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Spanien in aktuellen deutschen Reiseromanen

Abstract

Spanienbilder in deutschen Reiseromanen der Gegenwart stellen ein bisher kaum erforschtes Gebiet dar. Daher werden in dieser Studie fünf seit der Jahrtausendwende erschie-nene Romane unterschiedlicher Genres analysiert, die sich den Spanienerfahrungen deutscher Rei-sender widmen. Deren Spanienbilder werden auf den Ebenen der imaginären und der tatsächlichen Raumerfahrung produziert, wobei die große Diskrepanz zwischen diesen beiden Ebenen zu Enttäu-schungen führt. Durch verschiedene Erzähltechniken werden dabei die Figuren als naiv und ihre meist negativen Spanienbilder als Spiegel des eigenen Scheiterns entlarvt sowie gängige spanische Stereo-type in Frage gestellt.

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Spanien in aktuellen deutschen Reiseromanen

Author: Bies, Andrea
Publisher: Universidad de Granada
Year: 2021
DOI: 10.5209/rfal.78404
Source: https://digibug.ugr.es/bitstream/10481/92735/1/Bies_Spanien%20in%20aktuellen%20Reiseromanen.pdf
Spanien in ak uellen deu schen Reise omanen
And ea Bies
1
Recibido: 15 de diciemb e de 2020 / Acep ado: 20 de ene o de 2021
Zusammen assung. Spanienbilde in deu schen Reise omanen de Gegenwa s ellen ein bishe
kaum e o sch es Gebie da . Dahe we den in diese S udie ün sei de Jah ausendwende e schie-
nene Romane un e schiedliche Gen es analysie , die sich den Spaniene ah ungen deu sche Rei-
sende widmen. De en Spanienbilde we den au den Ebenen de imaginä en und de a sächlichen
Raume ah ung p oduzie , wobei die g oße Disk epanz zwischen diesen beiden Ebenen zu En äu-
schungen üh . Du ch e schiedene E zähl echniken we den dabei die Figu en als nai und ih e meis
nega i en Spanienbilde als Spiegel des eigenen Schei e ns en la sowie gängige spanische S e eo-
ype in F age ges ell .
Schlüsselwö e : Spanienbild; Reise oman; Deu sche Gegenwa sli e a u .
[en] Spain in Cu en Ge man T a el No els
Abs ac . Depic ions o Spain in con empo a y Ge man a el no els ep esen an a ea ha has ha d-
ly been esea ched o da e. The e o e, his s udy analyses i e no els o di e en gen es published
since he u n o he millennium, which a e dedica ed o he expe iences o Ge man a elle s in
Spain. Thei images o Spain a e p oduced on wo le els: he imagina y and he ac ual expe ience o
space, whe eby he g ea disc epancy be ween hese wo le els leads o disappoin men . Th ough
a ious na a i e echniques he cha ac e s a e exposed as nai e and hei mos ly nega i e images o
Spain as a mi o o hei own ailu e. In addi ion, Spanish s e eo ypes a e also ques ioned.
Keywo ds: Depic ion o Spain; T a el No el; Ge man Con empo a y Li e a u e.
[es] España en las ac uales no elas de iajes alemanas
Resumen. Las imágenes de España en las no elas de iajes alemanas con empo áneas ep esen an un
campo has a aho a poco explo ado. Po lo an o, es e es udio analiza cinco no elas de di e en es
géne os publicadas desde el cambio de milenio que es án dedicadas a las expe iencias españolas de
los iaje os alemanes. Sus imágenes de España se p oducen en dos ni eles: la expe iencia espacial
imagina ia y la eal, y la g an disc epancia en e es os dos ni eles lle a a la decepción. A a és de
a ias écnicas na a i as, los pe sonajes se exponen como ingenuos y sus imágenes, en su mayo ía
nega i as, de España como un espejo de sus p opios acasos, además de cues iona los es e eo ipos
comunes españoles.
Palab as cla e: Imagen de España; no ela de iajes; li e a u a alemana con empo ánea.
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1
Uni e sidad de G anada (España).
E-Mail: [email p o ec ed]
ORCID: 0000-0001-5890-5804
Inhal s e zeichnis. 1. Ein üh ung. 2. Besch eibung imaginä e Räume und Mo i e ü die Reise. 3.
Ta sächliche Raume ah ung. 4. Resümee.
Cómo ci a : Bies, A., «Spanien in ak uellen deu schen Reise omanen», Re is a de Filología Alemana
29 (2021), 93-108.
