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Nordelbingen 90.2024

Abstract

In Nordelbingen werden neue Forschungen zur Geschichte der Kunst, Kultur, Architektur, Literatur und Musik in Schleswig-Holstein im Open Access…

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Nordelbingen 90.2024

Year: 2024
DOI: 10.38072/2941-3362/i90
Source: https://macau.uni-kiel.de/servlets/MCRFileNodeServlet/macau_derivate_00006791/kiel-up_2941-3362_i90.pdf
No delbingen
Bei äge zu Geschich e de Kuns und Kul u ,
Li e a u und Musik in Schleswig-Hols ein
Uni e si ä s e lag Kiel
Kiel Uni e si y Publishing
Kiel Uni e si y
Ch is ian-Alb ech s-Uni e si ä zu Kiel
Band 90
No delbingen
Bei äge zu Geschich e de Kuns und Kul u ,
Li e a u und Musik in Schleswig-Hols ein
Band 90
Bibliog aphische In o ma ion de Deu schen Na ionalbiblio hek
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Ti elbild: Decke aus einem Seidengewebe, 138 x 135 cm, Lampasgewebe: I an, 16. Jah hunde . S i ung Schleswig-Hols eini-
sche Landesmuseen Schloss Go o , Schleswig. Museum ü Kuns und Kul u geschich e, In . N . 1925/161. Fo o (Ausschni ):
Museum ü Kuns und Kul u geschich e Schloss Go o .
ISBN (P in ): 978-3-910591-37-0
eISBN (PDF): 978-3-910591-36-3
NORDELBINGEN
Bei äge zu Geschich e de Kuns und Kul u , Li e a u und Musik in Schleswig-Hols ein | 90.2024
ISSN: 0078-1037
eISSN: 2941-3362
[email p o ec ed]iel.de
He ausgegeben on
de Gesellscha ü Schleswig-Hols einische Geschich e
dem Landesam ü Denkmalp lege Schleswig-Hols ein
dem Museum ü Kuns und Kul u geschich e in de S i ung Schleswig-Hols einische Landesmuseen Schloss Go o
de Schleswig-Hols einischen Landesbiblio hek
du ch
P o . D . Klaus Ge eon Beucke s , Kuns his o isches Ins i u , Ch is ian-Alb ech s-Uni e si ä zu Kiel
beucke s@kuns geschich e.uni-kiel.de
P o . D . Ka h in Ki sch , Musikwissenscha liches Ins i u , Ch is ian-Alb ech s-Uni e si ä zu Kiel
ki sc[email p o ec ed]iel.de
P o . D . Sonja Klimek , Ins i u ü Neue e Deu sche Li e a u und Medien, Ch is ian-Alb ech s-Uni e si ä zu Kiel
[email p o ec ed]iel.de
mi Un e s ü zung on
D . Vi ien Biene , Kuns his o isches Ins i u , Ch is ian-Alb ech s-Uni e si ä zu Kiel (Rezensionen)
Lau a Die e ich B.A., Ins i u ü Neue e Deu sche Li e a u und Medien, Ch is ian-Alb ech s-Uni e si ä zu Kiel
(Koo dina ion)
Cha lo Hannig M.A., Kuns his o isches Ins i u , Ch is ian-Alb ech s-Uni e si ä zu Kiel
(Redak ionsassis enz)
WISSENSCHAFTLICHER BEIRAT
P o . D . Ul Bäs lein, Uni e si ä ü Musik und da s ellende Kuns G az
Diana Hä ich M.A., Landesam ü Denkmalp lege Schleswig-Hols ein
Ola I lenkäuse M.A., Li e a u haus Schleswig-Hols ein
D . Cons anze Kös e , Museums ö de ung de Fielmann G oup AG
D . U a Kuhl, S i ung Schleswig-Hols einische Landesmuseen Schloss Go o
P o . D . Ma in Lä zel , Schleswig-Hols einische Landesbiblio hek
D . Maike Manske, Gesellscha ü Schleswig-Hols einische Geschich e
P o . D . Sieg ied Oechsle, Musikwissenscha liches Ins i u , Ch is ian-Alb ech s-Uni e si ä zu Kiel
F ied ich G a zu Ran zau, Gesellscha ü Schleswig-Hols einische Geschich e
D . Johannes Wa da , Ins i u ü A chäologische Wissenscha en, Denkmalwissenscha en
und Kuns geschich e (IADK), Uni e si ä Bambe g
GUTACHTERINNEN UND GUTACHTER
P o . D . Oli e Auge (His o isches Semina , Ch is ian-Alb ech s-Uni e si ä zu Kiel) • P o . D . Ul
Bäs lein (Uni e si ä ü Musik und da s ellende Kuns G az) • P o . D . Klaus Ge eon Beucke s
(Kuns his o isches Ins i u , Ch is ian-Alb ech s-Uni e si ä zu Kiel) • Dipl.-Ing. Jens Ch is ian Hols
(Bau o schung und Denkmalp lege, Hoisdo /S alsund) • P o . D . Ka h in Ki sch (Musikwissenscha -
liches Ins i u , Ch is ian-Alb ech s-Uni e si ä zu Kiel) • D . Ma hias Ki sch (Musikwissenscha liches
Ins i u , Ch is ian-Alb ech s-Uni e si ä zu Kiel) • D . Cons anze Kös e (Museums ö de ung de Fiel-
mann G oup AG) • P o . D . Ul ich Kude (Kuns his o isches Ins i u , Ch is ian-Alb ech s-Uni e si ä
z
u Kiel) • D . Jochen Lingelbach (Kul u wissenscha liche Fakul ä , Uni e si ä Bay eu h) • P o . D .
Tim Lo en zen (Theologische Fakul ä , Ch is ian-Alb ech s-Uni e si ä zu Kiel) • P o . D . D . D . hc
Johannes Schilling (Theologische Fakul ä , Ch is ian-Alb ech s-Uni e si ä zu Kiel) • P o . D . Be nd
Sponheue (Musikwissenscha liches Ins i u , Ch is ian-Alb ech s-Uni e si ä zu Kiel)

INHALT | BAND 90
ULRICH KNAPP
Spu en ühe Wi scha sbau en in Klos e P ee z  ........................................ 9
ENNO BÜNZ
De Geis liche Ma in Sche e und die S i ung des K euzwegs in Heide  ......  45
Aus dem ki chlichen Leben Di hma schens o de Re o ma ion
PAUL NAWROCKI
Das Ch is kind und de Kaise   .....................................................................
73
Übe legungen zum Bo desholme Al a
ANNA JOLLY
Fü s liche Geschenke  ...................................................................................
89
Pe sische Seidengewebe aus Schloss Go o
MATTHIAS KIRSCH
Das Ballhaus in Kiel (1666–1841) – om Spo haus zum Kul u o   ............. 123
Ges al und Geschich e eines e lo enen Gebäudes
BIRGER PETERSEN
Johann Jacob Pagenda ms S immbüche   ...................................................
143
Ein Bei ag zu Lübecke Ki chenmusikgeschich e
MATTHIAS LASSEN
Klops ock-Ve onungen in Schleswig-Hols ein um 1800  ............................
159
Zum 300. Gebu s ag des Dich e s
CARSTEN SCHOLZ
Züge ohne Go   ...........................................................................................
189
Claus Ha ms übe Bahn ah en und Wall ah en anno 1844
ANNE D. PEITER
Die Wa ussi au dem Wasse   ......................................................................  215
Übe legungen zu kul u -, o og a ie- und li e a u geschich lichen
Quellen eines Schi snamens und seine e hni izie enden Ausdeu ung
RAINER HERING
Gesang und Gesellscha zwischen den Mee en   ........................................  239
Quellen zu Musikgeschich e im Landesa chi Schleswig-Hols ein
OLAF IRLENKÄUSER
Schleswig-Hols einische Li e a u 2023  ......................................................  257
Rezensionen  ...............................................................................................  269
| 9
ULRICH KNAPP
Spu en ühe Wi scha sbau en
in Klos e P ee z
Um 1210/11 s i e e G a Alb ech II. on O lamünde (nach 1182, † 1245) un e Mi wi kung des Lübe-
cke Bischo s Be hold (am . 1210–1230) ein Benedik ine innenklos e , das zunächs an de P a ki che
on P ee z angesiedel wu de.1 Im Zuge de Auseinande se zung zwischen König Waldema II. on
Dänema k, de 1202 die G a scha Hols ein e obe und Alb ech II. on O lamünde mi de G a -
scha belehn ha e, und dem ömisch-deu schen Reich blieb die Klos e s i ung unsiche . Adol IV. on
Schauenbu g bemüh e sich, die G a scha Hols ein ü die Schauenbu ge zu ückzue langen, wäh end
Waldema II. den Ausbau de dänischen Vo mach s ellung wei e be ieb. Nach dessen Ge angennah-
me 1223 konn e Adol IV. 1224 die no delbischen Gebie e de G a scha zu ückgewinnen. Alb ech
II. on O lamünde ge ie in Ge angenscha . E s nach dem Ve zich Waldema s au die Gebie e zwi-
schen Eide und Elbe 1225 e lang e diese wiede die F eihei . Un e züglich be ieb e jedoch die An-
nullie ung seines Eids. Paps Hono ius III. (am . 1216–1227) lös e am 26. Juni 1226 Waldema II. on
seinem Eid, de nun seine sei s Vo be ei ungen a , Hols ein zu ückzue obe n. In diese Si ua ion
bes ä ig e de Schauenbu ge Adol IV. am 29. Sep embe 1226 die Klos e s i ung und bezeichne e
sie als eigenes We k.2 Nach de Schlach on Bo nhö ed (1227), die ü König Waldema II. on Dä-
nema k und den on ihm eingese z en G a en on Hols ein, Alb ech II. on O lamünde, ungüns ig
e lau en wa , e olg en wei e e Bes ä igungen de Klos e s i ung und ih e Besi zungen: 1232 wu de
die Bes ä igung de S i ung Adol s IV. du ch Kaise F ied ich II. bes ä ig . Als Zeugen we den die
E zbischö e on Mainz, Salzbu g und Magdebu g sowie wei e e Bischö e und geis liche wie wel liche
Wü den äge genann .3 In demselben Jah wu de das Klos e du ch He zog Alb ech on Sachsen4
und Bischo Johannes I. on Lübeck (am . 1230/31–1247) bes ä ig .5 Die päps liche Bes ä igung des
Klos e s du ch Paps G ego IX. (am . 1227–1241) da ie om 26. Augus 1236.6
1 Klos e a chi P ee z (im Folgenden KlA P ee z) I A a 4; VII A (Bochol sches Regis e ), S. 35–37. – Rosenplän e 2009, S. 33–40. –
P ange 2014, S. 47, 56. – Hilleb and/Rosenplän e 2019, S. 342–345. – Die Da ie ung de S i ung e gib sich aus de Be eiligung
des Lübecke Bischo s Be hold. Dami is nich ausgeschlossen, dass die Planung zu Klos e s i ung be ei s ühe einse z e.
Aus de Da ie ung de ollzogenen S i ung olgen die modi izie en Am szei en de ühen Klos e p öps e.
2 Jessien 1839, S. 197–199, N . VII.
3 Jessien 1839, S. 200, N . VIII.
4 Jessien 1839, S. 200–203, N . IX und S. 202–203, N . X.
5 Jessien 1839, S. 203–205, N . XI.
6 Jessien 1839, S. 206–207, N . XIV.
Kiel-UP •
h ps://doi.o g/10.38072/2941-3362/p11
16 | No delbingen 90
Be ei s die äl es e e hal ene Klos e echnung37 aus dem Jah 1389 en häl um ang eiche Ein äge
zu Baumaßnahmen, zumeis zum »slaphus«, also dem Do mi o ium de Nonnen. Fo mulie ungen
wie »I em ca pen o ii 1 m pe domo e o manda […] I em pe egulis deme dedi x ß« e weisen au
wei e e um ang eiche A bei en im Klos e be eich.38 Die Rechnungen lis en zwa de aillie alle Aus-
gaben ü Bauma e ial und Handwe ke au , doch ehl meis ein Hinweis au die Gebäude, ü die
diese Au wendungen ge ä ig wu den. Nu Ausgaben ü die Klos e ki che und ü das Kon en ge-
bäude we den häu ige konk e isie .39 De Ko nspeiche wi d wohl e s mals in de Klos e echnung
1412/13 genann . Damals wu de das Dach des Gebäudes bes iegen, d.h. kon ollie , und epa ie .40
Da es sich dabei um Wa ungs- und Repa a u a bei en handel , dü e das Gebäude deu lich äl e
gewesen sein. Eben alls 1412/13 is de Neubau eines Gas hauses beleg .41 Auch ein neue Ma s all
wu de in diesem Jah e ich e .42 Neben dem Ma s all gab es einen Fohlens all,43 einen Scha s all44
und einen Hühne s all.45 In den Jah en 1471 und 1472 is de Neubau eines wei e en S alls doku-
men ie .46 In den 1430e Jah en wi d an eine Ziegelei inne halb des Klos e bezi ks gea bei e : 1434
wi d die Ziegelscheue e bau und de B enno en epa ie .47 Regelmäßig inden sich Wa ungsa bei-
en ü das Backhaus und die Klos e küche(n). Auch ein B auhaus wi d genann .48 Die egelmäßig
bescha en neuen Mühls eine können ü die Klos e mühle an de Schwen ine ode ü eine Mühle
beim Backhaus bes imm gewesen sein.49 Auch ein Fische haus is im Klos e dokumen ie .50
Im heu igen Bes and gel en nach den Abb üchen 1927 und dem B and 1959 die äl e en Wi -
scha sgebäude des Klos e s als ze s ö . Lediglich ü Teile de sogenann en Langen Reihe wi d
noch eine En s ehung im ausgehenden Mi elal e in E wägung gezogen.51 Das bis zum Umbau 1927
37
Die Klos e echnungen (KlA P ee z, Bes and VIII A) we den auch als P ops en echnungen bezeichne , da sie in de Regel om
Klos e p ops ge üh wu den. Vo Ein üh ung de Re o ma ion wu den diese Rechnungen zei weise, e wa un e P iö in Anna
on Buchwald (am . 1484-1508) auch on den P iö innen ge üh . Diese Rechnungen sind im A chi un e den Klos e - (P ops-
en-) echnungen e zeichne . Teilweise gib es eine pa allele Rechnungs üh ung on P ops und P iö in. Nach de Umwandlung
in ein hochadeliges e angelisches S i wu de die Kassen üh ung schä e ge enn . Die Klos e echnungen wu den nun aus-
schließlich om Klos e p ops ge üh , sind abe egelmäßig mi eine App oba ion de jeweiligen P iö in e sehen. Im 18. Jah -
hunde wu den on den Klos e echnungen jeweils zwei Exempla e ange e ig , on denen jeweils eines beim Klos e p ops
und eines bei de P iö in e blieb. Die Rechnungsbeilagen e blieben wohl beim Klos e p ops bzw. beim Un e p ops . Die se-
pa a en Ki chen echnungen (KlA P ee z, Bes and V E) wu den on de P iö in ge üh . Sie sind e s ab 1723 als geschlossene
Bes and übe lie e . Äl e e F agmen e weisen da au hin, dass es be ei s da o sepa a e Ki chen echnungen gab. Von diesen zu
un e scheiden sind die P iö innen echnungen (KlA P ee z, Bes and VIII B), in denen die de P iö in zus ehenden Einnahmen und
de en Ve wendung e zeichne sind. Sie we den, beginnend mi 1540/42 im A chi als eigene Bes and (VIII C) ge üh .
38 KlA P ee z VIII A 1, Bd. 1, ol. 4 .
39 Knapp 2024a, S. 200–206.
40 KlA P ee z VIII A 1, Bd. 3, ol. 14 .
41 KlA P ee z VIII A 1, Bd. 3, ol. 15 .
42 KlA P ee z VIII A 1, Bd. 3, ol. 14 .
43 KlA P ee z VIII A 1, Bd. 65, ol. 10 .
44 KlA P ee z VIII A 1, Bd. 38-2, ol. 8 ; Bd. 91, ol. 12 .
45 KlA P ee z VIII A 1, Bd. 58, ol. 4 .
46 KlA P ee z VIII A 1, Bd. 68-1, ol. 8 ; Bd. 70-2, ol. 6 .
47 KlA P ee z VIII A 1, Bd. 24, ol. 3 -3 , 4 (blau) bzw. 12 –12 , 11 ( o ).
48 KlA P ee z VIII A 1, Bd. 91a, ol. 11 .
49 KlA P ee z VIII A 1, Bd. 111-7, ol. 8 ; Bd. 80, ol. 14 .
50 KlA P ee z VIII A 1, Bd. 62-1, ol. 4 ; Bd. 65, ol. 1o .
51 S ocks 2012, S. 60.

U. Knapp: Spu en ühe Wi scha sbau en in Klos e P ee z | 17
als Ko nhaus bezeichne e Gebäude Klos e ho 6 gil als Neubau on 1585.52 Die Klos e echnung
1584/85 nenn um ang eiche Ausgaben ü die Mau e , die Ve besse ungen am Ko nhaus, am Pas-
o enhaus und an dem Haus am Damm o genommen haben. De Wo lau de Ein agungen leg
nahe, dass es sich dabei um Umbau en und nich um Neubau en gehandel ha .53 1626 schließlich
is ausd ücklich on einem Neubau des Ko nhauses die Rede.54
De Komplex Klos e ho 4 und 5
Als äl es e im Ke n e hal ene Bau en au dem Klos e ho gel en heu e die beiden aneinande s o-
ßenden Gebäude Klos e ho 4 und 5 (
Abb. 5
).55 Die beiden Gebäude heben sich mi ih en hohen
und s eilen Däche n om üb igen Gebäudebes and im Klos e ab. Das Dach on Klos e ho 4 besi z
zudem an de Wes sei e einen Walm, de das Gebäude besonde s al e ümlich e scheinen läss . Die
Fassaden beide Gebäude wu den wiede hol e ände , so dass sich an ihnen heu e nu schwe ih
a sächliches Al e ablesen läss . Beide Gebäude haben unge äh dieselbe B ei e, sind abe leich
gegeneinande e schwenk . Klos e ho 4 is ge ing ügig nach Wes en ged eh . An de Rücksei e be-
si zen beide Gebäude E wei e ungen aus de Ba ockzei . Klos e ho 5 is zudem zumindes eilweise
un e kelle , wobei die Un e suchungen hie nich abgeschlossen sind. Die g oße Übe aschung e -
gab sich bei de Begehung de Dachwe ke de beiden Gebäude.
Das Dachwe k on Klos e ho 5 (
Abb. 6
) is ein Spa endach mi d ei Kehlbalkenlagen und um-
ass im Ke nbes and ach Gebinde. Die Gebinde sind on Süd nach No d du chgezähl ; die Wes sei e
is zudem du ch eine Sei enma kie ung ausgezeichne . Die Gebinde 1 bis 5 haben ih e Bundsei e
au de Südsei e, die Gebinde 6 bis 8 au de No dsei e. Die Kehlbalken sind mi Ve sa zblä e n mi
sch äge B us mi den Spa en e bunden.56 Die Spa en sind in die Deckenbalken eingezap . Die
Spa enabs ände sind mi 108 bis 140 cm ela i wei . Bohlens a ke Wind ispen dienen de Längs-
auss ei ung des Dachwe ks. Die Wind ispen sind mi geschmiede en Eisennägeln au genagel , wobei
52 Hi sch eld 1937, S. 166. – S ocks 2012, S. 61.
53 KlA P ee z VIII A 6 (unpaginie ).
54 KlA P ee z VIII A 10, Klos e echnung 1625/26: »Nickel Maue mann on Schloßwieg, das e an dem newen Ko nhause mi 2
Gesellen und einem Kalchschlage 20 age gea bei e , dem Meis e des ageß 1 h., dem gesellen jeden 14 ß, unnd dem Kalch-
schlage 10 ß is 67 h 8 ß […] Pe e Maue mann o gedach es Ko nhauß /: weilen de o ige da übe ges o ben :/ on newem
wiede umb e dungen, unnd demselben ü daßelbige genzlich e ig zumachen, Zugesag und bezahl 220 h. […] A nol
Mülle n in Lübeck bezahl 13 000 Pannen, so u das newe Ko nhauß kommen, iedes ausend 20 h is 260 h. […] Vo 16 000
Maue s ein zue dem Ko nhause, dan auch o 1500 Ah s ack, wo mi de Knech e Losamen übe leg wo den, jedes hunde
21 ß is 229 h 11 ß. […] Vo Eichen b e e u dem newen Ko nboden geben 587 h 6 ß 6 d.«
55 Die eindeu ige Benennung de Gebäude is inso e n e schwe , als das südliche Gebäude (Klos e ho 4) im Be eich de beiden
nö dlichen Fens e achsen im 18. Jah hunde umgebau und mi einem eigenen Eingang e sehen wu de, de heu e mi de
Hausnumme 5 e sehen is . De Zugang zu dem nö dlich anschließenden Gebäude is unbezeichne und e schließ zudem ein
schmales giebels ändiges Gebäude, das keinen eigenen Zugang om Klos e ho aus besi z . Die sich wei e nach No den an-
schließende Gebäudeg uppe äg die Hausnumme n 6a–c. Da die al e Klos e e wal ung un e Klos e ho 5 i mie e, wi d im
Folgenden die Bezeichnung Klos e ho 5 ausschließlich au dieses Gebäude bezogen und de abge enn e Teil on Klos e ho
4 un e diese Bezeichnung ge üh . Das schmale Gebäude nö dlich on Klos e ho 5 gehö kons uk i zu Klos e ho 6 und
wu de wohl 1626 e ände . – S ocks 2012, S. 61.
56 Bei de Benennung de Kons uk ionshölze und de Holz e bindungen wu de die 2. Au lage on Vo indus ielle Holzbau
[…] Te minologie und Sys ema ik, Heidelbe g 2023, e wende , da diese die bislang de aillie es e Ausdi e enzie ung de
un e schiedlichen Kons uk ionsde ails au weis . Lokale his o ische Bezeichnungen e weisen sich o als Sammelbeg i e,
die dann ausdi e enzie we den müssen. – Die hie ange o ene Bla o m wi d in de Li e a u auch als Weichschwanzbla
ode einsei iges Schwalbenschwanzbla mi Ve sa z bezeichne . Die mögliche un e schiedliche Aus o mung des Ve sa zes,
ge ade ode sch äg, bleib dabei in de Regel unbe ücksich ig .
18 | No delbingen 90
diese ungewöhnlich ausge o m e Köp e au weisen. De un e s e Kehlbalken des Gebindes 8 wu de
im Zuge eines spä e en Umbaues e was nach oben e se z . Die Gebinde unmi elba o dem No d-
und dem Südgiebel gehö en nich zum bauzei lichen Dachwe k und wu den spä e hinzuge üg .
Eine nach äglich einge üg e i s hohe T ennwand un e eil heu e den Dach aum. Die Abbundzei-
chen des Dachwe ks bes ehen aus Zählzeichen in Fo m on S ichen und eine Sei enma kie ung
du ch einen que zu den Zählzeichen e lau enden S ich (
Abb. 7
). Diese Abbundzeichen und o
allem auch die A de Sei enma kie ung en sp echen den Abbundzeichen an den Abbundeinhei en
des Dachwe ks übe dem Mi elschi de Klos e ki che. Hölze de e s en und zwei en Abbundein-
hei jenes Dachwe ks sind dend och onologisch au 1325 +/- 5 da ie .
Das Dachwe k übe dem Mi elschi und dem Cho joch de Klos e ki che bes eh aus eine Ab ol-
ge on sieben Abbundeinhei en. Mi Ausnahme de siebenjochigen e s en Abbundeinhei bes ehen
diese jeweils aus sechs Gebinden, on denen das e s e und das sechs e jeweils als Vollgebinde, die
ie dazwischenliegenden als Lee gebinde ausgebilde sind. Die Gebinde eine Abbundeinhei sind
jeweils mi Zählzeichen, zumeis in Fo m on langen S ichen, im Einzel all auch in Fo m on qua-
d a ischen Auss ichen, Kan enaushieben ode eingehauenen Winkeln, und mi Sei enma kie ungen
e sehen. Le z e e olgen in de Regel du ch einen zusä zlichen Que s ich, de ech winklig ode
diagonal die Zählzeichen du chschneide ode einsei ig an diesen anlieg (
Abb. 8
). Die Cha ak e is ik
de Abbundzeichen im Ki chendach und jenen im Dach on Klos e ho 5 is nahezu iden isch.
Da auch die Ausbildung de Blä e bei den Kehlbalken, Ve sa zblä e mi sch äge B us , eng e -
wand is , lieg nahe, dass dieses Dachwe k eben alls aus de e s en Häl e bis Mi e des 14. Jah hun-
de s
s ammen kann.57 De selben Bauphase wie das Dachwe k gehö de südliche Backs eingiebel
57 Vgl. Knapp 2024b (im D uck).
Abb. 5: P ee z, Klos e ho 4 und 5, Ansich on Süden. Fo o 2024: Ul ich Knapp. Alle Rech e o behal en.
U. Knapp: Spu en ühe Wi scha sbau en in Klos e P ee z | 19
(Abb. 9) an, de u sp ünglich ei s and, d.h. seine Südsei e bilde e die Außensei e des Gebäudes
Klos e ho 5. De Giebel weis Fens e ö nungen mi segmen bogigem S u z au . In de un e en Ebe-
ne des Dach aums sind diese e gleichsweise b ei , in de zwei en Ebene sind die Fens e deu lich
schmale . Un e halb des Giebelmaue we ks kann man noch die S ü ze on mindes ens zwei Fens-
e n im Obe geschoss des zweigeschossigen Gebäudes e kennen. Da de mi le e Be eich des Giebels
heu e au beiden Sei en du ch spä e angebau e Kamine e deck wi d, kann nich ausgeschlossen
we den, dass das Gebäude in den Vollgeschossen u sp ünglich d ei Fens e achsen an de Schmal-
sei e au gewiesen ha . Die S eine de ge as en äuße en Fens e gewände sind geschni en und weisen
au allend gla e Obe lächen au .
↑ Abb. 6: P ee z, Klos e ho 5, Blick in das Dachwe k. Fo o
2024: Ul ich Knapp. Alle Rech e o behal en.
↑↑ Abb. 7: P ee z, Klos e ho 5, Dachwe k. Abbundzeichen
mi Sei enma kie ung. Fo o 2024: Ul ich Knapp. Alle Rech e
o behal en.
↑ Abb. 8: P ee z, Klos e ki che, Dachwe k übe dem Mi elschi .
Abbundzeichen mi Sei enma kie ung. Fo o 2021: Ul ich Knapp.
Alle Rech e o behal en.
↑↑ Abb. 9: P ee z, Klos e ho 5, Südgiebel, Ansich on No den.
Fo o 2024: Ul ich Knapp. Alle Rech e o behal en.
20 | No delbingen 90
De Südgiebel on Klos e ho 5 s and e mu lich einige Zei ei, da die Ve ugung des Maue we ks
Repa a u en und E gänzungen au weis . An den Fens e ö nungen sind un e schiedliche Typen und
Fo men on Fens e s ü zen zu beobach en. Zum Ke nbes and zählen die beiden Ö nungen in de
Giebelspi ze mi ih en au gemaue en Segmen bogens ü zen (Abb. 10). Als Wide lage ü die S ü ze
dienen keil ö mig zuge ich e e Fo ms eine. Die Fo ms eine des S u zes sind an de Schmalsei e e wa
zu Häl e abge as . Dieselben Fo ms eine wu den an den Gewänden im Wechsel mi Binde n, die
en sp echend abge as e Ecken au weisen, e se z . Nach dem Anbau on Klos e ho 4 wu den die
Fens e on de No dsei e aus mi Abb uchma e ial, un e ande em on einem Kamin, zugese z . Die
↑ Abb. 10: P ee z, Klos e ho 5, Südgiebel, wes liche obe e Be eich, Ansich on Süden. Fo o
2024: Ul ich Knapp. Alle Rech e o behal en.
↑ Abb. 11: P ee z, Klos e ho 5, Südgiebel, ös liche un e e Be eich, Ansich on Süden. Fo o
2024: Ul ich Knapp. Alle Rech e o behal en.
U. Knapp: Spu en ühe Wi scha sbau en in Klos e P ee z | 21
Fugen zeigen einen hellen gipshal igen Mö el,58 de mi de Kelle gla ges ichen wu de. Die beiden
Fens e in de un e en Nu zungsebene des Dachs sind un e schiedlich ausge üh . Das wes liche Fens-
e (Abb. 10) e üg übe einen segmen bogigen S u z aus Fo ms einen e gleichba jenen an den
beiden obe en Giebel ens e n. Eingeschobene B e e s ei en die Fens e ö nung in Höhe des Segmen -
bogenansa zes aus. Die Fens e ö nung selbs wu de zu einem spä e en Zei punk nach un en e län-
ge , um einen Du chgang zu dem Gebäude Klos e ho 4 zu scha en. Dies dü e o de E ich ung
de nö dlichen Anbau en e olg sein. Spä e wu de die Ö nung in zwei E appen wiede zugese z .
Beim ös lichen Fens e (
Abb. 11
) is die Fens e ö nung deu lich schmale und de S u z wu de aus
Volls einen au gese z . Un e halb des gemaue en S u zes is ein hölze ne S u z einge üg . De Raum
zwischen den beiden S ü zen is mi Backs einen au ge üll . De Fugenmö el weis einen Kellens ich
au . Das Fens e e üg zudem übe eine eingemö el e hölze ne Sohlbank.
Die beiden om Dachboden des Gebäudes Klos e ho 4 aus eilweise sich ba en gemaue en
S ü ze
de Obe geschoss ens e sind aus Volls einen au gemaue (Abb. 12). Das wei e e Giebelmau-
e we k is du ch das heu e anschließende Gebäude e deck . Die Wes wand des Gebäudes besi z bis
heu e eine spi zbogige Tü ahmung und zwei segmen bogige Fens e ö nungen, die sich jedoch on
58 Be ei s in de äl es en e hal enen Rechnung, de Klos e echnung on 1389 (KlA P ee z VIII A 1) sind Ausgaben ü Sege-
be ge Kalk (Gips) und Go lände Kalk e zeichne . Mö elanalysen on An je Rinne und Hend ik Visse liegen ü den To so
des Kon en gebäudes und den nö dlichen Mi elschi s ebep eile de Wes assade o . An de Klos e ki che konn en eine
Gipsmö el, Gips-Kalk-Mö el und eine Kalkmö el es ges ell we den. – Ich danke de Ve wal ung on Klos e P ee z ü die
Möglichkei , die Mö elgu ach en einsehen zu dü en.
Abb. 12: P ee z, Klos e ho 5, Südgiebel, Ansich on Süden, unmaßs äbliche Bildmon age.
Fo os und Mon age 2024: Ul ich Knapp. Alle Rech e o behal en.
Abb. 13: P ee z, Klos e ho 5, Wes wand. Fo o
2024: Ul ich Knapp. Alle Rech e o behal en.

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de
Ges al ung de Fens e gewände am Südgiebel un e scheiden und Umbauphasen zuzuo dnen
sind (Abb. 13). Beme kenswe e weise is das nu eilweise im Al bes and e hal ene Tü gewände
aus auen Maue s einen au gemaue , so dass auch hie be ech ige Zwei el an de Zugehö igkei
zum u sp ünglichen Baubes and bes ehen. An de Os wand zeichne sich übe dem d i en E d-
geschoss ens e ( on Süden) de Ausb uch eines spi zbogigen Gewändes ab. Alle Fens e - und Tü -
ö nungen des E dgeschosses s ammen aus jünge e Zei . Auch die heu igen Obe geschoss ens e
sind nich bauzei lich.
Das südlich anschließende Gebäude weis einen e was nied ige en Que schni au , so dass de
Südgiebel on Klos e ho 5 das Dach on Klos e ho 4 e was übe ag . De Dachansa z is an den
Giebel on Klos e ho 5 angemö el (
Abb. 14
). Obe halb dieses Dachansa zes zeig die Ve ugung
↑ Abb. 14: P ee z, Klos e ho 5, Südgiebel. Ansa z des Daches on
Klos e ho 4. Fo o 2024: Ul ich Knapp. Alle Rech e o behal en.
↑↑ Abb. 15: P ee z, Klos e ho 4, Blick in das Dachwe k. Fo o
2024: Ul ich Knapp. Alle Rech e o behal en.
↑ Abb. 16: P ee z, Klos e ho 4, Dachwe k. Abbundzeichen mi Sei-
enma kie ung. Fo o 2024: Ul ich Knapp. Alle Rech e o behal en.
↑↑ Abb. 17: P ee z, Klos e ho 4, Blick in den Walm. Fo o
2024: Ul ich Knapp. Alle Rech e o behal en.
U. Knapp: Spu en ühe Wi scha sbau en in Klos e P ee z | 23
des Backs einmaue we ks deu liche Abwi e ungsspu en. De o iginale obe e Abschluss des Giebels
is nich e hal en
.
Das Gebäude Klos e ho 4 is e wa so b ei wie Klos e ho 5, abe leich nach Südwes en e -
schwenk . Seine Fassaden sind s a k e ände . De Südgiebel des Gebäudes is komple aus klei-
ne en Backs einen au gemaue und en s amm einem Umbau. De Dach aum is heu e du ch eine
jünge e T ennwand un e eil . Au dem Gebäude be inde sich ein Dachwe k, das ausweislich des
Anschlusses an den Südgiebel on Klos e ho 5 als das bauzei liche Dachwe k on Klos e ho 4 an-
zusp echen is . Es handel sich um ein Spa endach mi d ei Kehlbalkenlagen (Abb. 15). Die e s e
Kehlbalkenlage is mi den Spa en e zap ; die zwei e und d i e is jeweils mi den Spa en e -
bla e . Die Spa en selbs sind in die Dachbalken eingezap . Die Abbundzeichen an den Kons uk-
ionshölze n des Dachwe ks un e scheiden sich on jenen an Klos e ho 5. Von No den beginnend
sind die Gebinde mi ömischen Zi e n du chgezähl . Die Sei enma kie ung be inde sich an de
Os sei e. Sie e olg en wede du ch eine ande sa ige Aus o mung de Zählzeichen – Käs chen s a
S iche – ode du ch einen angehäng en Sch ägs ich (Abb. 16). Das le z e komple e hal ene Ge-
binde äg das Abbundzeichen »VIII«. Nach Süden hin ende das Dach mi einem Walm. Die Kons -
uk ionshölze des Walms sind wiede e wende (Abb. 17). Zum übe wiegenden Teil handel es sich
um ehemalige Spa en, an denen sich die Anb ingung de Dachla en noch deu lich abzeichne . Man
kann auch noch einzelne Abbundzeichen in Fo m ömische Zi e n e kennen.59 Die höchs e lesba e
Zi e lau e »XVI«. Da die Fo m de Abbundzeichen jenen de Ma kie ungen au dem Dachwe ks o -
so on Klos e ho 4 en sp ich und auch die Holzque schni e e gleichba sind, lieg es nahe, dass
de Walm aus Al holz on dem Gebäude abgezimme wu de. Nimm man die höchs e e kennba e
Zählma ke als ielleich le z es Gebinde des Abbunds an, so gelang man zu einem Dachwe k on
mindes ens sechzehn Gebinden, das bei de Zug undelegung de Spa enabs ände an dem e hal e-
nen Teil des Dachwe ks eine Länge on e wa 23,80 m au gewiesen hä e.60
Aus de zwei en Häl e des 18. Jah hunde s is ein Lageplan on den Wi scha sgebäuden im
südlichen Teil de Klos e anlage e hal en (Abb. 36). An das Ko nhaus Klos e ho 6 schließen sich
die Gebäude Klos e ho 5 und Klos e ho 4 an. Anhand de wes lichen Anbau en kann de No dab-
schluss on Klos e ho 4 mi hin eichende Siche hei bes imm we den. Füg man nun in den Plan
ein Gebäude mi de e schlossenen u sp ünglichen Länge on Klos e ho 4 ein, so übe deck sich
dies mi dem do da ges ell en Gebäude, an das sich das äl e e Pas o enhaus anschloss. Da dessen
südliche Abschluss auch die Südg enze des heu igen ba ocken Pas o enhauses o gib , muss e ein
Teil on Klos e ho 4 abgeb ochen we den, um 1795 den spä ba ocken Neubau on Klos e ho 3 e -
ich en zu können. De O iginalplan zu Klos e ho 3 ha sich im P ee ze A chi e hal en.61 De neu
au gemaue e Südgiebel om Klos e ho 4 und de aus zwei e wende en Hölze n abgezimme e
Walm des Gebäudes da ie en dami in die Bauzei des Pas o enhauses.
59 Bei de Objek begehung wa de Walm selbs nich zugänglich. In de un e en Dachebene sind hie nach äglich Kamme n
eingebau wo den, so dass die Kons uk ion in de e s en Nu zungsebene des Dach aums komple e deck is .
60 Vgl. Knapp 2024b (im D uck).
61 KlA P ee z, Plansch ank. – KlA P ee z D III b: Be echnung de Zum Bau des neuen Klos e P edige Haus in dem Jah e 1795 und
1796 e wand en Kos en.
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De No dgiebel des Gebäudes Klos e ho 5
Das Dachwe k on Klos e ho 5 s öß im No den gegen einen Backs eingiebel (Abb. 18), de deu lich
äl e is als das nach Süden anschließende Dachwe k. Im mi le en Be eich is de Giebel du ch einen
b ei en, o den Giebel gemaue en Kamin e deck . Ös lich des Kamins be inde sich ein jünge e
Tü du chb uch, übe den de Dach aum heu e zugänglich is . Ös lich des Tü du chb uchs gib es
eine g öße e Repa a u s elle (Abb. 19). In die do e bau en Backs eine is die Insch i »Anno 1671«
einge i z (Abb. 20).62
62 Die Klos e echnung 1670/71 is leide e schollen.
Abb. 18: P ee z, Klos e ho 5, No dgiebel,
Ansich on Süden, unmaßs äbliche Bildmon-
age. Fo os und Mon age 2024: Ul ich Knapp.
Alle Rech e o behal en.
Abb. 19: P ee z, Klos e ho 5, No dgiebel, Ansich on Süden, Re-
pa a u s elle mi Da ie ung 1671. Au nahme: Ul ich Knapp 2024.
Alle Rech e o behal en.
Abb. 20: P ee z, Klos e ho 5, No dgiebel. Repa a u insch i
on 1671. Fo o 2024: Ul ich Knapp. Alle Rech e o behal en.
U. Knapp: Spu en ühe Wi scha sbau en in Klos e P ee z | 25
Die Repa a u s eh in einem Zusammenhang mi de Umges al ung des südlichen Abschusses
on Klos e ho 6, dem ehemaligen Ko nhaus des Klos e s. Im Dach aum sieh man noch den süd-
lichen Abschluss eines neuzei lichen Dachwe ks mi Abbundzeichen in Fo m on Fähnchen und
S ichen. De zweiachsige, nach Os en ausge ich e e Risali soll 1626 e bau wo den sein und e üg
übe eine eigens ändiges Dachwe k.63
Die Südsei e diese Giebelmaue is s a k elie ie und mi Spi zbogen, Blendnischen, e ikalen
Vo lagen und ho izon alen Absä zen gegliede (Abb. 21). Die au wendige Ges al ung e weis da -
au , dass diese Sei e de Giebelmaue als Ansich ssei e geplan wa . Die No dsei e de Giebelmaue
weis eine gla e, ungegliede e Maue obe läche au und wu de wiede hol epa ie . Die Maue is
aus Backs einen im Fo ma 29 x 14 x 8,5–9 cm au gemaue . Die S eine wu den aus Ton mi Me -
geleinschlüssen ge o m .64 Die e bau en S eine wu den bei seh un e schiedlichen Tempe a u en
geb ann . Als Ve sa zmö el kann ein g aue Gipsmö el beobach e we den, wie e auch an den
äl es en Teilen de Wes wand de Klos e ki che e wende wu de.
Die Gliede ung de Südsei e e olg du ch b ei e und schmale halbs einige Vo lagen, wobei die
Wandges al ung d eischich ig au gebau is . Die o de s e Schich um ass halbs einige Vo lagen
on de B ei e eines halben S eins. In die Wand elde sind jeweils paa weise angeo dne e spi zbo-
gig geschlossene Wandnischen einge ie . Auch diese Nischen sind einen Halbs ein ie , so dass die
Gesam ie e zwischen o gese z e Gliede ung und Wandnische e wa eine S einlänge be äg . An
de wes liche Häl e des Giebels sind d ei Ebenen solche Nischen ablesba . Von de un e en Ebene
sind nu die spi zbogigen Abschlüsse de Nischen ku z obe halb des Dachbodens sich ba . Da übe
olgen in zwei Ebenen in olle Höhe e hal ene Nischen. Res e eines obe en Giebelabschlusses sind
an keine S elle e kennba . Nach dem Be und müss e de u sp üngliche Giebel deu lich höhe als
das heu ige Maue we k gewesen sein. Ös lich des Kamins sind un e halb des heu igen Tü du ch-
b uchs die Spi zen on zwei Blendnischen sich ba . Nach Os en schließ sich eine halbs einige Vo -
lage mi eine B ei e on 1 ½ Maue s einen an. Ös lich und obe halb diese Vo lage is nach dem
Be und Maue we k aus jünge en Bauphasen e hal en (Abb. 22). Alle Gliede ungselemen e wu den
aus auen Maue s einen au gese z . Die Nischen spiegeln die Nu zungsebenen de e lo enen Bin-
nenkons uk ion des Gebäudes wide .
63 S ocks 2012, S. 61. – Nich auszuschließen is alle dings ein spä e e Umbau. Das Dachwe k hin e dem nach Os en ausge ich-
e en Giebel dü e aus dem 19. Jah hunde s ammen. In diese Zei da ie auch das halb unde Fens e im Os giebel.
64 Vgl. S ehl 2013, S. 78.
Abb. 21: P ee z, Klos e ho 5, No dgiebel, An-
sich on Süden, un e e wes liche Be eich. Fo o
2024: Ul ich Knapp. Alle Rech e o behal en.
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siebenachsige Fassadengiebel e üg en die Gebäude Al s aße 11 (Abb. 30)82 und Fischs aße 19.83
Wei e wä en die sei lichen Wes giebel des Lübecke Heilig-Geis -Spi als zu nennen. Die eben alls
zum Heilig-Geis -Spi al gehö enden Häuse Kobe g 10 und 11 wu den bis e wa 1289/90 e ich e .84
Das um 1300 e bau e Haus Mühlens aße 37 (Abb. 31) e üg e übe ün u sp ünglich spi zbogig ge-
schlossene Wand elde , die geschossweise spi zbogige Bi o ien au wiesen.85 Die G unds uk u dieses
Giebels s eh dem 1942 ze s ö en Rückgiebel des Gebäudes D .-Julius-Lebe -S . 7 in Lübeck nahe.86
Im Typus ähnlich, abe mi d ei eiligen Gliede ungen is de Rückgiebel on Königs aße 25 ge-
s al e . Das Gebäude is 1268 (d) da ie .87 Ähnlich wa en die Rückgiebel on Königs aße 31,88 B ei e
82
Fo o Ma bu g mi06971g09. – Hols 2016, S. 468–469, Abb. 31 c, um 1280/90. Das Gebäude wu de 1942 ze s ö . – BAS
AA.01, S. 28–29.
83 Fo o Ma bu g mi06974g12. – Hols 2016, S. 468–469, Abb. 31 d mi eine Da ie ung um 1280/90. Das Gebäude b ann e 1942
aus. De Giebel wu de abgebau und 1953 am Gebäude Mengs aße 6 in e ände e Fo m wiede au gebau . – Vgl. Dehio
Hambu g – Schleswig-Hols ein, S. 621.
84 Fo o Ma bu g mi 06977b04. – Dehio Hambu g – Schleswig-Hols ein, S. 609–610.
85 Fo o Ma bu g mi 06978g02. Die Hochblenden wu den spä e abge agen und die spi zbogigen Abschlüsse de Wand elde
du ch die neuen Giebelsch ägen beschni en. Das Gebäude wu de 1893 abgeb ochen. – BAS AM.07, S. 14.
86 Fo o Ma bu g mi06974a10. – BAS AD.02, S. 3: Rückgiebel go isch.
87 Dehio Hambu g – Schleswig-Hols ein, S. 616. – Lübecke Nach ich en om 31. Juli 2018,
h ps://www.ln-online.de/Lokales/
Luebeck/F eie -Blick-au -den-Rueckgiebel-des-Haus-Eden
(18.9.2024).
88 Fo o Ma bu g mi06977d05. – Hols 2016, S. 444–445, Abb. 15 a. – Das Gebäude wu de um 1886 abgeb ochen.
Abb. 31: Lübeck, Mühlens aße 37, Zus and o Ab-
b uch 1893. Rep oduk ion nach S uck 1908, S. 13.
Abb. 32: Lübeck, Hundes aße 94, S aßenansich . Fo o 2024: Ul ich
Knapp. Alle Rech e o behal en.

