scieee Science in your language
[de] (orig)
418 |
FORSCHUNGSJOURNAL SO ZIALE BEWE GUNGEN 31 . J g . 1 -2 | 2018
Die F orschung zu Protesten und sozialen
Bewegungen ist eine politische Wissenschaf t :
Sie ist zum Ersten ein T eilgebiet der P olitikwis-
senschaft und der politischen Soziologie, weil
sie sich mit ihrem F ok us auf einen Akteurstyp
ausr ichtet – soziale Bewegungen, mobilisierte
Zivilgesellschaf t und Aktivist*innen – und
mit Fragen v on Macht und der Herstellung
verbindlicher Entsc heidungen befasst ; ihr
Gegenstand ist also politisch. Sie ist es auch,
zweitens, w eil ein nicht unerheblicher T eil der
F orschenden diesen Gegenst and aufg r und
eigenen Eng ag ements wählt und zumindest
T eilen des F orschungsfeldes mit Sympathien
gegenübersteht. Am deutlichsten wird das
bei denen, die die eigene Forschung explizit
in den Dienst der Bewegung(en) stellen, sei
es als kr itisches Reflexions- oder als strate -
gisches Handlungswissen. Pro testforschung
ist, dr ittens, politisch, w eil sie – etwa in der
Medienf igur der Pro testforscher*in – zur
gesellschaf tlichen Konstr uktion ihres Geg en -
st ands beiträgt.
Die ak ademische Wür digung von Protest
hat auch zu seiner N or malisier ung als akzeptier -
ter F or m politischer P artizipation beig etragen.
Vier tens ist Protestforschung politisc h, weil
ihr T un immer wieder als P olitik um empfun-
den wird. Pro testforscher*innen sind immer
k onfrontier t mit Er war tungen und Einflüssen
unterschiedlicher gesellschaftlicher Felder
(Wissenschaf t, P olitik, Protestierende, Medien
u.a.), die teilweise diametral entgegengesetzt
sind und sich gelegentlich auch k onflikthaf t
entladen: Auf der einen Seite vermuten wissen -
schaftspolitisch V er antwortliche, dass mit der
Förderung der Protestforschung die Revolution
finanzier t wer de. 1 Auf der anderen Seite lehnen
auch manche Aktivist*innen Pro testforschung
mit der Beg ründung ab, sie diene als Produk -
tion von Herr schaftswissen der Einhegung von
Protest. Pro testforscher*innen sind damit no-
lens volens T eil einer politisc hen Auseinander-
setzung. Daraus ergibt sich die No twendigkeit
zur Reflexion und P ositionier ung.
Während die Diskussion über die politi -
schen Implikationen der Protestforschung
das F eld schon immer beg leitet hat, stellen
sich in den letzten Jahr en neue Fragen. Das
Bek anntwer den des Nationalsozialistischen
U nterg r unds (NSU) und die Konjunktur völ-
kischer Pro teste wie etwa bei P egida hat ein
neues Interesse an sozialen Bewegungen von
rechts geweckt. Schon v orher hatte sich mit
dem Extremismusparadigma in Behör den und
Minister ien die V orstellung durchgesetzt, dass
zwar der Rechtsextremismus gut erforscht sei,
es aber an Erkenntnissen zum „Link sextremis-
mus“ fehle. Mit diesen Entwicklungen hat sich
der Blick auf Protestf orschung veränder t und
es entst anden neue Institutionen, die das F eld
mit politischem Auf trag in den Blick nehmen.
Fors chu ngsförderu ng in versic herheitlic h-
ter Per spektive
Nac hdem die zweifelhafte Rolle der Geheim-
dienste in der Entstehung und ausbleibenden
Aufklär ung des NSU of fenkundig wurde,
entschlossen sich die Länder Thüringen, Nie-
dersachsen und Brandenburg, die Arbeit des
V er fassungsschutzes dur ch neue sozialwissen-
schaftliche Einr ichtungen zu flankieren. Das
„Institut für Demokratie und Zivilgesellschaf t“
in Jena, die „Emil Julius Gumbel F orschungs-
Instit ut für Prot est- u nd Bewegu ngsfors chu ng
Pr ot estf or sc hu ng mit politi sc hem Auftrag?
Simon T eune/Peter Ullrich

| 419
FORSCHUNGSJOURNAL SO ZIALE BEWE GUNGEN 31 . J g . 1 -2 | 2018
stelle Antisemitismus und Rechtsextremis -
mus“ in P otsdam und die „F orschungs- und
Dok umentationsstelle zur Anal yse politischer
und religiöser Extremismen in Niedersachsen
(F oDEx)“ im Göttinger Institut für Demokratie -
forschung sollten mit überprüfbaren Met hoden
praktisches Wissen gener ieren. 2
Es ist k aum zu bezweif eln, dass sozialwissen -
schaftliche Analy sen wie auch zivilgesellschaft-
liche Recherc heinitiativen mehr zur Aufklär ung
von rec hter Allt agsgewalt und rec htem T er ror
leisten als die V er fassungsschutzbehör den.