1. Ein üh ung
Beim Anblick des Flusses Manzana es in Mad id sinnie de P o agonis aus Pe e
Rich e s Roman G an Via:
Um nich s in de Wel hä e ich das je z gegen die Seine ode den Tibe ode den
A no ode die Themse mi ih en Muschelbänken aus Pauschal ou is en einge-
ausch . Wie angenehm klanglos dagegen de Name des Rio Manzana es. Keine
einzige Sehnsuch wi d dadu ch im No den Eu opas zum Schwingen geb ach .
Die meis en we den nich einmal wissen, daß Mad id übe haup an einem Fluß
lieg . (Rich e 2009: 22)
Die Sehnsuch nach dem Süden is ein G undmo i in de deu schen Li e a u .
2
Dabei s ell o allem I alien wegen seine geog aphischen Nähe zu Deu schland
das übe wiegend au gesuch e Reiseziel da . Spanien wu de wei wenige häu ig
zum Schaupla z deu sche Reiseli e a u , wo au das eben genann e Zi a anspiel ,
de No deu opäe e binde mi dem Fluss de spanischen Haup s ad keine sehn-
such s ollen P ojek ionen. Wenn auch de Fluss Manzana es nich zum opog a-
phischen In en a zähl , das bei deu schen Rezipien en Assozia ionen an den Süden
auslös , so is doch Spanien selbs ein kul u ell p ä igu ie e Raum, de die Wah -
nehmung de Reisenden schon o Beginn des Au en hal s beein luss .
3
Mi sol-
chen imaginä en Bilde n und de „ a sächlichen“ Raume ah ung on in Spanien
eisenden Figu en ak uelle deu sche na a i e Gen es will sich diese S udie in
einem Übe blick be assen. Welche Vo s ellungen e binden die Figu en gegenwä -
ige Li e a u o ih em Au en hal mi Spanien? Is in den Tex en eine „Abkeh
om S e eo yp“ zu beobach en, wie sie Gansel (2009) ü das zei genössische deu -
sche Polenbild kons a ie ? Is die Spaniene ah ung de Figu en du ch Desillusio-
nie ung gep äg , wie sie G emle (2012) ü den No den als Imagina ions aum in
de deu schen Gegenwa sli e a u es s ell ? Beding du ch diese F agen wu den
dahe Romane gesich e , in denen sich deu sche P o agonis en ü eine Reise ode
einen länge en Au en hal nach Spanien begeben. Aus diesen wu den wiede um
diejenigen ausgewähl , in denen die Spaniene ah ung explizi e E wähnung inde :
Michael Schweßinge s (im Pa a ex als solche ausgewiesene) Roadno elle Beim
Esel links (2016), Do is Dö ies Reise oman Alles Inklusi e (2011), de K iminal-
oman Die o en Gassen on Ba celona (2011) on S e anie K emse und die bei-
den Cul u e-Clash-Comedys Papa an e Palma (2011) on S e an Kelle und Pe e
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2
Auch de No den s ell einen solchen Sehnsuch s aum da . Zu „Geog aphie des Sehnens“ in de deu schen
Li e a u siehe T eichel (2000: 48-71).
3
Zu wechselha en Geschich e des deu schen Spanienbildes in deu schen Reisebe ich en om Mi elal e bis in
die Gegenwa siehe Raposo Fe nández/Gu ié ez Koes e (2011).
Rich e s G an Via (2009).
4
Bis au Dö ie weisen alle Au o en in Pa a ex en
(Nachwo e ode Danksagungen) da au hin, dass ih e Na a i e au a sächlich
s a ge undenen Au en hal en in Spanien be uhen. Dami e heben die Tex e o z
ih e Fik ionali ä einen Ansp uch au Au hen izi ä , was den Schaupla z de Hand-
lungen be i . Jedoch s ellen die Romane ganz un e schiedliche Gen es da , wes-
halb auch in den Blick genommen wi d, welche Funk ionen die Spanienda s ellun-
gen in den jeweiligen Handlungss uk u en de Tex e einnehmen. Dami be ass
sich diese S udie mi eine Lücke in de E o schung zei genössische deu sche
Spanienbilde , da e sich mi ik i e Li e a u auseinande se z , wäh end sich die
Fo schung bishe o allem au die Analyse on Reisebe ich en besch änk ha . Ein
bedeu ende Un e schied lieg , abgesehen om o wiegend nich - ik ionalen Cha-
ak e des Reisebe ich s
5
, in de Funk ion des Raums in Reisebe ich und Reise o-
man: wäh end Spanien im Reisebe ich übe wiegend als Anschauungs aum dien ,
wi d Spanien im Roman zum Ak ions aum, de Handlungen und E eignisse e mög-
lichen ode e hinde n kann. Wie zu zeigen sein wi d, ha diese Funk ion des
Raums im Reise oman einen e heblichen Ein luss au das jeweils p äsen ie e Spa-
nienbild. Wei e hin e laub die ü die ik ionale Li e a u ypische wei läu ige e
Da s ellung de Innenwel de Figu en einen Einblick in de en Re lek ion de
Wah nehmungen. Diese Re lek ionen illus ie en, wie s e eo ype Me kmalszu-
sch eibungen des Südens bzw. Spaniens und de Spanie a i mie ode dekons u-
ie we den. Diese Zusch eibungen sollen in einem abschließenden Sch i im Kon-
ex de E eignisse und de E zähl echnik de Tex e gedeu e we den.