U. Knapp: Spu en ühe Wi scha sbau en in Klos e P ee z | 33
S aße 7189 und de Vo de giebel des be ei s 1837 abgeb ochenen Gebäudes D .-Julius-Lebe -S aße 8
( ühe Johanniss .).90 Die le z genann en Beispiele belegen, dass Giebelges al ungen mi schlanken
einge ie en Wand elde n mi meh eiligen Ö nungen ode Nischen in meh e en Ebenen um 1300
be ei s au eine länge e T adi ion zu ückblicken konn en. Von den genann en Beispielen un e schei-
de sich die hie ekons uie e P ee ze Fassade jedoch in de Dimensionie ung de Vo lagen: Halb-
s einb ei e Vo lagen zwischen den sei lichen Wand elde n und deu lich b ei e e Vo lagen sei lich des
mi le en Wand eldes. Die lübischen Beispiele e ügen in de Regel übe deu lich b ei e e Vo lagen
ohne eine Hie a chisie ung. Eine Ausnahme schein hie das Gebäude Hundes aße 90 zu bilden,
bei dem eben alls halbs einige Vo lagen die Wand elde ennen. Die Vo lagen e ügen jedoch übe
einen halbk eis ö migen Que schni . Die aus no malen Maue s einen gebilde en Vo lagen des P ee -
ze Giebels bilden hie eine wei e e Ve ein achung. Die Wand elde e ügen wie in P ee z übe ge-
koppel e spi zbogige Nischen ode Fens e ö nungen, die im Zuge spä e e Umbau en geschlossen
wu den. Die Fassade des Lohge be hauses wi d noch in das spä e 13. Jah hunde da ie .91 Das
Gebäude zähl zu den ein achen Handwe ke häuse n und man wi d hie wohl mi eine höhe en
Ve lus a e echnen müssen.92
Auch hinsich lich de un e schiedlich b ei en Vo lagen gib es in Lübeck Ve gleichsbeispiele. So
besi z auch das 1284 (d) da ie e Gebäude Hundes . 94 bei den o iginal e hal enen S a eln eben-
alls b ei e Vo lagen sei lich des mi le en Wand elds und schmale Vo lagen zwischen den sei lichen
Wand elde n (
Abb. 32
). De Un e schied in de Vo lagenb ei e is jedoch nich so ausgep äg wie an
dem Gebäude in P ee z.
Schmale Vo lagen inden sich an Fassaden in den Hanses äd en S alsund und G ei swald, doch un-
e scheiden sich diese Bau en in ih e G unds uk u on dem P ee ze Giebel: Meis handel es sich um
eine dich e Folge gleicha ige Vo lagen, e gleichba einem hochgo ischen Ha engiebel, die schmale
Wand elde oneinande ennen und in de Regel oben abge epp enden. Als ein ache Fo m wä e hie
die Giebelges al ung des Ho gebäudes Schills aße 37 in S alsund zu nennen, das 1286 (d) da ie is .93
Zwa sind hie die Vo lagen eben alls nu einen Halbs ein b ei , doch handel es sich um eine gleich-
ö mige Ab olge on spi zbogigen Wand elde n, die lediglich eine Nische ode einem Fens e Raum
bie en. In deu lich g öße em Maßs ab gil dies auch ü den Rückgiebel des um 1300/1320 e ich e en
Gebäudes Mühlens aße 1 in S alsund.94 Auch die 1874 ze s ö en Sei engiebel des S alsunde Fäh o s
zeig en zwa schmale Vo lagen, wa en in ih e engachsigen G unds uk u dem P ee ze Giebel abe
nich e gleichba .95 Auch an Lübecke Rückgiebeln gab es e gleichba e Ges al ungen mi schmalen
Wand elde n, die nu on schmalen Vo lagen ge enn we den. Hols wies hie au einen en sp echen-
den Be und am Rückgiebel de Mengs aße 58 in Lübeck hin, de um 1290/1300 da ie wi d.96
89 Hols 2016, S. 444–445, Abb. 15 b. – Das Gebäude wu de 1903 abgeb ochen.
90 Hols 2016, S. 444–445, Abb. 15 c.
91 Dehio Hambu g/Schleswig-Hols ein, S. 606. – Die Da ie ung nich unwide sp ochen. Bei einem Umbau wu den die sei lichen
Hochblenden e höh und die mi le e Zinne au gese z . Das Dachwe k is au 1490 (d) da ie . Nach einem B and 2001 wu de das
Gebäude 2003/04 wiede he ges ell und dabei die e maue en Ö nungen wiede sich ba gemach . – BAS AH.14, S. 48–49.
92 Nach den his o ischen Au nahmen e üg e auch das 1903 abgeb ochene al e We khaus an S . Ma ien übe einen Giebel mi
seh schmalen Vo lagen zwischen den spi zbogigen Wand elde n.
93 Hols 2016, S. 459.
94 Hols 2016, S. 474. – In keine Weise e gleichba is de Vo de giebel mi seinen p eile ge ahm en zweiachsigen Wand elde n.
95 Hols 2004, S. 137 und Abb. 10.
96 Hols 2004, S. 137.
34 | No delbingen 90
Resümie end kann man es hal en, dass die Ges al ung des P ee ze Giebels deu lich lübische
Elemen e au g ei , mi den halbs einb ei en Vo lagen zwischen den sei lichen Wand elde n abe
eine deu liche Reduk ions o m zeig , die sich deu lich on den halbs einb ei en engmaschigen
gi e a igen Giebelges al ungen in S alsund, Cho in ode an zahl eichen mecklenbu gschen und
pomme schen Ki chen un e scheide . Da auch im Falle de Klos e ki che mi dem inne en Wand-
au iss de Mi elschi wes wand ein deu liches lübisches A chi ek u zi a g ei ba is , lieg eine
en sp echende P ägung auch bei den wei e en Gebäuden des Klos e s nahe. De un e e Be eich
de inne en Wes wand de Klos e ki che zi ie die Wandges al ung de Hallenplanung on S . Ma-
ien in Lübeck aus dem spä en 13. Jah hunde .97 Be ei s Rudlo wies au die Pa allelen bei den
Diens que schni en de e s en P ee ze Planung zu den Diens que schni en de Hallenplanung de
Lübecke Ma ienki che hin.98
Einen Hinweis au die Da ie ung des Giebels lie e das Bauma e ial: Es wu den g oß o ma ige
Backs eine e bau , ü die ein mi Me gelknollen du chse z e Lehm e wende wu de. Dieses Bau-
ma e ial inde man in P ee z auch an den äl es en Bau eilen des Cho s und den äl e en Wandbe ei-
chen de Wes wand. Sowohl an dem agmen a isch e hal enen äl e en Giebel zwischen Klos e ho
5 und Klos e ho 6 als auch an den genann en Bau eilen de Klos e ki che wu de g aue Gipsmö el
als Ve sa zmö el e wende . Bei dem Wiede au bau de Klos e ki che bis zu Au ich ung des Ki -
chendachwe ks 1325 +/- 5 wu den ausschließlich Backs eine aus einhei lich o b ennendem Lehm
e wende . Dies leg den Schluss nahe, dass de hie o ges ell e Giebel eben alls aus de Zei o
1307 s amm . Ein wei e es Indiz is de un e P ops Con ad Bochol (am . 1284/86–1286+/ o
1296) mi de P iö in Adelheidis (dokumen ie 1286) am 21. Janua 1286 geschlossene Ve ag übe
die Ve eilung de Einkün e des Klos e s.99 Diese se z eine oll unk ions ähige Klos e ökonomie
o aus und leg nahe, dass auch die en sp echenden Gebäude schon e ig wa en ode zumindes im
Bau wa en. P ops Con ad Bochol selbs en s amm e wohl eine lübischen Ra s amilie.100
Die Be unde im Be eich des Gebäudes Klos e ho 6
Das Gebäude Klos e ho 6 (
Abb. 33
) weis einen seh he e ogenen Bes and au und wu de 1927
g undlegend umgebau . Aus den Plänen des Kiele A chi ek en Augus Wi e gib sich, dass im
Obe geschoss und im Dachgeschoss de Innenausbau komple e ände wu de. Das Dachwe k,
ein Spa endach mi zwei Kehlbalkenlagen und einem ein achen s ehenden S uhl in de un e en
Dachebene blieb mi Ausnahme des Be eichs mi de g oßen Doppelgaube unange as e . Im Kelle ge-
schoss sind wenige äl e e Wände un e schiedliche S ä ke dokumen ie . Nu eine e was mäch ige e
Wand, die die d ei nö dlichen Achsen ab enn , kann äl e sein.
97 Ellge /Kolbe 1951, S. 17–19. – Ellge 1991, S. 550.
98 Rudlo 1952, S. 80. – Knapp 2023, S. 172–175. – P iewe 2024, S. 229–230.
99 KlA P ee z VII A, S. 58–60. Die Absch i olg unmi elba au die Absch i en de S i ungsu kunden und de diesbezüglichen
bischö lichen Bes ä igungen. De Tex selbs is wohl on dem Sch eibe des Ke nbes ands de Handsch i gesch ieben, die
enge e Sch eibweise leg abe nahe, dass es sich um einen zei genössischen Nach ag handel . – SHRU 5, S. 686-687.
100 Vgl. Lu e beck 2004, S. 206–210, N . 28–34. Kon ad Bochol is un e den Kinde n bzw. Geschwis e n de on Lu e beck au -
ge üh en Ra smi gliede alle dings nich genann .
U. Knapp: Spu en ühe Wi scha sbau en in Klos e P ee z | 35
Das Ko nhaus gil als Neubau on 1585.101 1626 soll de südlichs e Teil umges al e wo den sein.102
Nach einem Ein ag in de P ops en echnung 1584/85 sollen im Somme 1584 Baua bei en am Pas-
o enhaus und am Ko nhaus e olg sein.103
1626 e hiel de Zimme mann Clawes Köhle 300 M »Fü das newe Ko nhauß Zubawen«. Die
Mau e a bei en wu den on dem wäh end de Baua bei en e s o benen Mau e Nickel on Schloß-
wieg (67 M 8 ß) und dem Mau e Pe e (220 M) ausge üh . Fü das Maue we k wu den 16.000
Maue s eine benö ig und ü das Dach wu den 13.000 »Pannen« on A nol Mülle in Lübeck und
wei e e 3.135 on Ch is o Pü ke bezogen. Dem Sch eine Hans Langen wu den 26 M 4 ß » ü
Thü en und Fens e u dem Ko nhause« bezahl .104 Das e hal ene Dachwe k des Ko nhauses, das
mi Abbundzeichen in Ges al on Fähnchen gezeichne is , dü e mi dem 1626 au geschlagenen
Dachwe k iden isch sein. Die Zahl de bezogenen Dachp annen wä e aus eichend ü eine komple -
e Eindeckung on Klos e ho 6.
In den Jah en 1684/86 sind wei e e Ausgaben ü die Ausbesse ung de Ko nböden übe lie e .105
Seine heu ige Ges al dü e de südliche Abschluss des Ko nhauses jedoch e s im spä en 18. ode
ühen 19. Jah hunde e hal en haben.106 1927 wu den in dem mi le en Teil des ehemaligen Ko n-
101 Hi sch eld 1937, S. 166 e wähn Backs eine mi de einge i z en Da ie ung »1585« und den Ini ialen »D.B.«. Die beiden S eine
mi den o dem B and eingeschni enen Insch i en sind heu e mi ig un e halb des Doppele ke s in das Maue we k ein-
gelassen. Das umgebende Maue we k gehö de Umges al ung on 1927 an, so dass sie an diese S elle nich im o iginalen
Ve band e bau sind. – Nach Haup 1926, S. 87 wa en die beiden S eine übe eine Kelle ü e eingebau . Die Ini ialen D.B.
s ehen ü den Klos e p ops Die ich Blome (am . 1584–1590).
102 Hi sch eld 1937, S. 166. – S ocks 2012, S. 61. – Rudlo 1952, S. 33 geh on einem olls ändigen Neubau des Ko nhauses im
Jah 1626 aus.
103 KlA P ee z, VIII A 6, P ops en echnung 1584/85 (unpaginie ). – Die P ops en echnung 1583/84 is nu agmen a isch übe -
lie e . Die Teile mi den Bauausgaben sind nich e hal en.
104 KlA P ee z VIII A 10, P ops en echnung 1625/26 (unpaginie ).
105 KlA P ee z, P ops en echnung 1684/85 (unpaginie ) und 1685/86 (unpaginie ).
106 Fü die heu ige Ges al ung muss e das Dachwe k on 1626 eilweise umgebau we den.
Abb. 33: P ee z, Klos e ho 6, Ansich on No dos . Fo o 2024: Ul ich Knapp. Alle Rech e o behal en.
36 | No delbingen 90
hauses zwei Wohnungen eingebau . Dabei wu den alle Wandö nungen übe a bei e . De nö dliche
Teil mi ün Fens e -/Tü achsen wa be ei s zu einem ühe en Zei punk umgebau wo den und
behe be g e zu Beginn des 20. Jah hunde s die Ku sche wohnung.
Äl e e Maue subs anz, also Bausubs anz aus de Zei o 1584, is nu an de Wes maue o en
einsehba (Abb. 34).
Es handel sich dabei um einzelne Maue be eiche zwischen den aus un e schiedlichen Zei en da-
ie enden Eing i en bei den Tü - und Fens e ö nungen. Die hie au g und des ab allenden Geländes
zweigeschossige Maue weis eilweise bis zu T au e g oß o ma ige Maue s eine aus o und gelb
b ennendem Sche ben au . Die No dwes ecke des Gebäudes und de wes liche Teil de No dwand
sowie de No dgiebel wu den eben alls komple e neue . Im ös lichen Teil de No dwand sind noch
Teile mi äl e em Bauma e ial e hal en.
Die Wes wand des Gebäudes schließ an die e hal ene No dwes ecke des mi elal e lichen Giebels
an. Au g und des nach dem e s en Anschein bis zu de e neue en No dwes ecke on Klos e ho 6
du chlau enden Felds ein undamen s wä e es nich ausgeschlossen, dass die gesam e No dwand des
Gebäudes noch au dem Fundamen aus dem 13. Jah hunde uh .
Zu Rekons uk ion de Klos e anlage o dem B and on 1307
Wiede hol wu de e such , die mi elal e liche Klos e anlage des Benedik ine innenklos e s zu
ekons uie en. Dabei konzen ie e man sich o allem au die ab 1845 sukzessi e in g oßen Tei-
len abgeb ochene Kon en anlage. F ühe Rekons uk ionen, e mu lich on Joseph Edua d Mose
ange e ig , scheinen zwischenzei lich wiede in Ve gessenhei ge a en zu sein.107 Au den Übe le-
gungen on Richa d Haup basie eine zwei e jünge e G uppe on Rekons uk ions e suchen, die
schließlich auch Eingang in das Kuns denkmäle in en a ge unden haben108 und bis in jüngs e Zei
in de Li e a u zi ie bzw. abgebilde we den.109 1925/26 a bei e e Richa d Haup an einem Ma-
107
Vgl. dazu Knapp 2023, S. 28–30 – Knapp 2024a. – Richa d Haup (Haup 1926, S. 32b) e mu e e Sche neckau als U hebe de
Zeichnungen. Da diese abe den Al bes and noch aus eigene Anschauung kann e, is wenig wah scheinlich, dass e sich bei de
An e igung de Zeichnungen an Aussagen on Zei zeugen o ien ie en muss e. Da de U hebe de Zeichnungen sich explizi au
solche be u und das Gebäude nich aus eigene Anschauung kann e und die Besch i ung jene de Bes andsau nahmen on de
Klos e ki che en sp echen, sp ich iel ü eine Zusch eibung an Mose, de 1856 e s mals nachweislich ü das Klos e ä ig wa .
108 Haup 1925, S. 614, Abb. 820 bb.
109 So zule z bei Rosenplän e 2009, S. 109. – S ocks 2012, S. 27. – Zu den Rekons uk ionszeichnungen Knapp 2023, Ka . N .
4.5–4.7. – Knapp 2024a, S. 186–195.
Abb. 34: P ee z, Klos e ho 6, Wes wand, unmaßs äbliche Bildmon age. Au nahmen und Mon age 2024: Ul ich Knapp. Alle
Rech e o behal en.
U. Knapp: Spu en ühe Wi scha sbau en in Klos e P ee z | 37
nusk ip zu eine Monog aphie übe Klos e P ee z. In diesem Zusammenhang wu den ihm auch
die Zeichnungen de ühen Rekons uk ion des Kon en baus zugänglich. Diese Rekons uk ionen
beziehen sich jeweils au den baulichen Zus and in de Zei um 1500.
Hinsich lich de Wi scha sgebäude äuße e sich Haup ehe allgemein, wobei zu be ücksich i-
gen is , dass e die im ühen 20. Jah hunde abgeb ochenen Gebäude und die 1959 abgeb ann en
Wi scha sbau en noch aus eigene Anschauung kann e. Au den Übe legungen on Haup basie
eine Rekons uk ion de Gesam anlage on Die he Rudlo (Abb. 35). Das O iginal be inde sich
in de Plansammlung des LDSH. In übe a bei e e Fo m and diese Rekons uk ion Eingang in die
Li e a u .110 Fü die Wi scha sbau en im Süden des Klos e a eals e wende e Rudlo den be ei s
wiede hol genann en Lageplan aus dem 18. Jah hunde im Klos e a chi . Die e schiedenen S all-
gebäude da ie en dabei aus dem 16. bis 18. Jah hunde .
Die Gebäude de sogenann en Langen Reihe se z e e in Bezug zu dem ü 1474 genann en Bau
eines P ies e hauses. In dem e wähn en Lageplan we den sie als »Ko n boden nebs Wohn-Gebäuden«
bezeichne . Nu de südliche, e wa quad a ische Kop bau is als »Pas o enhaus« sepa a ausgewiesen.
Die Zeichnung zeig auch den Vo gänge bau des P ops enhauses sowie zahl eiche kleine e Neben-
gebäude, bei denen es sich um die a chi alisch übe lie e en Backhäuse , Scheunen und Schuppen
sowie Abo anlagen handeln kann.
Abweichungen zu Rudlo s Rekons uk ion gib es bei de Ano dnung de g oßen S allgebäude. Die
Ka as e pläne aus de zwei en Häl e des 19. Jah hunde s bes ä igen dabei die Angaben au dem Lage-
110 S ocks 2012, S. 51 und hin e e Umschlagsei e.
Abb. 35: LDSH: Klos e P ee z, Rekons uk ion des mi elal e lichen Bes ands on Die he Rudlo , wohl 1953. Fo o 2024: Ul ich
Knapp mi dl. Genehmigung des LDSH. Alle Rech e o behal en.

38 | No delbingen 90
plan aus de zwei en Häl e des 18. Jah hunde s (Abb. 36).111 Die Lage des 1494 genann en Siechen-
hauses und des 1495 e wähn en Langen Hauses bleiben hypo he isch, wobei es Indizien da ü gib , dass
de als »da lange hus« bezeichne e Baukö pe ein Teil des Kon en gebäudes wa .112 Da sich im Boden
wes lich des e hal enen F agmen s Res e eines Fußbodens inden, dü e sich de e hal ene Flügel wei e
nach No den e s eck haben – ielleich bis zu dem als »cu ie« bezeichne en P ops enhaus.113
Mi den Be unden im Be eich de Gebäude Klos e ho 4 bis 6 lassen sich je z siche e Angaben zu den
Wi scha sbau en machen. Mi dem Giebel zwischen den Gebäuden Klos e ho 5 und Klos e ho 6 wi d
de Südgiebel eines sich nach No den e s eckenden eingeschossigen, zumindes eilweise un e kelle en
Gebäudes assba . Nach de Dimensionie ung des Giebel agmen s dü e das zugehö ige Gebäude eine
B ei e on mindes ens 13,30 m besessen haben. Die Wes wand des Bauwe ks ha sich in Res en in de
heu igen Wes wand on Klos e ho 6 e hal en. Es kann dahe nich ausgeschlossen we den, dass dieses
Gebäude eine Länge on as 50 m und eine B ei e on e wa 13,30 m au gewiesen haben kann. Au g und
des hohen Lage aums wä e eine Nu zung als Ko nspeiche naheliegend. Auch die diesbezügliche Nu -
zung des Gebäudes bis in das 20. Jah hunde bes ä ig dies. De Gebäude yp dü e dabei wei gehend
dem alle dings e was g öße en Wi scha sgebäude im Zis e ziense klos e Dobe an en sp ochen haben.
Richa d Haup konn e au g und de ü ihn noch sich ba en opog aphischen Me kmale und den
e hal enen al en Lageplänen des Klos e s mindes ens zwei Kanäle e schließen, die das Klos e gelände
111 Die Da ie ung e gib sich aus de Da s ellung de e s 1767 e ich e en g oßen Klos e scheune.
112 Knapp 2024a, S. 201.
113 De Hinweis au den heu e e deck en Backs einboden wi d Ch is ian S ocks/P ee z e dank .
Abb. 36: Klos e a chi P ee z, Lageplan de Wi scha sbau en des Klos e s P ee z, wohl Mi e 18. Jah hunde . Fo o 2022:
Ul ich Knapp. Alle Rech e o behal en.
U. Knapp: Spu en ühe Wi scha sbau en in Klos e P ee z | 39
on Süd nach No d du chschni en haben.114 Seine Übe legungen lossen in die Rekons uk ion on
Die he Rudlo ein. Rudlo ging jedoch on eine Auslei ung des Wasse s nahe des Zusammen lus-
ses on Al e Schwen ine (Pos au) und Schwen ine aus, on wo aus sich die beiden Kanäle ge enn
hä en.115 Die Ka ie ung de Schwen ine zwischen P ee z und Ras o aus dem Jah 1847, die Ka as-
e pläne aus dem 19. Jah hunde , ein da au basie ende Plan de Wasse kanäle sowie de Lageplan
de Wi scha sbau en aus dem 19. Jah hunde legen indes eine ande e T assie ung de Klos e -
kanäle nahe. Ausweislich de Bes andsau nahme de Schwen ine gab es obe halb de an de Al en
Schwen ine (Pos au) gelegenen Flecken- und Klos e mühle, die 1868 du ch einen den Wasse lau
übe spannenden Neubau e se z wu den, eine Auslei ung, die die sich nach No den anschließende
P e de änke mi Wasse e so g e. Übe diese Auslei ung wu de auch de wes liche Klos e kanal mi
Wasse e so g . Nach dem Lageplan aus dem 18. Jah hunde loss das Wasse on de Vieh änke
aus bei de g oßen Scheune zunächs nach No dwes ab. Diese wes liche Kanal e lie dann wes lich
eines mi »Kuh-Hauß« bezeichne en Gebäudes116 und wei e wes lich de Bebauung Klos e ho 3 bis 6
nach No den du ch das Klos e und münde e schließlich in den Kanal an de No dg enze des Klos e s.
Diese Kanal e lie dami un e halb des hie ekons uie en g oßen Ko nhauses aus dem 13. Jah -
hunde (Abb. 37). Naheliegend wä e, wenn die mi elal e liche Klos e mühle an diesem Kanal lag.
Dabei is ein S ando südlich des Ko nhauses wah scheinlich. Bei den spä e en Umbau en wu den an
meh e en S ellen Abo e übe diesem Kanal e ich e . Dies dü e eine Ve legung de Mühle, ielleich
be ei s an den spä e en S ando beim Viehhaus, o ausse zen.117 Ein ös liche Kanal e lie ös lich
on Ki che und Kon en gebäude. Alle dings lag die T asse an ande e S elle als on Rudlo e mu e :
Nach dem Lageplan aus dem 18. Jah hunde gab es an de No dspi ze de T änke eine zwei e Auslei-
ung, die ös lich an dem 1927 abgeb ochenen Kuhhaus und dem nö dlich da on gelegenen P e des all
en lang üh e. Die wei e e T assie ung kann aus de Pa zellie ung abgelei e we den. De Kanal dü e
südös lich am heu igen P iö innenhaus und dann ös lich an Ki che und Kon en bau nach No den
ge üh wo den sein. Im Jah 1800 is an de Wes g enze de Pa zelle Klos e ho 21 ein o ene Was-
se lau dokumen ie , de als »Kleine Schwen ine« bezeichne wi d. De Zugang zu dem G unds ück
e olg e übe eine B ücke.118 Naheliegend is , dass es sich bei diesem Wasse lau um den ös lichen
Klos e kanal handel e. Nach de Topog aphie müss e de Kanal dann zwischen Klos e ho 14 und 15
an de Os sei e und Klos e ho 13 an de Wes sei e e lau en, um schließlich in die Schwen ine zu
münden. Eine o ene F age is , wo sich die La inenanlagen des Klos e s be unden haben. De hie
e schlossene Ve lau des ös lichen Kanals leg eine Posi ionie ung de La inenanlage ü die Nonnen
no dös lich des Kon en gebäudes nahe, e wa un e halb des Gebäudes Klos e ho 18.
Hinsich lich de o 1307 bes ehenden Klos e anlage bleib die F age nach Lage und G öße on
Klos e ki che und Kon en . Fü Haup s and auße F age, dass die bes ehende Ki che mi dem bis
1286 ollende en Bau iden isch is . Fü Rudlo wu de diese abe e s nach dem B and on 1307
begonnen. Das bis zum Abb uch im 19. Jah hunde bes ehende Kon en gebäude sei in meh e en
Abschni en im Lau des 15. Jah hunde s e bau wo den. Nach de ak uellen Un e suchung wu den
114 Haup 1926, S. 36 (zu La ine ü die Nonnen), 75–77 (zu dem wes lichen Klos e kanal).
115 LDSH, Plansammlung. – Dies is auch au den Lageplänen bei S ocks 2012, S. 51 und hin e e Umschlagklappe so übe nommen.
116 Das Gebäude wi d spä e als »Bedien ens all« bezeichne , de nach Hi sch eld 1937, S.167 im Jah 1758 e bau wu de.
117 Haup 1926, S. 88. Im 19. Jah hunde b ann e diese Mühle ab und 1868 wu de dann eine neue Mühle di ek an de Pos au e -
ich e . Dieses Mühlengebäude is au den Ka as e plänen des 19. Jah hunde s da ges ell .
118 KlA P ee z II B 4.
40 | No delbingen 90
un e dem Dachwe k on 1325 +/- 5 Bau eile aus un e schiedliche Zei zu einem einhei lichen
Bau zusammenge ass . Im heu igen Cho ha sich zu g oßen Teilen de Cho des 13. Jah hunde s
e hal en. Da sich auch im Wes en des Gebäudes Res e eines äl e en Gebäudes bzw. eine äl e en Pla-
nung e hal en haben, da man e mu en, dass die Klos e ki che des spä en 13. Jah hunde s be ei s
die G und läche de heu igen Ki che übe bau ha . Die De ails dieses Baus bleiben indes o en. Die
Ki che e heb sich am höchs en Punk des Klos e a eals. De Kon en bau dü e sich damals be ei s
nö dlich de Ki che be unden haben, da das Gelände südlich zu s eil in Rich ung Schwen ine ab iel.
Zu G öße de Kon en anlage sind bislang keine belas ba en Be unde bekann . Die G öße de Klos-
e ki che und die möglichen Dimensionen des Ko nhauses aus dem spä en 13. Jah hunde legen
Abb. 37: Klos e P ee z, Rekons uk ion des mi elal e lichen Bes ands. G au ma kie is de Baubes and Ende des 19. Jah hun-
de s. Jünge e Bau en/Abb üche sind nich be ücksich ig . Bea bei ungss and Sep embe 2024. Rekons uk ion und Zeichnung
2024: Ul ich Knapp. Alle Rech e o behal en.
U. Knapp: Spu en ühe Wi scha sbau en in Klos e P ee z | 41
nahe, dass auch die 1307 o handene Kon en anlage kaum kleine wa als die im 15. Jah hunde
sukzessi e e neue e Anlage.
Im Falle des Ko nhauses kann, wenn die hie o ge agene In e p e a ion des Be undes am No d-
giebel on Klos e ho 5 zu i , on eine Nu zungskon inui ä bis in das ühe 20. Jah hunde
gesp ochen we den. Un e diesem Gesich spunk wä en die wei e en Wi scha sgebäude im Süden
des Klos e a eals zu suchen. Die hie dokumen ie en Bau en wa en alle dings alle deu lich jünge .
Zwa legen die Ein agungen in den Klos e echnungen zahl eiche Neubau en bei den S ällen und
Scheunen sowie de Mühle nahe, doch scheinen diese Bau en alle in nach e o ma o ische Zei
du ch Neubau en e se z wo den zu sein. Die g oße, 1959 abgeb ann e Scheune, wa an den Du ch-
ah s o en insch i lich 1767 da ie .119 Das 1927 abgeb ochene Kuhhaus wu de on Hi sch eld mi
eine Baunach ich on 1704 in Ve bindung geb ach .120 Die Zie o men des Giebel achwe ks und
die Res e de Zie aus achungen e weisen hingegen ehe au das 16. Jah hunde . Schon Hi sch eld
e wies au die Pa allelen zu No d assade des Thienenhauses, Klos e ho 11, in e p e ie e dies
jedoch als Hinweis au die T adi ionsgebundenhei de lokalen Zimme meis e . Ve gleichba e Zie -
o men zeig eine Scheune in B odau (um 1592 d, E wei e ungen 1621/22 d und 18. Jah hunde ),
de en Ke nbau zusammen mi dem He enhaus un e Paul on Ran zau (1554–nach 1610) e bau
wu de.121 Da das Ke ngebäude on Klos e ho 11 (1592 d)122 gleichzei ig mi dem Scheunenbau au
B odau en s and, lieg nahe, auch den Giebel des 1927 abgeb ochenen Kuhhauses in diese Zei zu
se zen.123 Die Baunach ich en können sich au eine E wei e ung ode au einen de wei e en bis in
das 19. Jah hunde e hal enen S allbau en beziehen.124 Die Lage de wei e en Wi scha sbau en,
wie beispielsweise de zumindes sei dem 15. Jah hunde beleg en Ziegelei, bleib mangels en -
sp echende a chäologische Beobach ungen o en.
Bei den ühen Klos e bau en wä en siche noch ein Gebäude ü den Klos e p ops , den P ies e ,
ü die K anken und o allem auch ü die Gäs e des Klos e s sowie die jeweiligen Nebengebäude
anzunehmen. Fü das P ops enhaus, 1334 als cu ia e s mals genann , wi d ähnlich wie ü das Kon-
en gebäude eine Nu zungskon inui ä angenommen. Die Lage on K ankenhaus und Gäs ehaus
bleiben ohne a chäologische P ospek ion eben alls unsiche . Alleine das Gelände elie leg nahe,
dass diese Bau en im Be eich de hochwasse siche en Be eiche des Klos e a eals lagen. Dabei is
auch mi eine en sp echenden Nu zung des Be eichs südlich de Klos e ki che zu echnen. Hie
wä en Nu zungen mi Publikums e keh , also o allem das Gäs ehaus und ielleich auch das Ge-
bäude ü den P ies e zu e mu en. De Be und am No dgiebel on Klos e ho 5 und die sich da aus
e gebenden Dimensionen des Vo gänge gebäudes on Klos e ho 6 weisen eind ücklich da au hin,
dass hie in e heblichem Um ang mi Spu en de äl e en Bebauung im Boden zu echnen is .
Die e schlossene Ges al des Südgiebels des go ischen Ko nspeiche s e weis au die s äd ische
A chi ek u in Lübeck; die übe lie e en Teile de Klos e ki che des 13. Jah hunde s zeigen eine
119 KlA P ee z III D c: Beylagen zu de Rechnung wegen de in Anno 1767 alhie au dem Clos e neu e baue en Scheune. – Eine
Bauau nahme des Gebäudes be inde sich in de Plansammlung des LDSH.
120 Hi sch eld 1937, S. 166.
121 Haup 1925, S. 568–570. – Dehio Hambu g – Schleswig-Hols ein 2009, S. 822–823.
122 Schulze 1991, S. 264-284.
123 Auch Haup 1925, S. 570 se z den Giebel des Kuhhauses in diese Zei . Die on ihm als wei e es Beispiel genann e Scheune au
Gu Hagen on 1626 is inzwischen abgeb ochen wo den.
124 De Lageplan de Wi scha sbau en des Klos e s aus dem 18. Jah hunde e zeichne allein d ei als »Kuh-Hauß« bezeichne-
e Gebäude.
48 | No delbingen 90
Unse e Lieben F au 5 Ma k Lübisch als Kapi al emp angen ha e. De Ein ag lau e : »He Ma en
Sche e [ene ?] y m(a) k ho e s ols, e myn up paschen. Hy is nen b e upp, sunde wo de
olden egis e de sul en ica ie nawysen.«16 Die 5 Ma k, die Sche e in Händen ha , sind Teil des
Gesam kapi als de Vika ie, das als »houe s ol« bezeichne wi d, deshalb die Fo mulie ung »5 Ma k
des Haup s uhls (= des Kapi als de Vika ie)«.17 Das Heide Kapi alien- und Ren enbuch e zeichne
zahl eiche Pe sonen, die solche Teilsummen innehaben und die da ü einen jäh lich Zins an die Vika-
ie bezahlen. Rechne man die Einzelpos en diese Vika ie zusammen, e gib sich ein Gesam kapi al
on 287 Ma k sowie wei e en Einkün en on 19 Ma k und 1 Schilling.18 Die Gesam auss a ung de
Vika ie wi d höhe gewesen sein, denn es dü e kaum das ganze S i ungskapi el an Einzelpe sonen
gegen Zins ausgeliehen gewesen sein. Im Falle Sche e s, de zum Zei punk de Au zeichnung dieses
Einkommens egis e s 1538 ga nich meh leb e, wi d angegeben, dass die Zinszahlung an Os e n
ällig wa . Wie hoch die Zinsbelas ung wa , wi d hie wie bei ielen ande en Kapi alien nich an-
gegeben, e mu lich, weil de Zinssa z wie bei ande en K edi geschä en gene ell 5 % be ug. Übe
diese Einzelhei en lag, wie dem Heide Regis e zu en nehmen is , im Falle Sche e s keine U kunde
(»b e «) o , sonde n da übe exis ie e nu ein Ein ag im al en Ki chen egis e , das abe nich e -
hal en is .19 Da Ma in Sche e , wie e wähn , be ei s 1515 e s o ben is , dü e die Zinszahlung mi
seinem Tod e loschen sein, so e n es keine E ben gab, die wei e zahl en, wo au abe im Heide
Regis e nich s hindeu e . Sche e selbs ha e das en liehene Kapi al o enba nich zu ückgezahl .
Dass P a ki chen, Kapellen und selbs einzelne ki chliche Bene izien, wie hie am Beispiel de Heide
Vika ie da ges ell , au g und ih es P ünden e mögens espek i e S i ungskapi als als K edi kassen
dien en, en sp ach im Spä mi elal e wie in de F ühen Neuzei allgemeine P axis.20 Fü die Ve mö-
gens e wal ung wa en Ki chen- ode Kapellenp lege zus ändig, die die Kapi alien gegen Zinszahlung
ausliehen und dami das P ünden e mögen meh en. Aus dem Ki chspiel Wöh den sind meh e e
Handsch i en übe lie e , die diese P axis ü die o - und nach e o ma o ische Zei belegen.21 O -
enba besaß Ma in Sche e auch G und und Boden im Ki chspiel Neuenki chen, denn das Heide
Memo ien egis e e zeichne u. a. Ren eneinkün e ü Memo ien, die in de Heide Ki che aus dem
Ki chspiel Neuenki chen ges i e wo den wa en, und bei de Lokalisie ung eines P andgu es heiß
es u. a. »H(e ) Ma en Sche e beos en«.22 Im Os en g enz e also G undbesi z an, de ihm gehö e.
Was bedeu en die Quellennach ich en nun ü Ma in Sche e ? Sie bes ä igen zumindes , was wi
on de G absch i schon wissen, nämlich, dass e ein geis liche He wa . Abe wo e als Kle ike
wi k e, e ä uns auch das Heide Kapi alien- und Ren enbuch on 1538 nich . Damals wa e lange
o , so dass sich jede nähe e E läu e ung zu seine Pe son e üb ig e, und was in den Heide »olden
egis e « s and, die damals noch o lagen, we den wi leide niemals e ah en. Ve mu lich ha e
16 Rol s 1903, S. 309. Leide e läu e Rol s nich , was das iel ach o kommende abgekü z e . (= ene ?) bedeu e . – Rol s 1903,
S. 303 und ihm olgend Schlee 1930, S. 107 meinen hingegen, e habe de Vika ie 5 Ma k ges i e .
17 »houe s ol« = Kapi al: Techen 1932, S. 229. – 5 Ma k wa in diese Zei das gewöhnliche Kapi al, um eine Memo ie (Jah ags-
s i ung) zu inanzie en, dami ein P ies e zu bes imm en Te minen eine Messe ü den Ve s o benen las: Rol s 1903, S. 300.
18 Rol s 1903, S. 312.
19 Im olgenden Ein ag geh es um 10 Ma k Haup summe, »da he unde gegan is an wegen ha de s clawes Hans da sul was
wanende, wo da H(e ) Ma en Sche e sin Han wyde mede b ynge «, auch hie mi dem Ve weis »in Sun e Jü gens boke
anghe eke «: Rol s 1903, S. 309. De Sinn de Passage übe Ma in Sche e bleib unkla .
20 Bünz 2016.
21 Vgl. Bünz 2017b.
22 Rol s 1903, S. 323.