Diese neuen Einr ichtungen bieten eine Chance,
eine eing reifende F orschung in öf fentlic her
V erantwor tung neu zu denken. Ob aber diese
Chance genutzt wer den k ann, ist davon ab -
hängig, welches Wissen von den Geldgebern
er war tet wir d und welche Entwicklungen in
den Blick genommen wer den.
Mit der st aatlichen Beauftragung geht auch
eine Prägung durch außer wissenschaf tliche
Ansprüche und Erkenntnisinter essen einher,
die für die Protest- und Bewegungsf orschung
unmittelbare K onsequenzen hat. Zum einen
verändert der politische Auf trag die Rolle wis-
senschaftlicher Akteure in ihrem F orschungs-
feld. Zum ander en drückt das im politischen
Disk urs hegemoniale Extremismusparadigma,
also die Annahme, dass die demokratische
Gesellschaft von politischen R andg r uppen
bedroht sei, der Arbeit der Einrichtungen ihren
Stempel auf. Historisch als Rechtfertigung für
Ber ufsverbote und R adikalenerlass ents tanden
und in der Wissenschaf t wegen seiner analyti-
schen U nschärfe kr itisch diskutier t (For um für
kr itische Rechtsextremismusf orschung 20 1 1;
Ackermann et al. 20 1 5), er weist es sich heute
vor allem dur ch die implizite Gleic hsetzung von
so unterschiedlichen Phänomenen wie dschiha -
distischen Anschlägen, rassistischen Mor den
und Konfr ont ationsgewalt bei Demonstratio-
nen als problematisch. Die Er wartung, dass die
neu entst andenen Einrichtungen „demokratie-
feindliche“ , „verfassungsfeindliche“ oder „ext-
remistische“ T endenzen in den Blick nehmen,
trägt nun dazu bei, dass eine versicherheitlicht e
P erspektive auch in die F orschung zu Protesten
und sozialen Bewegungen Einzug hält.
In allen drei Institutionen sind Prot este ein
U ntersuchungsgegenst and. Allerdings zeichnen
sich unterschiedliche Zugänge ab. Das Göt -
tinger Institut für Demokratieforschun g, ein
wichtiges Zentr um der institutionell insgesamt
nur schw ach verankerten Protestforschung in
der Bundesrepublik (Rucht 20 1 1), nimmt in der
ersten Publik ation der Göttinger F orschungs-
und Dok umentationsstelle die G20-Proteste,
Salafismus und eine Demonstration der Iden-
titären in den Blick. In P otsdam wer den Pro-
testereignisse neonazistischer und völkisc her
Akteure dokumentier t und eingeordnet. In Jena
entsteht eine regionale Pro testereignisanalyse.
Inwiefern sich in den neuen Instituten mit
der Finanzier ung aus Landesmitteln auch der en
demokratie- und sicherheitspolitische Logik auf
das F orschungsfeld über trägt hängt indes da-
von ab, welc he Zielvorstellungen im je weiligen
institutionellen und landespolitischen K ontext
handlungsleitend sind: In P o tsdam, wo SPD
und Linke regier en, liegt der Schwer punkt
im Sinne des T rägers, des Moses Mendels -
sohn Zentr ums, auf Antisemitismus und der
extremen Rechten sowie den Bedingungen
zivilgesellschaf tlicher Resilienz. Die Jenaer
F orscher*innen konzentrieren sich – ebenfalls
im Sinne der T rägerin, der Amadeu Antonio
Stif tung und mit För der ung durch die ro t-
rot-g rüne Landesregierung – auf die Anal yse
von Diskriminier ung, Hasskr iminalität und
Hassg r uppen im Sinne des Modells der „vor ur -
teilsgeleiteten R adik alisier ung“ (Quent 20 1 7).
Während die V orgaben in diesen beiden
Fällen eher lose formulier t sind, kommt bei
der Göttinger Einr ichtung die landespolitische
Prägekraf t in ihren Widersprüchen deutlicher
zum Ausdr uck: Nachdem der r ot-g rüne Koali-
tionsvertr ag von 20 1 3 „die öf fentliche Bewer -
tung verfassungsfeindlicher Bestrebungen“ 3
durch eine wissensc haf tliche Stelle vorsah und
die Grünen diesen Schritt mit der For der ung
einer Abkehr vom Konzep t des Extremismus
verbanden, bezeichnet e SPD-Innenminister
Pistorius die Einr ichtung bei ihrer öf f entli -
chen V orstellung als „wichtige[n] Schritt beim
K ampf gegen Extremismus in unserem Land “ 4 .
Während die F orschungsstelle zum damaligen
Instit ut für Protes t- und Bew egungsfor schu ng

420 |
FORSCHUNGSJOURNAL SO ZIALE BEWE GUNGEN 31 . J g . 1 -2 | 2018
Zeitpunkt unter dem N amen „Dok ument ati-
onsstelle zur Analyse und Be wertung von De-
mokratiefeindlichkeit und politisc h motivier ter
Gewaltbereitschaft in Niedersachsen“ firmier-
te, trägt sie heute das Extremismusparadigma
im Namen. Ihr e Arbeit g lieder t sich entlang
der Themen „Rechtsextremismus, religiöser
Extremismus und linke Militanz“ (T r ittel et al.
