Uni e si ä Bay eu h
Kul u wissenscha liche Fakul ä
Fachbe eich Soziologie
Disse a ionssch i
zu E langung des akademischen G ades
Dok o de Philosophie (D . phil.)
Sozialphilosophie und Geldpoli ik
bei F ied ich Augus on Hayek, Wal e Eucken,
Joseph Alois Schumpe e , Mil on F iedman und John Mayna d Keynes
Vo geleg on
S ephan Balling
Diplom-Volkswi
Gebo en am: 5. Feb ua 1979 in Nü nbe g
Bay eu h / F ank u im Juli 2012
„Ich e siche e hie mi an Eides S a , dass ich die o liegende A bei ohne unzulässige Hil e
D i e und ohne Benu zung ande e als de angegebenen Hil smi el ange e ig habe; die
aus emden Quellen di ek ode indi ek übe nommenen Gedanken sind als solche kenn lich
gemach . Da übe hinaus e siche e ich, dass ich wede bishe Hil e on gewe blichen
P omo ionsbe a e n bzw. - e mi le n in Ansp uch genommen habe noch kün ig in Ansp uch
nehmen we de.
Die A bei wu de bishe wede im Inland noch im Ausland in gleiche ode ähnliche Fo m
eine ande en P ü ungsbehö de o geleg und is auch noch nich e ö en lich .“
F ank u / Bay eu h im Juli 2012, S ephan Balling
Abs ac :
Die globale Finanzk ise, die im F ühjah 2007 begann und im Sep embe 2008 du ch den
Zusammenb uch de In es men bank Lehman B o he s eskalie e, begann im ie en Qua al
2008 wel wei au die Realwi scha du chzuschlagen. Die deu sche Bundes egie ung
echne e dami , dass im Jah 2009 das B u oinlandsp oduk (BIP) um 6 P ozen einb echen
we de – so s a k wie nie sei dem Zwei en Wel k ieg. Es kam mi einem BIP-Rückgang on
4,9 P ozen dann zwa nich ganz so schlimm, abe auch diese Rezession wa die s ä ks e
sei 1945. Fü diese d ama ischen En wicklungen lie e en Ökonomen im Wesen lichen zwei
E klä ungsmus e : Die einen gaben den Zen albanken die Schuld, sie hä en in den zwei
Jah zehn en o de K ise zu iel Liquidi ä gescha en, die dann zu P eisblasen e wa au
dem ame ikanischen Immobilienma k üh e. Ande e mach en eine zu schla e Regulie ung
und die Libe alisie ung de Finanzmä k e ü die En wicklungen e an wo lich.
Vo dem Hin e g und diese E eignisse en s and die Idee, nich nu eine echnische Analyse
du chzu üh en um zu e kennen, welches E klä ungsmus e plausible sei. S a dessen soll e
analysie we den, wie sich diese diame al wiede sp echenden Aussagen on Ökonomen
ideengeschich lich e klä en lassen. Es e schien nö ig, sich ideengeschich lich mi
Sozialphilosophie, de Rolle des S aa es in de Wi scha sowie dem Wesen des Geldes und
des Zinses in den wich igs en ökonomischen Sch i en des 20. Jah hunde s zu
beschä igen. Dabei soll e es um die F age gehen, ob bei Ökonomen und Sozialphilosophen
zwischen den gene ellen gesellscha s- und wi scha spoli ischen Vo s ellungen eine sei s
und den geldpoli ischen Vo s ellungen ande e sei s ein Zusammenhang bes eh . Diese
F age soll e du ch einen Li e a u e gleich e schiedene S aa s- und Geld heo e ike geklä
we den, die – bei allen Un e schieden im De ail – ü sich das A ibu „libe al“ eklamie en.
Die o liegende A bei analysie olglich die We ke on ün g oßen Wi scha s- und
Sozialphilosophen, nämlich on F ied ich Augus on Hayek als Rep äsen an de
Ös e eichischen Schule de Na ionalökonomie, Wal e Eucken als Ve e e de F eibu ge
Schule de O dnungsökonomik, Joseph A. Schumpe e als Ve e e eine
Un e nehme heo ie, Mil on F iedman als Beg ünde des Mone a ismus und John Mayna d
Keynes als Ve e e eine expansi en Geld- und Fiskalpoli ik. Dabei wi d ein
Zusammenhang des Denkens in Bezug au allgemeine s aa sphilosophische Vo s ellungen,
wi scha spoli ische Ziele und die Au gabe sowie den Ins umen enkas en de Geldpoli ik
he ges ell .
Dabei zeig sich: Indi idualis ische Vo s ellungen übe die Gesellscha gehen mi
P ä e enzen ü eine ge inge Tä igkei des S aa es in de Wi scha sowie eine
wei gehenden, eils soga ölligen En kopplung de Geldpoli ik on poli ische Ein lussnahme
einhe . Umgekeh gehen Vo s ellungen, die wenige einem nega i en als einem posi i en
F eihei sbeg i olgen und dem wi scha lichen E olg des Kollek i s den Vo zug o de
F eihei des Einzelnen geben, mi eine s ä ke en Rolle des S aa es im wi scha lichen
Koo dina ions- und Alloka ionsp ozess einhe und o de n zugleich eine ak i e Rolle de
Geldpoli ik bei de S eue ung des wi scha lichen P ozesses. Da aus is wiede um zu
schließen: Die Fo de ung nach eine expansi ausge ich e en Geldpoli ik zu S imulie ung
on Konjunk u und Wachs um be uh ideengeschich lich nich nu au echnischen
Übe legungen zu E izienz, sonde n s amm on eine g undsä zlich kollek i is ische – eils
sozialis ische – ausge ich e en G undübe zeugung. Die A gumen a ion zum Beispiel ü
ode gegen eine konjunk u s ü zende Geldpoli ik lei e sich nich nu aus heo e ischen
ökonomischen Modellen ab, de en Rich igkei e wa du ch empi ische Me hoden übe p ü
we den kann. Sie lei e sich auch aus g undsä zlichen Übe zeugungen zum Beispiel übe
den We de indi iduellen F eihei ode des Schu zes on Eigen ums ech en ab. In de
poli ischen wie in de wissenscha lich-ökonomischen Diskussion komm diese Aspek
alle dings zu ku z.
The global inancial c isis, which s a ed in sp ing 2007 and escala ed in Sep embe 2008
a e he collapse o Lehman B o he s, began o a ec he eal economy in he ou h qua e
o 2008. The Ge man go e nmen a he ime expec ed ha g oss domes ic p oduc (GDP)
would sh ink in 2009 by 6 pe cen – mo e han a any ime since Wo ld Wa II ( inally,
Ge many´s GDP sh ank by 4.9 pe cen ). Economis s ga e wo di e en explana ions o his
d ama ic de elopmen . One camp laid he blame wi h cen al banks, which had c ea ed oo
much liquidi y du ing he wo decades be o e he c isis, leading o p ice bubbles on he
Ame ican housing ma ke . O he s a gue ha weak egula ion and he libe aliza ion o
inancial ma ke s we e esponsible.
Agains ha backd op he idea was bo n o no simply conduc a echnical analysis o ind ou
which o hose wo explana ions was mo e plausible. Ins ead he e would be an analysis in o
whe he hese wo di e ging a gumen s o economis s can be explained by he his o y o
ideas. I seemed necessa y o deal wi h he his o y o ideas in social philosophy, he ole o
go e nmen in he economy and he na u e o money and in e es as e lec ed in he main
economic w i ings o he 20 h cen u y. The ques ion is whe he he e is a connec ion in he
w i ings o economis s and poli ical philosophe s be ween he mo e gene al ideas abou
economics and socie y on he one hand and mone a y policy on he o he . The challenge o
his hesis is o ind an answe o his ques ion by compa ing he li e a u e w i en by di e en
mone a y heo is s and poli ical philosophe s, who – despi e di e ences in de ails – claim o
be “libe al” ( he wo d “libe al in his hesis is used in i s o iginal sense which means basically
business iendly and in a ou o ee ma ke s). The hesis p esen ed analysis he w i ings o
i e impo an poli ical and economic philosophe s: F ied ich Augus on Hayek who p esen s
he Aus ian School o Economics, Wal e Eucken who p esen s he Ge man F eibu g School
o O dnungsoekonomik, Joseph A. Schump e who p esen s a heo y o he en ep eneu ,
Mil on F iedman who is ega ded as he ounde o Mone a ism and John Mayna d Keynes
who ad oca es an expansi e mone a y and iscal policy o c ea e jobs in he economy.
Th ough his compa ison he e will be a connec ion o he hinking ega ding b oade ideas
abou poli ical philosophy, he goals o economic policy and he ins umen s o mone a y
policy.
The esul : Indi idualis ic ideas abou a socie y coincide wi h p e e ences o small
go e nmen and a high, some imes ully decoupling o mone a y policy om poli ical
in luence. Con e sely, ideas ha ollow less wha is called “nega i e libe y” and mo e wha
is ega ded as “posi i e libe y,” and emphasize he economic success o he socie y ins ead
o indi idual eedom, go along wi h ideas o big go e nmen in he economic p ocess o
coo dina ion and alloca ion. They ask o an ac i e ole o mone a y policy o s ee he
economic p ocess o a socie y, oo.
This leads o he ollowing conclusion: The demand o an expansi e mone a y policy o
s imula e business ac i i y and economic g ow h descends – a leas om he iew o he
his o y o ideas – no only om echnical conside a ions abou e iciency, bu also om
undamen ally mo e collec i is ic – pa ly socialis – undamen al con ic ions. In o he wo ds,
he a gumen o o agains a mone a y policy ha s imula es economic ac i i y is no only
de i ed om heo e ical economic models ha can be e i ied o alsi ied by empi ical
me hods. I s a s wi h basic no ma i e con ic ions abou he alue o indi idual eedom o
he p o ec ion o p ope y igh s. Howe e , his aspec ge s scan no ice in he cu en poli ical
and scien i ic economic discussion.
Die o liegende A bei wu de on de Kul u wissenscha lichen Fakul ä de Uni e si ä
Bay eu h am 7. No embe 2012 angenommen. Mein besonde e Dank gil meinem
Dok o a e , He n P o . D . Michael Zölle , ü seine wissenscha liche Beglei ung. Auße dem
danke ich He n P o . D . Ma in Leschke, dass e ü die o liegende A bei das
Zwei gu ach en e s ell ha . He n P o . D . He mann Hie y und He n P o . D . Geo g
Kamphausen danke ich ü ih e Be ei scha , am Wissenscha lichen Kolloquium
mi zuwi ken.
F ank u / Bay eu h im Dezembe 2012 S ephan Balling
Inhal s e zeichnis
1 Einlei ung............................................................................................................................ 1
2 Ein Ve gleich on F eibu ge und Ös e eichische Schule...........................................5
2.1 Die F eibu ge Schule.................................................................................................. 5
2.1.1 Die G ündungs ä e de F eibu ge Schule........................................................... 5
2.1.2 G ündungs ex de F eibu ge T adi ion de O dnungsökonomik: „Unse e
Au gabe“........................................................................................................................ 7
2.1.3 G undideen des O dolibe alismus....................................................................... 11
2.2 Die Ös e eichische Schule de Na ionalökonomie.................................................... 17
2.2.1 Die G ündungs ä e de Ös e eichischen Schule...............................................17
2.2.1.1 Ca l Menge ................................................................................................. 17
2.2.1.2 Eugen on Böhm-Bawe k............................................................................ 18
2.2.1.3 Ludwig on Mises........................................................................................ 18
2.2.1.4 F ied ich Augus on Hayek......................................................................... 18
2.2.2 Die geis ig-philosophischen U sp ünge de Ös e eichischen Schule de
Na ionalökonomie.........................................................................................................19
2.2.2.1 Die geis igen Wu zeln de Ös e eichischen Schule in de Ka holischen
Denk adi ion........................................................................................................... 19
2.2.2.2 Die geis igen Wu zeln de Ös e eichischen Schule in de Scho ischen
Philosophie de Au klä ung...................................................................................... 22
2.2.2.3 Exku s: Adam Smi h und die kon inen aleu opäische Denk adi ion............25
2.2.3 G undp inzipien ös e eichischen Denkens......................................................... 31
2.2.3.1 K i ik am His o ismus................................................................................... 31
2.2.3.2 Die G undlagen on Ca l Menge ................................................................ 31
2.2.3.3 D ei Wellen de Ös e eichischen Schule.....................................................34
2.2.3.4 Die In e p e a ion on Kapi al und Zins bei den Ös e eiche n.....................35
2.2.3.5 De Konjunk u zyklus nach de Ös e eichischen Schule.............................37
2.2.3.6 Ke naussagen de Ös e eichischen Schule................................................38
2.2.3.7 Abg enzung zu Neoklassik......................................................................... 41
2.3 Gemeinsamkei en on Ös e eichische und F eibu ge Schule jensei s de Geldpoli ik
........................................................................................................................................ 46
2.4 Un e schiede on Eucken und Hayek jensei s de Geldpoli ik....................................54
2.5 Zwischen azi : Un e schiedliche P ä e enz ü S aa seing i e bei Eucken und Hayek
........................................................................................................................................ 59
2.6 Die Bewe ung on In la ion und De la ion bei Hayek und Eucken.............................60
2.7 Geldpoli ische Konzep ionen bei Hayek und Eucken................................................. 63
2.8 Exku s: His o ische En wicklung de Geldo dnung.....................................................70
2.9 Fazi : Bean wo ung de Ausgangs age diese A bei ü den Fall de Ös e eichis-
chen und F eibu ge Schule.............................................................................................75
3 Schumpe e – Un e nehme heo ie und Konjunk u ablau sowie die F age nach
Kapi alismus, Sozialismus und Demok a ie......................................................................77
3.1 Biog aphische Hinweise zu Schumpe e .................................................................... 77
3.2 Schumpe e s Fo schungsansa z................................................................................79
3.3 Schumpe e s g undsä zliche Ansä ze in Abg enzung zu Eucken und Hayek.............82
3.4 Schumpe e s Gesellscha sbild in „Kapi alismus, Sozialismus und Demok a ie”........83
3.4.1 Ma xk i ik ............................................................................................................ 83
3.4.2 Die Funk ionsweise des Kapi alismus................................................................. 90
3.4.3 De Übe gang zum Sozialismus.......................................................................... 98
3.4.4 De Sozialismus kann unk ionie en.................................................................. 103
3.4.5 Sozialismus und Demok a ie............................................................................. 108
3.5 Schumpe e s Gesellscha bild im Ve gleich zu Hayek und Eucken..........................113
3.5.1 F eihei sbeg i e bei Hayek, Eucken und Schumpe e .......................................113
3.5.2 Die sozial heo e ischen G undlagen Schumpe e s............................................119
3.6 Die Rolle des Geldes und de K edi schöp ung bei Schumpe e im Ve gleich zu Hayek
und Eucken.................................................................................................................... 120
3.7 Zwischen azi zu Hayek, Eucken und Schumpe e ...................................................125
4 Mil on F iedman – F eihei und das Wachs um de Geldmenge.................................126
4.1 Mil on F iedman: zu Pe son.................................................................................... 126
4.2 F iedmans F eihei sbeg i e und seine Sich au die Rolle des S aa es in de
Wi scha ....................................................................................................................... 128
4.3 F iedmans gesellscha s- und wi scha spoli ische Vo s ellungen im Ve gleich zu
Hayek, Eucken und Schumpe e ....................................................................................138
4.4 F iedmans geldpoli ische Vo s ellungen................................................................... 140
4.5 F iedmans geldpoli ische Fo de ungen im Ve gleich zu Hayek, Eucken und Schum-
pe e .............................................................................................................................. 152
5 John Mayna d Keynes................................................................................................... 156
5.1 John Mayna d Keynes: Zu Pe son..........................................................................156
5.2 Keynes Wel anschauung......................................................................................... 158
5.2.1 K i ik am „O hodoxen Libe alismus“................................................................. 158
5.2.2 S aa s- und Ma k wi scha bei Keynes............................................................163
5.2.3 Keynes: Bin ich ein Libe ale ?........................................................................... 170
5.2.4 Keynes sozialphilosophische Aus üh ung in de „Gene al Theo y“....................174
5.3 Keynes Wel anschauung im Ve gleich zu Hayek, F iedman, Eucken und Schumpe e
.......................................................................................................................................177
5.4 Keynes geldpoli ische Vo s ellungen........................................................................179
5.5 Keynes geldpoli ische Vo s ellungen im Ve gleich zu Hayek, Eucken, Schumpe e und
F iedman........................................................................................................................184
6 Zusammen assung und Fazi ........................................................................................ 185
Abbildungs e zeichnis
Abbildung: En wicklung on Geldmengenagg ega M3 und Ba geldumlau in de Eu ozone...........Sei e 142
Tabelle 1: Zusammen assende Übe sich übe die G unde kenn nisse diese A bei .......................Sei e 187
Sei e 6
he o geb ach , die zu äl e en 'F eibu ge T adi ion' iel äl ige Bezüge
au weisen“ .21
Um die pa allele En wicklung on F eibu ge und Ös e eichische Schule da zus ellen,
we den im Folgenden zunächs die ühen Sch i en de F eibu ge Ke ng uppe analysie ,
de en gemeinsame Wi kungszei alle dings zei lich be is e wa : Hans G oßmann-Doe h iel
be ei s 1944, F anz Böhm wechsel e 1945 nach F ank u a.M.22 Wal e Eucken wu de am
17. Janua 1891 in Jena gebo en, e s a b am 20. Mä z 1950 und wa on 1927 bis 1950
P o esso ü Na ionalökonomie an de Uni e si ä F eibu g.23
F anz Böhm kam am 16. Feb ua 1895 in Kons anz zu Wel , seine P omo ion und
Habili a ion im Fach Rech swissenscha e olg en an de Uni e si ä F eibu g. Seine e s e
P o essu an de Uni e si ä Jena wu de ihm im Jah 1940 en zogen, nachdem e die
na ionalsozialis ische Rassenpoli ik k i isie ha e. Im Jah 1945 e hiel e einen Ru nach
F eibu g, wechsel e abe ein Jah spä e be ei s nach F ank u . Nach dem K ieg be ä ig e
sich Böhm poli isch als Minis e in Hessen, Ve handlungslei e ü die Aushandlung des
Wiede gu machungsabkommens mi Is ael und in den Jah en 1953 bis 1965 als Mi glied des
Deu schen Bundes ages. Böhm wa maßgeblich an de Ausa bei ung des 1957
e abschiede en Gese zes gegen We bewe bsbesch änkungen be eilig . Am 26. Sep embe
1977 s a b e .
Hans G oßmann-Doe h wu de am 9. Sep embe 1894 gebo en. Au seine S udien in
München und Hambu g und seine P omo ion im Fach Rech swissenscha en im Jah 1923
olg en eine Ans ellung als Rich e sowie im Jah 1929 die Habili a ion. Im Jah 1930 wu de
G oßmann-Doe h P o esso ü Bü ge liches Rech und Handels ech an de Uni e si ä
P ag, 1933 wechsel e e an die Uni e si ä F eibu g.24
21 Goldschmid u. Wohlgemu h, S. 8
22 gl. Goldschmid u. Wohlgemu h, S. 8
23 gl.h p://www.wal e -eucken-ins i u .de/ eibu ge - adi ion/ anz-boehm.h ml
24 gl. ü diesen und den o he gehenden Absa z: h p://www.wal e -eucken-ins i u .de/ eibu ge - adi ion/ anz-boehm.h ml
Sei e 7
2.1.2 G ündungs ex de F eibu ge T adi ion de O dnungsökonomik:
„Unse e Au gabe“
Den Tex „Unse e Au gabe“ de d ei genann en F eibu ge P o agonis en aus dem Jah 1936
bezeichnen Goldschmid und Wohlgemu h als das „G ündungsdokumen “ de F eibu ge
Schule.25 Böhm, Eucken und G oßmann-Doe h beklagen da in, dass Rech swissenscha
und Na ionalökonomie in Deu schland die g undsä zlichen ech s- und wi scha spoli ischen
En scheidungen nich meh beein lussen.26 Sie sch eiben:
„Ve zich e die Wissenscha au diese Rolle ode wi d sie ih abe kann , dann
e en ande e, wenige be u ene Ra gebe an ih e S elle – die In e essen en. Sie
sind siche lich sach e s ändig ü die echnischen De ails ih es Be u szweiges,
abe sie sind ebenso siche nich sach e s ändig und können es nich sein in de
Beu eilung de gesam wi scha lichen Zusammenhänge; und sie sind auße dem
du ch ih e wi scha liche In e essenlage gebunden, was in alle Regel unbewuß
dazu üh , daß sie das Wohle gehen ih es Be u szweiges mi de
Gesam wi scha e wechseln. Hö de S aa au sie, dann e en an S elle on
wi scha spoli ischen und ech lichen En scheidungen, die au eine genauen
Kenn nis de g oßen o dnenden P inzipien des Wi scha slebens be uhen, sich
in diese Gesam o dnung ein ügen und on ih aus ih en Sinn e hal en,
En scheidungen, die dem Sys emgedanken de gegebenen Wi scha
en gegenlau en und aus eine ge egel en O dnung ein Chaos zu machen
endie en – ein P ozeß, de in den einzelnen Sch i en diese Reihe on
e schiedenen Sei en beleuch e wi d.“27
Die Au o en wa nen also im Ke n o Lobbyismus. Da übe hinaus p ange n sie die
Mains eam-Ökonomik des 19. Jah hunde s in Deu schland an, den His o ismus:
„Roman ik und his o ische Schule haben in beiden Wissenscha en den Glauben
an ein na ü liches Sys em des Rech s und de Wissenscha ze s ö “.28
Als konk e es Beispiel k i isie en die Au o en on „Unse e Au gabe“, dass Rech s- und
Wi scha swissenscha sich nich gegen die Bildung on Ka ellen geweh ha en:
„Die Bildung on Ka ellen z.B. wu de om Reichsge ich sei de
ich ungsgebenden und e hängnis ollen En scheidung om 4.2.1897 als eine
unabände liche Ta sache hingenommen und ga nich de Ve such gemach ,
25 gl. Goldschmid u. Wohlgemu h, S. 21
26 gl. Böhm, F., Eucken, W. u. G oßmann-Doe h, H.: Unse e Au gabe, 1936, in: Goldschmid u. Wohlgemu h (Hg): G und ex e
zu F eibu ge T adi ion de O dnungsökonomik, Tübingen: 2008, S. 27
27Böhm, Eucken, G oßmann-Doe h, S. 28
28Böhm, Eucken, G oßmann-Doe h, S. 28
Sei e 8
du ch eine en schiedene Ka ell-Rech sp echung die O dnungsgedanken de
Gewe beo dnung zu Gel ung zu b ingen.”29
Aus dem Ansa z de his o ischen Schule de Na ionalökonomie ha sich demnach ein
„his o ische Fa alismus“ en wickel , wie die Au o en sch eiben:
„Wi sind His o ike genug, um den his o ischen Fa alismus als das zu nehmen,
was e is : Das Schwächezeichen gewisse In ellek uelle . Weil ih Geis sich
unsiche ühl , b ingen sie nich meh die K a au , an die Ges al ung de Dinge
he anzugehen und ziehen sich deshalb in die Rolle des Beobach e s zu ück. Zu
Beg ündung ih e Hal ung a bei en sie egelmäßig mi his o ischen
Kons uk ionen und Dok inen, die in höchs em Maße un ealis isch sind.
Ve kann wi d o allem die ungeheu e Vielhei de geschich sbildenden K ä e,
und so is es kein Zu all, daß sich die P ognosen de Fa alis en, au die sie ih
ganzes Denken und Wollen ich en, as imme als un ich ig e weisen.“30
Doch auch den ande en Zweig, de sich aus de his o ischen Schule de Na ionalökonomie
en wickel habe – on den Au o en „ ela i is isch“ genann – und dessen Haup e e e
Gus a Schmolle wa , k i isie en die Au o en on „Unse e Au gabe“:
„Schmolle is wesen lich da an mi schuldig, daß in Deu schland die
Na ionalökonomie ih e ühe e K a e lo , wah ha ges al end zu wi ken.”31
Als G ünde ü diesen Niede gang üh en sie zum e s en an, dass Schmolle sich
g undsä zlichen Aussagen e weige und s a dessen nu zu Einzel agen geäuße habe.32
Zwei ens wi d k i isie , dass „Schmolle nich s mi dem abs ak en Denkappa a de
na ionalökonomischen Theo ie anzu angen“33 gewuss habe.34
Böhm, Eucken und G oßmann-Doe h olge n aus ih e Analyse d ei Au gaben ü die
Rech s- und Wi scha swissenscha . E s ens müsse die wissenscha liche Ve nun wiede
s ä ke genu z we den als in de His o ischen Schule.35 Zwei ens o de n sie den P ima des
g undsä zlichen Denkens:36
„Es bes eh da in, die Einzel agen de Wi scha als Teile scheinung eine
höhe en Einhei zu sehen. Da säm liche Gebie e de Wi scha au s engs e
mi einande e knüp sind, is diese g undsä zliche Be ach ung die einzige, die
de Sache ge ech wi d. Die Behandlung alle konk e en ech s- und
29Böhm, Eucken, G oßmann-Doe h, S. 30
30 Böhm, Eucken, G oßmann-Doe h, S. 31
31 Böhm, Eucken, G oßmann-Doe h, S. 32
32 gl. Böhm, Eucken, G oßmann-Doe h, S. 32
33 Böhm, Eucken, G oßmann-Doe h, S. 33
34 gl. Böhm, Eucken, G oßmann-Doe h, S. 33
35 gl. Böhm, Eucken, G oßmann-Doe h, S. 35
36 gl. Böhm, Eucken, G oßmann-Doe h, S. 35
Sei e 9
wi scha spoli ischen F agen muß an de Idee eine Wi scha s e assung
ausge ich e sein. Dadu ch wi d die ela i is ische Hal losigkei und das
a alis ische Hinnehmen de Fak en übe wunden“.37
D i ens legen die Au o en on „Unse e Au gabe“ abe auch We da au , dass de his o ische
Kon ex Ausgangspunk de Analysen sein müsse, im Gegensa z zum His o ismus müsse
man abe mi g undsä zlichen F agen an die Analyse de Geschich e he an e en.38 Ih
C edo:
„Wi klichkei snah – und g undsä zlich zugleich; nu aus diese Spannung he aus
können die P obleme de Wi scha s e assung e aß und eine Lösung
zuge üh we den“.39
Vie ens gel e: „Die Wi scha s e assung is als eine poli ische Gesam en scheidung übe
die O dnung des na ionalen Wi scha slebens zu e s ehen“.40 De Ju is müsse, um die
Rech so dnung als Wi scha s e assung zu beg ei en und zu o men, die E gebnisse de
wi scha swissenscha lichen Fo schung nu zen.41 Es gel e:
„Wenn es z.B. de p ak ische ode wissenscha liche Ju is mi eine F age des
unlau e en We bewe bs zu un haben, genüg es keineswegs, daß e den
e hischen Au assungen des Kau mannss andes nachspü und ausgehend on
dem 'Ans andsge ühl alle billig und ech Denkenden' die eine G uppe on
Wi scha skamp mi eln ü ge ade noch e laub , die ande e ü eben noch
ech swid ig e klä . Vielmeh is ge ade hie das
wi scha s e assungs ech liche Du chdenken des P oblems d ingend nö ig,
denn de eie We bewe b is ein wesen liches O dnungsp inzip de heu igen
deu schen Wi scha . De eie We bewe b da nich e wa un e älschliche
Be u ung au angebliche Unlau e kei un e bunden we den, e da ande e sei s
abe auch nich in wi klich unlau e en We bewe b en a en. Wie die G enze
zwischen unlau e em und e laub em We bewe b zu ziehen is , wo eie
We bewe b o lieg , wo nich , wo besch änk e We bewe b, wann
Leis ungswe bewe b, wann Behinde ungswe bewe b gegeben is , wann
P eisun e bie ungen dem O dnungsp inzip wide sp echen, wann nich – kann nu
au G und de Un e suchungen de e schiedenen Ma k e assungen
en schieden we den, welche die Wi scha swissenscha du ch üh . Das
37 Böhm, Eucken, G oßmann-Doe h, S. 35
38 gl. Böhm, Eucken, G oßmann-Doe h, S. 35
39 Böhm, Eucken, G oßmann-Doe h, S. 36
40 Böhm, Eucken, G oßmann-Doe h, S. 36
41 gl. Böhm, Eucken, G oßmann-Doe h, S. 36
Sei e 10
Zusammenspiel beide Wissenscha en, das in diese Hinsich noch seh iel zu
wünschen üb ig läss , is schlech hin no wendig“.42
Böhm, Eucken und G oßmann-Doe h o de n zudem, dass die eng spezialisie en einzelnen
Wissenscha en sich wiede enge mi einande e binden, wenn es um die Lösung on
P oblemen geh ; das gel e insbesonde e ü die Na ionalökonomie und die Ju isp udenz.43
Zusammen assend lassen sich aus diese Analyse on „Unse e Au gabe“ olgende
Lei gedanken de F eibu ge G ündungs ä e he aus k is allisie en:
•Rech s- und Wi scha swissenscha müssen sich in den poli ischen P ozess
einmischen
•Sie dü en das Feld nich den Lobbyis en übe lassen
•G undsä zliches Denken muss den P ima haben o einem subjek i en
allbezogenen Rech semp inden, weshalb alle ech s- und wi scha spoli ischen
En scheidungen an die Idee eine Wi scha s e assung gekoppel sein soll en
•Die un e schiedlichen Zweige de Wissenscha , besonde s Ju isp udenz und
Na ionalökonomie, müssen sachbezogen eng zusammena bei en
Dami sind in „Unse e Au gabe“ die wesen lichen Ansä ze de F eibu ge Schule um issen.
Im Folgenden sollen diese Denkans öße wei e e ie we den.
42 Böhm, Eucken, G oßmann-Doe h, S. 36
43 gl. Böhm, Eucken, G oßmann-Doe h, S. 37
Sei e 11
2.1.3 G undideen des O dolibe alismus
Abelshause besch eib die neue Dok in des deu schen Wi scha slibe alismus nach 1945:
„Sie nahm Abschied on de Vo s ellung des libe alen S aa es und o ien ie e
sich k i isch an de Reali ä des 'in e en ionis ischen Wi scha ss aa es', de
nach dem U eil Wal e Euckens nu noch 'sel en ims ande' wa , 'das eine
S aa sin e esse zu Gel ung zu b ingen'. Nich die Ablehnung des
In e en ionismus an sich, sonde n die En wicklung eines 'libe alen
In e en ionismus' soll e den Ausweg aus de on Eucken beklag en
'Ve sump ung des Kapi alismus' weisen. Da un e e s anden e und ande e
Re o me , wie Alexande Rüs ow, 'ein Eing ei en in genau de en gegengese z en
Rich ung, als in de bishe eingeg i en wo den is , nämlich nich en gegen den
Ma k gese zen, sonde n in Rich ung de Ma k gese ze, nich zu
Au ech e hal ung des al en, sonde n zu He bei üh ung des neuen Zus andes,
nich zu Ve zöge ung, sonde n zu Beschleunigung des na ü lichen Ablau s.
Also sozusagen ein libe ale In e en ionismus (…)'. Rüs ows Plädoye gip el e
1932 in de Aussage: 'De neue Libe alismus jeden alls, de heu e e e ba is ,
o de einen s a ken S aa , einen S aa obe halb de Wi scha , obe halb de
In e essen en, da wo e hingehö '.“44
Vanbe g weis au Böhms spä e e Aussage hin, dass das gemeinsame Anliegen de G ünde
de F eibu ge Schule da in bes anden habe, de F age nachzugehen, wie die
e assungsmäßige G undlage eine eien Wi scha und Gesellscha aussehen solle.45
Eucken woll e in meh e en Au sä zen eine Al e na i e zu His o ischen Schule und zu
p inzipienlosen disk e ionä en Ansä zen in de Wi scha spoli ik bie en: Im Jah 1932, also
ie Jah e o „Unse e Au gabe“, ha e Eucken die beiden Au sä ze „S aa liche
S uk u wandlungen“ und „Die K ise des Kapi alismus“ e ö en lich , spä e olg en mi „Die
G undlagen de Na ionalökonomie“ aus dem Jah 1939 und „Die G undsä ze de
Wi scha spoli ik“ im Jah 1952 zwei wei e e g öße e A bei en zu diesem Thema.46 Das
le z e e We k wi d in den Kapi eln 2.3 und 2.4 noch aus üh liche analysie we den.
O wi d die o dolibe ale F eibu ge Schule mi den G ündungs ä e n de Sozialen
Ma k wi scha gleichgese z . Das is abe nich ich ig. Sally sch eib :
44 Abelshause , W.: Deu sche Wi scha sgeschich e sei 1945, München: 2004, S. 95
45 gl. Vanbe g, V.: The F eibu g School: Wal e Eucken and O dolibe alism, in: F eibu g discussion pape s on cons i u ional
economics 04,11, F eibu g: 2004, Sei e 1
46 gl. Vanbe g 2004, S. 5
Sei e 12
„I is use ul, om he s a , o dis inguish be ween a leas wo di e en g oups o
hinke s: he 'o dolibe al' economis s and lawye s o he F eibu g School, cen ed
a ound Wal e Eucken and F anz Böhm; and he mo e sociologically inclined
Al ed Mülle -A mack, Wilhelm Röpke and Alexande Rüs ow. All he abo e, and
Ludwig E ha d, we e associa ed wi h wha was called 'social ma ke economy'.