2. Besch eibung imaginä e Räume und Mo i e ü die Reise
In as allen o liegenden Romanen we den übe in e ne Fokalisie ungen die Bilde
p äsen ie , welche die P o agonis en mi dem Land Spanien bzw. bes imm en spa-
nischen Regionen und S äd en o de a sächlichen Raume ah ung e binden. So
klang ü den au odiege ischen E zähle on Beim Esel links die S aße on Gib al-
a schon als Kind „magisch in meinen Oh en ..., wenn man mi den Finge n übe
den Globus eis e“ (Schweßinge 2016: 7). Alle dings komm e öllig zu ällig
au g und eines A bei sangebo es als Bäcke nach Südspanien, obwohl e „niemals
mi dem Gedanken gespiel “ ha e, nach Spanien zu gehen, denn es sei „ öllig un-
e heblich, wohin man geh “ (Schweßinge 2016: 43). Mag auch de O beliebig
und de Reiseanlass zu ällig sein, so inde die Reise jedoch nich ohne Mo i s a :
De P o agonis is au de Fluch o sich selbs , „denn nu in de F emde und in
de Bewegung geling es mi ku z is ig, dem zu en gehen, was man is “
(Schweßinge 2016: 90).
Keine Fluch , abe das Mo i de Heilung auch im mul ipe spek i isch ange-
leg en Roman Alles Inklusi e on Dö ie als Reiseanlass au . Die südlichen Asso-
zia ionen de P o agonis in Susi sind o ih em Au en hal in Spanien nich seh
ausgep äg , abe posi i : „Blaue Himmel, blaues Mee . Meh b auch sie nich , um
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4
Viele Romane beinhal en zwa Reisen nach Spanien, es inde abe keine Auseinande se zung mi dem Land
s a , wie bspw. Neujah (Zeh 2008), Leich es Lich (Pleschinski 2008). De Tex Cabo de Ga a (Ruge 2013)
wu de be ei s an ande e S elle de aillie un e such (Bies 2016).
5
Zu Diskussion de Fik ionali ä on Reisebe ich en siehe bspw. B enne (1990: 20-25).
glücklich zu sein“ (Dö ie 2011: 56). Sie sind e bunden mi de Ho nung au
Heilung des Nie enleidens ih es Mannes, mi dem Susi ein neues Leben un e spa-
nische Sonne plan . Bei ih e Ankun is sie übe zeug , dass de O ih e Wünsche
e üllen kann: „Susi mach das Fens e au , wa me Wind weh ih eundlich du ch
die Haa e, es iech nach Pinien und Mee , und ja, je z weiß sie wiede , wa um sie
hie is . Nu hie kann es eine Wendung zum Gu en geben“ (Dö ie 2011: 65).
Das Mallo ca-Bild des P o agonis en aus Kelle s Papa an e Palma is hingegen
o de Ankun seh k i isch. Die Anlehnung des Roman i els an Lo io s Filmko-
mödie Pappa an e po as weis be ei s au die humo is ische Anlage des Romans
hin. De P o agonis , ein Musike aus Köln, is mi eine Spanie in e hei a e , die
als Toch e spanische Mig an en in Deu schland au gewachsen is . Die Besch ei-
bung seine F au bewe ks ellig de au odiege ische E zähle anhand na ionale
S e eo ype. Demnach e üge sie übe
... das O ganisa ions alen und die Selbs i onie eine deu schen F au und zu-
gleich ein übe mäßiges Eh ge ühl und eine manchmal ge adezu aba ige Gelas-
senhei , die nu mi de spanischen Sonne und den endlosen Ko n elde n Kas ili-
ens zu un haben konn e. (Kelle 2011: 11)
Die Ta sache, dass de au odiege ische E zähle ü die cha ak e liche Besch ei-
bung eine Figu au na ionale S e eo ype zu ückg ei , weis be ei s au das Kon-
lik - bzw. Komikpo en ial diese Komödie hin, dass sich übe wiegend aus kul u-
ellen Un e schieden speis . So sind denn auch ü den Ums and, dass sich seine
F au in Deu schland wohl ühl , nich pe sönliche Ums ände, sonde n das „posi i e“
deu sche Spanienbild e an wo lich, dessen S e eo ype e mi I onie un e leg :
Schließlich is alles, was mi Spanien zu un ha , bei uns ech posi i bese z –
mal abgesehen on den Südame ika eldzügen, de spanischen Inquisi ion, dem
zwei en I ak-K ieg, dem S ie kamp und Julio Iglesias. Die Spanie innen und
Spanie gel en ja gemeinhin als assig und empe amen oll, ohne dass sie auch
nu einmal den Mund au machen müss en. (ebd.)
