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Das Spanienbild in Eugen Ruges Reiseroman Cabo de Gata

Abstract

Im vorliegenden Artikel wird der Reiseroman Cabo de Gata (2013) im Hinblick auf das dort entworfene Spanienbild analysiert. Damit wird ein Genre in den Blick genommen, das bisher wenig Aufmerksamkeit in der Erforschung von Spanienbildern in der deutschsprachigen Reiseliteratur erfahren hat. Der besondere Fokus der Betrachtung liegt auf dem Reisemotiv sowie der Wahrnehmung und Darstellung der spanischen Fremde im Roman. Dessen imagologische Aussagekraft wird schließlich von einer narratologischen Analyse ausgewählter Aspekte der Erzähltechnik eingeschränkt.

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Das Spanienbild in Eugen Ruges Reiseroman Cabo de Gata

Author: Bies, Andrea
Publisher: Ediciones Complutense
Year: 2016
Source: https://digibug.ugr.es/bitstream/10481/92758/1/Bies_Cabo%20de%20Gata.pdf
Das Spanienbild in Eugen Ruges Reise oman Cabo de Ga a
And ea Bies1
Recibido: 04 de oc ub e de 2015 / Acep ado: 14 de diciemb e de 2015
Zusammen assung. Im o liegenden A ikel wi d de Reise oman Cabo de Ga a (2013) im Hinblick
au das do en wo ene Spanienbild analysie . Dami wi d ein Gen e in den Blick genommen, das
bishe wenig Au me ksamkei in de E o schung on Spanienbilde n in de deu schsp achigen Rei-
seli e a u e ah en ha . De besonde e Fokus de Be ach ung lieg au dem Reisemo i sowie de
Wah nehmung und Da s ellung de spanischen F emde im Roman. Dessen imagologische Aussage-
k a wi d schließlich on eine na a ologischen Analyse ausgewähl e Aspek e de E zähl echnik
eingesch änk .
S ichwö e : Ruge; Spanienbild; Reise oman; F emdwah nehmung; Na a ologie.
[en] 7KH'HSLFWLRQRI6SDLQLQ(XJHQ5XJH¶V7UDYHO1RYHOCabo de Ga a
Abs ac . In he ollowing a icle I analyse he depic ion o Spain in Cabo de Ga a (2013), a wo k
belonging o he gen e o he a el no el. In so doing, I d aw a en ion o a gen e ha has ecei ed
li le a en ion in he esea ch o he image o Spain in Ge man a el li e a u e. This conside a ion
ocuses on he a el mo i as well as he pe cep ion and ep esen a ion o Spain as a o eign coun y.
Na a ological analysis o selec ed aspec s o he na a i e echnique diminishes he imagological
impac o he no el.
Keywo ds: Ruge; Image o Spain; T a el li e a u e; Pe cep ion o he o he ; Na a ology.
[es] La imagen de España en la no ela de iaje Cabo de Ga a de Eugen Ruge
Resumen. Es e a ículo p esen a un análisis de la imagen de España azada en la no ela Cabo de
Ga a (2013). Con ello se oma en conside ación un géne o que, has a aho a, ha ecibido poca a ención
en la in es igación de la imagen de España en la li e a u a de iajes alemana. El oco del análisis lo
cons i uyen an o el mo i o del iaje como la pe cepción y ep esen ación de lo ajeno español. Po
úl imo, el análisis na a ológico de los di e sos aspec os seleccionados de la écnica na a i a nos
se i á pa a delimi a la epe cusión imagológica de la no ela.
Palab as cla e: Ruge; imagen de España; no ela de iaje; pe cepción de lo ajeno; na a ología.
Inhal s e zeichnis. 1. Ein üh ung. 2. Au o , En s ehungskon ex und Gen e. 3. Reisemo i und Rei-
seziel. 4. Da s ellung de Landscha und de Menschen. 5. Annähe ung an die F emde. 6. Na a olo-
gische Aspek e. 7. Fazi .
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1 Uni e sidad de G anada
E-Mail: abies@ug .es
Re is a de Filología Alemana
ISSN: 1133-0406
Cómo ci a : Bies, A., «Das Spanienbild in Eugen Ruges Reise oman Cabo de Ga a», Re is a de
Filología Alemana 24 (2016), 161-175.
