Ch is ian-Alb ech s-Uni e si ä zu Kiel
THEORIE UND PRAXIS
PHILOSOPHISCHER
METHODEN
EINE BILDUNGSINITIATIVE
Theo ie und P axis
Philosophische
Me hoden
Eine Bildungsini ia i e
Un e s ändige Mi wi kung on Sophie Ramlau,
Fynn-Me lin Rehding, Samuel Thomsen und
Johannes C. Wo eschk
he ausgegeben on
S e an J. Jelonnek und Conno Oh
Bibliog aphische In o ma ion de Deu schen Na ionalbiblio hek
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h ps://doi.o g/10.38071/2024-00976-2
.
2024
Selbs e lag
Ti elbild: Spi al Facade, Masakazu Ma sumo o (2016), e ö en lich un e de
Lizenz CC BY 2.0
ia
lick
.
5
Vo wo
Als wi uns im Win e semes e 2022/23 en schlossen, eine
S uden ische Bildungsini ia i e au die Beine zu s ellen, in
de wi uns mi »Me hoden de Philosophie« auseinande -
se zen, ahn en wi nich , wo au wi uns einließen.
Impulsgebend wa S e an Jelonneks Eind uck, dass de
Aspek des »Me hodischen« im S udien e lau splan de
Philosophie in Kiel eine bisweilen un e geo dne e Rolle
spiel . F eilich ha man die Möglichkei , e wa die Philoso-
phie Pla ons, Husse ls ode Gadame s kennenzule nen. Wi
e miss en abe einen explizi en Einblick nich in Philoso-
phien (Sys eme), sonde n in de en A en zu philosophie en
(Handlungen). Nun gehö es ande e sei s auch zum S u-
dium, sich selbs in die Ve an wo ung seine Bildung zu
nehmen. Das Zen um ü Schlüsselquali ika ionen (Z S)
bie e genau da ü ein auße cu icula es Modul »S uden i-
sche Bildungsini ia i en«, das ü diesen Zweck gescha en
wu de und soga mi Leis ungspunk en akk edi ie wi d.
Das o liegende Bookle zeig das E gebnis unse e Bemü-
hungen, diese Möglichkei in unse em Sinne nu zen.
Bedanken möch en wi uns bei Janna Rohwedde und
Heike Behnke, de en k i ische Anme kungen o gewinn-
b ingend ü unse e A bei wa en. De Dank gil e ne
He n P o . D . Di k Wes e kamp ü seine Un e s ü zung
als Men o ü die e s e Phase unse e A bei .
Wi ho en, dass junge ode al e, jeden alls Philosophie-
s uden innen und -s uden en, du ch dieses Bookle einen
6 Vo wo
Einblick und In e esse an dem bekommen, was da übe -
haup geschieh , wenn man e wa »phänomenologisch«,
»dialek isch« ode »kons uk i is isch« philosophie .
S e an J. Jelonnek, Conno Oh , Sophie Ramlau, Fynn-Me lin
Rehding, Samuel Thomsen und Johannes C. Wo eschk
Kiel, im Sep embe 2024
7
Inhal
Vo wo ............................................................................... 5
Einlei ung ............................................................................ 9
Conno Oh
De sok a ische Dialog ....................................................... 13
Conno Oh
Dialek ische Me hode ........................................................ 25
Samuel Thomsen
Die he meneu ische T adi ion ...........................................57
Fynn-Me lin Rehding & Johannes C. Wo eschk
Die Phänomenologische Me hode ...................................... 77
Sophie Ramlau
Die logische Analyse als Me hode de Analy ischen
Philosophie ........................................................................ 99
S e an J. Jelonnek
Dialogische Sp achau bau .............................................. 115
S e an J. Jelonnek
Dekons uk i es F agen als Me hode .............................. 133
Conno Oh
Gedankenexpe imen e ..................................................... 155
Das P ojek eam ............................................................... 171
9
h ps://doi.o g/10.38071/2024-00977-7
h ps://c ea i ecommons.o g/licenses/by-sa/4.0
Einlei ung
Es gib nich eine Me hode de Philosophie, wohl abe gib
es Me hoden, gleichsam e schiedene The apien.
- Ludwig Wi gens ein -
In Zei en on K ieg, Klimawandel, ökonomische Unsiche -
hei ode indi iduelle Iden i ä sk isen gewinn philoso-
phie en ü das Denken und Handeln an Bedeu ung –
scheinba .
Im All ag begegne uns die Rede on philosophie en bis-
weilen loskelha , es wi d da übe »philosophie «, womi
man den Abend e b ing ode welches Ou i geeigne e sei
als ein ande es; man »philosophie « be ei s dann, wenn
man seine Ge ühle kund u . Gleichwohl wi im All ag das
Wo philosophie en o enkundig häu ig e wenden, be-
zeichnen wi dami gleiche maßen häu ig nu T i iali ä en.
Hingegen un wi schon imme e was ü das Philosophie-
en iel Cha ak e is ische es, selbs dann, wenn uns das
Wo Philosophie noch ga nich bekann is : Wi agen
nach G ünden.
Es geh in diesem F agen nich meh um die Rech e i-
gung, wieso man schon wiede zu spä zu eine Ve ab edung
e schein usw., sonde n um F agen nach de Gel ung on
Behaup ungen. Gel ungs agen abe bedü en zu ih e Si-
che ung eines bes imm en Ve ah ens – eine Me hode –
wenn sie nich de subjek i en Beliebigkei übe lassen sein
sollen. Me hoden, e s anden als planmäßige Ve ah en be-
züglich de F age, welche Mi el ü die E eichung eines
16 Conno Oh
haben, abe nich diese selbs sind (die Scha en de Tap e -
kei ). Im Laches so g sich Lysimachos übe die E ziehung
seine Söhne, wo au hin die Anwesenden übe die Tap e -
kei philosophie en und anhand de ihnen bekann en Bei-
spiele, da un e z.B. die Fech kuns , e suchen, eine ge-
meinsame De ini ion zu inden (Pla on, Laches, ab 178a).
Die Fech kuns selbs is nun alle dings nich die Tap e kei ,
sonde n kann nu An eil an diese haben. So geh de SD
einen Abs ak ionsweg hin zu Idee de Tap e kei , die nu
mi de Ve nun , nich abe mi den Sinnen e assba is .
In de Mode ne e lie sich de Glaube an eine me a-
physische Ideenwel (Ho s e , 1994, 44 .). (De Ansa z je-
doch, die Wah hei ssuche mi den Mi eln de Ve nun und
nich de Empi ie o zunehmen, bleib als C edo de Philo-
sophie o handen! Siehe dazu auch: Gedankenexpe i-
men e). G und da ü is , dass das, was wi als Ve nun be-
zeichnen, die Ins umen e zu Auslegung de Wel , nich
wie die eine Sonne au das Indi iduum hinabsinken, son-
de n kul u ell gescha en und dami on de jeweiligen Kul-
u abhängig sind. „Die E kenn nisweise, au de en Basis
wi wah e Aussagen übe die umgebende Wel machen, e -
schein uns ‚na ü lich‘. Sie e dank sich abe de besch ie-
benen En wicklung. In ande en kul u ellen Zusammenhän-
gen we den ande e E kenn nisweisen p oduzie “ (Ho s e ,
1994, 46). Was man un e Tap e kei , Liebe dem gu en Leben
usw. e s ehen mag, a iie on Kul u zu Kul u und übe
die Zei en hinweg. Ein be ühm e Ve e e diese mode -
nen, e kenn nis- und me aphysikk i ischen Posi ion is
F ied ich Nie zsche:
Die e schiedenen Sp achen neben einande ges ell
zeigen, dass es bei den Wo en nie au die Wah hei ,
nie au einen adäqua en Ausd uck ankomm : denn
sons gäbe es nich so iele Sp achen. Das ‚Ding an
sich‘ (das wü de eben die ein olgenlose Wah hei
sein) is auch dem Sp achbildne ganz un asslich und
ganz und ga nich e s ebenswe . E bezeichne
De Sok a ische Dialog 17
nu die Rela ionen de Dinge zu den Menschen und
nimm zu de en Ausd ucke die kühns en Me aphe n
zu Hül e.(Nie zsche, 2015, 13)
Die e mein liche Wah hei de e kennenden Ve nun
kann dahe nich objek i sein; sie kann keine ewige Idee
en decken. Somi gehö das Wesen de Dinge nich meh
eine ande en Wel an. Un e de sp achphilosophischen
Pe spek i e, die auch be ei s Nie zsche einnimm , geh es
dahe beim ak uellen SD nich meh um pla onische Ideen,
sonde n um Beg i e, Sp achhülsen, die das Wesen eine Sa-
che um assen sollen (Nie zsche, 2015, 45 .). Es wi d eine
Beg i sde ini ion gesuch , au die sich alle Teilnehmenden
am Gesp äch einigen können und die als Wah hei nu ü
die Teilnehmenden und das konk e e Gesp äch, abe nie-
mals endgül ig bzw. ewig gil (Nie zsche, 2015, 49 .).
Sok a es: Muss also nich dieses wenigs ens sich bei
uns inden, dass wi wissen, was die Tugend is ?
Denn wenn wi e was ganz und ga nich wüss en
on de Tugend, was sie eigen lich is , wie könn en
wi wohl jemandem Ra da übe e eilen, au welche
Weise e sie am bes en e we ben möge? (Pla on, La-
ches, 190b-c)
Wü de man dies au den an iken Dialog Laches übe a-
gen, so wü den Lysimachos und die ande en nich wei e
nach de Idee de Tugend (bzw. Tap e kei ) suchen, sonde n
nach eine Beg i sde ini ion, die ü diesen Momen ü
alle Gül igkei besi z und anhand de e man beu eilen
kann, ob konk e e e ziehe ische Maßnahmen den Söhnen
des Lysimachos‘ a sächlich Tap e kei beib ingen (bspw.
ob die Fech kuns dies a sächlich u ). Die Wah hei des
SDs besi z mi hin einen „Cha ak e de Vo läu igkei “
(Ho s e , 1994, 48).
Nun kann das Ziel des SDs au den Beg i geb ach we -
den: Im Sok a ischen Gesp äch wi d sich in dialogische
18 Conno Oh
Fo m de Wah hei bezüglich eine konk e en F ages ellung
angenähe , indem de wesen liche Beg i de F ages el-
lung aus dem konk e en Beispiel abs ahie und de inie
wi d. Wie genau die De ini ion unk ionie , soll bei de
Da s ellung des konk e en Ablau s des SD e läu e we den.
Vo e s müssen alle dings noch d ei zen ale Beg i e ge-
klä we den, die dem SD Kon u e leihen: Zu Beginn des
SD e olg , im mode nen wie im An iken SD, eine F ages el-
lung anhand eines konk e en Beispiels, sowie auch beim La-
ches ge ag wi d, wie die Leh e zum Mu bzw. zu Tap e -
kei de Söhne möglich sei. Pla on läss Sok a es da au hin
geziel F agen s ellen, die die Wide sp üche de au ges ell-
en Thesen au decken, um die an angs ungep ü en Behaup-
ungen und Meinungen zu e wi en und sch i weise zu ei-
ne gesiche en Wah hei zu kommen. Das Ve ah en, übe
Thesen und Nega ionen zu Wah hei zu gelangen, wi d
auch als dialek ische Me hode bezeichne (Ho s e , 1994,
20).
2
Sok a es sei hie bei gleichsam eine Hebamme des Wis-
sens, inso e n e agend nich seine eigenen Übe zeugun-
gen wei e gib , sonde n den Menschen dabei hil , ih eige-
nes Wissen zu ‚gebä en‘. Dieses Konzep wi d Maieu ik ge-
nann (Raupach-S ey, 1997, 147). Besonde s wich ig is es
hie bei, die eigene Meinung zu ückzuhal en und die Ge-
sp ächs eilnehmenden selbs philosophie en zulassen. In-
so e n spiel die Maieu ik auch in de heu igen Philoso-
phiedidak ik eine g oße Rolle: Die Schüle innen und Schü-
le sollen das Philosophie en le nen und nich e wa eine
es s ehende Philosophie; de /die Leh ende is bloß die
„Hebamme“ (Bi nbache , 2015, 171), die die Le nenden un-
e s ü z , die ü sie gül ige ‚Wah hei ‘ ans Lich zu b ingen.
Da übe hinaus is im an iken Sok a ischen Dialog die
Sok a ische I onie ele an . Das be ühm e Zi a Ich weiß,
2
Fü eine genaue e Analyse gl. im Au sa z Die dialek ische Me hode dieses
Bandes.
De Sok a ische Dialog 19
dass ich nich s weiß spiegel diese Fo m de I onie wiede .
S e s agend mim Sok a es i onisch den Unwissenden, ob-
wohl e eigen lich weiß. Auch die A des Nich -Wissens des
Zi a s is be ei s ein Wissen (Rohbeck, 2013, 226 .). Ob und
inwiewei die I onie im mode nen SD eine Rolle spiel ,
bliebe zu e lek ie en. Da in de Mode ne die Suche nach
Wissen ode Wah hei a p io i e geblich is , kann die I o-
nie hie bei höchs ens eine gemim e Meinungslosigkei ,
nich abe Unwissenhei meinen.
Nachdem diese Haup me kmale – die Dialek ik, die Mai-
eu ik und die I onie – he ausges ell wu den, kann nun de
ode ielmeh ein mögliche Ablau da ges ell we den. In
de Gegenwa inden sich nämlich meh e e Va ian en bzw.
Modi ika ionen des SDs wiede , on denen die sogenann e
„Nelson-Heckmann-Va ian e“ (Kessels, 1997, 18) ku z skiz-
zie we den soll (die neue en Me hoden we den häu ig un-
e dem Beg i de Neosok a ischen Me hode subsumie )
(Kessels, 1997, 18).
Au bau: Die sechs Sch i e des SDs
1. Finden eines konk e en Beispiels
2. Nennung de Eigenscha en des zen alen Beg i s
3. Zusammen assung de Eigenscha en zu g öße en
Komplexen
4. Finden wei e e Beispiele zu Thema ik und Übe -
p ü ung de genann en Eigenscha en
5. T ennung on no wendigen und hin eichenden Ei-
genscha en
6. De ini ion anhand de wesen lichen K i e ien
Wie be ei s bei Pla on bleib es die Au gabe eines/eine
F ages ellenden, anhand eines konk e en Beispiels eine
G uppe on An wo gebenden zu Einsich zu b ingen, in-
dem die beg i lichen Vo ausse zungen he ausgea bei e
we den (Kessels, 1997, 18). Als e s e Sch i muss da ü
20 Conno Oh
ein konk e es Beispiel und eine en sp echende F ages el-
lung ge unden we den. Im Laches geh es beispielsweise um
die E ziehung de Söhne, in einem schulischen ode uni e -
si ä en Kon ex könn e es z.B. um den Beg i de F eihei
im Rahmen de co onapandemie-beding en Einsch änkun-
gen ode auch um Sp ichwö e wie „We die Wahl ha , ha
die Qual“ (ein ach zu F ages ellung um o mulie : „Ha ,
we die Wahl ha , auch imme die Qual?“ (Ho s e , 1994,
66)) gehen, g undsä zlich sind abe alle Themen möglich,
so e n sich ein passendes Beispiel inde . Im schulischen o-
de uni e si ä en Be eich könn e da ü de /die Gesp ächs-
lei e *in die Le nenden bi en, Beispiele zu genann en
Thema ik aus ih em All ag zu nennen. Die hie mi ge es ig e
Ve anke ung philosophische F ages ellungen in die kon-
k e e Lebenswel wi k mo i ie end und eg zum eigenen
Nachdenken und Re lek ie en an (Bi nbache , 2015, 177).
Im zwei en Sch i wi d de Abs ak ionsp ozess einge-
lei e , indem die Eigenscha en des zen alen Beg i es im
Rahmen des Beispiels gesammel we den. Bei dem zu o ge-
nann en Beispiel bzgl. de Pandemie könn e man mi hin
übe legen, wie sich F eihei und insbesonde e ih e Ein-
sch änkung in diese Zei kenn lich gemach haben und
welche Eigenscha en da aus ablei ba sind (Ho s e , 1994,
58). Hie bei wie auch bei allen olgenden Sch i en bilden
die G undzüge de Maieu ik die wich igs e Regel ü
den/die Gesp ächslei e *in. Die Le nenden sollen beglei e
we den, ohne dass sie inhal lich angelei e we den. Es ge-
hö dann zu den Au gaben des/de Lei enden, das Gesp äch
zu ö de n, indem die A mosphä e ü ein o enes und eies
Gesp äch gescha und da au hingewi k wi d, dass sich
möglichs alle be eiligen und auch be eiligen können. Au-
ße dem soll e da ü geso g we den, dass alle Äuße ungen
on allen e s anden we den und dass jede* die Möglich-
kei e häl , wei e e E klä ungen zu e langen (Bi nbache ,
2015, 175).
De Sok a ische Dialog 21
Ein zwei e Aspek , de in allen Sch i en Anwendung
inde , is das Me agesp äch, das den Gesp ächs e lau
selbs hema isie . Es soll die Gelegenhei bie en, „sich
übe die o malen und p ozedu alen Aspek e de G uppen-
a bei auszu auschen und, wenn nö ig, am Ve hal en des
Gesp ächslei e s und einzelne Teilnehme K i ik zu üben“
(Ho s e , 1994, 59).
Im d i en Sch i beginn dann die eigen liche A gu-
men a ion: Die gesammel en Eigenscha en we den zu g ö-
ße en Komplexen zusammenge ass und disku ie (Ho s-
e , 1994, 59). Hie bei können auch be ei s Eigenscha en
ges ichen we den, so e n ein Konsens bes eh , dass diese
nich zu e end sind.
In einem ie en Sch i we den wei e e Beispiele zu
Thema ik gesammel , mi els de e übe p ü we den soll,
ob noch Eigenscha en in de zu o au ges ell en Sammlung
ehlen (Ho s e , 1994, 60). So b ing Sok a es de These des
Laches, Tap e kei sei, s andhal end gegen Feinde zu kämp-
en, das Beispiel de Sky hen en gegen, die eben alls als ap-
e gel en wü den und „nich minde liehend als e olgend
den Feind bek iegen“ (Pla on, Laches, 191a). Dami können
die o ige De ini ion angezwei el und zugleich neue Eigen-
scha en ge o de we den. Ebenso schein un e den Be-
g i F eihei nich allein die unbesch änk e Möglichkei ,
abends die Lieblingsba au zusuchen, zu allen. Be ei s die
Un e scheidung zwischen nega i e und posi i e F eihei
zeig , dass F eihei meh sein muss (ode zumindes kann)
als die bloße Absenz on Besch änkungen. Wei e e Beispiele
können dabei hel en, diese Be eiche zu iden i izie en.
3
Im ün en Sch i we den no wendige und hin ei-
chende Eigenscha en oneinande ge enn . „No wendige
Eigenscha en bei de Wesensbes immung sind solche, die,
wü de man sie on de Sache wegnehmen, dazu üh en,
3
So gib es kein Gese z, dass einem e bie e , seine Somme e ien au Bo a
Bo a zu e b ingen – möglich is es wohl o zdem ielen nich .
