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[de] (orig)
IR -S PEKTROSKOPI SCHE C HARAKTERISIERUNG VON ORGA NISCH -
FUNKTIONALISI ERTEN M ONOLAGEN UND I MMOBILI SIERUNG VON
P EPTIDEN AUF S IL IZIUM O BERFLÄCHEN

vorgelegt von
Diplom-Chemikerin
Anne Borowski
Geboren in Berlin

von der Fakultät II – Mathematik und Naturwissenschaften
der Technischen Universität Berlin
zur Erlangung des akademischen Grades

D OKTOR DER N ATURWISSENSCHAFTEN
- Dr. rer. nat. –

genehmigte Dissertation

Promotionsausschuss
Vorsitzender: Prof. Dr. rer. nat. Michael Gradzielski
1. Gutachterin: Prof. Dr. rer. nat. Karola Rück-Braun
2. Gutachter: Prof . Dr. rer. nat. Wolfga ng Unger

Tag der wissenschaftlichen Aussprache: 30 .11.2018

Berlin 2018

Die vorliegende Arbeit wurde
unter Leitung von Prof. Dr. Karola Rück-Braun
in der Zeit von November 2014 bis Juli 2018
im Institut für Chemie der Fakultät II
der Technischen Universität Berlin angefertigt.

i

K U RZ Z U S A M M E N F A S SU N G

Das Interesse an der Entwi cklung und Forschung von Biosensoren hat sich in den letz ten Jahren stetig
gesteigert. Die Verwendun g vo n optischen, auf SOI (silicon- on -isulat or) basierenden Sensoren, bietet
die Möglichk eit Pr otein-Li gand-Wechselwir kungen a uf ihre thermod ynamischen und kinetische n
Eigenschaften zu untersu c hen. Das Konzept von selbstassembli erten Monoschichten (SAMs) m it
definierten organischen Mol ekülen erlaubt eine Fein abstimmung der Oberf lächeneigenschaften,
wodurch Vorunt ersuchungen auf oxidierten Si(1 00)-Oberfläch en entwi ckelt und du rchgeführt werde n
können.
Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit lag der Fokus auf der Herstellu ng vo n gut definierten
organischen Monolagen auf o xidierten Si (100)-Oberf lächen, die die Grundlage für eine erfolgrei ch e
Immobilisierung von z.B. Peptiden, Proteinen oder photoschaltbar en Proben bie tet. Ein e Mö glichk eit
stellen Amin-t erminierte Oberflächen dar, da hi erüber andere funktionelle Gruppen (z.B. Malei mid-
und Carboxy-Gruppen) ein ge fügt werden k önnen. Darüb er hin aus können Biomoleküle au ch d irekt a n
die Amin-Ob erfläche gebunden we rden. Die Im mobilisierun g von P eptiden an unterschiedlichen
funktionellen Mo noschicht en wurd e mit tels v erschie dener Methoden erarbeitet und erprobt. Dabei
wurde besonderes Augen merk auf eine milde Durchfü hrung der Methoden gelegt, um letztend lich
eine Verwendu ng in der Bi osensorik zu er möglichen.
Ein weiteres interessant es Forschungsg ebiet ist die Untersuchu ng von photos chaltbare n
Biomolekülen. D ank di eser können bioch emische Prozesse und die Wirkungsw eisen verschi edener
Krankheiten durch Einwir k ung von Licht beobach tet und erforscht werden. Die B estrahlung kann d azu
führen, dass die Sekundärstruktur von Peptiden beeinflu sst wird un d auf diese Weise wichtige
Rückschlüsse auf das V erhalten gezogen werden kön nen . Aus diesem Grund lag der Schwerpun kt im
zweiten Teil dies er Arbeit ebenfalls auf dem Aufbau von gut definierten organisch en Mo noschich ten ,
die jedoch auf Wassersto ff -termini er te n Si(111)-Ob erflächen aufgebaut wurden. Als funktionelle
Endgrup pen kamen Carbo nsäuren und Alkine zum Einsatz, die anschließend in einem on -Chip -
Immobilisierung spr ozess mit den Biomolekülen kovalent verknüpft wurden. Die zwei zu
untersuchenden β -H airpin- P eptide wurd en im Arbeits kreis Rück-Braun hergestell t u nd charakterisi ert.
Anschließend wurden d ie Peptide mittels vers chiedener Methoden an den Monoschi chten
immobilisier t.
Die Bildung der selbstassembliert en Monolagen und ihre weitere Modifizierung wurden mittels ATR-
FT - IR -Spektroskopie sowie Ko ntakt winkel - und Ellipsometrie-M essungen charakterisiert und
nachgewies en. Die Struktur zweier Monoschi chten und die Immobilisi erung zweier Peptide wurden
mit Hilfe eine s Atomkraftmikrosk o ps intensiv er un ters ucht und visualisiert.

ii

S U M MAR Y

The intere st in the develop m ent and research of biosensors has continu ously increased over the last
decade. The use o f o ptical biosensors based on SOI (sili con - on -is olator) o ffers the p o ssibility to study
the protein-lig and interac tion for their ther modynamic and kinetic prop erties.
The concept of self -asse mbled monolayers coupled with well -defined organic mo lecules allows the
fine-tunin g of the surfa ce properti es. In this way preli m inary investigati o ns on o xidiz ed Si(100) surfac es
can be carri ed out.
In the first part of this thesis, the focus was on the pre paration of w ell-defined organic m onolayers on
oxidized Si(100) surface s, which offers the basis for a successful immobiliz ation of e.g. peptides ,
pr oteins or ph otoswitchab le p robes. One possibilit y are amine-terminat ed s urfaces, h ence other
functional groups (e.g. maleimide- and carboxy-gr oups) can be inserted. In addition biomolecul es can
also be immobilized directl y o n the amine-termina ted surface. The attachment of peptides o n differen t
functional monolayers was developed and verified by various methods. Spe cial attention was put on
the mild impl ementation of the m ethods in o rder t o ultimately enable use in the biosensor.

Another interesting area of res earch is the study of photo switchable b iomole cules. Thanks to this,
biochemical processes and the mode s of action of v ari ous diseases can be observed and investigated
by the action of light. The ir radiation can influence the secondary structure of peptid es and in this way
important conclusions regarding their behavior can be drawn. For this reason, the second part of this
work also focused o n the formation of well-defined organic monolayers , but t hese were ba sed on
hydrogen-termina ted Si (111) surfaces. The functional end group s used were carbox ylic acids an d
alkynes, which were covalently linked to the bio molecules in an on -chip- immobili zation process. Two
β -hairpin peptides were p repared an d characterized in the wo rkgroup of Prof. Dr. Rück-Braun .
Subsequently, th e peptide s were i mmobilized by differ ent methods to variable or ganic monolayers.
The formati on of self-assembled monolayers and their further modification were characterized and
detected by using ATR- FT - IR -spectroscopy and conta ct angle- and ellipso m etry measure ments. The
structure of tw o m onolayers and the im mobilization of two peptid es were investi gated and visualized
more intensiv ely with the u se of an ato mic force m icro scope.

I N HA LTS VER ZEI CHN IS
Kurzzusammenfassu ng ............................................................................................................................. i
Summary ................................ .................................................................................................................. ii
Abkürzu ngsverzeichnis ............................................................................................................................ iii
1 Einleitung ................................................................................................ ......................................... 1
1.1 Aufb au von selbstorganisi erenden Mon olagen (SA M s) .......................................................... 2
1.2 Bioch ips .................................................................................................................................... 4
1.3 ATR- FT - IR - Sp e ktr oskopie ......................................................................................................... 8
2 Zielsetzung ..................................................................................................................................... 11
3 Allgemeiner Teil ............................................................................................................................. 14
3.1 Bearbeitung der Si(1 0 0)-Kristalle ................................ ........................................................... 16
3.2 Oxidation der Si(10 0)-Kristalle ............................................................................................... 17
3.3 Präpara tion von Amin-t ermin ierten Monola gen ................................................................... 20
3.3.1 Theoretisch e Einführung ................................................................................................ 21
3.3.2 Praktische An wendung .................................................................................................. 22
3.3.3 Prozessoptimi erung der AP TE S-Umsetzu ng .................................................................. 29
3.3.4 Bestimmung der APTES-Ko nzentration auf Si (100) ....................................................... 45
3.4 Aufb au von Maleimid-Mon olagen auf einer A min-funktionali sierten Oberfläch e ................ 50
3.5 Aufb au von Carboxy-te rminierten Monolagen a uf einer AP TES-funktionali sierten
Oberfläche ............................................................................................................................. 53
3.6 On -Chip -Immobilisierung v on Biomolekülen und photo schaltbaren Molekülen a uf
Si(100) .................................................................................................................................... 59
3.6.1 Direkte I mmobilisi erung von Biomolekülen an eine Amin-terminierte Oberflä che ....... 60
3.6.2 Immobilisie r ung von P eptid en an einer Malei mid-terminierten Obe r fläche ................. 67
3.6.3 Immobilisie r ung von P eptid en an einer Säur e -terminie rten Oberfläche ....................... 72
3.6.4 Immobilisie r ung von ph otosch altbaren Mol ekülen an eine Amin-terminierte
Oberfläche ................................ ..................................................................................... 75
3.6.5 AFM -Aufnahmen zu r Pepti d-Anbind ung an eine Si(100 ) -Oberfläche ............................ 81
3.7 Präpara tion der Monola gen auf Si(111) ................................................................................ 86
3.8 Bearbeitung der Si(1 1 1)-Kristalle ................................ ........................................................... 86
3.9 Wasserstoff- Terminierung der Si(1 1 1)-Kristalle .................................................................... 87
3.10 Aufbau von Säure-termini erten Monolagen au f Si(111)-Ob erfläch en ................................ .. 89

3.11 Aufbau von Alkin-termini erten Monolag en auf Si(111)-Ob erflächen ................................ ... 93
3.12 On -Chip-Immobi lisier ung v on Peptiden auf S i(11 1)-Oberflächen ......................................... 95
3.12.1 Immobili sierung eines zyklisch en β -Hairpin-Pep tids an eine Säure-te r minierte
Oberfläche ................................ ..................................................................................... 96
3.12.2 Immobili sierung von einem S omatostatina nalogon an einer Alkin-t erminier ten
Oberfläche ................................ ..................................................................................... 98
3. 12.3 AFM -Aufnahmen zu r Pepti d-Anbindu ng von Peptid 5 a n Si(111)-Oberfläch en .......... 104
4 Zusammenfassung ....................................................................................................................... 108
4.1 Aufbau funktioneller Monolagen u nd Immobilisie r ung von Biomol ekülen auf Si(100) ....... 108
4.1.1 Optimierung de r Oxid-Monola ge ................................................................................ 108
4.1.2 Prozess zum Aufbau von APTES-ter minierten Monola gen .......................................... 109
4.1.3 Peptid-Im mobilisierung au f Si(10 0 ) ............................................................................. 1 13
4.1.3.1 Direkte Im m obilisierun g von Biomolekülen an eine A min-term inier te
Oberfläche ............................................................................................................... 113
4.1.3.2 Indirekte Im m obilisi erung von Bi o molekül en an eine A min -terminiert e
Oberfläche ............................................................................................................... 118
4.2 Aufbau funktioneller Monolagen u nd Immobilisie r ung von Biomol ekülen auf Si(111) ....... 123
4.3 Zusammenfas sung der ver wendeten Kon zentrationen der Peptide ................................... 127
5. Experimentell er Teil .................................................................................................................... 128
5.1. Geräte u nd Method en ......................................................................................................... 1 28
5.2. Vorschrift en zur Funk tionalisierung der Si(1 0 0)-Oberflä chen ............................................. 1 31
5.3. Vorschrift en zur Immob ilisierun g der Pep tide 1,2 und v on Azobenzol 3 auf Si( 100) ........... 1 36
5.4. Vorschrift en zur Funk tionalisierung der Si (1 1 1)-Oberflä che .............................................. 138
5.5. Vorschriften zur Immob ilisierung der Pep tide 4 und 5 auf Si(111) ...................................... 140
5.6. Synthesevo r schrift de s Farb stoffes AMC und Vo rschrift zur Anbindu ng auf einer A min-
terminierten Ob erfläche ......................................................................................................... 1 41
6. Literaturverz eichnis ................................................................ ..................................................... 143
7. Abbildu ngsverzeichnis ................................................................................................ .................... vii
8. Tabellenverzeich nis ....................................................................................................................... xiii
9. Schemata Verzei chnis .................................................................................................................... xiv
10. Sp ektrenanhan g ............................................................................................................................. xvi

iii

A BK ÜR ZU NG SVE RZ EI CHN IS

Abkürzung Bedeutung

 chemische Ver schiebung,
Deformations schwingun g
 Wärme, Erhitz en
 Streckschwing ung, Valenz schwin gung
𝜈  Wellenzah l
 Wellenläng e
Å Angström
Ac 2 O Essigsäureanhydrid
AK Arbeitskreis
aq. wässrige Lösun g
Äquiv. Äquivalent(e )
Abb. Abbildu ng
abs. absolut
AFM Atomic Force Mic r oscope
AMC 7-Amino-4- methylcou marin
APTES 3-(Aminoprop y l)trietho xysilan
as asymmetrisch
ATR attenuated total r eflectio n
Boc tert -But yl o xycarbon yl
bzw . beziehu ngsweise
°C Grad -Celsius
cm -1 Einheit der Wellenzahl
Cu Kupfer

iv

CuI Kupferiodid
3D dreidimensi onal
d Dicke, Tag
DCM Dichlormethan
dest. destilliert
DIPEA N,N -Diisopr opylethyla min
DMF N,N -Dimethylforma m id
DNA Desoxyribonuklein säure
EDTA Ethylendia mintetraessigsä ure
et al. und andere
Et 2 O Diethylether
EtOH Ethanol
FT Fourier Transfor m ation
g Gramm
ges. gesättigt
h Stunde(n)
H Wasserstoffato m
H 2 O Wasser
H 2 O 2 Wasserstoffp eroxid
HCl Salzsäure
HCTU 2- (6 -Chlor-1 H -benz otriazol-1-yl)-1,1, 3,3-
tetramethyla minium-hexafluoropho sphat
HF Flourwasserst o ffsäure
Hg Quecksilber
h∙  Licht
HTI Hemithioind igo
Hz Hertz
IR Infrarot

v

K Kelvin
kat. katalytisch
konz. K onzentri ert
l Länge
L Ligand, Liter
LED Leuchtdiode
Lit. Literaturwer t
LM Lösungsmitt el
m Multiplett / medium / mitte l
mM MilliMolar
M M olar mol / L
MeOH Methanol
MeCN Acetonitril
Milli-Q-Wass er Reinstwasser
MHz Megahertz
min Minuten
mL Milliliter
mm Millimeter
mmol Millimol
µm Mikrometer
µM Mikro-Molar
n Anzah l, Stoffmenge
NaOH Natriumhydr o xid
NH 2 Amin-Gruppe
NH 4 F Ammoniu m fluorid
NH 4 OH Ammoniu mhydroxid
NHS N -Hydroxysuccin imid
nm Nan ometer

vi

NMR Nu clear magnetic resonanc e / magnetische
Kernresonanz- Spektrosk opie
o ortho
p para
p.a. purum analysis
Pd Palladium
Pd(PPh 3 ) 4 Palladiumtriphen ylphoshine
ppb parts per b illion
PSS photostationary st ate , pho to stationär er Zustand
R Rest
RT Raumtemp eratur
s Sekunde(n), sy m metrisch
SAM self-assembled monolaye r , selbstorganisi erende
Monoschicht
Si Siliziu m
SiO x Siliz iumo xid
Sulfo-GMBS N -(  -Maleimid obutyryloxy)sulfosuccini midester
Sulfo-NHS -Biotin Biotin-3-sulfo- N -h ydroxysu ccinimid-Ester
Natiumsalz
t Zeit/ Triplet t
T Temperatur
t 1/2 Halbwertszei t
TEA/ NEt 3 Triethylamin
THF Tetrahydr ofuran
UV Ultraviolet t
VIS sichtbares Licht
z.B. zum Beispiel

1

1 E INLE ITU NG

Das Interesse an und die Verwendung von elektronischen Geräten is t b is in die heutige Zeit stetig
gestiegen. Die Entwicklung der Elektronik in Richtung der M ikroele ktronik vor ca. 50 Jahren gab die
Initiierung z ur H erstellun g von m iniaturisi ert en elektr onischen Gerä ten und Einzelteil en. Diese
Miniaturisierun g führte zu den verschiedensten Anw endungsformen für die Erfassun g, Speicherung
und Verarbeitung von Inf o rmation en (Laptops, Tablets, Sm artphones etc.). Die Verdrängung von
Germanium als führendes Halbleitermaterial durch Sili zium, ermöglicht e die We iterentwicklun g der
Miniaturisierun g. Anders als Germaniu mdioxid ist Sili ziumdioxid gegenüber Wasser chemi sch s tabil
und erlaubt so d ie einfache Reinigung der Oberfläch e mit Wasser und vereinfach t die nassche mischen
Beschichtungs- bzw. Strukturierungsv erfahren bei höheren Temperaturen. Auch die
Weiterentwi cklung der b iotechnologis chen Forschu ng gibt weiteren Anr eiz zum Ausbau der
Miniaturisierun g zur H erst ellu ng von Oberfläch en mit definierter und m öglichst pr äziser M usteru ng i m
Nanometerb ereich. [1] Für diese Form der Strukturierun g bietet die Chemie, aufgr und der Bildung und
des Brechens vo n Bindu ng en zwischen Atomen, eine hervorragend e Mö glich keit. D ie durch diese
Reaktionen entstandenen Produkte b esitzen ein en Größenb ereich von 0.1 bis 10 nm und erm öglichen
so die Entwicklun g neuer Synthesem ethoden sowie die Herstellung einheitlich er Nanostrukturen im
Bereich von 1-100 nm. Die Biologie hingegen stellt die Quelle der Anregu ng für die Entwicklun g
neuartiger Oberflächen dar. [2 ] Biologische Systeme (z.B. DNA, P roteine etc.) können mit anderen
Komplexen wechselwir ken und erm öglichen so eine Vielzahl von ne uen Entwicklun gsstrategien zur
Analyse von biologisch en Interaktion en. Die Kombinati on aus Chemi e, Biologi e und
Halbleiterte chnologie gab den Anstoß zur Her ste llung von P roteinchips und Biosen so ren. Das Interesse
an Methoden zur Protein- und P eptidi mmobilisierung für den Aufbau von derart igen Chips ist in den
vergangenen Jahren steti g angestiegen, da Protei nchips ein en integralen Bestandteil für di e
Anwendung in Mediz in und Bio analytik (z.B. Blutzucker m essgerät) bilden. Proteinchips bzw.
Biosensoren erm öglichen ein e schnelle Darstellung u nd Erfa ssung k ompletter
Proteinwechsel wirkungsnetzwerk e . Darüber hinaus l assen sich auch Protein-Pr o tein- oder Protein-
Wirkstoff-W echselwirkun gen ohne aufwendig e bio chem ische Verfahren schnell und umfassend
implizieren. [1] Um derartig präzise strukturi erte Biochips herzu ste llen, sind die Wahl de r
Chipoberfläche und die Immobilisierun gsstrategie von höchst ents cheidender Bedeutung. Diese
Voraussetzun gen müssen z u möglichst v ielen P ro tei nen/ Peptiden kompatibel sein und dürfen die
Konformation sowie die biologisch e Funktion nicht verändern. Um diese geeignete Chipoberfläche zu
erzielen, stellt di e selbstorganisi erende Monolage (SAM) eine gute Möglichkei t dar.

2

Abbildung 1: Allgemeiner Aufbau einer SAM auf einer Oberfläche n ach Love et al.. [2]

1.1 Au fbau von s elbs torg anis ier end en Mon ol ag en (S AM s)
Die Nachfrage nach defini erten und präzisen Oberfläch en im Nan ometerbereich stieg in den letzten
zehn Jah ren stetig an. Die Modifizieru ng s olcher Oberfläch en ist en tscheidend für die
Funktionsfähig keit, Stabilit ät und Leistungsfähig keit eines P roteinbiochip s. Che misch immobilisi erte
Moleküle, di e entweder die Oberfläche passi vieren oder die Eigenschaf ten der Oberfläche
beeinflussen, er geben eine Möglichkeit die Oberflächeneigensch aften zu kontrollieren. Es gibt zwei
Vorgehensweisen, um eine Modifizierun g einer Oberfläche zu erreichen. Die Erste ist das Anbinde n
von selbstorganisier enden Monoschichten (SAM) und die Zweite die Abscheid ung polymerer oder
mehrlagiger Schich te n. [3] Die Met hode der Selbstassemblierun g, um gezielt eine Oberfläche zu
strukturieren oder zu modifizieren, hat sich aufgrun d der einfachen und kosteng ünstigen Herstellung
durchgesetzt. [4] Diese Selbstorganisati on wird durch eine kovalente Immo bilisierung zwischen
Materialoberflä che und der Lösung einer Oberflächen-aktiv en Su bstanz g ebildet, und es entst eht ein e
zweidimensionale Struk turordnu ng, wobei da s S ystem versuch t aus Molekülen und Oberfläche ein
Gleichgewich t anzustreben . [5]
Die eine SAM ausbildenden o rganischen Molekül e besitzen eine sog enannte „Kopfgrupp e“, di e eine
funktionelle Gruppe für die kovalente Anbin dung des Substrats bzw. mit einer spezifischen Affinitä t
zum jeweiligen Trägermateria l aufweist (Abbildung 1). Diese Gruppe stabilisier t die Oberflächenatome
und kann die elektronischen Zustände des Substra tes verändern. Durch die Funktionalisierun g der
terminalen funktionell en Gruppe der Spacer -Ein heit (Alkyl-Ketten) erhält man definierte geor dnete
organische Monolagen (1 -3 nm). Des Weiteren fungier t der Space r als physi kalisch e Barriere und kan n
die Oberflä cheneigenschaften , wie z.B. die Leitfähigkeit oder die Polarit ät, ve rändern. Durch die
terminale funktionelle Gruppe am Spacer für die Anbindun g von Biomolekülen und anderen Molekülen
(z.B. Photoscha lter) werde n die Eigenschaften der Oberfläch e besti mmt. [2, 6]

3

Für die Entwicklung von Biosensoren m it elektroc hem ischer Detektion ist die Wahl geeign ete r
Oberflächen ent scheidend. Diese Oberfläch en sind durch hohe chemisch e Homo g enität, Stabil ität,
kontrollierbare Oberflächeneigenschaft en und eine hohe Repr oduzierbarkeit d er
Oberflächen m odifizierung gekennzeichn et . Aufgrund der h ohen Leitfähigkeit s owie der einfachen
chemischen Funktionali sierbarkeit werden dafür häufig Goldoberflächen verwendet. Doch seit de n
ersten Unter suchungen von Chidsey und Linfort , in denen si e die kovalente Anbindu ng
unterschiedlicher Alkyl-Re ste an Si(111) aufzeig en, stellt Siliziu m eine günstig e und interessant e
Alternative für die Bildu ng von Monolagen auf Oberflächen dar. [7] D urch die ebenfal ls hohe
Leitfähigkeit, die chemis che Widerstand sfähigkeit gegenüber L ösung smitteln und die hohe
mechanische Stabilität biet et Siliziu m eine hervorr agende Grund lage für eine gezielte Modifiz ierung
mit unterschiedlich en o rgan ischen Monolag en. [1] Aufgrund der Bildung einer amorphen nativen
Oxidschicht, durch Oxidation von Siliziu m mit Luftsauerstoff, wird allerdings eine chemisch e
Funktionalisierun g erschwe rt.
Kommerziell sind zwei am häufigsten verwende te Orientierung en erhältlich. D ie eine Ausrichtung ist
Si(111) und die zweit e Si(100). Im ersten Teil dieser Arbeit wurde der Fokus au f die Si(100)- und im
zweiten Teil auf die Si(111)-Orientierun g gelegt.
Fü r den Aufbau v on Monolagen auf Siliziu m ko mmen zwei Verfahrens weisen in Frage . Zum einen kann
eine Ausbi ldung der Monolage auf einer oxidfreien Ob erfläche erfolgen, und zum anderen direkt auf
der nativen od er dünnen O xidschicht durchgeführt werden (Schema 1).

Um eine Si-C-Bindung an der Siliziu moberfläche erzeugen zu kö nnen, muss diese zuvor mit dem Ziel
der Entfernu ng der vorhandenen Oxidschic ht behand elt werden. [8] Dies erfolgt d urch die Verwend ung
einer ätzend en Säure (z.B. HF o der NH 4 F), unter der Bildung der Wasserstoff-ter m inierten Si -

Schema 1 : Allgemeine Verfahrensweisen zum Aufbau von Monolagen auf Silizium anhand vo n Beispielen.

4

Oberfläche. An dieser kön nen nun Alkyl-K ett en oder andere organische Mo le küle über geeignete
Hydrosilylierun gsverfahren verankert werden. Zur Bil dung einer SAM auf oxi dierten Oberflächen
kommen Organosilan e zum Einsatz . Der Vo rteil bei der Verwendung von Alky lsil anen zur Bildung von
SAM s auf Oxidoberflächen ist die schnelle kovalente Bindung zwischen dem Sub strat (SiOx) und der
Silaneinh eit (SiX 3 , X=OEt 3 ) . Für die Oberflächen mo difiz ierung mit Silanen existier en z wei anwendbare
Methoden. Zum einen die Reaktion in Lösung und z um ander en die Reakti on in der Gasphas e. Die
Verknüpfun g von Silanen aus der Gasphase erfolgt meist über mehrere Stu nden oder Tage bei
erhöhten Tempera turen (50-120°C). Nach ersten Veröffentlichu ngen von Sagiv [9] über die Herstellu ng
von Silan- M onoschicht en aus der Lö sung im Jahr 1980 wurden zahlreich e weitere Untersuchun gen
eingeleitet. B ei der Anbind ung in Lösung wird übliche rwe ise bei Raumtemp eratur gearbeitet . Dabei
sind jedoch die Viskosität un d Polarität des L ösungsmittels sowie die Wasserm enge im Lösungsmitt el
für die Hydrol yse der Silan-Moleküle von entscheiden der Bedeutung . [3] Ein Wasserüb erschuss in der
Lösung führt zu einer über mäßigen Poly merisation des Silans, wohin ge gen bei einem Wasser m ange l
unvollständige Monoschicht en ausg ebildet werd en. Auch die eingesetzte Silan-Konzentration
beeinflusst die Morphologi e der Oberfläch e. Au s z u hohen Konzentrati o nen des Silans resultieren sehr
raue und nicht homogen e Schich ten, während b ei g eeigneter Konzentra tion gl atte und homogene
Monoschicht en erzeugt werden [1] . Die Anbindun g von Organosilan en aus der Lösung findet in der
Herstellung vo n Protein chips großen Zuspruch, d a bereits v orstrukturier te (m it Leit erbahnen,
Kontakten etc.), funkti o nsfäh ige Si-Elemente (Sens oren etc.) weder beschädig t noch funkti o nsunfähig
werden. Auch in dieser Arbeit wurde ausschließlich die M ethode d er Funktionali sierun g der Oberfläche
mit Organosilanen aus der Lösung ver we ndet.
1.2 B iochi ps
Wie eingangs erwähnt spielt die Entwicklun g von Protein chips und Biosensoren eine wichtige Ro lle in
unserem täglichen Leb en (z.B . Blutzuckerwerter m ittlun g bei Diabetespatienten ). Mit Hilfe dieser
Sensoren können Wechselwirkun gen und Interak tio nen von Biomole külen (Pep tide, Proteine, D NA
etc.) untersuch t und erfasst werden. Di e Herstellun g so lcher Ch ips gestalt et s ich komplex . Für die
Immobilisierung v on Biomolekülen an Biosens orchips werden eine hohe Qualität und ein e
reproduzierbare funkti onalisierte Oberfläche voraus gesetzt. [10] Durch die ausgewählte Art von
funktionellen Gruppen an d er Oberflä che wird die R eaktivität des Chips b eeinflu sst und besti mmt. Di e
Nachweisgrenz e und die Menge an immobilisi erten Proteinen hängen stark von der M enge und Dich te
der funktionellen Gruppe n auf der Oberfläch e ab. D aher ist es v on entscheidend er Bedeutung
zwischen dem Protein und der Oberfläch e geeignete Abstandshalt er einzuführen. D iese können
auftretende Effekte, wie die Denaturierung der Proteine und die damit einhergeh enden
Veränderung en der Bindu ngseigenschaften und Ak tivität en der Proteine deutlich minim ieren. [1] Des

5

Abbildung 2: Funktionsweise der SPR-Technik. Die Goldoberfläche ist mi t untersch iedlichen Biomolekülen beladen.
a) Rezeptor gegen Enzym b) Antikörper gegen Protein c) Antikörper gegen zellul äre Struktur d) Kohlenhydrat, was
an einem Protein bindet e) Wirkstoff, der mit einer proteinergenen Zielstruktur interagiert.

Weiteren können unerwün schte Mehrfach an bindu ngen verhindert werden, wodurch es ebenfalls zu
einem Akti v itätsverlu st de r Proteine kommen kann. Die S pacer können dab ei beliebig e ch emische
Eigenschaften aufweisen und eine beliebig e Länge besitzen. [1] Die zu immobilisie renden B iomole küle
können dann m it der termin alen funktionellen Gruppe eine kovalente Bindung ausüben. Durch die
Einführun g der Space r wird zwischen dem immobil isierten P rot ein und der Chipoberfläch e eine
bestimmte Entfernung erreicht, wo durch die L eistun gsfähigkeit eines Pr oteinchips beeinflusst werden
kann.
In Zusammenarbeit mi t d en Arbeitsgru ppen von P rof. Dr. Klaus Petermann (Hochfrequ enz- un d
Halbleiter-Sys temtechnolo gien, TU Berlin) und Dr. Rudolf Volkmer (Medizi nische Immun ologie ,
Charité-Univ ersitätsmedi zin, Berlin) wurde in einem gemeinsamen DFG-Proj ekt an der Herstellung
eines neuen Biosensorchi ps gearbeitet. Der Fokus dieses Projekte s liegt in der Entwic klung ein es
biochemischen S ens or -Syst ems.
Zahlreiche Sensorsyst eme basieren auf de r gäng igen Oberfläch en -Plasm on-Resonanz-Sp ektroskopi e
(SPR-Spektros kopie). Durch zusätzliche Funktion en sollen zeitaufg elöste Messungen der
Bindung skinetik und parallele Prüfungen von verschi edenen Li ganden durchfüh rbar sein. [11] Bei der
SPR-Spektros kopie besteht der Biosensorchip aus ei ner Glasoberfläche, welch e mit einem dün nen
Goldfilm beschichtet ist. Der am meist en verwendete Chip (CM5 ) trägt an seiner Go ldoberflä che eine
Carboxy-methyli erte Dextran-Oberfläche. Dextran ist ein verzweigtes, komplex es Polysa ccharid mit
Glucose-M olekülketten unterschiedlicher Länge und b ildet eine hydrophil e Matri x aus, die daraufhin
ein Biomolekül, o hne Denaturierun g dessen Struktur, kovalent an die Oberfläche binden kann. Nach
Aktivierun g der Carboxy- methylierten Dextran-Oberfl äche mit N -Hydroxysu ccinimid (NHS) und
anschließend er Umsetzung mit Ethylendiamin wird ein A min-funkti onalisiert es Gel erh alten. [1] An
diesem Punkt setzt o ft eine zusätzl iche Funktionalisieru ng der Oberfläche ein ode r es folgt die dire kte
Immobilisierung der Bio moleküle (Abb ildung 2).

6

Abbildung 3: A: SOI-W ellenleiter B: SEM-Aufnahme von einem Ring-Resonator. Grafiken entnommen
aus DeVos et al., Proc. o f S PIE (2007) [13b ] .

Abbildung 4: Schematischer Aufbau und Funktionsweise eines MMR. A: Anordnu ng einzelner Well en leiter zum
Aufbau eines Ring-Resonators. B: Transmissionsspektrum eines Resonators und die Änderung der Resonanzfrequenz
nach der Immobilisierung von Molekülen. Gra fik entnomm en aus Washburn et al., Anal. Chem.(2009). [1 2]

Die in diesem Projekt verwendeten Biosensoren basieren auf der Sil icon- On -Insulator- (SOI-) Technik .
Hierbei werden Mikro-Ring-Resonator en (MMR) auf Si(100) als Sensorelemente verwendet. D ie SOI-
Wellenleiter bestehen aus zwei Schichten Sili zium (Si), welche durch eine dünne Siliziumoxidschicht
(SiO 2 , untere Grenzschicht des Wellenl eiter s) , vonei nander g et rennt sind. Die unterste Si-Schich t
verleiht dem Wellenl eiter die Härte und Festigkeit für seine Behandlung und den Umgang mit dem
Sensor . Die oberste Si-Schicht dient als eigentlich er Wellenleiter, welcher überdi es zur
Funk tionalisierung genutzt wird. In Abbildung 3 wird der visuelle Aufbau des S OI-Wellenleiters und
außerdem eine aufgezeig te SEM-Aufnahme eines Mikro-Ring-Re so nators zu m besseren Verständni s
dargestellt.
A B

Die Mikro-Rin g-Resonatoren bestehen aus Wellenleitern, die miteinan der gekoppelt sind. D abei ist
einer von diesen in sich geschloss en und bildet dadurch eine zyklische Form aus , die zwisch en eine m
Input und einem Output lie gt (Abbildu ng 4 A) . [12]
A B

Wenn diese Wellenleiter nah genug anein ander li egen, entst eht eine evaneszen te Kopplung zwisch en
dem zyklisch en Wellenlei te r und dem Input -W ellenleiter. D er geschlossene Wellenl eiter stellt
gleichzeitig einen Resonator dar, dessen Resonanzfrequ enz (  Reso nanz ) vom effektiven Brechungsin dex
( ne ff ) des Mediums und vom Radius des Rings ( 2 π r ) abhängig ist. [13] Diese Abhängig ke it ist in der

7

Abbildung 5: Grundkonzept des Biosensor-Systems . A: Allgemeine Funktionsweise des Biosensor-Systems,
B: Biosensor-System. Grafik entnommen aus Jäger et al., Sensors and Actuators B (2016). [1 1]

Gleichung 1 wiedergeg eben . Dah er erfolgt die evaneszente Kopplung zum Resonator unter den
Resonanzbeding ungen dieser Gleichung. D ie Variable m ist ein ganzzah liges Vielfa ches, bei geg ebenem
Umfang, der Resonanzwe llenlänge. Über den ausgehenden Wellenleiter ( Output ) kann nun die
Resonanzfrequenz (  Res onanz ) des Resonator s ausgekop pelt und bestimmt werden.
𝜆 𝑅𝑒𝑠𝑜𝑛𝑎𝑛𝑧 = 2 𝜋𝑟
𝑚 𝑛 𝑒𝑓𝑓 Gleichung 1
Das durch die rotatorisch e Resonanzfrequ enz erzeugte evaneszen te Feld im Wellenleiter positioniert
sich im Zentrum de s We llenl eiters. Durch Absorptio n von Molekülen auf der Ober fläche des MMR
kommt es zu einer Interakt ion mit diesem e lektri schen Feld und d er Oberfläche. Hierb ei entsteh t ein e
Änderung des effektiven Bre chungsin dexes (  n eff ) und es kommt zu eine r Verschiebun g der
Resonanzwellenl änge des Reso nators (   Resonanz ) (Abb. 4B). Um diese Verschiebu ng wahrnehmbar zu
erfassen, wird in der Hoch frequenztechnik an der TU-Berlin mit einem kürzlich entwickelten Fluidik-
System gearbeitet. Dabei wird der Biosensor auf ein Wärmeableitblech mit Temperaturkontr o ll e
positioniert. [11 ] L icht von einer einstellbar en Laserquelle wird über einen L ichtwellenl eiter (z.B.
Glasfaserkab el) in den Sens or -Chip einge ko ppel t. Der zu erfassende B ereich ist mit einem Fluidik-Kana l
abgedeckt, wobei sich in diesem der z u u ntersuchen de Analyt befindet. Das dadurch entstand ene
Signal ( Output ) wird eb enfalls über einen Lichtwellenleiter au sgekoppelt , de r mit einem Ph o todioden-
Detektor verbunden ist, und die Änderun g der Resonanzwellenläng e kann darauf hin gemessen werden
(Abbildu ng 5 A). Bei dem eingesetzten Biosensor-Sy stem ist die Siliziu m -Oberfläch e des MMR mit ein er
organischen Monoschicht f unktionalisier t und trägt dab ei das immobilisi erte Biomolekül (z. B. Peptid) .
Das dazu passende zw eite Biomol ekül (z.B. Antikörpe r oder Protein) wird über die Fluidik-Einh eit au f
den Biosensor gegeben (Ab bildung 5 B). [11] D abei können Konzentrationen der Moleküle im
picomolaren un d ppb-Bereich nachg ewiesen we rden (10-150 µg /mL).
A B

Die so erhaltenen Daten kö nnen ferner Studien über die thermodyna m isch en und kinetische n
Eigenschaften d er Wechsel wirkungen zwischen den zu untersuchenden Bi omolek ülen liefern.

8

1.3 AT R-FT- IR -Sp ektr osko p ie
Zur Charakterisieru ng der funkti onalisierten Oberfläch en können unters chiedliche
oberflächensensiti ve Methoden (z.B. AFM, SEM, XPS etc.) zum Einsatz kommen. Die einfachste und
eine zugleich zerstörungsfr eie M ethode zur Charakte risierung ist die Schwingun gsspektrosk opie (IR,
Raman). Stoffspezifisch e Ab sorptions- bzw. Transmis sionsbanden in der Infrarotspektr oskopie von
chemischen Verbindun gen ermöglichen aufgrund der hohen Reproduzierb arkeit der Bandenlage eine
eindeutige Identifizi erung von Stoff - und Su bstanzkl assen. [14] Das Verfahren der IR-Spektroskopi e
beruht auf der Anregu ng von Schwingu ngsenergiezu ständen in Molekülen durch Infrarotstrah lung
(1 µm – 1 mm). Hie rbei ist es erforderlich, dass sich das dynamis che Dipolmo ment der zu
untersuchenden Substanz während der IR-Anregu ng ändert und dadurch die Atome aus ihrer
Gleichgewich tslage gebrac ht werden. Dabei werden Schwingungen innerhalb des Moleküls erreic ht,
die dann vermessen werden können. Die Verwendu ng eines Fourier -Transfor m-Spektrome ters (FT) ,
auch Michelson-Inte rferometer genan nt, ermöglicht die gleichz eitige Erfassung aller Fr equenzen a m
Detektor, wodurch die E mpfind lichkeit erh ö ht wird. Das polychromatische Licht der Strahlu ngsquelle
wird durch einen halbdurch lässigen Spiegel (Strahle nteiler) in zwei Strahlen aufgeteilt. D urch di e
Reflexion an zwei verschiedenen Spiegeln (fixiert und v ariabel) legen die Strahlen unterschiedliche ,
von der Positi o n des variablen Spiegels abhängig e Weg e zurück. D er dabei entsteh ende kontinuierlich e
Drift erzeug t eine Abs chwächu ng o der Verstär kung der hinterher wieder zusammengefügte n
Lichtstrahl en. D ie Form der so erzeugten Interferenz (Interferogra mm) ist fo rtan eine Funktion der
spektralen Zusammense tzun g des L ichts und der Geschwindigkei t des Spiegels. Durchquert das
modulierte Licht eine absorbierend e Probe wird die Art des Interfer o gram m s verändert. Die
Aufnahmen der Interferogram me vo n der Substanz- und der Verglei chsprobe erfolgen
nacheinand er. [14] Diese werden von einander abg ezogen und man erhält ein Differe nz -
Interferogram m , welches anschließend durch die Fourier-Transf o rmati on in die Frequenzdomäne
überführt wird. Schließlich wird das charakteristisc he Banden-Spektru m der Probe erhalten. Die
Verwendung der ATR- Spek tro skopie ( attenuated tota l reflection ) ermöglicht Oberflächenanalysen von
Proben, die sich in K ontakt m it einem Kristall mit hohem Bre chungsin dex bringen lassen. [15] Das Prinzip
der ATR beruht auf der Messung der totalen Reflexio n an der Grenzfläche zwisc hen dem ATR-Kristall
und der Probe. Durchdrin gt ein IR -Strahl zwei lic htdurchlässi ge Medien mit unterschiedlich en
Brechungsin dizes (n 1 /n 2 ), wird an der Grenzfläche das Licht nach Gleichung 2 (Snell`sche Gesetz )
gebrochen. Dadurch entsteht an der Grenzfläch e, durch die Überlagerung von einstrahl endem und
reflektierte m L icht, eine stehende Welle und es wird so ein elektr omagnetisches (evaneszentes) Feld
(Abbildu ng 6) erzeugt. [14]

9

Abbildung 6: Prinzip der abgeschwächten Totalreflexion (ATR). A: Darstellung der ev aneszenten
Welle. B: Messung einer Probe unter Verwendung der ATR -Technik.

A B

Durch Gleichung 3 wird die Eindringtiefe (d p ) dieses Feldes in das optisch dünnere Medium
beschrieben. Dabei nimm t die Int ensität exp onentiell zum Abstand von der Oberfläche ab. Die
Absorption der IR-Strahl ung durch die P robe entsteht an jedem Reflexi o nspun kt. Klassisch e
Materialien die als A TR-Kristall verwendet werden können sind zum Beispiel: Diamant, Germaniu m ,
Siliziu m oder Zinkselenid. Mit der Gleichung 4 kann die gesamte An zahl der erhal tenen Refle xio nen (z)
des jeweilig e n Materials bestimm t werden. Bei de m Einsatz v on Silizium - mit einem Br echungsin dex
von n  1 .5 für o rganisch e V erbindungen - ergi bt sich ei n kritischer Winkel von mindestens 34° für eine
Totalreflexi on. [16]
n 1 sinθ 1 = n 2 sinθ 2 Gleichung 2
𝑑 𝑝 = 𝜆
2𝜋𝑛 1 √ (𝑠𝑖𝑛𝜃 2 − ( 𝑛 2
𝑛 1 ) Gleichung 3
𝑧 = 𝑙
𝑑 cot ( 45° − 𝑎𝑟𝑐𝑠𝑖𝑛 𝑠𝑖𝑛𝜃 1
𝑛 ) Gleichung 4

In der Tabell e 1 werden kommerzielle Si -Kristalle m it handg efe rtigten Kristallen v erglichen. Dabei wird
offenbart, dass eine gering e Dicke (d) bei gleicher Kantenlänge (l) eine sehr viel höhere Anzahl an
internen Reflexionen hervorru ft und folglich eine be ssere Intensität und ein besseres Signal/Rausch-
Verhältnis erhalten werden. Diese Si-Kristall e ergebe n eine besse re Resttran smission des IR-Lichte s
unterhalb vo n 1500 cm -1 , wobei di e Spektren nur bis ca. 1 000 cm -1 , aufgrund der phononischen
Schwingun gen im Kristall, a usgewertet werden können.

10

Tabelle 1: Kenngrößen für kommerzielle und für die im AK handgef ertigten Si -Kristalle.

Art

Länge
l

Dicke
d

Einfallswinke l
θ 1

Eindringtiefe
d p

Reflexionen
z

kommerziel l

25 mm

5 mm

45°

0.16 µm - 1. 6 µm

5

hand gefertigt

25 mm

0.5 mm

45°

0.16 µm - 1. 6 µm

52

11

2 Z IEL SE TZ UNG

In Zusammenarb eit m it den Arbeitsgruppen um Prof. D r. Klaus Petermann (TU -Berlin, Institu t für
Hochfrequenz- und Halbleiter-Syste m technologi e) und Dr. Rudolf Volkmer (Char ité -Berlin, Institut für
medizinische Immunologi e) wird an der Entwicklung eines label-freien o ptische n Biosensor-Systems
gearbeitet. Das Gesa mtziel dieses DFG-Projek te s ist die Entwicklung und Validierung v on
Immobilisierung spr ozessen auf Silizium (100), u m ein reales Biosensorsyste m für parall ele
Echtzeitmessung en von biologischen Protei n-Liga nd - We chselwirkun gen unters chiedlicher Arten zu
erhalten . Die Kombination aus den einzelnen Arbeits gebieten bietet eine hervorragende Grundla ge
zum Erreichen des genannten Vorhab ens. Dabei bildet die Chemie das Binde glied der beteiligte n
Arbeitsgrup pen und ermöglicht mit den Vorarbeiten auf einer unstrukturier ten Oberfläche die
Umsetzung der Immobilisi erun g von Biomolekülen auf den Bio sensoren.
Die Aufmerksam keit in der vorliegenden Arbeit liegt zunächst auf der Ausarbeitu ng der notwendige n
chemischen Verfahr en zur Immobilisierung ausg ewähl ter Biomoleküle auf Si( 100)-ATR-Kristall en nach
den Voraussetzu ngen der verwendeten Biosensor-Systemen . D arüber hinaus wird ein feste r
Bestandteil darin best ehen, die verschiedenen F unktionalisierungen und d ie immobilisi erten
Biomoleküle m ittels A TR - FT - IR - Sp ektroskopie zu char akterisieren.

Die drei wich tigsten Bedingung en und Voraussetzun gen:
1) Die Bi o sensoren basier en au f Silizium und haben die Orientierung Si(100). Demzufolg e wird im
ersten Teil die ser Arb eit auch auf Si(1 00) gearbei te t.
2) Da die Biosens o ren eine Mikrostruktu rierung ( Wellenleiter, MMR) auf der Oberfläche besitze n
und mit einer Oxid-Schicht von bekannter D icke ( 1-2 nm) belegt sind, müssen die Arbeit en
ebenfalls auf oxidierte m Material du rchgeführt werd e n.
3) Durch die Mikrostrukturi erung en , die bei der Verwen dung v on Säuren oder Basen beschädigt
werden oder die Funktion alität verlieren könnten, müssen m ilde Reaktionsbeding ungen für
die Funktionalisi erung gewählt werd en.

Im ersten Te il dieser Arbeit soll die Funk tio nalisi erung der Si(1 0 0)-Oberfläch e, das Err eichen einer
Monolage und die Reproduzierb arkeit der Monolagen-präparation m it geeigneten Linkern (APTES etc. )
ausgearbeite t werden, um eine Anwendun g auf Biose nsor-Chips zu ermöglich en. Anschließend sollen
weitere organische Funk tio nalität en auf der Oberfläche erzeug t werden , um verschiedene
Biomoleküle kovalent auf d er Oberfläche zu immobilisieren. Zusätzlich so lle n die aufgebrachte n
Funktionalität en mittels der ATR- FT - IR -Spektr oskopie charakterisiert werden. Nach erfolgreicher

12

Schema 2: Allgemeine Darstellung der Funktionalisierung sowie Immobili sierung von Biomolekülen auf Si(100).

Präparation einer gut geordneten Monoschicht der organisch en Moleküle soll en im An schluss
Immobilisierung spr ozesse für Biomoleküle und pho toscha ltbare Moleküle ausg earbeitet we rd en. Die
allgemein e Dars tellung d er Funktionalisierun g und der Immobilisierun gsprozesse ist in Sche ma 2
verdeutlicht.

13

Nach Vorarb eiten i m Arb eitskreis Rück-Braun sollen im zwei ten Teil dies er Arbeit weitere, inter essante
photoschaltbare Peptide auf eine Silizium-Oberfläche aufgebracht werden. Hier bei sollen die Stud ien
auf Silizium (111) durchgef ührt werden. Für die kovalente Anbindu ng von Biomolekül en auf Si(111)
wird die P räparati o n der Wasserstoff-ter minierten Oberfläche (Si-H) als Gru ndlage v erwendet.
Anschließend soll an der Umsetzung m it ge eigneten Linker-Molekül en zu SA Ms gearbeite t werden. Di e
Immobilisierung der im Arb eitskreis s ynthetisierten Peptide soll einers eits über eine Al kin-te rminiert e
und andererseits über eine Carboxy-terminier te Oberfläche erfolgen, der en Herstellung über
Hydrosilylierun gsreaktionen mit  -funktionalisierten 1-Alkinen (Alkin-Kopfgrup pe) bzw. 1-Alk enen
(Carbonsäure ester-Kopfgru ppe) g elingt. Die Alkin-termini erte Monoschicht bietet durch die
endständige Dreifachb indung die M öglichkeit einer Anbin dung von p -Iod-aryl-funktionalisi erten
Biomolekülen über eine S ONOGASHIRA - H AGIHARA Reaktion . Nach der Anb indung v on  -substituierten 1-
Alkenen (Carbonsäu reester) an eine Wassers toff -termini erte Oberfläc he mittels einer
Hydrosilylierun gsreaktion können anschließend nach einer Verseifung sreaktion der Est er-termini erten
Oberfläche di e funkti o nalis ierten Peptid e immobil isiert werd en (Schema 3).