E. Bünz:
De Geis liche Ma in Sche e und die S i ung des K euzwegs in Heide
| 49
Ma in Sche e eine de ün Vika ien de S . Jü genskapelle inne, übe de en Inhabe wi nu meh
als lückenha in o mie sind. Das Kapi alien- und Ren enbuch nenn die Inhabe 1538, abe diese
Bene izien bes anden doch schon iel länge . In diese Au zeichnung begegne alle dings an ande e
S elle nochmals de Familienname Sche e : »Hi na olgen de b eue I e en e an de ide de ica iae
de H(e ) Johan Sche e ho ge eke we en nd eyn besi e «.23 Mi ähnlichem Wo lau sind o he
die ün auch ande wei ig nachweisba en Vika ies i ungen de Heide S . Jü genskapelle au gelis e
wo den, zule z die Vika ie des Reime Hossick, und da an schließ sich unmi elba de eben zi ie e
Ein ag an. Will man nich noch eine sechs e Vika ies i ung annehmen, wo au nich s hindeu e , wa
also e mu lich Johann Sche e in Nach olge Reime Hossicks Inhabe diese ün en Vika ie. 1523 is
diese Sche e üb igens auch als ö en liche No a beleg ,24 üb e also eine Funk ion aus, die im spä-
en Mi elal e ü Kle ike ypisch wa .25 Johann Sche e wi d man wohl als Ve wand en des Ma in
Sche e anzusehen haben, womöglich soga als seinen Sohn, was angesich s häu igen Ve s oßes on
Wel geis lichen des ausgehenden Mi elal e s gegen das Zöliba sgebo nich ungewöhnlich wä e.26 So-
wohl Ma in als auch Johannes wa en also mi Heide e bunden, ja höchs wah scheinlich haben wi
in ihnen zwei Rep äsen an en eine Familie o uns, die im Landes o o Di hma schens ansässig wa .
Je usalempilge und S i e des Heide K euzwegs
Mi diesem dü igen Be und müss en die Aus üh ungen enden, wenn uns Neoco us nich an ande-
e S elle seine Ch onik wei e e Nach ich en übe Ma in Sche e p äsen ie en wü de. Am Ende des
Abschni s übe das Ki chspiel Heide heiß es: »H(e ) Ma en Sche e a geme en an de Heide
Ke kedo e, da he den u gehowen S een ba en se en la en, be h an de Thegelschune, wo wi an
Je usalem da hillige G a , unnd da eine Capelle gebuwe , da nun de A beide Hußlin s ei . Da
ock en g o C u z ges aen, he ock einen inen Ga den an Eken unnd ande en Bomen geplan e .
Diese H(e ) Ma en he ock ho Weddings ede einen S een.«27 In mode ne Übe se zung: »He
Ma in Sche e ha on de Heide Ki chen ü , wo e oben den ausgehauenen S ein ha se zen lassen,
bis zu Ziegelscheune, (die En e nung) abgemessen, so wei , wie es on Je usalem bis zum Heiligen
G ab is , und ha do , wo nun das A bei e haus s eh , eine Kapelle e ich e . Do s and auch ein
g oßes K euz, und e p lanz e auch einen schönen Ga en mi Eichen und ande en Bäumen. Diese
He Ma in ha auch in Weddings ed einen Gedenks ein.« Diese Angaben, die An on Vie h üb igens
in seine Landesbesch eibung e was wo eiche ausgeschmück wiede hol ,28 lenken den Blick au
die on Sche e ges i e en Bildwe ke, e ö nen abe auch wei e e Pe spek i en au das F ömmig-
kei sleben o de Re o ma ion, übe das wi ü Di hma schen bislang noch iel zu wenig wissen.29
23 Rol s 1903, S. 318.
24 Rol s 1922, S. 60, N . 29.
25 Bade 1984.
26 P ies e sohn schon e mu e on Schlee 1930, S. 113, Anm. 9. – Wei e e Beispiele nenn Rol s 1903, S. 305. – Zum e b ei e en
P oblem de P ies e kinde o de Re o ma ion besonde s Schmugge 1995, S. 345–350.
27 Neoco us 1827, S. 247.
28 Vie h 1733, S. 36.
29 Eine e s e Zusammenschau bo Rol s 1921. – Au g und neue e Fo schungen nun Bünz 2020c.
50 | No delbingen 90
Ma in Sche e ha e, wie Neoco us an be ei s zi ie e S elle e wähn , 1496 eine Wall ah nach
Je usalem un e nommen (»dede nha dem hillighen G a e gewes A(nn)o Domini 1496«). Obwohl
im Lau e des spä en Mi elal e s auch in Deu schland zahl eiche egionale Wall ah en en s anden,
beispielsweise nach Wilsnack in de P igni z,30 abe auch zu e lichen O en in Schleswig-Hols ein,31
haben die d ei »g oßen Wall ah en« (»pe eg ina iones maio es«) nach Rom, San iago de Compos ela
und ins Heilige Land ih e Bedeu ung behal en und sind auch on Di hma sche n au gesuch wo -
den.32 Die Pilge eise nach Je usalem wa du ch En e nung und Reiseums ände besonde s au wen-
dig und eue , konn e man doch nu au dem Seeweg übe Venedig do hin gelangen und wa au die
on do e keh enden Galee en angewiesen.33 So bilde en sich dann auch Reiseg uppen, on de en
Teilnehme n de eine ode ande e soga einen Pilge be ich e ass ha , dem zu en nehmen is , wie
die sechs bis ach Wochen daue nde See eise e lie und wie de Besuch de Heiligen S ä en in und
um Je usalem ons a enging. Fü 1496, das Reisejah Sche e s, is nu ein deu sche Pilge be ich
übe lie e , den de B eslaue Pa izie Pe e Rind leisch gesch ieben ha , de on An ang Ap il bis
Ende Ok obe un e wegs wa .34 Neoco us en nahm de G absch i Sche e s, dass diese 1496 ins
Heilige Land gepilge wa . Schon die p äzise Jah esangabe sp ich nich da ü , dass Neoco us die
Nach ich ei e unden hä e. Alle dings is g undsä zlich da au hinzuweisen, dass es sich bei
de on Geschich ssch eibe n iel ach un e s ell en Ve bindung on Pilge ah und K euzwegs i -
ung »ehe um einen ühneuzei lichen E zähl opos als um ein his o isch belegba es Phänomen zu
handeln« schein .35 Ande s gewende : In eine Zei ausgep äg e Passions ömmigkei , in de auch
ged uck e Andach ssch i en übe K euzwege g ei ba wa en36, bedu e es nich unbeding des Im-
pulses eine Pilge ah nach Je usalem, um einen K euzweg zu s i en.
Abe de Zusammenhang on Pilge ah und K euzwegs i ung is nich pauschal in Ab ede zu
s ellen. S a ionen im Heiligen Land wa en Ja a, Ramla, Je icho, Be hlehem und o allem na ü lich
Je usalem. Die do igen Heiligen S ä en wa en als Zeugnisse des Lebens, Leidens, S e bens und de
Au e s ehung des He n selbs e s ändlich on alle g öß e Bedeu ung ü die Wall ah e . Wie Neoco us
sch eib , ha Ma in Sche e die E inne ung an den Leidensweg Jesu in besonde s nachd ückliche
Weise es gehal en, indem e die Via dolo osa om Haus des Pila us, in dem de He zum Tode e -
u eil wu de, bis zum Be g Golgo ha, wo e ans K euz geschlagen wu de, in Heide maßgenau abge-
messen nachbauen ließ: »a gema en an de Heide Ke kedo e, da he den u gehowen s een ba en
se en la en, be h an de Thegelschune, wo wi an Je usalem da hillige G a , unnd da eine Capelle
gebuwe «. Do habe, so de Ch onis wei e , »ock ein g o C u z ges aen« und Sche e habe do »ock
einen inen Ga den an Eeken unnd ande en Bomen geplan e «.37 An on Vie h s ü z sich au diese
Besch eibung, o mulie nu ande s, indem e e wähn , dass Sche e bei de Ziegelscheune
»ein g oß
30 Bünz 2006b.
31 Bünz 2020b. Zu den Wall ah so en in Di hma schen jüngs Hansen 2018.
32 Bünz 2005, S. 747–752. – Bünz 2011.
33 Röh ich 1900, S. 1–83 schilde , wie die Reisen o ganisie wa en und ablie en. Vgl. dazu auch: K iss-Re enbeck/Möhle
1984, S. 56–88, und Ganz-Blä le 2000. Die un e schiedlichen Wah nehmungen on Reisenden au ein- und de selben Pilge -
ah we den anschaulich he ausgea bei e on Esch 1994.
34 Pa a icini/Halm 2000, S. 272–273, N . 110. – Auch Röh ich 1900, S.189 bie e zum Jah 1496 keine wei e en Nach ich en übe
Pilge eisen.
35 Kühne 2014, S. 55.
36 Ein Beispiel bei Knelle 1908, S. 209–212.
37 Neoco us 1827, S. 247.
E. Bünz:
De Geis liche Ma in Sche e und die S i ung des K euzwegs in Heide
| 51
C eu z au ich en« und eine Kapelle bauen, daneben auch »einen Ga en on ielen Bäumen« an-
legen ließ.38 Dass on diese Anlage zu Vie hens Zei en noch e was e hal en wa (seine Di hma sche
Landesbesch eibung e schien 1733), is wenig wah scheinlich. Allgemein kann man es s ellen, dass
in No delbien, auch in Di hma schen, zahl eiche Kapellen, also Go eshäuse ohne P a s a us, nach
de Re o ma ion abge issen wo den sind.39
Nachbau en des Heiligen G abes, das sich inmi en de Je usaleme G abeski che be inde , gib es
in Eu opa schon sei dem Hochmi elal e . Be ühm sind die Nachbildungen on ca. 1166 in Eichs ä
(heu e in de Kapuzine ki che) und on 1504 in Gö li z, die beide das a sächliche Aussehen de
G abanlage ech genau wiede geben.40 In ielen spä mi elal e lichen Ki chen gab es auch Heilige
G äbe , die zwa nich den Ansp uch e hoben, das G ab Ch is i abzubilden, abe den Gläubigen die
G ablegung wäh end de Ka woche als Andach sbild o Augen s ell e.41 Anschaulichkei , die zum
›Mi leiden‹ (›compassio‹) an egen soll e, und Nach ollziehba kei (›imi a io‹) des Heilsgeschehens
wa en wich ige Elemen e spä mi elal e lichen F ömmigkei slebens, wie an eine Vielzahl on Bild-
da s ellungen, handelnden Bildwe ken, P ozessionen und geis lichen Spielen des spä en Mi elal e s
ablesba is .42
Ob Ma in Sche e das Heilige G ab in de e wähn en Kapelle nachbauen ließ, wissen wi nich .
Nach den Angaben des Neoco us schein es ihm au e was ande es angekommen zu sein. Sche e
ließ nämlich om Südpo al de Heide S . Jü genski che aus, wo sich spä e sein G abs ein be and,
die En e nung » on Je usalem«, man wi d p äzisie en dü en: om Haus des Pila us als dem Aus-
gangspunk de Via dolo osa bis zum G ab Jesu (»Hilligen G a «) genau abmessen und am End-
punk des Leidensweges eine Kapelle e ich en. Diese Kapelle lag be ei s auße halb de O scha ,
denn im Heide Kapi alien- und Ren enbuch on 1538 wi d ein Acke lokalisie »bi des Hilligen
c uces capellen beos en de Heide«, also ös lich on Heide gelegen.43 Neoco us gib nu an, de Weg
habe »bis zu Ziegelscheune« (»be h an de Thegelschune«) ge eich , wo die Kapelle e ich e wu de,
die abe damals schon nich meh s and, denn de Ch onis üg ak ualisie end hinzu: »da nun de
A beide Hußlin s ei «,44 wobei wohl an ein Gebäude ü die in de Ziegelscheune ä igen A bei e
zu denken is . Auch die äl es e Ansich Heides on Daniel F ese aus dem Jah 1596 (
Abb. 2
) zeig
ös lich des O es keine Kapelle (meh ).45
Sie wi d damals also schon nich meh ges anden haben. 1538, wenige Jah e nach Ein üh ung
de Re o ma ion, wa die Heilig-K euz-Kapelle hingegen noch o handen. In Bezug au den Lei-
densweg Ch is i wa en die Lage de Kapelle ös lich on Heide, also in Rich ung Je usalem, und
38 Vie h 1733, S. 36.
39 Eine Gesam übe sich ehl . Beispielsweise gab es im Ki chspiel Wöh den Kapellen in Bü el (S . Pe e ) und in Wennemanns-
wisch, siehe Hansen 1923, S. 15. Die o e o ma o ischen Kapellen in Heide, S . Annen, Schlich ing und Windbe gen blieben
hingegen e hal en, weil sie spä e zu P a ki chen wu den, siehe Bünz 2006c, S. 251–252.
40 Reinle 1988, S. 228–230. – K üge 2000, S. 188–197. – Zu Gö li z siehe auch un en bei Anm. 47.
41 Reinle 1988, S. 230–234. – K oesen 2001. - Bünz 2023b.
42 Siehe die zahl eichen Beispiele in: Kühne e al. 2013, und bei Bünz 2023b, zu ›compassio‹ und ›imi a io‹ am Beispiel de K euz-
wege auch Kammel 2018b, S. 28–31. Zu ch is uszen ie en F ömmigkei o de Re o ma ion g undlegend Hamm 2011, zu
den inno a i en Zügen de dynamischen F ömmigkei o de Re o ma ion nun g undlegend Hamm 2024.
43 Rol s 1903, S. 315.
44 Neoco us 1827, S. 247. – Schon Schlee 1930, S. 110, Anm. 13 e mu e , dass die Kapelle damals nich meh s and. – A nold
1990 ag ausd ücklich »was s and in de Regen enzei ?« (S. 22–23), e wähn die Kapelle abe nich .
45 De Kup e s ich F eses in Geo g B aun / F ans Hogenbe g, Ci i a es o bis e a um (1596), als Faksimileausgabe: B aun/
Hogenbe g 2017. Vgl. auch Klose/Ma ius 1961–1962, Band 1, S. 215 und Band 2, S. 238 Abb. 2.
52 | No delbingen 90
ih K euz-Pa ozinium naheliegend.46 In Gö li z (Obe lausi z) s i e e ein Bü ge An ang des
16. Jah hunde s, also as gleichzei ig mi Sche e in Heide, eine Heilig-K euz-Kapelle, nahebei ein
Salbhäuschen, in dem de om K euz genommene Leib Ch is i o de G ablegung gesalb wu -
de,47 wie es die E angelien übe lie e n, und in einigem Abs and das Heilige G ab selbs (Abb. 3).48
Ob Sche e auch ein Heiliges G ab und ande e dami zusammenhängende Andach ss ä en
e ich en ließ, is unbekann . Auszuschließen is es nich , denn die E wähnung eines on Sche-
e angeleg en Ga ens mi Bäumen neben de Kapelle, in dem ein nich nu du ch Neoco us
bezeug es »g o C u z« s and, mag da au hindeu en, dass hie eine kleine Sak al opog aphie
gescha en wu de, wie sie au dem ausgedehn en A eal des Gö li ze Heiligen G abes bis heu e
e hal en is . Das g oße K euz neben de Kapelle mag als Teil eines Kal a ienbe gs zu e s ehen
sein, wie e iele o s ges i e wu de, beispielsweise 1501 in Wesel.49 Ge ade am Niede hein
und in Wes alen wa en im spä en Mi elal e eis ehende K euzigungsg uppen und Kal a ien-
be ge seh e b ei e .50 Bei de Heide Kapelle be and sich zudem ein Ga en, de au den Ga en
Ge hsemane am Ölbe g als einen zen alen O de Leidensgeschich e Jesu e weis . In Süd-und
Mi eldeu schland wu den deshalb sei dem 15. Jah hunde o allem au den F iedhö en lebens-
g oße Ölbe gg uppen au ges ell .51
46 Haup 1927, S. 316 eine Au lis ung de K euz-Pa ozinien, da un e auch die Kapelle in Heide.
47 Zum Salbs ein K üge 1990, S. 200–201.
48 Knelle 1908, S. 28–33. – K ame 1957, S. 110–111. – Ande s/Winzele 2005.
49
Die S i ung is du ch Sch i quellen gu dokumen ie , die Kal a ienbe gg uppe zudem in Dinslaken e hal en, siehe P ieu e al. 1998.
50 Fabian 1986.
51 Bünz 2023a.
Abb. 2: Die äl es e Ansich Heides on Daniel F ese aus dem Jah 1596. Kup e s ich im S äd ea las on Geo g B aun und F anz
Hohenbe g, Ci i a es o bis e a um. Aus: Habich e al. 1980, Buch o sa z.
E. Bünz:
De Geis liche Ma in Sche e und die S i ung des K euzwegs in Heide
| 53
Wo au es nich nu Sche e , sonde n ielen S i e n on K euzwegen um 1500 in jedem Fall
ankam, wa , die p äzise Dis anz de Via dolo osa als a sächlich » e messenen Weg« nachzu-
zeichnen und dami ü den Gläubigen den Leidensweg Ch is i Sch i ü Sch i nach ollziehba
zu machen,52 indem e seinen Weg bei de S . Jü genskapelle begann und bei de Heilig-K euz-
Kapelle auße halb des O es beende e. Dass auch die Ki che in Weddings ed bzw. de do on
Ma in Sche e angeb ach e Bildniss ein Teil dieses K euzweges wa , is ein Miss e s ändnis, das
nich au die Besch eibung des Neoco us, sonde n au die E wähnung des K euzweges du ch
Richa d Haup zu ückgeh , gleichwohl in de Li e a u wiede hol au genommen wu de.53
Die Lokalisie ung de Heilig-K euz-Kapelle be ei e keine g oßen Schwie igkei en, obwohl sie
sei meh als 400 Jah en e schwunden is . Dem Kapi alien- und Ren enbuch de Heide Ki che
e danken wi die Angabe, dass die Ki che ös lich und auße halb de O scha lag. Neoco us
e wähn , die Kapelle habe do gelegen, wo zu seine Zei das A bei e häuschen s and, das o en-
52 Dazu Kammel 2018b, S. 22–23.
53 Dazu un en bei Anm. 99.
Abb. 3: Nachbau des Heiligen G abes in Gö li z, An ang 16. Jah hunde . Fo o: Enno Bünz.

54 | No delbingen 90
kundig mi de Ziegelscheune (»Thegelschune«) zusammenhing. De äl es e G und iss on Heide,
de Johannes Meje zu e danken is , weis (bei alle F agwü digkei im Einzel
nen) ös lich on Heide
und nö dlich on Lü kenheide den Ziegelho (»Tegelho «) aus (Abb. 4).54
Au dem e s en p äzisen Plan des Fleckens Heide, den de Majo J. C. Randahl 1756 gezeichne
ha (
Abb. 5,
Süden is oben), is diese Ziegeleibe ieb im Os en des Fleckens auße halb de geschlos-
senen Bebauung zu lokalisie en.55
De Abgleich mi dem mode nen S ad plan zeig , dass in diesem Be eich noch heu e de on
Süden nach No den e lau ende Ziegelho weg lieg und sich wes lich da on bzw. nö dlich de Ham-
bu ge S aße, in die de Ziegelho weg einmünde , de Ziegelho eich be inde (
Abb. 6
).
In diesem Be eich wi d man olglich die Heilig-K euz-Kapelle zu lokalisie en haben. Die En -
e nung on de S . Jü genskapelle bis zum Ziegelho weg bzw. zum Ziegelho eich be äg 1,4 km
.
54 Danckwe h 1652, doppelsei ige Ka e No de di hma schens zwischen S. 300/301 mi S ad g und iss Heides, diese abgebil-
de in: Klose/Ma ius 1961–1962, Band 1, S. 215 und Band 2, S. 238, Abb. 4a, auch in: Heide 1980, Ta el mi Abb. 4 nach S. 44,
und bei Hansen 2018, S. 90. – Die Ka en in Danckwe hs Landesbesch eibung s ammen alle on Johannes Meje , wie au dem
Ti elbla angegeben wi d.
55
Landesa chi Schleswig, Ab . 402, B III N . 5, abgebilde in: Klose/Ma ius 1961–1962, Band 1, S. 215 und Band 2, S. 239, Abb. 6,
und in: Habich e al.1980, Ta el mi Abb. 6 o S. 45 (nu Ausschni ), de hie ele an e Gesam plan au dem Buchnachsa z,
do die Ziegelei wohl ganz am linken Rand (also im Os en, de Plan is gesüde ) im Be eich des ech winkligen Gebäudekom-
plexes auße halb de geschlossenen Bebauung des Fleckens.
Abb. 4: Äl es e Plan on Heide, gezeichne on Johannes Meje . Aus: Caspa Danckwe h, Newe Landesbesch eibung de zwei
He zog hüme Schleswich und Hols ein on 1652, Ta el zwischen S. 300 und S. 301. Gemein ei. S aa sbiblio hek zu Be lin - P eußi-
sche
Kul u besi z, Sign. g .2" So 6751.
E. Bünz:
De Geis liche Ma in Sche e und die S i ung des K euzwegs in Heide
| 55
Abb. 5: Plan des Fleckens Heide, gezeichne on dem Majo J. C. Randahl 1756. Landesa chi Schleswig, Ab . 402, B III N . 5.
S ad a chi Heide.
Abb. 6: Heide, einge agen de Weg on de S . Jü genskapelle zu Heilig-G ab-Kapelle. Mode ne Ka as e plan.
( Os en)
56 | No delbingen 90
De genaue S ando de K euzkapelle läss sich bislang nich lokalisie en, wi d abe do zu suchen
sein, wo sich im 20. Jah hunde das Aus lugslokal Zum Ziegelho be and (Abb. 7).
Wa die Dis anz on de S . Jü genskapelle zu Heilig-K euz-Kapelle als K euzweg ausges al e ,
wie es on ande en O en he bekann is ? Da Neoco us noch ein Jah hunde nach de S i ung
dieses K euzwegs zu be ich en wuss e, dass diese de on Sche e in Je usalem (angeblich) es -
ges ell en Dis anz en sp ach, is zu e mu en, dass de Heide K euzweg mi Bilde n und o allem
Insch i en e sehen wa , die diese heilsgeschich liche Dimension – hie in eine opog aphische Di-
mension umgese z – zu e kennen gaben. Wohe hä e e sons übe die In en ionen Ma in Sche e s
in o mie gewesen sein sollen? Siche is dies alle dings nich , da es keine Übe es e gib .
K euzwege im 15. Jah hunde
Obwohl die Pilge ah nach Je usalem eine al e T adi ion is , kam es e s im ausgehenden Mi -
elal e zu Anlage on K euzwegen, die es den Gläubigen e möglichen soll en, den Leidensweg
Ch is i nachzu ollziehen. G undlegend ü das Thema sind noch imme die äl e en Da s ellungen
on Ka l Alois Knelle übe K euzwegandach en (1908) und on E ns K ame übe K euzweg und
Kal a ienbe g (1957),56 doch sind in den le z en Jah zehn en e liche wei e üh ende Falls udien aus
kuns - und ömmigkei sgeschich liche Sich e schienen, die zu eine neue lichen Syn hese einla-
56 Knelle 1908. – K ame 1957. – Vgl. auch Holle wege /Rüdige 1997, aus kuns geschich liche Sich Dam eck 1970, und N. N.,
A ikel ›K euzweg‹ 2004.
Abb. 7: Heide, Aus lugslokal Zum Ziegelho , de mu maßliche S ando de eins igen K euzkapelle. Au nahme
on 1902(?). S ad a chi Heide.
E. Bünz:
De Geis liche Ma in Sche e und die S i ung des K euzwegs in Heide
| 57
den.57 Die An änge de K euzwege eichen im deu schsp achigen Raum bis in die zwei e Häl e des
15. Jah hunde s zu ück. Das E lebnis de Heiligen S ä en in Je usalem, o allem de Via dolo osa
und des Heiligen G abes, du ch Je usalempilge wa da ü de en scheidende Impuls. »Im deu -
schen Sp achgebie en wickel en sich die Nachbildungen un e dem Ein luß de sieben Ho en des
S undengebe es und de sieben S a ionski chen Roms om bloßen An angs- und Endpunk (Haus
des Pila us und Golgo a) zu den sieben Fällen und den sieben Gängen«.58 Die sieben Fälle ma kie en
den Weg Jesu zum K euz und wu den ü die Gläubigen nach ollziehba schon im 15. Jah hunde
du ch K euzwegs a ionen mi Bildda s ellungen ma kie .59 Die Auswei ung de K euzwege und de
K euzwegsandach au 14 S a ionen is eine jünge e, e s nachmi elal e liche En wicklung.
Auch die sieben K euzwegs a ionen bzw. sieben Fuß älle Jesu wa en im Spä mi elal e jedoch
nich on o nhe ein gegeben. Vielmeh begnüg e man sich zunächs mi zwei S a ionen (Haus
des Pila us, Be g Golga ha) und leg e We da au , dass die Dis anz de a sächlichen En e nung in
Je usalem en sp ach.60 Nach diesem ein achen Modell schein auch de K euzweg in Heide e ich e
wo den zu sein. Üb igens ha auch de B eslaue Bü ge Pe e Rind leisch, de wie Sche e 1496
nach Je usalem pilge e, nach seine Rückkeh o dem Nikolaus o de S ad B eslau d ei K euze
e ich e , die den Abs and zwischen dem Pila ushaus und dem Kal a ienbe g ma kie en.61 Als äl-
es es Zeugnis ü diese ein ache Fo m des K euzweges mi An angs- und Ends a ion sowie »wah e
Länge« wi d de K euzweg in Lübeck in Ansp uch genommen (Abb. 8).62
E geh au eine le z willige Ve ügung des Ra she n Hein ich Cons in (ges . 1482) zu ück, die
e s 1493 umgese z wu de.63 Da heu e nu noch die An angss a ion an de No dsei e de S . Jakobi-
ki che (eine Bild a el mi de Insch i »Hi beginne de c uced ach Ch is i bu en dem bo chda e
ho Jhe usalem« und de Da s ellung on Ch is us o Pila us, de sich die Hände wäsch )64 und
die Ends a ion au dem Je usalemsbe g o dem Bu g o nö dlich de S ad e hal en sind, is es
wohl zu dem Miss e s ändnis gekommen, de Lübecke K euzweg habe nu diese beiden S a ionen
gehab . Ta sächlich üh e de K euzweg abe zunächs on de No dsei e de Jakobiki che zum
Kanzleigebäude des Ra hauses, wo eine zwei e Ta el angeb ach wa , die – abweichend on de
Leidensgeschich e in den E angelien – da s ell e, wie Joseph (welche ?)65 das K euz Ch is i äg .
Von do wu de wohl die »wah e Länge« des le z en Weges Jesu gemessen, de du ch das Bu g o
o die S ad üh e, wo ie wei e e K euzs a ionen passie wu den. Unmi elba o dem Bu g o
zeig e die ie e K euzwegs a ion, wie Simon on Cy ene Jesus das K euz agen hil . Die ie e
bis sechs e K euzwegs a ion zeig e, »wie de Heiland de Legende nach zum e s en, zwei en und
57 Einzels udien we den im Folgenden genann . Den jüngs en Übe blick bie e Kammel 2018b. Fü den mi eldeu schen Raum
sei e wiesen au Kühne 2014 und Kühne 2013.
58 Holle wege /Rüdige 1997, Sp. 466.
59 Zende 1964.
60 Knelle 1908, S. 56.
61 Knelle 1908, S. 57. – Kammel 2018b, S. 33.
62 Holle wege /Rüdige 1997, Sp. 467 mi de Angabe, de Lübecke K euzweg sei on 1468, was abe ebenso wenig zu i wie
die Behaup ung, es gäbe nu zwei S a ionen. – Kammel 2018b, S. 32.
63 Bal ze e al. 1928, S. 623–627, mi quellen undie e Da s ellung. Die kleine Sch i on Bäume /Schophuis 2008 bie e nich s
Neues, en häl abe einige mode ne Pho og aphien de K euzweg es e.
64 Bal ze e al. 1928, S. 624.
65 Hie dü e an Joseph on A ima häa zu denken sein, denn e komm in allen ie E angelien als Mi glied des Hohen Ra s in de
Leidensgeschich e o , weil e Jesus beg aben ha .
64 | No delbingen 90
zu e klä en sein, dass e an de do igen P a ki che bep ünde wa . Angesich s de he ausgehobe-
nen Pla zie ung seines Gedenks eins lieg die Annahme nahe, e sei P a e bzw. P a s ell e e e
in Weddings ed gewesen. Alle dings kennen wi die Reihen olge de P a e nu ganz lückenha .
Im hie in e essie enden Zei aum wa Magis e Hein ich Vasme on 1508 bis ca. 1540 Inhabe de
P a ei.94 Diese wa abe lediglich de Hambu ge Dom ika , de die P a s elle als P a he (» ec o
ecclesie«) nominell inneha e, sich o O abe du ch einen Vizepleban e e en ließ.95 Diese S ell-
e e ungsp axis wa nich nu in Di hma schen o de Re o ma ion die Regel.96 Deshalb is es gu
möglich, dass Ma in Sche e in de Zei um 1500 als P a s ell e e e in Weddings ed gewi k und
zu seinem Gedäch nis die Bild a el übe dem Ki chenpo al anb ingen ließ. Das gu übe lie e e Bei-
spiel des Vizeplebans And eas B us in Büsum zeig , dass diese P a s ell e e e als die eigen lichen
P a e o O wah genommen und geschä z wu den.97 Da in de Weddings ed e Ki che zudem
zwei Vika ies i ungen bes anden,98 wä e es g undsä zlich auch möglich, dass Sche e eines diese
Bene izien inneha e, doch is es wenig wah scheinlich, dass einem ein achen Messp ies e ges a e
wu de, di ek übe dem Ki chenpo al einen Gedenks ein anzub ingen.
E s An on Vie h ha das Gedenkbild Ma in Sche e s in Weddings ed in einen wei eichenden
Sinnzusammenhang ges ell , indem e diesen mi de Heide S i ung in Ve bindung b ing : »Von
dem Rich =Haus Pila i bis an den Be g Golga ha se z e die Dis an z on de Heyde =Ki che bis
an die Weddings ed e Ki che, allwo e oben an de Thü eben alls einen ausgehauen S ein se zen
lassen«.99 Abe dass de K euzweg die Ki chen in Heide und in Weddings ed e bunden hä e,
um dami ein Rundweg zu bilden, is nich mi de Da s ellung on Neoco us, die Vie h o enba
miss e s anden ha , in Deckung zu b ingen und auch p ak isch nich nach ollziehba .100 Die En -
e nung be äg 5 km, übe s eig also bei wei em alles, was als Dis anz on ande en K euzwegen
de Zei bekann is . Anzume ken wä e auch, dass ein als Rundweg angeleg e K euzweg ganz sin-
gulä wä e. Unzu e end is es zudem, im Zusammenhang de beiden Bildda s ellungen in Heide
und Weddings ed on »Kal a ienbe g« zu sp echen, denn die da ges ell e Au e s ehung ha nich s
mi dem Kal a ienbe g als dem O e K euzigung zu un.101 Ein De ail soll abe nich une wähn
bleiben: In de Weddings ed e P a ki che gab es eine Vika ie Hl. K euz, nach dem Regis e de
Hambu ge Domp ops ei on ca. 1540 »de p esen a ione laico um«,102 abe es läss sich nich e -
weisen, dass dies eine S i ung Ma in Sche e s gewesen wä e und sich das P äsen a ions ech de
Vika ie in de Hand seine Ve wand scha be and. Ein Zusammenhang de Vika ies i ung mi dem
94 Lo enzen-Schmid 2011, S. 261.
95
Siehe die Lis e de Domhe en und – ika e bei Lo enzen-Schmid 2011, S. 156 (Hin icus Vasma i 1508–1544) und die Nennungen
bei Jensen 1958a, S. 347 und S. 355. – Jensen 1958b, S. 13. – Vonde lage 1924 e zeichne ihn nich , nenn S. 127 abe Kon ad
Vaßme 1484/86, de wohl ein Ve wand e wa .
96 Fü Di hma schen Bünz 2006c, S. 261–265. – G undsä zlich Bünz 2023c.
97 Bünz 2005, S. 730–735.
98 Jensen 1934, S. 132.
99 Vie h 1733, S. 36.
100 Rol s 1903, S. 303 e wi die Dinge, indem e mein , die S eine in Weddings ed und Heide dien en dazu, »die En e nung des
Rich hauses des Pila us on dem Be ge Golga ha anzugeben«, und die K euzkapelle in Heide habe den Zweck gehab , »die
En e nung on Je usalem bis zum heiligen G abe anzudeu en«. So i ig auch Knelle 1908, S. 57 nach dem Kuns denkmäle -
in en a on Haup 1887, S. 78 (» e ne bezeichne e e die En e nung on Heide wie on Golga ha zu Pila us’ Haus du ch den
S ein an de Weddings ed e Ki che«), ähnlich Haup 1926, S. 507. Diese Ansich olgen jüngs auch Kammel 2018b, S. 33, und
aus üh liche Hansen 2018, hie bes. S. 91.
101 K i isch schon Schlee 1930, S. 107.
102 Jensen 1934, S. 132.

E. Bünz:
De Geis liche Ma in Sche e und die S i ung des K euzwegs in Heide
| 65
Je usalempilge is schon deshalb nich zwingend, weil das Hl. K euz-Pa ozinium auch in ande en
Di hma sche Ki chen o kam.103
In Heide ha sich alle dings noch ein wei e es Bildwe k e hal en, das mi de S i ung
Ma in Sche e s zusammenhäng . Es handel sich um ein Eichenholz elie im Fo ma 148 x 89 cm
(Abb. 12), das ikonog aphisch de alle dings küns le isch seh iel ein ache en S ein a el in Wedding-
s ed nahes eh .104
Das geschni z e Relie is in einen Holz ahmen einge üg und weis im obe en Be eich go isches
Gesp enge und Gewölbeansä ze au , was ü die gleichzei ige En s ehung on Gehäuse und Relie
sp ich . Das Bildp og amm e s eck sich übe d ei Ebenen. Im Vo de g und dominie die Au -
e s ehung Ch is i. Die Da s ellung des Au e s andenen mi de Rech en, die zum Segensges us e -
hoben is , dem Sa kophag un e seinen Füßen und den schla enden G abwäch e n olg e au en
ikonog aphischen Mus e n. Die Au e s ehungsszene ähnel de au dem e wähn en Tympanon in
Weddings ed . Vom Be ache gesehen un en ech s knie in Gebe shal ung eine Pe son, die du ch
das heu e e lo ene, au dem Wappenschild au gemal gewesene Wappen siche als Ma in Sche e
zu iden i izie en is (
Abb. 13
).
Im Hin e g und de Bild a el sieh man die Silhoue e de S ad Je usalem, aus de en To zwei
kaum e kennba e Pe sonen he aus e en. De Weg üh zum Ga en Ge hsemane, de du ch einen
Flech zaun abgeg enz wi d und in dem Jesus o seine Fes nahme be e (Ölbe gszene). Im Mi -
el eld de Ta el sieh man ganz links un e einem Felsübe hang Ch is us, de sich Adam und E a
zuwende (Limbusszene). Rech s sind die d ei Ma ien au dem Weg zum G ab Ch is i da ges ell .
Das Holz elie is heu e unge ass , doch ha de Heide Küs e , wie E ns Schlee e mi el ha , e s
1860 im Au ag des Ki chen o s ands die Übe malung besei ig .105 Dabei ging auch die geschni z e
He aldik au dem Wappenschild e lo en, bis au einen kleinen Res , denn »de Bogen de Scha -
sche e (is ) an de en sp echenden S elle wie in Weddings ed « e hal en,106 mi ande en Wo en: auch
dieses Wappen e weis au den S i e Ma in Sche e ! Die ikonog aphischen Pa allelen zwischen
dem Weddings ed e Bilds ein und dem Heide Holz elie können deshalb wenig übe aschen, und
Schlee mein soga : »Die Übe eins immung im Mo i ischen – ganz abgesehen on de Iden i ä des
S i e s – e laub es, ü beide Relie s denselben Meis e anzunehmen«.107
Ob dieses quali ä olle Holz elie , »eines de ausgep äg es en Zeugnisse spä mi elal e liche
Schni zkuns an de Wes küs e Schleswig-Hols eins«,108 ehemals als Al a a el ode als Epi aph dien-
e
, is nich meh es zus ellen.109 Kopischke plädie au g und einige De ailbeobach ungen
ü
ein Epi aph.110 Mögliche weise handel es sich um das einzige e hal ene Auss a ungss ück de on
103 Lau Jensen 1934, S. 129–133 gab es K euzal ä e in Ma ne, Ba l , Meldo , Büsum, Neuenki chen und Albe sdo . Bei Haup
1927, S. 316 e scheinen diese Belege nich , da ihm diese Quelle unbekann wa . Ve wiesen sei auch au die Heilig-K euz-Ka-
pelle in Windbe gen, siehe oben Anm. 86.
104 Schlee 1930, S. 108–112 mi Abb. S. 110. – Kuns -Topog aphie 1969, S. 461 mi Abbildung. – Kopischke 1982, S. 361–364 mi
aus üh liche Besch eibung. – Das Holz elie be and sich lange Zei in de Heide F iedho skapelle (sog. Zü phenkapelle),
wi d nun abe in de S . Jü genski che e wah . – Bünz 2020a.
105 Schlee 1930, S. 108–109. – Hie zu auch Kopischke 1982, S. 360.
106 Schlee 1930, S. 109.
107 Schlee 1930, S. 110, mi aus üh liche Beg ündung de s ilis ischen Pa allelen.
108 Kopischke 1982, S. 360.
109 Schlee 1930, S. 109.
110 Kopischke 1982, S. 360 und S. 364.
66 | No delbingen 90
Abb. 12: Relie des Au e s ehenden, zu dessen Füßen ech s un en de Geis liche Ma in Sche e in Gebe shal ung,
Eichenholz, S . Jü gen in Heide. Fo o: Ha mu Kühne.
E. Bünz:
De Geis liche Ma in Sche e und die S i ung des K euzwegs in Heide
| 67
Sche e ges i e en Heilig-K euz-Kapelle, die am Ende des K euzwegs s and und in de deshalb die
Da s ellung de Au e s ehung du chaus olge ich ig gewesen wä e. Dem s eh alle dings die Au -
assung Kopischkes en gegen, es habe sich bei dem Holz elie um das Epi aph Ma in Sche e s ge-
handel . Die Diskussion dieses an de schleswig-hols einischen Wes küs e auße gewöhnlichen Kuns -
we kes is also noch nich abgeschlossen.111 Wenn man on de Epi aph unk ion des Relie s ausgeh ,
dü e es bald nach dem Tod Sche e s (1515) gescha en wo den sein.
T o z eine insgesam ech dü igen Übe lie e ung ha es sich gelohn , dem Leben des Geis lichen
Ma in Sche e und seinen S i ungen nachzugehen, die in zwei e hal enen Kuns we ken bis heu e
noch g ei ba sind. Übe den Lebensweg Ma in Sche e s is nu wenig bekann . E wa als Geis liche
siche lich in Heide bep ünde , das auch als sein Heima o anzusehen is , e dü e abe auch mi de
P a ki che in Weddings ed e bunden gewesen sein. Sein do iges S i e bild übe dem Ki chenpo -
al sp ich da ü , dass e do als P a s ell e e e (Vizepleban) gewi k ha . 1496 un e nahm Sche e
eine Pilge ah nach Je usalem, die ie e Eind ücke bei ihm hin e lassen haben muss, denn danach
s i e e e in Heide einen K euzweg, de on de S . Jü genskapelle im O bis zu eine on ihm e -
ich e en Heilig-K euz-Kapelle ös lich on Heide üh e. Diese S i ung en sp ich de au Ch is us
zen ie en F ömmigkei des ausgehenden Mi elal e s. Zwa is nich bekann , wann genau Sche e
den Heide K euzweg e ich en ließ, doch dü e e du ch den 1493 in Lübeck e bau en K euzweg
ange eg wo den sein. Die S i ung Sche e s zeig , dass zei genössische F ömmigkei simpulse auch
in Di hma schen au geg i en wu den und zu S i ung eines K euzwegs in Heide üh e. Sowohl das
111 Die Bea bei ung des Co pus de mi elal e lichen Holzskulp u und Ta elmale ei 2009–2019 wi d nich o gese z und des-
halb Di hma schen nich meh e ass .
Abb. 13: Ma in Sche e in Gebe shal ung mi Wappenschild. Ausschni aus dem
Relie des Au e s ehenden in S . Jü gen zu Heide. Fo o: Ha mu Kühne.
68 | No delbingen 90
s eine ne S i e bild in Weddings ed als auch die hölze ne Bild a el in Heide zeigen den Au e s ande-
nen, de on Ma in Sche e – au beiden Ta eln kniend als O an da ges ell – demü ig e eh wi d.
1515 is de omme Mann ges o ben und in de S . Jü genskapelle in Heide beigese z wo den.
Ma in Sche e g i mi seine K euzwegs i ung inno a i e Tendenzen de F ömmigkei im Jah -
hunde o de Re o ma ion au , die bis heu e iel zu wenig bekann sind. Einzels udien wie die
o liegende agen dazu bei, die Neuansä ze des Glaubenslebens um 1500 besse zu e s ehen. Die
F ömmigkei des ausgehenden Mi elal e s wa au Ch is us ausge ich e , dessen Leiden und E lö-
sungswe k den Gläubigen du ch eine Vielzahl on Bildwe ken nach ollziehba o Augen ge üh
wu de. Diesem Zweck dien e auch die E ich ung on K euzwegen, die nö dlich de Elbe du ch die
Zeugnisse in Lübeck und in Heide anschaulich dokumen ie is . Ungeach e eine eichen und iel-
äl igen Fo schung zu Ch is en umsgeschich e de Vo e o ma ion we den imme wiede S e eo ypen
on eine bloß leis ungso ien ie en, obe lächlichen und e äuße lich en F ömmigkei bemüh , um
die p axis pie a is des ausgehenden Mi elal e s zu besch eiben und on de Re o ma ion abzug en-
zen. Die inno a i en Züge de F ömmigkei um 1500 liegen abe auch da in, dass die Gläubigen du ch
K euzwege und ande e Bildwe ke dazu angelei e wu den, die Passion Ch is i nachzu ollziehen, zu
beg ei en und zu e inne lichen. Dies wa eine Glaubenshal ung, die on de Re o ma ion nich übe -
wunden, sonde n au geg i en und wei e en al e wu de.
Abs ac
This essay deals wi h a li le-known phenomenon in he his o y o he chu ch and pie y in Di hma schen
and places i in he dynamic o p axis pie a is in he cen u y be o e he Re o ma ion. The ocus is on he
ma ke own o Heide, which became he poli ical cen e o he peasan epublic o Di hma schen in he
second hal o he 15 h cen u y. The e, he cle gyman Ma in Sche e , who had unde aken a pilg im-
age o Je usalem in 1496, ounded a Way o he C oss ha led om S Jü gen’s Chu ch in Heide o a
chapel o he eas o he own. Al hough no hing has su i ed o his ounda ion o he Way o he C oss,
he ew sou ces a ailable allow us o ca ego ise he ounda ion. I was p obably di ec ly modelled on
he Way o he C oss which was e ec ed in Lübeck a he end o he 1480s and o which se e al S a ions
o he C oss ha e su i ed. The ea ly S a ions o he C oss, which we e es ablished in Ge man-speak-
ing coun ies in he second hal o he 15 h cen u y, ini ially comp ised only wo s a ions. Howe e , ol-
lowing he example o he Se en Falls o Jesus on he way o he c oss, S a ions o he C oss wi h se en
s a ions we e also e ec ed, such as in Lübeck, Nu embe g o Bambe g, which made he Passion o
Ch is comp ehensible wi h hei pic o ial p og amme. This conc e e i idness was u he enhanced
by he ac ha he S a ions o he C oss we e measu ed by hei ounde s acco ding o he dis ance o
Jesus’ Way o So ows in Je usalem, as is also documen ed o Heide. Ma in Sche e will ha e walked
he Via dolo osa in Je usalem, and so he was la e able o base his Way o he C oss in Heide on an au-
hen ic, i no necessa ily p ecise, measu emen . Sche e is one o he ew cle gymen o he la e Middle
Ages in Di hma schen o whom one can o m a pic u e. A s one elie on he chu ch in Weddings ed and
a wooden elie in S Jü gen’s Chapel in Heide show he cle gyman, who died in 1515, kneeling in p aye
be o e he esu ec ion o Ch is . A leas he high-quali y ca ing in Heide, pe haps commissioned as
an epi aph, could be connec ed o he S a ions o he C oss in Heide dona ed by Sche e .
E. Bünz:
De Geis liche Ma in Sche e und die S i ung des K euzwegs in Heide
| 69
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70 | No delbingen 90
Beglei band zu Doppelauss ellung Pilge spu en. Von Lü-
nebu g an das Ende de Wel 26. 07. 2020–01. 11. 2020 Mu-
seum Lünebu g, Wege in den Himmel 03. 10. 2020–14. 02.
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Au o
P o . D . Enno Bünz
Inhabe des Leh s uhls ü Sächsische und Ve gleichende Landesgeschich e an de Uni e si ä
Leipzig, im Nebenam Di ek o des Ins i u s ü Sächsische Geschich e und Volkskunde in D esden.
Schwe punk e in Fo schung und Leh e sind die Mi elal e liche Geschich e, die Re o ma ionsge-
schich e und die Ve gleichende Landesgeschich e. Einen Schwe punk bilden dabei die Ki chen- und
F ömmigkei sgeschich e des spä en Mi elal e s. De Ve asse be ei e u. a. eine Ch is en umsge-
schich e Di hma schens om 8. bis 16. Jah hunde o .
E-Mail:
[email p o ec ed]
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| 73
PAUL NAWROCKI
Das Ch is kind und de Kaise
Übe legungen zum Bo desholme Al a
Das meis beach e e mi elal e liche Re abel in Schleswig-Hols ein is ganz siche das des Bo desholme
Al a s on Hans B üggemann, das sich sei 1666 im Schleswige Dom be inde . Schon im 19. Jah hun-
de
and es eiche kuns his o ische Beach ung. Nach de Monog a ie on Ingebo g Kähle 1981 sind
neben einzelnen Au sä zen o allem ein on Uwe Alb ech , Ha mu K ohm und Ge ha d Kaldewei
1996 anlässlich eine Auss ellung in de Kiele Landesbiblio hek konzipie e Tagungsband zu nen-
nen sowie die einschlägige B üggemann-Monog a ie on Jan F ied ich Rich e aus dem Jah e 2011.1
Zule z bo das 500-jäh ige Bes ehen des Al a e abels 2021 den Anlass ü eine Tagung und den an-
schließenden Tagungsband.2 Das Re abel bie e also imme noch S o ü wei e e Fo schung. Zwei
P obleme sollen hie einmal e was genaue un e such we den: die Bes ückung des Tabe nakels in de
P edella und die Iden i izie ung de beiden g oßen Figu en, die den Al a au Säulen beglei en (und
de zei links on ihm au ges ell sind).
Das Al a abe nakel
Wäh end die bishe ige Fo schung sich da in einig wa , dass das Tabe nakel in de P edella ein Sa-
k amen ssch ein is , welche de Au bewah ung de Eucha is ie – wah scheinlich in Ges al eine
Mons anz mi de geweih en Hos ie – dienen soll e (
Abb. 1
), ha jüngs de Theologe Thomas
S e nbe g eine öllig neue These au ges ell , nach de sich do on An ang an die Ch is kind igu
be unden habe, die noch heu e do au ges ell is .3
E sieh in dem o sp ingenden, e gi e en Tabe nakel deshalb keinen Sak amen ssch ein zu
Au bewah ung de Hos ie, sonde n ehe einen Reliquiensch ein ü das Bildwe k, obwohl diesem
ga kein Reliquiencha ak e zukomm . E e wäg soga , das Tabe nakel könne eigens ü die Ch is -
kind igu gescha en wo den sein; diese soll die wich ige, sons au dem Re abel abe ehlende
1 Kähle 1981. – Alb ech e al. 1996. – Rich e 2011.
2 Auge e al. 2023. – Vgl. dazu auch die Rezension in diesem Band.
3 S e nbe g 2023.
Kiel-UP •
h ps://doi.o g/10.38072/2941-3362/p13
80 | No delbingen 90
Abb. 4: Augus us und die Sibylle in einem Heilsspiegel, um
1400. Aus: Appuhn 1981, S. 23.
Abb. 5: Augus us und die Sibylle an einem Heilsspiegel, um
1460. Aus: S e nbe g 2023, S. 139.
← Abb. 6: Rogie an de Weyen, linke Flügel des Bladelin-
T ip ychons aus Middelbu g, 1445–1448. Gemäldegale ie Be lin.
↑ Abb. 7: Hen ik Dou e man: Augus us und die Sibylle am
Siebenschme zen-Ma ien-Al a , 1518–1522. Aus: Naw ocki
2017, S. 10.