22 Conno Oh
dass es sich nich meh um diese Sache handel , sonde n um
ande e“ (Ho s e , 1994, 60). Fü den schulischen Un e ich
schein es alle dings sinn oll zu sein, s a dessen zwischen
no wendigen und nich -no wendigen Eigenscha en zu un-
e scheiden. So we den zu ällige Eigenscha en, die nich
zum Wesen de Sache gehö en, he ausgenommen. Die Au -
gabe des/de Gesp ächslei e *in bes ünde dabei lediglich
da in, den Beg i de No wendigkei zu e läu e n und zu
e klä en, inwiewei e ü die De ini ion des en sp echen-
den Beg i es wich ig is .
Im sechs en Sch i we den schließlich die wesen li-
chen K i e ien he ausgea bei e (Ho s e , 1994, 61). Hie in
lieg de wohl bedeu ends e Un e schied zum u sp üngli-
chen Sok a ischen Dialog Pla ons. Wäh end Pla ons Dialoge
meis in eine Apo ie enden, im Schei e n des Ve suchs de
Beg i sklä ung (Ho n e al., 2017, 260 .), is in diese Va-
ian e des SDs ein Ziel anzus eben. So schei e auch im
Laches die Suche nach de Idee de Tap e kei : „Sok a es:
Wie haben also nich ge unden, o Niklas, was die Tap e kei
is ? Niklas: Wi scheinen nich “ Pla on, Laches, 199e). Das
Ziel soll e eine kla e Beg i sde ini ion sein, mi de man
den un e such en Gegens and on ande en un e scheiden
kann, was also am Beispiel de Tap e kei diese on de
Feighei ode om (ausschließlich) klugen Vo gehen un e -
scheiden könne.
Mi de e olg eichen Beg i sklä ung im mode nen, neo-
sok a ischen Dialog soll e dann die Ausgangs age bean -
wo e we den können: Ha , we die Wahl ha , wi klich im-
me die Qual? Wa man wäh end de Co onapandemie a -
sächlich un ei und inwiewei ? Die Rückwendung des Bli-
ckes au die Ausgangs age zeig den Le nenden zugleich
den Weg des Dialoges und seinen Sinn, so e n die Ausgangs-
age bean wo e we den kann. Falls das inhal liche E geb-
nis dennoch nich e eich we den soll e, kann zumindes
das me hodische Ziel des SDs hema isie we den (Ho s e ,
1994, 64); ein Nu zen lieg nämlich be ei s in de Me hode,
De Sok a ische Dialog 23
inso e n gemeinsames, k i isches Nachdenken und p äzises
Fo mulie en geleh wi d (Boehle, 1997, 64 .).
Li e a u e zeichnis
Bi nbache , D. (2015). Neosok a ische Me hode und Sok a-
isches Gesp äch. In J. Nida-Rümelin , I. Spiegel & M. Tie-
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178). Schöningh.
Boele, D. (1997). De »Nu zen« des Sok a ischen Gesp ächs
Ode : Welche E gebnisse können wi e sp echen? In D.
K ohn, B. Neiße & N. Wal e (H sg.), Neue e Aspek e des
Sok a ischen Gesp äch: »Sok a isches Philosophie en«,
Sch i en eihe de Philosophisch-Poli ischen Akademie
(Bd. 4). Dipa-Ve lag.
Ho n, Ch., Mülle , J., Söde , J. (H sg.) (2017). Pla on-Hand-
buch: Leben – We k – Wi kung (2. Au l.). Me zle .
Ho s e . D (1994). Das Sok a ische Gesp äch in Theo ie und
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Neiße & N. Wal e (H sg.), Neue e Aspek e des Sok a i-
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en eihe de Philosophisch-Poli ischen Akademie (Bd. 4,
11-46). Dipa-Ve lag.
Mos e , D. (1997). Wann is ein Sok a isches Gesp äch an-
gemessen? In D. K ohn, B. Neiße & N. Wal e , (H sg.),
Neue e Aspek e des Sok a ischen Gesp äch: »Sok a isches
Philosophie en«, Sch i en eihe de Philosophisch-Poli i-
schen Akademie (Bd. 4, 53-62). Dipa-Ve lag.
Nie zsche, F. (2015). Übe Wah hei und Lüge im auße mo-
alischen Sinne. Reclam.
24 Conno Oh
Pla on (2016). Laches (F. Schleie mache , Übe s.). In G. Eig-
le (H sg.), Pla on: We ke in ach Bänden, Ion, Hippias
II, P o ago as, Laches, Cha mides, Eu h ypon, Lysis,
Hippias I, Alkibidiasis I (7. Au l., Bd. 1, 1-218). Wbg.
Raupach-S ey, G. (1997). G und egeln des Sok a ischen
Gesp ächs. In D. K ohn, B. Neiße & N. Wal e (H sg.),
Neue e Aspek e des Sok a ischen Gesp äch: »Sok a isches
Philosophie en«, Sch i en eihe de Philosophisch-Poli i-
schen Akademie (Bd. 4, 145-162). Dipa-Ve lag.
Rohbeck, J. (2013). Didak ik de Philosophie und E hik (3.
Au l.). W.e.b. Uni e si ä s e lag.
25
h ps://doi.o g/10.38071/2024-00979-3
h ps://c ea i ecommons.o g/licenses/by-sa/4.0
Dialek ische Me hode
Conno Oh
Abs ac
Die dialek ische Me hode (DM) wi d in de An ike noch
als eine Gesp ächsme hode e s anden, bei de die Ge-
sp ächs eilnehme du ch Äuße ungen gegensä zliche
Meinungen zu eine höhe en Fo m de E kenn nis gelan-
gen. Sei de Au klä ung jedoch is die DM ein Ve ah en
zu Au deckung on Gegensä zen inne halb eines Gegen-
s andes ode Sach e hal es; diese Au deckung münde
bei de DM de K i ischen Theo ie in de K i ik an dem
Un e suchungsgegens and, inso e n e sich in seine eige-
nen Wide sp üche e s ick .
Einlei ung
Wo um geh es bei de DM und was bedeu e Dialek ik übe -
haup ? De Beg i de Dialek ik lei e sich u sp ünglich aus
dem G iechischen on /dialegein/ ab, was so iel wie un e -
eden ode übe legen bedeu e (Mülle , 1974, 11). In einem
Gesp äch, einem Dialog, e en e schiedene S andpunk e
und Au assungen au einande , sodass eine „Einhei on Ge-
gensä zen“ (Pla on, Phaidon, 60b-60c) en s eh . Im Gegen-
sa z zu de dialogischen Me hode sowie dem Sok a ischen
Dialog hema isie die dialek ische jedoch nich die Fo m
de Gesp ächs üh ung, sonde n die je gegensä zlichen In-
32 Conno Oh
Abe wo in un e scheide sich diese De ini ion on de
He akli s? Ta sächlich wi d He akli s Leh e in Pla ons Dia-
log K a ylos on Sok a es, dem Philosophen und Schüle
He akli s K a ylos sowie dessen F eund He mogenes disku-
ie . Sok a es bezwei el diese These He akli s, dass alles
in Bewegung und im Fluss sei, und zieh da ü in Manie
des Sok a ischen Dialogs die Schönhei als ein Beispiel
he an, um zu zeigen, dass es sich mi den Dingen so nich
e hal en kann:
Sok a es: Lass uns nun also dieses selbs be-
ach en, nich ob ein An li z schön is ode e -
was de gleichen, und ob dies alles im Fluss zu
sein schein . Sonde n mi Blick au das Schöne
selbs , sollen wi nich sagen, dass es s e s so
bescha en is , wie es is ?
K a ylos: Unausweichlich.
Sok a es: Is es nun möglich, es in ich ige
Weise anzusp echen, wenn es s e s en weich ,
zue s , dass es jenes is , sodann, dass es on de
und de Bescha enhei is , ode muss es nich
unausweichlich im selben Augenblick, wo wi
sp echen, so o zu e was ande em we den,
sich en ziehen und nich meh dieselbe Be-
scha enhei haben?
K a ylos: Unausweichlich.
Sok a es: Wie könn e nun das, was niemals in
demselben Zus and is , e was sein? Is es näm-
lich je in demselben Zus and, dann inde in
diese Zei o enba keine lei Wechsel an ihm
s a . Is es abe s e s in demselben Zus and
und s e s dasselbe, wie soll e dieses je umschla-
gen und sich bewegen, da es doch in keine
Weise aus seine Fo m he aus i ? (Pla on,
K a ylos, 439c-e)
Dialek ische Me hode 33
Zwei Aspek e dieses Dialogausschni es sind on beson-
de e Rele anz. E s ens die pla onische, me aphysische
Ideenleh e, die sich in diesem Fall mi de Idee de Schön-
hei , d.h. de Schönhei an sich, und nich mi den Dingen
be assen will, die An eil an ih haben. Zwei ens und dami
einhe gehend die im G unde sp achphilosophische K i ik an
He akli s Leh e: Wenn die Schönhei an sich im Fluss wä e,
dann könne man sie nie e kennen und wä e mi hin auch
nich in de Lage, e was als schön zu bezeichnen (es „anzu-
sp echen“).
Dies bedeu e jedoch nich , dass die konk e en Gegen-
s ände und Sach e hal e in de Wel un e ände lich seien.
Die Ideen haben nach Pla on ein un e ände liches Sein,
wäh end die Dinge de Wel , die an den Ideen imme nu
An eil haben können,
5
einem s e en Wandel un e wo en
sind: „Sonde n du ch Bewegung und Ve ände ung und Ve -
mischung alles un e einande nu wi d, wo on wi sagen,
dass es is , nich ich ig bezeichnend; denn niemals is ei-
gen lich i gend e was, sonde n imme nu wi d es“ (Pla on,
Theai e os, 152d). So kann auch Sok a es Bein zum Beginn
des Phaidon e s schme zen und sich da au hin umso ange-
nehme an ühlen, wäh end die Ideen des Schme zes und
des Angenehmen s e s un e ände lich bleiben, sich de inie-
end du ch das, was sie nich sind. Dialek ik, ü Pla on die
höchs e Fo m wissenscha liche E kenn nis, soll alle dings
de E kenn nis de Ideen mi den Mi eln de Ve nun die-
nen, nich de E kenn nis de sich ba en Gegens ände de
Wel (Ri se , 2017, 25). Inso e n schein Pla on in Bezug
5
So kann ein Gesich z.B. als schön emp unden we den, es is abe nie die
Schönhei selbs , sonde n ha , so Pla on, imme nu An eil an de Idee de
Schönhei .
34 Conno Oh
au die Ideenwel Zenos Thesen de Un e ände lichkei zu
olgen (alle dings sp ich Zeno nich on eine me aphysi-
schen Ideenwel , sonde n on dem sinnlich Wah nehmba-
en), in Bezug au das sinnlich Wah nehmba e abe , das im-
me nu An eil ha an de en sp echenden Idee, den Thesen
des s e en Fließens bzw. We dens on He akli . Bis heu e
s ell sich die F age, was diese Ideen, die Exis enzu sache
alles Seienden seien, eigen lich selbs sind, ob sie eine kon-
k e e Reali ä haben und wie man sie objek i e kennen
soll, wo sie doch du ch die Sinne selbs nich wah nehmba
sind. In de Philosophie de Gegenwa we den sie dahe
ehe sp achphilosophisch gedeu e ; die Ideen sind dann Be-
g i e, die eine Menge an konk e en Gegens änden ode
Sach e hal en subsumie en, und die s e s nu beding au
die konk e en Gegens ände zu e en, die sie bezeichnen.
6
Welche E kenn nisse bie e nun die an ike Philosophie
ü die DM? Die Dialek ik als Me hode wi d in de An ike
noch wei es gehend als Gesp ächs echnik e s anden. Den-
noch beschä igen sich namen lich die Philosophen Zeno,
He akli und Pla on mi dem Sein de Dinge und de Mög-
lichkei ih e Ve ände ung, ohne dabei explizi dialek isch
zu denken. Wäh end ü Zeno die Ve ände ung unmöglich
is , is ü He akli s e s alles im Wandel, und Pla on e -
binde diese beiden Sich weisen in de T ennung on Sin-
neswel und Ideenwel , wenn e sich mi de F age beschä -
ig , ob nich alles aus nich s ande em als seinem Gegen eil
he aus en s ehen könne.
6
Es e keh sich also die Blick ich ung: Wäh end bei Pla on aus den Ideen
die konk e en Gegens ände und Sach e hal e we den, we den in de
Sp achphilosophie die Beg i e aus diesen abgelei e .
Dialek ische Me hode 35
5. Hegel
E s bei den deu schen Idealis en, namen lich bei dem spä-
en Nach olge Geo g Wilhelm F ied ich Hegel (1770-
1831), e schein die Dialek ik als p ozessuales En s ehungs-
p inzip de Dinge, wie sie be ei s in Pla ons Phaidon ange-
deu e wi d, und als sys ema ische Me hode zu E klä ung
on Sach e hal en und philosophischen G undbeg i en. Al-
le dings bie e auch Hegel keine o male Schablone de DM
an, sodass Lese *innen au seine konk e e dialek ische P a-
xis sowie au Sinnbilde zu ückg ei en müssen, um einen
Einblick in die DM zu gewinnen (Ho mann, 2004, 31).
Wenn es um Dialek ik geh , is Hegels Bild on Knospe,
Blü e und F uch aus seine Phänomenologie des Geis es
wohl am bekann es en:
Die Knospe e schwinde in dem He o b e-
chen de Blü e, und man könn e sagen, dass
jene on diese wide leg wi d; ebenso wi d
du ch die F uch die Blü e ü ein alsches Da-
sein de P lanze e klä , und als ih e Wah hei
i jene an die S elle on diese . Diese Fo men
un e scheiden sich nich nu , sonde n e d än-
gen sich auch als un e äglich mi einande .
Abe ih e lüssige Na u mach sie zugleich zu
Momen en de o ganischen Einhei , wo in sie
sich nich nu nich wide s ei en, sonde n eins
so no wendig als das ande e is , und diese glei-
che No wendigkei mach e s das Leben des
Ganzen aus (Hegel, 1986, 12).
Was zeig sich in diesem Zi a ? Zunächs einmal geh es
um eine s ändige Bewegung, also um das We den bzw. den
36 Conno Oh
P ozess (K a , 2015, 38). Fü Hegel beweg sich alles in ei-
ne Selbs ans o ma ion, und den Bewegungen sind je ei-
gene Zwecke ode Ziele inhä en – so wi d die Knospe no -
wendig zu F uch . Philosoph*innen seien in de Lage, die-
sen P ozess zu beobach en und zu Da s ellung zu b ingen
(Schönwälde -Kun ze, 2015, 45).
Wie s eh nun Hegels Dialek ik zu de de an iken Philo-
sophen? Nach Schönwälde -Kun ze (2015, 41 .) is die Dia-
lek ik bei Hegel das We densp inzip schlech hin. Die an ike
Dialek ik als Gesp ächsme hode geh ihn nich s meh an,
da ü wi d die Beschä igung mi dem Seienden und de
Möglichkei seines We dens, seine Ve ände ung ins Gegen-
eil, zen al. Hegels Theo ie s eh diesbezüglich in di ek em
Gegensa z zu de Zenos, nach de Bewegung und We den
nich s als Sinnes äuschung sei.
7
Sein is nach Hegel (ein
übe die Nega ion e mi el es) We den. Es äg , wie schon
bei He akli , seinen Gegensa z in sich und en al e sich in
de dialek ischen Bewegung zu ihm. So wi d no wendig de
Samen zu( ) Knospe(n), die Knospe zu Blü e und diese zu
F uch . Alle dings geh es in Hegels Philosophie nich um
Knospen und Blü en, sonde n insbesonde e um die En wick-
lung des Denkens bzw. des Bewuss seins sowie die En wick-
lung de Ve nun in de Geschich e und die Rolle Go es in
ih . Die philosophische Beobach ung des Bewuss seins in
seine dialek ischen En wicklung inde sich in de Phäno-
menologie des Geis es, wohingegen das abs ak e, „ eine
Wie de Bewegung“ (Schönwälde -Kun ze, 2015, 45) in de
Logik de Wissenscha en und die dialek ische En wicklung
7
De Bewegung des Geis es jedoch, so wie Zeno sie in den Pa adoxien im-
plizie , wü de Hegel du chaus zus immen (Wege ho , 2008, 10).
Dialek ische Me hode 37
de Geschich e o allem in den Vo lesungen übe die Philo-
sophie de Wel geschich e behandel wi d. Um den Rahmen
diese A bei nich zu sp engen und um ein Thema zu be-
handeln, dass ü die K i ische Theo ie zen al sein wi d,
wi d sich hie de dialek ischen En wicklung de Ge-
schich e gewidme und dami auch dem Beg i de F eihei :
„Die Wel geschich e is de Fo sch i im Bewuss sein
de F eihei , – ein Fo sch i , den wi in seine No wendig-
kei zu e kennen haben“ (Hegel, 1955, 63) – So lau e ein
be ühm es Zi a Hegels aus seinen Vo lesungen übe die Phi-
losophie de Wel geschich e. Wie ü Hegel üblich, s eck
auch diese Sa z olle zen ale Bedeu ungen ü seine Phi-
losophie. E s ens geh Hegel on einem Endzweck de Wel -
geschich e aus. „Wi müssen in de Geschich e einen allge-
meinen Zweck au suchen, den Endzweck de Wel “ (Hegel,
1955, 29). Zwei ens is de s e ige Fo sch i zum Zwecke
hin no wendig. Die Wel geschich e beweg sich mi hin un-
au hö lich, o z und wegen de Handlungen Einzelne ih-
em Ziel en gegen. D i ens is dieses Ziel die F eihei de
Menschen (Hegel, 1955, 63). Diese Sch i olge sich en al-
ende F eihei un e mal Hegel mi einem exempla ischen
Beispiel: Die O ien alen wüss en nich , dass de Mensch als
solche ei is , und deshalb seien sie es nich (Hegel, 1955,
62). Bei den Dik a u en des O ien s, au die Hegel hie hin-
weis , sei nu eine ei. In den G iechen e s sei das Be-
wuss sein de F eihei au gegangen, „abe sie, wie auch die
Röme , wuss en nu , dass Einige ei sind, nich de Mensch
als solche “ (Hegel, 1955, 62). Zwa wa en die g iechischen
Bü ge ei, doch das un eie Dasein ih e Skla en wu de
noch imme als na ü lich e ach e . Sie hä en also nu ge-
38 Conno Oh
wuss , „dass Einige ei sind“ (Hegel, 1955, 62). Im Ch is-
en um de ge manischen Na ionen sei den Menschen dann
e s zu Bewuss sein gekommen, dass de Mensch als sol-
che , d.h. jede Mensch, ei is , und „die F eihei des Geis-
es seine eigens e Na u ausmach “ (Hegel, 1955, 62).
Hegel zeichne hie eine Geschich e de F eihei des
Menschen nach, um seine These de no wendig o sch ei-
enden En wicklung de F eihei übe die Zei en und Völke
hinweg zu un e maue n. Abe e schein diese These his o-
isch be ach e nich u opisch? Wa en die K euzzüge des
Mi elal e s ode die Un e d ückung des Juden ums, die
wei übe das Mi elal e hinaus eich , Zeichen eine o -
sch ei enden F eihei ? Is de zwei e Wel k ieg nich ein
kla es Indiz da ü , dass die Geschich e imme wiede ins
Nega i e kippen kann? Auch da ü bie e Hegel eine An -
wo , die in de dialek ischen En wicklung selbs s eck .