Dennoch e miss seine F au ein „ech es spanisches Lebensge ühl“ (ebd.) und als
sie ein Jobangebo in Mallo ca e häl , ziehen sie mi ih en jüngs gebo enen Zwil-
lingen au die Insel. De Roman besch eib die Wid igkei en des Umzugs und
schließlich den All ag in de neuen Heima . Beim Landean lug au Palma e lek-
ie de E zähle übe ehlende Assozia ionen zu diesem O , e se z diese abe
ku ze hand mi solchen eine ande en spanischen Küs ens ad : „Palma! Noch e -
binde ich nich s mi dem S äd enamen. Keinen Ge uch, kein Ge äusch, keine Fa -
be, kein Gesich . ... Na ü lich, ich habe meine Vo s ellungen. So iel ande s als
Ba celona wi d Palma nich sein, sage ich mi , nu kleine .“ (Kelle 2013: 40) Sein
nun besch iebenes Ba celona-Bild se z sich aus den Räumen zusammen, die Tou-
is en übliche weise au suchen: Ba s, S andbuden und Bou iquen. Dies üh zu
Bedenken, au de om Tou ismus gezeichne en Insel Mallo ca das Mo i ü die
Reise, das ‚spanische Lebensge ühl‘, nich meh zu inden. Denn de E zähle ha
zwa nich on de S ad Palma, jedoch on de Insel Mallo ca kla e Vo s ellungen:
Mallo ca. So o zogen zahllose Bilde an meinem inne en Auge o bei. Balle -
mann, Eime sau en, Pimmelpa aden und bie bäuchige Koho en, die g ölend die
Inselschönhei en beläs igen, dazu F eizei pa ks mi Plas iksau ie n und leblose,
dicke Englände in Glei schi men, die sich on Bo en den Küs ens ei en en -
langziehen lassen. (Kelle 2013: 8 .)
Die Vo s ellungen und Bedenken sind gep äg on übe lie e en S e eo ypen, die
du ch die selbs i onische E zählweise gleichsam auch als mangelnde eigene E ah-
ung cha ak e isie sind und den E zähle und seine Raum o s ellung somi selbs
in die k i isie e Vo s ellung einbeziehen.
Die gleichen Bedenken und ein düs e es ou is isches Bild inden sich auch in
de Raum o s ellung in K emse s K iminal oman Die o en Gassen on Ba celona.
Wäh end des Landean lugs au die ka alanische Haup s ad e gleich die P o ago-
nis in Anna Silbe ih e E wa ungen mi de a sächlichen e s en Raume ah ung
om Flugzeug aus. Ande s als bei Kelle äuße die au odiege ische E zähle in abe
die Ho nung, dass sich die a sächliche Raume ah ung ande s da s ellen könn e
als imaginie :
Ich bin übe asch , wie g ün alles on hie oben aussieh , dass iele S ände ...
und ganze Küs ens ei en unbebau sind. Ich ha e eine nah lose Reihe on Be-
onbu gen be ü ch e , in Besi z genommen on G uppen be unkene Englände ,
Hollände , Deu sche .... Ich habe mi düs e e Be ich e angehö .... Doch die
Aussich e sp ich Gelassenhei .... Ich sehe aus sechs ausend Me e n Höhe
das, was ich mi o sich ig e äum habe, und ich echne es dami , dass mi in
meinem Pa adies Pinien und Palmen Scha en spenden we den .... (K emse
2013: 13 .)
In diesem Ausschni we den zunächs Annas Be ü ch ungen übe eine om Tou-
ismus ze s ö e Landscha p äsen ie . In diesem Bild be inden sich keine Spanie ,
sonde n nu Tou is en. Dieses Bild ha sich du ch die Bilde ande e , nämlich aus
„düs e en Be ich en“ he ausgebilde . Das e äum e Spanien de P o agonis in hin-
gegen is du ch das Symbol de Palme exo isch und heilsb ingend au geladen.
