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Michael Haverkamp, Synästhetisches Design. Kreative Produktentwicklung für alle Sinne, München, Wien: Hanser 2009

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Michael Haverkamp, Synästhetisches Design. Kreative Produktentwicklung für alle Sinne, München, Wien: Hanser 2009

Author: Strötgen, Stefan
Year: 2012
Source: https://epub.uni-bayreuth.de/id/eprint/243/1/ACT2012_03_Stroetgen.pdf
Michael Ha e kamp, Synäs he isches Design.
K ea i e P oduk en wicklung ü alle Sinne,
München, Wien: Hanse 2009.
S e an S ö gen (Bay eu h/Bonn)
S e an S ö gen, Rezension zu: Michael Ha e kamp, Synäs he isches Design.
K ea i e P oduk en wicklung ü alle Sinne, München, Wien: Hanse 2009, in:
ACT – Zei sch i ü Musik & Pe o mance 3 (2012), N . 3.
www.ac .uni-bay eu h.de
ACT – Zei sch i ü Musik & Pe o mance, Ausgabe 2012/3
S e an S ö gen, Rezension zu: Michael Ha e kamp, Synäs he isches Design. K ea i e P oduk en wicklung ü alle Sinne,
München, Wien: Hanse 2009.
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Rezension zu: Michael Ha e kamp, Synäs he isches Design. K ea i e
P oduk en wicklung ü alle Sinne, München, Wien: Hanse 2009.
Angesich s des Ti els mag eine Vo s ellung dieses Buches hie zunächs e was
depla zie anmu en, schein es doch o allem ü P oduk designe e ass zu sein.
Ta sächlich is dies auch die p imä e Zielg uppe de Publika ion on Ha e kamp,
de selbs Ingenieu und im Au omobildesign de Fo d-We ke in Köln ä ig is . Die
Rele anz ü den Fachbe eich Musik und Pe o mance, de Musik als Teil eine mi
allen Sinnen e leb en Wel be ach e , e schließ sich jedoch ech schnell angesich s
des e klä en und ech ambi ionie en Ziels, „alle Möglichkei en de Ve knüp ung
on Sinnesemp indungen zusammenzus ellen“ (S. VI). So e weis Ha e kamp
selbs auch au die Bedeu ung des Themas ü Be eiche wie musikalische Au üh-
ung, Film ode Video-Spiele (S. VII). Die Synäs he ik beschä ig sich mi de
Ve bindung de Sinne und geh da on aus, dass jede Wah nehmungsa neben ih en
spezi ischen Eigenscha en imme auch Anknüp ungspunk e zu Eind ücken ande e
Sinne bie e . De Ansa z is wede in de Kuns noch in de Wissenscha neu;
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neu
is alle dings die übe zeugend geschlossene Sys ema ik und gleichzei ige O enhei
on Ha e kamps Modell de Sinnes e knüp ungen, mi dem e einen gu en und mi
zahl eichen Fo schungse gebnissen und Abbildungen un e ü e en Übe blick zum
Thema bie e .
Die e s en beiden Kapi el (1.1; 1.2) dienen de He an üh ung an das Konzep de
Synäs he ik mi speziellem Zuschni au das P oduk design, wobei Ha e kamp, de
Design ganz im Sinne de Bauhaus adi ion als angewand e Kuns e s eh (S. VI),
imme wiede Beispiele aus bildende Kuns und Musik ein ließen läss . Anschlie-
ßend (1.3) olg eine Ein üh ung in die Physiologie und Psychologie de einzelnen
Wah nehmungsmodali ä en, die schließlich übe das Konzep de mul isensuellen
Wah nehmungsobjek e (1.3.4) mi einande e bunden we den. Hie zeig sich
be ei s de um assende Ansp uch on Ha e kamps Ansa z, indem e nich au de
Ebene eine Wah nehmungsmechanismen e bleib , sonde n auch die Rolle on
Um eld ak o en sowie den ak i en Rezipien en be on , de in Abhängigkei des
eigenen Wissens, indi iduelle und soziale P ägung e c. seine Wah nehmung selbe
mi ges al e . In diesem Zusammenhang heb e auch die No wendigkei eine Ve -
knüp ung na u wissenscha liche und in ospek i -phänomenologische Me hoden
zu E o schung des Gebie es he o , um Zugang zu den le z lich en scheidenden,
jedoch nich objek i beobach ba en Wah nehmungsemp indungen (Qualia) zu
e hal en (1.3.5 bis 1.3.6). Den Abschluss dieses Ein üh ungskapi els bilden Übe -
blicke zu den wah nehmungspsychologischen Konzep en de G uppie ung, Ges al -
sowie Vo de - und Hin e g undwah nehmung.