Eine These – das kann ein Gedanke ode auch eine G und-
übe zeugung eines Volkes sein – wi d du ch eine An i hese
negie , wo au hin diese P ozess in eine höhe en Fo m
de E kenn nis, de Syn hese, münde .
8
So sind auch Zei en
de Un eihei , wie die imme o ali ä e we dende He -
scha Pu ins übe Russland, nach Hegel bloß Thesen au
dem Weg zu eine höhe en F eihei , die no wendig du ch
eine An i hese negie we den.
8
Os i sch (2020, 22) weis zu ech da au hin, dass die Beg i e These,
An i hese und Syn hese zwa die dialek ische Bewegung des Denkens be-
sch eiben, alle dings auch i e üh end wi ken, inso e n es den Anschein
ha , als handle es sich dabei um isolie e Elemen e. Nach Hegels Dialek ik
en wickeln sich These, An i hese und Syn hese jedoch o ganisch auseinan-
de .
Dialek ische Me hode 39
Fü diese dialek ische Bewegung is Hegels Beg i des
Au hebens zen al. E e s eh ihn in eine d ei achen Sem-
an ik:
1. Au heben als Wide legen: Ein Gedanke/eine Übe zeu-
gung wi d du ch eine An i hese negie und wide leg .
2. Au heben als Bewah en: In de Syn hese wi d die u -
sp üngliche These bewah . Inso e n is Au hebung
auch „Nega ion de Nega ion: Sie e nein die Ve nei-
nung.“ (Os i sch, 2020, 21)
3. Au heben als E höhen/Empo heben: Du ch das Wide -
legen und Bewah en wi d das Denken au einen wei e -
en wickel en, o gesch i enen Zus and empo gehoben
(Hegel 1999, 58).
S a k e ein ach könn e man sagen: Man le n du ch
seine Fehle ! Wenn de Fehle (die These) nich gemach
wo den wä e, dann gäbe es auch die E kenn nis des Fehle s
als eines solchen (die An i hese) nich , und man wü de de
Syn hese en beh en, den Fehle nich noch einmal zu bege-
hen und ü ihn sensibilisie zu sein. So könn e mi Hegel
soga de An isemi ismus des Na ionalsozialismus in eine
dialek ischen Bewegung beg i en we den. Du ch sein Vo -
handensein in de Geschich e (These) und die Nega ion
nach Ende des zwei en Wel k ieges (An i hese) wä e man
heu zu age womöglich assis ischen und an isemi ischen
Handlungen gegenübe nich de a sensibilisie ; das an i-
semi ische Denken des Na ionalsozialismus bleib gleich-
40 Conno Oh
sam im sensibilisie en und emanzipie en Denken au geho-
ben (also bewah ).
9
Die indi iduellen Handlungen Einzel-
ne – wie in diesem Beispiel Hi le und seine Ge olgscha
– können den no wendigen Fo sch i de F eihei nach He-
gel nich au hal en. Dies is Hegels Lis de Ve nun : „Das
Ve nün ige ealisie sich au e s eck e Weise, nämlich
un e dem Deckman el de besonde en In e essen und Lei-
denscha en on Indi iduen“ (Os i sch, 2020, 88).
10
Im Endziel de dialek ischen Bewegung nach Hegel ge-
lange die nunmeh im Geis e eie Menschhei zum absolu-
en Wissen, das keinen wei e en Wide sp uch en hiel e, de
au zuheben wä e. Inso e n handel es sich bei Hegel um
eine posi i e Dialek ik (K eis, 2017, 145 .), die im Gegensa z
zu nega i en au eine Geschlossenhei des Sys emganzen
abziel .
9
Dadu ch wä e das an isemi ische Denken auch in Hegels Philosophie alles
ande e als legi imie . Es bleib das Nega i e, Schlech e, das es in de dia-
lek ischen Bewegung du ch eine An i hese zu übe winden gil .
10
Die dialek ische Bewegung is ü Hegel dami zugleich eine Theodizee,
eine E klä ung und Rech e igung de F age, wie ein gu e Go o z all
des Bösen in de Wel exis ie en kann: „Unse e Be ach ung is inso e n
eine Theodizee, eine Rech e igung Go es, welches Leibniz me aphy-
sisch au seine Weise in noch abs ak en, unbes imm en Ka ego ien e -
such ha : das Übel in de Wel übe haup , das Böse mi inbeg i en,
soll e beg i en, de denkende Geis mi dem Nega i en e söhn we den;
und es is in de Wel geschich e, dass die ganze Masse des konk e en
Übels uns o die Augen geleg wi d. [...] Die Aussöhnung kann nu du ch
die E kenn nis des A i ma i en e eich we den, in welchem jenes Nega-
i e zu einem Un e geo dne en und Übe wundenen e schwinde “ (He-
gel, 1955, 48).
Dialek ische Me hode 41
6. Ado no und Ho kheime : Die K i ische Theo ie
Dem Glauben an eine s e ig o sch ei ende En wicklung
de F eihei in de Geschich e, ü die die Sch ecken und
Unge ech igkei en de Wel nu no wendige Wegpunk e zu
dialek isch sich en al enden, absolu en F eihei seien, wi-
de sp echen die deu schen Philosophen Theodo W. Ado no
(1903-1969) und Max Ho kheime (1895-1973) ehemen .
Die be ühm en e s en Sä ze de on ihnen gemeinsam e -
ass en Dialek ik de Au klä ung lau en: „Sei je ha die Au -
klä ung im um assends en Sinn o sch ei enden Denkens
das Ziel e olg , on den Menschen die Fu ch zu nehmen
und sie als He en einzuse zen. Abe die ollends au ge-
klä e E de s ahl im Zeichen iumphalen Unheils“ (A-
do no & Ho kheime , 2020, 9).
Du ch die Abweh de posi i en Dialek ik Hegels gewin-
nen Ado no und Ho kheime ih e eigene Nega i e Dialek ik
(K eis, 2017, 132). Die sich o allem an Hegel, Ka l Ma x
und Sigmund F eud o ien ie enden Philosophen übe neh-
men dabei Hegels dialek ische Bewegung on These und An-
i hese, ohne sich au den mi de Syn hese e bundenen
no wendigen Fo sch i sgedanken Hegels einlassen zu
wollen. Die Wide sp üche, die insbesonde e in de Au klä-
ung zu inden seien, seien nich syn he isch au lösba und
e söhnba , und so e keh e sie sich in ein sich anbahnen-
des Unheil s a in die ollkommene F eihei des absolu en
Wissens. Dami e leugnen sie nich den dialek ischen Zu-
sammenhang de geschich lichen En wicklung, da ü abe
den Wel plan zum Besse en, den Hegel ih p ädizie (Sand-
kaulen, 2006, 173).
48 Conno Oh
ei s die Dialek ik de Elemen e: Die Emanzipa ion beinhal-
e den Zwang be ei s, inso e n sie ihn als das Elemen be-
nö ig , das sie nich is und zu übe winden ach e .
4. Analyse des Un e suchungsgegens andes in seine P o-
zessha igkei anhand des Elemen es und seines Gegen-
eils
In diesem Sch i lieg de wesen liche Un e schied zu
Dialek ik Hegels. Wäh end bei diese mi de Syn hese die
Nega ion selbs negie wi d, wodu ch das Elemen du ch
sein Gegen eil zu eine höhe en Fo m de E kenn nis au ge-
hoben wi d, un e such die DM de KT, ob und inwiewei das
Elemen im Beg i is , sich in sein Gegen eil zu e keh en.
Mi Hegel wä e also bspw. die Emanzipa ion des Feminis-
mus eine höhe e Fo m de E kenn nis, die e s du ch ih
Gegen eil, die Un e d ückung de F auen (bzw. de Mannig-
al igkei de gende ) möglich wä e, mi Ado no und Ho k-
heime bliebe zu un e suchen, ob die bzw. eine eminis i-
sche Bewegung mi konk e e Zielse zung neue He -
scha ss uk u en he o u , ans a sie sub e si zu un-
e minie en. Ein Beispiel: In ih em bekann en und kon o-
e sen Essay Die po en e F au behaup e Flaßpöhle (2018),
de Hash ag-Feminismus und insbesonde e die Me- oo-Be-
wegung e olge das Ziel, die F au om Pa ia cha zu be-
eien, wiede hole dabei abe pa ia chale Denkmus e und
pos ulie e ein Bild de schwachen, hil sbedü igen F au.
5. K i ik des Bes ehenden
Die Analyse de DM münde in de K i ik de bes ehen-
den Ums ände. So k i isie Flaßpöhle die e neu e Kons i-
u ion eines passi en F auenbildes und s ell dem ih Kon-
Dialek ische Me hode 49
zep de po en en F au gegenübe . Die K i ik is selbs e -
s ändlich nu dann möglich, wenn im o igen Sch i eine
Ve keh ung ins Gegen eil des zu un e suchenden Elemen s
he ausges ell wu de. Eine eminis ische Bewegung, die
ih e a sächlichen Ziele e eich , is aus Sich de DM nich
zu k i isie en.
8. Analyse mi els de DM am Beispiel de sozialen
Medien
1. Als Un e suchungsgegens and we den die sozialen Me-
dien, ausgewähl . Es handel sich hie bei um ein ielschich-
iges und hoch ele an es kul u elles Phänomen.
2. Au g und de Komplexi ä de sozialen Medien muss sich
au ein Elemen besch änk we den. Das zu un e suchende
Elemen is die Demok a isie ung qua soziale Medien.
13
Die
Demok a isie ung s eh in di ek em Zusammenhang mi
den Analyseelemen en de KT: Demok a ie, die He scha
des Volkes, is nu dann möglich, wenn die Einzelnen ein
gewisses Maß an F eihei , Selbs bes immung und Mündig-
kei besi zen. Ta sächliche poli ische Teilhabe wiede um
beda de Iden i ika ion des Indi iduums mi de Gemein-
scha im Sinne eines Gemeinwillens (Taylo , 2001, 17). Wi
benö igen „eine gemeinsame Sich au die Wel , in de wi
zusammenleben. Wi müssen mi den Bedü nissen und
13
Auch dies is im G unde be ei s ein zu komplexes Elemen , um es e -
schöp end in eine beispielha en Analyse und K i ik mi els de DM zu
du chleuch en. Es sei dahe da au hingewiesen, dass es sich lediglich um
eine Skizzie ung handel .
50 Conno Oh
Wünschen ande e Menschen in Kon ak kommen“ (Pa ise ,
2012, 172).
3. Das Gegen eil de Demok a isie ung is die Un e g abung
des indi iduellen Willens und de poli ischen Teilhabe. Dass
da ü keine Dik a u onnö en is , ha die KT anschaulich
gezeig . Auch die Demok a isie ung en s eh aus ih em Ge-
gensa z, inso e n sie sich bewuss on diesem abheben und
ihn übe winden will. De a abische F ühling beispielsweise
wa eine P o es ak ion mi dem Ziele de Demok a isie ung
du ch das S ü zen de au o i ä en Sys eme in Tunesien,
Ägyp en, Lybien und dem Jemen (Rich e & Rosiny, 2016;
Sadaqi, 2020).
4. Nun s ell sich die F age, ob die sozialen Medien demo-
k a isie endes Po enzial ha en und haben. De a abische
F ühling bie e inso e n ein wich iges Indiz, als ohne soziale
Medien wie Facebook, Twi e und Mobil ele one die O ga-
nisa ion und Mobilisie ung on P o es ak ionen diese G ö-
ßeno dnung unmöglich gewesen wä e (Rich e & Rosiny,
2016; Sadaqi, 2020). Die sozialen Medien gewäh leis en
eine wei e e ne z e und anonyme e In e ak ion und In o -
ma ions e b ei ung, als es auße halb ih e jemals möglich
wä e. Bü ge *innen sind in de Lage, sich wei es gehend
unbehellig In o ma ionen e scha en, ih e Meinungen äu-
ße n und am Leben ande e eilhaben. Dami schein nich
nu ein höhe es Maß an F eihei gewäh leis e zu sein, son-
de n auch Mündigkei , inso e n sie nich on einzelnen In-
o ma ionsquellen wie Zei ungen, die mögliche weise ko -
umpie sind, abhängig sind und anhand eine g oßen und
eigens gewähl en Menge on In o ma ionen handeln kön-
Dialek ische Me hode 51
nen. Nich zule z schein die Ve ne zung de sozialen Me-
dien eine Bedingung ü den Gemeinwillen da zus ellen:
Man kann am Leben und an den P oblemen ande e Men-
schen auch absei s des eigenen Do es ode de eigenen
S ad eilhaben, ih e So gen e s ehen und übe den eige-
nen Ho izon hinausblicken. Man kann bloggen, Gemein-
scha en in Fo en inden und mi wei en e n en, genuin
ande s si uie en Menschen kommunizie en (Han, 2021,
47). Die sozialen Medien bie en das Po enzial eine gemein-
samen Sich au die Wel . „Eine Zei lang schien es, als
wü de das In e ne die Gesellscha komple edemok a i-
sie en“ (Pa ise , 2012, 13).
Doch auch die Demok a isie ung de sozialen Medien
kann sich dialek isch in ih Gegen eil e keh en; und dies
geschieh insbesonde e du ch die Algo i hmen. Pa ise
(2012) bezeichne das Phänomen, dass den Nu ze *innen
soziale Ne zwe ke indi iduelle Vo schläge bei Such agen
ode auch dem Feed o geschlagen we den, als Fil e
Bubble. Die Algo i hmen messen bspw., wie iel Zei man
au einem P o il e b ing , wie häu ig man e schiedene
Ausd ücke in die Suchleis e eingib und speiche n, was man
sich im In e ne so anschau . Bes imm haben Sie es auch
schon einmal e leb , dass Sie übe ein P oduk gesch ieben
ode ga gesp ochen haben, und es dann plö zlich als We -
bung au Ins ag am pla zie wi d! Ebenso e häl es sich
alle dings auch mi de Suche on In o ma ionen. Dadu ch
e schwinde eine ech e Ö en lichkei sowie die gemein-
same Sich au die Lebenswel . „S a eine gib es iele »Ö -
en lichkei en«, im Ex em all so iele, wie es Nu ze gib “
(Schaa , 2015, 49). Die Menschen we den da übe hinaus
52 Conno Oh
inso e n en mündig , als ihnen ande e In o ma ionen, Op-
ionen, Lebenswel en wei es gehend e weh we den. Die
Algo i hmen ischen einem imme wiede das au , was man
be ei s kenn und zumeis auch ü gu be inde ; im Pseu-
do aum de sozialen Medien be inde man sich in eine Ich-
Schlei e (Pa ise , 2012, 24, 92). So wi d man auch kaum au
genuin ande sdenkende ode ande s si uie e Menschen
e en.
14
Die Un e nehmen, die on den Algo i hmen du ch ih e
We bepla zie ungen p o i ie en, so ie en o , welche Mög-
lichkei en und Lebensen wü e wi kennenle nen (Pa ise ,
2012, 24) und d ängen uns übe dies zum kon o mis ischen
Konsum. Die geschick en Pla zie ungen und Bilde beein-
lussen unse Ve hal en un e halb de Bewuss seins-
schwelle, weshalb Han (2020, 20) auch om Digi al-Unbe-
wuss en sp ich ; und diese S a egie wi d nich bloß on
Un e nehmen, sonde n auch in de Poli ik e wende , in-
dem ausgehend on Psychog ammen de Wähle *innen pe -
sonalisie e We bungen au den Social Media Pla o men
zugespiel we den, die mi dem a sächlichen Wahlp o-
g amm nich s zu un haben müssen (Han, 2020, 33). So mag
es sein, dass sich die FDP plö zlich ü die Rech e de Bau-
e n einse z ... wenn Sie denn ein Baue sind.
Eine solche Fo m de Manipula ion is wede mi F ei-
hei noch mi Mündigkei e einba und un e g äb die de-
mok a isie enden Po enziale soziale Medien. Selbs die
Anonymi ä des Bloggens und p i a en Sch eibens, das dem
14
Hinzu komm , dass es ielen auch ga nich da um, sonde n lediglich um
eine e olg eiche Selbs inszenie ung geh . Die Ich-Schlei e e häl hie eine
wei e e Face e: Es soll auch ga nich meh um den ande en gehen. So
sieh Han (2020, 45) „das Ve schwinden des Ande en, die Un ähigkei , zu-
zuhö en“ als den eigen lich Ve an wo lichen ü die K ise de Demok a ie.
Dialek ische Me hode 53
a abischen F ühling noch als Mo o gal , is heu zu age
du ch die Nach e olgung on IP-Ad essen und Algo i hmen
unmöglich gewo den. Du ch unbewuss e Manipula ion, um
sich selbs k eisende In o ma ions e gabe und die Ve ein-
zelung des Indi iduums in den sozialen Medien e keh en
sich die demok a isie enden Po enziale, die sie eins ha en,
dialek isch in ih Gegen eil. Die Dialek ik unk ionie dabei
ähnlich pe ide wie schon bei de Dialek ik de Au klä ung:
Die He scha gib sich als „F eihei , Kommunika ion und
Communi y“ (Han, 2020, 15), wäh end ih e la en en Tech-
niken ins Unbewuss e de Indi iduen einsinken, die sich
ei wähnen, wäh end ih e Iden i ä längs zu Wa e de
Un e nehmen gewo den is , sowie es schon de A bei e bei
Ma x wa .
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h ps://c a i ecommons.o g/licenses/by-sa/4.0
Die he meneu ische T adi ion
Samuel Thomsen
„Alles, was menschlich is , sollen wi uns gesag sein
lassen.“ (GADAMER)
Einlei ung
Als A hu Schopenhaue 1819 sein ühes Haup we k Die
Wel als Wille und Vo s ellung e ö en lich e, en hiel es
eine Vo ede, in de de Philosoph, de Menschen g und-
sä zlich wenig zu au e, ihnen kla zumachen e such e,
dass sie besse Abs and da on nähmen, sein Buch zu lesen.
E s ell e Fo de ungen au , „[w]ie dieses Buch zu lesen sei,
um mögliche weise e s anden we den zu können“ – und
wenn man den Fo de ungen nich nachkommen könne ode
wolle, solle man die Lek ü e liebe ganz bleiben lassen (eine
bloße „Du chlesung ohne E üllung de gemach en Fo de-
ungen“ könne nich „ uch en“). Man müsse zwei seine
ühe en Sch i en kennen, man müsse auße dem Kan s u-
die und Pla on gelesen haben, und Die Wel als Wille und
Vo s ellung müsse man „zwei Mal“ lesen. Um mi zu eilen,
was e mi eilen woll e, hä e es keinen ande en Weg als
„dieses ganze Buch“ gegeben, und selbs „de kleins e
Theil“ könne „nich öllig e s anden we den“, wenn nich
o he eine olls ändige, geduldige E s lek ü e e olg sei.
64 Samuel Thomsen
nu mi den genaues en F eunden am bes en on s a en geh
(KGA I/11, 612).
Es gib also G enzen de e we bba en „Gewand hei “.