6
Spanien wi d in ih en Vo s ellungen mi einem e äum en Pa adies gleichgese z ,
an dem sie auch o z ande slau ende Be ich e es häl . Das Land wi d hie zu
einem P ojek ions- und Sehnsuch s aum, in dem eben alls eine Heilung s a inden
soll. Denn Anna ha o ku zem e s du ch einen Au oun all ih e Familie e lo en
und ho in Ba celona au eine Ve a bei ung dieses Ve lus s und einen Neuan ang.
Konk e e Reiseanlass is abe auch hie eine A bei ss elle, ein P ak ikum bei eine
Zei ung.
Im Roman G an Via on Rich e üh ein S udienau en hal den P o agonis en,
einen S uden en de Kuns geschich e, ins Mad id de neunzige Jah e. In den Asso-
zia ionen des P o agonis en wi d de spanische Raum bei seine Ankun in Mad id
o allem als Ak ions aum imaginie . Diese soll dem Kuns s uden en ungeahn e
Möglichkei en zu Fo schung e ö nen, die ihm als Au o einen Pla z in den bes en
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6
Die Palme als „un e zich ba es A ibu de Insel und des S andes“ is lau Ka en zos/Ki ne (2010: 283)
„nich nu Zeichen des Exo ischen, sonde n das neu es amen a ische A ibu des sieg eichen Ch is us, de in
Je usalem einzieh und dami ü das Ch is en um das Heils e sp echen eines jensei igen Pa adieses e neue “.

Kuns zei sch i en siche n we den: „G undsa za ikel wü den zu e assen sein.
Die Velázquez o schung wü de nach dem E scheinen diese A ikel nich meh
wei e machen können wie zu o .“ (Rich e 2009: 24) Dabei zeig de au odiege i-
sche E zähle du ch diese übe zogenen E wa ungen seine selbs i onische Hal ung
und die Be i elung jedes de 36 Kapi el des Romans als du chnumme ie e „K isis“
zeichne ihn als agikomische Figu aus.
So inden wi als Mo i e de Spanien eisen die Fluch o sich selbs , Heilung,
die Suche nach einem ‚spanischen Lebensge ühl‘ und akademischen E olg. Die
imaginie en Bilde sind zum Teil unspezi isch, jedoch posi i bese z , abe auch
om Phänomen des Massen ou ismus nega i beein luss .
3. Ta sächliche Raume ah ung
In ausnahmslos allen Romanen ha die a sächliche Raume ah ung nich s mi den
Imagina ionen zu un. Dies lieg auch an den Gen es, welchen die Romane zuzu-
o dnen sind. Beim Esel links is ein Auss eige oman. Auss eige können nach
Bachlei ne /Kie l (2005: 34) als Pe sonen de inie we den, die ih e Kul u meis
eiwillig ü eine länge e, häu ig unbes imm e Zei e lassen, und de en Handlun-
gen sich on eine o handenen No m abg enzen. Os hues (2017: 135) üg diese
De ini ion als wei e en wich igen Bes and eil „das Imaginä e bei diesen eskapis i-
schen Fluch - und Reisebewegungen“ hinzu, als de en Auslöse eine „in a-
kul u elle Di e enz“ zu sehen sei, die zu einem „Unbehagen an de eigenen Kul-
u “ üh e. Dabei sei dieses Un e nehmen eine sei s meis zum Schei e n e u eil ,
da ein En kommen aus de eigenen Zi ilisa ion unmöglich sei, au de ande en
Sei e we de de emde Raum zu „P ojek ions läche adie e exo is ische S e-
eo ype“ (Os hues 2017: 136).
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Dass die E wa ungen an den emden Raum de
Wi klichkei nich lang s andhal en können, wi d in Beim Esel links asch sich ba .
De Au en hal des P o agonis en in Andalusien daue nich ganz ein Jah . Zu
Beginn des Au en hal s inde de P o agonis alles schön. So besch eib e die
Gegend und Menschen als Landscha sidyll:
Das Mi elmee , das in de nachmi äglichen Sonne silbe n gli ze e, de Blick
nach Ma okko übe die S aße on Gib al a mi ih en mäch igen Tanke n und
K euz ah schi en, de Felsen on Gib al a , die sch o e Be glandscha mi ih-
en ka gen Gip eln im Hin e land, abe auch scheinba e All äglichkei en wie die
Al en in den Dö e n, die zu Sies a in den Ca és zusammenkamen ode die
schwa zen ibe ischen Schweine, die sich in den Eichenwälde n ummel en.
Schönhei s ahl e aus allem. (Schweßinge 2016: 15 .)