Schema 3: Schematische Darstellung der Funktionalisierung sowie Imm obilisierung von Biomolekülen auf
Si(111).

14

3 A LLG EM EI NER T E IL

Kondensierte Materie wird durch Oberflächen von ihrer Umgebung getrennt und jeglicher Austaus ch
von Stoffen m uss durch d iese Grenzfläch e erfolgen. Die Wechselwirkung von Festkörpern mit de r
Atmosphäre (flüssig oder gasför m ig) wird auss chließlich du rch die Eigensch aften der Oberfläche
bestimmt und hängt von ihrer Beschaffenheit ab. Das Interesse an o rg anisch modifizierten
Oberflächen hat in den letzten zehn Jahren enorm zugenomm en. Die Fors chung an derartige n
Oberflächen erzielte sowohl bei der Herstellun g von Modellsyste men, als auch bei der Entwicklung
neuer Analysetechniken wichtige Fortschritt e . In vielen Bereichen des täglichen Lebens spielen
organische Oberflächen ein e große Rolle und sind un verzichtbar geworden. Beispielhaft dafür sind
Flüssigkristallb ildschirm e und Biosensorsyste me . Gerade die Herstellung von bio kompatiblen
Oberflächen mit maßges chneiderten Eigenschafte n ist von entscheid ender Bedeutung für die
Erforschung von neuartig en Biosens oren in der Medizin. Die Verbindun g von organischen und
anorganischen Materialien bietet in der Halbleiterindu strie beste Voraussetzu ngen für die
Miniaturisierun g von elektronischen Bauel ementen und die Herstellun g intelligent er
Halbleiterob erflächen. Hierfür ist die Kontroll e der Oberfläch eneigenschaften von wichtige r
Bedeutung. Organische Monoschichten auf einer Oberfläche geben die Möglichke it die Bes chaffenhei t
zu kontrollieren und zu ändern. [4] Zur Anbindung vo n o rganischen Molekülen auf anorganischen bzw.
metallischen Substrat en (Si-Oberflächen) wurden seit den Ar beiten von Sag iv [9] in den 1980iger Jahren
verschiedene Synthesestra tegien entwickelt. Die Verankerun g v on Molekülen un d damit verbunden
die Herstellung von ultradünn en Schichten kann eine rseits durch die Absch eidung aus der Gasphas e
im Ultrahochva kuum erfolg en, andererseits durch di e Met hode der Selbstassemblierun g, in dem das
geeignete Substrat in eine von mit organisch en Mole külen ausgestatt et e Lösun g getaucht wird. Die
nasschemische Immobilisie rung ste llt dab ei die einfache u nd u nter Lab o rbeding ungen kost engünstig e
Variante dar, und hat sich bei der Herst ellung von Monoschichten durchgesetzt . Für die Anbindung
von organischen Mole külen über die nasschemische Immobilisierung kann auf zwei p rinzipielle
Konzepte zurückgegriff en werden (Schema 1). Zum einen kann die Ausbildu ng einer SAM (Self
Assembled Monolayer ) auf oxidierte m Siliziu m (SiOx) durch Triethox ysilane o der Trichlorsilane und
zum anderen auf oxidfreie n Si-Oberflächen (Si- H) [17] durch Alkene o der Alkine erfolgen . Die oxidfreie,
sogenannte Wasserst o ff-terminier te Ob erfläche bietet aufgrund der definiert en Mo difizierun g die
Möglichkeit hochgeordnet e Strukturen auf dem Substrat zu erzielen. Obwohl auf der oxidierten Si-
Oberfläche, aufgru nd der amorphen und rauen Oberfl äche, nur eine gerin ge Ordnun g [18] erzeugt
werden kann, hat diese dennoch den Vorteil, dass eine Immobilisierung auf eine n ative Oxid schicht auf
bereits besteh enden Strukturen (z.B. Lei te rbahnen, Kontakte etc) eines Si-Ele ments (MRR) erfolgen

15

kann. Durch die Erzeugun g einer Wasserst off-terminierten Oberfläche mittels eines Ätzschr ittes ist
dies für oxidfreie Oberfl ächen nicht m ö glich. Es bestünde die Gefahr der Zerstörung der
nanostrukturi erten Oberfläche und d er Funktion des Si-Elements. Die Immobilisierung von
organischen Molekülen kann einerseits über die schrittwei se Anbind ung ( bottom- up -Methode) und
anderseits durch die Verankerung eines S ilan-modifi zierten Moleküls in einem Schritt ( top-down -
Methode) ablau fen (Schema 4).

Schema 4: Nasschemische Methoden zur Funkti onalisierung von Si-Oberflä chen: Konzeptübersicht.

16

Abbildung 7: Bilder eines ungeschliffenen (links) sowie geschliffenen Si-Kristall (rechts). (a) Die langen
Kanten (2.5 cm) des Si-Kristalls wurden auf einer 5%-10% igen Fläche manuell angeraut (Opferanode
beim Ätzprozess zum Erhalt einer atomar flachen Oberfläche), (b) Der Si-Kr istall wurde an den kurzen
Kanten (1.1 cm) in einem Winkel von 45° angeschliffen.

3.1 Be arb eitun g d er S i(1 00 )-Kr ista ll e
Aufgrun d der gegebenen Voraussetzungen (Biose nsorchips der Arbeitsgru ppe Prof. Dr. Klaus
Petermann (Hochfrequen ztechnik, TU-Berlin)) wur den erste Versuch e für die Validierung der
Immobilisierung spr ozesse auf Si(1 00)-Wafern o hne jegliche Mikrostrukturierung (Wellenleiter,
Kontakte etc.) durchgeführ t. Um die Funktionalisierun g der Oberfläche mittels ATR- FT - IR -Spektroskopie
charakteristisch untersuch en zu können, wurden aus doppelseitig p o lierten Si(100)-Wafern der Firma
Siltronix ( Si (100) ± 0.5°, FZ, P-Boran, R = 1600-1 800  cm, d = 500-550 µm ) Si-Kristall e (1. 1 cm x 2. 5 cm)
geschnitten . Um die gewünschten ATR-Kris talle zu erh alten (Ab bildung 7 ), wurde n die kurzen Kanten in
einem Winkel von 45° in einer angefertigten Vorrichtun g unter Aufbring ung eines Schutzwa chses
angeschliffen (Körnungsgrößen: 180, 240, 28 0, 400, 6 00, 8 00, 10 0 0, 120 0 , 1500 , 200 0 ) und polier t
(Diamantpast e: 6 µ m, 3 µm, 1 µm). D ie Entfernung des aufgebrachten Schutzwachses kann mittels
zweier Verfahren erfolgen. Das erste Verfahren b asiert auf de r bi sher i m Arbeitskr eis angewandten und
etablierten Method e. Hierbei wurde der Si-Kris tall zwei mal in Trichloreth ylen für 4 0 min bei 60 °C
gereinigt und anschließe nd in unterschiedlichen Lösungsmitteln (Aceton, Dichlor methan und
Methanol) im Ultr aschallba d für jeweils 10 m in zwei mal gewaschen. Das zweite Verfahren basier t auf
der in der Literatur [19] beschriebenen Variante mittels eines Standard RCA -Pr o tokolls (RCA: Radio
Corporation of America ). Der Kristall wurde in ein em ersten Schritt m it einer Lösung aus Wasser,
Ammoniu mhydroxid und Wasse rstoffp eroxid (5:1:1) für 10 min bei 70°C behand elt. Anschließend
erfolgte eine Spü lung des Kristalls mit M illi-Q-W asser. Mit einer zw eiten Lösung aus Wasser, Salzsäure
und Wasserstoffper o xid (6:1:1) wurde der Kristall erneut für 10 min bei 70°C g ereinigt. Zum Schluss
wurde der Kristall gründlic h (5 x5 mL) mit Milli-Q- Wasser gespült.
(a) lange Kante (2. 5 cm),
manuell angeraut
(b) kurze Kan te (1. 1 cm),
angeschliffen i n einem
Winkel von 45°

17

Schema 5: Schematische Darstellung und Reaktionsbedingungen zur Oxidation der Si(100)-Ob erfläc h e.

3.2 Ox id a tio n d er Si (100 )-Kr ista ll e

Um die g ew ünscht e Oberflächenv o raussetzu ng und die benötigte A nkergruppe für die
Funktionalisierun g mit P eptiden zu erreichen, wurde der gereinig te Kristall zuerst oxidativ mit einer
„Piranha“ -Lösun g (H 2 SO 4 :H 2 O 2 , 3: 1, v /v) behand elt. Dabei wurden Rest e von organischen
Verunreinig ungen entfernt und es entstand eine fri sch hydroxylier te SiOx-Oberflä che.
Um eine künstlich erzeugt e Oxidschicht zu erhalten, wurde diese frisch präparierte Oxidschicht sofort
mittels einer 2.5 % igen Fluorwasserst offsäure vom Si-Kristall entfernt und die Ob erfläche mit
Wasserstoffa tomen abgesättig t (Si -H). Anschließend wurde die so erhaltene H-terminierte Si (10 0)-
Oberfläche (Schema 5, (1)) erneut m it ein er „Piranha“ - Lösung o xidiert . [20] D ie erhaltenen
Oxidschichtdick en wurd en mittels eines Ellipsometers der Firma Sentech im Arbeitskr eis vo n P rof. Dr.
Petermann vo n Dr. Jürg en Bruns ermittelt. In Schema 5 si nd die Reakti onsbedingun gen, die
Darstellung en sowie die Schichtdicken der verschiedenen Anwendungsm ethoden gez eigt. D ie
erhaltenen Schichtdicken zeigen Unterschi ede zwischen der künstlich erzeug ten (1) und der direkt nach
dem Reinigu ngsverfahren a ufgebrachten Oxidschich t (2) . D ie Erzeug ung einer künstlich hydroxylier ten
Oberfläche, nach An wendung eines Ätzschritt es, üb er ein nasschemisches Verfahren zeigt e ine
Schichtdicke von 1.3 nm. Die Dicke der Oxidschicht, welche direk t nach der Reinigu ng der Kristalle, ohne
Anwendung e ines Ätzs chrittes, ebenf alls erzeug t über ein e nasschemis che Meth ode, beträgt ~ 2 nm.
Von entscheidender Bede utung ist di e Schichtdi cke der Oxidschicht, da d iese die Eigenscha ften der
Oberfläche beeinflussen, die Oberflächenatome s tabilisieren und die elek tronisc hen Zustände ändern
kann. Diese Schicht besitzt eine isolierende Wirkung und dient durch reaktive Bindu ngsstellen ( - OH -
Gruppen) als Anknü pfungspunkt für die „Spacer“ -Mol ek üle (Al kyl-Ketten).

18

Schema 6: Schema des verwendeten Reinigungsverfahren, des Oxidationsschrittes sowie die gemes sene
Schichtdicke der Oxidschicht.

Die vorgegebenen Biosens o ren aus de m Arbeitskreis um Prof. Dr. Petermann weisen bereits ein e
Oxidschutzschicht auf, die ein ige Mikro meter dick ist. In den Bereichen an denen sich die Wellenl eiter
(Mikrostrukturi erung) befind en, ist die Oberfläch e freigelegt und die M ikro-Rin g-Resonatoren (MRR)
sind mit einer nativen Oxidschi cht v ersehen (ca.~2 nm ). Daraus ergibt sich, dass sowohl der Ätzschrit t
mit Fluorwasserst offsäure, als auch die Behandlung m it einer „Piranha“ -Lösun g nicht angewend et
werden können. Andernfalls würde die mikrostru kturierte Oberfläche beschädi gt werden und der
Biosensor seine Funkti o nalität verlieren . Hierbei m uss de mzufolge direk t auf der nativen Oxidschich t
funktionalisier t und imm o bil isiert werden.
Um annähernd gleiche Beding ungen zu erreichen, müssen die in unserem Arbeits kreis präpari erten Si-
Kristalle mit einer Oxidsch icht belegt werden, die die gleiche Schichtdicke aufweisen, wie die
Schichtdicke an dem freig elegten Bereich der MMR (~ 2 nm). Hierfür wurde auf den Ä tzschritt
verzichtet und in allen durchg eführten Experimen ten erfolgte die Bild ung der O xidschicht m ittels eine r
„Piranha“ -Lösun g nach der Reinigu ng der ATR-Kri stalle (Sche m a 6).

Nach dem Aufb ringen der Oxidschicht zeig ten sic h jedoch P roblem e mit der Auswer tung der
aufgenomm en ATR- IR -Spektren im Bereich 950 -1 2 00 cm -1 (siehe Abbildung 8). Nach mehreren
Experimenten zur Behebun g dieser Proble me kon nte ke in e Verbesserung erzielt werden. Eine
zielgerichtet e Literaturrec herche zu den auftretend en Proble m en ergab, dass die verwendeten Si-
Wafer durch unterschiedlic he Herstellun gsverfahren [Cz ochralski (CZ)- und Flat Zone (FZ)-Verfahren]
gewonnen werden. Durch eine Umstellung der vorha ndenen Si(100) -Wafer - hergestellt mit dem CZ -
Verfahren (Si(100) ± 0 .5°, CZ, P-Boran, R = 1- 10  cm, d = 500 ± 25 µm) - auf Si(100)-Wafer, die mit
dem FZ-Verfah ren (Si(1 0 0) ± 0.5 °, FZ , P -Boran, R = 1600 -1800  cm, d = 500-55 0 µm ) produziert
wurden, konnt e nun eine erfolgrei che Auswer tung des zu betracht enden Be reiches si cher gestellt
werden .
Es ist zu erkennen, dass die relevanten Schwingun gen der Si-O- Si -Bindung der Oxidschicht im Fall der
mittels FZ-Verfahr en herge stellten Si-Kristalle (rotes Spektrum) signifikant ausgep rägt sind und daher
eine mögliche Zuordnung erfolgen kann. Die oxidiert e Silizium -Oberfläche ist durch zwei dominant e
Banden im Bereich 1000-1260 cm -1 gekennzeichnet. D ie asym m etrische Si-O- Si -Str eckschwingung wird
in die transversal-optische (TO) Schwingung im Bereic h 1000-1150 cm -1 und die longitud inal-optische

19

Abbildung 8: Spektren der mittels "Piranha"-L ösung auf gebrachten Oxi dschichten . Rot: Si(100)-Kristall, hergestellt aus
dem FZ-Verfahren und Reinigung nach dem RCA-Protokoll. Grün: Si(100) -Kristall, hergestellt aus dem CZ-Verfa hren ,
Reinigung mittels Trichlorethylen.

3000 2500 2000 1500 1000
Transmission (arb. unit)
Wellenzahl [cm -1 ]
Si(100) Kristall, FZ , Reinigung: RCA Protokoll, p-pol
Si(100) Kristall, CZ , Reinigung: mittels Trichlorethylen etc., p-pol
1230 cm -1
LO Ox TO Ox
1056 cm -1

(LO) Schwingung im Bereic h 1200-1260 cm -1 unterteil t, und sie zeigt dadurch die Ausrich tung dünner
Oxidfilme auf der Oberfläche an. In der Literatur [21] wurde beschrieben, dass die TO-Schwingung
parallel und die LO-Schwin gung senkrecht zur Fil m -Oberfläch e verläuft.

Die ausg eprägte Bande bei 1056 cm -1 kann demzu folge der TO Ox -Schwingu ng und die Bande bei
1230 cm -1 entsprechend der LO Ox -Sch wingung zugeordnet werden. In den Spek tren ist erkennb ar, dass
die Bande bei 105 6 cm -1 etwas stärker ausgeprägt ist als die Band e bei 1230 cm -1 . Die stärker e
Ausprägu ng ist auf den nasschemi schen Oxidati onsschritt zurückzu führen (thermisch erzeugte
Oxidschichten zeigen eine höhere LO-Schwingung ). [22] Des Weiteren ist in den aufgenommenen
Spektren zu erkennen, dass der Reinigung sschritt vor der Oxidation zu Untersch ieden führt. Bei der
Verwendung von Trich lore thylen und anschließende r Reinigung in unterschiedlichen Lösungsmitteln
im Ultrascha llbad ist festzu ste llen, das s sich noch V erunrein igungen (u.a. Lö sung smittelreste vor der
Oxidation) auf der Oberfläche befanden. D ies ist deutlich an den negativ en Banden im Alk ylbereich
(2800 cm -1 – 3000 cm -1 ) z u erke nnen. Nach der Oxid ation sind keinerlei Verunreinig ungen mehr
wahrnehmbar. Bei der Verwendung des RCA-Protokolls zur Entfernung des Schutzwachses sind

20

keinerlei Verunrein igungen vor der Oxidation auf der Oberfläche zu erkenne n. Aus diesem Grund
wurden all e weiteren verwend et en Si-Kristall e mit dem RCA-Protok oll gereinigt. Die Aufbringu ng der
Oxidschicht erfolgt e nach dem nassche mischen Verfahren mi tt els einer „Piranha“ -Lösung (Sch em a 6).
Die frisch oxidierte und hydroxylierte Si-Oberfläche wurde als Referenz für die Funktionalisierung
verwendet.

3.3 P räp ara tion vo n A min-t ermi nier ten M ono lagen

In Kooperati o n mit d er Arbeitsgrup pe Prof. D r. Klaus Peter mann (Hochfreque nztechnik, TU -B erlin )
sollte eine schrittweise Anbind ung von Biomolekülen auf optischen Sensoren erörtert we rden. Seit
dem Jahr 2012 untersuche n beide Gruppen das Verhalten von schaltbar en Oberflächen auf Mikro-
Ring-Resonat oren ( MRR). Nach ersten Ergebnissen dieser Untersuchungen wurden die Biosens o ren ,
aufgrund von Pro ble men mit dem vorhandenen Schutzlack (SU -8), weitere ntwickelt. In diesem
gemeinsam en Projekt wurde der Biosensor ohne Nutzu ng einer Schutzschicht verwendet und ist mit
einer nativen, einige µm di cken Oxids chicht beleg t. Da bei sind die zu funktionalisi erte n MRR freigelegt
und weisen, wie im Ab schn itt 1.2 und 3.2 besch rieben, ebenfalls eine native Oxidschicht m it
bestimmter Schich tdicke a uf.
Die An bindung von Bi omolekülen (Peptide, Anti köper) un ter Ve rwendung von MRR auf Sili zium-
Oberflächen mit einer nativen Oxidschi cht wurde durch die Arbeitsgrup pe Bailey [23] bereits in der
Literatur beschrieben. Hierbei erfolgten die Immobilisierun g sowie Detektion verschiedenste r
Biomoleküle über Tri ethoxys ila n-Gruppen auf der Oberfläche. Aufg rund der spezifischen
Wechselwirkun gen der angebundenen Biomoleküle mit anderen Molekülen kö nnen durch
Verwendung von M RR die therm odynamischen und ki netischen Eigenschaften detekti ert werden . D ies
bietet neben der Identifizi erung der Moleküle auch die Möglichkeit simultane Messungen [23b ] mit
verschiedene n Bi omo lekül en, eine qua ntitative K onzentrationsanal yse sowie eine Analyse von
komplexen Flüssigkeiten (z.B. Blutseru m) [12] durch zu führen . Auch die Erfassung der
Bindung sgeschwindigkeiten der Interaktion en zwisch en den Biomole külen wird durch den Einsatz von
MRR möglich.
Um SiOx-Oberflächen mit geeigneten organischen M olekülen zu funktional isieren stehen zwei
potentielle Methoden zur Verfügung (siehe Schema 1). Bei der Top- down- Method e werden Konjug ate
synthetisiert, die anschließend direk t an die Oberfläche gebunden werden. Die zweite, sogenannte
bottom-up- Me thode, zeich net sich durch eine schri ttweise Funkti onalisierung a us, und d ie Oberfläche
kann dadurch nach jede m einzelnen Schritt anal ysiert werden. Für die Anwendung in der

21

Schema 7: Theoretischer Mechanism us zur Monolagenbildung zwischen Silanen R- Si(OR‘) 3 ) und der OH-
terminierten Oberfläche.

Biosensorf orschung und in diesem Projekt eignet si ch d ie bottom- up - M etho de hervorrag end, weshal b
sie in dieser Arb eit ausschli eßlich Verwendu ng fand.

3.3 .1 Th eor etisc he E infüh run g
Die Anbindun g von biologis chen Systemen an eine Obe rfläche erfolgt über geeignete „Spacer “ . Hierfür
eignen sich aufgrund der Ausbildung einer Si-O- Si -Bindung zwischen der Oberflä che und der Silanol-
Gruppe insbesondere Trie thoxysilane. Das Silan 3-(Aminopr opyl)trieth oxysilan (APTES) besitzt als
Kopfgruppe eine Amin-Gru ppe und als Ankergruppe eine Tri ethoxysil yl -Gruppe. APTES ist in der Lage
auf einer Reihe von Substraten eine ko valent gebun dene, selbstorgan isierend e Mo noschicht (SAM )
auszubil den. [19b] Auch in der Literatur is t APTES für die Anbin dung von Bi omolekülen etabliert und
bietet eine he rvorragende Grundlage zum Aufbau wei terer organischer Mon o schich ten.
Der theor etische Mechanis mus der Verankerung von Triethoxysilan en ist in Schema 7 dargestellt und
beginnt m it der Hydrolyse der Ethoxy-Gruppe ( 1 ) durch die Wassermoleküle, die an der polar en
oxidierten Oberfläche adso rbiert sind. Dadurch bildet sich ein hydroxylierte s Silan . Im zweiten Schritt
( 2 ) erf olgt die Ausbildung einer Wasserstoffbrüc ke n-Bin dung zwischen dem Silan ol und der oxidierten
Oberfläche, gefolgt v o n der Kondensationsrea ktion ( 3 ) zwischen den Si- OH -Grupp en unter Bildung v on
Si -O- Si -Bindun gen zur Oberfläche (longitud inal) sowie zu den benachb arten (transv ersal) Silanol -
Gruppen. Auf diese Weise entsteht ein vernetztes Ge flecht zwis chen den Silan en, welch es kovalente
Bindung en zur Substrat-Oberfläche enthä lt. [3]

22

Schema 8: Allgemeines Schema der Funktionalisierung der oxidierten Si(100) -Oberfläche.

Der erste Schritt dieses Mechanismus ist der kritischste und wichtigste zugleich, denn hierbei kö nne n
die Qualität und die M orphologie von der selbstorgan isierenden Monolage beeinflusst we rden. [3]
Dabei spielt die Anwesenh eit von adsorbierten Wass ermolekülen an der Oberfläche eine große Rolle.
Ist die Konzentration an Wasserm olekülen a uf der Oberfläch e zu gering, führt dies zu einer
unvollständigen Kondensat ion und somit zu einer unvollständig ausgebild et en Monoschi cht mit nicht
abreagierten Ethoxy-Gruppen. [1 9b] Befinden sich zu viele Wassermoleküle auf de r Oberfläche oder i m
verwendet en Lösungsmitt el kann es zu einer Agg regatbildu ng (in L ösung) kommen und ein
ungeordnetes 3D-Netz werk (Multilagen) entsteht. Die Kondensation, der letzte Schritt de s
Mechanismus , ist ebenfalls essentiell für die Ausbild ung einer voll ständigen M onolage. Dadurch
werden das Aufbrechen der Wasserstoffbrü ckenbindung en zwischen den APTES-Molekül en [3] , di e
Polymerisati o n der Siloxane [24] , und das Verdampfen v on physis orbierte m APTES [25] erm öglicht. Die
Kondensation kann m it Hil fe v on Wärme ( „Curing“=Ba cken) un terstützt w erden.

3.3 .2 P raktis ch e Anw en dun g

Die praktische Ums etzung mit APTES auf einer oxidierten Si(100)-Oberfl äche wir d auf den folgenden
Seiten beschrieben und wurde mit tels ATR- FT - IR -Spektroskopie charakterisi ert. All gemein wurde nach
dem Schema 8 vorgegang en.

Die Funkti onalisierung der oxidierten Si(100)-Oberfläche mit APT ES ist in mehreren Literaturst ellen
beschrieben. [19 , 26] In diesen werden verschiede ne Methoden zur Anbindung von APTES
veranschaulicht. Betracht et werden dabei unterschiedl iche L ösungsmit te l und APTES-Konzentra tio nen
sowie verschiedene R eaktionszeiten und Reaktionste mperaturen. Um die Aufbr ingung einer APTES -
Monolage auf oxidierten Ring-Resonatoren zu realisieren, wurde anlehnend an di e Lite raturstellen ein
geeignetes Verfah ren ent wickelt. In Schema 9 ist diese Methode darg estellt.

23

Schema 9: Schematische Darstellung der potentiellen Methode zur F unktionalisierung einer oxidierten Si(100) -
Oberfläche mit APTES.

Abbildung 9 : ATR- FT - IR -Spektrum der Umsetzung mit A PTES n ach der in Schema 9 dargestellten Methode,
Versuch 1 (rote Linie); Referenziert gegen SiOx. Die sc hwarze Linie zeigt die oxidierte Oberfläche (SiOx ).

3500 3000 2000 1500 1000
1190 cm -1
3279 cm -1
3350 cm -1
1030 cm -1
1124 cm -1
1230 cm -1
1479 cm -1
1582 cm -1
1650 cm -1
2929 cm -1
Transmission (a rb. unit)
Wellenzahl [cm -1 ]
Versuch 1
 as ( CH 2 )
 s ( CH 2 )  as ( NH 3 + )
 ( NH 2 )
 s ( NH 3 + )
LO Sil
LO Ox
TO Sil
2874 cm -1
 as ( NH )  s ( NH ) TO Ox
1056 cm -1
oxidierte Si-Oberfläche

Zu Beginn der Funktionali sierung wurde der hergestellte ATR- Si -Kristall mittel s des RCA -Pr o tokolls
gereinigt. Anschlie ßend erfolgte für 6 0 min die Oxidation in einer „Piranha“ -Lösung (H 2 SO 4 :H 2 O 2 , 3:1,
v/v) b ei 100°C. In einem Versuch ( Versuch 1 ) wurde ein frisch oxidierter Si-Kristall in eine Lösung au s
2 % AP TE S in 5 mL T oluol fü r 1 7 h bei RT zur Reakti on g ebracht. Nach gründlicher Reinigun g wurd e d er
Si -Kristall in ein em Ofen bei 100°C für 2 h gebacken. Die Daten des aufgenommenen ATR- FT - IR -
Spektrums sind in der folge nden Abbildung 9 dargestellt.

24

Über die Auswertun g des aufgenommenen IR-Spektrums kö nnen sowohl Rückschlüsse auf eine
positive Funktionalisieru ng, als auch au f die Qualität der ausgebildeten SAM gezogen werden. Es is t zu
erkennen, dass die asymmetrisch e Streckschwin gung der Methylen-Gruppe der ang ebundenen Propyl-
Kette de s APTES bei einer W ellenzahl von 292 9 cm -1 liegt. Der Wert für die sy mmetrisch e
Streckschwing ung beträgt 2 874 cm -1 . Für eine Silan-Sch icht liegen die in der Literatur nachzulesenden
Werte für die asymmetrische Strecksch wingung der M ethylengru ppe bei 2930 cm -1[19a, 26a] und
2932 cm -1[1 9b] und für die symmetrische Streckschwin gung bei 2860 cm -1[26 a] und 2864 cm - 1[19b ] . Dies
entspricht nahezu den gemessenen Werten unser er Umsetzung und zeigt folglich eine erfolgreiche
Ausbild ung einer Mono schicht an. Die spezifi sche Bande bei 1582 cm - 1 kann d er
Deformations schwingun g der Amin-Gruppe zugeord net we rd en, wodurch die Anwesenheit der NH 2 -
terminalen Grupp e des APTES auf der Oberfläch e bestätigt wird. Des Weiteren können die
auftretenden Peaks bei 1650 cm -1 u nd 1 479 cm -1 den asymme trischen und symmetrischen
Deformations schwingun gen der Amin-Gruppe zugeschrieb en werden, welches ein Zeichen für die
Protonierun g dieser Grupp e darstellt, sobald ein Kontakt mit feuch te r Luft auftritt. [26a] Im Bereich von
3200 – 3400 cm - 1 könn en die symmetrisch en (3279 cm -1 ) sowi e asymmet rischen (3352 cm -1 )
Streckschwing ungen der Amin-Gruppe auftreten. Aufgru nd des schwachen Dipolmo m ents dieser
Gruppe sind diese Banden in ihrer Intensität nur sehr schwach ausgebi ldet. Die wenig ausgebildet e
aber do ch vorhandene Bande bei 1230 c m -1 weist auf die longitudinale Schwingun g der Si-O-Si Bindung
der Oxidschicht hin. D arau s lässt sich schließ en, dass bei der Um setzu ng mit APTES nicht alle
vorhandenen Hydroxyl-Grup pen au f der Oberfläche eine Bindun g mi t den Silanol-Gru ppen des A PTES -
Moleküls eingehen könne n. D ies kann mit der hohen Dichte der Hydr o xyl-Gruppen (3 -5 OH-
Gruppen/nm 2[19 a] ) au f der S i-Oberfläche und mit der sterischen Hinderung bei d er Ausbildung der SAM
mit APTES-Molekül en begründet werden. Im Bereich 1 190 cm - 1 ist eine leichte Schulter sichtbar. In der
Literatur [19 b, 26a] wird dieser Wert der Deformation sschwingung (ro cking mode) der Si -O- CH 2 CH 3 -
Bindung zugeordnet und d eutet so mit die Anw esenheit von nicht abreagierten Ethoxy -Gruppen au f
der Oberfläche an. Dies wird zusätzlich durch eine leichte Schulter bei 2932 cm - 1 im Alkylbereich [19 b]
bestätigt , die der asym metrisch en Streckschwing ung der Meth yl -Gruppe zugeor dnet werden kann. In
dem aufgeno mmenen Spektru m (Abbild ung 9) kann keine Schulter bei 2932 c m -1 beo ba chtet werden.
Demzufolge spricht die kleine Bande bei 1190 cm - 1 in dem aufgen ommenen Spektrum nich t für noch
nicht abreagierte Et h oxy-Grup pen, so ndern kann auch der aliphatischen Str eckschwing ung (  (C -N) =
1220-1020 cm - 1 ) des Amins zugeschrieben werden. Ein we iteres Indiz für die erfolgr eiche
Funktionalisierun g einer oxidierten Si-Oberfläche mit APTES ist die Ausbildung einer neuen Bande bei
1124 cm -1 , die durch die APTES-Kondensa tio nsrea ktio n entstanden i st. D ie se Bande zeigt die
senkrechte Ausbildun g (LO) d er Si-O- Si -Bin dung zwischen den Silanol-Gruppe n und den Hydroxy-
Gruppen auf der Oberfläch e an. Zugleich ist eine Rot v erschiebu ng der TO -Bande nach der Reaktion mit

25

APTES geg enüber der o xidierten Oberfläche von 1056 cm - 1 (TO Ox ) nach 1 030 cm -1 (TO Sil ) zu erkennen.
Dies und der Fakt, dass eine deutliche Intensitätsst eigerung der TO Sil und LO S il - Banden auftritt ,
unterstützen die Vermutung , dass sich eine gut definierte APTES SA M gebildet hat. Die Vermessun g
des Kontak tw ink els li efert einen Wert von 67 .5 ± 2°, de r sich im Ber eich d er angegebenen We rte der
Literatur (51-83°) [26a, 26b, 27] bewegt. Dies bestätigt ebenfalls die Ausbild ung einer Silan-Schicht. In der
Tabelle 2 sind die char akteristischen Schwingun gsbanden nach der Um set zung m it APTES
zusammengefass t. Zu m V ergleich wurden die IR-Schwingu ngsdaten der Literatur ebenf alls in der
Tabelle 2 aufgefüh rt.

Tabelle 2 : Übersi cht der Schwingungsbanden aus der Literarturstellen [26a , 28] und der Umsetzung mi t APTES nach dem
Schema in Abbildung 10.

Zuordnu ng

IR -Sch w ingun g
nach unserer
Metho de [cm -1 ]

IR -Sch w ingung
der Literatur [26 a]
[cm -1 ]

IR -Sch w ingun g
der Literatu r [28]
[cm -1 ]

TO
 (Si-O-S i)
LO

1030

1124

1045

1140

1033

1149

 (Si-O- CH 2 CH 3 )
 (CN) ali

1190

1190

1194

 (LO OX ) 

1230

1230

\

 (NH 2 )

1582

1570

1570

 s (NH 3 + )

1479

1484

1490

 as (NH 3 + )

1650

1635

1610

 as (CH 2 )

2929

2930

2932

 s (CH 2 )

2874

2860

2864

 s (NH )

3279

3280

3300

 as (N H)

3350

3350

26

3500 3000 2500 2000 1500 1000
Wellenzahl [cm -1 ]
Umsetzung mit 2% APTES, Tol uol, 17 h, RT, Reini gung, ohne Backen bei 100°C, Ref. SiOx, p-pol
Umsetzung mit 2% APTES, Tol uol 17 h, RT, Reini gung, m it Backen bei 100°C, 2 h, Ref. SiOx, p-pol
 as ( NH )
3350 cm -1
 s ( NH )
3279 cm -1
 as ( CH 2 )
2929 cm -1
2874 cm -1
 s ( CH 2 )
1650 cm -1
 ( NH 2 )
 as ( NH 3 + )
1582 cm -1
 s ( NH 3 + )
1479 cm -1
LO Ox
1230 cm -1
LO Sil
1124 cm -1 1030 cm -1
TO Sil
Transmission (arb.unit)

Um die Aussage der essenti ellen Wichtigkeit der K ondensation im letz ten Schritt des Mechan ismus zur
Ausbild ung einer APTES SA M zu untermauern, wurde ein weiterer ATR- Si -Kris tall mit 2 % APTES in 5 mL
Toluol fü r 17 h bei RT umge set zt (Methode nach Schema 6). Dir ek t nach d er Rein igung wurde ein ATR-
FT - IR -Spektrum aufgenommen und anschließend der Si-Kristall im Ofen fü r 2 h b ei 100 °C gebacken. In
Abbildu ng 10 sind beide Sp ektren (vor und nach dem Backen) dargest ellt.

Anhand der Gegenüberstellu ng der beiden Spek tren (g rün: vor dem Backen, rot: nach dem Backen)
wird klar, da ss sich di e APT ES-Monolage erst im letzte n Schritt des Mechanis mus - der K ondensation -
vollständig ausbilden kann. Besonders deutlich wird dieser Aspekt im Berei ch der L O - und TO-
Schwingun g der Si-O- Si -Bindung der APTES-Monolage. Vo r dem Backen ist zu erkennen, dass kein e
eindeutige Zuordnung der beiden Schwingu ngsband en möglich ist, wohingegen nach dem Ba cke n zwei
charakteristische und eindeutig gut separierte Banden entstanden sind. Darau s lässt sich schließen ,
dass sich o hne dem Konden satio nsschr itt ke in e vo llstä ndige und gut g eo rdnete Monoschicht ausbilden
kann.

Wie in der Ausführun g des theoretischen Mechanismu s (Abs chnitt 3.3.1) beschrie ben wurde, kann es
bei der Umsetzung m it APTES auch zu ein er Aggregatbi ldung kommen . Dies kann dazu führen, dass
sich ein ungeordnetes 3D-Netz werk (M ultilag en) ausbildet. Um dieses Phänom en ausschließen zu

Abbildung 10 : ATR- FT - IR -Spektren nach der Umsetzung mit A PT ES. grün: ohne Backen; rot: mit Backen bei 100 °C für
2 h. Beide Spektren wurden gegen SiOx referenziert.

27

Schema 10 : Schemata der Umsetzung eines Si-Kristalls mit einer 2 % igen APTES-Lösung in Toluol und die
Umsetzung mit einer 2% igen APTES-Lösung in Toluol nach 7.5 h: Aggregatbildungstest und Kontrollex periment.

können, wurde in einem Experiment ( Versu ch 2 ) überprüft, o b APTES m it dem Lösungsmi tt el
Aggregate bildet, bevor es mit der Oberfläche in Kontakt ko mmt. Hierbei wurde eine 2 % ige APTES-
Lösung (in Toluol 5 m L) ang ese tzt und für 7.5 h bei RT in einem geschloss en en Gefäß stehengelassen .
Anschließend wurde ein fri sch oxidierter Si-Kristall in diese Lösung getaucht und für 17 h bei RT zur
Reaktion gebrach t. Nach der Reakti on wurde der Si-Kristall gereinigt und in einem Ofen bei 100°C für
2 h gebacken. Zum Vergl eich der Spekt ren wurde eine Messung nach der Umsetzun g mit APTES
aufgenomm en, wobei erneu t ein frisch oxidierter Si-Kr istall zeitgleich in eine fri sch ang esetzte Lösung
aus 2% APTES in 5 mL Toluol gegeb en , und ebenfalls 17 h bei RT zur Reaktion gebracht wurde . Die
Reaktionsschrit te von Ve rsuch 2 und dem Ko ntroll ex perim ent sind in Sche ma 10 dargestellt.

28

Abbildung 11 : ATR- FT - IR -Spektren nach der Umsetzung mit A PT ES. Rote Linie: direkte Umsetzung mit frisc h
angesetzter APTES-Lösung (Versuch 1), schwarze Linie: Umsetzung mit ang esetzter APTES-Lösung nach 7.5 h
(Versuch 2). Beide Spektren wurden gegen SiOx referenziert.

3500 3000 2500 2000 1500 1000
TO Sil
LO Sil
LO ox
 s ( NH 2 )
 s ( NH 3
+ )
 as ( NH 3
+ )
 s ( CH 2 )
 as ( CH 2 )
 s (NH)
Wellenzahl [cm -1 ]
Versuch 2 Versuch 1
 as (NH)
Transmission (a rb.unit)

In den aufgenommenen S pektren (Abbildu ng 11) können keine signifikant en Unterschiede in Bezug
auf die Bandenl age fest ges tellt werden. In beiden Sp ektren ist aber visualisi ert, dass die Intensi täten
der Banden beim Versuch 2 stärker ausgebild et sind. Dies kann darauf zurü ck zu führen sein, dass zu
diesem Zeitpunkt unterschi edliche Mess- o der auch Reaktionsbedingu ngen (Temperatur im Labor e tc.)
vorlagen. D ie Tendenz, dass si ch Aggregate zwischen den APT ES-Molekülen und dem eventuell
vorhandenen Wass er im verwendet en Lösungsmittel bilden, konnte jedoch nicht belegt werden.

29

Schema 11 : Schema der Umsetzung mit APTES in unterschiedlichen Konzentrationen (0.1%, 1.2%, 2%, 5%).

3.3 .3 P roz esso pti m ier ung d er A PTE S- Ums et zung

Wie schon im Abschnitt 3.3 .2 erwähnt wurde, ist die Funkti onalisierung der oxidierten Si(100) -
Oberfläche in der Literatur [19, 2 6] bekannt. Um die Herstellun g einer APTES- Monolage auf oxidierten
Ring-Resonat oren zu realisieren, wurde versucht in A nlehnung an die L iteratur ein pote nti elles
Verfahren zur Anwendung auf Biosens oren zu entwickeln. Zu r Entwicklung eine r geeign eten Meth o de
wurden di e folgend en Para meter untersucht:
• Silan-Konz entration,
• Reaktionszeit,
• Lösungs mittel,
• Reinigun g nach der U msetzung .
Zu Beginn der Optimierun gen wurde die Silan-Ko nzentra tion betrachte t. D abei wurde eine
Versuchsreihe mit unterschiedlichen Konzentrationen der APTES-L ösung angesetzt. Ein frisc h
oxidierter Si-Kristall wurde unverzüglich in die frisch angesetzte APTES-Lösung (0.1% , 1.2%, 2%, 5%)
getaucht und 17 h bei RT in einem geschlossenen Reaktionsgefä ß zu r Reakti on geb racht. Anschließen d
wurde der Kristall aus d er Lösung entf ernt und gründli ch mi t Toluol gespült ( 8x 2 mL). D ann wurde der
Kristall in T o lu ol 10 min im Ultraschallbad behandelt un d erneut m it Tolu o l gespült (4x 2 mL). Nach der
Trocknung im Argonstrom wurde der Si-Kristall in ein sauberes Teflo n-Gef äß überführt und in dem
offenen Gefäß bei 100 °C für 2 h in einem Troc kenschrank gebacken. In Schema 11 sind die
Umsetzung en zum Para m eter „Silan - Konzetrati on“ aufgezeigt .

30

Die Tabelle 3 präs entiert eine Übersicht dieser Umsetzungen mit APTES unter Verwendun g
unterschiedlicher A PTES-Konzentrati o nen.
Tabelle 3: Übersicht der Umsetzung mit APTES mit unterschiedlichen Konzentrationen.

APTES-Ko nzentration

Lösungsmitte l

Reaktionsze i t

Reinigungspro zess

0.1 %

Toluol

17 h

1) Spülen m it Tolu ol 8x 2 mL
2) 10 min Ul traschall in Toluol
3) Spülen mit To luol 4x 2mL
4) Backen b ei 100 °C für 2 h

1.2 % (50 mM)

Toluol

17 h

1) Spülen m it Tolu ol 8x 2 mL
2) 10 min Ul traschall in Toluol
3) Spülen mit To luol 4x 2mL
4) Backen b ei 100 °C für 2 h

2 %

Toluol

17 h

1) Spülen m it Tolu ol 8x 2 mL
2) 10 min Ul traschall in Toluol
3) Spülen mit To luol 4x 2mL
4) Backen b ei 100 °C für 2 h

5 %

Toluol

17 h

1) Spülen m it Tolu ol 8x 2 mL
2) 10 min Ul traschall in Toluol
3) Spülen mit To luol 4x 2mL
4) Backen b ei 100 °C für 2 h

In den aufgenommenen ATR- FT - IR -Spektren (Abbildu ng 12) ist deutlich zu erkenn en, dass bei einer
Umsetzung mit einer 0.1 % igen APTES-Lösung ke ine spezifisch en Banden im Alk yl- (2850-2980 cm -1 ),
Amin- (1500-17 00 cm -1 ) und Si-O- Si -Bereich (100 0 -1300 cm -1 ) sichtbar sind. Daraus kann
geschlussfolger t we rd en, dass eine Konzen tration von 0 .1 % zu gering ist und sich eine vollständige
APTES-Mon oschicht nicht ausbild en kann. D ie Spektre n der Konz entrationen 1.2 %, 2 % und 5 % weise n
alle eine identische Bandenlage auf, woraus sich kein e weiteren Rückschlüss e ziehen lassen. U m
dennoch eine Aussage über die Auswirkung der Silan-Ko nzentrati o n auf die Ausbildung einer
Monolage treffen zu können, wurde die Ver messu ng des Kontakt winkels zu einem wichtigen
Analysepara m eter. Mi t der K ontaktwinkelmessun g können Rücks chlüsse auf di e
Oberflächenbes chaffenheit gezogen werden, und anhand der Tropfenbildu ng kö nnen auch
Informationen üb er die Oberflächenpolarit ät gewonnen werden. Bei der V erwendung von Wa sser
zeigen hydrophile Kopfgru ppen eine gute Benetzbark eit und weisen somit kleine o der z.T. nicht mehr
messbare Kontak twinkel auf. Hydrophobe Kopfgrupp en hingegen ergeben große Kontaktwinkel . Eine
Übersicht der gemessenen Ko ntaktwink el ist in Tabelle 4 aufgeführt.

31

Abbildung 12 : ATR- FT - IR -Spektren der Funktionalisierung mit A PTES b ei verschiedenen Konze ntrationen auf
Si -ATR-Kristallen. Die Messungen wurden gegen SiO x referenziert.

3500 3000 2500 2000 1500 1000
 ( CN )
1190 cm -1
LO Ox
1230 cm -1
 s ( NH )
3279 cm -1
 as ( NH )
3350 cm -1
Transmission (a rb. unit)
Wellenzahl [cm -1 ]
0,1 % 2 % 5 % 50 mM
 as ( CH 2 )
2930 cm -1
 s ( CH 2 )
2874 cm -1
 ( NH 2 )
1582 cm -1
 as ( NH 3 + )
1650 cm -1  s ( NH 3 + )
1479 cm -1
LO Sil
1124 cm -1 TO Sil
1029 cm -1

Tabelle 4: Übersicht der Kontaktwinkel der Monolagen bei verschiedenen APTES-Konz entrationen.

APTES-Ko nzentration

Konta ktwinkel
[°]*

0,1 %

61,6 ± 8 a, b, c, d

1.2 %

69.7 ± 2 a, b, c , d

2 %

67.5 ± 2 a, b, c , d

5 %

65.2 ± 6 a, b, c ,d

* Die Kontaktwink el wurden an zwei Si -Krist allen ver messen . Auf jeder einzel nen Probe wurde n 5 Messungen durc hgeführt .
a) sessil e drop Methode ( Young-Laplace-Fit), b) Mitt elwert v on mindestens 4 gemessene n Tropfe n Mil li-Q-Wasser (18M  /cm -1 )
pro Si-Krist all, c) Volumen des Tropfen: 1 µL, bei 25 °C , d) d ie Me ssabweic hung wurde best immt, indem di e Diff e renz a us dem
höchst en gemessene n Wert (Refere nzwert) und dem niedrigsten gemesse nen Wert gebilde t wurde.

Die gemessenen Kontaktwi nkel liegen alle im Bereich d er angegebenen Werte der L iteratur (51-83°) [26a,
26b, 27] , jedoch we isen die F ehler erheblich e Unters chiede auf. Bei den Konzentra tionen 0.1 % und 5 %
liegen die Werte d es Feh lers zwischen ± 6° und ± 8°, welche auf nicht gut geordnete AP TES-Monolage n
hinweisen. Bei den Konzen tratio n en 1.2 % und 2 % weisen die Fehler nur einen Wert von 2° auf. Dies
stimmt mi t Literaturan gaben überein und deu tet demzufolge die Ausbild ung einer gut definier ten
APTES-Mon oschicht an.

Anhand dieser Ergebnisse wurden alle weiteren Vers uchsreihen mit einer APTE S-Konzentration vo n
2 % durchgefüh rt. Im nä chsten Schritt wurde zur Entwi cklung eines potentiell en Verfahrens zur APTES-

32

Schema 12 : Sch ematisc he Darstellung der Umsetzung mit APTES bei unterschie dlichen Reaktionszeiten.

Funktionalisierun g der Einfluss der Reaktionszeit auf die Ausbild ung einer Monola ge untersucht. Dabei
wurden frisch oxidierte Si- Kristalle ( Versuch 3-6 ) mit einer Lösung aus 2 % APT ES in Toluol (5 mL) für
30 min – 17 h bei RT in einem geschlos senen Gefäß umgesetzt. Nach gründ licher Reinigu ng und
Trocknung im Argonstr om wurden die Si-Kristalle bei 100 °C für 2 h im Ofen geb acken. In Sche m a 12
ist die entsprech ende Abfolge an Rea ktionsschritt en darg estellt.

Zur besseren Übersich t sind die du rchgeführten Experiment e in der Tabelle 5 zusam m engefass t.

Tabelle 5: Übersicht über die Testreihe der Umsetzung mit 2% APTES bei unterschiedlichen Reaktionszeiten .

Versuch

Lösungsmitte l

Reaktionsze i t

Reinigungspro zess

3

Toluol

30 min

1) Spülen mit Toluol 8x 2 mL
2) 10 min Ul traschall in Toluol
3) Spülen mit Toluol 4x 2mL
4) Backen b ei 100 °C für 2 h

4

Toluol

1 h

1) Spülen mit Toluol 8x 2 mL
2) 10 min Ul traschall in Toluol
3) Spülen mit Toluol 4x 2mL
4) Backen b ei 100 °C für 2 h

5

Toluol

4 h

1) Spülen mit Toluol 8x 2 mL
2) 10 min Ul traschall in Toluol
3) Spülen mit Toluol 4x 2mL
4) Backen b ei 100 °C für 2 h

6

Toluol

8 h

1) Spülen mit Toluol 8x 2 mL
2) 10 min Ul traschall in Toluol
3) Spülen mit Toluol 4x 2m L
4) Backen b ei 100 °C für 2 h

1

Toluol

17 h

1) Spülen mit Toluol 8x 2 mL
2) 10 min Ul traschall in Toluol
3) Spülen mit Toluol 4x 2mL
4) Backen b ei 100 °C für 2 h

33

3500 3000 2500 2000 1500 1000
Wellenzahl [cm -1 ]
Versuch 3, 30 min
Versuch 4, 1 h
Versuch 5, 4 h
Versuch 6, 8 h
Versuch 1, 17 h
 s ( CH 2 )
 as ( CH 2 )
 as ( NH 3 + )
 ( NH 2 )
 s ( NH 3 + )
LO Ox
 ( CN )
TO Sil
LO Sil
Transmission (arb. unit)

Die Aufnahm e der einzeln en ATR- FT - IR -Spektren (Abbil dung 13 ) bei verschiede nen Reaktionszeiten
ergibt signifikante Untersc hiede. Deshalb kann eine Aussage über den Einfluss der Reaktionszeit auf
die Ausbild ung einer AP TES-Monoschicht getroffen werd en.