1. Ein üh ung
E s im 20. Jah hunde wu de Spanien das belieb es e Reiseziel de Deu schen ±
die Sehnsuch nach dem Süden wu de lange Zei mi Reisen ins nahe gelegene
I alien ges ill . So üll denn auch die deu sche Reiseli e a u übe I alien ganze
Bände in den Biblio heken.2 Im Ve gleich dazu üh en Spanien als Reiseziel deu -
sche Sch i s elle und seine li e a u wissenscha liche Au a bei ung ehe ein
Scha endasein. Bishe konzen ie en sich imagologische S udien o allem au
Reisebe ich e (bspw. Raposo Fe nández/ Gu ié ez Koes e 2011). Aus üh liche
Da s ellungen de Genese des deu schen Spanienbildes anhand on Quellen un e -
schiedliche P o enienz bie en Aschmann (2000) und B iesemeis e (2004). An-
hand diese S udien wi d deu lich, dass das Spanienbild in de deu schen Li e a u
au g und on his o ischen und indi iduellen Beding hei en s a ken Ve ände ungen
un e wo en wa .3 Noch zu Beginn des 18. Jah hunde s wa es on de Schwa zen
Legende gep äg , das Abe glauben, Fana ismus, Rücks ändigkei und Unmensch-
lichkei beinhal e e (Aschmann 2000: 91). Mi de Roman ik ände sich dieses
Bild g undlegend: Die ehemals ka gen Lands iche we den zum südlichen Sehn-
VXFKWVUDXP]XPÄPlUFKHQKDIWHQ+LQWHUJUXQGIU)OXFKWHQ LQ H[RWLVFKH:LOGQLV
F eihei ± LQHLQHQZLOGHQ:HVWHQ³%ULHVHPHLVWHU4 Dieses Spanienbild
VROOWHVLFKDOVGDVQDFKKDOWLJVWHHUZHLVHQZREHLVLFKGHUÄ0 WKRV$QGDOXVLHQ³DXI
ganz Spanien bezieh . So sch eib Ga cía-Wis äd übe deu sche Reisebe ich e aus
diese Zei :
'LHHXURSlLVFKH/LWHUDWXUHQWGHFNWGDVÄDQGHUH6SDQLHQ³GDVJHWUlXPWH6SDQLHQ
'DV DQGDOXVLVFKH 3DUDGLHV SUlJW GLH 9RUVWHOOXQJ YRP Ä=DXEHUODQG³ 6SDQLHQ
ück au die Posi ion des Ande en, gekennzeichne du ch die Gegenübe s ellung
on O ien und Okziden . Spanien wi d zu einem siche en Ha en ü die abend-
ländische Fan asie und be ei sie on dem zunehmenden D uck de Zei lichkei
und de Mode nisie ung. (Ga cía-Wis äd 2011: 169)
Zwischen diesen beiden Polen, Spanien als Land de Rücks ändigkei und Spanien
als südliches Pa adies, oszillie das Spanienbild bis heu e. Auch die damals he -
ausges ell en na ionalen Cha ak e eigenscha en de Spanie , un e ande en Leiden-
scha , S olz und Eh e, sind noch heu e es e Bes and eil in o ma i e deu sche
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2 Schon Hein ich Heine (1973 Band 1: 556) beklag e sich in seinen Reisebilde n da übe , dass Reisebesch ei-
bungen übe I alien nu dann zu e agen seien, wenn I alien da in kaum o komme.
3 Zu den his o ischen Fak o en zähl B enne (1989: 27) den sozialen S a us de Reisenden, die Einbindung in
die Men ali ä gesellscha liche G uppen, den echnischen S and de Ve keh smi el; zu den indi iduellen
Fak o en gehö de Bildungss and, Vo kenn nisse, In e esse und Wah nehmungs ähigkei des Reisenden. Zu
his o ischen Wandlung de Wah nehmung des F emden im Reisebe ich siehe B enne (1989).
4 Diese Ve wandlung de Wah nehmung Spaniens be uh e alle dings nich au eigenen E ah ungen, sonde n
dem e wach en In e esse an de spanischen Li e a u , o allem am Don Quijo e und dem El Cid, und die da-
mi ± wie Aschmann (2000: 92) be on ± schon damals e al e wa .