Auße in eine deu schen Bäcke ei zu a bei en, un e nimm de E zähle nich iel:
Es wa eine Zei de En ökonomisie ung, ich zog meinen Kö pe und meine Ge-
danken meh und meh aus dem K eislau de Ve we ung zu ück. Das wa hie
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7
Os hues beschä ig sich zwa mi de li e a ischen Ka ego ie des kolonialen Auss eige s, seine beg i lichen
Übe legungen sind abe auch ü diesen Kon ex geeigne .
nich s Auße gewöhnliches. Die meis en, die sich hie niede gelassen ha en, wa-
en Flüch linge des No dens, die de Dik a u de Ökonomie den Rücken gekeh
ha en. Man a bei e e, um zu übe leben und das genüg e dann. (Schweßinge
2016: 31)
De spanische Raum und de „No den“ we den in diesem Abschni om E zähle
als wi scha liche Gegensä ze da ges ell , wobei de „No den“ du ch das Lexem
„Dik a u “ eine nega i e Bewe ung e häl . De P o agonis leide also nich nu an
sich selbs , sonde n auch an den on Os hues angesp ochenen in a-kul u ellen
Di e enzen, die ih en Ausd uck hie in dem Gegensa z A bei als Selbs zweck
(No den) und A bei als Lebensg undlage (Süden) inde . De P o agonis schein
im Pa adies angekommen zu sein, welches als Topos die on ihm besch iebene
„ iedliche Koexis enz on Mensch, Flo a und Fauna sowie die F eihei on A -
bei “ (Ka en zos/ Ki ne 2010: 283) beinhal e . Scheinen sich also zunächs die
E wa ungen des P o agonis en zu e üllen, kipp jedoch plö zlich seine S immung
nach eine A ä e mi eine spanischen Fisch e käu e in. Diese Figu e üll das
na ionale Geschlech e s e eo yp de e üh e ischen, abe ge äh lichen Spanie in,
das sich sei Mé imées Ca men als Topos in de Li e a u e b ei e ha (Müns e
2017: 34). Denn sein plö zliches Desin e esse an ih e lei e sie zu meh achen
Ve wünschungen und D ohungen, welche de P o agonis gemäß dem S e eo yp als
„leidenscha lich“ (Schweßinge 2016: 108), abe auch eal eino dne , und schließ-
lich zu seine Fluch aus dem O üh en. Diese E eignisse beein lussen seine
Wah nehmung on Land und Leu en nega i , wobei e sich de Subjek i i ä seine
Wah nehmung du chaus bewuss is :
Die S e ne s ahl en imme noch, wenn ich oben au meine Dach e asse saß
und dennoch konn e ich nich meh zu ihnen o d ingen. Es schien, als hä e
plö zlich jemand eine Schich on opakem Weißglas zwischen mich und den
Himmel geschoben. Man wa wiede in die eigene Kamp zone ge a en. ... Es
wa ü mich unmöglich zu bes immen, was diese O wi klich wa .... Meine
subjek i en Wah nehmungen b ach en mich zu öllig un e schiedlichen Ein-
schä zungen de Wi klichkei . (Schweßinge 2016: 94)
Die Ve ände ung im „ges imm en Raum“ (S öke 1965) weis au eine En wick-
lung des P o agonis en hin. Das zunächs als oman isch wah genommene Do
Le icía wi d zu eine nega i konno ie en „ is en Kleins ad “ (Schweßinge 2016:
94), als die Haup igu psychisch zunehmend labil wi d. De E zähle weis sich
also selbs als höchs unzu e lässig und sein Spanienbild nich nu als subjek i es,
sonde n je nach S immung e ände liches Kons uk aus. Die E wa ung on Heil
in de F emde, die Fluch o sich selbs , is geschei e . E b ich da au hin seinen
Au en hal in Le icía ab und zum nächs en O au , um seinen inne en Dämonen
und de achsüch igen spanischen F au zu en kommen.