Manches e s eh ein In e p e nu bei denjenigen ‚ e -
wand en Geis e n‘, „die sich ihm am willigs en au schlie-
ßen“ (KGA I/11, 612).
Aus Schleie mache s Aus üh ungen lassen sich olgende
O ien ie ungen mi nehmen:
a) Eine In e p e a ion muss nich e schöp end und
endgül ig sein. Sie is eine Annähe ung.
b) De he meneu ische Zi kel bezieh sich nich nu
au den Einzel ex , sonde n muss e wei e we den.
Es kann no wendig sein, sich mi ande en Tex en
des Au o s, mi de Tex ga ung (und übe haup mi
de Sp ache de Zei ) und mi dem Leben des Au o s
(und seinem his o ischen Kon ex ) auseinande zu-
se zen, um den einzelnen Tex zu e s ehen.
c) Es kann o kommen, dass jemand eine*n Au o *in
besonde s leich ode besonde s wei eichend e -
s eh , weil eine „Ve wand scha “ bes eh . Diese
Ve wand scha kann man nich ein ach ,p oduzie-
en‘. (Dahe emp iehl Schleie mache , dass die e -
schiedenen In e p e *innen einande un e s ü zen
und e gänzen – weil die indi iduelle Ve sie hei an
G enzen s öß .)
Die he meneu ische T adi ion 65
Dil hey s. Heidegge : Objek i e s ehen?
An Schleie mache s Uni e salisie ung des Ve s ehens
knüp e Wilhelm Dil hey an. Fü ihn wa en nich nu
sch i liche und mündliche Äuße ungen, sonde n auch die
We ke de Bildenden Kuns , die Musik, menschliche Ge äu-
sche und Ges en, menschliche Handlungen bis hin zu „wi -
scha lichen O dnungen und Ve assungen“ Gegens ände
des Ve s ehens (GS 5, 318 .). Das „menschliche Inne e“, des-
sen Äuße ungen sie sind, könne on Menschen e s anden
we den (eine allgemeingül ige Auslegung sei alle dings nu
bei sp achlichen We ken möglich).
Dil hey sah im Ve s ehen „das g undlegende Ve ah en
ü alle wei e en Ope a ionen de Geis eswissenscha en“
(GS 5, 333): die He meneu ik hä e das Po enzial zu einem
„allgemeingül igen Rückhal “ de Geis eswissenscha en
(G ondin, 1991, 118), um au zuholen, was die Na u wissen-
scha en ihnen an Objek i i ä , an ‚Wissenscha lichkei ‘
o ausha en. Ein Gemeinpla z is inzwischen die Un e -
scheidung zwischen den e klä enden Na u wissenscha en
und den e s ehenden Geis eswissenscha en, an de sich
Dil hey o ien ie e: „Die Na u e klä en wi , das Seelenle-
ben e s ehen wi “ (GS 5, 144).
4
Objek i es Ve s ehen sei
möglich.
Einen öllig ande en Denkweg, dessen T agwei e sich in
de Rede on de „exis enziale[n] Wende de He meneu ik“
(G ondin, 2009, 30) niede schläg , schlug Ma in Heideg-
ge in den 1920e Jah en ein: es gehe nich um E kenn nis,
„die om S ando des Be ach e s so unabhängig wä e wie
4
Es is alle dings zu bedenken, dass Dil hey zwischen Ve s ehen und E -
klä en nu einen g aduellen Un e schied sieh ( gl. GS 5, 334–337).
66 Samuel Thomsen
e mein lich die Na u e kenn nis“ (SZ, 152) – hie handle
es sich um ein E kenn nisideal, „das selbs nu eine Aba
on Ve s ehen is “ (SZ, 153). Ve s ehen und Auslegung seien
Exis enzialien, „G undme kmale menschlichen Daseins“
(G ondin, 1996, Sp. 1350). Man könne nich ‚objek i ‘ e -
kennen (sozusagen ohne sich selbs ‚dabei‘ zu haben). Men-
schenmöglich sei nu , sich nich du ch „Ein älle und Volks-
beg i e“ lei en zu lassen, sonde n seine Vo meinung mi
den „Sachen selbs “ (SZ, 153) zu kon on ie en.
Heidegge be on also: objek i es Ve s ehen is nich
möglich. De Ve s ehende is selbs Teil des he meneu i-
schen Zi kels.
5
Gadame : Eine Wah hei e s ehen
Sie sehen schon, dass „He meneu ik“ Un e schiedliches be-
deu en kann. Ein Abschni in Jean G ondins He meneu ik-
Buch lau e en sp echend „Was He meneu ik alles sein
kann“, nämlich ( gl. G ondin, 2009, 8–12):
(1) die Kuns de Tex auslegung (bis Schleie mache ),
(2) eine Re lexion übe die g undlegende Me hode de
Geis eswissenscha en (ab Dil hey) ode
(3) eine uni e selle Philosophie des Ve s ehens (ab Hei-
degge ).
5
In Heidegge s Haup we k Sein und Zei sind die §§ 31–33 dem Ve s ehen
und de Auslegung gewidme . Sie um assend zu e s ehen und adäqua
wiede zugeben, hä e eine äuße s kleinsch i ige A bei e o de , die ich
an diese S elle nich hä e leis en können. Wenn Sie selbs sich Sein und
Zei o nehmen, we den Sie einmal meh bes ä ig inden, dass Ve s änd-
nis nich selbs e s ändlich is .
Die he meneu ische T adi ion 67
Im Jah 1960 e schien dann das Haup we k des Heideg-
ge -Schüle s Hans-Geo g Gadame (Wah hei und Me hode.
G undzüge eine philosophischen He meneu ik), in dem e
die genann en d ei Haup bedeu ungen de He meneu ik in
eine „bahnb echenden Syn hese“ (G ondin, 1996, Sp. 1370)
zusammen üh e. Seine Un e suchung widme sich dem
„Wunde des Ve s ehens“ (GW 1, 297) und ag : „Wie is
Ve s ehen möglich?“ (GW 2, 439)
Im Folgenden sollen einige seine Übe legungen o ge-
s ell we den – sie dienen de Besinnung da au , wie es ge-
lingen kann, sich e was gesag sein zu lassen.
Wah hei und Me hode
Gadame üb K i ik an eine he meneu ischen Theo ie, die
„ iel zu seh on de Idee eines Ve ah ens, eine Me hode,
behe sch is “ (GW 1, 295). Es gebe Wah hei se ah ungen,
die übe das hinausgehen, was eine wissenscha liche Me-
hode ein angen kann. Ein Gedich , ein Kuns we k ode ein
Klassike de Philosophie können nich nu „Gegens and de
E o schung“ du ch die Geis eswissenscha en sein, son-
de n auch „selbe in ih e Wah hei zum Sp echen
komm[en]“ (GW 1, 3). Ich kann e wa ein philosophisches
We k ode einen Klassike de Li e a u analysie en, In o -
ma ionen da übe einholen, es gleichsam behandeln wie ei-
nen „Gegens and de Physik“ (GW 2, 443). Abe dann is da
noch die ande e E ah ung: Das We k schein zu uns zu
sp echen, uns Wah hei mi zu eilen, und „das Sinn olle
desselben [nimm ] genau so ein, wie das Schöne ü sich
einnimm .“ (GW 1, 494) Diese Wah hei se ah ung will
68 Samuel Thomsen
Gadame neu be onen, um dem Me hodendenken seine
G enzen au zuzeigen: Ve s ehen is ein Geschehen, das das-
jenige übe s eig , was ich me hodisch un e Kon olle habe.
Übe lie e ung
Gadame geh da on aus, dass die „Sagk a “ sogenann e
‚Klassike ‘ „g undsä zlich unbeg enz “ (GW 1, 295) is – sie
sind uns deshalb übe lie e wo den bzw. haben deshalb ih-
en hohen Rang du ch die Jah hunde e hindu ch bewah en
können, weil sie unbeg enz e Sagk a haben. Gadame
sch eib ihnen Au o i ä zu: wi sollen uns ih e Wah hei
gesag sein lassen. En sp echend üb Gadame K i ik an de
Tendenz de Au klä ung, in ih e K i ik an Au o i ä en und
T adi ionen zu wei zu gehen. Es gebe eben auch „legi ime
Vo u eile“ (GW 1, 281). Solche „legi imen Vo u eile“ gel e
es den klassischen We ken abzulauschen. Dabei wi d
„[e]ine jede Zei […] einen übe lie e en Tex au ih e Weise
e s ehen müssen“ (GW 1, 301).
Vo u eile
Gadame we e Vo u eile auch in ande e Hinsich au :
Ohne sie können wi ga nich e s ehen!
Wi b auchen das zwei ache „Vo u eil de Vollkommen-
hei “ (GW 1, 299): Wi un e s ellen dem Tex zunächs , dass
e das, was e sagen will, auch ollkommen sag . Und wi
ziehen in Be ach , dass de Tex ollkommen wah is . Das
Die he meneu ische T adi ion 69
implizie auch, dass wi „seine A gumen e noch zu e s ä -
ken ach en“ (ebd., 297).
Und noch e was Zwei es is wich ig: „daß Ve s ehen nu
so möglich is , daß de Ve s ehende seine eigenen Vo aus-
se zungen ins Spiel b ing “ (GW 2, 109).
Sie ins Spiel b ingen heiß abe nich , die „Sachen selbs “
(Heidegge ) zu e nachlässigen:
We e s ehen will, wi d sich on o nhe ein nich de Zu äl-
ligkei de eigenen Vo meinung übe lassen dü en, um an de
Meinung des Tex es so konsequen und ha näckig wie möglich
o beizuhö en – bis diese unübe hö ba wi d und das e -
mein liche Ve s ändnis ums öß . We einen Tex e s ehen
will, is ielmeh be ei , sich on ihm e was sagen zu lassen.
(GW 1, 273)
Gadame komm es da au an, zu zeigen, „wie ie Vo -
u eile eingewu zel sein können und wie wenig ein bloßes
Sich-Bewuß we den de selben ims ande is , ih e Gewal
au zulösen“ (GW 2, 115). Die Vo u eile eines Menschen
sind „die geschich liche Wi klichkei seines Seins“ (GW 1,
281) – e kann sich nich aus ihnen ‚he aus e lek ie en‘.
G ondin sch eib hie zu:
Sobald de In e p e ie ende e s eh , b ing e Eigenes mi ein,
abe sein ‚Eigenes‘ is ebenso seh das seine Zei , seine Sp a-
che und seine F ages ellungen. Ein We k wi d imme aus F a-
gen de eigenen Zei he aus, meis unbeme k , in e p e ie .
Ve s ehen heiß olglich eine Bedeu ung au die Gegenwa an-
wenden. (G ondin, 2009, 63)
70 Samuel Thomsen
Wi können nich aus unse en Vo u eilen auss eigen.
Und wi soll en es auch nich ‚ein ach so‘ e suchen – iel-
meh gil es, sie mi de Ande shei des jeweiligen Tex es zu
kon on ie en und die Wah hei des Tex es au das ‚Eigene‘
anzuwenden.
Anwendung
Es könn e den Einwand geben, dass wah es Ve s ändnis ei
on eine Anwendung (Applika ion) au die Gegenwa sein
muss: dass eben doch i gendwie ‚me hodisch‘, ‚objek i ‘
e s anden we den müsse, ohne Bezug au das Eigene und
die eigene Zei .
Gadame e inne an die heologische und die ju is ische
He meneu ik, die sich nich ‚aus de Fe ne‘ mi Tex en be-
schä igen, sonde n sie au das Hie und Je z anwenden:
„Wede de Ju is noch de Theologe sieh in de Au gabe
de Applika ion eine F eihei gegenübe dem Tex “ (GW 1,
338). Ganz im Gegen eil:
Wie do de Rich e das Rech zu inden such , und de P edi-
ge das Heil zu e künden, und wie do in beidem, de Ve -
kündung und Ve kündigung, de Sinn de Kunde e s zu seine
Vollendung komm , so wi d man auch einem philosophischen
Tex ode eine Dich ung gegenübe ane kennen können, daß
solche Tex e on dem Lese und Ve s ehenden ein eigenes Tun
e langen und daß man ihnen gegenübe nich die F eihei ha ,
sich in his o ische Dis anz zu e hal en. (ebd.)
Die he meneu ische T adi ion 71
Ho izon e schmelzung
Lieg ein g oße zei liche Abs and zwischen mi und dem
zu in e p e ie enden We k, kann es no wendig sein, den
his o ischen Ho izon des We kes zu ekons uie en (e wa
E eignisse, We e, Denken und Sp ache seine Zei ). Hie
bes eh die Ge ah , au g und de Un e schiede on Damals
und Heu e zu meinen, man könne diese e gangene Zei
zwa e o schen, abe sie hä e unse e Zei au g und ih e
G und e schiedenhei nich s zu sagen. Hie zu Gadame :
De En wu des his o ischen Ho izon es is […] nu ein Pha-
senmomen im Vollzug des Ve s ehens und e es ig sich nich
zu de Selbs en emdung eines e gangenen Bewuß seins,
sonde n wi d on dem eigenen Ve s ehensho izon de Gegen-
wa eingehol . Im Vollzug des Ve s ehens geschieh eine wi k-
liche Ho izon e schmelzung, die mi dem En wu des his o-
ischen Ho izon es zugleich dessen Au hebung ollb ing . (GW
1, 312)
Den , ühe en Ho izon ‘ zu kons uie en, is also kein
Selbs zweck, de e wa da in bes ünde, lediglich die Menge
an his o ischen Wissensbes änden zu e g öße n (E kenn -
nisse ,zu den Ak en zu legen‘). Sobald de Ho izon de
ühe en Zei ekons uie is , habe ich ihn gleichsam ‚in
meine heu ige Sp ache übe se z ‘: die Ho izon e on Da-
mals und Heu e e schmelzen zu einem gemeinsamen. Ein
Gesp äch wi d möglich.
72 Samuel Thomsen
Gesp äch
Dialog und Gesp äch sind ü Gadame „[d]as G undmodell
alle Ve s ändigung“.
6
P oblema isch is , „wenn eine de
Pa ne sich unbeding in eine übe legenen Posi ion
glaub “ (GW 2, 116).
Beispiele da ü sind,
wenn eine de Pa ne des Dialoges sich nich wi klich ü das
Gesp äch eiläß . So ein Fall lieg z. B. o , wenn eine im ge-
sellscha lichen Umgang den Psychologen ode Psychoanaly i-
ke spiel und die Aussagen eines ande en nich in ih em Sinne
e ns nimm , sonde n au psychoanaly ische Weise zu du ch-
schauen beansp uch (GW 2, 116)
ode ein Gesp äch,
das wi mi jemandem nu zu dem Zwecke üh en, um ihn ken-
nenzule nen, d. h. um seinen S ando und seinen Ho izon zu
e messen. Das is kein wah es Gesp äch, d. h. es wi d da in
nich die Ve s ändigung übe eine Sache gesuch , sonde n alle
sachlichen Inhal e des Gesp äches sind nu ein Mi el, um den
Ho izon des ande en kennenzule nen. Man denke e wa an das
P ü ungsgesp äch ode bes imm e F agen de ä z lichen Ge-
sp ächs üh ung. (GW 1, 308)
6
Inso e n bes ehen Ve wand scha en de philosophischen He meneu ik
mi de Philosophie des Dialogs (z. B. Ma in Bube ) ode mi de huma-
nis ischen Gesp ächspsycho he apie (Ca l Roge s).
Die he meneu ische T adi ion 73
In solch eine Posi ion de Übe legenhei is man selbs
„nich an e ba “, begib sich in „siche e Une eichba -
kei “ (GW 1, 308), e unmöglich ein ech es Gesp äch.
Gadame s philosophische He meneu ik e olg ein a-
dikal ande es Ziel als das de eigenen Übe legenhei :
Die He meneu ik is deshalb Philosophie, weil sie sich nich da-
au besch änken läß , eine Kuns leh e zu sein, die die Meinun-
gen eines ande en ,nu ʻ e s eh . Die he meneu ische Re le-
xion schließ ielmeh ein, daß in allem Ve s ehen on e was
Ande em ode eines Ande en Selbs k i ik o sich geh . (GW 2,
116)
Und auch die Übe lie e ung „ e dien e ga nich das In-
e esse, das wi ih e weisen, wenn sie uns nich e was zu
leh en hä e, was wi aus Eigenem nich zu e kennen e -
mögen“ (GW 2, 445).
Ve s ehen is ü Gadame kein übe legenes Eino dnen-
können ode dis anzie es Du chblicken, sonde n ein Teil-
nehmen an einem Gesp äch, dessen Ziel Ein e s ändnis is .
Menschlichkei
Gadame s S aunen übe das „Wunde des Ve s ehens“ ich-
e sich auch au das Rä sel de Sp ache.
Sie is „kein Ins umen , kein We kzeug“ (GW 2, 148),
das wi benu zen und nach Geb auch weglegen können –
sonde n wi leben und e s ehen in ih .
Du ch sie is Ein e s ändnis möglich: „gemeinsame Be-
g i e und o allem diejenigen gemeinsamen Beg i e,
80 Fynn-Me lin Rehding & Johannes C. Wo eschk
de ein empi ischen Un e suchung e schiedene Phäno-
mene, sonde n au de En hüllung des Bes ändigen und We-
senha en, du ch welches sich de Bewuss seinss om, die
Leiblichkei , die Wah nehmung usw. kennzeichnen. Zu-
gleich bilde die ak ische Exis enz die G undlage ih es Ve -
s ändnisses des Menschen und de Wel . Sie e weis sich in-
so e n nich als ein bloße Essen ialismus, sonde n auch als
eine Philosophie de Fak izi ä (Me leau-Pon y, 1966, 3 .;
Zaha i, 2007, 36).
Zwei ens e s eh sich die Phänomenologie als T ans-
zenden alphilosophie. Das bedeu e , sie ich e sich da au ,
die Bedingungen de Möglichkei on E ah ungen zu e lek-
ie en und die Annahmen unse e na ü lichen, o heo e i-
schen Eins ellung auße Gel ung zu se zen, um sie au diese
Weise eine k i ischen Un e suchung un e ziehen zu kön-
nen. Indes äum sie gleiche maßen ein, dass jedwede Re-
lexion in einem o gängigen Wel e häl nis e ha e
bleib , womi die Haup au gabe de Philosophie in ih en Au-
gen nich meh abe auch nich wenige um ass , als die A -
ikula ion de ollen Bedeu ung dieses unmi elba en und
di ek en Wel kon ak es (Me leau-Pon y, 1966, 3 .; Zaha i,
2007, 36).
D i ens e heb die Phänomenologie den Ansp uch Phi-
losophie als s enge Wissenscha zu e wi klichen. Um
abe Raum, Zei , Wel usw. als e leb e und geleb e Phäno-
mene angemessen e assen zu können, is sie da au be-
dach , die menschliche Lebenswel zu besch eiben (Me -
leau-Pon y, 1966, 3 .; Zaha i, 2007, 37).
Die Phänomenologie be ach e sich dahe ie ens als
eine desk ip i e Disziplin. Sie e such also E ah ungen in
eine unmi elba en Weise zu besch eiben, so wie sie uns
Die Phänomenologische Me hode 81
gegeben sind. Sie in e essie sich wede ü den psycholo-
gischen ode biologischen U sp ung de E ah ungen, noch
möch e sie diese als E gebnis eines kausalen Ge üges e klä-
en (Me leau-Pon y, 1966, 3 .; Zahi, 2007, 37).