In den Spektren der Testr eihe ( Versuch 1 , 3-6 ) ist deutlich zu erkennen, dass sich erst ab einer
Reaktionszeit von 8 h bei der Um setzung bei R T die spezi fischen Banden der Alk yl-, Amin- und Si -O- Si -
Gruppen ausbi lden. Daher lässt sich schlussfolgern, d ass die Dauer der Reakti on vo n entscheidend er
Bedeutung für die Ausbild ung v on Wasserstoff-Brü cken-Bindung en zwischen dem Silan und der
hydroxyliert en Oberfläche ist . Es ist erkennbar, das s sich die Banden im Alkyl-, Amin- sowie Si-O- Si -
Bereich nach einer Reakti onszeit von 17 h stabilisiert haben und keine weiteren Änderungen bei der
Ausbild ung dieser Banden stattfinden. Zudem zeig en die Kontakt winkelmessungen, dass sich b ei den
Reaktionszeit en von 30 min bis 8 h ke in e gut geordneten Mo n oschicht en gebildet haben, da die
Abweichung der Kontakt w inkel auf der Oberfläch e eines Si-Kristalls sehr hoch a usfiel. Erst bei einer
Zeit von 1 7 h konnte diese Abweichung reduzier t werden, und die Werte erreich te n einen stabilen
Fehler von ~2°. D ie gem essenen K ontaktwink el sind in Tabelle 6 aufgefü hrt .

Abbildung 13 : AT R- FT - IR -Spektren der Umsetzung mi t A PTES b ei unterschiedlichen Re a ktionszei ten. Alle
Messungen wurden gegen SiOx referenziert.

34

Schema 13 : Schematische Darstellung der APTES-Umsetzung bei Verwendung verschiedener Lösungsmi ttel
(Ethanol, Ethanol/Wasser, Toluol).

Tabelle 6: Vermessene Kontaktwinkel der APTES-Umsetzung en bei unterschiedlichen Reaktionszeiten.

Nach dem Erhalt dieser Ergebnisse wurden alle weiteren Experimente bei einer Reaktionszeit von 17 h
bei RT durchgefüh rt.
Für die Entwicklung einer geeigneten Meth ode zur Funktionalisierung der oxidierten Oberfläch e mit
APTES wurd en auch die verwendeten L ösungsmit te l als Paramet er in Betrach t gezog en. U m di e
Mikrostruk turierung des Biosensors nich t zu gefährde n wurde in ein er weiteren Testreihe ( Versuch 7-
8 ) erprobt, o b eine Funktionalisierung mit ander en Lösungsmitt eln erreicht werden kann . Alternati v e
Lösungsmitt el wurden in der Literatur [24, 26b, 26d] bereits beschrieben und erprobt. In Schema 13 ist die
Umsetzung dargestellt.

Zeit

30 min

1 h

4 h

8 h

17 h

Konta ktwinkel

74.8 ± 3.5°

51.9 ± 4.4°

64.7 ± 3.5°

58.2 ± 6.6°

67.5 ± 2°

35

Die nachfolgend e Tabelle 7 fasst die U msetzungen mit APTES unter Nut zung verschiedener
Lösungsmitt el zusamm en.
Tabelle 7: Zusammenfassung der Umsetzung en mit 2% APTES-Konzentrationen in verschiedenen Lösungsmitteln.

In der Abbildu ng 14 sind d ie aufg enommenen Spektren dieser U msetzungen dargestellt. In den
Spektren is t zu beobachten, dass die Funkti o nalisier ung der oxidierten Si -Oberflä che mit 2% APTES-
Konzentration in den verwendet en Lösungsmitteln abläuft. Auch die vermes senen Ko ntakt w inkel
belegen eine posi tive Funktionalisierun g der Oberfl äche (Tab elle 8 ).

Tabelle 8: Übersicht der vermessenen Kontaktwinkel bei unte rschiedlichen Lösungsmitteln.

Die Au swertung der ATR- FT -IR Spektren zeigt jedoch Unterschiede in den Intensit äten der Band en und
gestaltet sich bei der Verwendung vo n Ethanol u nd Ethanol/Wasse r als schwierig. Hier ist di e
Zuordnung der Alkyl- (2 750-2950 cm - 1 ) und Amin-Schwingung en (1500-170 0 cm -1 ) nicht möglich.
Zusätzlich sind die spezifischen Banden der Si-O- Si -Schwing ung (1000-12 00 cm -1 ) nur schwach
ausgebildet und eine präzis e Zuordnung g estaltet si ch schwierig. D araus lässt sich schließen, dass eine
au ssagekräftig e Beur teilung der Funktionalisieru ng nur bei der Verw endung von T o luol getroffen
werden kann. Demzuf o lge wurden alle weiteren Testreihen lediglich mit dem Lösungsmittel Toluol
durchgefüh rt.

Versuch

Lösungsmitte l

Reaktionsze i t

Reinigungspro zess

7

Ethanol

17 h

1) Spülen mit Et hanol 8x 2 mL
2) 10 min Ul traschall in Ethan o l
3) Spülen mit Et hanol 4x 2 mL
4) Backen b ei 100 °C für 2 h

8

Ethanol/Wass er

17 h

1) Spülen mit Et hanol /Wasser 8x 2 mL
2) 10 min Ultrascha ll in Eth anol/Wasser
3) Spülen mit Et hanol /Wasser 4x 2mL
4) Backen b ei 100 °C für 2 h

1

Toluol

17 h

1) Spülen mit Toluol 8x 2 mL
2) 10 min Ul traschall in Toluol
3) Spülen mit Toluol 4x 2mL
4) Backen b ei 100 °C für 2 h

Lösungsmitte l

Ethano l

Ethano l/Wasser

Toluol

Konta ktwinkel

66.8 ± 2°

66,5 ± 0,9°

67,5 ± 2°

36

Abbildung 14 : ATR- IR -Spektren der Umsetzung mit 2% APTES-Konzentrationen bei Verwendung verschiedener
Lösungsmittel (Ethanol; Ethanol/Wasser; Toluol). Die Messungen wurden gegen SiOx ref erenziert.

3000 2500 2000 1500 1000
Wellenzahl [cm -1 ]
Versuch 1, Toluol Versuch 7, Ethanol Versuch 8, Ethanol/W ass er
Transmission (a rb. unit)

Von weiterer entscheidender Bedeutung b ei der Funktionalisierun g einer oxidierten Oberf läche mi t
APTES-Mol ekülen ist d as Reinig ungsverfahren nach der Umsetzung mit APTES. In Abbildung 15 ist eine
Gegenüberst ellung der Spektren vo r und nach dem Reinigu ngsprozess dargestellt. Es wird deutlich ,
dass durch den Waschprozess das physisorbiert e APTES, belegt durch di e antisy mmetrische
Streckschwing ung der CH 3 -Gruppe bei 296 0 cm -1 , von der Oberfläche entfernt werden konnte. Auch
die Ausbildung der Si-O- Si -Bindung wird erst durch d en Reinigungsprozess un d das anschließend e
Backverfahren eingeleitet.

37

Schema 14 : Schematische Darstellung der entwickelten Methode.

3000 2500 2000 1500 1000
nach Reinigung und Backen vor Reinigung und Backen
 ( CH 3 )
Wellenzahl [cm -1 ]
 ( CN )
 as ( CH 2 )
 s ( CH 2 )
 as ( NH 3 + )
 ( NH 2 )
 s ( NH 3 + )
LO Ox
LO Sil
TO Sil
Transmission (arb. unit)

Nach Abschluss der Testreih en und Durchführung der Optimierungen wurde ein e Üb erprüfung auf
Reproduzierbark eit der entwickelten Methode durchgefüh rt. Hierbei wurden vier weitere Ansätze
( Versuche 9- 12 ) zur APTES- Funktionalisierung an fünf verschiedenen T agen durch geführt. Im Schema
14 ist die verwende te Met hode erneut darges tellt.

Abbildung 15 : ATR - FT - IR -Spektren vor und nach dem Reinig ungsschritt nach der Umsetzung mit 2% APTES-
Konzentration, 17 h R eaktio nszeit in T oluol. Schwarz: Spektrum nach der Reinigung und dem Backen, rot:
Spektrum vor der Reinigung und dem Backen. Beide Messungen wurden g egen SiOx referenziert.

38

Abbildung 16 : Gegenüberstellung der ATR- FT - IR -Spektren der Ver su che 1 und 9 - 12 (Reproduzierbarkeit).
Die Versuche wurden alle mit 2% A PTES in Toluol für 17 h bei RT durchgeführt. All e Messungen wurden
gegen SiOx referenziert.

3000 2500 2000 1500 1000
Wellenzahl [cm -1 ]
Versuch 1 Versuch 9 Versuch 10 Versuch 11 Versuch 12
 as ( CH 2 )
2929 cm -1
 s ( CH 2 )
2874 cm -1
 as ( NH 3 + )
1650 cm -1
 ( NH 2 )
1582 cm -1
1479 cm -1
 s ( NH 3 + )
LO Ox
1230 cm -1
1190 cm -1
 ( CN )
LO Sil
1124 cm -1 TO Sil
1030 cm -1
Transmission (a rb. unit)

Die aufgen o mmenen ATR- FT - IR -Spektren dieser Ansätze sind in Abbildung 1 6 gegenübergest ellt. I n
allen Spektren ist zu erkennen, dass die Bandenlagen der spezifischen Sch wingung en (Alkyl-, A min-, Si -
O- Si -Bindun g) identisch sind. D er einzige Unt erschied zwischen den Spektren besteht in den
Intensitäten der Si-O- Si -Bin dung. Dies kann auf unters chiedliche Messbedingung en am IR-Gerät (z.B.
Luftfeuchtigkeit et c.) zu rückgeführt werden .

Die vermessen en Konta ktwinkel der Versuch e 9-12 liegen alle im Bereich der Literatur (51-83°) [26a, 26b,
27] . Sie we isen jedo ch keine übereinstimmenden We rte auf (Tabelle 9 ). Dies kann ebenfalls auf die
unterschiedlichen Messbedin gungen (z.B. Luftfeuchtigkeit etc.) an unter schiedlichen Tagen
zurückzu führen sein oder d eutet eine nicht v o rhanden e Monolag e an.
Tabelle 9: Übersicht der Kontaktwinkel der Versuche 1 und 9 - 12 ( R eproduzierbarkeit).

Die Versuc he 1 und 9-12 wurden mit 2% AP TES-Konzentr ation in Toluol f ür 17 h bei RT durchgef ührt.
Die Auf arbeitung erfo lgte wie in Schema 14 besc hrieben.

Versuche

1

9

10

11

12

Konta ktwinkel

67.5 ± 2°

58.8 ± 3°

78 .9 ± 1°

66 .6 ± 2°

53.0 ± 2°

39

Nach den durchgeführt en Te streihen und den ans chließenden Optimierungs v ersuchen lässt sich
feststellen, dass die Entwi cklung einer Methode zur Funktionalisieru ng der oxidierten Si -Oberfläche
mit APTES erfo lgr eich umgesetzt werden konnt e. In der Gesa m theit läss t sich fest halten, d ass die
optimale Konzentra tion der Silan-Lösung bei Verwend ung von 5 mL bei 2 % liegt. Toluol konnte als
geeignetes Lösungs mittel i dentifiziert werden, um di e Funktionalisierun g ohne P roblem e aus werte n
und umsetzen zu können. Die Reaktionsz eit nimmt bei der Ausbildung einer APTES M onola ge
entscheidenden Einfluss un d liegt bei RT -Bedingu ngen bei 17 h . Di e Aufreinigung nach der Ums etzung
hat ebenfalls einen wichtig en Anteil an der Ausbildung einer SAM und trägt zur Entfernung von
physisorbier ten AP TE S-Mol ekülen b ei. D er wichtigste Aspekt bei der Bild ung einer gut geordneten
APTES-Mon oschicht ist der ab schließ end e Backschritt, bei dem die Kondensati o n unterstützt wird u nd
auf diese Weise die Qualit ät einer SAM gra vierend beeinflusst werden kann. Wird kein Backschritt
vorgenom m en, so ist ein e prägnante und genaue Aussage ü ber die Ausbi ldung einer SAM mittels ATR-
FT - IR -Spektroskopie o der Kontaktwinkel messungen nicht mö glich. In Tabelle 10 sind die
charakteristischen Schwin gungsba nden einer APTES-I mmobilisierung zusa mmeng efasst .
Tabelle 10 : Zusammenfassung der charakteristischen Schwingungsbanden nach der Umsetzung mit einer 2% igen APTES-
Lösung.

Im letzten Opti m ieru ngsschritt wurde die Ausbildung einer APTES-Mon o lage über prüft und es e rfolgte
die Vermessun g der ents tandenen Schich tdicken mittels Ellipsometrie (Institut für
Hochfrequenzte chnik, Dr. Jürgen Bruns, TU-Berlin). Bei der Ausw ertung der erhaltenen Daten wurde
ersichtlich, d ass es sich bei dieser U msetzung eine Monolage ( 0.6-0.8 nm [2 9] ) nich t gebild et wurde. Die
Werte auf den vermessen en ATR-Kristallen liegen bei einer Schichtdicke von 220 Å (22 nm) - 325 Å
(32.5 nm), und sie deuten somit das Vorliegen ein er Multilage an. Auch die unterschiedlich en
Schichtdicken, die verteilt auf der Si-ATR-Kristall- Ob erfläche ermittelt wurden, bestätigen die Bildung

IR -Sch w ingun g [cm -1 ]

Zuordnu ng

3350

 as (NH )

3279

 s (NH)

2929

 as (CH 2 )

2874

 s (CH 2 )

1650

 as (NH 3 + )

1582

 (NH 2 )

1479

 s (NH 3 + )

1230

 (LO OX ) 

1190

 (CN) al i 

1030 ; 112 4

 (Si-O-Si); TO, L O

40

Schema 15 : Schematische Darstellung der Umsetzung von APTES mit SiOx-Oberflächen in einer Glove Box
(GB).

einer APTES-Multilag e. Die Daten der Auswertung der Ellipsometri e-Messungen verschied ener Si -A TR -
Kristalle (Versuch e 13 - 16 ) s ind in Tabelle 11 aufgefüh rt.

Tabelle 11 : Ergebnisse der Ellipsom etrie-Daten verschiedener Si -ATR-Kristalle.

Versuche

Vermessener
Ort auf der
Oberfläche

SiO 2 -
Schichtdicke
[nm]

APTES-Dicke
[nm]

APTES-Bre chzahl

13

Links
Mitte
Rechts

1.8
1.8
1.8

26.65
30.15
45.31

1.410
1.369
1.252

14

Links
Mitte
Rechts

1.8
1.8
1.8

23.09
21.71
22.15

1.441
1.485
1.462

15

Links
Mitte
Rechts

1.8
1.8
1.8

24.57
24.27
27.41

1.439
1.440
1.384

16

Links
Mitte
Rechts

1.8
1.8
1.8

32.55
28.89
28.89

1.321
1.352
1.352

Die Ve rsuche 13-16 wurden unt er identischen Bedi ngungen durc hgeführt (2% APTES in 5 mL Toluol, 17 h bei RT, Spülen mit Toluo l
(8x 2 mL), 10 min Ultr aschall in Tol uol, Spülen mit Toluo l (4x 2 mL), B acken für 2 h in eine m Ofen be i 100°C.

Nach Erhalt dies er Erkennt nisse wurden nun Änderun gen an der bisherigen Meth ode vorgenom m en,
um eine gut definier te Monolage zu erhalten. Zu Begin n wurde die M ethode in eine sauerstoff - und
wasserfreie U mgebung verlegt (Glove B o x,GB), um den Wassergehalt in dieser Rea ktion zu reduzieren.
In Schema 1 5 ist diese Um setzun g dargestell t.

41

Abbildung 17 : Gegenüberstellung der IR-Spektren der Umsetzung von APTES bei RT und in einer Glove Bo x (GB).
Die Messungen wurden gegen SiO x referenziert.

3000 2500 2000 1500 1000
Wellenzahl [cm -1 ]
2% Methode bei RT 2% Methode in GB
Transmission (a rb. unit)

Die aufgen ommenen IR-D aten der Um setzun g in der Glove Box (GB) wurden m it den IR -Daten der
Umsetzung bei RT verglichen un d sind in Abbildu ng 17 d arge stellt. Es ist zu erkennen, dass die
spezifischen IR-Banden i m Alkyl-Bereich (29 50 cm -1 – 2870 cm -1 ) sowie im Amin-Bereich
(1650 cm -1 -1585 cm -1 ) iden tische Bandenlag en aufw eisen. Die charakteris tischen Banden der Si-O- Si -
Bindung zeigen dagegen im Bereich 1124 cm - 1 nur geringe Unterschiede. Die starke Ausbildung der
senkrechten Si-O- Si -Bindun g (L O) ist bei der Umsetzung in der Glov e B ox nicht so deutlich zu erkennen ,
wie bei der Umsetzu ng bei RT. Dies deutet darauf hin , dass die Ausbild ung der Si-O- Si -Bin dung stark
von den Um gebu ngsbedingung en abhängt. Es könnte ebenso ein Indiz für den Einfluss des
vorhandenen Wass ers auf der Oberfläch e oder in dem ver wendeten Lösungsmittel s ein .

Um den Einflu ss des Wassergeh altes bei der Umsetz ung mit APTES und das Errei chen eine r
tatsächlichen Monolage zu untersuchen, wurde in der fo lgenden U msetzung auf absolut wasserfrei e
Bedingun gen geachtet. Da für wurde das verwendet e Lösung smittel Toluol zweimal ü ber Natriu m/
Benzophenon des tilliert. Es fo lgte das Entgasen des Toluols mittels der Freeze Pump Tha w -Meth ode
und die anschließend e Tr ocknung über Mo lsieb (4 Å). Abschließend wurde das trockene T oluol in ein e
Glove Box eingeschleus t un d gelagert. Der Wassergehal t dieser Probe sow ie des kommerziell
erhältlichen wasserfreien Toluols (Sigma Aldrich, 99.8%) wurde mittels einer Karl-Fischer- Ti tration
bestimmt. Der Wassergeha lt für das über Na /Benzophenon getrocknete Toluol lag mit 10 ppm deutli ch
unter dem W ert für das k ommerziell erhältliche Toluo l (50 ppm ).

42

Schema 16 : Schematische Darstellung der 2% -Methode mit übe r Na/Benzophenon getrocknetem Toluol in
einer Glove Box ( GB ).

Die Umsetzung der ausgear beiteten 2 % -Meth o de für APTES erfolgte mit dem getrockne te n Toluol (10
ppm Wasserg ehalt) und in einer Glove Box. Unveränd ert blieben die Reaktionsdauer, di e
Waschschrit te nach der R eaktion sowie das Back en. In Schema 16 ist die R eaktion erneut darg estellt.

Die Gegenüb erstellung der IR -Spektren (Abbildun g 18 ) ergibt sign ifikant e Unters chiede. In erster Linie
ist zu erkennen, dass die Intensitäten aller charakt eristischen Banden bei der Verwendung von
getrocknet em T o luol (Na /Benzophenon) ni cht m ehr so stark ausgebilde t sind . Des Weiteren is t zu
erkennen, da ss durch die Reduzieru ng des Wasser- un d Sauerstoffgehaltes die Pr otonierung der A m in-
Gruppe nicht stattfin det und in Folge dessen die spezifisch breite Bande einer Amin-Gruppe bei
1582 cm -1 erhalten werden konnte. Auch die Banden i m Alkyl-Berei ch zeigen u nterschiedliche Lage a n
(Abbild ung 18 B ). Eine Ver schiebung der symmetrisc hen Streckschwingu ng der Methylen-Gruppe zu
geringeren Wellenzahlen (2874 cm -1  2860 cm -1 ) ist erkennbar und deutet eine gut geordnet e
Monolage an. D ies entspri cht den Daten aus der Literatur. [26 a , 28] Die kleine entstand ene Schulter bei
2960 cm -1 deutet die Streckschwingun g von Methyl-G ruppen an. Dies kann bede uten, dass ni cht alle
Ethoxy-Gruppen des APT ES-Moleküls vollständig hydrolysiert werden kon nten und dadurch
angebun den an der Oberfläche verbleiben (siehe Sche ma 16). Ein weiterer Unterschi ed tritt im Bereich
von 1230 cm -1 (L O Ox -Schwin gung) auf. Im Gegensatz zum Versu ch mit einem Wassergehalt vo n 5 0 ppm
ist bei einem Wassergehalt v on 1 0 ppm nur eine sehr schwache Bande zu erkennen. D ies kann dam i t
erklärt werden, dass die Band en generell schwach ausg ebildet sind und somit eine Zuordnung nicht
eindeutig gelingt. Der gra vierendste Unterschied d er beiden IR-Spektr en ist im Bereich der Si-O- Si -
Bindung (1000 cm - 1 – 1200 cm -1 ) entstand en. In diesem Berei ch kann keine eindeutige Zu ordnung der
LO -Ausbi ldung erfolgen, da gleichzeitig auch andere auftretende Schwingung en (z.B.  (CN)) die LO -
Schwingun g überlagern. In Tabelle 12 sind die charakteristischen IR -Banden der 2 % APTES-Methode
unter Verwend ung von tr ockenem Toluol ( 1 0 ppm Wasser) zusa mmengefasst.

43

Abbildung 18 : IR -Spektren der U msetzun g mit 2 % APT ES-Konzentration unter Verwendu ng von Toluol mit einem
unterschiedlichen Wassergehalt. A : Gesamtspektrum d er überlagerten Spektren. B : Änderungen im Alkyl-Bereich.
C : Veränderungen der Amin-Schwingung. Alle Messungen sind gegen SiOx referenziert.

3000 2500 2000 1500 1000
 ( CH 3 )
2960 cm -1
1040 cm -1
2860 cm -1
Wellenzahl [cm -1 ]
2% APTES, Toluol (50 ppm), GB, 1 7 h 2% APTES, trockenes Toluol (10 ppm), GB, 17 h oxidierte Oberfläch e
LO Sil TO Sil
1030 cm -1
1124 cm -1
LO Ox
1230 cm -1
 s ( NH 3 + )
1479 cm -1
 ( NH 2 )
1582 cm -1
 as ( NH 3 + )
1650 cm -1
2930 cm -1
 as ( CH 2 )
 s ( CH 2 )
2874 cm -1
Transmission (a rb. unit)

3000 2950 2900 2850 2800
Transmission (arb. u nit)
Wellenzahl [cm -1 ]
2% APTES, Toluol (10 ppm), GB, 17 h 2% APTES, Toluol (50 ppm ), GB, 17 h oxidierte Oberfläche
 ( CH 3 )
2960 cm -1
 as ( CH 2 )
2930 cm -1
 s ( CH 2 )
2860 cm -1
2874 cm -1

1800 1700 1600 1500 1400 1300 1200 1100 1000
2% APTES, toluene (10 ppm), GB, 17 h 2% APTES, toluene (50 ppm), GB, 17 h oxidierte Oberfläche
Transmission (arb. u nit)
Wellenzahl [cm -1 ]
LO Sil
1124 cm -1
TO Sil
1030 cm -1
1040 cm -1
LO Ox
1230 cm -1
 ( NH 2 )
1582 cm -1

Tabelle 12 : Zusammenfassung der IR-Daten de r 2%-Methode mit getrock netem Toluol (10 ppm Wassergehalt).

Durchf ührung de r APTES-Immobilisi erung mit 2% APTES-Lösu ng in der G lo ve Bo x unter Ver wendung von Tol uol (10 ppm
Wassergehal t) für 17 h Reaktionszei t, Spülen mit Toluo l (8x 2 mL), 10 min Ultrascha ll in Toluo l, Spülen mit Toluol (4x 2 mL),
Backe n für 2 h i n einem Ofe n bei 100°C.

A

B C

Zuordnu ng


(Si-O-Si)
TO

 (CN) ali +
 (Si-O-S i) LO

 (NH 2 )

 s
(CH 2 )

 as
(CH 2 )


(CH 3 )

IR -Sch w ingun g
[cm -1 ]

1040

1070 - 1170

1582

2860

2930

2960

44

Die essentiell wichtig en Informationen über d en tatsächlichen Erhalt einer Monolage konnten erneu t
durch das Ver messen der Schich tdicke erhalten werden. Di e Auswertu ng der gemessene n
Schichtdicken zeigt, dass bei der Umsetzung mit trockene m Toluol (Na/Benz ophenon, 10 ppm
Wassergehal t) eine Schich tdicke von nu r 1 9-25 Å (1.9-2.5 nm) erzi elt werden konnte. Au ch die auf der
Oberfläche verteilten Schichtdi cken beleg en eine gut geo rdnete Monolage. Damit lässt sich die hohe
Bedeutung des Wasse rg ehalts für die Au sbildung e iner APTES- Mo nolage verdeutl ichen. In der Tabelle
13 sind di e gemes senen Schichtdicken verschiedener ATR-Kristall e (Versuche 17 - 20 ) aufgelistet.

Tabelle 13 : Zusammenfassung der Ellipsometrie-Daten der Umsetzung von 2% APTES mit trockenem Toluol
(Na/Benzophenon, 10 ppm Wassergehalt).

APTES-Brechzah l n = 1.464

Zusätzlich zu den Ellipsometriemes sungen wurden auch die Ko ntaktwink el aller Versuche ( 17 - 20 )
vermessen. Diese belegen bei Verwendung von To lu ol (10 pp m Wassergehalt) eine gut definierte
Monolage und weisen Wer te von ~68° auf. In d er Tabelle 14 sind die Kontaktwin ke l der Versuche 17 -
20 aufg ezeigt.
Tabelle 14 : Übersicht der gemessenen Kontaktwinkel bei der Umse tz ung von 2 % APTES mit Toluol (10 ppm Wassergehalt).

Si -ATR-
Kristalle

Vermessener
Ort auf der
Oberfläche

SiO 2 -
Schichtdicke
[nm]

APTES-
Mono lage
Schichtdicke
[nm]

17

Links
Mitte
Rechts

1.8
1.8
1.8

1.96
1.97
1.95

18

Links
Mitte
Rechts

1.8
1.8
1.8

2.42
2.45
2.44

19

Links
Mitte
Rechts

1.8
1.8
1.8

1.99
2.01
1.97

20

Links
Mitte
Rechts

2.5
2.5
2.5

2.42
2.42
2.58

Si -ATR-Kristalle

17

18

19

20

Konta ktwinkel [°]

68.2 ± 0.9

68.2 ± 1

68.9 ± 2

67.8 ± 0.7

45

3.3 .4 B es tim mu ng der APTE S-K onz entra tio n a uf S i(1 00 )

Zur Bestimmung der APTES-Konzentration auf der oxidierten Si(10 0)- Oberfläche wurde, anlehnend an
die Literatur [30] , m ittels Fl uo reszenz m essung i n Lösu ng die Belegung der APTES-Moleküle auf der
Oberfläche berechnet. Vor der Aufbrin gung auf die Oberfläche wurde der Farbstoff AMC (7 -Amino-4-
methylc oumarin) m it 12-Bromdodecans äure umge set zt und aufgereini gt . Eine frisch präparierte Amin-
Oberfläche, herges tellt nach der 2%-Methode mit Toluol (Na/Benzophen on, 10 ppm Wassergehalt) ,
wurde in der Gl o ve Box mit 0.08 M 12-Bro mdodecansä ure- (4 -meth y lcoumarin- 7 -yl)amid in 5 mL Tolu ol
bei 100°C für 3 h umgese tzt . Nach de r anschl ießenden Reinigung des Si-Kristalls u nd dem Tr ocknen i m
Argon-Gegenstr om wurde der Si-Kristall mittels IR-Spektr oskopie untersucht. In Schem a 17 sind die
Herstellung un d das Au fbri ngen des Farbstoffes darg estellt.

Die aufgenom men en ATR- FT - IR -Spektren der Umsetzung (Abbildu ng 19) weisen signifikante
Unterschied e auf. Die Banden im Alk yl-Bereich (2960 cm -1 – 2855 cm -1 ) zeigen eine
Intensitätssteig erung s owie eine leich te Verschiebun g nach klein eren Wellenzah len. Dies kann auf die
hinzukommend en Met hyl en -Gruppen des AMC-Farbstoff-Linkers zurückge führt werden. Die
Verschiebung zu kleineren Wellenzahlen (  as (CH 2 ) = 2929  2927 c m -1 und  s (CH 2 ) = 2860 
2857 cm -1 ) deutet die Ausbild ung einer gut geordneten Monolag e aufgrund der Kettenlänge des
Linkers an . Die Ausbild ung einer Amid-Bindu ng ist in dem Spektrum deutlich durch die Banden Amid I
(1654 cm -1 ) und Amid II (15 4 0 cm -1 ) zu erkennen.

Schema 17 : Schema zur Anbindung des AMC-Farbstoff-Linkers zur Bestimmung der APTES -Beleg ung.

46

3000 2500 2000 1500 1000
Transmission (arb.unit)
Wellenzahl [cm -1 ]
Amin-terminierte O berfläche Anbindung de s Farbstoff es
 ( CH 3 )
2960 cm -1
 as ( CH 2 )
2927 cm -1
 s ( CH 2 )
2857 cm -1
 (C=O) Amid I
1654 cm -1
 (CNH) Amid II
1540 cm -1

Nach Auswertun g der IR-Daten konnte die erfolgreich e Anbindu ng des Farbst offes b elegt w erden. Um
die APTES-Konzentrati o n bestimmen zu können wurde der flu oreszierende Farbstoff-Lin ke r unter
sauren Bedingu ngen von der Oberfläch e abgelös t und in Lösung gebracht. Hierfü r wurde der m it de m
Linke r terminierte Si-Krista ll in eine frisch angesetzte wässrige 0.1 M HCl-Lö sung (versetzt mit 0.1%
DMF ) getaucht, und dan n 3 h bei 90°C zur Reakti o n gebracht. Nach der anschli eßenden Reinig ung
wurde der Si-Kristall erneut mittels IR -Sp ek troskopie untersucht. Die Abspaltung des Farbst offes ist in
Schema 18 veran schaulicht .

Abbildung 19 : IR -Spektrum nach Anbindung des AMC-Farbstoff-Linkers. Referenziert gegen SiOx.

Schema 18 : Darstellung der Abspaltung des Farbsto ffes AMC von der Ober fläche.

47

3000 2500 2000 1500 1000
Transmission (arb. unit)
Wellenzahl [cm -1 ]
Amin-terminierte Oberfläche Anbindung des Farbstoffes Abs paltung des AMC-Farbstoff s
 s ( CH 2 )
2854 cm -1
 as ( CH 2 )
2924 cm -1
 ( CH 3 )
2960 cm -1  (CNH) Amid II
1540 cm -1
 (C=O) Amid I
1654 cm -1

In Abbildu ng 20 ist das aufgenomm ene IR -Spektrum nach der Abspaltung des A MC-Farbstoff-Linker s
dargestellt . Ein Rückgang der Amid I-Bande bei 1654 cm -1 ist deutlich zu erkennen . Außerdem ist eine
we itere Verschiebu ng im Alkyl-Ber eich in Richtung klei nerer Wellenzah len erkenn bar. Daraus lässt sich
schließen, dass eine Absp altung des Farbstoffes erfolgte und sich die Qualität der Monoschicht ,
aufgrund der nun bestehenden geringeren sterischen Hind erung der Carboxyl-Gr uppe, im Vergleich zu
den L iteraturwer ten verbessert hat. [31] Des Weiteren ist zu sehen, dass nicht alle Farbstoff -M oleküle
von der Oberfläche abgesp alten werden ko nnten , da die Banden der Amid I- und Amid II-Schwingung
weiterhin eind eutig zuge ordnet werden k önnen.

Eine weitere Umsetzung mittels wässrige r 0.1 M H Cl -Lösung (+0.1% DMF) lie fert eine komplette
Abspaltun g des AMC-Farbs to ffs. Beide in Lösung befi ndlichen AMC -Konzentr ation en des Si-Kristall s
wurden zusammengefas st und mitte ls Fluoreszenz messung en er mittelt. U m d ie Konzentration in
Lösung m ittels einer Fl uoreszenzmessung bestimmen zu können, wurde zuvor eine
Standardkalib rierkurve erstellt. Hierfür wurde eine Vorratslösung des Farbstoffs AMC m it eine r
Konzentration von 10 -4 M angesetzt. Durch Verdünn ung m it destillierte m Wass er wurden L ösungen
mit bekannter Konzentrati o n (2 · 10 -8 – 10 - 7 M) des AMC-Farbst offs an gesetzt. Der pH-Wert sollte
mittels einer 0 .00 1 M NaOH-Lösung auf pH = 8 eingestellt werden. D ie Messungen zeigen annähernd
einen linearen Verlauf der AMC-Konzentrati o n en und kö nnen anschlie ßend für die Bestim mung der

Abbildung 20 : ATR- FT - IR -Spektren vor und nach der Abspaltung des Farbstoffes AMC. Schwarz: Amin -
terminierte Oberfläche, blau: Anbindung des Farb stoffes AMC, rot: Abspaltun g des AMC-Farbstoffs .
Referenziert gegen SiOx.

48

2E-8 5E-8 6E-8 7E-8 8E-8 1E-7
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
1600
1800
Intensity (arb. unit)
Concentration [M]

Gleichun g y = a + b*x
Zeichnen B
Gewicht un g Keine Gewichtu ng
Schn i ttp unkt mit der Y-Achse 183,8 9286 ± 166,7529 1
Steigun g 1,39614E1 0 ± 2,44978 E 9
Feh ler der Sum me der Q uadr ate 896 21,06 071
Pearson R 0,943 58
R-Quadrat (CO D) 0,8903 5
Ko r. R-Quadr a t 0,862 94

Abbildung 21 : Kalibrierkurve zur Ermittlung der AMC-Konzentration in Lösung . (

ex = 380 nm,

em = 440 nm)

Konzentration bzw. der Be legung auf der Oberfl äche herangezogen werden. In Abbil dung 21 ist die
lineare Auftragu ng der ver we ndeten AMC- Ko nzent ration dargest ellt.

Anhand dieser Kurve konnt e die Konzentration des AMC-Farbstoffs an zwei Proben in d er Abspalt -
Lösung annähernd berechn et werden (Probe 1: c = 1.1 5 ∙ 10 -8 mol /l; Probe 2: c = 1.29 ∙ 10 -8 mol/l). Die
Umrechnun g in Moleküle pro cm 2 ergibt eine Belegung von 3 ,4 6 · 10 13 APTES Molekülen/c m 2 (Probe
1) und 3,88 · 10 13 APTES Molekülen/c m 2 (Probe 2) mit dem AMC-Farbst offlinker. Ausgehend vo n den
abgespaltenen AMC-Mole külen in L ösung kö nnen Rückschlüsse auf die Belegung einer Amid -
terminierten bzw. APTES-t erm inierten Oberfläche gezogen werden. D ie maximale Dichte einer durc h
Alkylketten erzeugten Amid-terminierten Monola ge auf kristallinen Silizium(111) liegt bei
3.89 · 10 14 Molekülen/c m 2 . [30, 32] Selbst in dicht gepackten Alky-Monolag en auf Si(11 1)-Oberflächen ist
aus sterischen Gründen die m aximal e Packungsdichte pro cm 2 auf ca. 55 % beschränkt (7.83 ∙ 10 14 Si -
H-Bindu ngsstellen). [33 ] Die D ichte an Hydrox y lgruppen auf einer Si(100)-Oberfläche li egt bei
3.1 – 5 ∙ 10 14 Molekülen/cm 2 . [34] In vorangegang en Arbeiten wurde die kovalente Anbindu ng vo n Silan-
Molekülen ( N -Octadecyltri chlor osilane = OTS) an oxidierten Oberfläch en erprobt. [9, 34b, 35] D abei zeigte
sich, dass aufgrund sterischer Effekte sowie der Polymerisation zwischen den benach barten Silan ol -
Gruppen keine vo llständ ige Belegu ng der hydroxylierten Oberfläche mit Silan- M olekülen erf olgen
kann. [17 a] Balgar et al. postulierte 2003 das ein linearer Wachstum von OTS-Molekül en bis zu einer
Belegung von 75 % auf Si(100) erreicht werden kann, bis eine Sättigung eintritt. [35b] Daraus kann
geschlossen werden, dass m aximal 3.75 ∙ 10 14 OTS Mo lekülen pr o cm 2 erzielt werden können
(ausgehend von 5 ∙ 10 14 OH -Molekülen/cm 2 ). Die gemessenen Werte des AMC-Farbstoff-Linkers in
Lösung (3,46 · 10 13 und 3,88 · 10 13 APTES Molekülen/c m 2 ) liegen deutlich unterha lb von 75 % (~10 %).

49

Ursächlich dafür kann die starke pH-Wert-Abhäng igkeit des 7-Aminocou marin-Farbstoffs sein . [36] D ie
aufgenomm ene Kalibrierkurve zeigt große Schwankung en und entspricht keinen lin earen Verlau f. Be i
den angesetzten Standard AMC-Farbstoff-K o nzentrati o nen konnte kein einheitlicher pH-Wert (pH 8)
erreicht werden und die Werte lagen zwischen pH 5 und 8. Somit lassen sich keine eindeutig en
Aussagen bezüglich der ex akte n Belegung von A mid-terminierten bz w. A PTES-terminier ten Si(100)-
Oberflächen treffen. Um eine eindeutige Bestimmu ng der Belegung der APTES-Moleküle auf der
Oberfläche zu erhalt en, müssen die AMC-Lösungen der Si-Kristallprob en sowie die Standard AMC-
Farbstoff-Konzentra tionen für die Erstellung einer linearen Kalibrierkurve auf ein und denselben pH-
Wert eingest ellt werden (pH 8).

50

Schema 19 : Allgemeine Reaktion eines primären Amins mit dem Sulfo-G MBS-Abstandsha lter.

3.4 Au fba u vo n M alei mid -Mo nola g en a uf ein er A mi n-fu nk tio nalis ier ten Ob erf läc h e

Biomoleküle, insbesonder e Proteine, können kovalent an eine Chipoberfläch e gebunden werden,
indem man geeigne te funktionelle Gruppen auf der Oberfläche erzeugt und diese mit den
entsprechenden Aminosäu reseitenketten der Prot eine kovalent v erknüpft. D ie Art der funkti onellen
Gruppen auf der Oberfläche kann die Reakti vität der Biosensoren bestimmen. Die Dichte der
funktionellen Grup pe auf der Oberfläche kann sowohl die Menge an im mobilisiert en Biomole kül en als
auch die Nachweisg renze des Chips beeinflu ssen. Wird ein Protein/Peptid direkt an die Oberfläche
gebunden, kann dies aufgrund der Nähe zwischen dem Bio m olekül und der Oberfläche zu
Veränderung en in der Konforma tion der Proteine führen, und dies hat dementsprech end
Auswirkungen auf die Bind ungseigenschaften und die Aktivität des P rot eins. Bei der Immobilisierun g
an einer Oberfläche kann dies zu einer Denaturieru ng der Biomole küle führen. Das kann wieder um
einen Aktivitäts verl ust des Peptids hervorrufen. Um diese Probleme umgehen zu können werden
sogenannte „Spacer “ (Abstand shalter) eingesetzt. D iese werden zwischen dem Biomolekül und der
Oberfläche eingeführt und können die genannten Probleme reduz ieren. D ie Länge und die chemischen
Eigenschaften spielen hierbei keine Rolle. Zum Einsat z kom men dabei starre oder flexible, hydrophile
oder hydrophobe sowie geladene oder neutrale Moleküle. Die Einführung sol cher Abstand shal ter
bietet die Möglichkeit vielf ältige funktionell e Gruppe n auf der Oberfläche zu v erankern, und erhöht
die Kompatibilität zu v iele n verschiedenen P roteinen . D ie zu m Einsatz kommend en „Spacer“ tragen
entweder zwei gleichartige (homodifunktion elle Abstandshalter) o der zw ei unterschi edlich e
funktionelle Grup pen (heterodifun ktionelle Spac er ). [1]
In dieser Ar beit werden het ero difunkti onelle Gruppen verwendet, die reaktiv gegenüber Aminen sind,
und mit Thiol-Gruppen der Aminosäures eitenkett en oder m it Thiol-modifizier ten Peptiden reagieren.
Der verwende te Abstandsha lter N -[  -Malei midobutyry loxy]sulfosuccini mid -Ester (Su lfo-GMBS) ist ein
wasserlöslicher Cros s-Linker und besitzt eine N -Hydrox ysuccinimid-Einhei t ((NHS)- Ester -Einheit) sowie
eine Mal eimid-Gruppe. Sulfo-GMBS ist in der Lage über den NHS-Ester unter Au sbildung einer Amid-
Bindung ko valent an Amin-Oberflächen zu binden und kann aufgrund der mil den
Reaktionsbeding ungen auc h auf Biosens oren ang ewendet werd en . In Schema 1 9 sin d die Struktur des
Sulfo-GMBS-Abstand shalte r und die allge meine Reakt io n mit primären A minen dargestellt.

51

Schema 20 : Schema zur Anbindung von Sulfo-GMBS an einer Amin-terminierten Oberfläche.

Die Umsetzung von Sulfo -GMBS mit einer Amin-terminiert en Oberfläche wurd e anlehnend an d ie
Literatur von Chabal [19a] ausgearbeitet. In dieser Arbeit wird die Anbindun g von Biotin, welches mit
einer NHS-Grupp e modifizi ert i st, an eine APTES-terminierte Oberfläch e beschri eben. Da im Fall von
Sulfo-GMBS ebenfalls eine mo difizier te NHS-Gruppe zur Verfügung steht und diese wasserlöslich ist,
konnte ein e m ögliche Funktionalisi erungsstrat egie entwickelt werden. In d em Schema 20 ist di e
entwickelt e Meth ode inklusive d er Reinigungsschri tt e abgebildet.

Das aufgenom m ene IR-Spe ktrum (Abbildung 22 ) weist gegenüber dem Amin-ter minierten Spektrum
signifikante Unterschiede au f. Im Fingerpr int-Bereich sind ne ue Banden entstanden. Sie deuten eine
erfolgreiche Anbindu ng d es Sulfo-GMBS an di e Oberfläche an . Die intensiv en n eu entstand enen
Banden bei 1743 cm -1 und 17 05 cm -1 können der symmetrischen (  s (CO)) u nd asymmetrischen
(  as (CO)) S treckschwingu ng d er Carb onyl-Gruppe zu geordnet werden, die als Doppelpeak für die Imid-
Einheit charakteristisch sind. [37] Ebenso wird die Ausbildung einer Amid-Bindung, unter Abspa lt ung vo n
N -Hydroxysuccin imid zwisc hen der Amin-Grup pe auf der Oberfläche und dem Sulfo-GMBS durch die
entstandene Amid I- (  = 1652 cm -1 ) sowie die Ami d II -Schwingun g (   = 1540 cm -1 ) deutlich . D es
Weiteren ist eine schmale Bande bei 1409 cm -1 entstand en, die auf eine Strecksc hwingung der C -N-C-
Bindung der M aleimid-Ein heit schließen lässt. Im Gegensatz dazu sind keine Veränderun gen der IR-
Signale im Al kyl- und Si Ox-Bereich zu be obachten. D iese Ergebnisse belegen folg lich das Vorliegen
einer gut geordn eten Monoschicht nach Anbindung des Sulfo -GMBS-Ab standshalters. Auch eine
Überprüfun g mittels Kontaktwink elmessung en belegt eine einheitlich e und geordn ete Monoschicht.
Die Werte liegen bei ~ 52 °. Da d ie angebundene M aleimid-Gru ppe hydrophiler als die Amin-Grupp e ist,
wird auch ein Rückgan g des Kontak twinkels ausg ehend von d er APTES- Monoschic ht (68°, siehe Tabelle
14) erwarte t.

52

Abbildung 22 : FT - IR -Spektru m de r Anbindung des Sulfo-G MBS-Abstandshalter an die APTES-terminierte
Oberfläche. Die Messungen sind gegen SiOx referenziert.

3000 2500 2000 1500 1000
Transmission (arb. unit)
 ( CH 3 )
 as ( CH 2 )
 s ( CH 2 )
1705 cm -1
 as (C=O) Imid
 s (C=O) Imid
1743 cm -1
2860 cm -1
2930 cm -1
Wellenzahl [cm -1 ]
Amin-terminierte Oberfläche (APTES)
Maleimid-terminierte Oberfläche (Sulfo-GMBS-Abstandshalter)
2960 cm -1
 (CNH) Amid II
1540 cm -1
 (C=O) Amid I
1653 cm -1
 (CNC) maleim id
1409 cm -1

In der nachfolgenden Tabelle 15 sind alle aufgenommenen IR-Da ten der U m setzun g des Sulfo-GMBS
mit einer A m in-terminier ten Oberfläche zusam m engefasst.

Tabelle 15 : Zusammenfassung der ATR- FT - IR -Daten der Maleimid-terminierten Oberfläc he.

Zuordnu ng


(Si-O-Si)
TO
LO

 Malei
mid
(CNC)

 AmidII
(CNH)

 AmidI
(C=O)

 as
(C=O)

 s
(C= O)

 as
(CH 2 )

 s
(CH 2 )


(CH 3 )

IR -
Schwingun g
[cm -1 ]

1036,
1124

1409

1540

1652

1705

1743

2930

2860

2960

53

Schema 21 : Schematische Darstellung des Aufbaus einer Säure -ter minierten Si(100)-Oberfläche.

3.5 A U FBAU VO N C A RBOX Y - TE RMI NIER TEN M O NOLAG E N A UF EIN ER AP TES- FUNK TIO N ALI SIER TEN O BER FLÄ CHE

Eine zweite Möglichkeit der Anbindung v on Biom olekülen auf oxidierten Si(10 0) -Oberfl ächen besteh t
darin, Standard-Kopplun gsverfahren aus der Peptidsynthese auf die Ob erfläche zu übertragen. Dabei
bietet die A m in-termini erte Oberfläche die Grundlag e und wird durch Anbindung eines
heterodifun ktionellen Abst andshalters zu einer Carb oxy -terminierten Oberfläche umfunktionalisiert .
Die direkte Kopplung an die Oberfläche unter Ausbildung einer Amid-Bindung ist ebenfalls möglich,
jedoch kann dies wiederum aufgrund der Nähe zur Oberfläche zur Denaturierun g der Peptide führen,
und da mit die Funktion und die Eigenscha ften d er zu untersuchenden Biomolekü le beeinfluss en. Um
sicher zu stellen, dass auch in diesem Fall eine gut g eo rdnete Mon oschicht erhalten bleibt, wird die
Säure-Fun ktion auf die Amin -ter m inierte Oberf läche aufgebra cht. Als heterodifunktion eller
Abstandshalter fungiert hierbei der Bernsteinsäur emonomethylester. Dieser wird mit der i m
Arbeitskreis etabli erten HC TU -Methode an die Amin-terminier te Monolage gebu nden. [ 37] Das Schema
21 zeigt die einzelnen Reaktionsschrit te zur Bildung ei ner Carboxy-ter minierten Monolage ausgehen d
von einer A PTES-funktional isierten Oberfläche.

Zu Beginn wurde m it Bernsteinsäure monomethyleste rs eine Ester-te rminierte Monolage aufgebaut.
Nachfolgend wurden eventuell nicht u m gesetzte Amin-Gruppen mittels ei nes „Capping - Schrittes “
blockiert, um etwaige Kreuz reaktionen bei der Hydrolyse des Esters zu verhindern. Anschließ end
wurde die Ester-Gruppe unter Ver wendung von wässriger 5.5 M HCl-Lösung zu r Säure hydrolysiert.
Für die Funkti o nalisierung der Oberfläche wurde Bernsteinsäure monomethylester und DIPEA in
Acetonitril in einem Glas vial vorgel egt. Unter ständigem Rühren wurde dann das Kupplung sreagenz

54

Abbildung 23 : IR -Spektrum n ach Imm obilisierung von Bernsteinsäuremo nomethylester an eine APTES-
Oberfläche auf Si(100). schwarz: APTES-Monoschicht; r ot: Ester-ter minierte Ober fläche. Die Spektren wurden
alle gegen SiOx referenziert.