Die E zählung Alles inklusi e on Dö ie hema isie die Spaniene ah ung
deu sche Tou is en und Residen en. Spanische Fe ien egionen wie die Cos a de
Sol und Ibiza we den hie mul ipe spek i isch du ch meh e e E zählins anzen epi-
sodenha besch ieben. Dabei eilen sich die spanischen Bilde de deu schen P o-
agonis en in zwei Lage au : das de ausgewande en bzw. be ei s in Spanien le-
benden Deu schen und das de zukün igen Residen en. Wäh end wie oben be ei s
e wähn Susi olle Ho nung au den neuen Lebensabschni un e spanische
Sonne blick , ungie die Spanienwah nehmung de be ei s sei Jah en do leben-
den deu schen Immobilienmakle in Angeli a wie ein Ko ek i dazu. Du ch eine
in e ne Fokalisie ung wi d die En wicklung Angeli as Wah nehmung on Spanien
wäh end ih es langjäh igen Au en hal s besch ieben:
Soll sie diese emden F au e zählen, was mi ih geschehen wi d? Wie sie an-
angs die Sonne genießen wi d, die Hi ze, die alles au au , was in Deu schland
ge o en wa , wie sie dieses Land und seine Menschen in ih au ge au es He z
schließen wi d? ... Sie wi d wenige schüch e n sein, au geschlossene , lebens-
lus ige . Denn da ü wi d sie es an angs hal en, ü die iel beschwo ene Lebens-
lus de langen Näch e, de Musik, des ö en lichen Lebens au den S aßen. Und
dann, i gendwann, wi d sie beme ken, wie ih die Zunge ausdö , weil niemand
je übe e was wi klich ede . Das is e bo en, weil es au ig machen könn e, es
wi d hie nich s geg ündel , nich geg übel , nich e ns ha disku ie , es wi d
s a dessen ge anz , bei jedem An lug on T au igkei wi d in die Hände ge-
kla sch und ge anz , aleg ía, aleg ía, bis sie es nich meh hö en kann. (Dö ie
2011: 92)
Angeli as Da s ellung e knüp Deu schland und Spanien ko ela i , indem eine
Kon as ie ung beide Lände mi den üblichen Zusch eibungen on kal und heiß
o genommen wi d. Das Klischee on de spanischen Lebenslus , einhe gehend
mi dem Fehlen on T au igkei und E ns , wi d ü Angeli a zu Ve meidung on
Tie g ündigkei . Dami s ell sie die Opposi ion on Obe lächlichkei und Tie e
he , s e eo ype Me kmalsbesch eibungen ü Cha ak e eigenscha en de Menschen
des Südens und No dens. Angeli as Un e s ändnis de spanischen Lebenswel üh
zu Missach ung. Das als Sehnsuch sziel au gesuch e Spanien, zunächs höhe be-
we e als die Heima , wi d du ch den Au en hal zu eine unübe windba en F em-
de. Diese Pe spek i e wi d jedoch du ch den E zähls il des Tex es un e lau en.
Angeli a wi d als en äusch e und e bi e e Figu da ges ell , die be ei s in
Deu schland unglücklich wa , und de en Sich au Spanien on biog aphischen
Ums änden – ih e unglücklichen Ehe und be u liche E olglosigkei – beein äch-
ig is .
Als Angeli a Susi eine Siedlung ausländische Residen en zeig , is Susi en -
se z . Obwohl sie wegen de K ankhei ih es Mannes au eine gu e In as uk u
We leg , wozu deu sche Ä z e und die Nähe eines Flugha ens mi egelmäßigen
Cha e lügen gehö en, en sp ich die a sächliche Raume ah ung nich ih en E -
wa ungen: „Die Hi ze, de Wind, diese sch ecklichen Be onbu gen, die einsamen,
o gesich igen Ren ne , die e lo en he umwande n, die ka gen, weißges ichenen,
dünnwandigen Apa men s mi ga an ie em Blick au s Mee und au sons nich s,
wie au ein Pos e an de Wand.“ (Dö ie 2011: 74) Wie auch bei Angeli as Innen-
pe spek i e inden wi hie eine Umwe ung ehemals e wünsch e O sme kmale.
Die Hi ze is au einmal une äglich, de Wind, de ih noch bei de Ankun
„ eundlich“ du ch die Haa e geweh ha e, s ö sie je z . Das Mee , zusammen mi
dem blauen Himmel noch G und genug, in den Süden zu ziehen, e schein je z
s a isch und langweilig. Susi inde schließlich nich in Andalusien, sonde n au
Ibiza eine neue Heima . Diese O swechsel b ing abe nich nu die Heilung ih es
Mannes, sonde n auch eine wei e e, un o he gesehene Figu enen wicklung mi
sich, denn ih Mann en deck au Ibiza seine Homosexuali ä . Susi wi d imme
unglückliche und die schon on Angeli a e wunschene spanische Lebenslus
mach je z auch ih zu scha en: „Ich ... bekomme Sehnsuch nach meinem Land,
in dem alle so hingebungs oll schlech d au sind und man sich nich da ü en -
schuldigen muss.“ (Dö ie 2011: 241) Susi mach schließlich den O ü das eige-
ne Unglück e an wo lich: „Niemand ha eine Vo s ellung da on, wie es sich an-
ühl , endlose Win e mona e au eine s ü mischen Insel zu e b ingen, die on
No embe bis Mä z p ak isch geschlossen ha .“ (Dö ie 2011: 243) Die Pe spek i-
e on Ing id, die be ei s in den 70e Jah en als Hippie den Somme zel end an de
Cos a del Sol e b ach ha e, s ell die Gene alisie ungen und U eile de ande en
Figu en in F age. Ing id eis nochmals an den O ih e Ve gangenhei und wi d
do mi e inne en Räumen ande e Reisende ih es Al e s kon on ie . Wäh end
je z hie nu noch „alles Be on sei“, wä e de O „ ühe mal ein T aum“ gewesen
(Dö ie 2011: 110): „Ein Fische do , keine Tou is en, nu Spanie , ein paa Hip-
pies, das Pa adies.“ (Dö ie 2011: 112) Ing id wide sp ich abe diesen E inne un-
gen, die sie als Roman isie ung de Ve gangenhei en la : „Das is Blödsinn. Die
Kloake üh e di ek ins Mee , die Spanie wa en a m und haben uns e ach e ,
weil wi nack he umlie en, D ogen nahmen und nich gea bei e haben.“ (ebd.) Als
Ing ids Toch e Apple ih e Mu e in To emolinos besuch , is sie schockie übe
den Wandel, den die Landscha de Cos a del Sol sei ih e Kindhei du ch den
Tou ismus e ah en ha - die Bebauung bis ins Hin e land mi Ho els, Wohnsied-
lungen und Einkau szen en sowie die Ve ände ung des U banen: „Übe all nu
Pilss uben, Pizzaläden, deu sche Bäcke eien und B a wu s buden“. (Dö ie: 224 .)