Die soeben genann en Aspek e e anschaulichen, dass
die Phänomenologie als Obe beg i s e s ein Spannungs eld
besch eib , dessen He e ogeni ä auch dadu ch beding is ,
dass nahezu alle spä e en Phänomenolog*innen sich au
ih e je eigene Weise on Husse ls u sp ünglichem P o-
g amm dis anzie haben. Dennoch kann ebenso es ges ell
we den, dass die Phänomenologie wei e hin du ch be-
s imm e G und hemen und sich aus diesen ablei enden me-
hodologischen Mo i en e bunden is – ande n alls wä e
auch die Rede on einem Obe beg i de Phänomenologie
zunehmend agwü dig.
Ziel dieses Bei ages is es nunmeh , in einem e s en
Sch i e schiedene G und hemen phänomenologischen
Philosophie ens zu e ö e n, um on diesem Punk aus ei-
nen Einblick in dessen me hodologische Implika ionen zu
geben. In den nachs ehenden Abschni en (1.–3.) we den
dahe zunächs die Beg i e PHÄNOMEN, INTENTIONALITÄT und
LEBENSWELT um issen und da au hin (4.) ih Zusammen-
spiel im Rahmen des Ve ah ens on EPOCHÉ und REDUKTION
in ih en G undzügen e läu e sowie (5.) mi els eine kon-
k e en Analyse beispielha e anschaulich .
1. Phänomen
Das Wo Phänomenologie lei e sich on phainomenon
(phainomai, e scheinen) und logos (Ve nun ) ab. Mi diese
82 Fynn-Me lin Rehding & Johannes C. Wo eschk
E ymologie is zugleich das Ziel angegeben, welchem sich
die un e diesem Beg i ge üh en Un e suchungen e -
p lich en: phänomenologische Un e suchungen be ach en
E lebnisse on E scheinungen und das mi de Absich , die
diesen E lebnissen zug unde liegende Ve nun ans Lich zu
b ingen (Pi če ić, 1972, 11). Eine de a ige Ku zde ini ion
e mag zwa noch nich s da übe auszusagen, au welche
Weise eine solche Un e suchung du chzu üh en is , doch
läss sich an ih gleichwohl e kennen, dass de Beg i des
PHÄNOMENS – dasjenige, was in bes imm en E lebnissen e -
schein – nich mi dem gleichzuse zen is , was wi um-
gangssp achlich un e Phänomenen e s ehen. Hie näm-
lich e wenden wi ihn gewöhnlich als Gegensa z zu ande-
en Beg i en, beispielsweise Phänomen s. Wesen ode
Phänomen s. physische Wi klichkei . Diesem all äglichen
Ve s ändnis zu olge bilde das Phänomen e was, das nu
scheinba is , e was, das übe sch i en we den muss, um
die Wah hei hin e de E scheinung au decken zu können.
Doch dies is nich de Phänomenbeg i mi dem die Phä-
nomenologie a bei e . Vielmeh be u sie sich au eine Kon-
no a ion dieses Beg i es, welche bis in die An ike zu ück-
e olg we den kann (Heidegge , 1986, §7). Gemäß diese
T adi ion e weis sich das PHÄNOMEN als die Mani es a ion
de Sache selbs – als das also, was on sich selbs he e -
schein (Zaha i, 2007, 13). In diesem Sinne e s eh sich die
Phänomenologie als eine philosophische Re lexion übe die
Weise, in de uns Gegens ände25 e scheinen, d.h. sich selbs
zeigen (Zaha i, 2009, 57).
25 Un e Gegens and muss in diesem Kon ex nich allein Reales, wie e wa
ein Kugelsch eibe , sonde n ebenso Ideales, wie e wa die Zahl 8, e s anden
we den.
Die Phänomenologische Me hode 83
2. In en ionali ä
Um nun abe die Weise des E scheinens de Gegens ände
un e suchen zu können, is es no wendig, sich unse en Ve -
s ehenss uk u en zuzuwenden, da diese übe haup e s die
Möglichkei sbedingungen des E scheinens on Gegens än-
den bilden. Hie he e häl auch das zu o angesp ochene
Ve s ändnis de Phänomenologie als Un e suchung on E -
lebnissen on E scheinungen seinen Sinn. Alles, was e -
schein , e schein in bes imm en E lebnissen, und zwa im-
me als e was ü jemanden – es gib kein un-e leb es E -
scheinen (Pi če ić, 1972, 11; Zaha i, 2007, 17). Wenn wi
also die Weise des E scheinens on Gegens änden un e su-
chen wollen und inso e n nach den p inzipiellen Bedingun-
gen de E kenn nis, de Wah hei , des Sinns, de Bedeu-
ung, de Beg ündung e c. agen, kommen wi nach Ansich
de Phänomenologie nich umhin, die E s e-Pe son-Pe -
spek i e in unse e Un e suchung mi einzubeziehen
(Zaha i, 2007, 17). Dies wiede um bedeu e , sich mi de
Wesensa de INTENTIONALITÄT zu beschä igen.
Mi INTENTIONALITÄT is zunächs das g undsä zliche Ge-
ich e -sein de E s e-Pe son-Pe spek i e angesp ochen
(Pi če ić, 1972, 59), welches sich, in seine Beziehung zu
einem Gegens and, du ch seine Leiblichkei , seine Zei lich-
kei , seine His o izi ä , abe auch du ch seine soziale und
gesellscha liche Ve anke ung auszeichne (Zaha i, 2007,
17) und als solche das E lebnis de E scheinung eines Ge-
gens andes in seine spezi ischen Weise kons i uie
(Husse l, 1984, 169). De lei ende Gedanke in diesem Zu-
sammenhang is olgende : Wenn wi e s ehen wollen,
wie physische Objek e, ma hema ische Modelle, chemische
84 Fynn-Me lin Rehding & Johannes C. Wo eschk
P ozesse, soziale Ve häl nisse ode kul u elle P oduk e als
das e scheinen können, was sie sind, und zwa mi de Be-
deu ung, die sie ü uns haben, dann müssen wi die Vo -
s ellungs-, Pe zep ions-, U eils- und We ak e hema isie-
en, au die diese E scheinungen bezogen sind (Husse l,
1984, 425–426). Die Phänomenologie b ing uns inso e n
nich allein die Gegebenhei des E scheinens on Gegen-
s änden zu Bewuss sein, sonde n ebenso de en subjek i es
Ko ela – die A de INTENTIONALITÄT, die im E lebnis des
Gegens andes am We k is (Zaha i, 2007, 18).
Wenn wi e scheinende Gegens ände un e suchen, zei-
gen wi uns mi hin auch selbs als diejenigen, denen de
Gegens and e schein . Das Thema phänomenologische
Analysen is dami jedoch nich ein wel loses Subjek , ge-
nauso wenig bilden sie den Ve such, eine bewuss seinsun-
abhängige Wel zu besch ieben, ielmeh ücken sie das
Ve häl nis zwischen Subjek und Wel in den Blickpunk ih-
e Be ach ung. Phänomenologische Analysen machen au
den Ums and au me ksam, dass wede on dem subjek i en
Bewuss sein noch on de Wel sinn oll gesp ochen we den
kann, wenn ih jeweiliges Ko ela auße Ach gelassen
wi d. We on seine Wah nehmung, seinem Denken, sei-
nem U eil, seine Vo s ellungsk a , seinem Zwei el, seine
E wa ung ode seine E inne ung sp echen möch e, kann
dies nich un ohne auch das Wah genommene, das Bezwei-
el e, das Beu eil e usw. zu be ücksich igen (Zaha i, 2007,
41). So wi d das Subjek allein du ch sein Ve häl nis zu
Wel e s ändlich, wie auch de Wel nu Sinn gegeben we -
den kann, inso e n sie einem Subjek e schein und on die-
sem e s anden wi d (Zaha i, 2007, 20). Dies is auch de
Die Phänomenologische Me hode 85
Hin e g und o dem Husse l e klä en kann, dass die Wi k-
lichkei nich e was bloß Vo handenes is , das gänzlich un-
abhängig on jedem E ah ungskon ex exis ie (Husse l,
1976, 120). Das mag nach einem philosophischen Idealis-
mus klingen, doch diese These soll o nehmlich die Ableh-
nung eines Objek i ismus zum Ausd uck b ingen, de be-
haup e , dass ein Ve s ändnis de Wi klichkei , de Wel
und de Wah hei allein du ch den Ausschluss on Subjek-
i i ä zu e eichen sei (Me leau-Pon y, 1966, 489).
3. Lebenswel
Die be ei s in de Einlei ung e wähn e ablehnende Hal ung
de Phänomenologie gegenübe dem Ideal eines wissen-
scha lichen Objek i ismus kann gleichsam als Rehabili ie-
ungs e such de LEBENSWELT e s anden we den. Un e LE-
BENSWELT is in diesem Zusammenhang zunächs diejenige
Wel zu assen, die wi im All ag ganz selbs e s ändlich o-
ausse zen (Zaha i, 2007, 31). Sie is die Wel in de wi
leben, de O an dem uns E ah ungen konk e , sinnlich
und anschaulich gegeben sind. Wa um abe , so ließe sich
agen, beda die Lebenswel eine Rehabili ie ung? Mi
Husse l gesp ochen wä e diese F age dadu ch zu bean wo -
en, dass die LEBENSWELT die Sinng undlage und inso e n
den unhin e gehba en Ausgangspunk jede wissenscha li-
chen E kenn nis da s ell (Husse l, 1962a, 129, 142), als sol-
che abe in de P axis wissenscha liche Objek i ie ung
zunehmend e gessen, e wisch ode e d äng zu we den
d oh (Husse l, 1973c, 381; Husse l, 1952, 207). Die Wissen-
86 Fynn-Me lin Rehding & Johannes C. Wo eschk
scha – und dami sind ü Husse l wesen lich die ma he-
ma ischen Na u wissenscha en des ühen 20. Jah hun-
de s gemein – behandel ih e Gegens ände als i ela i ,
unabhängig on Pe spek i e, eindeu ig und exak (Husse l,
1962a, 309). Sie eduzie die Wel und die in diese leben-
den Subjek e au diese Weise zu e was, das sich on den ob-
jek i ie enden Theo iebildungen de Physik, Chemie, Biolo-
gie, Psychologie und Soziologie e schöp end e klä en läss .
Was dabei jedoch in Ve gessenhei ge ä , is , dass unse
Wissen on de Wel – auch unse wissenscha liches Wis-
sen – eine E s en-Pe son-Pe spek i e en sp ing , ohne de-
en Vo ausse zung die Wissenscha selbs sinnlos wä e
(Me leau-Pon y, 1966, 4 .). Wenn abe de wissenscha li-
che Disku s an die e leb e Wel anknüp , on ih alle e s
seinen Sinn e häl , dann e weis sich die einsei ige Kon-
zen a ion de Wissenscha au das, was aus eine D i en-
Pe son-Pe spek i e zugänglich is , nich nu als un e lek-
ie , sonde n auch als un edlich (Zaha i, 2007, 38). Wie
eben alls in de Einlei ung e wähn , da diese K i ik jedoch
nich als eine g undsä zliche Ablehnung de Wissenscha
sei ens de Phänomenologie e s anden we den. Die phäno-
menologische Be onung de Bedeu ung de LEBENSWELT e -
läu keines alls einsei ig au Kos en de Wissenscha , we-
de bes ei e sie ih en We , noch möch e sie bezwei eln,
dass wissenscha liche Un e suchungen zu neuen Einsich-
en e hel en und unse Ve s ändnis de Wel e wei e n
können, ielmeh geh es ih da um, an den lebenswel li-
chen Si z de Wissenscha zu e inne n. Dabei wi d das Ve -
häl nis on LEBENSWELT und Wissenscha zugleich als äu-
ße s dynamisch au ge ass . Die Wissenscha is nich nu
Die Phänomenologische Me hode 87
in de LEBENSWELT undie , sie sicke gleiche maßen suk-
zessi e in den lebenswel lichen Boden, au dem sie s eh ,
und zwa imme dann, wenn ih e heo e ischen Annahmen
und echnischen Inno a ionen in das Selbs e s ändnis un-
se e All agsp axis au genommen wu den (Husse l, 1973c,
539). Ein wesen liche Aspek phänomenologische Un e -
suchungen bilde dahe auch die Analyse de In en ionali-
ä s o men des e kennenden Subjek es, mi els de en die
Wissenscha lichkei als solche und mi ih die wissen-
scha liche Ra ionali ä und die wissenscha liche P axis
e s ändlich gemach we den soll (Zaha i, 2007, 35). Es
geh ih in diesem Sinne da um, die F age zu e ö e n, wie
die heo e ischen Eins ellungen, die wi einnehmen, wenn
wi Wissenscha be eiben, du ch die Selbs e s ändlich-
kei unse e lebenswel lichen E ah ung beg ünde sind
und wie diese sie beein lussen und e ände n (Zaha i,
2007, 39).
4. Epoché und Reduk ion
Bis zu diesem Punk wu den nun einige de zen alen The-
men skizzie , die insbesonde e ü das Denken Edmund
Husse ls abe auch ü die Phänomenologie im Allgemeinen
on Bedeu ung sind. Au diesem Wege soll e zunächs ge-
zeig we den, was es bedeu e , wenn es heiß , dass phäno-
menologische Un e suchungen E lebnisse on E scheinun-
gen be ach en, mi dem Ziel, die diesen zug undeliegende
Ve nun ans Lich zu b ingen. Die Au gabe, die sich die Phä-
nomenologie mi hin s ell , bes eh in de Klä ung de F age,
wie das Sein und das Wesen de Wi klichkei e ass is .
88 Fynn-Me lin Rehding & Johannes C. Wo eschk
Die Behandlung diese F age abe kann nach Ansich de
Phänomenologie allein dann in angemessene Weise e ol-
gen, wenn man sich on den e kenn nis heo e ischen und
me aphysischen Vo ausse zungen lös , die unse all ägli-
ches Leben bes immen und die implizi on allen posi i en
Wissenscha en akzep ie we den. Gemein is de Glaube
an die Exis enz eine bewuss seins-, e ah ungs- und heo-
ieunabhängigen Wi klichkei (Zaha i, 2009, 46). Wie o -
ensich lich und na ü lich diese Annahme auch scheinen
mag, es wä e philosophisch inakzep abel, ih e Gül igkei
ohne Wei e es o auszuse zen. Auch sie muss also eine
g ündlichen, un o eingenommenen P ü ung un e zogen
we den (Zaha i, 2007, 21). De Ansp uch an die eigene Un-
e suchung, sich de E scheinung de Wi klichkei in de
Weise zuzuwenden, wie sie uns in de E ah ung gegeben
is , b ing ebendiese Maxime de Un o eingenommenhei
zum Ausd uck. Abe sich den E scheinungen zuzuwenden,
so wie sie uns in de E ah ung gegeben sind, e weis sich
als leich e gesag als ge an. Um nich de Nai i ä de na-
ü lichen Eins ellung ode den e schiedenen spekula i en
Hypo hesen übe die me aphysische Ve assung de Wi k-
lichkei anheim zu allen, is es no wendig, unse Ein e -
s ändnis mi de na ü lichen Eins ellung zu suspendie en
(Husse l, 1962a, 154 .). Es geh also da um, alles Dogma i-
sche, alles, was wi ü selbs e s ändlich hal en, auße
Gel ung zu se zen; nich um es in seine Gül igkei g und-
sä zlich zu leugnen, sonde n um es als Un e suchungsge-
gens and g ei ba zu machen. Diese Hal ung, die na ü li-
chen Neigungen in ih e Selbs e s ändlichkei suspendie-
en zu wollen, wi d in de Phänomenologie gemeinhin als
EPOCHÉ bezeichne .
Die Phänomenologische Me hode 89
Nach Husse l e möglich die EPOCHÉ einen Zugang zu
Wi klichkei , de es ges a e , ih en wah en Sinn zu en hül-
len (Husse l, 1959, 457 465; Husse l 1976, 120). Die Rede
om Sinn de Wi klichkei bedeu e jedoch nich , dass das
Sein de Wi klichkei , d.h. die eal exis ie ende Wel , aus
de phänomenologischen Un e suchung ausgeschlossen
wä e (Husse l, 1976, 120; Husse l, 1962b, 154 .). Die EPOCHÉ
bedeu e keinen Ausschluss de Wi klichkei , sonde n einen
Wandel in de Eins ellung zu ih (Zaha i, 2009, 47): »„Die“
Wel is nich e lo en gegangen du ch die Epoché, sie is
nich übe haup En hal ung hinsich lich des Seins de Wel
und jedes U eils übe sie, sonde n sie is de Weg de Au -
deckung de Ko ela ionsu eile, de Reduk ion alle Seins-
einhei en au mich selbs und meine sinnhabende und sinn-
gebende Subjek i i ä mi ih en Ve möglichkei en« (Husse l
1973b, 366). Wenn Husse l an diese S elle dem Beg i de
EPOCHÉ den Beg i de REDUKTION zu Sei e s ell , is nich
allein au eine enge Ve bindung de beiden Te mini, son-
de n ebenso au eine no wendige Un e scheidung de bei-
den e wiesen. Wie be ei s angeklungen is EPOCHÉ die Be-
zeichnung ü das g undsä zliche Bes eben de Suspendie-
ung eine nai en me aphysischen Eins ellung zu Wi k-
lichkei (Husse l, 1962a, 154). REDUKTION mein dagegen die
Thema isie ung de Ko ela ion zwischen Subjek i i ä und
Wel (Husse l, 1973a, 61). Sie bezeichne eine um ang eiche
Analyse, de en Ziel es is , on de na ü lichen Sphä e zu
dessen anszenden alem Fundamen zu ückzu üh en
(Zaha i, 2009, 48) uns also den kons i u i en An eil unse-
es Bewuss seins in dem E leben on E scheinungen be-
wuss we den zu lassen. Eine solche, du ch EPOCHÉ und RE-
DUKTION zu e eichende, phänomenologische Eins ellung
96 Fynn-Me lin Rehding & Johannes C. Wo eschk
Eind uck sowohl des Ve ah ens wie auch de Zielpe spek-
i e phänomenologischen Philosophie ens e mi el zu ha-
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Die Phänomenologische Me hode 97
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und phänomenologischen Philosophie, E s es Buch: Allge-
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liana 3, 1–2.Ma inus Nijho .
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1) Husse liana 19, 1–2. Ma inus Nijho .
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en und die anszenden ale Phänomenologie, E gänzung-
sband: Tex e aus dem Nachlass 1934–1937, Husse liana
29. Kluwe Academic Publishe s.
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99
h ps://doi.o g/10.38071/2024-00982-6
h ps://c ea i ecommons.o g/licenses/by-sa/4.0
Die logische Analyse als Me hode de Analy i-
schen Philosophie
Sophie Ramlau
Abs ac
Die Disziplin de Analy ischen Philosophie ha die Sp a-
che zum Gegens and. Ih e Me hoden bes ehen demzu-
olge in de Analyse de Sp ache und ih e e schiedenen
Aspek e. Die logische Analyse is eine de zen alen Me-
hoden de analy ischen Philosophie und läss sich de
S ömung de Philosophie de idealen Sp ache zuo dnen,
de en übe geo dne es Ziel es is , du ch o male Sp achen
de Logik die Meh deu igkei de Sp ache einzusch än-
ken ode zu eliminie en.