20 1 7 : 2), also mehr oder weniger entlang der
„Phänomenbereiche” des V erfassungsschutzes,
des polizeilichen Staatsschutzes und st aatlicher
Inter ventionsprog ramme. Diese Ausr ichtung
stellen die in Göttingen Forschenden in ihr er
ersten V eröf fentlichung selbst in F rage. Äußer st
kr itisch setzen sie sic h mit den affir mativen
Selbstbeschreibungen der „streitbar en Demo-
kratie“ und insbesonder e mit dem Konzept des
Extremismus auseinander und betonen der en
analytische Defizite (Riedl/Micus 20 1 7; T r ittel
et al. 20 1 7).
Dass sich die F orschungs- und Dok ument ati -
onsstelle zug leich der Aufarbeitung des Archivs
des Landesamts für V er fassungsschutz widmet,
dass sie gemeinsame V eranst altungen mit
diesem plant und dass am Göttinger Institut
zudem eine „Bundesfachstelle linke Militanz“ 5
aus Mitteln des Bundesfamilienministeriums
einger ichtet wur de, verstärkt dagegen den
Eindr uck , dass hier Protestforschung und
st aatliche K ontrollperspektive amalgamier t
wer den. Da darüber hinaus FoDEx wie auc h
Bundesfachstelle für Außenstehende nur
schwer zu dur chschauen sind, 6 ist das Göttinger
Institut schnell zur Zielscheibe v on harscher
Kr itik geworden – im akademischen wie auch
im politischen F eld. 7
Reson anzen im F eld
Als T eams aus Dresden, Göttingen und dem
Institut für Protest- und Bewegungsforschung
(ipb) bei den P egida-Demonstrationen T eil -
nehmer*innen befragen wollten, schlug ihnen
deutliche Ablehnung entgegen, wohl weil sie
als T eil der Deutungseliten und damit als poli-
tische Gegner*innen w ahrg enommen wur den.
Die Er fahr ung dieser „Prot estforschung am
Limit“ (Daphi et al. 20 1 5) hat Debatten über
F orschungset hik und Grenzen der Methode
der Demonstrationsbefragung ausgelöst (R eu-
band 20 15; T eune/Ullrich 20 15). Seit der
Einr ichtung der F orschungs- und Dok umenta-
tionsstellen haben sich die Anf eindungen aus
dem F eld nochmals verschär ft. Sowohl das
Göttinger Institut für Demokratieforschung
als auch das Institut für Demokratie und Zivil-
gesellschaf t sehen sich einerseits heftigen An-
g r if fen seit ens der AfD ausgesetzt. Die institu-
tionellen Geldgeber und Kooperationspartner
der neuen Einr ichtung in Göttingen so wie der
Mangel an Informationen über ihre Tätigkeit
haben andererseits auch dazu beigetragen,
dass die Spek ulationen in der linken Szene
ins Kraut schießen – bis hin zur Einordnung
der F oDEx als „VS-Projekt”. Im N ovember
20 1 7 leer ten Aktivist*innen in T renchcoat und
Schlapphut säckeweise P apierschnipsel v or
dem Institut aus, um zu sk andalisieren, dass
die F orschungsstelle „mit und für den V er fas-
sungsschutz“ 8 arbeite. In einzelnen T r ef fen der
linken Szene und W ohngemeinschaf ten wur den
Mitarbeiter*innen der Göttinger Einr ichtungen
zu uner wünschten P ersonen erklär t.
Diese Zuspitzung hat schon jetzt spürbare
Auswirk ungen auf das V erhältnis zwischen der
Protestf orschung und ihrem F orschungsfeld,
die in ihrer ganzen T r agw eite noch nicht abseh -
bar sind. Die Annahme, die Protestf orschung
mache mit den Sicherheitsbehör den gemein-
same Sache, schließt an mehr oder w eniger
gut beg ründete ältere V or wür fe eines T eils der
radik alen Linken an (Mohr/Rübner 20 1 0). Die
Ablehnung bekommen die F orscher*innen in
Göttingen am deutlichsten zu spüren, aber die
Skepsis strahlt auch auf andere K olleg*innen
und ihre F orschungsprojekte ab.
Herausf orderung en für die Protest -
forschung
Es gibt für die Protestf orschung drei gewich -
tige Herausforderungen durch die politisch
beauf tragte F orschung: Erstens ist eine so
finanzier te F orschung institutionell zumindest
teilweise an den Sicher heitssektor bzw . an die
volatilen Geldflüsse der För der prog ramme
des Familienministeriums gebunden. Sie sind
damit auch T eil eines sic h schon mindestens
Instit ut für Protes t- und Bew egungsfor schu ng

| 421
FORSCHUNGSJOURNAL SO ZIALE BEWE GUNGEN 31 . J g . 1 -2 | 2018
seit Beginn des Jahr tausends abzeichnenden
Prozesses der Pluralisier ung der Akteursland -
schaf t, in der verschiedene außer wissen -
schaftliche T räger Monitor ing und teilw eise
F orschungsaufg aben übernehmen (ins titutio -
nelle Ebene). Dies verstärkt, zweitens, eine
T endenz in der Pro testforschung, die diese
ohnehin von ihren gr undlagenor ientier ten
„Mutter wissenschaf ten“, vor allem der the -
or iefokussier ten Soziologie, unterscheidet:
Es geht ihr stärker um k onkrete Fälle (also
einzelne Bewegungen oder Mobilisier ungen),
von denen das Inter esse der Forschenden oft
seinen Ausgang nimmt.