Spanienbesch eibungen5 und s uk u ie en somi die Spanienbilde de Reisenden
o . Welche in Spanien gemach en Eind ücke und (F emd-)E ah ungen we den
abe in de deu schen Gegenwa sli e a u da ges ell ? Zu Bean wo ung diese
F age soll exempla isch de Roman Cabo de Ga a on Eugen Ruge he angezogen
we den. Die Wahl äll au diesen Tex , da die Ve asse in des o liegenden A i-
kels wie Jos (1989) da on ausgeh , dass im 21. Jah hunde dem Reise oman das
gleiche Schicksal wie dem Reisebe ich beschieden is : E inde nu noch seine
/HVHUÄZHQQ VLFK HLQ:HUN LQ HLQHU *UXSSH HWDEOLHUWRGHUZHQQ GHU 1DPH GHV
$XWRUVEHNDQQWJHQXJLVW>«@³-RVW6 In de Ta wa de Reise oman
Cabo de Ga a gleich nach seinem E scheinen meh e e Wochen au den o de en
Plä zen de deu schen Bes selle lis en zu inden,7 was dami zusammenhäng , dass
de Au o du ch die Ve leihung des Deu schen Buchp eises zwei Jah e zu o einen
gewissen Bekann hei sg ad e eich ha e.
Die Analyse des Romans soll nach eine Bes immung des Reisemo i s im Hin-
blick au imagologische, in e kul u elle und na a ologische Aspek e e olgen. Die
imagologische Analyse ag nach dem Bild8 bzw. de Da s ellung Spaniens im
Roman und den his o isch-kul u ellen Vo ausse zungen ü dieses Bild: Welche
P ojek ionen und E wa ungen sind beim Reisenden o handen? Sind in de Da -
s ellung al e ode neue Klischees zu inden? Die in e kul u elle Analyse9 kon-
zen ie sich in diesem A ikel au die Da s ellung de F emde: Wie wi d Spanien als
F emde inszenie ? Wie we den die F emdbegegnungen ges al e ? Eine na a ologische
Analyse ausgewähl e Aspek e de E zähl echnik soll schließlich die Aussagek a des
hie skizzie en Spanienbildes ü imagologische Zwecke bes immen.10
2. Au o , En s ehungskon ex und Gen e
Eugen Ruge wu de 1954 im U al gebo en und kam im Al e on zwei Jah en nach
Os be lin. E s udie e do Ma hema ik und a bei e e als wissenscha liche Ange-
s ell e am Zen alins i u ü Physik. 1986 begann e sch i s elle isch ä ig zu we -
den, 1988 ging e in den Wes en. Do sch ieb e o wiegend ü Thea e und
Rund unk und a bei e e als Übe se ze . Fü das Manusk ip seines Debü -Romans
In Zei en des abnehmenden Lich s gewann Ruge 2009 den Al ed-Döblin-P eis, ü
_____________
5 6RVFKUHLEWGLH,QWHUQHWVHLWHMXVWODQGHGFRPEHUGLHVSDQLVFKH.XOWXUÄ0DQVHLÃVWRO]ZLHHLQ6SDQLHUµLVW
ein ach dahe gesag , komm abe nich on Unge äh . De Spanie lieb sein Land, e lieb sich selbs und e
is s olz au alles, was sein Leben ausmach . Dami Sie es sich nich mi diesen Heißblü e n e sche zen, in-
IRUPLHUHQ 6LH VLFK JXW >«@ 'HP 6SDQLHU VLQG VHLQ 6WRO] XQG VHLQH ,QGLYLGXDOLWlW VHKU ZLFKWLJ³
(h ps://www.jus landed.com/deu sch/Spanien/A ikel/Kul u /Die-spanische-Kul u ); [11.09.2015].
6 So z.B. de höchs e olg eiche Reisebe ich on Ke keling (2006). Au de ande en Sei e kann man abe auch
on eine Renaissance des Reisebe ich s in de deu schsp achigen Gegenwa sli e a u sp echen, dessen Rei-
seziel in jüngs e Zei o allem Deu schland selbs is (Schae e s 2010).
7 h p://www.spiegel.de/suche/index.h ml?suchbeg i =cabo+de+ga a+bes selle [12.09.2015].
8 8QWHU GHP 7HUPLQXV Ã%LOGµ ZHUGHn hie Wah nehmungen, E lebnisse und E ah ungen e s anden. Dabei
wi d nich on eine s a ischen Eindeu igkei dieses Bildes in eine Epoche, bei einem Au o ode auch inne -
halb eines We ks ausgegangen ( gl. OPITZ 2003: 88). Zu K i ik am Bild-Beg i de Kompa a is ischen Ima-
gologie siehe auch Flo ack (2007: 7-32).