Despi e many uni ying aspec s, i is ad isable o keep he e ms 'o dolibe alism'
and 'social ma ke economy' concep ually apa , o he e a e subs an ial
di e ences o emphasis, and some di e ences in con en , be ween he F eibu g
School and he 'sociological neolibe alism' o he o he s.“47
Vanbe g e weis au den Un e schied zwischen dem Ansa z on Böhm, Eucken und
G oßmann-Doe h eine sei s und e wa Al ed Mülle -A mack ande e sei s. So seien Mülle -
A mack und die Ve e e de Sozialen Ma k wi scha , um wie Mülle -A mack das g oße „S“
in de Sch eibweise zu e wenden, ehe am E gebnis o ien ie , also „ou come-o ien ed“48,
gewesen, wäh end ü die F eibu ge Schule die Ma k wi scha an sich eine e hische
O dnung gewesen sei, wenn sie einen We bewe b ei on P i ilegien – wie die Gewäh ung
s aa liche Monopole – und Disk iminie ung siche s elle. Dagegen habe Mülle -A mack in de
Ma k wi scha keine angebo ene E hik gesehen, sonde n lediglich eine e izien e O dnung.
Die Ma k wi scha bei Mülle -A mack sei ein echnisches Ins umen , um Reich um zu
p oduzie en. E s du ch Sozialpoli i k habe die Ma k wi scha ü Mülle -A mack „e hisch“
we den können. Ande s als die F eibu ge O dolibe alen sei Mülle -A mack nich de
Meinung gewesen, dass die sozialen Regelungen keines alls in Kon lik ge a en dü en mi
de Abwesenhei on P i ilegien, wenn es um die Spiel egeln des Ma k es gehe.49
Wäh end also in de F eibu ge Denk adi ion eine Regulie ung des Ma k es nu dann e laub
sein soll, wenn sie nich dazu üh , dass einzelne G uppen dadu ch bes imm e P i ilegien
e hal en, sah Mülle -A mack hie in kein g a ie endes P oblem. Fü ihn wa es du chaus
e e ba , das Gebo eine Ma k wi scha ohne P i ilegien ü einzelne zu e le zen, wenn
dadu ch die Gesam e izienz des Sys ems ges eige wi d. Mülle -A mack wa du chaus ein
Anhänge eine s a k du ch den S aa gelenk en Ma k wi scha und be ü wo e e die
Ve bindung eine ak i en Sozialpoli ik sowie eine sozialis ischen Wi scha spoli ik mi eine
Ma k wi scha .50
Wie Vanbe g e läu e , s anden die F eibu ge O dolibe alen in de T adi ion de scho ischen
Ökonomen und be on en, dass die In e essen de Konsumen en das einzige legi ime
47 Sally, R.: O dolibe alism and he Social Ma ke : Classical Poli ical Economy om Ge many, in: New Poli ical Economy,
Ox o d: 1996, S. 233 – 257, S. 234
48 Vanbe g 2004, S. 2
49 gl. Vanbe g 2004, S. 1
50 gl. Abelshause , S. 93
Sei e 13
ökonomische In e esse seien und die Ke nau gabe on We bewe b da in bes ehe, das Ziel
des Un e nehme s, Gewinne zu e zielen, in den di ek en Diens des Konsumen en zu
s ellen.51 Böhm habe den We bewe b auße dem o allem als ein
„En mach ungsins umen “ gesehen.52 En sp echend habe das Ke npos ula de F eibu ge
„Leis ungswe bewe b“ gelau e , auch ans elle eines „Behinde ungswe bewe bs“.53 De jenige
Un e nehme soll e e olg eich sein, de ü den Konsumen en das bes e P oduk e zeug ,
und nich de jenige, dem es geling , du ch ande e Maßnahmen – wie die Bildung on
Ka ellen – die Konku enz zu eduzie en.
Deshalb seien zum Beispiel Ka elle ode Monopole aus F eibu ge Sich un e einba mi
eine we bewe blichen Wi scha s e assung, so Vanbe g.54 Alle dings habe Eucken da au
hingewiesen, dass de S aa selbs Monopole ö de e, zum Beispiel du ch seine Pa en -,
Handels- und S eue poli ik; so ö de e e die Fo mie ung on p i a e Mach , on de e dann
abhängig we de.55 In ande en Wo en: Die F eibu ge O dolibe alen e kann en ebenso wie
die mode ne Kons i u ionenökonomik an, dass die Lösung des P oblems on „Ren
Seeking“56 le z lich du ch die poli ische Ve assung gelös we den müss e, alle dings ohne
die De ails zu disku ie en, jedoch mi dem kla en Hinweis, dass die Mach ü Eing i e in das
Wi scha sleben nich bei de Regie ung und de Legisla i en liegen dü e.57 Nich de
Willkü on Regie ung und Pa lamen woll en die F eibu ge O dolibe alen also den Kamp
gegen Lobbyismus, Ka elle und Monopole übe lassen, sonde n dem Rech .
Auch Sally weis da au hin, dass das o dolibe ale Lei bild eine unk ionie enden
Ma k wi scha nich nu Nu zen- ode E izienzübe legungen en sp inge, sonde n de Ma k
ielmeh als Mi el zu Dezen alisie ung de sozialen, poli ischen und ökonomischen
Lebensbe eiche diene.58 O dolibe alismus s eh also ü ein Gesellscha skonzep , nich nu
ü eine Wi scha so dnung, wenngleich ökonomische F agen im Vo de g und s ehen. Dabei
wi d lau Sally eine Poli ik des Laissez- ai e k i isie , eine Poli ik also abgelehn , welche die
En wicklung de wi scha lichen O dnung unkon ollie en und spon anen En wicklungen
übe läss , und die im E gebnis zum Wachs um on Monopolen und Oligopolen üh , die
51 gl. Vanbe g 2004, S. 12
52 gl. Vanbe g 2004, S. 12
53 gl. Vanbe g 2004, S. 13
54 gl. Vanbe g 2004, S. 11
55 gl. Vanbe g, S. 14
56 De Beg i geh au Go don Tullock zu ück. E um ass zum Beispiel die Bildung on Ka ellen, abe auch Lobbyismus, mi
dem Ziel, de Regie ung Sub en ionen ode S eue e leich e ungen ü die eigene B anche / den eigenen Be ieb zu
en locken. Unabhängig da on, ob die Ren -Seeking-Ak i i ä en legal ode illegal sind, haben sie gemeinsam, dass sie
gesam wi scha lich hohe Kos en e u sachen und keinen We scha en. Sie dienen nu dem Wohl wenige ( gl.
h p://www.economis .com/ esea ch/economics/alphabe ic.c m?le e =R)
57 gl. Vanbe g 2004, S. 16
58 gl. Sally, S. 234
Sei e 14
zunehmend sowohl den Ma k als auch den ech lichen Rahmen de Gesellscha
ze s ö en.59 Auch hie wiede : Es geh um die F age de Mach .60 Bei Eucken ha Sally
zu olge die O dnung de Wi scha dazu beizu agen, die Unabhängigkei und die F eihei
de Bü ge gegenübe ande en Bü ge n sowie gegenübe dem S aa zu siche n.61 F eihei
bedeu e bei Eucken also die Abwesenhei on Zwang. E e wende nich den
sozialis ischen F eihei sbeg i , de sich auch au die ma e iellen Möglichkei en des Einzelnen
bezieh , die e s zu F eihei e mäch igen, also on de „F eihei zu“ ausgeh . Die O dnung
ha ü Eucken ausschließlich die „F eihei on“ siche zus ellen.
Dass das P oblem de Mach eine so g oße Bedeu ung ha e, is au die E ah ungen de
P o agonis en im Deu schen Reich zu ückzu üh en, wo de S aa eben nich obe halb de
Wi scha s and. In de Weima e Republik e wa gal :
„Die Ve an wo ung ü den Wi scha sp ozess und seine Resul a e blieb dami in
le z e Ins anz bei de Wi scha , die den Ku s bes imm e, ih e
Handlungsspiel äume in kon lik eiche Koope a ion mi Gewe kscha en und
s aa lichen Ins anzen abs eck e und da übe hinaus du ch ih e Ve bände an de
Fo mulie ung de Wi scha spoli ik mi wi k e. So wich ig s aa liche
Wi scha spoli ik übe ih en Ein luss au die Rahmenbedingungen auch ü den
wi scha lichen E olg gewesen sein moch e, ließ sie doch bis zu Ka as ophe
de Wel wi scha sk ise den P ima de Wi scha unange as e .“62
Dagegen bezeichne Sally als Essenz de O dnungspoli ik:
„In o he wo ds, i is incumben on he s a e o se up and main ain he
ins i u ional amewo k o he ee economic o de , bu i should no in e ene in
he p ice-signalling and esou ce alloca ion mechanisms o he compe i i e
p ocess.“63
Ach konseku i e Me kmale kennzeichnen demnach lau Sally die Poli ik de O dnung:64
E s ens ein unk ionie endes P eissys em ohne an izyklische Poli ik, ohne die Fo mung on
Monopolen ode De isenbesch änkungen; zwei ens eine s abile Wäh ung, weil e wa o ene
In la ion nich nu das P eisni eau zum Schaden o allem un e e Einkommensschich en
e höh , sonde n auch die P eis ela ionen de einzelnen Gü e e ze , wäh end e s eck e
In la ion – e wa du ch P eis es se zungen wie un e den Nazis ab dem Jah 1936 – den
gesam en P eismechanismus ze s ö , weshalb Eucken eine an Rohs o e gebundene
59 gl. Sally, S. 237
60 gl. Sally, S. 238
61 gl. Sally, S. 238
62Abelshause , S. 53
63Sally, S. 239
64 gl. Sally, S. 239
Sei e 15
Wäh ungso dnung o de e und mi dem Sys em on B e on Woods nich ein e s anden wa ;
die wei e en sechs konseku i en Me kmale eine Poli ik de O dnung sind o ene Mä k e,
P i a eigen um, Ve ags eihei , Ha ung, Kons anz de Wi scha spoli ik sowie die
Unabhängigkei diese P inzipien.65
Sally e weis zudem au die egula i en P inzipien de F eibu ge O dnungsökonomik.
Wich igs es egula i es P inzip de F eibu ge O dnungsökonomik sei dabei die
We bewe bspoli ik, man könn e siche auch sagen: An i-T us -Poli ik. Eucken geh dami on
de G undidee pe ek en We bewe bs aus. Sally e weis au Euckens Fo mulie ung de
olls ändigen Konku enz. Wie im neoklassischen G undmodell gehe Eucken dabei on
einem Gleichgewich spunk aus, bei dem sich Angebo s- und Nach ageku e schni en und
bei dem de P eis den G enzkos en en sp eche. Eine Abweichung on diesem
Gleichgewich , wenn also de P eis zum Beispiel obe halb de G enzkos en liege,
in e p e ie e Eucken als Monopolsi ua ion, in de ein ode meh e e Ma k ak eu e übe
Ma kmach e üg en. Die Au gabe de Regie ung bes ehe aus o dolibe ale Sich nun da in,
dass die Regie ung in den Ma k in e enie e und da ü so ge, dass sich ein
Ma k gleichgewich eins elle.66 Eucken is dami in olle Übe eins immung mi de
neoklassischen Leh e, die in einem solchen Fall in de Regel den „wohlwollenden Dik a o “
ins Spiel b ing . Auch Euckens F eibu ge Kollegen F anz Böhm und Leonha d Miksch
s immen Sally zu olge mi diese Sich Euckens übe ein.67
We bewe bsbesch änkende P ak iken wie Boyko e, P eisdisk iminie ung und
Ka ell e äge soll en nach Euckens Vo s ellung nich nu e bo en we den, sonde n die
We bewe bsbehö den soll en auch die Mach haben, P eise ü bes ehende Monopole
es zuse zen und sie dazu zu b ingen, so zu handeln, als bes ehe olls ändige
We bewe b.68
Eucken sp ach sich auch ü eine p og essi e Einkommenss eue aus sowie ü ein soziales
Basisne z.69 Au ech liche Ebene o mulie e de Ju is Hans Böhm die Rolle des
P i a ech s als ein gene elles, abs ak es und nega i es Rech , das also den Bü ge n
bes imm e Dinge e bie e , ihnen abe ansons en eie Wahlmöglichkei en übe läss und es
ihnen e laub , ih e eigenen In e esse zu e olgen; nu in diese Weise sei das Sys em ü die
kün ige E olu ion de Gesellscha o en.70
65 gl. Sally, S. 239
66 gl. Sally, S. 240
67 gl. Sally, S. 240
68 gl. Sally, S. 240
69 gl. Sally, S. 240
70 gl. Sally, S. 243
Sei e 22
häu ig als Beg ünde de mode nen Na ionalökonomie bezeichne we de, gewi k , so de
So o:93
„Mu ay N. Ro hba d ha da au hingewiesen, dass Adam Smi h das Gebie de
o ihm en wickel en Bei äge, in de en Mi elpunk die subjek i e We heo ie,
de Un e nehme und de Zins s and und mi de en Hil e P eise in ealen Mä k en
e klä wu den, e ließ. S a dessen e se z e Adam Smi h diesen Ansa z du ch
seine A bei swe heo ie, au de en Fundamen und als na ü liche Folge, Ma x
spä e seine sozialis ische Ausbeu ungs heo ie au bauen soll e. Auße dem
konzen ie e sich Adam Smi h ausschließlich au die E klä ung des lang is igen
'na ü lichen Gleichgewich sp eises', ein Gleichgewich s-Modell, in dem die
Funk ion des Un e nehme s du ch Abwesenhei glänz und in welchem man
da on ausgeh , dass säm liche no wendigen In o ma ionen schon gegeben sind.
Dieses Gleichgewich s-Modell soll e spä e on den Gleichgewich s-Theo ien de
neoklassischen Schule benu z we den, um das angebliche 'Ma k e sagen' zu
k i isie en und den Sozialismus und die In e en ion des S aa es in Ökonomie
und Zi ilgesellscha zu ech e igen.”94
De So o zu olge e schä e sich de nega i e Ein luss de klassischen englischen Schule au
die Wi scha swissenscha du ch Smi hs Nach olge , besonde s du ch Je emy Ben ham
und dessen eng e s andenen U ili a ismus.95
2.2.2.2 Die geis igen Wu zeln de Ös e eichischen Schule in de Scho ischen Philosophie de
Au klä ung
De So o e weis da au , dass auch ü Hayek in seinem in den Jah en 1973 bis 1979 in d ei
Bänden in englische Sp ache e schienen We k „Rech , Gese z und F eihei ” die
heo e ischen P inzipien de Ma k wi scha nich on Cal inis en und scho ischen
P o es an en gescha en wo den seien, sonde n das E gebnis de in ellek uellen
Ans engungen on Dominikane n und Jesui en seien, die beide Mi gliede de Schule on
Salamanca gewesen seien.96 Ta sächlich lehn e Hayek die A bei swe heo ie de
klassischen Schule ab.97 Alle dings bezog sich Hayek in seinen ühe en We ken übe aus
s a k au die scho ischen Denke . Fü ihn s and im Vo de g und de Kon lik zwischen de
scho ischen und de anzösischen Au klä ung. In seinem zunächs 1960 in englische
93 gl. ü diesen Absa z: de So o (2007), S. 50
94 de So o (2007), S. 50
95 gl. de So o (2007), S. 50
96 gl. de So o (2007), S. 44
97 gl. Hayek, F.: Dankad esse, in: Hoppmann, E. (Hg): Vo äge und Anspa achen au d. Fes e ans . d. F eibu ge
Wi scha swiss. Fak. zum 80. Geb. on. F. A. . Hayek, Baden-Baden: 1980, S. 38, zi ie nach: Zölle : O dnungen 2005, S.
205
Sei e 23
Sp ache e schienen We k „Die Ve assung de F eihei ” heb Hayek die En wicklung des
F eihei sgedankens im 18. Jah hunde he o und un e scheide dabei o allem zwischen
eine empi ischen und unsys ema ischen Theo ie de F eihei eine sei s und eine spekula i -
a ionalis ischen ande e sei s, wobei e le z e e o allem de anzösischen Au klä ung
zuo dne und e s e e die b i ische Übe lie e ung nenn :98
„Es is dieses Sich- ügen in nich bewuß gescha ene Regeln und Kon en ionen,
de en Sinn und Wich igkei wi zum G oß eil nich e s ehen, es is diese
Eh u ch o dem T adi ionellen, die die a ionalis ische Denkungsa so emd
inde , obwohl sie ü das Funk ionie en eine eien Gesellscha unen beh lich
is . Sie ha ih e Beg ündung in de Einsich , die Da id Hume be on , und die on
en scheidende Bedeu ung ü die an i a ionalis ische, e olu ionä e T adi ion is ,
daß nämlich 'die Mo al egeln nich Schlüsse de Ve nun sind'.99”100
Hayek kam zu diese E kenn nis als ein g oße Kenne de an iken Denke . E selbs üh e
den Wide sp uch zwischen anzösischen Au klä e n und den Scho en au die An ike zu ück,
genaue au den Wide sp uch zwischen A hen ode Rom eine sei s und Spa a ande e sei s:
„In de An ike wu den die Bedingungen de F eihei besse e s anden. Cice o
e zähl , daß Ca o die ömische Ve assung besse nann e als die ande e
S aa en, weil sie 'aus dem Ve s and nich nu eines, sonde n iele Männe
he o ging, nich in einem Menschenleben beg ünde wu de, sonde n in
meh e en Jah hunde en und Menschenal e n'. Denn, sag e e , es ha niemals
einen Mann on solchem Geis gegeben, daß ihm nich s hä e en gehen können,
und auch die e ein en K ä e alle Menschen eine Zei könn en unmöglich alle
no wendige Vo so ge ü die Zukun e en ohne die Hil e de E ah ung und de
E p obung du ch die Zei . Wede das epublikanische Rom noch A hen – die
zwei eien S aa en de An ike – konn en dahe den Ra ionalis en als Vo bild
dienen. Fü Desca es, den U hebe de a ionalis ischen T adi ion, wa
haup sächlich Spa a das Beispiel; denn seine G öße '{wa } nich die Folge de
Gü e jedes einzelnen seine Gese ze …, sonde n {da on}, daß sie, alle on
einem Einzigen e unden, auch alle demselben Ziele zus eb en'. Und es wa
Spa a, das das F eihei sideal sowohl ü Rousseau als auch ü Robespie e und
Sain -Jus und ü die meis en de spä e en Ve e e eine 'sozialen' ode
o ali ä en Demok a ie wu de.”101
98 gl. Hayek (2005), S. 68 - 71
99 Hume, D.: T ea ise, Band II, Buch III, Teil I, Abschni I, S. 235, zi ie nach: Hayek, F.A.: Die Ve assung de F eihei , 4.
Au lage, Tübingen: 2005, S. 84
100 Hayek (2005), S. 84
101 Hayek (2005), S. 74
Sei e 24
De So o sch eib , dass Hayek spä e a sächlich übe zeug wo den sei, dass die Wu zeln de
dynamischen und subjek i en Konzep ion de Ökonomie in Kon inen aleu opa lägen und
deshalb wenige in de T adi ion de scho ischen Philosophen des 18. Jah hunde s und
meh im medi e anen Eu opa und in de T adi ion des an iken G iechenlands, Roms und
Thomas on Aquins zu suchen seien.102 Ob de So os K i ik an den Englände n (besse :
Scho en) a sächlich ge ech e ig is , muss alle dings o dem Hin e g und de s a ken
Sympa hie Hayeks ü die scho ischen Libe alen bezwei el we den. So sch eib Hayek
selbs :
„Es wa en die Ideale de englischen Whigs, die die spä e in ganz Eu opa als
libe ale Bewegung bekann e S ömung ange eg haben und die Vo s ellungen
schu en, die on den ame ikanischen Kolonis en mi genommen wu den und sie
in ih em Kamp um die Unabhängigkei und bei de Au s ellung ih e Ve assung
lei e en. Bis zu de Zei , da de Cha ak e diese T adi ion du ch die au die
F anzösische Re olu ion mi ih e o ali ä en Demok a ie und ih en
sozialis ischen Neigungen zu ückgehenden Zusä ze e ände wu de, wa 'Whig'
de Name, un e dem die Pa ei de F eihei allgemein bekann wa .
[…]
Die Whig-Pa eien des neunzehn en Jah hunde s b ach en schließlich den
Namen sowohl in G oßb i annien als auch in den Ve einig en S aa en bei den
Radikalen in Mißk edi . Abe da de Libe alismus e s an die S elle des
Whiggismus a , nachdem die F eihei sbewegung den g oben und mili an en
Ra ionalismus de F anzösischen Re olu ion in sich au genommen ha e, und da
es unse e Au gabe sein muß, jene T adi ion on den in sie einged ungenen allzu
a ionalis ischen, na ionalis ischen und sozialis ischen Ein lüssen zu be eien, gil
es imme noch, daß 'Whig' de his o isch ich ige Name ü die Ideen is , die ich
e e e. Je meh ich übe die Ideengeschich e le ne, des o bewuß e wi d mi ,
daß ich ein ach ein un e besse liche Old Whig bin – mi de Be onung au
'old'.”103
Auch ande e Au o en sehen die Ös e eichische Schule eindeu ig in de T adi ion des
klassischen Libe alismus. So sch eib Hank:
„Fü die dominie ende Schule, den His o ismus, ha en Mises und Hayek nu
Ve ach ung üb ig. Gegen den he schenden T end keim e bei den jungen
ös e eichischen Ökonomen (auch Joseph Schumpe e zähl e on Fe ne dazu)
eine Liebe zum als al modisch gel enden klassischen Libe alismus wie e on
102 gl. de So o (2007), S. 44
103 Hayek (2005), S. 530
Sei e 25
Adam Smi h bis John S ua Mill im 18. und 19. Jah hunde in Scho land und
England e dach wu de: Alle Wi scha swissenscha muss beginnen beim
Einzelnen und seinen in F eihei ge o enen pe sönlichen und un o he sagba en
En scheidungen.” 104
Ande s als De So o nenn Reck enwald Anhal spunk e da ü , dass die scho ische Au klä ung
sich du chaus de kon inen aleu opäischen Denk adi ion bewuss wa . Reck enwald sch eib
übe Adam Smi h, einen de bedeu ends en Scho en:
„Übe die geis igen Wu zeln on Smi hs Ideen is iel gesch ieben und auch iel
ges i en wo den. Als um assend gebilde e und kul i ie e Mann mi
humanis ische Ausbildung wu de e on de Klassik de An ike und de
nach olgenden Scholas ik wesen lich gep äg ; das spü man bei de Lek ü e
seines We kes beinahe au jede Sei e. […]
Von seinem philosophischen Wel bild he is die Ve wand scha zu A is o eles
und zu Thomas on Aquin, e mi el du ch Hu cheson, wohl die engs e. So wie
Thomas gleichsam die Ki che im Do läß , indem e die alschen Gegensä ze
au zuheben und den Menschen in seine Gesam hei zu beg ei en such , so s eh
auch hin e Smi hs Idee des Ausgleiches im Menschen selbs und in seinem
sozialen Ve hal en, also hin e de inne en und äuße en Selbs s eue ung zu
einem neuen Gleichgewich hin, le z lich die Vo sehung, seine 'Unsich ba e
Hand'.” 105
2.2.2.3 Exku s: Adam Smi h und die kon inen aleu opäische Denk adi ion
Fü den Un e suchungsgegens and diese A bei is nich en scheidend, wo im Einzelnen die
geis igen Wu zeln de Ös e eichischen Schule liegen. Die Aus üh ungen an diese S elle
sollen lediglich dem Ve s ändnis de Ös e eichischen Denk adi ion dienen. Das wi d auch
nö ig sein, um spä e die Schule mi de F eibu ge Schule zu e gleichen.
T o zdem soll an diese S elle auch eine ku ze Eino dnung Adam Smi hs s a inden.
Reck enwald is zuzus immen: Bei de Lek ü e on Smi hs „Theo ie de e hischen Ge ühle“
spü man a sächlich beinahe au jede Sei e die um assende humanis ische Bildung
Smi hs. Doch in Smi hs We k inden sich auch eindeu ig ch is liche T adi ionen wiede .
Beispiel 5. Gebo : Wäh end es im biblischen Dekalog heiß : „Du solls Va e und Mu e
eh en“, sch eib Smi h:
104 Hank:, in: FAZ.NET om 17.10.2010
105 Reck enwald, H.: Adam Smi h, in: S a ba y, J. (Hg): Klassike ökonomischen Denkens. Von Pla on bis John Mayna d
Keynes, Hambu g: 2008, S. 134 – 155, S. 138
Sei e 26
„Die Gese ze alle zi ilisie en Na ionen e p lich en die El e n, ih e Kinde zu
e hal en, und die Kinde , ü den Un e hal de El e n zu so gen, und legen den
Menschen noch iele ande e P lich en de Wohl ä igkei au .“106
Doch Smi h geh noch einen Sch i wei e und s ell die „Weishei on Menschen“107 un e die
„Weishei Go es“108. Auch Smi hs Konzep des „unpa eiischen Zuschaue s“109 s eh in
Einklang mi dem ch is lichen Glauben. Die Mo al de Menschen üh Smi h au den
Schöp ungsak eines höhe en Wesens zu ück:
„De allweise Schöp e de Na u ha au diese Weise den Menschen geleh , die
Ge ühle und U eile seine B üde zu ach en; sich meh ode wenige zu euen,
wenn sie sein Be agen gu heißen, und sich meh ode wenige e le z zu
ühlen, wenn sie es mißbilligen. E ha den Menschen, wenn ich so sagen da ,
zum unmi elba en Rich e de Menschen gemach und ha ihn auch in diese wie
in manche ande en Beziehung nach seinem Bilde gescha en und ihn zu seinem
S a hal e au E den bes ell , dami e das Ve hal en seine B üde
beau sich ige.“110
Dami s imm Smi h auch de ch is lich-jüdischen Denk adi ion zu, nach de de Mensch die
K one de Schöp ung is , wie es in de Bibel da ges ell wi d.111 Smi h o mulie in seinem
We k im G unde ein eigenes kleines Glaubensbekenn nis. Dabei üb e alle dings auch K i ik
an den Ve e e n de Ki che:
„Daß es eine kün ige Wel gib , in de jede mann olle Ge ech igkei zu eil
we den wi d, in de jede mi allen denen in eine Reihe ges ell we den wi d, die
ihm nach ih en si lichen und geis igen Eigenscha en wah ha ebenbü ig sind,
wo de Besi ze jene bescheidenen Talen e und Tugenden, die in diesem Leben
du ch das Schicksal niede ged ück wo den wa en und keine Gelegenhei ha en,
sich zu e üllen, die nich nu de Ö en lichkei unbekann wa en, sonde n die zu
besi zen auch e selbs kaum siche sein konn e, und ü die soga de Mensch in
seine B us kaum ein kla es und deu liches Zeugnis abzulegen wagen konn e,
wo dieses bescheidene, s ille und unbekann e Ve diens in eine Linie, ja mi un e
soga höhe ges ell we den wi d, wie diejenigen, die in diese Wel das höchs e
Ansehen genossen haben, und die du ch die Vo eile ih e Lage be ähig wa en,
die glänzends en und blendends en Handlungen zu ollb ingen, das is eine
106 Smi h, A.: Theo ie de e hischene Ge ühle, Au de G undlage de Übe se zung on Wal he Ecks ein neu he ausgegeben
on Ho s D. B and , Hambu g: 2010, S.129
107 Smi h, Theo ie, S.140
108 Smi h, Theo ie, S.140
109 Smi h, Theo ie, S.186
110 Smi h, Theo ie, S.205
111 gl. Psalm 8, Ve se 6 bis 9
Sei e 27
Leh e, so e eh ungswü dig in jede Hinsich und so os eich ü die Schwäche,
so schmeichelha ü die G öße de menschlichen Na u , daß de ugendha e
Mensch, de das Unglück ha , an ih zu zwei eln, doch unmöglich umhin kann,
den höchs e ns ha en und ei igen Ve such zu hegen, an sie zu glauben.“112
Binswange bezwei el jedoch, dass Smi h a sächlich Ch is wa . E e weis da au , dass
Smi h in seine „Theo ie de e hischen Ge ühle“ den Beg i de „unsich ba en Hand“
einge üh habe, um deu lich zu machen, dass eine ge ech e, also gleichmäßige Au eilung
des Bodens nich no wendig is , schließlich seien die A men, die also kein Eigen um an
Boden haben, als Konsumen en beinahe genauso gu ges ell wie die Reichen, also die
G undeigen üme .113 Ta sächlich ha Smi h a gumen ie , dass eiche Menschen le z lich nich
meh essen könn en als a me:
„Von eine unsich ba en Hand we den sie dahin ge üh , beinahe die gleiche
Ve eilung de zum Leben no wendigen Gü e zu e wi klichen, die
zus andegekommen wä e, wenn die E de zu gleichen Teilen un e alle ih e
Bewohne e eil wo den wä e; und so ö de n sie, ohne es zu beabsich igen, ja
ohne es zu wissen, das In e esse de Gesellscha und gewäh en die Mi el zu
Ve meh ung de Ga ung.“114
Binswange heb he o , dass Smi h zwa den Eigennu z als böse quali izie , on
„Selbs such und Raubgie “ sp ich , also le z lich on de in de scholas ischen Philosophie
als Todsünde klassi izie en Habgie .115 Dami en s ehe ein Wide sp uch zu ch is lichen
Religion, zumal die Reali ä im 18. Jah hunde eine ande e gewesen sei, nämlich eine
Un e e so gung mi Nah ungsmi eln. Vo diesem Hin e g und bezeichne Binswange Smi h
als Zynike . Da Smi h abe o enkundig ein eines Gewissen gehab habe, müsse e eine
ande e Quelle ü seine e hischen Übe zeugungen gehab haben. Fü Binswange is kla :
„Diese Quelle is die Philosophie de S oa, welche die Bedeu ung on Gu und
Böse du ch den Glauben an eine Wel - ode All-Ve nun ela i ie und dami die
eigen liche Al e na i e zum Ch is en um wa und is .“116
Binswange e weis da au , dass die s oische Philosophie ein halbes Jah ausend die
Wel anschauung de gebilde en Röme wa . Sie sei eine g undsä zlich op imis ische
Philosophie gewesen und habe Vo s ellungen en wickel , die seh gu zu Smi hs
„unsich ba e Hand“ pass en.
112 Smi h, Theo ie, S.208
113 gl. Binswange , H.: Die Glaubensgemeinscha de Ökonomen. Essays zu Kul u de Wi scha , München: 1998, S. 52
114 Smi h, Theo ie, S.297
115 gl. Binswange , S. 53
116 Binswange , S. 54
Sei e 28
E s du ch das Ch is en um und die Leh e de E bsünde, die allein du ch Ch is us
übe wunden we den könne, du ch den Ki chen a e Augus inus habe sich dies geände .
Binswange sch eib :
„Das Ch is en um ha e zwa im Kamp mi de S oa Teile de s oischen Leh e
übe nommen. Diese ha sich abe sei dem 17. Jah hunde wiede selbs ändig
gemach un e dem Ti el Deismus, de Au klä ung und des Fo sch i sglaubens,
im Zusammenhang mi einem Wiede au leben des Op imismus. Die 'unsich ba e
Hand' on Adam Smi h au de Basis des 'homo oeconomicus' bzw. de
Eigenliebe is nich s ande es als die ökonomische Fo mulie ung dieses
Op imismus.“117
Binswange weis da au hin, dass Smi h in de sechs en – de e s en übe a bei e en Au lage
– de „Theo ie de e hischen Ge ühle“ alle Hinweise au das Ch is en um ges ichen habe.
Auße dem sei e de Bi e seines odk anken F eundes Da id Hume nich nachgekommen,
dessen le z es We k zu publizie en, in dem Hume einen a heis ischen S andpunk e a .
Binswange sch eib :
„Adam Smi h wa gläubig, alle dings nich im Sinne des Ch is en ums, sonde n
eben im Sinne de S oa!“118
Die Konsequenz aus diese Fes s ellung sei, dass die ökonomische Wissenscha le z lich
au de S oa g ünde, zumindes insowei , wie sie au den Homo Oeconomicus und die Idee
de „unsich ba en Hand“ au baue. Binswange :
„Alle Ökonomen, die ih e Wissenscha in diesem Sinne e s ehen, bilden dahe
eine s oische Glaubensgemeinscha und sind somi auch eine
We u eilsgemeinscha pa exellence.“119
Es gib siche eine Reihe on Belegen in Smi hs We k, die ü Binswange s These sp echen.
Alle dings wu den auch be ei s Aspek e in de „Theo ie de e hischen Ge ühle“ au gezeig ,
die seh s a ke Bezüge zum Ch is en um au zeigen, und mögliche weise nich allein mi
s oischen Übe zeugungen zu ech e igen sind. Es gib soga Hinweise in Smi hs We k, die
ihn in eine ka holischen T adi ion e scheinen lassen.
In jedem Fall wu de gezeig , dass Smi h eindeu ig in jene Denk adi ion s and, in de die
Philosophie au dem Axiom de Exis enz eines pe sonalisie en Go es au bau . Un e s ell
man, dass e dabei auch in de T adi ion de ch is lich-jüdischen Theologie s and, s ell sich
die wei e e F age, ob Smi h ehe de p o es an ischen Leh e ode de ka holischen nähe
117 Binswange , S. 54
118 Binswange , S. 56
119 Binswange , S. 56
Sei e 29
s and. Dies is o allem bedeu end, um die un e schiedlichen Ansich en on De So o und
Reck enwald aus dem o angegangenen Kapi el zu analysie en.