P. Naw ocki: Das Ch is kind und de Kaise  | 81
den.33 Ingebo g Kähle and, die Salomon e sion wü de »g undsä zlich in das Gesam konzep de
Al a ikonog aphie du chaus hineinpassen«, blieb abe doch angesich s de »Bild adi ion« bei de
Augus us e sion.34
1996 g i Ke s in K upcke die Salomon e sion wiede au .35 Sie wies au die Unge eim hei en
de Augus us e sion hin, auch au die mäch ige Tu bank one, die doch ehe zu einem o ien ali-
schen He sche passe. Vo allem bezog sie die Li e a u zu mi elal e lichen K euzholzlegende
und besonde s die Sibyllenweissagungen mi ein, die Aussagen zum gesam en mi elal e lichen
Wel e s ändnis en hal en:36 zu Schöp ungsgeschich e, zu Passion Ch is i, zum Heiligen Römi-
schen Reich und ausd ücklich auch zum Jüngs en Ge ich . Dass auch de Niede gang des Juden-
ums p ophezei wi d, e klä nach K upcke die passi e Hal ung des Mannes, in dem sie König
Salomon sieh , de – im Gegensa z zu Augus us – »den kommenden Ch is us nich als Höhe -
s ehenden ane kenn «.37 Dies küns le isch auszud ücken, is na ü lich schwie ige als die Vision
des Augus us da zus ellen. Imme hin e scheinen beide Szenen in de Schedelschen Wel ch onik
(1493): die Vision des Augus us, e bunden mi dem Be ich de Legenda Au ea (Abb. 9), und die
»Sibilla saba«, die »Salomon Rex« besuch (Abb. 10). Die Königin on Saba wi d do als P ophe in
bezeichne , die wegen ih e Weissagung » om Hol z des heiligen K eu zes und on ze s ö ung de
Juden« eine Sibilla genann wi d
.
Es äll au , dass S e nbe g au diese Übe legungen übe haup nich eingeh , sonde n » ü die
al e, geläu ige In e p e a ion als Augus us und Sibylla Tibu ina« ein i .38 Aus den zahl eichen Da -
s ellungen de A a-Coeli-Szene, die sich sei dem 14. Jah hunde e olgen lassen, schließ e , sie
sei um 1500 »li e a isch und bildne isch so allgemein bekann und e au , dass ein gebilde e Be-
33 Fuglsang/E ha d 1959, S. 9–10.
34 Kähle 1981, S. 87.
35 K upcke 1996 mi Hinweisen au Man e 1931 und Neske 1985.
36 Vgl. die Zusammen assung bei Neske 1985, S. 3–4.
37 K upcke 1996, S. 194.
38 S e nbe g 2023, S. 138.
Abb. 8: Le ne bogen in de P a ki che on Sie sdo , um 1520–1530.
Aus: Rich e 2011, S. 29.
82 | No delbingen 90
ach e o 500 Jah en diese Szene so o als Weissagung de Gebu Jesu an Augus us du ch die
Sibylle iden i izie ha . Eine ande e Deu ung hä e eines Ti els ode deu liche Hinweise bedu «.39
Einmal abgesehen da on, dass B üggemann ni gends e deu lichende Ti el e wende ha , ag
es sich abe , ob de »gebilde e Be ach e « auch beim Anblick des Bo desholme Re abels und seine
beiden Neben igu en so o zu diese Iden i ika ion kommen konn e. Ta sächlich sp echen ge ade
die e wähn en Da s ellungen, die S e nbe gs These s ü zen sollen, gegen eine Iden i izie ung de
Säulen igu en mi de A a-Coeli-Szene. Bei diesen Da s ellungen is de Bezug zwischen den d ei
Pe sonen imme deu lich sich ba : Die Sibylle s eh en wede o dem h onenden Augus us und
weis au die Madonnen ision (Abb. 4 und 5), ode sie s eh hin e dem be end knienden Kaise ,
de inzwischen seine K one abgeleg ha , und schau mi ihm gemeinsam do hin (Abb. 6 und 7).
39 S e nbe g 2023, S. 140.
Abb. 9: Augus us (Oc a ian) und die Si-
bylle aus de Schedelschen Wel ch onik,
1493, mi dem Be ich aus de Legenda
Au ea. Aus: Füssel 2018, Bla 93 .
Abb. 10: ›Salomon Rex‹ und ›Sibilla saba‹
aus de Schedelschen Wel ch onik, 1493.
Aus: Füssel 2018, Bla 46 .
P. Naw ocki: Das Ch is kind und de Kaise  | 83
Auch wo die Figu en au e schiedenen Sei en s ehen, wie im Falle des Sie sdo e Le ne bogens
(Abb. 8), is die Gemeinsamkei des Visionse lebnisses deu lich e kennba .40
Beim Bo desholme Al a is all dies nich de Fall. »Augus us« (Abb. 3) wi k passi . E zeig
nich die E g i enhei , die au den e wähn en Da s ellungen du chaus e kennba is . E blick ga
nich zu Madonna, e knie nich be end niede , und na ü lich leg e seine g oße Tu bank one
auch nich ab.41 Vo allem: Die beiden Säulen igu en lassen nich den unmi elba en Zusammen-
hang mi de S ahlenmadonna e kennen, zumal sie u sp ünglich in einige En e nung au ges ell
wa en42 und die Madonna bei geschlossenem Re abel ga nich zu sehen wa . Le z e es wa ü Jan
F ied ich Rich e ein A gumen ü die Annahme, die männliche Säulen igu sei als König Salomon
zu deu en.43 S e nbe g sieh hie eben alls »ein gewich iges A gumen «,44 mi dem e sich abe ga
nich auseinande se z .
E s die Übe nahme de Augus uslegende gib S e nbe g die Möglichkei , den Kaise als o bild-
lichen He sche und F iedens ü s en he auszus ellen, in dem sich He zog F ied ich »gespiegel
sehen woll e«:45 Wie jene habe e einen Al a e ich e und wie e (de Ga an de pax omana)
habe e F iedenswah ung be ieben.46 Zwa pass die E inne ung an den ömischen F iedenskaise
gu zum Geis de Renaissance, und es lassen sich du chaus einschlägige Quellen dazu an üh en,47
doch dü e es keine zei genössischen Quellen geben, die S e nbe gs Hypo hese übe F ied ichs
Selbs einschä zung bes ä igen können.
Sieh man in den beiden Säulen igu en den jüdischen König Salomon und die p ophezeiende
Sibylle, dann ände sich ih e Pe spek i e. Sie bezieh sich nich meh au ein bes imm es E eignis,
e wa die E scheinung de S ahlenmadonna ode eine agwü dige Ch is kind igu , sonde n au
die Gesam hei de ch is lichen Heilsgeschich e, on de jedoch das Re abel nu die Passionszei
zeig . Es handel sich hie abe um einen Flügelal a , was e s aunliche weise bei den bishe igen
E ö e ungen kaum eine Rolle spiel e. Schon ü die bes ehenden Flügel ücksei en muss ein Ge-
mäldep og amm exis ie haben, und auch die beiden zusä zlichen Flügel, die heu e im nö dlichen
Dom-Nebencho s ehen, können nich ohne die Absich eine Bemalung en s anden sein. Übe die
o gesehenen Fassungen wissen wi nich s, und es läss sich e lich da übe spekulie en. Is es
abe zu gewag , eine Bebilde ung anzunehmen, die ge ade die angeblich ehlende Inka na ion,
die Geschich e um die Gebu Ch is i, zeigen soll e? Neben de geschni z en Passions- und Os e -
ansich hä e es eine gemal e Weihnach sansich gegeben. Ein zusä zliches »Ch is kind« im Tabe -
nakel hä e keinen Sinn.
40 Vgl. die Abbildungen bei Rich e (2011, Abb. 8, 10, 11), Naw ocki (2017, Abb. 2–4), S e nbe g (2023, Abb. 3–6) und Ka en-
b ock (2023, Abb. 5, 6, 8, 9).
41 Diese K one, die du ch ih e aus dem Tu ban he aus agenden Spi zen an die S ahlenk onen spä an ike Kaise e inne , könn-
e ü die Augus us e sion sp echen, weil au eine ühen Da s ellung de A a-Coeli-Szene (Abb. 4) Augus us eine solche
K one äg . Abe sie e schein auch au eine G a ik on Al do e (1519), die König Salomons Gö zendiens (1.Kön. 11, 1-12)
zeig ( gl. Naw ocki 2017, Abb. 7), und Kähle (1981, S. 86) e mu e e da in eine »we eie Kennzeichnung des Heiden ums«.
42 So nach Abb. 13, die höchs wah scheinlich auch den eins igen Ve häl nissen in Bo desholm en sp ich .
43 Rich e 2011, S. 27. Spä e (Rich e 2019) is nu noch on Salomon die Rede.
44 S e nbe g 2023, S. 141.
45 S e nbe g 2023, S. 141 u. 147.
46
S e nbe g (2023, S. 140–141) e inne an seine Neu ali ä spoli ik Dänema k gegenübe und bezeichne ihn ga als »neuen
F iedenskaise « (S. 147). Vgl. dagegen Rich e (2011, S. 26), de mi Bezug au dänische Un e suchungen F ied ichs mach -
poli isches Kalkül be on .
47 Vgl. e wa Kähle 1981, S. 86–87.
84 | No delbingen 90
Zu Posi ion de Säulen igu en
Die äl es e bekann e Abbildung des Schleswige Domcho es (1819, Abb. 13) zeig die beiden Säu-
len igu en, dem Al a in ela i g oßem Abs and zugewand und allsei ig ech gu zu sehen, o
den ös lichen Abschlusswangen des Cho ges ühls, und dem en sp ach wah scheinlich auch ih e
eins ige Posi ion in Bo desholm.
Ih e imme wiede e wähn en » e ausch en Posi ionen« kamen zus ande, als man sie nach
dem Abb uch des Schleswige Le ne s (1847) zu on alen Ansich neben den Al a s ell e. Die
nö ige D ehung bewi k e, dass die Sibylle nun om Al a weg in den Cho zeig e (Abb. 3 und
12
).48
Wenn neue dings e mu e ode ga behaup e wi d, die Säulen igu en hä en in Bo desholm
ci ca zwanzig Me e o dem Al a , d. h. o dem Cho zugang ges anden,49 so ließe sich das noch
mi de Salomon e sion e einba en, abe kaum schlüssig beg ünden. Es wide sp ich o allem
dem Co onaeus-Be ich on 1637. Danach sollen die Figu en ein on B üggemann »kon e ei es«
Ehepaa da s ellen, das den Al a besich ig e; die F au soll ih em Mann dabei »mi ih en Finge n«
48 Die Säulen igu en wu den im Rahmen de g oßem Dom es au ie ung 2018–21 en e n , s ehen links neben dem Al a und sind
noch nich wiede au ih en Säulen au ges ell .
49 Naw ocki 2018, S. 126, besonde s, abe ohne Beg ündung: Rich e 2019, S. 36–37.
Abb. 11: Die S ahlenmadonna. Aus: Auge e al.
2023, Ta el 2.
P. Naw ocki: Das Ch is kind und de Kaise  | 85
Abb. 12: De Bo desholme Al a mi den Säulen igu en o 2021. Aus: Kähle 1981, Umschlagsbild.

86 | No delbingen 90
die Bilde gezeig haben.50 Co onaeus hä e dies siche nich sch eiben können, wenn die Figu en
a sächlich zwanzig Me e en e n ges anden hä en. Au dem Bild on 1819 weis die F au abe ga
nich au den Al a , sonde n au den Mann, und es s ell sich dahe die F age, ob den beiden Hand-
we ke n, die 1666 mi dem T anspo und Au bau des Al a es in Schleswig be au wa en, nich a -
sächlich eine Ve wechslung un e lau en is . Die Sybillensäule links om Re abel au zus ellen, dü e
dem Co onaeus-Be ich wohl am bes en en sp echen.
50
Vgl. Alb ech 1996, S. 27 (Faksimile) und Rich e 2011, S. 120. Dass es sich nach Co onaeus um König Ch is ian II. und seine F au
Isabella, die Schwes e Kaise Ka ls V., gehandel haben soll, wu de schon on Augus Sach (1895, S. 55–57) und neue dings on
Rich e (2011, S. 26) wide leg und be üh nich unse e P oblema ik. Dagegen is es beme kenswe , dass in de la einischen Fas-
sung (Wes phalen 1740, Sp. 598) nich on »Finge n«, sonde n nu on einem Finge die Rede is (» igu as digi o commons an e«),
ielleich ein Hinweis da au , dass Saue manns Res au ie ung 1883/84 mi ih em deu lichen Finge ges us ko ek wa .
Abb. 13: Blick in den Schleswige Domcho 1819, nach einem e schollenen Gemälde on
Jes Bundsen. Aus: Rich e 2011, S. 31.
P. Naw ocki: Das Ch is kind und de Kaise  | 87
Insgesam zeig sich, dass zen ale Aspek e
des Bo desholme Al a es noch nich abschließend ge-
klä sind. Wissenscha leb on Thesen und de en Diskussion, auch on gegen eiligen A gumen en.
Dessen soll e man sich imme bewuss sein, wenn au einem dünnen Quellenbe und und ge ade bei
exzep ionellen We ken wie diesem Re abel Lösungen o geschlagen we den. Die Fo schung is also
nich abgeschlossen und geh imme wei e .
Abs ac
In his essay The Ch is Child o Bo desholm, Thomas S e nbe g a gues ha he Ch is Child igu e,
which is loca ed in he abe nacle o he Bo desholm P edella, was o iginally placed he e as a symbol
o he depic ion o he inca na ion o Ch is ha is o he wise missing on he e edos. This in e p e a-
ion should be ejec ed as e idenced by he impo ance o he Feas o Co pus Ch is i in Bo desholm
and he nume ous la e medie al sac amen cabine s. The p oduc ion o Ch is igu es was popula and
widesp ead a ound 1500. Howe e , he e is no e idence o hei placemen in sac amen al abe na-
cles. In his in e p e a ion o he wo column igu es ha accompany he al a , Thomas S e nbe g e e s
o he hypo hesis ha his is he amous scene om The Golden Legend, in which he Tibu ine Sibyl
announced he bi h o Ch is o he Empo e Augus us. This is in ended o jus i y he o he wise unsub-
s an ia ed assump ion ha Augus us, as P ince o Peace and al a ounde , had an exempla y e ec on
F ed ick. Recen esea ch ejec s he Augus us e sion o good easons. S e nbe g does no acknowl-
edge he mo e comp ehensi e in e p e a ion ha he p ophesying Sibyl wan s o b ing he Ch is ian
wo ld iew close o King Solomon
.
Li e a u
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Bd. 2., Leipzig 1740.
Au o
D . Paul Naw ocki
Langjäh ige Obe s udien a (Geschich e und Geog aphie) an de Domschule in Schleswig. Nach de
Pensionie ung S udium de Kuns geschich e und P omo ion an de Ch is ian-Alb ech s-Uni e si ä
zu Kiel. Publika ionen besonde s zu mi elal e lichen A chi ek u geschich e Dänema ks und Schles-
wig-Hols eins.
E-Mail:
paul.naw ocki@ eene .de
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| 89
ANNA JOLLY
Fü s liche Geschenke
Pe sische Seidengewebe aus Schloss Go o
In de Zei des D eißigjäh igen K ieges bemüh e sich He zog F ied ich III. on Schleswig-Hols ein-
Go o ( eg. 1616–1659) um die Au nahme on Handelsbeziehungen zwischen seinem He zog um
und dem Reich de Sa awiden-Dynas ie, welches damals e was g öße als de heu ige I an wa . Im
Jah 1635 ek u ie e F ied ich III. eine Delega ion on 94 Männe n ü eine Gesand scha an den
Ho des pe sischen Schahs Ṣa ī I. ( eg. 1629–1642) in Is ahan.1 Sie soll en zwischen Schleswig-Hol-
s ein und Pe sien ein Handelsabkommen ü den Impo i anische Rohseide – Haup expo gu des
pe sischen Reiches – ia Russland und die Os see nach No deu opa e einba en. Im Gegenzug bo
He zog F ied ich III. dem Schah ein Bündnis gegen das Osmanische Reich an, mi dem I an sei
dem 16. Jah hunde in k iege ischen Auseinande se zungen um die Kon olle de Gebie e an de
gemeinsamen G enze s and. Eine o angegangene Delega ion an den ussischen Ho ha e mi Za
Michail Fjodo owi sch ( eg. 1613–1645) be ei s ein Abkommen übe eine zehnjäh ige Zollbe eiung
des T ansi handels du ch ussisches Gebie und en lang de Wolga gegen eine jäh liche Gebüh
e einba . Die da an anschließende Gesand scha nach Is ahan wu de om Diploma en Philipp
C usius (1597–1676) und dem Hambu ge Kau mann O o B üggemann (1600–1640) gelei e . De
Uni e salgeleh e Adam Olea ius (1599–1671) beglei e e die Delega ion als Be a e und Sek e ä und
e ass e spä e einen aus üh lichen Be ich übe ih e aben eue liche Reise.2 Wei e e Delegie e ka-
men aus e schiedenen no deu opäischen Gebie en. Sie eis en pe Schi on T a emünde übe die
Os see nach Na a, on do au dem Landweg nach Moskau, dann wiede mi dem Schi die Wolga
hinau und übe das Kaspische Mee nach De ben und on do au dem Landweg übe Qaz in und
Kashan nach Is ahan, wo sie schließlich am 3. Augus 1637 ankamen. Die Reise daue e as zwei
Jah e. Wäh end ih es ün mona igen Au en hal s am pe sischen Ho gelang es den Gesand en jedoch
nich , eine Einigung mi dem Schah zu e zielen. So muss en sie im Dezembe 1637 wiede ab eisen,
ohne ih e Mission e üll zu haben.
1 Zu Geschich e de schleswig-hols einischen Gesand scha nach Is ahan gl. Lohmeie 1971, S. 9–28. – Ma hee 1999,
S. 141–142. – Kuhl 2017, S. 14–16. – Khodaee 2017.
2 Vgl. Olea ius 1647. – Olea ius 1656.
Kiel-UP •
h ps://doi.o g/10.38072/2941-3362/p14
96 | No delbingen 90
Kombina ion de ande en Fa ben a iie on einem zum nächs en S ei en. Dadu ch un e scheiden
sich die Fa ben des ansons en in gleiche Fo m wiede hol en P lanzenmo i s inne halb de B ei e de
Gewebebahn. Wäh end die Fa ben de hellblauen, himmelblauen, g ünen und gelben Flo ke äden
noch isch e scheinen, sind die ehemals osa a benen und o ange a benen Flo ke äden zu einem
c eme- bzw. beige a benen Ton e blass . Ih e u sp ünglichen Fa ben sind in den on den F ansen be-
deck en Randpa ien noch zu e kennen. Beide Bezüge sind ingshe um mi geweb en F ansenbo en
aus a bigen Seiden- und e golde en Me all äden e zie (Abb. 6).23 Zwei kleine e Teils ücke des
gleichen Sam gewebes haben sich in Kopenhagen an zwei langen Lamb equins eine ehemaligen Be -
deko a ion e hal en (
Abb. 7a
–
b
).24
Die Fa ben des Sam lo s sind do jedoch s ä ke e blass als in
den in Schleswig e hal enen Teils ücken des gleichen Gewebes.
23 Die geweb en F ansenbo en, welche an den S uhlbezügen im Museum in Schloss Go o (In . N . 1924/4–5 u. In . N .
1924/6–7) sowie an den in de Royal Danish Collec ion in Kopenhagen bewah en Lamb equins (In . N . 31 Rulle 3 h, i) ange-
b ach sind, bes ehen aus a bigen Seiden- und e golde en Me all äden, die als Ke - und Schuss äden e a bei e sind. Sie
passen a blich pe ek zu den sie schmückenden Sam geweben und dü en dahe geziel ü diese Ve wendung ausgewähl ,
wenn nich ga eigens da ü he ges ell wo den sein.
24 Kopenhagen, Royal Danish Collec ion, In . N . 31 Rulle 3 h, i; gl. Bie 1995, S. 51–53, S. 83, Tab. VII.
Abb. 5: Mus e appo des Sam gewebes om Si zbezug In .
N . 1924/7. Ausschni aus Abb. 4a.
Abb. 6: F ansenbo e am Si zbezug In . N . 1924/7. S i ung Schles-
wig-Hols einische Landesmuseen Schloss Go o , Schleswig.
Museum ü Kuns und Kul u geschich e. Fo o: Anna Jolly, 2023.

A. Jolly: Fü s liche Geschenke | 97
Au de Un e sei e des mi blauem Leinens o ge ü e en Si zbezugs is ein schmale Papie ze el
angeb ach , au dem in Tin e »He zog Ch is ians Gemach« no ie is (Abb. 8). Diese Besch i ung
e laub es, den o mals mi diesem Gewebe bezogenen S uhl im In en a de Mobilien aus dem Jah
1695 in He zog Ch is ians Schla kamme zu lokalisie en.25 Do sind zwei Lehn- und zwei Ta els ühle
»mi pe sianischen Zeugen übe zügen da an Gold und seidene F än zen« e wähn .26 In den ühe en
In en a en on 1663 und 1666 we den in diesem Schla gemach noch keine S ühle e wähn , s a des-
sen wu den do damals Be o hänge, ein Be himmel, eine Be decke sowie meh e e Tischdecken
aus pe sischen S o en e zeichne (siehe oben, S. 92).27
Das zwei e Paa de im Museum ü Kuns und Kul u geschich e au Schloss Go o e hal enen S uhl-
bezüge is aus einem meh a bigen Sam gewebe gea bei e , dessen Mus e g üne Zyp essen an einem
kleinen Teich und umgeben on bun en Blü en anken zeig (Abb. 9a, 9b und Abb. 10a, 10b).28 Auch die-
ses Sam gewebe weis einen seidenen Flo und eine Me alls ei en im G und au , mi dem Un e schied,
dass die eingeweb en Me alllahne in diesem Fall silbe a ben sind (siehe die Gewebeanalyse im Anhang
2). Wie im oben besch iebenen Sam gewebe wu den auch hie die Flo ke äden au dem Webs uhl in
d ei a bigen e ikalen S ei en angeo dne . Die Gewebeb ei e und die Mus e komposi ion mi jeweils
höhen e se z wiede hol en Mo i en en sp echen eben alls dem Sam gewebe des ande en S uhlbezugs,
und de web echnische Mus e appo e schein auch hie d ei Mal inne halb de Gewebeb ei e.
De Si zbezug is mi einem blass osa a benen Leinens o ge ü e . De Übe zug de Rückenlehne
is hingegen aus zwei zusammengese z en Abschni en eines gemus e en Seidengewebes mi kleinen
Tie - und Blumenmo i en gea bei e (
Abb. 11
). Die Rückenlehne und die ausgespa en Ecken des
Si zbezugs sind au de Vo de sei e mi geweb en F ansenbo en aus gelben und weißen Seiden äden
e zie (
Abb. 12
).
Leide is au de Rücksei e des Si zbezugs kein Hinweis au seinen ehemaligen
25 Mogens Benca d e mu e e be ei s diesen Zusammenhang; gl. Benca d 1995, S. 67, 69, u. S. 75, Anm. 28.
26 LASH, Ab . 7, N . 196, un e N . 9.
27 LASH, Ab . 7, N . 194 u. N . 195, jeweils un e N . 7.
28
Die au den Fo os de Vo de sei e des Si zbezugs sich ba en ho izon alen schwa zen Linien sind obe lächliche Ve schmu zungen.
↑ Abb. 7a: Lamb equin eine ehemaligen Be deko a ion
(Ausschni ), Schleswig, um 1640. Obe s o : Gemus e es
Sam gewebe, I an, e s es D i el 17. Jah hunde . Kopenha-
gen, The Royal Danish Collec ion, Schloss Rosenbo g, In . N .
31 Rulle 3 h. Fo o: The Royal Danish Collec ion, Be i Mølle .
← Abb. 7b: Sam gewebe am ech en Rand des Lamb equins,
Ausschni aus Abb. 7a. The Royal Danish Collec ion, Schloss
Rosenbo g, In . N . 31 Rulle 3 h. Fo o: The Royal Danish Col-
lec ion, Be i Mølle .
98 | No delbingen 90
Abb. 8: Au gekleb e Papie ze el au dem Leinen u e des Si zbezugs In . N . 1924/7 in Abb. 4b. S i ung Schleswig-Hols einische
Landesmuseen Schloss Go o , Schleswig. Museum ü Kuns und Kul u geschich e. Fo o: Anna Jolly, 2023.
Abb. 9 a–b: Bezug de Rückenlehne eines S uhls, Schleswig, um 1640, 38 x 68 cm. Obe s o aus gemus e em Sam gewebe,
Fu e s o aus gemus e em Ta gewebe, I an, e s es D i el 17. Jah hunde . S i ung Schleswig-Hols einische Landesmuseen
Schloss Go o , Schleswig. Museum ü Kuns und Kul u geschich e, In . N . 1924/4, Vo de - und Rücksei e. Fo o: Museum ü
Kuns und Kul u geschich e Schloss Go o .
Abb. 10 a–b: Si zbezug eines S uhls, Schleswig, um 1640, 58 x 75 cm. Obe s o aus gemus e em Sam gewebe, I an, e s es
D i el 17. Jah hunde . S i ung Schleswig-Hols einische Landesmuseen Schloss Go o , Schleswig. Museum ü Kuns und
Kul u geschich e, In . N . 1924/5: Vo de - und Rücksei e. Fo o: Museum ü Kuns und Kul u geschich e Schloss Go o .
A. Jolly: Fü s liche Geschenke | 99
S ando im Schloss e hal en. Das In en a de Mobilien on 1695 e zeichne jedoch in de soge-
nann en »B au ode Königs Camme « zwei S ühle mi »doppel en Übe zügen on g ünen Pe siani-
schen Zeug, mi Silbe n G und «.29 Im In en a on 1666 we den in de »Schla camme nebs dem
Königl. Gemach« zudem »6 S ühle on Gold und Silbe n S ück, mi weisem G und« e zeichne .30
Vielleich s amm das noch e hal ene Paa S uhlbezüge also aus einem diese Gemäche . Das als Kö-
nigliches Gemach bezeichne e Zimme zähl e in de zwei en Häl e des 17. Jah hunde s eben alls zu
den Gäs e-Appa emen s im zwei en Obe geschoss.31
Von dem Sam gewebe mi e se z angeo dne en Zyp essen und ehemals silbe nem G und is
in Dänema k kein wei e es Teils ück e hal en. Auch in ande en Sammlungen konn e bishe kein
iden isches Gewebe iden i izie we den. Das Mus e ähnel jedoch jenem eines on Sam bo dü en
ge ahm en Behangs, de sich heu e in de Rüs kamme des K eml Museums in Moskau be inde .32
Das Mo i de Zyp esse an einem Teich wi d do du ch einen ähnlichen Blü ens auch ge ahm und
du ch einzelne Vögel und chinesische Wolkenmo i e e gänz .
Au g und de nahezu iden ischen web echnischen und ma e iellen Eigenscha en de beiden im
spä en 17. Jah hunde zu S uhlbezügen e a bei e en Seidensam e is anzunehmen, dass sie in
de selben Gegend, e en uell soga in de selben Manu ak u en s anden sind. Ih e Gewebemus e
en
sp echen dem S il pe sische Seidensam e des ühen 17. Jah hunde s. Die sich du ch eine komplexe
Webs uk u
u
nd kos ba e Ma e ialien auszeichnenden Luxusgewebe könn en im Au ag des pe sischen
Schahs in eine hö ischen ode om Ho beau ag en Manu ak u he ges ell wo den sein. Sie gehö en
e mu lich zu den in de Flugsch i on 1639 an e s e und zwei e S elle genann en »güldenen und
silbe nen S ücken«.33
29 LASH, Ab . 7, N . 196, un e N . 50.
30 LASH, Ab . 7, N . 195, un e N . 3.
31 Vgl. Wiesinge 2015, S. 114.
32
Moskau, K eml, Rüs kamme ; gl. Pope/Acke man 1938–39, Bd. 5, S. 2106 u. Bd. 7, Ta . 1057. – Vishne skaya 2007, S. 32–33, Ka . N . 5.
33 Rela ion 1639, S. 5.
Abb. 11: Gemus e es Seidengewebe, I an, e s es D i el
17. Jah hunde , Ausschni aus Abb. 9b.
Abb. 12: F ansenbo e am Si zbezug In . N . 1924/5. S i ung
Schleswig-Hols einische Landesmuseen Schloss Go o , Schles-
wig. Museum ü Kuns und Kul u geschich e, Fo o: Anna Jolly, 2023.
100 | No delbingen 90
Um die Mi e des 19. Jah hunde s gelang en die sam enen S uhlbezüge nach Schloss Glücks-
bu g. Das dänische Königshaus nu z e das damals in seinem Besi z s ehende Schloss als Somme -
esidenz. F ied ich VII. Ka l Ch is ian, König on Dänema k und He zog on Hols ein ( eg. 1848–
1863), ließ in den 1850e Jah en zahl eiche kos ba e Möbels ücke und Deko a ionen aus Schloss
Go o nach Glücksbu g ans e ie en. Ein im Jah 1857 du ch den Schlosskas ellan Spee schneide
e s ell es Ve zeichnis übe die au dem Schlosse Glücksbu g be indlichen on Go o e hal enen In-
en a ien Gegens ände e me k zahl eiche Tex ilien, da un e e liche S uhlbezüge, zum Beispiel
»6 S uhlbezüge on bun geblüm em Plüsch« und »4 S uhlsi z & 4 Rücklehn-Übe züge, weiß A laß
mi Samme blumen« sowie »4 d’ [di o] & 4 d’ [di o] Übe züge, weiße Seide mi Tannenbäumen«.34
Mögliche weise wa en dem Kas ellan Zyp essen nich bekann , so dass e die Mo i e als Tannen-
bäume bezeichne e.
Zu Beginn des 20. Jah hunde s be anden sich die aus Schloss Go o s ammenden S uhlbezüge
noch im Besi z de he zoglichen Linie Schleswig-Hols ein-Sonde bu g-Glücksbu g. Im Jah 1924 ge-
lang en zwei de S uhlbezüge im Au ag He zog F ied ich Fe dinands on Schleswig-Hols ein-Son-
de bu g-Glücksbu g (1891–1965) zunächs als Leihgaben an das Schleswig-Hols einische Landes-
museum; spä e wu den sie dem Museum als Geschenke übe lassen.35 In einem spä e en In en a
de pe sischen S o e in Schloss Glücksbu g aus dem Jah 1976 we den insgesam d ei zwei eilige
S uhlbezüge, jeweils bes ehend aus einem Bezug ü die Rückenlehne und den Si z, aus »Sam -
b oka mi Lebensbaum- (Zyp essen) mo i g ün, gelb, b aun au hellem Un e g und mi F ansen-
besa z« au ge üh .36 Dasselbe In en a en häl auch eine Besch eibung on d ei einzelnen Bezügen
(eine Rückenlehne und zwei Si ze). Die Rücklehne bes and aus: »Sam b oka mi Blumenmo i en
und Ranken g ün, gelb, hellblau au ocke a benem Un e g und, F ansenbesa z. De Bezug is mi
blauem S o in Leinenbindung ge ü e . Rücksei e des Bezugs de Rückenlehn hellgelbe Seide«.37
Zu einem de beiden Si zbezüge e me k das In en a , dass sich da au ein »au die Rücksei e au -
gekleb e weiße Ze el […] Camme « be and.38 Die Au sch i des Ze els wu de nich olls ändig
ansk ibie , doch die Iden i ika ion mi dem heu e im Museum in Schloss Go o bewah en S uhl-
bezug mi dem ücksei ig angeb ach en Ve weis au seine He kun aus »He zog Ch is ians Schla
Camme « (siehe Abb. 8) schein eindeu ig. Diese beiden S uhlbezüge be anden sich gemäß eine
No iz am Schluss des In en a s on 1976 damals be ei s als Leihgaben im schleswig-hols einischen
Landesmuseum au Schloss Go o .39
34
Schloss Glücksbu g, A chi , Ak e 331: N . 14/1a, 1b: »Ve zeichnis übe die au dem Schlosse Glücksbu g be indlichen on Go -
o e hal enen In en a ien Gegens ände«, s. un e ›M. Decken, Umhänge‹. Ich bin de S i ung Schloss Glücksbu g und ih e
A chi a in Daniela Kohagen seh dankba , dass ich die in ih em Besi z s ehenden A chi alien im Somme 2023 einsehen du e.
35 Schleswig, Museum ü Kuns und Kul u geschich e Schloss Go o , In . N n. 1924/4–5 u. 1924/6–7.
36 Schloss Glücksbu g, A chi , Ak e 356: N . 14, 14d: In en a : Pe sische S o e, S. 4–5, N . 6 a– .
37 Schloss Glücksbu g, A chi , Ak e 356: N . 14, 14d: In en a : Pe sische S o e, S. 4, N . 5 a.
38 Schloss Glücksbu g, A chi , Ak e 356: N . 14, 14d: In en a : Pe sische S o e, S. 4, N . 5 c.
39 Schloss Glücksbu g, A chi , Ak e 356: N . 14, 14d: In en a : Pe sische S o e, S. 6. De Ve bleib de ande en im In en a on
1976 au gelis e en S o bahnen und S uhlbezüge aus pe sischen Seidengeweben konn e im Rahmen diese S udie nich ge-
klä we den.
A. Jolly: Fü s liche Geschenke | 101
Ein pe sisches Seidengewebe mi igü lichem Mus e
Ein wei e es heu e im Museum ü Kuns und Kul u geschich e au Schloss Go o bewah es pe -
sisches Seidengewebe (
Abb. 13
) dü e eben alls im Jah 1639 nach Schleswig-Hols ein gekommen
sein, wenngleich sein Weg do hin wenige gu dokumen ie is .
Spä e gelang e das Seidengewebe
in das no dwes lich on Hambu g gelegene Klos e Ue e sen. Dieses im 13. Jah hunde geg ünde e
Zis e ziense innenklos e wu de wäh end de Re o ma ion du ch die Schleswig-Hols einische Ri e -
scha in ein Adeliges Damens i umgewandel . Mi e de 1920e Jah e benö ig e das Klos e Geld
ü eine Gebäudesanie ung und beschloss deshalb, einzelne seine Kuns objek e zu e kau en.40 Das
damals be ei s aus meh e en Abschni en zu eine annähe nd quad a ischen Decke zusammengese z-
e Seidengewebe wu de 1925–26 zusammen mi wei e en Kuns we ken an das Thaulow-Museum in
Kiel e kau .41 Die Bes ände des Thaulow-Museums, das nach seinen An ängen als Museum des Kie-
le Kuns sammle s Gus a Fe dinand Thaulow on 1920 bis 1944 als e s es Schleswig-Hols einisches
Landesmuseum dien e, wu den 1928/29 in einem Au sa z on Museumsdi ek o E ns Saue mann
o ges ell , da un e auch das pe sische Seidengewebe aus dem Klos e Ue e sen.42 Die wäh end des
Zwei en Wel k iegs ausgelage en Bes ände des Thaulow-Museums wu den nach dem K ieg in das neu
einge ich e e Landesmuseum ü Kuns und Kul u geschich e au Schloss Go o übe üh , wo sich
das pe sische Seidengewebe bis heu e be inde .43
Wenige Jah e nach dem E we b des Tex ils lieh das Museum es be ei s an eine g oße in e na io-
nale Auss ellung pe sische Kuns in London aus.44 Die Auss ellung and 1931 in de Royal Academy
o A s un e dem Pa ona König Geo gs V. on England und Reza Schah Pahla i on I an s a .
Sie wa du ch den ame ikanischen I an o sche A hu Upham Pope als um assende Übe blick
übe das pe sische Kuns scha en om Achämeniden-Reich des spä en 6. Jah hunde s o Ch is-
us bis ins 19. Jah hunde nach Ch is us konzipie wo den und zeig e übe 2.000 Leihgaben on
Kuns we ken aus Museen und P i a sammlungen aus meh als 20 Lände n.45 A hu Upham Pope
und seine Ehe au Phyllis Acke man nahmen das Go o e Seidengewebe anschließend mi eine
Schwa z-Weiß-Abbildung auch in ih meh bändiges S anda dwe k zu pe sischen Kuns A Su ey o
Pe sian A om P ehis o ic Times o he P esen au .46 In den olgenden Jah zehn en wu de das Tex il
in e schiedenen Auss ellungen gezeig und in den sie beglei enden Ka alogen kommen ie , wobei
die Bedeu ung seine igü lichen Da s ellung jedoch lange Zei une kann blieb.47 Die Tex ilhis o i-
ke in Ma y Ande son McWilliams en schlüssel e e s mals die Ikonog aphie des Gewebemus e s.48
40 Vgl. Lühning 2003, S. 28–29. Fü den Hinweis au diese Publika ion danke ich F au Elsa Pla h-Langhein ich, Klos e Ue e sen,
seh he zlich.
41 Vgl. Lühning 2003, S. 28–31.
42 Vgl. Saue mann 1928/29, S. 42, Ka . N . 61, S. 105 (Abb.).
43 Schleswig, Museum ü Kuns und Kul u geschich e Schloss Go o , In . N . 1925/161.
44 Vgl. Ka . London 1931, S. 222, Ka . N . 395. Au de Rücksei e des oben ech s eingese z en Gewebe agmen s (siehe un en,
S. 104) is eine au gekleb e Papie e ike e de Londone Auss ellung on 1931 e hal en.
45 Vgl. A nold T. Wilson, ›In oduc o y No e‹ und ›Index o Lende s‹, in: Ka . London 1931, S. XI–XV und S. 341–346.
46 Vgl. Pope/Acke man 1938–39, Bd. 5, S. 2079 u. Bd. 7, Ta . 1009. Diese um ang eiche Publika ion hä e u sp ünglich zu Aus-
s ellung in London 1931 e scheinen sollen.
47
Vgl. Ka . Pa is 1961/62, Ka . N . 1126. – Ka . Essen 1962, Ka . N . 607. – Spielmann/D ees 1997, Bd. 3, S. 290, Ka . N . 133.
In dem on E ns Saue mann he ausgegebenen Übe blick zu den Bes änden des Thaulow-Museums wi d das Mus e als
»Mä chenda s ellung« bezeichne ; gl. Saue mann 1928/29, S. 42, Ka . N . 61.
48 Vgl. McWilliams 1987, S. 6 u. 8 (Abb.).

102 | No delbingen 90
In einem 1987 e schienenen Au sa z eih e sie das Gewebe in eine G uppe sa awidische Lampas-
gewebe des 16. Jah hunde s ein und b ach e ih e Da s ellungen mi den on Schah Thamasp I.
( eg. 1524–1576) ge üh en Feldzügen gegen Geo gien in Ve bindung. In Unkenn nis des damaligen
Au bewah ungso es des O iginals ep oduzie e McWilliams in ih em Au sa z die zu o on A hu
Upham Pope und Phyllis Acke man publizie e Schwa z-Weiß-Abbildung.
Die Sa awiden ielen zwischen 1540 und 1553 in die geo gischen König eiche Kache ien und
Ka lien ein und nahmen do meh e e ausend Ge angene. Bei den Übe ällen au die ka lischen
S äd e Ti lis und Go i im Jah 1553 wu den besonde s iele Pe sonen ge angen genommen, da -
un e auch adlige Familien mi F auen und Kinde n. Die ch is lichen Einwohne Geo giens wu den
on den sa awidischen In aso en als sündige Ungläubige be ach e und deshalb in einem als
Abb. 13: Decke aus einem Seidengewebe, 138 x 135 cm, Lampasgewebe: I an, 16. Jah hunde . S i ung Schleswig-
Hols einische Landesmuseen Schloss Go o , Schleswig. Museum ü Kuns und Kul u geschich e, In . N . 1925/161.
Fo o: Museum ü Kuns und Kul u geschich e Schloss Go o .
A. Jolly: Fü s liche Geschenke | 103
heilig p opagie en K ieg ge ö e ode in den I an depo ie .49 Pe sische Manu ak u en s ell en in
de Folgezei Seidengewebe he , de en Mus e sa awidische Solda en mi geo gischen Ge ange-
nen zeigen. Sie wa en dazu bes imm , die Legende on de Übe legenhei des Pe sischen Reichs
gegenübe ande en Völke n zu e b ei en. In ih e Funk ion als Gewand- ode Deko a ionss o e
e liehen solche Luxusgewebe den da in eingeweb en Da s ellungen eine g öße e Sich ba kei
als We ke ande e Kuns ga ungen wie zum Beispiel hö ische Male eien, die nu einem kleinen
K eis p i ilegie e Pe sonen zugänglich wa en.50 Gemäß de on Ma y McWilliams o geb ach en
In e p e a ion zeig die Da s ellung des in Schloss Go o e hal enen Seidengewebes eine Szene
mi zwei ge angenen geo gischen Damen, die on einem Solda en o einen am Boden si zenden
sa awidischen P inzen ge üh we den. Die Begegnung inde in einem Ga en mi Bäumen und
Fisch eichen s a . Die eichen gold a benen Gewände und die langen Oh behänge de Ge an-
genen lassen sie als Damen de Obe schich e kennen; ih e cha ak e is ischen Kop bedeckungen
weisen sie als Geo gie innen aus (Abb. 14). An je einem ih e hin e dem Rücken e sch änk en
A me is eine dünne Schnu be es ig , an de sie on dem Solda en ge üh we den.
Die web echnische S uk u des Seidengewebes mi einem du ch die Haup ke e und den
G undschuss gebilde en A lasg und und da übe liegenden Mus e schüssen, die du ch eine sepa-
a e Bindeke e abgebunden we den, en sp ich den sogenann en Lampasgeweben. Ungewöhnlich
is die symme ische Mus e komposi ion mi einem web echnischen Rappo , de en lang eine
e ikalen Mi elachse gespiegel is (Abb. 15). Die meis en pe sischen Lampasgewebe weisen
asymme ische Mus e mi einem ein ode zwei Mal in de B ei e de Gewebebahn wiede hol en
Mus e appo au . Die S uk u des du ch seine ielen e schieden a bigen Mus e schüsse ech
dicken und obus en Seidens o es is hingegen ypisch ü sa awidische Lampasgewebe des spä en
16. Jah hunde s (siehe die Gewebeanalyse im Anhang 2). Neben den lancie en, das heiß on
eine Webkan e zu ande en e lau enden, a bigen Seiden äden en häl das Gewebe zusä zlich
b oschie e, das heiß nu s ellenweise einge agene, e golde e Me all äden. Le z e e wu den zum
Beispiel in den Gewände n de Damen sowie in den P auen und den Fischen im Teich eingese z .
Mi diesen ma e ial echnischen Eigenscha en gleich es einem wei e en Lampasgewebe, das 1639
nach Schleswig-Hols ein kam, spä e jedoch on den Dänen nach
Kopenhagen geb ach wu de und
49 Vgl. McWilliams 1987, S. 13–14.
50 Vgl. McWilliams 1987, S. 15.
Abb. 14: De ail de an Schnü en ge üh en F auen igu en des
Lampasgewebes In . N . 1925/161, Ausschni aus Abb. 13.
104 | No delbingen 90
heu e zu Sammlung de Dänischen K one zähl (
Abb. 16
).51
Die beiden Gewebe sind in ih e web-
echnischen S uk u iden isch, sie un e scheiden sich lediglich in de Fa be de Seiden äden, die ü
die Haup ke e und den G undschuss e wende wu den. Im Schleswige Gewebe sind sie beide g ün
und in dem in Kopenhagen bewah en Gewebe beide schwa z.
U sp ünglich dü e es sich bei dem heu e in Fo m eine Decke in Schleswig e hal enen Tex il um
eine mindes ens d ei Me e lange Gewebebahn gehandel haben. Spä e wu de die Gewebebahn zu
eine Decke e a bei e ; dazu wu de sie ho izon al in zwei Teile ze schni en und die Webkan en
wu den en e n . Eine de Häl en wu de dann noch einmal längs du ch die Mi e ze schni en und
die da aus esul ie enden S ei en links und ech s an die in de Mi e pla zie e komple e Gewebe-
bahn angese z . Dabei wu den die einzelnen Abschni e en lang ih e sei lichen Kan en au e se z-
e Höhe so aneinande ge üg , dass die Figu en en lang de Näh e nich gespiegel di ek nebenein-
ande s ehen. Das Gewebemus e se z sich so scheinba nah los übe die B ei e de Decke o . Die
obe e linke und ech e Ecke de Decke wu den in eine Rundung ausgeschni en, mögliche weise
um ih e Fo m dem Möbels ück, au dem sie zu liegen kam – denkba wä e ein Be mi P os en am
Kop ende – anzupassen. Zu einem spä e en Zei punk wu den die Fehls ellen in den obe en Ecken
mi kleinen Abschni en des gleichen S o es wiede geschlossen, wobei die F agmen e in diesem Fall
ohne Rücksich au die Rich ung des Gewebemus e s eingese z wu den. Säm liche heu igen Näh e
de Decke wu den mi eine Nähmaschine, also ühes ens im 19. Jah hunde , ausge üh .
Lampasgewebe mi igü lichen Da s ellungen und a bigem A lasg und wu den im pe sischen
Reich übe wiegend im 16. Jah hunde he ges ell . In spä e en Jah hunde en wu den ande e Web-
51 Kopenhagen, Royal Danish Collec ion, In . N . 31 Rulle 3 n, o (2 Gewebebahnen); gl. Boisen 1971, S. 129, Abb. 5. – Jensen 1987,
Abb. 31, S. 112, Ka . N . 233.
Abb. 15: Mus e appo des Lampasgewebes In . N . 1925/161, Ausschni aus Abb. 13.
A. Jolly: Fü s liche Geschenke | 105
s uk u en – insbesonde e sogenann e Schuss-Komposi bindungen – be o zug . Das Lampasgewebe
mi g ünem A lasg und und eine Da s ellung on geo gischen Ge angenen wie auch das web ech-
nisch iden ische, heu e in Dänema k bewah e Lampasgewebe mi schwa zem A lasg und (Abb. 16)
dü en demgemäß be ei s im spä en 16. Jah hunde und dami einige Jah zehn e o de Reise de
pe sischen Gesand scha nach Schleswig he ges ell wo den sein. Es mag zunächs e wunde n,
dass zu den Geschenken de pe sischen Gesand scha auch solche Seidengewebe zähl en, die da-
mals be ei s mindes ens 40 Jah e al wa en. Denkba is , dass Schah Ṣa ī I. on de G öße de
nach
Is ahan ge eis en schleswig-hols einischen Gesand scha und de en eh geizigen – wenngleich
le z lich une eich en – Zielen, beeind uck wa . Ve mu lich konn e e die geopoli ische Bedeu-
ung des schleswig-hols einischen Ho s nich ech einschä zen. De pe sischen T adi ion olgend,
gab e seinen au einen Gegenbesuch nach Schleswig geschick en Gesand en dahe möglichs iele
kos ba e Geschenke mi . Gemus e e Seidengewebe zähl en damals zu den we olls en P oduk-
en, die im I an he ges ell wu den. Doch ih e He s ellung nahm meh e e Mona e in Ansp uch.
Dahe muss e Schah Ṣa ī I. o ensich lich auch au die in seine ü s lichen Scha zkamme aus de
Zei seines Vo gänge s Schah Abbās I. ( eg. 1587–1629) e hal enen Luxusgewebe zu ückg ei en.
Un e Schah Abbās I. en s anden im Au ag des ü s lichen Ho s besonde s au wendig gemus e e
und mi kos ba en Ma e ialien geweb e Seidens o e. Dazu zähl en neben Sam geweben mi Gold-
und Silbe g und auch igü liche Lampasgewebe.
De u sp üngliche Emp änge und die ühe e Ve wendung des Seidengewebes sind nich be-
leg . Mi seinem gla en A lasg und könn e es zu jenen dem He zog geschenk en Gewebebahnen
gehö haben, die im Be ich de ›Neuen Zei ung‹ on 1639 als »glän zend Seidenzeug, dem A las
gleich« bzw. als »alle hand Fa ben mi sonde lichem Mus e Seidenzeug seh glän zend« besch ie-
Abb. 16: Lampasgewebe mi schwa zem A lasg und und igü li-
chem Mus e , 267 x 72 cm, I an, 16. Jah hunde , Ausschni . The
Royal Danish Collec ion, Schloss Rosenbo g, In . N . 31 Rulle 3 n.
Fo o: The Royal Danish Collec ion, Be i Mølle .
112 | No delbingen 90
s iegen, wa d E alsbald du ch den He n Ma schalck au den Fü s lichen Saal ge üh e ,80 da ihme
dann Ih e Fü s l. Gn. neben dem He zog Alb ech on Sachsen Lauenbu g81 seh eundlich emp-
angen haben. Nach gehal ene Audien z, und wie de Lega us sein Gewe be abgeleg welches sich
mi den Ce emonien wol übe ein S und e zogen, is E zu ö en lichen Ta el beglei e , da E dann
sich zimlich lus ig und ölich so wol in Gebe den als Gesp äch bezeuge , welches doch alles du ch
einen In e p e en ode Dolme sche [S. 4] geschehen müssen: De owegen dann I. Fü s l. Gn. einen
G iechen, so mi ihnen Pe sianisch und Tü ckisch eden kun e, bey sich s ehend ha en: Ingleichem
ha e de Pe sianisch Gesand e auch einen Dolme sche bei sich, de au Teu sch eden und alles
auslegen kun e, was die eigen liche Meinung de Discu sen. Es wu den die Zei übe in 30 Gesund-
hei en ge uncken, und dann allemal ein Schuß aus den Canonen ge han. De Gesand e abe anck
wede den Spanischen noch Rheinischen Wein, en schuldig e sich hö lich, wie ihme de Spanische
ga zu süß, und de Rheinische wegen des Magens nich wol bekäme, weil sie auch ohne das keinen
Wein in Pe sien ih es Gese zes halbe incken, als wa d ihm ein ande Ge äncke on Rheinischen
B andwein mi Musca en, Ingwe und Zucke , abgezogene kös liche Ex ac gemache , daß E wol
ein halb S übichen82 da on die Zei übe genossen, bis gegen 5 Uh , da E alsdann seinen Abschied
genommen, Is wide on obgedach en Fü s l. Pe sonen bis an die Thü de S iegen übe den Saal
beglei e wo den, in die Ku sche gesessen, und haben ihn die on de Ri e scha bis in sein Losamen
wide beglei e , daß alles seh ölich anzusehen gewesen.
Den 12. Augus i wa d de Russische Gesand e on Ih. Fü s l. Gn. auch zu Audien z gebe en
welche zwa eben au dieselbe A , wie de Pe sianische gen Ho au gehole wa d, abe wol e
sich in keine ande n Gelegenhei sehen lassen, sonde n i e au seinem eigenen Schimmel und
wol ausgepu z en Tü ckischen Roß, üh e e zugleich mi die P aesen en o seine eigene Pe son,
und ließ einen g ossen B ie an I. F. Gn. o an agen, und wa d dabei ge üh e ein schön Russisch
P e d, mi eine s a lichen Decke, wie dann auch de Zeug mi dem Zaum und Haup ges elle, mi
seinen sub ilen Golde ga a lich beschlagen wa , ließ daneben einen g ossen Köche olle schöne
P eilen mi einem s a cken wolgemach en Bogen nach agen.83 I em 2 Zimme kös liche Zobeln
und ande e Ra i e en des O s. Nach gehal ene Audien z wa d E auch zu Fü s l. Ta el ge üh e ,
da dann ebenmässig iel Gesundhei en ge uncken, und allemal die Canonen zimlich s a k geladen
und gelöse wu den, deme mi T incken seh iel zugese ze wa d: Wie E sich nun zimlich T un-
cken be and, und Abschied on I. F. Gn. nemen woll e, wa d ihme ein seh kös liche Wagen mi
sechs P e den, und dabei ein schönes mu higes Fü s lich P e d o gezogen, d au E saß, abe weil
E des Tü ckischen abge ich e en P e des Gemü , und dessen, wie es nach diese A abge ich e
wa , nich gewohne , begun e E das P e d zu Pickie en, und in deme e s nach seine A zu ha
ang i e, s ü ze e das P e d mi ihme übe einen Hau en au das P las e , Wie ihme nun das P e d
au dem lincken Schenckel lage, und eine s a cke S imme on sich gab, lie en die Adelspe sonen
80 Da sich keine G und isse des Go o e Schlosses aus dem 17. Jah hunde e hal en haben ( gl. Wiesinge 2015, S. 113),
konn e nich abschließend geklä we den, übe welchen T eppen u m de pe sische Gesand e ge üh wu de und in welchem
Saal die Audienz s a and. Es is jedoch möglich, dass die Audienz im damals ›G üne Saal‹ ode ›Ki chsaal‹ und heu e ›Hi sch-
saal‹ genann en Saal s a and. Diese wa nach dem Tanzsaal de zwei g öß e Saal des Schlosses; gl. Wiesinge 2015, S.
125–126. Hie emp ing He zog F ied ich III. im Jah 1654 auch eine schwedische Gesand scha ; gl. Olea ius 1663, S. 311. Fü
diese Hinweise danke ich Anja Wiesinge seh he zlich.
81 Gemein is hie e mu lich He zog Augus on Sachsen-Lauenbu g (1577–1656), Ehemann on Elisabe h Sophie (1599–
1627), Schwes e He zogs F ied ich III. on Schleswig-Hols ein-Go o , und dami ein Schwage des He zogs.
82 Al es deu sches Hohlmaß ü Flüssigkei en; gl. G imm 1854–1960, Bd. 20, Sp. 155. In Hambu g en hiel ein S übchen 360 cl;
gl. Chelius 1830, S. 178.
83 Bei dem ussischen Gesand en handel e es sich um Aleksey Sa ich Romanchuko ; gl. Sho okho e al. 2018.