Einlei ung
Kaum e was in unse e Wel is so allgegenwä ig wie die
Sp ache. Sie ungie als Medium und Ausd ucksmi el un-
se e Gedanken und is eines de g undlegenden Elemen e
menschliche Kommunika ion. Vo diesem Hin e g und is
es ge adezu unmöglich, sich die Philosophie übe haup
ohne Sp ache o zus ellen. Abe was is eigen lich Sp ache,
was kann sie und was kann sie nich ? Is es möglich, ohne
Sp ache zu denken und wie wi d unse Denken du ch sie be-
ein luss ? Und gib es eigen lich so e was wie eine pe ek e
Sp ache?
Logische Analyse als Me hode de Analy ischen Philosophie 100
In de analy ischen Philosophie s eh die Sp ache im Mi -
elpunk säm liche Übe legungen. So s ell Ludwig Wi -
gens ein die These au , alle Philosophie sei nich s Ande es
als Sp achk i ik. Zen ale Au gabe jene K i ik sei die E -
kenn nis da übe , was sich du ch Sp ache übe haup on
unse e Wel sagen und e s ehen läss und was nich
(Wi gens ein 1918, Vo wo ). Sp ache kann als ein „gesell-
scha lich und his o isch beding es, kon en ionelles Mi el
zu Ve s ändigung“ (Regenbogen & Meye , 2013, 623) be-
sch ieben we den, welches om Menschen „zu Da s ellung
und Wei e gabe on In o ma ionen, zu Fixie ung und T a-
die ung on E kenn nissen, zum Ausd uck on Ge ühlen,
zu Beein lussung ande e Sp eche “ (Regenbogen & Meye ,
2013, 623) und ielem meh genu z wi d. Übe haup
schein sie ein We kzeug zu sein, das un e den bekann en
Lebewesen au unse e E de allein dem Menschen zu eigen
is (Regenbogen & Meye , 2013, 623). Als ein, wenn nich
das zen ale Elemen unse es menschlichen Seins is die
Sp ache sei de g iechischen An ike bis heu e imme wie-
de Gegens and philosophische Übe legungen (Kan e ian,
2004, 8).
Gemeinhin wi d in de analy ischen Philosophie bis in
die Gegenwa hinein die These e e en, alles menschli-
che Handeln, jede Kommunika ion wie jedes Denken ge-
schehe au de Basis on Sp ache. Ausgehend on diesem
G undgedanken lei e sich auch die Me hode diese philoso-
phischen Disziplin ab: Die Analyse de Sp ache. Ge adezu
kon ä zu jene Einigkei übe die zen ale Au gabe de
Philosophie e hal en sich jedoch die mannig al igen Au -
101 Sophie Ramlau
assungen da übe , wie genau sich eine adäqua e philoso-
phische Sp achanalyse in ih e Me hodik ges al e (Mülle -
Salo, 2020, 9).
Wenngleich sich me hodisches Vo gehen sowie das
Spek um de Inhal e in de analy ischen Philosophie du ch
eine s e ig zunehmende He e ogeni ä auszeichnen, so las-
sen sich dennoch mindes ens zwei Fo men de analy ischen
Me hode ausmachen: Die Me hode de logischen Analyse in
de Philosophie de idealen Sp ache sowie die de beg i li-
chen Analyse in de Philosophie de All agssp ache (Mülle -
Salo, 2020, 9).
1
De Fokus dieses Au sa zes lieg dabei au
de logischen Analyse.
An diese S elle sei da au hingewiesen, dass es die eine
Me hode logische Analyse nich gib , ebenso wenig wie den
einen Ve e e ode die eine Ve e e in. Im Rahmen dieses
Bei ags kann unmöglich au säm liche Ve e e *innen und
de en me hodischen Ansä ze eingegangen we den. Das Ziel
bes eh somi auch explizi nich in dem E s ellen eines oll-
s ändigen Syllabus de Ideen diese . Vielmeh bes eh das
Ziel in dem Ve such, anhand einzelne Beispiele zen ale
Ideen und Ausgangspunk e de Philosophie de idealen
Sp ache he auszus ellen und exempla isch zu zeigen, wie
eine logische Analyse me hodisch aussehen kann.
1
Au le z e e kann im Rahmen dieses Bei ags nich eingegangen we den,
da eine Da s ellung beide S ömungen den Anges eb en Um ang dieses
Au sa zes übe s eigen wü de. Zu Ve o ung de logischen Analyse wi d
jedoch au die beg i liche Analyse als zwei e zen ale Me hode inne halb
de Analy ischen Philosophie hingewiesen. Zu Ein üh ung und ü einen
Übe blick übe zen ale Ideen und Ve e e *innen eigne sich u.a. Mülle -
Salo (2020).
Logische Analyse als Me hode de Analy ischen Philosophie 102
Hie zu wi d zunächs au den Beg i de Analyse als sol-
chen eingegangen und da au , inwie e n sich ü eine phi-
losophische Analyse die Sp ache als Analysegegens and
e gib . Im Anschluss wi d au den Gegens and de Sp ache
als solchen eingegangen, indem au gezeig wi d, inwie e n
sich die Sp ache als ein logisches Zeichensys em beg ei en
läss , das uns Menschen den Zugang zu Wel übe haup
e s e möglich . Das da au olgende Kapi el bezieh sich au
die Sp ache als zu analysie ende Gegens and und gleich-
zei ig als Analysewe kzeug ih e selbs . Diese Kapi el bilden
das heo e ische Fundamen de sich anschließenden Da -
s ellung wie exempla ische Anwendung de logischen Ana-
lyse als philosophische Me hode.
1. De (philosophische) Analysebeg i
De Beg i ›Analyse‹ läss sich au das g iechische análysis
(ἀνάλυσις), zu Deu sch ‚Au lösung‘ zu ück üh en (DWDS,
Analyse) und mein die Ze gliede ung eines Ganzen in seine
Bes and eile (Regenbogen & Meye , 2013, 34). Die Me hode
de Analyse uß dabei au de G undannahme, dass alles
aus elemen a en Teilchen zusammengese z und wiede um
in diese ze legba is . Die Idee: Die E kenn nis des Wesens
de Dinge du ch die Bes immung ih e Bes and eile (Kan e-
ian, 2004, 7).
In den Na u wissenscha en is eine solche Analyse gän-
gige P axis, wie e wa die Analyse de chemischen Zusam-
mense zung on Ma e ialien. Alles um uns he um bes eh
aus A omen und den A om e bindungen, den Molekülen.
103 Sophie Ramlau
Wasse beispielsweise bes eh aus dem Molekül H2O, wel-
ches sich in zwei Wasse s o a ome (H) und ein Saue s o -
a om (O) ze legen läss (Chemielexikon, Wasse molekül).
We also weiß, wie man die S uk u de Dinge um uns
he um analysie , de weiß, wo aus das Ma e ial unse e
Wel bes eh .
Was abe is eine philosophische Analyse? Die Philoso-
phie beschä ig sich sei de An ike mi F agen nach dem
Wesen de Dinge. Ih Un e suchungsgegens and sind
g undlegende philosophische F agen: Was is die Wi klich-
kei ? Was is Wah hei ? Was is Wissen? Die Philosophische
Analyse bes eh da in, Beg i e zu analysie en und zu de i-
nie en (Kan e ian, 2004, 8). Als Analysegegens and de
Philosophie e gib sich somi die Sp ache.
Me hodisch bes eh die philosophische Analyse mi un e
in de Analyse on Implika ionen und Vo ausse zungen on
Aussagen ode de Zusammenhänge zwischen Beg i en. Sie
um ass die P ü ung, ob sich Schluss olge ungen logisch aus
zu o einge üh en Annahmen ablei en lassen, zum Beispiel
du ch die Re o mulie ung philosophische A gumen e un-
e Rückg i au Techniken de Fo malisie ung. Es wi d
übe p ü , ob A gumen e gül ig sind ode du ch bes imm e
sp achliche Mi el lediglich den Anschein on Gül igkei e -
wecken (Mülle -Salo, 2020, 11).
Als konk e es Beispiel eine philosophischen Analy-
sep axis (im Sinne eine Ze gliede ung eines Ganzen in
seine Bes and eile), kann das P inzip de seman ischen
Komposi ionali ä nach F ege he angezogen we den. Dieses
uß – e ein ach gesag – au de Annahme, dass sich die
Bedeu ung komplexe Sa zge üge aus de en Bes and eilen
und de A und Weise, wie diese zusammengese z und
Logische Analyse als Me hode de Analy ischen Philosophie 104
mi einande e bunden sind, ablei en läss (F ege, 1994,
61).
2. Die Sp ache als Zugang zu Wel
Was is eigen lich die Wel , wie is sie, wa um is sie und was
häl sie zusammen?
All das sind g undlegende F agen, die Philosophinnen
und Philosophen sei de An ike um eiben.
2
Lau Ludwig
Wi gens ein (1922) haben diese bei ih en Übe legungen al-
le dings ein en scheidendes De ail übe sehen: Säm liche
Übe legungen seien nu mi hil e de Sp ache möglich: Egal,
was eine Pe son denk ode sag , sie u es s e s inne halb
de Sp ache. Kein Mensch, so Wi gens ein, könne jensei s
de Wo e ode Sä ze übe haup i gende was denken. E
komm deshalb zu dem Schluss: „Die G enzen meine Sp a-
che sind die G enzen meine Wel “ (TLP, 5,6). Und lieg das
nich auch nahe? Alles Denken und Philosophie en, alles,
was wi übe die Wel wissen ode zu wissen glauben, e -
mögen wi nu mi els de Sp ache auszud ücken. Und al-
les, was hin e diesen G enzen lieg , was sich nich sp ach-
lich ausd ücken läss , das können wi auch nich assen. Die
ganze Wel , wie wi sie e kennen können, spiel sich also
inne halb de G enzen unse e Sp ache ab (TLP, 5,6). Alles,
2 Beispiel: Be ei s Pla on geh in seine Zwei-Wel en-Theo ie de F age
nach dem Wie de Wel nach, indem e die On ologie eine Wel e i ,
nach de die Ideen sich inne halb eine Wel bewegen, die ande s zu e -
o en is als die, de Sinnendinge zuzusch eiben sind (S obel, 2017, 367
.).
105 Sophie Ramlau
was wi denken, müssen wi in Wo en und Sä zen o mu-
lie en. Diese A gumen a ion olgend kann Sp ache somi
als Schlüssel zum Ve s ehen de Wi klichkei beg i en we -
den, weshalb Wi gens ein es als die p imä e Au gabe de
Philosophie e s eh , es zus ellen, was sich übe haup mi -
hil e de Sp ache on de Wel sagen läss und was nich . In
diesem Kon ex s ell e die These au : „Die meis en F agen
und Sä ze de Philosophie be uhen da au , daß wi unse e
Sp achlogik nich e s ehen.“ (TLP, 4,003).
3. Die Sp ache als Analysegegens and
Indem sich analy isches Philosophie en au die Sp ache be-
zieh , implizie e dies nach Jansen sogleich zwei Annahmen
übe die Sp ache: E s ens sei dies die Annahme, Sp ache sei
analysebedü ig (Jansen, 2017, 43). Selbs e s ändlich is
dies keineswegs, unk ionie en sp achliche Kommunika ion
und Ausd uck im All ag doch in den alle meis en Fällen
ohne eine analy ische Re lexion de e wende en Sp ache.
Jedoch is Sp ache an ällig ü Meh deu igkei und Miss e -
s ändnisse. Dies läss sich anhand eines Gedankenspiels
e anschaulichen. S ellen Sie sich olgendes Szena io o :
Au dem Weg zu Ih em Logik-Semina e en Sie
einen Kommili onen, mi dem Sie sich zum spä e en,
gemeinsamen Mi agessen in de Mensa e ab eden.
Au ge eg kündig diese an: „Gu , dass wi uns
gleich zum Essen sehen, ich muss di unbeding on
eine e ück en Si ua ion mi einem Läu e e zäh-
len, die ich am Wochenende e leb habe!“. Nachdem
Logische Analyse als Me hode de Analy ischen Philosophie 112
eigen lich so e was wie eine pe ek e Sp ache gib . Siche -
lich e mag es wede diese Bei ag, noch die analy ische
Philosophie übe haup , au diese F agen eine abschließende
An wo zu geben. Jedoch läss sich du chaus es s ellen,
dass Sp ache wei meh is als ein Mi el zu Kommunika-
ion. Sie is ein, wenn nich de Schlüssel zum Ve s ändnis
de Wi klichkei und sowohl Vo ausse zung als auch We k-
zeug jede (philosophischen) Übe legung ode Idee.
Zugleich bi g die Sp ache alle dings ein immenses Po-
en ial ü Meh deu igkei en und da aus esul ie ende
Miss e s ändnisse. Zwa können Fo male Sp achen de Lo-
gik sich dazu eignen, diese zu eduzie en ode zu umgehen,
gleichwohl s oßen sie abe an ih e G enzen, da die o male
Rich igkei eines logischen Schlusses keine Aussagek a
übe a sächliche Wah hei en in de Wel ha . Ob eine pe -
ek e Sp ache exis ie ode exis ie en kann, bleib o en.
Doch ielleich eg diese Au sa z Sie dazu an, wei e übe
die G enzen und Möglichkei en on Sp ache nachzudenken
und übe ih Ve häl nis zu Wi klichkei .
Li e a u
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113 Sophie Ramlau
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115
h ps://doi.o g/10.38071/2024-00983-1
h ps://c ea i ecommons.o g/licenses/by-sa/4.0
Dialogische Sp achau bau
S e an J. Jelonnek
Abs ac
De dialogische Sp achau bau um ass im Me hodischen
Kons uk i ismus die Fo de ung, dass jede Sch i bei
de explizi en En wicklung eine wissenscha lichen Te -
minologie in eine Leh - und Le nsi ua ion zwischen ‚Du‘
und ‚Ich‘ zu Ve ügung ges ell wi d.
Einlei ung
S ellen Sie sich o , Sie be inden sich in einem Ca é au de
Hol enaue S aße. Plö zlich we den Sie au me ksam au ein
hi ziges S ei gesp äch zweie Gäs e an einem gegenübe lie-
genden Tisch. Sie en nehmen dem Gesp äch, dass es sich um
zwei B üde handel , on denen de Eine in einem G oßun-
e nehmen a bei e , das neben di e sen Indus iemaschinen
auch In an e iegeweh e in kleine S ückzahl p oduzie . De
ande e B ude , sich o en zum Pazi ismus bekennend, we e
ene gisch gegen diese Ta sache an. »Niemals dü en Wa en
e laub we den!« u e seinem Gegenübe en gegen. »Wa -
en dü en imme zum Schu z e laub we den!« en gegne
diese wiede um. Nach eine Weile e lassen Sie das Ca é mi
bleibendem Eind uck. Ihnen schwi diese S ei zweie
e mein lich eise ne G undsä ze im Kop he um. Sie s ellen
sich die F age, ob und wie so ein S ei au zulösen wä e. Da
e en Sie an eine Ampel au eine Kommili onin, die Ihnen
Dialogische Sp achau bau 116
au ge eg on ih em Wochenende e zähl . Vo einem Club de
Be gs aße habe Sie jemand siegessiche ange li e . Lachend
e zähl sie Ihnen, dass sie mi nich s meh als eine hochge-
zogenen Augenb aue eagie e. »Das wa in diesem Momen
meine Wa e, und sie ha ech gu unk ionie «.
1
Wie können In e essenkon lik e a ional (du ch e ein-
ba e Regeln gelei e ) gelös we den? De Kons uk i ismus
de E lange und Kons anze Schule ha sich ausgiebig mi
diese und ähnlichen F agen beschä ig (K ope e al. 2021;
Schwemme 1980; Lo enzen & Schwemme 1975; Kamba -
el 1974; Schwemme 1974). Neben de me hodischen O d-
nung on Wissenscha , d. h. ih e sch i weisen und zi kel-
eien Beg ündung, bilde die beg i liche O ganisa ion das
He zs ück des Me hodischen Kons uk i ismus. Beide As-
pek e sollen de Fo de ung nach eine kla en und e s änd-
lichen Wissenscha ssp ache Rechnung agen (Kamlah
1978). In dem oben geschilde en Szena io s ehen sich zwei
Pe sonen mi un e äglichen In e essen gegenübe . Dabei
we den neben deon ischen
2
auch Ansp üche au Allgemein-
gül igkei e hoben. Im Me hodischen Kons uk i ismus
wi d insbesonde e p oblema isie , dass de a ige Kon lik e
ausge agen we den, ohne dass sich die Be eilig en au
G undlage eine gemeinsam au gebau en ‚O hosp ache‘
(Lo enzen 1973) Kla hei übe No mensys eme e scha en,
die ih en Übe zeugungen zug unde liegen. Im Beispiel wi d
1
Die Inspi a ion ü dieses Beispiel e danke ich K ope, P., Fels , M. &
Koh s, A. (2021). Das T anssubjek i i ä sp ojek . Ein Zugang zu me ho-
disch-kons uk i en E hik (1. Au l., 43 .). Müns e .
2
Das Wo deon isch üh au das al g iechische Wo déon ‚das E o de -
liche‘, ‚das No wendige‘ zu ück. Die deon ische Logik beschä ig sich mi
F agen des Sollens.
117 S e an J. Jelonnek
die seman ische B ei e on WAFFE deu lich, indem die ik-
i e Kommili onin ih e Mimik als ‚Wa e‘ einse z . Soll e
also auch eine solche Mimik e bo en sein?
Kennzeichnend ü die Sp achphilosophie des Me hodi-
schen Kons uk i ismus bilden sein zweck a ionale sowie
p agma ische Ansa z. Un e Zweck a ionali ä wi d e -
s anden, dass die Ve wendung ode Ve we ung eines Te -
minus‘ on dem Sach e hal , zu dessen He s ellung e ein-
ge üh wi d, abhängig gemach wi d (Lo enzen & Schwem-
me , 1975, 148 .). De p agma ische Ausgang g ei dies un-
e de Fo de ung au , dass wissenscha liche Theo iebil-
dung ih en Si z in de Lebenssi ua ion des All ags haben
soll e mi dem Ziel, die P axis des All ags zu e besse n.
Deshalb we den wissenscha liche Te mini im Kons uk i-
ismus mi Rückg i au konk e e Beispiele und Gegenbei-
spiele aus eine gegebenen Si ua ion einge üh . Und hie
se z das dialogische P inzip an.
In e essenkon lik e ode Miss e s ändnisse lassen sich
aus kons uk i is ische Pe spek i e
3
o mals au Sp ache
zu ück üh en. Genaue gesag , au selbs e s ändliche Hin-
e g undannahmen übe die Bedeu ung on Te mini sowie
A gumen s uk u en ode U eilen. Au schluss übe diese
Hin e g undannahmen soll übe ein dialogisches Ve ah en
gegeben we den (Rekons uk ion), wo an ein dialogische
Au bau eine neuen, gemeinsamen Sp ache (Kons uk ion)
anschließ . Kennzeichnend sind hie ü im Kons uk i is-
mus en wickel e Rahmenbedingungen und Regeln de Dia-
3
Wenn im Folgenden on ‚Kons uk i ismus‘ die Rede is , dann is s e s
de Me hodische Kons uk i ismus gemein .