Smi h s eh dabei zum ganz übe wiegenden Teil in de ka holischen Denk adi ion. Lu he s
Leh e, dass es ü die „Ge ech igkei Go es“ allein au den Glauben ankomme und nich au
die Ta en de Menschen, eil Smi h nich . S a dessen sch eib Smi h:
„Indem wi abe den Gebo en unse es mo alischen Ve mögens gemäß handeln,
geb auchen wi ge ade das wi ksams e Mi el, um die Glückseligkei de
Menschen zu be ö de n, und man kann also in gewissem Sinne on uns sagen,
daß wi Mi a bei e de Go hei sind, und daß wi , sowei es in unse e Mach
s eh , die Pläne de Vo sehung ih e Ve wi klichung nähe b ingen. Wenn wi
ande s handeln, dann scheinen wi dagegen den Plan gewisse maßen zu
du chk euzen, den de Schöp e de Na u zu He bei üh ung de Glückseligkei
und Vollkommenhei de Wel en wo en ha , und scheinen uns, wenn ich so
sagen da , gewisse maßen als Feinde Go es zu e klä en. Da um gib uns unse
Ve hal en im e s en Fall den Mu , au seine auße gewöhnliche Guns und seinen
Lohn zu ho en, wäh end wi in dem zwei en Fall seine Rache und S a e
ü ch en müssen.“120
Ande s als Lu he sp ich Smi h also in de ka holischen Denk adi ion on Lohn und S a e
Go es. Es gib auch wenig Gemeinsamkei en mi dem Cal inismus. Die P ädes ina ionsleh e
wi d soga explizi zu ückgewiesen. Smi h zu olge b ingen Fleiß und Klughei sowie
Wah ha igkei , Ge ech igkei und Menschenliebe zwa einen Lohn – e s e e „E olg in jede
A on Geschä en“121 und le z e e „Das Ve auen, die Ach ung und die Liebe de jenigen,
mi denen wi umgehen“122. Diese is abe nich o he bes imm .
Smi h is also nich dem P o es an ismus zuzuo dnen. Abe auch gegenübe de ka holischen
Ki che zeig e sich skep isch. So k i isie e es, wenn „we lose Ki chengeb äuche“123
un e lek ie und ohne Sinn gep leg we den.124
Ob Smi hs eigene Übe zeugungen ehe ka holische ode p o es an ische Na u wa en, is
ü diese A bei nich en scheidend. Gezeig we den soll e mi diesem Exku s abe , dass
Smi h seh ie in den e schiedenen Leh en de ch is lichen Ki chen sowie in de gesam en
abendländischen Philosophie e anke wa . De So os K i ik, nach de es einen Wide sp uch
zwischen scho ische Au klä ung und kon inen aleu opäische Denk adi ion gib , e schein
o diesem Hin e g und e ehl . Nich angeb ach e schein es deshalb auch, einen
120 Smi h, Theo ie, S.265
121 Smi h, Theo ie, S.265
122 Smi h, Theo ie, S.265
123 Smi h, Theo ie, S.273
124 gl. Smi h, Theo ie, S.273
Sei e 30
gene ellen Wide sp uch zwischen Ös e eichische Schule und scho ische Au klä ung
auszumachen.
Im Folgenden sollen nun ausgehend on Ca l Menge die G undp inzipien ös e eichischen
Denkens da ges ell we den.
Sei e 31
2.2.3 G undp inzipien ös e eichischen Denkens
Wie be ei s e wähn wu de, gil das on Ca l Menge im Jah 1871 e ö en lich e We k
„G undsä ze de Volkswi scha sleh e” als Gebu ss unde de Ös e eichischen Schule. Sein
Denkgebäude soll nun zunächs e ö e we den.
2.2.3.1 K i ik am His o ismus
Bu le weis da au hin, dass de Ausgangspunk ös e eichischen Denkens in de K i ik an
de damals im deu schen Sp ach aum o he schenden ökonomischen Schule des
His o ismus liege.125 Hie inde sich also ein wesen liche gemeinsame Ausgangspunk zu
F eibu ge Schule (siehe Kapi el 1.1.2). Die Anhänge de His o ischen Schule wa en wie
Bu le be on de Ansich , dass es in de Volkswi scha sleh e keine allgemein gül igen
Gese ze geben könne, weil die Ökonomik sich nun mal mi einziga igen geschich lichen
E eignisse beschä ige, die sich nie in exak de selben A und Weise wiede hol en. Die
ühen Ös e eiche hä en diese Sich abgelehn . Bu le e weis da au , dass sie die
Übe zeugung mi de Klassischen Schule Englands eil en, dass es allgemein gül ige
Gese ze in de Ökonomik gib , die wie die Gese ze de Physik unabhängig on Zei und
Raum gel en.
2.2.3.2 Die G undlagen on Ca l Menge
Bu le zu olge ging auch Ca l Menge da on aus, dass es P inzipien gib , die zu jede Zei
und an jedem O gel en. Alle dings habe Menge ein ande es Ve s ändnis als die b i ischen
Klassike in de F age gehab , wie diese Gese ze zu e s ehen seien. Die Englände hä en
un e ande em e such , in Handelss a is iken ökonomische Gese zmäßigkei en zu
e kennen. Menge sei jedoch übe zeug gewesen, dass S a is iken die a sächlichen
Geschehnisse e schleie en, nämlich dass Millionen on Indi iduen s ändig En scheidungen
äll en. Wäh end mode ne Ökonomen heu e zum Beispiel Ve bindungen zwischen
ökonomischen Agg ega en wie Na ionaleinkommen, Spa a e, In es i ionen, Konsum,
Impo e und Expo e, S eue n, S aa sausgaben ode Beschä igung such en, lehn en
Ökonomen ös e eichische P ägung diese He angehensweise bis heu e ab, weil ih e
Ansich nach keine allgemein gül igen Gese ze zwischen diesen S a is iken exis ie en
könn en.126
De So o be on , dass Menge s Denkgebäude au dem Menschen als k ea i em Ak eu und
Vo ei e de sozialen P ozesse und Geschehnisse uße, Menge sehe also den indi iduellen
Menschen als bes immendes Subjek an, welches den Gü e n und E eignissen e s ih en
125 gl. Bu le , E.: Aus ian Economics. A P ime , e ö en lich on: Adam Smi h Resea ch T us 2010, S. 6
126 gl. ü diese Sei e bis hie he : Bu le , E.: Aus ian Economics. A P ime , e ö en lich on: Adam Smi h Resea ch T us
2010, S. 6 sowie S. 20
Sei e 38
dabei o allem die Zen albanken: Sie haben einen An eiz, die Zinsen zu nied ig zu se zen,
um so das Wachs um zu s eige n. Dabei wi d angenommen, dass de Lei zins einen Ein luss
au den lang is igen Zins ha .
Lange Zei kann es an de Obe läche so aussehen, als sei alles in O dnung, doch die
küns lich nied igen Zinsen des abilisie en die enge Ve bindung zwischen de In es i ion in
Kapi algü e und de Zei p ä e enz a e de Menschen; so scha die Zen albank einen Boom
au K edi , de die Un e nehme wiede um dazu eib , in Anlagen zu in es ie en, die un e
no malen Bedingungen un en abel wä en. Dieses Miss e häl nis muss i gendwann enden,
dann e weisen sich die In es i ionen als e lus b ingend, und A bei splä ze sowie Ve mögen
gehen e lo en. De küns lich nied ige Zins ha so zu eine Fehlalloka ion gesellscha liche
Ressou cen ge üh .
Wenn also zu iel Kapi al in Häuse n gebunden is , wi d i gendwann die Bauwi scha
massi leiden und wegen ih e G öße die gesam e Volkswi scha in eine Rezession
s ü zen. Aus de K ise üh dann nu ein Weg: Ein düs e e Abschwung mi allenden P eisen
und Löhnen, mi Fab ikschließungen und Fi menplei en. Ve suche, diese Anpassung zu
e zöge n, sei es du ch iskalische Konjunk u s imuli ode eine noch expansi e e Geldpoli ik,
e länge n schlich weg die Zei de Fehlin es i ionen.158
En scheidend ü diese E klä ung des Boom-and-Bus -Cycles is die Fähigkei de p i a en
Geschä sbanken, Geld zu schöp en. Die ak i e Geldscha ung e olg dabei du ch das ak i e
Handeln de p i a en Geschä sbanken, die du ch die Ein äumung on K edi en an
Nich banken Sich gu haben in Fo m on Gi algeld als neues Geld scha en, was die gesam e
Geldmenge e höh .159
2.2.3.6 Ke naussagen de Ös e eichischen Schule
Bu le nenn d ei Ke ne kenn nisse de Ös e eichischen Schule:160
•Alle ökonomischen Phänomene lei en sich on ökonomischen En scheidungen ab
und sind olglich on Na u aus pe sönlich und nich o he sagba (jedoch lassen sich
die menschlichen En scheidungen, die au P ä e enzen, We en und Absich en
basie en, e klä en, und diese E klä ungen lassen sich du ch logische Übe legungen
e besse n, e wa, indem wi besse e kennen, wie Mä k e und de Aus ausch on
Gü e n unk ionie en).
•We e exis ie en nich in Sachen, sonde n in den Köp en de Menschen, die diese
bewe en. Handel und P eise en wickeln sich genau deshalb, weil Pe sonen Sachen
un e schiedlich bewe en. De Ma k lenk die Gü e do hin, wo sie am meis en
158 gl. ü dieses Un e kapi el: Bu le , S. 62 bis 69
159 gl. Ande egg, R.: G undzüge de Geld heo ie und Geldpoli ik, München: 2007, S. 71
160 gl. Bu le , S. 11
Sei e 39
we geschä z we den. P i a eigen um is essen iell, um das bes e Resul a zu
e eichen.
•De Eing i des S aa es und poli ische Fehle wie In la ion s ö en diesen hoch
komplexen Ma k p ozess und p oduzie en s e s wide na ü liche E gebnisse.
E üh da übe hinaus zehn me hodische ös e eichische G undp inzipien an:161
•Wi scha swissenscha d eh sich und um das Indi iduum.
•Wi scha swissenscha is e was öllig ande es als Na u wissenscha .
•Alles in de Wi scha swissenscha d eh sich um den We , den Menschen den
Gü e n beimessen, es geh um subjek i e Oppo uni ä skos en.
•P eise hel en dabei, den Nu zen zu maximie en und die Kos en zu minimie en, weil
sie als Maßs ab ü den Tausch on Gü e n dienen und so den Ma k eilnehme n ein
wich iges Signal senden.
•We bewe b is ein En deckungs e ah en; dabei we den Mä k e ande s als in de
Neoklassik nich als pe ek angenommen. Vielmeh sind es ge ade die
Un ollkommenhei en, die den Ma k eiben und o allem Un e nehme n
Handlungsmöglichkei en e ö nen, e wa in Nischen o zus oßen ode Inno a ionen
o an zu b ingen.
•P i a eigen um is sowohl ü Konsumgü e als auch ü P oduk ionss ä en essen iell,
weil die Al e na i e, also Kollek i eigen um, den P eismechanismus aushebel und mi
dem P eis ein bedeu endes Knapphei ssignal e schwinde .
•Die P oduk ion is ein schwie ige Balanceak und ein iskan es Geschä , mi dem
Risiko on Ve lus en, o allem, wenn In es i ionsgü e nich lexibel ü die
P oduk ion e schiedene Konsumgü e eingese z we den können.
•Geld is ein Gu wie jedes ande e: Es gib ein Angebo und eine Nach age; alle dings
kann die Regie ung diesen Ma k mechanismus s ö en, wenn sie du ch Fehle in de
Geldmengens eue ung ü In la ion so g ; das wiede um kann ie en Schaden mi sich
b ingen, weil nich nu das P eisni eau, sonde n auch die ela i en P eise e ze
we den und dami die Ressou cen alsch gelenk we den, was wiede um die
En wicklung eines „Boom and Bus ”-Zyklus ö de .
•Handlungen haben unbeabsich ig e Folgen, und zwa gu e und böse, weshalb man
Ins i u ionen gene ell nich als ine izien bezeichnen soll e, nu weil sie nich bewuss
geplan wu den.
•Die In e en ionen on Regie ungen sind as imme schädlich.
161 gl. Bu le , S. 12 bis 18
Sei e 40
De le z e Punk is heu e siche lich de jenige, de iele „Aus ians” am s ä ks en d äng . Die
Ke nübe legung is dabei die be ei s e wähn e Idee om We bewe b als
En deckungs e ah en. De S aa kann nach ös e eichische Lesa nich wissen, wie die
P ä e enzen de Indi iduen aussehen. Ein Eing i in den P eismechanismus üh deshalb
un e meidba dazu, dass de Nu zen de Pe sonen sich e inge . Bu le zu olge können
Regie ungen ielleich dazu bei agen, dass Mä k e eibungslose unk ionie en, abe aus
ös e eichische Sich is es nich ih e Au gabe, in den Ma k einzug ei en.162
Das i auch ü die Geldpoli ik zu. So endie en e wa Zen albanken dazu, die Zinsen zu
nied ig zu hal en, um Un e nehme zu e mu igen, K edi e au zunehmen und so die
P oduk ion zu e höhen, abe wenn de Boom dann langsam on Sek o zu Sek o wande
und schließlich ende , sind p oduk i e Ressou cen e schwende und die Be ölke ung wi d
ä me .163 Diese Analyse zeig be ei s die g undlegende Ablehnung de Ös e eiche
gegenübe olkswi scha lichen Agg ega en. Dazu gehö auch das heu e ü alle wich igen
Zen albanken de Wel als wich igs e Messg öße dienende P eisni eau. Bu le sch eib :
„Take a s a is ic like he consume p ice index, which go e nmen s publish each
mon h. I pu po s o show he le el o p ices, and how i changes. Bu Mises and
o he Aus ians poin ou ha he e is no such hing as he ‘p ice le el’. The e a e
millions o speci ic p ices, all luc ua ing one agains he o he . (Fo an example,
jus look a he e a ic daily mo emen s o s ock ma ke p ices.) Di e en people
eac o hose p ices in di e en ways – a ising p ice migh con ince some
people i is ime o buy, while o he s may hink i is a good ime o sell and cash
in.
So wha is eally going on is ha millions o indi iduals a e making choices –
whe he o buy o sell, whe he o spend o sa e a pay ise, whe he o in es in a
new machine, whe he o hi e an ex a employee, and all he es . Thei choices
will depend on hei iews and hei ci cums ances, and o he people migh
decide qui e di e en ly. The economic agg ega es simply conceal all ha g ea
a ie y unde a single s a is ical numbe . They ell us li le, and mislead us a lo –
and ha is he shaky ounda ion o mains eam economic ‘science’.”164
Die Au gabe de Wi scha swissenscha bes eh also aus ös e eichische Sich nich da in,
agg egie e Da en zu analysie en, sonde n zu e o schen, wie menschliche En scheidungen
zus ande kommen.165 Bu le weis da au hin, dass dami keineswegs die Bedeu ung de
Exis enz eine Gesellscha e nein we den solle, sonde n lediglich eine wissenscha lichen
162 gl. Bu le , S. 18
163 gl. Bu le , S. 18
164 Bu le , S. 21
165 gl. Bu le , S. 21
Sei e 41
Me hode de Vo zug gegeben we de gegenübe de Mak oökonomik ode de
ma hema ischen Techniken in Wi scha swissenscha und S a is ik.166
Die e wa on Ka l Ma x au ges ell e Hypo hese, de We bewe b am Ma k üh e au oma isch
zu einem monopolis ischen Kapi alismus, lehnen Ös e eiche eben alls ab. Ma x
a gumen ie e (und Ludwig E ha d nahm diese A gumen a ionsweise spä e au ), dass in
einem we bewe blichen Sys em wenige e olg eiche Un e nehme om Ma k e schwinden
und so die üb ig bleibenden Fi men imme g öße we den, bis am Ende ein Anbie e üb ig
bleib , de dann als Monopolis au i .167 Aus ös e eichische Sich is das öllig ande s:
G oße Un e nehmen e schwinden, neue Anbie e e en au : De Ma k is ein s ändige
P ozess on D ängeln und Ve ände ung.168 Deshalb sei auch die Ge ah ge ing, dass ein
Monopolis am Ende den P eis daue ha dik ie en kann, wenngleich die nega i en E ek e
on Monopolen gesehen we den. So sch eib e wa Ludwig on Mises:
„Monopoly p ices a e an in ingemen o he sway o he consume s.”169
Als Beleg ü die Fähigkei des We bewe bs, dieses P oblem zu lösen, dien e wa das
Beispiel de US-Eisenbahngesellscha . Schon Ludwig on Mises be on e, dass die
monopolis ischen S uk u en de Eisenbahn eben nich e hinde hä en, dass Au os ode
Flugzeuge als Al e na i e en s anden.170 Ohnehin en s ehen die meis en Monopole und
Ka elle aus Sich de Aus ians, weil sie om S aa be ö de we den.171 Auch Mises weis
da au hin, dass es den Klassike n o allem da um ging, s aa liche Ba ie en zu besei igen,
die neuen We bewe be n den Zu i zum Ma k e schwe en ode unmöglich machen.172
Mises heb he o , dass le z endlich alle Bemühungen de Un e nehme dem Konsumen en
dienen, wenn e sch eib : „The cap ain is he consume .”173 Alle dings häl e es nich ü
nö ig, dass de S aa geziel e such , den Nu zen des Konsumen en zu s eige n, selbs im
Fall eines na ü lichen Monopols nich .174 Hie in un e scheide sich Mises massi on de
He angehensweise de Neoklassik. Die Un e schiede zwischen Ös e eiche n und
Neoklassik we den im Folgenden e ie .
2.2.3.7 Abg enzung zu Neoklassik
Ös e eiche lehnen auch das neoklassische Axiom des a ionalen, seinen Nu zen
maximie enden Homo Oeconomicus ab.175 Zwa können Ökonomen nach ös e eichische
166 gl. Bu le , S. 22
167 gl. Bu le , S. 44
168 gl. Bu le , S. 44
169 Mises, L.: Human Ac ion. A T ea ise on Economics. Volume 2, Neuau lage, Indianapolis: 2007, S. 270
170 gl. Mises, Human Ac ion, S. 275
171 gl. Bu le , S. 45
172 gl. Mises, Human Ac ion, S. 270
173 Mises, Human Ac ion, S. 269
174 gl. Mises, Human Ac ion, S. 278
175 gl. Bu le , S. 23
Sei e 42
Sich nich den Nu zen einzelne Pe sonen di ek beobach en, abe du ch die
Wahlhandlungen diese Pe sonen läss sich ein Bild übe die P ä e enzen zeichnen.176 Du ch
diesen Denkansa z konn e Menge das bis heu e in de Ökonomik höchs bedeu same
P inzip des G enznu zens en decken, so Bu le .177
Menge s Konzep des G enznu zens uß dabei au de Theo ie de wi scha lichen Gü e
e schiedene O dnung.178 Un e wi scha lichen Gü e n e s e O dnung e s eh Menge
Konsumgü e , also Gü e , welche subjek i die menschlichen Bedü nisse di ek be iedigen
und die deshalb im subjek i en und spezi ischen Kon ex jede Handlung das le z endliche
Ziel da s ellen, das de Handelnde e eichen will.179 Dieses Ziel is jedoch nu au
Zwischene appen e eichba .180 Menge sp ich on wi scha lichen Gü e n höhe e O dnung,
wobei gil : je höhe die O dnung, des o wei e en e n on den Konsumgü e n.181De So o
e klä :
„Jede Mensch, indem e handel , e such bes imm e Ziele zu e eichen, die e
en deck ha und die aus i gendeinem G und wich ig ü ihn sind. Die subjek i e
We schä zung, psychologisch meh ode wenige in ensi , die de Ak eu einem
Ziel e leih , wi d We genann , Mi el is alles, was de Ak eu subjek i ü
geeigne häl , um ein Ziel zu e eichen. Die subjek i e We schä zung, die de
Ak eu dem Mi el in Abhängigkei des We es des Ziels zusch eib und mi de en
Hil e e glaub sein Ziel zu e eichen, wi d Nu zen genann .”182
Im Un e schied zu Neoklassik be onen die Ös e eiche , dass de Nu zen imme höchs
abhängig is on den jeweiligen Ums änden.183 Eine Regenjacke zum Beispiel dü e on den
meis en Menschen eine höhe e We schä zung e hal en, wenn es egne , als wenn die
Sonne schein . Das heu e in den Leh büche n e wende e P inzip on Indi e enzku en is
aus ös e eichische Sich deshalb i e üh end.184 Gegen diese K i ik kann man na ü lich
einwe en, dass die neoklassische Sich sich au „Ce e is-Pa ibus-Aussagen” besch änk und
de Vo wu de Ös e eiche deshalb nich s ich .
Dass Ve e e de Ös e eichischen Schule ih e K i ik an de Neoklassik o zdem au ech
e hal en, lieg an de g undsä zlich un e schiedlichen He angehensweise bei de Analyse
olkswi scha liche Zusammenhänge. So lehnen sie e wa die Idee des „pe ek en
176 gl. Bu le , S. 27
177 gl. Bu le , S. 28
178 gl. De So o (2007), S. 54
179 gl. De So o (2007), S. 54
180 gl. De So o (2007), S. 54
181 gl. De So o (2007), S. 54
182 De So o (2007), S. 54
183 gl. Bu le , S. 29
184 gl. Bu le , S. 29
Sei e 43
We bewe bs”, welche die Basis de mode nen Leh büche de Mik oökonomie bilde , ab.185
We bewe b unk ionie e ge ade deshalb, weil e nich pe ek sei – weil P oduzen en,
P oduk e und Konsumen en he e ogen sind und eben nich homogen.186
In de Regel geh die mode ne Mik oökonomik wie olg o : Sie nimm zunächs pe ek en
We bewe b als Basis an. Dann ag sie, un e welchen Bedingungen diese We bewe b
ges ö we den könn e. Als Beispiele dienen sogenann e ex e ne E ek e, monopolis ische
S uk u en ode asymme ische In o ma ionen. Diese Hinde nisse ü den We bewe b dienen
dann wiede um als A gumen e ü s aa liche Eing i e. Bu le sch eib :
„I makes people imagine ha ma ke s in he eal wo ld a e somehow 'impe ec '
and ha s eps mus be aken o emo e impe ec ions. I imagines ha supplie s
a e iden ical, ha he e a e no ba ie s o en y o new supplie s, and ha p o i s
will be whi led down by compe i ion o some jus -p o i able le el. So when
people see ha in he eal wo ld he e a e ba ie s o en y, ha supplie s a e no
iden ical, and ha some en ep eneu s enjoy la ge p o i s, hey ega d hese as
'ma ke ailu es' ha ha e o be co ec ed.”187
So soll nach neoklassische Au assung de S aa als wohlwollende Dik a o au e en und
e wa mi hil e eine so genann en Pigou-S eue (benann nach A hu Cecil Pigou) ex e ne
E ek e wie Umwel e schmu zung in e nalisie en und au diese Weise die Gesam wohl ah
e höhen. Es komm dabei nich au die E zielung on Einnahmen ü den S aa an, sonde n
au die Lenkungswi kung de S eue . Vo allem Ökos eue n, also Abgaben au Benzin und
Ene gie, können aus neoklassische Sich mi de Pigou-S eue ge ech e ig we den. De
S aa als wohlwollende Dik a o üh also eine S eue ein. E s diese S eue so g in diesem
neoklassischen Modell da ü , dass de Ma k e izien wi d.
Aus Ös e eichische Sich is diese Denka abzulehnen, denn de Ma k gil in diese
Denk adi ion ge ade als höchs e ek i , weil e die Un e schiede de Ma k eilnehme
koo dinie , und nich on homogenen P oduzen en und Nach age n ausgeh .188 S aa liche
Eing i e in dem Ma k sind aus ös e eichische Sich deshalb abzulehnen.
Das un e schiedliche Ve s ändnis des P eismechanismus besch eib Bu le wie olg :
„In a ma ke wi h millions o p oduc s aded, he e will be p ice a alanches
coming om a ious di ec ions, h ough which p oduce s and consume s each
ha e o na iga e ac oss a busy s a ion concou se, when housands o o he
people a e all ushing in di e en di ec ions. I is a e y complex p ocess, a social
185 gl. Bu le , S. 39
186 gl. Bu le , S. 47
187 Bu le , S. 39
188 gl. Bu le , S. 39
Sei e 44
p ocess in which people's changing alue judgemen s will be decisi e – no a
p ocess ha can be desc ibed and p edic ed ma hema ically.”189
Noch deu liche wi d de Un e schied in de F age de In o ma ion. Neoklassische
Mik oökonomen beschä igen sich in zahl eichen Modellen mi de F age un olls ändige
In o ma ionen, und wo diese zu Ma k e sagen üh en und deshalb s aa liche Eing i e
ge ech e ig sind. De Ökonom Joseph S igli z e hiel ü seine A bei en au diesem Gebie
zusammen mi Geo ge Ake lo und Michael Spence im Jah 2001 den P eis ü
Wi scha swissenscha en de schwedischen Reichsbank in Gedenken an Al ed Nobel
(„Wi scha snobelp eis“). Anwendung inden diese Modelle zum Beispiel au dem Ma k ü
Ve siche ungen. Fü Ös e eiche lieg ge ade in de Ta sache, dass das Wissen e eil is ,
also bei niemandem olls ändig o handen is , das wesen liche A gumen ü den Ma k als
Koo dina ionsmechanismus. Noch einmal Bu le :
„Much in o ma ion is pa ial, agmen a y, inaccu a e, con lic ing, di used,
pe sonal, cos ly o ob ain and di icul o pass on. And i is because in o ma ion is
impe ec ha ma ke s wo k be e han any o he o m o economic
o ganisa ion.”190
Vo allem bei Hayek spiegel sich in diese Sich de Bezug zu Klassik wide . In seinem
We k „De Weg zu Knech scha ” s ell e e dem Kapi el „Planwi scha und Demok a ie”
olgendes Zi a on Adam Smi h o aus:
„Ein S aa smann, de es sich ein allen ließe, P i a leu en da übe Vo sch i en zu
machen au welche Weise sie ih e Kapi alien e wenden sollen, wü de sich nich
allein eine höchs unnö ige So ge au laden, sonde n sich auch eine Au o i ä
anmaßen, die keinem Sena ode S aa s a e, geschweige denn einem einzelnen
Manne, uhig an e au we den könn e und die ni gends so ge äh lich sein
wü de wie in de Hand eines Mannes, de ö ich und dünkelha genug wä e, um
sich ü ähig zu hal en, sie auszuüben.”191
Wäh end die neoklassische Mik oökonomie den Konsumen en s a ische und – im
Basismodell – kon exe P ä e enzen un e s ell , die de Konsumen genau kenn , dis anzie
sich die Ös e eichische Schule on diesem Bild des Homo Oeconomicus: Die P ä e enzen
de Konsumen en sind bei Ös e eiche n wede gegeben noch kon ex. Nich einmal de
indi iduelle Ve b auche selbs mag sich dabei seine eigenen P ä e enzen öllig bewuss
sein.192 Wie schon da ges ell , wi d de We bewe b deshalb als En deckungs e ah en
e s anden, auch in Bezug au die eigenen P ä e enzen.
189 Bu le , S. 42
190 Bu le , S. 58
191 Smi h, Adam, zi ie nach: Hayek: De Weg zu Knechs scha , Neuau lage München: 2009, S. 82
192 gl. Bu le , S. 50
Sei e 45
Folge ich ig bes eh auch de P ozess de In es i ion on Kapi al nich da in, eine du ch den
Ma k de e minie e Rendi e, einen „no malen Gewinn”, zu gene ie en; ielmeh wi d
In es i ion als seh komplexes, iskan es Ve ah en e s anden, indem die Zei zeig , ob ein
En ep eneu mi seinen En scheidungen ich ig lag, schließlich lieg zwischen dem Zei punk
de In es i ion und dem Zei punk , an dem die e s en Gewinne einge ah en we den können,
in de Regel eine gewisse Spanne.193 Fü Nich -Ökonomen mag es banal klingen, ü
Neoklassike s ell es ih e Modellwel in F age: „Howe e , he key hing abou p oduc ion,
acco ding o he Aus ians, is ha i akes ime.”194
In diesem Sinn is jede P oduk ion imme Spekula ion.195 Es kann soga noch einen Sch i
wei e gegangen we den: Jede Handlung is Spekula ion.196 Die gesellscha liche Funk ion
des Gewinns lieg nach Ös e eichische Lesa da in, An eize zu geben ü die Übe nahme
on Risiken.197 Nu du ch diese Übe nahme on Risiken kann de Lebenss anda d de
Be ölke ung, de Konsumen en also, s eigen.198
Ein wei e e undamen ale Un e schied zwischen Ös e eichische Schule und Neoklassik
bes eh in de Ve wendung de kompa a i en S a ik, wie sie in den g undlegenden
neoklassischen Modellen angewand wi d. Hin e g und is , dass es bei solchen Modellen
keinen sequenziellen Ablau on En scheidungen gib . In den g undlegenden
mik oökonomischen Modellen wi d in de Regel ein Gleichgewich spunk on Angebo und
Nach age bes imm . Fü das Modell is es abe öllig une heblich, wie au dem Ma k diese
Punk e eich wi d. De sequenzielle Ablau on En scheidungen is abe ein wesen liches
Me kmal de Ös e eichischen Denkschule, die ja den We bewe b als En deckungs e ah en
sieh und de zum Beispiel die Theo ie eines Gleichgewich sp eises emd is .199 Kein
Wunde , dass das wal asianische Gleichgewich smodell e wa bei Böhm-Bawe k wenig
Anklang and.200 Böhm-Bawe k lehn e auch die Zins heo ie eines John Ba es Cla k, die den
Zins als G enzp oduk des Kapi als e s eh , en schieden ab: Dami könne nich e klä
we den, wa um die Konku enz zwischen den e schiedenen Un e nehme n nich dazu üh ,
dass de Gegenwa swe de Kapi algü e au dem Ma k dazu endie , iden isch zu sein mi
dem We des e wa e en P oduk s, womi keine We di e enz zwischen Kos en und P oduk
im Ve lau e des P oduk ionsp ozesses bes ünde.201
193 gl. Bu le , S. 50
194 Bu le , S. 43
195 gl. Bu le , S. 51
196 gl. Bu le , S. 52
197 gl. Bu le , S. 51
198 gl. Bu le , S. 53
199 gl. De So o (2007), S. 74
200 gl. De So o (2007), S. 68
201 gl. De So o (2007), S. 74
Sei e 46
2.3 Gemeinsamkei en on Ös e eichische und F eibu ge Schule
jensei s de Geldpoli ik
Zwischen den An ängen de Ös e eichischen und de F eibu ge Schule liegen 65 Jah e,
nimm man wie in Kapi el 2.2.1 e wähn Ca l Menge s We k „G undsä ze de
Volkswi scha sleh e” aus dem Jah 1871 als Gebu ss unde de Ös e eichischen Schule.
De Au sa z „Unse e Au gabe” aus dem Jah 1936 ma kie wie in Kapi el 2.1.2 da ges ell die
Gebu ss unde de F eibu ge Schule. Doch o z diese g oßen Di e enz in de zei lichen
En wicklung kann du chaus on eine pa allelen En wicklung gesp ochen we den, in jedem
Fall inhal lich, abe eilweise auch zei lich. So e schien Hayeks We k „De Weg zu
Knech scha ” im Jah e 1944, also ach Jah e nach „Unse e Au gabe”. Das Buch is ein
massi e Ang i au sozialis ische Tendenzen in England, die Hayek mi den En wicklungen
in Deu schland e gleich , bis hin zu Mach übe nahme de Na ionalsozialis en:
„Wi meinen auch heu e noch, daß wi uns bis o ganz ku ze Zei on Ideen
lei en ließen, die man age als Ideen des 19. Jah hunde s ode als das Laissez-
ai e-Pinzip bezeichne . Diese Meinung mag eine gewisse Be ech igung haben,
wenn man einige ande e Lände be ach e und wenn man sich au den
S andpunk de jenigen s ell , die die Wandlung in ih e Ungeduld beschleunig
sehen möch en. Abe obwohl England bis zum Jah e 1931 nu zöge nd au de
Bahn ge olg wa , au de ande e ge üh ha en, so ha en wi uns doch schon
damals so wei on dem al en Weg en e n , daß nu diejenigen, die sich noch an
die Zei o 1914 e inne n können, wissen, wie eine libe ale Wel ausgesehen ha
[…]
Nich nu den Libe alismus des 18. und 19. Jah hunde s geben wi Sch i ü
Sch i au , sonde n auch die G undlagen de indi idualis ischen Philosophie, die
wi als Ve mäch nis on E asmus und Mon aigne, on Cice o und Taci us, on
Pe ikles und Thukydides emp angen haben.”202
Hayek s ell dabei die Pa alleli ä zwischen Sozialismus und Na ionalsozialismus he aus:
„Manche Uni e si ä sdozen in England ha wäh end de d eißige jah e
englische und ame ikanische S uden en om Kon inen zu ückkeh en sehen, die
selbe nich wuß en, ob sie Kommunis en ode Na ionalsozialis en wa en, die
abe eines siche wuß en, nämlich daß sie die abendländische libe ale Kul u
haß en.”203
202 Hayek, F.A.: De Weg zu Knech scha , Neuau lage de Neuhe ausgabe 1971, München: 2009, S. 30
203 Hayek, Knech scha , S. 30
Sei e 47
Hayek e eidig in “De Weg zu Knech scha ” den Libe alismus, die indi dualis ische
Philosophie des Abendlandes, in de en T adi ion, wie in Kapi el 2.2.2.1 gezeig wu de, die
Ös e eichische Schule de Na ionalökonomie s eh . De Libe alismus kann dabei als
einzige wi kliche Gegenpol zum Na ionalsozialismus gesehen we den:
„Das Hi le sys em s ell sich sowohl als ech e Demok a ie wie auch als ech en
Sozialismus hin, und die sch eckliche Wah hei is , daß ein Ke n on
Be ech igung in diesen Behaup ungen s eck – zwa nu ein winziges Kö nchen,
abe jeden alls g oß genug, um als G undlage ü phan as ische En s ehungen
dienen zu können. Das Hi le sys em geh soga so wei , sich zum Beschü ze
des Ch is en ums au zuwe en, und das G auen olle is , daß selbs diese g obe
Ve d ehung geeigne is , einen gewissen Eind uck zu machen. Abe eines is in
all diesem Mee des I ums sonnenkla : Hi le ha nie den Ansp uch e hoben,
den ech en Libe alismus zu e e en. So genieß de Libe alismus die
Auszeichnung, die on Hi le bes gehaß e Leh e zu sein.”204
Goldschmid und Wohlgemu h weisen da au hin, dass Euckens Vo lesung in F eibu g
wäh end de Zei de Nazi-He scha ein T e punk on Regimek i ike n wa .205 So s and
auch „Unse e Au gabe” im Wide sp uch zu Na ionalsozialismus. Goldschmid und
Wohlgemu h sch eiben:
„Siche kann 'Unse e Au gabe', abge aß d ei Jah e nach Beginn de
na ionalsozialis ischen Dik a u , zwa kaum als explizi es poli isches
Memo andum im Geis e des Wide s ands 'F eibu ge K eise' gewe e we den.