9 Zu Reiseli e a u als in eg ale Bes and eil des Tex kanons eine in e kul u ellen Li e a u wissenscha siehe
Esselbo n (2005), zu G undaspek en eine in e kul u ellen Imagologie Mecklenbu g (2008: 238-269).
10 Zu Rele anz de na a ologischen Analyse on Tex en im Rahmen de Imagologie, wie beispielsweise zu
He ausa bei ung on S e eo ypen, siehe Gansel (2009).
den Roman selbs schließlich 2011 den Aspek e-Li e a u p eis und den Deu schen
Buchp eis, was seinen in e na ionalen Du chb uch als Sch i s elle bedeu e e.
Cabo de Ga a (2013) is Ruges zwei es Buch nach dem E olg seines e s en Ro-
mans. Die E zählung s eck olle au obiog aphische Bezüge, was die Familienge-
schich e Ruges und seine be u liche Ka ie e be i . Dass eine eigene Reise nach Spa-
nien Ende de 90e Jah e die au obiog aphische Basis de E zählung bilde , äuße e
Ruge in e schiedenen In e iews11 und sch eib dazu in seinem inzwischen e schiene-
nen d i en P osawe k Annähe ung. No izen aus 15 Lände n (2015):
12. Mä z 2013. Nach ün zehn Jah en wiede in Ba celona. Damals wa es Janua ,
und ich habe in einem e bä mlichen Ho el e bä mlich ge o en. (Ruge 2015: 88)
Nein, ich sehne mich wi klich nich nach den schwie igen Zei en zu ück. Abe
so in ensi wie damals die Reise nach Cabo de Ga a we de ich wohl kaum noch
einmal eine Reise HUOHEHQ>«@$PPHLVWHQHUOHEWPDQHEHQGRFKZHQQPDQDP
wenigs en e leb . (Ruge 2015: 93)
Du ch die Pa a ex e des Buches wi d jedoch ein Fik ions e ag zwischen Au o
XQG/HVHUJHVFKORVVHQ'DV*HQUHZLUGDOVÄ5RPDQ³NODVVLIL]LHUWXQGIROJHQGHV
Mo o dHU(U]lKOXQJYRUDQJHVWHOOWÄ'LHVH*HVFKLFKWHKDEHLFKHUIXQGHQXP]X
HU]lKOHQZLHHVZDU³12 Du ch das Gen e und die Leseanweisung wi d die Rezep-
ionse wa ung de Lese gelenk : Es wi d kein Ansp uch da au e hoben, de Rea-
li ä zu en sp echen, obgleich die au obiog aphischen Bezüge im Tex imme wie-
de Raum ü Spekula ionen übe geleb e E ah ungen des Au o s geben.
De Reise oman zeichne sich ebenso wie de Reisebe ich du ch die Kon on a-
ion des Eigenen mi dem F emden aus. Beim Reise oman is das Reisemo i je-
doch in eine li e a ische Fik ion eingebau (Esselbo n 2005: 4). Wäh end das K i e-
ium de Fik ion abe nu beding zu Di e enzie ung on Reise oman und Reise-
be ich geeigne is (Neube 1989: 51 .), zeichne sich de Reise oman o allem
du ch die Rollengebundenhei de Wah nehmung und F emde ah ung aus, die
dem Lese einen dis anzie en Zugang zum We k e laub (Michel 1985: 157). De
Roman muss wede den Rezep ionse wa ungen de Lese in Bezug au In o -
ma ionen übe die ande e Kul u en sp echen, noch müssen seine Besch eibungen
sich au eine e ah ene Wi klichkei beziehen. De Au o is somi
>«@ YRQ HLQHU RKQHKLQ LOOXVRULVFKHQ 2EMHNWLYLWlW LP =XVDPPHQKDQJ PLW GHU
Da s ellung on F emde und F emde ah ung en las e , denn die Pe spek i i ä
eine ik i en Figu is je z P og amm. (Scha e s 2006: 133)
3. Reisemo i und Reiseziel
Ein e olglose , in Be lin ansässige Sch i s elle und ehemalige DDR-Bü ge , ass
GHQ(QWVFKOXVVÄGLHVH6WDGWGLHVHV/DQGGLHVHV/HEHQELVDXIZHLWHUHV]XYHUODVVHQ³
_____________
11 6R]XP%HLVSLHOLQGHU1HXHQ2VQDEUFNHU=HLWXQJYRPÄ,FKZDUQa ü lich mal do , Ende de 90e -Jah e.