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Albe Wellek ha be ei s in den 1920e und 30e Jah en um ang eiche Fo schungen zu synäs he ischen Wah nehmung be ie-
ben, in denen e un e ande em seine Theo ie de U synäs hesien au s ell e. In de Musik is dieses Thema zumindes implizi omni-
p äsen . Seh in ensi ope ie en e wa Alexande Sk jabin und Alexande László mi ih en Ve suchen zu Fa b-Musik-Ko ela ion mi
diese Idee.
ACT – Zei sch i ü Musik & Pe o mance, Ausgabe 2012/3
S e an S ö gen, Rezension zu: Michael Ha e kamp, Synäs he isches Design. K ea i e P oduk en wicklung ü alle Sinne,
München, Wien: Hanse 2009.
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In Teil 2 geh Ha e kamp de aillie au die Ve knüp ungsa en de Sinnesbe eiche
ein, die e in ün e schiedene Ka ego ien gliede . Von besonde e Rele anz, weil
p inzipiell jedem Indi iduum zugänglich, sind ü ihn dabei die d ei Ka ego ien de
in e modalen Analogie, de konk e en Assozia ion und des Symbols beziehungswei-
se de Me aphe .
Mi de in e modalen Analogie (2.2) bezeichne Ha e kamp die spon ane und
kon ex beding e „Fähigkei des Wah nehmungssys ems, übe die Sinnesg enzen
hinweg Ko ela ionen zu e kennen und zu Iden i izie ung on Objek en und
A mosphä en auszuwe en“ (S. 133, He o hebung o iginal). Gemein is dami die
En sp echung elemen a e Wah nehmungsquali ä en, zum Beispiel die Analogie
eines auen Klangeind ucks zu eine auen Obe läche (audi i / ak il, isuell). Die
einzelne Analogie is bei Ha e kamp jedoch kein zwangsläu ig au e endes Wah -
nehmungsphänomen, sonde n imme wah scheinlichkei sbasie (S. 133‒136). Sie
kann je nach Si ua ion und Indi iduum auch zu ande en A ibu ionen üh en und
is nich bi-di ek ional.
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In Bezug au Musik und Klang wi d gleich eine ganze Pale e
an synäs he ischen Quali ä en disku ie : Synch onie-E ek e, hy hmische Analo-
gien zu bildende Kuns und A chi ek u , Fa b-Ton-Ko ela ionen, Klang-Fo m-
Eind ücke, Ton equenz und isuelle Höhe, Ve knüp ungen on Klang, Du und
Geschmack, Bewegungseigenscha en on Musik sowie äumliche Eigenscha en on
Klang.
Bei de konk e en Assozia ion (2.3) u die Wah nehmung eine Modali ä die
Assozia ion an ein bes imm es mul isensuelles Wah nehmungsobjek wach. Dies is
abe nich nu kon ex abhängig, sonde n e o de im Gegensa z zu de in ui i
zugänglichen in e modalen Analogie auch imme das gele n e Wissen um den
Zusammenhang on Reizen und dami assoziie en Wah nehmungsobjek en.
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Hie
disku ie Ha e kamp zunächs seh aus üh lich isuelle Eind ücke, widme sich
dann abe auch de akus isch-musikalischen Dimension in seinen Aus üh ungen zu
Lau - und Klangmale ei (2.3.2). Neben den üblichen Beispielen de Ge äuschimi a-
ion in musikalischen We ken e wähn e in diesem Zusammenhang auch die
Anlehnung an S imm e läu e in de Ins umen almusik als wich igen Fak o .