Dies hä e zum so o igen Ve bo de Sch i en eihe ge üh , die man ja ge ade
e s s a en woll e. Dennoch en häl das Vo wo on Böhm, Eucken und
G oßmann-Doe h deu liche K i ik an geis igen S ömungen, die in de Ideologie
des Na ionalsozialismus eine wich ige Rolle spiel en. Inso e n is Helge Peuke
zuzus immen, de 'Unse e Au gabe' als 'la en e K i ik am Sys em' we e , wo ü
neben dem Ein e en de Au o en ü einen o enen Leis ungswe bewe b auch
sp ich , 'daß sich ein gebilde e Na ionalsozialis on den Aus üh ungen übe
Nie zsche, Sa igny (das Rech wächs aus dem Volke), Spengle , F ied ich den
G oßen, den Ta -K eis usw. deu lich nega i hä e angesp ochen ühlen
müssen'.”206
204 Heimann, E.: The Redisco e y o Libe alism, in Social Resea ch (New Yo k), Bd. VIII, N . 4, No embe 1941, zi ie nach:
Hayek: Knech scha , S. 51
205 gl. Goldschmid , N u. Wohlgemuh , M.: En s ehung und Ve mäch nis de F eibu ge T adi ion de O dnungsökonomik, in:
Goldschmid , N. u. Wohlgemu h, M. (Hg): G und ex e zu F eibu ge T adi ion de O dnungsökonomik, Tübingen: 2008, S. 5
206 Goldschmid , N u. Wohlgemuh , M.: Zu Ein üh ung: Unse e Au gabe, in: Goldschmid , N. u. Wohlgemu h, M. (Hg):
G und ex e zu F eibu ge T adi ion de O dnungsökonomik, Tübingen: 2008, S. 23
Sei e 54
2.4 Un e schiede on Eucken und Hayek jensei s de Geldpoli ik
Wäh end die Ös e eiche , wie in Kapi el 2.2.3.2 da ges ell , die Ökonomik nich als
Na u wissenscha beg ei en woll en und deshalb die neoklassischen Modelle, o allem die
Idee eines Ma k gleichgewich s, ablehn en, g i en die F eibu ge du chaus au diese
Konzep e zu ück, wie sich aus de Analyse on Monopolen bei Eucken schließen läss .222 So
sp ich Eucken e wa on einem Gleichgewich sp eis, de e eich wi d, wenn Angebo und
Nach age einen P eis e geben, de ge ade die G enzkos en deck .223 Das is eine ypisch
neoklassische A gumen a ionsweise. Sie wide sp ich Hayeks Idee des We bewe bs als
En deckungs e ah en.224
Zwa wu de im o angegangenen Kapi el gezeig , dass auch Hayek du chaus eine s aa liche
Au sich on Monopolen nich öllig ablehn . ( gl. Sei e 41). Doch die En schiedenhei , mi
de Eucken eine Kon olle on Monopolen o de , leg Hayek nich an den Tag. Eucken
o de kla :
„Die Monopolau sich soll e also einem s aa lichen Monopolau sich sam
übe agen we den. Um es den s e s ge äh lichen (wenn auch in de
We bewe bso dnung geschwäch en) Ein lüssen de In e essen en zu en ziehen,
soll e es ein unabhängiges Am sein, das nu dem Gese z un e wo en is .”225
Eucken ging soga so wei , sowohl die We bewe bso dnung als auch den Rech ss aa
bed oh zu sehen, wenn es kein zen ales Monopolam gib .226 Es sei ebenso unen beh lich
wie de Obe s e Ge ich sho .227 Hie in zeig sich auch de gesellscha spoli ische Ansp uch
Euckens. Monopolis isches Ve hal en zeige sich e wa an T eue aba en,
P eisdi e enzie ungen ode Kamp p eisen.228 Ziel de Monopolpoli ik müsse sein, einen
Zus and zu e eichen, welche de olls ändigen Konku enz en sp eche, das Ve hal en de
Monopolis en habe also „we bewe bsanalog”229 zu sein.230 Wie in Kapi el 2.2.3.6 gezeig ,
lehnen Ös e eiche das Konzep des olls ändigen We bewe bs ab. Dagegen geh Eucken
soga noch einen Sch i wei e und o de , dass das Monopolam auch au den
P oduk ionsappa a on monopolis ischen Un e nehmen einwi k . Schließlich – so das
222 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 292
223 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 297
224 gl. Hayek, F.: De We bewe b als En deckungs e ah en, Kiele Vo äge N.F. 56, Sch i lei ung: Zo mann, A., Kiel: 1968
S. 3
225 Eucken, Wi scha spoli ik, S. 294
226 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 294
227 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 294
228 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 295
229 Eucken, Wi scha spoli ik, S. 295
230 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 295
Sei e 55
A gumen – bes eh in de olls ändigen Konku enz eben alls ein s ändige
Ra ionalisie ungsd uck.231 Eucken sch eib übe das Monopolun e nehmen soga :
„Un e Ums änden – wenn mögliche Ve besse ungen un e blieben sind – ha es
mi eine He abse zung [des P eises] un e den Punk , de oben bezeichne
wu de, und dadu ch mi Ve lus en zu echnen. Das Monopolam soll e sich da o
hü en, den o handenen P oduk ionsappa a au die Daue als eine gegebene
G öße anzusehen.”232
Eucken bezieh das auch au den A bei sma k und k i isie die Poli ik on
Gewe kscha en.233 Le z e es a auch Hayek.234 Eucken en gegne dem A gumen , dass ein
Monopolam , das so ie g ei end in die Wi scha eing ei , wie on ihm ge o de , sich zu
eine Mammu behö de en wickle, dami , dass eine s enge Monopolau sich p ophylak isch
wi ke, dass also Un e nehmen, die wissen, dass sie im Fall eine zu s a ken Ma k s ellung
om Monopolam egulie we den, eine zu s a ke Ma k s ellung e meiden we den.235
Deshalb besch änke sich, so Eucken, die eigen liche Monopolkon olle au ela i wenige
wi kliche Monopole.236
Ve gleich man Eucken und Hayek, e gib sich eine undamen al un e schiedliche Sich au
die F age de S eue poli ik. Wäh end Hayek eine als An eil des Einkommens p og essi e
S eige ung de zu zahlenden S eue las ablehn , e eidig Eucken diese. Fü Hayek wa
eine P og ession des S eue sa zes au die Daue mi eine eihei lichen Wi scha so dnung
nich e einba , wobei e sich dami abe au die gesam e zu zahlende S eue las eines
Einzelnen bezog; eine P og ession des Einkommens eue sa zes wa ü ihn dann
ge ech e ig , wenn sie dazu dien e, dass die Summe aus di ek en und indi ek en S eue n
bei allen Einkommensschich en bezogen au das Einkommen p ozen ual gleich is .237 Da
ä me e Menschen einen höhe en Teil ih es Einkommens ü Konsum ausgeben als eiche e
und dami einen höhe en Teil ih es Einkommens zum Beispiel in die Meh we s eue ließ ,
wäh end eiche e Menschen spa en und dami ela i wenige indi ek e S eue n zahlen, kann
nach Hayek eine P og ession de Einkommens eue ge ech e ig we den.238 Alle dings lehn
Hayek dami das A gumen de Um e eilung du ch p og essi e S eue sä ze en schieden ab.
Hayeks Ke npos ula beseh da in, dass die Tä igkei des S aa es on allgemeinen
231 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 297
232 Eucken, Wi scha spoli ik, S. 297
233 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 295
234 gl. Hayek, Ve assung, S. 362 bis 383
235 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 299
236 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 299
237 gl. Hayek, Ve assung, S. 416
238 gl. Hayek, Ve assung, S. 416
Sei e 56
G undsä zen gelei e we den müsse, will sie ge ech sein.239 Deshalb seine Ablehnung de
p og essi en S eue belas ung:
„Wo, wie im Falle de P og ession, das sogenann e P inzip nich s ande es is als
eine o ene Au o de ung zu Disk iminie ung und, was noch schlimme is , eine
Au o de ung an die Meh hei , gegen eine Minde hei zu disk iminie en, muß das
angebliche Ge ech igkei sp inzip de Vo wand ü eine Willkü sein.”240
Ganz ande s die Sich bei Eucken. E ges eh zu, dass die We bewe bso dnung Mängel in
sich habe, die Ge ah en mi sich b äch en, nich ohne da au hinzuweisen, dass die
P eismechanik de olls ändigen Konku enz o z de Mängel imme noch zu eine besse en
Ve eilung üh e als eine Zen al e wal ungswi scha .241 Eucken is sich bewuss :
„Die Ungleichhei de Einkommen üh dahin, daß die P oduk ion on
Luxusgü e n be ei s e olg , wenn d ingende Bedü nisse on Haushal en mi
ge ingen Einkommen noch Be iedigung e langen. Hie also beda die
Ve eilung, die sich in de We bewe bso dnung ollzieh , de Ko ek u .”242
Mi hil e de S eue p og ession könne diese Ko ek u e wi k we den.243 Alle dings dis anzie
sich Eucken ausd ücklich on eine Vollbeschä igungspoli ik, wie sie be ei s seine zei in
den USA und G oßb i annien üblich wa , und die mi hil e de S eue p og ession zu s a kes
Spa en e hinde n woll e und s a dessen Gelde in den Konsum lenken woll e.244 Denn dies
behinde e In es i ionen und so wei dü e die Ve eilungspoli ik in de We bewe bso dnung
nich gehen; sie müsse sich au einen sozialen Sinn besch änken, o de e Eucken.245
Siche sind Eucken und Hayek in de F age de Um e eilung un e schiedliche Ansich . Es
wä e abe nich ich ig zu un e s ellen, dass Hayek gänzlich gegen Sozialpoli ik gewesen sei.
Fü Hayek wa die No wendigkei soziale Ein ich ungen unbes i en.246 Alle dings plädie e
e ü eine Ve siche ungs- und Vo so gep lich jedes Einzelnen gegen die g oßen
Lebens isiken wie K ankhei , A bei slosigkei ode Al e , dami das s aa liche
Un e s ü zungssys em nich dazu üh e, dass die An eize zu Vo so ge e sieg en.247 De
S aa solle dabei die En wicklung en sp echende O ganisa ionen un e s ü zen, ohne jedoch
eine einzige Zwangs e siche ung zu scha en, die das We bewe bsp inzip aushebele.248 Es
zeig sich hie also du chaus auch eine Pa alleli ä : Sowohl Eucken als auch Hayek sehen
239 gl. Hayek, Ve assung, S. 425
240 Hayek, Ve assung, S. 426
241 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 300
242 Eucken, Wi scha spoli ik, S. 300
243 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 300
244 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 301
245 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 301
246 gl. Hayek, Ve assung, S. 386
247 gl. Hayek, Ve assung, S. 387
248 gl. Hayek, Ve assung, S. 387 bis 389
Sei e 57
Um e eilung als ge ech e ig an, wenn sie dazu dien , e wa Hunge zu e meiden ode
K anken zu hel en. Was Hayek deu liche als Eucken ablehn , is die Idee de
Einkommensum e eilung, e wa wenn e sch eib :
„Wo das Ziel dis ibu i e Ge ech igkei is , können die En scheidungen, zu
welchen Tä igkei en die e schiedenen Einzelnen ge üh we den müssen, nich
aus allgemein gül igen Regeln abgelei e we den, sonde n müssen im Lich de
besonde en Ziele und Kenn nisse de Planungsbehö de ge o en we den. Wie
wi schon gesehen haben, wenn die Meinung de Gemeinscha en scheide , was
e schiedene Leu e bekommen sollen, muß dieselbe Behö de auch en scheiden,
was sie zu un haben.
Diese Kon lik zwischen dem Ideal de F eihei und dem Wunsch, die Ve eilung
de Einkommen zu 'ko igie en', um sie 'ge ech e ' zu machen, wi d gewöhnlich
nich deu lich e kann . Abe jene, die dis ibu i e Ge ech igkei e eichen wollen,
we den sich in de P axis bei jedem Sch i on de He scha des Gese zes
behinde sehen.”249
In einem wei e en Punk un e scheiden sich Ös e eichische und F eibu ge Schule, nämlich
de F age de In e nalisie ung ex e ne E ek e, um es neoklassisch zu o mulie en.
Ös e eiche s ehen diesem Ansa z g undsä zlich skep isch gegenübe . Ein ex e ne E ek is
schließlich eine Abweichung on einem ollkommenen Ma k gleichgewich . Jedoch lehn
die Ös e eichische Schule das Konzep des ollkommenen Ma k gleichgewich s ab und
dami auch die Idee des ex e nen E ek s. Auch Hayek s eh in diese ös e eichischen
T adi ion:
„Es gib wah scheinlich keinen Fall, in dem eine Behö de höhe es Wissen on all
den Ta sachen besi zen kann, die eine bes imm e En scheidung beein lussen
soll en; und wäh end es möglich is , den Eigen üme n bes imm e Na u schä ze
die allgemeine en Übe legungen zu übe mi eln, die sie in Rechnung ziehen
soll en, is es nich möglich, daß die Behö de all die e schiedenen Ta sachen
e äh , die die Einzelnen kennen.”250
Dagegen is ü Eucken kla , dass die Planungs eihei de Be iebe un e gewissen
Ums änden zu beg enzen sei; e o de e dies e wa in de Fo s wi scha .251 Eucken e weis
dabei au das Beispiel de Ze s ö ung on Wälde n in Ame ika, die den Boden und das Klima
wei e Gebie e e schlech e habe; dies sei nu deshalb möglich gewesen, weil diese
gesellscha lichen Wi kungen – ande s o mulie : soziale Kos en ode ex e ne E ek e – nich
249 Hayek, Ve assung, S. 318
250 Hayek, Ve assung, S. 488
251 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 302
Sei e 58
in die Kalkula ion – Eucken sch eib “Wi scha s echnung” – des Waldbesi ze s einge lossen
seien.252 Als wei e es Beispiel nenn Eucken den in mik oökonomischen
Ein üh ungs o lesungen ypischen Fall eine Chemie ab ik, de en Abwässe häu ig zu
gesundhei lichen Schäden üh en.253
Eucken geh abe auch au den A bei sschu z ein. Zwa seien Kinde - und F auena bei , allzu
lange A bei szei en sowie ungenügende Schu z gegen Un älle in den Be ieben o allem im
19. Jah hunde , als Ma x diese Misss ände anp ange e, häu ig das E gebnis lokale
Nach agemonopole de A bei gebe gewesen, weshalb allein das Konku enzp inzip hie zu
Ve besse ungen üh e.254 Doch Eucken kons a ie :
„Die olls ändige Konku enz au den A bei smä k en ode die He s ellung eines
Zus andes, de in seinen Auswi kungen de olls ändigen Konku enz en sp ich ,
wi d nich aus eichen, um diese P obleme be iedigend zu lösen.”255
De S aa dü e seine Be ugnisse abe nie dazu e wenden, die Konku enz zu besch änken,
so Eucken.256
Eucken schloss auch Mindes löhne nich aus, wenn sich das Angebo au einem
A bei sma k anomal e häl , das A bei sangebo also bei sinkenden Löhnen s eig .257 Hayek
dagegen wa solchen Eing i en in den Ma k gegenübe äuße s skep isch. Eine di ek e
s aa liche P eiskon olle sei mi einem eien Sys em un e einba , so Hayek.258
Dami lassen sich olgende Un e schiede zwischen Hayek und Eucken zusammen assen:
•Eucken akzep ie im Gegensa z zu Ös e eichischen Schule das neoklassische
Gleichgewich smodell on Angebo und Nach age
•Eucken o de eine scha e Monopolkon olle, wäh end zum Beispiel Hayek hie
wesen lich zagha e a gumen ie
•Eucken plädie ü eine mi dem Einkommen p og essi ans eigende
S eue belas ung, Hayek lehn das ab
•Eucken o de die In e nalisie ung ex e ne E ek e, Hayek lehn das ab
•Eucken akzep ie Mindes löhne, Hayek lehn s aa liche Eing i e in den
P eismechanismus ka ego isch ab
252 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 302
253 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 302
254 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 302
255 Eucken, Wi scha spoli ik, S. 303
256 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 303
257 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 303
258 gl. Hayek, Ve assung, S. 313
Sei e 59
2.5 Zwischen azi : Un e schiedliche P ä e enz ü S aa seing i e
bei Eucken und Hayek
Wie in Kapi el 2.1.3 besch ieben o de n die F eibu ge den P ima des g undsä zlichen
Denkens o einem subjek i en allbezogenen Rech semp inden, weshalb alle ech s- und
wi scha spoli ischen En scheidungen an die Idee eine Wi scha s e assung gekoppel
sein soll en. Sowei bes eh Einigkei mi Hayek, ü den die F eihei in de Wi scha eine
F eihei un e dem Gese z wa , die abe keines alls das Fehlen alle s aa lichen Tä igkei
bedeu e e.259 Dies und die o angegangenen beiden Kapi el zeigen, dass sowohl Hayek als
auch Eucken kla e Ve e e des Libe alismus sind. Alle dings wi d o allem aus den in
Kapi el 2.5 au ge üh en Un e schieden deu lich, dass de O dolibe ale Eucken dem S aa
eine wesen lich g öße e Bedeu ung beimessen woll e als de Ös e eiche Hayek.
Wäh end die Ös e eichische Schule wie in Kapi el 2.2.3.2 gezeig , o allem in de T adi ion
des scho ischen Philosophen Da id Hume s eh , was auch ü Hayek gil , kann man zu dem
Schluss kommen, dass Eucken s ä ke au John Locke zu ückzu üh en is . Eucken kämp e
ü eine Wi scha s e assung. Das s eh ehe in de T adi ion des explizi en
Gesellscha s e ages on John Locke.260 Ande s als Hume geh Locke on einem explizi
geschlossenen Gesellscha s e ag aus:
„Die einzige Möglichkei , diese na ü liche F eihei au zugeben und die Fesseln
bü ge liche Gesellscha anzulegen, is die, daß man mi ande en Menschen
übe einkomm , sich zusammenzuschließen und in eine Gemeinscha zu
e einigen, mi dem Ziel, behaglich, siche und iedlich mi einande zu leben – in
dem siche en Genuß des Eigen ums und in g öße e Siche hei gegenübe allen,
die ih nich angehö en.“261
Im Folgenden wi d un e such , in wiewei sich die un e schiedlichen Ansä ze auch au den
wäh ungspoli ischen Rahmen bezogen.
259 gl. Hayek, Ve assung, S. 304
260 gl. Schul e, G.: Schnellku s Philosophie, Köln: 2002, S. 95
261 Locke, J.: Übe die Regie ung (The Second T ea ise o Go e nmen ), hg. on Maye -Tasch, P, übe se z on Tidow, D.,
S u ga : 1992, S. 73
Sei e 60
2.6 Die Bewe ung on In la ion und De la ion bei Hayek und
Eucken
Sowohl Eucken als auch Hayek üh en am Beginn ih e wäh ungspoli ischen Kapi el Zi a e
an, welche die Bedeu ung de Wäh ungspoli ik belegen sollen. Bei Eucken is olgendes Zi a
Lenins zu lesen:
„Um die bü ge liche Gesellscha zu ze s ö en, muß man ih Geldwesen
e wüs en.“262
Hayek scheu nich da o zu ück, ein Zi a seines g oßen Wide sache s John Mayna d
Keynes anzu üh en, das, wie Hayek in eine Fußno e an üh , du ch obiges Zi a on Lenin
e anlass wo den sei:
„Es gib kein eine es und kein siche es Mi el, die bes ehenden G undlagen de
Gesellscha umzus ü zen, als die Ve nich ung de Wäh ung. Diese Vo gang
s ell alle geheimen K ä e de Wi scha sgese ze in den Diens de Ze s ö ung,
und zwa in eine Weise, die nich eine un e Millionen ich ig zu e kennen
ims ande is .“263
Hayek selbs heb eben alls die gesellscha spoli ische Bedeu ung de Bekämp ung on
In la ion he o :
„Jene, die die F eihei e hal en wollen, soll en jedoch e kennen, dass die In la ion
wah scheinlich de wich igs e Einzel ak o in einem ci culus i iosus is , in dem
jede Regie ungsak ion imme meh s aa liche Lenkung no wendig mach . Aus
diesem G und soll en alle, die den T end zu imme wei e gehende s aa liche
Lenkung au hal en wollen, ih e Bemühungen au die Wäh ungspoli ik
konzen ie en. Es gib ielleich nich s Bed ückende es, als daß es noch imme
so iele geschei e und gu in o mie e Menschen gib , die in den meis en ande en
Belangen die F eihei e eidigen, abe dann doch du ch die unmi elba en
Vo eile eine expansionis ischen Poli ik e lei e we den, e was zu un e s ü z en,
was mi de Zei die G undlagen eine eien Gesellscha ze s ö en muß.“264
Die Poli ik de We bewe bso dnung uß ü Eucken au de He s ellung eines
unk ionie enden P eissys ems olls ändige Konku enz; dies sei das
wi scha s e assungs ech liche G undp inzip.265 Eucken s ell eine Vollbeschä igungspoli ik
262 Lenin, zi ie nach: Eucken, Wi scha spoli ik, S. 256
263 Keynes, J.: Die wi scha lichen Folgen des F iedens e ags, München und Leipzig: 1920, S. 192, in: Hayek, Ve assung,
S. 437
264 Hayek, Ve assung, S. 454
265 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 254
Sei e 61
du ch eine locke e Geldpoli ik au die gleiche S u e wie die Ve suche eine
zen al e wal ungswi scha lichen Poli ik.266 E sch eib :
„Es geh nich an, eine Konjunk u poli ik zu eiben, welche un e dem Eind uck
eines momen anen No s andes die Funk ions ähigkei des P eissys ems
behinde ode s illeg : wie du ch De isenbewi scha ung, K edi expansion und
de gleichen.“267
Als e s es G undp inzip de We bewe bso dnung nenn Eucken die Wäh ungspoli ik. E
sch eib om „P ima de Wäh ungspoli ik“ und om „wäh ungspoli ischen S abilisa o “.268
Eucken is übe zeug , dass eine We bewe bso dnung nu so lange unk ionie en kann, wie
die S abili ä des Geldwe es gesiche is .269 Genauso sieh es Hayek. Die Me hode de
Kos en echnung, au de alle geschä lichen En scheidungen be uh en, sei nu so lange
sinn oll, wie de Geldwe einige maßen s abil sei.
Du ch o ene In la ion, wie nach dem E s en Wel k ieg, e lie e das P eissys em seine
Lenkungs ähigkei , da die P eise un e schiedlich s iegen.270 Mie en ode bes imm e
Rohs o p eise e höh en sich langsame als ande e P eise.271 Eucken nenn dami ein
G undp inzip, dass be ei s bei den Ös e eiche n deu lich gewo den is , nämlich dass
In la ion meh is als de Ans ieg des P eisni eaus, sonde n o allem eine Ve ze ung de
ela i en P eise bewi k . Die selbe Sich inde sich bei Hayek, de dies in de Denk adi ion
on Knu Wicksell die „Neu ali ä des Geldes“ nenn .272 Ande egg be on , dass dieses Ziel
de Neu ali ä des Geldes in k assem Gegensa z zum Ziel de P eisni eaus abili ä s ehen
könne.273 Hayeks Konzep des neu alen Geldes geh also da on aus, dass we s abiles Geld
nu eine Vo bedingung ü neu ales Geld is , mi dem Ziel, eine Ve ze ung de ela i en
P eise – Gü e p eise, Löhne und Zinsen – wei es gehend zu e hinde n.274 In la ion is ü
Hayek o allem auch ein o dnungspoli isches P oblem, weil sie aus seine Sich ein
Ein alls o ü wachsende s aa liche Eing i e in das Wi scha ssys em is .275 E sch eib :
„Es is kein Zu all, daß eine in la ionis ische Poli ik imme on jenen be ü wo e
wi d, die meh s aa liche Lenkung wünschen – wenn auch leide nich nu on
diesen.“276
266 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 254
267 Eucken, Wi scha spoli ik, S. 254
268 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 255
269 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 256
270 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 256
271 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 256
272 gl. Ande egg, S. 282
273 gl. Ande egg, S. 284
274 gl. Ande egg, S. 282
275 gl. Hayek, Ve assung, S. 453
276 Hayek, Ve assung, S. 454
Sei e 62
Doch selbs wenn es diese Ve ze ung de ela i en P eise nich geben soll e, sonde n alle
P eise p opo ional gleich s iegen, e gäbe sich Eucken zu olge bei eine anziehenden
In la ion eine olkswi scha liche Ve ze ung, denn die lang is igen Schulden de Be iebe
blieben bei s eigenden P eisen de P oduk e und P oduk ionsmi el kons an , wäh end die
Ve mögenssei e de Bilanzen wachse.277 Somi en s ehen Gewinne, die sich nich aus
be iebswi scha lichem E olg speisen, sonde n aus de In la ion e geben, wodu ch
wiede um P oduk ionsp ozesse o gese z we den, die bei ich ige „Wi scha s echnung“
eingesch änk ode beende wü den.278
Eucken sieh die De la ion, also das Sinken des P eisni eaus, als genauso schädlich an wie
In la ion.279 Da in un e scheide e sich on Hayek. Zwa wä e es alsch, zu behaup en, dass
Hayek ü die De la ion wi b . Abe imme hin sieh e De la ion lang is ig soga als ela i
posi i an:
„De Un e schied is , daß bei In la ion die angenehme Übe aschung zue s
komm und die Reak ion spä e , wäh end bei de De la ion die e s e Wi kung au
das Geschä sleben dep essi is . Die Wi kungen beide keh en sich jedoch on
selbs um.“280
Hayek üh dieses A gumen alle dings nich an, um ü De la ion zu we ben. Vielmeh
akzep ie e , dass es nich möglich sei, die P eise öllig s abil zu hal en.281 E e wi abe
die bis heu e un e Ökonomen wei e b ei e e These, dass De la ion wei schlimme sei als
In la ion und deshalb ein gewisses Maß an In la ion hinzunehmen sei, dami
siche hei shalbe de la ionä e Tendenzen e mieden we den.282 Inso e n kann hie kein
Un e schied zwischen Hayek und Eucken ge unden we den. Beide p opagie en
P eiss abili ä . Eucken ho e, du ch eine s abile Wäh ung ga die Konjunk u schwankungen
zu e meiden.283
277 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 256
278 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 256
279 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 257
280 Hayek, Ve assung, S. 445
281 gl. Hayek, Ve assung, S. 444
282 gl. Hayek, Ve assung, S. 444
283 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 257
Sei e 63
2.7 Geldpoli ische Konzep ionen bei Hayek und Eucken
Eucken woll e die Wäh ungs e assung, wie e den Rahmen de Geldpoli ik nann e, so
kons uie en, dass sie nich nu den Geldwe möglichs s abil häl , sonde n auch möglichs
au oma isch unk ionie .284 E sch ieb:
„Unkenn nis, Schwäche gegenübe In e esseng uppen und de ö en lichen
Meinung, alsche Theo ien, alles das beein luss diese Lei e [de Geldpoli ik]
seh zum Schaden de ihnen e au en Au gabe. Ge ade in de heu igen
Si ua ion bes eh eine g oße Ge ah , daß eine nich au oma isch kons uie e
Wäh ungs e assung zu In la ion mißb auch wi d. Die Ve suchung is nämlich
übe g oß, Disp opo ionali ä en, die im P oduk ionsp ozeß en wede als Folge
eine 'Vollbeschä igungspoli ik um jeden P eis', ode aus den Mach kämp en
wi scha liche G uppen ode aus sons igen G ünden en s ehen, o übe gehend
du ch in la o ische Maßnahmen – K edi expansion, Abwe ung, Poli ik des
nied igen Zinses und de gleichen – zu übe decken. Eine solche Geldpoli ik
e äh wie ein Baumeis e , de ans a dem Gebäude ein solides Fundamen zu
geben, seine Au me ksamkei in e s e Linie au das Dach konzen ie .“285
Eucken disku ie eine Reihe on Möglichkei en eine Wäh ungs e assung, u.a. den 100-
P ozen -Rese esa z, den Golds anda d und die Wa en ese ewäh ung.286 Gene ell gehen
die neolibe alen Ansä ze de Geldo dnung au I ing Fishe zu ück, wobei de We eine
Wäh ung an eine solide We basis gebunden und die Geldo dnung zweis u ig au gebau
we den soll, mi eine No enbank, welche die mone ä e Basis be ei s ell , und
Geschä sbanken, die K edi e e geben.287 An de Uni e si ä on Chicago wu de de Plan
wei e ge üh und das Modell des 100-P ozen -Rese esa zes en wickel . Dabei soll die
Zen albank nich en scheiden, welche Un e nehmen und Konsumen en K edi e e hal en,
wohl abe die Geldschöp ung kon ollie en. Dazu sollen die Sich einlagen bei den Banken zu
100 P ozen mi Ba geld ode Gu haben bei de Zen albank gedeck sein. Wenn eine Bank
also die Einlage eines Kunden e wa in Fo m on Ba geld he einnimm , da sie diese nich
wei e e leihen, sonde n muss en wede die Geldscheine physisch im T eso au bewah en
ode bei de Zen albank anlegen, was ak isch einen Mindes ese esa z on 100 P ozen
bedeu e . Den p i a en Banken wä e so die Möglichkei genommen, Geld zu scha en. Die
K edi e gabe wü de in diesem Sys em nu du ch solche Banken e olgen, die keinen
Zugang zu Zen albank haben, also ehe In es men onds als Banken gleichen. Es wä e
284 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 257
285 Eucken, Wi scha spoli ik, S. 257
286 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 257 bis 263
287 gl. Ande egg, S. 281
Sei e 70
2.8 Exku s: His o ische En wicklung de Geldo dnung
Ande egg besch eib sechs e schiedene Geldo dnungen, wobei in de Reali ä meis
Misch o men zu inden seien:
•Das ühe a chaische Geldwesen
•Die na ü liche Geldo dnung
•Die geldwi scha liche Ana chie
•Die gesellscha s e agliche Geldo dnung
•Die spon ane Geldo dnung
•Die küns liche Geldo dnung
Das ühe a chaische Geldwesen en s and be ei s o de An ike. Hie wu den bes imm e
kos ba e Gü e , die zum Beispiel kul u ellen ode eligiösen Zwecken dien en, als Maßeinhei
ü Tauschgeschä e e wende . Ein Beispiel da ü könn en Muscheln sein.
Eng e wand mi dem a chaischen Geldwesen is das in de An ike en s andene Sys em de
na ü lichen Geldo dnung; hie bes and das Geld o allem aus Me allmünzen. Spä e
en s anden Goldwäh ungen. Basis de na ü lichen O dnung is das Ve auen de Menschen
in die We s abili ä des Goldes und ande e Me alle. In de einen Fo m de na ü lichen
O dnung sind keine Zen albanken und auch keine Geschä sbanken nö ig, lediglich
Ins i u ionen, die das P ägen on Gold- und Silbe münzen übe nehmen, in- und
ausländische Wäh ungen auschen sowie die siche e We au bewah ung übe nehmen.
Folge ich ig gib es keine Konjunk u poli ik. Den Höhepunk e eich e diese O dnung im 18.
Jah hunde .