0DQ NDQQ EHU VR HLQHQ 2UW QLFKW VFKUHLEHQ ZHQQ PDQ LKQ QLFKW NHQQW³ KWWSZZZQR]GHGHXWVFKODQG-
wel /kul u /a ikel/8901/eugen- uge...ung-des-e olges-du ch-den-deu schen-buchp eis-s a k-un e scha z )
[11.08.2015].
12 Dieses Mo o is an Max F isch (2008: 28) angelehn , de u.a. auch in seinen Poe ik o lesungen äuße e, man
könne die Wah hei nich besch eiben, nu e inden.
(Ruge 2013: 16). Die Mo i e ü seinen Au b uch sind wede Aben eue noch ou is i-
sche A ak ionen (Ruge 2013: 21), sonde n das Sch eiben eines Romans, das ihm
bishe nich gelingen will. Mi de Reise is die Ho nung au die Übe windung
diese Sch eibk ise e knüp . P imä handel de Roman also nich on Spanien,
sonde n om Sch eiben und s ell auße dem einen biog aphischen Au b uch in
eine K ise da .13 Dabei geh es wenige um ein Hins eben als ein Wegwollen,
e kennba an de Beliebigkei des Reiseziels, das nu d ei K i e ien e üllen muss:
(VVROOHLQ2UWVHLQÄGHULP:LQWHUZDUP]XJOHLFKSUHLVZHUWXQGP|JOLFKVWDXI
GHP/DQGZHJ]XHUUHLFKHQ³LVW5XJH'RFKEHUHLWVEHLP6WXGLXPYRQ
Klimaka en wi d dem Au b echenden kla : ÄEs wa unmöglich, den ich igen O
zu inden >«@³5XJH6FKOLHOLFKIlOOWVHLQH:DKODXIGHQÄ6GHQ³5u-
ge 2013: 47). E kündig Wohnung und Ve siche ungen, melde sich beim Ein-
wohne meldeam ab und äh an einem Neujah smo gen mi dem Zug nach
Ba celona. Als einzige O ien ie ungshil e in de F emde dien ihm ein e al e e
Reise üh e . Doch da ihn die S ad en äusch und es auch do kal is (s.u.), en -
schließ e sich zu Wei e ah an einen wä me en O , Cabo de Ga a, den e au
eine We e ka e als wä ms en Punk de Ibe ischen Halbinsel en deck . Als e den
O im Reise üh e nachschläg , e äh e , dass diese sich in Andalusien be inde .
De Name diese spanischen Region e ozie in ihm iel äl ige Emp indungen:
Andalusien, das klang nich nu e n und emd wie die Namen all jene O e, die un-
e eichba hin e dem Eise nen Vo hang lagen, es wa , so glaub e ich, ein Mä chen-
o , eine E indung ± bis ich es au de We e ka e jene spanischen Zei ung en deck-
e, und als ich dann noch iQPHLQHP5HLVHIKUHUODV&DERGH*DWDVHLÄGDVOHW]WH
URPDQWLVFKH)LVFKHUGRUI³$QGDOXVLHQVZRGLH%RRWHZLHHV Z|UWOLFKKLHÄQRFK
PLWGHU+DQGZLQGH³DXVGHP:DVVHUJH]RJHQZUGHQDOVLFKODVPDQVSUHLP1a-
WLRQDOSDUNYRQ&DERGH*DWDVFKRQHLQHQÃ+DXFKYRQ$IULNDµ± wa mi kla , dass
dies de O wa , den ich gesuch ha e. (Ruge 2013: 64 .)