A. Jolly: Fü s liche Geschenke | 113
alsbald Hau enweis zu, g ie en das P e d an, und ück ens ihm om Leibe, daß E wide au die
Bein kam, nich s wenige , e hub E sich wide au s Roß gegen de om Adel Willen, und ummel e
dami den Ho hinun e übe die lange B ücke bis in sein Losamen , dahin ihn auch de gan z Fü s -
liche Comi a mi gu e So g al beglei e en: Wa d auch des olgenden Tags leissig besuche , und
geschahe ihm iel gu e Au wa unge.
[S. 5] Den 14. Augus i ha de Pe sianische Gesand e zu Obla ion seine P aesen en, so E bei sich
ha e, gegen I. F. Gn. sich e bo en, dazu E 306 Pe sonen dieselbe o den lich zu agen begeh e , wie
dann hiezu die Bü ge aus Schleswig au gebo en und geb auch wo den, daß es da oges al nach-
einande p aesen i e und ge agen is :84
E s lichen 9 schöne Pe sianische und Tü ckische P e de, da un e 2 B aune, die ande n meis
g au gesp inckel , gleichsam als Silbe a b, alle mi sonde lichem Ta , heils mi Silbe ges ick en
Decken übe henge , da un e ein Fuchs, so dem Tü ckischen Kayse im S ei abgenommen, und also
übe die Massen schnell im Lau en sein solle, daß eine einen Hasen dami e jagen, und zugleich
mi e s echen ode od schlagen kann, wie auch un e diesen P e den e liche sein sollen, da on de
Schecke übe 1000 Duca en we h: jedes P e d wa d on 2 Pe sonen ge üh e .
89 S a cke güldene und silbe ne S ücke Lacken.85
18 Sonde liche Di o kleine S ücke, da on jedes seine eigene Fa be und Blumen.
3 Übe die Massen he liche Tisch eppich e, an welchen jeden 2 Pe sonen ugen.
39 S ücke on alle hand Fa ben Seidenzeug, as gleich als Ta e .86
28 S ück alle hand Fa ben glän zend Seidenzeug, dem A las gleich.87
47 S ücke alle hand Fa ben mi sonde lichem Mus e Seidenzeug seh glän zend.
16 S ücke weiß Seiden Flo kla wie Schie uch.88
9 S ück b ei Ca hun sub il Leinwand.89
19 Schöne alle hand Fa ben Pe sianische Bogen.
84 Die hie au ge üh e Lis e de pe sischen Geschenke is wesen lich de aillie e als jene, die Olea ius in seinem Reisebe ich
on 1647 bzw. 1656 sowie in seine Ch onik on 1663 au üh e; gl. Olea ius 1647, S. 539. – Olea ius 1656, S. 763. – Olea ius
1663, S. 251. Alle diese Be ich e s immen jedoch in de genann en Anzahl on 306 bzw. 300 Schleswige Bü ge n übe ein, die
zu eie lichen P äsen a ion de Geschenke au gebo en wu den. Besonde s eind ücklich is die Lis e de bei diese Ze emo-
nie übe eich en kos ba en Tex ilien, die Du zende Gewebebahnen on seidenen Sam geweben sowie e liche Gewebebahnen
gla e Seidengewebe um ass .
85 Bei den an e s e S elle genann en goldenen und silbe nen Geweben handel es sich e mu lich um die zum Teil in Kopenha-
gen e hal enen Sam gewebe mi lancie en und b oschie en Me all äden im G und (siehe oben, S. 93-94). Sie zählen zu den
kos ba s en Tex ilien, die im spä en 16. und ühen 17. Jah hunde in Pe sien he ges ell wu den. De Beg i ›S ück‹ bezeich-
ne eine Gewebebahn. Olea ius be ich e , dass die Webe in Kashan, das ü die He s ellung eiche Sam gewebe bekann wa ,
»güldene S ücke« in Längen on bis zu zehn ode zwöl Ellen (ca. 6–7 Me e ) web en; gl. Olea ius 1656, S. 601.
86 Ve mu lich ha e de damals e wende e Beg i ›Ta ‹ dieselbe Bedeu ung wie heu e. Es handel sich dabei um ein seidenes,
leinwandbindiges Gewebe.
87 Bei den als ›A las‹ bezeichne en Geweben könn e es sich um A lasgewebe im heu igen Sinn des Wo es, d.h. Seidengewebe
mi lo ie enden Ke äden, die dem Gewebe eine gla e, glänzende Obe läche e leihen, ode auch um gemus e e Lam-
pasgewebe mi A lasg und gehandel haben. Zu web echnischen De ini ion de heu e in de Tex il o schung geb äuchlichen
Gewebebezeichnungen siehe das CIETA-Vokabula de Tex il echniken: CIETA (Cen e In e na ional d’E ude des Tex iles), Vo-
kabula de Tex il echniken:
h ps://cie a. /wp-con en /uploads/2018/09/ okabula _deu sch_2018-1.pd
(15.10.2024).
88 Gemäß G imm 1854–1960, Bd. 9 (1899), Sp. 29, wa ›Schie uch‹ ein du chsich iges, lose geweb es Tuch. E en uell handel e
es sich hie um indische Musselin-Gewebe.
89 ›Ca hun‹ bezeichne leinwandbindige Baumwollgewebe. Rese ebed uck e Baumwolls o e wu den im 17. Jah hunde in In-
dien und Pe sien auch ü den Expo he ges ell .
114 | No delbingen 90
2 Paa Kanische Decke ode Tape en, da an 16 Pe sonen ge agen.90
2 Decken da an jede sechs Pe sonen zu agen ha en.
4 Sa eldecken, on A las mi Gold und Silbe eingewi cke , seh kös lich.
11 S ücke bund Indianisch Zeug zu Hembden und Camisolen,
Und un e schiedliche Köche mi P eilen, e c.
Nach Ablegung de P aesen en, seind die P e de alsbald in Ih . F. Gn. S all gezogen wo den, und
seynd die Pe siane , so die P aesen en gelie e und dabei gewesen bis umb 5 Uh zu Ta el geblie-
ben und au gehal en wo den.
Den 15. Augus i umb 9 Uh schick e de Pe sianische Gesand e Ih . F. Gn. zum F üs ücke 8 Speisen,
so au ih e A gekoche und zuge ich wa en. Sons agen die Pe siane alle Bünde au ih en Häup-
e n, die sie nich abnemen, sonde n nach ih e A mi de Hand da an, wie auch au die B us , und
wans hoch sein soll, au den Mund weisen: haben auch un e m Kin keine Bä e, seind alle gelblich
un
e m Gesich e, agen ga schlech e [S. 6] Schuh, au Polnische A , ih Geweh is ein ku ze
Säbel, heils üh en auch ein klein blankes Beil, e c. Es s a b neulich ein Pe siane allhie , welchen
sie au ih e A mi ielen Mu meln an änglich seh beklag en, wuschen ihn da nach ein ab, und
beg uben ihn mi ielen sonde lichen Ce emonien an einem Hügel in gu e E de, und bemach en das
G ab oben mi Leimen, so sie wol zu a en.
Es seind auch Ih . Fü s l. Gn. on ih em Lega en dem He n B üggemannen sechs g osse Indiani-
sche Scha e, ie kös liche P e de und zwo Pe sianische junge Diens mägde, ein on 11 und die ande
on 9 Jah en mi geb ach wo den.
Die Pe sianische Be e abe seind nu Decken on Ca hun-Leinwand, und on Baumwolle du ch-
genähe e Mad assen. Das gemeine Gesindlein ha solche Röcke und Kleide , welche sie Tag und
Nach anbehal en, da au sie sich auch mi nide legen, Schla en, Wachen und Wandeln, is alles
ein Kleid, ach en de Ho a ni , sonde n is ihnen alles gleich.91
T ansla io li e a um Regis Pe sa um Schach Sa i ad P incipem Musco i a um in idioma Ge manicum.92
Dem g ossem und ge ech en He n, on iele K iegesmach , billich gleich den S e ne am Himel,
billich gleich dem He n Cassan Fe u, in Majes ä und Ri e mässigkei , billich dem Könige Alexand o
in Ruhm, billich Fi iduno dem Könige, de seinem Feind ein Sch ecken und Fu ch gewesen, billich
Tehchum Schachas owo dem Könige, dem hohen, Du chleuch igen Tza en zu Te schi, Cassan,
Moschow, As a on, und alle Reussen einem He n und He sche n, übe alle He n einem He n,
gleich wie die Sonne in ih e Kla hei am Himmel, dem g ossen He n und weisen Tza en.
De HE gebe, daß alles dein Thun, du ch Go den HE n ollzogen we den in Gu en, au das-
selbe is unse We ck dieses, Nachdem E , wegen Liebe und B üde liche F eundscha , an uns ge-
sende seinen Pos , ein gu e und o neme Pe son, Alexee Roman okow, daß Wi Schach Sa i unse e
Majes ä wegen deine , du g osse He , Liebe und B üde liche F eundscha , die Holls einischen
90
Die Bedeu ung des Adjek i s ›Kanisch‹ is unkla . E en uell bezieh es sich au den O Kanesch bzw. Kanis im Osmanischen Reich.
91 Die in den le z en d ei Absä zen es gehal enen unzusammenhängenden Beobach ungen zu den Si en und Kleide n de pe -
sischen Besuche e scheinen wie eine ühe Fo m de Rub ik ›Ve misch es‹.
92 Das om pe sischen Gesand en an He zog F ied ich III. on Schleswig-Hols ein-Go o übe eich e K edi i , welches dem
He zog an de Audienz am 11. Augus 1639 übe eich wu de, ha e wei gehend den gleichen Inhal wie das hie übe se z e
Sch eiben an den ussischen Za en. Schah Ṣa ī I bezeug e da in in ausschwei enden Wo en in einem hochs ilisie en hö i-
schen S il lediglich seine eundscha liche Ve bundenhei mi den e nen He sche n, ohne sich au i gendwelche e bind-
lichen Aussagen einzulassen; siehe dazu auch Jolly/Mühlemann 2023, S. 63.
A. Jolly: Fü s liche Geschenke | 115
Gesand en Philippus C usius, und O o B üggemann, nebens Mi ge e en, welche abgesand sein
on den Holls einischen Fü s en F iede ichen, an Uns Schachen [S. 7] Sa i, unse e Majes ä wegen
de Kau -Handlung, und den Pe sianischen Gang, wollen be ehlen, sie auß Pe sien wide zu ück zu
lassen, in deines g ossen He en, unse s B ude s He scha au Te schi und As a on, au welche
S äd e sie ü diesen ge eise .
So habe ich Schach Sa i unse Majes ä , wegen deines g ossen He n Liebe und B üde liche
F eundscha , au deines g ossen He n Begeh en, selbige Hols einische Gesand en Philippus C usius,
und O o B üggemann, nebens Mi ge e en abgelassen aus Pe sien, wide zu ücke, au o ige deine
Tzaa Majes ä S äd e, au Te schi und au As a on, und deinen als unse s B ude s Pos Alexeo
Romon zokow haben wi begnädige , und mi unse Begnädigung abgelassen zu di unse n B ude n
dem g ossen He n, und wil hin ü e mi euch g ossen He n, in Liebe, B üde liche F eundscha
und Einigkei es e bleiben, meh dann o diesem, gleichwie die o igen Schachen mi den o igen
Muscowi ischen g ossen He en, in Liebe und eundliche Gesand scha gewesen. Und gebe de
Ba mhe zige GO euch g ossen He en, au Zaa ischen Hohei E leuch ung, und allzei mi glück-
liche Gesundhei zu e bleiben au iel Jah , und daß zwischen
uns beyde He n die F eundscha
und Liebe du ch Beschickung o und iele e meh e we de.
Au de ande n Sei en des B ie es in dem Siegel is gesch ieben, Schach Sa i Go es Knech .93
T ansla io alia um ejusdem ad eundem, Insc ip io u sup a, Salu a io u sup a,
Es ha gesand an uns g ossen He en, an Schachen Sa i unse e Majes ä , in Liebe und F eund-
scha , umb Ab edung wegen de Pe sianischen Kau -Handlung, de Hols einische Fü s F ide ich
seinen Gesand en Philippus C usius, und O o B üggeman [S. 8] nebens Mi ge e en, unnd haben
wi Schach Sa i unse e Majes ä dieselbe Hols einische Gesand en Philippus C usius, und O o
B ügeman nebens Mi ge e en begnade mi unse Begnädigung, und sie abgelassen wide zu ück,
nache Hols einische Lande, a
uch mi ihnen zugleich gesand , zu dem Hols . Fü s en F ide ich, we-
gen Liebe und B üde liche F eundscha , wie auch wegen Ab edung de Pe sianischen Handlung,
unse e Gesand en on gu en Leu en eine o nehme und nähes e Pe son Imo Culi Sul an nebs Mi ge-
e en, So wo
lles du g osse He unnd unse B ude wegen Liebe und B üde liche F eundscha
on wegen meinen Begeh en, diesen meinen Gesand en Imon Culi Sul an nebs Mi ge e en mi dem
Hols . Gesand en, be ehlen, du ch deine g ossen He scha nach dem Hols . Lande, zu den Fü s en
F iede ich, und wenn diese mein Gesand e Imon Culi Sul an nebs Mi ge e en wi d wide kommen
aus dem Hols . Lande, so woll es du g osse He unnd unse B ude , wegen unse e F eundscha
und Liebe, gleiche Ges al diesen meinen Gesand en Imon Culi Sul an nebs Mi ge e en, zu uns in
Pe sien, be ehlen abzulassen, ohne Au en hal ung au dieselbe S äd e, au welche S äd e sie o
diesem sind abgelassen wo den, unnd will hin ü e , e c.
U sup a in Valedic ione & Subsc ip ione.
93 De He zog F ied ich III. übe eich e B ie des pe sischen Schahs Ṣa ī I weis au de Rücksei e einen Siegels empel mi de
gleichen Insch i au .
116 | No delbingen 90
Anhang 2: Web echnische Analysen
Die hie au ge üh en Gewebeanalysen und web echnischen Beg i e olgen den Vo gaben des Cen e
In e na ional d’É ude des Tex iles Anciens (CIETA).94
In . N . 1924/6 und 1924/7: Obe s o
Gemus e e Ke sam , sieben a big, geschni en, lancie , b oschie
Ke e
Ve häl nis: 5 Haup ke äden zu 1 Flo ke einhei
Ma e ial:
Haup ke e: Seide, Z-D ehung, c eme a ben
Flo ke e: Seide, ohne e kennba e D ehung, schwa z, c eme a ben (ehemals osa),
beige (ehemals o ange), gelb, g ün, hellblau, himmelblau, alle doppel
S u ung: 1 Flo ke einhei mi je d ei e schieden a bigen Flo ke äden
Dich e: 60 Haup ke äden und 12 Flo ke einhei en/cm
Schuss
Schuss olge: 4 G undschuss-Ein äge, 1 Lancie schuss-Ein ag, 1 Schni u e
(exak e Reihen olge nich e kennba )
Ma e ial:
G undschuss: Baumwolle, c eme a ben
Lancie schuss: e golde e Silbe lahn, dünn (einzeln abgebunden)
B oschie schuss: Silbe lahn um c eme a bene Seidenseele, S-Mon age
S u ung: 1 Passée
Dich e: ca. 14 Passées/cm (schwe zu e kennen)
Gewebeau bau
G und: 5-bindige Ke a las übe 2 G undschussein äge mi Fo sch ei ungszahl 3 aus
Haup ke e und G undschuss, 4 G undschuss-Ein äge in eine Passée
Flo : Jeweils 3 e schieden a bige Flo ke äden (eine da on imme schwa z) in wechselnde
Fa bzusammens ellung bilden eine Flo ke einhei ; insgesam sind 7 Fa ben e kennba .
Die Flo ke äden binden übe den 2. G undschussein ag nach de Schni u e.
De Lancie schuss wi d abgebunden du ch jeden 2. Haup ke aden in Köpe 1/4 Z-G a (à liage ep is)
Webkan en: e hal en, jedoch schwe zugänglich
Web echnische Mus e appo : H. 43–44 cm; B. 11,5 cm
Webb ei e: 69 cm
94
Vgl. CIETA Vokabula de Tex il echniken: h ps://cie a. /wp-con en /uploads/2018/09/ okabula _deu sch_2018-1.
pd . (15.10.2024).
A. Jolly: Fü s liche Geschenke | 117
In . N . 1924/4 und 1924/5: Obe s o
Gemus e e Ke sam , sechs a big, geschni en, lancie
Ke e
Ve häl nis: 5 Haup ke äden zu 1 Flo ke einhei
Ma e ial:
Haup ke e: Seide, Z-D ehung, weiss
Flo ke e: Seide, ohne e kennba e D ehung, schwa z, g ün, gelb, g au, beige, b aun, alle doppel
S u ung: 1 Flo ke einhei mi je d ei e schieden a bigen Flo ke äden (jeweils eine da on
schwa z) in wechselnde Fa bzusammens ellung
Dich e: ca. 60 Haup ke äden und 12 Flo ke einhei en/cm (schwe zu e kennen)
Schuss
Schuss olge: 4 G undschuss-Ein äge, 1 Lancie schuss-Ein ag, 1 Schni u e
(exak e Reihen olge nich e kennba )
Ma e ial:
G undschuss: Baumwolle, weiss
Lancie schuss: Silbe lahn, dünn
S u ung: 2 Passées
Dich e: ca. 12–14 Passées/cm (schwe zu e kennen)
Gewebeau bau
G und: 5-bindige Ke a las übe 2 G undschussein äge mi Fo sch ei ungszahl 3 aus
Haup ke e und G undschuss, 4 G undschuss-Ein
äge in eine Passée
Flo : Jeweils 3 e schieden a bige Flo ke äden (eine da on imme schwa z) in wechselnde
Fa bzusammens ellung bilden eine Flo ke einhei ; insgesam sind 6 Fa ben e kennba .
Die Flo ke äden binden übe den 2. G undschussein ag nach de Schni u e.
De Lancie schuss wi d abgebunden du ch jeden 2. Haup ke aden in Köpe 1/4 Z-G a (à liage ep is)
Webkan en: nich zugänglich
Web echnische Mus e appo : H. 40–41 cm; B. 11–11,5 cm
Webb ei e: ca. 69 cm
In . N . 1924/4: ücksei ig angeb ach es Gewebe
Leinwandbindiges Gewebe mi zwei Lancie schüssen, b oschie
Ke e
Ma e ial: Seide, ohne e kennba e D ehung, weiss
S u ung: 1 Ke aden
Dich e: c. 60 Ke äden/cm
Schuss
Schuss olge: 1 G undschuss, 1 Lancie schuss I, 1 Lise éschuss II, 1 B oschie schuss
Ma e ial:
G undschuss: Seide, ohne e kennba e D ehung, weiss
Lancie schuss I: Seide, ohne e kennba e D ehung, g ün
Lancie schuss II: Silbe lahn, dünn

118 | No delbingen 90
B oschie schuss: Seide, ohne e kennba e D ehung, blau, b aun, osa, ocke , weiss, o
S u ung: 2 Passées
Dich e: 24 Passées/cm
Gewebeau bau
G und: Leinwandbindung aus Ke e und G undschuss
Lancie -E ek I: E ek on Lancie schuss I, abgebunden du ch jeden 3. Ke aden in Köpe 1/3 Z-G a
au de Vo de sei e (à liage ep is). Da un e se z sich die Leinwandbindung des G undes o .
Lancie -E ek II: E ek on Lancie schuss II, mi jede 2. Passée einge agen, abgebunden du ch jeden
5. Ke aden (masse) au de Vo de sei e (à liage ep is). Da un e se z sich die Leinwandbindung des
G undes o . De Lancie schuss II wende zu Beginn de Webkan e nach dem 2. Ke aden.
B oschie -E ek : E ek des B oschie schusses, abgebunden du ch jeden 3. Ke aden in Köpe 1/3
Z-G a au de Vo de sei e (à liage ep is). Da un e se z sich die Leinwandbindung des G undes o .
Webkan e (an eine Sei e e hal en): Leinwandbindung même pas übe G und- und Lancie schuss I.
Web echnische Mus e appo : H. 21 cm; B. 6,5 cm
Webb ei e (nich e mi elba ): mind. 52 cm
In . N . 1925/161
Lampasgewebe mi ün bindigem A lasg und, 5 Lancie schüsse, on denen eine nu s ei enweise
eingeweb wi d (la é und in e ompu), b oschie
Ke e
Ve häl nis: 5 Haup ke äden zu 1 Bindeke aden
Ma e ial:
Haup ke e: Seide, schwache Z-D ehung, g ün
Bindeke e: Seide, schwache S-D ehung, beige (ehemals lachs osa)
S u ung: 5–7 Haup ke äden
Dich e: ca. 90 Haup ke äden/cm, ca. 18 Bindeke äden/cm
Schuss
Schuss olge: 1 G undschussein ag, 1 Lancie schuss I, 1 Lancie schuss II, 1 Lancie schuss III, 1
Lancie schuss IV, 1 Lancie schuss V (la é und in e ompu), 1 B oschie schuss
Ma e ial:
G undschuss: Seide, ohne e kennba e D ehung, hellg ün
Lancie schuss I: Seide, ohne e kennba e D ehung, dunkelb aun
Lancie schuss II: Seide, ohne e kennba e D ehung, o ange
Lancie schuss III: Seide, ohne e kennba e D ehung, osa
Lancie schuss IV: Seide, ohne e kennba e D ehung, weiss
Lancie schuss V: Seide, ohne e kennba e D ehung, gelb, hellblau (la é und in e ompu)
B oschie schuss: Seide, ohne e kennba e D ehung, e golde e Silbe lahn um Seidenseele (leich e Z-
D ehung, gelb), Mon age S; mi ame d’accompagnage: Seide, leich e S-D ehung, gelb, dünn, doppel
S u ung: 1 Passée
Dich e: 24–26 Passées/cm
A. Jolly: Fü s liche Geschenke | 119
Gewebeau bau
G und: 5-bindige Ke a las mi Fo sch ei ungszahl 2 aus Haup ke e und G undschuss. Da un e
liegen die Lancie schüsse I–V, abgebunden du ch die Bindeke e. Die Bindeke e a bei e in Köpe
1/3 Z-G a übe den G undschuss und übe die Lancie schüsse pa passée.
Lancé-E ek : E ek de Lancie schüsse I, II, III, IV ode V, abgebunden du ch die Bindeke e in
Köpe 1/3 Z-G a au de Vo de sei e. Da un e se z sich de A las des G undes aus Haup ke e und
G undschuss o . Die Bindeke e a bei e gleichzei ig übe den G undschuss und die au de Rück-
sei e e bliebenen Lancie schüsse pa passée.
B oché-E ek : E ek des B oschie schusses (mi ame d’accompagnage), abgebunden du ch die
Bindeke e in Köpe 1/3 Z-G a au de Vo de sei e. Da un e se z sich de A las des G undes aus
Haup ke e und G undschuss o . Die Bindeke e a bei e gleichzei ig übe den G undschuss und die
au de Rücksei e e bliebenen Lancie schüsse pa passée.
Webkan en: nich e hal en
Web echnische Mus e appo : H. 47–53,5 cm; B. 35,5 cm
Webb ei e (ohne Webkan en): ca. 71 cm
Abs ac
In Augus 1639, a Pe sian embassy a i ed a he cou o Duke F ede ick III o Schleswig-Hols ein-Go -
o . The delega ion om Is ahan b ough nume ous gi s wi h hem, including o e 200 p ecious ex iles,
which we e p esen ed o he duke in a es i e ce emony. This is documen ed by a pamphle ci cula ed
in he same yea as well as by Adam Olea ius’ a elogues o 1647 and 1656. The pa e ned el e s and
o he silk ab ics we e la e made in o bed cu ains and canopies, ableclo hs, and chai co e s o be
used as in e io deco a ions in he ducal esidence. In en o ies o he palace’s u nishings om he se-
en een h cen u y bea wi ness o he use o he ex iles in he p incely apa men s. A e Go o Cas le
was aken o e by he Danish oyal household, some o he his o ic Pe sian ex iles we e ans e ed o
Copenhagen, whe e hey we e used as wall hangings in Rosenbo g Palace du ing he nine een h cen-
u y. A smalle g oup o Pe sian ex iles, howe e , emained in Schleswig-Hols ein and is oday kep in
he Museum ü Kuns und Kul u geschich e Schloss Go o . This pape desc ibes he his o y o hese
Pe sian silk ab ics based on he su i ing ex ual sou ces and o e s an e alua ion o hei iconog aphic,
s ylis ic, and ma e ial quali ies. A ansc ip ion o he pamphle om 1639 as well as echnical analyses
o he Pe sian silk wea ings ha a e p ese ed in Go o Cas le a e also included.
Li e a u
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1635 im Mona Oc ob is, on Ih e Fü s l. Gn. dahin ab-
ge e ig e an Pe sonen s a cke Lega ion, nach ollende-
e wei en Reise anhe o, wide umb glücklichen an- und
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Au o in
D . Anna Jolly
Ku a o in ü Tex ilien des 16.–18. Jah hunde s an de Abegg-S i ung in Riggisbe g. In ih e Fo schung
beschä ig sie sich gegenwä ig besonde s mi pe sischen und indischen Seidengeweben de ühen
Neuzei sowie mi Tex ilien im diploma ischen Aus ausch.
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128 | No delbingen 90
Au üh ungen gel en als die ühes en belegba en Ope nda bie ungen in Kiel.19 Auch wenn die zwei-
ellos wich ige F age nach den a sächlich gegebenen S ücken zu zei nich geklä is , so lassen sich
Aussagen zum genaue en Ablau beide Saisons machen.20 Hie kann die Un e suchung du ch Wol -
gang on Ge sdo übe zei genössische Zei ungsmeldungen e gänz we den.21 Die e s e Saison de
Hambu genses in Kiel iel au den Umschlag on 1696 und bedu e einige Vo be ei ungen. O enba
wa eine Vo hu des Hambu ge Ope nbe iebs schon im Dezembe 1695 nach Kiel ge eis :22
» Kiel
wu den nähe e Zube ei ungen zu denen in unse m P aeludio e nan en Ope n gemach
/ und kahmen eben on de Niede -Elbe noch einige mi schönen Machines und an-
de n Zubehö e beladene Wagen an / wo übe sich die edlen Musen-Söhne nich weni-
ge e eue en / weil sie e ho en ih e anhe o bey de Ana omie in g osse equence
e wiesene pa ience / so dann in e was wiede zu e leich e n / [...]«
Die Gas spiele de Hambu ge Ope wa en siche lich nich mi i gendeine Au üh ungsse ie beliebige
Komödian en uppen zu e gleichen. In Kiel a nun mi de Gänsema k ope eine Kompagnie au ,
die in Hambu g ein eigenes Haus bespiel e und do du chaus üppige P oduk ionen lie e e. Bis au
wei e es e inne abe (neben den einschlägigen Beme kungen Johann Ma hesons in dessen Eh en-
p o e 1740 und im Musicalischen Pa io en on 1728) nu noch diese Zei ungsmeldung an den ge-
iebenen Au wand.
Auch die Rolle de He sche amilie bei den Gas spielen de Hambu genses 1696 und 1697 is mi
de E eilung des en sp echenden P i ilegs du ch Ch is ian Alb ech wohl nich olls ändig besch ie-
ben. Die Zei ungen be ich e en beispielsweise ü die Saison 1697 on eine besonde en Vo s ellung
(wah scheinlich am Sams ag, den 20. Janua 1697) in olgende Weise:
»Kiel om 21. Janua i.
Ges e n wah en I.Hoch l.Dhl. unse He zog nebs Ih.Dhl. dem E bP in zen on Wol-
enbü el und Ih.Hoch l Dhl. P in z Ch is ian nebs I. Hohei en in de Ope n /alwo
eine absonde liche Ope a o I. Hoch l.Dhl. p äsen i e wu de / da bey jede Machine
Ih.Dhl. des He zogen Wapen und Nahme zu sehen / auch in de Mi en ein unde
Schild he un e gelassen wu de / wo au mi Buchs aben diese Wö e : Vi a F ide i-
cus Dux Holsa iae, s unden.«23
19 Ch is ian Alb ech gewäh e dem Hambu ge Un e nehmen da ü ein am 4. Juli 1694 ausges ell es, zunächs au ie Jah e
beg enz es P i ileg. Vgl. Ge sdo 1912, S. 115–116. Ge sdo e mu e , e s e Ope nda bie ungen könn en schon im Somme
1694 in Kiel s a ge unden haben, was wohl au de Fo mulie ung, wonach die Ope n im Umschlag 1696 » o gese ze « we den
soll en, be uh ; Kiel, S A, N . 532/538, Sch eiben des Ra s an He zog F ied ich IV. Vielleich ha e man nach Ch is ian Alb ech s
Tod am d i en Weihnach s ag 1694 abe auch nu das anschließende T aue jah 1695, in dessen Umschlag die e s en Gas -
spiele eigen lich hä en s a inden sollen, als Un e b echung de Vo be ei ungen emp unden und sah (was de Sache nach
auch zu a ) die a sächlichen e s en Gas spiele 1696 eben als Fo se zung eines be ei s begonnenen Un e nehmens an.
20 Vgl. auch Ki sch 2024.
21 Vgl. Ge sdo 1912, S. 115–122.
22
Rela ion aus dem Pa nasso, No. 101 om 17. Dezembe 1695. Zu wei e en Zei ungsmeldungen in diese Sache gl. Ki sch 2024.
23 Reichspos eu e , N. 15 om 26. Janua 1697.