Eine gesellscha s e agliche O dnung be uh g undsä zlich au de Fik ion eines
hypo he isch geschlossenen Gesellscha s e ages zwischen den Bü ge n eines Landes,
wobei de Vollzug des Ve ages dem S aa übe agen wi d. Wie be ei s in Kapi el 2.5
da ges ell wu de, geh diese Idee au John Locke zu ück. Die Geldo dnung is in diesem
Sinn Teil de gesellscha s e aglichen O dnung. Da Geld die Einhei sei, in de im Handel
alles gemessen we de, müsse de We des Geldes s abil gehal en we den, o de e Locke.
Genauso sah es Da id Hume. Beide können als ühe Quan i ä s heo e ike e s anden
we den: Nach diesem Denkansa z üh eine E höhung de Geldmenge zu s eigenden
P eisen, wenn das Gü e angebo kons an bleib . Deshalb is es nö ig, die Geldmenge
küns lich zu egulie en, en wede du ch Koppelung an den Ma k we on Me allen ode die
schlich e Ve knappung des Angebo s, wobei die e s e e Va ian e wiede um s a k an die
na ü liche O dnung angelehn is . Gene ell komm es zu eine Au gaben eilung: Die
Zen albank s ell die mone ä e Basis be ei , und die Geschä sbanken schöp en die K edi e.
Dabei soll die p i a e Geldemission möglichs un e bunden we den. Um den Geldwe zu
Sei e 71
s abilisie en, is eine egelo ien ie e, es ik i e Geldmengens eue ung nö ig, in de Regel
e bunden mi de Fes legung on Mindes ese en. Eine bedeu ende Rolle spiel in de
gesellscha s e aglichen O dnung die Bankenau sich , es kommen also auch küns liche
O dnungselemen e zu Anwendung. Eine an izyklische Zins- und Geldmengenpoli ik wi d
abgelehn . Jedoch soll eine S eue ung de Geldmenge, de Zinsen ode de Wechselku se
eine e was g öße e Flexibili ä zulassen als bei den ühe en na ü lichen Geldo dnungen wie
e wa dem Golds anda d.
Küns liche Elemen e de Geldo dnung sind nö ig, um eine na ü liche,
gesellscha s e agliche ode auch spon ane Geldo dnung abzusiche n. Beispiele hie ü
sind die be ei s e wähn e Bankenau sich , die Funk ion de Zen albank als zen ale
Abwickle im Zahlungs e keh , ode Maßnahmen zu Ve hinde ung on Be ug und
Täuschung im Geldwesen. Mindes ese ep lich en gehö en eben alls zu den küns lichen
Elemen en, ebenso wie die ande en Mi el de Zen albanken, die da au zielen, mi hil e eine
S eue ung de Liquidi ä de Banken die In la ions a e zu beg enzen und gleichzei ig ü
möglichs gleichmäßiges Wachs um zu so gen. Die konjunk u elle S eue ung mi hil e de
Geldpoli ik is eben alls ein wich iges küns liches Elemen . Auch die Funk ion de Zen albank
als „lende o las eso “, die dann einsp ing und Banken Liquidi ä (gegen Siche hei en) zu
Ve ügung s ell , wenn au g und eines Schocks de In e bankenma k zusammenb ich , is
ein küns liches Elemen .342
Küns liche Geldo dnungen können abe auch on Regie ungen dazu genu z we den, sich
güns ig und zu Las en de Bü ge zu inanzie en. Ein Beispiel da ü is die Ausgabe
minde we igen Geldes zu Finanzie ung on K iegen.343
Be ei s in de na ü lichen Geldo dnung zeig en sich küns liche O dnungselemen e, e wa die
s aa liche Regulie ung de Münzp ägung.344 Auch die Un e scheidung zwischen na ü lichen
und gesellscha s e aglichen Geldo dnungen is nich imme ganz ein ach. So sind be ei s
bei Pla on und A is o eles gesellscha s e agliche E klä ungen ü die En s ehung des
Geldes zu inden.345 Pla on ging da on aus, dass Geld du ch Menschenhand en s anden
sei.346 Auch A is o eles be on , dass das Geld nich du ch die Na u , sonde n das Gese z
en s anden sei, e i also zumindes eilweise eine Kon en ions heo ie:347 Die
Kon en ions heo ie besag , dass das Geld du ch die Rech so dnung en s eh : Alle Mi gliede
de Rech so dnung sind e p lich e , das om S aa de inie e Geld zu akzep ie en.348 In de
342 gl. Kapi el bis hie he : Ande egg, S. 259 bis 276
343 gl. Ande egg, S. 274
344 gl. Ande egg, S. 259
345 gl. Ande egg, S. 259
346 gl. Ande egg, S. 259
347 gl. Ande egg, S. 262
348 gl. Meckens ock, G.: Wi scha se hik, Be lin / New Yo k: 1997, S.265
Sei e 72
Kon en ions heo ie sind sowohl gesellscha s e agliche als auch küns liche
O dnungselemen e o handen. Ande egg weis jedoch da au hin, dass in de An ike ein
gesellscha s e agliches Ve s ändnis kaum exis ie e.349 Die g iechische Geldo dnung sei
deshalb als eine Mischung aus na ü liche und küns liche Geldo dnung zu e s ehen.
Die En wicklung eine na ü lichen ode auch ühen a chaischen Geldo dnung is seh eng
e wand mi eine spon anen O dnung. Es gib keine s aa liche Ins anz, die egel , was Geld
is und als Geld e wende we den da . S a dessen en s eh Geld du ch das
selbs in e essie e Ve hal en on Menschen, die Gü e gegen p imi i e Fo men on Geld
auschen.350 Das e leich e die A bei s eilung.351 So is die En s ehung des Geldes also als
e olu o ische P ozess in de Zi ilisa ion zu e s ehen. Als eigen liche Gebu ss unde de
neue en Theo ie de spon anen Geldo dnung bezeichne Ande egg die Idee des
Wäh ungswe bewe bs on F ied ich Augus on Hayek aus dem Jah 1976.352 Hayeks
Vo schlag wu de be ei s in Kapi el 2.7 da ges ell .
Ande egg weis da au hin, dass spon ane Elemen e de Geldo dnung nich aus eichen, um
eine oll unk ions ähige Geldo dnung zu agen; so habe die Emission on Papie geld im 19.
Jah hunde nich so seh eine sich selbs agende spon ane Geldo dnung, sonde n
ielmeh ein ana chisches Geldwesen e zeug .353 Ana chische Geldwesen en s ehen o
allem dann, wenn küns liche Elemen e de O dnung und dami eine s abile
binnenwi scha liche Wäh ung ehlen.354 Es komm zum Na u al ausch, zu Ve wendung
ausländische Wäh ungen ode zum Tausch on Gü e n, welche die Funk ion on Geld
wah nehmen können.355 Ande egg nenn als Beispiel Edelme alle, womi wiede um Elemen e
eine na ü lichen Geldo dnung zum T agen kämen.356 Alle dings kann siche auch de
Handel gegen Ziga e en am Schwa zma k in Deu schland nach dem Zwei en Wel k ieg
dazu gezähl we den. Gene ell gil : Zu eine ana chischen Geldo dnung komm es
insbesonde e in und nach K iegen und in Zei en exzessi s eigende S aa sausgaben.
Eine e was ande e his o ische En wicklung des Geldwesens zeig Deu sche-Bank-
Che olkswi Thomas Maye .357 E e weis au den An h opologen Da id G aebe , wonach
die Wi scha sbeziehungen in p imi i en und an iken Gesellscha en nich au Tauschhandel,
sonde au K edi au bau en. Tauschhandel ha es demnach nu in eindlichem Um eld
gegeben, also e wa bei wi scha lichen Beziehungen zwischen Mi gliede n e schiedene
349 gl. Ande egg, S. 260
350 gl. Ande egg, S. 267
351 gl. Ande egg, S. 267
352 gl. Ande egg, S. 267
353 gl. Ande egg, S. 267
354 gl. Ande egg, S. 262
355 gl. Ande egg, S. 262
356 gl. Ande egg, S. 262
357 gl. Maye , T.: Willkommen in de ZBG-Wi scha , DB Resea ch, 21. Mä z 2012
Sei e 73
S ämme. E s in einem spä e en En wicklungss adium hä en Mach habe Geld e wa in Fo m
on Goldmünzen zu Bezahlung ih e Solda en emi ie und on de Landbe ölke ung
e lang , S eue n in Fo m diese Münzen zu en ich en. Au diese Weise sei die Finanzie ung
mili ä ische Mach sys ema ische e olg als du ch die Zulassung on Plünde ungen. E s
spä e sei Geld als Mi el genu z wo den, um meh achen Tauschhandel un e Indi iduen,
die ih jeweils eigenes In e esse e olgen, zu e ein achen.
Dami wide sp echen Maye und G aebe de Analyse Ande eggs bezüglich de En wicklung
des Geldwesens. De Akzen zu En wicklung on Gold- und Silbe münzen lieg s ä ke au
gesellscha s e aglichen bzw. küns lichen Elemen en als au na ü lichen. Maye heb
he o , dass diese A des Geldwesens – also Gold- und Silbe münzen – de zen ale Punk
in Adam Smi hs Analyse des Wohls ands de Na ionen sei.
Doch sei Smi hs Zei en ha sich einiges e ände . Maye sch eib :
„Du ch die In o ma ions- und Kommunika ions echnologie und du ch Financial
Enginee ing is es gelungen, die Geldwi scha à la Smi h zu übe winden und
eine mode ne K edi wi scha au zubauen: eine dialek ische Syn hese zwischen
de o mode nen K edi - und de jünge en Geldwi scha . Das Ve auen, das ü
den Au bau on Wi scha sbeziehungen no wendig is , wu de du ch
echnok a ische Zen albanken und so g äl ig ausgea bei e e P oduk e und nich
meh du ch zwischenmenschliche Beziehungen wie in den o mode nen
Gesellscha en gescha en. In le z e en a en K edi blasen imme wiede au ,
und nach ih em Pla zen wu den die Schulden egelmäßig e lassen. Lau Michael
Hudson and in Babylonien zwischen 1880 und 1636 . Ch . im Du chschni alle
16 Jah e ein Schuldene lass s a . Dies hä e in de Expansionsphase de
mode nen K edi wi scha als Wa nung dienen sollen. Das Ve auen in das
mode ne Finanzwesen und die mode ne Wi scha swissenscha wa jedoch so
g oß, dass kein Raum ü Zwei el blieb.”358
Sei dem Jah 2007 – dem Zusammenb uch de globalen K edi wi scha – ha sich Maye
zu olge ein neues Regime („Regime 2“) en wickel , Maye nenn dies „Die Zen albankgeld-
Wi scha “. Demnach pump en die Zen albanken eichlich Zen albankgeld in die Wi scha ,
um wi scha liche Beziehungen zu s ü zen, die in Ge ah ge a en wa en, weil du ch den
globalen Ve auens e lus an den In e bankenmä k en wie dem Kapi alma k übe haup
keine K edi e meh gewäh wu den. Dabei wu de de ech liche Rahmen zumindes
ge es e , wenn nich übe sch i en und dami de gesellscha s e agliche Momen des
Geldwesens eils e lassen. Maye sch eib :
358 Maye , ZBG-Wi scha , S. 3
Sei e 74
„Obwohl e ns ha e Beso gnis wegen de G enzen ih e ins i u ionellen
Be ugnisse bes and, s ell e die EZB le z endlich eichlich inanzielle
Un e s ü zung be ei , zunächs in Fo m beg enz e Käu e on Anleihen in
Schwie igkei en ge a ene Lände am Sekundä ma k und danach in Fo m on
Liquidi ä ssp i zen in Höhe on eine Billion Eu o ü das Bankensys em des
Eu o aums. Dahe wei e en sich die Bilanzen alle Zen albanken be äch lich
aus, und die Risikop ämien am In e banken-K edi ma k gingen zu ück. Du ch
die be äch liche Auswei ung de Zen albankbilanzen a die „Zen albankgeld-
Wi scha “ an die S elle de geschei e en K edi wi scha .”359
Maye hin e ag die g undsä zliche Nachhal igkei dieses Sys ems. Das soll in diese A bei
nich e ö e we den. Kla is , dass das Geldsys em in de Eu opäischen Union, wie es sich
im F ühjah 2012 zeig , s a k on küns lichen Elemen en und einigen
gesellscha s e aglichen Elemen en gep äg is , abe kaum on spon anen und na ü lichen,
unabhängig da on ob man „na ü lich“ im Ande eggschen Sinn e s eh , also gep äg on
Realwe en, ode im Maye schen/G aebe schen, dass es au das Ve auen de Teilnehme
und de en Be ei scha , un e einande K edi e zu e geben, bau .
359 Maye , ZBG-Wi scha , S. 5
Sei e 75
2.9 Fazi : Bean wo ung de Ausgangs age diese A bei ü den
Fall de Ös e eichischen und F eibu ge Schule
Ande egg e o e den geldpoli ischen Ansa z des O dolibe alismus on Wal e Eucken in de
gesellscha s e aglichen Geldo dnung.360 Hayeks Ansa z des Wäh ungswe bewe bs
bezeichne e wie be ei s da ges ell als spon ane Geldo dnung.361 Ta sächlich billig Eucken
dem S aa sowohl in de allgemeinen Wi scha spoli ik als auch insbesonde e in de
Geldpoli ik eine deu lich g öße e Rolle zu als Hayek. Dasselbe gil auch ü die
Gesellscha spoli ik. Ideengeschich lich s eh Eucken dami in de T adi ion on John Locke.
Hayek is dagegen in de g undsä zlichen Gesellscha spoli ik ehe Da id Hume zuzuo dnen.
Locke au dem Bü ge meh zu als Hume, nämlich die explizi e En scheidung übe das
Handeln des S aa es:
„Da sich ein einzige Kö pe no wendige weise nu in eine Rich ung bewegen
kann, muß sich de Kö pe no wendige weise auch do hin bewegen, wohin ihn
die g öße e K a eib – und das is die Übe einkun de Meh hei . Ande s kann
sie unmöglich handeln ode als ein einzige Kö pe ode eine einzige
Gemeinscha handeln ode o bes ehen – wie es doch mi de Zus immung
jedes Einzelwesens, das da in e ein is , beschlossen wa –, und dahe is ein
jede du ch diese Zus immung e p lich e , sich de Meh hei zu un e we en. So
können wi sehen, daß bei Ve sammlungen, die du ch posi i e zu Handeln
e mäch ig sind und denen jenes posi i e Gese z, welches sie e mäch ig e, keine
bes imm Zahl o sch eib , de Beschluß de Meh hei als de Beschluß alle gil
und somi en scheide da e nah dem Gese z de Na u und de Ve nun die
Gewal de Gesam hei besi z .“362
Ande s Hume: E sieh eine Regie ung nich in jede Si ua ion ü nö ig an und au den
Menschen zu, eine Zei lang ohne Regie ung die Gesellscha zu e hal en, wenngleich dies
nich daue ha unk ionie e.363 Die Haup au gabe de Regie ung sieh Hume in de
Au ech e hal ung de Rech so dnung.364 Von Gewal en eilung und Meh hei swillen sp ich
Hume nich . S a dessen o de e Un e we ung un e die Regie ung, wobei Wide s and
lediglich im Fall schwe e Ty annei und Un e d ückung zulässig sei.365 Hayek heb he o ,
dass ü Hume de wah e Sinn de englischen Geschich e in ih e En wicklung on einem
360 gl. Ande egg, S. 277
361 gl. Ande egg, S. 277
362 Locke, Regie ung, S. 74
363 gl. Hume, T ak a , S. 289
364 gl. Hume, T ak a , S. 287
365 gl. Hume, T ak a , S. 306
Sei e 76
„Go e nmen o Will“ zu einem „Go e nmen o Laws“ gelegen habe.366 Locke au also dem
Bü ge meh zu als Hume. Ande e sei s sp ich e sich ü die kla e He scha de Meh hei
aus und beg enz dabei die Rech e de Minde hei .367
Da Hayek wie gezeig ehe in Humes T adi ion s eh und Eucken ehe in de on Locke,
e gib sich ein ähnliches Bild, wenn es um die g undsä zliche Gesellscha spoli ik geh . Dies
zeig sich auch konk e in de Wi scha spoli ik. Wie gezeig wu de, gewäh Eucken dem
S aa wesen lich meh Eing i s ech e in de Wi scha spoli ik als Hayek.
Alle dings geh Hayek in de Geldpoli ik wei e als Hume, denn e is wie gezeig soga
be ei , das Geld selbs dem We bewe b auszuse zen. Hume lehn e es ab, Geld als Subjek
des Handels e keh s zu sehen.368 Dagegen will Hayek mi seine Idee des
Wäh ungswe bewe bs ge ade dies e eichen.
Eucken miss mi seinen Vo s ellungen eine Wäh ungs e assung dem S aa ausd ücklich
die Rolle zu, ü P eiss abili ä zu so gen. Nich nu die Bekämp ung on In la ion, sonde n
auch die Ve hinde ung on De la ion in konjunk u ellen Abschwüngen is dami ü Eucken
eine Au gabe des S aa es. E au dem S aa in de Geldpoli ik dami deu lich meh zu als
Hayek.
Dami kann die zen ale F age de o liegenden A bei ü den Un e suchungsgegens and
dieses Haup kapi els bejah we den. Ve gleich man Hayek und Eucken als Haup e e e
on Ös e eichische und F eibu ge Schule, so zeig sich, dass eine kollek i is ische e
Gesellscha s- und Wi scha so dnung einhe geh mi eine g öße en Rolle ü den S aa in
de Geldpoli ik.
366 gl. Hayek, Ve assung, S. 231
367 gl. Schmid , M.: Demok a ie heo ien. Eine Ein üh ung, 5. Au lage, Wiesbaden: 2010, S. 63
368 gl. Ande egg, S. 265
Sei e 77
3 Schumpe e – Un e nehme heo ie und
Konjunk u ablau sowie die F age nach Kapi alismus,
Sozialismus und Demok a ie
De ös e eichische Ökonom Jose A. Schumpe e is ü diese A bei in e essan , weil e
sowohl on Neolibe alen als auch on Linkslibe alen e einnahm wi d. So sch eib de
bekennende Keynesiane Flassbeck:
„De Name Keynes (abe auch die on Jose Schumpe e , Michal Kalecki ode
Wilhelm Lau enbach) s eh ü eine Re olu ion im ökonomischen Denken, die
a sächlich eine Al e na i e gescha en ha zu dem, was heu e wiede
he schende Leh e is .“369
Ande e sei s wi d e imme noch häu ig als „Ös e eiche “ gesehen, e wa in eine S udie on
Deu sche Bank Resea ch im Sep embe 2011.370 Ande s als Hayek be on e Schumpe e
jedoch die No wendigkei de K edi schöp ung du ch die Banken, um den Un e nehme
Zugang zu Kapi al zu gewäh leis en; das sei wich ige als die Spa ä igkei .371 McC aw geh
so wei , zu behaup en, dass das heu ige Denken übe den Kapi alismus in wei en Teilen au
Schumpe e zu ückgeh – insbesonde e seine Be onung on Inno a ion, Un e nehme geis ,
Geschä ss a egie und „schöp e ische Ze s ö ung“.372 Den Beg i de „schöp e ischen
Ze s ö ung“ nu z e Schumpe e e s mals im Jah 1942.373 Zunächs olgen nun einige
biog aphische Hinweise.
3.1 Biog aphische Hinweise zu Schumpe e
Joseph Alois Schumpe e wi d am 8. Feb ua 1883 in de mäh ischen S ad T eš (T iesch) in
de heu igen Tschechischen Republik (damals Habsbu ge eich) gebo en. 1887 olg de
Umzug nach G az. Von 1893 bis 1901 besuch Schumpe e das The esianum in Wien. Bis
1905 s udie Schumpe e Ju a sowie Ökonomische S aa swissenscha in Wien. Ein Jah
spä e olg die P omo ion zum Dok o de Rech e. Es olgen ein S udienau en hal in Gus a
Schmolle s S aa swissenscha lichen Semina in Be lin sowie an de London School o
Economics. Nach seine Hei a Ende 1907 geh Schumpe e als Anwal nach Kai o. Im Jah
1909 habili ie sich Schumpe e in Wien und wi d anschließend P o esso ü poli ische
Ökonomie an de Uni e si ä Cze nowi z. Im Jah 1911 e schein mi de „Theo ie de
wi scha lichen En wicklung“ eines seine bedeu sams en We ke. Ab 1911 is Schumpe e
P o esso in G az mi Fo schungsau en hal en in den Jah en 1913 und 1914 an de
369 Flassbeck (2009), S. 26
370 gl.: Maye , T.: “I´m an Aus ian in economics”, Deu sche Bank Resea ch, F ank u : 2011, S. 2
371 gl.McC aw, S. 96
372 gl. McC aw, T.: Joseph A. Schumpe e . Eine Biog aphie. Übe se z on Ge s ne und Hein, Hambu g: 2008, S. 9
373 gl. McC aw, S. 15
Sei e 78
Columbia Uni e si y in New Yo k. Ab dem Jah 1917 übe nimm e poli ische Au gaben, un e
ande em im Jah 1919 ü sieben Mona e als S aa ssek e ä ü Finanzen de Republik
Deu sch-Ös e eich. In den Jah en 1921 bis 1925 is Schumpe e P äsiden de M. L.
Biede mann & Co Bankak iengesellscha . Doch 1924 ge ä die Bank in den Sog de Wiene
Bankenk ise. Schumpe e s Aus lug in die P i a wi scha ende , e is hoch e schulde .
Im Jah 1925 keh Schumpe e zu ück in die Wissenscha und nimm einen Ru de
Uni e si ä Bonn an, wo e bis 1932 leh , alle dings mi Un e b echungen du ch einige
Fo schungsau en hal e an de Ha a d Uni e si y und eine Vo ags eise nach Japan.
1932 wechsel Schumpe e endgül ig nach Ha a d, wo ihm im Jah 1935 die Geo ge-Bake -
P o essu übe agen wi d. Schumpe e wi d in den Folgejah en Vizep äsiden und dann
P äsiden de Econome ic Socie y. 1942 e schein sein wohl bedeu ends es We k
„Kapi alismus, Sozialismus und Demok a ie“ (zunächs au Englisch). Im Jah 1948 wi d
Schumpe e P äsiden de Ame ican Economic Associa ion, nachdem e be ei s im Jah
1939 die US-S aa sbü ge scha angenommen ha e. Schumpe e s i b am 10. Janua 1950
in olge eines Gehi nschlags.374
374 gl. ü dieses Un e kapi el: h p://www.schumpe e .in o/biog a~1.h m (S and: 20. Mä z 2011)
Sei e 79
3.2 Schumpe e s Fo schungsansa z
Schumpe e ha e o enba nich das Bedü nis, ein ollende es in sich geschlossenes
Theo iegebäude zu scha en. In seine Bonne Abschieds ede im Jah 1932 sag e e o
seinen S uden en:
„Ich wünsche nie, Abschließendes zu sagen. Wenn ich eine Funk ion habe, dann
die, Tü en nich zu- sonde n au zumachen, und niemals habe ich das Bes eben
gehab , so e was zus ande zu b ingen wie eine Schumpe e schule. Es gib sie
nich , und es soll sie nich geben, sonde n ich will nu , wie es mi die S unde
zu üh , An egungen geben – gu e, wenn es geh , und schlech e, wenn es nich
ande s geh .“375
Wie in Bonn, so scha e Schumpe e auch in Ha a d, wo e ab dem Jah 1932 leh e und
o sch e, einen illus en K eis on begeis e en pos -g adua e S uden en und jungen
Wissenscha le n um sich, un e ande em die spä e en Nobelp eis äge Paul Samuelson,
Wassily Leon ie und James Tobin, abe auch „linke“ Ökonomen wie Paul Sweezy ode
Richa d Goodwin.376 Dabei wa Schumpe e selbs – wie Sei e be on – ein e klä e Gegne
de Poli ik on P äsiden F anklin D. Roose el .377
Obwohl Schumpe e s We ke übe wiegend ökonomische Ti el agen und e an de Ha a d
Uni e si y im Fachbe eich Wi scha swissenscha leh e, kann e nich nu als Ökonom
gesehen we den. E übe nahm Max Webe s Konzep de „Sozialökonomik“, die bei
Schumpe e ie Fundamen e um ass e: Wi scha sgeschich e, S a is ik, Theo ie und
Wi scha ssoziologie.378 Schumpe e selbs sah dabei die Wi scha sgeschich e als am
bedeu sams en an.379
Schumpe e ha sich o allem am Ende seines Lebens da um bemüh , anhand eines b ei en
geschich lichen Ve s ändnisses, das übe die Wi scha sgeschich e hinausgeh , die
e schiedenen Zweige de Sozialwissenscha en zu e binden. Gegen Ende seines Lebens
sch ieb e :
„De geschich liche Übe blick da nich au ein wi scha liche Fak en
besch änk bleiben, sonde n muss unbeding auch ‚ins i u ionelle’ Fak en
wide spiegeln, die nich ein wi scha liche Na u sind; dami e schließ e den
bes en Weg zum Ve s ändnis da ü , wie wi scha liche und nich wi scha liche
375 Schumpe e , A.: Bonne Abschieds ede 1932, zi ie nach: Sei e , E.: Ein üh ung. Joseph Alois Schumpe e : Zu Pe son
und We k, in: Schumpe e , J.: Kapi alismus, Sozialismus und Demok a ie, 8. Au lage, Tübingen: 2005, S. 13
376 gl. Sei e , in: Schumpe e (2005), S. 11
377 gl. Sei e , in: Schumpe e (2005), S. 10
378 gl. Sei e , in: Schumpe e (2005), S. 13
379 gl. Sei e , in: Schumpe e (2005), S. 13
Sei e 86
Schumpe e s geldpoli isches Konzep zu sehen, o allem die Fähigkei de Banken, K edi e
zu schöp en:
„Die zum Beginn eine Un e nehmung e o de lichen Mi el we den ypische weise
dadu ch bescha , daß man ande e Leu e Spa gu haben (ih Vo handensein in ielen
kleinen P ü zen is leich zu e klä en) ode die Deposi en, welche die Banken ü den
Geb auch dieses Möch ege nun e nehme s schöp en, en leih .“411
Die Ansä ze de Geldo dnung, die Schumpe e e i , sollen im olgenden Kapi el ie e
e ö e we den. Zunächs soll wei e da geleg we den, weshalb Schumpe e o z seine
P ognose, dass de Sozialismus den Kapi alismus ablösen we de, nich als ypische
Sozialis gesehen we den soll e. So zeig e e zum Beispiel wenig Sympa hien ü die
Ein eilung de Be ölke ung in Klassen. Deu lich mach dies ein wei e es Zi a :
„Die wasse dich e Scheidung zwischen Menschen, die (zusammen mi ih en
Nachkommen) ein ü allemal als Kapi alis en gel en, und ande en, die (zusammen mi
ih en Nachkommen) ein ü allemal als P ole a ie gel en, is nich nu , wie schon o
gezeig wu de, äuße s wi klichkei s emd, sonde n übe sieh den sp ingenden Punk in
bezug au die sozialen Klassen, – den unau hö lichen Au s ieg und Niede gang
einzelne Familien in die obe e Sphä e hinein und aus ih he aus.“412
Schumpe e a gumen ie hie ganz ähnlich wie Hayek. Hayek bekunde zwa , dass eine
Gesellscha ohne g oßen Gegensä ze zwischen A m und Reich besse sei, als eine mi
g oßen Disk epanzen in de Einkommens- und Ve mögens e eilung. Abe e sieh es nich
als Au gabe des S aa es – und das is du chaus eine Pa allele zu Schumpe e – du ch einen
Eing i , also die Ausübung on Zwang, ü eine ma e ielle Gleichs ellung zu so gen.413 Hayek
besch eib den Au s ieg on Familien in die Eli e de Gesellscha nich nu , e lob ihn soga
explizi :
„Wa um soll e man glauben, daß e wünsch e Eigenscha en eines Menschen ü
die Gesellscha wenige we oll sind, wenn sie das E gebnis de
Familien adi ion sind, als wenn e sie ohne solche Hil e e wo ben hä e? Es gib
soga gu e G ünde, anzunehmen, daß es sozial we olle Eigenscha en gib , die
nu sel en in eine einzigen Gene a ion e wo ben we den, sonde n sich
gewöhnlich nu du ch o gese z e Bemühungen on zwei ode d ei Gene a ionen
he ausbilden. Das bedeu e ein ach, daß gewisse Bes and eile des kul u ellen
E bgu s eine Gesellscha wi ksame du ch die Familie übe mi el we den. Wenn
das zugegeben wi d, wä e es un e nün ig zu leugnen, daß eine Gesellscha es
411 Schumpe e (Kapi alismus), S. 35
412 Schumpe e (Kapi alismus), S. 39
413 gl. Hayek, Ve assung, s. 113
Sei e 87
ehe zu eine besse en Eli e b ingen wi d, wenn de Au s ieg nich au eine
Gene a ion besch änk is , die Einzelnen nich absich lich au das gleiche
An angsni eau ges ell we den und den Kinde n die Möglichkei genommen wi d,
die Vo eile eine besse en E ziehung und besse e ma e ielle Ve häl nisse zu
genießen, die ihnen ih e El e n bie en können.“414
Zwa weis Hayek dami den Klassengedanken nich so ausd ücklich zu ück wie
Schumpe e . Abe im G undsa z bes eh doch Einigkei bei Beiden, dass Au s ieg möglich is ,
dass es also keine es en Klassen, in denen de Einzelne ode Familien ü imme ge angen
sind, gib . Hayek schließ ja auch den Au s ieg eines Einzelnen inne halb eine Gene a ion in
die gesellscha liche Eli e nich aus. Ein Un e schied mag zwischen Hayek und Schumpe e
da in bes ehen, dass Schumpe e den gesellscha lichen Abs ieg und den Au s ieg gleich
gewich e , wäh end Hayek lediglich den Au s ieg hema isie . En scheidend is abe : Beide
g enzen sich on sozialis ischen und ma xis ischen Theo ien es e Klassengesellscha en
ab.
Nich nu dem Soziologen, sonde n auch dem Na ionalökonomen Ma x ges eh Schumpe e
du chaus ich ige Analysen zu, billig ihm ga „un e den Vä e n de mode nen
Konjunk u o schung einen hohen Rang zu“415, e wa wenn e übe Ma x sch eib :
„E sag seh geschick , daß 'die Obe lächlichkei de poli ischen Ökonomie sich
un e ande em da in zeig , daß sie die Auswei ung und Einengung des K edi s,
das bloße Symp om de Wechselpe ioden des indus iellen Zyklus, zu de en
U sache mach '. […]
All dies is gesunde Menschen e s and und wi klich e nün ig. Wi inden
p ak isch alle Elemen e, die je in eine e ns ha en Analyse de Konjunk u zyklen
Eingang anden, und im ganzen seh wenig I üme .“416
Doch en schieden i Schumpe e gegen die P ognose Ma x ein, dass de Kapi alismus
du ch eine Re olu ion de e elende en Massen sein Ende sehen we de. Auch dass eine
solche Re olu ion in eine wi scha lichen Dep ession am bes en du chzu üh en sei, is ü
Schumpe e ein Fehlschluss. Zwa wide sp ich Schumpe e nich de ma xis ischen
Behaup ung, dass es im Kapi alismus zu eine imme s ä ke en wi scha lichen
Konzen a ion komm – seine diesbezüglichen Aus üh ungen we den noch da ges ell . Abe
e s ell in F age, dass diese Konzen a ionsp ozess mi de „kapi alis ischen Hülle“ nich
e einba is . Ma x Schluss olge ungen olg en demnach nich aus seinen P ämissen.417 Ma x
habe nich bewiesen, dass die kapi alis ische Wi scha aus ein wi scha lichen G ünden
414 Hayek, Ve assung, S. 115
415 Schumpe e (Kapi alismus), S. 74
416 Schumpe e (Kapi alismus), S. 73
417 gl. Schumpe e (Kapi alismus), S. 75
Sei e 88
un e meidlich zusammenb echen müsse, wenngleich e einige Fak o en des kapi alis ischen
P ozesses ich ig besch ieben habe.418
Doch wenngleich e dem Ma xismus Fehle in de Kausalke e zuweis , sei die inale
Schluss olge ung des Ma xismus nich alsch, nämlich dass die kapi alis ische
Wi scha so dnung un e gehen we de:
„Selbs wenn Ma xens Ta sachen und Beweis üh ung noch i ige wä en, als sie
es sind, könn e nich sdes owenige sein E gebnis inso e n ich ig sein, als es
ein ach e siche , daß die kapi alis ische En wicklung die G undlagen de
kapi alis ischen Gesellscha ze s ö en wi d. Ich glaube, so is es.“419
Einen Un e schied mach Schumpe e zwischen Ma x und dem Ma xismus. Eine
sozialis ische ode kommunis ische Re olu ion, wie sie iele Ma xis en o de n, sei bei Ma x
selbs so nich zu inden, ielmeh de Glaube an eine En wicklung hin zum Sozialismus.
Schumpe e sch eib übe Ma x:
„Die E olu ion wa ü ihn die Mu e des Sozialismus. E wa iel zu seh e üll
on einem Ge ühl de inhä en en Logik de sozialen Dinge, um zu glauben, daß
die Re olu ion i gendeinen Teil des We ks de E olu ion e se zen könne. Die
Re olu ion komm dennoch. Abe sie komm nu , um den Schlußsa z un e eine
olls ändige Reihe on P ämissen zu sch eiben. Die Ma xis ische Re olu ion
un e scheide sich dahe nach ih e Na u und ih e Au gabe öllig on den
Re olu ionen sowohl de bou geoiasen Radikalen als de sozialis ischen
Ve schwö e .
[…]
Sag man, daß Ma x on Ph asen en kleide , eine Auslegung in konse a i em
Sinn zuläß , so besag dies nu , daß e e ns genommen we den kann.“420
Di ek anschließend an dieses Zi a inde sich, was Schumpe e mi eine konse a i en
Auslegung des Ma xismus mein , nämlich den Glauben, dass de Kapi alismus nich
wei e leben kann.421 Bis heu e inde sich diese Skepsis gegenübe dem Beg i Kapi alismus
abe auch gegen die Funk ionsweise des Kapi alismus o allem in Kon inen aleu opa ie
e wu zel in de Be ölke ung, ge ade auch in den bü ge lichen Schich en des Mi els andes.
Hie inde sich – wenngleich wei gehend unbewuss – eine konse a i e Auslegung de
ma xschen Leh e. Zwa lag Schumpe e mi seine P ognose, dass de Kapi alismus noch im
Lau des 20. Jah hunde s un e gehen wi d, alsch. Abe zu seine Ve eidigung is
anzume ken, dass e diese P ognose selbs ü wenig bedeu end e ach e e:
418 gl. Schumpe e (Kapi alismus), S. 98
419 Schumpe e (Kapi alismus), S. 76
420 Schumpe e (Kapi alismus), S. 100
421 gl. Schumpe e (Kapi alismus), S. 105
Sei e 89
„Was bei jedem Ve such eine sozialen P ognose zähl , is nich das Ja ode
Nein, das die dazu üh enden Ta sachen und A gumen e zusammen aß ,
sonde n diese Ta sachen und A gumen e selbs . Diese en hal en alles, was am
endgül igen E gebnis wissenscha lich is . Alles ande e is nich Wissenscha ,
sonde n P ophezeiung.“422
422 Schumpe e (Kapi alismus), S. 105
Sei e 90
3.4.2 Die Funk ionsweise des Kapi alismus
Genau deshalb is Schumpe e ein so übe aus in e essan e Ökonom. E besch eib die
Funk ionsweise des Kapi alismus, abe auch sein Ve sagen. Nich alles muss man eilen.
Abe Schumpe e s eh ep äsen a i ü eine Kapi alismusk i ik, de eben nich de Wunsch
nach gesellscha liche Egali ä zug unde lieg . Aus dem bishe gesag en kann e mu e
we den, dass Schumpe e s Gesellscha sbild wenige eihei lich-indi idualis isch wa als das
Euckens und e s ech als das Hayeks. Diese Eind uck soll im Folgenden bes ä ig we den,
wenngleich Schumpe e ehe als desk ip i e Analy ike au i denn als Kämp e ü eine
bes imm e Gesellscha so dnung, wie das beispielsweise bei Hayek de Fall wa . Dies zeig
olgendes Zi a :
„Die These, die ich zu beg ünden e suchen we de, is die, daß die
gegenwä igen und kün igen Leis ungen des kapi alis ischen Sys ems de ges al
sind, daß sie die Vo s ellung eines Zusammenb uchs un e dem Gewich
wi scha liche Fehlschläge wide legen und daß ielmeh ge ade sein E olg die
sozialen Ein ich ungen, die es schü zen, un e g äb und 'un e meidlich'
Bedingungen scha , un e denen es nich zu leben e mag und die
nachd ücklich au den Sozialismus als seinen gese zmäßigen E ben deu en.
Meine endgül ige Folge ung un e scheide sich deshalb nich on jenen de
meis en sozialis ischen Sch i s elle und namen lich nich on jene alle
Ma xis en, so ande s auch meine Beg ündung is . Um sie jedoch anzunehmen,
b auch man kein Sozialis zu sein. Die P ognose en häl nich s übe die
Wünschba kei des Lau s de Dinge, die sie o aussag . Wenn ein A z
o aussag , daß sein Pa ien demnächs s e ben wi d, bedeu e das nich , daß e
es wünsch . Man kann den Sozialismus hassen ode ihn zum mindes en mi
kühle K i ik be ach en und doch seinen Au s ieg o aussehen. Viele
Konse a i e haben dies ge an und un es heu e.“423
Es wä e also g und alsch, Schumpe e als übe zeug en Sozialis en zu sehen. E selbs zeig
keine philosophische P ä e enz ü den Sozialismus. T o zdem: Seine E klä ungen, wie
diese Sozialismus unk ionie en könne, seine Ablehnung eine In e dependenz de
O dnungen wie sie Eucken o mulie e, zeigen, dass seine libe alen Übe zeugen eben nich
so s a k ausgep äg wa en wie bei den F eibu ge n ode wie bei Hayek. Ande s als diese ha
sich Schumpe e nich eine no ma i en Sache e sch ieben, ha nich leidenscha lich ü
einen bes imm en F eihei sbeg i gewo ben, sonde n lediglich aus einem desk ip i en
Ansa z Zukun sszena ien en wo en. Selbs wenn e dabei nich de Übe zeugung wa , dass
423 Schumpe e (Kapi alismus), S. 106
Sei e 91
die on ihm p ognos izie e En wicklung wünschenswe sei, ha e sie dennoch im
Gegensa z zu ande en libe alen P o agonis en als e äglich skizzie . Man kann also
du chaus zu dem U eil gelangen, dass Schumpe e den Sozialismus nich so ka ego isch
abgelehn ha , wie dies Eucken, Hayek ode auch F iedman a en.
Dass Schumpe e das Funk ionie en eines demok a ischen Sozialismus nich aus
no ma i en Übe zeugungen p opagie e, zeig sich da an, dass e selbs on eine
in e en ionis ischen Wi scha spoli ik nich begeis e wa . So ha seine Ansich nach zum
Beispiel die Poli ik des New Deal in den USA die konjunk u elle E holung e zöge und nich
beschleunig .424 Nach Schumpe e s Au assung ha „de kapi alis ische P ozeß p og essi
den Lebenss anda d de Massen e höh , und zwa nich du ch bloßen Zu all, sonde n k a
seines Mechanismus“.425
Diese Mechanismus is ü Schumpe e ein öllig ande e als in de neoklassischen
Na ionalökonomik, wo de Fall de ollkommenen Konku enz dazu üh , dass das
Gewinns eben de P oduzen en zu eine maximalen Auswei ung de P oduk ion bis ku z o
die Ve lus g enze üh . Hie is ein kla e Wide sp uch Schumpe e s zu Eucken zu e kennen,
de wie besch ieben einen heo e ischen Zus and olls ändige Konku enz ode zumindes
die Bedingungen dieses Zus ands als ü die Wi scha spoli ik wich igs es anzus ebendes
Ziel sah. Schumpe e sieh das öllig ande s:
„Wede Ma shall noch Wicksell noch die Klassike sahen, daß ollkommene
Konku enz die Ausnahme bilde , und daß selbs wenn sie die Regel wä e, seh
iel wenige G und sich zu beglückwünschen bes ünde, als man ielleich
annimm .“426
Dem Konzep de olls ändigen Konku enz se z Schumpe e das on Chambe lin und
Robinson in de Zwischenk iegszei en wickel e Konzep de monopolis ischen Konku enz
en gegen.427 Dieses cha ak e isie e dadu ch, dass die Anbie e de P oduk e e suchen,
sich du ch P oduk di e enzie ung und We bung eine kleine Monopols ellung au dem Ma k
ü ih e E zeugnisse zu e scha en. In säm lichen Fällen on monopolis ische Konku enz
ode auch on Oligopols uk u en he sche nu sel en ein Gleichgewich s all, wenngleich es
in de Theo ie solche Si ua ionen gebe. En scheidend dabei:
„Un e den e wähn en Bedingungen ga an ie das Gleichgewich , selbs wenn es
am Ende au eine äuße s kos spielige Me hode e eich wi d, nun nich meh
Vollbeschä igung ode maximale P oduk ion im Sinne de Theo ie de
424 gl. Schumpe e (Kapi alismus), S. 109
425 Schumpe e (Kapi alismus), S. 115
426 Schumpe e (Kapi alismus), S. 130
427 gl. Schumpe e (Kapi alismus), S. 131; Ve weis au E.S. Chambe lins We k „Theo y o Monopolis ic Compe i ion“ und
Joan Robinisons We k „The Economics o Impe ec Compe i ion“
Sei e 92
ollkommenen Konku enz. Es kann exis ie en ohne Vollbeschä igung. Es muss,
so schein es, exis ie en bei einem P oduk ionss and un e halb de
Maximalg enze, weil die p o i e hal ende S a egie, die un e den Bedingungen
de ollkommenen Konku enz unmöglich is , nun nich nu möglich wi d,
sonde n sich selbs au d äng .“428
Dami e i Schumpe e die Keynessche Idee eines olkswi scha lichen Gleichgewich s
mi un eiwillige A bei slosigkei . Wie jedoch noch gezeig wi d, zieh e da aus öllig ande e
Schlüsse. E g enz sich also sowohl on den Ideen Euckens als auch on denen Keynes ab.
Zunächs bleib e bei de F age, welche Rolle Monopole und Oligopole in de
wi scha lichen En wicklung spielen und komm dabei zu dem Schluss, dass die
G oßun e nehmen meh zu E höhung des Lebenss anda ds de b ei en Massen
beige agen haben als dazu, ihn nied ig zu hal en.429 In seine Ablehnung des Euckenschen
bzw. neoklassischen Konzep s is dabei seine Ve wu zelung in de Ös e eichischen Schule
zu inden. Auch do wi d, wie gezeig wu de, dieses Konzep abgelehn . En scheidend is
do ielmeh , dass es keine s aa lichen Regulie ungen gib , die e hinde n, dass neue
Spiele au die Mä k e e en. Aus eichend is auch bei Schumpe e , dass es po enzielle
Konku enz gib , also eine s ändige Bed ohung de bes ehenden P oduk ionss uk u du ch
mögliche ande e Anbie e .430
Es geh bei beiden – Ös e eiche n wie Schumpe e – da um, dass de Kapi alismus ein
dynamisches Konzep is . Schumpe e lehn also wie die Ös e eiche und Hayek die
kompa a i -s a ischen Modelle, mi denen die Neoklassike e suchen das
ma k wi scha liche Sys em zu besch eiben, als zen ales E klä ungsmus e ab. Typische
Beispiele ü solche Gleichgewich smodelle sind die ein achen mik oökonomischen
Diag amme, bei denen die P ä e enzen de Konsumen en und P oduzen en gegeben sind
und dann ein Schni punk on Angebo s- und Nach ageku e e mi el wi d, de – un e de
Annahme olls ändigen We bewe bs – den Gleichgewich sp eis e gib . Diese P eis
e ände sich nu du ch ex e ne Schocks wie eine exogen gegebene Ve ände ung de
P ä e enzen de Konsumen en. Dann e schieb sich die zum Beispiel die Nach ageku e,
es e gib sich ein neue Schni punk ü den Gleichgewich sp eis. Ve glichen we den bei
diese Me hode also lediglich die Endzus ände, abe nich de (dynamische) Übe gang. Dies
wä e wesen lich komplizie e da zus ellen.
Doch mi diese Ve ein achung igno ie en die Neoklassike genau das, was ü den
ös e eichischen Fo schungsansa z so zen al is , nämlich den dynamischen Suchp ozess
428 Schumpe e (Kapi alismus), S. 132
429 gl. Schumpe e (Kapi alismus), S. 135
430 gl. Schumpe e (Kapi alismus), S. 140
Sei e 93
des Ma k es. Folgendes Zi a Schumpe e s zeig , dass Schumpe e ähnlich wie die
Ös e eiche und Hayek in ih en G undübe legungen nich da on ausgingen, dass
kompe a i -s a ische Modele das ma k wi scha liche Sys em zu e end besch eiben:
„De Kapi alismus is also on Na u aus eine Fo m ode Me hode de
ökonomischen Ve ände ung und is nich nu nie s a ionä , sonde n kann es auch
nie sein. Diese e olu ionä e Cha ak e des kapi alis ischen P ozesses is nich
ein ach de Ta sache zuzusch eiben, daß das Wi scha sleben in einem
gesellscha lichen und na ü lichen Milieu o sich geh , das sich e ände und
du ch seine Ve ände ung die Da en de wi scha lichen Tä igkei ände ; diese
Ta sache is zwa wich ig und diese Ve ände ungen (K iege, Re olu ionen usw.)
bedingen o auch Ve ände ung de Indus ie; sie sind abe nich ih e p imä e
T iebk a . Auch is diese e olu ionä e Cha ak e nich eine quasi-
au oma ischen Be ölke ungs- und Kapi alzunahme ode den Launen des
Geldsys ems zuzusch eiben, on denen genau das gleiche gil . De
undamen ale An ieb, de die kapi alis ische Maschine in Bewegung se z und
häl , komm on den neuen Konsumgü e n, den neuen P oduk ions- ode
T anspo me hoden, den neuen Mä k en, den neuen Fo men de indus iellen
O ganisa ion, welche die kapi alis ische Un e nehmung scha .
[…]
Die E ö nung neue , emde ode einheimische Mä k e und die
o ganisa o ische En wicklung om Handwe ksbe ieb und de Fab ik zu solchen
Konze nen wie dem U.S.-S eel illus ie en den gleichen P ozeß eine
indus iellen Mu a ion – wenn ich diesen biologischen Ausd uck e wenden da
– , de unau hö lich die Wi scha ss uk u on innen he aus e olu ionie ,
unau hö lich die al e S uk u ze s ö und unau hö lich eine neue scha . Diese
P ozeß de 'schöp e ischen Ze s ö ung' is das ü den Kapi alismus wesen liche
Fak um.“431
Schumpe e k i isie , dass iele Ökonomen nu das P oblem be ach en, wie de
Kapi alismus mi bes ehenden S uk u en umgeh , das wi klich ele an e P oblem abe da in
bes ehe, wie e diese S uk u en scha e und ze s ö e:432
„Al e Konze ne und eingesessene Indus ien leben, ob sie nun unmi elba
angeg i en we den ode nich , imme noch im ewigen S u m. Im P ozeß de
schöp e ischen Ze s ö ung en s ehen Si ua ionen, in welchen manche Fi men
431 Schumpe e (Kapi alismus), S. 136
432 Schumpe e (Kapi alismus), S. 138
Sei e 94
un e gehen müssen, die du chaus k ä ig und nü zlich hä en wei e bes ehen
können, wenn sie einem besonde en S u mwind hä en o zen können.“433
Diese Beme kungen übe den Fo schungsansa z de neoklassischen Ökonomik dienen
Schumpe e dazu, das Modell de olls ändigen Konku enz, bei dem de Schni punk on
Angebo s- und Nach ageku e bes imm , welche Menge eines Gu s zu welchem P eis
p oduzie wi d und bei dem im bes en Fall kein Anbie e eine Zusa z en e ein ah en kann,
g undsä zlich anzug ei en. Die olls ändige Konku enz is ü Schumpe e wede
wünschenswe noch ealis isch. E sieh ge ade in de G oßun e nehmung und in
monopolis ischen Un e nehmen Vo eile. Hie in zeig sich au den e s en Blick eine Nähe zu
Hayek, de das Konzep de olls ändigen Konku enz ja eben alls zu ückgewiesen ha .
Alle dings eil Hayek nich Schumpe e s nahezu begeis e e Sich au Monopole. Aus
Hayeks Sich sind Monopole nich wünschenswe , alle dings nu in dem Sinn, in dem
gene ell die Knapphei nich wünschenswe is . Obwohl also beides une wünsch sei –
Monopole wie Knapphei – sei beides nich ein ach zu e meiden, so Hayek.434
Zunächs schein es also so, als ob Schumpe e libe ä e au i als Eucken und nähe bei
Hayek s eh . Doch es gib einen undamen alen Un e schied zu Hayek: Schumpe e
a gumen ie nich aus eine eihei lichen Ideologie he aus, sonde n aus E izienzg ünden.
Deshalb nimm e auch keine saube e T ennung zwischen S aa und P i a wi scha o ,
e wa wenn e sch eib :
„Schließlich: es ha ja gewiss keinen Sinn, daß man eine e al e e Indus ie au
unbes imm e Zei hinaus zu e hal en such ; es ha jedoch einen Sinn, daß man
ih en plö zlichen Zusammenb uch zu e meiden und eine wilde Fluch , die zum
Ausgangspunk kumula i e , dep essi e Wi kungen we den kann, in einen
geo dne en Rückzug zu e wandeln such . En sp echende weise gib es im Fall
on Indus ien, die sich ih e Hö ne abgelau en haben, doch noch imme an
Boden gewinnen und nich an Boden e lie en, auch so e was wie einen
geo dne en Vo ma sch.“435
We hie nun ü einen geo dne en Rückzug ode Vo ma sch so gen soll, is nich ganz kla .
In eine Fußno e e weis Schumpe e au die Au o- und Kuns seidenindus ie nach dem
E s en Wel k ieg. In de Au oindus ie seien nach eine Vielzahl on Un e nehmen zu Beginn
des Au schwungs in diesen B anchen ab Mi e de 1920e Jah e d ei Konze ne en s anden,
au die 80 P ozen des Gesam absa zes en ielen und die sich keines alls einen e bi e en
Konku enzkamp lie e en. Schumpe e bezwei el , ob im Fall eine Si ua ion olls ändige
433 Schumpe e (Kapi alismus), S. 148
434 Vgl. Hayek, Ve assung, S. 360
435 Schumpe e (Kapi alismus), S. 148
Sei e 95
Konku enz den Konsumen en besse e und billige e Au os angebo en ode den A bei e n
höhe e Löhne gezahl wo den wä en.436 In diesem Beispiel haben also die Konze ne in eine
ka ellähnlichen Kollusion ü einen geo dne en Vo ma sch geso g . Noch iel deu liche sei
eine solche Fo m es ik i e Poli ik bei de Kuns seidenindus ie zu beobach en gewesen.437
Dami lieg ü Schumpe e be ei s in de O ganisa ion des kapi alis ischen P ozesse eine
Fo m on Konjunk u glä ung, die Keynes, wie noch gezeig wi d, dem S aa zuo dne .
Obgleich Schumpe e also nich aus einem F eihei sa gumen he aus ü einen
O dnungs ahmen plädie , de im Euckenschen Sinn die Ma k wi scha s ä k , sonde n aus
E izienzg ünden, g ei e zunächs nich au den S aa zu ück. Alle dings zeig e sich
gegenübe dem Ma k p ozess wenige posi i o eingenommen als Hayek, und sieh
s aa liche Eing i e als nich gene ell abzulehnen an, wenn e sch eib :
„Es is siche ebenso denkba , daß ein allum assendes Ka ellsys em jeglichen
Fo sch i sabo ie , wie auch, daß es mi ge inge en sozialen und p i a en
Kos en all das e wi klich , was on de ollkommenen Konku enz e wa e wi d.
Da um läu auch unse A gumen nich au eine Anklage gegen die s aa liche
Regulie ung hinaus. Es zeig jedoch, daß es keine allgemeine Ve eidigung ü
das un e schiedslose 'Sp engen on T us s' ode ü die Ve olgung on allem
gib , was un e 'Einsch änkung de eien Konku enz' äll .“438
Schumpe e s E izienza gumen ü monopolis ische S uk u en geh soga sowei , dass e
bes ehende Ma k o dnungen, die s a k dezen alisie sind, k i isie :
„Le z en Endes sind die ame ikanische Landwi scha , de englische
Kohlebe gbau und die englische Tex ilindus ie ü den Konsumen en iel
kos spielige und beein lussen die Gesam p oduk ion iel nachhal ige , als sie es
ä en, wenn jede on einem Du zend helle Köp e kon ollie wü de.“439
Mi diese Aussage nun o enba sich Schumpe e . E wü de eine Wi scha so dnung
akzep ie en, die s aa liche bzw. kollek i is ische gep äg is als Hayek ode Eucken
e äglich änden. Denn e au es einigen wenigen „hellen Köp en“ zu, ganze
Wi scha szweige zu s eue n. Das is ein wesen liche Un e schied zu Eucken und Hayek.
Bei Eucken e gib sich das be ei s aus seinem Plädoye ü die olls ändige Konku enz. Bei
Hayek zeig sich de Wide sp uch da in, dass Hayek ü dezen ale En scheidungen ein a ,
eben weil es eine Anmaßung on Wissen is , wenn wenige die Planung übe nehmen. Hayek
hä e wohl nie k i isie , dass eine dezen ale S eue ung de Landwi scha
Ressou cen e schwendung is .
436 gl. Schumpe e (Kapi alismus), S. 148
437 gl. Schumpe e (Kapi alismus), S. 149
438 Schumpe e (Kapi alismus), S. 150
439 Schumpe e (Kapi alismus), S. 174
Sei e 102
e minde , die schü zenden Schich en und Ins i u ionen ze b ich und eine
A mosphä e de Feindseligkei scha , ze se z somi auch on innen he aus die
eibenden K ä e des Kapi alismus. Dies zeig in einziga ige Weise, daß die
kapi alis ische O dnung nich nu au P eile n uh , die aus auße kapi alis ischem
Ma e ial bes ehen, sonde n daß sie auch ih e Ene gie aus auße kapi alis ischen
Mus e n des Ve hal ens bezieh , die sie zu gleiche Zei ze s ö en muß.
Wi haben wiede en deck , was on ande en Gesich spunk en aus und – so
glaube ich – mi unzulängliche Beg ündung ühe schon o en deck wo den is :
dem kapi alis ischen Sys em wohn eine Tendenz zu Selbs ze s ö ung inne, die
in ih en e s en S adien sich seh wohl in de Fo m eine Tendenz zu
Ve langsamung des Fo sch i s äuße n kann.“462
Was abe olg au den Kapi alismus, wenn diese seinen Selbs ze s ö ungsp ozess ollende
ha ?
462 Schumpe e (Kapi alismus), S. 261
Sei e 103
3.4.4 De Sozialismus kann unk ionie en
Fü Schumpe e bes eh unzwei elha die Pe spek i e eines unk ionie enden Sozialismus,
de den Kapi alismus ablös :
„Kann de Sozialismus unk ionie en? Selbs e s ändlich kann e es. Kein Zwei el
is da übe möglich, wenn wi einmal annehmen, daß e s ens die e o de liche
S u e de indus iellen En wicklung e eich is und daß zwei ens
Übe gangsp obleme e olg eich gelös we den können.“463
Um diese Übe zeugung zu beg ünden, un e scheide Schumpe e zwei Typen on
Gesellscha s o men: die „komme zielle“ und die „sozialis ische“.464 E s e e de inie e als ein
ins i u ionelles Sys em mi zwei wesen lichen Elemen en: P i a eigen um an den
P oduk ionsmi eln und die Koo dina ion des P oduk ionsp ozesses du ch p i a e Ve äge.465
Eine solche soziale O dnung sei nich ausschließlich bü ge lich, weil das Bü ge um in de
Regel nich ähig sei, ohne Symbiose mi eine nich -bü ge lichen Schich zu exis ie en.466
En scheidend ü diese A bei is abe ein ande e bedeu ende Un e schied, den
Schumpe e mach : E di e enzie zwischen de komme ziellen und de kapi alis ischen
Gesellscha :
„Auch is 'komme zielle Gesellscha ' nich iden isch mi 'kapi alis ische
Gesellscha '. Die le z e e, ein Spezial all de e s e en, wi d zusä zlich du ch das
Phänomen de K edi schöp ung de inie , – du ch die ü so manche
he o s echenden Züge des mode nen Wi scha slebens e an wo liche P axis,
Un e nehmungen du ch Bankk edi e zu inanzie en, das heiß du ch Geld (No en
ode Deposi en), das ü diesen Zweck ab izie wu de.“467
Dami is be ei s ein wich ige Hinweis au das olgende Kapi el gegeben, in dem das
geldpoli ische Konzep Schumpe e s da ges ell wi d. Vo weg sei genommen: Im Gegensa z
zu Eucken und Hayek sieh Schumpe e die Geldschöp ung de Banken ü das Wachs um
und die En wicklung de Wi scha als wesen lich an. Wenige bedeu end is die
Un e scheidung zwischen komme zielle und kapi alis ische Gesellscha ü die wei e e
Beu eilung on Schumpe e s Gesellscha sbild. E selbs weis da au hin, dass
komme zielle Gesellscha en in de P axis imme kapi alis isch sind.468
En scheidend is also de Un e schied zwischen komme zielle ode kapi alis ische
Gesellscha eine sei s und sozialis ische Gesellscha ande e sei s. Eine sozialis ische
463 Schumpe e (Kapi alismus), S. 267
464 gl Schumpe e (Kapi alismus), S. 267
465 gl Schumpe e (Kapi alismus), S. 267
466 gl Schumpe e (Kapi alismus), S. 267
467 Schumpe e (Kapi alismus), S. 267
468 gl Schumpe e (Kapi alismus), S. 268
Sei e 104
Gesellscha de inie Schumpe e als ein ins i u ionelles Sys em, in dem die Kon olle übe
die P oduk ionsmi el sowie die P oduk ion selbs bei eine Zen albehö de liegen, in dem
also die wi scha lichen En scheidungen de Gesellscha in die ö en liche und nich in die
p i a e Sphä e gehö en.469 Mi dem kapi alis ischen P oduk ionssys em wi d demnach auch
de adi ionelle S aa e schwinden:
„De S aa , das P oduk de Zusammens öße und Komp omisse zwischen
Feudalhe en und Bou geoisie, wi d einen Teil de Asche bilden, aus de de
sozialis ische Phoenix en s ehen wi d. Da um habe ich ihn nich in meine
De ini ion des Sozialismus e wende . Selbs e s ändlich kann de Sozialismus
du ch einen Ak des S aa es einse zen. Sowei ich sehe, bie e es abe keine
Schwie igkei , wenn man sag , daß de S aa in diesem Ak s i b , – wie dies on
Ma x gezeig und on Lenin wiede hol wo den is .“470
Vielleich zeig sich hie in de deu lichs e Un e schied des Ös e eiche s Schumpe e zu
Ös e eichischen Schule de Na ionalökonomie, abe auch zum F eibu ge O dolibe alismus.
Wenn Hayek und Eucken ü kla e Au gaben des S aa es plädie en, ihn obe halb de
Wi scha sehen, is Schumpe e be ei , ihn au zugeben. Es geh dabei abe nich nu um die
Rolle des S aa es in de Wi scha . Schumpe e is sich öllig bewuss , dass es um die
gesam e soziale Sphä e menschlichen Lebens geh . So wie e selbs den Kapi alismus in
einen g öße en kul u ellen Zusammenhang ges ell ha , so sei dies auch mi dem
Sozialismus zu un, wobei Schumpe e zuges eh , dass dies bis au einige „Langweile “ auch
die meis en Sozialis en ge an hä en:471
„Wi wollen uns ielmeh eingedenk bleiben, daß de Sozialismus nach höhe en
Zielen als ollen Bäuchen s eb , genauso wie das Ch is en um meh bedeu e
als die eichlich hedonis ischen We e des Himmels und de Hölle. In alle e s e
Linie bedeu e de Sozialismus eine neue kul u elle Wel . Um de en willen kann
man beg ei liche weise ein glühende Sozialis sein, selbs wenn man glaub ,
daß die sozialis ische O dnung hinsich lich de wi scha lichen Leis ung
wah scheinlich un e legen sein wi d. Deshalb kann ein noch so glückliches ein-
ökonomisches A gumen da ü ode dawide niemals en scheidend sein.“472
Doch ü die F age, ob de Sozialismus am Ende unk ionie en kann, nimm Schumpe e
dennoch zunächs eine ökonomische Analyse o . E e wende dabei Beg i e, die aus de
ma k wi scha lichen Wi scha so dnung bekann sind, sch eib beispielsweise on „P eisen“
469 gl Schumpe e (Kapi alismus), S. 268
470 Schumpe e (Kapi alismus), S. 271
471 gl Schumpe e (Kapi alismus), S. 271
472 Schumpe e (Kapi alismus), S. 272
Sei e 105
und „Kos en“.473 Schumpe e e weis abe da au , dass dies keine Te mini sind, au die de
Kapi alismus einen alleinigen Ansp uch habe:
„Die U sache jene Familienähnlichkei is un e dessen auch ohnehin deu lich
sich ba gewo den: unse Sozialismus bo g nich s om Kapi alismus, abe de
Kapi alismus bo g ieles on de du chaus allgemeinen Logik de Wahl.“474
Um zu e s ehen, wie sich aus dem Kapi alismus de Sozialismus en wickeln kann, is
wich ig, sich noch einmal Schumpe e s g undsä zliches Bild des Kapi alismus o Augen zu
üh en. Im Gegensa z zu Eucken e wi Schumpe e den Gedanken de ollkommenen
Konku enz. E is de Au assung, dass de Kapi alismus seine olle Leis ungs ähigkei e s
du ch „Riesenun e nehmungen“ en al en konn e.475 Es is also ge ade die Ve minde ung on
We bewe b, die bei Schumpe e den E olg des Kapi alismus bewi k . Die K i ik iele
Sozialis en, dass die Ma k wi scha nich unk ionie e, weil sie eine Tendenz zu
Konzen a ion wi scha liche Mach in sich habe und dami den We bewe b ausschal e,
womi wiede um ih wesen liche Vo eil e lo engehe, d eh Schumpe e ins Gegen eil.
Ge ade diese Tendenz de Monopolisie ung is ein Vo eil!476 Inso e n is de Übe gang zum
Sozialismus also keine Umkeh des kapi alis ischen P ozesses. Schumpe e e weis
lediglich au E izienzgewinne du ch den Übe gang. So üh e im Kapi alismus ein
Konjunk u einb uch in eine B anche (zum Beispiel in Fo m on Übe schusskapazi ä en, die
abgebau we den ode du ch we e beding e P oduk ionseinb üche in de Landwi scha ), zu
eine Ans eckung in ande en B anchen. De Sozialismus könne solche Konjunk u wellen
besei igen, is Schumpe e übe zeug .477 Den Übe gang zum Sozialismus sieh Schumpe e
deshalb als Möglichkei des Fo sch i s an:
„Und de Gesam inhal unse es A gumen s kann in eine Nußschale Pla z inden,
wenn man sag : die Sozialisie ung bedeu e einen Sch i übe die
G oßun e nehmung hinaus au dem Weg, de du ch diese o gezeichne wo den
is ; ode , was au das gleiche he auskomm : die sozialis ische Lei ung wi d sich
e mu lich dem Kapi alismus de G oßun e nehmung ebenso übe legen
e weisen, wie de Kapi alismus de G oßun e nehmung sich jene A on
Konku enzkapi alismus übe legen gezeig ha , dessen P o o yp die englische
Indus ie o gu hunde Jah en wa . Es is seh wohl möglich, daß kün ige
Gene a ionen au Beweise de Un e legenhei des sozialis ischen Planes ebenso
473 gl Schumpe e (Kapi alismus), S. 289
474 Schumpe e (Kapi alismus), S. 291
475 gl Schumpe e (Kapi alismus), S. 302
476 gl Schumpe e (Kapi alismus), S. 310
477 gl Schumpe e (Kapi alismus), S. 310-312
Sei e 106
he absehen we den, wie wi au Adam Smi h's A gumen e gegen die
Ak iengesellscha en he absehen, die – auch sie – nich ein ach alsch wa en.“478
Die nach Schumpe e s Ansich übe legene ökonomische E izienz des Sozialismus soll
anhand eines wei e en Zi a s beleg we den, in dem Schumpe e au unnö ige Kos en in
eine Ma k wi scha eingeh :
„Ein Elemen diese Kos en soll e besonde s e wähn we den. Es bes eh da in,
daß iele Begabungen ü eiche Schu z-Tä igkei en abso bie we den. Ein
be äch liche Teil de gesam en A bei de Anwäl e geh im Kamp de
Geschä swel gegen den S aa und seine O gane au . Es is unwesen lich, ob
wi dies eine e we liche Obs uk ion gegen das Gemeinwohl ode eine
Ve eidigung des Gemeinwohls gegen jene e we liche Obs uk ion nennen.
Jeden alls bleib die Ta sache bes ehen, daß in eine sozialis ischen Gesellscha
wede Bedü nis noch Raum ü diesen Teil de ju is ischen Tä igkei o handen
wä e. Die esul ie ende E spa nis wi d du ch die Hono a e de au diesem Gebie
a bei enden Ad oka en nu unzulänglich ausged ück . Das is unbe äch lich.
Nich unbe äch lich is jedoch de soziale Ve lus aus solch unp oduk i e
Beschä igung iele de bes en Köp e. Bedenk man, wie ü ch e lich sel en gu e
Köp e sind, so könn e ih e Übe üh ung in ande e Beschä igungen on meh als
in ini esimale Bedeu ung sein.“479
Wich ig ü Schumpe e s Sozialismus: E will ande s als die Ma xis en keine Ume ziehung
des Menschen. S a dessen a ackie e jene Sozialis en, die in de T adi ion Rousseaus
s ehen.480 Diesen e ach e Schumpe e als nich meh zei gemäß. S a dessen lob e die
bü ge lichen Tugenden:
„Denn jede zi ilisie e Sozialis , de e was au sich häl und on e ns en Leu en
e ns genommen we den will, wi d manche Ta sachen in bezug au die Quali ä
und die Leis ungen de bü ge lichen Schich zugeben, die mi eine de a igen
Leh e un e einba sind, und wi d des wei e en a gumen ie en, daß die obe en
Schich en übe haup nich geop e , sonde n im Gegen eil on den Fesseln des
Sys ems be ei we den sollen, welches sie mo alisch nich wenige un e d ück ,
als es die Massen wi scha lich un e d ück . Von diesem S andpunk aus, de mi
de Leh e on Ka l Ma x übe eins imm , is de Weg nich allzu wei zu
Folge ung, daß eine Mi a bei de bü ge lichen Elemen e ech en scheidend ü
den E olg ode Miße olg de sozialis ischen O dnung sein könn e.“481
478 Schumpe e (Kapi alismus), S. 313
479 Schumpe e (Kapi alismus), S. 316
480 gl Schumpe e (Kapi alismus), S. 323
481 Schumpe e (Kapi alismus), S. 325
Sei e 107
Es is die be ei s e wähn e Rolle de Bü ok a en, die im Schumpe e schen Sozialismus eine
en scheidende Rolle spiel . Man beach e nochmals die enge Ve zahnung zwischen
soziologische und ökonomische Sich : Insgesam en wickel sich die Gesellscha wei e ,
scha Vo ausse zungen, au denen de Kapi alismus sich en wickeln kann, doch diese
Kapi alismus wiede um scha gesellscha liche G uppen und ökonomische
P oduk ionss uk u en, die wiede um die Vo ausse zungen ü die En wicklung des
Sozialismus scha en. Eine sozialis ische Wi scha s- und Gesellscha so dnung sei deshalb
nu o s ellba in einem gewal igen bü ok a ischen Appa a , so Schumpe e .482 Diese
Bü ok a ie is ü Schumpe e wiede um nich das Ende de Demok a ie, sonde n eine
E gänzung.483
Zwei Vo eile sch eib Schumpe e dem Sozialismus zu:
„E s ens: die sozialis ische O dnung wi d e mu lich übe jene mo alische
Ge olgscha e ügen, die dem Kapi alismus imme meh e weige wi d. […]
Zwei ens: eines de Haup e diens e de sozialis ischen O dnung bes eh da in,
daß sie die Na u de wi scha lichen Phänomene mi unmiß e s ändliche
Kla hei zeig , wäh end in de kapi alis ischen O dnung ih Gesich hin e de
Maske des Gewinnin e esses e bo gen bleib .“484
De Kapi alismus, so sch eib Schump e , habe seine Au gabe e üll .485 Das zeige sich an
einzelnen B anchen, die be ei s un e S aa s e wal ung s ünden ode abe ei da ü seien,
e wa das T anspo sys em, o allem die Eisenbahn, ode das englische Banksys em.486
482 gl. Schumpe e (Kapi alismus), S. 328
483 gl. Schumpe e (Kapi alismus), S. 329
484 Schumpe e (Kapi alismus), S. 337
485 gl. Schumpe e (Kapi alismus), S. 366
486 gl. Schumpe e (Kapi alismus), S. 366
Sei e 108
3.4.5 Sozialismus und Demok a ie
Wie be ei s angedeu e wu de, sieh Schumpe e den Sozialismus nich im Wide sp uch zu
Demok a ie. Ande s als Hayek leg Schumpe e seinen Fokus au Demok a ie. Hayek geh in
seine Analyse im Gegensa z dazu imme on de indi iduellen F eihei aus, de die
Demok a ie zu dienen habe. Es is abe alsch, Schumpe e als den Ve e e eine
Demok a ie heo ie zu sehen, in de es eine Dik a u de Meh hei übe die Minde hei gib .
Schon ga nich sp ich e sich da ü aus, dass de Sozialismus mi Gewal du chgese z wi d
ode gegen den Willen de Meh hei :
„Jede Ve such, die Menschen zu zwingen, e was anzunehmen, was ü gu und
schön gehal en wi d, was sie abe nich a sächlich wollen – obschon sie es
ielleich schä zen le nen wü den, wenn sie die E gebnisse kenn en –, äg den
S empel eines an idemok a ischen Bekenn nisses.“487
Die Beziehung zwischen den Beg i en Demok a ie und F eihei is ü Schumpe e deu lich
komplexe , als im allgemeinen Geb auch diese Te mini o un e s ell wi d.488 Hie inde sich
also eine Pa allele zu Hayek. Schumpe e e wi die Idee, nach de in demok a ischen
Sys emen de Volkswille du chgese z wi d, in dem eine Volks e e ung, also ein Pa lamen ,
als Rep äsen an des Volkes gewähl wi d:
„Die Geschich e bes eh indessen aus eine Folge on ku z is igen Si ua ionen,
die den Lau de Dinge endgül ig e ände n können. Wenn das ganze Volk
ku z is ig 'zum Na en gehal en' und sch i weise zu e was e üh we den kann,
was es nich eigen lich will, und wenn das kein Ausnahme all is , den wi
übe sehen dü en, so wi d noch so iel gesunde Menschen e s and
ückschauend nich s an de Ta sache ände n können, daß in Wi klichkei das
Volk die S ei agen wede s ell noch en scheide , sonde n daß diese F agen,
die sein Schicksal bes immen, no male weise ü das Volk ges ell und
en schieden we den. Ge ade we die Demok a ie lieb , ha meh G und als
i gend jemand sons , diese Ta sache anzue kennen, und sein
Glaubensbekenn nis on dem Vo wu zu be eien, daß es au Spiegel ech e ei
be uh .“489
Wie Hayek den We de indi iduellen F eihei mi de abendländischen Kul u geschich e
beg ünde , so such auch Schumpe e die Wu zeln ü die Rech e igung de Demok a ie in
de Kul u . Ganz bewuss nimm e keine a ionale Beg ündung o . E sch eib :
487 Schumpe e (Kapi alismus), S. 376
488 gl. Schumpe e (Kapi alismus), S. 366
489 Schumpe e (Kapi alismus), S. 420
Sei e 109
„Das Ch is en um bi g jedoch ein s a k egali ä es Elemen . De E löse is ü
alle ges o ben: e ha keinen Un e schied gemach zwischen Indi iduen
e schiedenen sozialen S andes. Dadu ch ha e Zeugnis abgeleg ü den
inne en We de indi iduellen Seele, einen We , de keine Abs u ungen zuläß .
Is nich dies eine Sank ionie ung – und wie mi schein , die einzig mögliche –,
um 'jeden als einen, niemanden ü meh als einen zu zählen' – eine
Sank ionie ung, die A ikeln des demok a ischen Glaubensbekenn nisses einen
übe i dischen Sinn ein löß , ü die es nich leich is , einen ande en zu inden?
[...]
Wi können unse P oblem auch ande s s ellen und sagen, daß die Demok a ie,
wenn sie au diese Weise mo i ie wi d, au hö , eine bloße Me hode zu sein,
übe die man a ional wie übe eine Damp maschine ode ein Desin ek ionsmi el
disku ie en kann. Sie wi d nun a sächlich zu e was, wozu ich sie on einem
ande n S andpunk aus ü un ähig hiel , nämlich zu einem idealen ode ich ige
zum Teil eines idealen Schemas de Dinge.
[…]
Un e diesen Ums änden bedeu e die demok a ische Re olu ion den Anb uch
de F eihei und de Ans ändigkei und de demok a ische Glaube ein
E angelium de Ve nun und Ve besse ung.“490
Schumpe e bekenn sich also als Demok a , weis abe au die Schwächen de klassischen
Demok a ieleh e hin. In diese klassischen Leh e we den de Wähle scha ixe und a ionale
Ansich en übe Einzel agen zugebillig . Diese Ansich en we den dann dadu ch in poli ische
En scheidungen umgese z , indem die Wähle Rep äsen an en wählen, die en sp echende
Gese ze und Ve o dnungen e lassen und so den Wähle willen du chse zen.
Doch Schumpe e d eh diesen P ozess ins Gegen eil. E de inie :
„Die demok a ische Me hode is diejenige O dnung de Ins i u ionen zu
E eichung poli ische En scheidungen, bei welche einzelne
En scheidungsbe ugnis e mi els eines Konku enzkamp s um die S immen des
Volkes e we ben.“491
Zusammenge ass unk ionie Demok a ie nach Schumpe e olgende maßen: Meh e e
Bewe be um die Mach ingen um die Guns de Wähle . Es komm zu eine Konku enz um
Wähle s immen. Die Au gabe des demok a ischen P ozesses bes eh also nich meh p imä
da in, dass Rep äsen an en gewähl we den, die den Meh hei swillen du chse zen, sonde n
da in, dass es einen We bewe b um die Mach gib . Fü Schumpe e klä diese
490 Schumpe e (Kapi alismus), S. 422-425
491 Schumpe e (Kapi alismus), S. 428
Sei e 110
He angehensweise und seine E klä ung on Demok a ie auch das Ve häl nis on
Demok a ie und indi iduelle F eihei . Dazu weis e zunächs da au hin, dass keine
Gesellscha absolu e indi iduelle F eihei dulde – nich einmal absolu e Gewissens- und
Rede eihei , wie e be on – abe auch keine Gesellscha indi iduelle F eihei öllig
besei igen könne. Dies sei le z lich eine F age des G ades. Wenn die Demok a ie abe so
ausges al e sein soll, dass jede die F eihei besi z , sich um die poli ische Füh ung zu
bewe ben und Wahlkamp zu be eiben, dann olg ü Schumpe e da aus, dass es auch ein
be äch liches Maß an Diskussions eihei gib beziehungsweise geben muss.492
Insbesonde e die P esse eihei müsse dann no male weise gewäh sein, so Schumpe e .
P o ozie end sch eib e :
„Demok a ie is die He scha des Poli ike s.“493
Schumpe e weis da übe hinaus da au hin, dass in de Demok a ie – selbs nach den
klassischen Vo s ellungen – nich wi klich de Wille des Volkes du chgese z wi d, sonde n
de de Meh hei .
Aus seine Analyse de Demok a ie olg ü Schumpe e die F age nach dem
Pa lamen a ismus, also de Zusammense zung de gese zgebenden Kö pe scha nach
S imman eilen:
„Wenn die Ane kennung de Füh ung die eigen liche Funk ion de S immabgabe
de Wähle scha is , b ich die Ve eidigung des P opo zes zusammen, weil ih e
P ämissen nich meh bindend sind. Das P inzip de Demok a ie bedeu e
ein ach, daß die Zügel de Regie ung jenen übe geben we den soll en, die übe
meh Un e s ü zung e ügen als die ande en, in Konku enz s ehenden
Indi iduen ode Teams. Und dies wiede um schein die Gel ung des
Majo i ä ssys ems inne halb de Logik de demok a ischen Me hode zu siche n,
obschon wi es au ande en Gebie en, die auße halb diese Logik liegen, imme
noch e u eilen mögen.“494
Schumpe e zieh aus seinen Analysen den Schluss:
„Zwischen dem Sozialismus nach unse e De ini ion und de Demok a ie nach
unse e De ini ion bes eh keine no wendige Beziehung: sie können
ohneeinande exis ie en. Gleichzei ig bes eh keine Un e einba kei : bei
en sp echendem S and de sozialen Umwel kann die sozialis ische Maschine
nach demok a ischen P inzipien lau en.“495
492 gl. Schumpe e (Kapi alismus), S. 431
493 Schumpe e (Kapi alismus), S. 452
494 Schumpe e (Kapi alismus), S. 433
495 Schumpe e (Kapi alismus), S. 451
Sei e 111
Als eine Bedingung, dass die Demok a ie e olg eich unk ionie , nenn Schumpe e , dass
die Sphä e poli ische En scheidungen beg enz bleib .496 Es geh Schumpe e also nich
da um, die S aa s ä igkei zu beg enzen, sonde n die poli ische Tä igkei . Bei ielen
Sach agen müss en die Poli ike Spezialis en das Feld übe lassen.497 Schumpe e nenn
einige Beispiele, wie sich die Tä igkei des S aa es auswei en lasse, ohne dass es zu eine
Ve g öße ung de poli ischen Sphä e komm . Eines da on is die Finanzie ung de
Uni e si ä en in einigen US-Bundess aa en. De S aa inanzie e die Hochschulen, dennoch
blieben diese au onom und ei on s aa liche Einmischung.498 Die Beispiele zeig en:
„So is es denkba , daß as alle menschlichen Belange in die Sphä e des
S aa es einbezogen und doch nich s ä ke Gegens and des poli ischen Kamp es
we den, als es beding is du ch die Du chb ingung des Gese zes, das die
Vollmach e eil , die Behö de e nenn , die sie ausüb , und den Kon ak he s ell ,
de du ch die Rolle de Regie ung als allgemeine Au sich sbehö de implizie is .
Es is na ü lich ich ig, daß diese Au sich zu eine e de blichen Beein lussung
ausa en kann. Die Mach des Poli ike s, das Pe sonal nich -poli ische
ö en liche S ellen zu e nennen, wi d, wenn hemmungslos ausgeüb , o an sich
schon genügen, um diese zu ko umpie en. Doch das be üh das agliche
P inzip als solches nich .“499
Schumpe e is de Übe zeugung, dass die gesam e Wi scha s aa lich be ieben we den
kann, dass dabei abe gleichzei ig de poli ische Be eich besch änk we den kann.500 Die
demok a ischen Ins i u ionen de kapi alis ischen Ä a müssen seine Ansich nach nich mi
dem Kapi alismus un e gehen. Allgemeine Wahlen, Pa eien, Pa lamen e, Kabine e und
Minis e p äsiden en könn en sich auch in de sozialis ischen Wi scha so dnung als passend
und unk ions üch ig e weisen.501 Um dies zu wiede holen: Dami de Sozialismus übe leben
kann, is ü Schumpe e en scheidend, dass die Gesellscha und o allem die Wi scha
eine gewisse Rei e besi z .502 Das bedeu e , dass im kapi alis ischen Sys em die
G oßun e nehmen eine en scheidende Rolle im P oduk ionsp ozess einnehmen und so de
G ad de Bü ok a isie ung en sp echend wei o gesch i en is .
Ganz zum Ende seines bedeu ends en We kes äum Schumpe e abe mi Illusionen übe
den Sozialismus au :
496 gl. Schumpe e (Kapi alismus), S. 463
497 gl. Schumpe e (Kapi alismus), S. 464
498 gl. Schumpe e (Kapi alismus), S. 464
499 Schumpe e (Kapi alismus), S. 465
500 gl. Schumpe e (Kapi alismus), S. 464
501 gl. Schumpe e (Kapi alismus), S. 477
502 gl. Schumpe e (Kapi alismus), S. 478
Sei e 118
Dami e olg Schumpe e un e den d ei P o agonis en eindeu ig ein am wenigs en an de
F eihei de indi iduellen Pe son ausge ich e es Gesellscha sideal, obwohl e indi iduell
handelnde Pe sonen gemäß seine Un e nehme heo ie auch in de Bü ok a ie ü
en scheidend häl . E e i dami die kollek i is ischs e Gesellscha s heo ie.
Sei e 119
3.5.2 Die sozial heo e ischen G undlagen Schumpe e s
Alle dings lassen sich seine Vo s ellungen nich ein ach eino dnen. Wie gezeig wu de, geh
die Be onung de posi i en F eihei zum Teil au Rousseau zu ück, wenngleich Schumpe e
wenig on Rousseaus Idee häl , den S aa sbü ge e ziehen zu müssen. Schumpe e will die
Menschen im G unde so nehmen wie sie sind.
G undsä zlich läss sich Schumpe e iel schwe e als ande e in eine Denkschule eino dnen.
McC aw weis da au hin, dass au Schumpe e Au o en wie Hegel, Com e, Nie zsche, Ma x,
F eud und Webe Ein luss ausüb en.521 Vielleich ha Schumpe e on allen Au o en e was
übe nommen. McC aw sch eib jedoch, dass insbesonde e Max Webe s Ideen einen
unmi elba en Ein luss au Schumpe e ha en. E habe die in Webe s Sch i en en hal enen
Ideen neu o mulie und ü seine eigenen Syn hesen genu z .522 Ein Aspek in Schumpe e s
Denken, de sich be ei s bei Webe inde , is de de zunehmenden Bü ok a isie ung de
Gesellscha . Diese sieh Webe als „die Keimzelle des mode nen okziden alen S aaa es“523.
Da übe hinaus inde sich be ei s bei Webe die Idee, dass Demok a ie im Wesen lichen
wenige die He scha des Volkssou e äns is , sonde n de We s ei on Poli ke n, „weil
alle Poli ik im Wesen nach Kamp is “524. Webe s Analyse on den Vo ausse zungen des
Kapi alismus – die En wicklung seines Geis es – inde sich auch bei Schumpe e ,
wenngleich diese sich nich wie Webe au den „Go des Cal inismus“ bezieh , sonde n die
b ei e e En wicklung des abendländischen Denkens be ücksich ig . Beide ein abe die
E kenn nis, dass de Kapi alismus le z lich au Vo ausse zungen au bau , die nich aus de
kapi alis ischen Ra ionali ä s ammen.
Wei e oben wu de e wähn , dass Schumpe e das P og amm de His o ischen Schule
(Gus a Schmolle ) ga zum P og amm de Zukun e hoben ha . Schmolle wiede um wi d
on Winkel als Zwei-F on en-Kämp e des 19. Jah hunde s da ges ell : einmal gegen die
„Manches e -Libe alen“, zum ande en gegen die Sozialis en um Ma x ode Lassalle.525 E
billig e dem S aa eine Mi wi kung an de Lösung de sozialen F age zu. Zwa wu de gezeig ,
dass Schumpe e zu seine Zei deu lich skep ische in Bezug au s aa liche Eing i e in den
Ma k p ozess wa – e k i isie e die Poli ik F anklin D. Roose el s. Abe e schloss eben
auch den Übe gang zu einem demok a ischen Sozialismus nich aus. Schumpe e is dami
ande s als Hayek ode auch Eucken iel wenige in de libe alen Philosophie e wa de
scho ischen Au klä ung e anke .
521 gl. McC aw S. 188
522 gl. McC aw S. 188
523 Webe , M.: Wi scha und Gesellscha . G und isse de e s ehenden Soziologie, 5. Au lage, Tübingen: 1980, S. 128
524 Webe , Wi scha und Gesellscha , S. 861
525 gl. Winkel, H.: Gus a on Schmolle , in: S a ba y, J. (Hg): Klassike ökonomischen Denkens. Von Pla on bis John
Mayna d Keynes, Hambu g: 2008, S. 97 – 118, S. 101
Sei e 120
3.6 Die Rolle des Geldes und de K edi schöp ung bei Schumpe e
im Ve gleich zu Hayek und Eucken
De deu lichs e Un e schied Schumpe e s zum Theo iegebäude Hayeks und Euckens inde
sich in de Bedeu ung on Banken und de K edi schöp ung, also die Ve gabe on K edi en
du ch die Banken aus nich o handenen Spa einlagen. Schumpe e be ach e die
K edi schöp ung „als das mone ä e E gänzungss ück zu Ein üh ung eine Inno a ion“526.
Dagegen woll e Eucken die Gi algeldschöp ung de Banken öllig beenden, ebenso
Hayek.527 Schumpe e e gleich die sozialis ische mi de kapi alis ischen O dnung. In
beiden müsse es eine Neualloka ion de P oduk ionsmi el geben, um den
Inno a ionsmechanismus in Gang zu se zen. Da diese in de kapi alis ischen O dnung, wo
die P oduk ionsmi el in p i a e Hand liegen, nich du ch zen ale Ano dnung umgewidme
we den können, muss dies olge ich ig übe den Ma k mechanismus, übe Käu e und
Ve käu e e olgen.528 Schumpe e sch eib :
„Die Ausgabe neue hie ü gescha ene Zahlungsmi el en sp ich , da unse e
Un e nehme keine eigenen Mi el haben und – bishe – keine E spa nisse
o handen sind, in de kapi alis ischen Gesellscha den om Zen albü o des
sozialis ischen S aa es gegebenen Be ehl.“529
Es inde sich nich s on de Idee de Ös e eichischen Schule, dass nu in es ie we den
kann, was zu o gespa wo den is , dass die wi scha liche En wicklung also ein o ganisch
wachsende P ozess is , de sich so nich nu ealwi scha lich sonde n auch au de Sei e
de Kapi albewegungen zeig . Schumpe e übe äg die En scheidung, wo in es ie und
dami auch was am Ende p oduzie wi d, wie selbs e s ändlich den Banken.530 Zu
E inne ung: Bei Eucken und Hayek sollen dies die Konsumen en en scheiden! Schumpe e
geh soga noch einen Sch i wei e . De Ge ah , dass du ch eine zu hohe Geldschöp ung
die In la ion s eig , bemiss e eine zwei angige Rolle bei.
Zu diese Sich pass , dass Schumpe e den Scho en John Law un e die „e s en
Geld heo e ike alle Zei en“ ein eih e.531 Law p opagie e zu Beginn des 18. Jah hunde s
das Papie geld. Edelme allgeld sei nich aus eichend e meh ba und zu unp ak isch im
Umgang, um dami k ä ige Konjunk u au schwünge zu inanzie en, lau e e sein A gumen .
Law e a bei e e deshalb das Konzep eines du ch G und und Boden gedeck en
Papie geldes. Schumpe e s Übe zeugung, dass geschöp es Geld und die K edi e gabe de
Banken Vo ausse zung ü die inno a i e Tä igkei de Un e nehme sind, nahm Law gu 300
526 Schumpe e , J.: Konjunku zyklen, Gö ingen: 2008, S. 119
527 gl. Sei e 59 diese A bei
528 gl. Schumpe e (Konjunku zyklen), S. 119
529 Schumpe e , J.: Konjunku zyklen, Gö ingen: 2008, S. 119
530 gl. Schumpe e (Konjunku zyklen), S. 121
531 gl. B aunbe ge , G.: Au s ieg und Fall on John Laws Finanzsys ems, in: FAZ om 1.4.2008, Sei e 25
Sei e 121
Jah e o aus.532 Laws Idee, im Au ag de anzösischen K one mi hil e de No enp esse die
E schließung des Gebie s um den heu igen ame ikanischen Bundess aa Louisiana
o anzu eiben, ende e alle dings im Pla zen eine Ak ienblase. Das Finanzsys em muss e
„abgewickel “ we den.533
Schumpe e sch eib :
„De quan i ä s heo e ische Gesich spunk is öllig sekundä . Ve keh an John
Law wa nich , daß e Zahlungsmi el in acuo schu , sonde n daß e sie ü
Zwecke e wand e, die schei e en. “534
Wesen lich ü Schumpe e s Theo ie is , dass e die Geldschöp ung nu als bedeu end
bemiss , um die Inno a ionen on Un e nehme n zu inanzie en, nich abe , um im Sinne de
S eige ung de allgemeinen Nach age du ch Konsumen enk edi e einen Au schwung au
K edi zu inanzie en.535
Schumpe e äuße e sich auch übe die F age eine Goldwäh ung bzw. des Golds anda ds.
E sch ieb übe dieses Konzep :
„Sie is die Siche hei sb emse, welche de Goldmonome allismus au oma isch in
die Maschine ie einbau . Wenn in einem solchen mone ä en Sys em Gese z ode
Gewohnhei wei e e Besch änkungen au e legen, so können sie keinen ande en
Sinn haben, als diese B emse zu e s ä ken und ih Funk ionie en zu siche n.“536
Deu liche is seine K i ik an de Idee, dass die Zen albank ezessi e ode dep essi e
Phasen de konjunk u ellen En wicklung mi hil e de Zinspoli ik bekämp en könne:
„Selbs eine du ch kein Gese z besch änk e Fähigkei , K edi e zu schöp en,
bedeu e noch nich die a sächliche Fähigkei , sie zu schöp en, geschweige
denn, sie wi ksam we den zu lassen.“537
Fü Schumpe e bes eh olglich „im Ve lau de Dep ession kein g oße Wi kungsbe eich ü
die Ini ia i e de Zen albank.“538 Ande s in Zei en wi scha liche E holung. Hie hä en die
Zen albanken o allem im 19. Jah hunde meh un können, um b emsend zu wi ken.539
Alle dings habe dies die ö en liche Meinung, wie Schumpe e sch eib , e hinde .540 Dami
wiede um is Schumpe e in de Nähe Hayeks und Euckens.
Doch in F agen de Geldpoli ik bleib ein An agonismus zu den im e s en Haup kapi el
behandel en P o agonis en. Schumpe e un e scheide zwischen den Wi kungen de
532 gl. B aunbe ge , G.: Au s ieg und Fall on John Laws Finanzsys ems, in: FAZ om 1.4.2008, Sei e 25
533 gl. B aunbe ge , G.: Au s ieg und Fall on John Laws Finanzsys ems, in: FAZ om 1.4.2008, Sei e 25
534 Schumpe e (Konjunku zyklen), S. 122
535 gl. Schumpe e (Konjunku zyklen), S. 122-126
536 Schumpe e (Konjunku zyklen), S. 129
537 Schumpe e (Konjunku zyklen), S. 673
538 Schumpe e (Konjunku zyklen), S. 677
539 Schumpe e (Konjunku zyklen), S. 678
540 Schumpe e (Konjunku zyklen), S. 678
Sei e 122
Zen albank au die Ve mögensmä k e und den do s a indenden Übe eibungen und dem
Au und Ab des Konjunk u zyklus. E sch eib :
„Inne halb eines abgeschlossenen Be eichs is das Ve häl nis de Zen albanken
zu dem on uns so genann en leich sinnigen Bankgeschä , zu spekula i en
Auswüchsen, be üge ische ode e an wo ungslose Geschä s ä igkei –
besonde s inanzielle A – eine de beiden wich igen Punk e und die
Behandlung on K isen und Paniken de ande e.
Eine wi klich wi kungs olle Bekämp ung des e s genann en wü de eine
Au sich sgewal e o de n, die den Zen albanken bis heu e noch nich zu Gebo e
s and. Diese Un ähigkei des Kapi alismus, sich selbs zu beau sich igen, is
ebenso au ällig wie sein Un e mögen, sich selbs zu schü zen – e b auch
imme einen Polizis en und einen P o ek o nich -bü ge liche Fä bung, de ihn
egulie , schü z und ausbeu e . […] ge ade dieses Un e mögen e zeug K isen
zum Un e schied on bloßen Dep essionen.“541
Schumpe e e wi gleichzei ig die Idee, dass eine zu spä e expansi e Reak ion de
Zen albanken Wi scha sk isen he o u , ges eh abe zu, dass in de Ve gangenhei die
Zen albanken du ch ih e Maßnahmen zu eine zei lichen Ve kü zung on wi scha lichen
Einb üchen ge üh haben.542
Dami läss sich es hal en, dass zwischen den geldpoli ischen Konzep en Hayeks und dem
Schumpe e s ein g undlegende Un e schied bes eh . Das zeig sich am au älligs en, wenn
man Hayeks Konzep des Wäh ungswe bewe bs nimm . Kaum e was könn e diesem
Konzep wide sp üchliche en gegens ehen als die Idee, dass die Banken in die Rolle eines
zen alen Plane s schlüp en, de ü die Umwidmung olkswi scha liche Ressou cen so g .
Schumpe e s eh mi seine Vo s ellung de gesam en Ös e eichischen Schule de
Na ionalökonomie diame al en gegen.
Na ü lich gib es auch Anknüp ungspunk e. Schumpe e is g undsä zlich skep isch, was den
Ein luss de Zen albank au den Konjunk u ablau angeh , wenngleich e ihn nich öllig
abs ei e . Das gil insbesonde e ü seine K i ik an den Möglichkei en de Geldpoli ik, du ch
Zinspoli ik Dep essionen zu e hinde n. Ähnlich wie die Ös e eiche ha e hie das Bild o
Augen, dass eine Dep ession mi un e nö ig is , um eine Realloka ion olkswi scha liche
Ressou cen zu e wi ken.
Dami zeig sich auch ein Anknüp ungspunk zu Eucken, de on eine Konjunk u s eue ung
eben alls wenig wissen woll e. Alle dings is Eucken wie Hayek g undsä zlich wesen lich
skep ische als Schumpe e in Bezug au die geldpoli ische S eue ungs ähigkei de
541 Schumpe e (Konjunku zyklen), S. 679
542 Schumpe e (Konjunku zyklen), S. 680
Sei e 123
Konjunk u . Eucken und Hayek be on en o allem die In la ionsge ah , Schumpe e
behandel diese F age dagegen un e geo dne . Die Geldschöp ung, die Eucken mi els eines
hunde p ozen igen Mindes ese esa zes allein de Zen albank un e s ellen will, bleib bei
Schumpe e bei den Banken. Man kann hie aus jedoch nich ablei en, dass Schumpe e
ma k wi scha liche gedach ha als Eucken. Vielmeh ha e die Banken wie da ges ell als
eine A zen alen Plane angesehen, wäh end Eucken genau solche Ein ich ungen im
In e esse eine dezen alisie en Ma k wi scha e hinde n woll e. Unzwei elha a
Schumpe e im Ve gleich zu Eucken dami ü eine Geldpoli ik ein, bei de ein expansi es
Elemen – nämlich die Finanzie ung on In es i ionen übe K edi - und Geldschöp ung – eine
wesen liche Rolle spiel e.
Dami gil : Schumpe e kann im Sinn de F age diese A bei als Ve e e eine Geldpoli ik
s ehen, die expansi e ausge ich e is als es Eucken und e s ech Hayek ü e e ba
hiel en.
Im o angegangenen Haup kapi el wu den die geldpoli ischen Konzep e Euckens und
Hayeks o allem anhand des Maßs abs, welche Rolle dem S aa in de Geldpoli ik
zugeo dne wi d, e glichen. Dabei zeig e sich, dass Eucken dem S aa in de Geldpoli ik ein
wesen lich s ä ke es Gewich zuo dne als Hayek, schon weil e ü eine Bekämp ung on
De la ion ein i . Dami kann Eucken im Ve gleich zu Hayek unzwei elha als Ve e e eine
expansi e en Geldpoli ik angesehen we den.
Reih man die d ei bishe behandel en Ökonomen – Hayek, Eucken und Schumpe e –
aneinande e gib sich somi , dass Hayek das kon ak i s e geldpoli ische Konzep e i
und Eucken in de Mi e s eh .
Spä es ens mi seine Fo de ung nach eine P i a isie ung des Geldwesens ha sich Hayek
eindeu ig da on dis anzie , dass die Geldpoli ik e wa in Fo m de K edi schöp ung du ch die
Banken nö ig ode sinn oll ü den ökonomischen P ozess is . Eucken ges eh zu, dass ohne
diese Fo m de K edi - und Geldschöp ung die Indus ialisie ung langsame o gesch i en
wä e, sieh da in abe zugleich die U sache on In la ion und De la ion.543 Um beides –
In la ion und De la ion – zu e meiden, plädie Eucken ü eine Wa en ese ewäh ung in
Ve bindung mi einem 100-P ozen -Rese esa z de Banken. Sein Ziel is dabei nich die
S ä kung de Rolle des S aa es in de Wi scha spoli ik, sonde n im Gegen eil die
Reduzie ung s aa liche Tä igkei . E will ein unabhängiges s abiles O dnungselemen ü die
Ma k wi scha scha en und den Zusammenhang zwischen Spa en und In es i ion s ä ken,
die Geldschöp ung de Banken eduzie en. Eucken is also, auch dies wu de gezeig , im
Sinne Ande eggs Ve e e eine gesellscha s e aglichen Geldo dnung. Bei Schumpe e
inden sich dagegen du ch seine Be onung de K edi schöp ung de Banken und de
543 Vgl. Eucken, G undzüge de Wi scha spoli ik, S. 258
Sei e 124
Fo de ung nach Regulie ung, um die spekula i e Tä igkei des Bankwesens einzudämmen,
s a ke küns liche Elemen e in de Geldo dnung. Geld ha hie nich meh nu die klassischen
Funk ionen – Tauschmi el, Recheneinhei und We au bewah ungsmi el – sonde n wi d
eben auch zu S eue ung de Wi scha und des Inno a ionsp ozesses geschöp .
Sei e 125
3.7 Zwischen azi zu Hayek, Eucken und Schumpe e
Auch ü den d i en P o agonis en diese A bei läss sich die F age diese A bei posi i
bean wo en. Schumpe e ha wie gezeig das kollek i is ischs e Gesellscha sbild. E plädie
zwa nich ü den Sozialismus und e eidig eine wei gehende Laissez- ai e-Poli ik im
Kapi alismus, sag abe dennoch den Sieg des Sozialismus o aus und besch eib , wie e
unk ionie en könne. In eine sozialis ischen Demok a ie häl e die indi iduellen
F eihei s ech e du ch die Siche s ellung des poli ischen We bewe bs ü aus eichend
ga an ie – ein undamen ale Un e schied zu Hayek und Eucken. Da übe hinaus s eh e in
eine Denk adi ion, die wenig Be üh ung mi de libe alen Philosophie de scho ischen
Au klä ung ha . E s eh ielleich soga Rousseau nähe als Locke ode Hume. Seine
geis igen Vä e sind Schmolle und Webe , wobei o allem e s e e du chaus s aa liche
Eing i e in die Wi scha be ü wo e e.
Gleichzei ig zeig e zwa eine gewisse Skepsis bezüglich de Möglichkei des S aa es, du ch
Geldpoli ik (und Haushal spoli ik) die Konjunk u posi i zu s eue n. E e eil diese Idee abe
keine eindeu ige Absage. Und o allem: Schumpe e häl die K edi schöp ung de Banken
ü nö ig, um den gesellscha lichen P oduk ionsp ozess inno a i zu s eue n – ein eindeu ig
expansi es Elemen de Geldpoli ik.
Sei e 126
4 Mil on F iedman – F eihei und das Wachs um de
Geldmenge
Vo allem die poli ische Linke ha sich kaum einen Ökonom so seh als Lieblings eind
ausgesuch wie den im Jah 2006 e s o benen Ame ikane Mil on F iedman. Unzwei elha
wa F iedman eine de ein luss eichs en Libe alen des 20. Jah hunde s. Die Concise
Encyclopedia o Economics bezeichne F iedman als den „p ominen es en Anwal eie
Mä k e im 20. Jah hunde “.544
4.1 Mil on F iedman: zu Pe son
F iedman wu de im Jah 1912 als Sohn jüdische Immig an en in New Yo k gebo en.545 Im
Al e on 20 Jah en e wa b e an de Ru ge s Uni e si y seinen e s en akademischen
Abschluss. Ein Jah spä e , im Jah 1933, schloss e sein Mas e s udium an de Uni e si y o
Chicago ab. Im Jah 1946 wu de e an de Columbia Uni e si y in New Yo k p omo ie .
1976 wu de F iedman mi dem Ökonomie-Nobelp eis ü seine A bei en au dem Gebie de
Analyse des Konsums, de Geschich e und Theo ie des Geldes und ü seine Demons a ion
de Komplexi i ä de S abili ä spoli ik ausgezeichne . Zu o wa e Be a e on P äsiden
Richa d Nixon. Nach seine Eme i ie ung an de Uni e si y o Chicago im Jah 1977 o sch e
F iedman bis an sein Lebensende an de Hoo e Ins i u ion de S an o d Uni e si y. 546
Seinen wissenscha lichen Du chb uch ha e F iedman im Jah 1945 mi dem We k „Income
om Independen P o essional P ac ice“, das e zusammen mi Simon Kuzne s e ö en lich
ha e.547 Da in o de e e eine S ä kung des We bewe bs im medizinischen Be eich.548 Eine
Wegma ke in F iedmans akademischem Leben wa die Ve ö en lichung „A Theo y o he
Consump ion Func ion“ im Jah 1957, in dem e die bis dahin o he schende These on
Keynes wide leg e, dass die Bü ge s e s einen es en Teil ih es Einkommens spa en und
einen es en Teil konsumie en.549 F iedman s ell e in diesem We k die bis heu e in de
Ökonomik e b ei e e „Pe manen e Einkommenshypo hese“ au , die im Wesen lichen
besag , dass die Indi iduen ih en Konsum übe ih e gesam e Lebenszei e suchen zu
glä en, also ih em gesam en Lebenseinkommen anpassen.
Die Concise Encyclopedia o Economics bezeichne F iedmans We k „Capi alism and
F eedom“ als wich igs es ökonomisches Buch de 1960e Jah e.550 F iedman plädie da in
ü den klassischen Libe alismus und o de un e ande em die Abscha ung de Weh p lich ,
544 Vgl. The Concise Enzyklobedia o Economics, zi ie nach: www.econlib.o g/lib a y/Enc/bios/F iedman.h ml (S and: 28. Juli)
545 Vgl. The Concise Enzyklobedia o Economics, zi ie nach: www.econlib.o g/lib a y/Enc/bios/F iedman.h ml (S and: 28. Juli)
546 Vgl. The Concise Enzyklobedia o Economics, zi ie nach: www.econlib.o g/lib a y/Enc/bios/F iedman.h ml (S and: 28. Juli)
547 Vgl. The Concise Enzyklobedia o Economics, zi ie nach: www.econlib.o g/lib a y/Enc/bios/F iedman.h ml (S and: 28. Juli)
548 Vgl. The Concise Enzyklobedia o Economics, zi ie nach: www.econlib.o g/lib a y/Enc/bios/F iedman.h ml (S and: 28. Juli)
549 Vgl. The Concise Enzyklobedia o Economics, zi ie nach: www.econlib.o g/lib a y/Enc/bios/F iedman.h ml (S and: 28. Juli)
550 Vgl. The Concise Enzyklobedia o Economics, zi ie nach: www.econlib.o g/lib a y/Enc/bios/F iedman.h ml (S and: 28. Juli)
Sei e 127
lexible Wechselku se, eien Zugang zu bishe lizensie en Be u en, eine nega i e
Einkommens eue sowie Bildungsgu scheine ans elle s aa liche Uni e si ä en. Auße dem
s ell e in eine spä e en Au lage des Buches seine be ühm e Regel o , nach de die
Geldmenge mi eine kons an en Ra e zwischen d ei und ün P ozen wachsen solle – die
G und hese des Mone a ismus. Diese These wu de o allem du ch das 1963 zusammen mi
Anna Schwa z e ö en liche Buch „Mone a y His o y o he Uni ed S a es, 1867 – 1960“
be ühm . Da in wi d de US-No enbank Fede al Rese e (Fed) eine Mi schuld an de G oßen
Dep ession zu Beginn de 1930e Jah e gegeben. De Vo wu lau e , dass die Fed kein
Geldmengenziel e olg e und deshalb dem Einb uch in de Geldnach age nich
gegens eue e.
Be ei s im Jah 1956 ha e F iedman in „S udies in he Quan i y Theo y o Money“
a gumen ie , dass lang is ig ein höhe es Wachs um de Geldmenge zwa die P eise in eine
Volkswi scha s eigen läss , abe wenig ode keinen E ek au den gesam wi scha lichen
Ou pu ha :551 Ku z is ig könne alle dings ein höhe es Geldangebo die Beschä igung und
das Wi scha swachs um s eige n, wäh end ein sinkendes Geldangebo den gegen eiligen
E ek habe.
Mi seinem We k ha F iedman die gängige These de keynesianischen Mains eam-
Ökonomie e wo en, dass es einen T ade-o gib zwischen In la ion und A bei slosigkei
gib , die sogenann e Phillippsku e. Diese Sich kam in Deu schland du ch ein be ühm es
Zi a on Helmu Schmid zum Ausd uck. Vo seine Am szei als Bundeskanzle sag e
Schmid einmal:
„Fün P ozen In la ion sind leich e zu e agen als ün P ozen
A bei slosigkei .“552
F iedman a gumen ie e, dass die A bei slosigkei , sobald die Menschen die höhe e
In la ions a e an izipie en, wiede s eigen wü de. Nu du ch eine imme höhe e
Teue ungs a e könne somi die A bei slosigkei nied ig gehal en we den, so F iedman.
Die S ag la ion de 1970e Jah e übe zeug e iele Ökonomen on diese Sich , es kam zu
mone a is ischen Gegen e olu ion (nach de keynesianischen Re olu ion, die du ch das
We k „The Gene al Theo y o Emplyomen , In e es and Money“ im Jah 1936 ausgelös
wo den wa ).
551 Vgl. The Concise Enzyklobedia o Economics, zi ie nach: www.econlib.o g/lib a y/Enc/bios/F iedman.h ml (S and: 28. Juli)
552 Schmid , H., zi ie nach: 2 P ozen = 5400, in: De Spiegel Numme 45, Hambu g: 1972, S. 98; Anme kung: Schmid wa
damals Doppelminis e ü Wi scha und Finanzen
Sei e 134
Wie be ei s angedeu e wu de, lieg F iedman bei de F age, wie mi wi scha lichen
Monopolen umzugehen sei, zwischen Hayek und Eucken. Das soll nochmals olgendes Zi a
F iedmans e deu lichen:
„Ein Aus ausch kann nu dann als wi klich eiwillig bezeichne we den, wenn es
annähe nd gleichwe ige Al e na i en gib und eine ech e F eihei des
Aus auschs nich du ch Monopole unmöglich gemach wi d. In de P axis
en s ehen Monopole häu ig – wenn nich soga imme – du ch
Regie ungssub en ionen ode du ch kollek i e Absp achen de einzelnen
Un e nehme . Die Schwie igkei bes eh also da in, die s aa liche Begüns igung
on Monopolen zu e hinde n ode eine wi ksame Gese zgebung, wie sie die
An i-T us -Gese ze da s ellen, zu un e s ü zen. Ein Monopol kann auch
en s ehen, weil es aus echnischen G ünden e izien is , einen einzelnen
P oduzen en ode ein einzelnes Un e nehmen zu haben. Ich wage zu behaup en,
dass diese Fälle sel ene sind, als man gemeinhin annimm , abe zwei ellos gib
es sie.“579
Was F iedman als echnische Monopole bezeichne , auch in de mode nen
wi scha swissenscha lichen Li e a u ehe un e dem Beg i na ü liches Monopol au . Beide
Beg i e meinen abe dasselbe. Wie nun soll aus F iedmans Sich mi Monopolen
umgegangen we den? E sch eib :
„Hen y Simons, de die ö en liche Kon olle on Monopolen in den Ve einig en
S aa en un e such e, kam zu de a e sch eckenden E kenn nissen, dass e je z
die Meinung e i , ein S aa smonopol sei das kleine e Übel. Wal e Eucken, de
als deu sche Libe ale das S aa smonopol de Eisenbahn in Deu schland
un e such e, kam seine sei s zu so e sch eckenden E gebnissen, dass e die
ö en liche Kon olle ü das kleine e Übel häl . Nachdem ich aus beiden
Beispielen gele n habe, komme ich wide Willen zu dem Schluss, dass ein
maß olles P i a monopol wohl das kleins e Übel is .“580
F iedman leg sich hie nich es . E kons a ie , dass es Fälle geben kann, in denen ein
na ü liches Monopol ein „de- ac o-S aa smonopol“ ech e igen kann, e wa, wenn die Gü e ,
die das Monopol anbie e , unen beh lich sind und gleichzei ig die Monopols ellung seh s a k
is . E ela i ie dabei die heo e ische Idee des olls ändigen We bewe bs:
„Selbs e s ändlich is We bewe b ein ideale Fixpunk , so wie eine Euklidische
Ge ade ode ein Euklidische Punk .“581
579 F iedman, Kapi alismus, S. 52
580 F iedman, Kapi alismus, S. 52
581 F iedman, Kapi alismus, S. 150
Sei e 135
Monopole häl e in de Reali ä ü „ ela i bedeu ungslos“. E sch eib :
„Die Beg i e, wie sie in de Wi scha s heo ie angewand we den, sind ideale
Fixpunk e, die meh zu Analyse bes imm e P obleme als zu Besch eibung
bes ehende Si ua ionen geeigne sind.“582
Wie nun is diese Sich einzuo dnen? F iedman lieg zwischen Hayek und Eucken. Wäh end
es bei Eucken P og amm is , gegen Monopole o zugehen, is F iedman skep isch bezüglich
s aa liche Kon ollen on Monopolen, sieh abe o zdem meh Handlungsbeda als Hayek,
wenngleich e du chaus A gumen e de Ös e eichischen Schule Vo ang gib o denen de
Neoklassik, nämlich dass die meis en Monopole o übe gehende Na u seien und im
Zei ablau e schwinden:
„Ich neige dahe zu de Ansich , dass ein p i a es und unkon ollie es Monopol,
wo imme es möglich is , das kleins e Übel is . Dynamische Ve ände ungen
we den es höchs wah scheinlich au locke n, und es gib zumindes eine
ealis ische Möglichkei , dass de en Auswi kungen spü ba we den könn en.“583
Ande s als Hayek plädie F iedman hie in e essan e weise wenige p inzipien eu, sonde n
p agma isch:
„Unse e P inzipien bie en keine es geleg e und bindende Rich linie da ü ,
inwiewei es zweckmäßig is , in Zusammena bei mi de Regie ung P obleme als
Gemeinscha sau gabe in Ang i zu nehmen, die man im eiwilligen Einsa z
ohne den S aa nu schwe ode ga nich lösen könn e. In jedem einzelnen Fall
eine geplan en In e en ion müssen wi eine Bilanz au s ellen, in de wi die Vo -
und Nach eile gegenübe s ellen.“584
F iedman is also skep ische in Bezug au s aa liche Eing i e in den Ma k , lehn diese abe
nich gene ell ab. S ä ke is seine Ablehnung dagegen, wenn de S aa aus pa e nalis ischen
G ünden in den Ma k p ozess eing ei . F iedman sch eib :
„F eihei is nu ü e an wo ungsbewuss e Menschen ein übe zeugendes
Ziel.“585
Auch hie zeig sich wiede F iedmans g undliegendes Anliegen: Es geh ihm nich
zualle e s um E izienz, sonde n um indi iduelle F eihei en. E e olg dami einen
no ma i en Ansa z. Sein A gumen gegen S aa seing i e is also nich , dass dies den
P ä e enzen de Meh hei wide sp ich , was ja in de Reali ä angesich s de hohen
S aa squo en in den Indus ielände n o ensich lich nich de Fall is . Ökonomisch
582 F iedman, Kapi alismus, S. 151
583 F iedman, Kapi alismus, S. 159
584 F iedman, Kapi alismus, S. 56
585 F iedman, Kapi alismus, S. 57
Sei e 136
gesp ochen k i isie e , dass du ch die S aa s ä igkei die P ä e enzen de Bü ge manipulie
we den, so dass sie seinen no ma i en Vo s ellungen nich meh genügen.
Bei alle Skepsis wende e sich dabei abe nich gene ell gegen Eing i e. Ein Pa e nalismus
ge ich e au jene, die nich ü e an wo ungs oll zu hal en seien, sei un e meidba .586 Als
Beispiel nenn F iedman geis ig behinde e Menschen. Zwa is auch F iedman in libe ale
T adi ion de Ansich , dass es die bes e Lösung wä e, wenn solche Menschen mi de
eiwilligen Hil e ih e Mi menschen echnen könn en. E glaube abe , dass nich
auszuschließen sei, dass ein solche ka i a i e Einsa z nich aus eichen könn e, allein schon
wegen des F ee-Ride -P oblems: We sich nich an de ka i a i en A bei be eilig , e häl
einen Nu zen aus dem sozialen Einsa z ande e , es handel sich also um ein dem
geschilde en P oblem de Landes e eidigung e wand es P oblem. F iedman sch eib übe
den Umgang mi Behinde en:
„Wede wollen wi ihnen die F eihei gewäh en, noch wollen wi sie ö en. […]
Aus diesem G und we den wi dami ein e s anden sein, die Obhu und P lege
diese Menschen dem S aa zu übe lassen.“587
Pa e nalismus ge ich e au jene, die nich e an wo ungs oll handeln könn en, sei
un e meidba , so F iedman. Zusammen assend sch eib e übe die Rolle des S aa es in
eine eien Gesellscha :
„Eine Regie ung, die ü Ruhe und O dnung so g , die die Eigen ums ech e
de inie , die ein Ins umen o sieh , mi dem wi die Eigen ums ech e und
ande e Gese ze im Spiel de Wi scha sk ä e ände n können, eine Regie ung,
die Kon o e sen übe die Auslegung de Gese ze en scheide , die Einhal ung
on Ve ägen e zwing , den We bewe b ö de , ein mone ä es Sys em scha ,
sich ü die Bekämp ung echnische Monopole und die Besei igung ih e
Folgewi kungen einse z , wenn dies angeb ach schein , und die die p i a e
Wohl ah und die Familie bei de Fü so ge de Unzu echnungs ähigen, seien es
Geis esk anke ode Kinde , un e s ü z – eine solche Regie ung ha zwei ellos
eine Reihe wich ige Funk ionen zu e üllen. De konsequen e Libe ale is kein
Ana chis .“588
Diesem posi i en Momen des S aa es se z F iedman abe auch G enzen, o allem wenn
es da um geh , welchen An eil an de Wi scha sleis ung eines Landes die S aa sausgaben
haben soll en. Die E ah ung de knapp 20 Jah e zwischen dem Ende des Zwei en
Wel k iegs und dem E scheinen on „Kapi alismus und F eihei “ wide leg nach seine
586 gl. F iedman, Kapi alismus, S. 57
587 F iedman, Kapi alismus, S. 57
588 F iedman, Kapi alismus, S. 59
Sei e 137
Ansich die These, dass die S aa sausgaben s abilisie end au den Konjunk u e lau wi ken.
Vielmeh sei de US-Bundeshaushal die Quelle ü s a ke wi scha liche S ö ungen
gewesen.589 Wenn übe haup eine an izyklische Finanzpoli ik be ieben we den soll, dann
emp iehl F iedman ehe die Einnahmesei e zu e wenden als die Ausgabensei e, also bei
Rezessionen die S eue n zu senken, s a die Ausgaben zu e höhen. Doch g undsä zlich
wende e sich auch gegen diese A on Globals eue ung:
„In de Finanz- wie in de Geldpoli ik – alle poli ischen E wägungen einmal zu
Sei e ges ell – wissen wi ein ach nich genug, um gewoll e, absich liche, wohl
übe leg e Ve ände ungen in de Bes eue ung ode den Ausgaben als wi ksame
S abilisie ungsmechanismen benu zen zu können. Wenn wi es dennoch
e suchen, können wi as siche sein, die Dinge noch schlimme zu machen.“590
Diese Idee de Unwissenhei übe die Komplexi ä eine Volkswi scha e inne an Hayeks
Vo wu de „Anmaßung on Wissen“. F iedman o de , Abs and zu nehmen on eine
Finanzpoli ik, die au die S eue ung de Konjunk u ge ich e is , lehn s aa liche Ausgaben
abe nich g undsä zlich ab, sonde n plädie da ü , die S aa sausgaben allein an den
Au gaben auszu ich en, die die Allgemeinhei liebe dem S aa übe äg als sie indi iduell zu
agen. Dabei dü e es keine Rücksich au die ku z is ig schwankende wi scha liche
S abili ä geben und die S eue quo e müss e sich danach ich en, was de S aa leis en
solle.591
589 gl. F iedman, Kapi alismus, S. 100
590 F iedman, Kapi alismus, S. 101
591 gl. F iedman, Kapi alismus, S. 102
Sei e 138
4.3 F iedmans gesellscha s- und wi scha spoli ische
Vo s ellungen im Ve gleich zu Hayek, Eucken und Schumpe e
Im o angegangenen Kapi el wu de be ei s au die wesen lichen Un e schiede und
Gemeinsamkei en F iedmans mi den zu o behandel en P o agonis en hingewiesen. Sie
sollen nun noch einmal deu lich gemach we den.
Zu Beginn s eh de F eihei sbeg i . Ande s als bei Schumpe e is ü F iedman eine
T ennung on poli ische und wi scha liche F eihei nich möglich. Vielmeh sieh e in
wi scha liche F eihei eine Vo bedingung ü poli ische F eihei . E e nein die Möglichkei ,
dass eine sozialis ische Gesellscha demok a isch sein kann. Dami is F iedmans
Menschen- und Gesellscha sbild eindeu ig indi idualis ische als das Schumpe e s.
Poli ische F eihei en wie die Rede eihei genügen F iedman nich . E is eindeu ig au de
Sei e on Hayek und Eucken.
Wie Eucken, so sieh auch F iedman eine In e dependenz de O dnungen. Wie im e s en
und zwei en Haup kapi el da ges ell wu de, kann Eucken e was kollek i is ische einges u
we den als Hayek, wenngleich beide deu lich s ä ke om Indi iduum aus denken als
Schumpe e . Bei de Be ach ung des F eihei sbeg i s zeig sich, dass F iedman zwischen
Eucken und Hayek s eh . E beginn ande s als Hayek seine Aus üh ungen nich mi dem
nega i en F eihei sbeg i , bei dem es zu Wah ung de indi iduellen F eihei aus eich , wenn
au ein Indi iduum kein Zwang on außen ausgeüb wi d, sonde n olg ehe dem
Euckenschen Ansa z und hema isie das P oblem de Mach . Siche , auch F iedman sieh
wie Hayek le z lich die Ballung on poli ische Mach bei de Regie ung als die
Haup bed ohung de indi iduellen F eihei an. Abe ande s als Hayek und ehe wie Eucken
sieh e eben auch wi scha liche Mach als Ge ah ü die F eihei an.
E geh bei de F age, wie diese Mach zu begegnen sei abe nich so wei wie Eucken. Das
zeig sich o allem an de F age des Umgangs mi Monopolen. Wäh end dies bei Eucken
eines de en scheidenden Anliegen is , bleib F iedman un e explizi e Nennung Euckens
skep isch, will le z lich nu in wenigen Ausnahme ällen s aa liche Eing i e in den Ma k
zulassen, selbs wenn es zu echnischen Monopolen komm .
Wie Eucken, so beschä ig sich auch F iedman nich nu mi de Monopol age, sonde n
auch mi ex e nen E ek en. Auch das ück ihn in Euckens Nähe. Alle dings au e dem
S aa ode s aa lichen Behö den hie wenige zu als Eucken, s eh also wiede zwischen
Hayek und Eucken.
Ein wesen liche Un e schied bes eh auch in de F age des S eue sys ems. Zwa ha auch
Hayek einen p og essi en Ve lau de Einkommens eue nich gene ell abgelehn . Aus
Hayeks Sich wä e eine p og essi e lau ende Einkommens eue dann ge ech e ig , wenn
Sei e 139
sie dazu dien , die gesam e S eue belas ung alle Einkommen p opo ional gleich zu
ges al en.592 Hayeks Zuges ändnis: Da un e e Einkommensschich en häu ig im Ve gleich zu
hohen Einkommensbeziehe n du ch ih e s ä ke e Konsumquo e übe p opo ional iel
Meh we s eue bezahlen, hä en sie bei einem ein p opo ionalen Ve lau de
Einkommens eue eine höhe e ela i e S eue las zu agen als hohe Einkommen. Ein
leich e Ve lau de P og ession in de Einkommens eue könn e das ausgleichen.
Un e m S ich plädie e also auch Hayek ü eine p opo ional gleiche S eue belas ung alle
Einkommen. Nu das wa aus seine Sich ge ech , denn nu dann wü de das P inzip, dass
ü alle Menschen die gleichen G undsä ze angewand wü den, e üll .593
Auch F iedman e a im Wesen lichen Hayeks Posi ion. Auch e wa de Ansich , dass eine
p og essi e Einkommens eue ein Zwangsmechanismus is , de mi eihei lichen P inzipien
nich e einba is und dem Pos ula de pe sönlichen F eihei wide sp ich .594 E ges and
lediglich eine indi ek e P og ession zu, und zwa übe die s eue liche F eis ellung eines
Mindes einkommens. Auße dem plädie e e ü die Ein üh ung eine nega i en
Einkommens eue als einziges Mi el zu Bekämp ung de A mu .595 Diese Vo schlag weich
siche nich g undsä zlich on Hayek ab, de eben alls zuges and, dass eine minimale
Ve so gung de Ä ms en nö ig is , zumindes mi Nah ung und Obdach.596
Es mag Un e schiede in F agen de S eue poli ik zwischen Hayek und F iedman geben, abe
sie sind ma ginal. Einen wesen lichen Un e schied gib es zu Eucken. E plädie e explizi ü
eine p og essi e Einkommens eue , die das Ziel haben solle, die Ve eilungse gebnisse de
We bewe bso dnung zu ko igie en, und die nu dadu ch beg enz sein solle, dass die Höhe
des Spi zens eue sa zes nich nega i au die In es i ions ä igkei wi k .597
Zusammenge ass e gib sich also, dass F iedman sowohl au Basis seine
Gesellscha ssich als auch seine konk e en wi scha spoli ischen Vo s ellungen jensei s de
Geldpoli ik eine Mi elposi ion zwischen Eucken und Hayek einnimm , in einigen Punk en
abe deu lich nähe an Hayek s eh . Dami muss nun au die F age eingegangen we den, ob
sich eine solche Eino dnung auch in Bezug au die geldpoli ischen Vo s ellungen F iedmans
o nehmen läss .
592 gl. Hayek, Ve assung, S. 416
593 gl. Hayek, Ve assung, S. 425
594 gl. F iedman, Kapi alismus, S. 207
595 gl. F iedman, Kapi alismus, S. 228
596 gl. Hayek, Ve assung, S. 407
597 gl. Eucken, Wi scha spoli ik, S. 301
Sei e 140
4.4 F iedmans geldpoli ische Vo s ellungen
F iedman ha seine geldpoli ischen Vo s ellungen im Wesen lichen in einem Sa z
zusammenge ass :
„[...] long-con inued In la ion is always and e e ywhe e a mone a y phenomenon
ha a ises om a mo e apid expansion in he quan i y o money han in o al
ou pu .”598
Es is deshalb kein Wunde , dass F iedman als eine de wich igs en Ve e e de
quan i ä s heo e ischen Gleichung gil . Wie ü Hayek und Eucken wa en auch ü F iedman
s e s die Regie ungen Auslöse on In la ion:
„In de Geschich e inden sich hin eichend Beispiele da ü , dass das
du chschni liche P eisni eau on de gesam en Geldmenge eine
Volkswi scha und nich on de Gewinnsuch de Un e nehme und A bei e
bes imm wi d. Regie ungen u en die Ta i pa ne zu Zu ückhal ung au , weil sie
sich auße s ande sehen, mi ih en eigenen Angelegenhei en – da un e auch die
S eue ung de umlau enden Geldmenge – e ig zu we den, ebenso wie mi dem
ypisch menschlichen Bes eben, Geld zu e dienen und auszugeben.“599
F iedman wa de wich igs e Ve e e des Mone a ismus. E ha dami wei gehend das
Ve s ändnis de mode nen Wi scha swissenscha übe den Zusammenhang on
Geldpoli ik und In la ion mi gep äg . G üne weis da au hin, dass sich bis heu e wei gehend
die mone a is ische Sich auch gegen eine Reihe ande e E klä ungs e suche du chgese z
habe, dass In la ion als ein mone ä es Phänomen zu beg ei en sei. Wenn dem so is , olg
abe , dass allein die mone ä e Au o i ä , also in e s e Linie die No enbank ode die
Regie ung, du ch ih Ve hal en und ih e s a egische In e ak ion mi ande en Ak eu en die
In la ionshöhe bes immen.600 Die Übe zeugung, dass es s e s die Regie ungen und die on
ih abhängigen Wäh ungsbehö den sind, die die In la ion eiben, eil F iedman mi Hayek
und mi Eucken. T o zdem gib es gehö ige Un e schiede, wie Hayek selbs in einem
In e iew, das heu e im In e ne au You ube zu sehen is , deu lich gemach ha . Da in mach
Hayek einen Un e schied aus zwischen de geldpoli ischen Theo ie und de Me hode, wie
Geldpoli ik be ieben we den solle. Hayek:
„In one espec Mil on F iedman is s ill a Keynesian. No on mone a y heo y bu
on me hodology.“601
598 F iedman, M.: Essays on In la ion and Indexa ion, in: Ame ican En e p ise Ins i u e o Public Resea ch, Washing on: 1974,
zi ie nach: Ande egg, R.: G undzüge de Geld heo ie und Geldpoli ik, München: 2007, S. 214
599 F iedman, Kapi alismus, S. 166
600 gl. G üne , H.: Wi scha spoli ik. Alloka ions heo e ische G undlagen und poli isch-ökonomische Analyse, Be lin: 2001, S.
141
601 Hayek, zi ie nach: Balling, S.: S abili ä o Wachs um, in: Schwa z, G. und Wohlgemu h, M. (Hg): Das Ringen um die
F eihei . “Die Ve assung de F eihei ” nach 50 Jah en, Zü ich: 2011, S. 180
Sei e 141
Hayeks Vo wu : F iedman is Mak oökonom. Das habe den E ek , dass e , Hayek, mi
F iedman zwa in de g undsä zlichen Wi scha spoli ik ollkommen eine Meinung sei, abe
eben nich in F agen de Geldpoli ik. Hayek übe F iedman:
„He is con inced and he belie es ha he has his o ically demons a ed ha he e
is a simple ela ionship be ween he o al quan i y o money and he p ice le el.
Fo me, my main di icul y is, ha nobody knows wha he o al quan i y o money
is. Money has so many di e en meanings.“602
Es sei eines de g öß en Unglücke de Volkswi scha sleh e, dass die Leu e an die
Quan i ä s heo ie des Geldes glaub en, wie es die meis en Ökonomen heu e un. Das
mone a is ische Ideengebäude, die ein ache Quan i ä sgleichung: all das pass nich in
Hayeks Denken übe die spon ane O dnung. F iedman denk in olkswi scha lichen
Agg ega en. Hie in zeig sich be ei s ein undamen ale Un e schied zu Hayek. Diese
Un e schied spiegel sich auch in den Vo s ellungen übe die op imale Geldo dnung wide .
Zunächs sollen nun die en sp echenden Vo s ellungen F iedmans skizzie we den. In
seinem We k „Kapi alismus und F eihei “ widme F iedman das d i e Kapi el un e de
Übe sch i „Die Kon olle übe das Geld“ de F age de Wäh ungso dnung. Da in bezeichne
e die Idee, dass die Regie ung in die Wi scha eing ei en müsse, um Vollbeschä igung und
Wi scha swachs um zu siche n als „absolu i e üh end“.603 F iedman sch eib :
„Ta sache is : Die g oße Dep ession – wie die meis en Pe ioden s a ke
A bei slosigkei – wu de meh du ch ein alsches Vo gehen de Regie ung als
du ch eine de eien Ma k wi scha innewohnende Labili ä he o ge u en. Eine
on de Regie ung einge ich e e Ins i u ion – das Fede al Rese e Sys em – wa
mi de Ve an wo ung ü die Geldpoli ik be au wo den. In den Jah en 1930 und
1931 üh e das Rese e-Sys em diesen Au ag so ungeschick aus, dass aus
eine ge ingen Rezession eine g öße e Ka as ophe wu de.“604
Seine S udien haben F iedman zu dem Schluss ge üh , dass mindes ens ein D i el des
P eisans iegs in den USA wäh end und unmi elba nach dem E s en Wel k ieg de
Ein üh ung des Fede al Rese e Sys ems (Fed) zuzusch eiben sei.605 F iedman sch eib :
„Diese P eisans ieg wä e nich einge e en, hä e man das ühe e Banksys em
beibehal en. Die Hä e jede de g öße en Rezessionen – 1920/21, 1929/33 und
1937/38 – muss unmi elba den Ano dnungen und Un e lassungen de
602 Hayek, zi ie nach: Balling: S abili ä o Wachs um, S. 180
603 gl. F iedman: Kapi alismus und F eihei , S. 61
604 F iedman: Kapi alismus und F eihei , S. 61
605 gl. F iedman: Kapi alismus und F eihei , S. 68
Sei e 142
Au o i ä en des Rese e Sys ems zugesch ieben we den. Un e ühe en geld-
und bankpoli ischen Ein ich ungen wä e es nich so schlimm gewo den.“606
Nich nu die In la ion wäh end und nach dem E s en Wel k ieg wa E gebnis eine alschen
Poli ik de Fed, so F iedman. Auch die Poli ik am Ende de 1920e Jah e wa demnach
e hee end. F iedman zu olge hä e die Fed nie zulassen dü en, dass die Geldmenge on
Augus 1929 bis Ok obe 1930 um d ei P ozen abnahm. Das sei eine s ä ke e Ve minde ung
gewesen als wäh end alle o angegangenen Dep essionen. Noch schlimme seien die
Fehle de Fed in den Folgemona en gewesen. Im No embe 1930 kollabie en in den USA
eine Reihe on Banken, weil die Kunden ih e Einlagen zu ück o de en. Es kam zu Bank-
uns.607
Komm es zu Bank- uns, sink gemäß de ökonomischen Theo ie die Geldmenge. Das wa
auch wäh end de jüngs en K ise nach dem Kollaps ame ikanische Banken zu beobach en,
wie die Abbildung zeig .
606 F iedman: Kapi alismus und F eihei , S. 68
607 gl. F iedman: Kapi alismus und F eihei , S. 70 – 72
Sei e 143
Quelle: Eu opäische Zen albank
Als im sich F ühjah 2008 die Finanzk ise abzeichne e, eduzie e sich in de Eu ozone das
Wachs um des Geldmengenagg ega s M 3. Es sack e imme wei e ab, bis das Wachs um
Ende 2009 öllig zum E liegen kam. Zu E inne ung: Im F ühjah 2008 kam die US-
In es men bank Bea S ea ns in massi e Liquidi ä sschwie igkei en, als es e s e Anzeichen
ü ein Ende des US-Subp ime-Booms gab. Eine Plei e konn e nu abgewende we den,
indem de Konku en JP Mo gan das Ins i u übe nahm. Den Höhepunk e eich e die
Finanzk ise wenig spä e im He bs 2008 mi de Insol enz on Lehman B o he s. Die
unmi elba e Folge wa ein e höh e Ba geldumlau . De G und: Die Menschen ho en aus
Siche hei sg ünden in solchen Si ua ionen Ba geld. De en sp echende Abzug on Einlagen
bei den Banken wiede um läss die K edi e gabe sch ump en und die Geldmenge sinken.
Genau diese on F iedman ü die Wel wi scha sk ise besch iebene E ek e zeig e sich
auch in de jüngs en Finanzk ise. Ande s als zu Beginn de 1930e Jah e s eue en die
Zen albanken diesmal abe gegen.
Ein Sch ump en de Geldmenge u eine De la ion he o , und das wiede um so g ü einen
Wachs umseinb uch, den die Wel wi scha auch diesmal wiede e leb e, de alle dings
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Abbildung:
En wicklung on Geldmengenagg ega M3 und Ba geldumlau in de Eu ozone
Mona liche Ve ände ung gegenübe Vo jah in P ozen
M 3 Ba geld