Dialogische Sp achau bau 118
log üh ung. Im Folgenden we den diese Rahmenbedingun-
gen und Regeln genaue e läu e und anhand eines Gedan-
kenexpe imen s du chgespiel .
1. P agma ische Ausgang
Ge hmann (2008) s ell in Anlehnung an Leibniz die F age
Wieso sollen wi übe haup e was un, und nich ielmeh
nich s? Dabei nähe sich Ge hmann deon ologisch dem Be-
g i des Sollens, um es zus ellen, dass ein Sollen s e s ein
Wollen o ausse ze (Ge hmann, 2008, 141). E de inie
Wollen als die „Selbs e ah ung de Handlungsu hebe -
scha in de E s e-Pe son-Pe spek i e des Ak eu s“ (Ge h-
mann, 2008, 142). Im Anschluss da an üh e den Beg i
des Handelns mi dem Beg i des Wollens und Sollens zu-
sammen, und schließ , dass wi au g und dessen wi mi ei-
nande leben auch zum Handeln e p lich e seien. Auch Lo-
enz (1992) s ell das Mi einande an den An ang seine phi-
losophischen Übe legungen: Als Indi iduum be inden wi
uns in einem Spannungs eld zwischen Teil-de -Wel -Sein
und De -Wel -gegenübe -S ehen (Lo enz, 1992, 47). Die E -
ah ungen, die wi o diesem Hin e g und machen, E ah-
ungen also, die wi mi einande und gleichsam ‚auße -ei-
nande ‘ machen, sind das E gebnis eines Wechsels zweie
Rollen, die wi dabei einnehmen: Eine ak i en und das
Können be e enden Ich-Rolle, und eine passi en, das
Wissen be e enden Du-Rolle (Lo enz, 2011, 516 .). Diese
e was abs ak anmu ende Da s ellung g ei im G unde e -
was All ägliches au : Das Ve häl nis on Können und Wis-
sen nämlich, ode ande s: Theo ie und P axis.
119 S e an J. Jelonnek
Ein Leh ling des Tischle handwe ks e le n beispiels-
weise den Einbau eines Fens e s dadu ch, dass ihm zu-
nächs gezeig wi d, wie es geh . De Geselle s eh dabei in
de ak i en Rolle, de Leh ling in de Passi en. Du ch das
allmähliche He an üh en und eigens ändige Umse zen be-
gib sich de Leh ling imme wiede auch in die ak i e
Rolle. Übe haup , so gib Baube ge (2016, 01:40) zu beden-
ken, e s eh de Kons uk i ismus Wissenscha en als E -
gebnis s ilisie e Handwe ke ode Küns e. Inso e n geh
de Wissenscha als Ins i u ion de Theo iebildung schon
imme das Handeln (P axis) o aus, das wiede um die Ra-
ionali ä gleichsam beg ünde . „Wi bedü en de Hand-
lungen, um uns Gegens ände übe haup zugänglich zu ma-
chen.“ (Lo enz, 2011, 515) Aus diesem G unde kons a ie
Lo enz auch, dass einande zu e s ehen bedeu e , zu wis-
sen, wie man das jeweils ande e u (1992, 50).
2. Das me hodische und das dialogische P inzip
De Kons uk i ismus e schöp sich in zwei P inzipien:
dem me hodischen und dem dialogischen P inzip. Me ho-
disch mein in diesem Zusammenhang so iel wie sch i -
weise, zi kel ei und sp achlich eindeu ig und be i einen
bedäch igen Au bau on Wissenscha , bei dem jede En -
scheidung beg ünde aus o angegangenen he o geh . Lo-
enz gib hie zu die K i e ien de Zi kel eihei und Lücken-
losigkei on Syn ax und Seman ik
4
de Wissenscha ssp a-
4
De Beg i Syn ax bezeichne säm liche o mbildende Regeln o male
und na ü liche Sp achen. Die Seman ik bezeichne dabei im wei es en
Dialogische Sp achau bau 120
che an (1992, 57). Dialogisch e weis au ein Beg ündungs-
e ah en, das bei dem me hodischen P inzip zu Gel ung
komm (Lo enz, 2011, 510). Von hie aus läss sich de Me-
hoden-Beg i des Kons uk i ismus besse nach ollzie-
hen.
Als Me hode gil im Kons uk i ismus ein planmäßiges
Ve ah en zum Mi el und zum Zweck (de Funk ion) de
echnischen Fe igkei heo e ische und p ak ische F a-
gen (Lo enz, 1984, 876). Eben dieses Ve ah en ück de
Kons uk i ismus ins Zen um seine wissenscha s heo e-
ischen Bemühungen. Hie zu wu de in Anlehnung an den
In ui ionismus de Ma hema ik und Logik die sog. kons uk-
i e Me hode en wickel . Bei diese Me hode handel es sich
um die Ve meidung on Gedankensp üngen eine wissen-
scha lichen Theo ie, indem jede einzelne Sch i nach ge-
siche en Regeln (beg ündba ) au einen ande en olg
(Alexy, 2019, 179). Anwendung inde die kons uk i e Me-
hode z. B. in de Da s ellungs o m on e was Vo ge unde-
nem – zum Beispiel einem In e essenkon lik – du ch die
Wiede he s ellung (Rekons uk ion) seine ak ischen Ge-
nese
5
(Lo enzen & Schwemme , 1975, 280 .).
Sinne die Bedeu ungen de einzelnen Zeichen ode zeichenke en (Wö e ,
Sä ze, e c.), d. h. am Ende ih e Beg i e.
5
Un e no ma i e (k i ische ) und ak ische Genese e s ehen Lo enzen &
Schwemme (1975) die A bei de Kul u wissenscha en. Le z e e haben
die Au gaben, de Kul u deu ung ( ak ische Genese), de Kul u k i ik (no -
ma i e Genese) und de Kul u e o m. Geh es bei de ak ischen Genese
zunächs um das bloße Fes s ellen gel ende No mensys eme, wi d bei de
no ma i en Genese gep ü , ob jene No mensys eme das Ve nun p inzip
ö de n ode behinde n. In dem So- un-als-Ob alle Sch i e bei de Se zung
eine No m Mi els e nün ige Be a ung ge an we den, heiß dann Re-
kons uk ion de ak ischen Genese.
121 S e an J. Jelonnek
3. Dialog
De Beg i dialogisch is bishe imme wiede ge allen ohne
genaue e Wo e läu e ung. Es is an de Zei , genau das
nachzuholen.
Un e einem Dialog wi d im Kons uk i ismus gemein-
hin eine sp achlich ge üh e Auseinande se zung zwischen
mindes ens zwei Pe sonen e s anden (Lo enz, 1980, 471).
Dabei übe nimm die eine Pe son die Rolle des P oponen en
bzw. de P oponen in P im Sinne de Fü sp ache, die ande e
Pe son übe nimm die Rolle des Opponen en bzw. de Op-
ponen in O im Sinne de Gegen ede. Auch und insbesonde e
hie gil das Ve häl nis on Ich-Rolle und Du-Rolle wie es
wei e oben besch ieben wu de. Konk e bedeu e das, dass
auch P im Sinne de Gegen ede handeln, so wie O im Sinne
de Fü sp ache handeln kann. De Dialog e üll dabei d ei
Funk ionen (Lo enz, 1980, 471):
1. Beg i sklä ung bzw. Wo e läu e ung (F age und An -
wo )
2. U eilssiche ung (P ü ung beg i liche Un e o dnung)
3. O enlegung on Schlussweisen (Ang i und Ve eidi-
gung)
De übe geo dne e Zweck des Dialogs bes eh in de be-
g ünde en O ien ie ung du ch Übe zeugungen, die zu-
nächs e möge des Dialogs adikal in F age ges ell we -
den. Den Ve lau eines kons uk i is ischen Dialogs könn e
man deshalb besch eiben als ein Ve ah en de o übe ge-
henden Auße k a se zung on Übe zeugungen mi dem
Ziel, sie du ch beg ünde e Wiede he s ellung (Rekons uk-
ion) au eine a gumen a i gesiche e – gleichwohl nich
Dialogische Sp achau bau 128
(2) Fü Dich sind
also auch Küchen-
messe Wa en? Al-
les, was sich i gend-
wie ü das E ei-
chen de Schwä-
chung eine Gegen-
sei e eigne , be-
zeichne ich als
Wa e.
(3) Kanns Du das
besch eiben? Wenn
jemand ein Küchen-
messe zum Scha-
den eine ande en
Pe son benu z ,
dann is das eine
Wa e, denke ich.
Zu (2) P gib ein
Beispiel ü Wa e
und geh au die
Behaup ung on O
ein. Zu (3) O
nimm die Wo -
e läu e ung in
Ansp uch und be-
s ä ig seine An-
angsbehaup ung
in (1).
(4) Schau mal die
Ve e e in de Pa -
ei do d üben. Die
en k ä e ge ade
das A gumen des
In e essen en. Da
ha Sie Sp ache als
Wa e benu z .
(5) Also ü mich is
eine Wa e das da,
das ze b ochene
Geweh au dem T-
Shi des Jungen
do hin en.
Zu (4, 5) P und O
geben ein emp ag-
ma isches Bei-
spiel. Kons i u ion
des Gegens andes
du ch Zeigehand-
lungen.
(6) Abe wenn je z
meine Kommili o-
nin ih e Mimik ge-
gen diesen Typen
e wende ha ,
dann sags Du, das
soll e bo en sein?
(7) Na ü lich nich !
Wie komms Du
denn da au ?
Zu (6) P g ei die
An angsbehaup-
ung on O an. Zu
(7) O e eidig
sich gegen P’s Ein-
wand.
(8) Deine An angs-
behaup ung wa ,
dass alle Wa en
e bo en we den
sollen. Also muss
(9) Ich mein e alle
diejenigen Dinge,
die ich als Wa e
bezeichnen wü de.
Zeig Du mi doch
Zu (8) P g ei die
Allaussage on O
an. Zu (9) O be u
sich au eine U -
eilssiche ung; O
129 S e an J. Jelonnek
das ü jeden Ge-
gens and zu e en,
den ich konk e als
Wa e an üh e.
e s mal, dass es
Wa en geben
soll e, die e laub
seien!
e lang einen
Exis enznach-
weis.
(10) Das habe ich
ge an, als ich au die
Pa ei e e e in o-
de meine Kommili-
onin e wies.
(11) Also Wa e be-
deu e zumindes
solche Dinge, die
zum Zwecke des Tö-
ens he ges ell
we den.
Zu (10) P kann
seine Exis enzbe-
haup ung e ei-
digen gegen O. Zu
(11) O e such
eine neue Wo e -
läu e ung.
(12) Alles kla ! Na
da wü de ich Di zu-
s immen, dass so e -
was e bo en sein
soll e.
(13) Sag ich doch!
Was haben wi
denn je z e eich ?
Zu (12) P bes ä ig
O’s Behaup ung.
Zu (13) O e lang
eine O enlegung
de Schlussweise
im Dialog.
(14) Wi haben un-
se en Gegens and
e s mal je ü sich
exempla isch be-
s imm , denke ich.
Dabei sind wi da-
au ges oßen, dass
deine Allaussage
nu inne halb eines
bes imm en Re-
debe eiches gil .
Zu (14) P be-
sch eib die Be-
deu ung ih es Dia-
logs.
Dialogische Sp achau bau 130
7. Schlussbeme kungen
P und O haben sich bishe nu p agma isch e s ändig , d.
h. sie haben anhand on Beispielen und Gegenbeispielen ih-
en Gegens and bes imm . Ih E gebnis is dahe als o läu-
ig zu beu eilen, und ih Kon lik is selbs e s ändlich
noch nich bewäl ig . De Dialog is dami nich unbeding
zu einem Ende gekommen, denn einige F agen sind o en-
geblieben, die geklä we den soll en. Beispielsweise soll-
en P und O da übe nachdenken, ob sie mi ih en imme
noch e schiedenen Beg i en on Wa e eine a ionale Kon-
lik lösung e zielen können. Im All ag neigen wi in de a -
igen Si ua ionen schnell zu Komp omisslösungen; diese
sind alle dings nich imme a sam, weil beide Ak eu e au
ih em subjek i en S andpunk beha en. P und O müss en
nach den K i e ien de T anssubjek i i ä ih e S andpunk e
e lassen und einen gemeinsamen neuen S andpunk bil-
den. P oblema isch da ü könn en die un e schiedlichen E -
ah ungshin e g ünde on P und O sein, die bei ih en Be-
g i sbildungen zum T agen kommen. Bei nähe e Be ach-
ung e wende P das Wo ‚Wa e‘ me apho isch. O hinge-
gen häl an dem Wo ü ein bes imm es Ge ä es . Denken
Sie o diesem Hin e g und übe die F age nach, was ü
eine a ionale Kon lik lösung on P und O e o de lich is .
131 S e an J. Jelonnek
Li e a u
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133
h ps://doi.o g/10.38071/2024-00984-7
h ps://c ea i ecommons.o g/licenses/by-sa/4.0
Dekons uk i es F agen als Me hode
S e an J. Jelonnek
Einlei ung
Was is das Gegen eil on gu ? Wü den Sie sagen, schlech ?
Wie is es mi Geis ? Lau e das Gegen eil Kö pe ? Ob im
All ag, in de Philosophie, in Spezialwissenscha en ode
de Poli ik, unse Denken is häu ig on beg i lichen Ge-
gensä zen gep äg : Fo m – Inhal , Na u – Kul u , Wah hei
– Falschhei , Geis – Ma e ie, Mann – F au, ge ech – unge-
ech , a m – eich und iele meh . Binä es Denken ha mi -
un e den Vo eil, dass En scheidungen im Zwei els all
nich dadu ch e schwe we den, dass wi o unzähligen
Möglichkei en s ehen: Eine Handlung is gu ode schlech ,
eine Aussage is wah ode alsch. Diese e mein liche Vo -
eil bi g jedoch die Ge ah , komplexe Zusammenhänge zu
e ein achen.
Abe was is das übe haup , was wi un, wenn wi e wa
Aussagen als wah ode als alsch bezeichnen? Diese F age
Abs ac
Dekons uk ion is eine bes imm e Weise des F agens,
du ch die e mein lich eindeu ige Wel bilde , poli ische
S andpunk e ode wissenscha liche Hal ungen u m.
hinsich lich ih e Hin e g undannahmen, Pa adoxien
und Meh deu igkei en in ih em es s ehenden Au bau
aus dem Gleichgewich geb ach we den sollen.
Dekons uk i es F agen als Me hode 134
i ins He zs ück sp achwissenscha liche / -philosophi-
sche Übe legungen, wie sie zu Beginn des 20. Jhd. e olg
und du ch den Gen e S uk u alis en de Saussu e e s mals
sys ema isie wo den sind (2001). Es handel sich um die
F age nach de Bescha enhei des Zeichenbeg i s. In Saus-
su es Aus üh ungen übe „[d]ie Na u des sp achlichen Zei-
chens“ (2001, 78) en wickel e ein einschlägiges Modell,
demzu olge ein Zeichen die Ve bindung eine Vo s ellung
(Signi ié) mi einem Lau bild (Signi ian ) is . Die Ve bin-
dung zwischen diesen beiden Sei en de selben ‚Medaille‘,
dem Zeichen, sei beliebig (De ida, 2001, 79 .): Nich s an
dem Gegens and, au dem Sie ge ade diesen Tex hie lesen,
sei es ein Table , ein PC ode das Bookle selbs , ha e was
an sich, das au genau diese Zeichen igu en <Table >,
<PC> ode <Papie > hinweis .
Binä e Gegensä ze üh en in de Philosophie, insbeson-
de e de Me aphysik, eine un e schwellige Rango dnung
(Hie a chie) zwischen den Gegensä zen mi sich: De Geis
e wa gel e als edle gegenübe dem Kö pe . In diesem Zu-
sammenhang üh e De ida die Bezeichnungen des U -
sp ünglichen und des Nachgeo dne en als Redemi el de
K i ik solche Hie a chien einge üh (De ida, 1986b). Die
Me aphysik als diejenige Disziplin, die nach den Dingen hin-
e dem Kö pe lichen, einem le z en G und, einem alles o -
he bes immenden P inzips ag , g ünde au jene Vo aus-
se zung on U sp ünglichem (einem le z e G und) und
Nachgeo dne em (de Wel in de wi leben).
Aus Sich des anzösischen Philosophen Jaques De ida,
um den es o üh end gehen soll, lieg de Ke n diese Hie-
a chisie ungen im Zeichenbeg i selbs : De Zeichenaus-
135 S e an J. Jelonnek
d uck is in De idas Augen dem Zeicheninhal übe geo d-
ne . Diese Vo ang des Ausd ucks gegenübe dem Inhal
e deck , dass ein Paa aus einem Ausd uck und (s)einem
Inhal zwa o mal gesehen beides benö ig . Das Paa aus
einem konk e en Ausd uck wie Baum und einem konk e en
Inhal wie GEWÄCHS MIT STAMM UND ENTWEDER BLATTWERK O-
DER NADELWERKs eh alle dings nich unmi elba es .
Die Ke naussage de on De ida beg ünde en Dekon-
s uk ion wa da au hin olgende: Jede Sinn
1
is s e s ein
o läu ige , in einem nahezu unendlichen Ve weisungszu-
sammenhang on Kon ex en eingebe e e Sinn. Dabei
mein Sinn „[a]lles, was dem Bewuß sein e schein , alles,
was ü ein Bewuß sein im Allgemeinen bes imm is “ (De -
ida, 1986a, 72). Sinn is hie nach nu in de Vo s ellung,
nich als Ding in de Wi klichkei o handen (De ida,
1986a, 73 .).
Fü De ida bedeu e ‚Eindeu igkei des Sinns‘ als E -
scheinungs o m im Sp achgeb auch eine Abg enzung on
ande em Sinn, de als Signi ika du ch einen Signi ikan
ausged ück wi d. Wie o üh end nähe zu e läu e n sein
wi d, ges eh De ida dem Se zen on Eindeu igkei ein
‚küns liches‘ Ausklamme n denkba unübe schauba e an-
de e Signi ika -Signi ikan -Paa e (Zeichen) zu. Im All ag
e weck unse Sp achgeb auch alle dings häu ig den Ein-
d uck, das Ve häl nis zwischen Signi ika und Signi ikan
belau e sich au eins-zu-eins.
We alle dings nach eine ku zen und s ichhal igen E -
klä ung De idas Philosophie ag , i bald au eine e -
nüch e nde Fülle an E klä ungs e suchen – da on kann
1
Sowei ich es übe schauen kann, un e scheide De ida nich s eng zwi-
schen Sinn und Bedeu ung.
Dekons uk i es F agen als Me hode 136
sich diese Au sa z nich eisp echen. De idas Selbs aus-
kun zu olge zeig sich die Dekons uk ion ohnehin nie in
Fo m eine De ini ion, sonde n i im Vollzug De idas In-
e p e a ionen einschlägige Philosophen wie e wa
Rousseau ode Husse l au (De ida, 1983; 1991; 2003).