M. Ki sch: Das Ballhaus in Kiel (1666–1841) – om Spo haus zum Kul u o  | 129
Die hie besch iebenen panegy ischen Zu a en sind am bes en zusammenzudenken mi einem
konk e en inanziellen Engagemen des Landeshe n selbs ü diese Gas spiele.24
In den Kiele Au üh ungen de Gänsema k ope lag ü das Ballhaus ein kul u elles Po enzial,
das nu hypo he isch e ass we den kann. Au ällig sind die Bemühungen des Hauses Go o um
diesen Kul u o , de 1671 als Thea e o konzessionie wo den wa und 1694 abe mals du ch die
zunächs au ie Jah e beg enz e P i ilegie ung des Hambu ge Ope nun e nehmens as wie eine
Ho ope au Zei anmu e ; ein Un e nehmen also, das ielleich mi dem B aunschweige Thea e
am Hagenma k e gleichba is .25 Von de D ama u gie he hö isch-ze emoniell dominie , s and
das B aunschweige Un e nehmen nich nu dem Ho , sonde n – genau wie in Kiel – auch einem
zahlenden bü ge lichen Publikum o en. Die dadu ch gegebene adlig-bü ge liche Misch inanzie ung
e ö ne e die Möglichkei eine be is e en Hochkul u , mi de ein einzelne T äge (Ho ode Bü -
ge scha ) allein inanziell übe o de gewesen wä e. Fü das Kiele Ballhaus abe konn en solche
Pläne, soll en sie a sächlich bes anden haben, auch wegen k iege ische Zei en nich e wi klich
we den. Baumaßnahmen ü eine s ä ke e Aus ich ung au ( ep äsen a i es) Thea e wä en dann
wohl – wie in B aunschweig – no wendig und gu zu ech e igen gewesen. Ein daue ha e Umbau
des Kiele Ballhauses zum Thea e wu de abe e s gu sechs Jah zehn e spä e o genommen, nach-
dem Besi ze und Be eibe des Kiele Ballhauses gewechsel ha en.
Philipp Fische wiede um, Sohn des Ballhaus-E baue s De le Hans Fische , wa zum Zei punk
de Gänsema k -Gas spiele o enba e s wenige Jah e Besi ze des Ballhauses, nach eine länge en
Phase ech liche Unsiche hei en An ang de 1690e Jah e. E s 1706 we den Baumaßnahmen au
dem Ballhausg unds ück g ei ba ,26 die de jünge e Fische o nehmen ließ und übe die so o S ei
mi den Nachba n en s and. De eigen liche Saal schein on diesen Bau ä igkei en alle dings nich
be o en gewesen zu sein, ielmeh e wei e e Fische nun o enba das Pla zangebo ü den Gas -
ho be ieb und ließ eine neue Wasse e so gung anlegen. Dokumen e ü de a ige Ve ände ungen
sind nich besonde s zahl eich, und das meis e läss sich nu indi ek aus Zei ungsmeldungen ab-
lesen, die den Is -Zus and nach 1743 (dem mu maßlichen Todesjah Philipp Fische s) besch eiben
und im Zusammenhang mi dem konku smäßigen Ve kau des Ballhauses s ehen.
Fas zehn Jah e, in denen on 1743 an nach einem Käu e gesuch wu de, hiel die Unsiche hei
des Ballhaus-Be iebs an.27 Beme kenswe is die Au lis ung de Konku smasse, die mi den nach-
gelassenen Wein ässe n Fische s beginn und die den eigen lichen G undbesi z mi seinen Gebäuden
e s nachgeo dne au lis e . Als endlich im Jah 1753 eine Käu e in, Ma ia B igi a Hagedo n, ge-
unden wa , schein – wie aus dem Kau p o okoll om 16. Ok obe 1753 he o geh – be ei s e heb-
liche Reno ie ungsbeda bes anden zu haben.28 Die übe lie e en Ve kau sanzeigen machen abe
deu lich, dass de Saalbau selbs gegenübe dem bauzei lichen Zus and wohl kaum e ände wa :
24 Zuwendungen on de He zogmu e F iede ike Amalie dagegen, die sei Ende Mä z 1696 ih en Wi wensi z au dem Kiele Schloss
ha e und die häu ig – auch noch im ak uellen S ad ma ke ing de Landeshaup s ad Kiel – als Fö de in genann wi d, sind zu zei
nich belegba . Vgl. h ps://www.kiel.de/de/bildung_wissenscha /s ad a chi /e inne ungs age.php?id=80 (3.7.2024).
25 Vgl. Ch ysande 1863, S. 185.
26 LASH, Ab . 7, N . 2086.
27 Vom 31. Dezembe 1743 bis zum 28. Dezembe 1751 lassen sich ü das Kiele Ballhaus insgesam 17 Ve kau sanzeigen in
no ddeu schen Zei ungen nachweisen. Sie alle können übe das Zei ungspo al de Deu schen Digi alen Biblio hek leich e -
mi el we den. Vgl.
h ps://www.deu sche-digi ale-biblio hek.de/newspape
(2.9.2024).
28 Kiel, S A, N . 15868. Eine Be iebsau nahme (gezeichne mi dem Da um 29. Ok obe 1753) wi d schließlich im Hambu ge
Rela ions-Cou ie om 2. No embe 1753 angezeig . Neben dem Behe be gungs- und Schankbe ieb we den do wei e hin
Ball- und Billa dspiel als Leis ungen des Hauses e wähn . Fü no wendige Ins andse zungen ha en o enba die nich einmal
zwei Wochen sei Ve agsun e zeichnung ausge eich .
130 | No delbingen 90
Lediglich B ei e und Länge des da un e liegenden Kelle s we den nun genaue angegeben (o enba
ge unde au 50 x 100 Fuß, d ei Gewölbebögen um assend), im Üb igen abe wa selbs de Boden
im Saal (»ge lies «) wohl noch imme de spo beding gemus e e bauzei liche.29 Von eine e en u-
ellen mobilen hauseigenen Bühne, die mi e äuße wo den sein könn e, is dagegen ni gends die
Rede. Wie sich zeigen soll e, konn e nun abe auch die neue Besi ze in Ma ia B igi a Hagedo n nich
so o das Geschä smodell ände n und dem Weinhandel eine ande e daue ha gewinnb ingende
Nu zung zu Sei e s ellen. Noch as zehn Jah e bis zum Beginn des Umbaus ( ielleich e s nach
dem Umschlag 1764) e gingen im Ballhaus o enba ohne eine wesen liche Nu zungsände ung.
1764 – Vom Ballhaus zum Thea e bau mi Fes äumen
Schon in de äl e en Li e a u wi d ohne nähe e Eing enzung (ode Angabe de Belege) om Jah
1764 als ›Umbau-Saison‹ ausgegangen.30 De lange Vo lau abe , den diese Umbau ha e, läss sich
eilweise du ch e hal ene Dokumen e ekons uie en, die auch ein seh e giebiges Sch i s ück ein-
schließen: Ma ia B igi a Hagedo n, die im Jah 1761 schon übe sieben Jah e lang Besi ze in und
Be eibe in des Kiele Ballhauses wa , wand e sich damals mi einem aus üh lichen B ie di ek an
den ussischen G oßhe zog Ka l Pe e Ul ich (1762 ü ku ze Zei Za Pe e III.), den Landeshe n
und »Go o e au dem Za en h on«:
»[...] Du chlauch igs e G oß ü s und He zog! Es gehe mi o mahls nahe, daß ich Ei-
gen hüme in eine so unb auchbah en S elle seyn muß, und daß ich meinem T iebe nich
olgen kann, dieselbe zum Bes en des gemeinen Wesens anzuwenden. Diesem wü de au
alleweise dami gediene seyn, wenn ich dieses nich s, als den Namen eines Ballhauses
üh ende Gebäude zu einem Ope n und Comoedien=hause ap i en, und oben da übe
einen Redou en und Assemblée-Saal anleg e. Ich wü de diese halben keine kos en scheu-
en, und ge ne zu Aus üh ung dieses Plans emde Gelde au nehmen, wenn de selbe
das Glück hä e, Ew. Kayse l. Hohei höchs en Bey all zu e langen und Alle höchs die-
selben ge uhen woll en, die dem Ballhaus gnädigs e liehenen P i ilegien, ungeach e
diese dami o zunehmenden Ve ände ung dabey noch e ne zu lassen. [...]«31
De Zünds o de hie besch iebenen Nu zungsände ung lag da in, dass Ch is ian Alb ech sein P i-
ileg om Juni 1665 an eine bes ändige, womöglich »imme wäh ende« Aus ich ung au das Ballspiel
geknüp ha e. De neue Plan nun soll e das Ballspiel (zumindes in he kömmliche Fo m) abe ü
imme Geschich e we den lassen. Hie bedu e es also einige a gumen a i e Vol en und eine ge-
wissen Übe zeugungsk a . Die Aus üh ungen Ma ia B igi a Hagedo ns weisen kul u geschich lich
als eine A Wendepunk übe den Einzel all des Kiele Ballhauses hinaus: Hie kommen as alle
29 Vgl. dazu (Kelle g öße) Hambu ge Rela ions-Cou ie om 31. Dezembe 1743, S. 6 und (ge lies e Boden) S aa s- und ge-
leh e Zei ung des Hambu ge unpa heyischen Co esponden en om 6. Dezembe 1748. Ballhäuse wiesen o a blich
wechselnde Boden-Fliesen au , die ü den Spiel e lau Jeu de Paume on Bedeu ung wa .
30 Vgl. dazu be ei s Ge sdo 1912, S. XVII–XIX, do auch eine e s e knappe Da s ellung des B ie s de Ballhausbe eibe in an
den ussischen G oßhe zog und Landeshe n.
31 LASH, Ab . 8.2, N . 963.
M. Ki sch: Das Ballhaus in Kiel (1666–1841) – om Spo haus zum Kul u o  | 131
Aspek e zu Sp ache, die eine Ausdi e enzie ung des s ad bü ge lichen Kul u be iebs mi meh e en
Ak eu en und seine komme ziellen Einbe ung im mi le en 18. Jah hunde ausmach en. Wegen
seine e heblichen Bedeu ung is de B ie diesem Bei ag im Anhang olls ändig beigegeben.
Da zu zei keine Bilde om Ballhaus nachweisba sind, is die Vo s ellungsk a besonde s ge-
o de , will man die mu maßliche Bausi ua ion e assen, die du ch den Umbau insgesam he ges ell
we den soll e:32 Hagedo n sch eib de Sache nach on eine Au s ockung des Ballhauses, bei de
ein g öße e Fes saal übe dem al en Ballspielsaal einge ich e we den soll e. Auch als Thea e saal
benö ig e abe de ebene dige Spo -Raum noch eine gewisse Höhe,33 denn hie gab es obe halb de
Logen eine Gale ie ü Zuschaue : Diese Gale ie e wähnen meh e e spä e e Sch i quellen,34 genauso
wie den Hinweis au eine (einzige) s eile T eppe ü die e ikale E schließung des Baus. Die wiede-
um muss e le z lich zwei wei e e Ebenen ( om E dgeschoss aus ge echne ), nämlich Gale ie und
den da übe liegenden Fes saal e eichen, is also sinn oll nu als gewende e Anlage e en uell mi
Absä zen zu denken. Bis au wei e es ehlen hie abe genaue e Besch eibungen. Bescheidenhei ,
wenn nich Dü igkei wa en e mu lich das bes immende Me kmal auch nach dem Umbau. Hin-
weise au ep äsen a i e Elemen e ode Bauschmuck sind bishe nich bekann gewo den, allen alls
wä e die Fo mulie ung eine spä e en Ve kau sanzeige zu nennen,35 in de ein »seh g oße gewölb e
Conce saal« übe dem Thea e genann wi d: S a eines o enen Dachs uhls (dies wa siche die
Si ua ion des al en Ballhauses) ode eine lachen Decke ha e man den Fes saal also ielleich mi
eine hölze nen Tonne übe wölb .
Welche Vo geschich e ha e de Plan Ma ia B igi a Hagedo ns? Ih e eigene Da s ellung muss e -
gänz we den, denn die Hagedo ns ha en sich – e hal enen Dokumen en zu olge – a sächlich nich
allein au die übe kommenen Einnahmequellen des Ballhauses (den Weinhandel nebs Schankbe ieb
und Ve mie ungen ü Ve ans al ungen) besch änk . Übe den Jah eswechsel 1758/59 wa das Kiele
Ballhaus deshalb auch Heulage ü ussische T uppen, die im Zusammenhang mi dem Siebenjäh i-
gen K ieg on Kiel nach Os p eußen e schi we den soll en. Das massenweise Einlage n euch en
Heus ie nun wegen de B andge ah die beso g en Nachba n de Schuhmache s aße au den Plan,36
und wäh end des Umschlags 1759 (wohl zwischen dem 10. und 13. Janua ) kam es dann auch a -
sächlich zu einem Feue im Ballhaus, das alle dings noch ech zei ig gelösch we den konn e. Das
Ballhaus en ging damals o enba nu knapp de Einäsche ung, und die Ausb ei ung des B andes in
die S ad konn e e hinde we den. Fes s eh also: Die Hagedo ns nahmen ech e Risiken au sich,
um au welche Weise auch imme P o i aus ih em Anwesen zu ziehen. Die übe kommenen Ge-
schä s elde (Behe be gungs-, Kul u - und Schankbe ieb) eich en o enba nich aus, um das Ball-
haus en abel zu be eiben
.
Un e schiedliche Dokumen e, da un e iele Zei ungsmeldungen, illus ie en die Nu zung des Kie-
le Ballhauses ab den 1770e Jah en wei e . Du ch das Au kommen lokale Zei ungen (ab Juni 1776
32 De Umbau kann e s nach dem 3. Augus 1763 begonnen wo den sein, denn mi diesem Da um wu den die Umbaupläne du ch
den G oßhe zog genehmig . Kiel, S A, N . 532/538.
33 Die konk e
e Ges al hea e spezi ische Ausbau en im Ballhaus is zu zei nich nähe zu e mi eln. Im Thea e saal gab es abe
nach dem Umbau eine »Ve senkung«, die in de A eines O ches e g abens ü Musike genu z wu de. Vgl. Bahnson 1972, S. 261.
34 Vgl. dazu e wa das in Anm. 40 ange üh e Gildep o okoll on 1806.
35 Al onaische Me cu ius om 10. Mä z 1825.
36 In einem e hal enen B ie de Nachba scha wi d de zu be ü ch ende Kamine ek besch ieben, de im Ballhaus als einem
»oben o enen Bau« bei ausb echendem Feue ein e en könne. Dieses De ail mach wah scheinlich, dass es im Ballhaus-Saal
mindes ens bis zum Umbau 1764 keine Heizmöglichkei en gab, ielleich wa abe ein Ve schluss de o enen Wandzone di ek
un e halb des Dachs uhls, e wa du ch bewegliche Ve schalungen aus Holz, e e sibel möglich. LASH, Ab . 8.2., N . 963.
132 | No delbingen 90
e schienen die Kielischen Gemeinnü zigen Nach ich en) se z zunächs eine dich e Folge on Meldun-
gen ein, die Conce e im Ballhaus ankündigen. Das Ballhaus wu de damals zum zen alen O on
Liebhabe konze en in Kiel, eine Nu zung, die mi Un e b echungen auch übe das Jah 1800 hinaus
nachweisba is .37 Keine ausd ückliche Liebhabe un e nehmung, abe wah scheinlich on Ama eu en
mi ge agen wa die Au üh ung on An onio Salie is Ope A mida am 19. Janua 1783
, in eine on
Ca l F ied ich C ame ange e ig en deu schsp achigen Fassung und un e de Lei ung des spä e en
Kopenhagene Ho kapellmeis e s F ied ich Ludwig Aemilius Kunzen:
» Conce .
Mo gen den 19 en Janua wi d im Ballhause au dem au gesch obenen Pa e e des Schau-
spielhauses eine agische Ope , die A mida, als ein Conce au ge üh we den. [...]«38
Hie is es o allem die Fo mulie ung om »au gesch obenen Pa ke «, die ein wesen liches Baume k-
mal des Kiele Ballhauses dokumen ie : Das Ballhaus e üg e o enba mi einem höhen e s ellba-
en Pa ke übe einen Bodenhebemechanismus, wie e ü Zuschaue äume meh e e Thea e bau en
diese Zei belegba is .39 In Kiel mach e e mu lich diese Mechanismus die Nu zung des unge eil en
Innen aums möglich, indem man den Zuschaue aum au Bühnenhöhe b ach e
. Viele Thea e konn-
en au diese Weise beispielsweise als g oße Fes säle genu z we den, was auch an ande e S elle
(Jah zehn e spä e ) noch einmal ü das Kiele Ballhaus beleg is :40
»Ac um Kiel, den 25. Juli 1806
Heu e wa de gewöhnliche Speise- und Tanz ag de Gilde, abe es liche wie jemals.
Fü diesmal wa dazu das hiesige Schauspielhaus gemie e . In demselben wa das
Pa e e in die Höhe gesch oben und on oben bis un en de Länge nach ein Gala isch
gedeck .«
Das hie besch iebene Gilde es wu de wegen de Anwesenhei K onp inz F ede iks VI. aus üh lich
besch ieben. Wie bei de A mida-Au üh ung on 1783 wa auch hie ges eige e Pla zbeda wohl
de G und, das Pa ke anzuheben und dami auch den Bühnen aum ni eaugleich zu nu zen.
Die bau ypischen Wandö nungen (de »oben o ene Bau«) des Kiele Ballhauses dü en mi dem
Umbau zum Thea e und de Au s ockung wah scheinlich geschlossen wo den sein. Dennoch wa
de Thea e saal selbs o enba auch nach dem Umbau nich heizba . Nach ollziehba wi d dies
aus eine Zei ungsmeldung übe geplan e Konze e zweie Reise i uosen: Die Geb üde Böck aus
Regensbu g kündig en ein Zusa zkonze im Ballhaus an und beme k en, dass ih e Da bie ungen
»[...] nich zu unse m Vo heile, sonde n zu Be ö de ung de o e lichen Ab-
sich en de e eh ungswü digs en un e allen menschlichen Gesellscha en, des
F eymäu e =O dens: dahe auch solches nich , wie die beyden o he gegangenen
37 Vgl. P annkuch 1978, S. 175–199.
38 Kielische Gemeinnü zige Nach ich en, 3. S ück 1783 om, 18.1.1783 , S. 16.
39 Bekann sind solche Pa ke -Hebe o ich ungen e wa on Ho hea e n in Bonn und München, abe auch on ande en Thea e -
bau en in B eslau, Königsbe g, B aunschweig und Be lin. Ich danke He n Johannes Beh on de Fo schungss elle de B ahms-
Gesam ausgabe in Kiel he zlich ü die en sp echenden Hinweise.
40 Vgl. Geckele 2012, S. 108.
M. Ki sch: Das Ballhaus in Kiel (1666–1841) – om Spo haus zum Kul u o  | 133
in dem hiesigen
ö en lichen Schauspielhause, sonde n au dem dazu ungleich be-
queme n und du ch Einhi zen hinlänglich gewä m en Ve sammlungsaale de hiesigen
F eymäu e Loge im Ballhause, wi d gegeben we den.«41
Hie wi d sozusagen nebenhe mi ge eil , dass auch die Kiele F eimau e -Loge Louise zu gek ön en
F eundscha (geg ünde 1776) ih e Ve sammlungen in einem de (heizba en) Räume des Obe geschos-
ses e ich e e, be o diese Loge im olgenden Jah (1785) ein eigenes Lokal in de B unswik bezog.42
Schließlich wi d das Ballhaus endgül ig als Behe be gungsbe ieb ab dem Jah 1782 g ei ba , weil
die Kielischen Gemeinnü zigen Nach ich en om 12. S ück dieses Jah gangs an in jede Ausgabe
»Angekommene F emde und ih Logis« au üh en. Vom Ballhaus is hie ganz egelmäßig die Rede,
manchmal du ch den Zusa z »bei Hagedo n« e gänz .43
Mi dem Umbau des Ballhauses zum Thea e komm die Ausbaugeschich e des Gebäudes zu einem
gewiss
en Abschluss. Wei e e g öße e Umbau en danach sind bishe nich bekann gewo den,44 und
de Zus and des nunmeh ü eine Thea e nu zung a o isie en Baus mi einem g oßen und zwei
kleinen Fes äumen im au ges ock en Obe geschoss blieb o enba bis zum Ab iss im F ühjah 1841
wei gehend un e ände .
1841 – De Neubau des S ad hea e s
Die Vo gänge um den Neubau des S ad hea e s wa en zei lich bislang schwie ig einzuo dnen. Wi k-
lich es s and dabei nu das E ö nungsda um mi dem 5. Dezembe 1841. Wann de Bau abe a -
sächlich begonnen wu de, läss sich e neu nu aus eine Zei ungsmeldung abschä zen:
»[...] Unse al es Schauspielhaus wi d je z abgeb ochen, um ein neues, ge äumige es
und geschmack olle es an dessen S elle wiede au zubauen. Noch im nächs en Somme
soll de Bau ollende we den. Vo ges e n [am 11. Mä z?] wu de die le z e Vo s ellung
im al en Hause gegeben [...].«45
Dami wi d de Zei punk Mi e Mä z des Jah es 1841 ü den Beginn de Ab issa bei en ziemlich
wah scheinlich. Am 26. Mä z melde die gleiche Zei ung e gänzend einen Zus and, de e mu en
läss , dass die Ab issa bei en ielleich schon beende wa en:
41 Kielische Gemeinnü zige Nach ich en, 4. S ück 1784, 24.1.1784, S. 15 u. 16.
42 Zu den F eimau e n in Kiel sowie zu den O en ih e Zusammenkün e gl. o. A. 1876, S. 5–6. Do wi d das Ballhaus alle dings
nich ausd ücklich e wähn . Die Zusammenkün e de F eimau e schließen das Ballhaus gewisse maßen an die in ellek uell-
gehobene Sphä e des zei genössischen Kiel an. Auch de »Ballmeis e « Hagedo n wa B ude de Kiele Loge.
43 Die Auswe ung diese Rub ik dü e au zahl eiche anschluss ähige ›Bewegungsda en‹ üh en, die – zusammen mi en sp echen-
den Da en aus ande en Zei ungen – in ielleich nich allzu e ne Zukun digi al e ügba gemach neue E kenn nis b ingen.
44 Ein Hinweis, dass das Ballhaus » o 2 Jah en [i. e. 1823] inwendig neu deko i « wo den sei, inde sich in eine Ve kau s-
anzeige im Al onaischen Me cu ius om 10. Mä z 1825. Zwa e schienen in de Folgezei , o allem als Vo lau au den le z en
Ve kau Ende 1840, noch zahl eiche wei e e Ve kau s- und Pach anzeigen, die abe säm lich keine zusä zlichen In o ma ionen
zu einem e en uell e ände en Zus and des Saalbaus meh b ingen.
45 Al onae Me cu , Zei ung und In elligenzbla ü die He zog üme Schleswig, Hols ein und Lauenbu g 20. Mä z 1841. Diese
Meldung wi d do mi Bezug au die »Hnn. Z g« om 13. Mä z e e ie .

134 | No delbingen 90
»Kiel, om 25. Mä z. Da de wah ha no hged ungene Neubau unse s al en Schau-
spielhauses, welche augenblicklich noch den kün igen E eignissen angehö , jedoch
im Lau e dieses Jah es oll üh we den wi d, Gegens and de E wähnung dieses Bla -
es wu de, so e dien es beme k zu we den, daß das an de S elle des be ei s ab-
geb ochenen al en au zu üh ende neue Schauspielhaus nich blos eine Zie de unse e
S ad im Aeuße en we den, sonde n auch in seine inne en Ein ich ung die Ansp üche
de Thea e eunde be iedigen wi d. [...] Wenn gleich de nich wohl zu e wei e nde
Pla z des al en Gebäudes eine Besch änkung au die ühe en Dimensionen gebie e ,
so wi d doch nach dem (haup sächlich on dem hiesigen A chi ec en Spe zle he üh-
ende) Bauplan de o handene Raum so benu z , daß das neue Schauspielhaus 8 bis
900 Zuschaue assen kann.«46
Wann auch imme de Neubau begann, das neue S ad hea e dü e ein ›schnelle ‹ Bau gewesen sein,
de schon deshalb in seinem Um ang nich übe schä z we den soll e: Welche Fläche abe das neu-
gebau e ›S ad hea e ‹ (das schon 1907/08 wiede abge issen wu de) wi klich ha e, kann ielleich
nu mi genauem Blick au den zei nah ak uellen Baukö pe bes and geklä we den.47 Dabei zeig sich,
dass die Wendung, man habe das neue S ad hea e »au e was e wei e em A eal« e bau ,48 ech gu
mi de Da s ellung au de im Ausschni wiede gegebenen Thalbi ze -Ka e on 1851/53 zusammen-
pass (Abb. 1, obe e Bild and: Wes en): Hie e schein de Baukö pe des Thea e s an de Südwes ecke
e was abge as , was e mu en läss , dass do au bes ehende (und un e zich ba e) Gebäude Rücksich
genommen we den muss e. Keineswegs wu de das gesam e e ügba e G unds ück neu übe bau .
S a dessen ha e man wohl nu den eigen lichen Saalbau neu e ich e , wäh end die üb igen Gebäude
46 Al onae Me cu : Zei ung und In elligenzbla ü die He zog üme Schleswig, Hols ein und Lauenbu g om 26. Mä z 1841.
47 Ein einschlägige Bes and an Bauak en zum S ad hea e (Kiel, S A, N . 20453, »Bauliche Un e hal ung des al en S ad hea-
e s«) wi d heu e mi dem Ve me k »Ak e ehl « gelis e .
48 Vgl. Junge 1928, S. 40.
Abb. 1: Ausschni aus de Ka e Wilhelm Thalbi ze s on
1851/53 ( ech s die Schuhmache s aße). Kiel, S A, N . 3328.
Abb. 2: Lageplan-Rekons uk ion nach dem Thalbi ze -Plan
(Abb. 1), Angaben zu Bauda en und Bezeichnung de Baukö -
pe nach dem B andka as e . Kiel, S A, N . 1441–1443.
M. Ki sch: Das Ballhaus in Kiel (1666–1841) – om Spo haus zum Kul u o  | 135
des G unds ücks sowei wie möglich e hal en blieben. Die p opo ional ziemlich genaue Wiede gabe
de Bausi ua ion au de Thalbi ze -Ka e gib einen Eind uck da on und e möglich olgende Lage-
plan-Rekons uk ion (
Abb. 2
).
In le z e Konsequenz könn e dies auch heißen, dass bis 1907 noch wei meh al e Bausubs anz
des Ballhauses au dem G unds ück e hal en blieb, als spä e e Besch eibungen es bishe naheleg-
en.49 Wesen lich wa en also de Neubau des Saals und eine s aßensei ig die Baukö pe beide
G unds ücke übe g ei ende klassizis isch ges al e e Fassade (Abb. 3): Eine besonde s spannende F a-
ge in diese Hinsich is , ob man auch den al en Gewölbekelle e hiel , de ja mi g oße Wah schein-
lichkei noch au das Ahle eld sche Haus zu ückging. Fü die Fo exis enz des Kelle s, au den in de
Fassadenansich ein Sch i zug übe dem Kelle hals au de linken Sei e hinweis (Abb. 3), sp echen
auch die olgenden Beme kungen aus den Memoi en on Lo e Hegewisch:50
49 Die Da s ellungen bei Ge sdo , Junge und Danielsen leg en ih em Fokus allein au den Thea e bau und disku ie en deshalb
den Zus and de gesam en Liegenscha mi allen do igen Baukö pe n nich .
50 Hegewisch 1902, S. 111.
Abb. 3: Die Fassade des S ad hea e -Baus on 1841, links de Kelle hals mi Sch i zug. Aus: Danielsen
1961, S. 205. Danielsen b ing keinen spezi ischen Nachweis diese Abbildung, de en genaue He kun
nich e mi el we den konn e.
136 | No delbingen 90
»Dann wa d [im Jah 1841] das Thea e gebau , leide au dieselbe S elle, wo die al e
bau ällige Bude ges anden, in de engen Schumache s aße, ohne Lu und Lich und
mi nu einem Aus- und Eingang, kein Ho aum und im Kelle wa und blieb ein Sp i -
lage ; abe auße halb de S ad g enze [also jensei s des Al s ad hügels] hä e kein
Kiele es sich ein allen noch ge allen lassen.«
Die Reak ionen au das neue S ad hea e wa en dennoch as du chweg posi i , jeden alls e kann e
man die gelungene Ges al ung be ei s in den e s en Zei ungsbe ich en an, die das Kiele Publikum
au die E ö nung des neuen Baus o be ei e en.51 Die Bezeichnung »Ballhaus« abe blieb auch in de
Folgezei s ad wei ü das gesam e A eal in de Schuhmache s aße geläu ig. Zei genössische Ad-
essbüche e wa e wenden die e gänzende Angabe »im Ballhaus« auch spä e noch ü die Wohn-
ad esse Schuhmache s aße 28.52
Ausblick – Gegens andssiche ung mi Hil e de Zei ungs o schung
Das Beispiel des Ballhauses zeig , dass kul u ele an e Kon ex e besse e kunde we den können,
wenn ge ade bei »äl e en« Themen übe die Du chsich de Baua chi e hinaus auch die zei genössi-
schen Pe iodika wie Tagesp esse, In elligenzblä e und Fachzei sch i en einbezogen we den. A chi-
alische Dokumen e eichen o nich aus; o allem dann nich , wenn wesen liche Teile (wie im
Fall des Kiele Ballhauses und des S ad hea e s on 1841 die jeweiligen Bauak en) e schollen sind.
Dabei äll insgesam au , dass ge ade Zei ungsmeldungen e giebige Quellen sein können, abe leide
(zum Beispiel on de Musikwissenscha ) nu sel en in de eigen lich gebo enen Weise ezipie
we den. Vom Au kommen de e s en Zei ungen an soll e abe gel en: Jegliche einschlägige Meldung
in solchen wie auch imme ausge ich e en Pe iodika muss mindes ens zu Kenn nis genommen,
wenn nich am bes en gleich eine genauen P ü ung un e zogen we den. Auch im Fall des Kiele
Ballhauses zeig sich, dass au diese Weise ele an e Da en zu e mi eln sind. Es is o allem die
Nu zungsgeschich e dieses Gebäudes, die du ch Zei ungsmeldungen ekons uie ba wi d. Fü eine
um assende Un e suchung his o ische Zei ungsbes ände im No den (aus dem Gebie de He zog ü-
me und eilweise auch de ang enzenden F eien Reichss äd e) mi zei gemäßen Mi eln ehlen abe
bislang noch nahezu alle Vo ausse zungen.53 Sinn oll und no wendig is deshalb ein Web-Po al, das
nach be ei s exis ie enden Vo bilde n auch die his o ischen Zei ungen des No dens eche chie ba
mach . Die Digi alisie ung und eine anschließende Voll ex e assung de häu ig e s eu übe lie e -
en Zei ungsbände dü e his o isch a bei enden Fäche n und allen in landeskundlichen Dingen his-
o isch in e essie en Pe sonen zu einem auße o den lich sinn ollen und wei eichenden Hil smi el
e hel en. Ein solches Vo haben is zwei ellos keine Kleinigkei und e lang (neben de achkun-
digen Ausges al ung) ein anhal endes Engagemen möglichs iele In e essie e . Zei ungsinhal e
sind Speiche his o ischen All agswissens und ih e sys ema ische E assung en sp ich dami einem
51 Hinweise au Ein ich ung und Schmuck des neuen Thea e baus inden sich im Co espondenz-Bla (Kiele Wochen-Bla ),
om 20. No embe und 4. Dezembe 1841.
52 Belege da ü b ingen zahl eiche Kiele Ad essbüche diese Zei . Vgl. Volbeh 1881, S. 175. E beme k e dazu 1881: »indes
blieb de al e Name [das ›Ballhaus‹] bis in die Gegenwa «.
53 Die langwie ige Du chsich on Mik o ilmen kann siche lich nich meh als zei gemäß gel en.
M. Ki sch: Das Ballhaus in Kiel (1666–1841) – om Spo haus zum Kul u o  | 137
allgemeinen Bü ge -In e esse, das eine zumindes eilweise Finanzie ung du ch die ö en liche Hand
ech e ig . Meh e e P ojek e mi e gleichba en Au gaben sind in de Ve gangenhei schon mi
g oßem E olg angegangen wo den.54 Auch den nö dlichen Teilen Deu schlands s ünde ein en sp e-
chendes Reposi o ium, das sich gu modula und in meh e en Sch i en e wi klichen läss , wohl an.
Anhang
1. B ie (unda ie , nach dem 20. Augus 1666) De le Hans Fische s an den »Regie ungs-P ä-
siden en« zu Go o (Ho kanzle Johann Adolph Kielmann on Kielmannsegg), Landesa chi
Schleswig-Hols ein, Ab . 7, N . 2086)
»[...] Alß nun ü e s ich so hanes p i ilegum und eihei on allen con ibu iones und beschwe den
au das e bauende Wohn: und Ballhauß e hal en, so haben da au Bü ge meis e und Ra h zum Kiehl
mi einige al e und Ze allene heuse Zu Kau e angebo en, und Zeigen laßen, welche ich zu dem
ballhause geb auchen konn e, auch mi ihnen da umb au 600R hl . gehandel , also, daß sie e möge
ih es Kau b ie es, ein al es gan z e allenes und in de Schumache s aße Zunegs au Annen bey
Ale elden belegenes Hauß, samp da an liegenden wüs en pla ze, dan auch, das da negs olgendes
so genan es Helms o e , am Sehl: bü ge meis e s Hein ich Hols en E ben hauß s oßendes und ga
bau elliges, Zu e wehn em Wohn: und ballhause in op ima o ma und on allen schulden ei e kau ,
welche häuse dan also bewand , daß bü ge meis e und Ra h on dem Ale eldischen hause das dach
und giebel selbe he un e nehmen lassen, und die ma e ialien an de Uni e si ä geb auche , de pla z
dabey is in die 30 jah wüs e gelegen, in dem Helms o ischen hause, so i z mein wohnhauß, ha
hiebe o ein uh mann gewohne , welche dabey wu de einen kelle gleich con ibui e , is de o ges ald
e allen gewesen, daß mich bü ge meis e und Ra h die schul e n, ode wind ede n am giebel, da mi
sie den o beigehenden keinen Schaden zu ügen möch en, he un e nehmen lassen müssen, Au den
pla z des Ale eldischen hauses und den wüs en pla z habe ich ein auß üh liches wohl: und au gebau es
Ballhauß mi meinen g oßen spesen e baue , wie de augenschein Zu age lege , bei welchem ballhause
dan noch ein kleine pla z zwischen den Maue n unge eh bey 7. uß, Zu e bauung eine o i s ube,
übe geblieben, on welchen allen Ew:Hoch l:Dhl. He Amb man und He Camme Ra h, welche
den augenschein da bey eingenommen, und meh em be ich en we den. Weiln abe ich Zu e bauung
des Balhauses die ollkommene lenge nich gehab , habe ich He n Bu ge meis e und Ra h au den
augenschein e be en, da haben dieselbe eiwillig bewillige , daß ich o n nach de gaßen an eine
ecken Zwei uße nehmen möch e, da sie dann das undamen , und wie ich wei e e ah en wü de,
in augenschein mi genommen, und in allem mi mi iedlich gewesen, habe abe nach lange Zei
e nehmen müßen, daß sie den 27. Ma y. dieses Jah es bei unse em gnädigs en ü s en und He n sich
wiede mich wegen des wein: und bie schenkens, wie auch abs ellung de Con ibu ion beschwe , und
54 Zu nennen is hie ü äl e e Pe iodika mi landeskundlichem Bezug e wa das Zei ungspo al de S aa s- und Uni e si ä s-
biblio hek B emen, dass alle dings ü die He zog üme neben Hambu ge Blä e n nu einige wei e e aus Al ona e schließ ;
h ps://b ema.suub.uni-b emen.de/his _zei /
(2.9.2024). Auch das Deu sche Zei ungspo al (ein Teil de Deu schen Digi a-
len Biblio hek), das ü diesen Bei ag eben alls ausgiebig genu z wu de s ell eine Fülle du chsuchba e Zei ungsjah gänge
be ei ;
h ps://www.deu sche-digi ale-biblio hek.de/newspape
(2.9.2024).
144 | No delbingen 90
Im Scha en Bux ehudes: Johann Jacob Pagenda m
T o z de heologischen P ominenz de Söhne dieses Lübecke Kan o s, He mann Hein ich (1674–
1749) und Johann Ge ha d (1681–1754) ehl de Name Pagenda m in Wol -Die e Hauschilds
schon übe ie zig Jah e al en, gleichwohl nach wie o maßgeblichen (weil nich e se z en)
Ki chengeschich e Lübecks.3 Das is nich wei e e wunde lich, zumal das o nehmliche In e esse
de p o es an ischen Ki chengeschich e als uni e si ä e Disziplin in de zwei en Häl e des 20.
Jah hunde s in e s e Linie au de Re o ma ionsgeschich e eine sei s und au de jünge en His-
o ie ande e sei s lag. S ä ke i i ie de Ums and, dass eine e heblich jünge e Publika ion, die
die Besonde hei en de Ki chenmusik Lübecks he auss ellen will, sich au eine Da s ellung de
O ganis en besch änk und nich nu die Kan o en de Haup ki che S . Ma ien bis in die Gegenwa
unbe ücksich ig läss .4
Johann Jacob Pagenda m wu de am 6. Dezembe 1646 als Sohn des Kau manns Hein ich Pagen-
da m und dessen F au Anna geb. Fü s enau in He o d in Wes alen gebo en und ha e nach dem
Schulbesuch (u.a. an de And easschule in Hildesheim und des Gymnasiums in Magdebu g) in
Helms ed und in Wi enbe g s udie – ein Uni e si ä ss udium de Theologie wa Vo bedingung
ü die spä e e Tä igkei Pagenda ms als Kan o und zugleich Leh e an eine La einschule – und
zum Michaelis es 1670 das Kan o a in Osnab ück ange e en.5 Mi dem Diens an i in Lübeck im
Augus 16796 wu de e Nach olge on Samuel F anck (1633–1679) und unmi elba e Mi a bei e
on Die e ich Bux ehude, de sei 1668 als O ganis und We kmeis e an S . Ma ien am ie e (und
wie F anck eine Toch e seines Am s o gänge s F anz Tunde gehei a e ha e).7 Pagenda m s a b
am 13. Janua 1706; seine Toch e Regina Ca ha ina (1688–1762) hei a e e am 8. No embe 1706
seinen Nach olge Hein ich (Hin ich) Si e s (1674–1736).8
De schlech e Ru , de Pagenda m du ch die Jah hunde e anha e e, is le z lich dem Lübecke
Kan o Caspa Rüe z zu e danken. E sch eib 1753 in seine zwei en Polemik zu Musik seine
Gegenwa übe die Musiksammlung seine Vo gänge :
»Ich habe einen g ossen Vo a h an Ki chens ücken on meinem seel: Schwiege -
a e Si e s und Schwiege -G oß a e Pagenda m gee be . Von des le z e n seinen
hin e laßnen Sachen habe kein ein ziges S ück, on des e s e en Sachen, nu einige
wenige geb auchen können. Sie zeugen on dem g ossen Fleisse und de A bei sam-
kei diese edlichen Männe . Alles was diese Männe mi sau e Mühe und A bei
zusammen gesch ieben, ode mi ielen Kos en gesammle und absch eiben las-
sen, ha nich den ge ings en Weh meh , ob gleich kein ge inges Capi al da innen
s eck . Es is diese Menge musicalische Papie e on ielen Jah en he wohl bey
nahe biß au die Häl e geschmol zen, indem ein ga ieles dem O en zu Theil, und
3 Vgl. Hauschild 1981; auch de Name Die (e) ich Bux ehude inde sich nu ein einziges Mal (S. 347–349).
4 Vgl. 4 Vie el. o. J., o allem S. 18–19; als Ausnahme e schein nu de ak uelle O ganis on S . Ma ien Johannes Unge , de
zugleich den Diens des Kan o s (und sei 2023 zugleich des Ki chenmusike s am Dom zu Lübeck) e sieh .
5 Vgl. S ahl 1952, S. 50.
6 Lau Ge be am 28. Augus , gl. Ge be 1792, Sp. 58.
7 Vgl. Snyde 2007, S. 120; die Be u ungsu kunde Pagenda ms (D–LÜsa, 1.1–4 Al es Sena sa chi Ecclesias ica, Schulsachen
Vol. 1 Fasz. 2) is bei S ahl 1952, S. 193 wiede gegeben.
8 Jöche 1751 (Sp. 1178–1179) nenn »sieben Söhne und eben so iel Töch e «.

B. Pe e sen: Johann Jacob Pagenda ms S immbüche
| 145
an s a de Spähne geb auch wo den, ieles zum häuslichen Geb auch angewand ,
und ieles an solche Leu e, die zu ih en Geschä en alle ley Macula u und Papie e
geb auchen, dahin gegeben wo den. […] Ich p ophezeye meinen Musicalien nach
mi kein besse es Schicksal, und bin auch dami zu ieden.; weil ich nich besse bin
denn meine Vä e .«9
Die Ve nich ung, de Rüe z die We ke seine Vo gänge demnach zuge üh ha , e s eh Ch is ian
Bunne s als »Ve häl nisbes immung on ki chenmusikalische Gegenwa und T adi ion«10 – und
emp inde es nu als konsequen , dass Rüe z auch eigene We ke nich on den on ihm besch iebe-
nen Al e ungs- und da aus olgenden »Makulie ungsak ionen« ausgenommen (und e mu lich auch
in de Ma ienki che e wah e Bux ehude-Manusk ip e e eue ) ha .11
Un e ande em die Eing i e Rüe z’ so g en da ü , dass gegenwä ig nu ein einziges ande es mu-
sikalisches We k on Pagenda m übe lie e is : Seine Ve onung on Psalm 37,5: Be iehl dem He n
deine Wege – e wah in de She a d Collec ion de Bodleian Lib a y – o ien ie sich am mode nen
enezianischen S il.12 Da übe hinaus ha Pagenda m einen Nachd uck de Can iones sac ae ini iie ,
de das Repe oi e de li u gischen Sä ze im Go esdiens an S . Ma ien e sammel e.13
O und Funk ion de S immbüche
Eine maßgebliche Quelle zu F age de Lübecke Li u gie – und dami e bunden zu Funk ion
de S immbüche Pagenda ms – is das e s e am liche Lübeckische Gesang-Buch on 1703:14 Dieses
wu de als e s es am liches Gesangbuch de Hanses ad Lübeck nach in ensi en Ve handlungen mi
dem Geis lichen Minis e ium e o dne – ein o izielles Gesangbuch, das ausd ücklich »den übe -
kommenen Liedbes and bewah en und die auch in Lübeck spü ba e Flu neue , nich -o hodoxe
Liede eindämmen« soll e.15 Dieses Gesangbuch wa e bunden mi einem Gebe buch, dem wiede -
um eine Ku ze Anweisung / wie kün ig hin de Go es-Diens in denen Lübeckischen Ki chen wi d
anzus ellen seyn ange üg wa – keine Re o m de li u gischen ode ki chenmusikalischen P axis,
sonde n de en Ve einhei lichung, o allem abe eine Abg enzung gegenübe de F ömmigkei sbe-
wegung de Re o mo hodoxie und dem Pie ismus. Sie bilde die Li u gie e mu lich ü die gesam-
9 Rüe z 1753, S. 112–113.
10 Bunne s 2011, S. 214.
11 Vgl. Bunne s 2011, S. 215, bzw. Snyde 2007, S. 357.
12 GB–Ob Mus. Sch. C. 43; zu P o enienz gl. Wollny 1993, S. 83–85 und Snyde 1994, S. 233–234.
13 Ge be 1792, Sp. 59, nenn die »Can iones sac as, quas coe us lubecensis scholas icus sub ho a um in e allis cane e con-
sue i «; da übe hinaus weis e au eine his o isch-geog aphische Publika ion hin (G ündliche Nach ich en on den meis en
Völke n des al en Deu schlandes) sowie au das numisma ische In e esse Pagenda ms. – Vgl. auch S ahl 1952, S. 64.
14 Die äl es e au indba e Au lage be inde sich in de Fo schungsbiblio hek Go ha (Sign.: Can . spi . 8° 00020): Lübeckisches
Gesang=Buch, Nebs An ügung eines Gebe h=Buchs, Au Ve o dnung Eines Hoch=Edlen Hochweisen Ra hs, Von einem Eh -
wü digen MINISTERIO Ausgegeben, Lübeck 1704, das äl es e in de S ad biblio hek Lübeck übe lie e e, spä e inhal lich un-
e ände nachged uck e Exempla is on 1729 (Sign.: Lub. 8° 7407). – Vgl. Hee ing 2007, S. 49, auße dem Kadelbach 1995,
S. 28–30; Schnoo 2011, S. 169–170 sowie Hee ing 2014, S. 115–120.
15
Hee ing 2017, S. 17, bzw. Kadelbach 2017b, S. 39–40; mi de Publika ion on 1703 nich zu e wechseln is das Lübeckisch=V
oll-
s ändige Gesangbuch on 1698. – Vgl. Kadelbach 2017, S. 40–53; dagegen Ka s äd e al. 2022 mi de Ve bindung de S imm-
büche mi dem Gesangbuch on 1698/99.
146 | No delbingen 90
e Lübecke Am szei Pagenda ms wie auch Bux ehudes ab und wu de 1754 nahezu un e ände in
das Lübecki
sche Ki chenhandbuch au genommen (Abb. 1).16
Die li u gischen Hinweise ü S . Ma ien in de Ku zen Anweisung s immen wei gehend mi den
Angaben in einem en sp echenden D uck on 1645 übe ein.17 Demnach wa in den li u gisch ge-
p äg en Go esdiens en – also zu Vespe , zum Haup - und Nachmi agsgo esdiens sowie bei den
F ühgo esdiens en am Diens ag und Donne s ag – die Mi wi kung des Cho s kons i u i , de aus
Schüle n des nahegelegenen Ka ha ineums bes and und om Kan o (als Mi glied des Leh kö pe s)
gelei e wu de.18 De Cho ug alle dings nu om Le ne aus die li u gischen Elemen e o und
üh e – meis eins immig – den Gemeindegesang an; allein die Fes agsgo esdiens e (und die dami
e bundenen Vespe n am Vo ag) wu den mi dem Cho us symphoniacus eiche ausges a e : du ch
Meh s immigkei in de Li u gie, o allem abe du ch Mo e en ode okal-ins umen ale Komposi-
ionen o ode nach de P edig , den sogenann en ›O ganis enmusiken‹. Bei We ken mi Ins umen-
16 Vgl. Hee ing 2007. – Zu P o enienz des Lübeckischen Gesang-Buchs gl. Hee ing 2021, S. 115–116.
17 Vgl. Hee ing 2007 bzw. Jannasch 1928, S. 174.
18 Vgl. dazu S ahl 1931, S. 88–89, bzw. Hee ing 2007, S. 51.
Abb. 1: Lübeckisches Gesang-Buch, Ausgabe Lübeck 1729.
S ad biblio hek Lübeck, D-LÜh, Lub. 8° 7408.
B. Pe e sen: Johann Jacob Pagenda ms S immbüche
| 147
albeglei ung wi k en bis zu el Ra smusike mi ; die Ma ienki che ha e das P i ileg meh s immige
Figu almusik an allen Fes agen, wäh end in den ande en ie Haup ki chen de S ad nu ie mal
im Jah in einem es en Tu nus igu al musizie wu de.19
Die Li u gie des Haup go esdiens s an S . Ma ien wies eine Reihe on es en Elemen en au , die
im Sinn eines O dina iums als Gemeindeliede zum egelha en Ablau gehö en, so das Eingangslied
Komm, heilige Geis , e üll die He zen und das da au olgende »Symbolum A hanasii« als deu sches
Te Deum: He Go , dich loben wi ; das Glo ia in excelsis Deo als Allein Go in de Höh sei Eh olg
dem Ky ie, das Lied »im Hingang nach de Can zel« wa egulä en wede Nun bi en wi den heiligen
Geis , He Jesu Ch is dich zu uns wend ode Liebs e Jesu, wi sind hie . Nach Kanzel- und Al a -
diens sang die Gemeinde als C edo Wi glauben all an einen Go , am Ende – nach dem Segen – das
Lied Sei Lob und Eh mi hohem P eis ode einen ande en ku zen »Lob-Psalm«. Zu Aus eilung sah
die Go esdiens o dnung »Un e de Communion« »Communion-, Lob- und Danck- als auch Paßions-
Liede « o , auße dem wu de de Ablau an Fes agen und zu besonde en Zei en des Ki chenjah s e -
gänz und o allem ki chenmusikalisch au wändige ausges al e ; die Besonde hei en de Lübecke
Li u gie – die insbesonde e au die on He mann Bonnus gep äg e P axis zu ückgeh – haben Jü gen
Hee ing und Ada Kadelbach aus üh lich e ö e .20
Die Au eilung de Musik au die un e schiedlichen, am lu he ischen Go esdiens be eilig en
G uppen – de en Zusammens ellung in Lübeck du chaus au al ki chliche T adi ionen e wies –21 is
an diese S elle on Belang. Die Gemeinde sang das deu sche Tedeum, das deu sche Glo ia und das
Glaubenslied, auße dem die ausgewähl en Gesangbuchliede – an bes imm en Posi ionen meh e e
hin e einande (zum Beispiel wäh end de Abendmahlsaus eilung im Haup go esdiens ).22 Dass die
Gemeinde die Liede aus dem p o es an ischen Ke nbes and des 16. Jah hunde s auswendig ge-
sungen ha , läss sich ohne wei e es auch an den Gesangbüche n de Zei e kennen, die ohne An-
gaben on No en auskamen. Die mi dem le z en Jah hunde d i el hinzukommenden neuen Liede
wu den in de Regel Lübecke P i a d ucken en nommen; welche Liede gesungen we den soll en,
wa in de Regel am O gel o spiel zu e kennen. E s die E wei e ungen des Lied epe oi es sowie
die Ve wendung on Lehnmelodien üh en un e ande em an S . Ma ien nach de Ein üh ung des
o iziellen Gesangbuchs on 1703 zu de Ve wendung on Numme n a eln.23
De Gemeindegesang wu de om Schüle cho des Ka ha ineums ange üh , de an egulä en Sonn-
agen eins immig (»cho ali e «) sang; die Mi wi kung des O ganis en besch änk e sich in den sonn-
und es äglichen Haup - und Nachmi agsgo esdiens en und in den Vespe n insbesonde e au die
Lied o spiele. Die Liede selbs wu den adi ionell al e na im gesungen – bei li u gischen Gesängen
im Wechsel on Cho und O gel, bei Gemeindeliede n im Wechsel on Gemeinde und O gel.24 Al e -
na im-P axis is an den Lübecke Haup ki chen sei dem 15. Jah hunde nachweisba .25 De Kan o
benu z e da ü »handsch i liche und ged uck e Kan ionale und ie s immige Cho albüche «.26
19 Vgl. S ahl 1952, S. 26.
20 Vgl. Hee ing 2017, S. 20–21, bzw. Hee ing 2014, S. 117–120, sowie Kadelbach 2017a.
21 Zu diesem Kon ex gl. Ro h 2020, besonde s S. 57–185.
22 Vgl. Hee ing 2017, S. 23.
23 Vgl. Hee ing 2017, S. 23–24, bzw. Snyde 2007, S. 509–510.
24 Vgl. Hee ing 2017, S. 24.
25 Vgl. Snyde 2007, S. 127–128. – Zu Musik »au dem Cho « und »au de O gel« gl. Edle 1982, S. 51–62.
26 Vgl. S ahl 1952, S. 64, bzw. Hee ing 2017, S. 25.
148 | No delbingen 90
De Schüle cho ha dabei ganz o ensich lich auch in Lübeck die ein homophone T adi ion
des Cho alsa zes gep leg : den ie s immigen Kan ionalsa z mi de Cho almelodie im Sop an. In-
o ma ionen ü die Au üh ungsp axis de Zei e geben sich aus dem Ums and, dass Pagenda ms
Vo gänge Samuel F anck 1664 ein O gelposi i mi ün Regis e n ü den Le ne anscha e – »zu
behue de je zigen ah de Music«.27 Als e s e Publika ion ha e Lucas Osiande (›de Äl e e‹,
1534–1604) in seine Sammlung Fün zig Geis liche Liede und Psalmen on 1586 diesen Typus
p äsen ie , de nich ü die Gemeinde, sonde n den Cho gedach wa ; o gese z wu de diese
T adi ion im mi eldeu schen Raum on Komponis en wie Johann C üge (1598–1662), de mi
den Geis lichen Ki chen-Melodien (1649) ie s immige Kan ionalsä ze kompilie und dann in sei-
ne Sammlung P axis pie a is melica ab 1647 – dem am wei es en e b ei e en Gesangbuch de
zwei en Häl e des 17. Jah hunde s –28 alle dings nu Sop an- und bezi e e Gene albass-S im-
me lie e e, eine P axis, die sich zumal in No ddeu schland noch bis in die zwei e Häl e des 18.
Jah hunde s hal en soll e. Neben C üge wa en ü den no ddeu schen Raum die Sammlungen
Johann Ris s (1607–1667) on Belang: Ande s als Osiande ode C üge kompilie e Ris eigene,
also neue Gedich e, die on Pe sönlichkei en wie Michael Jakobi, Johann Schop ode And eas
Hamme schmid e on wu den; on Die e ich Bux ehude s amm die Musik zu O Go es S ad , o
güldnes Lich BuxWV 87. Das Ziel de Sammlungen Ris s wa abe auch ein g undlegend ande es
als die Sammlungen Osiande s ode C üge s – nämlich die heimische Andach , nich de ö en li-
che (Fes -) Go esdiens .29
Zu Bescha enhei on Pagenda ms Sä zen
Johann Jacob Pagenda m e hiel im Jah 1705 ü die on ihm komponie e Sammlung 60 Ma k
lübsch; ü die Ein agung de ehlenden Tex e in die S immbüche wu den zwei »A i me ici« ge-
sonde e gü e – beme kenswe e weise mi 150 Ma k.30 Als Kan o bezog Pagenda m ein Jah es-
einkommen on 80 Ma k – wobei e sein Haup einkommen als Leh e des Ka ha ineums einwa b,
zus ändig ü den La ein- und Religionsun e ich de Te ia und Sekunda sowie ü den Musikun e -
ich de gesam en Schule, an de e nach dem Rek o und dem Sub ek o an d i e S elle angie e;
dieses Salä be ug jäh lich 330 Ma k (und eie Un e kun ).31 Ta sächlich kamen F eunde und Gön-
ne seinem Haushal du ch eine egelmäßige Sammlung zu Hil e, die jeweils zwischen 120 und 283
Ma k e gab.32 Die E gänzung um 60 Ma k dü e dem iel achen Familien a e – de zumal seine in
Ros ock und Wi enbe g s udie enden Söhne un e s ü z e – gu zupass gekommen sein. Die beiden
»A i me ici« sind iden i izie ba als Ch is ian Pa ike und Wal e Möll a h, dem Ein ag des We k-
meis e s Die e ich Bux ehude im Wochenbuch de Ma ienki che olgend:
27 Vgl. S ahl 1926, S. 20.
28 Vgl. Snyde 2007, S. 185, bzw. g undlegend Bunne s 2012.
29 Vgl. g undlegend S eige 2007.
30 Vgl. Snyde 2007, S. 117.
31 Vgl. Snyde 2007, S. 120.
32 Vgl. S ahl 1952, S. 51
B. Pe e sen: Johann Jacob Pagenda ms S immbüche
| 149
»Sonnabend, wie die He en Vo s ehe am negs e wichenen Mon agem au m We ck-
hause bey abgeleg e Ki chen Rechnung zusammen wah en, haben dieselbe ggl. Con-
sen i e , dem Can o i Pagenda m, ü die Melodeyen de e 303 zusammen synd, in
denn 4. neugemach en Gesangbüche n con can o, Al o, Teno e Basso, ohne die Tex e
ein Zusch eiben p o Labo e zu geben 60/–/–
Noch Ch is ian Pa ike e Wal e Möll a h, beiden A i me ici, ü den Tex un e denn
303: Gesängen in quad uplo zu legen, lau Qui ung zahle 150/–/–«33
Übe den Geb auch diese Bände be ich e Wilhelm S ahl in seine Musikgeschich e Lübecks:
»Die dicken, in Pe gamen gebundenen Büche konn en wegen ih e Schwe e und
ih es unhandlichen Fo ma s on den einzelnen Sänge n nich ohne E müdung gehal-
en we den. Sie lagen al em B auch gemäß au einem ie sei igen Pul , um das sich
de nich zahl eich bese z e Cho he ums ell e. No en und We e muß en so g oß und
deu lich gesch ieben sein, daß sie on allen Sänge n abgelesen we den konn en.«34
Ke ala Snyde wies da au hin, dass die Zählung im Lübeckischen Gesang-Buch on 1703 as
genau de jenigen in den S immbüche n en sp ich , alle dings ehlen 22 Numme n – und zwa aus-
ge echne die de bekann es en, li u gisch ele an en Liede wie Allein Go in de Höh sei Eh ode
33 D–LÜsa, 6.1–1 S . Ma ien: Wochenbuch 1705–1711, ol. 18.
34 S ahl 1952, S. 104.
Abb. 2: D–LÜsa, 6.1–1 S . Ma ien 107, S. [1] : Nun komm de Heiden Heiland (Diskan ).