Insgesam bleib in diesem Abschni die Be ach ung on Musik und Klang e was
obe lächlich, was wohl de speziellen Aus ich ung des Buches geschulde is . Das
P inzip de konk e en Assozia ion wi d jedoch deu lich und bie e auch eichlich
T ans e möglichkei en aus de Diskussion de ande en Sinneseind ücke.
Symbol und Me aphe (2.4) schließlich e o de n die spezi ische Kenn nis eine
Bedeu ung, die sich p inzipiell a bi ä zu den jeweiligen Reizen e häl und somi
auch e ände ba is . Sie en s ehen pe Kon en ion und diese Kon en ionen müssen
gele n we den. Un e 2.4.5 inden sich auch einige g undlegende Aus üh ungen zu
Musiksymbolik anhand de Beispiele on Hymnen und Lei mo i ik, wobei auch ein
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Es lei e sich aus de Wah nehmung beziehungsweise aus eine auen Obe läche nich mi de selben Wah scheinlichkei de
Eind uck eines auen Klangs ab wie im umgekeh en Fall.
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Vo 300 Jah en hä e beispielsweise niemand e was mi dem Fah ge äusch eines Au os an angen, geschweige denn on seinem
Ablau au Zus and und Ak i i ä des Mo o s schließen können.
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Basismodell de synäs he ischen musikalischen Symbolgenese o ges ell
wi d (S. 245). Auße dem wi d ein ku ze Exku s zu Fa bsymbolik in de Musik
(S. 231 ) du chge üh . Rech aus üh lich (2.4.3) disku ie Ha e kamp hie die
Nu zung synäs he ische Me aphe n im Rahmen seman ische Di e en iale zu
Messung on Wah nehmungseind ücken (z.B. indem Klänge mi Beg i spaa en wie
‚ha -weich‘, ‚g ob- ein‘ e c. besch ieben we den).
Abgeg enz we den diese d ei Ke nbe eiche zu genuinen Synäs hesie und de
ma hema isch-physikalischen Ve knüp ung. Mi genuine Synäs hesie (2.5)
bezeichne Ha e kamp das landläu ig mi dem Beg i besch iebene Phänomen de
indi iduellen und unwillkü lichen Sekundä emp indung eine Modali ä bei
Ve a bei ung on Reizen eine ande en Modali ä (z.B. Fa bwah nehmungen beim
Musikhö en). Hie e e ie e ech aus üh lich Fo schungse gebnisse und üh
auch eine ganze Reihe anschauliche Beispiele ü das Phänomen an. Zwa sind die
Wah nehmungen einzelne Synäs he ike imme indi iduell und dami nich im
De ail e allgemeine ba , jedoch zeig en ge ade diese Phänomene, wie eng unse e
Sinne mi einande e knüp sind, weswegen eine Auseinande se zung mi diesem
Fo schungsbe eich eine iel e sp echende Pe spek i e bö e (S. 271 ). Nahezu
en gegengese z is schließlich die ma hema isch-physikalische Ve knüp ung (2.6),
bei de mul isensuelle Eind ücke nach bes imm en, nich in ui i zugänglichen ode
symbolisch codie en Algo i hmen mi einande gekoppel we den. Besonde s
in ensi geh e dabei au audio isuelle Kopplungen und abe mals speziell au Fa b-
Musik-Ko ela ionen ein.
In Teil 3 widme sich Ha e kamp zunächs (3.1) de In eg a ion de Sinnesbei äge,
ü das e ein Konzep en lang d eie Achsen o schläg : Die jeweilige A de
In eg a ion in e modale S a egien e läu übe die simul ane In eg a ion übe
einzelne A ibu e en lang eine Zei achse, welche die Ebene de sequenziellen
In eg a ion da s ell . Au g und de In eg a ion de e schiedenen Modali ä en
en s ehen „neue Wah nehmungsquali ä en, die keine de be eilig en Sinneskanäle
ü sich gene ie en kann.“ (S. 295) Zu beach en sei dabei alle dings, dass es im
Zusammenspiel de Sinne auch zu Wah nehmungskon lik en kommen könne, au
die e anschließend (3.1.2) genaue eingeh .