In diesem Abschni d ück sich die sei dem 19. Jah hunde exis ie ende
Vo s ellung YRPÄDQGDOXVLVFKHQ3DUDGLHV³DXVHLQ2UWLQ(XURSDGHU2ULHQWXQG
Okziden e ein , in dem die Zei s ehen geblieben und an dem die Mode nisie ung
spu los o übe gegangen is . Diese Vo s ellungen we den beim E zähle schon
allein au g und des Namens on Andalusien geweck , das zu Zei en de DDR nich
nu une eichba ü ihn gewesen wa , sonde n das e soga ü eine Phan asie ge-
KDOWHQKDWWHDEHUQLFKWIUHLQHÄZDKUKDIWLJHUHDOH[LVWLHUHQGH/DQdVFKDIW³5XJH
2013 63). Fü einen wes deu schen Reisenden mag die Cos a del Sol in den 90e
Jah en keine Übe aschungen meh be ei hal en ± wa e nich da, so ha e doch
wenigs ens da on gehö . Fü den in de DDR au gewachsenen P o agonis en die-
se E zählung is diese Region jedoch Neuland. So e lieg de Reisende, de die
Reise p agma isch, und abgesehen on de Ho nung au Wä me ohne P ojek ionen
und E wa ungen ange e en ha e, den sei dem 19. Jah hunde gängigen Sehn-
VXFKWVSURMHNWLRQHQYRPÄDQGDOXVLVFKHQ3DUDGLHV³
_____________
13 Zu diesem Reise-Typus siehe auch O heil (2013: 25 .).

4. Da s ellung de Landscha und Menschen
Den e s en landscha lichen Eind uck on Spanien gewinn de Reisende om Zug
DXV'HU(U]lKOHUQLPPWEHL GHU)DKUWQDFK %DUFHORQD ÄXQDQVHKQOLFKH 9RUR WH³
ZDKUÄVFKlELJHURVD1HXEDXWHQGLHDQ5XPlQLHQRGHU5XVVODQGHULQQHUQ³5XJH
2013: 49). Nach Bezug eine Un e kun mach sich de P o agonis zu einem e s-
en Spazie gang GXUFK%DUFHORQDDXIXPÄQDFKGHP%HVRQGHUHQ$EZHLFKHQGHQ
LP6WDGWELOG]XVXFKHQQDFKGHPW SLVFKHQ%DUFHORQLVFKHQ³5uge 2013: 51). De
E zähle e inne sich an Zei ungskioske, Blumen e käu e , Bäue innen, die leben-
dige Hühne e kau en, und blinde Los e käu e . De E zähle e inne sich auch,
ÄVRJHQDQQWH6HKHQVZUGLJNHLWHQ³DQJHVHKHQ]XKDEHQGLHLKPDEHUQLFKWLP*e-
däch nis geblieben sind:
Das Einzige, wo an ich mich e inne e, sind die blinden Los e käu e , die plö z-
lich übe all wa en und die mi je z o kamen wie Skla en eine mäch igen, k i-
minellen O ganisa ion. (Ruge 2013: 52)
Schließlich be ach e e die Ka hed ale on Gaudí, wenn auch nu on außen, und
u eil :
>«@HLQHPRQVWU|VH.OHFNHUEXUJGLHLFKPHKUPDOVXPNUHLVWHIDVVXQJVORVYRU
so iel s eingewo denem Wahn. Sechs ode sieben ode ach schwa ze Tü me
s achen wie Lanzen in den seidenen Abendhimmel. Im Pa k au de Rücksei e
de Ka hed ale be e e sich eine Obdachlose zu Nach . (Ruge 2013: 53)
Nach eine Nach in Ba celona eis e mi dem Nach bus wei e nach Andalusien
und besch eib seine Imp essionen aus dem Fens e blickend:
Dann ah en wi du ch eine om Mo gen angeg au e Landscha , baumlos, hüge-
lig, kahl, und ich e inne e mich, wie ich halblau zum Fens e hin, zu mi selbs
den gegen alle Wah scheinlichkei en sp echenden Sa z sage: Ich bin in Andalu-
sien. (Ruge 2013: 65 .)
Auch die le z en Kilome e Fah nach Cabo de Ga a sind on eine e nüch e nden
Landscha gezeichne , die dem Sehnsuch s( ) aum Andalusien nich en sp ich .
Alme ía besch eib e olgende maßen:
Ich e inne e mich an elende Neubau en ( osa), an Fab ikge ippe im Hin e g und,
on denen sich schwe sagen läß , ob sie noch im Bau ode schon im Ve all be-
g i en sind. Ich e inne e mich an p imi i e Vo s ad häuse , die Däche so nie-
d ig, dass ich om Bus aus da au schauen kann. Ich e inne e mich an ge lick e
Tee bahnen, schwa ze Wasse behäl e , An ennen, Kabelgewi . Ich e inne e
mich an ein winziges Ga en es au an mi e s aub en, bun en Lich e ke en. Ich
e inne e mich noch seh gu an die Palme am Weg and, ein g aues, eben alls öl-
lig e s aub es Geschöp , das au dem be onha en Boden ein unbeg ei liches
Dasein is e . (Ruge 2013: 67 .)