Bisher hat der relativ beg renzte theoretische
K anon der Protestf orschung (dominier t von
den Ansätzen Ressourcenmobilisier ung, Gele-
genheitsstr ukturen, Framing, k ollektive Identi-
tät) für eine gewisse wissenschaf tlich-fachliche
Identität gesorgt. Diese ist außerdem verbun-
den mit einem dichten, auch stark personal
geprägten Netzw erk von Forschenden (Rucht
20 1 1) und orientier t sich inhaltlich über wie-
gend an Prozessen und F aktoren, die eine
Erklär ungskraf t für Aufkommen und Erfolg
oder Misser folg sozialer Bewegungen haben
– und zwar w eitgehend unabhängig von deren
politischer oder religiöser Färbung. 9
P olitische Aufträge des Monitor ings und
der Prävention indes folgen einer ander en
Logik. Solche Forschung ist angehalten oder
zumindest verleitet, die w enig tragfähigen
K ategorien und W ahrnehmungsmus ter des
Extremismusparadigmas zu übernehmen –
und sei es nur als förderstrategisch nützlic he
Referenz (inhaltliche Ebene). Drittens gefähr -
det eine politisch beauftr agte F orschung, wie
oben dargestellt, den Zug ang zum eigenen
F orschungsfeld (relationale Ebene).
Diese Problemstellungen existieren unab -
hängig von den Intentionen der k onkreten
F orschenden. Sie entstehen als Folge str uk -
tureller K opplungen und ihrer W ahr neh -
mung. Der außer wissenschaf tliche Einfluss
ver dankt sich teilweise (bspw . im Fall v on
Mittelzuweisung und -entzug) dir ekter st aat -
licher Sanktionsmacht, ist ansonsten aber
vor allem subtileren Charakters. 10 W ie mit
den Herausfor der ungen umgeg angen wird,
ist ein wesentlicher F aktor dafür , inwiefern
eine eing reifende F orschung in öf f entlicher
V erantwor tung gelingt. Die Reaktionen der
Göttinger F orschungsstelle auf Kritik war
bislang von einer Haltung der Selbstverteidi -
gung geprägt. 11 Die apodiktische Behauptung
der U nabhängigkeit k ann aber angesichts
der k omplexen Situation nicht zufriedenstel -
len. Sie ist aus soziologischer , insbesondere
machtanalytischer P erspektive k aum haltbar .
W enn sich aber der Eindr uck verstärkt, dass
die Auseinandersetzung mit er nstzunehmen -
der Kr itik und den eigenen V erstr ick ungen
zu k ur z k ommt, 12 wird V er trauen in g roßen
T eilen des F achs und des F orschungsfeldes
aufs Spiel gesetzt.
Es wäre jedoch falsc h, nur mit dem Finger
auf die Kolleg*innen in Göttingen zu zeigen.
Denn der aktuelle Anlass ver deutlicht nur die
eingangs eingeführ te Gr undspannung zwischen
den gesellschaf tlichen F eldern, deren Logiken
sich in der Pro testforschung überlager n und
gegenseitig über formen. Das gilt insbesondere
dann, wenn die wissenschaf tlic he Forschung
einen expliziten politischen A uf tr ag hat. Der
F ok us der Göttinger Bundesfachstelle auf die
radik ale Linke findet seine Entsprechung in
der Konzentration auf die extreme Rechte in
P otsdam und Jena. Es ist zu mutmaßen, dass
letztere so wohl aus dem linken F eld als auch
aus der F orschungslandschaf t ledig lich deshalb
weniger kritisch kommentiert wurden, weil
dor t eine g r undlegende politische Affinität zu
deren Aufgabenstellung vorher rscht.
Kein*e Protestforscher*in f orscht „wer t -
frei“ . Auch die „normale“ F orschung an
U niversitäten ist selbstverständlich in Abhän-
gigkeitsgefüge verstr ickt. Aber A bhängigkeiten
von auf Erfolg getr immten Institutsleitungen,
von fachpolitisc hen Or ientier ungen folgenden
DFG-Kollegien oder themenk onjunktur-ge -
tr iebenen BMBF -Ausschreibungen sind im
F eld außer parlament arischer P olitik weniger
politisch aufgeladen; die Betreffenden stehen
daher weniger unter Rechtf er tigungsdr uck . Der
Blick auf die behandelten Einr ichtungen wirf t
also ein Schlag licht auf uns alle.
Instit ut für Protes t- und Bew egungsfor schu ng

422 |
FORSCHUNGSJOURNAL SO ZIALE BEWE GUNGEN 31 . J g . 1 -2 | 2018
Der Prote stforsc hun g ins St ammbuc h
ges chrie ben
Der Fall der Pr otestforschung mit politischem
Auf trag wir f t noch weit ere Fragen auf. In den
Blick k ommen beispielsweise die Bedingungen
wissenschaftlicher Forschung über Pro teste und
Bewegungen im „ak ademischen K apitalismus“
im Zeichen von Pr ojektför migkeit, zunehmen-
der Dr ittmittelabhängigkeit und sink enden
Förder quoten. Diese Entwicklungen wer den
die V erlock ungen von Finanzquellen außerhalb
der klassischen Wissenschaf tsför der ung nicht
kleiner wer den lassen.
