
Rogue Apps, Hidden Web Tracking
and Ubiquitous Sensors
Investigations into the Complexity of Modern
Privacy Threats
vorgelegt von
M.Sc.
Jacob Leon Kröger
ORCID: 0000-0003-3559-8869
an der Fakultät IV - Elektrotechnik und Informatik
der Technischen Universität Berlin
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor der Naturwissenschaften
- Dr. rer. nat. -
genehmigte Dissertation
Promotionsausschuss:
Vorsitzender: Prof. Dr.-Ing. Uwe Nestmann
Gutachterin: Prof. Dr. Bettina Berendt
Gutachterin: Prof. Dr.-Ing. Ina Schieferdecker
Gutachter: Prof. Dr.-Ing. Carsten Trinitis
Gutachter: PD Dr. Sebastian Pape
Tag der wissenschaftlichen Aussprache: 9. Juni 2022
Berlin 2022


Zusammenfassung
Angesichts der heutzutage allgegenwärtigen Überwachung erscheinen Datenschutzbestrebungen häufig
wie ein aussichtsloses Unterfangen. Um die Komplexität des Problems zu veranschaulichen und zur
Erschließung realistischer Lösungswege beizutragen, befasst sich diese kumulative Dissertation mit
Bedrohungen für unsere Privatsphäre, die von mobilen Apps, Web-Tracking und eingebetteten Sensoren
ausgehen. Nachdem ein einleitendes Kapitel die Motivation für meine Forschung darlegt und theoretische
Hintergründe beleuchtet, besteht die vorliegende Arbeit aus vier Teilen:
Teil I untersucht die Auswirkungen, die Sensoren in Alltagsgeräten auf unsere Privatsphäre haben.
Zunächst geben drei Studien – in der Literatur erstmals in diesem Umfang – einen Überblick über
die Vielfalt an persönlichen Informationen, die sich aus Eye-Tracking-Daten, Sprachaufnahmen und
aus den Daten von Beschleunigungssensoren ableiten lassen. Anschließend untersucht eine Studie die
Wahrnehmungen von Nutzer/-innen bezüglich der Möglichkeiten moderner Sprach- und Stimmanalyse.
Das nachfolgende Kapitel befasst sich mit der Durchführbarkeit und Nachweisbarkeit von Smartphone-
basierten Lauschangriffen, wobei Beschleunigungssensoren als möglicher Abhörkanal beleuchtet werden.
Zuletzt präsentiert ein Kapitel Kategorien von persönlichen Informationen, die sich aus Videospiel-Daten
(inkl. Sensordaten aus Gaming-Equipment) ableiten lassen.
Teil II konzentriert sich auf die Datenpraktiken mobiler Apps. Es wird eine vierjährige Undercover-
Studie vorgestellt, bei der geprüft wurde, inwiefern App-Anbieter die in der EU vorgeschriebenen
Transparenzpflichten einhalten. Obwohl das Gesetz Verbraucher/-innen das Recht auf Auskunft über
ihre personenbezogenen Daten einräumt, zeigt die Studie, dass die Ausübung dieses Rechts in der Praxis
mit erheblichen Hindernissen verbunden ist.
Teil III stellt zwei neue Ansätze vor, um Web-Tracking aufzudecken und erfahrbar zu machen. Zunächst
wird ein Browser-Plugin präsentiert, das Browsersitzungen aufzeichnet, um Trainingsdaten für die
automatische Erkennung von Web-Tracking zu sammeln. Künstliche Daten, die üblicherweise für
diesen Zweck verwendet werden, haben diverse Nachteile, die durch die Verwendung realer Daten
überwunden werden können. Anschließend erkundet ein Kapitel, wie Web-Tracking „sonifiziert“, d.h.
für
Nutzer/-innen
durch Klänge und Melodien hörbar gemacht, werden kann. Zuletzt werden in
Bezugnahme auf Teil I Vorschläge gemacht, wie das Spektrum der persönlichen Informationen, die
sich aus verschiedenen Arten von Sensordaten ableiten lassen, ebenfalls digial registriert und interaktiv
erfahrbar gemacht werden könnte.