150 | No delbingen 90
Wi glauben all an einen Go . Sie lei e da aus einen Schlüssel ü die Ve lech ung on Gesangbuch
und S immbüche n beziehungsweise Gemeinde- und Cho gesang ab;35 es is anzunehmen, dass ü
diese In e en ionen wei e hin das ü den Schüle cho bes imm e Gesangbuch De Ca echismus Ge-
sangsweise samp den geb äuchlichen Geis lichen Liede n und Psalmen benu z wu de.36
Gleich de e s e meh s immige Sa z, den Pagenda m zum Lei lied ü den Ad en am Beginn
seine Sammlung p oduzie ha , weis die Cha ak e eigenscha en de Sä ze e wa Johann C üge s
au , so hinsich lich de Kadenzbildung, abe auch im Akko d epe oi e, so in de Besch änkung au
wenige Sex akko de ode im nahezu olls ändigen Ve zich au Vie klänge:
Die E gänzung des d eis immigen Sa zes is – o ien ie an en sp echenden Vo lagenkomposi io-
nen de einschlägigen Sammlungen – e häl nismäßig ein ach, zumal es ü den be ei s bes ehenden
Sa z e band in de Regel keine Al e na i lösung ü die Bass-S imme gib :
Wie schön leuch ’ uns de Mo gens e n s imm in seine Melodieges al mi de Fassung de E s aus-
gabe on 1599 übe ein, nich abe mi de Tex assung (die auch in de E s ausgabe Philipp Nicolais
Wie schön leuch e de Mo gens e n be i el wa ).37 Die hie niede geleg e Tex ges al wiede um
en sp ich de des Lübeckischen Gesang-Buchs; eine Tex konko danz mi de Fassung in den S imm-
büche n
mi de Numme 275 (mi dem Hinweis »In bekann e Melodey.«)38 e weis die Übe eins im-
mung des Tex s bis in die o hog aphischen Besonde hei en hinein – in einigen Fällen soga bis in
die In e punk ion: Au ällig is e wa de ehlende Punk am Ende de Absch i on Ve s 1 im Diskan
sowie de Übe nahme de au älligen Minuskeln im Al und zum Teil auch im Teno .
35 Snyde 2007, S. 117; Snyde be u sich au die zum Zei punk de deu schen Fassung (2007) ühes e e eichba e Au lage des
Lübeckischen Gesang-Buchs on 1729 (S ad biblio hek Lübeck, D-LÜh, Lub. 8° 7408).
36 Ve schollene E s d uck e mu lich 1651, Nachd uck 1660; gl. Hee ing 2021, S. 96: Das einzige Exempla de Biblio hek de
Hanses ad Lübeck is sei de Auslage ung im Zwei en Wel k ieg e schollen; gl. S ahl 1952, S. 47–48.
37 Im F ewdenSpiegel deß ewigen Lebens […], F ank u 1599; zu F age de Tex assung gl. S almann 2002 und Ku zke 2003.
38 Lübeckisches Gesang-Buch N . 275, S. 646–649.
No enbeispiel 1: Johann Jacob Pagenda m, Nun komm de Heiden Heiland. D–LÜsa, 6.1–1 S . Ma ien 107–109, N . 1.
B. Pe e sen: Johann Jacob Pagenda ms S immbüche
| 151
Dabei is an diesem Sa z un e ande em die Ausges al ung de Kadenzen au ällig. So is es zum
Beispiel nich möglich, die Kadenzen des S ollens un e Einbeziehung eine Te z im Schlussklang zu
ges al en – de Te z on ehl in allen d ei o handenen S immen und kann jeweils auch nich in die
ehlende Bass-S imme in eg ie we den. Auße dem e meide Pagenda m in ie on ün Schluss-
wendungen den Einsa z eine d ei eiligen clausula o malis als S anda d o mulie ung, die e in de
e s en Kadenz Tak 4/5 noch gewähl ha e:
No enbeispiel 2: D–LÜsa, 6.1–1 S . Ma ien 107, S. [178] : un e e Häl e Wie schön leuch ’ uns de Mo gens e n, S ollen (Diskan ).
No enbeispiel 3: Johann Jacob Pagenda m, Wie schön leuch ’ uns de Mo gens e n. D–LÜsa, 6.1–1 S . Ma ien 107–109, N . 275.
152 | No delbingen 90
G undsä zlich e schein de Sa z beme kenswe simpel angesich s de »Pauken-Ha monien«39 –
die alle dings angesich s de e hal enen sa z echnischen Umgebung wei gehend al e na i los sind,
höchs ens ge ing ügig o namen ie we den könn en; diese Be und gil auch e wa im Ve gleich zu
den homophonen Abschni en in Michael P ae o ius’ Ve sion in de Sammlung Polyhymnia Cadu-
cea ix & Panegy ica on 1619 – mi hin übe 90 Jah e äl e als de Cho sa z Pagenda ms.
Schließlich lohn als wei e e Kos p obe de Blick au Pagenda ms Ve sion zu Nun uhen alle Wälde :
Beme kenswe is die T ansposi ion des Lieds, das sons in de Regel adi ionell im 6. Modus au
s eh , nach g.40 Am Ende des d eis immigen S imm e bands äll die Ok a pa allele zwischen
Diskan und Teno in Tak 27 au , die Pagenda m übe die None a–h‘ in Tak 28 o üh . De o en-
kundige Sa z ehle e klä sich am ehes en als No a ions ehle , denn die einzige mögliche E gänzung
eine Fundamen s imme e weis eine ein ache Lösung (bzw. Ve lage ung des P oblems zu de weni-
ge gewich igen An ipa allele c–g, T. 27/28):
Ungewöhnlich bleib die Schluss o mulie ung, de eine lei önige Wi kung abgeh – e gleichba
den Bildungen in Wie schön leuch ’ uns de Mo gens e n, hie abe e wei e au die Penul ima; eine
Diskan klausel ü den Schluss is nu übe ein e neu es Au g ei en de Kadenz o mulie ung aus Tak
4/5 bzw. 9/10 möglich, dann abe un e Ve zich au einen cha ak e is ischen Quin all im Bass.
39 Vgl. Telemann 1730, S. 183: »Es is on e schiedenen begeh e wo den, ich mög e die Bässe du chgehends also e assen,
daß sie sich du ch emde und gesuch e Tone wälz en, ich habe es abe ü dißmal liebe beym Na ü lichen bewenden lassen,
jedennoch auch eben nich die Pauken-Ha monie geb auchen, wollen«.
40 Die E s e ö en lichung mi dem Tex Paul Ge ha d s in de ün en Au lage on C üge s P axis pie a is melica (1653) s eh
au (S. 33, gl. S. 861); die Ve se zung nach g inde sich auch bei Spee 1692 (N . 156) und is sei dem 18. Jah hunde seh
e b ei e . Ich danke Ma hias Ki sch (Kiel) ü seinen Hinweis.
No enbeispiel 4: Johann Jacob Pagenda m, Wie schön leuch ’ uns de Mo gens e n – spekula i e E gänzung de ehlenden
Bass-S imme (Tex assung: Lübeckisches Gesang-Buch, N . 275).
B. Pe e sen: Johann Jacob Pagenda ms S immbüche
| 153
Aussagen übe die Bescha enhei de Cho alsä ze Pagenda ms müssen spekula i bleiben –
auch und nich zule z in dem Ve such, ü die unmi elba e A bei sumgebung eines Komponis en
om Rang Die e ich Bux ehudes meh Kon ex o enlegen zu können, zumal Pagenda ms Samm-
lung so spä in Bux ehudes Am szei e schienen is , dass sie ihm nich als Quelle ü seine Cho al-
bea bei ungen gedien haben kann. Wah scheinliche als Quelle ü Bux ehude is eine Sammlung,
die aus de Zei on Samuel F anck (also o 1679) s amm e und nu als Diskan -S immbuch
e hal en is : In diesem im Ve gleich zu Pagenda ms Cho albuch und o allem zum Lübecki-
schen Gesang-Buch wei wenige um ang eichen Cho albuch mi nu 110 Liede n en sp echen
die Cho almelodien wei gehend denjenigen, die auch Bux ehude ü seine Cho albea bei un-
gen he angezogen ha .41
Gleichwohl is ü eine li u gische und dami unk ionale Kon ex ualisie ung de geis lichen
und O gelmusik Die e ich Bux ehudes eine E schließung dieses Repe oi es wich ig – o allem
angesich s de besonde en Rolle, die die Hanses ad Lübeck als Schmelz iegel noch im spä en 17.
und ühen 18. Jah hunde spiel e. Ge ade die on Ke ala J. Snyde beobach e en Abweichungen
in den on Bux ehude e wende en Cho almelodien, die in einigen Fällen wenige den Lübecke
Vo lagen en sp echen und dami auch nich den im Cho albuch Pagenda ms e e enen Melodien,
sonde n ielmeh dänischen Vo lagen des 16. Jah hunde s,42 die Bux ehude zwei ellos e au
41 Snyde 2007, S. 118 bzw. das Ve zeichnis in Anhang 6 (S. 529–532); das S immbuch aus de Zei F ancks keh e 1998 aus A -
menien zu ück: D–LÜsa, 6.1–1 S . Ma ien 106. – Nähe es gl. Snyde 2006.
42 Snyde 2007, S. 297–298; Snyde e weis un e ande em au Wä Go nich mi uns diese Zei BuxWV 222, dessen Melodie
wenige dem Lübeckischen Gesang-Buch on 1703 en sp ich als ielmeh dem Dänischen Gesangbuch on 1569, und au das
Te Deum BuxWV 218 (Snyde 2007, S. 301–302).
No enbeispiel 5: Johann Jacob Pagenda m, Nun uhen alle Wälde . D–LÜsa, 6.1–1 S . Ma ien 107–109, N . 294.

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OLAF IRLENKÄUSER
Schleswig-Hols einische Li e a u 2023
De Au sa z s ell as 50 We ke de schöngeis igen Li e a u Schleswig-Hols eins, die im Jah 2023 in
deu schsp achigen Ve lagen e schienen sind, in Ku z ezensionen o . Die Übe sich is so olls ändig
wie möglich.
Fü das Jah 2023 gil es 49 No i ä en schleswig-hols einische Li e a u anzuzeigen. Als eine
solche wi d bewe e ( gl. No delbingen 89.2024, S. 209), wenn Au o *innen in Schleswig-Hols ein
en wede gebo en wu den ode länge geleb haben ode wenn ih e We ke in besonde em Maße
do zu Wi kung kommen. Hinzu kommen zwöl Nach äge aus 2022, diese sind mi de Jah eszahl
ma kie . Es sind neue We ke anzuzeigen on bekann en Au o *innen wie Paul B odowsky, Heine
Egge ode Tilmann Sp eckelsen. Jünge e schleswig-hols einische Au o *innen haben neue We ke
o geleg wie Flo ian Knöpple , Max Richa d Leßmann ode Anne Mülle . Es e schienen neue S ücke
beispielsweise on Ca en Jeß ode S ealena Ku schke. Fe ne is eine Reihe Debü we ke e schienen,
da un e Büche on Da a B exendo , Michael Lange ode Selina Seemann. Auch mode ne Klassike
sind mi Neuausgaben und wissenscha lichen Edi ionen e e en, da un e James K üss, Sieg ied
Lenz ode Pe e Rühmko . Im Jugendbuch gil es neue We ke u.a. on Ki s en Boie, An onia Michaelis
und A ne Rau enbe g anzuzeigen.
P osa, Ly ik, D ama
De Sänge , Podcas e und Dich e Max Richa d Leßmann (*1991 in Pade bo n), de seine Jugend
in Kiel und Husum e b ach e, leg 2023 seinen e s en Roman o . In Syl e Welle e zähl e on den
U lauben seine Jugend au Syl . Jeden Somme e b ing de Junge einige Wochen bei seinen G oß-
el e n au dem Campingpla z. Mi iel Lokalkolo i (No d-Os see-Bahn, Kup e kanne, S andmuschel
und na ü lich das i elgebende F eizei bad im O ) e zähl Leßmann die schwe e Familiengeschich e
lo und behe z .
De Debü oman Die S ä ks e un e ihnen on Selina Seemann (*1993 in Flensbu g) behandel das
mode ne Thema des G ooming. Die Heldin Milena, An ang 20, is dabei, sich zu e lieben. Doch dann
auchen aus ih e ie e schü e en E inne ung Bilde au , die sie e s ö en. Selina Seemann, die g oß
gewo den is im on ganz di ek e Sp ache gep äg en Poe y Slam-Milieu, ha einen e s ö enden Ro-
man gesch ieben übe oxische, wenn nich schlimme e Beziehungen und da übe , was mi den Seelen
on Menschen lang is ig geschehen kann, wenn sie in jungen Jah en missb auch we den.
Kiel-UP • h ps://doi.o g/10.38072/2941-3362/p21
258 | No delbingen 90
Einen kleinen Band mi de E zählung Res wä me ha die Kiele Au o in Da a B exendo (*1991 in
Kiel) publizie .
B exendo s udie e Li e a isches Sch eiben und Lek o ie en am Li e a u ins i u
Hildesheim, is Mi he ausgebe in des Kiele Li e a u magazins De Schnipsel und Mi be eibe in des
Podcas s Li e a isch solida isch. E s e Tex e e schienen in den Zei sch i en BELLA is e, Das Na
ode Landpa ie. Die o liegende E zählung e ö en lich e sie auch in de An hologie NEUE PROSA
in de Edi ion Li e a u haus. Res wä me hema isie das Ve schwinden eines Öko ops ü einen In-
dus iebau und was diese Ve lus mi dem Leben de Menschen in de Nachba scha mach (Lä m,
Emissionen, Ve ände ung de Lebensgewohnhei en). E schienen is de kleine Na u e W i ing-Band
in de ›g ünen Reihe‹ des Ve lages.
»De Deich wi d b echen« – so beginn Michael Lange (*1972) seinen dys opischen Roman
Koogland.
E spiel im Jah 2029 in Di hma schen. Eine eingeschwo ene Gemeinscha s ell hie in
eine un e gehenden Wel ih e eigenen Regeln au . Wäh end de Co ona-Zei eche chie e Lange,
de zu o als D ehbuchau o ü die TV-Se ie Lindens aße gea bei e ha e, eine Weile in Ma ne und
den Kögen ü seinen Roman um die »Baue n epublik Koogland«.
Im Jah 2021 ha e Flo ian Knöpple aus Al enmoo (*1966) seinen Debü oman K onsnes o -
geleg . Knöpple s udie e Romanis ik, Ge manis ik und Philosophie in Bonn und Bologna, im
Anschluss wa e als Redak eu ü Radio und TV ä ig. E leb in de schleswig-hols einischen
Elbma sch. Fü K onsnes wa e seh gelob wo den, u.a. om NDR: »Ein aszinie endes Si en-
gemälde des bäue lichen Lebens im Schleswig-Hols ein de Zei zwischen E s em und Zwei em
Wel k ieg.« Habich land (2022), sein zwei e Roman, se z diese Zei o : 1941 leben die Helden
zu ückgezogen in de Elbma sch, sie wollen sich aus de Poli ik he aushal en. Doch das is alles an-
de e als ein ach. Ein Roman mi iel Zei - und Lokalkolo i aus dem ländlichen Schleswig-Hols ein,
mi eine dich en A mosphä e und eine eine besonde s s a ke In ensi i ä bildenden g oßen Nähe
zu den Figu en. 2023 e schien sein d i e Roman, Süd all. Hie nimm sich Knöpple die his o ische
Figu de »Halligg ä in« Diana on Re en low-C iminil (1863–1953) o und web den Abschuss
eines b i ischen Kamp pilo en wäh end des Zwei en Wel k iegs und dessen – ik i e – Fluch on
Süd all übe Dänema k bis heim nach England in eine Romanhandlung.
Von Heine Egge
(*1949 in Heide) e schienen 2023 gleich zwei Büche – die E zählsammlung
Mee esgeschich en und de Roman Eine gu e Schwimme in. Ein g oße Teil de E zählungen spiel in
Schleswig-Hols ein, da un e Blauo in Meldo ode S u m lu kino au Hallig Hooge. De Roman
Eine gu e Schwimme in hema isie den Tod eine Go ch-Fock-Kade in (his o ische Fall) mi dem
ik i en Namen Ma ie K ame . In dem Roman übe leb die Ma inesolda in den S u z übe Bo d,
schwimm lange und auch ein in ein ande es, gänzlich neues Leben.
Egge
komponie hie – mi
ielen no ddeu schen und ma i imen Anklängen – eine Ve bindung on Mee , Wüs e und Himmel,
d ei wich igen Elemen en seines um ang eichen Oeu es.
Mi Vä e leg de Au o Paul B odowsky (*1980 in Kiel) sein Romandebü o . B odowsky is bis-
he he o ge e en du ch kleine e P osawe ke, du ch He ausgaben sowie .a. du ch Thea e s ücke.
Diese wu den u.a. in Be lin und in F eibu g u au ge üh . E leh heu e D amen echnik an de Uni-
e si ä de Küns e in Be lin. In Vä e en wi de Au o einen D ei-Gene a ionen-Plo : De E zähle ,
mi Namen Paul B odowsky, be ich e on de Beziehung zu seinem Va e (einem Anhänge de
NS-Ideologie)
und zu seinem eigenen (gewal ei e zogenen) Sohn. E selbs is p o o ypische Ve -
e e de »Las en ah ad-Vä e «-Gene a ion.
Ge i Bekke (*1943 in Hambu g) eie e im Ok obe 2023 seinen 80. Gebu s ag. Aus diesem
Anlass e schien e s mals ein Band, de alle Gedich e Bekke s e sammel e, inklusi e e liche hie
O. I lenkäuse : Schleswig-Hols einische Li e a u 2023 | 259
e s mals publizie e Tex e. Bekke s udie e on 1965 bis 1968 an de Mu hesius-Fachhochschule
in Kiel, zog 1962 nach Rendsbu g und 1996 nach Lindewi . Sein e s e Gedich band, Wachs lügels
Fu ch (1982), b ach e ihm gleich den Hebbel-P eis. E wu de zwa on de K i ik gu beach e , ein
g oße Du chb uch beim Publikum gelang jedoch nich . Dieses neue Buch ass das ly ische We k
Bekke s zusammen und bewah es gleichzei ig. »Dami s eh diese Band neben den Romanen und
den E zählungen und dem eichen male ischen We k, das Ge i Bekke in einem langen Leben ge-
scha en ha «, sch eib de He ausgebe und F eund A nul Con adi in seinem Vo wo .
Die Ecke n ö de Rech sanwäl in und Au o in Anna Lena S apel eld (*1991) sch eib in ih em
e s en Roman Manchmal denk man, es sei Liebe (2022) übe Glück und Unglück in de Ehe, übe
Manipula ion und Un e d ückung, o allem abe übe F eihei und Selbs bes immung on F auen.
»Wi sp achen übe die nächs e Numme des Vademecums, als e mi sag e, dass e e was übe
eine Kleins ad in Schleswig-Hols ein gelesen ha e, das seine Neugie geweck hä e.« De Au o Wil-
liam Boeha (*1947 in Ve mon /USA), de be u lich lange als A chi a im He zog um Lauenbu g
ä ig wa , nenn seine Roman De Klang de blauen Gi a e ein »Bekenn nis«. E e wähn die Bekenn -
nisse on Augus inus on Hippo ode on Jean-Jacques Rousseau, doch sein Bekenn nis »soll keine
Beich e sein, keine Bi e um Absolu ion. Ich e wa e keine Ve gebung. Von wem auch? Und wo ü ?«
Sein Ich-E zähle is gleichal wie de Au o , ha die gleichen Lebenss a ionen, nu einen ande en
Namen. Ein g oße Teil des Romans spiel in Schleswig-Hols ein, als Beispiel sei ange üh : »E was
nö dlich on Hambu g an de Bahnlinie nach Neumüns e lieg die Kleins ad K. Ein ypische O
im ländlichen Schleswig-Hols ein, uhig, bemüh gep leg , die Einwohne scha ehe e schlossen.
Es wa keine a ak i e S ad .« (S. 137) De Roman selbs is insgesam handlungsa m, e inne
nich wenig an Hen y Da id Tho eaus Walden und ende : »Am Ende habe ich auch übe mich ge-
sch ieben, sch eiben müssen, übe mein Leben, und im Lau e des Jah es e kann , dass es noch nich
o bei is . So sch eibe ich den ( o läu igen) Schluss meine E zählung im P äsens« (S. 387).
In ela i hohem Al e leg K. J. Sa o (*1941) seinen e s en Roman o : I ish Blues ode Das
emde Kind. Hie wi d eine en scheidende Phase des 40-jäh igen Helden e zähl , dessen F au mi
dem Samen eines emden Mannes schwange wi d. Alexande zieh sich in den No dwes en I lands
zu ück, um sein Leben zu übe denken. Dabei auch e ie e in die Wi klichkei ein, als ihm an angs
lieb is . De Au o leb in Hambu g und Lübeck.
Klaus Ra e (*1950 in Ecke n ö de) kenn man in Schleswig-Hols ein o wiegend als langjäh igen
Vo s and de In es i ionsbank S-H, als Vo si zenden des S-H Kuns e eins ode als Vo s and de
Kul u s i ung des Landes S-H. Mi De Hamme leg Ra e sein Romandebü o . Genaue gesag
handel es sich um einen K iminal oman, de in de in e na ionalen Kuns szene s a inde . Zwi-
schen den eu opäischen Me opolen de Kuns , in denen de Roman spiel (London, Be lin, Riga),
bli z auch imme wiede Schleswig-Hols ein he o : »Imme wenn ich diese g oßen blauen K äne
sehe, weiß ich, dass ich in Kiel bin.« (S. 151)
Eben alls im Ve lag Ro e Ka ze, be ieben om ehemaligen Lübecke Bü ge meis e Be nd Saxe, is
de Roman Kop los de in Lübeck lebenden Au o in Cha lo e Ke ne (*1950 in Speye ) e schienen.
Lange Jah e wa sie als Jou nalis in ä ig, be o sie sich dem li e a ischen Sch eiben zuwand e. 1987
e hiel sie ü die Biog a ie on Lise Mei ne den Deu schen Jugendli e a u p eis. Sie ha einige Sach-
büche gesch ieben, Kop los is ih Debü oman. E spiel im Jah 2067, 100 Jah e nach de e s en
e olg eichen He z ansplan a ion, und hema isie eine e s e e olg eiche »Kop ansplan a ion« und
s ell die F age, was einen Menschen ausmach : De Kö pe ? Das Gehi n? Und wie eagie die Umge-
bung? Ein in e essan es Gedankenexpe imen übe die Möglichkei en und die G enzen on Medizin.
260 | No delbingen 90
Michael Augus in (*1953 in Lübeck) s udie e in Kiel und Dublin Anglis ik und Volkskunde. 1977
e hiel e den Hebbel-P eis, 1978 g ünde e e in Kiel das e s e Li e a u ele on Deu schlands – das
heu e noch be ieben wi d – und sei 1979 is e Rund unk edak eu und Au o bei Radio B emen.
Von Augus in liegen zahl eiche Büche o , u.a. De Chinese aus S ockelsdo (2005). Sein neue Band
Imme was zu knabbe n e sammel eine kompak e Auswahl seine neues en und bekann es en Ge-
dich e und de ü ihn ypischen Minia u en aus übe 30 Jah en, anlässlich seines 70. Gebu s ags.
Eine Minia u als Kos p obe: »Einhaus. Au dem Weg nach Ra zebu g ah en wi du ch einen O na-
mens Einhaus, de abe , ü jeden sich ba , mindes ens zwei, wenn nich soga e heblich meh Häuse
um ass . ›Man da nich alles glauben, was gesch ieben s eh ‹, sag mein Va e .« (S. 65)
Im e gangenen Jah haben wi an diese S elle den Roman Klaus muss aus de Elmsho ne
Au o in Maiken B a he (*1970) angezeig . In diesem Be ich sjah ha B a he nachgeleg und den
Roman Tünde weiß alles wiede um im au F auenli e a u okussie en Ul ike Helme Ve lag (Sulz-
bach am Taunus) e ö en lich . De Roman e zähl leich he zig und lebens oh om weiblichen
Leben au dem Do : Tünde ha sich on ih e Pa ne in ge enn und leb bei ih e Tan e Hedi. Es
geh d un e und d übe in diesem Do olle F auen, und am Ende geh es na ü lich noch um
»Mode n Lo e«.
Inselhochzei im kleinen F iesenca é is de d i e Band in Janne Mommsens (d.i. Volkma Nebe,
*
1960 in Kiel) F iesenca é-Reihe. Im le z en Band ( gl. No delbingen 89.2023) konn e die Heldin
eine Liebesbeziehung e en und eine eigene beginnen, in diesem g ei die Handlung aus bis
Mon auk au Long Island/USA. Die Beziehungen zwischen Föh und Ame ika wa en schon in de
Geschich e s a k, nun e eichen sie auch die (Un e hal ungs-)Li e a u . Am Ende geh alles gu
aus: Oma Ani a hei a e ih en Nachba n, Julia und de Bü ge meis e Finn-Ole leben »auch ohne
T auschein gu « und die Geschich en gehen wei e …
Anne Mülle (*1963 in Flensbu g) ha e g oße E olge mi ih en Schlei-Romanen Somme in
Supe 8 (2018) und Zwei Wochen im Juni (2020). In We b auch schon Wunde keh sie an die
Schlei zu ück, in den Somme 1983. De Roman e zähl die Geschich e on Lika, die, mi ge ade
bes andenem Abi u , ih en le z en Somme in de Heima e b ing , be o sie in die g oße wei e
Wel zieh . Ein schöne Leses o ü ›Boome ‹, mi iel A mosphä e und um 99 Lu ballons, Na o-
Doppelbeschluss, Vamos a la playa und einem ge ü el Maß no ddeu schen Lokalkolo i s.
Reime Boy Eile s (*1948 in Wedel) ha seine neues en Gedich e e sammel in de
m Band
De Schweinswal is on Menscheng öße. Hie wi d das Reisen hema isie , das Gende n, die Co ona-
Pandemie, Hambu g und »Ein schleswig-hols einische Janmaa «. Gedich e mi Gehal .
Die Dich e in Anja Ross (*1963 in Kiel) leg in ischkind ih en e s en Ly ikband o . Zu o
wa sie o wiegend mi wissenscha liche Li e a u he o ge e en. Ross spiel in ih e Ly ik mi
my hischen Mee esbewohne innen – Undinen, Medusen, Nymphen –, und auch de Ti el sp ich .
Schleswig-Hols ein spiel keine kleine Rolle in diesen Gedich en, u.a. e kennba an To en anz
(in S . Ma ien, Lübeck) ode Kiele Fö de. De Blick de Dich e in abe geh insgesam wei übe
das Heima liche hinaus. Ein kleine Anme kungsappa a mi we ollen Hinweisen zu Quellen,
Ein lüssen ode biog aphischen Hin e g ünden sowie ein kenn nis eiches Nachwo on Ke s in
Hensel e gänzen den Band.
Do is Runge (*1943 in Ca low) beging 2023 ih en 80. Gebu s ag. Aus diesem Anlass gib
Hein ich De e ing einen Band mi gesammel en Gedich en he aus, on liebe iel. En hal en sind
Gedich e aus el Bänden zwischen 1985 und 2022, da un e auch ca é niede egge , die mönche
on c. ode das mee .
O. I lenkäuse : Schleswig-Hols einische Li e a u 2023 | 261
Das We k on Sieg ied Lenz (*1926 in Lyck/Os p eußen, ges . 2014 in Hambu g) wi d sei
einigen Jah en in de Hambu ge We kausgabe in 25 Bänden neu gesammel , zudem we den die
einzelnen Bände mi einem g oßen e läu e nden Kommen a e sehen. De im Be ich szei aum
o geleg Band 16 No ellen en häl die zwischen 1960 und 2009 e schienenen Tex e Das Feue -
schi , Ein K iegsende, Schweigeminu e und Landesbühne – und spann also einen wei en Bogen
um das e zähle ische We k Lenz’. De He ausgebe Hein ich De e ing e sieh den Band mi einem
um ang eichen Kommen a , de beispielsweise e wähn , dass Lenz Das Feue schi 1958/59 im
dänischen Lebøllykke au Alsen e ass e, de hie Lenz’ Äuße ungen zum Feue schi au de
Fl
ensbu ge Fö de b ing , und de Ände ungen des Au o s in de Ko ek u phase de spä en No elle
Schweigeminu e, die sich im Deu schen Li e a u a chi be inden, hie genauso bei äg wie zu allen
Tex en einen leh eichen S ellenkommen a .
Nach dem 2022 e ö en lich en e s en Band de Oe elgönne Ausgabe Pe e Rühmko s
(*1929 in Do mund, ges . 2008 in Rosebu g im He zog um Lauenbu g), de Band I/12 – Essays und
Monog aphien 4. Li e a u k i ik (1953–1962) –, e schien 2023 de zwei e Band, s a end mi ühen
Essays: Säm liche We ke Bd. I/9: Essays und Monog aphien 1. Sch i en zu Poe ik (1953–1967).
Diese Band wu de he ausgegeben om Kiele Ge manis en Hans-Edwin F ied ich un e Mi a bei
on Da id Röhe und Sina Röpke. De Band en häl om ühen Übe die Küns le und die ande en,
e schienen in de Zei sch i Zwischen den K iegen im Janua 1953, bis zu g oßen Sch i Übe das
Volks e mögen, publizie bei Rowohl als Buch 1969. Hie inden sich iele lei Bedenkenswe es,
e wa, wenn Rühmko in Ly ik au dem Ma k on diese Bedeu ung als einem »schwa zen Schim-
mel« sch eib ode wenn e es häl : »Reali e da sich doch jede noch p ak izie ende Poe als
lebende Leichnam eine auss e benden Ga ung ühlen« (S. 155). De »ak ibische, nie au gese z e
Appa a « (FAZ) äg iel zum Lesegewinn bei.
Ma ga e e Böhme (*1867 in Husum, ges . 1939 in Hambu g) e ö en lich e 1905 ih en g oßen
E olgs oman: Tagebuch eine Ve lo enen. Dieses We k wu de 2021 neu au geleg . Im gleichen Ve -
lag e schienen wei e e Bände on ih , im Be ich szei aum de wenige bekann e Roman Millionen-
ausch
(e s e ö en lich 1919). Hie komm eine junge F au aus Husum nach Be lin und e leb ,
wie die Wel des Handwe ks gegen den Indus ialismus un e geh . Böhme hema isie die P obleme
des Kapi alismus ebenso wie die Zei ums ände in K iegs- und Nachk iegszei .
Husum spiel auch eine Rolle im ün en Band de K imi-Reihe Theodo S o m e mi el on
Tillman Sp eckelsen (*1967 in K onbe g im Taunus). Dieses Mal spielen S o ms Ve lob e Cons anze
Esma ch und sein Sch eibe Clausen eine Rolle in diesem Fall um einen his o ischen Geheimbund
au Eide s ed .
De Band Kuckuckslich nelken on Sa ah Ki sch (*1935 in Limlinge ode/Ha z, ges . 2013 in Heide)
e schien in de E s au lage be ei s 2006. De S eidl Ve lag, zu dem Ki sch damals gewechsel wa ,
mach diesen Band nun wiede lie e ba und e gänz ihn du ch za e, s il olle a bige Zeichnungen
on Sieg ied Klappe . Ki sch sch ieb hie ih e P osa-Au obiog aphie, die nun wiede zu haben is .
Im Be ich szei aum e schien ein zwei es Buch on Sa ah Ki sch, dies eine E s e ö en lichung: De
Sohn Mo i z Ki sch e ö en lich , e sehen mi Anme kungen on F ank T ende, das Tagebuch aus
dem Jah 1990 – De Somme äng doch so an! Zu de Zei leb e sie schon einige Jah e in Tielenhemme
an de Eide . Im e gangenen Jah ha e sie sich noch ü die gesam deu schen E eignisse in e essie ,
nun sind ih die Scha e und ih e Ka zen wich ige . Sie s ell das P i a e und Poli ische nebeneinande :
»Nebel damp aus de Eide . Wenig übe 0 G ad, die Amsel u ih Bes es. Go ba schow d oh nun mi
Bü ge k ieg und Blu e gießen.« (S. 25/26)