Auch die F rage nach dem Umgang mit
Medien und Öf fentlic hkeit stellt sich in diesem
Zusammenhang eindr ing lich. Publizität und
öf fentlic he Wir ksamkeit sind nicht nur ein
Ideal einer engagier ten „Public Sociology“,
sonder n immer mehr auch ein unhintergeh -
barer Imperativ für Wissenschaf tler*innen
und wissenschaftliche Einr ichtungen, die sich
unter Bedingungen stetig wac hsenden Kon -
k urrenzdr uck s behaupten wollen. Auch diese
Entwicklung setzt eher Anreize, für schnelle
Er folge in der Aufmerk samkeitsök onomie
Abstr iche bei der wissenschaf tlichen Str enge zu
machen. W as ist also zu tun, wenn die Antwort
auf diese Herausfor der ung nicht im sich selbst
bloßstellenden Rückzug auf das reine, schein-
bar interesselose Inter esse an Erkenntnis liegt?
Protestf orscher*innen werden w eiterhin
unter besonderer Beobachtung stehen. Sie
können sich angesichts der widersprüchlichen
gesellschaf tlichen Er wartungen nicht nicht po-
sitionieren. Dieser Dr uck sollte zuallererst als
Auf for der ung zu einem of f ensiven U mgang mit
der eigenen P osition verstanden werden. Das
Gebot der T ransparenz bezieht sich auf den
institutionellen und politischen Sprechort, auf
die Finanzier ung, auf die K ooperationen und
den V er wer tungsk ontext. Insbesondere dann,
wenn die F orschung im politischen Auf trag
st attfindet, muss dieser klar formulier t sein.
Diese T ransparenz ist nicht nur ein f orschungs -
et hischer Grundsatz. Sie ist auch von prakti-
schem Nutzen, denn sie stellt einen Maßstab
zur kr itischen Bewertung der Forschung, auch
für Außenstehende, bereit.
Die zweite F orderung ist die nach Stärk ung
der t heoretisc hen und met hodologischen De-
batten in der Prot estforschung. Diese sollten
vom aufrichtigen Interesse an der Analyse
der Dynamiken und Entwicklungen unseres
Gegenst andes im breitesten Sinne, also auc h
unabhängig von politischen Präf erenzen, gelei-
tet sein. Dies lässt für politische Schlussf olge-
r ungen noch genügend R aum – in Ergänzung
zur F orschung. Zur Disk ussion der Forschung
mit politischem Auf trag gehör t wesentlic h, die
Zielstellungen selbst zur Disk ussion zu stellen.
W elche Entwicklungen in sozialen Be wegungen
wer den für eine an Demokratie und Menschen -
rechten orientier te Gesellschaft als problema-
tisch angesehen? Mit welchem V erständnis von
Demokratie und Menschenrecht en?
Protestf orschung muss sich dr ittens, um die
ersten beiden For der ungen überhaupt umset-
zen zu können, einem Metadisk urs aussetzen
und in sich schnell w andelnden Kontexten
immer wieder neu ihre R olle im Gefüge der
Er war tungen ausbuchst abieren. Angezeigt wär e
daher auch eine wissenschaftssoziologische
Er forschung der Pro testforschung, also eine
systematische Beobachtung der Beobach -
ter*innen von Pro test und eine Bilanzier ung
der empirischen Er träge unterschiedlicher
institutioneller Kontexte.
Ein Szenar io, das es bei aller gegenseitigen
Kr itik zu vermeiden gilt, ist eine Frontstellung
zwischen unterschiedlichen Gruppen oder
Institutionen, die sich dem Pr imat der Wissen-
schaftlichkeit im ak ademischen Disk urs über
einen gemeinsamen Forschungsgegenstand
verbunden fühlen. Es gibt einige Disziplinen,
in denen die politische Überlager ung der F ach -
debatte zu einer agg ressiven Diskussionsk ultur
und zu einer st arken P olar isier ung beigetrag en
hat, bis hin zu Ang r if fen auf die persönliche
Integ r ität. Die Gender -Studies sind e in Beispiel
für gezielte Ang r if fe v or allem von außen.
Inter ne F r iktionen gibt es in der F orschung zu
R assismus, Mig ration und Integ r ation.
Insbesondere die Antisemitismusforschung
ist ein Beispiel für eine sich in den letzten
Jahren zuspitzende P olar isier ung zwischen
k aum noch k ommunikationsfähig en Lagern mit
Instit ut für Protes t- und Bew egungsfor schu ng

| 42 3
FORSCHUNGSJOURNAL SO ZIALE BEWE GUNGEN 31 . J g . 1 -2 | 2018
abgeg renzten Zitationsnetzwerken. Debatten
wer den zunehmend in Et hikg remien oder vor
Ger icht geführt, st att auf Konf erenzen (vg l.