3000 2500 2000 1500 1000
1043 cm -1
 (Si-O-Si) TO
1735 cm -1
Wellenzahl [cm -1 ]
Amin-terminierte Oberfläche Ester-terminierte Oberf läche
 s ( CH 2 )
2858 cm -1
 as ( CH 2 )
2930 cm -1
 ( CH 3 )
2960 cm -1
 (C=O) Ester
 (C=O) Amid I
1652 cm -1
 (CNH) Amid II
1540 cm -1
 (Si-O-Si) LO
1098 cm -1
Transmission (arb. unit)

HCTU hinzugefügt und schließlich der Si-ATR-Krista ll eingetau cht. Die Reaktion wurde für 2 h
abgedun kelt bei RT unter ständigem Rühren durchgeführt. Nach Beend igung der Immobilisierun g
wurde der Si-Kristall aus der Lös ung entfernt und mit Acetonitril (4x 5 mL á 2 min) und DCM (2x 5 mL
á 2 min) gereinigt. Im Ar gonstrom wurde der Si-Kristall abschließend getrocknet und dann IR-
spektroskopisch vermes sen.
In Abbildu ng 23 ist das au fgenommene IR -Spektrum der Im m obilisierung des
Bernsteinsäur emonomethylesters dargestellt. In de m IR-Spektrum sind deutlich e Unterschi ede zur
Amin-terminiert en Oberflä che zu erkennen. D ie charakteristi sche Bande der A m in -Gruppe verzeichnet
im Berei ch von 1650 cm -1 – 1 585 c m - 1 einen Rückga ng. Dafür sind spezi fische Banden der Amid I-
(  (C=O) Amid I = 1652 cm -1 ), der Amid II- (  (CN H) Amid II = 1540 cm -1 ) sowie der Carbonyl-Bande des Ester s
((  (C= O) Ester = 1 735 cm -1 ) entstanden. Die Banden im Alkyl-Bereich ((2950 c m -1 – 2870 cm -1 ) und im
Bereich der Si-O- Si -Bindung (1 000-1200 cm -1 ) zeigen ke ine beachtlich en Unterschiede. Dies läss t
darauf schließen, dass eine erfolgreiche An bindun g des Bernsteinsäu remono methylesters über d ie
Ausbild ung einer Amid-Funktion stattg efunden hat. Der gem essene Ko ntakt winkel von 58° beleg t
ebenfalls die erfolgreiche A nbindung des Bernsteinsäu remonomethyle sters.

55

Abbildung 24 : IR -Spektrum nach dem "Capping"-Schritt (blau), schwarz: APTES -Monolage; rot: Ester -terminierte
Monolage. Alle Messungen wurden gegen SiOx referenziert.

3000 2500 2000 1500 1000
Wellenzahl [cm -1 ]
APTES-terminierte Oberfläc he Ester-terminierte Oberfläche Messung nach dem "Cappen"
Transmission (arb. unit)

In der sich anschließenden Reaktion wurde der Ester-t erminierte Si-Kristall in eine Lösung aus Pyridi n
und Essigsäureanhydrid im Verhältnis 3: 1 eingetaucht und die Reaktion unter stän digem Rühren über
einen Zeitraum v on 2 0 min durch geführt . Ziel war das „ cappen “ eventueller Amin -Gruppen, um di e
Entstehung unerwünscht er Nebenprodukte bei der nachfolgenden Hydrol yse zu unterbind en.
Anschließend wurde der Si-Kristall mit DCM gereinigt (5x 5mL á 2 min) und im Arg on strom getrockne t.
In Abbildung 24 ist das IR- Spektrum des „Capping“ -Schrittes dargestellt. D ie Abb ildung enthält den
Vergleich mit der APTES- u nd der Ester-Monolag e .

In den abgebildeten Spektren ist zu erkennen, dass d er „Capping“ -Schrit t mit der Ester -ter minierten
Oberfläche zu geringen Unterschieden führt . Aus der leichten Intensität ss teig erung der Amid I -Bande
bei 1655 cm -1 lässt sich schl ussfolgern, dass die restlich en Amin- Gruppen du rch den „Capping “ -Schritt
blockiert wurden und deswegen keine Neb enreaktionen während der n achfo lgenden Rea ktionen
stattfinden können.
Um zu überprüf en, o b alle verbliebenen Amin-Gruppen tatsächlich blockiert wurden, und ob das
verwendet e Essig säureanhydrid wasserfrei war, wurde mittels eines Blindtes tes die Aktivität d es
Essigsäureanhydrid s überp rüft. Dazu wurde ebenfall s eine reine Amin-ter minierte Oberfläche mit
Pyridin/Ac 2 O (3:1) zur Reaktion gebracht. In Abbildung 25 ist das Spektrum dieses Blindt estes
dargestellt.

56

Abbildung 25 : Blindtest des "Capping"-Schrittes mit Ac 2 O/Pyridin auf einer Amin-terminierten Oberfläche. Die
Messungen wurden gegen SiOx referenziert.

3000 2500 2000 1500 1000
Wellenzahl [cm -1 ]
APTES-Mon oschicht Blindtest, "Cappi ng" mit Pyridin/Ac 2 O
2960 cm -1
 ( CH 3 )
 as ( CH 2 )
2930 cm -1
 s ( CH 2 )
2873 cm -1
 (C=O) Amid I
1652 cm -1  (CNH) Am id II
1540 cm -1
Transmission (arb. u nit)

Anhand dieses Blindtestes wird sichtbar , dass der „Cappin g“ -Schritt m it der verwendeten Lösung
erfolgreich war und f reie Amin-Gruppen auf der Oberfläche für weitere Reaktionen blockiert werden
konnten. Des Weit eren ist zu erkennen, dass für die Ausbild ung einer Amid-Bind ung charakteristis che
Banden entstanden sind (  (C=O) Amid I = 1652 cm -1 ),  (C NH) Amid II = 1540 cm -1 ).
Nach Erhalt dieser Daten lässt sich sagen, dass alle A min-Gruppen nach der Umse tzung mit
Bernsteinsäur emonomethylester und dem anschließenden „ Cap ping“ -Schritt keine we itere n
Nebenreakti onen eingehen können und die Ester-H ydrolys e erfolgen kann.
Im F o lgenden wurde die Hydrolyse des Esters mittels wässriger 5.5 M HCl- Lösung durch geführt. Hierfür
wurde eine 5.5 M HCl-Lösung frisch ange setzt und z unächst für 1 h i m Ultraschall bad unter Arg on
(Ballon) entgast. Anschließ end wurde die Lösung auf 40 °C erwärmt und der Est er -terminierte Si-
Kristall im Argongegens trom eingetaucht. Das Reakti o nsgefä ß wurde verschloss en und der Si-Kristall
für 3 h bei 40 °C unter Inert gas ( Argon) zur Reakti o n gebracht. Nach Beendig ung erfolgte di e grün dliche
Reinigung de s Si -Kristalls mit Milli-Q-Wasser ( 5x 5 mL) und DC M (3x 5 m L á 2 min ). Die Trocknung des
Si -Kristalls fan d wi eder im Argonstrom statt. In Ab bildung 26 ist das IR-Spektrum der erzeugten Sä ure-
terminierten Oberfläche da rgestellt.

57

3000 2500 2000 1500 1000
Wellenzahl [cm -1 ]
APTES terminierte Oberfläche Esterterminierte Oberfläche Säureterminierte Oberfläche
 ( CH 3 )
 as ( CH 2 )
 s ( CH 2 )  (C=O) Ester
 (C=O) Säure  (C=O) Amid I
 (CNH) Amid II
Transmission (arb. unit)

3050 3000 2950 2900 2850 2800
APTES terminierte Oberfläche Esterterminierte Oberfläche Säureterminierte Oberfläche
Wellenzahl [cm -1 ]
 ( CH 3 )
 as ( CH 2 )
 s ( CH 2 )
2960 cm -1
2930 cm -1
2858 cm -1
Transmission (arb. u nit)

1900 1800 1700 1600 1500 1400
APTES terminierte Oberfläche Esterterminierte Oberfläche Säureterminierte Oberfläche
Wellenzahl [cm -1 ]
 (C=O) Ester
 (C=O) Säure
1735 cm -1
1717 cm -1
 (C=O) Amid I
 (CNH) Amid II
1540 cm -1
1652 cm -1
Transmission (arb. u nit)

A

B C

Im aufgen ommenen Spektrum ist die erfo lgr eiche H y dr olyse vom Est er zur Säure deutlich zu er kennen.
Die spezifische B ande der Carbonyl-Gru ppe der Ester-Funktion ist von 1735 cm -1 zur charakteristisch en
Bande der Carbonyl-Grupp e der Säure bei 1717 cm -1 v erschoben (Abbildung 26 C ) . Die Banden der
Amid-Bindu ng (  (C=O) Amid I = 1652 cm -1 ,  (CNH) Amid II = 15 40 cm -1 ) sowie die Banden des Alkyl-Bereichs
sind weiterhin vorhanden und die Lage der Band en zeigt keine V eränderu ng an. Daraus kann
geschlussfolger t werden, dass ein e Säure-ter minierte M onolage erzeug t werd en ko nnte. Auch de r
Rückgang des Kontaktwink els von 58° (Ester) zu 30° (Säure) belegt die erfolgrei ch präparierte Säure-

Abbildung 26 : ATR- FT - IR -Spektren der Umsetzung zur Säure-terminierten Oberfläche . A: Gesamtspektrum dieser
Umsetzung und Vergleich mit der Ester- und APTES-ter minierten O b erfläche. B: Veränderung des Alkyl-Bereiches
nach der Umsetzung zur Säure-terminierten Oberfläche. C: Veränderung der spezifischen Carbonyl -Schwingung
nach der Umsetzung. Die Messungen wurden gegen SiOx referenziert.

58

terminierte Oberflä che. Inf olgedessen kann nun mehr eine Immobilisierun g von Bi o molekül en, die eine
Amin-Grupp e tragen, über eine weitere HCT U-Kupplung erp robt und unter sucht werden.

In der nachfolgenden Tabelle 16 sind die ATR- FT - IR -Daten der Säur e -term inierten Oberfläche
zusammengefass t.

Tabelle 16 : Zusammenfassung der ATR- FT -IR Daten der Säure-terminierten Oberfläche .

Zuordnu ng


(Si-O-Si)
TO LO

 AmidII
(CNH)

 AmidI
(C=O)

 Säure
(C=O)

 s (CH 2 )

 a s (CH 2 )

 (CH 3 )

IR -
Schwingun g
[cm -1 ]

1036 , 112 4

1540

1652

1717

2858

2930

2960

59

3.6 On - Chip- Im mo bilis ier ung von Bio mo lek ülen un d p hoto sc hal tbar en M ole küle n auf Si(1 00)

Für die Immobilisierung von Biomolekülen stehen verschiedene Anbindu ngsstrategi en zur Verfügung.
Sie kö nnen einerseits durch Co ul omb-, hydroph obe oder polare Wechselwirkun gen an eine Ob erfläche
adsorbieren (nicht-k o valen te Anb indu ng) , und ander erseits über die fu nktione llen Gruppen ihrer
Aminosäureseit e nketten an eine Oberfläche gebunden werden (kovalente Anbindun g). Die
auserkorene Strategi e muss so gewähl t werden, dass nach der Imm obilisieru ng kein Verlust der
Bindung seigenschaften auftritt und die a ktiven Zentre n der P roteine weiterhin erhalten bleibe n. Des
Weiteren ist die Wahl einer geeigneten Kombination aus Chipoberfläche und Im mobilisierun g
entscheidend für die Funktionsfähigkei t eines so erh altenen Proteinchips, und sie sollte daher zu
möglichst vielen Pr oteinen kompatib el sein. [1]
In dieser Arbeit wird die Immo bilisi erung in erster Linie über die kovalente Anbindun g der funktionelle n
Gruppen der Aminosäureseitenk ette an die Oberfläche erfolgen. Obendrein wird die Immobilisierun g
der Peptidmoleküle un d photoschaltbar en Mo leküle üb er ein e H CTU-Kup plung der N -terminal en S eite
an eine funktionelle Oberfläche erprobt. Eine dire kt e Anbindun g von Biomolekül en an einer APTES -
terminierten Oberfläche wird ebenfalls am Beispi el von Biotin -Streptavidin untersucht. In den
folgenden Abschnitten (Abschn itt 3.6.1, 3 .6.2, 3.6. 3, 3 .6.4) werden die vorstellbaren
Anbind ungsmöglichkeit en aufgezeigt und erläutert. Das Schema 22 zeigt die all gem eine Dur chführung
der Immobil isierung v on Peptid en.

Schema 22 : Allgemeine Durchführung der Immobili sierung von Peptiden und photoschaltbaren Moleküle auf
Si(100).

60

3.6 .1 D irek te Im mob ilisier un g v on Bio mol ekül en a n ein e A min- ter min iert e Ob erflä che

Für ein e direkte An bindun g von Bio molekülen (Peptide, Proteine etc.) an ein e Amin -terminiert e
Oberfläche wird auf eine Strategie zurückgegriffen, die ihren Ursprung in der
Affinitätschro matographie hat. Hierbei wird auf die spez ifische Bindung von Biotin an das Protein
Streptavidin (StA) gesetzt. Bi otin, auch als Vitamin H bekannt, ist ein Molekül mit einer Größe v on
244 Da. Wenn Bio tin in ein biologisch aktives M akro molekül eingeführt wird verändert es weder die
biologische Aktivitä t noch die Eigenschaften dieser M akromol ek üle. [38] Streptavidin wird vo n dem
Bakterium der Spezies Str ep tomyces avidinii produzi ert . [1] Streptavidin besitzt vier identische Biotin
bindend e Untereinhei te n und hat ein Molekularg ewic ht von 60 kD a. [38] Jede der vier Untereinhei ten
kann ein Molekül Biotin mit einer sehr hohen Affinität irreversibel binden. Diese Bindung kann m it
einer kovalent en Bindung gleichgesetz t werden (Affini tätskonstante = 10 13 - 10 15 M -1 ) [4] und ist 10 3 - 10 6
mal stärker als für die Wechselwir kung v o n Ligand en mit d eren spezifi schen Antikörpern. [38] Di e
Bildung eines Komplexes zwischen Biotin und StA verläu ft sehr schnell und ist unabhängig von pH -
Wert, Temperatur und org anischen Lösungs m itteln. [1] Ausgehend von dieser star ke n Wechselwirkun g
kann eine Proteinveranke rung an eine Oberfläche realisiert werden. Zunächst wird eine Biotin-
terminierte organische Ob erfläche hergestell t, die in einem Folgeschritt das StA an zwei der
Biotinbindun gsstellen von StA mit sehr hoher Effizienz bind en kann. Die beiden weiteren
Bindung sta schen fü r Bi o tin des StA dreh en sich d abei von der Chipoberfläch e weg und stehen für eine
weitere I mmobilisi erung vo n biot inylie rten Biomol ekülen zu r Verfügung. [1]
Zu Beginn wurde eine frisch herges tellte APTES-Monolage mit Biotin-3-sulf o - N - hydroxysuccinimid-
Ester -Natriu msalz (Sulfo -N HS-Biotin) umgesetz t. [19a] Dafür wurde eine frisch e Lösung von Sulfo-NHS-
Biotin in 1 mL Milli -Q-Was ser ang esetzt. Der frisch A PTES -ter m inierte Si-ATR-Kr istall wurde in ein e
Teflon-Halterun g eingespannt und in einen verschließbaren Teflon-Behälter gestellt. Die Sulf o -NHS-
Biotin-Lösung wurde m itte ls einer 1 mL Spritze auf eine Seite des Si-ATR-Kristal ls aufgebracht. D as
Gefäß wurde verschlossen und 1 h mit der Oberfläche zur Reaktion gebracht. Nach grü ndlichem Spülen
mit M illi-Q-Was ser (4 x 5 m L) wurde der Si-ATR-Krist all mit Milli-Q-Wasser (5 mL) im Ultraschallb ad
15 min gereinigt un d erneut mit Milli-Q-Wasser gespült (4 x 5 mL). Anschließend wurde der Si-Kristal l
unter Argon getrocknet [5] und IR-spektroskopisch untersucht. Im Sche ma 23 ist die Umsetzung mit
Sulfo-NHS -Biotin darges tellt.

61

Schema 23 : Darstellung der Umsetzung einer APTES- termi nierten Mo nolage mit Sulfo-NHS-Biotin.

Das aufgenom m ene IR-Spe ktrum (Abbildu ng 27) weist gegenüber dem A min-terminierten Spektrum
signifikante Unterschiede au f. Im Fingerpr int -Bereich sind neue Banden entstan den. Sie deuten ein e
erfolgreiche Anbindu ng des Sulfo-NHS-Biotins an die Oberfläche an. Die charakter istische Amin-Bande
im Bereich von 1 500 – 1700 cm -1 der APTES Monoschich t ist nicht erkennbar, da für sind spezifische
Schwingun gsbanden der Amid-Gruppe (  (CO) Amid I = 1663 cm -1 , (  (NH )+  (CN ) A mid II = 1533 cm -1 )
en tstanden. Dies spricht für ein e erfolgrei che Anbi ndung der Biotin -Einheit. Eine zu erwartende
Streckschwing ung der Carb o nyl-Gruppe des Urethan- Biotin-Rings ist nicht erkennb ar. Die
Absorptionsbande bei 1250 cm -1 kann dem Biotin-Urethan- Ring zugeordnet we rden und spricht
ebenfalls für eine Anbin dung der Biotin-Einheit an eine A PTES-terminierte Monolag e. Die
charakteristischen Banden des Alkyl-Bereichs (  = 2927 cm -1 und 2 855 cm -1 ) sind weiterhin gut zu
beobachten. Hier ist jedoch eine leichte Verschieb un g der Alkyl-Banden nach kleineren Wellenzahlen
zu erkennen und belegt damit die Ausbildung einer gut definiert en Monolage mit der Bi otin-Einheit.
Auch die gemessenen Kontaktwink el (A PTE S: ~68°, Bio tin: ~60°) belegen die Ausbildung einer
geordneten Monoschicht. D er zu beobacht ende Rüc kgang des Ko ntakt winkels gegenüber der APTES-
Monolage um 8° ist auf die Polarität der Urethan- und Tetrahydrothiophen-Ring e (hydrophiler und
polarer als APTES) der B ioti n-Einheit zurückzuführen. [2 7c] Im Vergleich zur Aufnah me der IR-Daten der
Amin-terminiert en Oberfläche ist ein Rückgang der Intensitäten des Si-O- Si -Bere ichs erkennbar. Die s
kann m it dem erhaltenen Abstand zur Si -Oberfläch e begründet werden. Die charakteristisch en
Schwingun gsbanden sin d in der Tabelle 1 7 zusa mmengefasst.

62

Abbildung 27 : ATR- FT - IR -Spektru m d er Umsetzung von Sulfo-NHS-Biotin und einer APTES-ter minierten Oberfläche . A:
Gesamtspektrum dieser Umsetzung und Vergleich mit der APTES-terminierten Oberfläche. B: Veränderung des Alkyl-
Bereiches nach der Umsetzung mit Sulfo-NHS-Biotin an einer APTES-terminierten Oberfläche. C: Veränderung der
spezifischen Amid-Schwingung nach der Umsetzung. Die Messungen wurden gegen SiOx referenziert.

3000 2500 2000 1500 1000
 ( Biotin-Urethan-Ring)
 (NH) Amid II +  ( CN ) Amid II
 ( C=O ) Amid I
 ( CH 3 )
 as ( CH 2 )
Wellenzahl [ cm -1 ]
APTES-terminierte Monolage Anbindun g der Biotin-Einheit
Transmission (a rb. unit)
 s ( CH 2 )

3050 3000 2950 2900 2850 2800
 ( CH 3 )
 as ( CH 2 )
2927 cm -1
2855 cm -1
Wellenzahl [ cm -1 ]
APTES-terminierte Monolage Anbindung der Biotin-Einheit
Transmission (arb. u nit)
2961 cm -1
 s ( CH 2 )

2000 1900 1800 1700 1600 1500 1400 1300 1200
1663 cm -1 1533 cm -1
 ( Biotin-Urethan-Ring )
 (NH) Amid II +  ( CN ) Amid II
1250 cm -1
 ( C=O ) Amid I
Wellenzahl [ cm -1 ]
APTES-terminierte Monolage Anbindung der Biotin-Einheit
Transmission (arb. u nit)

A

B C

63

Schema 24 : Darstellung der Immobilisi er ung von Strep tavidin (StA) an eine biotinylierte Oberfläc he.

Tabelle 17 : Zusammenfassung der IR-Schw ing ungen der Umsetzung von Sulfo-NHS-Biotin an eine APTES- termi nierte
Oberfläche.

Zuordnu ng

IR -Sch w ingun g aus den
eigenen Me ssung en
[cm -1 ]

IR -Sch w ingun g von N.
A. Lapin [c m -1 ] [19a]

 (Ure than-Biotin-
Ring)

1250

1240 – 1260

 (NH)+  (CN) amid II

1533

~1540

 (C=O) amid I

1663

~1660

 s (CH 2 )

2855

/

 as (CH 2 )

2927

/

 (CH 3 )

2961

/

Die erfolgreich hergest ellte Biotin-Monolag e bietet nun die Grundlag e für die Kopplung des
Biomoleküls Streptavidin (StA). Hierfür wurde ein frisch hergestellter Biotin-termin ierter Si-ATR- Kristall
in eine Teflon-Halterun g gespannt und in einen verschlie ßbaren Teflon-Behälter gegeben.
Anschließend wurde die biotinylierte Seite des Si -Kristalls mit einer frisch hergestellten Lösung aus
Steptavidin in 1 mL PBS-P uffer (Phosph atgepuff erte Salzlösung, pH 7.4 ) mittels einer 1 mL Spritze
benetzt. [19a] Nach einer Inkub ationszeit von 1 h wurde die Probe erst m it PBS unter Zugabe von TWEEN
20 (Polyeth ylen Glykol Sorbat) und anschließend mit reinem PBS vier mal für 1 m in bei 180
Umdrehungen/ m in ge schüttelt. Der Kristall wurde aus der Lösung entfernt, gründ lich mit Milli -Q-
Wasser (4 x 5 mL) gespült und unter Argon getro ckne t. [ 19a] D ie Umsetzu ng des Steptavidins mit einer
Biotin-terminier ten Oberfl äche ist in Schema 24 dargestellt und wurde A TR- FT - IR -spektroskopisch
untersucht (Abbil dung 28) .

64

3050 3000 2950 2900 2850 2800
Transmission (arb. u nit)
 ( CH 3 )
2866 cm -1
2927 cm -1
Wellenzahl [cm -1 ]
APTES-terminierte Oberfläche Biotin-terminierte Oberfläche Immobilisierung von Streptavidin
 s ( CH 2 )
 as ( CH 2 )
2961 cm -1

1800 1700 1600 1500 1400
Transmission (arb. u nit)
1694 cm -1
( b -Faltblatt)
1640 cm -1
Wellenzahl [cm -1 ]
APTES-terminierte Oberfläche Biotin-terminierte Oberfläche Immobilisierung von Streptavidin
1530 cm -1
 (C=O ) Amid I
Sekundärstruktur
 ( CNH ) Amid II
+ Sekundärstruktur
( b -Faltblatt)

3000 2500 2000 1500 1000
Transmission (a rb. unit)
( b -Faltblatt)
 ( CH 3 )
Wellenzahl [cm -1 ]
APTES-terminierte Oberfläc he Biotin-terminierte Oberfläche I mmobilisierung von Streptavidin
 s ( CH 2 )
 as ( CH 2 )  (C=O ) Amid I
Sekundärstruktur
 ( CNH ) Amid II
+ Sekundärstruktur
( b -Faltblatt)

A

B C

Die b ei einer Wellenzahl von 1640 cm -1 au sgebildet e Hauptban de we ist auf die dominante Eigenschaf t
der Amid I Re gi on für dieses Protein hin. [39] Des Weiteren ist diese spezifische Ban de ein eindeutiger
Hinweis auf die b -Faltb latt-Struktur, die die Hauptsekund ärstrukturko m ponente von Str eptavidi n
darstellt. D ie Band e bei 1530 cm -1 ist ein weiterer Hinweis für die P rotein bindun g auf der biotinyliert en
Oberfläche. [19a] D ie zu erkennende Schult er bei 1694 cm -1 kann der Strecksch wingung der
Carbonylbindu ng (  (C=O)) der Amid-I-Einheit zugeord net werden. D ie zuvor erkennb are spezifische
Bande des Bi otin-Urethan-Ring bei 1250 c m -1 is t nic ht eindeutig zuordenb ar, was darau f schließen
lässt, dass der Urethan-Biotin-Ring in die vo rha ndenen Biotin-bindenden Untereinheiten des
Streptavidin eingebettet ist. Dies belegt, dass eine erfolgreiche Anbindung des StA stattgefunden hat.

Abbildung 28: ATR- FT - IR -Spektrum der Immobilisierung von Streptavidin (StA) auf einer APTES -terminierten
Oberfläche . A: Gesamtspektru m der Immo bilisierung des Streptavidins und Vergleich mit der APTES - und Biotin-
terminierten Oberfläche. B: Veränderung des Alkyl-Be reiches nach der Umsetzung mit Streptavidin an einer APTES-
terminierten Oberfläche. C: Veränderung der spezifischen Amid-Schwingung nach der Umsetzung mit Streptavidin.
Die Messungen wurden gegen SiOx referenziert.

65

Je doch kann die Charakte risierung der Immobilisi erun g v on Streptavidin auf eine r biotin ylierten
Oberfläche nicht eindeutig erfo lg en, da die Prot ein IR-Banden vom Streptavidin mit d en Banden des
angebun denen Biotins korrelieren. [19 a] D er Rückgang des Kontaktwin kels vo n ~60° (Biotin) auf ~30 °
(Streptavidin ) kann die Aussage, der positiven Anbin dung des StA an die biotinylier te Oberfläche
bestätig en , und ist m it de r hydrophilen Außensei te von Proteinen und der damit verbundenen hohen
Löslichkeit in Wasser zu erklären. Dies wird durch die Literaturstelle vo n E. H. Williams [27c] et al.
unterstützt. Sowohl das Fehlen einer gravier enden Verschiebung der Alkyl-Ban den zu höheren
Wellenzahlen als auch der Literatur [27c] nahe kommende Kontaktwinkel wert einer StA Monolag e
(Literatur: 33°) zeigen eine gut geordnet e Monolage an. Die Zuordnung der Schwing ungsbanden der
gemessenen Ergebnisse un d der Literatur [19a] sind in Tab elle 18 zusam m engefasst.
Tabelle 18 : Zusammenfassung der IR-Schw ing ungsbanden nach der Immobilisi erung von Streptavidin an eine Bioti n -
terminierte Oberfläche.

Zuordnu ng

IR -Sch w ingun g
eigene Messun g
[cm -1 ]

IR -Sch w ingun g von
N. A. Lapin [ c m -1 ] [19a]

 (Sekundärst r uktur )
β -Faltblatt

1530

~1540

 (Se kundä rstruktur)
β -Faltblatt

1640

~1640

 (C=O) amid I

1694

/

 s (CH 2 )

2866

/

 as (CH 2 )

2927

/

 (CH 3 )

2961

/

Die in dieser Dissertation ausgearbeiteten Fun ktionalisieru ngsmethoden für die Hers tellung eine r
APTES-termini erte n Oberfläche und die Immobilisi erung vo n Biom o lekülen (Biotin, Streptavidin) auf
Si(100) wurden in ersten Versuchen auf den Biosensoren der Hochfrequenz technik der TU-Berlin
erprobt. D afür wurden die Biosensoren im Arbeitskreis Rück-Braun mit der 2% -Meth o de unter
Verwendung vo n trockene m To lu ol (10 pp m Wasserg ehalt) in der Golve Box m it APT ES funktionalisiert .
Anschließend wurde die Anbin dung v on einer Biotin-Ein heit mittels Sulfo-NHS-Biotin in Milli-Q- Wasser
in einer Fluidik-Zelle untersucht. Die aufgenommene Resonanz verschiebun g konnte in Echtzeit eine
positive Anbindun g bestätigen. Um die Bindu ngsaffinität zwischen Biotin und Streptav idin zu
untersuchen wurd e im Anschluss das in PBS-Puffer gelöste Strepta v idin, unter den genannte n
Bedingun gen, ebenfalls üb er eine Fluidik-Zelle auf den Biosensor aufg ebracht.

66

Abbildung 29 : Resonanzverschiebung der Umsetzung einer APTES-terminierten Oberfläche mit einer
Biotin-Einheit in einer Fluidik-Zelle. blau : Vermessung des Biosensors vo r der Funktionalisierung (bare) ,
grün : Ver messung des Bio sensors nach der Funktionalisi erung mit APTES (APTES) , rot : Vermessung des
Biosensors nach Anbindung von einer Biotin-Einheit auf einer APTES-terminierten Oberfläche (Biotin-final
State) . Die Abbildung ist von der Hochfrequenztechnik der TU-Berlin bereitgestellt worden .

Auch in diesem Fall k onnte durch die Vers chiebu ng der Resonanz eine I mmobilisierung des
Streptavidins bel egt werden. In Abbildung 29 ist die Resonanz verschiebung der Um setzun g von einer
APTES-termini erte n Oberfl äche mit einer Bi o tin-Einheit darg estellt.

67

3.6 .2 I mm o bil isier un g von P ep tiden a n e iner Ma lei mid- term ini ert en O b erfläc he

Bei der Immobilisierung von Cystein-modifiziert en Peptiden wird die Reaktion von Thi olen an ein e
Doppelbindung herangezog en. Bei der Anwendun g in der Biosens orik ist es von großer Bedeutung,
dass die Anbindu ngsreaktionen schnell vo n statt en gehen, und som it den Einsatz geringe r
Konzentrationen der Immobilisi erungsreagenz i en erla uben. Des Weiteren sollte die Immobilisierun g
effizient ablaufen, um die Zahl der gebundenen Molekü le an der Ob erfläche zu maximieren und
dadurch die Kosten für Reagenzien zu minimieren. Ein weiter er entsch eidender Faktor ist, dass beim
Immobilisierung spr ozess die Reaktion gegenü ber den vo rhanden en funktionellen Gruppe n
chemoselekti v erfolgt, um sich erzustellen, dass die Anbind ung der Ligandstruktur en einheitli ch g eling t
und eine homogene Oberf läche ergi bt. [40] Erste Vers uche z ur Anbindu ng von Thiolen an Maleimid-
terminierten Oberfläch en (Glas) wurden durch Schreiber et al . im Jahr 1999 durchgefüh rt. [41] D ie
Anbind ung vo n Maleimid-funktionali sierten Nukleinsäu ren an Thiol-terminierte , selbst assembliert e
Monolagen (SAMs) wurde durch Corn et al . untersuch t. [42] Die Vorteile der Verwen dung von M aleimid-
terminierten, selbst or g anis ierten Monolag en für die Immobilisierung von Thiol-terminierten Liganden
bestehen in der in erten Oberfläche, der guten Reaktivi tät, un d der Fähigkeit d er q uantitativen Analys e
auf dem Chip , ohne dass eine vorherige Modifikation der Ligan den erfolgen m uss. [40]
In Absprach e mit der Arb eitsgru ppe Volkm er, Charité, wurde anlehnend an die Anbind ung via Surface
Plasmon Resonanz [43] , eine erst e Methode zur I mmobilisierung von Cystein-mod ifizierten Peptid en
(z.B. Leu-Ala-Ser-Asp-L eu- Ile - Val-Pro-Arg -Arg-Arg -ß -Ala- Cys 1 , 10 -50 µg/ml) an Si(100) entwickelt .
Dieses Verfahr en ist in Schema 25 darges te llt.

Schema 25 : Schema zur ersten Methode der Anbindung des Cys-modifizierten Peptids 1 .

68

3000 2500 2000 1500 1000
1650 cm -1
 ( C=O) amid I
1743 cm -1
Wellenzahl [cm -1 ]
Amin-terminierte Oberfläche Maleimid-terminierte Oberfläche Immobilisierung Peptid
 ( CH 3 )
2960 cm -1
2930 cm -1
 as ( CH 2 )
 s ( CH 2 )
2857 cm -1  (C=C) maleimi d
 ( C=O ) maleim id
1704 cm -1
 ( CNH ) amid II
1540 cm -1
 ( CNC ) maleimid
1402 cm -1

Hierfür wurde ein frisch präparierter M aleimid-terminiert er Si-Kristall in ein e Teflon-Halterun g
gespannt und in einen verschließbaren Tefl o n-B eh ält er gestellt. Das Peptid (0.1 m M) wurde in 0.5 mL
Natriumbora t Puffer (pH 8) gelöst und m ittels einer 1 mL Spritz e auf die Maleimid-termin ierte Seit e
des Si-Kristall s aufgebrac ht. D er Behälter wurde v erschl ossen und der Si-Kristall nach einer
Reaktionszeit von einer S tund e mit de m Natriumb orat Puffer gespü lt (5x 2 mL). Anschließ end wurde
der Si-Kristall in Natriumborat-Puffer (5 mL) für 10 min mittels Ultraschalls gereinig t, erneut mit
Na triumborat-Puff er gespült (5x 2 mL) und abschließe nd gründlich mit Milli-Q-Wasser gewaschen ( 4 x
5 mL). Nach der Trocknung im Argonstr om wurde di e Immobilisierung mittels ATR- FT - IR -Spektroskopi e
untersucht. In Ab bildung 30 sind die Mes sung en dargestellt.

Anhand der überlagerten Sp ektren wird ersi chtlich, da ss eine positi ve Anbindung des Peptides 1 an di e
Oberfläche nicht eindeutig nachgewiesen we rden kann. Die B anden im Alkyl-Bereich zeigen kein e
Veränderung en auf u nd es scheint weiterhin eine Monolage vorhanden zu sein. Der Peak bei 1743 cm -
1 (  s (C=O )) , welcher charak teristisch für die Imid-Einheit ist, ist nicht mehr ersichtlich . Der Bereich der
Si -O- Si -Bindun g verzeichn et einen Rückgang der In tensitäten. Ursächlich kann dafür der jetzt
vorliegende Abstand zwisch en Peptid und Oberfläche sein. Im Bereich 1700 cm -1 – 1590 cm -1 ist keine

Abbildung 30 : Überlagerte IR-Spektren nach der Immobili sierung des Peptides 1 . Schwarz: APTES-
terminierte Oberfläche, rot: Maleimid-terminierte Oberfläche, blau: Immobili sierun g des Peptides 1 . Alle
Messungen sind gegen SiOx referenziert.

69

eindeutige Zuo rdnung der Banden mö glich. Entweder ist dies auf eine Üb erlagerung der Schwingun gen
zurückzu führen, oder es kommt zu einer die Schwingung en beeinflussend en, Salzbil dung des
eingesetzten Puffers. Um dies nachzuweisen, und zu umgehen, wurde in einem weiteren Versuch der
Komplexbildner EDTA (Ethylendiamint et raa cetat ) zur Methode h inzugefüg t. In Schema 2 6 ist die se
Methode d er Umsetzu ng dargestellt.

In dieser ausgearbeit et en M ethode wurde das Peptid 1 in 5 mL Na triumborat-Puffer gelöst, 10 mM
EDTA hinzugefügt, und anschließend ein frisch Maleimid-terminier ter Si-Kristall eingetaucht. Die
Konzentration des Peptide s wurde so gewählt, dass eine gute Löslich ke it im Puffer erreicht werden
kann (typisch 10-50 µg/mL). [43 ] Nach einer Rea ktionsdau er von 2 h b ei RT wurde der Si-Kristall m it dem
eingesetzten Puffer gespü lt (4x 2 mL), i m Ultras chall für 10 min im Puffer ( 5 mL) g ereinigt, und dan ach
erneut mit dem Puffer gespült (4x 2 mL). Nach dem Waschen mit Milli-Q-Wass er (5x 5 mL) und der
Trocknung im Argonstr om wurde diese Umse tzu ng IR -spektroskopisch vermessen. In dem
aufgenomm enen Spek trum (Abbildung 31 ) ist ein deutlicher Unterschied zum Spek trum ohne
Verwendung v on EDTA wahrnehmbar. Es kann eine eindeutige Zu o rdnung im Bereich 1 700 cm -1 –
1590 cm -1 erfolgen. Hier ist eine signifikante Intensitätssteigerun g der Bande bei 1 6 53 cm -1 erkennbar.
Zurückzufü hren ist dies auf eine Überlagerun g der Amid I -Bande (  (C=O ) = 1652 cm -1 ) und der neu
hinzug ek ommenen Schwingun g der Sekundärstru ktur des Peptids (  -Helix: 1652 cm -1 ). Des Weiteren
können die symmetris che und asymmetrische Strecksc hwingung der C= O Bindung der Imid-Einheit bei

Schema 26 : Methode zur Immobilisierung des Peptides 1 un ter Ver wen dung von EDTA.

70

1776 cm -1 und 1702 cm -1 wieder exakt zugeordnet werden (siehe Abb ildung 31 C ) . Doch ist bei de r
symmetrischen Carbonyl-S chwingun g eine Verschieb ung zu höheren Wellenzahl en zu erkennen. Die s
könnte mit der Thiol- En -Re aktion erklärt werden. Die Maleimid-Gruppe reagiert mit dem Thiol unt er
Bildung einer Thioetherbind ung, welche nun die Oberfl äche mit dem Peptid 1 verknüpft. Die Grö ße
des Peptides 1 , die Schwin gung der Sekundärstruktur und die Schwingun g der neu entstanden en
Thioether-Grup pe können somit Einfluss auf di e Lage der Bande der sy mmetrischen Carb o nyl-Gruppe
hervorrufen . Die Bandenl agen der symmetrisch en und asymmetrischen Strecksch wingung der
Methylengru ppe haben sich leicht zu geringer en W ellenzahlen verschoben. Dies d eutet auf eine
Verbesserung der Monoschicht hin (siehe Abb ildu ng 31 B ). Der Rückgang der Si- O- Si -Schwingu ng kann
darauf zurückgeführt werden, dass die aufgrund der Immobilisi erung des Peptides entstandene
Entfernung zur Oberfläche größer geword en ist , und die steris che Hinderun g der Peptidstruktur die
Schwingun g dieser Bande v erringert. Die Vermessun g der Immobi lisierung des Peptides 1 mittels
Kontaktwink el liefert bei allen Proben einen Wert von 55°. Auch die Vert eilung (Fehler von nur ±0.2°)
auf dem Si-Kristall zeigt ein e homogene und orientiert e Monoschicht an.
In der nachf olgenden Tabel le 19 sind die ATR- FT -IR-Da ten der Immobilisierung des Peptides 1 an eine
Maleimid-ter m inierten Ob erfläche zusam m engestellt .
Tabelle 19 : Zusammenfassung der ATR- FT - IR -Daten nach Immobilisierung des Peptides 1 an eine Maleim id-terminierte
Oberfläche.

IR -Sch w ingun g [cm -1 ]

Zuordnu ng

2960

 (CH 3 )

2926

 a s (CH 2 )

2854

 s (CH 2 )

1776

 s (C=O) imi d 

1702

 as (C= O) imid

1653

 (C=O) Amid I + Sekundärstru ktur (  -Helix)

1533

 (CNH) Amid II + v(CN) Amid II

1405

 (CNC) imid

1036 ; 112 4

 (Si-O-Si); TO, L O

71

Abbildung 31 : ATR- FT - IR -Spektren der Immo bilisierung des P eptid es 1 mit EDTA. A: Gesamtspektrum und
Überlagerung der Immobilisierung des Peptides mit und ohne EDTA, B: Änderung des Alkyl-Bereiches nach der
Umsetzung des Peptides 1 , C: Änderung des Fingerprint-Bereiches nach der Umsetzung. Alle Messu n gen wurden
gegen SiOx referenziert.

3050 3000 2950 2900 2850 2800
Maleimid-terminierte Oberfläche Anbindung Peptid 1 A nbindung Peptid 1 + EDT A
Wellenzahl [cm -1 ]
 s ( CH 2 )
 as ( CH 2 )
 ( CH 3 )
2960 cm -1
2926 cm -1
2854 cm -1
Transmission (arb. u nit)

3000 2500 2000 1500 1000
Wellenzahl [cm -1 ]
Maleim id-termi nierte Oberfläche Anbindu ng des Pepti ds 1 Anbindu ng des Petid es 1 + EDTA
 ( CH 3 )
 as ( CH 2 )
 s ( CH 2 )
 (C=O) amid I
+ Sekundärstruktur (  -Helix)
 as (C=O) imid
 s (C=O) imid
 (CNH) amid II
 (CNC) maleimid e
Transmission (arb. unit)

1850 1800 1750 1700 1650 1600 1550 1500 1450 1400 1350 1300
1776 cm -1
Wellenzahl [cm -1 ]
Maleimid-terminierte Oberfläche Anbindung Peptid 1 Anbindung Peptid 1 + EDTA
 s (C=O) imid
 as (C=O) imid
+ Sekundärstruktur (  -Helix)
 (C=O) amid I
 (CNH) amid II
 (CNC) imid
Transmission (arb. u nit)
1702 cm -1
1653 cm -1
1533 cm -1
1405 cm -1

A

B C

72

3.6 .3 I mm o bil isier un g von P ep tiden a n ein er Sä ur e-ter min ier ten O ber fläc h e

Eine zweite Variante zur Immobilisierung von P eptiden an eine Oberfläche stellt die Ausnutzun g der
Standard-Peptidkup plungsreaktionen dar. Dabei entfällt eine Modifizierung des P eptid s, um die
Anbind ung zu erm öglichen. Vielmehr wird das Pept id über die N -terminale A min-Gruppe an eine
Säure-ter minierte Oberfläc he immobilisiert. Anlehnen d an vorherig e Arbei te n im AK Rück -Braun auf
photoschaltbaren Si(111)-Oberfl ächen [37] wurde eine Anbin dung über eine HCTU-Kupplun g
ausgearbeite t und erprobt. In dem f o lgenden Schem a 27 ist die Umsetzung des verwendeten Peptide s
2 ( NH 2 -Leu-Ala-Ser-Asp- Leu- Ile -Val-Pro-Arg-Arg ) an ein e Säure-terminierte Oberfläche dargest ellt.

Zu Beginn der Umsetzu ng wurde die etabl ierte Methode zur Anbindu ng eines Fulgimid s aus dem AK
Rück-Braun herangezogen. [ 37] Aufgrund der Größe des Peptides 2 wurde die eingesetzte Konz entration
von 5 mM auf 0.5 mM redu ziert, um eine sterische Hind erung bei der Kupplu ng ausschließen zu können
und eine Anbind ung zu erzielen. Da das eingesetzt e Peptid 2 keine Löslichkeit in Acetonitril zeigte ,
konnte b ei Verwendun g dieses L ö sungs m ittels ke ine reine Lö sung, sondern nur eine Su spension
erhalten werden. Demzufo lge wurde als Lösungsmitt el D MF verwendet und im Anschl uss erprobt, ob
die HCTU-Kupplun g ebenfalls in DMF abläuft. Hierfür wurde n trockenes DMF und die Base DIPEA aus
der Glove Box in einem Glasvial (5 mL) ausgeschleus t. Danach wurden das Kup plungsreagenz HCTU
und das Peptid 2 in der Dunkelh eit hinzugefüg t. Der frisch herges tellte Säure-t erminierte Si-Kristall
wurde in d ie Lösung getauch t und fü r 2 h bei RT z ur R eaktion gebra cht. Nach der Reinigung in DCM ( 5x

Schema 27 : Methode zur Anbindung von Pep tid 2 über die N-ter minale Amin-Gruppe an ein e Säure-
terminierte Oberfläche.

73

5 mL) wurde der Si-Kris tall im Arg o nstrom ge trocknet und mittels ATR- FT - IR -Spe ktroskopie vermessen.
Das aufg enommene Spektru m (Abbildung 32 ) lässt gegenüber der Säure-ter minierten Oberfläche
deutliche Unterschiede erkennen. In diesem Versuch der Immobilisierun g ist nicht nur ein Rückgang
der Streckschwingung der Carbonyl-Verbindung von der Säure (v(C=O)) sonder n auch eine Zunahme
des breiten Peaks der Amid I-Streckschwing ung auffallend . Die Abnah m e d er Carbonyl-Schwingung
deutet auf eine Funkti o nalisierun g der Säure-Gru ppe hin. Aus diesem Grund kann auf eine erfolgrei che
Anbind ung des Peptides geschlos sen werden . Die Zu nahme des Peaks der Amid I-Streckschwingung
kann damit erklärt werden, dass erneut die Schwingung der Sekundärstruktur des Peptides (  -Helix =
1652-1654 cm -1 ) die Streckschwingu ng der Amid I-Bande (v(C=O) = 1652 cm -1 ) überlagert und eine
zusätzliche Amid-Bindung bei der Kupplun g g ebildet wurde . In dem aufgenommenen Spektru m ist
jedoch auch eine Verschi ebung der Amid I- und der Met h ylen-Bande z u höheren Wellenzahlen zu
erkennen. Dies spri cht dafü r, dass nach der Anbind ung des P eptides keine gut o rienti erte und
homogene Monoschicht mehr erzielt bzw. beibehalte n werden konnt e . Eine Erkläru ng hierfür kö nnte n
Nebenreakti onen b ei der Kup plungsreaktion sein, oder Rücks tände (Kup plungsreagenz, H arnstoff) auf
der Oberfläche. Aufgrund der Seitenkette der A m inosä ure Arginin im eingesetzten Peptid (Leu-Ala-Ser-
Asp-Leu- Ile -Val-Pr o-Arg-Ar g) könnten auch dies e beiden Amin-Grupp en mit d er Säu refunktion auf der
Oberfläche ein e Kupplun g eingehen . Aus diesem Grund kann die Bildung einer homogen e n
Monoschicht nicht erzeu gt werden und es bildet sich ein Netzwerk bz w. eine uneinheitlich e
Oberflächenstru ktur aus.

74

3000 2500 2000 1500 1000
Wellenzahl [cm -1 ]
APTES-terminierte Oberfläche Säure-terminier te Oberfläche Immobilisierung de s Peptides 2
 (C=O) Säure
 ( CH 3 )
 as ( CH 2 )
 s ( CH 2 )
+ Sekundä rstruktur (  -Helix)
 (C=O) Amid I
 (CNH) Amid II
Transmission (a rb. unit)

3050 3000 2950 2900 2850 2800
Wellenzahl [cm -1 ]
APTES-terminierte Oberfläche Säure-terminierte Ober fläche Immobilisierung des Peptides 2
2965 cm -1
 ( CH 3 )
2960 cm -1
2936 cm -1  as ( CH 2 )
2930 cm -1
2877 cm -1  s ( CH 2 )
2858 cm -1
Transmission (arb. u nit)

2000 1900 1800 1700 1600 1500 1400 1300 1200
Wellenzahl [cm -1 ]
APTES-terminierte Oberfläche Säure-terminierte Ober fläche Immobilisierung des Peptides 2
Transmission (arb. u nit)
 (C=O) Säure
1717 cm -1
 (C=O) amid I
+ Sekundärstruktur (  -Helix)
1663 cm -1
 (CNH) amid II
1550 cm -1

A

B C

In d er nachstehend en Tabelle 20 sind die ATR- FT - IR -Daten der Immobilisi erung des P eptides 2 an eine
Säure-ter minierten Oberflä che zusammengefasst.

Tabelle 20 : ATR- FT - IR -Datenzusam menfassung der Im mobilisierung des Peptides 2 an eine Säure-terminierte Oberfläche.

IR -Sch w ingun g [cm -1 ]

Zuordnu ng

2965

 (CH 3 )

2936

 a s (CH 2 )

2877

 s (CH 2 )

1663

 (C=O) Amid I + Sekundärstru ktur (  -Helix)

1550

 (CNH) Amid II + v(CN) Amid II

1036 ; 112 4

 (Si-O-Si); TO, L O

Abbildung 32 : ATR - FT - IR -Spektren der Immobilisi erung des Peptides 2 . A: Gesamtspektru m und Überlag erung der
APTES-terminierten Oberfläche und der Säure -terminierten Oberfläche mit d er Immobilisierung des Peptides 2 .
B: Änderung d es Alkylbereiches nach d er Umsetzung des Peptides 2 . C: Änderung des Fingerprint-Bereiches nach
der Umsetzung des Peptides 2 . Alle Messungen wurden gegen SiOx referenziert.