Teil IV wirft einen kritischen Blick auf das Prinzip, dass Individuen per Einwilligung über die
Verwendung ihrer persönlichen Daten entscheiden sollen („privacy self-management“). Basierend
auf einer ganzheitlichen Untersuchung der Nachteile dieses Ansatzes wird argumentiert, dass die
Selbstverwaltung persönlicher Daten in der Praxis nicht funktioniert und somit eine erhebliche Lücke
im Datenschutzrecht darstellt.
Diese Dissertation unterstreicht die Notwendigkeit, neue Wege zu finden, um mit den exzessiven
und obskuren Formen der Überwachung in unserer heutigen Gesellschaft umzugehen. Sie trägt
zur wissenschaftlichen Literatur über mögliche Bedrohungen der Privatsphäre im Bereich der
Verbraucherelektronik bei und zeigt das Versagen der aktuellen Gesetze zum Schutz unserer Privatsphäre
auf. Die Dissertation schließt mit einer Diskussion von übergreifenden Themen. Zwar wird die
Gefährlichkeit und Komplexität der untersuchten Eingriffe in unsere Privatsphäre hervorgehoben,
doch wird eine allgemeine privacy-is-dead-Haltung entschieden zurückgewiesen. Vor dem Hintergrund
der Forschungsergebnisse werden Politikempfehlungen und Ideen für zukünftige Forschung präsentiert.


Abstract
In the face of ubiquitous surveillance and people’s loss of control over their personal data, informational
privacy is widely perceived as irretrievably “dead”. Illustrating the complexity of the problem and
contributing to the search for realistic solutions, this cumulative dissertation deals with privacy threats
posed by mobile apps, web tracking, and embedded sensors. The dissertation starts with an introductory
chapter that establishes the motivation and introduces the theoretical background, followed by four
parts:
Part I focuses on privacy threats posed by sensors embedded into consumer devices. First, three studies
provide an overview of the rich variety of personal information that can be inferred from eye-tracking
data, accelerometer data, and voice recordings. Second, a study on users’ perceptions about the
privacy impacts of voice and speech analysis is presented. Third, the feasibility and detectability of
smartphone-based eavesdropping is investigated, addressing accelerometers as a possible eavesdropping
channel. Fourth, the privacy-invading potential of video games and their associated sensor-equipped
hardware is explored.
Part II focuses on data practices of mobile apps. An undercover investigation is presented, probing
whether app vendors comply with transparency obligations prescribed by EU’s General Data Protection
Regulation. While the law grants consumers the right to access the personal data that companies hold
about them, the study reveals severe obstacles to exercising this right in practice.
Part III presents two novel approaches for the detection and exposure of hidden web tracking. First,
a browser extension is proposed that records internet browsing sessions to obtain training data for
automated web-tracking detection. Artificial data, which is commonly used for this purpose, has severe
drawbacks that can be overcome by using real-world browsing data. Second, methods are explored
to “sonify” web-tracking activity, i.e., make it audible to internet users through indicative sounds and
melodies. Furthermore, in reference to topics covered in Part I, suggestions are provided as to how the
range of personal information that can be inferred from different types of sensor data could be recorded
in a digital database in order to be presented in an interactive and updatable form.
Part IV sheds a critical light on the legal principle that people individually manage their privacy via
notice and choice (“privacy self-management”), drawing on findings from the previous parts and related
literature. Based on a holistic examination of its limitations, it is argued that privacy self-management
does not function in practice, amounting to a major loophole in privacy law.
This dissertation emphasizes the need for new ways of dealing with the excessive and obscure forms of
surveillance prevalent in modern life. It adds to the academic debate and scientific literature about
possible privacy threats emerging from consumer electronics as well as to exposing the failure of
current laws to protect our privacy. The dissertation concludes with a discussion of overarching themes.
While emphasizing the seriousness and complexity of the privacy threats under investigation, a general
privacy-is-dead attitude is firmly rejected. In light of the findings, policy recommendations and possible
avenues for future research are presented.
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