262 | No delbingen 90
Am 30. Ap il 2023 wu de das S ück Dem Ma de die Taube on Ca en Jeß (*1985 in Ecke n ö de)
am Deu schen Thea e in Be lin u au ge üh , un e de Regie on S ephan Kimmig. Zwischen zwei
F auen en wickel sich eine o sich ige F eundscha . Jeß en wickel in ih em S ück Kon as e zwi-
schen Kul u und Kul u olge n, zwischen T i ialem und Tie sinn, zwischen Sp ache und de Musik
de Elmsho ne Punkband »You Too hb ush« – die Jeß ex a ü dieses S ück e unden ha .
S ealena Ku schke (*1977 in Lübeck) e hiel 2022 den Hebbel-P eis ü ih en Roman Gewi e -
ie e (2021). Ih e s es Thea e s ück zu unse en üßen, das gold, aus dem boden wu de 2019 zu den
Au o en agen am Deu schen Thea e Be lin eingeladen. Ih S ück No shame in hope wu de am
26. Ok obe 2023 am Thea e O enbach au ge üh , un e de Regie on Magdalena Schön eld.
Das S ück handel on d ei F auen, meh ode wenige am Ende ih es Lebens, ge ade en lassen
aus eine Klinik. Nun si zen sie an einem Imbiss, an eine e egne en Ampelk euzung, in eine
e egne en Vo s ad , ode is es doch die Os see? »Eigen lich können sie je z nach Hause. Abe
ielleich o he noch ku z ein B a hähnchen? Be o man sich ganz allein in diese ewig leich be-
unkene BRD wag ?« (S. 249).
De Li e a u nobelp eis äge Gün e G ass (*1927 in Danzig, ges . 2015 in Lübeck) ha iele
Jah e in de Nähe on Ra zebu g geleb und gea bei e . Wenige Sch i e on seinem Wohnhaus
en e n s and seine We ks a . Hie wa en Büche egale, das S ehpul , seine Sch eibmaschine, die
We kbank un e geb ach . Nach seinem Tod blieb dies alles an seinem Pla z. De Be line Fo og a
Hans G une (*1969) bie e Einblicke in eine Wunde kamme de kleinen Dinge, aus und mi de-
nen G ass g oße Kuns mach e. G une s Bilde en decken diese Dinge neu, e gänz wi d de Band
du ch einen Tex on Hein ich De e ing.
Ki s en Boie (*1950 in Hambu g) ha übe 100 Kinde - und Jugendbüche gesch ieben und is
nach wie o übe aus p oduk i . An diese S elle is ein besonde es Buch on ih anzuzeigen
:
Au u zum G ößenwahn. Es en häl ih e Rede zum Wel auen ag 2020 beim Sena semp ang im
Hambu ge Ra haus, und dami is auch schon angedeu e , wo um es geh : Es is ein Rückblick, eine
Bes andsau nahme und ein Plädoye ü meh Ge ech igkei . Sie e zähl on ih em Weg als F au
und
on den Wide s änden, die sie übe winden muss e. Das kleine Buch is ein Au u , mi Mu und
Selbs bewuss sein übe kommene Rollens uk u en zu e ände n und auch die eigenen Rollenbilde
imme wiede zu übe denken.
Pla deu sch, F iesisch
Ein kleines pla deu sches Kinde buch ha O e Thomsen (*1989 in Flensbu g) mi Regen in’n Kopp
gesch ieben. Es geh um den Ameisenbä Gunnel , de Hausmeis e is im Regenwald und u ch ba
iel zu un ha . Zum Glück inde e den Weg zum A en Dok o Willi, und auch zum Glück ha e
eine Mi bewohne in, Guschi, das Gü el ie . De G a ikdesigne Mel Pe e sen s eue e die Bilde
bei. O e Thomsen is gebü ig aus No d iesland und eigen lich Musike . Dies is sein e s es Kinde -
buch, dazu is eine Musik e sion e schienen. Fü Regen in’n Kopp e hiel Thomsen 2023 den P eis
›Pla deu sches Buch des Jah es‹.
An je K. A s en, die F isis in und Lek o in am No d iisk Ins i uu in B eds ed , ha im do i-
gen Ve lag eine E zählsammlung he ausgegeben, die en s anden is aus einem Sch eibwe bewe b.
Lä j e hood ai hinge (Lass den Kop nich hängen) is sie be i el und en häl au 95 Sei en insgesam
O. I lenkäuse : Schleswig-Hols einische Li e a u 2023 | 263
35 Tex e – on E wachsenen wie on Schüle n. Den Sch eibwe bewe b gewonnen ha die Schüle in
Anni Ch is iansen on Föh . De Klappen ex e heiß übe das Buch: »Li e a ische Kleinode in no d-
iesischen Dialek en, die on Abschiednehmen und Neuan ang, K ieg und Klimawandel handeln
ode ein ach de Au mun e ung dienen.« Da ich selbs des F iesischen nich mäch ig bin und Hin-
weise zu den Au o *innen ehlen, sei hie lediglich de Hinweis au die Publika ion e laub .
2023 and zum 35. Mal de om NDR Landes unkhaus Schleswig-Hols ein e ans al e e pla -
deu sche Sch eibwe bewe b ›Ve ell doch mal‹ s a . Un e s ü ze sind sei Langem Radio B emen
und das Ohnso g-Thea e in Hambu g. Dieses Buch e sammel »26 pla deu sche Geschich en« zum
Ti el hema ›Tohuus‹. Insgesam , so is im Vo wo zu lesen, haben sich 1.300 Au o *innen aus allen
deu schen Bundeslände n sowie aus dem Ausland an dem We bewe b be eilig . Un e den Bei ä-
ge n inden sich die pensionie e Husume Leh e in Ki s en Abeling, de Di hma sche Sch i s elle
Heine Egge ode de aus dem baden-wü embe gischen Dossenheim s ammende Randol Eilenbe -
ge , de hie seinen e s en pla deu schen Tex übe haup sch ieb.
Einen pla deu schen K iminal oman ha Jö g Rönnau (*1961 in Plön) mi G ulich Fund (2022)
gesch ieben. Genaue gesag einen pla deu schen his o ischen K iminal oman, mi Theodo
S o m und Klaus G o h in den Haup ollen. Rönnau, on Be u eigen lich K ankenp lege , läss
die beiden Husume Heima dich e und Hobbyde ek i e in Lebensge ah ge a en, bis sie den Fall
lösen können – na ü lich.
Kinde - und Jugendli e a u
Im
Jah 2026 wä e de g oße schleswig-hols einische Jugendbuchau o James K üss 100 Jah e al
gewo den. Na ü lich be ei en die Ve lage dieses g oße Jubiläum um assend o , in diese A bei en
gehö en auch die ie Nachau lagen on K üss’ Humme klippen-Büche n. E schienen in de Reihen-
olge Leuch u m – Somme – Gäs e und Weihnach en wu den die Büche 2023 neu au geleg und
neu illus ie . Im Leuch u m, den K üss mi knapp 30 Jah en sch ieb, is das spiele ische Elemen
seine spä e en We ke noch nich so ausgep äg , abe schon angeleg . Die Reihe komm seh an-
sp echend dahe . Die Illus a ionen on Maja Bohn aus Be lin, die ganzsei ige Ta eln und Vigne en
gescha en ha , zeigen den Sinn ü den mi un e g o esken Un e on manche Passagen.
Mi den Wo en »Ein Mä chen on de Ho nung au F ieden un e den Menschen« kündig de
Ve lag De Ho nungs ogel, das neue Buch on Ki s en Boie (*1950 in Hambu g) an. Es geh hie um
den Königssohn Jabu, de sich seine Ve an wo ung s ell , sich bei de Suche nach dem Ho nungs-
ogel au eine aben eue liche Reise begeben muss und in de en Ve lau übe sich hinauswächs . Das
Buch is ausges al e mi Illus a ionen on Ka in Engelking, die schon meh e e Büche on Ki s en
Boie und Paul Maa illus ie ha sowie den As id-Lindg en-Büche n eine zei gemäße Illus a ion
gescha en ha .
Ein neues Kinde buch ha die in de Nähe on Kappeln an de Schlei lebende Au o in Ma eike
K ügel (*1977 in Kiel) gesch ieben: Die Heldin in Almu h und de Hühne somme will spä e zu
Feue weh und »Re e in« we den. Doch zue s muss sie das Huhn Ingebo g o dem Hahn e en.
Selbs e s ändlich le n Almu h in ih em U laub au dem Land jede Menge neue F eunde kennen
und nebenbei noch iel übe Couscous, Bio, Di e si ä und Mig a ion. Ein s immungs olles Kinde -
buch übe F eundscha , En decken und scheinba unbeschwe e Kindhei smus e .
264 | No delbingen 90
Das Buch Mu is was Gu es on A ne Rau enbe g (*1967 in Kiel) kombinie Gedich e mi
Illus a ionen des bekann en Kinde buch-Küns le s Wol E lb uch (1948–2022). Schon das Co e
zeig ein Schwein, das beim mu igen Sp ung ins Wasse sowohl Angs als auch F eude emp inde
– zwei Ge ühle, die zum Mu dazugehö en. A ne Rau enbe g ha diese wunde schönen Bilde »au
das Schöns e« (FAZ) mi Tex e gänz . Beispielsweise: »all diese albe nen ängs e! / jede kann lie-
gen le nen – denks e!« Rau enbe g leg e 2023 eben alls das Buch Diese Tag is mein F eund o ,
»Gedich e ü die gu en Minu en«. Diese seh abwechslungs eichen Gedich e wecken, wie iele
Büche dieses Au o s, die Lus am Klang, an Rhy hmus und an e ück en Ideen. Dazu passen die
Bild igne en on Nadia Budde seh gu , sie se zen Objek e wie Subjek e de Gedich e au weißem
G und ins Bild.
Sei 2009 sch eib Alice Pan e mülle (*1969 in Flensbu g) Kinde - und Jugendbüche . Sie gewann
damals einen Sch eibwe bewe b, de mi eine Buch e ö en lichung e bunden wa . Sei und 25
Jah en ha Pan e mülle zahl eiche Büche publizie , da un e die bekann e Mein Lo a-Leben-Se ie,
die Supe helden ode die neues e Flo en ine Blix-Se ie. Diese neue Se ie spiel in Flensbu g, de Hei-
ma s ad de Au o in: »Hallo. Ode auch Moin, wie man in Flensbu g sag , wo ich lebe.« Thema des
e s en Bandes Ta o de Kuschel ie e is ein e schwundenes Kind, und auch das deu sch-dänische
Ve häl nis in Flensbu g spiel eine Rolle, da de Ve schwundene nu Dänisch sp ich . Im zwei en Band,
Geheimak e Flaschenpos , wi d am S and eine Flaschenpos angespül , und die Segel-AG des Fö de-
gymnasiums mach sich au die Suche. Die Bände wu den au wändig on Daniela Kohl illus ie , die
auch be ei s die Mein Lo a-Leben-Bände bea bei e ha . Aus diese Se ie wu den de Band Alles Bingo
mi Flamingo (2022) und Alles Tschaka mi Alpaka! (2022) e ilm , »Alpaka«-Buch und Film spielen
wäh end eine Woche Schullandheim au Am um. De 19. Band de ›Lo a‹-Reihe mi dem Ti el Hie
auch de Papagei is ebenso au wändig illus ie ( on Daniela Kohl) wie die üb igen Bände und eig-
ne sich auch dahe gu ü wenig geüb e Lese *innen. Lo a ha ein neues Hobby – Ska eboa d ah en.
Die Kiele Schauspiele in Dayan Kodua (*1980 in Ghana) wa ühe einmal Chee leade in bei de
Foo ball-Mannscha Kiel Bal ic Hu icanes, 2011 wa sie die e s e schwa ze ›Miss Schleswig-Hols ein‹.
Sie wuchs in Kiel-Gaa den au , man kenn sie aus Filmen wie Die P e e kö ne , Tod in Mombasa ode
dem Ta o . Im Jah 2021 e ö en lich e sie in ih em eigenen Ve lag ih e s es Buch Odo und de Be-
ginn eine g oßen Reise. Das Kinde buch Wenn meine Haa e sp echen könn en (2022) hema isie die
Bedeu ung, ande e Haa e zu haben als die Meh hei . Am Ende ha die Heldin Mu ge ass , zu sagen,
wenn ih e was nich ge äll . E gänz wi d das on Nicole Gebel aus Bo desholm illus ie e Kinde -
buch on wei e üh enden In o ma ionen zu »B aids« und »Co n ows« sowie einigen F isu en aus dem
Band wie »Ban u Kno s« ode »Sis e locks«. Ein Buch ü ande e Pe spek i en au die Wel .
Die Bilde lu de mode nen Wel läss das Können on Sp ache imme meh in den Hin e -
g und e en. Kinde wissen noch in ui i , dass Sp ache ein wunde ba e Spielpla z is . De Au o
Uwe-Michael
Gu zschahn und de Kiele Illus a o Jens Rassmus (*1967 in Kiel) nehmen sich das
bekann e Nonsens-Gedich Dunkel wa ’s, de Mond schien helle o und lassen meh e e Könne des
Faches (da un e Paul Maa ) wei e e S ophen e inden.
An onia Michaelis (*1979 in Kiel) is eine p oduk i e Kinde buchau o in. Aus ih e Fede s am-
men und 50 Kinde - und Jugendbüche , die sie sei 2002 e ö en lich ha . Dazu zählen u.a. die
Se ien K euzbe g 007, Amme lo ode Ella Fuchs. Michaelis is in jungen Jah en iel ge eis , u.a.
nach Indien, I alien, G iechenland, die Tü kei. Diese Eind ücke inden sich in ih en Büche n iel-
ach wiede . In Weil wi äum en (2022) eis die Heldin Emma nach Madagaska und kann hie
ih e schwe e K ankhei as e gessen. Als sie die Einheimische Fy kennenle n , le n sie meh übe
O. I lenkäuse : Schleswig-Hols einische Li e a u 2023 | 265
A mu , Ge
wal und wei e e Scha ensei en des Pa adieses. De Roman Scheißgli ze age spiel im Jah
2022 au Usedom, wo Michaelis heu e leb . Die 17-jäh ige Haup igu kenn die Pla enbau en in
Wolgas aus eigene E ah ung und jobb als Eis e käu e ü die ielen Tou is en, die die Insel jeden
Somme be ölke n. Als e die uk ainische Ulja i , die o dem K ieg in ih e Heima ge lohen is ,
e ände sich seine Pe spek i e. De Roman Die Buch des blauen Ok opus spiel in G iechenland.
Die 11-jäh ige Heldin, die hie ih en U laub e b ing , le n den einheimischen Jo gos kennen, und
gemeinsam suchen sie einen Scha z im Mee , das e mu lich die eigen liche Haup olle im Roman
spiel . »Ich hö e das Mee . Das Rauschen seine s e ig an den S and schlagenden B andung. Und ich
dach e einen kla en Gedanken: Ich muss ins Wasse « (S. 289). Da aus en wickel sich eine magische
Geschich e, in de ein u al e blaue Ok opus eine zen ale Rolle einnimm . Eben alls im Mee spiel
Michaelis’ Roman Minik. Au b uch ins wei e Mee (2022) in de Loewe-Reihe Das geheime Leben de
Tie e. De Seehund Minik schwimm aus de Os see in die No dsee, und zwa gemeinsam mi seinem
F eund, dem Buckelwal Lo azwei. Ein »umwel pädagogische « Roman mi Illus a ionen on Ve ena
Kö ing, die u.a. Ki s en Boies Somme by-Se ie illus ie ha . In diese Se ie e schienen wei e hin
Minik. De Ru de A k is (2022), Aben eue im Ko allen i und Ein Seehund inde nach Hause.
Die Au o in Y onne S uck (*1976 in Lübeck) sch eib ausweislich eines In e iews » ealis ische
Jugendbüche , das heiß , meine Büche sollen das Leben de Jugendlichen abbilden« (Ve lagshome-
page). Ih neues Buch Ich, die Jungs und die Sache mi dem Coolsein (2022) is de ie e Band eine
Teens-Se ie, Zielg uppe sind Kinde ab 12 Jah en. In diesem Band d eh sich alles um e s e E ah un-
gen mi de Liebe, den e s en Kuss, und die Ve wi ung de Ge ühle. Eine humo olle junge Lek ü e.
De Billabongkönig is das e s e Jugendbuch des in Ra zebu g lebenden Au o s Ma hias K öne
(*1977 in Nü nbe g). E wa bishe o wiegend als Ve asse on Reise üh e n ä ig. Fü seinen
Billabongkönig (2022) wu de K öne ü den Deu schen Jugendli e a u p eis nominie , auße dem
s and das Buch au de Sho lis de S i ung Buchkuns ü ›Die schöns en deu schen Büche ‹. In
Aus alien is ein Billabong eine na ü liche Wasse s elle, und gewohnhei sgemäß sind die g öß en
K okodile de en ›He sche ‹. Eine leh eiche Geschich e übe Gemeinscha , Mo al und ein gu es
Leben. Die Illus a ionen on Mina B aun agen iel zum Lese e gnügen bei.
Die Kinde buchau o in Ha ie G undmann (*1969 in Be lin) wuchs in Büsum au . Sie is Au o-
in zahl eiche Büche . 2023 e schien Ich muss los, sag e de Bä . Es geh da um, den G und ü die
Reiselus zu inden. Das Fazi lau e , das sei an diese S elle e a en: »Das is ganz ein ach. Ich bin
wei gegangen, um einen O zu inden, on dem aus ich gu zu ückblicken kann.«
Abs ac
This essay p esen s almos 50 wo ks o Schleswig-Hols ein li e a u e published by Ge man-language pub-
lishe s in 2023 in b ie e iews. In addi ion he e a e 12 as da ing om 2022. The o e iew is in ended o be
as comple e as possi ble. Today, Schleswig-Hols ein li e a u e is usually unde s ood o mean ha au ho s
a e bo n in Schleswig-Hols ein o hey ha e li ed o wo ked in Schleswig-Hols ein o a ce ain pe iod o
ime o ha hei wo ks ha e an impac in li e a y li e in Schleswig-Hols ein. The essay is in ended as an
o e - iew o he li e a y landscape o Schleswig-Hols ein and i s ancho ing in he Ge man li e a y scene.
272 | No delbingen 90
(Magnussen, K aack), die O densne zwe ke und -beson-
de hei en (Bünz, Muschiol) sowie die eligionsgeschich -
lichen und heologischen Rahmenbedingungen (Lo en -
zen, Mülle , E e s) p äsen ie und schließlich um assend
die We kmonog a ie des Re abels be ach e . In diesem
zwei en Teil wi d pe sonenzen ie (Ka enb ock, Rich-
e ), his o isch (Habenich , Hilleb and, Wende holm),
bildwissenscha lich (E e s, Weisse , Hei el, Kock) so-
wie kul u his o isch (Lemai e, S e nbe g) a gumen ie .
Ein üh end e o e Oli e Auge den S i e des Re a-
bels, He zog F ied ich I. on Schleswig und Hols ein, als
Haup ak eu inne halb de ki chlichen und poli ischen
En s ehungsbedingungen des We ks am Vo abend de
Re o ma ion in den He zog üme n, die ü seine E ablie-
ung im südwes lichen Os see aum und den E olg de
Klos e - und Ki chen e o m ele an wa en. Enno Bünz
und Gisela Muschiol be assen sich mi de Blü ezei des
Augus ine -Cho he ens i s in Bo desholm sowie mi
den du ch die Windesheime Kong ega ion ge ö de en
Impulsen de De o io mode na. S e an Magnussen ana-
lysie die Ve o ung des Augus ine -Cho he ens i s im
Kon ex eine übe geo dne en S i ungs- und Memo ial-
p axis des He zogpaa es F ied ich I. und Anna on B an-
denbu g. Dabei heb e he o , dass das Flügel e abel on
B üggemann zwa einen Höhepunk da s ell , die S i e
jedoch neben Bo desholm auch die S . Jü genkapelle im
S . Pe i-Dom in Schleswig, die Zis e ziense ki che on
Løgumklos e ode Klös e in Schleswig, Kiel und Tønde
be ücksich ig en. Tim Lo en zen widme sich de öm-
migkei s heologischen G undlage des Bildp og amms
des Re abels, welche die Augus ine -Cho he en schon
o de De o io mode na e a en. And eas Mülle zeig ,
dass Einzelszenen au eine In e p e a ion aus Pe spek i e
eine augus inischen Theologie konzipie wo den sind.
Luca E e s schläg o de Folie de zei genössischen
Sak amen enleh e o , die ie e Mahlsda s ellung in de
P edella als eine Da s ellung on Augus inus wäh end de
Spendung des Sak amen s zu lesen. De le K aack wid-
me seinen Bei ag eine um assenden Da s ellung des
le z en ka holischen Bischo s on Schleswig, Go schalk
on Ahle eld (1475–1541), de dem He zog als Kanz-
le nahes and und mögliche weise auch das inhal liche
Konzep des Bildp og amms des Re abels e an wo e e.
Thomas S e nbe g a gumen ie anhand on Quellen-
übe lie e ungen, ikonog a ischen Ve gleichen und heils-
geschich liche Bedü nisse, dass die Figu des Ch is us-
kindes konzep uell in de e gi e en Mi elnische de
P edella ges anden haben muss.
De olgende kuns his o ische Teil is nich ohne den
25 Jah e äl e en Tagungsband De Bo desholme Al a
des Hans B üggemann. We k und Wi kung,
1996 on
Uwe Alb ech , Ge ha d Kaldewei, Ha mu K ohm, U a
Lemai e und U sula Lins he ausgegeben, zu denken.
Anlass wa en damals neben dem 475-jäh igen Jubiläum
seine Fe igs ellung neue kuns echnologische Un e -
suchungse gebnisse on U sula Lins und U a Lemai e,
die e s mals E kenn nisse zum We kp ozess und den e -
wende en Ma e ialien bo en. Du ch diese G undlagen o -
schung e hiel die ›B üggemann-Fo schung‹ in de Folge
einen deu lichen Au schwung. Als neue Einsich en lassen
sich nun im neuen Band u.a. olgende Aspek e inden: Fü
die Rekons uk ion des un e en Sch einbe eichs des sog.
Goschho -Re abels, das als F ühwe k B üggemanns gil ,
schläg Cons anze Kös e nun einen A bo Annae an de
Fehls elle um den Baum mi dem Ch is uskind in Analogie
zum Mo i eine Wu zel Jesse o . Thekla-Ch is ine Kock
üh e ne das in No deu opa häu ig anzu e ende Mo i
de Seelengelei e ein, das in de ikonog a ischen Kombi-
na ion mi dem Jüngs en Ge ich ein Alleins ellungsme k-
mal is und nich au die (auch in diesem Band) iel ach
zi ie en Beispiele aus de D uckg a ik zu ückgeh . Das
b ei e In e esse an Rep oduk ionen des Re abels sei dem
19. Jah hunde is zwa bekann , doch kann I is Wende -
holm du ch die Rezep ionsgeschich e seinen Weg in den
Kanon de Kuns geschich e nachzeichnen.
Insgesam wi d deu lich, dass eine e neu e um assen-
de, mul ipe spek i ische Auseinande se zung mi dem
Bo desholme Al a e abel im Schleswige Dom zu neuen
E kenn nissen üh en kann. Die kon ex uellen Rahmen-
bedingungen wie die ki chenpoli ische Si ua ion am Vo -
abend de Re o ma ion, die Rolle des S i e s und die des
Au s ellungso es in de Augus ine -Cho he ens i s-
ki che s ehen in di ek e Ve bindung zu Ges al ung des
monumen alen Auss a ungss ücks. Fe ne wi d deu lich,
dass die kuns his o ischen Haup agen zu diesem We k
auch 2021 wei e hin kon o e s disku ie wu den: Die
Iden i izie ung de beiden Säulen igu en sowie die Rol-
le de Monoch omie espek i e de Holzsich igkei . Au
diese Tagung sp achen iele A gumen e ü eine Iden i-
ika ion de Säulen igu en als Augus us und de Tibu i-
nischen Sibylle (Lins, S e nbe g, Ka enb ock) sowie ü
eine on An ang an geplan e Holzsich igkei . Es bleib also
abzuwa en, ob sich 2046 zu 525-jäh igen Fe igs ellung
des g öß en Re abels in Schleswig-Hols ein und dem
380-jäh igen Jubiläum am S ando im Schleswige Dom
e neu eine Ini ia i e inden wi d, die an die T adi ion de
bishe igen Tagungen anschließ und die Fo schung o -
se z . Zu wünschen wä e es.
Julia T inke
Ins i u ü Kuns geschich e de Hein ich-Heine-
Uni e si ä Düsseldo

Rezensionen | 273
Klos e P ee z im Mi elal e
Bei äge zu Geschich e, Kuns - und Musikgeschich e
hg. . Klaus Ge eon Beucke s und Oli e Auge
(Fo schungen zu Klos e und S i P ee z, Bd. 3)
Ve lag Ludwig: Kiel 2024
400 Sei en, 212 Fa b- und 12 SW-Abbildungen
ISBN 978-3-86935-464-4, EUR 69,90
Dank eines kon inuie lichen Bes ehens sei dem 13. Jah -
hunde bewah das Adelige Klos e P ee z ein im ländli-
chen Hols ein einziga iges Ensemble on Bau- und Kuns -
we ken. De im Wesen lichen zwischen dem 13. und dem
19. Jah hunde gescha ene Gebäudebes and mi seinen
Auss a ungss ücken du chlie meh ach T ans o ma ions-
p ozesse, die als Zeugen sich wandelnde Ideale in e p e-
ie we den können. Anzuzeigen is an diese S elle ein on
Klaus Ge eon Beucke s und Oli e Auge he ausgegebene
Sammelband, de dem Klos e P ee z im Mi elal e gewid-
me is und au eine im Sep embe 2023 o O ausge ich-
e e Tagung zu ückgeh . Es handel sich um Band 3 de sei
2022 in asche Folge e scheinenden Fo schungen zu Klos-
e und S i P ee z, he ausgegeben neben Klaus Ge eon
Beucke s du ch die P ee ze P iö in E ika on Bülow. Zu-
sammenge üh wu den 23 Bei äge, die sich einem b ei en
hema ischen Spek um on de G ündungsgeschich e des
Klos e s übe Buch- und Goldschmiedekuns , de Bauge-
schich e, Musik, Skulp u und Tex ilkuns widmen.
In eine den Bei ägen o anges ell en Einlei ung u
Klaus Ge eon Beucke s zen ale Eckda en de P ee ze Ge-
schich e in E inne ung – die G unds einlegung ü die Klos-
e ki che im Jah 1268 sowie die 1286 e üg e Limi ie ung
des Kon en es au siebzig Nonnen, wü dig die gu e Übe -
lie e ungssi ua ion und e e ie die Fo schungsgeschich e.
Oli e Auge e weis zu Beginn seines Au sa zes zu
G ündungsgeschich e on Klos e P ee z au die 2009 pu-
blizie e Disse a ion on Johannes Rosenplän e , de en
E gebnisse lediglich in Nuancen e wei e we den könn en.
Es olg eine konsis en e Da s ellung de on G a Alb ech II.
on O lamünde und Bischo Be hold on Lübeck um 1211
o ange iebenen und du ch G a Adol IV. on Schauenbu g
1226 usu pie en Klos e g ündung, de en Anliegen nich
zule z auch die E ablie ung eines »kle ikale[n] Pe sonal e-
se oi [s]« (S. 33) in Pe son de P öps e gewesen sei.
Johannes Rosenplän e , de de zei wohl bes e Ken-
ne de mi elal e lichen Geschich e on Klos e P ee z,
s eue einen Bei ag zu wi scha lichen Si ua ion de Ge-
meinscha bei. Un e dem Ti el A mu im Klos e P ee z?
Wi scha s üh ung und Ve so gungsengpässe im 15. Jah -
hunde
gib de Au o zunächs eine Übe sich übe die
du chaus beach liche, sei de G ündung sch i weise e -
wei e e G undhe scha des Klos e s. Zugu e komm ihm
dabei eine ungewöhnlich gu e Quellenlage, se z en die e -
hal enen Rechnungen de P ee ze P ops ei doch be ei s
1411 ein. Die G ündung des Klos e s in einem Neusied-
lungsgebie e möglich e diesem den Au bau eine » e i-
o ial abgeschlossene[n] Klos e g undhe scha « (S. 38).
Eine ausgewogene Mischung aus Geld- und Na u alabga-
ben ga an ie e de Gemeinscha eine e gleichsweise
s abile wi scha liche G undlage. Vo diesem Hin e g und
s ell sich die F age, wa um man sich im Klos e meh ach
als in »a mo h« (S. 35) bezeichne e. Rosenplän e kann zei-
gen, dass die Klos e wi scha nich au das E zielen on
Übe schüssen ausge ich e gewesen is . Man wi scha e-
e on de Hand in den Mund, ein Sys em, das in K isenzei-
en ode bei e höh em Mi elbeda e wa ü Baua bei en
an seine G enzen kam. De Beg i de A mu besch eibe
hie somi einen »ku z is ige[n] Ve so gungsengpass«
(S. 43) und kein daue ha es s uk u elles P oblem. Beizu-
p lich en is dem Au o in seine am Schluss des Bei ages
o geb ach en Beobach ung eine mangelnden Tex k i ik
ch onikalische Nach ich en, die wi scha liche Ve häl -
nisse be e en. Die Behaup ung on »a mo h« in zu ücklie-
genden Zei en könne schließlich auch dazu gedien haben,
das eigene e olg eiche Wi scha en umso glanz olle
he o e en zu lassen.
De olgende Au sa z on F ede ic Zangel zum Ve -
häl nis des hols einischen Niede adels zum Klos e
P ee z spü – wiede um au de Basis de Disse a ion
on Johannes Rosenplän e – einem de Ne zwe ke nach,
in die das Klos e eingebunden gewesen is . Zu In e ak-
ion mi dem egionalen Niede adel kam es au meh e en
Handlungs elde n, e wa beim E we b on Bu gen bzw.
Hö en du ch das Klos e ode beim Ve kau on Bauma-
e ial aus de klos e eigenen Ziegelei. Wesen lich ü das
Handeln des Kon en es dü e die soziale He kun seine
Mi gliede gewesen sein, die zu dem Jah 1491 anhand
eine Kon en slis e e schließba is : Von gesiche bü -
ge liche He kun wa zu diesem Zei punk eine on 66
Nonnen. Die Kon en ualinnen adelige He kun s ell en
übe wiegend üh ende Familien de hols einischen Ri -
e scha , allen o an die Familie Ran zau.
Passend schließ hie de Bei ag on De le K aack
zu mi elal e lichen He aldik im Klos e P ee z an. Auch
K aack be on die enge Ve bindung zwischen klös e li-
che und adelige Lebenswel , die du ch die He kun de
274 | No delbingen 90
Kon en ualinnen, P iö innen und P öps e, du ch Mess-
s i ungen und G ablegen gegeben wa . Die Zahl de im
Klos e e hal enen Wappen aus o e o ma o ische Zei
is eilich ge ing. Zu Rech e weis de Au o au die p o-
minen pla zie en Wappen an den ös lichen Wangen des
Cho ges ühls, on denen bislang alle dings nu das de
Askanie iden i izie sei. Besse läss sich de S i ungs-
zusammenhang des mi Wappen de Familie Ran zau e -
sehenen P ee ze Ve kündigungs e abels e schließen,
dessen ehemalige S ando Bezug au eine G ablege de
Familie nahm. Fü kün ige Fo schungen zu den P ee ze
S icke eien mi Wappen is die Klä ung on de en genea-
logischem Hin e g und on hohem We .
Mi dem ›Buch im Cho e‹ de P iö in Anna on Buch-
wald (am . 1484–1508) nimm sich And eas Mülle des
zen alen P ee ze Monumen es de monas ischen Re-
o mbewegung im le z en D i el des 15. Jah hunde s
an. Viele de in Anlehnung an Bu s elde Ideale in P ee z
e g i enen Maßnahmen gleichen denen in ande en no d-
und mi eldeu schen F auenklös e n: Ins andse zung de
Gebäude, Ach ung de Klausu , Neuo dnung de Li u gie,
Beau agung on Kuns we ken.
Kodikologisch nähe sich Ke s in Schnabel in ih em Bei-
ag dem ›Buch im Cho e‹, wobei das Haup augenme k au
eine ak ibischen Besch eibung des in de O izin des Hin-
ich Cos e in Lübeck 1487/88 gescha enen Einbandes sam
seinen Beschlägen und Schließen, de Einbandmakula u
und de Ke e lieg . Ein on Schnabel benann es Deside-
a soll e bald Ta en nach sich ziehen: Vom ›Buch im Cho e‹
exis ie , o z des 2022 on Klaus Ge eon Beucke s publi-
zie en und kommen ie en Faksimiles, noch imme keine
»sys ema isch-wissenscha liche Besch eibung« (S. 85).
Eben alls om ›Buch im Cho e‹ geh ein de gesunge-
nen Li u gie im Klos e P ee z gewidme e Bei ag on
Alison Noel Al s a aus, de le z lich einen Nachweis de
kom-plexen und nu übe au wendige Schulungen p ak-
izie ba en Li u gie und dami des geis igen Ni eaus des
Klos e s da s ell . Auch hie zu is die Übe lie e ungs-
si ua ion e gleichsweise güns ig: E hal en blieben mi
dem Win e eil eines An iphona s und einem G aduale
zwei li u gische Handsch i en des 14. Jah hunde s, also
aus de Zei o de Klos e e o m. Als kleine Sensa ion
is die im Rahmen de P ee ze Tagung 2023 ollzogene
Rückkeh zweie zum G aduale gehö ige Doppelblä e
zu we en, welche die Au o in im B uno-S äblein-A chi
de Uni e si ä Wü zbu g en deck ha e. Al s a zu olge
be ieben die P ee ze Nonnen ein Sk ip o ium, das einen
»singulä en S il musikalische No a ion« (S. 107) p leg e.
Zu einigen o malen Eigenhei en inden sich Pa allelen
im mi le en Rheinland. Aus üh lich wü dig Al s a die
im ›Buch im Cho e‹ es gehal ene O dnung des Go es-
diens es du ch Anna on Buchwald, die o ih e Wahl zu
P iö in das Am de Kan o in innegehab ha e.
Mi Bea e B aun-Nieh konn e ü eine Un e suchung
des P ee ze E angelia s eine ausgewiesene Kenne in de
Buchkuns des 13. Jah hunde s gewonnen we den. In dem
wohl bald nach de Mi e des 13. Jah hunde s ge e ig en
Codex mach B aun-Nieh sowohl konse a i e als auch
neue Elemen e aus: En hal en sind eine olls ändige Folge
on Kanon a eln sowie ein Capi ula e e angelio um, ohne
dass diese al he geb ach en Na iga ionshil en im Ge-
b auch des E angelia s a sächlich nu zba wä en. Zu O i-
en ie ung im Tex dienen ielmeh ub izie e Kapi el-Zi -
e n, eine neua ige, on Pa is aus e b ei e e Gliede ung
de E angelien. Beme kenswe sind die den Kanon a eln
o anges ell en Tex e, ü die die Au o in eine mi el heini-
sche Vo lage e mu e . Fü gewisse Mo i e de Buchmale-
eien können Vo lagen aus ka olingische und o onische
Zei wah scheinlich gemach we den. Vo sich ig schläg
B aun-Nieh eine Fe igung des Codex in Hambu g o , wo
eine sei s äl e e Vo lagen g ei ba wa en und ande e sei s
eine Kenn nis ak uelle Buchkuns aus dem nö dlichen
Ha z o land und Magdebu g o ausgese z we den kann.
Ein on Klaus Nieh und Bea e B aun-Nieh e ass-
e Bei ag be ach e sodann den Einband des P ee ze
E angelia s, de sich als ein aus he e ogenen Teilen kom-
ponie es »Pas iccio« (S. 159) e weis . Im Zen um de Un-
e suchung s ehen die ün mi elal e lichen S anzen aus
e golde em Silbe blech, die heu e au dem Rückdeckel
mon ie sind. Wäh end de do h onende Ch is us de
e s en Häl e des 13. Jah hunde s angehö , dü en die
ihn umgebenden ie Medaillons mi den E angelis ensym-
bolen gegen 1300 en s anden sein. Die ehemaligen Zusam-
menhänge, aus denen die S anzen mögliche weise e s in
de Neuzei gewonnen wu den, sind unbekann . Ve gleiche
mi s ilis isch ähnlichen S anzen üh en zumindes ü die
E angelis ensymbole zu Ve mu ung eine Fe igung in Lü-
nebu g, Hambu g ode Lübeck.
Mi dem P ee ze Messkelch widme sich Klaus Nieh
schließlich de p ominen es en Goldschmiedea bei des
Klos e s. Die ün am Fuß des Kelches mon ie en Tondi
mi Szenen aus dem Leben Ch is i gehö en zum g oßen
Bes and ähnliche , abe nie iden ische T eiba bei en, die
»übe ganz No d-, Wes - und Os deu schland« e b ei e
sind (S. 174). Dem Au o is beizup lich en, wenn e kon-
s a ie , dass die Tondi »nu wenig ü eine genaue e Ein-
o dnung des S ücks wei e hel en« (S. 176). Ähnlich e häl
es sich mi dem Filig an an Kuppa und Nodus des Kelches.
Nieh e e ie die En a nung des Kelches on S . Ma ien
in Be gen au Rügen, de lange als Pa allele zum P ee ze
S ück gal , als eine A bei des 19. Jah hunde s. In No d-
deu schland s eh de P ee ze Kelch mi seinem à jou übe
die Kuppa geleg en Filig an sei dem isolie da. Nach sei-
ne Ve weige ung eine allzu wohl eilen Lokalisie ung de
Goldschmiedewe ks a geh de Au o noch einen Sch i
wei e , indem e ag , ob de Kelch denn mi Siche hei ü
P ee z gea bei e wo den sei. Es olg eine eind ucks olle
Pa ade on Quellen, die das Ve lage n, Kon iszie en, Ve -
schenken und Ve kau en on asa sac a aus no ddeu schen
Ki chen in de F ühen Neuzei belegen. Die F age, ob es
sich beim Kelch um eine ech e »P ee ziose« (S. 182) han-
dele, müsse dahe o enbleiben.
Den Sp ung on de Buch- und Scha zkuns hin zu
Bau o schung leis e Ul ich Knapp mi seinem Bei ag zum
Rezensionen | 275
Kon en bau des Klos e s, de eine E gänzung zu seinem
hie eben alls besp ochenen Buch übe die Ki che is (Ul-
ich Knapp: Die Klos e ki che P ee z. Beobach ungen zu
Baugeschich e [Fo schungen zu Klos e und S i P ee z,
Bd. 1], Kiel 2023). Die im Ke n mi elal e lichen Gebäu-
de wa en 1847/48 wei gehend abgeb ochen wo den, de
e bliebene To so wu de 1850/51 in einen Neubau in e-
g ie . In den 1850e Jah en e wach e das his o iog a i-
sche In e esse an den ku z zu o ze s ö en Ke n äumen
des P ee ze Kon en es. Un e Nu zung on Auskün en
ehemalige Bewohne en s anden e s e Rekons uk-
ionszeichnungen. E gänzend zu den Planzeichnungen
können die Belege zu Baumaßnahmen, die sich sei 1411
in den Rechnungsbüche n des Klos e s inden, he ange-
zogen we den, um eine o sich ige Rekons uk ion de
Bauges al und eine Funk ionszuweisung de Räume zu
wagen. Knapp e o e das Do mi o ium bzw. Schla haus
de Nonnen, e neue e wa 1412/15, im Wes lügel. An-
gesich s de Lage des Zugangs zum Nonnencho möch e
de Rezensen agen, ob diese Maßnahme nich doch
ehe den Os lügel, namen lich dessen Obe geschoss,
be o en haben könn e. Un e P ops Johannes Knu e
(am . 1437–1449 u. 1452–1453) begann dann de Neu-
bau des Re ek o iums, on Knapp übe zeugend als Teil
des No d lügels lokalisie , sowie des Langen Hauses mi
de Küche, das de Au o wiede um mi dem Wes lügel
iden i izie . Fü die zwei e Häl e des 15. Jah hunde s is
die sch i weise E neue ung de d ei K euzgang lü
gel, die
nun Gewölbe e hiel en, beleg . Die in diesem Zusammen-
hang e wähn e »cappellen« (S. 202) iden i izie Knapp
mi dem Kapi elsaal, den e ebenso wie die Schule im
Os lügel sieh . Neben den Belegen, die den an die Ki che
anschließenden Kon en bau be e en, e e ie Knapp
auch die Quellen zu wei e en klös e lichen Gebäuden:
Badhaus, P ops enhaus, P ies e haus, Haus de P iö-
in, Siechenhaus. Das so un e Vo behal e schließba e
Raump og amm sei dem de Benedik ine innenklös e
Ebs o und Lüne e gleichba , die im Zuge de Klos e -
e o m im 15. Jah hunde ähnlich ie g ei end e neue
wo den sind.
Ka ha ina P iewe e such im Anschluss an die 2023
du ch Ul ich Knapp e idie e Baugeschich e de Klos-
e ki che e s mals de en um assende e Eino dnung in
den Kon ex de Backs eina chi ek u um 1300. De Bau
en hal e, insbesonde e im Cho , noch Teile eine d ei-
schi igen Ki che aus dem ie en Vie el des 13. Jah -
hunde s. Vielleich in Folge des Klos e b andes on
1307 sei das Langhaus dann in Fo m de bes ehenden
S a elhalle e ich e und de Cho en sp echend e höh
wo den. Das Dachwe k is um 1325 +/- 5 (d) au ge ich-
e wo den. Bedeu sam is die on Knapp ich igges ell e
Deu ung de 1327 o genommenen S i ung zuguns en
eines neuen Cho s de Nonnen, die eben nich dem a -
chi ek onischen Cho polygon, sonde n dem Einbau des
li u gischen Nonnencho s in das Mi elschi gegol en
ha . Einen Impuls zu Fo m indung ü die zu En s e-
hungszei in wei em Umk eis einziga ige F auenklos-
e ki che e mu e P iewe, da in Knapp olgend, in de
zwischen 1292 und 1306 e olg en Bes a ung on Elisa-
be h, Mu e des G a en Johann II. on Hols ein-Kiel, in
P ee z. Zu ges al e ischen De ails, u.a. den Diens bün-
deln im Langhaus und de en S uckkapi ellen, nenn die
Au o in übe zeugende Pa allelen, wobei den ab 1260/70
e ich e en Teilen de Lübecke Ma
ienki che besonde e
Bedeu ung zuzukommen schein .
In seine Un e suchung zu sak alen Binnen opog a-
ie de Klos e ki che geh Klaus Ge eon Beucke s on
de ungewöhnlichen ebene digen Anlage des P ee ze
Nonnencho es aus. Me hodisch knüp e an die weg-
weisenden S udien on Clemens Kosch an, de en We
ü das Ve s ändnis mi elal e liche Sak albau en nich
hoch genug einzuschä zen is . Die Abmaue ungen des
Nonnencho es und des nö dlichen Sei enschi es sind gu
nach ollziehba , ebenso die im spä en Mi elal e o han-
denen Du chgänge. Zudem sind zumindes die S ando e
de d ei wich igs en Al ä e – Hochal a , Al a des Nonnen-
cho es, K euzal a – gesiche . Anhand de Du chgänge
und Al a s ando e ekons uie Beucke s übe zeugend
die O e d eie li u gische Handlungen: de Au bah ung
Ve s o bene , des Einzuges des Palmesel-Ch is us’ und
de Weihe des Tau wasse s. Bedeu sam wa en bei diesen
Ak ionen die beiden wes lichen Joche des Mi elschi es,
die als Laienki che dien en. Hie be and sich die Nah -
s elle, an de zu bes imm en Ri en de Kon en mi dem
Laien olk zusammen a .
Anja Selige wende sich dem bislang nu ansa zweise
e o sch en Cho ges ühl de P ee ze Klos e ki che zu.
Anhand kons uk i e De ails plädie sie ü eine einhei -
liche En s ehung de Längs eihen und de Wes eihe. De
Deko de Le z e en is im Zuge eine Res au ie ung 1897
wei gehend neu gescha en wo den. Als mi elal e liche
Teile läss Selige lediglich sechs alle dings übe a bei e e
Wimpe ge und, mi leich em Zwei el, die Kapi ellkonsolen
gel en. Die gesiche en Da en de Baugeschich e – Dach-
we k 1325 +/- 5 (d) sowie 1327 S i ung zuguns en des
Nonnencho s – b ing die Au o in übe zeugend in Ein-
klang mi den o malen Me kmalen des Ges ühls. Diskus-
sionsbeda bes eh noch bei de Zuweisung de Wappen
an den beiden ös lichen Wangen. Hie gehen die im Band
e sammel en Ansich en on De le K aack und Anja Se-
lige auseinande . Nu so iel: Das Wappen de No dos -
wange da doch als das des Fü s en ums Anhal gel en.
Die sel samen Wappen ie e an de Südos wange könn en
aus dem Schild gewonnen wo den sein, den Alb ech II.,
e s e S i e on P ee z, au seinen als G a on O lamün-
de ge üh en Siegeln nu z e. Diese zeig zwei sch ei en-
de Leopa den (O o Posse: Die Siegel des Adels de We -
ine Lande bis zum Jah e 1500, Bd. V, D esden 1917, S. 11
mi Ta . 5,10 u. 6,1+2). Bedenk man, dass man in P ee z
um 1327 das Wappen des S i e s, dem ein Jah hunde
zu o Hols ein e lus ig ging, zum Zwecke de Memo ia
wohl nu aus Siegeln e schließen konn e, dann wi d das
agwü dige E gebnis de geschni z en Umse zung e -
s ändlich.
276 | No delbingen 90
Mi dem D ei al igkei sbild de Wes eihe widme sich
Luca E e s de einzigen heu e olls ändig sich ba en spä -
mi elal e lichen Bild a el am Cho ges ühl. Übe zeugend
lei e e e s mals eine Da ie ung de Male ei um 1485/90
he , o dne sie ein und s ell sie in den Kon ex de un e
P iö in Anna on Buchwald ini iie en Auss a ungsp ojek-
e. Eine Zusch eibung an den on de P iö in beschä ig en
Lübecke Meis e Pe e is wah scheinlich. Zwei el möch e
de Rezensen lediglich an de bislang üblichen Da ie ung
de P ee ze Ablass a el in das ühe 16. Jah hunde äu-
ße n. Eine eigene S udie zu diesem übe a bei e en We k
wä e wünschenswe .
Ka ja Hilleb and s ell das um 1435 gescha ene Haup -
al a e abel de Klos e ki che, das sich heu e im Däni-
schen Na ionalmuseum in Kopenhagen be inde , o . So-
wohl die Male eien de Flügelaußensei en als auch einige
de Skulp u en ezipie en Figu en om Hambu ge Tho-
mas-Al a des ›Meis e s F ancke‹, was eine en sp echende
Da ie ung und Lokalisie ung des P ee ze Re abels nach
sich zieh . Angeme k sei, dass die im Bei ag genu z e Da-
ie ung de Goldenen Ta el aus S . Michaelis in Lünebu g
»um 1400« (S. 288) sei dem jüngs en Fo schungsp ojek
am Niede sächsischen Landesmuseum Hanno e obsole
is . Dend och onologische Da en zeigen, dass an dem Re-
abel ab 1422 gea bei e wo den sein kann (Eliza Reichel:
Die Kons uk ion de Goldenen Ta el, in: Die Goldene Ta el
aus Lünebu g, hg. on An je-Fee Kölle mann u. Ch is ine
Unsinn [Niede deu sche Bei äge zu Kuns geschich e,
N.F. Bd. 5/6], Pe e sbe g 2021, S. 198–216, hie S. 198).
Fü das ch onologische Ge üs , in dem no ddeu sche Re-
abel des 15. Jah hunde s zu disku ie en sind, is dami
ein wich ige Fixpunk gewonnen.
Dem in de Klos e ki che e bliebenen, leide s a k be-
schädig en Re abel aus dem ühen 16. Jah hunde widme
Jan F ied ich Rich e einen Bei ag. Das Bildp og amm des
zwei ach wandelba en Re abels läss sich e schließen: Im
geschlossenen Zus and ie Passionsszenen, im Zus and
de e s en Wandlung dann links und ech s außen ie
wei e e Passionsszenen, die eine Da s ellung de G e-
go smesse ein assen. Im olls ändig geö ne en Zus and
en hiel das Re abel 22 Skulp u en, on denen el e hal en
sind. In de Mi elachse angeo dne wa en Ma ia und die
hl. Anna.
Zu Rech ag Rich e , ob das Re abel on o n-
he ein ü seinen ak uellen S ando , den Al a de Laien-
ki che, gescha en wo den is . E be on die ü die En s e-
hungszei
anach onis ische Ikonog a ie de Fes agssei e,
die in zwei Regis e n s upide au ge eih e Skulp u en zeig ,
und zwa einen Mix on Heiligen, die sich zu keine inhal -
lich konsis en en G uppe zusammen ügen. Rich e schläg
o , dass hie die an de Klos e ki che besonde s e eh en
Heiligen zusammenges ell wo den seien. Mangels Pla zes
ü die sons übliche Reihe on Nebenal ä en habe man
Laien dami ein quasi komp imie es Ve eh ungsangebo
gemach . Mi gu en G ünden weis Rich e das Re abel
de We ks a des Schni ze s Lü je Mölle in Schleswig zu.
Mi dem Ve kündigungs e abel un e such Julia T in-
ke den zwei en Al a au sa z P ee ze P o enienz, de
sich heu e in Kopenhagen be inde . S ingen einem ob-
jek wissenscha lichen Ansa z olgend ag die Au o in
nach Ma e ialien, We kp ozess, Ikonog a ie und anhand
o male K i e ien nach einem möglichen We ks a zu-
sammenhang. Das Re abel gehö in den Kon ex eine in
No ddeu schland ab 1510 zu e zeichnenden Rezep ion
on A bei en de Riemenschneide -We ks a . Kons uk-
i e und s ilis ische Me kmale machen eine Fe igung in
Lübeck zwischen 1510 und 1525 wah scheinlich. E s mals
di e enzie die Au o in die im Mi elsch ein pla zie e
Wappenallianz de Familien Ran zau und Re en low/ode
Wals o /ode Muggele, wo aus sich e schiedene denk-
ba e S i ungszusammenhänge e geben.
Vi ien Biene behandel schließlich das im Klos-
e e bliebene Sippen e abel, ü das anhand o male
Me kmale eine Fe igung um 1520 in Lübeck wah schein-
lich gemach we den kann. Die wohl im 17. Jah hunde
ollzogene Au s ellung des Re abels o de Wes eihe
des Cho ges ühls kann, wie die Au o in zu Rech e me k ,
nich die u sp üngliche gewesen sein. Sie zieh ielmeh
eine Pla zie ung au dem Al a o de Os wand des nö dli-
chen Sei enschi es ode – ü den Rezensen en ehe übe -
zeugend – im Siechenhaus des Klos e s in Be ach .
Eben alls Vi ien Biene is ein Leh p ojek mi Kiele
S udie enden zu e danken, aus dem he aus ku ze Bei ä-
ge zu ach spä mi elal e lichen Skulp u en des Klos e s
en s anden sind. Neben p ominen en, in de Fo schung
beach e en We ken wie dem To so des Palmesel-Ch is us
ge a en auch A bei en in den Blick, die noch kaum eine
sys ema ische kuns his o ische Bea bei ung e ah en
haben. Kün ige S udien können an das hie E a bei e e
anknüp en. So könn e e wa dem Bezug zu Klos e e o m
des 15. Jah hunde s, den es ü die lebensg oßen Skulp-
u en des K euz agenden Ch is us und des Schme zens-
manns zu geben schein , nachgegangen we den.
Das Wissen um zwei he aus agende Skulp u en in
P ee z e ie en die anschließenden Bei äge. Ma hias
Wenige be e den To so eine Pie à aus Kalks ein in
seine S udien zum Expo P age Bildwe ke im 15. Jah -
hunde ein. Dabei geh sein Bei ag wei übe eine S udie
zum P ee ze Vespe bild hinaus, e e ie e doch in einem
Ka alog nich wenige als den Fo schungss and zu eu o-
pawei en Zi kula ion P age S einskulp u en.
Johannes T ipps nimm den wohl aus dem spä en
13. Jah hunde s ammenden P ee ze Palmesel-Ch is-
us zum Anlass, die ühes en, sei dem 10. Jah hunde
g ei ba en Quellen zum Geb auch des Palmesels zusam-
menzus ellen. Zu Rech ag de Au o , wie man sich denn
das Ri ual des Einzuges Ch is i un e Be eiligung eines
Kon en es on Benedik ine innen o zus ellen habe.
Mangels edie e Quellen ma kie de Bei ag hie ein
Deside a de Fo schung.
Den Abschluss des Bandes bilde ein Au sa z on Ve a
Henkelmann, de den bislang nu in Ansä zen e o sch en
mi elal e lichen Tex ilien aus Klos e P ee z gewidme
is . Auch wenn die el e hal enen Einzels ücke mi Siche -
hei nu ein ge inge Res des eins mals Vo handenen
Rezensionen | 277
sind, dü e das Kon olu doch zum Um ang eichs en ge-
hö en, was in diese A in Hols ein e hal en geblieben
is . Fü das sogenann e ›Hunge uch‹ leg die Au o in da ,
dass die ges ick en Wappen und Ini ialen mi nich en eine
Fe igung de S icke ei im Klos e selbs belegen. Das
S ück kann ebenso wie das ges ick e Tuch mi Minnesze-
nen als Schenkung ins Klos e gelang sein. Übe zeugend
sind die Vo schläge, das Tuch mi Adle n als Lesepul -
decke, das Tuch mi Ve kündigung und Ma ien od abe
als Ka a alkdecke zu iden i izie en. Skepsis möch e de
Rezensen anmelden hinsich lich eine Da ie ung de an
de P ee ze ›Tasche‹ e a bei e en Sam e »um 1310« bzw.
»um 1400« (S. 390). De ails wie dieses zeigen, dass ü die
Tex ilien ein ähnliches Deside a bes eh wie ü das ›Buch
im Cho e‹: Zu e a bei en wä en de aillie e Objek doku-
men a ionen, die als Basis wei e gehende Übe legungen
dienen können.
Die Bei äge des Bandes zeigen, zu welchem E kenn -
nisgewinn eine genaue, me hodisch undie e Analyse
einzelne Quellen und Kuns we ke üh en kann. Fäche -
übe g ei end e geben sich imme wiede Que e weise,
e wa wenn dem Baugeschehen au dem Klos e a eal so-
wohl bau- als auch wi scha shis o isch nachgegangen
wi d ode wenn sich Spu en mi el heinische Vo lagen
sowohl in de gesungenen Li u gie als auch in de Aus-
s a ung des P ee ze E angelia s inden. Zu agen wä e,
wie eine solche Beobach ung o dem Hin e g und de
komplexen G ündungsgeschich e des Klos e s denn ein-
zuo dnen is . Zu bes imm en Objek en soll e das in e -
disziplinä e Nachdenken o ge üh we den. So geh die
Ikonog a ie des kapi alen ges ick en Tuches mi ie Bild-
egis e n und Allianzwappen de Familien Sehes ed und
Ra low siche da übe hinaus, schlich ein »Zeugnis de in-
ensi en Ma ien e eh ung des ausgehenden Mi elal e s«
(S. 65) zu sein. Nach diese e s en, übe aus gelungenen
Tie ensondie ung sind Geschich e und Kuns des Klos e s
P ee z bei Wei em nich ›ausge o sch ‹.
Jö g Rich e
Klos e kamme Hanno e
De Schwe ine Dom und König Ludwig IX.
on F ank eich
Zum T ans e de Hochgo ik in den Os see aum
on Rudol Con ades
Michael Imho Ve lag: Pe e sbe g 2023
368 Sei en, 230 Fa b- und 31 SW-Abbildungen
ISBN 978-3-7319-1123-4, EUR 49,95
De Dom zu Schwe in
Baugeschich e – Cho disposi ion – Denkmalp lege
on Anna Ho mann
a s + science weima GmbH: Ilm al-Weins aße 2023
428 Sei en, 229 Fa b- und 42 SW-Abbildungen
ISBN 978-3-89739-952-5, EUR 52,00
Wenn übe ein bedeu endes Bauwe k wie den Schwe ine
Dom zei gleich und unabhängig oneinande gleich zwei
Monog a ien e scheinen, so is die E wa ungshal ung

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