Auch die Landscha zwischen Alme ía und Cabo de Ga a besch eib de E zähle
als os los:
Ich e inne e mich an egel ech e Müllhalden links und ech s de Lands aße,
Bauschu , ze b ochene Fliesen, S eine, alles schon zugeweh , spä lich übe wu-
che . Die ganze Landscha komm mi o wie ein zugeweh e , spä lich übe -
wuche e Müllabladepla z. Sowei ich blicken kann: Sche ben, al e Schuhe,
einmal ein Kinde wagenges ell und imme wiede , au ällig, bun , die E ungen-
scha en de Polyme enchemie, schwe e wi e ba au g und ih e Bes ändigkei
gegen Säu en und Laugen. Noch in hunde Jah en wi d diese gelbe Tü e do an
den S acheln de Aga e im Wind la e n. (Ruge 2013: 68 .)
Schließlich komm de E zähle im Na ionalpa k Cabo de Ga a an, was e lediglich
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Das Bild on dem Do Cabo de Ga a is nich wenige os los. De E zähle
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einen om Ve all gezeichne en O (Ruge 2013: 71), selbs daV0HHULVWÄJOHLFh-
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Auch die Boo e we den nich meh mi de Hand, sonde n mi Mo o winden aus
dem Wasse gezogen:
Na ü lich e inne e ich mich an die bun anges ichenen Fische boo e, die am
Rand des O es im Sand lagen, abe wenn ich an diesen Spazie gang zu ückden-
ke, kommen mi wenige die Boo e in den Sinn, sonde n die Mo o winden, ge-
naue : die hässlichen Gehäuse aus Plas ik ode Holz, mi denen sie e kleide
wa en und die ± halb Kuns objek en, halb G abs einen ähnlich ± zwischen Ne -
zen und Fischkis en, e os e en Maschinen eilen, Boo sge ippen, Al öl lecken,
Plas ik laschen und ze knau sch en Ziga e enschach eln obe halb de S andbö-
schung he ums anden. (Ruge 2013: 81)
De emde O is also bis ins le z e De ail öllig ande s, als ihn sich de E zähle
o ges ell ha . Und dami wi d die spanische Landscha bei Ruge als emd
kons uie : indem sie nich den E wa ungen des e lebenden Ichs en sp ich . Als
zen ales, kö pe lich e ah enes Elemen de F emde dien die Käl e, die den Rei-
senden be ei s in Ba celona plag und auch in Cabo de Ga a nich e läss :
Ich e inne e mich an die Käl e, genaue gesag , e inne e ich mich da an, dass
meine A emlu damp e. (Ruge 2013: 79)
Noch nie ha e ich so ge o en wie im Süden. (Ruge 2013: 97)
Als Tou is komm de Ich-E zähle mi Figu en in Kon ak , mi denen die meis en
Tou is en ausschließlich ih e F emde ah ungen machen: mi dem Pe sonal on
Gas onomie und Un e kün en. So besch änk sich auch die Auswahl de Figu en,
denen de E zähle begegne , o wiegend au Ve mie e und Kellne . Ähnlich ne-
ga i wie die Da s ellung de Landscha ges al e sich die äuße e Ges al de Figu-
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Sein Gesich ha e die Fa be on P lanzen ieben, denen das Tageslich ehl ,
seine Bewegungen wa en schlangengleich, und sein Spanisch klang in meinen
Oh en wie ab ließendes Spülwasse . (Ruge 2013: 50)
Auch die Bedienung im Res au an , in dem de P o agonis ühs ück , wi d als
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(Ruge 2013: 89)
Nich nu das Äuße e de Menschen nimm de E zähle als abs oßend wah ,
auch ih Ve hal en dem F emden gegenübe wi d als e schlossen besch ieben,
indem sich jede einzelne Figu dem Reisenden gegenübe abweisend e häl . De
Bus ah e begegne seine F age nach de Länge de Fah zunächs nu mi einem
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EinheimisFKHQYRQ&DERGH*DWDVLW]HQEHLVHLQHP(LQWUHWHQLQHLQHU.QHLSHÄLQ
eine dunklen Ecke un e he abhängenden Schweineschinken und beäug en mich
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an wo e au seine F age nach eine Bleibe scheinba unwillig und nu mi dem
Nö igs en. (Ruge 2013: 77 .)