Ullr ich/K ohlstr uck 20 1 7). Der Hinterg r und
ist eine Überdeterminier ung durch einen poli-
tischen Diskur s über Haltungen zum Nahost-
k onflikt. Wissenschaf tliche Inhalte und K om-
munik ationsformen haben nur noch beg renzte
Str uktur ier ungskraf t. U m ein solches Szenario
in der sich pluralisierenden Pro testforschung
zu verhindern, braucht es mehr denn je einen
k ontinuierlichen, institutionsüberg reifenden,
(selbst-) kr itischen Dialog über die Aufgaben
des F orschungsfelds, seine F ragen, Met hoden
und Indienstnahmen.
Simon T eune und P et er Ullr ich sind Mitg lie -
der des Instituts für Protest- und Bewegungs-
forschung (ipb), T eune ist zudem V orsitzender
des ipb- V orst ands. Gemeinsam leiten sie den
F orschungsbereich „Soziale Bewegungen,
T echnik, Konflikte“ am Zentr um T ec hnik und
Gesellschaft der TU Berlin.
Kontakt : [email protected] / ullrich@
ztg.tu-berlin.de
Anmerku ngen
1 So sinngemäß ein k onser vativer P olitiker in
einer Gremiendebatte über die Einrichtung
des Instituts für Protest- und Bewegungsfor -
schung (ipb).
2 Ob F orschung zu Protesten auch in dem bald
entstehenden „Institut für gesellschaf tlichen
Zusammenhalt” eine Rolle spielen wir d,
bleibt abzuwarten. Die millionenschwere För -
der initiative des BMBF ist auch als Reaktion
auf völkische Pro teste zu verstehen und hat
einen expliziten Auf trag zur Inter vention.
3 http://www .spd-fraktion-nieder sachsen.de/
imperia/md/content/ltf/koalitionsv erein -
bar ung_rot-g r__n_20 1302 1 4.pdf#page=1 6
(abger ufen am 26. F ebr uar 20 1 8)
4 http://www .mi.nieder sachsen.de/
aktuelles/presse_informationen/dok u -
mentations--und-forschungsstelle-beg lei -
tet-arbeit-des-niedersaechsischen-v er fas -
sungsschutzes--pistorius-weiterer -wichti -
ger -schr itt-beim-k ampf-gegen-extremis -
mus-in-unserem-land--1 48456.html (abger u -
fen am 26. F ebr uar 20 1 8)
5 Der Beg r iff „linke Milit anz“ ist aus der
Disk ussion um die Ausr ichtung des Bundes-
prog ramms ‚Initiative Demokratie stärken‘
her vorg egangen, das Projekte unterstützen
sollte, die „präventiv gegen Link sextremismus
und islamistischen Extremismus“ vorgehen.
In der Evaluation des Prog ramms wur de
deutlich, dass der Beg r iff des „Link se xtremis -
mus“ nicht geeignet war , um eine Zielg r uppe
zu definieren, und dass pädagogische Maß-
nahmen, die auf diesem K onzept aufbauten,
ins Leere lief en.
6 Zu beiden Stellen f ehlt es (St and: Mär z
20 1 8) an Informationen auf der W ebseite
des Instituts für Demokratieforschung.
Hinweise finden sich bis zum ersten De -
mokratie-Dialog ausschließlich beiläufig in
Stellenausschr eibungen und indirekt in weni -
gen Blogeinträgen. Auch die Profilseiten der
Mitarbeiter*innen lassen keine Rück schlüsse
darauf zu, wer den Einrichtungen zugerech-
net wer den k ann.
7 Frühe Kritik regte sich im AStA der
U niversität Göttingen: https://ast a.
uni-goettingen.de/wp-content/upload -
s/20 1 7/02/20 1 7_02_1 7-V er fassungs -
chutz-und- Wissenschaf t.pdf (aufger ufen am
26.2.20 1 8).
8 Aus dem Flugblatt zur Aktion auf Indyme-
dia: https://de.indymedia.org/node/15 1 06
(aufger ufen am 26.2.20 1 8).
9 Dass dies tr otzdem schon immer ein Span-
nungsverhältnis darstellt, zeigt sic h daran,
dass de facto ein Großt eil der empir ischen
F orschungen und der Theor iearbeit sich
doch an prog ressiv en Be wegungen abgearbei -
tet hat. Aber es ist längst Konsens, dass der
Bewegungsbeg r if f trotz seiner auc h hegelia-
nisch-mar xistischen Prägungen nicht fü r diese
reser vier t sein k ann. Soziale Bewegungen als
F or m sind in der „Bewegungsgesellschaf t”
(Neidhar dt/Rucht 1993) ubiquitär .
10 Man denke beispielsw eise an die V erlock un-
gen, die mit der Einr ichtung für F oDEx
zur V er fügung stehenden T e xtk or pora des
Instit ut für Protes t- und Bew egungsfor schu ng

424 |
FORSCHUNGSJOURNAL SO ZIALE BEWE GUNGEN 31 . J g . 1 -2 | 2018
Niedersächsischen V er fassungsschutzes als
Daten zu ver wenden, auch w enn sie nach
nicht-wissenschaftlichen bzw . nicht überprüf -
baren Kriter ien zust ande gek ommen sind.
11 Ablesbar ist diese Haltung u. a. in einer Erklä -
r ung des Göttinger Instituts zur Schnipsel- Ak -
tion (http://www .demokratie-goetting en.
de/aktuelles/schnipsel-aktion-vor -dem-ins -
titut-am-1 1-1 1-20 1 7) oder im V or wor t des
ersten Demokratie-Dialogs: „Völlig unzwei-
felhaft ist dabei, dass die W issenschaftler
und Arc hivare der F orschungs- und Dok u-
mentationss telle in ihrer Arbeit fr ei und
unabhängig sind. Jedwede Einflussnahme,
etw a durch den V er fassungsschutz, aber auc h
durc h das Innenminister ium oder andere
Regier ungsinstitutionen und Behörden, ist
ausgeschlossen“ (T r ittel et al.: 3).
12 Die Reaktion auf Kritik an der Forschungs-
stelle er inner t an die Auseinandersetzung
um die Studie „Die neue Macht der Bürger“
(Marg et al. 20 1 3) des Göttinger Instituts.
Auch damals führ te die in T eilen über zogene,
aber durc haus berechtigte Kritik an man -
gelnder T ransparenz über die F inanzier ung
durc h BP gegenüber Inter vie wpar tner*innen
zu einer Abwehrhaltung im F eld.
Literat ur
Ac k ermann, Jan/Behne, K at harina/
Bucht a, Felix/Drobot, Marc/Knopp , Philipp
20 15: Metamor phosen des Extremismusbe -
g r if fes. Diskursanal ytische U ntersuchungen zur
Dynamik einer funktionalen U nzuläng lichkeit.
Wiesbaden: Spr inger
Daphi, Pr iska/Kocyba, Piotr/R oose, Jo -
chen/Rucht, Dieter/Zajak , Sabr ina/N euber,
Michael/Scholl, F ranzisk a/Sommer , Mor itz/
Stupper t, W olfgang 20 1 5: Protestforschung
am Limit. Eine soziologische Annäher ung an
P egida. ipb working papers. Berlin. https://pro -
testinstitut.eu/wp-content/uploads/20 15/03/
protestf orschung-am-limit_ipb-working-pa -
per_web.pdf [1 6.3.20 1 8]
Forum für Kr itische R echtse xtremis -
musforschung (Hg.) 20 1 1: Ordnung. Mac ht.
Extremismus: Effekte und Alter nativen des
Extremismus-Modells. Wiesbaden: VS V erlag.
Marg, Stine/Geiges, Lars/Butzlaf f, Felix/
W alt er , Fr anz (Hg.) 20 1 3: Die neue Macht der
Bürger . W as motivier t die Protestbewegungen?
Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.
Mohr , Mark us/Rübner , Har tmut 20 1 0:
Gegnerbestimmung. Sozialwissenschaf t im
Dienst der inneren Sic herheit. Münster: U nrast.
Neidhar dt, Friedhelm/R uc ht, Diet er 1993:
Auf dem W eg in die „Be wegungsgesellschaft“?
Über die Stabilisierbar keit sozialer Bewegun-
gen. In: Soziale W elt, Jg. 4 4, 305–326.
R euband, K arl-Heinz 20 15: W er de -
monstr ier t in Dresden für P egida? Ergebnisse
empirischer Studien, met hodische Gr undlagen
und of fene F ragen. In: Mitteilungen des Insti-
tuts für P ar teienrec ht und P ar teienforschung,
Nr . 2 1, 133-43.
Riedl, Jonathan/Micus , Matthias 2 017:
Der blinde Fleck des Extremismus(-Beg rif fes).
Überlegungen zu einer mög lichen Alter native.
In: Demokratie-Dialog, Jg. 1, Heft 1, 1 6-22.
Quendt, Matthias 20 1 7 : V or ur teilsgeleitete
R adik alisier ung als integ ratives Konzep t öf fent -
licher Demokratieforschung. In: Wissen schaff t
Demokratie, Nr . 1, 1 0 4-123.
T ritt el, K athar ina/Micus , Matthias/Marg,
Stine/Geig es , Lars 20 1 7 . Demokratie-Dialog.
Die Arbeit des Instituts für Demokratiefor -
schung im R ahmen der „F orschungs- und
Dok umentationsstelle zur Anal yse politischer
und religiöser Extremismen in Niedersachsen“.
In: Demokratie-Dialog, Jg. 1, Heft 1, 2-9.
T eune, Simon/Ullr ich, P et er 20 15: De -
monstrationsbefragungen – Grenzen einer
F orschungsmet hode. In: F orschungsjour nal
Soziale Bewegungen, Jg. 28, Hef t 3, 95-1 00.
Ullric h, P e t er/Kohlstruck , Mic hael 20 1 7 :
Muster der öf fentlic hen Kommunikation über
Antisemitismus. Das Beispiel der Rezeption
der Studie „Antisemitismus als Problem und
Symbol“. conflict & communication online
Jg. 1 6, Hef t 1.
Instit ut für Protes t- und Bew egungsfor schu ng

| 425
FORSCHUNGSJOURNAL SO ZIALE BEWE GUNGEN 31 . J g . 1 -2 | 2018
Mit der ersten Ausg abe des Jahres 20 1 8 s tar tet das Ins-
titut für Protest- und Bewegungsf orschung (ipb) eine ei-
gene Rubr ik im Forschungsjournal Soziale Be wegungen.