Nich allein deshalb beda de Ve such eine E klä ung
diese eigenwilligen Philosophie meh als diese Bei ag je
leis en könn e. Dessen ungeach e lieg de Ansp uch des
Au o s lediglich da in, einzelne Gesich spunk e „dekon-
s uk i e[n] F agen[s]“ (De ida, 1991, 17), die e als wich-
ig ü das philosophische Handeln e ach e , au zuzeigen.
1. Was is Dekons uk ion?
Dekons uk ion is im wei es en Sinne eine sp achliche
Analyse, in de ein o gegebene Sinn (das, was gemein
is ) in Tex en – und Tex mein bei De ida jede Fo m
sp achlichen Ausd ucks – allmählich au gelös wi d. In die-
se Allgemeinhei will De ida dekons uk i es F agen auch
e s anden wissen, denn es „be i die G undlagen des
Rech s, de Mo al und de Poli ik“ (De ida, 1991, 17).
Gleichwohl is dami nich seine sei s de Ansp uch au Be-
g ündung on Eindeu igkei e bunden: Dekons uk ion is
ein Ve such, hin e g ündige Annahmen und insbesonde e
beg i liche Wide sp üche au zudecken, die im gesp oche-
nen ode gesch iebenen Wo nu den Anschein on Al e -
na i losigkei e wecken. De ida besch eib dies anhand
des Ausd ucks Signa u : Ein Signi ika p äg De ida zu-
137 S e an J. Jelonnek
olge gleich eine Un e sch i die Bedeu ung des Signi i-
kan en, dem es zugeo dne wi d (De ida 1991, 17). De ida
besch eib dies olgende maßen:
Wenn die Wö e und die Beg i e nu in di e en iellen Ve ke -
ungen sinn oll we den, so kann man seine Sp ache und die
Wahl de Ausd ücke nu inne halb eine Topik und im Rahmen
eine his o ischen S a egie ech e igen. (De ida, 1983, 122)
De Sinn sp achliche Zeichen wi d in seine Ve wendung
demnach nu inne halb eines bes imm en Bedeu ungs-Sys-
ems e wa übe e hische ode epis emische Vo s ellungen
gel end gemach . De ida benenn solche Vo s ellungen als
Topik. E k i isie dami den on ologischen Ansp uch on
Bedeu ungen. De ida ass Bedeu ungen als his o isch ge-
wachsene und allmählich e es ig e Zeichen au . Sie sind
seines E ach ens gemach , nich gegeben. Bedeu ung, be-
on D eishol kamp nun, e häl ein Zeichen abe e s
dadu ch, dass es e was Ande es als sich selbs bezeichne
(De ida, 1999, 160). Die Bedingung de Möglichkei dessen
be uh da au , dass sp achliche Zeichen beliebig (a bi ä )
sind (de Saussu e, 2001, 79).
Hie aus olg ü das dekons uk i e F agen eine en -
scheidende These: De e mu e e U sp ung eine Bedeu-
ung be uh au de Annahme, dass Bedeu ungen e was an-
sich-Seiendes sind. Das Gegen eil is nach De ida abe de
Fall: Nich die Sp ache inde Bedeu ungen in eine sp ach-
unabhängigen Wel o , sonde n kons i uie die Bedeu ung
‚de Wel ‘ du ch Signa u en. Ve ikale Hie a chiege älle wie
Logos > Sch i , Au o > We k, Wel > Disku s, Langue >
Pa ole we den k a jene These au eine ho izon ale Achse
e lage , au de Signi ika e nich meh Signi ikan en ‚be-
he schen‘, sonde n Signi ikan en beliebig – spiele isch –
Dekons uk i es F agen als Me hode 144
Das dekons uk i e F agen sei noch einmal un e schie-
den in ein Hin e agen implizi e Vo ausse zungen ü die
Bildung on Gegensä zen, und ein E agen ausgeklamme -
en Sinns (Al e na i en) du ch Bezeichnung. Dekons uk-
ion möch e den Kon ex au decken und zeigen, dass Bedeu-
ungen le z lich Wiede holungen on Bedeu ungske en
sind (Schönwälde -Kun ze, 2020, 158 .) – eine Bedeu ung
üh zu nächs en und so wei e . Eine ‚le z e Bedeu ung‘ is
nach dem Gesag en e geblich zu suchen. Was abe olg da-
aus? Naheliegend is , dass Sinn nu un olls ändig, eil-
weise und dahe nich um änglich gegenwä ig sein kann.
Denn gegenwä ig is nu eine E scheinungsweise, ein mo-
men anes Au auchen eine Lesa ode E zählung, wie ‚die
Wel ‘ is . Das jedoch äusch übe ih e Ausschni ha igkei
hinweg.
De ida g ei als Beispiel un e ande em au das Wo
Gewal zu ück. We das Wo im Sinne de S aa sgewal en
in e p e ie , klamme du ch diese Zusammense zung on
Signi ika und Signi ikan aus, dass es eben alls die Paa e
im Sinne on Na u gewal en ode „gewal ä igen Hand-
lung[en]“ e wende we den kann (De ida, 1991, 13) ode
eines Na u e eignisses, welches wi als »höhe e Gewal «
bezeichnen. Das wä e seh e ein ach eine Weise des E -
agens. Will man abe hin e agen, au welchen Bedingun-
gen ein gese z e Sinn uß , könn e man olgende maßen
anse zen: We in einem Rech ss aa angemelde demons-
ie , dass die Meinungs eihei du ch diesen Rech ss aa
nich gegeben wä e, und dabei polizeilichen Gelei schu z
genieß , bau seinen P o es genau au de Bedingung eine
Meinungs eihei au .
145 S e an J. Jelonnek
Eine Ke n hese De idas Philosophie läss sich in diesem
Zusammenhang benennen, und zwa die, dass beg i lichen
Gegensä zen eine „gewal same Hie a chie“ (De ida,
1986c, 88) zug unde liege. De ida sp ich in einem In e -
iew mi Houdebine und Sca pe a (1986c) on eine no -
wendigen Umb uchsphase im Zuge eine Dekons uk ion,
die jene Hie a chie au zub echen beabsich ig .
Diese No wendigkei ge ech we den heiß ane kennen, daß
man es bei einem klassischen philosophischen Gegensa z
nich mi de iedlichen Koexis enz eines Vis-à-Vis, sonde n
mi eine gewal samen Hie a chie zu un ha . Eine de beiden
Ausd ücke behe sch (axiologisch, logisch usw.) den ande-
en, s eh übe ihm. (De ida, 1986b, 87 .)
Das E gebnis on Dekons uk ion is ein ausgeglichenes
Ve häl nis eins gegensä zliche Beg i e, eine nich -Hie a -
chie, ode , in De idas Wo en, ein „Wede -noch“ (De ida,
1986c, 91). De idas Ve wendung de Konjunk ion »Wede -
noch« is alle dings nich gleichbedeu end mi de logi-
schen Ve wendung im Sinne on »beides-nich «. »Wede -
noch« mein bei De ida „zugleich ode ode “ (De ida,
1986c, 91). Ku zum: Eine olls ändige Glä ung des u -
sp ünglichen Gegensa zes, indem e was Neues, in dem
beide Gegensä ze neu alisie sind, gleich gese z we den.
Ein Beispiel da ü is das Wo Dekons uk ion selbs .
Dieses Wo is be ei s das E gebnis dessen, was es bezeich-
ne – das dekons uk i e F agen. An angs lagen De ida
zwei Beg i e zug unde, nämlich Des uie en (ze s ö en)
und Kons uie en (he s ellen). Da ze s ö nu e was be ei s
He ges ell es we den kann, is zumindes das eine Glied an
das ande e gebunden. Fe ne abe d ücken beide Wö e
nich genau das aus, was De idas Absich en sp ich . We-
de will e Sinns uk u en ze s ö en noch eigens welche
he s ellen. E will ielmeh ih e e mein liche S abili ä
Dekons uk i es F agen als Me hode 146
aus dem Gleichgewich b ingen. Hie zu scha De ida also
ein gleichsam neu ales Wo : Dekons uk ion.
Ich hal e Fes : Dekons uk i es F agen lieg die An-
nahme zug unde, dass beg i liche Gegensä ze hie a chi-
sche S uk u en s abilisie en. Diese we den ge es ig du ch
e mein lich unums ößliche Signi ika -Signi ikan -Paa e,
die his o isch du ch Ve wendung e es ig wu den, im
Denken, Handeln, in Ins i u ionen und ielem meh . Dahe
mach sich das dekons uk i e F agen zu Au gabe, diese
Ve bindungen au g und de Assozia i i ä und A bi a i ä
de Sp ache neu zu e agen: Welche Sinn läss sich he -
s ellen, wenn ich ein ande e Pe spek i e einnehme?
Ich möch e abschließend exempla isch in ach Sch i -
en
3
o üh en, wie die hie besp ochenen Me kmale des
dekons uk i en F agens angewende we den können. Hin-
gewiesen sei da au , dass Dekons uk ion nich besch änk
is au li e a ische ode philosophische Tex e. Sie kann an
Blogein ägen, In e iews, Zei ungsa ikeln, Leh sä zen,
We bespo s und de gleichen meh ollzogen we den.
4. F agen de Dekons uk ion: Eine Anwendung
Im Folgenden e suche ich anhand sieben F agen, denen al-
len de Zweck on Dekons uk ion zug unde lieg , einen
Ausblick au die konk e e Anwendung dekons uk i en F a-
gens zu geben. Diese F agen s ehen in keinem kausalen Zu-
sammenhang.
3
Das is ein Vo schlag ohne Ansp uch au Volls ändigkei . Es soll, wie ge-
sag , die E kenn nisse des Au sa zes selbs noch einmal gegliede we den.
147 S e an J. Jelonnek
Hin e g undannahmen p ü en
Eine kü zlich ausges ahl e Ausgabe de Sendung Ha abe
ai (2024, 27. Mai) äg den Ti el Kamp um Eu opa. Siegen
die Populis en? Es geh mi nich da um, die Se iosi ä de
Sendung in F age zu s ellen. Es geh mi da um zu zeigen,
wie Dekons uk ion e ah en könn e. De Ti el e weck
den Anschein, dass ak isch ein »Kamp « um ‚Eu opa‘ ge-
üh wi d. Dabei läss e öllig o en, was mi Eu opa ge-
mein is : die geog a ische Eino dnung, ein poli isches
Bündnis, das Wo »Eu opa« – es könn e ja auch die gleich-
namige Figu de g iechischen My hologie gemein sein.
Was is da übe hinaus genaue du ch die P äposi ion um
angezeig ? Geh es um einen Kamp um die Vo he scha
in Eu opa ode den E hal on Eu opa? We sich die emp-
ehlenswe e Diskussion ansieh , wi d es s ellen, dass die
geladenen Gäs e a sächlich seh un e schiedliche Posi io-
nen einnehmen, die de einen und de ande en In e p e a-
ion zugeo dne we den, kann. Die Anschluss age nimm
geziel eine e mein lich nega i konno ie e Pe spek i e
ein, indem sie nach dem Sieg de Populis en ag . Die F age
hä e ja auch lau en können: e lie en die Realpoli ike ? O-
de umgekeh : Siegen die Realpoli ike ? Allein du ch die ge-
wähl e F age wi d eine An wo be ei s in eine bes imm e
Rich ung gewiesen, nämlich in die Rich ung, die Au me k-
samkei au populis ische und wenige nich -populis ische
Poli ik zu lenken.
Zum Wei e denken: Schauen Sie sich die angeme k e Aus-
gabe de Sendung „ha , abe ai “ an. Ve suchen Sie in ei-
nem Sa z die Pe spek i e de Gäs e bezüglich de Wa en-
lie e ung Deu schlands an die Uk aine zu besch eiben. Wel-
che Gesich spunk e we den jeweils ü selbs e s ändlich
Dekons uk i es F agen als Me hode 148
angenommen, welche Gesich spunk e we den ausgeklam-
me ?
Tex komposi ion p ü en
Welche Adjek i e, Ve ben und Subs an i e we den zu wel-
chen Da s ellungszwecken, zuguns en welche E zählpe -
spek i e e wende ? Ein bekann e philosophische Essay
on P. Bie i (2012) äg den Ti el: Wie wä e es gebilde zu
sein? Du ch den I ealis (Konjunk i II) wi d de Eind uck
e weck , dass die Eigenscha gebilde -sein bishe nieman-
dem, denn diese Allgemeinhei wi d du ch das exple i e es
ausged ück , zugesp ochen we den könne. De Au o e -
äh dabei mi einem ganz bes imm en Bildungsbeg i , de
dazu üh , dass e diese F age übe haup in diese Fo m
s ell . Ände man abe die Bedeu ung in einen ande en Bil-
dungsbeg i , so komm man gegebenen alls dazu, on eine
„ asche[n] Bildung“ (Nie zsche, 2012, 184) als eine zwa
bes ehenden, abe un olls ändigen zu eden.
Zum Wei e denken: Suchen Sie in diesem Au sa z au äl-
lige Moduswechsel (Indika i , Konjunk i ). Welche Funk-
ion haben diese ü die Aussagek a ? Schlagen Sie in ei-
nem Philosophischen Wö e buch das Wo ‚Hypos ase‘
nach und übe legen sich, welchen Un e schied ein Nominal-
s il gegenübe dem Geb auch on Adjek i en und Ve ben
zu Besch eibung on Sach e hal en mach .
149 S e an J. Jelonnek
He auss ellen ‚ es e ‘ und ‚bewegliche ‘ Bedeu ungen
Tex e sind au g und ih es Fo ma s endlich. Die Abgeschlos-
senhei eines Tex e äusch abe übe die Unabgeschlossen-
hei des o wäh enden Nachsinnens, de andaue nden
He s ellung on Bedeu ung hinweg. So wu de in diesem
Au sa z e wa ein Beispiel bezüglich des Wo es „Gewal “ an-
ge üh . Dass wei e e beg i liche Di e enzie ungen und
kon ex uelle Eino dnungen nich nu möglich, sonde n ak-
isch auch du chge üh wo den sind, läss diese Tex pas-
sage aus.
Zum Wei e denken: Ach en Sie bei ih en zukün igen, abe
ganz besonde s den nächs en Semina ex en da au , ob und
wenn ja au welche Weise Fachbeg i e e wende we den.
Was wü de mi dem Tex sinn geschehen, wenn Sie eines
diese Fach e mini, beispielsweise den Te minus ‚Ve nun ‘
ode ‚Ge ech igkei ‘ au eine ande e Ihnen ielleich be-
kann e Weise in e p e ie en?
Meh deu igkei en suchen
Besonde s in e essan is , ob eine Meh deu igkei on Wö -
e n au g und unp äzise Ve wendung he ausges ell we -
den kann. In diesem Au sa z wu de au Nie zsche au me k-
sam gemach , de das Wo oll e wende . Dieses Wo is
meh deu ig (ambig), wie gezeig wo den is .
Zum Wei e denken: Lesen Sie den Tex „De olle Mensch“
on Nie zsche und in e p e ie en Sie ihn mi beiden hie zu
Ve ügung ges ell en Bedeu ungen. Bleib de Sinn de glei-
che? Sind die Lesa en e einba ? Welche Konsequenz ha
das E gebnis Ih e Un e suchung ü die Aussages ä ke des
Tex es?
Dekons uk i es F agen als Me hode 150
Wide sp üche kennzeichnen
Manche Tex e können sogleich meh e e Dinge bedeu en.
Das kann un e Ums änden ein geziel es li e a isches Mi el
sein. Es kann abe auch ein he o isches Mi el sein, e wa
in de poli ischen Deba e, um sich möglichs iele „Aus-
wege“ im Falle on Einwänden o en zu hal en.
Zum Wei e denken: Schauen Sie sich die angeme k e Aus-
gabe de Sendung „ha , abe ai “ an (Hin e g undannah-
men p ü en)und übe legen sich in diesem Zusammenhang,
ob die Gäs e de Sendung wide sp üchlich a gumen ie en.
Zweiwe igkei übe winden
Ein p ominen es Anliegen dekons uk ionis ischen F agens
bes eh im Au b echen sog. Binä e S uk u en. In de Ein-
lei ung dieses Au sa zes wu den eine Reihe solche Paa e
o ge üh . Eine Dekons uk ion solche Paa e such nach
wei e en Bedeu ungen, die gg . ließend sind zwischen den
pola kon ä en Wö e n, e wa wah und alsch – in de Lo-
gik e wa wu de die sog. Fuzzy-Logik en wickel , die den
G ad an Wah hei ode Falschhei un e such .
Zum Wei e denken: Se zen Sie sich mi dem P oblem des
Wah hei sbeg i s in de klassischen Logik aus Sich de
kons uk i en Logik auseinande . Lesen Sie dazu on Ca l
F ied ich Ge hmann (2015): Wah hei und Beweisba kei .
(Genaue e Li e a u angabe im Li e a u e zeichnis!)
151 S e an J. Jelonnek
Selbs e s ändlichkei en eilegen
Obwohl sich de hie o liegende Tex da um bemüh ha ,
‚kla und ein ach‘ gesch ieben zu sein, wu den Te mini he -
angezogen, Ve häl nisse da ges ell und Be eiche De idas
We k e ö e . Die dadu ch he ges ell e Selbs e s ändlich-
kei soll e jedoch nich ü ‚ es ‘ ein ach hingenommen we -
den. Du ch die Auswahl de Te mini, ih e E klä ungen so-
wie de gegebenen Beispiele du ch den Tex wu den Ein-
sch änkungen o genommen, die sich gegebenen alls au
das Tex e s ändnis auswi ken.
Zum Wei e denken: Nehmen Sie sich eine Ih e Semina -
ex e und s ellen Sie die Pe spek i e, die de Tex einnimm ,
he aus. We den Beispiele gegeben, wenn ja wo und welche
A ? We den Gegensä ze au gemach , wenn ja, wie we den
die einzelnen Teile je da ges ell ?
E gebnisse siche n
Dekons uk ion e such nich , »die« Wah hei ü sich
in Ansp uch zu nehmen. Sie e olg lediglich den Zweck
de Übe p ü ung e mein lich es e E kenn nisse. E geb-
nisse we den also am elegan es en so gesiche , dass man
die ande en möglichen Sinnbes immungen und Pe spek i-
en als Al e na i en da s ell und besch eib .
5. Schlussbeme kung
Das dekons uk i es F agen ha ü sp achphilosophische
Übe legungen insbesonde e deshalb einen Reiz, weil es
nach de Bes ändigkei on sp achlichen Zeichenübe haup
Dekons uk i es F agen als Me hode 152
ag . Da uns Sp ache äglich und nich bloß in de Uni e -
si ä begegne , läss sich dieses E agen nach ande en
Sinnbes immungen und Blickwinkeln seh gu in unse en
äglichen Blick hineinnehmen. Die Idee dieses Au sa zes be-
s and da in, wesen liche Me kmale dekons uk i en F a-
gens zu e ö e n und abschließend als beispielha e Hand-
lungssch i e ü eine Dekons uk ion o zuschlagen, dami
Sie, als S uden in ode S uden , ein echnisches Hil smi el
haben, um nich bloß philosophische Tex e k i isch zu lesen,
sonde n auch ih en All ag, das Ve hal en Ih e Mi men-
schen und auch Ih eigenes nich als selbs e s ändlich hin-
nehmen.
Li e a u
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