75

3.6 .4 I mm o bil isier un g von p ho tosc haltb aren M olek ülen a n ein e A min- ter min ier te O ber fläch e

Eine weitere interessant e Anwendung vo n Amin-terminiert en Oberflächen ist die Anbindu ng vo n
photoschaltbaren Molekül en mittels HCTU-Kupplu ng. Hier liegt das besondere Interesse an einer
gezielten Beeinflussung des biologischen und ph ysikalischen V erhaltens bei Lichteinwirkung .
Photoschaltbar e Moleküle können eine direkte oder in direkte Veränderung ihrer Um gebung bewirken
und geben beim Einbau in biologische Strukturen die Möglichkeit, die Änderung von biologischen
Prozessen mittels L ichts kontrollier- und steuerbar zu untersuchen. Durch eine Immobilisierung von
Azobenzol-Deriva ten auf Gold- o der Siliziumoberfläch en können besti mmte Oberflächen-
eigenschaften (Polarität, Benetzbarkei t etc.) gezielt beeinflusst werden [18, 44] und dies eröffnet in der
Biosensorik neue Möglichkeiten zur Unter suchung der physikalischen Eigenschaften (z.B.
Bindung sspezifität) von Biomolekülen. Dafür eigene n sich Azobenzol-Derivat e [45] , da sie eine der
bekanntesten und am m eist en unt ersuchten photoschaltbare V erbindun gsklasse bilden. Die zentral e
N=N Do pp elbindung kann durch die Bestrahlun g mit UV -Licht (Photochr omie) reversibel von der
thermodyna misch stabileren trans -Form in die isomere cis -Form überführt werden [46] (Abbildung 33).
Dieser Iso merisierung spro z ess geht deutlich mit einer strukturellen Veränderung einher und spieg elt
sich unter anderem im ansteigenden Dipolmomen t sowie im abnehmenden Abstand der para -
ständigen Kohlenst o ffato me wider. [47] Die Rückreakti on von der cis - in die trans -Form kann auf zw ei
Wegen erfolgen. Zum einen durch die thermische Rel axatio n o hne Lichteinwirku ng und zum anderen
durch die Anwend ung von UV-Licht.

In diesem Abschnitt der Arbeit wurde die Anbin dung v on einem Azobenzol, welches keine weitere
peptidische Struktureinheit enthielt, mittels einer HCTU-Kupplu ng direkt an eine APTES-terminiert e
Oberfläche erprobt. Dies hat den Vorteil, dass mehrstufige On -Chip -Reakti onen vermieden werd en
können und dah er eine s chnelle I mmobilisi erung der g ewünschten Moleküle erfolgen kann. Das
verwendet e Azobenzol-Derivat 3 wurde im AK Rück-Brau n synthetisiert und stand gereinigt zur

Abbildung 33 : Allgemeine trans- cis -Isomerisierung von Azobenzolen.

76

300 400 500 600 700
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
1,2
trans -Form 4
cis -Form 4 , 300 s
cis -Isomer
trans -Isomer
p
-
p
*-Bande
Absorption
Wellenlänge  [nm]
n -
p
*-Bande
Isosbestische Punkte

300 400 500 600 700
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
1,2
trans -Form 4
cis -Form 4 , 45 s
Absorption
Wellenlänge  [nm]
p
-
p
*-Bande
trans -Isomer
n -
p
*-Bande
cis -Isomer
Isosbestische Punkte

Verfügung . Die Anbindung un d photochemische Unter suchungen des Azobenzols 3 wurden in diesem
Abschnitt ausg earbeitet (Abb ildung 34 ).

Um das Schaltverhal ten des Azobenzol- Derivates 3 auf einer Amin-ter m inierten Oberfläche später
untersuchen zu können, erfolgte im Vorfeld die Charakterisi erung des verwendet en Azobenz ols 3 auf
dessen ph otochro me u nd k inetische Eig enschaften in Lösung mittels UV /VIS-Spektroskopi e. Durch die
Bestrahlung m it L icht kommt es zu der in Abbildun g 3 4 g ezeigten Is omerisierung der Stickstoff-
doppelbindu ng und zur Bildun g der cis -Form. Na ch den Vorarbeiten z u Az obenzolen im Arbeitskreis [4 8]
konnte als opti male Wellenlän ge für das Azobenzol 3 365 nm für die trans ‹– › cis -Isomerisierung
angenomm en werden. In dem im Lösungsmittel DMSO aufgenom menen Spektrum (Abbildung 35) ist
visualisiert, dass die Intens ität der
p
-
p
*-Bande bei der Bestrah lung mit 365 nm ( Hg -Lampe) und 340
nm (LED) jeweils abnimmt und eine leichte Zunahme der getrennt liegen den n -
p
*-Bande zu
beobachten ist.

A B

Abbildung 34 : Schematische Darstell ung der Isomerisierung des Azobenzol -Derivates 3 .

Abbildung 35 : trans ‹– › cis -Isomer isierung und typisches Absorptionsspektrum von Azobenzol 3 im Lösungsmittel
DMSO (c = 3.94 ∙ 10 -5 M) . A: Bestr ahlung mit einer 365 nm Hg -Lampe. B: Bestrahlung mit einer 340 nm LED.

77

300 400 500
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
1,2
Absorption
Wellenlänge  [nm]
trans-Form 4
Relaxation nach 30 s
Relaxation nach 5 min
cis-Form 4

300 400 500
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
1,2
Absorption
Wellenlänge  [nm]
trans -Form 4
cis-Form 4
Relaxation nach 5 s

In beiden Bestrahlung sv arian ten ist zu erkennen, dass auch bei der Verwendung einer L ED die cis -Form
erreicht werd en konnte. Ein positiver Effekt bei d e r A nwendung mit der LED besteht darin, dass di e
cis -Form im PSS (UV) gegenüber der Hg -Lampe (5 min) schon nach wenigen Sekunden (45 s LED)
erreicht werden konnte. Die Rückreaktion bzw. die ci s ‹– › trans -Iso merisierung kann thermisch oder
mit VI S-Licht beobach tet werden. Die optimalen Welle nlängen für die ph otochemisch e Isomerisieru ng
unter Bildung des PSS (VIS) liegen bei der Hg -Lampe be i 4 39 n m und bei der LE D bei 420 nm.
A B

Die erhaltenen UV/VIS-Sp ektren (Abbild ung 3 6) ver deutlichen, dass der Grund zustand der reinen
trans -Form bei d er VIS -Bes trahlung nicht erreicht werden konnt e. E s w erden isosb estische Punkte bei
277 n m und 38 5 nm beo bachtet . D ie beid en isosb estischen Punkte b elegen zusätzlich, dass kein e
Nebenprodukte bei der trans ‹– › cis -Isomerisi erung vo rhanden sind. Dieser Um stand ist
charakteristisch fü r diese Verbind ungsklasse. [49 ] Da die Rückr eaktion nicht thermisch erfolgte, ko nnten
keine zusätzlich en Daten zur thermischen Relaxa tion errechnet werden. In Tabelle 2 1 sind die
erhaltenen ph o tochemisch en Daten des Azobenz o ls 3 z usammengefass t.
Tabelle 21 : Photochemische Daten des Azobenzols 3 .
a)  berechnet n ach dem Lambert-B eer`schen Gesetz mit c = 3.94 ∙ 10 -5 mol/l und A = Absorption.
b) Bestrahlung bei 365 nm ( Hg -Lampe) und 340 nm (LED ).
c) Isosb estische Punkte der trans ‹–› cis Isomerisierung.

Verbindu ng

 max,trans [nm]

 trans [l/mol ∙ cm] a

 max, cis [nm] b

 cis [l/mol ∙ cm] a

 iso [nm] 

3
in DMSO

331
447

27411
578

293
433

9010
1675

277
385

Abbildung 36 : cis ‹– › trans -Isome risierung vom A z obenzol 3 im Lösungsmittel DMSO (c = 3.94 ∙ 10 -5 M) .
A: Bestra hlung mit einer 439 nm Hg -Lampe. B: Bestrahlung mit einer 420 nm LED.

78

Nach Erhalt der letztgenan nten Daten wurde die Immobilisi erung des Azobenz ols 3 mittels der HCTU-
Kupplun g nach Schema 28 erprobt [37] .

Bei dieser Umsetzung wurde direkt m it DMF g earbeitet, da das Azobenz ol 3 ni cht in Acetonitril in
Lösung gebracht werden kon nte. Durch Reduz ierung der Konzentra tio n des Azobe nzol 3 von 5 mM auf
3 mM wurde eine gute Löslichkeit in DMF erzielt. Für die Anbind ung wurden trockenes DMF und die
Base DI PEA aus der Glove Box in einem Glasvial ( 8 mL) ausgeschleu st. Das Kupplu ngsreagenz HCTU und
das Azobenzol 3 wurden unter Rühren in der Dunkelheit hinzugefüg t. Der frisch Amin -terminiert e Si-
Kristall wurd e in die Lösung getaucht und für 2 h b ei RT unter stetige m Rühren zu r Re aktion gebra cht.
Nach Reinigun g in DCM (5 x 5 mL ) wurde der Si-Krista ll im Argonstrom ge trockn et und via ATR - FT - IR -
Spektrosk opie vermessen. Das aufgenommene Spektru m (Abbildung 37) zeigt g egenüber der Amin-
terminierten Ob erfläche deutliche Unterschi ede auf. Im Alkyl-Bereich können die Strecksch wingungen
der Methylgrup pe der Boc -Schutzgru ppe (  as (CH 3 ) = 2974 cm -1 ,  s (CH 3 ) = 2887 cm -1 ) eindeutig
zugeordnet werden. Diese Interpretation wird durc h die Deformationsschwin gung bei 1438 cm -1
(  as (CH 3 )) bestätigt. Die Lage der Alkyl-Banden hat sich nicht verändert und deutet daher weiterhin
eine gut geordnete Monolage an (Abbildung 37 B ). Die charakteristischen, neu entstandenen Bande n
im Fingerprint-B ereich können einersei ts der Carbonyl-Gruppe der Boc-Schutzgruppe
(  (C=O) Boc -Schutzgruppe = 1719 cm -1 ) und anderer seits der g ebildeten Amid-Bindung
(  (C=O Amid I ) = 1 654 cm -1 ,  (CNH) Ami d II = 1537 cm - 1 ) zug eordnet we rden (Abbil dung 37 C ). Diese
spezifischen Ab so rptionsb anden bestätigen eine erfolgreiche Anbindung des Azobenzols 3 an ein e
Amin-terminiert e Ob erfläche. Zudem bekräftigt die V ermessung de r Kontakt winkel aller anges et zten
Proben diese Aussage, da ein e leichte Erhöhung gegenüber der Amin-terminiert en Oberfläche von 68°
auf 71° zu beobacht en ist. Der Fehl er des Ko ntakt winkels beträgt max. 2° und die Messung en z eigen

Schema 28 : Methode zur Anbindung des Azobenzols 3 an eine APTES-terminierte Oberfläche.

79

3000 2500 2000 1500 1000
 a s ( CH 3 )
 as ( CH 3 )
Wellenzahl [cm -1 ]
Amin-terminierte Oberfläche Anbindung Azobe nzol 4
 s ( CH 3 )
 s ( CH 2 )
 as ( CH 2 )
 (C=O) Boc-Schutzgruppe
 (CNH) Amid II
 (C=O) Amid I
Transmission (a rb. unit)

3050 3000 2950 2900 2850 2800
2861 cm -1
2887 cm -1
2930 cm -1
2974 cm -1
Wellenzahl [cm -1 ]
Amin-terminierte Ob erfläche Anbindung Azobenzol 4
 as ( CH 3 )
 as ( CH 2 )
 s ( CH 3 )
 s ( CH 2 )
Transmission (arb. u nit)

2000 1900 1800 1700 1600 1500 1400
1437 cm -1
1537 cm -1
1654 cm -1
1719 cm -1
Wellenzahl [cm -1 ]
Amin-terminierte Ob erfläche Anbindung Azoben zol 4
 (C=O) Boc-Schutzgruppe
 (C=O) Amid I  (CNH) Amid II  a s ( CH 3 )
Transmission (arb. u nit)

weiterhin eine homogen e Monoschicht an. Zudem liegt der gem esse ne Wert im für diese
Verbindun gsklasse bekan nten Bereich. [18 , 50]
A

B C

Trotz der positi v en Immob ilisierung des Azobenzols 3 auf eine Amin-terminiert e Oberfläche konnte
durch ATR- FT - IR -Spektrosk o pie kein Schalt v erhalten auf der Oberfläche beobachtet werden, da es zu
keiner charakt eristischen Än derung der IR-Ban den kam.

Abbildung 37 : ATR- FT - IR -Spektru m d er Anbindung des Azobenzols 3 an eine Ami n-terminierte Oberfläche und
Vergleich mit der APTES-terminierten Monolage. A: Gesamtspektrum der Umsetzung, B: Zoom des Alkyl-Bereiches,
C: Zoom des Fingerprint-Bereiches. Alle Mess ungen sind gegen SiOx referenziert.

80

In der folgenden T abell e 22 sind die charak teristischen Schwin gungsbanden der U m setzun g des
Azobenzols 3 z usammeng efasst.

Tabelle 22 : Zusammenfassung der IR-Daten na ch Imm obilisierung des Azobenzols 3 .

IR -Sch wingung [ cm -1 ]

Zuordnu ng

2974

 s (CH 3 )

2930

 a s (CH 2 )

2887

 a s (CH 3 )

2861

 s (CH 2 )

1719

 (C=O) Boc-Schutzgruppe

1654

 (C=O) Amid I

1537

 (CNH) Amid II + v(CN) Amid II 

1438

 as  (C H 3 )

81

Abbildung 38 : Grundprinzip eines AF Ms: Ein e Probenoberfläche wird von einer Spitze abgetastet . D abei
wird ein Laser, der auf das Ende des Federbalkens fokussiert ist, in eine segmentierte Photodiode
reflektiert. Grafik entnommen aus Prof. Dr. K. Jacobs, “Rasterkraftmikroskopie“, Experimentalphysik,
Universität des Saarlandes (Fortgeschrittenen Praktikum), Stand 6. Febr uar 2018.

3.6 .5 A FM-A ufn ahm en z ur P eptid -An bin d ung a n ei ne Si (1 00)- Ober fläc h e

Eine weiter e Methode, u m eine positiv e Immobilis ierung auf eine Oberfläch e zu belegen, ist die
Aufnahme der Oberfläche m ittels der Rasterkr aftmikroskopie. Hierbei wird die zu untersuchende
Oberfläche mechanisch abg et astet. Während der Messung wird eine, an einer mikroskopisch kleinen
Blattfeder ( der „Can t ileve r“ ) befestigte Nadel zeile nweise in einem definierten Raster über di e
Oberfläche der zu untersu chenden P robe geführt (Scannen). Aufgrund der Oberflächenstruktur der
Probe biegt sich die Blattfeder positi o nsabhäng ig unterschiedlich weit. Diese A uslenkung der Spitze
kann mit optischen Sensoren gemess en werden un d ist ein Ma ß für zwische n der Spitze und der
Oberfläche wirkende, at omare Kräfte. Durch die punktweise Aufzeichnung dieser Kräfte lässt sich ein
digitales Bild der Probenoberfläch e erzeugen. [51] Jeder einzelne Bildpunkt steht in dem Fall für eine
bestimmte physi kalische oder chemische Messgröße (Ab bildung 38 ).

Die Aufnah me von AFM-Bil dern liefert dementspr echend Informationen üb er die Topologie un d
Morphologie einer Oberflä che. Es ist mögli ch darüber die Änderung einer Bel egun g der Oberfläche zu
verfolgen und darau s Rüc kschlüsse auf die H omo g enität der Ob erfläche zu zieh en. Daneben lassen sich
Höhen und Tiefe n s owie die Oberfl ächenfestigkei t darstellen. Mittels verschiedener Aufnah memodi
kann so die Oberfläche ch arakterisiert werden. Im Height-Modus kö nnen Vergleiche der
Oberflächenstru ktur gezogen werden. Im Phase-Modus können In formation en über die Fes tigkeit de r
Probe erhal ten werden. D unkle Stellen zeigen eine harte Zusa mmensetzu ng an (z.B. Kerne)
wohingegen h elle Stellen eine weiche Struktur sig nalisieren (z.B. Hülle ). In den folgend en AFM-
Messungen werd en die Hei ght-, Amplituden- und Phasenm odi zur Charakt erisierun g verwendet.

82

Abbildung 39 : AFM -Aufna hmen der oxidierten Si(100)-Oberfläche. A : Height Retrace Mode. B : Amplitude Retrace Mode.
C : Phase Retrace Mode.
Aufnahmekonditionen, Imaging Mode: AC Mo d e, Scan L ines: 512, Scan Points: 512, Scan Rate: 1.45 Hz, Scan Size: 5 µm.

Die AFM-Untersuchun gen der Si(100)-Oberfl ächen wurden nach jedem einzelnen
Immobilisierung sschri tt aufg ezeichnet, um die Oberflächen struktur zu vergleiche n. Am Anfang wurde
die o xidi erte Si(100)-Oberfl ä che aufgenommen. In Abb ildung 39 sind die Au fnahmen in verschiedenen
Modi gezeigt.
A B C

Nach der Reinigung und oxidativen Behandlun g der Si -Kristall e wurde die Si-Oxid -Schicht vermessen.
Anhand der Aufnahmen ist zu erkennen, das s eine homogene Verteilun g der Moleküle auf de r
Oberfläche entstanden ist und die Oberfläche eine planare Struktur zeigt. Dies wird nicht nur optisch
dargestellt, so ndern zusätzlich durch die Bestimmung der Rauigkeit beleg t (0.26 4 nm). Di e
erkennbaren hellen, kleine n Partikel im Height-Modus deuten eine leichte Verunreinigu ng an. Bei der
Bestimmung de r Rauigkeit wurd en diese maskiert und nicht in die B erechnung ei nbezogen.
Im Anschluss an die Oxidation wurde die Amin-terminiert e Oberfläche erzeugt, in dem ein frisch
oxidierter Si- Kristall in eine Lösung aus Tolu o l und APTES g etaucht wurde. D as Toluol wurde zuv or
zweimal destilliert, mittels Freeze P ump Thaw Zyklen unter Verwendung von Argon entgast und über
Molsieb (4 Å ) getrocknet . Die AFM-Bild er (Abbildu ng 40) zeigen im Gege nsatz zur oxidierten
Oberfläche eindeutig eine andere Struktur an. Es sind jedoch auch kleine, einheit lich verteilte P artik el
zu erkennen, die nicht durch die APTES -Moleküle entstanden sind. Daher liegt es nahe, dass bei der
Filtration des Toluols nicht alle Molsieb-Partikel entfern t we rden konnten (Filter 0.45 µm) und dies e
folglich auf der Oberflä che verbleiben. Die im Hintergr und betrachtete Fläche zeig t nach wie v or eine
homogene Aufbringung der APTES -Mole küle an un d ist immer noch planar. Nachdem alle Partikel
maskiert wurden, zeigt die Vermessung der Rauigkei t eine Steigung an (0.264 nm auf 0 .382 nm) . Di eser
Umstand weist auf eine p ositive Belegung mit APTES hin und bestätigt die Annahme einer homogenen
Schicht.

83

Abbildung 41 : AFM -Aufna hmen ei ner Maleimid-ter minierten Oberf lä che. . A : Heigh t Retrace Mode. B : Amplitude
Retrace Mode. C : Phase Retrace Mode.
Aufnahmekonditionen, Imaging Mode: AC Mo d e, Scan L ines: 512, Scan Points: 512, Scan Rate: 1.45 Hz, Scan Size: 5 µm.

Abbildung 40 : AFM -Aufna hmen ei ner APTES-ter minierten Si(100)-Oberfläche. . A : Height Retrace Mo de. B : Amplitude
Retrace Mode. C : Phase Retrace Mode.
Aufnahmekonditionen, Imaging Mode: AC Mo d e, Scan L ines: 512, Scan Points: 512, Scan Rate: 1.45 Hz, Scan Size: 5 µm.

A B C

Nach erfolgreicher Herstellun g einer A m in-t erminierte n Monolage kann darauffol gend eine Malei mid-
Monolage präpari ert werden, indem ein frisch Amin-terminiert er Si-Kristall mit Sulfo-G MBS
funktionalisier t wurde. Anhand der AFM-Aufnah men (Abbildu ng 4 1) kann o ffensich tlich eine weiter e
strukturelle Änderung der Oberfläche beobacht et werd en. Die Grund struktur zeig t eine sehr glat te und
homogene Funktionali sier ung m it Sulf o -GMBS. Bedau erlicherweise sind außerdem deutliche
Verschmutzu ngen zu erke nnen. D iese befinden sich einerseit s auf der Ob erfläch e, andererseits sind
sie in der Schicht eingebettet, da sie sich höchstwah rscheinlich schon im Vorfel d auf der Oberfläch e
befunden haben. Nach einer Maskierung dieser Schmutzpartikel ko nnte erneut die Rauigkeit besti mmt
werden und es war eine we itere Steigerun g von 0.382 nm auf 0 .50 8 nm zu erkennen. Dies weis t
wieder um auf eine p o sitive und homogene Be legu ng hin.
A B C

Nach der Immobilisierung des Peptides der Charité konnte eine weitere strukturelle Veränderun g
mittels AFM b eo bach tet werden (Abbildung 42). Die zweistündige Anbindung erfolgte über Eintauchen
eines Maleimid- terminierten Si -Kristalls in eine Lösung aus Borat -Puffer, EDTA und Peptid 1 . An der

84

Abbildung 42 : AFM -Aufna hmen ei ner mit einem Peptid immobilisiert en Si(100)-Oberfläche. A : Height Retrace Mode. B :
Amplitude Retrace Mode. C : Phase Retrace Mode. D: Aufnahme des Peptides 1 auf einer Mica-Boran-Oberfläche,
aufgespinnt bei 500 rpm 300 s + 1500 rpm 5s.
Aufnahmekonditionen, Imaging Mode: AC Mo d e, Scan L ines: 512, Scan Points: 512, Scan Rate: 1.45 Hz, Scan Size: 5 µ m.

Grundstruktur ist erkennbar, dass eine gleichm äßige Vert eilung des P eptides 1 auf der Oberfläch e
erfolgte und eine homoge ne Schicht bei der Im m obilisierun g entstanden ist. Die Vermessu ng der
Rauheit zeigt einen weiteren Anstieg um das D reifach e von 0 .508 nm auf 1.541 nm. Dies kann durc h
die Gr öße des Peptides 1 erklärt w erden. Die weiße n Parti kel auf der Oberfläche zeigen deutliche
Unterschied e zu Schmutzpartikeln auf . Im Verg leich zu den Aufn ahmen des Peptid es, aufgebracht au f
eine Mica-Ob erfläche, ist ein e ähnliche Grundstruktur zu erkennen und der Vergleich zeigt, dass sich
die P artikel in unein heitlich er Größe auf der Oberfläche befinden. Eine fibrillenart ige Struktur zwisch en
den P artikeln ist auf der Mica-Oberfläche ausgebildet , je doch nicht nach der Immobilisierung auf de r
Si(100)-Oberflä che. Das kann damit erklärt werden, dass das Peptid 1 in Lösung auf der Mica-
Ob erfläche aufg ebracht wurde, und somit nicht ko valent mit der Oberfläche verkn üpft vorliegt.
A B C

D

Die Betrachtung der AFM-Aufnah m en der On -Chip -Synthese in 3D (Abbildung 43 ) bestätigt ebenfalls
die strukturellen Änd erun gen während de r einzelnen Fu nktionalisierung sschritte und nach der
Immobilisierung des Peptid es 1 auf der Oberfläche. Hierbei wird eine homogen e Belegu ng sichtbar und
eine planare Oberfläche konn te geschaffen w erden.

85

Abbildung 43 : Darstellung der AFM Height Mode-Aufnahmen in 3D. A: Oxidierte Ober fläche. B: Amin-terminierte
Oberfläche. C: Maleimid-terminierte Oberfläche. D: Immobilisi ertes Peptid 1 .
Aufnahmekonditionen, Imaging Mode: AC Mo d e, Scan L ines: 512, Scan Points: 512, Scan Rate: 1.45 Hz, Scan Size: 5 µm.

A B

C D

86

3.7 P räp ara tion d er Mon olag en a uf Si (11 1)

Die Anbindu ng von funktionellen organischen Mol ekülen an eine Siliziu moberfläch e kann unter
Ausbild ung einer stabilen Si-C Bindung erfolgen. Hierfü r eignen sich unters chiedl iche Methoden. Zum
einen kann die I mmobilisi erung in einem Schri tt mit einem Substr at -Linker- Konjugat erfolg en, zu m
anderen über d ie s o genan nte „ On -Chip “ - Synthes e durchgefüh rt werd en. Bei die ser Varian te kann das
funktionelle Molekül über einen mehrstufig en P rozess an die Oberfläche verankert we rden. Die
gängig ste Art der Durchführu ng einer Mon o lagenpr äparation basiert auf eine thermische bzw. UV-
Licht-induzierte Hydrosil ylierung von Alkenen. Um ein e hoch geordnete und dicht gepackte SAM zu
ermöglich en , wird b evorzugt die „On - Chip“ -S ynthese verw endet. Bei dieser Methode werden die
Monolagen mittels ge eigneter Linker aufgebaut, die sterisch weni g anspruchsvolle funktionelle
Gruppen tragen. Dadurch kann eine gute Passivierung des Si -Kristalls gegen äußere Bedingung en (L uf t
etc.) erreicht werden. Im Anschluss daran kann das gewünschte Zielmolekül bzw. Biom o lekül (z.B.
Peptid) über eine chemische Kopplung der funktionellen Gruppen immo bilis iert werden. In den
folgenden A bschnit ten werden die „On - Chip“ -Syn these n zum Aufb au einer Monolage auf S i(111)
wiedergegeben.
3.8 Be arb eitun g d er S i(1 11 )-Kr ista ll e

Um die Funktionalisi erung der Oberfläche und die immobilisier ten Biomolekül e mittels ATR - FT - IR -
Spektrosk opie charakterist isch untersuchen zu können, wurden aus doppelsei tig polierten Si(111)-
Wafern der Firma Siltronix ( Si (111) ± 0.5°, FZ, N- Pho sph or, R = 10- 30  cm, d = 5 00 - 550 µ m) Si-Kristalle
geschnitten (1.1 cm x 2.5 cm). D ie kurzen Kanten wurden in einem Winkel von 45° in einer
angefertigten Vorri chtung u nter Aufbringu ng eines Schutzwachses angeschliff en (K ö rnungsg rößen:
180, 240, 280, 400, 600, 800, 1000, 1200, 1500, 2000) und um die gewünsc hten ATR-Kristalle zu
erhalten, poliert (Dia mantpaste: 6 µm, 3 µm, 1 µm). Vor dem Ätzprozess der Si(111)-Kristalle muss auf
beiden Seit en der doppelseitig polierten Wafer ein kleiner T eil angerau t werden (5 -10 % ). Diese
angerauten Stellen dienen während des Ätzens als Opfer-Anode, an der di e Reaktion beginn en kann.
D ad ur ch kann eine a tomare, flache Oberflä che erzeu gt werden. Die Entfernung d es aufgebracht en
Schutzwachses kann mittels zweier Verfahren erfolge n. D as erste Verfahren basiert auf der bisher im
Arbeitskreis ang ew andt en und etabliert en Meth ode. Hierbei wird der Si-Kristall zw eimal in
Trichlorethylen bei 6 0 °C für 40 min gerein igt und anschließend in unterschiedlich en Lösungsmitteln
(Aceton, Dichlormethan un d Methanol) im Ul traschall bad für jeweils zweimal 10 m in gewaschen. D ie
zweite Methode ba siert auf der in der Literatur [10, 19a] beschriebenen Variant e mittels eines Standard-
RCA -Prot okolls. Der Si -Kristall wurde in einem ersten Schri tt m it einer Lö sung aus Wasser,

87

Schema 29 : Schema des Ätzprozesses zur Wasserstoff-Terminierung der Si(111)-Oberfläche.

Ammoniu mhydroxid und Wasserstoffpero xid (5:1:1) bei 70°C für 10 m in behan delt. In einem zwei te n
Schritt wurde der Kristall mit Milli-Q-Wasser gesp ült und mit einer z weite n L ösung aus Wasse r,
Salzsäure und Wasserstoffperoxid (6:1: 1) erneu t bei 7 0°C für 10 min gereinigt. Zu m Schluss wurde der
Kristall gründli ch (mind. 2 0 mL) mit Milli-Q-Wass er ges pült.
3.9 W ass ersto ff- Ter min ieru ng der Si (111 )-Kr is tal le

Um die gewünschte Oberflächenvorauss etzung und die benötigte Ank ergruppe für die
Funktionalisierun g zu erreichen, wurde der gereinig te Si - Kristall oxidativ mit einer „Piranha“ -Lösung
(H 2 SO 4 :H 2 O 2 , 3: 1, v/v) behand elt. Bei der Oxi dation werden die Reste von organischen
Verunreinig ungen entfernt und eine frisch hydroxylier te Oberfläche entsteht. Anschließend wurde der
Si -Kristall ausführlich m it Milli-Q-Wasser (10x 5 mL ) gereinigt, um verbleibend e Säurereste von der
Oberfläche zu entfe rnen.
Die Erzeugung einer Wass erstoff-Terminierung der Oberfläche erfolgt e mittel s eines Ätzprozesses .
Dabei wurde der frisch oxidierte Si-Kristall 15 m in in eine N H 4 F-Lösung (40%, VS LI Grade) g etaucht , die
zusätzlich (NH 4 ) 2 SO 3 (0.05 mM) enthält (Schema 29 ). Die Zugabe von (NH 4 ) 2 SO 3 dient in der
Reaktionsl ö sung als Sauerstofffäng er und minim iert dadurch die Bildung vo n reoxidierten
Defektstellen. Nach der Re aktio nszei t wurde der frisc h hergestellte Wasserst o ff -termini erte Si-Kristall
gründli ch mit Milli-Q- Wasser gereinig t, um etwaige Salz rest e von der Oberfläche zu entfernen. Diese r
Wachvorgang ist an diesem Punkt entscheidend, da eine zu kurz e Reinigung dazu führt, dass R este d es
NH 4 F bzw. (NH 4 ) 2 SO 3 auf der Oberfläch e verbleiben. Eine zu lange Reinigu ng an der Luf t kann hingegen
zu einer pun ktuellen Re o xidation führen.

Die so entstand ene Oberfläche ist von diesem Zeitpunkt an mit Wasserstoffat omen abgesättigt (Si-H:
7.48 · 10 14 pro cm 2 ) und wird unter Argon bzw. Vakuu m aufbewahrt. Die Bes chaffenheit einer Si (111) -
Wasserstoff- terminiert en Oberfläche zeichne t sich dadurch aus, dass alle entstandenen Si-H-
Bindung en vertikal zur Obe rfläche ausgerichtet sind und eine homogen e T errassenstruktur vorhanden
ist. Dies konnte im AK Gradzielski, TU-Berlin , durch AFM-Messungen bestätigt werden. Die
Berechnungen zeigen, dass die Stufen der einzeln en Terrassen eine Höhe von 0.31 n m besitzen. Dies

88

Abbildung 44 : ATR- FT - IR -Spektru m einer Si-H-terminierten Oberfläche auf Si(111) in p- und s-Polarisation. Die
Messungen wurden gegen SiOx referenziert.

3000 2500 2000 1500 1000
1230 cm -1
Transmission (arb . unit)
Wellenzahl [cm -1 ]
p-polarisiertes Licht s-polarisiertes Licht
1060 cm -1
2084 cm -1

2400 2300 2200 2100 2000 1900 1800
Transmission (arb . unit)
Wellenzahl [cm -1 ]
2084 cm -1

entspricht exakt dem Si- Si - Ab stand im Si-Kristall. Auc h das Vermessen der Si-H- Oberfläche mittels FT-
IR -Spektrosk opie unter pol arisiertem L icht bestärk t di e Aussage über die Ausrich tung der Bindungen
und bestätigt einen erfolgreichen Ätzprozess. Währ end mit p-polarisie rtem Licht die vertikal z ur
Oberfläche stehenden Bindu ngen angeregt werden, benötigen die parallel zur Oberfläche stehenden
Bindung en s-polarisier tes Licht zur Anregung. Dies wird durch die scharfe Bande bei ~2084 cm - 1 [52] im
IR -Spektrum deutlich (Abbil dung 44 ) .

89

Schema 30 : Schema zum Aufbau vo n verdünn ten und 100 % igen Säure-terminierten Monolagen.

3.1 0 Au fbau von S äur e-ter mini erte n M on o lag en a uf Si (1 11)- Ob erflä ch en

Zur Immobilisi erung von photoschaltbar en Peptiden auf Si(111)-Oberfläch en kommen Säure-
terminierte Monolagen in Frage. Um diese aufz ubauen wurden i m AK Rück-Braun ver schiedene
Anbind ungsmethoden ausg earbeitet. Eine Methode beschäftig t sich mit der I m mobil isierung des Silan -
modifizierten Zielmole küls an die Oberflä che in einem Schritt ( top-do wn- Methode). B ei der zweite n
Methode erfolgt eine Anbi ndung an oxidfreien Oberfläch en schrittweis e ( bottom- up -Methode). Für
die Immobilisierung von schaltb aren Molekülen hat sich die bottom- up - M et hode durchgesetzt und
diese führt zu hoch geordneten M onolagen. [37 ] Hierbei wurde im ersten Schritt der 10 -
Undecensäure m ethyles ter an einer Wasserstoff-t erm inierten Oberflä che thermisch verankert .
Anschließend wurde die Ester-ter minierte Monolag e durch Hydrolyse unter sauren Bedingungen zur
Säure-ter minierten Monolage umgesetzt. D iese Variante ermöglicht eine pr o blemlose Verdünnun g
der Monolag e durch Mischen des Esters mit einer Alkyl-Komponent e. Als Alkyl -Komponente eignet
sich bei der Verdünnun g n -Decen, da das Verhältnis des Esters und n -Decen auf der Oberfläche m it
dem Verhältnis des Volumens aus der Lösung der therm ischen Immobilisierung zusammenhän gt. [48]
Daraus kann geschlossen we rden, dass das Volumenverhältnis der Lö sung dem Verhältn is der
eingesetzten Komponenten auf der Si-Oberfläche entspricht. Die Immobilisieru ng erfolgte über di e
Mischung von Ester und n -Decen im Verhältnis 1:1 und 1:3 (v/v). Nach der Hydro lyse ko nnten je eine
verdünnte, 5 0 % ige und 25 % ige Säur e -terminier te Monolage erhalt en werden ( Schem a 3 0) .

Die Umsetzung des Esters wurde in einer Glove Box durchgeführt, um einerseits definier te
Bedingun gen zu erhalten, und um anderersei ts den Einfluss der Wasser- und Sauerstoffm o leküle zu
reduzieren, da es gegebe nenfalls zu einer Bildung von SiO x auf der Oberfläche kommen kann .

90

3000 2800 2600 2400 2200 2000 1800 1600 1400 1200 1000
Transmission arb . unit
Si-H
 s ( CH 2 )
 as ( CH 2 )
Wellenzah l [cm -1 ]
100 % ige Estermonolage 50 % ige Estermonolage 25 % ige Estermonolage
 as ( CH 3 )
 (C=O)
 as ( CH 3 )
 ( CH 2 )

3000 2950 2900 2850 2800
2852 cm -1
2921 cm -1
100 % ige Estermonolage 50 % ige Estermonolage 25 % ige Estermonolage
Transmission (arb. unit)
Wellenzahl [cm -1 ]
 as ( CH 3 )  s ( CH 2 )
 as ( CH 2 )
2960 cm -1

1900 1800 1700 1600 1500 1400
Transmission arb. unit
Wellenzahl [cm -1 ]
100 % ige Estermonolage 50 % ige Estermonolage 25 % ige Estermonolage
1747 cm -1
1438 cm -1
1465 cm -1
 (C=O)
 ( CH 2 )
 as ( CH 3 )

Demgemä ß können reproduz ierbare Monolagen v on hoher Qualität erzeugt werden. Im erst en Schritt
erfolgte eine thermi sche Verankerung des Methyl esters und des n -Decens an eine r frisch hergestellte n
wasserstoffter minierten Oberfläch e. Hi erbei wurden je ein Mischungsverhäl tnis von 1:1 und 1:3 (v/v)
verwendet. Die Auswertun g en der aufg enommenen ATR- FT - IR -Daten sind in Ab bildung 45 dargestellt .
A

B C

Die Gegenüb erstellun g d er FT - IR - Da ten der herge stellten Ester-terminier ten Oberflächen zeigt
deutlich die erfolgreiche Funktionalisi erung mit dem Ester, da die Ausbild ung einer scharfe n
Absorptionsbande der Carbonyl-Schwing ung (  (C=O) ) des Esters bei 1747 cm -1 beobachte t werde n
kann. Des Weiteren sind die Streckschwing ungen d er Alkyl-Gruppen im Bere ich 2 960-2850 c m -1
(  as (CH 3 ) = 2960 c m -1 ,  as (CH 2 ) = 2921 c m -1 ,  s (CH 2 ) = 2852 cm -1 ) stark a usgebildet und di e
Deformations schwingun gen der Alkylgrupp en i m Bereich 1470 -1360 c m -1 (  (CH 2 ) = 1465 cm -1 ,  as (CH 3 )
= 1438 cm -1 ) gut zu erkenn en. Dies entspricht den lit eraturbekannten Werten für eine hoch g eo rdnete

Abbildung 45 : ATR- FT - IR -Spektru m der verdünnten (25 % und 50 %) sowie 100 % igen Ester-termin ier ten
Oberfläche auf Si(111). A Gesamtspektrum. B V eränderung im A lkyl-Bereich b ei der Verdünnung. C Veränderung
der Carbonyl-Schwingung bei der Verdünnung. Die Messungen sind alle gegen Si-H referenziert.

91

und dicht gepackte Ester-termini erte Monolage auf Si (111). [37] Im Fall der verdünnten Es ter-
terminierten Oberfläche ist zu beobach ten, dass sowohl die Deformatio ns-, als auch die
Streckschwing ung en der Methyl- und Methyl engruppen zunehmen und die Absorption der Cabonyl-
Schwingun g des Esters abnimmt. D ies kann mit der Zunahme d es n -Decens in der L ösung begründet
werden (50 %: 1:1, 25 %: 1:3) und führt folgli ch zu einer herabg esetzten oder ver stärkten IR-Aktivität .
Da ke ine Verschiebun g de r Banden in der verdün nten Variante auftritt, kann davo n ausgegange n
werden, dass auch in diesen Fällen eine hoch geordnete, verdünnte Ester-terminierte Monolage erzielt
werden konnt e. Ferner bes tätigen voraus gegang ene Arbeiten im AK Rück-Brau n diese These . [48]
Im Anschl uss erfolgte die S paltung des Methylest ers u nter sauren Bedingung en mittels 5.5 M Salzsäur e
(HCl) für 3 -5 h bei 40 °C. Vor d er Nutzung der 5.5 M HCl-Lösung wurde diese mit Argon im
Ultraschallbad für mindestens 1 h entga st. Danach wu r de die Lösung auf 40 °C erwärm t und w eiterhin
mit Argon durchströmt. Nach Zugabe de s Si-Krist alls unter Argon wurde die Ester-terminier te
Oberfläche hydroly siert. Bei de n 50 % igen und 100 % igen Ester -ter m iniert en Oberflächen konnte nach
der dreistündigen Hydrolyse ein erfo lgr eicher Umsatz zur Säure detektiert werde n . Eine vo llständige
Säure-ter minierte Oberfläche konnte bei der Hydr o lyse der 25 % igen Ester-Ober fläche erst nach 5 h
erreicht w erden. Der Verg leich der aufg enommen en FT - IR -Spektren (Abbildung 46) der Ester- und
Säure-ter minierten Monolagen (am Beispiel der 50 % igen verdünnten Monolage) zeigt eine
charakteristisch e Verschie bung der Carbonyl-Schwing ung von 1747 cm -1 (Ester) zu 1717 cm -1 (Säure).
Ein weiteres charakteristisches Sign al für eine S äure-termini erte Oberfläche ist die OH -
Deformations schwingun g (  (OH)), di e bei ein er Wel lenzahl von 1415 cm -1 lie gen sollte. Di e OH -
Deformations schwingung ist bei der 100 % igen Säur e-terminiert e n Mon o lage deutlich zu erkennen ,
weist jedoch bei höherer Verdünnu ng eine geringer e Intensität gegenüb er den
Methylenvalen zschwingu ngen des n -D ecens auf, und wird demzufolge von den letztgenann ten
überlagert . Die unveränderte Lage der Streckschwing ung der Methylengrup pe im Bereich 2960 -
2850 cm -1 lässt trotzdem da rau f schließ en, dass eine verdünnte, hoch geordne te Säure-terminierte
Monolage erzielt werden konnte. Trotz der Durchführu ng der Ester-Spaltung in ei ner Glove Box konnte
die Bildung von SiOx nicht verhindert werden und eine leichte Oxidation im Bereich 100 0 – 1200 cm -1
ist zu beo bacht en. Daraus lässt sich abl eiten, dass no ch freie reakti ve Si -H- Gruppen zu Si-OH
hydrolysiert wurden. Dies kann damit begründet werd en, dass die Ester-Spaltu ng nicht unter komple tt
oxidfreien Bedingun gen durchgeführt wurde und demn ach anzeigt, dass die Entgasun g der wässrigen
HCl-Lösung nicht ausreicht e. In zukünftigen Arbeiten wäre es daher ratsam entweder die Zeit zum
Entgasen der 5.5 M HCl-Lö sung deutlich zu erhöhen oder das verwendete desti llierte Wasser schon
vor der Zugabe der HCl einige Stunden unter Inertgas (Argon) zu entgasen. D a nach wie vor keinerlei
Verschiebung en d er Alk y l-S ignale z u erkennen sind , ka nn weiterhin vo n einer hoc h geordnet en Säure-
terminierten Monolage aus gegangen werden.

92

3000 2800 2600 2400 2200 2000 1800 1600 1400 1200 1000
 ( OH )
 as ( CH 3 )
 ( CH 2 )
Wellenzah l [cm -1 ]
50 % ige Ester-Monolage 50 % ige Säure-Monolage
Transmission arb. unit
 as ( CH 3 )
 as ( CH 2 )
 s ( CH 2 )
Si-H  (C=O) Ester
 ( CO ) Säure

3000 2950 2900 2850 2800 2750
50 % ige Ester-Mono lage 50 % ige Säure-Monol age
Transmission (arb. u nit)
Wellenzahl [cm -1 ]
 as ( CH 3 )
2960 cm -1
 as ( CH 2 )
2921 cm -1
 s ( CH 2 )
2852 cm -1

1850 1800 1750 1700 1650 1600 1550 1500 1450 1400 1350
1413 cm -1
 ( OH )
1465 cm -1
 ( CH 2 )
50 % ige Ester-Monol age 50 % ige Säure-Monolag e
Transmission (arb. u nit)
Wellenzahl [cm -1 ]
 (C=O) Ester
 (C=O) Säure
1717 cm -1
1747 cm -1
 as ( CH 3 )
1438 cm -1

A

B C

Abbildung 46 : FT - IR -Spektrum der Säure-terminierten Monolage auf Si(111) am Beispiel der 50 % ig verdünnten
Monolage. A: Gesamtspektrum der Überlagerung von Ester und Säure. B: Änderun g des Alkyl-Bereiches während
der Esterspaltung. C: Veränderung der Carbonyl-Sch wingung nach der Ester-Spaltung. Alle Messungen sind gegen
Si -H referenziert.

93

Schema 31 : Schematische Darstellung zur Herstellung einer Al kin -Monolage.

3.1 1 Au fbau von Alkin -t er mini erte n Mon olag en auf Si (11 1)-O ber fläch en

Eine weitere mögliche Anbindun g v on Peptiden an ei ne Oberfläche wurde im AK Rück-Braun erprobt
und ausgearbeite t. Bei die ser Methode wurde zunächst das zu i mmobilisierend e Peptid mit eine m
Halogen (im Fall des Somatostatins m it einem Iod-Alkyrest) funk tionalisiert, und die Anbindung an eine
Oberfläche anschl ießend in einer S ONOGASHIRA -H AG IH ARA -Kreuzkupplung erprobt. Um diese Reaktion
anwenden zu können, muss die Wassers toff-ter minierte Oberflä che vor der Immobilisieru ng mit eine m
geeigneten Linker vorberei tet werden. In dem vo rli egend en Fall kam das 1,8 -No nadiin zum Einsatz,
welches zuvor mit te ls zweifacher Destilla tio n gerei nigt und anschließender Entg asung präpariert
wurde. Die Verankerun g des Alkins an eine Oberfläche erfolgte mit tels thermisch er Reaktionsführun g
und wurde innerha lb einer Glove B ox durch geführt , um den Einfluss von Wasse r- und Sauerstoffrest en
zu m ini m ieren. Dies erlaubt eine Vereinfachu ng der Vorarbeiten und ermöglicht eine Reproduktion
von qualitativ hochwertige n Monoschichten. Die besc hriebene Anbindung ist in Schema 31 vereinfach t
dargestellt.

Zu Beginn der thermische n Anbindu ng wurde ein nativ o xidier ter Si -Kristall mittels einer NH 4 F +
(NH 4 ) 2 SO 3 -Lösung 15 min geätzt und dadurch ein e Wasserst off-terminier te Oberfläche erzeugt.
Anschließend wurde der Si- Kristall in eine Glove Box (GB) eingeschleust. In eine m Glasvial wurden 5 m L
1,8-Nonadiin vorgelegt, der Wasserstoff-terminier te Si-Kristall hinzugegeben und für 3 h bei 160 °C in
einem geschlossenen Gefäß zur Reaktion gebracht. Nach dem Ab kühlen wurde der Si-Kristall aus de r
Glove Box ausgeschl eust und mit D CM (5x 5 mL), Hexan (5x 5 m L) und abermal s mit DCM (5x 5 mL)
gereinigt. D ie Trocknung erfolgte im Arg ongegenstrom . In Abbildun g 4 7 sind zw ei aufgenom mene ATR-
FT - IR -Spektren einer erzeugten Alkin-Monolag e dargestellt.

94

Abbildung 47 : IR-Spektren der Alkin-terminierten Monolage auf Si(111). Die Messungen sind gegen SiH
referenziert.

3500 3000 2500 2000 1500 1000
Transmission (arb . unit)
Wellenzah l [cm -1 ]
Alkin-temrinierte Oberfläche, Expe riment 1 Alkin-temrinierte Obe rfläche, Experi ment 2
Si-H
C-H)
 (
 as ( CH 2 )
 s ( CH 2 )  (C=C)
SiO x

In beiden Umsetzun gen ist zu erkennen, dass eine erf olgreiche Alkin-terminier te Oberfläche erreicht
werden konnte. Beide I R -Spektren weisen die spezifischen Schwingungen bei 2933 cm -1 und
2859 cm -1 auf, die den Streckschwingungen der Meth y lengruppen (  as (CH 2 ) und  s (CH 2 )) zuzuordnen
sind. Des We iteren sind Valenzschwin gungen bei 16 0 0 cm - 1 und die klein e Schu lter bei 33 21 cm -1
sichtbar. Die Bande bei 1600 cm -1 kann der Streckschwing ung (  (C=C )) der entstandenen
Doppelbindung zugeordne t werden. Die Strecks chwingung der D reifachbin dung (  (C C)) bei
3321 cm -1 kann nur durch die kleine Schulter identifiz iert werden, da der Wasserpeak (vom Dete ktor
des IR-Gerä ts verursacht) in diesem Bereich die Bande des Alkins über lagert. Trotz der D urchführu ng
der Reaktion in einer Glo ve Box konnte di e Bildung von Siliziumo xid nicht verhi ndert we rden. D ie für
SiOx spezifische Schwin gung ist im IR-Sp ektrum zwischen 1000-1200 cm -1 visualisi ert. Ein weiteres Indi z
für die erfolgrei che Erzeug ung einer Alkin-term ini erte n Oberfläche lief ert die Vermessung des
Kontaktwink els. Alkine w eisen in der Litera tur einen K ontaktwinkel im Bereich von 7 7° – 87° auf. [53 ] Die
Kontaktwink elwerte der p räparierten Alkin-Mon olagen in dieser Arbeit li egen in d em genannte n
Bereich (~83,8 ± 1 °) und die Oberfläch en zeigen somit hydrophobe Eigenschaften. D ie Auswertung der
ATR- FT - IR -Daten sowie das Vermessen des Kontaktwi nkels belegen demzufolge eine hoch geordnet e
Alkin-Mon olage auf einer S i(111) -Oberfl äche.

95

3.1 2 On -C h ip-I mm obil isier ung von P eptid en auf Si(11 1 ) - Ob erflä chen

Für die I mmobilisierung v o n Bio- und photochro m en Molekülen ste hen verschieden e
Anbind ungsstrategien zur Verfügung. Sie können einerseits über die Aminosäu reseitenkette mittels
einer HCTU-Kupplun g an eine Säu re -terminierte Oberf läche angebu nden, und andererseits über eine
Palladium-Kupf er-Katalyse (Sonogashira-H AGIHA RA Reaktion) an eine endstän dige Alkin-Oberfläche
immobilisier t werden. Dabei spielen die Reaktionsbe dingungen und die verwend eten Lösungsmitte l
eine entscheidend e Rolle.
In den folgend en zwei A bschnitten (Abs chnitt 3.12.1 und 3 .12.2) werden di e beiden denkbaren
Anbind ungsmöglichkeit en aufgezeigt u nd erläutert. Das Schema 3 2 zeigt die all gemeine Durchführun g
der Immobil isierung v on Peptid en und photochromen Verbindung en.

Schema 32 : Allgemeine Durchführung der Immobilisierung von Peptiden auf Si(111).

96

3.1 2.1 Immo bilis ieru ng ein es zy klis ch en β - Ha irpin -Pe ptids an ein e Säu r e-ter mini ert e Ob erfläc he

Nachdem eine Säure-termi nierte Mo nolage präpariert we rden konnte, folgt i m nächsten Schritt die
Immobilisierung eines ph o tochrom en Peptids. Dieses Peptid 4 (Abbildu ng 48) wurde erfolgreich im AK
Rück-Braun synthetisiert und charakterisi ert. [ 54] Es handelt sich u m ein zyklisc hes β -Hair pin-Pep tid,
welches mit einer photoc hromen Hemithi oindigo-Ein heit ausgestatt et ist. Ein derartiger Aufba u
ermöglicht es, die β -Hairp in-Prot einbindu ng durch Lic ht zu steuern und zu unt ersuchen.

Die Immobilisi erung des Peptid es 4 wurde ebenfalls ü ber die im AK Rück-Braun ausg earbeitete HCT U-
Kupplun g erprobt (Sche ma 33 ). [37] Dabei erfolgte die Kupp lung mit der 100 % ige n Säure-terminierten
Oberfläche über die Amin-Funktion der Seitenk ette der Aminosäu re Lysin. Bei dieser Reakti on wird
eine Amid-Bin dung geknüpft, die spezifische Schwingu ngsband en im FT- IR -Spektrum aufzeigt und
dadurch ein e erfolgreich e Im mobilisierung de s Peptides 4 signalisieren kann.

Abbildung 48 : Photochromes Peptid 4 . Aufgebaut mittels Festphasensynthese unter Verwendung mit
Aminomethylen-Gruppe einer HTI-basierten Aminosäure in para-Position.

Schema 33 : Schematische Darstellung der Immobilisierung des Peptides 4 auf einer Säure-terminierten
Oberfläche.

97

Um gleichbleibend e Reakti o nsbedingu ngen zu gewährleisten, wurde die Reakti on in einer Glove Box
durchgefüh rt. Aufgrund der Größe und d er s chweren Löslichkeit d es Peptides 4 wurde die eing esetzt e
Konzentration deutlich von 5 mM auf 0. 1 mM red uziert. Das Peptid 4 wurd e in die Glove B ox
eingeschleust und in Acetonitril und DIPEA aufgenommen. Das Kupplun gsreagenz HCTU wurde
hinzug efügt und der fris ch hergestellte Säure-terminiert e Si-Kristall unter ständigem Rühren
dazugeg eben. D ie Reaktionsmischun g konnte ke in e Lösun g ergeben, da sich das Peptid unverzüg lich
am Boden absetzt e, sobald das Rühren eing est ellt wur de . Die Reaktion wurde tr otzdem unter Rühr en
weitere 2 h durchgefüh rt. Der Si -Kristall wurde an schließend mit A cetonitril gerein igt u nd mittels A TR-
FT - IR -Spektroskopie v erme ssen. Den aufgeno mmen en Spektren ist zu entneh men, dass mit die ser
Methode keine Immobilisi erung erfolgen konnte. Gr ünde hierfür können d ie Löslichkeit des Peptides
in Acetonitril sowi e die Peptid-Grö ße und die damit einhergehende sterische n Hinderung bei der
Ko pplung sein. Um dies aufzuklären, wurde in einem weiteren Versuch das Lösungsmittel DMF
erprobt. DMF wurde bereits bei der Darstellung des Peptides mittels Festphasen sy nthese verwendet .
Demzufolge bestand die Möglichkeit, das s Peptid bei dieser Kupplun g in Lö sung umzusetzen. Des
Weiteren bewährte sich DM F bei der Reaktion mit dem Peptid 2 (Abschnitt 3 .6.2), da dort eine
Immobilisierung erziel t werden konnt e . Wider Er warten konnt e die Kupplung mit dem Peptid 4
allerdings nich t realisiert werden. Die Reak tionsmis chung ergab lediglich eine trübe Suspension.
Analog zur letztgenan nte n Umsetzung wurde die Reak tion abermals 2 h unter stetigem Rühr en
fortgesetzt und der Si-Kri stall anschließend m it DCM gerein igt. Das aufgeno mmene ATR - FT - IR -
Spektrum dieser Umsetzun g offenbar t eb enfalls ke ine Immo bilisierun g des Peptides an die Oberfläche .
Dies b estätigt die Ann ahme, d ass e s unter d er eingesetz ten St o ffmengenk o nzentr ation und der Größe
des P eptides zu sterischen H inderung en bei der K opplung kommen kann. Die Um setzung des Peptid es
2 bestätigt, dass die Re aktion in DMF ablaufen und eine erfolgreich e Immobilisi erung erreicht werden
kann. Es kann daher gesch lussfolgert werden, dass di e Anbind ung von der Lö slichkeit des Peptide s
abhängig ist. Demzufolge muss eine reine Lösung in der Rea ktion verwend et w erden, um die Reaktion
erfolgreich durchfü hren zu kö nn en. Dies kann entweder durch die Redu zierung der Peptid -
Konzentration erfolgen, oder es muss ein Lösung smitt el gewählt werden, in we lc hem das Peptid gel ö st
vorliegt (u.U. DMSO). Eine Reduzierun g der Ko nzentr ation des Peptides kann Auswirkun gen auf die
sterischen We chselwirkun gen haben, wodurch ebenfalls die Immobilisierung begü nstigt werden kann .
Des Weiteren kann die Reaktionsfüh rung zur Immobilisierung vom Peptid 4 auch an verdünnten Säure-
terminierten Oberflächen erprobt werden, da auch bei der Verdün nung der fun ktionellen Gruppen au f
der Oberfläche die steris chen Hinderun gen bei der Kupplu ng minimiert werd en kö nnten. Nach
positiver Immobilisierun g an eine r Oberfläche kann anschl ießend das photochrome Verhal te n des
zyklischen β - Haipin-Peptid es auf der Oberfläch e untersu cht werden.

98

3.1 2.2 Immo bilis ieru ng von ein em So ma to s tat ina nalo gon an ein er A lki n-t er mi ni erten
Ob erflä che

Die H erstellung und Charakterisierun g eines Analogons zu Somatostatin erfolgte ebenfalls im AK Rück-
Braun durch D r. Seba st ian Kitzig. [54] Dabei wurde die Aminosäure Alanin a m N -Terminus der Sequenz
durch 4-Iodphenylalan in ersetzt. Das Ersetzen des Alan ins durch 4 -Iodphenylal anin ermöglicht eine
selektive Immobilisierun g des Peptides in einer S ONOGA SHIR A -H AGIHARA Kupplung an eine Alkin-
terminierte Siliziu moberflä che. In der Abbild ung 49 ist die Struktur des So m atostatin analogons
schematisch darg estellt.

Sowohl der Palladiu m -, als auch der Kupfer-Katalysezyklus charakterisier en den allgemeine n
Reaktions mechanismus ein er S ONOGAS HIRA -H AGIHARA Kupp lung (Schema 3 4 ). Im Palladiumz yklus
reagiert in ein er oxidativen Addition ( I ) zunächst der Pd(0)-Komplex 6 mit de m Arylh alogenid in Peptid
5 . Der geschwindigkeitsbe stimmende Schritt dieser Reaktion ist die Transmet allierung ( II ). Hierbei
reagiert der Komplex 7 mit dem in situ im Kupferz y klus gebildeten Kupferac et ylid 13 zum trans -
Komplex 8 . Im Anschluss erfolgt eine trans - cis -Is omerisieru ng ( III ) zu m Komplex 9 . Daraus kann in eine r
reduktiven Eliminierung ( IV ) das Pr odukt 10 gebildet w erden und die ursprüngliche aktive ka talytisch e
Spezies kan n regenerier t werden. I m ang eführten Kupferzyklus wird zu nächst eine Cu(I)-Spezies an das
Alkin 11 koordinier t ( V ). Dabei wird das terminale Proton vom Alkin abstrahiert ( VI ) und das
Kupferacetylid 13 gebildet. Dieses geht dann in den Palladiumzyklus in der Trans m etallierun g ( II ) ein
und das Kupfer(I)salz wird z urückgewonnen.

Abbildung 49 : St ruktur des Somatost atinana logons (Peptid 5 ).

99

Für die Immobilisierun g des Somatostatinanalog ons (Peptid 5 ) über eine S ONOGA SHIRA -H AGIHARA
Kupplun g wurde, anlehnen d an Vorarbeiten mit Fulgimiden i m AK Rück-Braun u nd an der Literatur [55] ,
ei ne Met h ode zur Anbind ung erprobt. Dabei wurde das Peptid 5 in eine Glove Box überführt. Der
Katalysator Pd(PPh 3 ) 4 und das Kup er(I)salz wurden in einem Glasvial vorgelegt. D ie Lösungsmittel DMF
und Toluol sowie die Base Triethylamin wurden mittels Spritzenfilte r von möglic hen Partikeln befr eit
und hinzug efügt. Zu dieser Lösung wurd e das Peptid 5 gegeben und anschli eßend erfolgte die Zugabe
des frisch Alkin-terminier ten Si-Kristalls. Die Reakti on wurde über einen Zeitraum von 18 h in einem
geschlossenen Gefäß durchgefüh rt. In der zweistufig en Reinigung wurde der Si-Kristall zunächst m it
diversen L ösungsmitteln (DCM, MeCN, MeOH, Hexan) gewaschen, ehe er unter dem erneuten Einsa tz
von Lösungs mitteln (MeCN , THF, DC M ) im Ultraschallbad von res tlichen Partik eln und physisorbierten

Schema 34 : Allgemeine Darstellung des Reaktionsmechanism us der S ONOGASHIRA -H AGIHA RA -Reaktion an
einer Alkin-terminierten Oberfläche.

100

Peptid en befreit wurde. N ach der Trocknung im Arg o ngegenstr om wurde der Si-Kristall mittels ATR -
FT - IR - Sp ektr osk opie verme ssen. Das Sche ma 35 veran schaulicht die beschrieben e Umsetzung.

Die au fgenommenen IR-Daten zeigen keinerlei Umsetz ung unter den geschilderte n Bedingungen. Dies
kann einerseits an d er schlechten L ö slichkeit und an dererseits am Einsatz zu geringer Mengen des
Katalysators und des Ku pfe riodids liegen . Zwecks Klär ung wurde in der folgende n Reaktion auf Toluol
als Lösungsmi ttel verzichtet und diese Reaktion aussc hließlich in DMF und Triet h ylamin im Verhältni s
4:1 durchgeführt. Es entstand nach der Behandlung im Ultraschallb ad eine klare Lösung des Peptides
5 . Anschlie ß end wurd en di e Konzentrationen des Ka talysators und des Kupferiodid s um das Dreif ache
erhöht. Das Sch em a 36 zei gt den geänderten R eaktion sverlauf.

Schema 35 : Reaktionsschema der Umsetzung des Peptid es 5 in einer S ONOGA SHIRA -H AGIHARA - Kupplung.

Schema 36 : Abgeänderte Reaktionsbedingungen der Umsetzung des Peptid es 5 in einer S ONOGA SHIRA -H AGI HARA -
Kuppl ung .

101

3500 3000 2500 2000 1500 1000
 ( OH )
 as ( CH 3 )
 ( C=C ) Aromat
 ( C=C ) Aromat
+ b -Faltblatt
+ b -Faltblatt
 s ( C=O ) Amid I
 ( CNH ) Amid II
( NH 2 )
 as
Wellenzahl [cm -1 ]
Alkin-terminierte Oberfläche Immobilisiertes Peptid 3 Referenzmessung Somatostatinan alogon
 s
 as ( CH 2 )
 s ( CH 2 )
Transmission arb. unit

3500 3400 3300 3200 3100 3000 2900 2800
3027 cm -1
3059 cm -1
2858 cm -1
2933 cm -1
Aklin-terminierte Oberfläche Immobilisiertes Peptid 3 Referenzmessung Somatostatinana logon
Wellenzahl [cm -1 ]
 s
 as
( NH 2 )
 s
 as
( NH 2 )
 as ( CH 2 )
 s ( CH 2 )
3359 cm -1 3311 cm -1
Transmission (arb. u nit)

1800 1750 1700 1650 1600 1550 1500 1450 1400 1350 1300
1437 cm -1
1410 cm -1
1454 cm -1
1535 cm -1
1663 cm -1
1604 cm -1
Alkin-terminierte Oberfläche Immobilisiertes Peptid 3 Refe renzmessung Somatostatinanalogon
Wellenzahl [cm -1 ]
 s ( C=O ) Amid I
+ b -Faltblatt
 ( C=C ) Aromat
 ( CNH ) Amid II
+ b -Faltblatt
 ( OH )
 as ( CH 3 )
 ( C=C ) Aromat
Transmission (arb. u nit)

Bei dieser Umsetzu ng ko nn te nach Auswertung der IR -Daten eine erfolgreiche Immobilisierun g des
Peptides 5 an eine Alkin-terminiert e Oberfläche nachgewies en werden. D ie Aufn ahmen (Abbildun g 50 )
verdeutlichen eine signifikante Änderung der Schwingun gen gegenüber der Alkin-Monolage. Um ein e
erfolgreiche Zuordn ung der Schwingun gen durchführen zu können, wurde eine Referenzmessun g des
Petides 5 , aufg etragen auf einen k o mmerziell erhäl tlichen ATR- Si -Kristall, aufgenommen.
A

B C

Abbildung 50 : ATR- FT - IR -Spektru m des immobilisierten Peptides 5 auf Si(111). A: Gesamtspektrum der Überlagerung
von Alki n-terminierter Ob erfläche, der Referenzmessu ng sowie des immobilisierten Peptides 5 . B: Änderung des Alkyl-
Bereiches während der Immobili sieru ng. C: Veränderung des Fingerprint-Bereiches. Alle Messungen si nd gegen Si- H
referenziert.

102

Abbildung 51 : Typische Proteinschwingungsspektren. Grafiken entnommen aus Dr. R. Wirz,
„Bestimmung der Sekundärdtruktur von Proteinen mittels FT - IR - Spektroskopie“, Bruker Optics, Stand
Mai 2018, pdf- Format

Anhand der aufg enomme nen Spektren und deren Überlagerun g sind neb en der erf olgreichen
Immobilisierung des Peptid es 5 deutliche Änderun gen gegenüber der Alkin-Mon o lage zu erkennen. I m
Alkyl-Bereich sind die spezifisch en Schwing ungsbanden der Methyl en-Gruppe (  as und  s ) an derselben
Position wie bei der Alkin-Mon olage angelagert. D arau s kann geschlussfolgert werden, dass nach der
Immobilisierung des Pepti des 5 we iterhi n eine geordnete Mo nolag e vorhanden ist. Im Vergleich zu r
Referenzmes sung ist eine Verschiebung zu höheren We llenzahlen im Alky-Bereich zu erkenn en und
diese bestätig t damit die erfolg reiche Anbin dung des Peptides 5 an die Alkin-O berfläche. Die kl ein e
Schulter bei 2971 cm -1 we ist auf die Streck schwingun g der Methyl-Gruppe der zwei
Threoninseitenk etten hin. Die Deforma tionsschwing un g b ei 1437 c m - 1 b estätigt diese Annah m e . Nach
der Immobilisi erung sind im Bereich 300 0-3500 cm -1 neue spezifi sche Banden zu sehen. Diese k önnen
den Streckschwingung en eines Amins (  as = 30 5 9 cm -1 ,  s = 3 027 c m -1 ) z ugeordnet we rden, die v on der
Aminosäureseit enkette der Lysin-Einheit herrühr en. Der Verg leich zum Ref erenzspektrum ergibt, dass
während der Immobilisi erung eine P rot onierung der Amin-Gruppe stattg efund en hat, da diese eine
Verschiebung zu kleineren Wellenzahlen (von 3360 nach 3059 cm -1 ) hervorruft. [14] Der signifi kantest e
Unterschied bei der U msetzung des P eptid es 5 ist im Fingerprint-Bereich zu beo bachten. Hier ist v on
besonderer Bedeutung, dass es aufgrund der bestehenden S ekundärstruktu r von Peptiden zur
Korrelation mit den Absorptionsbanden der C=O Valenzschwing ung der Amid- Gruppen kommt und
diese demna ch Einfluss auf die Lage und Intensi tät der Schwing ungen haben kann. Aus der
Charakterisi erung des So matostatins durch Dr. Sebasti an Kitzi g [54] läs st sich ableiten, dass das Peptid 5
ebenfalls eine β -Faltblatt- (antiparallel) Sekundärstruktur aufweist . D ie Untersu chung kann mit Hilfe
der ATR- FT - IR -Spektrosk opie stattfinden . Die Sekundärstru ktur von α -H elicies zeig t eine spezifisch e
Absorptionsbande im Bereich 1652-1 661 cm -1 , während die von Rando m coils eine breite
Absorptionsbande bei 1645 cm - 1 entwickelt. D ie Sekundärstru ktur von β -Faltblät tern weist hingegen
zwei charakteris tische Band en bei 1680 cm -1 und 1 6 30 cm -1 auf (Abbild ung 51 ).

Ein Vergleich der Abbil dungen m it d er Referenz messu ng und dem aufgenom menen Spe ktrum des
immobilisier ten Peptides 5 zeigen eine Übereinstim mung zu den Absorptionsbanden des β -Fal tblatts.

103

Allerding s sind die Banden zu kleineren We llenzah len v erschoben. Damit einhergeht, dass die
Literaturdaten in Lösung vermessen vorliegen, und hier das Peptid nun ko valent an eine Oberfläch e
gebunden wurde. Des Weiteren sind charakteristisch e Sch wingung sbanden auffal lend, die mit de n
Seitenketten der Amin osäuren korrelieren . Die Schwin gung en bei 1 604 cm -1 und 1454 cm -1 kö nnen
den zwei Phenyl-Ringen der Aminosäure Phenylalan in in der Sequenz zugeordnet werden
(  (C=C) Aromat ). Die dri tte für Aromaten spezifische Absorptionsbande bei 1515 cm - 1 kann nicht
zugeordnet werden, da diese von der breiten Schwingu ngsband e der Sekundärstruktur des Peptides
überlagert wird. Die auftretende breite Absorptionsba nde bei 1410 cm -1 kann der
Deformations schwingun g der OH-Gruppe der T hreoni nseitenketten zugeordne t werden.
Die Vermessung des Kontaktwinkels nach der Immobilisierun g des Peptides 5 zeigt einen Rückgang
gegenüber der Alkin-terminierten Monolage von 83.8° auf 78.6 ± 1 °. Dies kann auf den hydro phoben
und hydrophilen Cha rakter der Aminosäuren zu rückzuführen sein.
D ie spezifisch en Absorptionsba nden und die Veränderung des Kontaktwink els belegen eine positiv e
Immobilisierung d es Pep tides 5 an eine Alkin-ter minierte Oberfläche. Darübe r hinaus kann daraus
abgeleitet wer d en, dass das So matostatinanal o gon ebe nso wie Somatostatin eine β -Faltblatt-St ruktu r
aufweist. Die Tabelle 23 en thält eine Übersicht der IR-Sch wingungen und deren Zuordnun g nach der
Immobilisierung des Peptid es 5 an eine Alkin-ter m inie rte Oberfläche auf Si(111) .
Tabelle 23 : Zu sammenfassung der IR -Schw ing ungsbanden na ch der Immo b ilisierung des Peptides 5 an eine Alk in -terminierte
Oberfläche.

IR -Sch w ingun g [cm -1 ]

Zuordnu ng

3059

 a s (NH 2 ) 

3027

 s (NH 2 ) 

2970

 (CH 3 )

2933

 a s (CH 2 )

2858

 s (CH 2 )

1663

 (C=O) Amid I + Sekund ärstruktur ( β -Faltblat t )

1604

 (C=C) Aromat 

1535

 (CNH) Ami d II + v (CN) Amid II + Sekundärstruktur ( β -Faltblatt)

1454

 (C=C) Aromat 

1437

 (CH 3 ) 

1410

 (OH) 

104

Abbildung 52 : AFM -Aufna hmen der Wasserstoff-terminierten Si(111)-Oberflä che. A : Height Retrace Mo de. B :
Amplitude Retrace Mode. C : Phase Retrace Mode. D: Height Retrace Mode 1 µm. E: Amplitude Retra ce Mode 1 µm.
F: Pha se Retrace Mode 1 µm.
Aufnahmekonditionen, Imaging Mode: AC Mo d e, Scan L ines: 512, Scan Points: 512, Scan Rate: 2.6 Hz, Scan Size: 5 µm
(A -C) und 1 µm (D-F).

3.1 2.3 AFM -A ufna hm en zu r Pep tid- Anb ind ung v on P eptid 5 a n Si (111 ) -O ber fläch en

Bei der folgenden Method e zur Immobilisierun g des Somatostatinanal ogo ns (P eptid es 5) wurden die
Oberflächen nach jed em einzelnen Immobilisierungsschri tt gleicherma ßen aufgenommen, um di e
Oberflächenstru ktur zu vergleichen. In den nachste henden AFM- Messungen wurden die Height- ,
Amplituden- un d Phasenm odi zur Charakt erisierung verwendet.
Zu Beginn wurde die Wass erstoff-terminiert e Si(111)-Oberfl äche aufgenom men. In Abbildung 5 2 sind
die Aufnahmen in verschiedenen M o di und Größen (5 µm und 1 µm) dargestell t.
A B C

D E F

Nach einer oxidativen Behandlu ng eines Si(111)-Krist alls mittels H 2 SO 4 /H 2 O 2 wurde dieser sofort in
eine Lösung au s N H 4 F und (NH 4 ) 2 SO 3 g etaucht. Nach ein er Reak tionszeit vo n 15 min erfolgten di e
Reinigung m ittels Milli-Q-Wasser, die Trocknun g im Argonstr om und die Lagerung erfolgte unter
Vakuum . Nach 1 0 min schloss sich das Vermessen mittels AFM an . Di e aufg ezeichn eten Bilder der
geätzten Ob erfläche zeig en deutlich die Ent stehung von Ätzd reiecken . Ein zu Begi nn des Ätzprozesses
entstandenes klein es Ä tzdreieck leitet das Wachsen ein, und es bilde t sich ein sekundäres Ätzdreieck .
Dieses schneid et in die erste Terrasse und bildet eine Kerbe aus. Deren Kanten ätzen weiter nach außen

105

Abbildung 53 : AFM -Aufna hmen der Alkin-terminierten Si(111)-Oberfläche. A : Hei ght Retrace Mode. B :
Amplitude Retrace Mode. C : Phase Retrace Mode. Aufnahmekonditio nen, Imag ing Mode: AC Mo de, Scan Lines:
512, Scan Points: 512, Scan Rate: 2.6 Hz, Scan Size: 5 µm.

und behalten dabei die dre ieckige Form bei. Das Wachsen ist abhängig von der Dauer des Ätzens und
dem vorhandenen Sauerstoff in der Ätzlösung . Insbesonder e we nn bei RT geätzt wird u nd hohe
Mengen an Sauerstoff vorh anden sind, zeigen sich die Ätzdreiecke deutlicher ausgeprä gt als bei einer
entgasten Lösung. Dort können die ursprüngli ch erwarteten Terrassen der Was serstoff-te rminier ten
Si(111)-Oberflä che sel tener beobachtet werden. [5 6] Zu sätzl ich ist die Au sprägung der entstandenen
Ätzdreiecke von den eingesetzten Si-Wafern abhängig . D er Schnittwinkel bei der Herstellu ng der Wafer
(Einkristallgitt er) spiel t bei der Auspr ägung der Ätzdreiecke eine gr oße Rolle. Wird bei der Herst ellung
der Wafer in einem sehr flachem Winkel ges chnitten führt dies unter Umstä nden dazu, dass die
Terrassenstruktur m ittels AFM nicht aufgelöst werden kann oder es zu nicht reproduzierbare n
Ergebnissen ko mmt. [57] Bei der hier beschr iebenen Methode wurde ein Si -Kristall verwendet, de r im
Jahr 2011 produziert und mit einem M iscut v on 0.1° geschnitten wurde. Die A ufnahmen bei 5 µm
zeigen eine starke Ausprägu ng der Ätzdrei ecke. Bei de taillierter Betrachtung (Aufnahme 1 µm) ist nach
wie vor die typische Terrassenstruktur zu e rkenn en. Die Auswertung einer Terra sse liefert einen W ert
von ~ 50 0 pm, die zweier Terrassen einen Wert von ~1 nm. Da raus lässt sich schließen, dass di e
Ausbild ung der Ätzdreiecke in den Terrassen erfolgt. Die gemessene Rauigkeit beträgt bei der H -
terminierten Oberfläche 2.8 nm und deute t eine homog ene V erteilung der Mo leküle auf der
Oberfläche an. D ie ATR- FT - IR -Daten (Abschnitt 3 .9) bestätigen ebenfalls eine reine Wasserst off -
terminierte Si(111)-Oberflä che.
A B C

Anschließend erfolgte das Vermessen der mit einem Alkin funktionalisiert en Oberfläch e (Abbildun g
53). Dabei wurde ein frisch H-terminierter Si-Kristall in dem reinen Alkin in einer Glove Box für 2 h bei
160°C eingetaucht. Anhand de r aufg enommenen AFM- Daten is t deutlich zu erkennen, dass sich an den
Dreiecken sowie auf der Oberfläche eine ne ue Struktur gebilde t hat. Wär e zu vo r keine positive H -
Terminierun g der Oberflä che entstanden oder wären durch die Oxidation Defe ktstellen vorhanden

106

Abbildung 54 : AFM -Aufna hmen nach der Immobilisi erung des Pep tides 5 . A : Heigh t Retrace Mode. B : Amplitude
Retrace Mode. C : Phase Retrace Mode. Aufnahmekonditionen, Imaging Mode: AC Mode, Scan Lines: 512, Scan
Points: 512, Scan Rate: 2.6 Hz, Scan Size: 5 µm.
D: Aufnahme des Peptides 5 auf einer Mica Boran-Oberfläche, aufg esp innt bei 500 rpm 300 s + 1500 rpm 5s.
Aufnahmekonditionen, Imaging Mode: AC Mo d e (Heigh-, Amplitu de-, Phase- Retrace Mode), Scan L ines: 512,
Scan Points: 512, Scan Rate: 1.22 Hz, Scan Size: 5 µm.

gewesen, hät te die Reaktio n mit einem Alkin nicht ablau fen können. Die erfolgreich e Anbindung des
Alkins wurde ebenfalls m ittels der IR -Spektr o skopie be wiesen (Abschn itt 3.10 ). D ie Änderun g der
Rauigkeit von 2 .8 nm auf 4. 7 nm bekundet zusätzlich e ine homogene Belegu ng de r Oberfläche.
Im nä chsten Schritt wurde die An bindun g d es Peptide s 5 vermessen (Abbildung 5 4). Hi erfür wurd e ein
frisch Alkin-terminiert er Si-Kristall mit dem Somatostatin analog on in einer Sonogashira -H AGIHA RA
Reaktion umgesetzt . A uf den AFM-Bildern ist zu erkennen, dass sä mtliche Dreiecks strukturen weiteren
neuen Strukturen ge wichen sind . Insbesondere die Aufnahmen im Phasen modus zeigen deutlich eine
vollständige B elegung der Oberfläche. D ie Ätzdreie cke würden andernfalls im Höhenprofil zu sehen
sein. Es ist zu erkenne n, dass das angebunden e Peptid keine Fibrillen ausbild et. Die AFM -
Referenzmes sung des Peptides, aufgespin nt auf einer Mica Boran-Oberfläch e, stimmt damit überein .
Obendrein wird bei der Referenzmes sung deutlich, dass das Somatostatina nalogon eine flach e
Grundstruktur aufweist, in der Kerne von einer weichen Hülle umgeben sind (Abbildung 5 4 D , Phase-
Retrace-Mode). Bei näherer Betrachtung der Partikel auf der Si-Oberfläche am AFM-Gerät sind dies e
Kerne nicht zu sehen. Dies kann daran liegen, dass das Peptid 5 an der Oberfläche gebu nden ist. D i e
Vermessung der Rauigk eit bestätig t abermals eine we itere Strukturänderun g und Belegun g der
Oberfläche, da diese von 4.7 nm auf 9.0 n m ansteigt.
A B C

D

107

Abbildung 55 : Darstellung der AFM Height Mode-Aufnahmen in 3D. A: H-ter minierte Oberfläche. B: Alkin-terminierte
Oberfläche. C: Immobilisiertes Peptid 5 .
Aufnahmekonditionen, Imaging Mode: AC Mo d e, Scan L ines: 512, Scan Points: 512, Scan Rate: 2.6 Hz, Scan Size:
5 µm.

Die Betrachtung der dreidimensi o nalen AFM-Aufnahmen (Abbildung 55) der kompletten Umsetzun g
bestätigt ebenfalls die stru kturellen Veränderung en während der einzelnen Funktionalisierun gen und
nach der Im mobilisierun g des Peptide s 5 auf d er Oberfläche. Hierb ei wird jeweils eine homogen e
Belegung off enkundig un d eine eben e Oberfläche konnte geschaff en werden.
A B

C

108

4 Z U SA MM EN FAS SU N G

4.1 Au fbau fun ktio nell er M on olag en u nd I mmo bilis ieru ng von Biom ole külen au f Si( 10 0 )

Die Nachfrage nach defini erten und präzisen Oberfläch en im Nan ometerbereich stieg in den letzten
zehn Jahren stetig an. Der Aufbau von organischen selbstassemblierten M onoschichten bietet d ie
Möglichkeit ein e gezielte Herstellung struktur ierter Oberflächen zu erreichen und findet dadurch
Anwendung in der Biosensorik. [1] Dabei ist es von entscheidender Bedeutung ei ne erfolgreiche und
validierte Präparati on der Mo noschicht en zu erzielen . Um dieses Vorhaben zu erreichen, wurde im
ersten Teil di eser Dissertation an einer homogenen und mit besti m mter Schichtdicke hergestell ten
Siliziu moxid- sowie A min-Mon olage auf Si(100 ) gearb eitet. Im Anschl uss w urde n geeignet e Strategie n
zur indirekten und direkten Immobilisierun g von Biomolekülen auf Si (100) entwickelt und erarbei te t.
Im zweiten Teil dieser D iss ertation wurde, anlehnend an die im Arbeitskr eis Rü ck -Braun etablierten
Methoden zur Herstellung vo n ph otoschaltbar en Monolagen, der Aufbau von weiteren gut definierten
organischen Mo nolagen auf Si(111) erprobt (Alkin-terminier te Monolagen) . Diese bieten di e
Grundlag e für eine Immobilisierun g von Biomol ek ülen an Si-Oberflächen über einen alternativ en
Reaktionsweg (S ON OGASHIRA -H AGIHARA -Reaktion).

4.1 .1 O p tim ieru ng der Oxi d-Mo no lag e

In diesem Abschn itt der Arbeit konnte mit einer Umst ellung auf mittels dem Flot-Zone Verfahren
hergestellten Si (100) Wafer, der Änderun g des Reinig ungsschrittes nach der Si-ATR-Kristallh erstellung
und der Anw endung des na sschemischen Verfahrens - unter Verwendu ng v o n ein er „Piran ha“ -Lösung
– eine Oxid-M o nolage erreicht und eindeutig ausgewert et werden . Hierbei wurde auf den in der
Literatur gängigen Ätzschritt mit einer HF-Lösung verzichte t, da ein e Zerstörung der
Mikrostruk turierung und der damit einhergehend e Funktionsverlus t des Biosensors vermiede n
werden sollte. Nach R einig ung der Si-ATR-Kristalle ko nnte eine erfolgreic he Ausbildun g einer
Oxidschicht mit einer definierten Sch ichtdicke von 2 n m realisiert werden. Dab ei wurde der gereini gte
Si - Kristall mit einer „Piranh a“ -Lösung für 1 h bei 100°C umgesetzt. Nach anschl ießendem gründliche m
Reinigen mit Milli-Q-Wasser und Trocknen unter Argon konnte eine erfolgr eiche Oxidati on IR -
spektroskopisch nachgewie sen werden. In der Abbildu ng 56 sind die schema tische Herstellung und die
aufgenomm enen ATR- FT - IR -Daten einer Oxidschich t zusam m engefasst.

109

3000 2500 2000 1500 1000
Wellenzahl [cm -1 ]
Si(100) Kristall, F Z, Reinigung: RCA Protokoll, p-pol
1230 cm -1
LO Ox TO Ox
1056 cm -1
Transmission (a rb. unit)

Abbildung 56 : Zusammenfassung der Präparatio n einer Oxidschicht mit definierter Schichtdicke. A : Schema tische
Darstellung mit dem nasschemischen Verfahren. B : ATR - FT - IR -Spektrum der Oxidmonol age nach der Umstellung
der Si-Wafer und Optimierung der Reinigung.

A

B

4.1 .2 P roz ess zum Au fba u vo n A PTE S-te rmi nier ten Mon ola gen

Nach der erfolgr eichen Prä paration einer Oxid-Monos chicht wurde der Fokus auf die Herstellung einer
Amin-terminiert en Monoschi cht unter kovalente r Anbindun g von APTES gelegt. Aufbauend auf
literaturbekan nten Verfahren. [1 9, 26] zur Erzeugun g ein er Amin-termin ierten Oberfläche mittels APTES
konnte durch deren Abänderung und der Erp robung geeigneter Bedingungen eine effiziente Met hod e
zur Herstellung einer APT ES -terminierten Mon oschicht entwickelt werden . Die zu untersuchend en
Parameter waren die Silan-Konzentration, di e Reakti o nszeit, das Lösun gsmittel und das
Reinigung sverfahren na ch der Um setzung.
Zu Beginn wurde die Silan- Ko nzentra tion b etrachtet. Dabei wurden die Konzentrationen 0.1 %, 1.2 %,
2 % und 5 % unt ersucht. Die Spektren d er APTES-K o nzentrati o nen von 1 .2 %, 2 % und 5 % wiesen
identische Bandenlag en auf, woraus keine Rückschl üsse auf die Ausbildun g einer Monolage getroffen

110

werden ko nnten. Bei der Konzentrati o n vo n 0 .1 % konnten keine spezi fischen Ba nden im Alkyl-, A min-
und Si-O- Si -Bereich beobachtet werden. Um erste Hinweise auf eine gut defin iert e Monolage zu
erhalten, wurde die Verm essung des Kontaktwinkels herangezogen. D ie vermessenen Kontaktwinkel
lagen alle im Berei ch der an gegebenen Werte d er Lit eratur (5 1 -83°) [26a, 26b, 2 7] , jedoch we isen die Fehler
erhebliche Unterschiede auf. Bei den Konzentration en 0.1 % un d 5 % lag en die Fehler zwischen 6° und
8°, die auf nicht gut geo rdn ete APTES-Monolagen hinwiesen. Bei den Konzentra tio nen 1.2 % und 2 %
wiesen die Fehler nur eine n We rt von 2° auf. Dies stimmt mit Literaturangaben überein und deutet
demzufolge die Ausbi ldung einer gut definierten APTES-Monoschicht an . Nach d iesen Ergebnisse n
wurden alle na chfo lgenden P arame te r mit einer Konze ntration von 2 % untersuch t.
Im nächsten Schritt wurde der Einfluss d er Reakti o nszeit (3 0 min, 1 h, 4 h, 8 h und 17 h) auf die
Ausbild ung einer APTES-Monolag e betrachtet. Dabei wurde bei der IR -spektroskopisch en
Untersuchung erkennbar, dass sich erst nach einer Reaktionszeit von 8 h die spezifischen
Absorbtionsbanden der Alkyl-, Amin- und Si-O- Si -Gr uppen ausbilden. Daraus konnte geschlossen
werden, dass die Dauer der Reaktion von entscheidend er Bedeutun g für die Ausbi ldung von
Wasserstoffbrüc ke n-Bindu ngen zwischen dem Silan und der hydroxylierten Oberfläche ist. Ab einer
Reaktionsdauer von 17 h stabilisierten sich die spezifi schen Banden der Alk yl -, Amin- und Si-O- Si -
Gruppen und zeigten keine we iteren Änderungen dieser Ba nden an. Auch die Vermessung der
Kontaktwink el belegt, dass bei den R eakt ionsz eiten 30 min - 8 h k eine gu t defi nierte Monoschich t
entstanden ist, und erst b ei einer Reakti o nszeit von 17 h der W ert von 6 7.5 ± 2° err eicht werden
konnte. Demzu folge wurd en die weiteren Rea ktionen bei einer Reaktionszeit von 17 h durchgefüh rt.
Für die Entwicklung einer geeigneten Meth ode zur Funktionalisieru ng der oxidierten Oberfläche mit
APTES wurden auch d ie verwend eten Lösungsmittel (Ethanol, Ethanol /Wasser, Toluol) untersucht, um
keine Beschäd igungen a n den Mikrostrukturieru ngen de s Biosensors auszulösen. Die IR -
spektroskopisch en Aufnahmen zeigten, dass eine präzise Zuordnung der Alkyl- und Amin-
Schwingun gen nur bei d em Lösungs m ittel Tolu o l erfolgen konnte, da bei den Lösungsmitteln
Ethanol/Wass er und Ethanol nur sehr schwach ausgebildete Banden entstand en sind. Die
vermessenen Kontakt winkel der verschied enen Lösungsmittel deuten denn o ch eine gut defini erte
Monoschicht an.
Eine weiter e bedeuten de Ro lle bei der Aus bildung ein er APTES- Monolage stellt das
Reinigung sverfahren dar. Bei den aufgeno m men en IR -Spektren wurde deutlich, dass durch
verschiedene Reinigu ngsschritte physiosorbiert e APTES-Moleküle, die durch die antisymmetrisch e
Streckschwing ung der Methyl-Grupp e b ei 2960 cm -1 belegt wurden , von der Oberflä ch e entfernt
werden konnten. Nach me hrmaligem Spülen m it Tol uo l, der Reinigu ng im Ultr aschallbad mit Toluol
und dem zweis tündigen Backe n bei 1 00°C in einem Ofen ko nnte die spezifi sche Schwingungsba nde der
CH 3 -Grup pe im IR- Sp ektru m nicht weiter beobachtet werden. Bei allen folgend en Reaktionen wurde

111

die Oberfläche mit Toluol (8x 2 mL) gespü lt, mit Toluol (5 mL) im Ultraschallbad für 10 min gereinigt
und erneut mit To luol (4x 2 m L) gespült. Anschließend wurde die Ausbild ung einer APTES-Monoschich t
mittels Backen b ei 100°C in einem Of en unterstützt.
Im letzten Optim ierun gsschritt der Umsetzung mit APTES und der oxidierten Oberfläche wurde die
Ausbild ung einer Monolag e überprüft. Hierfür wurden die Schichtdick en mittels Ellipsome t rie
vermessen und dabei Werte zwisch en 220 Å – 325 Å erhalten. Daraus konnte geschlos sen werden,
dass keine Monolage entstan den ist, so ndern eine vern etzte Multilage vorlieg t. Um dennoch eine gut
geordnete APTES-M onosch icht zu erzielen, wurde n Änderungen in der bestehenden Methode
vorgenom m en. D afür wurde die Um setzun g vo n APTES mit einer oxidierten Oberfläche in eine
sauerstoff- und wasserfreie Umgebun g verlegt (Glove Box), um den Wassergeh alt in dieser Reaktion
zu m ini mieren. Dabei traten keine signifikanten Unterschiede im Alkyl- und Amin-Berei ch auf . Es
konnte jedoch verdeutlich t werden, dass die Ausbild ung der Si -O- Si -Bindu ng stark von den
Umgebungsbed ingung en und dem Wasserg ehalt abhän gt.
Um den Ein fluss des Wass ergehaltes zu unt ersuchen, wurde das verwendete Toluol zweimal über
Natrium/Benz ophenon getrocknet, mit der Freeze Pump Thaw Methode entga st und über M olsieb
(4 Å) in der Glove Box gelag ert. Nach einer Karl-Fischer-Titration konnte der Wassergehalt de s
getrocknet en Toluols mit einem Wert v on 10 ppm bestimmt werden (kommerzi ell erhältliches Toluol:
50 ppm). Die zuvor ausg earbeitete 2 %-Methode zur Herstellung einer APTES-Monolage wurde
anschließend in dem getrockneten Toluol in einer Gl ove Box durc hgeführt. D ie Reaktionsdauer und
der Reinigung sprozess mi t abschl ießendem Back en blieben d abei unverändert.
In dem erhalten en IR-Sp ektrum (Abbildung 57 B ) ist nur die charakteris tische NH 2 -
Deformations schwingun g bei ~1550 – 1700 cm -1 deutli ch erkennbar, da der Kontakt mit Sauerst off un d
Wasser eingedäm m t werden konnte und es dadurch zu keiner Protonierung der Amin-Grupp e
gekommen ist. Außerdem sind die Schwingungsban den im Alkyl-Bereich weiter hin gut ausgebildet,
dennoch ist eine leichte V erschiebung der symm et ri schen Strecks chwingung (  s (CH 2 )) zu kleiner en
Wellenzahlen ersichtlich. Dies spricht für die Ausbildung einer gut definierten Monolage. Des Weiteren
ist zu erkennen, dass durch die Reduz ierung des Wassergehaltes keine eindeutig e Zuordnung der LO-
Si -O- Si -Ausbild ung erfolgen konnte, da diese von weiteren Schwingungen üb erlagert werden. D er
signifikanteste Unterschied zu den bisher ermi tt elten D aten konnt e beim Ver messen der Schich tdicke
festgestellt werden. Der ermittelte Wert von ~2 nm entspricht unter Einbezug der L iteratur (Wert e
zwischen 0.6 nm und 5.7 nm) [26b, 27a, 27b, 29] einer Monoschicht und bestätigt die IR-spektroskopisch e
Auswertung. D ie gemess enen ~68° des Kontaktw inkels deuten ebenso da rauf hin, dass die
Eigenschaften der Oberflä che von hydrophil ( oxidiert) zu hydrophob (Amin-terminiert) gewechs elt
haben und belegen weiter hin eine gut g eordnet e Monolage.

112

3000 2500 2000 1500 1000
 ( NH 2 )
Wellenzahl [cm -1 ]
oxidierte Ob erfläche Amin-terminierte Oberfläche
 ( CH 3 )
 as ( CH 2 )
 s ( CH 2 )
Transmission (arb. unit)

Abbildung 57 : Zusammenfassung der Ergebnisse zur Herstell ung einer APTES -Monolage. A: Schematische
Darstellung der Reaktionsbedingungen der 2% -Methode. B: IR-Spektrum der Umsetzung der 2%-Methode mit
trockenem Toluol. Die Messung ist gegen SiOx referenziert.

Die Belegung der APTES-M oleküle auf der Oberfläche konnte durch eine Konzen trationsbesti m mung
eines Farb stoffes (A MC) in Lösung an nähernd dargelegt werden. Di e Berechnung ergab eine Belegung
von ~4 · 10 13 APTES Mo lek üle/ cm 2 . Dies entspricht ~1 0 % der erreichbaren maximalen Belegung eine r
hydroxyliert en Oberfläche (~75 %). [35b] Um reprodu zierbare Messergebniss e zu erhalten sollte i n
zukünftig en Arbeiten bei der Bestimmung der AMC-Farbstoff-K o nzentrati on in Lösung mittels
Fluoreszenz Messung die pH-Wert-Abhäng igkeit des eingesetzten Coumarin-Farb stoffes beacht et und
gegebenenfalls v eränder t werden (optimale pH-Wert: pH 8). [36] In der Abbildung 57 sind die
Reaktionsbedin gungen zur P räparati o n einer APTES-Monolage und das aufgenommene IR-Spektru m
zusammengefass t.
A

B

113

4.1 .3 P eptid -Im mo bilisi eru n g a uf Si( 100)

Für die Immobilisierung von Biomolekülen an eine Chipoberfläche sind die funktionellen Gruppen au f
der Obe rfläche au sschlagg ebend. Einers eits bieten sie eine hervorragende Grundlag e zum Aufbau von
Peptid-Mon o lagen, anders eits können sie aufgrund der Art und Dichte auf der Oberflä che die
Reaktivität und Nachweis grenze des Chips beeinflu ssen. D ie Erzeugung einer Amin-termin ierten
Monolage bietet di e Möglichkeit Biomol eküle auf direkte und indirekte Weise an eine Oberflä che zu
binden. Bei der Wahl eine r direkt en An bindun g kann ein Bio molekül zuvor m it geeigne te n Linkern
modifiziert we rd en (z.B. Einführung einer Säure-Einheit oder einer langkettig en N -Hydroxysuccin imid-
Einheit). Diese können im Anschluss mit der Amin -Fu nktionsgruppe auf der Oberfläch e reagieren und
können so eine V erknüpfu ng des Bio m oleküls an die Oberfläche erzi elen. I m Fall der in direkten
Anbind ung eines Biomoleküls können geeigne te Abstandshalter auf der Oberfläch e eing efügt werden,
welche die Möglichk eit bieten, Biom oleküle ohne vorherige Modifizierung an eine Oberflä che zu
verknüpfen. In dieser Arbe it wurden beide Varianten der Anbindung sm öglichke it von Biomolekülen
erprobt.

4.1 .3.1 Direk te Im mo bilisi eru ng von Bio mol ekü le n a n ei ne Am in -te rmi nier te Obe rflä ch e

Für die Erprobung einer direkten Anbindu ng von Biomolekülen an ein e Amin -te rminierte Oberfläch e
wurde das mit einer N -Hydroxysuccinimid-Ein heit modifi zierte Biotin ein gesetzt. Im Anschluss erfolg te
eine weiter e Immobilisieru ng eines Biomole küls, um die Aktivität der ang ebundenen Biotin-Einheit zu
überprüfen. Dafür wurde das Protein Streptavidin verwendet, da dieses vier identische Biotin
bindend e Untereinheiten besitzt. Diese Untereinheit en können je ein Molekül Biotin mit einer seh r
hohen Affinität irreversibel binden und die Bindu ng kann mit einer kovalent en Bindun g gleichgesetzt
werden (Affinität skonstant e = 10 13 - 10 15 M - 1 ). [4] Hierfür konn te zu Beginn ein frisch hergestellter APTES-
terminierter Si-ATR-Kristall mit Biotin-3-sulfo- N -h ydroxysu ccinimid-Ester-Natr iumsalz (Sulf o-NHS-
Biotin) u m gesetzt werden. Nach grün dlicher Reinigung und Trocknung unter Ine rtgas (Argon) konnte
eine positiv e Anbindun g IR-spektrosk opisch nachge wiesen werden. Die charakt eristische Amin-Bande
im Bereich 1500 – 1 700 cm -1 der APTES-Monoschi cht war nicht erkennbar, dafü r sind spezifisch e
Schwingun gsbanden der Amid-Gruppe (  (CO) Amid I = 1663 cm -1 , (  (NH )+  (CN ) A mid II = 1533 cm -1 )
entstanden. Dies spricht für eine erf olgreiche Anbindun g der Biotin -Einheit an eine Oberfläche. Auch
die Absorptionsbande bei 12 50 cm -1 konnte dem Biotin-Urethan -Ring zugeordne t werden und spricht
ebenfalls für ein e Anbin dung der Bio tin- Ei nheit an eine APTES-terminier te Monolag e.

114

Der bei der Ver messung des Kontaktwink els festgestellte Rückgang um 8° belegt ebenfalls ein e
Änderung der O berfläch eneigenschaften und bes tätigt ein e erfolgreiche Anbindung der Biotin-Ein heit
an eine A PTES-terminierte Monolage (~68° A P TES, ~6 0° Biotin).
Die an schl ießende Aktivit ätsprüfung mittels An bindun g des Pr o teins Strepta vidin zeigte ebenfall s
positive Resultate und beleg te die weitere Aktivität der Biotin-Einheit. Das aufgenommene IR -
Spektrum der Im mobilisie rung von Streptavidin zeigte bei einer Wellenz ahl von 1640 cm -1 die
Hauptband e, die auf die d ominante Eigenschaf t der Amid I-Region für dieses Protein hinwies. [39] Des
Weiteren war diese spezifische Bande ein eindeutiger Hinweis auf die b -Faltblat t Struktur, welche die
Hauptsekund ärstruktur komponente von Strepta vidin ist. Die Bande bei 1530 cm - 1 war ein weiteres
Indiz für die Protein Adsor ption auf der biotinyli erten Oberfläche. [ 19a] D ie zu erkennende Schulter bei
1694 cm -1 konnte der Streckschwin gung der Carb o nylbin dung (  (C=O)) der Amid -I-Einheit zugeordn et
werden. D ie zuv o r er kennb are spezifisch e Bande des Biotin-Ure than-Ringes b ei 1250 cm -1 konnte nicht
eindeutig zugeordnet werd en. Daraus konnte geschlussfolgert werden, dass der Urethan-Biotin-Rin g
in die vorhandenen Biotin-bin denden Untereinheiten des Strepta vidin eingebettet wurde und ein e
erfolgreiche Anbindung des StA stattgefunden hat. Jedoch kann eine Charakterisi erung der
Immobilisierung von Strept avidin auf einer biotinyliert en Oberfläche nicht eindeu tig erfolgen, da die
Protein IR -Banden vom Streptavidin mit den Banden des angebundenen Biotins korrelieren. [ 19a] Die
Vermessung des Kontaktwi nkels zeigt e einen Rückgan g von ~60° (Biotin) auf ~30 ° (Streptavidin ) und
bestätigt damit eine positi ve Aktivität der angebunde nen Biotin -Einheit und die Immobilisierung des
Proteins Strepta vidin.
In der Abbildu ng 58 sind die aufgenommenen I R-Spektren und die schematis che Darstellung der
Immobilisierung der Bio moleküle an ei ne A min-termin ierte Oberfläch e dargest ellt.

A

115

3000 2500 2000 1500 1000
Transmission (arb. unit)
( b -Faltblatt)
 ( CH 3 )
Wellenzahl [cm -1 ]
APTES-terminierte Oberfläc he Biotin-t erminierte Oberfläche Immobilisierung von Streptavidin
 s ( CH 2 )
 as ( CH 2 )  (C=O ) Amid I
Sekundärstruktur
 ( CNH ) Amid II
+ Sekundärstruktur
( b -Faltblatt)

Abbildung 58 : Zusammenfassung der direkten Immobili sierung von Biomo lekülen an Si(100) -Oberflächen.
A: Schematische Da rstellung der Reaktionsführung der direkten Anbindung von Biotin und Streptavi d in an
eine APTES-terminierte Oberfläche. B: IR -Spektren der Anbin dung der Biotin-Einh eit und von Streptav id in
an eine APTES-terminierte Oberfläche. Die Messungen sind gegen SiOx referenz iert.

B

Die in dieser Dissertation ausgearbeiteten Funktionali sierungsmethoden für die Herstellung eine r
APTES-termini erte n Oberfläche und die Immobilisier ung von Biomole külen (Biotin, Streptavidin ) auf
Si( 100) konnten in ersten Versuchen auf die Biosensoren der H ochfrequenzt echnik der TU -Berli n
übertragen werden. Dafür wurden die Biosens o ren im Arbeitskreis Rück -Braun mit der 2%-Method e
unter Verwendu ng von trockene m Toluol (10 ppm Wassergehalt) in der Golv e Box mit APTES
funktionalisier t. Anschließe nd konnte die po sitive Anbin dung v on einer Biotin -Einheit in einer Fluidik-
Zelle durch die aufgeno mmene Resonanzverschi ebung bestätigt werden. Die Bindu ngsaffinitä t
zwischen Biotin und Streptavid in konnte ebenfalls in einer Fluidik-Zelle auf dem Biosensor untersuch t
werden.

116

Eine weiter e Erprobung einer direkten Anbindung von Molekülen an ein e Amin-terminierte n
Oberfläche erfolgte über die Immobilisi erung eines mit einer Säur e -Einheit mo difiziert en
photoschaltbaren Azobenz o ls 3 . Hierfür konnte die Verknüpfu ng an eine Oberfl äche über die Bildung
einer Amid-Bindun g untersucht werden. Anleh nend an die Peptidsynthese zur Erzeugung von P eptiden
konnte unter An we ndung eines Kopplungsreag enz (HCTU) die Amid -Bindun gsknü pfung realisiert
werden. Aufgrund von Löslichkeitspr oblemen des Az o benzols 3 in de m verwen deten Lösungs m ittel
Acetonitril konnte durch die Umstellung auf D MF als Lösungsmi tt el un d die Reduzieru ng der
Konzentration auf 3 mM eine erfolgreiche D urchführu ng der HCTU-Kupplung untersuch t werden. Das
aufgenomm ene IR-Spe ktrum dieser U msetzung zeigte gegenü ber d er A min -terminiert en Oberfläche
deutliche Unterschiede auf. Im Alk y l-Bereich konnten die Str eckschwingu ngen der Methyl-Gruppe der
Boc-Schutzgrup pe (  as (CH 3 ) = 29 74 cm -1 ,  s (CH 3 ) = 28 87 cm - 1 ) eindeutig zugeordn et werden. Diese
Interpretati on konnte durc h die Deformationssch wingung bei 1438 cm -1 (  as (CH 3 )) bestätigt werd en.
Die Lage der Alkyl-Banden zeigte sich un veränd ert und deutete dah er weiterhin eine gut geordnet e
Monolage an. Die charakte ristischen, neu entstanden en Banden im Fingerpr int-Bereich konnten der
Carbonyl-Gruppe der Boc-Schutzg ruppe (  (C=O) Boc- Sc hutzgruppe = 17 19 cm -1 ) und der gebildeten A m id-
Bindung (  (C=O Amid I ) = 1654 cm -1 ,  (CNH) Amid II = 1537 cm -1 ) zugeordne t werden. D iese spezifische n
Absorptionsbanden bestä tigten eine erfolgreich e Anb indung des Azobenzols 3 an eine Amin-
terminierte Oberfläche und einen erfolgreichen Verlauf der HCTU-Kupp lung in DMF. Zudem
bekräftigte die Verme ssung der Kontaktwinkel aller an gesetzten Proben diese Aussage, da eine leichte
Erhöhung gegenüber der Amin-terminierten Oberfläche von 68° auf 7 1° zu beobachten war. In der
Abbildu ng 5 9 sind die schematische Darstellun g der Umsetzung des Az o benz ol s 3 an eine Amin-
terminierte Oberfläch e und die aufgenom m enen IR-Spektren zusammengefasst.
A

117

3000 2500 2000 1500 1000
 a s ( CH 3 )
 as ( CH 3 )
Wellenzahl [cm -1 ]
Amin-termin ierte Oberfläch e Anbindun g Azobenzol 4
 s ( CH 3 )
 s ( CH 2 )
 as ( CH 2 )
 (C=O) Boc-Schutzgruppe
 (CNH) Amid II
 (C=O) Amid I
Transmission (arb. unit)

Abbildung 59 : Zusammenfassung der direkten Anbindun g des Azobenz ols 3 an eine APTES-terminierte Oberfläche.
A: Schematische Da rstellung der Umsetzung unter Verwendung von DMF. B: IR -Spektren der Amid-
Bindungsknüpfung des Azobenz ols 3 an eine APTES-terminierte Oberfläche. Die Messungen sind gegen SiOx
referenziert.

B

118

4.1 .3.2 Indi rekt e Im mob ilis ier ung vo n Bi o mo lek ülen an eine Am in-t erm in iert e Ob erf läc he

Die indirekte Anbindung von Bi omolekülen konnte über die Einführung von geeigneten funkti o nalen
Abstandshaltern ebenfalls realisiert werden. D abei kamen zwei Abstandsh alter zum Einsatz, um
einerseits die Anbindung über alte rna tive Funktionali sierungsmöglichkeit en , wie z.B. einer Thiol- En -
Reaktion, und anderseits über eine Spacer-Anb indung mittels einer Amid-Bindu ngsknüpfu ng zu
erproben.
Bei der Thiol- En - Reaktion ko nnte die Immobilisierun g von einem Cystein-modifiz ierten P eptid 1 an
eine Maleimid-t erminierte Oberfläch e e rfolgreich durchgeführt werden. D ie Hers tellung einer
Maleimid-ter m inierten Mo nolage erfolgte durch die Umsetzung des Sulfo-GMBS-Ab standshalters mit
einer Amin-t erminierten O berfläche. Dabei konnte anleh nend an die Literatur vo n Chabal [19a] eine
Methode zur Anbindung ausgearbeite t werden. In dieser Arb eit wurde die Anb indung von dem mit
einer NHS-Gru ppe m o difizierte m Biotin an eine APTES-termini erte Oberfläche b eschrieben. Da i m Fall
von Sulf o-GMBS ebenfalls eine NHS-Gru ppe zur Verfüg ung steht , und diese wasserlöslich ist, konnte
eine mögliche Funkti onalisierun gsstrategie entwickelt werden. Das aufgeno mmene IR -Spektrum wies
gegenüber d em A m in-ter m inierten Spektrum sign ifikante Unterschiede auf. Im Fing erprint-Bereich
sind neue Banden entstanden und deuteten ei ne erfolgreich e Anbindun g des Su lfo -GMBS-
Abstandshalters an die Oberfläche an. Die intensiven neu entstandenen Bande n bei 1743 cm -1 un d
1705 cm -1 konnten der sym metrischen (  s (CO)) und asymmetrisch en (  as (CO)) Streckschwing ung der
Carbonyl-Gruppe zuge o rd net werden, welche als Doppelpeak für die I mid-Einheit charakteristis ch
sind. [37 ] Ebenso konnte die Ausbild ung einer Amid -Bindu ng, unter Abspaltung von N -
Hydroxysuccini mid, durch die entstandene Amid I- (  = 1652 cm -1 ) sowie die Amid II -Schwingung (  =
1540 cm -1 ) nachgewiesen we rden. Des Weiteren war eine schmale Bande b ei 1409 cm -1 entstanden ,
die auf eine Streckschwing ung der C -N-C-Bind ung der M aleimid-Einh eit schließe n lassen ko nnte. Im
Gegensatz d azu waren kein e Veränderung en d er IR-Sig nale im Alkyl- und SiOx-Ber eich zu beoba chten.
Diese Ergebnisse und der gemessene Kontaktwinkel von 52° belegen folglich das Vorliegen einer gut
geordneten, einh eitlichen Mo noschicht nach Anbindung des Sulfo-GMBS-Ab standsha lters.

Anschließend konnte die Im mobilisierung des Peptids 1 an eine Maleimid-ter minierte Oberfläche
erprobt werd en. D azu ko nn te in Absprache mit der Arb eitsgruppe V olkmer ( Charit é ), anlehnend an die
Anbind ung v on Biomolekülen via Surfa ce-Plasmon Resonanz [43] , eine Methode zur Immobilisi erung von
Cystein-m odifizierten Peptiden entwickelt werden . B ei den ersten Versuchen kon nte eine eventuel le
Salzbild ung des eingesetzten Puffers festges tellt werden . D ie daraus resultieren de Überlagerung der
IR -Schwingun gsbanden erschweren oder verhindern sogar di e eindeutige Zuordnun g. Um dieses

119

Problem nach zu weisen und zu umgehen wurde der Kompl exbildner EDTA (Ethylendiaminte traacetat)
zur Me thode hin zugefüg t. Dessen Einsatz konnte di e Salzbildung verhindern und ermöglichte eine
eindeutige Zuordnu ng der IR-Sch wingungsba nden im Fingerprint-Bereich. In den aufgenommenen IR-
Daten konnt e eine signifik ante Intensitä tssteigerun g der Bande b ei 1653 c m -1 festges tellt werden .
Zurückzufü hren war dies auf eine Überlagerun g der Amid I -Bande (  (C=O) = 1652 cm -1 ) und der neu
hinzug ek ommenen Schwingu ng der Sekundärst ruktur des Peptids (  -H elix: 1652 cm -1 ). Des Weiteren
konnte die sy mmetrisch e und asym metrisch e Streckschwingun g der Carbonyl-Bindung der Im id-
Einheit bei 1776 cm -1 und 1702 cm -1 wieder exakt zugeordnet werden. Doch war bei der symmetrische n
Carbonyl-Schwingu ng eine Verschi ebung zu höheren Wellenzahlen zu erkenne n. Dies kann m it der
Thiol- En -Rea ktion erklärt werden. Die Maleimid-Gru ppe reagiert mit dem Thiol unter Bildung einer
Thioetherbind ung, welche nun die Oberfläche mit de m Peptid 1 verknüpft. Die Größe des P eptides 1 ,
die Schwing ung der Sekundärstruktur und die Schwingung der neu entstandenen Thioether-Grupp e
können somit Einflu ss auf die Lage der Bande der sym m etrischen Carb onyl -Grup pe hervorrufen.
Die Bandenlag en der symmetrischen und asymmetr ischen Streckschwing ung d er Methylen-Gruppe
haben sich leicht in Richtung geringerer Wellenzahlen verschoben, und d euteten auf eine
Verbesserung der Monos chicht hin. Der Rückgang der Si-O- Si -Schwingung konnte damit erklärt
werden, dass die aufgrund der Immobilisierung des Peptid es 1 entstandene Entfernung zur Oberfläch e
größer geworden ist und die sterische H inderung d er Peptidstruktur die S chwingung dieser Band e
verringert. D as Ver messen des Kontak twinkels nach der Umsetzung des Peptides 1 liefert e bei allen
vermessenen Proben einen Wert von 5 5° und kon nte da m it eine ho mogene und gut geordnete
Monolage bestätigen. Eine positive Imm obilisierun g des Peptides 1 auf eine APTES-terminier te
Oberfläche konnte zusätzlich mit Hilfe von AFM-Aufna hmen belegt werden. Die Betrachtung der AFM-
Aufnahmen der On-Chip -Synthese dokumentieren die strukturellen Änd erung en während der
einzelnen Funktionali sierun gsschritte und nach der Im mobilisierun g des Peptid es 1 auf d er Ob erfläche.
Hierbei wird eine homogene Belegung sichtbar und eine planare Oberfläch e konnte ges chaffen
werden. Die Auswertung der Vermessun g der Rauigkeit zeigte ebenfalls einen Anstieg vo n 0.264 nm
(Si-Oxid) auf 1 .54 1 nm (Peptid 1 ) und bekräf tigt die Aussage der strukturellen Änderung en auf der
Oberfläche und deu tet eine ents tandene h omogene S chich t an.
In der Abbildung 60 sind die erarbeiteten Methode n zur Herstellun g einer Maleimid-terminiert en
Oberfläche sowie die Immobilisierung des Peptides 1 (Abbil dung 60 A ), die aufgeno mmenen ATR- FT -
IR -Spektren (Ab bildung 60 B ) und die AF M-Aufnahme n (Abbild ung 60 C ) zusamm engefasst.

120

3000 2500 2000 1500 1000
Wellenzahl [ cm -1 ]
Maleimid-terminierte Oberfläche Anbindung de s Peptids 1 APTES-terminierte Oberfläche
 ( CH 3 )
 as ( CH 2 )
 s ( CH 2 )
 (C=C) maleimid
 (C=O) maleimid
+ Sekundärstruktur (  -Helix)
 (C=O) amid I
 (CNH) amid II
 (CNC) maleimid
Transmission (arb. unit)

A

B

C
SiOx APTES-termini ert Maleimid-termin iert Immobilisierung Pep t id 1

Abbildung 60 : Zusammenfassung der in direkten Anbindung des Peptides 1 an eine Maleimid-terminierte
Oberfläche auf Si(100) . A: Schematische Darstellung der Immobili sierungsschritte des P eptides 1 . B: IR -Spektren
der Peptid-Anbindung ausgeh end v on einer APTES -terminierten Ob er fläche. Die Messungen sind gegen SiOx
referenziert. C: AFM -Aufn ahmen (Am plitude Mode) der einzelnen Im mobilisierungsschritte (oxidierte Oberfläche –
APTES-terminierte Oberfläche – Maleimid-terminierte Oberfläche – Immo bilisierun g des Peptides 1 ).

121

Eine we itere Methode Peptide indirekt an eine Oberfläche zu immobilisier en stellt die Anbindu ng an
eine Carboxy-terminier ten Oberfläch e dar. Dabei wird über die Anbindung der N -terminalen Amin-
Gruppe des Peptides eine Amid-Bind ung geknüpft, we lche charakteristische Schwi ngungen mittels der
ATR- FT - IR -Spektros kopie zeigt . D iese Amid-Bindun g kann zwar auch über die direkte Anbindung an
eine A min-terminier te Oberfläch e g ebildet werd en , indem die Kupplung über di e C -ter minale Säure-
Gruppe des Peptides abläuft, jedoch könnten dabei aufgrun d der Nähe zur Oberfläche Probleme be i
der Immobilisi erung des Peptides auftret en. Eine möglich e Ko nf ormationsänd erun g des Peptides kann
die Funktion sowie die Eigenschaften der zu untersuchenden Biomole küle beeinflussen. Die
Problematik lässt sich durch die Einführung eines h eterodifunktion ellen Absta ndshalters auf einer
Amin-terminiert en Mon oschicht umgehen. Ein weiterer Vo rteil bei der Funk tionalisierun g ein er A m in-
terminierten Mon olage besteht in der Erzielung einer weiterhin gut geordnet e n Monoschicht. Bei
dieser Methode fungierte Bernsteinsäu remono m ethylester als funkt ioneller Abstandshalter, der
anschließend über eine H ydrolyse in die Carb o xy-termin ierte Oberfläche überfüh rt werden ko nnt e .
Eine bes ondere Bedeutung kam dabei der Anwendu ng eines „Capping“ -Schri tts zu. Restliche, auf der
Oberfläche befindliche Amin-Gru ppen, die nicht mit einem Ester- Molekül funktionalisier t werden
konnten, könnten etwaige Kreuzreaktionen bei der Hydro lyse des Esters eingehen und aus diesem
Grund eine Umsetzu ng zur Carboxy-Funktion v erhinde rn. Um den Bernsteinsäu re m onometh y lester an
die Amin-terminiert e Monoschicht zu bin den, wu rd e auf die i m Arbei tsk reis ausgearbeitete HCTU-
Kupplun g zurückgegriffen. [37] Dabei wu rd e die Amidb ildung in Gegenwart von HCTU und einer Base
(DIPEA) in A cetonitril du rchgeführt. Anschließend er folgt e die dreistünd ige säureka talysier te
Verseifung der Ester-Gru pp e m it 5.5 M HCl bei 40 °C. Nach erfolgreicher He rstellun g einer Säure-
terminierten Monolage konnte die Imm obilisierung des Peptides 2 mittels einer weiteren HCTU-
Kupplun g erzielt werden. Dabei konnte durch Reduzierung der P eptidkonzentrati o n auf 0.5 mM eine
gute Löslichkeit in DM F er zielt werden. D as aufgen ommene IR-Spektrum ließ gegenü ber der Säure-
terminierten Ob erf läche deutlich e Unterschiede erkennen. Nicht nur ein Rückgan g der
Streckschwing ung der Carbonylbindung der Säure ( v(C=O)) sondern auch eine Zunahme der breiten
Amid I-Streckschwing ung war zu beobachten. Die Abnah me der Carb o nyl-Schwing ung deutete auf ein e
Funktionalisierun g der Säu re -Gruppe hin, und lässt auf eine erfolgreiche Anbi ndung des Peptides
schließen. Eben so zeigt di es an, dass nicht all e Säur e -Gruppen im m obilisiert werden konnten. Die
Zunahme des P eaks der Amid I-Streckschwin gung ko nnte damit erklärt werden, dass erneut die
Schwingun g der Sekundärstruktur des Peptides (  -He lix = 1652-1654 cm -1 ) die Strecks chwing ung der
Amid I-Bande (v(C=O) = 1652 cm - 1 ) überlagert, und eine zusätzlich e Amid-Bindung bei der Kupplung
gebildet wurde. Di e erkenn bare Verschiebu ng d er Amid I- und der M ethyle n- Ban de z u höheren
Wellenzahlen gibt Hinweise darauf, dass aufgrund vo n eventuellen Nebenr eaktionen bei der Kupp lung
(Struktur des Peptid es 2 ) oder Rückständ en (Kupplun gsreagenz, Harnstoff) auf der Oberfläche, keine

122

3000 2500 2000 1500 1000
+ Sekund ärstruktur (  -Helix)
 (CNH) Amid II
APTES-terminierte Oberfläche
Ester-terminierte Obe rfläche
Säure-terminierte Oberf läche
Immobilisierung des Peptides 2
Wellenzahl [cm -1 ]
 ( CH 3 )
 as ( CH 2 )
 s ( CH 2 )  (C=O) Ester
 (C=O) Säure
 (C=O) Amid I
Transmission (a rb. unit)

homogene Monoschicht erzeugt werden konnte und sich ein Netzwerk mit uneinhei tliche r
Oberflächenstru ktur aus ge bildet hat. In de r Abbil dung 61 sind die einzelne n
Funktionalisierun gsschrit te, die I mmobilisi erung des Peptides 2 , und die aufg enommenen ATR- FT - IR -
Spektren darge ste llt.
A

B

Abbildung 61 : Zusammenfassung der in direkten Anbindung des Peptides 2 an eine Säure-terminierte
Oberfläche auf Si(100) . A: Schematische Darstellung der Immobili sierungsschritte des P eptides 2 . B: IR -
Spektren der Peptid-Anbindung ausgehend von einer APTES-ter minierten Oberfläche. Die Messung en sind
gegen SiOx referenziert.

123

4.2 Au fbau fun ktio nell er M on olag en u nd I mmo bilis ieru ng von Bio mol ekül en a uf S i(1 11)

Im zweiten Teil d ieser Dissertation wurde an der F unktionalisierung und I mmobilisi erung von β -
Hairpin -Peptiden an eine Si(111)-Oberfläche gearbeitet. Ausgehend von einer Wasserstoff-
terminierten Oberfläche kann die Immobilisierung von β -Hairpin -Peptiden einerseits an eine Säure-
terminierte Oberfläch e m ittels HC TU -Kupplung un d andererseits an eine Alkin-ter minierte Oberfläch e
mittels einer S ONOGAS HIRA -H AGIHARA Reaktio n erfolgen. D ie Herstellung einer Carboxy-terminiert en
Ob erfläche konnte mittels der bottom- up -Methode in verschiedenen Verdünnungsgrad en erfo lgrei ch
realisiert werden. Dabei wu rde durch thermische Umsetzung des 10 -Unde censäureme thylesters ein
monokular er Film auf d em Si-Kristall erzeugt. Durch die Zug abe von 1- Decen k o nnte eine Verdünnung
(1:1, 1 :3 (v/v)) der fun kti o nellen Gruppen auf der Oberfläche zu 50 % und 25 % erzielt werden.
Anschließend erfolgt e die Verseifung der Ester -Fu nktio n durch eine drei- bis fünfstündige
säurekatalysier te Hydrolyse mit einer 5.5 M HCl-Lös ung bei 40 °C. Anhand der charakteristischen
Schwingun gen der Alkyl- u nd Carbonyl-Gruppe konnt e die so erhaltene Säure-terminiert e Oberfläche
ausgewertet werden (Abbil dung 62 A ). Die Position der sy mmetrischen (  as (CH 2 ),  s (CH 2 )) sowie
asymmetrisch en Alk y l-Band en und der Carbonyl-Schwing ung (  (C=O)) lassen auf eine gut geordnete
Carboxy-ter minierte Monolag e schlie ßen. Auch di e Au sbildun g einer kleinen Schulter bei 1415 cm -1 ,
die der OH-Defor mations schwingung (  (OH)) zuge o rdnet werden kann, zeigte eine erfolgreiche
Präparation einer Säure- ter minierten Oberfläche an. Di ese Deformationss chwingung konnte allerdings
nicht bei d en verdünnten Oberflächen beobachtet werden. Eine Oxidation während der Hydr olyse
konnte indes nich t v erhind ert werden. Hi er sollte in folgenden Arbei ten zuvor die Entgasung der HCl-
Lösung verläng ert oder g eänd ert werden.
Nach erfo lgreich er Präparation der Säure-termini erten Oberfläche ausgehend von einer Wasserstoff-
terminierten Monolage wurde die Immobilisi erung eines zyklischen β -Hairpin- Peptides 4 über ein e
HCTU-Kupplu ng an eine 100 % ige Säure-terminiert e Oberfläche erprob t. Hierbei sollte die Kupplun g
über die Amin-Funkti o n der Seitenkette der A minosäure Lysin erf olgen un d dadurch eine Amid -
Bindung knüpf en . Aufgrund vo n Löslichk eitspro bl emen des Peptides 4 konnte keine r eine Lösung in
Acetonitril oder DMF erze ugt werden. Auch die Reduzieru ng der P eptidkonz entration auf 0.1 mM
konnte keine vollständige Löslichk eit in den Lösungsmi tteln M eCN und DMF erzielt werden . D ennoch
wurde versucht die HCTU-Kupplu ng in einer Suspension durchzuführen. Die IR- sp ektrosk o pische
Untersuchung bestä tigte, d ass keine positi v e Anb indung an eine Säur e-terminiert e Si(111)-Oberfläch e
stattgefunden hat. Eine weitere Ursache für eine negative Anbindun g könnte auch die sterisch e
Hinderun g an eine 100 % ige Säure-termini erte Oberfläche darstellen. Eine positive Anbindung an
verdünnte Säure-terminier te Oberflächen ist nicht auszuschließen und könnte zukünftig erprobt
werden.

124

3000 2800 2600 2400 2200 2000 1800 1600 1400 1200 1000
 ( OH )
 as ( CH 3 )
 ( CH 2 )
Wellenzah l [cm -1 ]
50 % ige Ester-Monolage 50 % ige Säure-Monolage
Transmission arb. unit
 as ( CH 3 )
 as ( CH 2 )
 s ( CH 2 )
Si-H  (C=O) Ester
 ( CO ) Säure

Abbildung 62 : Zusammenfassung der in direkten Anbindung des Peptides 4 an eine Säure-terminierte
Oberfläche auf Si(111). A: Schematische Darstellung der einzelnen Funktionalisierungsschritte zu einer Säure -
terminierten Oberfläc he und des Im mobilisierungsversuches des Peptides 4 . B: IR -Spektren d er Ester und S äure -
terminierten Oberfläc he am Beispiel der 50 % ig verdünnten Mo nolage. Die Messungen sind gegen Si - H
referenziert.

In Abbildu ng 62 sind die Herstellung einer Säure-te rminiert en Monolage (am Beispiel einer 50 % ige n
Monolage) und der Versuc h der Immobilisierung des Peptides 4 schematisch darg estellt und die IR-
spektroskopisch en Daten d er 50 % igen Säure- Monolag e zusammengefa sst.

A

B

125

Um dennoch sterisch anspruchsvolle und zyklische Peptide an eine Oberfläch e immobilisier en zu
können, könnt e die Anwen dung einer Metall-katal y sierten Kr euzkupplu ng eine zukun ftsreiche Opti o n
darstellen. Die hierfür verwendet en Peptide lassen sich durch den Einsatz von z .B. 4 -Iodphenylalan in
mit einem Hal ogen funkti onalisieren. Dadurch könnte eine hohe chemoselektiv e Immobilisi erung an
eine Alkin-ter minierte Oberfläche erreicht werden. Die Herstellung einer Alkin-ter m iniert en Monolag e
konnte durch eine thermische Verank erung von 1,8-Nonadiin IR-spek troskopisch erfolgreic h
nachgewies en werden. So wo hl die signifikant e Bildu ng der Valenzschwingung bei 1600 c m -1 (  (C= C)),
als auch die kleine Schult er bei 3321 cm -1 (  ( C-H)) bestätigten eine Funktion alisierung der
Si(111)-Oberflä che mit ein em Alkin. Der m it 83.8° i m B ereich der literaturbe kannten Werte ( 77° –
87°) [53] liegende gemessen e Kontaktwink el bel egt ebenfalls eine positiv e Anbin dung des Alkins. Die
Lage d er sym metrischen und asymmetri schen Alkyl-Banden bei 2933 cm -1 und 285 9 c m -1 deutet en ein e
gut geordnete Monoschic ht an. Nach erfolgreicher Präparation einer Al kin -Mo nolag e auf einer
Wasserstoff- terminiert en Oberfläch e k onnte ein e Im m obilisierun g eines Pep tides unt ersucht w erden.
Die in dieser Disserta tion erprobte Metall-katalysiert e Kreuzkupplu ng ist die S O NOGASHIRA -H AGIHARA -
Reaktion. Das verwend ete Somatostatin anal ogon (Peptid 5 ) k o nnte durch Dr. Sebastian Kitzig [54] im A K
Rück-Braun synthetisiert und charakterisiert werden. Anlehnend an die im Arbeitskrei s
durchgefüh rten Vorarbeiten der S ONOGASHIRA -H AGIHARA -Kupplu ng mit Fulgim iden konnte ein e
vielversprechen de Methode entwick elt werden, um d as Peptid 5 an eine Alkin-terminiert e Mo nolag e
zu verankern. Durch Konz entrationserhöhun gen de s Katalysat ors sowie des Kupferiodids, und den
Verzicht auf das Lösungsm ittel Toluol k onnte eine positive Immobilisierung de s Peptides 5 an eine
Alkin-termini erte Ob erfläche erzielt werden. Die ausg ewerteten IR-Daten zeigt en gegenüber der Alkin-
terminierten Oberfläch e sign ifikante Unterschiede im Fingerprint-Be reich. Dort sind zwei stark e
Banden bei 1663 cm -1 und 1535 cm -1 entstanden, di e der Amid I- und Amid II-Val enzschwingung
zugeordnet we rden konn ten. Die scharfe Intensit ät dieser Banden ko nnte auf die zusätzlich
einwirkenden Schwingungen der Sekundärstru ktur des Peptides 5 ( β -Faltb latt) zur ückgeführt werden.
Zugleich konnte das Her anziehen des Referenzspekt rums des P eptides 5 b ei d er Charak terisierun g
wichtige Anhaltspunkte geben. Im Bereich von 3000 -35 00 cm -1 sind in beiden Spektren
charakteristische Signale der Amin-Streckschwingun gen, die von der Lysin-Ei nheit herrühren, zu
beobachten. Die leichte V erschiebung in diesem Berei ch könnte mit der koval enten Anb indung an eine
Oberfläche erklärt we rden . Keine Veränderung zeigte die Alkyl -Region geg enüber der Alkin-
terminierten Ob erfläche, so dass vom Erhalt ein er gut geordnet en Monosc hicht ausgegangen werden
konnte. D ie s wurde durch die Vermessung des Kontakt winkels bestätigt. Bei allen vermessenen Proben
lag en die Werte bei ~78°. Der geringe Fe hler von 1° belegte eine gute Verteilung des Peptides 5 auf
der Oberfläche. Die aufgen ommenen AFM-Bilder bekräftigen die Aussage, das s eine gut geordnete
und homogene Al kin- und Peptid-Monolage erzielt werden konn te.

126

3500 3000 2500 2000 1500 1000
 ( OH )
 as ( CH 3 )
 ( C=C ) Aromat
 ( C=C ) Aromat
+ b -Faltblatt
+ b -Faltblatt
 s ( C=O ) Amid I
 ( CNH ) Amid II
( NH 2 )
 as
Wellenzahl [cm -1 ]
Alkin-terminierte Oberfläche Immobilisiertes Peptid 3
 s
 as ( CH 2 )
 s ( CH 2 )
Transmission arb. unit

Um den Verbrau ch von te uren o der anspruchsvoll synth etisierten Peptid en zu verringern und um auch
die Katalysatormeng e zu reduzieren könnte in zukünftig en Arbeiten ebenfalls ein e Reduzierung der
eingesetzten Konzentration des Peptides auf gängige Konzentrati o nsmengen (z.B. 0.1 mM), bei der
Immobilisierung von Bio molekülen, e rprobt werden.
In der Abbildung 63 sind die einzelnen Funktionalisier ungsschritte, die Imm obilisierung des Peptid es
5 , die aufg enommenen A TR- FT - IR -Spektren und die A FM-Aufnahmen zusa mmeng efasst.

A

B

127

Abbildung 63 : Zusammenfassung der in direkten Anbindung des Peptides 5 an eine Säure-terminierte
Oberfläche auf Si(111). A: Schematisc h e Darstellung der Funktionali sierun gsschritte zu einer Säure -terminierten
Oberfläche und des Imm obilisierungsversuches des Pepti d es 5 . B: IR -Spektren der Ester und Säure-terminierten
Oberfläche am Beispiel der 50% ig verdünnten Monolage. Die Messun gen sind gegen Si -H referenziert. C: AFM -
Aufnahmen (Amplitude Mode) d er einzelnen Immobilisieru ngssch ritte ( Wasserstoff-terminierte O berfläche –
Alkin -terminierte Oberfläche – Im mobilisierung des Peptides 5 ).

C
H-terminie rt A lkin-terminiert Immobilisie rung Peptid 5

4.3 Zu sa mm enfa ssu ng der ve rwen det en Kon zen trat ionen der Pep tid e

Tabelle 24 : Übersicht der Konzentrationen der Peptide 1 , 2 , 4 , 5 un d vom A zobenzol 3 .

Oberfläche

Peptid/Azob enzol

Konzentra tion
[mM]

Volumen
[mL]

Lösungsmitte l

Si(100)
Maleimid-te rminiert

Peptid 1

0.1

5

Natriumbora t-
Puffer

Si(100)
Säure- terminiert

Peptid 2

0.5

5

DMF

Si(111)
Säure- terminiert

Peptid 4

0.1

8

DMF

Si(111)
Alkin-term iniert

Peptid 5

1

5

DMF/Net 3

Si(100)
Amin-termin iert

Azobenzol
3

3

8

DMF

128

Abbildung 64 : Verwendete Glasgeräte ohne (links) und mit Rührfunktion (rechts).

5. E XP ER IME N TEL LER T EI L
5.1 . Ger ä te un d M eth od en

ATR- FT - IR -Spe ktren wurden m it einem FT-Infrarot-Spektralpho tometer der Firma Bruker (Vertex70 v)
in ATR (abgeschwächt er Totalreflexi o n) aufgen ommen. Es wurde ein mit flüssigem Stickstoff geküh lter
Quecksilber-C admiu m-Tellurid- (M CT) Detektor verwendet. D ie Auswer tung erfolgte mit der So ftware
OPUS 6.5 (Bruker ). Die Lage der Banden wurde in Wel lenzahlen (c m -1 ) angegebe n.
Glasgeräte , für die Präpar ation der Mo nolagen wurden von einem Glasbläser angefertigt , und v or
jedem Gebrauch mit einer Piranha -Lösung gereinigt und mit Milli-Q-Wasser (18 M  cm - 1 ) ausgiebi g
gespült. Die Tr ocknung erfolgte in eine m Trockenschr ank bei 120°C.

Die wasser- und sauerst o fffreien Reakti o nen auf der Siliziu moberfläche wurden in einer Glove Box der
Firma MBraun ( L abmaste rSP) durchgefüh rt.
Siliziumkri stalle für di e ATR- FT -IR Spektroskopi e wurden aus dopp elseitig polier ten Wafern ( SiltroniX :
Si (100) ± 0.5°, FZ, P -Boran, R = 1600-1800  c m, d = 500 -550 µm und Si(111) ± 0.5°, FZ, N-P hosphor ,
R = 10 - 30  cm, d = 500 - 5 50 µm) der Größe 4 Zoll (  = 100 mm) in den Dime nsionen 1.1 x 2.5 cm
zugeschnitten. Die Zuschni tte wurden mit Hilfe eines Schutzwachses in ein Probenhalter eingespann t
und fixiert. Anschließ end wurd en die kurzen Kant en in einem Winkel von 45° mit wass erfeste n
Schleifpapieren verschiede ner Körnung (180, 240, 280, 400, 600, 8 00, 1000, 1200, 1500, 2000 )
angeschliffen, welche dann für die abgeschwächte Totalreflexi o n verwendet werden können. D ana ch
wurden mit einer Polierp aste v erschi edener Körnung (6 µm, 3 µm, 1 µm) der Firma Struer
(polykristallin, diamantdurch set zt DP -Paste ) - inklusive einer Polierlösung zur Kühlun g ( DP -Lubricant

129

Green ) - auf speziellen Poliertüchern als Unte rlage (MD-Pan,  = 250 mm) die kurzen Kanten polier t.
Die langen Kanten wurden vor der Ve rwendung ang eraut (ca. 10% der Oberfläche).
Konta ktwinkelmessun gen wurden m it einem Ger ät der Firma Krüss (Krüss Easydrop) unter
Verwendung der sessile- drop Methode zur Bestimmun g des statischen Kontaktwink els θ stat
durchgefüh rt. Zur mathematischen Berechnu ng der a ngegebenen statischen Kon takt winkel diente ein
Young-Lapla ce-Fit durch die mitgelieferte Software ( Dr op Shape Analysis, DSA1 v 1.90 ). [58] Alle
Messungen wurden unter Umgebung sbedingungen (ca. 25° C) vermessen, wobei mindestens fünf
Tropfen (MilliQ- Wasser, 18 MΩ cm -1 ) mit einem Volumen von 1 μL auf jeder Si -Probe platziert und
sofort vermes sen wurden.

Chemikalien und Lösungsmittel wurden kommerziel l bei VWR , Sigma-Aldric h , Fischer-Scientific und
VWR erworben und, we nn nicht anders angegeben, ohne weiter e Reinig ung verwendet. Schw efelsäure
(H 2 SO 4 , 96 %), Wassers toffperoxid (H 2 O 2 , 31 %) und Ammoniumfluorid (NH 4 F, 40 %) wurden
kommerziell bei der BASF (VLSI grade) erworb en. Milli-Q-Wasser (18 M  cm -1 ) wurde aus einer vier
Filter MilliPore-Anlag e bereitgestellt. Sämtli che Lösungsmitt el, die zum Spülen und Reinigen der
Wafer, s owie zu m Ansetzen von Lösungen verwendet wurden, waren entweder von sp ek trosk opischer
oder HPLC Qualität. Das Lösungsmittel Toluol wurde zwei mal über Natriu m/Benzophenon destilli ert,
mit der Freeze Pu mp-Methode entgast und über Mo lsi eb (4 Å ) in der Glove Box gelagert. D ie
eingesetzten Substrate zur Herstellung von thermisch im m obilisierten M onolagen , 1-Decen ( 94%), 10 -
Undecensäure m ethyles ter (97%) und 1,8-Nonad iin ( 97%), sind k ommerziell erhältlich und wurden v or
Gebrauch mindestens zweimal un ter reduzier tem Druck d estilliert, mittels Freeze Pump Thaw entgas t
und anschli eßend unter Ine rtgas (Argon) in der Glo v e Box gelagert.

AFM-Messun gen wurden mit einem Gerät der Firma Asylum Research/O xfor d Instrum ents (Cypher)
unter Verwend ung von OMCL-AC 160TS Spitzen d er Firma Olympus im Tapping-Mode bzw. AC Air
topography durch geführt.

Ellipsomet rie-Messun gen wurden mit einem Gerät der Firma Sentech SE 8 50 durchgefüh rt und unter
Verwendung der Software Sentech Spect raRay 3 ausgewertet. Die M essung en erfolgten am Institut für
Hochfrequenzte chnik an d er TU-Berlin mit Hilfe von Dr. Jürg en Brun s. Alle Schichten wurden zwischen
350 nm < λ < 800 nm und winkelabhängig von 55° bis zu 70° ver messen. Die Brechzah l für eine APTES -
Schicht wurde b ei e inem konstanten Wert (n = 1.464) gehalte n.

130

Begriff Erklärun g
Spülen:
Beim Spülen wurde das Lösung smittel mit e iner 2 -3 mL Pipette aufgeno mmen und auf dem Si-Kristal l
langsam abgelassen. D iese s Verfahren wurde auf beid en Seiten des Si -Kristalls mehrmals wiederholt.
Angabe in den Vorschriften z.B. 8x 2 mL.
Waschen:
Beim Waschen wurde d er Si-Kristall in ein Glasvial gegeben. Mindestens 5 mL des Lö sungs m ittels zur
Reinigung wurde hinzu gefü gt und der Si-Kri stall verblieb im Lösungs m ittel 2 min. Anschließend wurde
das Lösungsmit te l entfernt und erneut eingefüllt. D ies es Verfahr en w urde mehr mals wiederh o lt.
Angabe in den Vorschriften z.B. 5x 5 mL je 2min.

131

5.2 . Vor schr ifte n z ur F un ktion alisi erun g d er Si( 100 )-Ob erfläc hen

Allgemeine Vorschrift zur Rein igung der geschl iffenen Si -ATR-Kristal l e
Die Entfernung des aufgebr achten Schutz wachses und die Reinigu ng der geschliffe nen Si-ATR- Kristall e
wurden mittels zwei verschied ener Methoden durch geführt.
1) Entfernung m it Trichl o rethylen
Der geschliffene Si -Kristall wurde, zur Entfernung des Schutzwachses, in einem Glasvial zweimal in
Trichlorethylen (8 mL) für je 40 min bei 60°C geta ucht. Die Reini gung erfolgte in verschiedenen
Lösungsmitt eln (5 mL Aceton, 5 m L Dichlorm ethan und 5 mL Methanol) i m Ultras challbad für je 10 min
und wurde zweimal wiederh olt. Anschlie ßend wurde der Si-Kristall unter Argon getrocknet. Der Si-
Kristall wurde für 30 min in einer frisch hergestellten „P iranha “ -Lösung (H 2 O 2 /H 2 SO 4 , 1 :3, v/v) bei
100 °C gereinig t und anschl ießend ausgiebig mi t Milli-Q-Wasser gespült (10x 5 mL ).
2) Entfernung m it de m RCA-Protokoll ( Rad io Corporati on of America) [19a]
Der Si-Kristall wurd e in eine Teflon-Halterung gespann t und in einem ersten Schritt mit einer Lösung
aus Wasser, Ammoniu m hydroxid und Wass erstoffper oxid (5:1:1, 70 mL) bei 70°C für 10 m in behand elt.
Anschließend wurde der Kristal l mit Milli-Q-Wasser gespült (4x 5 mL) und in eine zweit e Lösung aus
Wasser, Salzsäure und Wasserstoffper o xid (6:1:1, 80 mL) erneut bei 70°C für 10 min gereinigt. Der Si -
Kristall wurde entnomme n, gründli ch mit Milli-Q-Wasser (4x 5 mL) gespült und unter Argon
getrocknet.

Allgemeine Vorschrift zur Erzeugun g einer H-terminierten Ob erfläche
Nach Reinigung des Si-Kristalls wurde dieser ohne vorherig e
Trocknung in eine wässrige 2.5 % Fluorwassers toffsäure (5 mL)
eingetaucht. Nach 1 min in der Ätzlösung wurd e der Kr i stall
entnommen und gründlich mit Milli- Q-Wasser ( 10x 5 mL) gereinigt. Die Trocknung erfo lgt e im
Argonstrom und wurde unt er verminderten Druck in einem Glasvial kurzz eitig gel agert.

132

Allgemeine Vo r schrift zur oxidierten Si(100)-Oberf l ä che
Der Si-ATR-Kristall ( Sil troniX : Si (100) ± 0.5°, P-Boran, R = 1-10  cm, d = 500 ±
25 µm) wurde nach der Rein igung mittels RCA-Protokoll für 1 h bei 1 00°C in
eine „Piranha “ -Lösung (H 2 O 2 /H 2 SO 4 , 1:3, v /v) getaucht. Der gereinigte Kristall
wurde entnommen und gr ündlich mit M illi-Q-Wasser (10x 5 mL) gespü lt, unter Arg on getrockne t und
gelagert. D ie Kristalle wurden anschließ end am IR-Spektrometer vermessen und als Referenz
gespeichert. Die Oxidschic ht wurde mittels Ellipsometrie vermessen und ergab eine Schichtdicke v on
2.01 nm.

Allgemeine Vorschri ft en zu r Funktiona lisierung der oxidierten Si (100)-Oberf lächen mi t APTES
Methode nach N. Aissaou i [59] :
In einem geschlo ssenen Gefäß wurde der gereinigt e und frisch oxidierte Si -
Kristall in eine 50 mM APT ES-Lö sung in Toluol (5 mL) für 12 h bei RT getaucht,
und anschli eßend mit T o luol 10 min i m Ultraschallbad (geschlossenes Gef äß )
gewaschen* 1 . Nach der Trocknung im Stickstoffstro m wurde der Si-Kristall für 2 h in eine m Ofen bei
90°C an der Luft erhitzt ( cur ing : „Backen“). D er Kri stall wurde bei RT abgekühlt und anschließend direk t
vermessen.

Methode nach N. A. Lapin [19a] :
Der frisch oxidierte Si-Kristall wurde nach der Trocknung i n ein sauberes Glasvial gegeben und für 10 -
15 m in in einem Ofen auf 2 00 °C erhitz t. Danach wurde der Kristall im Stickst o ffstrom abgekühlt und
in einem verschließbaren Test -Rohr in eine Glove Box eingeschl eust. Das wasserfreie Toluol (5 mL)
wurde auf 110 °C vo rgeh eizt und anschli eßend 0.1 % APTES (0.005 mL AP TES in 5 mL Toluol)
hinzug efügt. Der Si -Kristall wurde un verzüglich in die Lösung getaucht und im geschlossenen Glas-
Gefäß für 20 h bei 110 °C zur Reaktion gebracht. Der Chip wurde aus der Lö s ung entfernt, mit Toluol
gründli ch gespült* 1 (8x 2 mL) und im Arg onstrom ge trocknet.

133

Arbeitsvorschrif t en fü r die Prozessop timierung de r APTES-Monolage:
1) verschied ene Konzent rationen
Der ger einigte fris ch oxidierte Si -ATR-Kristall wurde in eine frisch anges et zte APTES-Lösung (0.1 %,
1.2 %, 2 %, 5 % in 5 mL To luol) g etaucht. Nach 17 h Reaktionszei t bei RT wurde d er Si-Kristall gründ lich
mit Toluol gespült* 1 (8x 2 mL). Im Ultraschallb ad wurde der Si -Kristall m it Tol uol (5 mL) in einem
geschlossenen Glasgefä ß 10 m in gereinigt und anschl ieß end erneut mit Toluol (4x 2 mL) abgespült .
Abschließend wurde der Si-Kristall unte r Argon getr o cknet und in einem offenen Te flon-Gefäß 2 h in
einem Ofen bei 100 °C gebacken ( „curing“ ). Der Kristall wurde bei RT abgekühlt und direkt IR -
spektroskopisch vermes sen.
2) verschied ene Reaktionszeit
Der gereinigt e fris ch o xidierte Si-AT R-Kristall wurde in eine frisch angesetzte 2 % APTES-Lösung (0.1 m L
in 4 .9 mL Toluol) getau cht. Nach 3 0 min bis 17 h Reaktionszei t bei RT wurde der Si-Kristall gründlich
mit Toluol gespült* 1 (8x 2 mL). Im Ultraschallb ad wurde der Si -Kristall m it Tol uol (5 mL) in einem
geschlossenen Glasgefä ß 10 min gereinigt und anschl ieß end erneut mit Toluol (4x 2 mL) abgespült.
Abschließend wurde der Si-Kristall unte r Argon getr ocknet und in einem offenen Tefl on -Gefäß 2 h in
einem Ofen bei 100 °C gebacken ( „curing“ ). Der Kristall wurde bei RT abgekühlt und direkt IR -
spektroskopisch vermes sen.
3) verschied ene Lösungsmitt el
Der gereinigt e frisch oxidi erte Si-ATR-Kristall wurde in eine frisch angesetzte 2 % APT ES-Lösung in
unterschiedlichen Lösungsmitteln (Ethanol, Ethanol /Wasser, Toluol) getaucht. Nach 17 h Reaktionszeit
bei RT wurde der Si-Kris tall grün dlich mit Toluol gespült* 1 (8x 2 mL). Im Ultrasc hallbad wurde der Si -
Kristall mit Toluol (5 mL) in einem geschlossenen Gla sgefäß 10 min ger einigt und anschließend erneut
mit Toluol (4x 2 mL) abgesp ült. Abschließend wurde der Si-Kristall unter Argon getrocknet und in eine m
offenen Teflon-Gefäß 2 h in eine m Of en b ei 100 °C g ebacken ( „ cu ring“ ). Der K ristall wurde b ei RT
abgekühlt und direkt IR-sp ektroskopisch ver m essen.

* 1 Spülen: Beim Spülen wurde d as Lösungsmittel mit einer 2 -3 mL Pipette aufgenommen und auf dem Si -Kristall langsam
abgelassen. Dieses Verfah ren wurde auf beiden Seiten des Si-Kristalls meh rmals wiederholt.
Waschen: Beim Waschen wurde der Si-Kristall in ein Glasvial gegeben. Mindestens 5 mL des Lösungsmittels zur R einigung
wurde hinzugefügt und der Si-Kristall verblieb im L ösungsmittel 2 min. A nschließend wurde da s Lösungsmittel e ntfernt u nd
erneut einge füllt. Dieses Verfahren wurde mehrmals wiederholt.

134

Arbeitsvorschrif t für die s elb stpräparierten Si -ATR- Kristall e mit der 2 %-AP TES Methode
Der gereinigte oxidiert e Si-ATR-Kristall wurde in eine Glove Box überführt und in eine frisch angese tzte
2 % ige APT ES-Lösung (0.1 mL APTES in 4.9 mL Toluol) getaucht. Das eingesetzt e Toluol wurde zuvo r
zweimal über Natriu m/Benz o phenon des tilliert, mit der Freeze- Pump Methode entgast und über
Molsieb (4 Å) in der Glove Box gelagert. Nach 17 h Re aktionszeit wurde der Si -Kristall aus der Glove
Box ausgeschl eust und gründlich mit Toluol gespült (8x 2 mL) . Im Ultrasch allbad wurde der Si -Kristall
mit Toluol (5 m L) in einem geschl ossenen Glasgefä ß 10 min gereinigt und anschließend erneut mit
Toluol (4x 2 mL) abgespült . Abschließend wurde der Si -Kristall unter Argon ge trocknet und in einem
offenen Teflon-Gefäß 2 h in einem Ofen bei 100 °C gebacken ( „curing“ ). Der Kristall wurd e bei RT
abgekühlt und direkt IR-sp ektroskopisch ver messen. (KW: ~68°)
Allgemeine Vorschrift zur M aleimid-funktional isierten Si ( 100)-Obe rfläche
Ein frisch hergestellter Amin-ter m iniert er Si-Kristall wurde in eine Lösung,
bestehend aus Sulfo-GMB S (2 0 mg, 0.5 mmol, 10 mM) in Milli-Q- Wasser
(5 mL), getauch t. Nach einer Stunde Reaktionsdauer wurde der Si-Kristall
entfernt, mit Milli-Q-Wass er gespült ( 8 x 2 mL), 10 min i m Ultraschall bad in
Milli-Q-Wasser (5 mL) gere inigt und anschließend erneut mit M illi-Q-Wasser
gespült (4x 2 mL). Die Tr o cknung des Si -Kristall s erfolgte im Argonstrom.
Anschließend wurde der Si-Kristall IR-sp ektroskopisch v ermessen. (KW: 5 2°)
Allgemeine Vorschrift zum Aufba u einer Ester-funktio nalisi erten Si(100)-Oberf läche
Das Lösungsmittel Acetoni tril (8 m L) versetzt mit de r Base DIPEA (10 mM )
wurden aus eine r Glove Box ausgeschleu st. Der
Bernsteinsäur emonomethylester (5.8 mg, 0.025 m mol, 5 mM) wurde unter
Rühren hinzugefüg t und anschließend das Glasvial abgedun kelt. Das
Kopplungsreagenz HCTU ( 33 mg, 0.05 mmol, 10 mM ) wurd e e be nfalls unter
Rühren dazu gegeben. Danach wurde der frisch hergestellte A P TES-termini erte
Si -Kristall einge taucht und das Glasvial verschlossen. Nach einer
Reaktionsdauer von 2 h bei RT wurde der Kristal l entnommen, mit Acetonitril (5x 5 mL je 2 m in) und
DCM (2x 5 mL je 2 min) gew aschen und anschlie ß end i m Arg onstrom getrocknet. Nach dem Vermessen
des Si-Kristalls mittels ATR- FT - IR -Spektroskopie wurde der Si-Kristall in einem Glasvial in eine 8 mL
Lösung aus Pyridin und Essigsäureanhydrid (3:1, v/v) getaucht. Nach 20 min Rühren bei RT wurde der
Si -Kristall entnommen und gründlich mit Milli-Q- Wasser gespült (10x 5 mL). Anschließend wurde der
Kristall im Arg onstrom getrockne t. (KW: 58°)

135

Allgemeine Vorschrift zur Hydrol yse der Ester-ter minierten Mo nolage au f Si(1 00)
Im Anschluss wurde eine fri sch ang esetzte wässrige 5.5 M HCl-Lösung 1 h unter
Argon (Ballon) im Ultrasch allbad entgast und anschließend auf 40°C erwärmt.
Der frisch Ester-terminier te Si -Kristall wurde im Argongegenstr om in die
Lösung getaucht und 3 h b ei 40°C zur Reaktion gebra cht. Der Si-Kristall wurde
nach Abkühlen auf RT entnommen und gründlich mit Milli-Q-Wass er (1 0 x
5 mL) gespült. Unter Argon wurde der Si-Kristall getro cknet und anschlie ßend
IR -spektroskopisch vermes sen. (KW: 30°)

136

5.3 . Vor schr ifte n z ur I mmob ilis ieru ng d er Pe ptid e 1,2 u nd v on Azo benz ol 3 auf Si (100 )
Allgemeine Vorschrift zur Immobilis ierung des Peptid es 1 auf eine Ma l eimid-Ob erfläche
Das Cystein-modifi zierte Peptid 1 [Leu-Al a-
Ser-Asp-Leu- Il e-Val- Pro -Arg -Arg-ß-Ala-
Cys (0.6 mg, 0. 0005 mmol, 0 .1 mM )] und EDTA
(15 mg, 0.05 mmol, 10 mM) wurden in
Na triumborat-Puff er (5 m L, pH 8) gelöst und in
einem Gla svial vorgel egt. Der frisch
hergestellte Maleimid-terminiert e Si -Kristall
wurde in die Lösung getaucht und 2 h bei RT
geschlossen zu r Reakti o n gebra cht.
Anschließend wurde der S i-Kristall mit Na triumborat -Puffer gespült (8x 2 mL), im P uffer 10 min i m
Ultraschall gereinigt und erneut mit Puffer (8x 2 mL) und Milli-Q-Wasser (10x 5 mL) gespült. Die
Trocknung erfolgte i m Argo nstrom und abschlie ßend IR-spektr o skopisch vermess en. (KW: 55°)

Allgemeine Vorschrift zur Immobilis ierung de s Peptid es 2 auf e iner Säure-Ob erfläche
Das L ösung smittel DMF (5 mL) und die Base
DIPEA (8.6 µl, 0. 05 mmol, 10 mM) wurden aus
einer Glove Bo x ausgeschl eust und im Glasvial
vorgelegt. Es erfolgte die Zugab e des Peptides
2 [Leu-Ala-Ser -Asp-Leu - Ile -Val-Pro- Ar g-Arg
(2.8 mg, 0.0025 mmo l, 0.5 mM)] und des
Kupplun gsreagenzes H CTU (20.6 mg,
0.05 mmol, 10 mM). Im Anschl uss wurde der
frisch hergestellte Säure-terminiert e Si-Kristall
in die Lösung get aucht und das Glasvial
verschlossen. Nach 2 h Rea ktionszeit wurde
de r Si-Kristall entnommen , mit DCM gründlich gere inigt (6x 5 mL je 2 min) un d im Argonstro m
getrocknet. Ans chließend erfolgte di e IR-spektr o skopis che Vermes sung. (KW: 42°)

137

Allgemeine Vorschrift zur Immobil i sierung des Azob enzol s 3 au f einer Amin -Oberfläche
In eine Lösung , bestehend aus dem Azob enzol 3 (8 .5 mg, 0. 024 mmol,
3 mM), HCT U ( 33 mg, 0.05 mm ol, 10 m M) und D IPEA (13. 9 µl,
0.05 mmol, 10 mM) in DMF (8 mL), wurde der Amin-termini erte Si-
Kristall unter Lichtausschl uss eingetaucht. Nach 2 h Reaktionszeit
unter Rühren bei RT wurde d er Si -Kristall entnomm en, m it DCM (5x
5 mL je 2 min) gewaschen und anschli eßend unter Ar gon getrockn et .
Der Si -Kristall wurde anschl ieß end IR -spektr oskopisch ver m essen. (K W: 71°)

Allgemeine Vorschrift zur Immobil i sierung v on Biotin auf einer Amin -Oberflä c h e [19a]
Der frisch hergestellt e APTES-terminierte Si-Kristall wurde in eine Teflon-
Halterung g espannt und i n ein verschl ießbares Tefl o n-Gefäß g estellt. Ein e
frisch hergestellt e Lösung b estehend aus Su lfo-NHS-Bi o tin ( 4 mg, 0. 01 mmol,
10 mM) in M illi -Q-Wasser (1 m L) wurde mittels einer 1 mL Spritze auf einer
Seite des APTES-terminie rten Si-ATR- Kristalls aufgebracht. Nach einer
Reaktionszeit von 1 h wur de der Si- Kristall entnommen und gründlich mit
Milli-Q-Wasser g espült (10x 5 mL). Im Ultraschallbad wurde der Si -Kristall
15 min in Milli-Q-Wa sser (5x 5 m L) gereinigt und ansch ließ end unt er Argon
getrocknet. Der Si-Kristall wurd e anschließend IR -sp ektroskopisch v ermessen. (KW: 60°)

Allgemeine Vorschrift zur Immobil i sierung v on Strept avidin auf einer A min -Oberfläche [19a]
Der frisch biotinyli erte Si-A TR-Kristall wurde in eine Teflon-Halterung
gespannt und in ein verschließbare s Teflon-Gefäß gestellt. Mittels
einer 1 mL Spritze wurde eine fris ch hergestellt e Lösung aus
Streptavidin (0.14 mg, 0.0023 µmol, 2.3 µM) in PBS (1 mL, pH 7 .4 ) auf
die biotin ylierte Seite des Si -Kristalls gegeben. Nach einer
Reaktionszeit von 1 h wurde der Si-Kristall entnom men, vier M al für 1
min mit ein er PBS + TWEE N 20 -Lösung und vi er Mal mit reinem PBS in
einem Schüttler geschütt elt (180 Umdrehu ngen/min). Anschließ end
wurde der Si -Kristall mit Mi lli-Q-Wasser gespült (10 x 5 mL) un d unter
Argon getr ocknet. Der Si-K ristall wurde anschlie ßend IR -spektroskopisch vermess en. (KW: 30°)

138

5.4 . Vor schr ifte n z ur Fu nkt ion alisi erun g d er Si (111 )-Ob erflä che

Allgemeine Vorschrift zur Darstellun g H-terminier ter Si (111)-Oberflä c hen
Der Si-Kristall ( Siltroni X : Si (111) ± 0.5°, FZ, N-Phosphor,
R = 10 - 30  cm, d = 500 - 550 µm) wurde mittels eines Standard RCA-
Protokolls ( I: H 2 O/NH 4 OH/H 2 O 2 5:1:1, 70 °C, 10 min, II: H 2 O/HCl/H 2 O 2 ,
6:1:1, 70 °C, 10 min) ger einigt und anschließend fü r 1 h bei 100 °C in eine „Piranha“ - Lösung
(H 2 O 2 /H 2 SO 4 , 3:1 , v/v) getaucht. Der ger einigte Kristall wurde grü ndlich mi t Milli-Q-Wasser gespült un d
im Anschluss in eine Ätzl ösung (NH 4 F inklusive 50 mM (NH 4 ) 2 SO 3 als Sauerstofffänger) getaucht. Na ch
einer Reaktionsz eit von 15 min bei RT wurde der Si -Kristall gründli ch mit M illi -Q-Wasser (10x 5 mL)
gespült, unter Argon getrocknet und unter Vakuum in einem Glasvial aufbewahrt. Die Vermessung
mittels ATR- FT - IR -Sp ektroskopie erfolgte un verzüglich.

Allgemeine Vorschrift zur Herstellun g der Ester-ter minierten Mono lage auf Si ( 111)
Die thermis che Verank erung d es Esters auf dem H- te rmini erten Si-Kris tall
erfolgte in reinem 2x desti llierte m 10 -Undecensäu remethylester (5 mL). Der
Si -Kristall wurd e in die L ösung getaucht und in ein em g eschlossenen G efäß fü r
2 h bei 160°C unt er inerten Bedingung en (Gl o ve Box) zur Reakti o n gebracht.
Nach dem Abküh len auf RT wurde das Glasvial ausgesc hleust und der Si-Kristall
entnommen. Der Si-Kristall wurde erst in Hexan (3x 5 mL je 2 m in) und anschlie ßend in DCM (3x 5mL
je 2 min) gewaschen. Ansc hließend wurde der Krist all in ein sau beres Glasvial überfü hrt, nochmals mit
Hexan (3x 5 mL je 2 m in) u nd DCM (3x 5 mL je 2 min) ge waschen und absc hließ end unt er Argon
getrocknet. Der Si-Kristall wurd e direkt IR-spe ktrosko pisch vermessen.
Zur thermische m Veranker ung von 10 -Undecensäure met hyles te r mit n - Decen auf dem H-t erm ini erten
Si -Kristall wurde der Kristall in einem Gemisch aus de m Ester und n -Decen (5 mL) im Verhältnis 1:1 un d
1:3 (v/v) getaucht und in einem geschlossene m Gefäß für 2 h bei 160 °C unter inerten Bedingungen
(Glove Box) zur Reakti on gebracht. Nach dem Abkühlen auf RT wurde das Glas vial aus der Glove Box
ausgeschleust, der Kristall entno mmen und erst in Hexan (3x 5 mL je 2 min) und anschließend in DC M
(3x 5m L je 2 min) gewasc hen. Anschließend wurde der Kri stall in ein saubere s Glasvial überführt ,
nochmals mit Hexan (3x 5 mL je 2 m in) und DCM (3x 5 mL je 2 min) gewaschen und abschließend unter
Argon getrockn et. Der Si-Kristall wurde dir ekt IR-spekt roskopisch vermes sen.

139

Allgemeine Vorschrift zur Hydrol yse der Ester-ter minierten Mo nolage auf Si(1 1 1)
Eine 5.5 M HCl-Lösun g (10 mL) wurde vor der Umsetzu ng 1 h mit Arg on (Ballon)
im Ultraschallbad entgas t. Anschließend wurde die Lösung auf 40 °C erwärmt
und der Ester-ter m inierte Si-Kristall unter Arg ongegenstro m einge taucht. Das
Reaktionsgefä ß wurde verschlossen und die Reaktion für 3- 5 h unter Arg on bei
40 °C durchg eführt. Na ch Abkühlen auf RT wurde der Si-Kristall ausgiebig mit
Milli-Q-Wasser ( 1 0x 5 mL) gespü lt und unter Arg on getrocknet. Der Si- Kristall
wurde direkt IR-spe ktroskopisch v ermessen.

Allgemeine Vorschrift zur Alkin-term i nierten Mo nola g e auf S i(111)
Die thermisch e Anbindu ng von 1,8-N o nadiin auf dem H-terminierten Si-Kristall
wurde unter inerten Beding ungen (Glove Box) durch Eintauchen des H-
terminierten Si -Kris talls in 1,8-Nonadiin (5 mL) durch geführt . Zuvor wurde das
1,8-Nonadiin zweimal über Natriumborhydrid bei ~20 mbar fraktioni ert
destilliert und mittels der Freeze P ump Thaw Methode entgast. Das Rea ktionsgefäß wurde
verschlossen, auf 160 °C erwärmt un d für 3 h zur Reak tio n gebra cht. Nach Abkühlen auf RT wurde de r
Si -Kristall ausgeschleust, mit DCM (5x 5 m L je 2 m in), Hexan (5x 5 mL je 2 min) un d erneut mit DCM ( 5x
5 mL je 2 min) gewaschen und im Argonstr om getrocknet. Der Si-Kristall wurde direkt IR-
spektroskopisch vermes sen. (KW: ~ 83 °)

140

5.5 . Vor schr ifte n z ur I mmob ilis ierun g d er Pe ptid e 4 und 5 au f S i(111 )

Allgemeine Vorschrift zur I mm obilis ierung de s Peptid es 4 auf einer Sä ure-terminierten Oberflä che
In eine Lösung , bestehend aus dem Peptid 4
(1.8 mg, 0.00063 mm ol, 0.1 mM), HCTU
( 33 mg, 0.05 m mol, 10 mM) und DI PEA
( 13 .9 µl, 0 .05 m mol, 10 mM) in D MF (8 mL) ,
wurde der Säure-t erminierte Si-Kristall u nter
Lichtausschluss eingetau cht. Nach 2 h
Reaktionszeit unter Rühren bei RT wurde die
Si -Probe mit D CM (5x 5 m L je 2 min)
gewaschen und anschließ end unter Argon getrock net. Der Si-Kristall wurd e anschlie ßend IR -
spektroskopisch vermes sen.

Allgemeine Vorschrift zur Immobilis ierung de s Peptid es 5 auf einer Alkin-ter minierten Oberflä che
CuI (2.1 mg, 0.0018 mmol, 0.3 mM) und
Pd(PPh 3 ) 4 (0.33 mg, 0 .00 18 mmo l, 0.3 mM)
wurden in gefiltertem DMF (4 mL) in einem
Glasvial unter inerten Beding ungen (GB)
vorgelegt . Die gefil te rte Base NEt 3 (2 m L) und
das Peptid 5 (11 mg, 0. 0 06 m m ol, 1 m M )
wurden anschließend in die Lösung gegeben und es folgte das Eintauchen des Alkin-terminierten Si-
Kristalls. Nach einer Re aktionszeit von 18 h wurde der Si-Kristall ausgeschleust, mit DCM (5x 5 mL je 2
min), Acetoni tril (5x 5 mL je 2 min), Methan o l (5x 5 mL je 2 m in) und Hexan (5x 5 mL je 2 min )
gewaschen un d je we ils 5 min in Ace to nitril ( 5 mL), THF (5 mL) und DCM ( 5 mL) i m Ultraschallba d
gereinigt. Anschlie ßend wurde der Si -Kristall im Arg onstrom getrocknet und IR -spektroskopisc h
vermessen. (K W: ~78°)

141

5.6 . Syn thes evor sc hrif t des Fa rbsto ffes AMC un d V ors ch rift zur A nbin dun g a uf einer
Am in-t ermin ier ten Ob erflä che

12 -Bromdod ecansäur e - (4 -methyl coumarin- 7-yl)amid
In eine m 25 mL Schlen kkolben wurden di e 12-
Bromdodecan säure (1.53 g, 5 .5 mmol, 1
Äquiv.) und Triethylamin (0.76 mL, 5 .5 mmol,
1 Äquiv.) in 5 m L THF v orge legt. D ie Lösung
wurde auf -5 °C abgekühlt. Der Chl orameiseni sobutyle ste r (0.71 mL, 5.5 mmol, 1 Äquiv.) wurde bei - 5
°C langsam unter Rühren hinzugegeben und weitere 5 m in gerührt. Der Farbstoff 7 -A mino-4-
methylc oumarin (AMC) (0.96 g, 5.5 mmol, 1 Äquiv.) wurde in 12 mL DMF gel ö st und anschlie ßend zu
der Lösung bei -5 °C hinzugefügt. Die Reaktions m ischu ng wurde au f 0 °C erwärm t und eine Stunde bei
dieser Temperatur gehalte n. Anschließend wurde die Reaktionsl ö sung auf Raumtemperatur gebracht
und unter ständigem Rühren über Nacht stehen gelassen . Die Reaktionslösung wurde in 10 mL DCM
aufgenomm en und mit eine r 2 M HCl-Lösung (4x 15 mL) extrahiert. Die vereinigten organischen P hasen
wurden mit gesä ttigter Natriumhydr o gencarb onat-Lösung (3 x 15 mL) gewaschen, über Na 2 SO 4
getrocknet und die Lösungsmitt el unter v erm ind erten Druck entf ernt. Der Rückstand wurde m it
Essigsäuree thylester (4x 20 mL) in eine m Büchner -T richter g ewaschen und unter Vakuum an einer
Schlenkvorrichtu ng getrocknet. 12 -Bromd odecansäure- (4 - m ethylc o umarin-7-yl)a m id (0 .93 g ,
2.25 mmol, 41 %) wurd e als wei ßer Feststoff erhalten.

1 H-NMR (500.1 M Hz, DMS O ): δ [ppm] = 1 0 .28 (s, 1 H, H-11), 7. 76 (s, 1 H, H-7) , 7.69 (s, 1 H, H- 10 ), 7. 46
(s, 1 H, H-8), 6.24 (s, 1 H, H-3), 2.39 (s , 3 H, H-1), 2 .35 (s, 2 H, H- 13 ), 1.77 ( s, 2 H H- 22 ), 1. 59 (s, 2 H, H-
14 ), 1. 30 (m, 14 H, H- 15 -H 21

13 C-NMR (125 MHz, d6 -DMSO) : δ (ppm) = 1 72.0 (C=O, C- 12 ), 160.0 (C=O, C-4), 153.7 (1 C q , C-5), 153. 1
(1 C q , C-6), 142.6 (1 C q , C-9) , 125.8 (2 C arom , C- 10 ), 115. 0 (1 C arom , C-8), 114.7 (1 CH, C-2), 1 12.1 ( 1 CH, C-
3), 105.4 (1 CH, C-7), 36. 5 ( 1 C, C-13), 35.1 (1 C, C-23) , 32.2 (1 C, C -22) , 28.8 (C- 15 bis C-21), 28.7 (C-1 5
bis C-21), 28.6 (C-15 bis C -21), 28.1 (C -15 bis C-21), 27.5 (C -15 bis C-21), 24.8 (1 C, C -14), 17.9 (1 C, C-
1)

ESI-MS: C 22 H 30 BrNO 3 [M+H + ]; berechnet: 436,39
gemessen: 4 36.15

142

Allgemeine Vorschrift zur Anbindu ng des Coumarin-Farbstoffe s an eine Ami n-termin ierte
Oberfläche
Die thermische Verankeru ng von 12 -Br omdodecansä ure- (4 -methylc oumarin-
7-yl)amid auf einen Amin-terminierten Si-Kristall wurde unter inerten
Bedingun gen (Glove Box) durchgeführt. Hierbei wurde der Si-Kristall in eine
Lösung, bestehend aus 12-Bromdodec ansäure- (4 -methylcoumarin-7- yl)amid
(0.16 g, 0.4 mmol, 0.08 M) in Toluol (5 mL), ge taucht. Das Reakti o nsgefä ß
wurde verschl o ssen, auf 100 °C erwärmt und für 3 h zur Reak tion gebracht .
Nach Abküh len auf RT wurde der Si-Krist all ausgesc hleust, mit DCM (5mL),
MeCN (5 mL), H 2 O (5 mL) und EtOH (5 mL) im Ultrascha llbad für je 5 min
gereinigt und im Argonstr om getrocknet. Der Si-Kristal l wurde direkt IR-
spektroskopisch vermes sen.

Vorschrift zu r Abspaltung d es Coumarin-Farbstoffes vo n der Oberfläche
Der mit 12 -Bromdode cansäu re- (4 -methylc o umarin- 7-yl)amid funk tionalisierte Si-Kristal l wurde in eine
frisch angesetzte wässrige 0.1 M HCl-Lösung (5 mL), versetzt mit 0.1 % D MF, getaucht. Da s
Reaktionsgefä ß wurde v erschloss en, auf 9 0 °C erwärmt und für 3 h zur Reaktion gebracht. Nach
Abkühlu ng auf Raumtemperatur wurde der Si -Kristall aus der Lösung entfernt und mit Milli-Q-Wasse r
(8x 2 m L) gespült. Der Si-Kristall wurde anschli eßend IR-spektroskopisc h vermessen. Die
Reaktionsl ö sung wurde mit einer 0.5 M NaOH auf einen pH -Wert vo n ca. 8 eingestellt. Abschließen d
erfolgte die V ermessung der L ösung mittel s Fluoreszenz.

Vorschrift zu r Erstellung einer Kalib r ierkurve des AMC-Farbstoffes
Aus dem Farbstoff 7-Amino-4-methyl co umarin wurde eine Vorratslösung (10 mL) mit einer
Konzentration von 10 -4 M (0.17 mg, 6 µmol) in D MF a ngesetzt. Durch Verdünnu ng mit dest. Wasser
wurden Lösungen m it b ekannter Konzentrati on (2 · 10 -8 – 10 -7 M) angesetzt . Der pH-Wert der
Lösungen wurde mit einer 0.001 M NaOH-Lösung a uf pH 5-8 eingestellt. Di e Konzentrationen d er
Lösungen wurd en anschlie ßend mittels Flu o reszenz messung besti mmt.

143

6. L ITE RA TUR VER ZEI CHN IS

[1] P. Jonkheijm, D. Weinrich , H. Schröder, C. M. Niemeyer, H. Wald mann, Angew. Chem. 2 008 ,
120 , 9762- 9792.

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vii

7. A B BI LD UN GSV ER ZEI CHN IS
Abbildung 1: Allge meiner Aufbau ein er SAM auf eine r Oberfläche nach Lo ve et al.. [2] ......................... 2
Abbildung 2: Funkti onsweise der S PR-Technik. Die G oldoberfläche ist mit untersch iedlichen
Biomolekülen belad en. a) Rezeptor gegen E nz ym b) An tikörper gegen P rotein c) An tikörper gegen
zelluläre Struktu r d) K ohlenh ydrat, was an einem Prot ein bindet e) Wir kstoff, der mit einer
proteinerg enen Zielstruktu r interagiert. ................................................................................................ . 5
Abbildung 3: A: SOI- Wellenleiter B: SEM-Au fnahme v on einem Ring -Resonat or. Grafiken entn ommen
aus DeVos et al., P roc. of SPIE (2007 ) [13b] . .............................................................................................. 6
Abbildung 4: Schema tischer Aufbau un d Funktions weise ein es MMR. A: An o rdnung einzelner
Wellenleiter zu m Aufbau ein es Ring-Resonators. B: Tra nsmissionsspek trum eines Resonators un d die
Änderung der Re sonanz frequ enz nach der Imm o bilisi erung von M olekülen. Grafi k entnommen aus
Washburn et al., Anal. Chem.(2009). [12] .................................................................................................. 6
Abbildung 5: Grundkonzep t des Biosens o r-Systems. A: Allgemeine Funktions weise des Biosensor-
Systems, B: Biosens o r-Syst em . Grafik entnommen aus Jäg er et al., Sens o rs and A ctuators B (2 0 16). [ 11]
................................................................................................................................................................ . 7
Abbildung 6: Prinzip der abgeschwächten T o talreflexi on (ATR). A: Darstellung der evanesz enten
Welle. B: Messung ein er Probe unt er Verwend ung der ATR -Technik. ................................................... 9
Abbildung 7: Bilder eines u ngeschliffenen (links ) sowie geschli ffenen Si-Kristall (rechts). (a) Die
langen Kanten (2 .5 cm) de s Si-Kristalls wurden auf einer 5 %-10% igen Fläch e man uell angeraut
(Opferanode bei m Ätzprozess zum Erh alt einer a tomar flachen Oberfl äche), (b) Der Si-Kristall wurde
an den kurzen Kan ten (1.1 cm) in e inem Winkel von 45° angeschliffen. .............................................. 16
Abbildung 8: Spektren der mittels "Piranh a"-Lösung au fgebrachten O xidschichte n. Rot: Si(10 0)-
Kristall, herg estellt aus d em FZ-Verfahren und Reinig ung nach dem RCA-Protok oll. Grün: Si(10 0)-
Kristall, herg estellt aus d em CZ-Verfahren, R einigung mittels Trichl orethyl en. ................................... 19
Abbildung 9 : ATR- FT - IR -Spektru m der Umsetzung mit APTES nach der in S chema 9 dargest ellten
Methode, V ersuch 1 (r ote Linie); R eferenziert geg en SiOx. Di e schwarze Linie zeig t die oxidierte
Oberfläche (SiOx). ................................................................................................................................ .. 23
Abbildung 10: ATR- FT - IR -Sp ektren nach der U msetzun g mit APTES. grün: o hne B acke n; ro t: mit
Backen bei 1 00 °C für 2 h. B eide Spektren wurd en gegen SiOx referenziert. ................................ ....... 26
Abbildung 11: ATR- FT - IR -Sp ektren nach der U msetzung mit A PTES. Rote Linie: direkte Umsetzung mit
frisch angesetz ter APTES-Lösung (Versuch 1), schwarze Linie : Umsetzung mit angesetzter A PTES -
Lösung nach 7.5 h (Versuch 2). Beide Spe ktren wurden gegen SiOx refer enziert. ............................... 28
Abbildung 12: ATR- FT - IR -Sp ektren der Fun ktionalisier ung mit APTES bei verschie denen
Konzentrationen auf Si-ATR-Kristallen. D ie Messun gen wurden gegen SiO x r efe ren ziert. ................... 31
Abbildung 13: ATR- FT - IR -Sp ektren der U m setzun g mit APTES bei unt erschiedlichen Rea ktionszeiten.
Alle Messung en wurden gegen Si Ox referenzier t. ................................................................ ................ 33
Abbildung 14: ATR- IR -Spek tren der Ums etzung mi t 2% APTES-Konzentr ationen bei Verw endung
verschiedener L ösung smittel (Ethan ol; Ethanol/Wasse r; Toluol). Die Messun gen wurd en gegen SiOx
referenzier t. ................................ ........................................................................................................... 36

viii

Abbildung 15 : ATR- FT - IR -S pektren v or und nach de m Reinigun gsschritt nach der Umsetzung mit 2%
APTES-Konzentra tio n, 17 h Reakti o nszeit in T o luol. Sch warz: Spektrum nach der Reinig ung und dem
Backen, rot: Spe ktrum vor der Reinig ung und dem Backen. Beid e Messun gen wurden gegen Si Ox
referenzier t. ................................ ........................................................................................................... 37
Abbildung 16: Gegenübers tellung der ATR- FT - IR -Spektren der V ersuche 1 und 9 - 12
(Reproduzierbark eit). Die Versuch e wurden all e mit 2 % APTES in Tolu ol für 17 h bei RT durchg eführt.
Alle Messung en wurden gegen Si Ox referenzier t. ................................................................ ................ 38
Abbildung 17: Gegenübers tellung der IR-Spektren de r Umsetzung von APTES b ei RT und in einer
Glove Box (GB). Die Messun gen wurden gegen Si O x referenz iert. ....................................................... 41
Abbildung 18: IR -Spektr en der Umsetzung mit 2 % APTES-Konzen tration unter Verwend ung von
Toluol mit ein em unterschiedlich en Wassereg ehalt. A : Gesa m tspektru m der überlag erten Spektren.
B : Änderungen i m Alkyl-Be reich. C : Veränderun gen d er Amin-Schwing ung. Alle M essungen sind
gegen SiOx r eferenziert. ........................................................................................................................ 43
Abbildung 19: IR -Spektru m nach Anbindu ng des AMC-Farb sto ff-Linkers. R eferenziert g egen SiOx. .. 46
Abbildung 20: ATR- FT - IR -Sp ektren vor und nach der Ab spaltung des Farb stoffes AMC. Schwarz : Amin-
terminierte Oberfläch e, blau : Anbindun g des Farbstoffes AM C, rot: Abspaltung de s AMC -Farbstoffs.
Referenziert g egen SiOx. ................................ ....................................................................................... 47
Abbildung 21: Kalibrierkur ve zur Ermittlun g der AMC- Konzentration in Lösung. (  ex = 38 0 nm,  em =
440 nm) ................................................................................................................................................. 48
Abbildung 22: FT - IR -Spektrum der Anb indung des Sulf o-GMBS-Abstandsha lter an die AP TES -
terminierte Oberfläch e. Die Messun gen sind geg en SiOx referenziert. ................................ ............... 52
Abbildung 23: IR -Spektru m nach Immobilisierun g von Bernsteinsäur emonomethy leste r an eine
APTES-Oberfläch e auf Si(1 00). schwarz: APTES- Monoschich t; rot: Ester-terminier te Oberflä che. Die
Spektren wurd en alle gege n SiOx referenziert. .................................................................................... 54
Abbildung 24: IR -Spektru m nach dem "Capping " -Schritt (blau ), schwarz: APTES-Monolage ; rot: Ester-
terminierte Monolag e. Alle Mes sungen wurden g egen SiOx ref erenziert. .......................................... 55
Abbildung 25: Blindtest d es "Capping"-Schrittes m it A c 2 O/Pyridin auf einer Amin-terminierten
Oberfläche. Die Messung en wurden gegen Si Ox refer enziert. ............................................................. 56
Abbildung 26: ATR- FT - IR -Sp ektren der U m setzun g zur Säure-ter minierten Oberfl äche. A:
Gesamtspe ktrum diese r Umsetzu ng und Vergleich mi t der Ester - und A P TES-ter m inierten Oberflä che.
B: Veränderun g des Alkyl-Bereiches nach der Umsetzu ng zur Säure-terminierten Oberfläche. C:
Veränderung der spezifisch en Carbonyl-Schwingung nach der Umse tzung. Die Messung en wurden
gegen SiOx r eferenziert. ........................................................................................................................ 57
Abbildung 27: ATR- FT - IR -Sp ektrum der Ums etzung von Sulfo-NH S-Biotin und ein er APTES-
terminierten Oberfläche. A: Gesamtspektrum dieser Umsetzung und Vergleich mit der A P TES-
terminierten Oberfläche. B: Veränderung des Alk y l-Bereich es nach der U m setzun g mit Sulfo-NHS-
Biotin an einer A PTES-termin ierten Oberfläch e. C: Ver änderung der spezifischen Amid-Schwingung
nach der Umse tzung. Die Messungen wurden gegen SiOx referenziert. ................................ ............. 62
Abbildung 28: ATR- FT - IR -Sp ektrum der I mmobilisi erung von Strepta vidin (StA) auf einer A P TES-
terminierten Oberfläche. A: Gesamtspektrum der I mmobilisierung des Strepta vidins und Vergleich
mit der APTES- un d Biotin-t erm inier te n Oberfläch e. B: Veränderun g des Alkyl-Bereiches nach d er

ix

Umsetzung mit Streptavidi n an einer APTES-ter m inier ten Oberfläche. C: Veränd erun g der
spezifischen A mid-Schwingung nach der Umsetzung mit Strepta vidin. Die Messun gen wurden gegen
SiOx referenziert. ................................................................................................................................... 64
Abbildung 29: Resonanz verschiebun g der Umse tzung einer APTES-terminie rten Oberfläch e mit ein er
Biotin-Einheit in einer Flu idik-Zelle. Blau: Verme ssung des Biosens ors vor der Funktionali sierun g
(bare), grün: V ermessung d es Biosensors nach d er Funktionalisi erung mit APTES ( APTES), rot:
Vermessung des Bi osensors nach Anbin dung von ein er Biotin-Einhei t auf einer A PTES-terminierten
Oberfläche (Bio tin-final State). Die Abbildung ist von der Hochfr equenztechnik de r TU -Berlin
bereitgestellt worden. ........................................................................................................................... 66
Abbildung 30: Überlagert e IR-Spektren nach der I mmobilisierung des P eptides 1 . Schwarz: APTES-
terminierte Oberfläch e, rot: Mal eimid-te rminiert e Oberfläche, blau : Immobilisierun g des Peptides 1 .
Alle Messung en sind gegen SiOx referenziert. ...................................................................................... 68
Abbildung 31: ATR- FT - IR -Sp ektren der I m mobilisierun g des Peptides 1 mit EDTA. A: Gesamtspektru m
und Überlag erung der I m mobilisierun g des Pep tides m it und ohne EDTA , B: Änder ung des Alkyl-
Bereiches nach der Umsetzun g des Peptides 1 , C: Änderung des Fing erprint-Ber eiches nach der
Umsetzung . Alle Messung en wurden geg en SiOx refer enziert. ............................................................ 71
Abbildung 32: ATR- FT - IR -S pektren der I m mobilisierun g des Peptides 2 . A: Gesa mtspektrum und
Überlagerung der APTES-terminiert en Oberfläche und der Säure-terminierten Ob erfläche mit der
Immobilisierung des Peptid es 2 . B: Änderung des Alkylbereiches na ch der Umsetz ung des Peptides 2 .
C: Änderun g des Fingerprin t -Bereiches nach d er Umsetzun g des Peptides 2 . Alle Messungen wurden
gegen SiOx r eferenziert. ........................................................................................................................ 74
Abbildung 33: Allgem eine trans-cis-Iso m erisierun g von Azobenzol en. ................................ ............... 75
Abbildung 34: Schematisch e Darstellung der I somerisierung des Azobenz ol -Derivates 3 . ................. 76
Abbildung 35: trans ‹ –› cis -Isomerisierun g und t ypisches Absorpti onsspektrum von Azobenzol 3 im
Lösungsmitt el DMSO (c = 3.94 ∙ 10 -5 M) . A: Best rah lung mit einer 3 65 nm Hg-Lamp e. B: Bestrahlu ng
mit einer 34 0 nm LED. ........................................................................................................................... 76
Abbildung 36: cis ‹–› tran s -Isomerisieru ng vom Azoben zol 3 im Lö sungsmit tel DMSO ( c = 3.94 ∙ 10 -5
M) . A: Bestrahlun g mit ein er 439 nm Hg-Lampe. B: Bestrahlung mit ein er 420 n m LED. .................... 77
Abbildung 37: ATR- FT - IR -Sp ektrum der Anbin dung de s Azobenzols 3 an eine Amin-terminier te
Oberfläche und V ergleich mit der AP TES -terminier ten Monolage. A: Ges amtspektrum der
Umsetzung , B: Zoom des Al kyl-Bereiches, C: Zoom des Fing erprint-Bereiches. Alle Messungen sind
gegen SiOx r eferenziert. ........................................................................................................................ 79
Abbildung 38: Grundp rinzip eines AF M s: Eine Proben o berfläche wird von einer Spitze abgetas tet.
Dabei wird ein Laser, der auf das Ende des Federbalke ns fokussiert is t, in eine s egm entierte
Photodiode refl ek tiert. Gr afik entn ommen aus Prof. Dr. K. Jacobs , “Rasterkraftmi kro skopie “,
Experimentalph ysik, Uni v ersität des Saarl andes (Fortgeschritt enen Praktikum), St and 6. Februar
2018. ................................................................................................ ...................................................... 81
Abbildung 39: AFM-Aufn ahmen der oxid ierten Si(1 0 0)-Oberfl äche. A : H eight Retrace Mode. B :
Amplitude R etrace Mod e. C : Phase Retrace Mode. Aufnahmek onditionen, I maging Mode: AC M ode,
Scan Lines: 5 12, Scan Poin ts: 512, Scan Rate : 1.45 Hz , Scan Size: 5 µm. .............................................. 82

x

Abbildung 40: AFM-Aufn ahmen einer A PTES -ter m inier ten Si(100)-Oberfläch e. . A : Height Retrace
Mode. B : A m plitude R etrace Mode. C : Phase Retrac e Mode. Aufnahme ko nditi onen, Imaging Mod e:
AC Mode, Scan L ines: 512, Scan Points: 512, Scan Ra te: 1.45 Hz, Scan Siz e: 5 µ m. ............................. 83
Abbildung 41: AFM-Aufn ahmen einer M aleimid-ter m in ierten Oberfläche. . A : Height Retra ce Mode.
B : Amplitud e Retra ce Mod e. C : Phase R etrace Mode. Au fnahmekonditionen, Ima ging Mode: AC
Mode, Scan Lines: 512, Scan Point s: 512, S can Rate: 1. 45 Hz, S can Size: 5 µm. ................................ ... 83
Abbildung 42: AFM-Aufn ahmen einer m it eine m Pepti d immobilisie rten Si(100)-Oberfläch e. A : Height
Retrace Mode. B : A mplitude Retrace Mode. C : Phas e Retrace Mode. D: Au fnahme des P eptides 1 au f
einer Mica-B o ran-Oberfläc he, aufgespinnt bei 5 0 0 rpm 300 s + 15 00 rpm 5s. Aufnah mekonditionen,
Imaging M ode: AC Mod e, Scan Lines : 5 12, Scan Points: 512, Scan Rate: 1.45 Hz, Sc an Size: 5 µm. .... 84
Abbildung 43: Darstellu ng d er AFM Heig ht Mode-Aufn ahmen in 3D. A: Oxidi erte Oberfläche. B:
Amin-terminiert e Oberfläch e . C: Maleimid-ter minierte Oberfläche. D: I mmobilisiertes P eptid 1 .
Aufnahmek onditionen, Ima ging Mode: AC M ode, Scan Lines: 512, Scan Points : 512, Scan R ate: 1.45
Hz, Scan Siz e: 5 µm. ............................................................................................................................... 85
Abbildung 44: ATR- FT - IR -Sp ektrum einer Si-H-termin ierten Oberfläch e auf Si(1 11) in p- und s-
Polarisation. Die Messung en wurden gegen Si Ox refer enziert. ............................................................ 88
Abbildung 45: ATR- FT - IR -Sp ektrum der verdü nnten (2 5 % und 50 %) sowie 100 % ig en Ester-
terminierten Oberfläche au f Si(111). A Gesa m tspektru m . B Veränderun g im Alkyl- Bereich bei der
Verdünnu ng. C Veränderun g der Carbon yl -Schwing ung bei der V erdünnung. Die Messung en sind all e
gegen Si-H refer enziert. ......................................................................................................................... 90
Abbildung 46: FT - IR -Spektrum der Säur e-terminierten M onolage auf Si(111) am B eispiel der 5 0 % ig
verdünnten Monolage. A: Gesa mtspektrum der Üb erlagerung v on Ester un d Säure. B: Änderung des
Alkyl-Bereiches während der Esterspal tung. C: V eränderung der Carbonyl-Schwin gung nach der Est er-
Spaltung . Alle Messung en sin d gegen Si-H refer enziert. ...................................................................... 92
Abbildung 47 : IR-Spektren der Alkin-terminierten Monolage auf Si(111). Die Mes sungen sind gegen
SiH referenzier t. ................................................................................................................................ .... 94
Abbildung 48: Photochro mes Peptid 4 . Aufgebau t mittels Festphasensynth ese unter Verwendu ng mit
Aminomethylen-Gru ppe einer HTI-basiert en Aminosäure in para-Position. ........................................ 96
Abbildung 49: Struktur des Somatostatinanalogons ( Peptid 5 ). .......................................................... 98
Abbildung 50: ATR-FT- IR -S pektrum des imm obilisierten P eptides 5 auf Si( 111). A: Gesa m tspektru m
der Überlagerun g von Al kin-terminierter Oberfläch e, der Ref erenz messung sowie des
immobilisier ten Peptid es 5 . B: Änderun g des Alkyl-Ber eiches während der Im mobilisierung. C:
Veränderung des Fingerpri nt-Bereiches. Alle Mes sungen sind gegen Si-H re ferenziert. ................... 101
Abbildung 51: Typisch e Proteinschwin gungsspektr en. Grafiken entno mmen aus Dr. R. Wirz,
„Bestimmung der S ekundärdtruktur von Pr o teinen mi tt els FT - IR - Spektrosk opie“, Bru ker Optics, Stand
Mai 2018, pdf -Format ......................................................................................................................... 102
Abbildung 52: AFM-Aufn ahmen der Was serstoff-termi nierten Si(11 1)-Oberfläche. A : Heigh t Retrac e
Mode. B : A m plitude R etrace Mode. C : Phase Retrac e Mode. D: Height Retra ce Mode 1 µm. E:
Amplitude R etrace Mod e 1 µm. F: Phase R etrace Mode 1 µm. .......................................................... 104

xi

Abbildung 53: AFM-Aufn ahmen der Alkin- terminier te n Si(111)-Oberfläche. A : Hei ght Retrace Mod e.
B : Amplitud e Retra ce Mod e. C : Phase R etrace Mode. Au fnahmekonditionen, Ima ging Mode: AC
Mode, Scan Lines: 512, Scan Point s: 512, S can Rate: 2. 6 Hz, Scan Size: 5 µ m. ................................... 105
Abbildung 54: AFM-Aufn ahmen nach der Im mobilisierung des Peptides 5 . A : Heig ht Retrace Mode. B :
Amplitude R etrace Mod e. C : Phase Retrace Mode. Aufnahmekond itionen, I m aging Mode : AC Mode,
Scan Lines: 5 12, Scan Points: 5 12, Scan Rate : 2 .6 Hz, S can Size: 5 µm. D: Aufnahm e des Peptides 5 auf
einer Mica B o ran-Oberflä che, aufgespinnt bei 500 rpm 300 s + 1 500 rpm 5 s. Auf nahmekondition en,
Imaging M ode: AC Mod e (Heigh-, Amplitud e -, Phas e- Retrace Mode ), Scan Lines : 512, Scan Points :
512, Scan Rate : 1.2 2 Hz, Scan Siz e: 5 µm. ........................................................................................... 106
Abbildung 55: Darstellun g d er AFM Heigh t Mode-Aufn ahmen in 3D. A: H-termin ierte Oberfläche. B:
Alkin-termini erte Oberfläche. C: Im mobilisiert es Peptid 5 . Aufnahmekonditi o nen, Imagin g Mode: AC
Mode, Scan Lines: 512, Scan Point s: 512, S can Rate: 2. 6 Hz, Scan Size: 5 µ m. ................................... 107
Abbildung 56: Zusammenf assung der Präparation einer Oxidsch icht m it defini erter Schichtdi cke. A :
Schematische D arstellun g mit d em nasschemisch en Verfahren. B : ATR- FT - IR -Spektrum der
Oxidmonolag e nach der U mstellung der Si-Waf er und Optimierun g der Reinigung . ......................... 109
Abbildung 57: Zusammenf assung der Ergebnisse zu r Herstellu ng einer APTES-Monolage. A:
Schematische D arstellun g d er Reaktionsb edingungen der 2%-Methode. B: IR -Spe ktrum der
Umsetzung der 2%-Meth ode mit trockene m Toluol. Die Messung ist gegen SiOx referenzier t. ....... 112
Abbildung 58: Zusammenf assung der direkten I m mob ilisierung von Biom o leküle n an Si(100)-
Oberflächen. A: Schematische Dar ste llung der Reaktionsführu ng der direkten A nbindun g von Biotin
und Streptavidin an eine APTES-ter minierte Oberflä che. B: IR -Spektren d er Anbin dung der Biotin-
Einheit und v on Streptavidi n an eine APTES-termin ierte Oberflä che. Die Messung en sind gegen SiOx
referenzier t. ................................ ......................................................................................................... 115
Abbildung 59: Zusammenf assung der direkten Anb indung des Azobenzols 3 an eine APTES-
terminierte Oberfläch e. A: Schemati sche Darst ellung der Umsetzung unter Verwendu ng von DMF. B:
IR -Spektren der A mid-Bindungsknü pfung des Az obenzols 3 an ein e APTES-termini erte Oberfläche.
Die Messun gen sind gegen SiOx referenziert. ..................................................................................... 117
Abbildung 60: Zusammenf assung der indirekten An bindung des Peptides 1 an ei ne Maleimid-
terminierte Oberfläch e auf Si(10 0). A: Sche matische Darstellun g der Im m obilisier ungsschritte des
Peptides 1 . B: IR -Spektren der P eptid-Anbin dung ausgehend v on einer AP TES-terminiert en
Oberfläche. Die Messung en sind gegen SiOx r eferenz iert. C: AFM-Aufn ahmen (H eight Retrace Mode)
der einzelnen I mmobilisier ungsschritte ( o xidierte Obe rfläche – A PTES-terminiert e Oberfläche –
Maleimid-ter m inierte Ob erfläche – Imm o bilisierung des Peptides 1 ). .............................................. 120
Abbildung 61: Zusammenf assung der indirekten An bindung des Peptides 2 an ei ne Säure-terminierte
Oberfläche auf Si(100). A: Schema tische Darstellung d er Immobilisierung sschritte des Peptides 2 . B:
IR -Spektren der P eptid-Anbin dung ausgehend von einer AP TES -terminier ten Oberfläch e. Die
Messungen sind g egen SiOx referenz iert. ........................................................................................... 122
Abbildung 62 : Zusammenf assung der indi r ekten Anb indung des Peptides 4 an ei ne Säure-terminie rte
Oberfläche au f Si(111). A: Schematisch e Darstellu ng d er einzelnen Funk tionalisierung sschritte zu einer
Säure-termini erten Obe r fläche un d des Immobi lisierung svers uche s des Pep tides 4 . B: IR -Spektren de r

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Why organizations use Identific for document trust, entry 58

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Review document trust