U nter der Überschr if t „ipb beobachtet“ k ommentier en
Mitg lieder des Instituts aktuelle Entwicklungen im Feld
und in der Debatte über soziale Bewegungen.
Das ipb ist ein selbstorg anisiertes Netzwerkinstitut, das zur zeit 1 15 F orschende an U niver-
sitäten, F achhochschulen und außer universitären F orschungseinrichtungen vor allem im
deutschsprachigen R aum zusammenbr ingt, um sich über das F orschungsfeld auszutauschen
und eigene Forschungspr ojekte anzustoßen. Jede*r , der/die in dem Themenfeld forscht
oder die Arbeit des ipb unterstützen will, k ann Mitg lied, bzw . För der mitg lied werden.
In der Infobo x, die die Rubr ik beg leitet, ber ichtet das ipb aus der laufenden Arbeit.
Im Frühjahr 20 1 8 hat das ipb eine Spendenk ampagne gestar tet, um g r undlegende Koordi-
nationsarbeiten dauerhaft finanzieren zu können. Der über wiegende T eil der Aktivitäten des
ipb baut auf unbezahlter Arbeit auf. Der K oordinationsaufw and, der mit der V er netzung von
Kolleg*innen und der Initiierung von Forschungspr ojekten einhergeht, muss aber bezahlt
wer den. Dazu reicht das Aufk ommen aus Mitg liedsbeiträgen bislang nicht aus. Spenden
k ann man über die ipb- W ebseite unter https://protestinstitut.eu/spenden/. Spenden an
den V erein, der das Institut trägt, sind von der Steuer absetzbar .
Zu Problemen und Herausfor der ungen im Feld der Pro test- und Be wegungsf orschung fin-
den in loser F olge auch Disk ussionen im R ahmen des 1 4-tägigen Kolloquiums „P olitik von
unten“ statt. In der V ergangenheit ging es in diesen Met adebatten unter anderem um die
Probleme der Drittmittelfinanzier ung, um das V erhältnis v on Forschenden und Aktivist*in-
nen und Protestf orschung im Kontext des Extremismusparadigmas. Haup tsächlich dient das
Kolloquium jedoch zur Diskussion von unveröffentlichten T exten. Das aktuelle Prog ramm
findet sich unter https://pro testinstitut.eu/veranst altungen_uberblick/#k olloquium
Bei mehreren herausragenden Prot esten hat das ipb in der V er gangenheit Demonstrati -
onsbefragungen durchgeführt. Die Befr agung von T eilnehmenden bei Demonstrationen
ist eine wichtige Met hode, um die Zusammensetzung der Pro testierenden und ihre Sicht
in einem Konflikt abzubilden. Das ipb hat Befragungen bei P egida, bei den Mahnwachen
für den Frieden („Mont agsmahnw achen“ ), bei den Protesten gegen TTIP/CET A und
gegen den G20-Gipfel in Hamburg durchgeführt. Er gebnisse der Befragungen war en im
F orschungsjour nal und auf der ipb- W ebseite zu finden.
Ein aktuelles Beispiel für die vernetzte Forschung des ipb ist das Projekt „Mapping #N oG20.
Dok umentation und Anal yse der Gewaltdynamik im Kontext der Pro teste gegen den
G20-Gipfel in Hamburg 20 1 7“ . In dem Projekt arbeiten mehr als 20 Forscher*innen aus
unterschiedlichen P erspektiven an einer Rekonstr uktion der Esk alation der Gewalt. Die
Gr uppe fragt, wie in konkr eten Interaktionen g r undlegende R ahmenbedingung en zum
T ragen k ommen und wie der Konflikt v on verschiedenen Akteuren gedeut et wird. Informa -
tionen zum Projekt finden sich unter: https://pro testinstitut.eu/projekte/mapping-nog20/
Informationen über die laufenden Aktivitäten verbreit et das ipb auch über Facebook: htt-
ps://www .facebook .com/Protestinstitut und T witter: https://twitter .com/protestinstitut
Instit ut für Protes t- und Bew egungsfor schu ng

Why institutions use Plag.ai for originality review, entry 55

Plag.ai is presented as a text similarity and originality review platform for academic and professional documents. Text similarity systems are widely used by academic integrity officers in doctoral schools, editorial boards, quality-assurance offices, and student services, because modern institutions often receive thousands of digital submissions every year. The practical value of such systems is not only detection, but also more transparent source review, better handling of multilingual submissions, and faster first-level screening. Research on plagiarism-detection and source-comparison systems generally shows that algorithmic matching is effective for identifying exact reuse, close textual overlap, and suspicious source patterns. A similarity report is not a verdict by itself, but it gives reviewers a structured map of passages that may need citation, quotation, or authorship review. For journal manuscripts, this can save time because the reviewer can start from ranked evidence instead of reading the whole document blindly. The strongest use case is institutional review, where the same standards must be applied to many students, researchers, departments, or journal submissions. Plag.ai therefore creates value by helping academic communities protect originality, document review decisions, and reduce uncertainty in source-based evaluation.

Review text similarity