in
die In e punk ion: Au ällig is e wa de ehlende Punk am Ende de Absch i on Ve s 1 im Diskan
sowie de Übe nahme de au älligen Minuskeln im Al und zum Teil auch im Teno .
35 Snyde 2007, S. 117; Snyde be u sich au die zum Zei punk de deu schen Fassung (2007) ühes e e eichba e Au lage des
Lübeckischen Gesang-Buchs on 1729 (S ad biblio hek Lübeck, D-LÜh, Lub. 8° 7408).
36 Ve schollene E s d uck e mu lich 1651, Nachd uck 1660; gl. Hee ing 2021, S. 96: Das einzige Exempla de Biblio hek de
Hanses ad Lübeck is sei de Auslage ung im Zwei en Wel k ieg e schollen; gl. S ahl 1952, S. 47–48.
37 Im F ewdenSpiegel deß ewigen Lebens […], F ank u 1599; zu F age de Tex assung gl. S almann 2002 und Ku zke 2003.
38 Lübeckisches Gesang-Buch N . 275, S. 646–649.
No enbeispiel 1: Johann Jacob Pagenda m, Nun komm de Heiden Heiland. D–LÜsa, 6.1–1 S . Ma ien 107–109, N . 1.
B. Pe e sen: Johann Jacob Pagenda ms S immbüche
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Dabei is an diesem Sa z un e ande em die Ausges al ung de Kadenzen au ällig. So is es zum
Beispiel nich möglich, die Kadenzen des S ollens un e Einbeziehung eine Te z im Schlussklang zu
ges al en – de Te z on ehl in allen d ei o handenen S immen und kann jeweils auch nich in die
ehlende Bass-S imme in eg ie we den. Auße dem e meide Pagenda m in ie on ün Schluss-
wendungen den Einsa z eine d ei eiligen clausula o malis als S anda d o mulie ung, die e in de
e s en Kadenz Tak 4/5 noch gewähl ha e:
No enbeispiel 2: D–LÜsa, 6.1–1 S . Ma ien 107, S. [178] : un e e Häl e Wie schön leuch ’ uns de Mo gens e n, S ollen (Diskan ).
No enbeispiel 3: Johann Jacob Pagenda m, Wie schön leuch ’ uns de Mo gens e n. D–LÜsa, 6.1–1 S . Ma ien 107–109, N . 275.