So e u eilen die Figu en in Dö ies Roman eine En wicklung, an de sie selbs
An eil genommen haben. De Tou is will keine om Tou ismus beein äch ig e
Landscha sehen, sonde n: „Alles einmal wie imme , bi e, nu mi Sonne.“ (Dö -
ie 2011: 237) Diese Wünsche sind absu d, nai und mi de Reali ä nich in Ein-
klang zu b ingen. Du ch die a sächliche Raume ah ung e kennen die Figu en in
Alles Inklusi e ih e Nai i ä schme zlich, die in de Ho nung bes eh , ein ande e
O bzw. de Süden wü de ih e P obleme lösen. Dies b ing de Roman mi eine
in e nen Fokalisie ung Ing ids zum Ausd uck: „Ich nicke und schaue au s Mee ,
das sich an alles e inne . Welle um Welle oll es au den S and zu und sieh
nich s Neues un e de Sonne, nu imme wiede äumende Menschen, die nich
au wachen können.“ (Dö ie 2011: 110)
Das Mo i de Tou ismusk i ik is auch in K emse s K iminal oman Die o en
Gassen on Ba celona p äsen . Hie e binde es sich mi eine Da s ellung de
Immobilienspekula ion in Ba celona zu eine Milieuda s ellung und Gesell-
scha sk i ik.
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Gleich au ih em e s en Spazie gang wi d die homodiege ische E -
zähle in mi den Auswüchsen des Massen ou ismus in Ba celona kon on ie , mi
de „Tagesquo e de jäh lich sieben Millionen zweihunde ausend Tou is en, die
das S ad bild inzwischen genauso p ägen wie Gaudís Wunde bau en“ (K emse
2011: 166). Dieses S ad bild se z sich zusammen aus Ca és, die „Sang ias in An-
de halb-Li e -Ka a en“ se ie en, und zum Ve kau angebo ene Sou eni s wie
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Zu Ges al ung und Funk ionen de Handlungsschauplä ze in K iminal omanen siehe Wigbe s (2006).
Pleschinski, H., Leich es Lich , München: DTV 2008.
Raposo Fe nández, B. / Gu ié ez Koes e , I. (Hg.), Bis an den Rand Eu opas. Spanienbil-
de in deu schen Reisebe ich en om Mi elal e bis zu Gegenwa . Mad id: Ve ue
2011.
Rich e , P., G an Via. Ein Jah in Mad id. München: Goldmann 2009.
Ruge, E., Cabo de Ga a. Reinbek bei Hambu g: Rowohl 2013.
Schweßinge , M., Beim Esel links. Be lin: Subkul u (Pe iplane a) 2016.
Spech , T., T anskul u elle Humo in de ü kisch-deu schen Li e a u . Wü zbu g: Kö-
nigshausen und Neumann 2011.
S öke , E., Philosophische Un e suchungen zum Raum. F ank u am Main: Klos e mann
1965.
T eichel, H.-U., De En wu des Au o s. F ank u e Poe ik o lesungen. Be lin: Suh kamp
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Wigbe s, M., K imi-O e im Wandel. Ges al ung und Funk ionen de Handlungsschauplä -
ze in K iminale zählungen on de Roman ik bis in die Gegenwa . Wü zbu g: Königs-
hausen & Neumann 2006.
Zeh, J., Neujah . München: Luch e hand 2018.