Au den olgenden übe 80 Sei en we den o wiegend p oduk designo ien ie e
Themen e ö e , die zwa auch imme wiede in e essan e Einzelphänomene
bie en, ü den Be eich Musik und Pe o mance jedoch ehe on nach angige
Bedeu ung sind. D ei Ausnahmen seien hie alle dings noch ange üh : Au S. 304
üh e explizi einen Aspek aus, de in de o angegangenen A gumen a ion ehe
implizi p äsen wa , nämlich, dass Ve knüp ungss a egien nich nu gleichzei ig
au e en können, sonde n im Regel all auch hie a chisch o ganisie sind. „Symbo-
lik bau au Assozia ion au , diese wiede um au Analogiebeziehungen.“ (S. 304) In
Kapi el 3.4 beschä ig e sich aus üh lich mi de Visualisie ung on Ge äuschen
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und Musik sowohl mi Mi eln de bildenden Kuns , mi de echnisch-physikali-
schen Da s ellung als auch mi e schiedenen Möglichkei en sys ema ische und
in ui i e musikalische No a ion. Eben alls on Bedeu ung und eine gu e Ab un-
dung des Buches s ell Kapi el 3.5 da , das sich mi G undlagen des Zusammen-
hangs on Wah nehmung und Emo ion beschä ig .
Zusammen assend bes eh die Leis ung des Buches da in, e s mals in eine g i igen
Sys ema ik einen Übe blick übe e schiedene Möglichkei en des Zusammenspiels
de Sinne zu bie en, de äuße s e schiedene Zugänge zum Thema – on de Na u -
wissenscha bis zu Kuns – mi einande e knüp . Dass an einigen S ellen ü die
Musik hea e o schung in e essan e Aspek e ausgespa ode nu ange issen
we den, kann angesich s des um assenden Ansp uchs sowie de speziellen Aus ich-
ung des Buches au Design agen nich wi klich als K i ikpunk gel en. Vielmeh
e s aun es angesich s diese Aus ich ung schon as , welch dominan e Rolle Musik
und Klang in diese A bei spielen.
Au allend und siche lich o eilha ü einige musikwissenscha liche Zugänge is
auch die p inzipielle Kompa ibili ä mi semio ischen Ansä zen, da die zen alen
Teile des Modells s a ke Bezüge zu Pie ce’schen T ias on Index (bzw. konk e e
Assozia ion), Ikon (bzw. in e modale Analogie) und Symbol (bzw. Symbol und
Me aphe ) au weisen. Alle dings s immen die Konzep e nich olls ändig übe ein
(S. 219 ). Vo sich is in diesem Zusammenhang auch mi dem Te minus ‚Ikon‘
gebo en, da Ha e kamp gelegen lich auch den Beg i de ikonischen Ve knüp ung
als Synonym ü die konk e e Assozia ion e wende (z.B. S. 113).
Vo eilha ü den Eins ieg in dieses Gebie e weis sich auße dem die kla e Sp ache
Ha e kamps, de keinen Fach e minus une klä im Raum s ehen läss . Dazu wi d
eine Fülle on Beispielen gelie e , welche die heo e ischen Aus üh ungen p ägnan
und anschaulich un e maue n. Dabei inden sich neben eine Vielzahl a bige
Illus a ionen auch Tas sei en sowie eine beige üg e CD mi 90 Klangbeispielen. In
Anbe ach diese au wändigen Ges al ung is auch de zunächs e was hoch e schei-
nende P eis on 99 € ( ü die gebundene Ausgabe) du chaus ge ech e ig .
Ob am Ende a sächlich das e klä e Ziel e eich wu de, alle Möglichkei en de
Ve knüp ung de Sinne zu e assen, sei jedoch zukün igen Fo schungen au dem
Gebie übe lassen. Als Fazi läss sich es hal en: We sich mi de Ve bindung
e schiedene Sinneseind ücke beschä ig , ü den bie e das Buch ein p o undes
Nachschlagewe k und nich zule z auch ein gu handhabba es beg i liches Ins u-
men a ium.