Ge adezu eindselig e schein dem P o agonis en das Ve hal en de Anges ell en
in dem Res au an , die ihm jeden Tag das Essen se ie :
Mich e s ö e das Ve hal en de jungen F au, die mich an diesem Tag (und dann
auch an allen olgenden) bedien e ± alls man das wo lose Hinknallen de Telle als
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ne e mich, dass ich mich angesich s de une klä lichen Feindseligkei de jungen
F au zu agen begann, ob ich mi , ohne es zu me ken, e was ha e zuschulden kom-
men lassen. >«@QDFKGHUVFKDUIHQ)UDJHBlanco o in o? ± die einzigen Wo e, die
sie mi zubillig e ± knall e mi die Dickä schige eine Flasche Wein au den Tisch.
Am Ende wa sie mi im Vo übe gehen noch einen Fe igpudding im Plas ikbeche
hin, den ich demons a i e schmäh e. (Ruge 2013: 91 .)
Das Bild de Kellne in deck sich mi dem des Ba manns, das de Reisende ebenso
nega i zeichne . Au g und on so iel Nega i i ä sieh sich de E zähle hie
schon gezwungen, sich mi einem me ana a i en Kommen a an den Lese zu
wenden:
Wenn ich die F eihei hä e, es zu e inden, wü de ich dem Ba mann e mu lich
ein ande es Tempe amen andich en, ein ach um ein bisschen Abwechslung in
die Ges al en zu b ingen. Da ich abe beschlossen habe, au zusch eiben, was
mein Gedäch nis lie e , bleib mi nich s ande es üb ig, als ihn ebenso s oisch
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ge 2013: 116)
Bei seinen Beobach ungen äll dem Reisenden o allem das Kommunika ions-
e hal en de Einheimischen au . Übe die ägliche Kon e sa ion zweie Einheimi-
sche in Cabo de Ga a sch eib e :
Meis s anden die beiden s umm zusammen, abe on Zei zu Zei konn e es pas-
sie en, dass sie in einen s ü mischen Dispu e ielen. Plö zlich sch ien sie sich
an, uch el en mi den A men, gingen d ohend au einande zu, bis eine on bei-
den sich, nachdem e i gendein endgül iges C edo e künde ha e, hea alisch
losma schie e ± um nach zwei ode d ei Sch i en keh zumachen und wiede ,
als wä e nich s geschehen, s umm und iedlich an seinen Pla z zu ückzukeh en.
(Ruge 2013: 99)
E s als e me k , dass sich auch ande e Pe sonen mi de gleichen Lau s ä ke un-
e hal en, e kenn e , dass sie nich s ei en, sonde n ganz no male All agsgesp ä-
che üh en, die e au g und eine ihm ungewohn en In ona ion als S ei in e p e-
ie ha e:
Ich e inne e mich an die F auen, die kamen, um de Al en in de Küche zu hel en
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Küche d ang: Auch die F auen sch ien einande an, und es daue e eine Weile,
bis ich beg i , dass ih Gesch ei nich eindselig, im G unde nich einmal Ge-
sch ei wa , sonde n ein ach ein Ton all, de , wie auch die g undsä zlich ehlen-
den s-Lau e am Ende des Wo es, zum andalusischen Dialek gehö e. (Ruge
2013: 99)
Hie deu e sich eine Wah nehmungsände ung des Reisenden an: Die bishe ige
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Kommunika ionskon en ion uma ibuie . Dies geling dem E zähle jedoch nich
imme , wie de nächs e Abschni (5.) zeig .
Insgesam kann man es hal en, dass alle Reisebesch eibungen, seien es Se-
henswü digkei en, Landscha , Klima ode Menschen, bei Ruge zu Elemen en de
Da s ellung de F emde we den. Auch Cabo de Ga a wi d als O de F emde
inszenie , an dem sich de P o agonis mi sich selbe auseinande se zen muss. De
abweisende Cha ak e de Landscha und de Menschen spiegel auße dem die
S immung des Reisenden, dessen Inne es ebenso os los und de angesich s diese
T os losigkei nu noch zu s e eo ypen Wah nehmungen ähig is .
5. Annähe ung an die F emde
In dem Roman we den zahl eiche Begegnungssi ua ionen geschilde , on denen
nu einige beispielha wiede gegeben we den sollen. Die Begegnungen des E zäh-
le s mi einem Ba mann in Cabo de Ga a we den besonde s aus üh lich besch ie-
ben. Diese e lau en zunächs imme gleich ab: