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[de] (orig)
Barrierefreie T axis f ¨
ur Berlin –
– Bedarfsermittlung und Absc h ¨
atzung der Flottengr ¨
oße
Josc hk a Bisc hoff* , Mic hal Maciejewski , Kai Nagel
T ec hnisc he Univ ersit ¨
at Berlin, German y
* E-mail: bisc [email protected] erlin.de
28. April 2017
Zusammenfassung
Die Berliner T axiflotte w eist aktuell n ur eine geringe Anzahl an barrierefreien F ahrzeugen
auf, w elc he v on RollstuhlfahrerInnen genutzt w erden k ¨
onnen, ohne den Rollstuhl zu v erlassen.
In diesem Kurzpapier wird anhand eines Sim ulationsmo dells un tersuc ht, wie viele F ahrzeu-
ge der stadt w eiten T axiflotte mindestens barrierefrei zug ¨
anglic h sein m ¨
ussten. Daf ¨
ur wird
zun ¨
ac hst eine Absc h ¨
atzung der Nac hfrage v orgenommen und so dann die not w endige Flotten-
gr ¨
oße ermittelt. Die Ergebnisse zeigen auf, dass eine Flottengr ¨
oße v on 250 F ahrzeugen eine
hinreic hend gute Angeb otsqualit ¨
at liefern k ¨
onnen.
1 Einf ¨
uhrung
T axiv erkehr stellt eine der S ¨
aulen des ¨
Offen tlic hen P ersonennah v erk ehrs in Deutsc hland dar. Als
solc he genießt er gewisse Privilegien, wie et w a eine Preisbindung o der einen reduzierten Mehrw ert-
steuersatz. Gleic hzeitig un terliegt er u.a. einer Betriebs- und Bef ¨
orderungspflic h t. Insb esondere
f ¨
ur F ahrg ¨
aste mit Mobilit ¨
atseinsc hr ¨
ankungen stellt sic h eine sp on tane Ben utzung v on T axidiens-
ten allerdings k ompliziert dar, da es in den meisten St ¨
adten und Landkreisen n ur ¨
außerst kleine
Flotten v ollst ¨
andig barrierefreier T axen gibt. Diese sind mit einem Sc h w enklift o der einer Ramp e
ausgestattet und bieten Platz f ¨
ur einen F ahrgast im Rollstuhl. Der F ahrgast m uss den Rollstuhl
w ¨
ahrend der F ahrt nic ht v erlassen. Ziel dieser Studie ist es, den Bedarf an barrierefreien F ahrten
im Land Berlin abzusc h ¨
atzen und damit eine Flottengr ¨
oße an barrierefreien F ahrzeugen zu b estim-
men, die eine hohe V erf ¨
ugbark eit an barrierefreien F ahrzeugen auc h b ei sp on tanen F ahrt w ¨
unsc hen
gew ¨
ahrleistet. Also V orbild dienen dab ei St ¨
adte wie London (k omplett barrierefreie T axiflotte) o der
New Y ork Cit y (50 % der Flotte bis 2020 barrierefrei). Allerdings bieten b eide genannten St ¨
adte
eine deutlic h sc hlec h tere An bindung mobilit ¨
atseingesc hr ¨
ankter Mensc hen an den sc hienengebunde-
1

nen ¨
offen tlic hen P ersonennah v erk ehr, da sich ein Nac hr ¨
usten der U-Bahnh ¨
ofe in b eiden St ¨
adten als
k ostspielig und daher langwierig erwiesen hat. In New Y ork liegt der An teil barrierefreier Stationen
b ei et w a 19%. In Berlin ist dieser An teil b ei den U- und S-Bahnh ¨
ofen deutlic h h ¨
oher.
2 T axiv erk ehr in Berlin
Im Jahr 2015 w aren knapp 8 000 T axen in Berlin lizenziert. Es ist da von auszugehen, dass pro
W erktag et wa 90 % dieser Flotte in Ben utzung ist. In einer fr ¨
uheren Studie[ 5 ] k onn ten die Autoren
auf Basis v on mit GPS-T rac ks versehenen F ahrzeug-Statusmeldungen einer Zen trale einige wic h tige
Erk enn tnisse ¨
ub er den T axiverk ehr in der Bundeshauptstadt gewinnen. Im k onkreten Kon text sind
dab ei die folgenden Punkte v on Relev anz:
• Die Nac hfrage nac h T axifahrten ist w erktags in den Morgenstunden am h ¨
oc hsten. Zum W o-
c henende v ersc hiebt sic h die Nac hfrage . Sonntage sind die nac hfragesc h w ¨
ac hsten T age (vgl.
Abb. 1).
• Die T axiflotte passt sich im Angebot aktiver F ahrzeuge an die Nac hfrage an; im Innenstadt-
b ereic h sind W artezeiten auf T axis von ¨
ub er f ¨
unf Min uten selten zu b eobac h ten, in den
Außen b ezirk en k ann diese auc h einmal 20 Min uten und mehr b etragen.
• V on etw a 200 000 w ¨
oc hen tlic hen T axifahrten starten und/o der enden rund 75% der F ahrten
innerhalb des S-Bahn-Rings (vgl. Abb. 2).
• Der Ort mit der absolut gesehen h ¨
oc hsten Nac hfrage ist der Flughafen T egel (vgl. Abb. 3).
• Rund die H ¨
alfte aller F ahrten umfasst eine Luftliniendistanz zwisc hen 2 und 5 km. Die
mittlere W egl ¨
ange ¨
ub er al le V erkehrsmittel in Berlin liegt hingegen b ei 6 km, W ege an den
eigenen Arb eitsplatz sind im Mittel 10,7 km lang. Insgesam t un tersc heiden sic h T axifahrten
in ihrer Besc haffenheit also deutlic h v on W egen mit sonstigen V erk ehrsmitteln.[ 2 ]
3 Bedarf an barrierefreien T axifahrten
Den Autoren sind derzeit k eine genauen Zahlen ¨
ub er die Nac hfrage an barrierefreien T axifahrten
b ek ann t. Eb enso wenig existiert eine belastbare Zahl ¨
ub er die Anzahl an barrierefreien T axis im
Stadtgebiet. Auc h erfassen die ¨
ublic hen Mobilit ¨
atsb efragungen k eine gesonderten Daten ¨
ub er Men-
sc hen mit Mobilit ¨
atseinsc hr ¨
ankungen. Die Nutzungszahlen des Sonderfahrdienst liegen hingegen
v or. Im Jahr 2015 wurden durc h diesen insgesam t 149 163 F ahrten erbrac h t. Auf den T ag gerec h-
net en tspric h t dies 410 F ahrten. F erner wurden durch das T axik on to 43 342, d.h. rund 118 F ahrten
t ¨
aglic h (teil)-finanziert[ 1 ]. ¨
Ub er die L ¨
ange und Besc haffenheit dieser F ahrten k ann k eine genauere
2

0
500
1000
1500
2000
2500
3000
3500
4000
Mon Tue Wed Thu Fri Sat Sun
amount
weekday
requests per hour 2013
taxis 2013

Abbildung 1: Zeitlic he Darstellung v on Nac hfrage
nac h T axifahrten (blau) und Anzahl verf ¨
ugbarer
F ahrzeuge (rosa).
Abbildung 2: V erortung von T axifahrten inner-
halb und außerhalb des S-Bahn-Rings
Aussage getroffen w erden, hilfsw eise wird da v on ausgegangen, dass es sic h um F ahrten handelt,
die im großen und ganzen der V erkehrsnac hfrage der sonstigen, nic h t arb eitenden, Bev ¨
olk erung
¨
ahneln (und v on dieser mit anderen V erk ehrsmitteln als dem T axi zur ¨
uc kgelegt wird). Somit erge-
b en sic h t ¨
aglic h ungef ¨
ahr 528 sub v en tionierte F ahrten. Da hier jedo c h nic h t un b edingt v on einer
Gleic h v erteilung auf W o c hen tage auszugehen ist, wird v on einer w erkt ¨
aglic hen Spitzenanzahl v on
750 F ahrten ausgegangen. Diese Anzahl wird in den folgenden Sim ulationsl ¨
aufen auf 1 000 erh ¨
oh t,
um auc h nic h t-sub v en tionierte F ahrten (z.B. durc h Ausw ¨
artsg ¨
aste o der Mensc hen mit temp or ¨
arer
Mobilit ¨
atseinsc hr ¨
ankung) ab dec k en zu k ¨
onnen.
4 Metho dik
Im w eiteren wurden Sim ulationsl ¨
aufe mittels des Sim ulationsprogramms MA TSim durchgef ¨
uhrt.
Bei MA TSim handelt es sich um eine agen ten basierte V erk ehrssim ulation, die P ersonen an Hand
ihrer t ¨
aglic hen Aktivit ¨
atenk ette sim uliert und ihnen zur P ersonen b ef ¨
orderung un tersc hiedlic he V er-
k ehrsmittel zur Ausw ahl stellt.
In der k onkreten An w endung wurde auf ein b estehendes, mehrfac h publiziertes Mo dell der Nac h-
frage und des Angeb ots im Berliner T axiv erkehr zur ¨
uc kgegriffen[ 6 , 7 ]. Zus ¨
atzlic h wurden aus ei-
nem b estehenden Gesam tv erk ehrsmo dell der Stadt[ 8 ] repr ¨
asen tativ 1 000 F ahrten nich t w erkt ¨
atiger
P ersonen ausgew ¨
ahlt. Diese bilden die Nac hfrage nac h barrierefreien T axifahrten dar. Das hierf ¨
ur
zugrundegelegte V erkehrsmodell ist frei zug ¨
anglic h.
F ¨
ur die Sim ulation der T axifahrten wurde eine b estimm te Anzahl (zwisc hen 100 und 500)
an F ahrzeugen als b ehindertengerec h t markiert. Diese F ahrzeuge sind dann in der Lage, so w ohl
gew ¨
ohnlic he Kundenanfragen als auc h solc he v on G ¨
asten mit Mobilit ¨
atseinsc hr ¨
ankungen abzuar-
b eiten. Ansonsten v erhalten sic h diese barrierefreien T axis in Bezug auf Dienstzeiten und Stand-
3

Abbildung 3: Lok ale V erortung v on T axinac hfrage und Darstellung der Hauptrelationen
ort w ahl nic h t anders als die gew ¨
ohnlic he T axiflotte 1 . Da die Anzahl der barrierefreien F ahrten
am Gesam tan teil relativ gering ist, wird der Sim ulationslauf 10x mit un tersc hiedlic hen Stic hpro-
b en aus der Gesam tnac hfrage wiederholt. F ¨
ur die un tersc hiedlic hen Flottengr ¨
oßen wird so dann
gebiets- und zeitsc heib ensp ezifisc h die W artezeit auf ein barrierefreies T axi ausgew ertet. Diese soll-
te 15-20 Min uten nic h t ¨
ub ersteigen. Die Metho dik der Flottengr ¨
oßen b estimm ung en tstamm t dab ei
einem g ¨
angigen, b ereits zuv or publiziertem Ansatz.[ 4 , 3 ]
5 Ergebnisse
Zun ¨
ac hst w erden die stadt w eiten mittleren W artezeiten f ¨
ur v ersc hiedene Flottengr ¨
oßen ausgew er-
tet. Diese sind in Abb. 4 dargestellt. Gut erk enn bar ist, dass f ¨
ur eine F ahrzeugflotte von 150 und
w eniger F ahrzeugen extrem hohe W artezeiten f ¨
ur barrierefreie F ahrten auftreten, da die Anfahrts-
w ege auf Grund v on F ahrzeugmangel sehr lang sind und nich t alle Anfragen b edien t w erden k ¨
onnen.
Ab einer Flottengr ¨
oße v on 200 F ahrzeugen b ewegt sic h die W artezeit im Mittelw ert auf einem deut-
lic h niedrigerem Niv eau. F ¨
ur eine Flotte v on 250 F ahrzeugen k ann in der Sim ulation eine mittlere
W artezeit von et w a 12 Min uten erreich t w erden. Mit w eiter steigender Flotte nimm t die W artezeit
im Mittel w eiter ab. Die W artezeiten f ¨
ur eine T axifahrt sind insgesamt in den Morgenstunden am
1 M ¨
oglic herw eise w ¨
urden sic h en tsprechende T axis verst ¨
arkt dort p ositionieren, w o barrierefreie Kunden zu v er-
m uten sind (z.B. Krank enh ¨
auer). Dies w ¨
urde die W artezeiten ggf. reduzieren.
4

0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
55
60
65
70
75
80
150 200 250 300 350 400 450 500
Wa rt e z e it (Min u t e n )
Anz ah l b arrie re f re ie r Fah rze u ge
Mit tle r e W art e z eit

Abbildung 4: Mittlere W artezeit auf ein barrie-
refreies F ahrzeug f ¨
ur Flottengr ¨
oßen zwisc hen 150
und 500 F ahrzeugen.
0
3
6
9
12
15
18
6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21
Mitt le re Wa rtezei t
T age s ze it
Mit tler e W art e z eit auf ein b arr ier e fr eie s F ahrz eu g

Abbildung 5: Mittlere W artezeit auf ein barriere-
freies T axi und ein Standardfahrzeug im T ages-
gang
h ¨
oc hsten und erreic hen b ereits f ¨
ur die Standardflotte b erlin w eite Dursc hnittsw erte v on bis zu 8
Min uten. Dab ei sind b ei einer Flotte v on 250 barrierefreien F ahrzeugen die Un tersc hiede zwisc hen
einer Bestellung f ¨
ur ein barrierefreies T axi und der Bestellung eines Standardfahrzeugs deutlich
sp ¨
urbar. Sie liegen denno c h zu den meisten T ageszeiten deutlic h un ter 15 Min uten und damit im
akzeptablen Rahmen, wie Abb. 5 zu en tnehmen ist.
Die r ¨
aumlic he V erteilung der durchsc hnittlic hen W artezeiten auf barrierefreie F ahrzeuge zeigt,
dass diese in den zen tralen Gebieten der Stadt w eitestgehend gering bis sehr gering ausfallen. In
Abb. 6 ist die r ¨
aumlic he W artezeit in den einzelnen leb ensw eltlic h orien tierten R ¨
aumen (LORs 2 ) der
Stadt dargestellt. Im Bereic h des S-Bahn-Rings liegen diese zumeist un ter 10 Min uten. In d ¨
unner
b esiedelten Stadtrandlagen sind die W artezeiten l ¨
anger. W artezeiten von ¨
ub er 20 Min uten w erden
n ur in absoluten Stadtrandlagen (M ¨
uggelsee, Klado w) v erzeic hnet. Allerdings ist die Nac hfrage
nac h T axifahrten in diesen Gebieten insgesamt gering, sodass auch im regul ¨
aren T axib etrieb mit
l ¨
angeren W artezeiten zu rechnen ist.
6 F azit
Die Datengrundlage zur Erhebung des Bedarfs an rollstuhltauglic hen T axifahrten ist insgesamt
unzureic hend. Die Annahme, dass T axifahrten mobilit ¨
atseingesc hr ¨
ankter Mensc hen insgesam t den
durc hsc hnittlic hen W egen der Gesam tb ev ¨
olk erung ¨
ahneln, und sic h damit v on ¨
ublic hen T axifahr-
ten im Berliner Stadtgebiet abgrenzen, ersc hein t jedo c h plausib el. Mit dem gew ¨
ahlten Ansatz k ann
gezeigt w erden, dass eine Flotte v on 250 barrierefreien F ahrzeugen, die sich homogen in die Ge-
sam tstic hprob e der Berliner T axiflotte v erteilen, eine hinreic hend gute Angeb otsqualit ¨
at liefert.
Die W artezeiten auf F ahrzeuge ¨
ahneln im T agesgang denen der Gesamtnac hfrage, b ew egen sic h
ab er auf einem h ¨
oheren Niv eau. Die r ¨
aumlic he V erteilung der W artezeit erschein t dab ei sc hl ¨
ussig.
2 vgl. http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/basisdaten_stadtentwicklung/lor/
5

W artezeiten
Barrierefreie F ahrzeuge
[Minuten]
keine Abf ahrt
< 1
1 - 2
2 - 3
3 - 5
5 - 7
7 - 10
10 - 13
13 - 16
16 - 20
> 20
Legende
0 5 10 km

Abbildung 6: R ¨
aumlic he V erteilung der mittleren W artezeit auf ein barrierefreies T axi nach LOR
Literatur
[1] Abgeordetenha us von Berlin : Nutzung und Kosten des Sonderfahr dienstes im Jahr 2015,
Schriftliche Anfr age , Juli 2016.
[2] Ahrens, G.-A. , F. Ließke , R. Wittwer , S. Hubrich und S. Wittig : Mobi-
lit ¨
atsste ckbrief f ¨
ur Berlin – Wohnb ev ¨
olkerung . http://www.stadtentwicklung.berlin.de/
verkehr/politik_planung/zahlen_fakten/mobilitaet_2013/ , 2014.
[3] Bischoff, J. und M. Ma ciejewski : A utonomous taxic abs in Berlin – a sp atiotemp or al ana-
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[4] Bischoff, J. und M. Ma ciejewski : Simulation of City-wide R eplac ement of Private Cars
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[5] Bischoff, J. , M. Ma ciejewski und A. Sohr : A nalysis of Berlin ’s taxi servic es by exploring
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[6] Ma ciejewski, M. , J. Bischoff und K. Nagel : A n Assignment-Base d Appr o ach to Efficient
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6

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[8] Ziemke, D. , K. Na gel und C. Bha t : Inte gr ating CEMDAP and MA TSim to incr e ase the
tr ansfer ability of tr ansp ort demand mo dels . T ransp ortation Research Record, 2493:117–125,
2015.
7

Why organizations use Identific for document trust, entry 52

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